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Gerard Donovan, Winter in Maine
Gerard Donovan, Winter in Maine. Luchterhand, 2009, 208 S., 17,95 Euro
von Udo Bonn
Maine ist der nordöstlichste Bundesstaat der USA und mit 14 Einwohnern je Quadratkilometer sogar noch dünner besiedelt als etwa Finnland. Mit dem Oktober geht die Zahl der Touristen zurück, vorübergehend werden sie durch Jäger ersetzt, aber wenn der erste Schnee mit den kalten Stürmen aus Kanada kommt, wird es in Maine einsam und mit der Kälte unangenehm.
Aufgewachsen in einer Waldhütte ist Julius Winsome gewohnt, mit über dreitausend Büchern und seinem Pittbullterrier Hobbes den Winter mit dem Lesen der Bücher, die ihm sein Vater hinterlassen hat, zu verbringen.
Wieder rückt die Zeit der Muße heran, die Jobs als Gärtner und Automechaniker sind getan, die Vorbereitungen auf die Überwinterung sind erledigt. Da wird Hobbes aus nächster Nähe angeschossen, es muss jemand getan haben, der den Hund kannte und nicht in Notwehr handeln musste. Winsomes Rettungsversuche sind zwecklos, das Tier stirbt beim Tierarzt. Und von da an ist Winsomes Einsamkeit allumfassend.
In Gerard Donovans knappem Roman Winter in Maine erleben wir einen Menschen, der alles verloren hat. Seine Mutter starb bei seiner Geburt, sein Vater, der ihn mit Literatur in Berührung brachte, ging an Lungenkrebs zugrunde, und die einzige Geliebte, Claire, die ihn in der Zurückgezogenheit gefunden hatte, hat ihn verlassen.
Geblieben sind ihm seine Bücher und ein Scharfschützengewehr, das sein Großvater aus dem Ersten Weltkrieg mitgebracht hat. Ein merkwürdiges Mitbringsel, denn sowohl Großvater wie auch der Vater waren angeekelt von den Schlachten, an denen sie teilnehmen mussten. Julius Winsome aber holt die Waffe und erschießt einen Jäger, der sich dem Gelände nähert. Schnell kommen Zweifel, ob er den Richtigen erwischt hat. Aber nachdem ein Aushang, mit dem er nach Informationen über den Tod seines Hundes fragt, mit zynischem Kommentar versehen wird, wird seine Rache zur Passion. Je weiter er aus seinem bisherigen Leben heraustritt, umso mehr setzen sich seine Sätze aus Wortschöpfungen Shakespeares zusammen. Er wandelt sich zu einem archaischen Bestrafer, dessen persönliche Krise durch das Zusammentreffen mit Claire nur noch vertieft wird.
Ein großartiges Buch in einer ruhigen Sprache, die um so eindringlicher Verzweiflung über Verluste und Einsamkeit hervortreten lässt.