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Sozialismus in der DDR und international
Zu Angela Kleins Beitrag in SoZ 3/10
von Saral Sarkar
Angela Klein schreibt, «eine DDR als Insel der sozialistischen Demokratie zwischen den Fronten des Kalten Krieges» war unmöglich. Welchen Sinn hat es dann zu sagen, «der erste Versuch, auf deutschem Boden Sozialismus aufzubauen» sei gescheitert, wenn das von vornherein unmöglich war?
Eigentlich ist diese ganze Debatte sinnlos. Warum müssen Angela Klein und Arno Klönne über das Scheitern des Sozialismus «auf deutschem Boden» debattieren? Weil sie Deutsche sind? Ist das ein guter Grund für Internationalisten?
Der Sozialismus ist auch in Polen, Bulgarien, China und Vietnam gescheitert. Die DDR war kein allzu besonderer Fall – abgesehen davon, dass jeder DDR-Bürger, der in die BRD flüchten konnte, mit sofortiger Wirkung Staatsangehöriger eines reichen Landes werden konnte.
Man müsste also allgemein über das Scheitern des Sozialismus diskutieren. Das ist heute wieder sehr wichtig geworden, da ja auch der Kapitalismus scheitert und die ganze Menschheit nach einer Alternative dazu fragt. Diese Alternative muss schnell konzipiert werden, sonst werden wir das erleben, was Schumpeter schon in den 40er Jahren schrieb: «Die kapitalistische oder sonst eine Ordnung der Dinge kann offenbar zusammenbrechen – oder die wirtschaftliche und soziale Entwicklung kann über sie hinausgehen –, und doch kann es geschehen, dass kein sozialistischer Phönix der Asche entsteigt.» Dem Versuch, den Sozialismus als die Alternative zum Kapitalismus wieder zu beleben, muss allerdings eine gründliche Analyse der Gründe für das Scheitern der bisherigen Sozialismusversuche vorausgehen.
Das tut man am besten an Hand des Scheiterns des Sozialismus in der ehemaligen Sowjetunion. Der sowjetische war nicht nur der allererste Sozialismusversuch. Auch kam dort der Sozialismus nicht im Gepäck einer fremden siegreichen Armee. Im Gegenteil. Die Sowjetunion war kein leidtragendes Objekt des Kalten Krieges, sondern eine der zwei Supermächte. Zudem war sie flächenmäßig das größte Land der Welt und besaß ungeheuer große Mengen an allerlei Naturressourcen. Und dennoch reichte all das nicht. Warum?
In meinem Buch Die nachhaltige Gesellschaft. Eine kritische Analyse der Systemalternativen habe ich diese Frage ausführlich erörtert. In diesem kurzen Beitrag möchte ich nur das Fazit meiner Analyse wiedergeben. «Die Idee des Sozialismus», «der Sozialismus als eine emanzipatorische Alternative», «die Selbstaktivität der Menschen, ihre eigene Befreiung» (Angela Klein in SoZ 3/10) – all das und alle anderen Ideale des Sozialismus müssen in einem neuen Sozialismusverständnis befreit werden von dem vergeblichen Versuch, den Wohlstand zu mehren, ja sogar von dem Versuch, den jetzigen Lebensstandard des Westens aufrechtzuerhalten. Die verfügbare Menge der für unsere Zwecke brauchbaren Ressourcen der Erde und die Gleichgewichtsbedingungen der Natur erlauben uns das einfach nicht. Diese rein materielle Dimension der Problematik findet keinen Platz in Angela Kleins Analyse. Marxisten sind doch Materialisten, oder?
Wie Otto Ullrich schon 1979 schrieb, hat der Sozialismus nichts mit dem Wohlstandsniveau des Volkes zu tun. Er ist nur eine Frage der Verhältnisse der Menschen untereinander.