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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 02/2011 |

Lidl fordert 10 Euro Mindestlohn

Unerhoffte Verbündete
von Jochen Gester
Jahrelang stand der Name Lidl stellvertretend für die Expansion der Billig-Discounter. Das öffentlichkeitsscheue schwäbische Familienunternehmen Schwarz katapulierte sich in die Top-Seller-Liste der oberen 10000 durch systematische Unterdrückung von Betriebsratsgründungen und durch abschreckend entwürdige Arbeitsverhältisse. Zum Schluss kam auf, dass die Abgesandten der Firma die Mitarbeiter per Videokameras bis in die intimsten Ecken oberserviert haben.

Dazu mag die neuste Botschaft aus dem Hause Lidl gar nicht passen. Lidl hat sich in einem Brief an alle Fraktionen des Bundestags gewandt und fordert diese auf, einen allgemeinen Mindestlohn von 10 Euro einzuführen, um das Lohndumping wirksam zu unterbinden. Für gleiche Arbeit müsse gleicher Lohn bezahlt werden.

Was ist passiert? Lidl ist ein spätes Opfer des eigenen Erfolgs geworden. Denn der Siegeszug der Marke «Lidl ist billig» hat Nachahmer auf den Plan gerufen, die es noch billiger machen. So wächst die Edeka-Tochter Netto gerade durch die Einführung von Stundenlöhnen, die bei vielen Mitarbeitern deutlich unter 6 Euro liegen. Hier kam man auch auf die feine Idee, die gesetzliche Verpflichtung zur Zahlung des Lohns im Krankheitsfall durch eine kleine «Sozialzulage» als abgegolten zu erklären.

Ver.di hat mit dem Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) Verhandlungen über einen Bundestarifvertrag vereinbart, der Mindestlöhne festschreibt, die dann allgmeinverbindlich erklärt werden sollen. Da ist es eine nützliche Schützenhilfe, wenn einer der Großen der Branche plötzlich auf die 10 Euro-Forderung der außerparlamentarischen Bewegung umschwenkt und ganz nebenbei verdeutlicht, wie unangebracht bescheiden die 8,50 Euro, sind, auf die sich der DGB geeinigt hat.

Die Lidl-Initiative zeigt, dass Gewerkschaften die Konkurrenz der Unternehmen nutzen können, um dem Lohndumping Grenzen zu setzen. Auch wenn die geplante Allgemeinverbindlicheit der neuen Lohnuntergrenze daran scheitern dürfte, dass der HDE im beschließenden Tarifausschuss die erforderliche einstimmige Zustimmung für einen 10 Euro-Mindestlohn verweigert, so steigt doch der öffentliche Druck für die Durchsetzung einer Lohnuntergrenze, die armutsfest ist.


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