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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Jakob Moneta. Nachrufe.

Der sozialistische Journalist und Gewerkschafter Jakob Moneta ist tot.
Wir dokumentieren die Nachrufe.

»Solange ich atme, hoffe ich«

Helmut Dahmer blickt zurück auf ein Leben im Widerstand

Der am 3. März 2012 im Alter von 97 Jahren im Frankfurter Jüdischen Altersheim gestorbene Jakob Moneta war – wie Isaac Deutscher oder Günther Anders – ein »nichtjüdischer Jude«, ein bedeutender polyglotter Journalist und Gewerkschafter und einer der wenigen dezidierten Verfechter des Internationalismus und der Rätedemokratie. Er wurde am 11. November 1914 in der westgalizischen Kleinstadt Blasow als Sohn eines Textilfabrikanten geboren.

Nach dem ersten Weltkrieg siedelte seine Familie aus dem antisemitisch verhetzten Polen nach Köln über. Als Siebzehnjähriger schloss Jakob sich dort der Jugendorganisation der »Sozialistischen Arbeiterpartei« (SAP) an. Der bedeutende marxistische Literaturwissenschaftler Hans Mayer (Georg Büchner und seine Zeit, 1946) machte ihn in den Jahren vor 1933 mit den Schriften Trotzkis und der kommunistischen »Linken Opposition« bekannt.

Bruch mit dem Zionismus

Nach dem Sieg der Hitlerbewegung emigrierte seine Familie zuerst nach Kuba, dann in die USA, während Jakob nach Palästina ging und sechs Jahre in einem Kibbuz arbeitete. Der arabische Aufstand in den Jahren 1936-39 bewog ihn zum Bruch mit dem (linken) Zionismus.

Er war zuerst aktiv in der Histadrut-Gewerkschaft und gehörte dann zu den Gründern der einzigen überkonfessionellen jüdisch-arabischen Gewerkschaft. Die Engländer internierten ihn bei Kriegsausbruch für mehr als zwei Jahre in Akko.

Journalist und Gewerkschafter

1948 kehrte er nach Köln zurück, schloss sich der kleinen trotzkistischen Gruppe, die aus Remigranten, jungen Arbeitern und sozialistischen Studenten bestand, an und zog später nach Frankfurt. Als Journalist arbeitete er zunächst für die SPD-nahe Rheinische Zeitung.

1951-1962 war er dann Sozialattaché der westdeutschen Botschaft in Paris und unterstützte insgeheim tatkräftig die algerische Befreiungsbewegung (FLN). 1962-1978 leitete er die monatlich erscheinende gewerkschaftliche Metall-Zeitung, die unter seiner Ägide eine Auflage von 2.2 Millionen erreichte.

Aktiver Antiimperialist

Als führendes Mitglied der »Gruppe Internationale Marxisten« (GIM), dann der »Vereinigten Sozialistischen Partei« (VSP) und schließlich (nach seinem Ausschluss aus der SPD im Jahre 1990) der – aus der SED hervorgegangenen – PDS engagierte sich Moneta in allen antiimperialistischen Kampagnen der Linken, arbeitete in der Ostermarsch- wie in der Anti-Atom-Bewegung mit, organisierte Streiks und übersetzte nebenher sozialwissenschaftliche und historische Bücher. Oft unter Pseudonym schrieb er zahllose Artikel für die sozialistische Presse.

Seine bedeutendsten Veröffentlichungen sind eine umfangreiche kritische Darstellung der Kolonialpolitik der französischen KP (1968) und eine prägnante Darstellung von Aufstieg und Niedergang des Stalinismus (1971). Als Motto über seinem Leben wäre ihm wohl Ciceros »dum spiro spero« (»solange ich atme, hoffe ich«) recht gewesen, das sich schon der junge Trotzki zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu eigen gemacht hatte.

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Querdenker, Gewerkschafter, Sozialist

von Heiner Halberstadt und Hans-Gerd Öfinger

Der am 11. November 1914 in Blasowa (Galizien) geborene Spross einer jüdischen Kaufmannsfamilie wuchs in den Jahren der Weimarer Republik in Köln auf, wo sich seine Familie auf der Flucht vor einem Pogrom 1918 niederließ. Dort schloss sich der junge Gymnasiast Anfang der 30er Jahre dem Jugendverband der linkssozialistischen Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) an. Nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 wanderte Moneta nach Palästina aus und engagierte sich beim Aufbau eines Kibbuz. Sein Eintreten für einen binationalen Staat und ein gemeinsames Engagement von jüdischen und arabischen Arbeitern brachte ihm Konflikte mit zionistischen Kräften ein. Er verließ den Kibbuz und nagelte in einem Zitrussyndikat Apfelsinenkisten. »Mit anderen Kistenmachern organisierte ich einen Streik für die Einführung des Acht-Stunden-Tages und flog prompt raus«, erinnerte sich der Hochbetagte an sein erstes gewerkschaftliches Engagement. Der britischen Besatzungsmacht war der junge Rebell suspekt. Sie steckte ihn für zweieinhalb Jahre wegen des Verdachts kommunistischer Konspiration und Gründung einer jüdisch-arabischen Gewerkschaft in ein Internierungslager. Dort lernte er viele arabische Sozialisten kennen, mit denen er später eng zusammenarbeitete.

1947 zog es Moneta und seine aus Duisburg stammende erste Frau Mathilde wieder ins Rheinland. In Köln wurde er Redakteur beim SPD-Blatt »Rheinische Zeitung«, für das 100 Jahre zuvor Karl Marx gearbeitet hatte. Politische Konflikte mit dem sozialdemokratischen Mainstream beendeten das Engagement bereits Anfang der 50er Jahre. Von 1953 bis 1962 fungierte Moneta als Sozialattaché bei der bundesdeutschen Botschaft in Paris. Er trat dafür ein, dass in Sozialabkommen der EWG eine Angleichung der sozialen Standards an den jeweils höchsten Stand eines der Mitgliedsländer erfolgen sollte.

Als 1963 der damalige IG-Metall-Vorsitzende Otto Brenner einen Chefredakteur für das Gewerkschaftsorgan »metall« suchte, fiel die Wahl auf seinen alten SAP-Mitstreiter Jakob Moneta. Der neue Chefredakteur förderte sozialkritische Publikationen ebenso wie den jungen Autor Günter Wallraf, der mit seinen enthüllenden Reportagen aus der Arbeitswelt erstmals einem größeren Publikum bekannt wurde. 1976 organisierte Moneta für den DDR-Liedermacher Wolf Biermann das »Kölner Konzert«, das dem aufmüpfigen Sänger Einreiseverbot und Ausbürgerung aus der DDR einbrachte. Dass der zunehmend nach rechts gerückte Musiker später seinen einstigen Freund und Förderer als »Stasi-Agenten« bezeichnete, fand Moneta zeitlebens »empörend und infam«. Schließlich stützte sich Monetas Marxismus und Sozialismus auf die Stalinismuskritik des 1940 von einem Agenten Stalins ermordeten russischen Revolutionärs Leo Trotzki und das Ziel einer auf Arbeiterräte gestützten sozialistischen Demokratie. Die damaligen DDR-Behörden verhängten über Moneta ein Einreiseverbot bis zum Jahr 2000.

1978 gab Jakob Moneta seine Tätigkeit als »metall«-Chefredakteur auf. Nun hatte er mehr Zeit für Reisen und für die Pflege alter politischer und persönlicher Freundschaften. Ein Rückzug aus politischen und publizistischen Aktivitäten kam für den Ruheständler nie in Frage. Bei Reisen in die (Ex-) DDR warnte Moneta vor den Folgen einer Zerschlagung der Betriebe und Kombinate. »Wenn hier die Produktion und Dienstleistung unter westliche, privatwirtschaftliche Regie kommt, wird enorme Arbeitslosigkeit und sozialer Niedergang die Folge sein«, prophezeite er im Frühjahr 1990 im Gespräch mit Thüringer Arbeitern.

Wegen »Unterstützung der Bestrebungen der PDS« wurde Moneta 1990 mit einer Sechs-Zeilen-Mitteilung nach 40-jähriger Mitgliedschaft aus der SPD ausgeschlossen. Nach vielen Diskussionen trat er in die PDS ein und gehörte bis 1995 deren Bundesvorstand an. Als rüstiger 80er nahm er an vielen gewerkschaftlichen Aktivitäten teil. So begleitete er etwa 1996 die um ihre Zukunft bangenden Arbeiter des Rüdesheimer Weinbrandproduzenten Asbach nach London und fungierte bei Protestaktionen vor dem Sitz des Weltkonzerns United Destillers als Dolmetscher. »Er war einer meiner wichtigsten Ratgeber«, so der NGG-Bundesstreikbeauftragte Jürgen Hinzer.

Bis ins hohe Alter verfolgte der geistig jung gebliebene Moneta das Tagesgeschehen, schrieb Briefe, Artikel und Kommentare. Weil die körperlichen Kräfte nachließen, zog er vor wenigen Jahren in ein jüdisches Seniorenheim. Der Streiter für eine bessere Welt, Mahner gegen alte und neue Nazis, Internationalist, Antistalinist und Verfechter einer konsequenten Gewerkschaftsarbeit wurde am Montag auf dem Jüdischen Friedhof in Frankfurt beigesetzt. »Wir sind dankbar, dass uns Jakob Moneta an seiner großen Lebenserfahrung teilhaben ließ«, heißt es in einem Nachruf der hessischen LINKEN.

»Jakob Moneta hat sich mit all seiner Energie sein ganzen Leben lang für Gerechtigkeit, Freiheit und Würde eingesetzt«, sagte der IG Metall Bundesvorsitzende, Berthold Huber, gegenüber  nd. »Sein Engagement fürs Unbequeme wird auch weiterhin für viele Vorbild sein für die Hoffnung auf bessere Zeiten.« Moneta habe sich in einem Interview einmal gewünscht, so Huber weiter, dass bei seiner Grabrede der Satz fallen solle: »Er hat uns geholfen«. »Das kann die IG Metall nur unterstreichen: Du, Jakob Moneta, hast uns geholfen.«

http://www.neues-deutschland.de/ausgabe/2012-03-06

 

“Du hast uns geholfen”

Die Redaktion der metallzeitung im Namen aller Beschäftigten der IG Metall

Jakob Moneta war viele Jahre Chefredakteur der “metallzeitung”. Er war Sozialist, Widerständler und Gewerkschafter. Sein bewegtes Leben ging am vergangenen Samstag im Alter von 97 Jahren zu Ende.

Er wollte an seinem 100sten Geburtstag auf eine Welt blicken und feststellen: “Wir haben den Ausblick auf eine andere Gesellschaftsordnung.” Für seine sozialistischen Ideen ist Jakob Moneta sein Leben lang eingetreten: Als Publizist, als Diplomat, als Gewerkschafter. Und bis in sein hohes Alter hat er sich als kritischer Denker und Meinungsmacher eingemischt. Für viele Kolleginnen und Kollegen war er ein Vorbild im Kampf gegen kapitalistische Profitgier und gegen Ausbeutung von Arbeitnehmern. Mit seiner Neugier, seinem unermüdlichen Streben nach gesellschaftlichen Alternativen motivierte er viele Weggefährten. Er war beides: intellektuell und bodenständig, und immer pointiert.

Geboren wurde Moneta im galizischen Blasow (damals Österreich, heute Polen), hinein in eine jüdisch-orthodoxe Familie. Von dort ging es – auf der Flucht vor Pogromen – nach Köln. Er engagierte sich in der Jugend der Sozialistischen Arbeiterpartei. 1933 ging er nach Palästina, suchte in einem Kibbuz den Sozialismus, kam in ein englisches Internierungslager. Als er 1948 nach Köln zurückkehrte begann er als Journalist zu arbeiten. Auf Vorschlag der Gewerkschaften ging er später in die deutsche Botschaft nach Paris.

Zur IG Metall kam er 1963 als Chefredakteur der “metall”. Er wurde Chronist einer Zeit der IG Metall, in der sie wuchs und viele wichtige Meilensteine für Gerechtigkeit und Würde der Kolleginnen und Kollegen erreichte. Fünf Streiks gehörten dazu. Und neu war damals: Einwanderer traten der IG Metall bei. Es gab Sprachbarrieren. Um diese zu überwinden und ein Zusammenwirken aller für gewerkschaftliche Ziele möglich zu machen, ließ er die “metall” in mehrere Sprachen übersetzen.

Jakob Moneta hat sich mit all seiner Energie sein ganzen Leben lang für Gerechtigkeit, Freiheit und Würde eingesetzt. Sein Engagement fürs Unbequeme wird auch weiterhin für viele Vorbild sein für die Hoffnung auf bessere Zeiten. Ob er an seinem 100sten Geburtstag eine andere Welt gesehen hätte als die heutige, bleibt abzuwarten. Aber vieles, was ihm wichtig war, ist weiterhin aktuell und steht auf der Agenda der IG Metall.

Jakob Moneta hat sich in einem Interview einmal gewünscht, dass bei seiner Grabrede der Satz fallen solle: “Er hat uns geholfen”. Das kann die IG Metall nur unterstreichen: Du, Jakob Moneta, hast uns geholfen.

 

Jakob Moneta und die Arbeiterjugendbewegung

von Rudi Hohmann (Falken/SPD)

Ganz gleich, ob er sich nun Kommunist,

freier Sozialist oder Sozialdemokrat nannte,

war und ist für mich ein „Genosse“.

OSKAR MARIA GRAF

Am 3. März 2012 ist – 97-jährig – Jakob Moneta verstorben. Selten durfte ich einen Menschen kennenlernen, der mir mehr Respekt abgenötigt hat. Maxim Gorki hat einmal geschrieben: “Mir ist mein Sozialismus von Kind an auf den Rücken geprügelt worden.“ Jakob Moneta ist es wohl nicht anders gegangen.

Gerne erinnere ich mich an diverse Treffen und interessante Gespräche mit einem Mann, der trotz aller Rückschläge nie seine tiefe Überzeugung von einem besseren Leben aufgegeben hat.

Meine Begegnungen mit ihm in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts waren für ihn, den von den Nazis verfolgten Juden, Gewerkschafter und Sozialisten, schon die Rückkehr zu einer seiner Wurzeln, der Arbeiterjugendbewegung. Mit 16 Jahren war Moneta in Köln der SAJ – Sozialistischen Arbeiterjugend, der Vorläuferorganisation der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken, beigetreten, der Organisation, für die ich damals tätig sein durfte.

Als Moneta 1933 Deutschland verließ, um in Palästina in einem Kibbuz zu leben, hatte sich sein Lebensweg mehrmals mit dem Willy Brandts gekreuzt. Beide waren zunächst Mitglieder der SAJ und schlossen sich danach dem Sozialistischen Jugendverband (SJVD), der Jugendorganisation der Sozialistischen Arbeiterpartei an.

1932-33 zählte der SJVD zwischen 8000 und 10.000 Mitglieder, hauptsächlich ehemalige Mitglieder der SAJ. Herbert Frahm ging ins Exil nach Oslo und nannte sich jetzt Willy Brandt. Dort übernahm er die Zentralleitung des Verbandes. Bekannte Mitglieder des SJVD neben Willy Brandt und Jakob Moneta waren Edith Baumann, Franz Bobzien, Peter Blachstein, Fritz Lamm, Alma Kettig, Dietrich Oppenberg.

http://www.blog.de/user/rudolfhomann/

 

Politisch hellsichtig, moralisch ungebrochen

von Micha Brumlik

Dass Gerechtigkeit ein Volk erhöht, war für viele zur Zeit des Ersten Weltkrieges geborene Jüdinnen und Juden die Essenz ihres Judentums, weshalb sie sich entschlossen an der Seite der politischen Linken engagierten.

Jakob Moneta, der als Sohn eines jüdischen Fabrikanten 1914 in Galizien geboren und dort religiös erzogen wurde, musste als kleines Kind wegen eines Pogroms mit seinen Eltern nach Köln fliehen. 1933, in jenem Jahr, in dem Hitler von den bürgerlichen Parteien die Macht zugeschoben wurde, machte er im Rheinland Abitur.

kibbuz Ende 1933 floh Moneta als Aktivist in sozialistischen Verbänden – sowohl dem linkszionistischen Haschomer Hazair als auch der Sozialistischen Arbeiterpartei – aus Deutschland ins damals von Großbritannien verwaltete Palästina und wurde Mitglied eines Kibbuz.

Keine drei Jahre später, 1936, kamen ihm Zweifel an der gewaltsamen Niederschlagung des arabischen Aufstandes. Da wurde Jakob Moneta aus dem Kibbuz ausgeschlossen, und er ging auf Distanz zum Zionismus. Jahre später gab er über die arabischen »Feinde« von damals zu Protokoll: »Wir, die wir selber Opfer Hitlers sind, verüben an ihnen Unrecht. Wenn wir es ernst meinen mit unserem Internationalismus, müssen wir einen Weg suchen zu diesen arabischen Massen.«

Als Vorkämpfer für einen Achtstundentag in Palästina und für gemeinsame Aktionen von jüdischen und arabischen Arbeitern geriet er ins Visier der britischen Mandatsmacht. Mehr als zwei Jahre wurde Moneta von den Briten interniert.

Politisch hellsichtig, moralisch ungebrochen, in Handeln und Haltung konsequent, verdammte Jakob Moneta Stalin und den Stalinismus von Anfang an, weshalb er, anders als die meisten anderen linken jüdischen Emigranten nicht in die SBZ, die spätere DDR, sondern in die Bundesrepublik ging, als er zurückkehrte. Dort wurde er zunächst Redakteur der sozialdemokratischen »Rheinischen Zeitung«, 1950 Mitglied der SPD, um von 1953 bis 1962 als Sozialattaché an der Botschaft der Bundesrepublik in Paris zu wirken.

metall 1962 wieder in Köln, wurde Moneta 1963 zu einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der westdeutschen Gewerkschaftsbewegung: Als Chefredakteur des in Frankfurt am Main ansässigen Gewerkschaftsmagazins »Metall« machte er aus diesem Verbandsblatt eine meinungsstarke, politische Plattform – eine Position, die er bis 1978 innehatte. Dabei förderte er unter anderem den jungen Günter Wallraff und engagierte sich für den antikolonialen Befreiungskampf der Algerier. 40 Jahre nach seinem Eintritt in die SPD, 1990, wurde er, dessen Mitgliedschaft bei der trotzkistischen Gruppe Internationaler Marxisten rund um den belgischen Ökonom und Theoretiker Ernest Mandel seit Jahren kein Geheimnis war, wegen »Unterstützung der Bestrebungen der PDS« aus der SPD ausgeschlossen.

Moneta, der mit anderen 1976 den vom SED-Staat bedrängten Wolf Biermann in die Bundesrepublik eingeladen hatte, wurde nach seinem Ausschluss aus der SPD erst einfaches, dann – 1995 – Vorstandsmitglied der PDS, die er unter anderem deshalb schätzte, weil dort zum ersten Mal in einer linken deutschen Partei kein Fraktionsverbot herrsche. Wolf Biermann indes sollte ihm sein Engagement nicht danken und attackierte ihn als »Stasi-Agenten«.

schabbat Nach Erreichen der Altersgrenze reiste, schrieb und beriet Jakob Moneta unermüdlich, besuchte Freunde und unterstützte Streiks. Seine letzten Jahre verbrachte er im jüdischen Seniorenheim in Frankfurt am Main, wo seine Tochter, Dalia Moneta, alle Hände voll zu tun hatte, ihren Vater vor der einbeutenden Zudringlichkeit einstiger Genossen zu schützen. Ihre literarischen Erinnerungen an die mit ihrem Vater in den 1950er-Jahren in Knokke, an der belgischen Küste, verbrachten Ferien bezeugen die Leidenschaft, mit der jüdische Linke, Trotzkisten, Stalinisten, Zentristen auf Deutsch, Jiddisch oder Französisch, bei Tee und am Schabbat, in guter Seeluft über die Verbesserung der Welt stritten.

Die jüdische Mystik, die Kabbala, gibt den Menschen auf, an der Heilung der Welt, am »Tikkun Olam« mitzuwirken. Ja-

kob Moneta, der am 3. März im gesegneten Alter von 97 Jahren in Frankfurt gestorben ist, hat dafür sein Bestes gegeben.

8.3.2012

http://www.juedische-allgemeine.de/autoren/micha-brumlik

 

Brot und Rosen

von Christoph Jünke

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein und hat auch dies nicht ohne Kultur. Als der US-amerikanische Poet James Oppenheim diese Lebensweisheit im Jahre 1911 in einem seiner Gedichte in die Chiffre „Brot und Rosen“ übersetzte, wurde sie nur ein Jahr später, vor nun genau einem Jahrhundert, zur zündenden Streik-Parole, als mehr als 20.000 Textilarbeiterinnen mit Migrationshintergrund (wie man heute sagt) in Massachusetts (USA) für einen gerechten Lohn, sprich: Brot, und eine menschenwürdige Arbeits- und Lebensumgebung, sprich: Rosen, kämpften. Die Arbeiterinnen erstritten so eine 25-prozentige Lohnerhöhung, eine gerechtere Bezahlung von Überstunden und die Zusage, dass Streikende in Zukunft nicht mehr diskriminiert werden sollten. Seitdem gehört das damals entstandene Lied „Her mit dem ganzen Leben: Brot und Rosen“ zum Liedgut der internationalen Arbeiterbewegung – und wurde zu einem der Lieblingszitate von Jakob Moneta, der am 3.März, im stolzen Alter von 97 Jahren in Frankfurt am Main gestorben ist. Der 1914 im damals noch österreichisch-ungarischen Ostgalizien Geborene war eine der beeindruckendsten Gestalten der deutschen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung.

Aufgewachsen im Köln der Zwischenkriegszeit, schloss sich Moneta Anfang der dreißiger Jahre der Jugendorganisation der aus einer linksoppositionellen Strömung der SPD hervorgegangenen Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) an und engagierte sich im Arbeitersport. Ende 1933 verließ der junge Jude und Sozialist das faschistische Deutschland und ging nach Palästina, um in einem Kibbuz nicht nur zu überleben, sondern auch am Aufbau einer neuen solidarischen Welt Anteil zu nehmen. Hier lernte er eine praktisch gelebte sozialistische Kollektivität, die ihn zeitlebens prägen sollte, die ihn aber auch politisch ernüchtern ließ, als er aus dem Kibbuz ausgeschlossen und mit 27 Monaten Internierung bestraft wurde, weil er 1939 gegen den politischen Zionismus auftrat und gewerkschaftliche Streiks organisierte und dabei wie selbstverständlich auch mit nichtjüdischen Arabern zusammenarbeitete. 1948 gelang ihm über Frankreich und Belgien die Rückkehr nach Westdeutschland – der deutsche Osten bot ihm, dem trotzkistisch beeinflussten Antistalinisten, keine wirkliche Perspektive. Zurück in Köln wurde er Redakteur der von Willi Eichler und Heinz Kühn geführten sozialdemokratischen Rheinischen Zeitung und Mitglied der neuen Sozialdemokratie. Er stärkte dort den linkssozialistischen Flügel und ging, als er verstand, dass dieser zu Beginn der 1950er Jahre in die hoffnungslose Defensive geraten war, im Jahre 1953 als Sozialreferent an die bundesdeutsche Botschaft nach Paris. Im Geiste und hinter vorgehaltener Hand blieb er jedoch ein Trotzkist und heimatloser Linker jenseits von kommunistischem Bürokratismus und sozialdemokratischem Reformismus und erzählte später immer gerne, wie er die Immunität des Botschaftsangehörigen dazu benutzte, den französischen und nichtfranzösischen (auch deutschen) Aktivisten der algerischen Befreiungsbewegung zu helfen.

Er hielt zwar den Kontakt in die Heimat, doch das Westdeutschland, in das er 1962 zurückkehren sollte, hatte sich während der vergangenen fast zehn Jahre nachhaltig verändert. Große Teile seiner Generation heimatloser Linker hatten sich nach langen und intensiven Kämpfen gegen die Godesbergisierung der SPD enttäuscht und zermürbt geduckt oder gar zurückgezogen. Und die neue, an den Universitäten heranwachsende linke Generation wollte von der ersten Generation einer Neuen Linken nicht mehr viel wissen – was zu tiefgreifenden gegenseitigen Vorbehalten führte und, anders als in Ländern wie Frankreich und Großbritannien, eine fruchtbare und für die Zeit nach 68 folgenreiche Zusammenarbeit zwischen alter und neuer „Neuer Linker“ verhindern sollte. Nur ganz wenige derjenigen, die in den fünfziger Jahren politisch führend aktiv waren, sehen wir nach 68 auf der politischen Bühne wieder. Einer dieser wenigen war Jakob Moneta, den der IG Metall-Vorsitzende Otto Brenner 1962 zum Chefredakteur der beiden einflussreichen IG-Metall-Zeitungen Metall und Der Gewerkschafter machte, und damit auch zum IG Metall-Vorstandsmitglied. Mit seinem tatkräftigen Optimismus und seiner bemerkenswerten Fähigkeit, junge Talente (in Theorie wie Praxis) zu erkennen und zu fördern, gelang Moneta der Brückenschlag zwischen den Generationen und ging als einer der wenigen Exponenten des linken Gewerkschaftsflügels in die Geschichtsbücher der sechziger und vor allem siebziger Jahre ein. Später gefragt, was er denn als neuer Metall-Chefredakteur geändert hätte, antwortete er bestechend schlicht: „Ich habe keine Leserbriefe mehr weggeworfen, wenn sie einem nicht passten, sondern habe sie veröffentlicht. Dann habe ich einen ganz konsequenten antimilitaristischen Standpunkt vertreten. Als der Vietnamkrieg kam, haben die amerikanischen Gewerkschaften interveniert, weil wir gegen den Vietnamkrieg waren.“ Und als die Studenten aufbegehrten und ihr „Wir wollen alles – und zwar sofort“ auf der Straße skandierten, wusste er zwar, dass dieses „sofort“ eine Illusion war, aber immerhin eine heroische Illusion, denn dass hier jemand endlich wieder einmal alles begehrt, das gefiel ihm sehr. Entsprechend kritisierte er seine reformistischen Kolleginnen und Kollegen nicht dafür, dass sie sich als Reformisten verstanden, sondern dafür, dass sie nicht reformistisch genug waren, dass sie nicht das politische Bündnis mit den Radikalen suchten, um ihrem Reformismus den nötigen Nachdruck zu verleihen.

Ob als Journalist und Publizist oder als Gewerkschafter und Intellektueller, ob als Herausgeber und Übersetzer oder als Mitglied der SPD und, unter der Hand, der Gruppe Internationaler Marxisten (GIM), ob als späteres Mitglied der Vereinigten Sozialistischen Partei (VSP) oder der nun gesamtdeutschen Partei des demokratischen Sozialismus (PDS) – Jakob Moneta hat immer Position bezogen, sich eingemischt und Bewusstsein angestoßen, sei es im direkten Gespräch oder in den Gremiensitzungen, sei es auf Tagungen und bei Vorträgen oder mit seinen zahllosen publizistischen Texten und Kolumnen. Und auf angenehme Weise belehrend mischte er bei diesen zumeist kurzen Interventionen aktuelle Fragen mit grundsätzlichen, Alltagsbegebenheiten mit politischen Großwetteranalysen, Deutsches mit Internationalem, politische Argumente mit sozialgeschichtlicher Aufklärung.

Er hatte was zu sagen. Er hat gerne angestoßen und gefördert, konnte aber auch zuhören und das Gehörte und Erlebte verarbeiten. Sektierertum, die selbstgewählte Abschottung gegen andere, war ihm fremd, obwohl er sich seines gesellschaftlich marginalisierten Standpunktes immer bewusst blieb. Ihm war klar, dass er nicht in Zeiten des Barrikadensturmes lebte. Doch ein Grund, deswegen nicht mehr alles zu wollen, war auch dies für ihn nicht. Er vertraute darauf, dass „die Leute“ bald schon verstehen würden, dass es nicht reicht, nur die eigenen Lohnerhöhungen erkämpfen und nur die eigenen Arbeitsplätze verteidigen zu wollen. Und sei diese Erkenntnis endlich wieder gereift, würden auch die Bedürfnisse der Menschen wieder zum entscheidenden Kriterium des Wohlbehagens und Fortschritts und nicht mehr die Gesetze von Profit und Konkurrenz.

Bis dahin konnte er aus einem reichhaltigen und turbulenten Leben zehren, aus seinen Kämpfen gegen den aufkommenden Nazi-Faschismus und den politischen und gewerkschaftlichen Kämpfen im Palästina der dreißiger Jahre, aus seinen praktischen wie intellektuellen Kämpfen gegen die stalinistisch entartete kommunistische Bewegung und gegen den westdeutschen Adenauer-Staat. Er schöpfte dabei aus seinem Internationalismus ebenso wie aus seinen jüdischen Wurzeln und seinen sozialistischen Überzeugungen.

Sein unaufdringlicher sozialistischer Humanismus war gleichermaßen Zielvorstellung wie auch persönlich gelebtes Ethos. Jakob Moneta nahm die radikal-demokratischen Versprechen der frühbürgerlichen Aufklärungstradition ebenso ernst wie die Emanzipationsversprechen des alten Arbeiterbewegungsmarxismus. Niemals hat er sich darauf verlassen, dass wo Demokratie drauf steht auch Demokratie drin ist, oder, dass wo Sozialismus drauf steht auch Sozialismus drin ist, denn beide gehörten ihm untrennbar zusammen. Ein konsequenter Demokrat müsse eben auch Sozialist sein, wurde er nicht müde zu betonen. Und kein Sozialist verdiene Glaubwürdigkeit, der nicht verstanden hat, dass demokratische Freiheiten eine Errungenschaft sind, die man für keine noch so schön gemeinte Erziehungsdiktatur auch nur vorübergehend suspendieren kann. Sich von dieser radikal-demokratischen Aufgabe nicht bürgerlich vereinnahmen zu lassen, das hat er verstanden – nicht zuletzt, weil er nicht vergessen hat, dass demokratische Fortschritte in den letzten beiden Jahrhunderten nur gegen jene bürgerliche Klasse durchzusetzen waren, die doch gleichzeitig als deren vermeintlich natürlicher Exponent betrachtet wird. Seine Parteinahme für die Ohnmächtigen dieser Welt war deswegen das geduldige Bohren dicker Bretter, und die Ausdauer und der optimistische Elan, mit der der linke Aufklärer diese Arbeit verrichtete, sind bewundernswert. Die meisten seiner linken Zeitgenossen haben diese Standhaftigkeit im Zeitalter des Skeptizismus nicht aufzubringen vermocht.

Für Jakob blieb es nicht nur eine echte Sünde wider den Menschen, wenn man diesem kein Brot gibt, sondern auch, wenn man ihm nur Brot gibt und dann sich selbst überlässt. „Verbrecher werden nicht geboren, sie werden gemacht“, schrieb er vor nun sechzig Jahren in direkter Auseinandersetzung mit den neoliberalen Vordenkern Wilhelm Röpke und Walter Eucken: „Alkoholiker sind leere oder ausgebrannte Menschen, aber warum war niemand und nichts da, um diese Leere auszufüllen, und warum wurde der Brand nicht rechtzeitig gelöscht? Zu warten, bis der Mensch sich schuldig macht, um hinterher über ihn zu Gericht sitzen zu können, heißt, sich mitschuldig machen. Es nutzt nichts, die Symptome zu bekämpfen.“ Der Liberalismus sei nicht nur unfähig, solche Probleme zu lösen, er mache sie auch noch schlimmer, wo er sich dem Credo des individuellen carpe diemverschreibe, dem Imperativ, den Tag zu nutzen, den Tag zu genießen. Für Moneta war dagegen dieses carpe diemdie „gespenstisch anmutende Aufforderung, Freudentänze auf den Grabhügeln menschlicher Skelette aufzuführen, die uns die jüngste Geschichte als Erbe hinterlassen hat“. Es könne deswegen nicht darum gehen, den Tag einfach nur zu genießen. Es müsse vielmehr darum gehen, den Tag zu nutzen, um die Zukunft vorzubereiten, den Tag zu nutzen, um die menschliche Persönlichkeit in ihrer ganzen Vielfältigkeit als Gattungswesen zu entfalten: „darin liegt unser Glück“.

Jakob Moneta hat auf bemerkenswerte Weise, ebenso selbstbewusst wie selbstlos, seine Tage genutzt, um diese nicht nur ihm eigene Vision der Zukunft vorzubereiten. Er wollte das ganze Leben, er wollte Brot und Rosen – nicht für sich allein, sondern für alle.

Eine kleine Handreichung als Postskriptum:

Was bleibt? Es bleibt die Erinnerung an den aufrechten Gang eines linken Sozialisten und Gewerkschafter. Und es bleiben seine Bücher, Texte und Kolumnen. Einen Eindruck vom ersten bietet das Film-Interview von Juri Hälker:

Jakob Moneta: Jude – Gewerkschafter – Sozialist, 84 min, Hamburg: VSA-Verlag 2006, das sich auch online findet unter http://de.labournet.tv/video/5994/jakob-moneta-jude-gewerkschafter-sozialist.

Monetas Bücher, Texte und Kolumnen sind allerdings entweder vergriffen oder in Bibliotheken und Archiven verstreut (ein kleiner Überblick findet sich unter http://www.trotskyana.net/Trotskyists/Bio-Bibliographies/bio-bibl_moneta.pdf).

Besonders zu nennen wäre hier sein Band Mehr Macht für die Ohnmächtigen. Reden und Aufsätze, Frankfurt/M.: ISP-Verlag 1991, 154 Seiten, sowie

Jürgen Hinzer/Helmut Schauer/Franz Segbers (Hrsg.): Perspektiven der Linken. Ein kämpferisches Leben im Zeitalter der Extreme, Hamburg: VSA-Verlag 2000, 132 Seiten.

Noch zu beziehen ist dagegen eine kleine Sammlung von Kolumnen aus den 1980er, 1990 und 2000er Jahren, die auch biografische Würdigungen enthält, u.a. von Ernest Mandel und Winfried Wolf, Gregor Gysi und Lothar Bisky, Gerhard Zwerenz und Georg Fülberth.

Die Broschüre Jakob Moneta: Solidarität im Zeitalter des Skeptizismus. Kommentare aus drei Jahrzehnten, Köln: SoZ-Verlag 2004, 76 Seiten, ist für drei Euro zu beziehen über: SoZ-Verlag, Regentenstr.57-59, 51063 Köln, redaktion@soz-verlag.de.

http://www.rosalux.de/news/38224/brot-und-rosen.html

Jakob Moneta 1914-2012

« Menschen müssen träumen können »

von Klaus Engert

Er war kein großer Mann, aber er war beeindruckend. Seine Fähigkeit, zu reden, komplizierte Sachverhalte in einer Weise zu erklären, dass sie jeder verstehen konnte und seine sozialen Kompetenzen beeindruckten mich, als ich in Mitte der Siebziger erstmals traf. Und als ich danach von seiner Geschichte erfuhr, war ich noch mehr beeindruckt. Jakob hatte ein Leben gelebt, das einen großen Teil dessen umfasste, was Juden, Kommunisten, jüdische Kommunisten und insbesondere linke jüdische Kommunisten während des letzten Jahrhunderts ertragen und (über)leben mussten. Aber er hatte einen Traum, und er zitierte Lenins obigen Satz über das Träumen in einem biographischen Essay von 1978.

Jakob wurde in Blazowa geboren, zu dieser Zeit noch Teil der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie und im östlichen Galizien gelegen. Als 1918 der polnische Staat gegründet wurde, brach eine ganze Welle von Pogromen aus. Sein Vater, ursprünglich aus Deutschland, klagte danach die Rädelsführer öffentlich an und musste deshalb das Land schließlich verlassen. Die Familie zog zurück nach Deutschland und ließ sich in Köln nieder. Aber auch dort erlebte Jakob als Mitglied der jüdischen Gemeinde antisemitische Anfeindungen. So war es nur logisch, dass sein politisches Leben in einer zionistisch-sozialistischen Jugendorganisation seinen Anfang nahm. 1931 trat er dann mit anderen Mitgliedern seiner Gruppe der SJV, der Jugendorganisation der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP), bei. Letztere war eine linke Abspaltung der SPD, in der damals übrigens auch der spätere Bundeskanzler Willy Brandt Mitglied war. Während dieser Zeit kam Jakob erstmals mit trotzkistischem Gedankengut in Kontakt. Sein Vater übrigens sah Jakobs Linksentwicklung gar nicht gerne – er wies ihn einmal aus dem Haus.

Der Sieg der Faschisten 1933 trieb die Familie erneut in die Emigration. Während seine Eltern erst nach Kuba und dann in die USA auswanderten, beschloss Jakob, seinen Traum zu leben und ging nach Palästina, um in einem Kibbuz zu arbeiten. Er arbeitete zunächst in der Produktion von Orangenkisten. Aber er war kein Zionist wie der damalige Vorgänger von Menachem Begin als Führer der Terrororganisation « Irgun », David Razill : Er kämpfte für ein binationales sozialistisches Palästina.

Und so kam es, dass Jakob und einige andere den Kibbuz schließlich nicht freiwillig verließen : Sie wurden 1938 von der zionistischen Mehrheit ausgeschlossen, als sie eine Kampagne für den Achtstundentag begonnen hatten. Er ging nach Haifa, wo er die einzige gemischt arabisch-jüdische Gewerkschaft gründete. Kurz danach wurde er von der britischen Administration verhaftet und zu « mindestens einem Jahr » verurteilt – am Ende wurden es dann mehr als zwei Jahre Gefängnis. In seinen Erinnerungen erwähnt er, dass einmal ein Mann namens Moshe Dajan ins Gefängnis kam – der wurde allerdings relativ rasch wieder freigelassen…

Im Gefängnis begann sein Leben als Journalist. Er organisierte mit anderen zusammen eine Art Gefängnisuniversität, lernte Sprachen (am Ende beherrschte er zehn) und organisierte einen Hungerstreik. Nach seiner Freilassung arbeitete er mit der arabischen Linken zusammen. Aber nach Kriegsende wurde er mehr und mehr von der Politik der Zionisten desillusioniert. Er schrieb einmal : « Hier wurden Juden zu Pogromisten. »

So verließ er 1948 Palästina, ging zurück nach Europa und lebte zunächst, ohne gültigen Pass, als illegaler Migrant in Frankreich und Belgien. Ende 1948 kam er dann nach Deutschland zurück und trat im gleichen Jahr in die IKD (Internationale Kommunisten Deutschlands), die deutsche Sektion der Vierten Internationale, ein, der er bis zu seinem Tode angehörte. Als Autodidakt arbeitete er als Journalist für eine sozialdemokratische Tageszeitung. Er wurde dann gefeuert (vom späteren sozialdemokratischen Ministerpräsidenten von NRW, Kühn), u.a. weil er wiederholt Artikel eines gewissen Ernest Mandel veröffentlichte….

Als die Vierte Internationale die sogenannte Entrismustaktik beschloss, trat er der SPD bei. 1953 bekam er eine Stelle als Sozialattaché an der deutschen Botschaft in Paris und arbeitete dort bis 1962. Während dieser Zeit war er für die Internationale in der verdeckten Unterstützung für den Befreiungskampf in Algerien tätig.

1962 holten ihn seine alten Freunde aus der SAP, die in der Zwischenzeit in die SPD eingetreten waren und hochrangige Posten in der Gewerkschaft bekleideten, zurück nach Deutschland und übertrugen ihm die Chefredaktion der Mitgliederzeitschrift der IG Metall, der « metall », und des Funktionärsorgans « Der Gewerkschafter ». Unter seiner Ägide veröffentlichte Günter Wallraff in der « metall » seine ersten Artikel über die Arbeitsbedingungen in deutschen Fabriken, und in den siebziger Jahren organisierte Jakob Moneta das berühmte Konzert mit dem ostdeutschen Sänger Wolf Biermann, das zu dessen Ausbürgerung aus der DDR führte. Er leitete die « metall » bis zu seiner Berentung 1978, sie wuchs unter seiner Leitung von 1,8 auf 2,2 Millionen Auflage.

Gleichzeitig arbeitete er, immer noch Mitglied der SPD, verdeckt für die deutsche Sektion der Internationale, erst innerhalb der SPD, dann, als die Sektion 1968 aus letzterer austrat und die GIM (Gruppe Internationale Marxisten) gründete, für ihre Zeitung « Was tun ». Bis zu seiner Rente schrieb er dort unter dem Pseudonym « Anna Armand », später unter seinem Klarnamen, und er setzte das auch nach der Fusion der GIM mit der postmaoistischen KPD zur Vereinigten Sozialistischen Partei (VSP) in deren Zeitung SoZ fort, wo er eine ständige Kolumne hatte, noch, als er über neunzig Jahre alt war.

Und während all dieser Jahre war er nicht nur in der Gewerkschaftsarbeit engagiert, sondern auch in allen möglichen politischen Bewegungen, wie in der gegen den Vietnamkrieg, gegen die Atomkraft, gegen die Berufsverbote und nicht zu letzt gegen den Stalinismus. Bereits 1953 hatte er ein Buch über Aufstieg und Niedergang des Stalinismus veröffentlicht. Nach dem denkwürdigen Biermann-Konzert erließ die DDR-Regierung ein bis zum Jahr 2000 gültiges Einreiseverbot gegen ihn……

Nach dem Fall der mauer wurde er nach 40jähriger Mitgliedschaft aus der SPD ausgeschlossen und trat, wie viele der Genossen der deutschen Sektion der Internationale, in die PDS, den Rechtsnachfolger der früheren SED, ein. Bis zu seinem achtzigsten Lebensjahr war er Mitglied ihres Parteivorstandes.

Bis an sein Lebensende blieb Jakob untrennbar mit der Arbeiterbewegung und der Vierten Internationale verbunden. Und seine sehr persönlichen Gründe dafür, die tief in seinen Erfahrungen als jüdischer Kommunist wurzeln, beschreibt er in dem biographischen Essay von 1978 so :

« Wer nicht in den Konzentrationslagern ermordet wurde, wer nicht in den Gaskammern getötet wurde, wer nicht in den imperialistischen Kriegen gefallen ist, der hat kein Recht, den Kampf für den Sozialismus aufzugeben. »

 


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