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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 01/2013 |

Omar Barghouti: Boykott – Desinvestment – Sanktionen

Die weltweite Kampagne gegen Israels Apartheid und die völkerrechtswidrige Besatzung Palästinas
Karlsruhe: Neuer ISP Verlag, 2012. 232 S., 19,80 Euro.
von Martin Forberg

Dieses Buch führt in eine palästinensische zivilgesellschaftliche Kampagne ein, die seit 2005 international von sich reden macht. Seit den Diskussionen um die US-amerikanische Philosophin Judith Butler, der diesjährigen Trägerin des Theodor-W.-Adorno-Preises, ist die BDS-Kampagne auch in Deutschland ein Begriff, denn Judith Butler unterstützt die Kampagne.
Im Dezember 2012 fand im Berliner Theater Ballhaus in der Naunynstraße ein mit 200 Personen außerordentlich gut besuchtes erstes öffentliches Podiumsgespräch zum Thema BDS statt. Zuvor hatten BDS-Gruppen in verschiedenen deutschen Städten Aktionen durchgeführt. Auch der Veranstaltung im Ballhaus war ein Protest vorangegangen – gegen die Beteiligung des israelischen Habima-Nationaltheaters an einem Festival, das zudem von der israelischen Botschaft unterstützt wurde. Habima-Schauspieler werden von ihrem Management dazu verpflichtet, auch in den völkerrechtswidrigen, illegalen israelischen Siedlungen zu spielen. Kultur zur Imagepflege einer israelischen Politik, die sich gegen die Menschenrechte richtet, steht im Zentrum des Kulturboykotts, eines Teils der BDS-Kampagne.
Dabei geht es nicht um einen Boykott von Israelis. Institutionen, nicht Individuen stehen im Mittelpunkt. Der in Ramallah lebende Choreograf Omar Barghouti ist einer der Inspiratoren der BDS-Kampagne und Gründer der Palästinensischen Kampagne für den Akademischen und Kulturellen Boykott Israels (PACBI). Er zeigt, dass es bei BDS nicht nur um Siedlungsprodukte geht, und warum das so ist. Barghouti stellt die Grundgedanken von BDS dar und beschreibt die Kampagne als gewaltlos und moralisch konsistent. Die südafrikanische Antiapartheidbewegung und die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung sind die Hauptinspiratoren.
Inspirierend sind auch Barghoutis Ausführungen, die einen differenzierten Blick auf eine soziale Bewegung gestatten, an die man sich in Deutschland – sicher auch aus historischen Gründen – erst einmal herantasten muss. BDS ist eine antirassistische Kampagne, die sich selbstverständlich auch gegen Antisemitismus richtet: Das ist sicher nicht die unwichtigste Lehre aus dem Buch.

Über BDS in Deutschland informiert die Internetseite bds-kampagne.de.


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