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Die «Kriege gegen den Terror»

Teurer als der Zweite Weltkrieg

Die Kriege, die die NATO seit Anfang der 90er Jahre geführt hat, endeten allesamt mit Zuständen größerer Instabilität und Verarmung, mit enormen wirtschaftliche Rückschlägen für die direkt betroffenen Staaten, mit großen Menschenopfern und mit enormen finanziellen Kosten – auch für die NATO-Staaten selbst.

Im folgenden einige Zahlen, die das Handelsblatt in seiner Wochenendausgabe vom 7.September zusammengetragen hat. Sie sind keineswegs erschöpfend, da sie nicht alle an den Kriegen Beteiligten umfassen – am wenigsten die Staaten, auf deren Boden die Kriege ausgefochten wurden.

Der erste Irakkrieg (auch Zweiter Golfkrieg genannt, 17.Januar–28.Februar 1991) zielte darauf ab, das von Saddam Hussein besetzte Kuwait wieder unter westliche Kontrolle zu bringen. Der irakische Staatschef sollte davon abgehalten werden, sich als nächstes Saudi-Arabien unter den Nagel zu reißen. Bush senior konnte eine «Koalition von Willigen» von seinem Vorhaben überzeugen und wälzte die Kosten auf sie ab: vor allem auf Saudi-Arabien und auf Kuwait.

Gesamtkosten: 61 Mrd. Dollar (davon USA: 10 Mrd. Dollar; Deutschland: etwa 10 Mrd. Dollar).

Die Balkankriege waren die Folge vor allem der deutschen Jugoslawienpolitik: Sie beschleunigte den Zerfall des jugoslawischen Staates durch die vorzeitige Anerkennung Sloweniens und Kroatiens als selbständige Staaten, womit diese für den EU-Markt geöffnet und die Machtbasis Serbiens eingeschränkt werden sollten. Eine Stabilisierung und Befriedung wurde nicht erreicht; der Balkan ist ein Armenhaus und Krisenherd geblieben.

Kosten nur des Kosovokriegs (1998/99): Gesamtkosten bis heute: 31,7 Mrd. Dollar (Schätzung der BBC, ohne volkswirtschaftliche Folgekosten) (davon die USA 3 Mrd. Dollar; die übrigen NATO-Staaten 1 Mrd. Dollar). Der bis heute nicht beendete Kfor-Einsatz kostet jährlich 2 Mrd. Dollar.

Der zweite Irakkrieg (20.März–1.Mai 2003) sollte Saddam Hussein stürzen und die Region im Sinne der US-Interessen neu ordnen. Behauptet wurde, Saddam habe den Terroranschlag vom 11.September unterstützt und plane einen Angriff auf die USA mit Massenvernichtungswaffen. Der Regime change stürzte den Irak in einen anhaltenden ethnisch-religiösen Bürgerkrieg, der die USA zwang, ihre Truppen weitere achteinhalb Jahre mit Truppen im Land zu halten. Der zweite Irakkrieg hat die innenpolitische Lage sowie die Region nachhaltig destabilisiert. Die Ölproduktion stagniert, die Infrastruktur verfällt. Weiterhin regiert die Gewalt im Irak, fallen ihr Tausende von Zivilisten zum Opfer.

Menschenopfer: US-Soldaten: 17847 getötet (von August 1990 bis März 2007, Angaben des Veteranenverbands der US-Streitkräfte), 32200 bis 2011 verwundet. Irakische Soldaten: vermutlich ein Vielfaches, es gibt darüber kaum Angaben. Zivilbevölkerung: Die Zahl der Todesopfer schwankt stark, im unteren Bereich ist von 151000 (bis Anfang 2008), im oberen von 654965 Toten die Rede.

Kosten: USA: 823 Mrd. Dollar (ohne Veteranenversorgung und ohne Zinsen für die Kriegskredite). Deutschland: 400 Mio. Euro für den «Wiederaufbau» plus 4,8 Mrd. Euro Verzicht auf Schulden. Die Gesamtkosten könnten sich am Ende auf 3,9 Billionen Dollar belaufen (Berechnungen der Brown University).

Im Afghanistankrieg (seit Oktober 2001) griff die NATO in einen Bürgerkrieg zwischen der prowestlichen Vereinten Front und den Taliban ein und stürzte die Talibanregierung. Keines der längerfristigen Kriegsziele wurde erreicht: weder eine anhaltende Niederlage der Taliban, noch eine Befreiung der Frauen, noch der Aufbau einer stabilen und halbwegs demokratischen Regierungsalternative.

Menschenopfer: Getötet: 3371 Soldaten der Koalitionstruppen – davon 2270 US-Soldaten; 54 Soldaten der Bundeswehr; Verwundet: über 17000 US-Soldaten

Kosten: USA: 600 Mrd. Dollar (nur für Militäroperationen) plus geschätzte 1000 Mrd. Dollar für die Betreuung der Veteranen. Afghanistan: 5–8 Mrd. Dollar an direkter und indirekter Unterstützung für die afghanischen Sicherheitskräfte. Deutschland: 36 Mrd. Euro (Schätzung des DIW aus 2010) – dreimal mehr als zu Beginn veranschlagt. Die Kosten des Afghanistankriegs sind längst nicht beendet; auch nach dem Abzug der Kampftruppen Ende 2014 verbleiben noch mehrere tausend US-Soldaten und mehrere hundert Bundeswehrsoldaten im Land.

Zehn Jahre «Krieg gegen den Terror» (2001–2011) haben die USA 3,8 Billionen Dollar gekostet – fast soviel wie der Zweite Weltkrieg (etwa 4,4 Billionen Dollar) (Schätzungen des Handelsblatts).


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