Schließen

Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden


Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 06/2017 |

POLNISCHE PRESSESCHAU 117 vom 19. Juli 2017

Freier Gewerkschaftsverband „Walka“- (Kampf) gebildet

Am Samstag dem 10. Juni fand in Wroclaw der Gründungskongress dieser neuen Gewerkschaft statt. Sie berufen sich historisch auf den Kampf der Arbeiter von Chikago 1886 um den 8-Stunden- Tag, den Kampf der Mitglieder der Polnischen Sozialistischen Partei vor dem 1. Weltkrieg um ein freies, gerechtes und demokratisches Polen und so wie ihre Eltern 1980 wollen auch sie für die Bildung von unabhängigen und freien Gewerkschaften kämpfen. Unabhängig und frei wollen sie von Arbeitgebern, Parteien und Staat um ihre Rechte kämpfen.
Mitglied in dieser Gewerkschaft können alle Abhängigbeschäftigten egal welcher Rechtsform werden, aber auch Arbeitslose, Rentner und andere, die zeitweise nicht im Arbeitsleben stehen. Im Blick haben sie auch die Million ukrainischer Beschäftigter, die oft unter besonders schwierigen Bedingungen arbeiten. Ein Schwerpunkt werden auch die „Sonderwirtschaftszonen“, die Beschäftigten in kleinen Unternehmen und die Scheinselbstständigen sein.
Die Mitglieder kommen aus der linken Gewerkschaftsszene, die nicht nur die Politik der großen Gewerkschaftsverbände wegen ihrer Einbindung in die Regierungspolitik kritisieren, sondern auch mit dem Engagement ihrer bisherigen Gewerkschaften (August 80, Arbeiter Initiative u. a.) zunehmend unzufrieden wurden.
Es wird sich zeigen in wie weit es dieser Gewerkschaft gelingt die weißen Flecke in der Arbeiterbewegung zu besetzen und weiteren enttäuschten Gewerkschaftern eine Perspektive zu geben.
Aus Deutschland waren zu dem Gründungskongress u. a. auch Gotthard Krupp als Mitglied der „Koordination der Internationalen Verbindungen der Arbeitnehmer und Völker (IAV)“ eingeladen. In seiner Rede betonte Gotthard u. a. die Wichtigkeit der Unabhängigkeit von Gewerkschaften, die jeden Tag neu errungen werden muss. Dazu zeigte er einige Beispiele aus Deutschland auf, wo die Gewerkschaften sich in Unterwerfung unter die Schuldenbremse Maßnahmen der sozial zerstörerischen AGENDA -Politik „sozial-verträglich“ begleiten Rechte der Arbeitnehmer aushebeln.
Weitere Infos siehe auch: http://sozialepolitikunddemokratie.de/ und www.iavinfo.de

Junge Ärzte verlassen das Land POLITYKA, 31. 05. 2017

Es wird geschätzt, dass 10% der Ärzte das Land verlassen haben. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass dieser Prozess zunimmt. Allein im letzten Jahr haben 25% der Ärzte sich ihre Qualifikationen bescheinigen lassen. Sie wollen in diesem kranken System nicht arbeiten und fühlen sich nach 6 Jahren Studium als Sklaven. Junge Ärzte ohne Spezialisierung erwarten einen zweifachen Durchschnittsverdienst – 8.000 und ein Facharzt 12.000 Zloty (ca. 2.000/3.000 Euro). 30% der erbrachen Leistungen werden von Fachärzten im Rentenalter abgerechnet – das Durchschnittsalter der Fachärzte liegt bei 55 Jahren. Die Ärzte altern schneller als die Patienten, weil kein Nachwuchs kommt. Eine Familie hatte sich beschwert, weil ein 88 jähriger Notarzt, der zu ihrem kranken Kind kam, schlecht sehen und hören konnte und auch physisch einen sehr schwach Eindruck machte. Aber dies Problem erledigt sich von selbst – in Zukunft sollen nur noch Rettungssanitäter Noteinsätze fahren. Jetzt streiken die Rettungssanitäter und erwarten eine Erhöhung von 1.600 Z?oty, wie sie die Krankenschwestern erhalten.
Nach Angaben der OECD hat Polen im Vergleich zur Einwohnerzahl die geringste Arztdichte. Die Regierung scheint der Ansicht von Thatcher zu folgen, dass eine größere Zahl an Ärzten mehr Patienten produziert. Hat suchen sie dringend nach Ärzten, auch polnische Ärzte gehen nach England, aber Polen wird nicht in der Lage sein das anzubieten womit England locken kann. Manche Ärzte haben auch den Mangel ausgenutzt und für sich hohe Gehälter heraus geholt, haben sich in eine Privatpraxis eingekauft – im Augenblick ist die Möglichkeit des Zuverdienstes grenzenlos. Oft hat der Arzt drei Anstellungen und sie selbst und ihre Chefs wissen, wie sie die Kontrollen umgehen können. Erst kommt er in die Klinik, in der er einen Arbeitsvertrag hat, dann bleibt er dort als Firma und macht Dienste und geht dazwischen noch irgendwo eine Privatsprechstunde abzuhalten. Immer öfter passieren dadurch Fehler und oft werden Ärzte ohne Fachwissen eingesetzt

Drei Linke mit der PO als Alternative zur PiS? POLITYKA, 17. 05. 2017

Um ein Wechsel möglich zu machen würde die parlamentarische Opposition Unterstützung brauchen. Aber sind die drei linken Gruppierungen – (Partei Razem – Gemeinsam, Initiative Polen und die SLD- Verbund der Demokratischen Linken – in der Lage und Gewillt? Die linken Parteien, Gruppierungen und Vereine haben keine Idee ob und wie sie zusammen kommen könnten. Nur so hätten sie eine politische Bedeutung. Aber das Problem gab es auch schon bei den vorhergehenden Linken. Die sind nun im schwarzen Loch namens „Deine (Palikot) Bewegung“ verschwunden. Auch jetzt sorgen gegenseitige Animositäten, einstige Beleidigungen und eine Abneigung einer vereinigten Linken nicht für ein Zusammengehen. Um die PiS zu stürzen reichen die Stimmen der Bürger Plattform nicht, auch wenn sie jetzt aufholt. Nun wird darüber spekuliert, ob es möglich ist die Linke zu vereinen, um was – die Bürger Plattform an die Regierung zu bringen!? Es stehen jetzt Kommunalwahlen an. Es wird mit der Möglichkeit gerechnet, dass die Regierung im Juli kurz vor den Parlamentsferien noch die Wahlgesetze zu ihren Gunsten ändert. Deswegen halten sich Politiker der parlamentarischen und außerparlamentarischen Opposition mit Koalitionsaussagen zurück. Offensichtlich wird erst nach den Kommunalwahlen 2018 ernstzunehmende Blocks gebildet. Zumal auf kommunaler Ebene die Möglichkeiten der Zusammenarbeit ganz andere sind – dort ist es viel leichter sich zu verständigen.
Bei der Bürger Plattform öffnen sie sich für linke Parteien und Gruppierungen auch schon bezüglich der Kommunalwahlen. Allerdings spielt in dieser Anti – PiS – Koalition die Partei Razem keine Rolle. Als einzige scheinen sie einen klaren Standpunkt bezüglich der neoliberalen Bürger Plattform zu haben. Auch mit den anderen linken Gruppierungen tun sie sich schwer. Dies zeigt sich besonders in ihrem Verhalten zur SLD. Sie sehen die Rolle dieser Partei und ihres ehemaligen Chefs Leszek Miller sehr kritisch, hat sie doch die neoliberale Politik weitergeführt. Aber von Wählern wird es ihnen nicht gedankt, sie liegen bei 3,5%.

Smolensk – PiS – ein Mythos und kein Ende POLITYKA, 07. 06. 2017

Wie bereits berichtet, hatte die PiS verfügt, dass die Leichen der Katastrophe von Smolensk noch einmal exhumiert werden, um an ihnen festzustellen, ob nachzuweisen ist, dass an Bord der Maschinen eine Explosion stattfand. Allen Fakten der bisherigen Untersuchungen zum Trotz behaupten diese Anhänger weiter, dass dies ein Anschlag gewesen wäre. Neben den Russen wären nach Auffassung mancher gar die Deutschen oder sogar die damalige Regierung der Bürger Plattform beteiligt gewesen. Es gab Angehörige von Opfern, die mit der Exhumierung nicht einverstanden waren und endlich ihre Toten ruhen lassen wollten. Aber nicht die Verschwörungsfanatiker der PiS. Nun wurden bei den Exhumierten keine Beweise für eine Explosion gefunden. Jetzt verlangen sie, dass die verbliebenen Toten auch exhumiert werden sollen, denn dann sind wohl dort Beweise für eine Explosion zu finden. Zudem stellt die PiS fest, dass seinerzeit alle Körperteile durch eine DNA hätte den einzelnen Personen zugeordnet werden müssen. Dies hätte Monate gedauert und damals wollten sie dies auch nicht. Aber was machen sie nicht alles, um „Katastrophe“ weiter köcheln zu lassen. Der Staatsanwalt stellt sich sogar öffentlich hin, um zu verkünden welche Körperteile in welchen verkehrten Gräbern gefunden wurden. Einige Angehörige versteigen sich dazu zu verlangen, dass in den anderen Gräbern nach Körperteilen ihrer Angehörigen gesucht wird. Dabei waren vor sieben Jahren alle – auch die Anhänger der PiS froh, dass ehrenvoll mit den Opfern der Katastrophe umgegangen worden ist. Sogar Jaroslaw Kaczynski dankte den „russischen Freunden“ für die Empathie, die sie angesichts dieser Katastrophe gezeigt haben. Dies hat er wohl vergessen. Er trauert weiter um seinen Zwillingsbruder und erpresst emotional und moralisch all die anderen Angehörigen, die sich lieber auf die Zunge beißen, als etwas zu den primitiven Unterstellungen zu sagen.

Was ist Ihrer Meinung nach erlaubt und was verboten ? Przeglad, 24. 04. 2017

ERLAUBT Warum nicht Eher nicht verboten weiß nicht
Verhütungsmittel 38% 39% 11% 6% 6%
Sex vor der Ehe 31% 43% 14% 7% 5%
Scheidung 16% 47% 22% 12% 3%
Abtreibung 5% 22% 29% 36% 8%
Schwuler Sex 6% 16% 19% 51% 8%
Fremdgehen 2% 7% 35% 54% 2%

Nach Ansicht von Untersuchungsinstituten gibt es keine Unterschiede, ob die Befragten praktizierende Katholiken sind oder nicht. Ganz rigoros allerdings sprechen sich rechte Anhänger aus. Wobei Erfahrungen oft zeigen, dass ihre Praxis sich nicht nach ihre hohen „Normen“ richten. Problematisch ist die Situation für junge Polen, die gläubige Katholiken sind. So manche seien in den Beichtstühlen Fragen ausgesetzt, in denen sie detailliert ihre „Sünde“ beschreiben sollen. Dies wird immer wieder auch von ehemaligen Priestern drastisch dargestellt. Sex scheint oft das einzige zu sein, was von den Kirchenleuten dabei problematisiert wird. Vielleicht eine Ersatzhandlung für zölibatäre Priester, die dadurch so manche Fromme in psychische Zwänge stürzen.


Drucken | Artikellink per Mail | PDF Version

Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.