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Hoffnung glimmt auf

Labours Wahlerfolg in Großbritannien

Geiles Ergebnis. Labour ist gelungen, was 1997 Tony Blair gelungen war: ein Zugewinn von 10 Prozentpunkten (bei Blair waren es 9); mit 41% der Stimmen ist Corbyn fast an das Ergebnis der Tories herangekommen (42%). Und das nicht mit einem sozialliberalen, sondern mit einem deutlich linkssozialdemokratischen Programm, das voll darauf gesetzt hat, dass es nicht in erster Linie die Brexit-Frage, sondern die sozialen Fragen sind, die den Leuten unter den Nägeln brennen.

Labour hätte May ablösen können mit einer Dreierkoalition, wäre die SNP nicht eingebrochen mit ihrer auf die Unabhängigkeit zentrierten Programm. Die Stimmen, die der SNP verloren gingen, sind mehrheitlich zu den Tories gegangen, viele aber auch zu Labour.

UKiP ist krachend geschlagen, über ein Drittel ihrer Stimmen sind zu Labour gegangen, was zeigt, dass Stimmen für die extreme Rechte nicht „ewig“ sind, sondern zurückgeholt werden können.

Labour hat von der höchsten Wahlbeteiligung seit 1997 profitiert (69%), ihre Zuwächse scheinen sich aus drei Quellen gespeist zu haben: die Jungen, die Nichtwähler und die sozial abgehängte, Anti-Establishment Ukpi-Wähler.

Die meisten Zuwächse kamen wohl aus London. Aber Labour hat den Tories weitaus mehr Wahlkreise abgejagt als umgekehrt.

So ist Mays Rechnung, Neuwahlen anzusetzen, um ihre Mehrheit auszubauen, nach hinten losgegangen: sie hat 12 Sitze im Unterhaus verloren, während Labour 31 Sitze gewonnen hat. May muss jetzt eine Regierung mit der weit rechts stehenden Democratic Unionist Party aus Nordirland bilden, alleine kommt sie nicht auf die absolute Mehrheit, die sie vorher hatte und jetzt nicht mehr.

Vor allem aber ist das Ergebnis ein Signal, dass die Sozialdemokratie mit einem linken Programm Zustimmung gewinnen und die Konservativen schlagen kann, während sie in ganz Europa mit ihrem seit 20 Jahren rechten Programm untergeht.

Die spannende Frage ist, ob dieses Signal aufgegriffen wird und von wem.

Wenn es aufgegriffen wird, dann hat uns GB nicht nur das Brexit-Desaster, sondern auch die Möglichkeit einer erneuten politischen Wende beschert.

Jetzt hat Labour vier Jahre Zeit, den Nagel der sozialen Misere richtig zu versenken, dann könnten die Tories das nächste Mal weg sein.

Sicher gibt’s an Labours Manifest viel zu kritisieren – der Umgang damit steht auf einem anderen Blatt. Erst mal freuen wir uns.

Angela Klein
9.6.2017


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