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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 12/2018 |

Marlon James: Eine kurze Geschichte von sieben Morden

Übers. Gudrun Argo u.a. München: Heyne, 2018. 864 S., 15 Euro
von Udo Bonn

Am 3. Dezember 1976 dringen sieben Männer in das schwerbewachte Haus von Bob Marley ein, um ihn zu töten. Nur von zwei Streifschüssen verletzt, hat er mehr Glück als seine Frau und sein Manager. Beide bezahlen das Attentat beinahe mit ihrem Leben.
In Marlon James’ über 800 Seiten starken Roman Eine kurze Geschichte von sieben Morden reden die Protagonisten von Marley nur als dem «Sänger». Am Tag vor dem Anschlag lernen wir die meisten von ihnen kennen: Papa Lo, dessen Gang im Kingstoner Copenhagen City eng mit der konservativen JLP verbandelt ist und der von dem Sänger zu einem Friedenspakt mit der konkurrierenden Eight-Lanes-Gang gedrängt wird; ein Friedenskonzert vor den kommenden Wahlen soll den Pakt bekräftigen. Dann gibt es CIA-Agenten, die sich in die Quere kommen. Der Stationsleiter will die regierende sozialdemokratisch orientierte PNP infiltrieren, sein Kontrahent Luis Clark will ein starkes Zeichen setzen und bringt Schusswaffen und Sprengstoff ins Ghetto. Der Kubaner Luis Hernán Rodrigo de las Casas alias Doctor Love ist auch so ein Zeichensetzer, eigentlich CIA-Berater, aber nun im Auftrag der Kolumbianer unterwegs, um neue Transportrouten für ihre Produkte abzusichern.
Soll der Sänger getötet werden, weil er zu eng mit der PNP verbandelt ist, weil durch einen Friedensschluss der Einfluss der Gangs in Kingston zurückgehen würde, oder ist es etwas Persönliches?
Papa Lo ahnt, dass sich etwas gegen den Sänger zusammenbraut, aber der ignoriert die Warnung. Auch Alex Pierce vom Magazin Rolling Stone ahnt was, statt einer Fotostory über den fremdgehenden Mick Jagger treibt er sich rum, um Stoff für das große Ding zu finden.
Und dann gibt es noch Nina Burgess, eine junge Frau, die ein Kind vom Sänger erwartet. Sie steht vor dessen Haus, und hofft ihn zu sehen. Sie wartet einen ganzen Tag, fast eine ganze Nacht, sie wird nicht eingelassen, obwohl sie auch nur etwas von dem vielen Geld will, um mit ihren Eltern von Jamaika abhauen zu können. Tapfer schlägt sie sich durch den ganzen Schlamassel der gewalttätigen, machistischen Gesellschaft.
Was 1976 auf Jamaika beginnt, endet 1991 in New York. Alle Attentäter sind tot, die Drogen haben neue Wege gefunden, es gibt kein Ende der Bandenkriege auf der Insel.


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