Revolution in der Frontstadt Köln? Gott bewahre…


Quelle: SoZ – Sozialistische Zeitung
Website: http://www.sozonline.de
Artikel-Link: http://www.sozonline.de/2019/01/revolution-in-der-frontstadt-koeln-gott-bewahre/
Veröffentlichung: 01. Januar 2019
Ressorts: Geschichte, Startseite

Wie der christliche Oberbürgermeister Konrad Adenauer 1917/18 die «Gefahr des Bolschewismus» abwandte
von Werner Rügemer*

Nach dem Sieg Preußens über Frankreich und der Gründung des deutschen Kaiserreiches 1870/71 wurde Köln an der Rheingrenze zur hochgerüsteten Frontstadt gegen den Erzfeind Frankreich ausgebaut. Die Stadt wurde zur deutschen «Wacht am Rhein» – Festungsstadt mit Forts, Schützengräben, militärischen Gleisanlagen. Der preußische Militärgouverneur befahl über das Militärgefängnis und die Garnison mit ständig 8000 Soldaten. Der Neumarkt war ihr Exerzierplatz. Im benachbarten Porz-Wahn wurde der schon länger bestehende Truppenübungsplatz weiter ausgebaut. […]

Die Heimatfront
Adenauers Partei, das katholische Zentrum, war im Kaiserreich zur Regierungspartei aufgestiegen. 1912/1913 unterstützte das Zentrum die Kriegsvorbereitungen (Heeres- und Flottenvorlage). Auch Adenauer feierte den von Kaiser Wilhelm II. ausgerufenen «Burgfrieden». Dieser bestand aus völkischer deutscher Einheit, die dazu noch den überkonfessionellen Segen Gottes bekam: «Noch nie ward Deutschland überwunden, wenn es einig war. Vorwärts mit Gott!», so hieß es in Kaiser Wilhelms II. «Aufruf an das deutsche Volk». Der Sekretär der christlichen Gewerkschaften in Köln, Jakob Kaiser, meldete sich sofort als Kriegsfreiwilliger.
Mit Kriegsbeginn übernahm Adenauer die kriegswirtschaftliche Steuerung der Stadt. Dazu stimmte er sich mit dem Militärgouverneur und dem Regierungspräsidenten ab. Bekannt wurde er als Vorsitzender der Lebensmittelkommission, die sich vor allem um Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln und Brot kümmerte. Wichtiger war das Einkaufsamt, das er leitete und zur zentralen Steuerstelle ausbaute. Er baute die gesamte Stadtverwaltung auf Kriegsbedürfnisse um. Ab 1916 vollzog die Stadtverwaltung auch das Vaterländische Hilfsdienst-Gesetz: Alle nicht zum Militär einberufenen Männer zwischen 17 und 60 Jahren wurden in die Rüstungsindustrie zwangsverpflichtet.
Die «städtische Kriegsgesellschaft» musste auch politisch und sozial zusammengehalten werden. Deshalb sorgte Adenauer wesentlich mehr für die unteren sozialen Schichten, als er vorher getan hatte und später tun wird. So unterstützte die Stadt Arbeiterfamilien, die wegen Lohnausfalls des zum Militär eingezogenen Vaters bei ihren Mietern in Rückstand waren. Kriegerwitwen wurden besonders unterstützt.
Die Stadtverwaltung musste die bevorzugte Versorgung der Rüstungsarbeiter sicherstellen. Dazu gehörte es unter anderem, dass für die Kinder der immer zahlreicheren Frauen, die hier eingesetzt wurden, zusätzliche Kindergärten einzurichten waren. In den Schulen wurde den Kindern arbeitender Frauen Frühstück ausgegeben.
Zu wohltätigen Arbeiten zog Adenauer neben der Stadtverwaltung Mitglieder der bürgerlichen und unternehmerischen Eliten heran. Dazu gehörten konfessionelle, besonders katholische Frauenvereine. Sie gaben Essen für Hungernde aus und betreuten Kranke. Da engagierten sich die Frauen aus dem Bankhaus J.H.Stein und die Töchter des Großindustriellen Gustav von Mevissen. Die Männer dieses Milieus engagierten sich durch große Spenden, patriotische Aufrufe zu Kupfer-, Messing-, Zinn-, Aluminium- und Geldsammlungen und zu Kriegsanleihen. Dabei arbeitete Adenauer eng etwa mit der Kölnischen Zeitung und der Industrie- und Handelskammer zusammen.

«Wie der Krieg sozialistisch denken lehrt»
Auch die SPD stimmte bekanntlich dem Kriegseintritt zu, nachdem sie die längste Zeit vorher das Gegenteil erklärt hatte. Dabei war die Kölner Sozialdemokratie stramm rechts, früher noch als ihre nationale Parteispitze schwenkte sie auf die Kriegslinie ein. Hier spielte Wilhelm Sollmann eine führende Rolle. Er war seit 1911 Redakteur des SPD-Organs Rheinische Zeitung. Wegen seiner Kriegsbegeisterung war er im ersten Kriegsjahr auch in den Kölner Parteivorstand aufgestiegen. […]
Entgegen der vor allem von der Kölnischen Zeitung und der Kölnischen Volkszeitung beschworenen allgemeinen Kriegsbegeisterung war [die Stimmung] in Wirklichkeit anders, vor allem in der Arbeiterschaft, zumindest noch einige Wochen vor dem Krieg. Deshalb hatte die Kölner SPD am 28.Juli 1914, also eine Woche vor der Kriegserklärung, noch eine Massendemonstration mit 10000 Menschen organisiert und eine Protestresolution gegen den Krieg verabschiedet. Auch einen Tag später durfte die Arbeiterjugend noch eine Protestversammlung abhalten. Aber die SPD-Führung mit Sollmann ließ in Abstimmung mit der Polizei eine anschließende Demonstration der Arbeiterjugend auseinandertreiben.
Während des Krieges wurde die Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen immer wichtiger. Die Arbeitszeiten, nicht nur in der Industrie, sondern in allen Bereichen, auch in der Stadtverwaltung, wurden auf 50 bis 60 Stunden erhöht, um den Ausfall der zum Militärdienst eingezogenen Beschäftigten auszugleichen. In der Metallindustrie mussten 95 Prozent der Beschäftigten Akkord leisten. Viele Löhne wurden während des Krieges gesenkt und verloren ohnehin an Kaufkraft.
Nach drei Jahren Krieg verstärkten sich Kritik und Hass auf die monarchische Ordnung. Zur Domestizierung der Arbeiter und Kritiker hatten die Parteien der Liberalen und des Zentrums, die nur elitäre Honoratioren-Clubs waren, keine Instrumente. Die katholische Arbeiterbewegung, die mit ihrer Leitfigur Jakob Kaiser in Köln besonders stark war, hatte zwar den Krieg begeistert begrüßt, distanzierte sich nun. Deshalb zog Adenauer auf der kommunalen Ebene – im Unterschied zu seiner außenpolitischen Haltung –, die SPD heran, jedenfalls in kleinen Dosen.
Die Rheinische Zeitung verbreitete ab Mitte 1917 einerseits die Parole «Nieder mit dem Kapitalismus», nannte aber keinen einzigen Kapitalisten. Zugleich sah die SPD die notwendige militärische, staatliche und kommunale kriegswirtschaftliche Steuerung als Beginn des Sozialismus: «Wie der Krieg sozialistisch denken lehrt», hieß es zum Beispiel mit Verweis auf die Massenspeisungen aus der Kölner Stadtküche: «Jetzt führt die Not der Zeit ganz von selbst zu sozialistischen Maßnahmen.»

Radikalisierung und Einbindung
So berief Adenauer den ultralinken Kapitalismuskritiker und zugleich kaisertreuen Kriegssozialisten Sollmann 1915 als Mitglied in die städtische Lebensmittel-Kommission, 1917 in die Deputation für die Wohnungsfürsorge.
Obwohl die SPD wegen des Drei-Klassen-Wahlrechts in der Stadtverordnetenversammlung nicht vertreten war, ließ Adenauer 1916 sechs Sozialdemokraten zumindest in kommunale Ausschüsse einziehen. […] Bei den Nachwahlen zur Stadtverordnetenversammlung 1917 – nach Adenauers Wahl zum Oberbürgermeister – gestanden Zentrum und Liberale der SPD schnell noch 3 Sitze von 60 zu, außerhalb des weiter geltenden Drei-Klassen-Wahlrechts.
Das war aber nicht genug, um der wachsenden Kritik an Krieg und Kriegswirtschaft, an militärischer Schlächterei im Krieg und an Verarmung und Hunger in der Bevölkerung Herr zu werden. In Köln suchten Deserteure Unterschlupf, ihre Zahl wurde auf 16000–18000 geschätzt. 1917 gründeten Sollmann-Kritiker in Köln eine Unabhängige Sozialdemokratische Partei, USPD, die den Krieg schnell beenden wollte. Am 22.April 1917 wurde in einer ungewöhnlich gut besuchten Versammlung des Kölner Metallarbeiter-Verbandes «scharf gegen die Macht der Junker und Großgrundbesitzer polemisiert und größere Rechte für das arbeitende Volk verlangt».
Ab Juni 1917 streikten in Köln nicht die SPD-treuen Gewerkschaften, aber zehntausende Unorganisierte. Es begann bei den Straßenbahnschaffnerinnen und griff nach Vorbildern in Sachsen und Berlin auf Rüstungs- und Metallbetriebe über. Am 6.Juli versammelten sich 12000 Arbeiter, trotz Warnung der SPD-treuen Gewerkschaften, die dabei sich noch mit den christlichen Gewerkschaften absprachen. Am selben Tag streikten rechtsrheinisch 10000 Arbeiter. Ihnen mussten sogar Lohnerhöhungen, bezahlte freie Tage und in der Metallindustrie sogar ein Tarifvertrag zusätzlich mit Arbeitszeitverkürzungen zugestanden werden.

«Nieder mit dem Kapitalismus!» – aber schont Adenauer!
Die Kölner SPD unter der Führung von Wilhelm Sollmann gab sich nun noch radikaler. Bei der Protestkundgebung gegen Krieg und soziale Verelendung am 8.Juli 1917 in Köln rief er:
«Es geht eine starke Bewegung durch das Volk … Die Regierung ist aber immer wieder zurückgewichen vor drei Götzen des Kapitalismus: vor dem Privateigentum an Produktionsmitteln, vor der sogenannten persönlichen Freiheit und vor dem kapitalistischen Profittrieb. Man verschone uns mit dem Gezeter über die Habsucht der Bauern. Alle Zweige des Kapitalismus beuten uns aus … Nieder mit dem Kapitalismus!»
Das traf auf große Zustimmung. Das hätte sich allerdings schnell gegen den heimlichen Verbündeten, Oberbürgermeister Adenauer, richten können. Deshalb fügte Sollmann sofort hinzu: «Bei solcher Auffassung sind wir vor dem spießbürgerlichen Fehler bewahrt, einzelne Personen als Sündenböcke zu suchen, Oberbürgermeister zum Beispiel. Das ist eine maßlose Überschätzung der Menschenkraft und Amtsgewalt selbst des tüchtigsten Oberbürgermeisters.»
Marxistisch angemaßte Ultraradikalität verbunden mit Opportunismus – mit solchen Leuten konnte Adenauer arbeiten.

Durchhalteparolen
Adenauer war mit den führenden Industriellen und Bankiers auch persönlich befreundet. Wie sie lehnte er 1917 Friedensverhandlungen ab. Er lehnte die Richtung des Zentrums ab, die mit Matthias Erzberger sich für die Beendigung des Krieges und für einen Verständigungsfrieden einsetzte. Adenauer blieb außenpolitisch auf der Linie der rechten Zentrumsführung, der Obersten Heeresleitung und des Kaisers. Die strauchelnde Monarchie setzte auf Druck der Rüstungsproduzenten wie Krupp (Kanonen), Stinnes (Rüstungsgüter) und Bayer (Sprengstoffe, Gas) eine neue Durchhalte-Regierung ein. Max Wallraf, Vorgänger Adenauers als Oberbürgermeister, wurde Staatsminister in der neuen Durchhalte-Regierung.
1917 wählten Zentrum und Liberale Adenauer zum Oberbürgermeister. Auch die wichtigsten Liberalen wie der Bankier Louis Hagen und der Verleger der Kölnischen Zeitung unterstützten ihn. In seiner Antrittsrede geißelte er die «feindliche Eroberungsgier», die «dem Rhein und seiner Metropole» gelte, und lobte völkisch den «Heldenmut des … für immer geeinten Volkes». Er hoffte auf die neue Offensive im Westen und forderte in der Stadtvertretung die Kölner Bevölkerung auf, «alle Unbilden des Krieges weiterhin mit Ausdauer und Vaterlandsliebe zu ertragen». […]

Der Kölner Arbeiter- und Soldatenrat
Als die Niederlage Deutschlands nicht mehr zu kaschieren war und sich die politische Revolution abzeichnete, rief Sollmann am 23.Oktober 1918 in einer von der SPD einberufenen Volkskundgebung im Gürzenich-Saal zu Waffenstillstand und Frieden auf. Er schwadronierte: «Der deutsche Imperialismus ist geschlagen … Unser alter Lehrsatz ‹Der Weltkrieg ist die Weltrevolution› ist Wahrheit geworden … Deutschland hat ewigen Bestand … Vorwärts für das sozialistische Deutschland der Zukunft.» Bei diesem nationalistisch-völkisch untersetzten Ultraradikalismus warnte er zugleich vor einer Hetze gegen den Kaiser und ebenso vor dem «Bolschewismus». Diesen selben Hauptfeind hatte auch Adenauer.
Am 4.November war in Kiel der erste Arbeiter- und Soldatenrat gegründet worden. Am 6.November 1918 fuhren 200 revolutionäre Matrosen mit dem Zug in Richtung Köln. Sie wollten ihre inhaftierten Kameraden befreien – das von der Küste weit abgelegene Köln beherbergte das Gefängnis der Marine. Adenauer verlangte vom Festungskommandeur, er solle die Matrosen nicht nach Köln hereinlassen, sondern «festsetzen». Doch der Militärchef konnte und wollte der Aufforderung nicht nachkommen: Soldaten und sogar Offiziere wollten nicht oder waren abgehauen. Damit wurde «wahrscheinlich ein Blutbad verhindert», schreibt Adenauer-Biograf Werner Biermann.
Die Matrosen gelangten so am 7.November zum Kölner Hauptbahnhof, wurden von einer großen Menschenmenge begeistert empfangen. Sollmann und die SPD-Führung, die sich mit Adenauer, dem Militärgouverneur und den beiden bürgerlichen Parteien verständigt hatten, waren vor Ort, konnten sich aber kein Gehör verschaffen. Sie beriefen eine Massenversammlung für den nächsten Vormittag auf dem größten Platz, dem Neumarkt, ein und glaubten, die Situation damit beruhigt zu haben. Aber die Matrosen befreiten in der Nacht, ohne auf Widerstand zu treffen, ihre gefangenen Kameraden, öffneten aber auch die übrigen Gefängnisse. Die Kölner Garnison, zu der 60000 Soldaten gehört hatten, befand sich ohnehin in Auflösung und geriet ohne Kampf in die Hand der Aufständischen.
Am 8.November verkündete Sollmann auf dem Neumarkt die Bildung des Arbeiter- und Soldatenrats. Eine Wahl gab es nicht, Sollmann gab die zwischen SPD und USPD vereinbarte Zusammensetzung bekannt, die akklamiert wurde. Sollmann war Vorsitzender, einige Arbeiter und Soldaten gehörten dazu. Von Sozialismus war keine Rede mehr. Nicht mehr der Kapitalismus sollte abgeschafft werden, sondern das monarchische Militär: «Abschaffung aller Dynastien», «Einstellung aller militärischen Einberufungen» und «Abschaffung des militärischen Grußes» – das waren nun die Parolen.

Der Wohlfahrtsausschuss und andere
Adenauer drehte sich wendig um 180 Grad und stellte dem neuen Souverän im Rathaus Räume, Telefone, Schreibkräfte, Schreibmaschinen, Papier und Lebensmittel zur Verfügung. Die unerfahrenen Revolutionäre freuten sich über diese unerwartete freundliche Behandlung. Dabei vergaßen sie, die wichtigsten Vertreter der bisherigen Ordnung beziehungsweise Unordnung abzusetzen, nämlich vor allem Adenauer. Er konnte bleiben, übrigens noch zehn Jahre. Der Festungskommandeur trat zurück und bekam von der noch amtierenden Regierung eine lebenslange Pension.
Die ersten revolutionären Anordnungen trugen zwar den Stempel des Arbeiter- und Soldatenrats, aber auch das Wappen des preußischen Königs. Die von den Matrosen besetzte, aber leere Garnison war auch kein Machtinstrument.
So blieb der Monarchist und Kriegstreiber im Amt, obwohl der Kaiser ihn wie alle Militärs und Beamten vor seiner Flucht am 9.November vom Eid entbunden hatte. Adenauer aber fühlte sich an den Eid gebunden und hielt selbstverständlich an seinem Amt als Oberbürgermeister fest: Nach altem preußischem Recht war er für zwölf Jahre gewählt worden. Das galt dann auch in der neuen Demokratie weiter. Und Sollmann sah das genauso.
Sollmann gründete zudem im Soldatenrat einen kleinen Aktionsausschuss von zehn Mitgliedern. Das war der Leitungsausschuss, dem allerdings nur Parteifunktionäre angehörten: 5 von der SPD, 5 von der USPD. Die USPD in Köln hatte nur 300 Mitglieder, Sollmann umwarb sie und sie freute sich, mitmachen zu dürfen. Arbeiter und Soldaten gehörten nicht zum Leitungsausschuss.
Sollmann setzte wie Adenauer auf deutschen Nationalismus sowie auf «Recht und Ordnung». Er betonte die gemeinsam mit Adenauer praktizierte Haltung: «Unsere erste Sorge galt, wie es echten Deutschen auch in einer großen Revolution geziemt, der Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der Ordnung.»
Vor allem gründete Adenauer gleichzeitig den «Wohlfahrtsausschuss». Ein solcher wurde auch in anderen Städten gegründet. Der Begriff erinnerte an die Französische Revolution. Adenauer berief Vertreter der Gewerkschaften, dann auch des Zentrums und der Liberalen genauso als Mitglieder wie auch Unternehmer und seinen Bankiersfreund und IHK-Präsidenten Hagen – und auch den Vorsitzenden des Arbeiter- und Soldatenrats, Sollmann. Der war für diese Doppelrolle eine Idealbesetzung. Selbstverständlich ließ sich Adenauer selbst zum Vorsitzenden des Wohlfahrtsausschusses akklamieren.
Der Arbeiter- und Soldatenrat durfte Beauftragte in alle städtischen Gremien entsenden – hatte, verlangte und bekam aber keine Macht. Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und General Wilhelm Groener, die beiden Chefs der Obersten Heeresleitung, luden am 10.November 1918 Sollmann ins Große Hauptquartier im belgischen Spa ein und schickten einen Befehl an alle Heeresformationen: Soldatenräte nach Kölner Muster einrichten! Außerdem rechneten Adenauer und Sollmann darauf, dass die bald einziehende britische Besatzungsmacht den Arbeiter- und Soldatenrat nicht tolerieren würde: Sie löste die letzten Reste im März 1919 endgültig auf.
Adenauer rühmte sich in seinem Leben immer wieder, mit dem Kölner SPD-Chef Sollmann den Arbeiter- und Soldatenrat ausgetrickst und damit «die Rettung der Stadt aus der Revolution» geschafft zu haben.

* Quelle: arbeitsunrecht.de/november-1918-revolution-in-der-frontstadt-koeln; von der Redaktion gekürzt, mit freundlicher Genehmigung des Autors.