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Ultralinke Stimmung

Eindrücke vom Gründungsparteitag der KPD
von Manuel Kellner

Das Protokoll des Gründungsparteitags der KPD vermittelt einen lebendigen Eindruck vom Zustand der jungen kommunistischen Bewegung. Es lohnt sich, es sorgfältig zu studieren und auf Bildungsveranstaltungen darüber zu diskutieren.
Für den Namen hatte es mehrere Vorschläge gegeben. Rosa Luxemburg hätte die neue Partei lieber «sozialistisch» genannt, da diese Selbstbezeichnung aus ihrer Sicht besser zur Aufgabe gepasst hätte, die linkssozialdemokratischen Strömungen für eine neue Internationale zu gewinnen. Die Entscheidung, die USPD zu verlassen, war ganz frisch – eigentlich wollte die Spartakus-Gruppe noch bis zu deren nächstem Kongress drinbleiben.
Schließlich aber beseitigte der Austritt von Spartakus aus der USPD die wichtigste Differenz mit den Internationalen Kommunisten Deutschlands (IKD), so entschied sich eine Mehrheit des Gründungskongresses für den Namen «Kommunistische Partei Deutschlands (Spartakus)».
Vom 30.Dezember 1918 bis zum 1.Januar 1919 tagte der Kongress mit 83 Delegierten von Spartakus und 29 der IKD in Berlin. Am ersten Tag ging es um die Beteiligung an den kommenden Reichstagswahlen. Alle waren sich einig, dass das zu wählende Parlament das wichtigste Vorhaben des Bürgertums war, um den Arbeiter- und Soldatenräten das Wasser abzugraben. Aber selbst die Autorität von Rosa Luxemburg reichte nicht, die Delegierten davon zu überzeugen, dass dieser Reichstag trotzdem als Tribüne benutzt werden musste, da die Mehrheit der Arbeiterklasse noch lange nicht für die revolutionären Positionen gewonnen war. «Die Straße ist unsere Tribüne!», wurde geschrien.
So war die Stimmung. Die Macht schien in Berlin und an manch anderen Orten auf der Straße zu liegen. Eine Mehrheit der Delegierten stimmte gegen die Beteiligung an den Reichstagswahlen. Am zweiten Tag ging es um die Haltung zu den Gewerkschaften des ADGB. Deren Führung hatte vor wenigen Wochen den Legien-Stinnes-Pakt mit dem Großkapital abgeschlossen, um die Revolution abzuwürgen. Da konnte es nur eins geben: Raus aus diesen verkommenen, verbürgerlichten Gewerkschaften! Schaffung neuer Arbeiter-Unionen oder Konzentration auf die neuen Massenorgane, die Räte!
Rosa Luxemburg sprach sich – etwas vorsichtiger – dafür aus, die «Gewerkschaften zu liquidieren». Behaglich war ihr das Ganze nicht und sie schaffte es, die Frage der Haltung zu ihnen an eine Kommission zu überweisen und damit zu verschieben. Das Parteiprogramm hatte sie maßgeblich selbst entworfen und auch auf dem Kongress verteidigt.
Ein Teil der Delegierten widersprach ihrer klaren Positionierung gegen Terror und Menschenmord. Sie glaubten, die Bolschewiki wären mit solchen Methoden gut gefahren. Sie gingen aber nicht so weit, die Streichung der entsprechenden Passage zu verlangen. Dafür war das Prestige von Rosa Luxemburg denn doch zu groß.
Die ultralinken Positionierungen verhinderten den Anschluss der Revolutionären Obleute aus den Berliner Metallbetrieben, mit denen hinter den Kulissen verhandelt wurde und die z.B. die Teilnahme an den Reichstagswahlen forderten. Damit blieb die neugeborene KPD fürs erste von der Blüte der damaligen Arbeitervorhut getrennt.

www.marxists.org/deutsch/geschichte/deutsch/kpd/1918/index.htm.


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