Schließen

Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden

Sie befinden sich hier: Home > Search Results

Ihr Suchergebnis

Nur Online September 2017, Inland

Angela Merkel: Die Kanzlerin der verdrängten Spaltung

Zur Bundestagswahl 2017
von Ingo Schmidt

Niemand repräsentiert das aus der Einheit hervorgegangene Deutschland besser als Angela Merkel. Einst als Kohls Mädchen belächelt, bezeichnet sie das amerikanische Wirtschaftsmagazine Forbes schon seit Jahren als mächtigste Frau der Welt. Nachdem Donald Trump die amerikanische Präsidentschaftswahl gewonnen hatte, kürte die New York Times Merkel zur letzten Verteidigerin des liberalen Westens. weiterlesen

Nur Online Februar 2017, Arbeitswelt

Offener Brief an Angela Merkel

Dokumentation – Anklage einer Krankenschwester
von Jana Langer

Der Personalnotstand in den Krankenhäusern schreit zum Himmel. Das Personal geht bis ans Ende seiner Kräfte. In der Charité wurde deshalb vor zwei Jahren gestreikt – es hat sich nicht viel verbessert. Eine Krankenschwester hat jetzt die Reißleine gezogen und sich mit einem Offenen Brief an die Bundeskanzlerin gewandt. weiterlesen

Nur Online Januar 2015, Bewegung

Aufstand der Kleingärtner

Die A100 und die Beermannstraße in Berlin

von Peter Nowak

«Ich wohne seit 1987 hier und der Garten ist mein Leben. Jetzt soll ich hier vertrieben werden», empört sich Erika Gutwirt. Die rüstige Rentnerin steht vor dem Eingang ihres grünen Domizils in der Kleingartenanlage in der Beermannstraße in Treptow, die der geplanten Verlängerung der Autobahn A100 weichen muss. weiterlesen

Nur Online November 2011, Buch

Das Märchen von den Kleinkrediten

von Angela Huemer

Gerhard Klas: Die Mikrofinanz-Industrie. Die große Illusion oder das Geschäft mit der Armut, Berlin/Hamburg: Assoziation A, 2011, 19,80 Euro, 320 S.

Wer sich jemals selbst um einen Kredit bemüht hat, weiß, dass die Zinsen umso höher sind, je weniger Sicherheiten man zu bieten hat – falls man überhaupt einen Kredit bekommt. In den letzten Jahren sind die Kreditzinsen ziemlich gesunken, für rund 3–5% Jahreszinsen kann man sich Geld leihen. Die Dispozinsen bei der Bank liegen schon etwas höher – bei 14% oder mehr. Und in der kleinen Geschichte der Kredite, die Gerhard Klas an den Anfang seines Buches stellt, erfahren wir, dass in der Antike Kredite nur in absoluten Notlagen aufgenommen wurden und Zinsen verpönt waren. Platon bspw. warf den Zinsnehmern vor, die Armut zu vergrößern.
weiterlesen

Nur Online April 2018, Inhalt

Artikelübersicht April 2018

Artikelübersicht April 2018

Deutsche Waffen, deutsches Geld, von Angela Klein
Spargelsaison(arbeit) eröffnet, von Violetta Bock
EU: Militärische Selbstbehauptung, von Jürgen Wagner
BR-Wahlen, rechte Betriebsräte, von Michael Sankari
Lateinamerika, Superwahljahr, von Leo Gabriel
Mazedonien und griechischer Nationalismus, die Redaktion weiterlesen

Nur Online April 2018, Amerika

Zum drohenden Handelskrieg

Weder Freihandel noch Protektionismus
von Manuel Kellner und Angela Klein

Die Ankündigung von Donald Trump, die Einfuhr von Stahl und Aluminium in die USA mit Schutzzöllen zu belegen, hat eine Reihe von Reaktionen ausgelöst, die einen globalen Handelskrieg befürchten lassen. Die EU, China, Kanada und weitere Konkurrenten haben prompt mit Gegenmaßnahmen gedroht. weiterlesen

Nur Online April 2018, Flucht/Migration

Deutsche Waffen, deutsches Geld…

…produzieren die Flüchtlinge, die die Regierung bekämpft
von Angela Klein

So sieht die neue deutsche Verantwortung aus:

Die Bundesregierung kann sich jetzt rühmen, direkt an der Einnahme Efrîns durch die türkische Armee und der darauf folgenden Vertreibung und ethnischen Säuberung der Stadt von Jeziden beteiligt zu sein. In zweifacher Hinsicht hat sie direkt dazu beigetragen: 1. durch den Einsatz von Leopard-2-Panzern an der nordsyrischen Grenze;  2. indem die AWACS-Aufklärungsflugzeuge ständig die Grenze zu Nordsyrien überfliegen und der NATO, und damit der Türkei, militärisch relevante Daten übermitteln. weiterlesen

Nur Online April 2018, Europa

Parlamentswahlen in Italien

Ohrfeige fürs Establishment
von Angela Klein

Berlusconi kommt nicht wieder und Renzi hat seine Demokratische Partei (PD) vor die Wand gefahren. Zum zweiten Mal seit Anfang der 90er Jahre sind bei den Parlamentswahlen am 4.März die Parteien, die dem Establishment nahestehen, mit Pauken und Trompeten untergegangen. weiterlesen

Nur Online März 2018, Arbeitswelt

Wenn die Erfahrung der Klassenzugehörigkeit fehlt

Ein Beitrag zur Klassentheorie
von Angela Klein

Werner Seppmann: Kapital und Arbeit. Klassenanalysen I. Kassel: Mangroven-Verlag, 2017. 162 S., 17 Euro

Die Wahlerfolge der AfD, insbesondere ihre Einbrüche in gestandene sozialdemokratische Milieus wie auch der Erwerbslosen und Prekären, haben auf der Linken zu neuen Debatten darüber geführt, ob die alten Klassentheorien noch zur Fundierung gesellschaftsverändernder Strategien taugen und welche politischen Schlussfolgerungen unter Umständen aus einer aktuellen Klassenanalyse zu ziehen wären. weiterlesen

Nur Online März 2018, Buch

Warum flog die Tomate?

Die 68er und die Neuen Frauenbewegungen
von Angela Klein

 

Gisela Notz: Warum flog die Tomate? Die autonomen Frauenbewegung der Siebzigerjahre. 2., komplett überarb. Aufl. Neu-Ulm: AG SPAK Bücher, 2018

 

Eine der bedeutendsten Errungenschaften der 68er Bewegung ist die Entstehung der Neuen Frauenbewegung.

Die kann sich viel auf ihre Fahnen schreiben: die Aktivierung Zehntausender Frauen für das Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper, für ihr Recht auf Scheidung, ihre vollständige rechtliche Gleichstellung mit Männern, für gleichen Lohn für gleiche Arbeit, für die Abschaffung der geschlechtshierarchischen Arbeitsteilung, für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und vieles mehr. Vieles davon hat seinen Niederschlag in Gesetzen und Tarifvereinbarungen gefunden, vor allem aber hat sich das gesellschaftliche Klima geändert: Der «Muff von 1000 Jahren» wurde ausgelüftet, die spießbürgerliche geistige Enge ausgekehrt, die Nazi-Vergangenheit zum Thema gemacht.

Gisela Notz schreibt von den Neuen Frauenbewegungen in großen Anfangsbuchstaben und im Plural. Aus gutem Grund: Zwar hat die Neue Frauenbewegung Themen der alten Frauenbewegung aufgegriffen und sich zu einem nicht kleinen Teil auch als sozialistisch verstanden, doch stellte sie zugleich einen Bruch mit ihr dar, weil sie ihre Existenzberechtigung nicht allein aus dem Kapitalismus, sondern auch aus dem Patriarchat ableitete, über dessen Ursprung in grauer Vorzeit und sein Verhältnis zur Klassengesellschaft trefflich und anhaltend gestritten wurde. Den Plural verwendet Notz, weil das Aufbegehren der Frauen nicht nur zu einer Vielzahl von Projekten, sondern auch zu sehr unterschiedlichen Strömungen geführt hat.

 

Die Tomate

«Die Neuen Frauenbewegungen waren als Konsequenz der antiautoritären Studentenbewegung entstanden und befanden sich zugleich im Widerspruch zu ihr.» Der symbolische Akt dieses Widerspruchs war der berühmte Tomatenwurf auf einer Delegiertenkonferenz des SDS gegen dessen Vorsitzenden Hans-Jürgen Krahl und den ganzen Vorstandstisch. Notz legt dar, dass dieser Tomatenwurf allerdings durchaus nicht als Abgrenzung gegen den SDS gemeint war. «Für die Mehrheit der SDS-Frauen war der Tomatenwurf keine ‹Revolte der Frauen im SDS› – im Gegenteil: die meisten SDS-Frauen fanden unseren Auftritt eher peinlich», zitiert Notz Helke Sander, Filmemacherin und Delegierte des Westberliner Aktionsrats zur Befreiung der Frau zur besagten Konferenz.

Die Rolle der Frauen im SDS wurde im Nachhinein als sehr unterschiedlich empfunden, doch fortan galt die Parole «Das Private ist politisch». Das meinte, dass die Frauen vollen Anteil an der politischen Arbeit des SDS haben wollten und keinen Bock hatten, daran ständig durch Haushalt und Kinder gehindert zu sein. Die überwiegende Mehrzahl der Männer, auch der protestierenden, lebten in kleinbürgerlichen Zweierbeziehungen, die sie nicht in Frage stellten. Dagegen richtete sich die «Revolte in der Revolte», und das brachte köstliche Parolen hervor, die in dem Büchlein nachzulesen sind.

So richtig getrennte Wege ging die Frauenbewegung jedoch erst, nachdem der SDS sich 1970 aufgelöst hatte, weil er in zahlreiche ideologische Strömungen zerfallen war. 1971 schaffte sie den Sprung aus den Universitäten heraus in die allgemeine Öffentlichkeit mit der von Alice Schwarzer angezettelten Selbstbezichtigungskampagne «Mein Bauch gehört mir». «Die Forderung nach ersatzloser Streichung des §218 wurde fortan zum zentralen und bindenden Element des Formierungsprozesses der Neuen Frauenbewegungen», schreibt Notz. Später folgten zahlreiche Initiativen zur Schaffung autonomer Frauenhäuser, die Frauen Zuflucht vor männlicher Gewalt bieten sollten. Es dauerte allerdings bis 2002, bis ein Gewaltschutzgesetz in Deutschland eingeführt wurde, und erst im März 2012 trat ein Gesetz zur Einrichtung eines bundesweiten Hilfetelefons «Gewalt gegen Frauen» in Kraft. Die Kampagne «Nein heißt Nein» nach der Kölner Silvesternacht und auch die «#MeToo»-Kampagne können auf einem veränderten Selbstverständnis der Geschlechterrollen aufsetzen, das auf die Neuen Frauenbewegungen zurückgeht.

Doch sieht man daran auch, wie langsam die Mühlen mahlen. Und das Erreichte ist längst nicht unumstritten: Nicht nur die AfD und ihr christlich-fundamentalistischer Flügel versuchen, das Rad wieder rückwärts zu drehen und die Frau auf ihre Aufgaben als Heimchen am Herd festzunageln, auch konservative Politiker wie Sarkozy oder andere haben dem Vermächtnis der «68er» ausdrücklich den Kampf angesagt.

Notz beleuchtet auch ausgiebig das schwierige Verhältnis zwischen Sozialismus und Feminismus und die theoretischen Debatten, die es darum gegeben hat.

 

Reichtum

Das Büchlein geht schließlich den zahlreichen anderen Impulsen nach, die die Neuen Frauenbewegungen gegeben haben. Es tut sich da ein ungeheurer Reichtum an gesellschaftlichen Initiativen auf – von Kinderläden über feministische Publizistik, Verankerung einer Frauenforschung im akademischen Betrieb bis hin zu einer neuen Alternativkultur und einer massiven Wortmeldung der Frauen im Tarifkampf um die 35-Stunden-Woche, dem Feministinnen den 6-Stunden-Tag entgegensetzten. Gerade die Kinderladenbewegung mit ihren Konzepten antiautoritärer Erziehung – bis heute ein Feindbild der Konservativen – hinterließ «deutliche Spuren der Liberalisierung der auf Gehorsam und Anpassung ausgerichteten Erziehung in Familie, öffentlichem und selbst kirchlichem Kindergarten, in Schule, Universität und Berufsausbildung. Die veränderten Konzepte strahlen … bis heute aus.» Und im Zusammenhang mit der Eroberung der Lehrstühle schreibt Notz von der «bestausgebildeten Frauengeneration, die es in der Geschichte je gegeben hat».

Von der Rolle rückwärts im Zusammenhang mit dem Siegeszug des neoliberalen Kapitalismus in den 90er Jahren blieben die Neuen Frauenbewegungen gleichwohl nicht verschont. Und die nachfolgenden Frauengenerationen haben deren Errungenschaften oft als allzu selbstverständlich gewertet, so dass ihnen eine Fortsetzung dieser Arbeit nicht mehr einleuchtete und sie andere Felder der Aktivität suchten. Gleichwohl schreibt Notz am Schluss zu Recht: «Die Themen der alten und neuen Frauenbewegungen haben sich keinesfalls erschöpft und werden auch von jungen Frauen wieder aufgenommen und ergänzt.» Die internationalen Frauenstreiks bestätigen diese Auffassung aufs Schönste.