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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Arbeitsbedingungen</title>
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		<title>Die Belegschaft h&#228;lt stand</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:19:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitsbedingungen]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitskampf]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>

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		<description><![CDATA[Bellinzona, Werkst&#228;tten Schweizer Bahn von Rainer Thormann Der Streik in Bellinzona im Fr&#252;hjahr 2008 wurde weit &#252;ber die Landesgrenzen hinaus [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bellinzona, Werkst&#228;tten Schweizer Bahn</strong></p>
<p>von <em>Rainer Thormann</em></p>
<p>Der Streik in Bellinzona im Fr&#252;hjahr 2008 wurde weit &#252;ber die Landesgrenzen hinaus als erfolgreicher Arbeitskampf bekannt. Inzwischen hat die Belegschaft einen erneuten Angriff der Spitze der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) vor&#252;bergehend abgewehrt.</p>
<p><span id="more-3945"></span>Der Kampf der Arbeiter der SBB-Werkst&#228;tten (Officine) in Bellinzona im Fr&#252;hjahr 2008 geht wohl in die Geschichte ein: Nach 33 Tagen Streik und Besetzung der Werkstatt sowie einer breiten Mobilisierung von Gesellschaft und Politik erzwangen die &#252;ber 400 Besch&#228;ftigten die R&#252;cknahme der Restrukturierungspl&#228;ne und somit den Erhalt der Arbeitspl&#228;tze. Die Arbeitermacht im Betrieb erreichte &#252;ber die schriftlich zugesicherten Besch&#228;ftigungsgarantien bis 2013 auch die Festanstellung von rund 50 Leiharbeitern.<br />
Die Bed&#252;rfnisse der Werkstatt in Bellinzona wurden regelm&#228;&#223;ig an einem sog. «Runden Tisch» besprochen, an welchem nicht nur – wie sonst &#252;blich – Gewerkschaftsfunktion&#228;re mit der Unternehmerseite verhandelten, sondern gleichberechtigt auch das von der Arbeiterversammlung gew&#228;hlte Streikkomitee. Dieser «parit&#228;tische Dialog» t&#228;uschte lange Zeit dar&#252;ber hinweg, dass die wichtigen Entscheidungen anderswo gef&#228;llt wurden. Offensichtlich wurde das sp&#228;testens im November 2011, als SBB Cargo beschloss, das Arbeitsvolumen beim Unterhalt von G&#252;terwagen ganz kurzfristig und massiv zu reduzieren. Die Nachricht schlug in Bellinzona wie eine Bombe ein.</p>
<p>Der Beschluss war umso &#252;berraschender, als in den letzten beiden Jahren wieder vermehrt Leiharbeiter angestellt worden waren, um die stark gestiegenen Auftr&#228;ge von SBB Cargo bew&#228;ltigen zu k&#246;nnen. Es war also eigentlich ein Frontalangriff auf die Werkstatt in Bellinzona, der kurzfristig zum Abbau von rund 100 Arbeitspl&#228;tzen und sp&#228;ter, wegen mangelnder Auslastung der Infrastruktur, zur Schlie&#223;ung des ganzen Werkes gef&#252;hrt h&#228;tte.<br />
Als erste Antwort auf diesen Angriff verabschiedete die Belegschaftsversammlung der Officine Bellinzona am 24.11.2011 eine Resolution, worin die SBB (Schweizerischen Bundesbahnen) aufgefordert wurden, den Entscheid zur&#252;ckzunehmen. Au&#223;erdem wurde ein kurzfristiges Treffen mit der SBB-Spitze verlangt sowie «die Umsetzung der Rahmenbedingungen, die erforderlich sind, damit die SBB-Werkst&#228;tten (Officine) von Bellinzona Auftr&#228;ge au&#223;erhalb der SBB und von SBB Cargo annehmen k&#246;nnen».<br />
Um die neueste Entwicklung in Bellinzona &#252;ber die Grenzen der italienischen Schweiz hinaus bekannt zumachen, &#252;bersetzte das «Netzwerk Arbeitsk&#228;mpfe» diese Resolution auf Deutsch und Franz&#246;sisch und verbreitete sie &#252;ber ihre Kan&#228;le.</p>
<p><strong>Solidarit&#228;t</strong></p>
<p>Innerhalb weniger Tage bekundeten verschiedene betriebliche AktivistInnen aus der Schweiz und den angrenzenden L&#228;ndern ihre Solidarit&#228;t mit den Arbeitern der Officine. Einer davon war der «Aktionsausschuss 100% S-Bahn», der aus der Betriebsversammlung bei der S-Bahn Berlin vom 13.12.2011 hervorgegangen ist, um den Widerstand der Besch&#228;ftigten gegen die Pl&#228;ne zur Zerschlagung und Privatisierung der Berliner S-Bahn zu b&#252;ndeln und zu organisieren. «Jeder Frontalangriff auf eure Arbeitspl&#228;tze, eure L&#246;hne und auf eure Errungenschaften aus dem Jahr 2008, die ihr euch aufopferungsvoll erk&#228;mpft habt», schreibt der Aktionsausschuss in seiner Solidarit&#228;tsbotschaft, «ist ein Angriff auf alle Besch&#228;ftigten. Somit stehen wir mit allen uns zur Verf&#252;gung stehenden Mitteln an eurer Seite, wenn es gegen die Pl&#228;ne der SBB Cargo und f&#252;r den Erhalt der Officine geht.»<br />
In seiner Antwort an den Aktionsausschuss und alle andern, die ihre Solidarit&#228;t gezeigt haben, dankt ihnen das Streikkomitee «Giù le mani» und stellt fest: «Die Entschlossenheit der Arbeiter der SBB-Werkst&#228;tten (Officine) von Bellinzona und Eure Solidarit&#228;t haben erneut Fr&#252;chte getragen.» Der «Runde Tisch» vom 16.12.2011, hei&#223;t es weiter, habe ein Szenario umrissen, «worin der mutige Weg, den die Arbeiter der Officine bisher beschritten haben, fortgef&#252;hrt und weiterentwickelt wird.»</p>
<p>Die entschlossene Haltung der Arbeiterversammlung hat sowohl die einm&#252;tige Unterst&#252;tzung der regionalen Politik als auch die Aufmerksamkeit des Mediators am «Runden Tisch» bewirkt. Als konkrete Resultate dieser Dynamik nennt das Streikkomitee: «Die SBB haben einen guten Teil des Arbeitsvolumens, das SBB Cargo den Officine f&#252;r 2012 wegnehmen wollte, wieder zur&#252;ckgewinnen k&#246;nnen. Unsere Zusammenarbeit mit der &#246;rtlichen Gesch&#228;ftsleitung wird unter der Bedingung fortgesetzt, dass die verbleibenden Auftragsr&#252;ckg&#228;nge durch den Ausbau des Entwicklungspotenzials ausgeglichen und nicht die Arbeitspl&#228;tze in den Officine bedroht werden.</p>
<p>Die SBB sind endlich bereit, das Organisationssystem der Officine unserer Realit&#228;t anzupassen. Wir werden in der Praxis &#252;berpr&#252;fen, ob sich die &#246;rtliche Gesch&#228;ftsleitung als f&#228;hig und willens erweist, gegen&#252;ber der SBB-Spitze die n&#246;tige unternehmerische Freiheit und Autonomie an den Tag zu legen, und vor allem ob sie imstande sein wird, in ihren Beziehungen zur Basis Bescheidenheit und gesunden Menschenverstand einzusetzen.»</p>
<p>In den ersten Monaten des Jahres 2012 soll «eine Dialogplattform definiert» werden, die «auf dem parit&#228;tischen Dialog mit der Basis und auf dem Grundsatz der Mediation aufgebaut» sein wird. Zudem wurde am 23.12.2011 die Ausschreibung f&#252;r den Aufbau eines «Kompetenzzentrums f&#252;r nachhaltige Mobilit&#228;t» ver&#246;ffentlicht, von dem «der endg&#252;ltige Wiederaufschwung der Officine, hin zur Innovation und zur Konsolidierung der aktuellen Kompetenzen» abh&#228;ngen werde.<br />
Das Jahr 2012 werde darum in verschiedener Hinsicht, hei&#223;t es abschlie&#223;end, ein entscheidendes Jahr f&#252;r die Officine: «Vor uns haben wir einen Weg, der reich an g&#252;nstigen Gelegenheiten, aber auch an Fallstricken ist. Wir wollen ihn, zusammen mit Euch allen, mit W&#252;rde und Entschlossenheit beschreiten. Jeder Schritt vorw&#228;rts in irgendeinem der Arbeiterk&#228;mpfe ist ein Sieg f&#252;r alle ArbeiterInnen!»</p>
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		<title>Eine kurze Geschichte von Doro-Chiba</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:13:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitsbedingungen]]></category>
		<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Startseite]]></category>

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		<description><![CDATA[Japanische Eisenbahn: Langer Kampf gegen Privatisierung Nemetico 2011 besuchten drei japanischen Aktivisten der Eisenbahnergewerkschaft Doro-Chiba und des Studierendenverbands Zengakuren mehrere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Japanische Eisenbahn: Langer Kampf gegen Privatisierung</strong></p>
<p><em>Nemetico</p>
<p></em>2011 besuchten drei japanischen Aktivisten der Eisenbahnergewerkschaft Doro-Chiba und des Studierendenverbands Zengakuren mehrere St&#228;dte in Deutschland und trafen u.a. mit der GDL zusammen. Seit 2009 haben deutsche Aktivisten Kontakt zu Doro-Chiba. Die Gewerkschaft verf&#252;gt seitdem &#252;ber eine kleine deutschsprachige Abteilung seines «Internationalen Arbeitersolidarit&#228;tskomitees», das f&#252;r den Aufbau internationaler Beziehungen verantwortlich ist.<br />
<span id="more-3940"></span>Der vorliegende Text basiert im Wesentlichen auf Texten und Angaben dieses Komitees. Zum ersten Mal wird hiermit im deutschen Sprachraum die Geschichte von DC auf zusammenh&#228;ngende Weise dargestellt.</p>
<p>Doro-Chiba (DC) ist eine k&#228;mpferische Eisenbahnergewerkschaft in Japan. Beheimatet ist sie in der Pr&#228;fektur Chiba, ein wichtiges Ballungszentrum und ein Verkehrsknotenpunkt direkt &#246;stlich der Metropole Tokyo. Die weltweite Schaffung einer klassenorientierten Arbeiterbewegung ist ein wichtiges Anliegen dieses au&#223;ergew&#246;hnlichen Gewerkschaftsverbandes.<br />
Die japanische Gewerkschaftsbewegung war schon vor dem Zweiten Weltkrieg mit heftigen K&#228;mpfe konfrontiert gewesen. Doch in den 30er Jahren wurde sie von der damaligen kaiserlichen Regierung unterdr&#252;ckt, zerschlagen und zur Kriegskollaboration gezwungen.</p>
<p>Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs dominierte zun&#228;chst der unter dem Einfluss der Kommunistischen Partei Japans (KPJ) stehende Gewerkschaftsverband Sanbetsu. Er wurde von den US-Besatzungsbeh&#246;rden bek&#228;mpft, beugte sich aber auch dem Druck der neuen Herren (z.B. im gescheiterten Generalstreik vom Februar 1947).<br />
1950 entstand unter US-Regie aus Sanbetsu und dem sozialdemokratischen Sodomei der Gewerkschaftsverband Sohyo, der sich jedoch wider Erwarten schnell radikalisierte. Sohyo war eine der S&#228;ulen des sogenannten «Systems von 1955». Dieses basierte auf der politischen Dominanz der konservativen Liberal-Demokratischen Partei (LDP) und der Hegemonie der (linkssozialdemokratischen) Sozialistischen Partei (SPJ) innerhalb der Arbeiterbewegung, die sich wiederum auf Sohyo st&#252;tzte.</p>
<p>Im Zuge der neoliberalen Offensive in den 80er Jahren wurde Sohyo aufgel&#246;st, was mit dem Zerfall der SPJ einher ging.<br />
Derzeit ist die Situation so: Es gibt den 1989 gegr&#252;ndeten Gewerkschaftsverband Rengo (etwa mit dem DGB vergleichbar) mit rund 7 Millionen Mitgliedern, der im Wesentlichen die neoliberale Regierungspolitik unterst&#252;tzt. Er steht unter dem Einfluss der derzeitigen Regierungspartei, der Demokratischen Partei Japans (DPJ).<br />
Daneben gibt es den KPJ-nahen Verband Zenroren mit etwa 1,2 Millionen Mitgliedern sowie eine gro&#223;e Anzahl kleiner und mittlerer Gewerkschaftsverb&#228;nde, die keinem dieser Gro&#223;verb&#228;nde angeh&#246;ren.<br />
Zu den Besonderheiten der japanischen Gewerkschaftsbewegung geh&#246;rt, dass es auf lokaler und regionaler Ebene viele sog. «amalgamierte Gewerkschaften» gibt, die branchen&#252;bergreifend sind. Es gibt auch sehr kleine und sogar kleinste Gewerkschaften (z.B. eine Doro-West, Eisenbahner, mit weniger als zehn Mitgliedern). Es ist in Japan juristisch problemlos, etwa eine lokale Gewerkschaft zu gr&#252;nden.</p>
<p><strong>Die Entstehung von Doro-Chiba</strong></p>
<p>Doro-Chiba war urspr&#252;nglich der Bezirks-(Pr&#228;fektur-)Verband der japanweiten Lokomotivf&#252;hrergewerkschaft Doro (National Railway Motive Power Union). Neben dieser Lokf&#252;hrergewerkschaft gab es noch den k&#228;mpferischen Eisenbahnarbeiterverband Kokuro (National Railway Workers Union, auch NRU), beide waren Sohyo-Mitglieder.<br />
Ab 1968 nahmen die Konflikte zwischen der Doro-F&#252;hrung und dem Bezirk Chiba (besonders mit dessen linker Gewerkschaftsjugend) zu. Dies hing mit der japanischen Studentenrevolte zusammen, aber auch mit dem Kampf gegen den US-japanischen Sicherheitspakt AMPO und dem gegen den Flughafen Narita, der 1966 begann. 1973 &#252;bernahm eine neue F&#252;hrung, die aus der linken Gewerkschaftsjugend stammte, die Kontrolle &#252;ber Doro-Chiba. Die Konflikte mit der Doro-Zentrale wurden immer heftiger.<br />
Die Doro-Zentrale wurde in den 70er Jahren von der Kakumaru-Gruppe (JRCL-RM) geleitet. Die neue Doro-Chiba wurde von der Chukaku-Gruppe (JRCL-NC) unterst&#252;tzt.*<br />
In der zweiten H&#228;lfte der 70er Jahre k&#228;mpfte Doro-Chiba auf der Seite der Bauern von Sanrizuka gegen den Flughafen Narita und organisierte wiederholt Streiks gegen Tankz&#252;ge (Treibstofftransport) f&#252;r den neuen Flughafen. Die Doro-Zentrale versuchte, diese K&#228;mpfe zu unterdr&#252;cken, oft unter Anwendung von Gewalt.<br />
So gr&#252;ndete der Kern des Bezirks Chiba von Doro 1979 die unabh&#228;ngige Gewerkschaft Doro-Chiba. Daraufhin setzte die Doro-Zentrale massenweise Schl&#228;gertrupps und Rollkommandos ein, um die neue Doro-Chiba zu zerst&#246;ren, aber vergebens.</p>
<p>Oft wird der Kampf zwischen Doro und Doro-Chiba (zugleich ein Kampf zwischen Kakumaru und Chukaku) als eine Auseinandersetzung innerhalb des Lagers der Neuen Linken betrachtet, was aber nicht stimmt. Dies zeigt sich ganz deutlich am Verhalten der jeweiligen Gewerkschaften bei der Aufteilung und Privatisierung der japanischen Staatsbahn (JNR, auf Japanisch «Kokutetsu») in den 80er Jahren.</p>
<p><strong>Privatisierung der Staatsbahn (JNR)</strong></p>
<p>Die Aufteilung und Privatisierung der japanischen Staatsbahn, eine neoliberale Offensive gro&#223;en Umfangs, fand 1987 statt. Yasuhiro Nakasone, der damalige Ministerpr&#228;sident, erkl&#228;rte damals, die Nachkriegspolitik (das «System von 1955») m&#252;sse beendet werden. Die Weltlage erfordere eine entscheidende Wende in der Politik, um die Folgen der Weltwirtschaftskrise von 1974/75 zu bew&#228;ltigen. Es ging Nakasone dabei allerdings weniger um die Wirtschaft als um eine &#196;nderung des Kr&#228;fteverh&#228;ltnisses gegen&#252;ber der Arbeiterklasse.<br />
Nakasone war fest entschlossen, vor allem die militanten Eisenbahnergewerkschaften zu zerschlagen – das war die Vorstufe zur Zerschlagung des japanischen Gewerkschaftsverbands Sohyo. Mit der Beseitigung der k&#228;mpferischen Arbeiterbewegung wollte er auch eine Revision der japanischen Verfassung durchsetzen.<br />
Das Projekt wurde von 1983 an sorgf&#228;ltig und systematisch vorbereitet. Die b&#252;rgerlichen Medien schrieben fast t&#228;glich von der angeblichen Verantwortung der Eisenbahngewerkschaften und ihrer Mitglieder f&#252;r das riesige Defizit der JNR und behaupteten, die Eisenbahnarbeiter w&#228;ren faul.<br />
Beim &#220;bergang zu neuen, privatisierten Eisenbahngesellschaften sollten die Besch&#228;ftigten der JNR nicht unbedingt weiter besch&#228;ftigt werden, sondern nach einer «Eignungspr&#252;fung» einzeln in die neuen Gesellschaften &#252;bernommen werden.</p>
<p>Die Eisenbahn-Gewerkschaften spalteten sich &#252;ber diese Offensive in zwei Lager: auf der einen Seite Kokuro und Doro-Chiba und einige andere, die die Zerschlagung und Privatisierung ablehnten, auf der anderen Seite Doro (fr&#252;her sehr k&#228;mpferisch, aber seit Ende der 70er Jahren degeneriert) und die rechtssozialdemokratisch gef&#252;hrte Tetsuro (Japan Railway Workers Union, die traditionelle gelbe Gewerkschaft) sowie einige andere Gewerkschaften, die der JNR-Beh&#246;rde zuarbeiteten und sie bei ihren Privatisierungspl&#228;nen unterst&#252;tzten.<br />
Die Arbeitspl&#228;tze bei der Bahn wurden in der Folgezeit zum Schlachtfeld des Kampfes zwischen der JNR und den widerst&#228;ndigen Gewerkschaftsmitgliedern. Letztere wurden st&#228;ndig unter Druck gesetzt, ihren Arbeitsplatz aufzugeben. Schikanen und Drohungen von Seiten der JNR-Verwaltung waren an der Tagesordnung.<br />
Die Rolle der Gewerkschaft Doro war geradezu kriminell: Sie beteiligte sich daran, speziell &#228;ltere Arbeiter zu zwingen, auf eine Besch&#228;ftigung bei der neuen, privatisierten Bahn zu verzichten.<br />
Schon vor Inkrafttreten der Aufteilung und Privatisierung im Fr&#252;hjahr 1987 sank die Mitgliederzahl von Kokuro von 224000 (1983) auf 44000 (1987). 200000 Bahnarbeiter verliessen damals die JNR. 200 Eisenbahner begingen aus Verzweiflung &#252;ber ihre Zukunft Selbstmord.</p>
<p><strong>Der Kampf Doro-Chibas</strong></p>
<p>Angesichts der Privatisierungsoffensive entschied sich die von Doro unabh&#228;ngig gewordene Gewerkschaft Doro-Chiba, geschlossen zu k&#228;mpfen und zu streiken, auch auf die Gefahr von Entlassungen hin. Kokuro, die f&#252;hrende Gewerkschaft bei den Besch&#228;ftigten der Staatsbahn JNR, fasste dagegen auf ihrer Tagung 1986 den Beschluss, die Aufspaltung und Privatisierung der JNR anzunehmen. Drei Monate sp&#228;ter wurde diese Entscheidung unter dem Protest der Mitglieder auf einer au&#223;erordentlichen Tagung zur&#252;ckgenommen. Dies f&#252;hrte zur Spaltung von Kokuro, die Gewerkschaft blieb unf&#228;hig, einen Streik zu organisieren.</p>
<p>Streiks von Doro-Chiba hat es zwei gegeben: im November 1985 und im Februar 1986. Ein gewaltiger Polizeieinsatz und 28 Entlassungen waren die Antwort der JNR-Beh&#246;rde.<br />
Nach der Zerschlagung der JNR und mit Beginn der Bildung privater JR-Teilgesellschaften im April 1987 begannen neue K&#228;mpfe entlang von zwei Herausforderungen:<br />
– ein Kampf f&#252;r die Zur&#252;cknahme der massenhaften und diskriminierenden Entlassungen, die als ungerecht empfunden wurden;<br />
– ein Kampf gegen die Rationalisierungsma&#223;nahmen der neuen privaten Bahngesellschaften durch Personalabbau und Vernachl&#228;ssigung der Sicherheitsma&#223;nahmen – der Begriff «Rationalisierung» kann in diesem Zusammenhang nur als besch&#246;nigend, euphemistisch aufgefasst werden.</p>
<p><strong>Kampf f&#252;r die Zur&#252;cknahme der Entlassungen</strong></p>
<p>Zu Beginn der neuen Bahngesellschaften Japan Railways (JR) im Fr&#252;hjahr 1987 wurden 7628 Arbeiter der Staatsbahn nicht &#252;bernommen, sondern in lokale Werkst&#228;tten einer «Settlement Corporation» (eine Art Besch&#228;ftigungsgesellschaft) geschickt – hier sollten sie maximal drei Jahre auf eine k&#252;nftige Besch&#228;ftigung warten.<br />
Betroffen waren vor allem bekannte Aktivisten verschiedener Eisenbahnergewerkschaften. Es handelte sich um ein Scheinman&#246;ver der «Regulierungsbeh&#246;rde», um offene massive Entlassungen zu vermeiden und die 7628 Bahnarbeiter spontan oder «freiwillig» zum Verzicht auf eine Weiterbesch&#228;ftigung zu n&#246;tigen.</p>
<p>Die Drei-Jahres-Frist lief ab und die JR-Gesellschaften k&#252;ndigten endg&#252;ltig die &#252;brig gebliebenen 1047 der in die «Settlement Corporation» abgeschobenen Bahnarbeiter. Von diesem Augenblick an begann der Kampf dieser 1047 Bahnarbeiter f&#252;r die Zur&#252;cknahme ihrer Entlassungen. Diese Kampagne dauert bis zum heutigen Tag an.<br />
Kurz vor Ablauf der Frist, also im M&#228;rz 1990, trat Doro-Chiba f&#252;r 84 Stunden in einen Solidarit&#228;tsstreik mit den betroffenen Eisenbahnern. Diese errangen in der Folgezeit mehrere Siege vor Gericht. Die diskriminierenden Entlassungen der JNR wurden als «ungerechtes» und «unfaires» Verfahren verurteilt. Trotzdem verweigerten die JR-Gesellschaften hartn&#228;ckig und gro&#223;enteils gesetzwidrig die Einstellung der 1047 Bahnarbeiter an neuen Arbeitspl&#228;tzen.</p>
<p>Die entlassenen Eisenbahner f&#252;hrten ihre Kampagne im Wesentlichen 20 Jahre weiter und trotzten den Versuchen der Regierung, der gro&#223;en politischen Parteien und der korrumpierten F&#252;hrungen der gro&#223;en Gewerkschaften, den Kampf zu d&#228;mpfen und zu unterdr&#252;cken.<br />
Nach mehreren Versuchen eines Ausgleichs kam es am 9.4.2010 zu einem Wendepunkt im Kampf: Die «Vier Beteiligten und vier mitwirkenden Organisationen», haupts&#228;chlich die Kokuro-Zentrale und die linke Opposition innerhalb von Kokuro, nahmen das Kompromissangebot zur «politischen L&#246;sung des Staatsbahnstreits» an, wie es von den herrschenden politischen Parteien vorbereitet worden war. Der Kompromiss forderte von den JR-Gesellschaften, den entlassenen 1047 Bahnarbeitern eine bescheidene Abfindung als Trostpflaster zu zahlen. Gleichzeitig wurde erkl&#228;rt, die Aufteilung und Privatisierung der Japanischen Staatsbahn sei ein gro&#223;er Erfolg f&#252;r das japanische Volk, die Privatisierung m&#252;sse weiter voran getrieben werden.</p>
<p>Es gab kein Wort der Entschuldigung gegen&#252;ber den entlassenen Bahnarbeitern.<br />
Damit hatte Kokuro (sowohl die Zentrale als auch die linke Opposition), die das eigentliche Angriffsziel der Privatisierungskampagne gewesen war, den Kampf f&#252;r die Wiedereinstellung der 1047 aufgegeben.<br />
Ein Jahr darauf, nach dem verheerenden Erdbeben/Tsunami und dem GAU von Fukushima, erkl&#228;rten der Kl&#228;gerverband und das Koordinationskomitee den Kampf der 1047 am 24.6.2011 f&#252;r beendet, weil es keine M&#246;glichkeit f&#252;r die Besch&#228;ftigung der 1047 mehr g&#228;be.<br />
Trotz heftigen Widerstands einer Minderheit in Kokuro (insbesondere seitens der Doro-Chiba-Str&#246;mung) verabschiedete Kokuro diesen Beschluss Ende Juni auf seiner nationalen Konferenz.<br />
Gegen diesen reaktion&#228;ren Strom hatte sich bereits am 13. Juni 2010 in Tokyo eine landesweite Bewegung der Arbeiter der Staatsbahn (Kokutetsu) gegr&#252;ndet, deren Losung lautete: «Die Flamme der Bewegung der Staatsbahnarbeiter nicht ausl&#246;schen!»</p>
<p><strong>Gegen Rationalisierung und f&#252;r Bahnsicherheit </strong></p>
<p>Unter der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung der nunmehr privatisierten JR-Gesellschaften verschlechterte sich die Lage sowohl f&#252;r die Bahnarbeiter als auch f&#252;r die Sicherheit der Bahn. Die Privatisierung verlegte die Priorit&#228;t der Gesch&#228;ftspolitik der Bahngesellschaften auf das grenzenlose Streben nach Profit. Das hatte h&#228;ufig Bahnunf&#228;lle und andere gef&#228;hrliche Zwischenf&#228;lle zur Folge (gebrochene Schienen, nicht funktionierende Signale, verschiedene Unf&#228;lle usw.).</p>
<p>Unter Rationalisierung verstanden die Gesch&#228;ftsf&#252;hrungen, nunmehr direkte Agenten diverser privatwirtschaftlicher Profitinteressen («Investoren»), eben nicht, wie oft behauptet, die Steigerung der betrieblichen Effizienz, sondern Personalabbau und Kosteneinsparungen, um die Profitrate zu steigern.<br />
Der gr&#246;&#223;te Eisenbahnunfall ereignete sich am 25.April 2005 in Amagasaki in Westjapan. Das Ungl&#252;ck forderte 107 Todesopfer einschlie&#223;lich des Lokomotivf&#252;hrers. Es folgten mehrere andere Unf&#228;lle in verschiedenen Regionen Japans; vier Zugungl&#252;cke in nur einem Jahr.</p>
<p>Doro-Chiba entschied sich angesichts dieser Entwicklung, gegen die Rationalisierung einen systematischen Kampf aufzunehmen und Punktstreiks f&#252;r die Eisenbahnsicherheit zu f&#252;hren. Am 10.3.2006 organisierte Doro-Chiba einen 72-Stunden-Streik, auf der Basis der Taktik der «langsamen Zuggeschwindigkeit nach geltenden Regeln» (Dienst nach Vorschrift, Bummelstreik).</p>
<p>Die Grundlinie von Doro-Chiba im Kampf gegen die Rationalisierung ist folgende: Alle Verantwortung f&#252;r Zugunf&#228;lle muss die Direktion der Bahngesellschaften tragen, weil die Hauptursache f&#252;r die Unf&#228;lle in der Vernachl&#228;ssigung der Bahnsicherheit liegt, nicht in der T&#228;tigkeit der Bahnarbeiter; jegliche Schuldzuweisung an das Stations- und Fahrpersonal wird strikt zur&#252;ckgewiesen.</p>
<p><strong>Zweite Welle der Aufspaltung und Privatisierung</strong></p>
<p>Im Jahr 2000 begann ein neuer Angriff der JR-Gesellschaften auf die Bahnarbeiter. Nach und nach wurde klar: Die privaten Gesellschaften versuchen, die mangelhaften Ergebnisse der Privatisierung durch eine weitere Aufsplitterung der schon privatisierten sieben Bahngesellschaften in Tochtergesellschaften und Subunternehmen zu &#252;berwinden, vorgeblich um die «Wettbewerbsf&#228;higkeit zu st&#228;rken». In Wirklichkeit bedeutet das die systematische Verlagerung wesentlicher Bahn- und Transportdienste in Subunternehmen (Outsourcing) und die «Notwendigkeit», noch mehr Arbeitspl&#228;tze und Personal abzubauen.<br />
Dahinter steht die Absicht der Bahn-Kapitalisten, gleichzeitig die Gewerkschaften zu zerschlagen und die Solidarit&#228;t unter den Bahnarbeitern zu zerst&#246;ren, ihren Zusammenhalt zu zersetzen. Dieser Angriff bildet den Kern der zweiten Welle der Aufteilung und Privatisierung, besser gesagt, ihre Vollendung nach 24 Jahren.<br />
Doro-Chiba f&#252;hrte dagegen von Ende 2009 bis Anfang 2012 mehrmals Punktstreiks durch und verhinderte dadurch bislang wenigstens im Bahnbezirk Chiba die Durchsetzung der Outsourcing-Strategie.<br />
Bis zum heutigen Tage bildet Doro-Chiba den Kern der Kokutetsu-Bewegung (Bewegung der Staatsbahnarbeiter). Dar&#252;ber ist sie eine treibende Kraft f&#252;r eine klassenorientierte Arbeiterbewegung, die sich branchen&#252;bergreifend und unter Einbeziehung zahlreicher anderer gesellschaftlichen Bewegungen allj&#228;hrlich in der Novemberdemonstration in Tokyo manifestiert.<br />
Gerade in der gegenw&#228;rtigen Weltwirtschaftskrise ist Doro-Chiba sehr am Aufbau solidarischer Kontakte mit klassenk&#228;mpferischen Gewerkschaftern, Aktivisten, Gruppen und Verb&#228;nden weltweit interessiert, sie kann problemlos auch in deutscher Sprache kontaktiert werden.</p>
<p>Nemetico<br />
(in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Arbeitersolidarit&#228;tskomitee von Doro-Chiba)</p>
<p>Englische Webseiten von Doro-Chiba: www.doro-chiba.org/english/english.htm; Kontakt: Internationales Arbeitersolidarit&#228;tskomitee von Doro-Chiba (deutschsprachige Abteilung); «Tigerman», doro-chiba-international-de @auone.jp.</p>
<p>*Die JRCL (Japan Revolutionary Communist League) ist eine trotzkistische Abspaltung von der Kommunistischen Partei Japans aus den sp&#228;ten 50er Jahren. Sie selbst erfuhr dann drei Spaltungen. Aus der letzten sind JRCL-NC (Chukaku) und JRCL-RM (Kakumaru) entstanden. Die beiden bek&#228;mpften sich heftig, sp&#228;ter zum Teil sehr gewaltsam. (Anm.d.Red.)</p>
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		<title>«Streikrecht ist Menschenrecht»</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 12:36:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitsbedingungen]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitskampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Besch&#228;ftigten kirchlicher Einrichtungen fordern ein Ende des «Dritten Wegs» von Jochen Gester Die Synode, das parlamentarische Gremium der Evangelischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Besch&#228;ftigten kirchlicher Einrichtungen fordern ein Ende des «Dritten Wegs»</strong></p>
<p>von <em>Jochen Gester</em></p>
<p>Die Synode, das parlamentarische Gremium der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), hat ein neues Kirchengesetz beschlossen, in dem der sog. «Dritte Weg» im Arbeitsrecht festgeschrieben wird.<br />
<span id="more-3562"></span>W&#228;hrend im «Ersten Weg» die Arbeitsbedingungen einseitig durch den Arbeitgeber festgelegt werden, wie z.B. bei Beamten &#252;blich, und im «Zweiten Weg» zwischen Arbeitgebern und den Interessenvertretungen der Besch&#228;ftigten frei ausgehandelt werden, bezeichnet der «Dritte Weg» die Praxis des sog. «kirchlichen Selbstbestimmungsrechts».</p>
<p>In den Betrieben der Kirche entscheiden Arbeitsrechtliche Kommissionen &#252;ber Bezahlung und Gestaltung der Arbeitsbedingungen. Diese Kommissionen sind parit&#228;tisch besetzt. Bei Uneinigkeit entscheidet eine Schiedskommission, deren Spruch verbindlich ist. Die Besch&#228;ftigten haben weder das Recht, Betriebsr&#228;te nach dem Betriebsverfassungsgesetz zu w&#228;hlen, noch d&#252;rfen sie f&#252;r ihre Interessen die Arbeit niederlegen.</p>
<p>Dieses kirchliche Ausnahmerecht wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wortgetreu aus einem Gesetz der Weimarer Republik &#252;bernommen. Damals ging es jedoch darum, dass die Kirche das Recht erh&#228;lt, &#252;ber die Besetzung ihrer Pfarr- und Bischofs&#228;mter selbst zu entscheiden. Nach einer eigenwilligen Neuinterpretation dieses Gesetzes wurde daraus jedoch das Recht abgeleitet, Streiks zu verbieten, der kirchliche Raum wurde als «Dienstgemeinschaft» definiert, der eines besonderen Schutzes bedarf.</p>
<p><strong>Vorreiter des Lohndumpings</strong></p>
<p>Dieses besondere Schutzbed&#252;rfnis geht sogar so weit, dass die Vertreter des kirchlichen Arbeitgebers auch noch die Verhandlungs- und Zutrittsbedingungen f&#252;r ihre Arbeitsrechtlichen Kommissionen festlegen wollen.</p>
<p>So entzog das Diakonische Werk der EKD im Sommer 2010 elf von dreizehn Arbeitsgemeinschaften der Mitarbeitervertretung aus ihren landeskirchlichen Einrichtungen das Recht, Vertreter in die Arbeitsrechtliche Kommission zu entsenden. Das f&#252;hrt zu einer weiteren Delegitimierung dieser Vertretungsk&#246;rperschaften. Im Oktober 2010 fanden sich daraufhin in Mitteldeutschland ganze drei Kollegen, um die Interessen von 24000 Besch&#228;ftigten zu vertreten.</p>
<p>Die gesellschaftliche Bedeutung dieses kirchlichen Sonderrechts ist alles andere als marginal. Denn die beiden gro&#223;en Kirchen sind mit ihren Wirtschaftsbetrieben wie den Wohlfahrtseinrichtungen mit etwa 1,3 Mio. Besch&#228;ftigten nach dem Staat der zweitgr&#246;&#223;te Arbeitgeber in Deutschland. Sie k&#246;nnen also die Arbeitsbedingungen in diesem Sektor in hohem Ma&#223;e pr&#228;gen. Und sie pr&#228;gen sie als Vorreiter bei der Verschlechterung der sozialen Standards im Sinne des neoliberalen Gesellschaftsumbaus, in dem alle bekannten Instrumente wie «Outsourcing» und Leiharbeit zum Zuge kommen.</p>
<p>So erhalten in der Krankenhausgemeinschaft Herne/Castrop-Rauxel die Besch&#228;ftigten der outgesourcten Tochterunternehmen bis zu 40% weniger Lohn als vorher. Nach Angaben von Ver.di liegen beim Diakonischen Werk die Verdienste der Besch&#228;ftigten 8–13% unter denen vergleichbarer Einrichtungen des &#246;ffentlichen Dienstes.</p>
<p>Besonders ausgepr&#228;gt ist die Lohndifferenz in den neuen Bundesl&#228;ndern. In keinem Wirtschaftszweig ist die Ost-West-Differenz so krass wie bei Diakonie und Caritas. Finanziert wird diese Praxis fast ausschlie&#223;lich aus Steuermitteln und aus Geldern der Sozialversicherung.</p>
<p><strong> Vordemokratische Zust&#228;nde</strong></p>
<p>Auf der Synodalversammlung stimmten 126 Synodalen f&#252;r das neue Kirchengesetz. Es gab nur f&#252;nf Gegenstimmen und drei Enthaltungen. Um jedoch der &#246;ffentlichen Kritik an den untragbaren Arbeitsverh&#228;ltnissen in den kirchlichen Einrichtungen zu begegnen, wurde angek&#252;ndigt, die Praxis des Outsourcing und der Lohnsenkung durch Leiharbeit zu &#252;berdenken. Die Synode verabschiedete «Zehn Forderungen zur solidarischen Ausgestaltung des kirchlichen Arbeitsrechts»: Sie sollen Ausw&#252;chse verhindern.</p>
<p>Ver.di hat gegen den Beschluss der Synode der EKD &#246;ffentlich protestiert und eine Kampagne «Streikrecht ist Menschenrecht» initiiert. Auf einer Protestkundgebung im Magdeburg demonstrierten etwa 1500 Besch&#228;ftigte aus den betroffenen kirchlichen Betrieben gegen die vordemokratischen Machtanspr&#252;che ihrer Arbeitgeber. Der Vorsitzende Frank Bsirske chrakterisierte diese auf der Kundgebung so: «Zu meinen, man k&#246;nne Hunderttausende von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern durch Beschluss einer Synode vom Geltungsbereich eines zentralen Grund- und Menschenrechts ausnehmen, ist etwa so, als w&#252;rde der ADAC beschlie&#223;en, dass seine Mitglieder fortan von allen Tempolimits ausgenommen sind.»</p>
<p>Der Widerstand der gewerkschaftlich organisierten Besch&#228;ftigten zeigt unterdessen erste Erfolge. Zwei Landesarbeitsgerichte haben im Sinne der Gewerkschaft entschieden. Das LAG Hamburg best&#228;tigte das Streikrecht der &#196;rzte in den diakonischen Krankenh&#228;usern im Bereich der Nordelbischen Kirche, und auch das LAG Hamm sprach den Besch&#228;ftigten im Bereich der evangelischen Kirche ein Recht auf Streik zu. Nach drei Aktionswochen seit 2009 konnten in Krankenh&#228;usern Hamburgs und Oldenburgs erstmalig Tarifvertr&#228;ge abgeschlossen werden.</p>
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		<title>Schwarzw&#228;lder Botschaften</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 12:30:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitsbedingungen]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitskampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Seit &#252;ber 80 Tagen Arbeitskampf beim Schwarzw&#228;lder Boten von Jochen Gester Das kleine Schwarzwaldst&#228;dtchen Oberndorf, sonst vor allem durch eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seit &#252;ber 80 Tagen Arbeitskampf beim Schwarzw&#228;lder Boten</strong></p>
<p>von <em>Jochen Gester</em></p>
<p>Das kleine Schwarzwaldst&#228;dtchen Oberndorf, sonst vor allem durch eine Firma bekannt, deren Gesch&#228;fte bl&#252;hen, wenn Menschen vom Leben zum Tod bef&#246;rdert werden, ist Zentrum eines mittlerweile &#252;ber 80 Tage dauernden Arbeitskampfs.<br />
<span id="more-3558"></span>Von den &#252;berregionalen Medien wird der Nachricht kaum Aufmerksamkeit geschenkt. 200 der 270 Besch&#228;ftigten des Schwarzw&#228;lder Boten, eines Regionalblattes mit 125000 Lesern, stehen im unbefristeten Streik. Gegenstand des Ausstands ist kein lokales Problem, sondern ein bundesweites. Denn die S&#252;dwestdeutsche Medienholding (SWMH), einer der drei gr&#246;&#223;ten deutschen Medienkonzerne, verfolgt hier auf betrieblicher Ebene die Zielsetzung weiter, die der Arbeitgeberverband der Druckindustrie in der gerade zu Ende gegangenen Tarifauseinandersetzung durchsetzen wollte: die schrittweise Beseitigung erk&#228;mpfter Tarifbindungen in Kernbereichen der Branche.</p>
<p>Zentrale Figur auf Arbeitgeberseite ist Richard Rebmann, Gesch&#228;ftsf&#252;hrer sowohl des Schwarzw&#228;lder Boten als auch der SWMH, unter deren Dach sich auch die Stuttgarter Zeitung, die Stuttgarter Nachrichten und die S&#252;ddeutsche Zeitung befinden. Rebmann hat das urspr&#252;nglich aus 430 Besch&#228;ftigten bestehende Unternehmen im M&#228;rz in zwei Gesellschaften gespalten, eine f&#252;r die Redaktionen und eine f&#252;r die Anzeigenabteilung und die Gesch&#228;ftsstellen. Bereits 2007 wurde die Druckvorstufe als Grafik-Bote GmbH ausgegliedert. Ihr wurden in der Folge die Auftr&#228;ge entzogen, so dass sie jetzt ihren Betrieb ganz einstellen soll. &#220;bernommen wird er von Arbeitskr&#228;ften der konzerneigenen Leihfirma.</p>
<p><strong>Rabiater Lohnraub</strong></p>
<p>Weder in der bereits ausgliederten Druckvorstufe noch bei den beiden neu gegr&#252;ndeten Unternehmensbereichen ist eine Tarifbindung vorgesehen. Die Kapitaleigner haben die Tarifflucht angetreten, und um jedem klar zu verstehen zu geben, wie ernst sie es meinen, sind sie auch auf der Gespr&#228;chsflucht. Die Gesch&#228;ftsleitung h&#228;lt es f&#252;r unn&#246;tig, mit den Streikenden zu reden, und erst recht mit der Gewerkschaft. Vorstellen, so hie&#223; es, k&#246;nne man sich h&#246;chstens eine «betriebliche L&#246;sung», da soll der an die Friedenspflicht gebundene Betriebsrat &#252;ber Rechtsg&#252;ter verhandeln, die aus gutem Grund der Gewerkschaft vorbehalten sind.</p>
<p>Bereits die erfolgten Ausgr&#252;ndungen wurden ohne Information und Konsultation des Betriebsrats, also in offensichtlicher Verletzung des Betriebsverfassungsgesetzes, geplant und umgesetzt. Auch die mit gro&#223;er Mehrheit erfolgte Wiederwahl des Betriebsratsvorsitzenden Thomas Ducks gefiel der Gesch&#228;ftsleitung nicht, weshalb sie das Ergebnis &#252;ber das Arbeitsgericht anzufechten versuchte.</p>
<p>Es spricht einiges daf&#252;r, dass der Schwarzw&#228;lder Bote als Pilotprojekt ausgesucht wurde, weil man in der Schwarzw&#228;lder Provinz am ehesten glaubte, zu den gew&#252;nschten Tatsachen zu gelangen, die in der Folge auch in Stuttgart und M&#252;nchen zum neuen Sozialstandard erhoben werden sollen.</p>
<p>Die Gewerkschaft hat an exemplarischen Beispielen vorgerechnet, wie sich die SWMH die Revision der tariflichen Standards in einem neuen Sozialmodell vorstellt. Verdienen Volont&#228;re momentan noch 1755 Euro brutto (davon sind 315 Euro freiwillige Zulagen), so sollen sie sich in Zukunft mit 1228,50 Euro begn&#252;gen. F&#252;gt man dieser Einbu&#223;e noch die geplante Verl&#228;ngerung der Arbeitszeit auf 40 Stunden, die Reduzierung des Urlaubsanspruchs von 30 auf 27 Tage sowie den vollst&#228;ndigen Verzicht von Weihnachts- und Urlaubsgeld hinzu, so summiert sich der tarifliche  Verlust auf fast 50%.</p>
<p>Noch krasser f&#228;llt die Rechnung bei den neu einzustellenden Mediengestaltern aus, Fachkr&#228;fte, f&#252;r die ein Gehalt von nicht mehr als 1350 Euro vorgesehen ist. Auf Basis der vorgesehenen 40-Wochen-Stunden ergibt sich hier ein Stundenlohn von 7,85 Euro f&#252;r eine qualifizierte Facharbeiterausbildung. Der geltende Lohntarifvertrag sieht noch einen Stundenlohn von 16,22 Euro vor, der nat&#252;rlich auch auf das gew&#228;hrte Urlaubs- und Weihnachtsgeld gezahlt wird. Auch dies soll eine Reminiszenz vergangener Zeiten werden.</p>
<p><strong>Der erste Streik seit Bestehen</strong></p>
<p>Doch so einfach wie erhofft machen es die Obernd&#246;rfer dem Konzern nicht. Ihre Entt&#228;uschung und Wut sind gro&#223;. 150%ige Schwabo-Leute beteiligen sich nun am ersten Streik seit dem 175j&#228;hrigen Bestehen der Zeitung und rechnen jederzeit mit jeder Grausamkeit der Firma, so jedenfalls hat es Thomas Ducks formuliert.</p>
<p>Die Streikenden statteten dem Stuttgarter Pressehaus einen Besuch ab, protestierten auf der Gesellschafterversammlung der SWMH und bildeten mit den Besch&#228;ftigten der Medienholding S&#252;d eine Menschenkette im Stuttgarter Schlosspark. Als 120–130 Streikende bis zum Empfang des Pressehauses vorgedrungen waren, um Rebmann zu einem Gespr&#228;ch aufzufordern, lie&#223; dieser erkl&#228;ren, er sei nicht zust&#228;ndig. Er holte die Polizei, um sich weitere Bel&#228;stigungen vom Hals zu schaffen. Zuletzt, am 17.November, demonstrierten die Obernd&#246;rfer am Sitz des S&#252;ddeutschen Verlages in M&#252;nchen. Sie wurden unterst&#252;tzt von 300 Besch&#228;ftigten des Verlages. Die Drucker unterst&#252;tzten die Aktion durch das Ausschalten ihrer Maschinen.</p>
<p>Ohne die Ausweitung durch solche Solidarit&#228;tsstreiks im SWMH wird es kaum zu verhindern sein, dass die kleine Belegschaft des Boten am Schluss mit leeren H&#228;nden dasteht und den Medienkonzernen der Durchmarsch gelingt.</p>
<p>Ludwig Hankofer, der Betriebsratsvorsitzende des SV-Druckzentrums, beklagte auf der Kundgebung die unmenschliche Haltung und den fehlenden Anstand des Arbeitsgebers: «Wer nach 80 Streiktagen immer noch kein Angebot macht, handelt nach Gutsherrenart. Und diese Zeiten waren eigentlich vorbei.»</p>
<p>Es spricht sehr viel daf&#252;r, dass sie wieder da sind.</p>
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		<title>Arbeiten f&#252;r unter ein Euro die Stunde</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/11/arbeiten-fur-unter-ein-euro-die-stunde/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 12:28:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitsbedingungen]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>

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		<description><![CDATA[Neues aus der Hauptstadt der prek&#228;ren Besch&#228;ftigung von Jochen Gester Klage gegen Sp&#228;tkauf wegen sittenwidriger L&#246;hne. Berlin glitzert. Abendlich flimmern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Neues aus der Hauptstadt der prek&#228;ren Besch&#228;ftigung</strong></p>
<p>von <em>Jochen Gester</em></p>
<p><strong>Klage gegen Sp&#228;tkauf wegen sittenwidriger L&#246;hne.</strong></p>
<p>Berlin glitzert. Abendlich flimmern die Bilder der wohlgekleideten professionellen Politdarsteller in die Wohnzimmer. Hollywoodstars pr&#228;sentieren sich auf roten Teppichen, und die Touristen genie&#223;en die kulturellen Highlights von Friedrichstadtpalast bis Philharmonie. Doch die Alltagsrealit&#228;t der Metropole ist eine andere. Hier haben sich bedeutende Ver&#228;nderungen vollzogen, die vor allem die Arbeitswelt erfasst haben.<br />
<span id="more-3556"></span>Eine besondere Rolle spielte die Deindustrialisierung, der ein Gro&#223;teil des Industriepotenzials im Ostteil der Stadt zum Opfer fiel und die im Westberlin nach und nach die subventionsgest&#252;tzen verl&#228;ngerten Werkb&#228;nke beseitigte. Die Unternehmen sind nach der Wende an lukrativere Standorte gezogen.</p>
<p>Bereits im Jahr 2000 konstatierte ein Bericht des Wissenschaftszentrums Berlin, die Hauptstadt habe eine Trendsetterrolle beim Abbau des klassischen Normalarbeitsverh&#228;ltnisses. Nicht mal jede dritte Person im erwerbsf&#228;higen Alter war 1998 noch in diesem Rahmen besch&#228;ftigt.</p>
<p>Eine Studie des DGB aus dem Jahr 2008 mit dem Titel «Berlin – Hauptstadt der prek&#228;ren Besch&#228;ftigung» best&#228;tigte erneut diese Entwicklung. Die Untersuchung brachte ans Licht, dass nur noch 40% der Besch&#228;ftigten einer unbefristeten Vollzeitarbeit nachgehen.</p>
<p>Im Vergleich der Arbeitsplatzdichte liegt Berlin im St&#228;dteranking auf dem letzten Platz. Das Einkommensniveau liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, w&#228;hrend die geleisteten Arbeitsstunden nirgends so hoch sind. Nur noch in Leipzig ist das Lohnniveau niedriger und der Umfang nicht existenzsichernder Einkommen h&#246;her als in der Spreemetropole.</p>
<p>Davon sind kaum Bereiche ausgenommen. Im gewerblichen Sektor boomt vor allem die Leiharbeit und im &#246;ffentlichen Dienst zogen die MAE-Jobs ein. Mehr als die H&#228;lfte des in Berlin vor allem durch den Tourismus expandierenden Gastronomiesektors besteht aus Midi- und Minijobbern, und auch die junge Kreativbranche hat ein hohes Prekarit&#228;tspotenzial. Der hier erzielte Durchschnittsverdienst liegt an der Armutsschwelle.</p>
<p><strong>Sittenwidriger Lohn</strong></p>
<p>Der stumme Zwang dieser Verh&#228;ltnisse wird nur sichtbar, wenn Menschen sie nicht mehr ertragen k&#246;nnen. Beispielhaft daf&#252;r war der Konflikt im Berliner Babylon-Kino, &#252;ber den wir in der SoZ ausf&#252;hrlich berichteten. Jetzt sind die prek&#228;ren R&#228;nder des Einzelhandels ins Blickfeld geraten.</p>
<p>Es geht um einen der Sp&#228;tkauf-L&#228;den, die vor allem in den &#228;rmeren Stadtteilen wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Sie bieten Alkoholika und Snacks sowie Kleinigkeiten des t&#228;glichen Bedarfs. Ge&#246;ffnet haben sie bis Mitternacht oder sogar die ganze Nacht hindurch. Zumeist werden diese L&#228;den von Menschen betrieben, denen der regul&#228;re Arbeitsmarkt versperrt ist und die hier nach dem Strohhalm greifen, um &#252;berhaupt Einnahmen zu bekommen. Oft sind es Migranten, die &#228;hnlich wie in den Franchiseunternehmen der Discounter wie Edeka ihre ganze Familie als Arbeitskr&#228;fte mobilisieren. Schlechter dran sind oft nur noch die, die extern bei ihnen angestellt sind.</p>
<p>Nun hat ein Besch&#228;ftigter einer Sp&#228;tkauf-Niederlassung seinen Arbeitgeber wegen sittenwidriger Entlohnung verklagt. Daniel R., Minijobber des Sp&#228;tkauf «Mumbai Corner» in Friedrichshain, machte vor Gericht geltend, er habe statt der vereinbarten 20 Stunden im Monat 60 Stunden in der Woche gearbeitet und sei mit einem Stundenlohn unter 1 Euro abgespeist worden. Da er dazu noch geringsch&#228;tzig behandelt worden sei, habe er sich beim Chef beschwert. Darauf erhielt er die K&#252;ndigung. Damit ging er an die &#214;ffentlichkeit und erhielt Unterst&#252;tzung durch die FAU und durch die Gruppe Internationale KommunistInnen sowie durch Nachbarn, die eine Solidarit&#228;tskundgebung mit 60 Leuten auf die Beine stellen konnten.</p>
<p>Mohammed Nasir Saeed, der Betreiber des Sp&#228;tkauf, vor Gericht mit der Forderung des Kl&#228;gers auf Nachzahlung von 83000 Euro konfrontiert, machte jedoch keinerlei Anstalten, sein Verhalten zu korrigieren. Stattdessen zog er alle Register, um Daniel R. und seine Unterst&#252;tzer einzusch&#252;chtern. Gegen Labournet Germany und das Internetportal Trend online ging er ebenso juristisch vor wie gegen den Kl&#228;ger selbst, der mehrfach Anzeigen wegen N&#246;tigung und Verleumdung erhielt.</p>
<p>Offensichtlich will er damit erreichen, dass der vom Gericht vorgeschlagene Vergleich f&#252;r ihn so g&#252;tlich ausf&#228;llt, dass sich das Ganze im Nachhinein f&#252;r ihn gelohnt hat.</p>
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		<title>Mit Ausdauer und Fantasie gegen Blockade</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/11/mit-ausdauer-und-fantasie-gegen-blockade/</link>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 08:32:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitsbedingungen]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitskampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Streik bei CFM wird fortgesetzt In der Mai- und der Juni-Ausgabe dieser Zeitung haben wir &#252;ber den Arbeitskampf an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Streik bei CFM wird fortgesetzt</strong></p>
<p>In der Mai- und der Juni-Ausgabe dieser Zeitung haben wir &#252;ber den Arbeitskampf an der Berliner Charité berichtet.<br />
<span id="more-3396"></span>Damals waren sowohl die verbliebenen Stammbesch&#228;ftigten des  noch mehrheitlich in &#246;ffentlicher Hand befindlichen Krankenhausverbands als auch ihre ehemaligen, jetzt outgesourcten, Kollegen der CFM (Campus Facility Management) f&#252;r bessere Arbeitsbedingungen und eine deutliche Erh&#246;hung ihrer Einkommen in den Streik getreten.<br />
Der Streik an der Charité endete im Juni mit einem von der Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder bef&#252;rworteten Abschluss. Der Streik bei der CFM wurde unterbrochen, nachdem die Gesch&#228;ftsleitung, die anf&#228;nglich nicht zu Gespr&#228;chen bereit war, Verhandlungsbereitschaft signalisiert hatte.<br />
In den folgenden Wochen zeigte sich aber, dass die Eigent&#252;mer (das Land Berlin zu 51% und die privaten Investoren Dussmann, Vamed Deutschland und Hellman Worldwide Logistics zu 49%) den Abbruch des Streiks nicht mit einem ernst zu nehmenden Angebot honorieren wollten. Ver.di und die GKL (Gewerkschaft Kommunaler Landesdienst) als Mitglied der dbb-Tarifunion riefen die Belegschaft deshalb ab 12.September erneut zur Arbeitsniederlegung auf.<br />
Gek&#228;mpft wird f&#252;r die Einf&#252;hrung eines Mantel- und Entgelttarifvertrags mit transparenter und einheitlicher Entlohnung f&#252;r die gesamte Belegschaft – u.a. soll f&#252;r alle eine Entgelterh&#246;hung von 168 Euro pro Monat herausspringen.</p>
<p><strong>Mit harten Bandagen</strong></p>
<p>Doch die Ausgangsbedingungen f&#252;r einen gewerkschaftlichen Erfolg sind alles andere als einfach. Wer z.B. im Krankentransport, in der Hygiene oder in der Reinigung arbeitet, ist in der gro&#223;en Mehrzahl prek&#228;r besch&#228;ftigt. Dazu kommt, dass die IG BAU «ihre» Reinigungskr&#228;fte direkt davor gewarnt hat, sich am Streik zu beteiligen. Dagegen l&#228;uft ein von Ver.di angestrengtes Schiedsverfahren im DGB.<br />
Die Gesch&#228;ftsleitung ihrerseits hat die Arbeitskampfpause genutzt, um erneut Leiharbeiter/innen anzuheuern, u.a. von Ranstad, Manpower, Promdis 24, Allzeit, Vangard und Go. Sie will den Streikenden demonstrieren, dass ihr Arbeitskampf ins Leere l&#228;uft.<br />
Dazu werden allerlei, auch illegale Register gezogen. Streikplakate werden heruntergerissen, Besch&#228;ftigte mit Drohungen eingesch&#252;chtert, unrechtm&#228;&#223;ige Hausverbote ausgesprochen. Eine dem T&#252;rstehermilieu entstammende  Sicherheitsfirma namens «Flash Security» klebt den Streikenden an den Hacken. Alle 725 Besch&#228;ftigten, die aus der Charité entliehen sind, wurden – entgegen dem Gesetz – bis heute nicht dar&#252;ber informiert, dass sie nach §11 Abs.5 A&#220;G ein Recht auf Leistungsverweigerung haben.<br />
Inzwischen dauert der Streik bereits &#252;ber 5 Wochen. Von den insgesamt 1800 unter Vertrag Stehenden beteiligen sich daran nur 250–300, etwa 15%.</p>
<p><strong>Ein langer Arbeitskampf</strong></p>
<p>Da es unter diesen Bedingungen schwer ist, zu einem schnellen Erfolg zu kommen, richtet sich Ver.di auf einen langen Arbeitskampf ein. Am 40.Streiktag konnte ich an einer Streikversammlung teilnehmen. Trotz der schwierigen Situation ist die Kampfmoral ungebrochen. Immer wieder werden neue Aktionsideen geboren. Es gab bereits eine Demonstration zum Roten Rathaus und zum Sitz der privaten Investoren im Dussmann-Haus. Die Streikenden haben kurzzeitig versucht, das zentrale Auslieferungslager f&#252;r die Charité zu blockieren. Gewerkschafter aus den Bereichen BVG und BSR verteilten Flugbl&#228;tter in ihrem Bereich, und auch die seit Monaten im Streik befindlichen Altenpflegerinnen des Alpenland-Konzerns zeigen ihre Solidarit&#228;t.<br />
Am Samstag, dem 15.Oktober, fand eine weitere Solidarit&#228;tsdemonstration statt, an der sich &#252;ber 1000 Menschen beteiligten. Vorl&#228;ufiger Aktionsh&#246;hepunkt war eine Flashmob-Aktion am 20.Oktober im Kulturkaufhaus Dussmann. &#220;ber hundert Personen machten in den gut frequentierten Etagen des Dussmann-Hauses mit Tr&#246;ten und Sprechch&#246;ren auf die Verantwortung des Hausherrn f&#252;r den laufenden Arbeitskampf aufmerksam, lie&#223;en Flugschnipsel liegen und fliegen und &#252;berreichten den Kund/innen das Schwarzbuch Charité*.<br />
&#214;ffentlichkeitsarbeit und Lobbying der Streikenden zeigen erste Ergebnisse. Aus Angst vor weiteren Imagesch&#228;den haben Manpower und eine weitere Zeitarbeitsfirma angek&#252;ndigt, ihre Mitarbeiter f&#252;r die Dauer des Streiks abzuziehen bzw. keine weiteren dort zu besch&#228;ftigen.<br />
Als n&#228;chste Aktion ist ein Besuch der konstituierenden Sitzung des Senats und der Fraktionen geplant. Auch soll Charité-Gesch&#228;ftsf&#252;hrer Einh&#228;upl an seinem Arbeitsplatz «ein weniger sch&#246;nes Wochenende gew&#252;nscht» werden. Gerade «die Politik» hat bisher in dieser Auseinandersetzung alle W&#252;nsche offen gelassen. Der scheidende rot-rote Senat hat zwar viel Wind um sein Vergabegesetz gemacht, das einen Mindestlohn in &#246;ffentlich dominierten Unternehmen von 7,50 Euro vorschreibt, bei der CFM wurde es jedoch schlicht nicht angewandt. Und es spricht kaum etwas daf&#252;r, dass der neue rot-schwarze Senat daran etwas &#228;ndern will.<br />
Das wird er nur m&#252;ssen, wenn die Gr&#252;nde f&#252;r den Streik in einer breiteren &#214;ffentlichkeit zum Thema werden.</p>
<p><em>*Zu beziehen &#252;ber den Fachbereich 3 von Ver.di Berlin.</em></p>
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		<title>Ostbonus f&#252;r Alpenland?</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 08:22:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitsbedingungen]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitskampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Berliner Altenpfleger streiken von Norbert Kollenda Seit dem 18.August streiken in Ostberlin Besch&#228;ftigte der drei Ostberliner Alten- und Pflegeheime des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Berliner Altenpfleger streiken</strong></p>
<p>von <em>Norbert Kollenda</em><br />
Seit dem 18.August streiken in Ostberlin Besch&#228;ftigte der drei Ostberliner Alten- und Pflegeheime des Unternehmens Alpenland GmbH. Seit sie dem Unternehmen 2004 angeschlossen wurden, gibt es keinen Tarifvertrag. Den Besch&#228;ftigten bei «Alpenland» reichte es nun, nach einem erfolglosen Warnstreik traten sie in einen unbefristeten Streik.<br />
<span id="more-3385"></span>Es gibt Besch&#228;ftigte, die nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro erhalten. Das Angebot einer Erh&#246;hung von 2,5% lehnten sie ab, denn es war z.B. gekoppelt an den Fortfall von Sonderzulagen f&#252;r Dienste zu ung&#252;nstigen Zeiten, so dass f&#252;r manche Besch&#228;ftigte sogar eine Minderung des Einkommens dabei heraus gekommen w&#228;re. Leicht ist es nicht f&#252;r sie zu streiken. Bei ihrem geringen Gehalt haben sie keine R&#252;cklagen und m&#252;ssen jetzt von einem Streikgeld leben, das gerade einmal 60% ihres niedrigen Gehaltes ausmacht. Verdi sah das auch so und stockte die Summe auf.<br />
&#220;berhaupt erfahren sie von Verdi gro&#223;e Unterst&#252;tzung und haben eine k&#228;mpferische Gewerkschaftskollegin zur Seite.<br />
Ihre Kolleginnen und Kollegen in Westberlin verdienen 200–400 Euro mehr. Die Kosten f&#252;r die Alten- und Pflegepl&#228;tze sind in beiden Teilen der Stadt jedoch gleich hoch. Das hei&#223;t, dass die Stadt auch in beiden Teilen im Bedarfsfall Zuzahlungen in gleicher H&#246;he leistet. Dies best&#228;tigte auch die zust&#228;ndige Gesundheits- und Sozialsenatorin Frau Lompscher (DIE LINKE). Eine Delegation der Besch&#228;ftigten hatte sie aufgesucht, um auf die Situation aufmerksam zu machen.</p>
<p>Wenn wir den Betrag hochrechnen, den «Alpenland» bei den Ostgeh&#228;ltern einspart – es gibt 210 Besch&#228;ftigte in Ostberlin, kommen wir sch&#228;tzungsweise auf 50000 Euro monatlich! Ein Bonus f&#252;r Alpenland, aber wof&#252;r? Daf&#252;r, dass in Ostberlin eine Auslastung von 100% besteht im Gegensatz zu Westberlin?</p>
<p>Tag f&#252;r Tag stehen die ca. 40 Streikenden bei Wind und Wetter auf der Stra&#223;e vor dem Verwaltungsgeb&#228;ude. Aber sie hocken da nicht nur. Zu jeder vollen Stunde nehmen sie in einer Reihe gegen&#252;ber der Verwaltung Aufstellung, machen mit Pfeifen und anderen Dingen L&#228;rm und zeigen, wie fit sie sind, indem sie Kniebeugen und Liegest&#252;tze machen. Leider ist es eine Stra&#223;e, die etwas ab vom Schuss liegt. So laufen einige Streikende mit Transparenten durch die Gegend, oder sie fahren an belebte Orte der Stadt. Sie lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und erhalten auch solidarische Unterst&#252;tzung aus anderen Bereichen.<br />
Es kommen Besucher aus Kinderg&#228;rten, von Seniorenclubs oder Besch&#228;ftigte aus anderen Bereichen, die ihre Solidarit&#228;t bekunden. Auch die B&#252;rgermeisterin des Stadtbezirks l&#228;sst sich ab und an sehen und bekundet ihre Unterst&#252;tzung.</p>
<p>Mit den Bewohnern und ihren Angeh&#246;rigen haben sie Kontakt aufgenommen und sind auf Verst&#228;ndnis gesto&#223;en. Einige von diesen hatten sogar &#252;berlegt, die Zahlung an das Heim zu k&#252;rzen. Wenn der Arbeitgeber versucht, das fehlende Personal mit Leihkr&#228;ften aufzustocken, so fehlt doch etwas. In der Bezugspflege baut das Pflegepersonal eine pers&#246;nliche Beziehung zu bestimmten Patienten auf, und das l&#228;sst sich mit Leihkr&#228;ften nicht machen.</p>
<p><strong>Wochen der Mobilisierung</strong></p>
<p>Die Streikenden zogen am 27.August um 12 Uhr zum SPD-Sommerfest, das mit Klaus Wowereit in Marzahn stattfand.<br />
Als die Firmenleitung Druck machte und das ihnen zustehende Geld einbehielt,  antworteten die Besch&#228;ftigten mit einer Kundgebung Anfang September auf dem Alexanderplatz. Da wurde ihnen mit polizeilichen Ma&#223;nahmen gedroht.<br />
Es folgte ein Angebot der Arbeitgeber, das Ver.di das Papier nicht f&#252;r wert hielt, auf dem es geschrieben stand.<br />
Am 14.September besuchen die Streikenden den Arbeitgeber in Sonthofen/Bayern: «Wenn der Arbeitgeber nicht den Weg zu uns findet, fahren wir halt zu ihm», &#252;ber 40 Streikende steigen in den Zug.<br />
Am 22.September bekommen sie Besuch von den Kollegen der CFM der Charité, die auch streiken. Auch einen Gegenbesuch hat es gegeben.<br />
Am selben Tag sind sie zum Bundeskongress von Ver.di eingeladen, um dort ihre Situation vor 1000 Delegierten darzustellen.<br />
Am 3.Oktober stellen sie sich am Check Point Charlie auf – dem ehemaligen Grenz&#252;bergang – und an anderen geschichtstr&#228;chtigen Orten Berlins, um darauf aufmerksam zu machen, dass die Stadt immer noch geteilt ist.<br />
Auch Belegschaften anderer Betriebe von Berlin und Umgebung, wie der BVG und der BSR, bekunden vor Ort und anderweitig ihre solidarische Unterst&#252;tzung.<br />
Die Seniorinnen und Senioren von Ver.di rufen zu einer Protestkundgebung auf und sind am 11.Oktober bei den Streikenden.</p>
<p><strong>Gemeinsam mit den Kollegen der CFM</strong></p>
<p>Zum 15.Oktober ruft Ver.di die Berliner zu einer solidarischen Demonstration und Kundgebung f&#252;r die Besch&#228;ftigten von Alpenland und der CFM (Charité Facility Management) auf. Die Demonstration startet in der N&#228;he des Alexanderplatzes am Fernsehturm. Es gibt einen Zwischenstopp beim Kulturkaufhaus Dussmann, dem gr&#246;&#223;ten Anteilseigner der CFM. Dort betont der Sprecher, zwar seien die technischen Bereiche der Charité ausgegliedert, aber der &#246;ffentliche Arbeitgeber ist nicht nur Anteilseigner ist, sondern duldet es auch, dass in seinem Bereich prek&#228;re L&#246;hne gezahlt werden, ja, nicht einmal Mindestl&#246;hne eingehalten werden.</p>
<p>Es gibt eine gro&#223;e Ungerechtigkeit auch innerhalb der Charité: Die einen bekommen den alten vollen Westlohn, andere den alten vollen Ostlohn, die Neuen sind zu den &#252;blichen prek&#228;ren Bedingungen eingestellt. Der Sprecher appelliert an den Senat, dem ein Ende zu machen. Auf dem Platz des 18.M&#228;rz vor dem Brandenburger Tor findet die Abschlusskundgebung statt. Die Vertreter von Ver.di Berlin-Brandenburg bringen zum Ausdruck, dass sie f&#252;r eine volle Angleichung der L&#246;hne in Ost und West sind.<br />
Das ist sehr wichtig, denn Alpenland GmbH ist nicht die einzige Firma, die unterschiedliche L&#246;hne in Ost und West zahlt. Auch st&#228;dtische Einrichtungen machen solche Unterschiede. So sagt der Regierende B&#252;rgermeister Wowereit zu den W&#252;nschen nach einer Lohnangleichung, W&#252;nsche k&#246;nne man zwar haben, aber nicht alle k&#246;nnten erf&#252;llt werden.<br />
Die Unterschiede werden in der Stadt allein daran sichtbar, dass Senat und Stadtverwaltung ihre Post durch ein privates Unternehmen verschicken lassen. Auch in ausgelagerten Teilbereichen des &#214;ffentlichen Dienstes werden die Auftr&#228;ge an die billigsten Anbieter vergeben, was nat&#252;rlich Dumpinglohn bedeutet. Dass dann der Steuerzahler f&#252;r den Ausgleich durch Hartz IV zur Kasse gebeten wird, machen sich diese Damen und Herren wohl nicht klar!</p>
<p>Wegen der vielen Solidarit&#228;tsbeweise und auch der Unterst&#252;tzung durch die Demonstration am 15.Oktober sind die Kolleginnen und Kollegen bei Alpenland guten Mutes. Auch untereinander gibt es eine gute Stimmung, die sie tr&#228;gt.<br />
Am 20.Oktober lag endlich ein ernsthaft zu pr&#252;fendes Angebot der Arbeitgeber vor, sodass die Kollegen mit etwas Zuversicht in die Verhandlungen am 24.Oktober gingen. Leider waren die Hoffnungen grundlos. Dort erkl&#228;rten die Arbeitgeber die Forderungen von Verdi n&#228;mlich f&#252;r unannehmbar. Sie waren offensichtlich davon ausgegangen, dass die Arbeitnehmerseite ihr Angebot ohne Einw&#228;nde akzeptieren w&#252;rde. Noch vor den Tarifgespr&#228;chen traten sie vor die  Streikenden – w&#228;hrend die Gewerkschaftsdelegation auf sie wartete – und erkl&#228;rten, die Forderungen der Gewerkschaft seien inakzeptabel. Damit verschreckten sie die Kollegen jedoch nicht, sondern best&#228;rkten sie darin, den Streik fortzusetzen. So ist davon auszugehen, dass auch &#252;ber die 10. Woche hinaus gestreikt wird!</p>
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		<title>Den Mantel gerettet, die B&#246;rse erleichtert</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 17:48:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitsbedingungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitskampf]]></category>
		<category><![CDATA[Lohnentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Manteltarifvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Tarif]]></category>
		<category><![CDATA[Tarifvertrag]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Arbeitskampf bei Druckern und Journalisten von Jochen Gester In der Juli-Ausgabe der SoZ berichteten wir erstmals &#252;ber den Streik [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Arbeitskampf bei Druckern und Journalisten</strong></p>
<p>von <em>Jochen Gester</em><br />
In der Juli-Ausgabe der SoZ berichteten wir erstmals &#252;ber den Streik der Besch&#228;ftigten in der Druckindustrie und den Ausstand der Redakteure. Beide Konflikte wurden in der Zwischenzeit beendet.<br />
<span id="more-3073"></span><strong>Die Drucker</strong></p>
<p>Zuerst kam es zu einer Einigung in der Druckindustrie. Das Ergebnis ist ambivalent.</p>
<p>Auf der Habenseite kann verbucht werden, dass die von den Unternehmern geforderte Verschlechterung des Manteltarifvertrags verhindert wurde. Die 35-Stunden-Woche wird nicht aufgegeben. Die tariflichen Regelungen f&#252;r die Maschinenbesetzung bleiben unangetastet. Abgesenkte L&#246;hne f&#252;r Helfert&#228;tigkeiten gibt es nicht. Auch eine &#214;ffnungsklausel, die Arbeitszeitverl&#228;ngerungen auf betrieblicher Ebene erm&#246;glicht h&#228;tte, wurde abgewehrt.</p>
<p>Eine bittere Pille sind jedoch die rein nominellen Einkommenssteigerungen, die real eine Lohneinbu&#223;e von rund 4% bedeuten. Unber&#252;cksichtigt blieben auch die Forderungen nach einer Gleichstellung der Leiharbeiter mit den Stammarbeitern.</p>
<p>Nach diesem Abschluss mussten die Journalisten, die erstmals nach den K&#228;mpfen um die 35-Stunden-Woche der 80er Jahre gemeinsam mit den anderen Besch&#228;ftigten in den Druckereien und Verlagen die Arbeit niedergelegt hatten, auf sich allein gestellt den Arbeitskampf weiterf&#252;hren. Daran beteiligten sich t&#228;glich etwa 500 bis 800 Besch&#228;ftigte aus etwa 30 Redaktionen. Die Urabstimmungen bei der DJU und dem DJV hatten vorher fast &#252;berall eine 98%ige Zustimmung f&#252;r den Streik ergeben. Schwerpunktgebiete des Streiks waren NRW und Baden-W&#252;rttemberg. Im L&#228;ndle waren die Journalisten zu einem Erzwingungsstreik &#252;bergegangen, w&#228;hrend ihre Kollegen in NRW es mit der Nadelstichtaktik versuchten.</p>
<p><strong>Die Redakteure</strong></p>
<p>Mitte August einigten sich Ver.di und der DJV mit den Arbeitgebern. Die Vereinbarung zeigt deutliche &#220;berschneidungen mit dem vorher erzielten Abschluss f&#252;r die &#252;brigen Mitarbeiter in Druckereien und Verlagen:</p>
<p>Das von den Verlegern geforderte Tarifwerk 2 mit deutlichen Verschlechterungen f&#252;r Berufsanf&#228;nger wurde abgewehrt. Die Regelungen des Manteltarifvertrags und die bestehende Altersversorgung bleiben bis 2013 weiter in Kraft, eine n&#228;chste Runde ist hier damit bereits vorprogrammiert. Bei nachgewiesener wirtschaftlicher Notlage k&#246;nnen Urlaubs- und Weihnachtsgeld befristet gek&#252;rzt werden. Die Vereinbarungen zum Einkommen beinhalten eine 1,5%ige Erh&#246;hung am 1.5. 2012 und zwei Einmalzahlungen von jeweils 200 Euro im Oktober 2011 und im August 2012. Die Freien bekommen ab 1.8.2012 ebenfalls 2% mehr.</p>
<p>Das materielle Ergebnis gibt kein Anlass zum Jubel. Von Dauer sind eher die kleinen Ver&#228;nderungen in den K&#246;pfen der Beteiligten. Was hier passieren kann, beschrieb eine Journalistin im Online-Portal Kontext Wochenzeitung. So ging es los:</p>
<p>«Untereinander fremdeln wir Protestler noch wie Kinder am ersten Schultag. Denn der durchschnittliche Journalist spricht zwar viel mit Menschen, die er f&#252;r seine Artikel braucht, und h&#246;rt sich au&#223;erdem gerne selbst zu, aber von seinen Kollegen im Ressort nebenan wei&#223; er oft nicht viel mehr als deren Namen. Und so wirklich interessiert es ihn auch nicht. Der Journalist ist ein latenter Autist. Und gerne auch ein Zyniker. Kollektive Gef&#252;hle, das Pathos einer Massenveranstaltung ist ihm peinlich. Da ist er normalerweise h&#246;chstens distanzierter Beobachter. Jetzt aber sitzen wir an gro&#223;en Tischen beieinander und sollen Genossen sein.»</p>
<p>Doch das &#228;nderte sich:  «W&#228;hrend des Dauerstreiks l&#246;st sich die L&#228;hmung. Wir wollen die uninformierte &#214;ffentlichkeit, unsere Leser aufkl&#228;ren. Dar&#252;ber, was in ihrer Zeitung gerade vor sich geht, dar&#252;ber, dass guter Journalismus in seiner Existenz bedroht ist. Journalisten, die sonst ihre Eigenbr&#246;telei wie einen besonderen Qualit&#228;tsausweis vor sich hertragen, finden sich in Arbeitsgruppen zusammen. Wir basteln Flugbl&#228;tter, Plakate und Streikzeitungen, wir organisieren &#246;ffentliche Konzerte und Kundgebungen, Flashmobs, Kunstaktionen und eine Gl&#228;serne Redaktion, in die wir prominente G&#228;ste einladen, wo wir mit Interessierten ins Gespr&#228;ch kommen. Wir sind drau&#223;en, bei den Menschen und in der Stadt, f&#252;r die wir schreiben.»</p>
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		<title>Transnationale Solidarit&#228;t st&#228;rken</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/09/transnationale-solidaritat-starken/</link>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 18:36:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitsbedingungen]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitskampf]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Internationalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[SOC (Sindicato de obreros del campo)]]></category>
		<category><![CDATA[Verein Weltumspannend arbeiten]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine gewerkschaftliche Reise ins «Plastikmeer von Almería» Ein Bericht von Dieter A. Behr Im Mai 2011 besuchte eine Delegation &#246;sterreichischer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine gewerkschaftliche Reise ins «Plastikmeer von Almería»</strong></p>
<p>Ein Bericht von <em>Dieter A. Behr</em><br />
Im Mai 2011 besuchte eine Delegation &#246;sterreichischer Gewerkschafter vom Verein «Weltumspannend arbeiten» die spanische Region, die f&#252;r ihre industrielle Gem&#252;seproduktion bekannt ist.<br />
<span id="more-2900"></span>Die harten Fakten d&#252;rften vielen Lesern bekannt sein: In der Region Almería werden auf &#252;ber 35000 ha j&#228;hrlich rund 3 Mio. Tonnen Tomaten, Paprika, Auberginen und Gurken produziert, die in den Wintermonaten in den europ&#228;ischen Superm&#228;rkten verkauft werden. In Teilen der &#214;ffentlichkeit besteht mittlerweile ein Bewusstsein dar&#252;ber, dass billiges Gem&#252;se ohne die systematische Ausbeutung von (oft eingewanderten) Arbeiter nicht zu haben ist. Dokumentarfilme wie We feed the world oder Unser t&#228;glich Brot haben diese Realit&#228;t eindrucksvoll ans Tageslicht gebracht.</p>
<p>&#220;ber 120000 Besch&#228;ftigte aus L&#228;ndern des Maghreb, Afrikas s&#252;dlich der Sahara, Osteuropas und Lateinamerikas schuften in den Gew&#228;chsh&#228;usern f&#252;r L&#246;hne von 20 bis 30 Euro pro Tag; viele von ihnen leben in chabolas, provisorischen H&#252;tten aus Holz- und Plastikresten. Polizei&#252;bergriffe und Lohnraub sind an der Tagesordnung. Seit dem Einsetzen der &#246;konomischen Krise im Jahr 2008 hat sich die Situation weiter versch&#228;rft: Spanische Arbeiter, die ihre Jobs in der vormals boomenden Bauwirtschaft verloren haben, dr&#228;ngen in den Agrarsektor und versch&#228;rfen die Konkurrenz sowie rassistische Ressentiments gegen Migranten.</p>
<p>Gegen diese untragbaren Verh&#228;ltnisse versucht die SOC vorzugehen. Die SOC (Sindicato de obreros del campo) verteidigt seit mehr als zehn Jahren die migrantischen Landarbeiter gegen Ausbeutung und Rassismus. Die &#246;sterreichische Delegation konnte sich von ihrer Arbeit ein Bild machen.</p>
<p><strong>Gegen Lohnraub</strong></p>
<p>Obwohl die Personaldecke der SOC d&#252;nn und die finanziellen Mittel &#228;u&#223;erst begrenzt sind, konnte die Gewerkschaft im Kampf gegen Lohnraub schon beachtliche Erfolge erzielen. Laura Góngora, Leiterin der Rechtsberatung der SOC, berichtete, im Zeitraum von 2006 bis 2010 seien rund tausend F&#228;lle erfolgreich bearbeitet worden. Oft handelt es sich bei den erstrittenen Betr&#228;gen um Tausende, manchmal sogar Zehntausende Euro. Und dennoch bleibt das Gros der F&#228;lle ungeahndet. Denn es ist an den Arbeitnehmern zu beweisen, dass es zu Lohnraub oder sonstigen Verst&#246;&#223;en gekommen ist. Die meisten Arbeiter, die vor Gericht ziehen, um ihren Lohn einzufordern, tun dies erst, nachdem sie entlassen wurden. Es erweist sich oft als schwierig, im Betrieb Zeugen zu finden, die zugunsten der Betroffenen aussagen – in einem so gewerkschaftsfeindlichen Umfeld wie Almería ist das kein Wunder.</p>
<p>Oft werden die L&#246;hne &#252;ber eine Dauer von ein bis zwei Jahren nicht ausgezahlt – dann kommt es vor, dass der Chef dem oder der Arbeiterin am Monatsende lediglich 100 Euro aush&#228;ndigt, mit dem (leeren) Versprechen, der Rest werde bald nachgezahlt.</p>
<p>Weil ein Arbeitsvertrag praktisch die Voraussetzung f&#252;r einen gesicherten Aufenthalt ist, ist in den letzten beiden Jahrzehnte in Almería ein gewaltiger Schattenhandel mit Arbeitsvertr&#228;gen entstanden. Ein Arbeitsvertrag wird mittlerweile zu Preisen zwischen 5000 und 13000 Euro verkauft! Viele Migranten verschulden sich f&#252;r den Erwerb eines solchen Papiers in ihren Herkunftsl&#228;ndern.</p>
<p><strong> Der Fall Bio-Sol</strong></p>
<p>Bei einer Begegnung mit einer Gruppe marokkanischer Arbeiterinnen erfuhr die Delegation vom j&#252;ngst ausgefochtenen Arbeitskonflikt bei der Firma Bio-Sol. Das Unternehmen, das j&#228;hrlich rund 7 Mio. Kilo Tomaten, Paprika, Gurken, Zucchini, Auberginen, Wassermelonen und Zuckermelonen f&#252;r den europ&#228;ischen Markt produziert, besch&#228;ftigt insgesamt rund 200 Arbeiter – davon 80 in den Packhallen. Der Gro&#223;teil von ihnen kommt aus Marokko, ein kleinerer Teil aus Rum&#228;nien.</p>
<p>Im Oktober 2010 wurde rund einem Dutzend marokkanischer Frauen aus den Packbetrieben ohne weitere Angaben von Gr&#252;nden gek&#252;ndigt und durch Arbeiterinnen mit prek&#228;ren Vertr&#228;gen ersetzt. Es habe verbale &#220;bergriffe und Beschimpfungen seitens der Vorarbeiter gegeben, klagen sie, Arbeitszeiten von neun Uhr morgens bis ein Uhr nachts, der &#220;berstundenzuschlag sei ihnen vorenthalten worden, wenn sie eine Pause von mehr als f&#252;nf Minuten eingelegt h&#228;tten, sei ihnen automatisch eine halbe Stunde vom abgezogen worden. Sie berichten von Akkordarbeit in den Packhallen und von der Drohung, hinausgeschmissen zu werden, wenn eine bestimmte Menge nicht erreicht wurde.</p>
<p>Bei Bio-Sol zeigt sich, dass die Richtlinien f&#252;r biologische Landwirtschaft keinerlei soziale Verpflichtungen enthalten. Laura Góngora erkl&#228;rt: «Bio ist f&#252;r den Konsumenten sicher gut, aber f&#252;r die Arbeiter &#228;ndert sich nichts. Die Verst&#246;&#223;e gegen das Arbeitsrecht nehmen nicht ab. Das Gem&#252;se, f&#252;r das die Leute schuften, hei&#223;t jetzt einfach Bio.»</p>
<p>In der Schweiz gelang es, die Arbeitsbedingungen bei Bio-Sol publik zu machen und die Konsumenten zu mobilisieren. Auf diese Weise konnte die Supermarktkette Coop, die in der Schweiz Hauptabnehmerin des s&#252;dspanischen Unternehmens ist, dazu bewegt werden, sich in den Arbeitskampf einzumischen und Position f&#252;r die Arbeiterinnen zu beziehen. So wurde erreicht, dass den entlassenen Arbeiterinnen die volle Abfindung bezahlt wurde und gewerkschaftliche Organisierung im Betrieb nicht mehr unterdr&#252;ckt wird.</p>
<p><strong> Transnationale Solidarit&#228;t</strong></p>
<p>Gerade die Gespr&#228;che mit den Arbeiterinnen bei Bio-Sol waren ein entscheidender Ausl&#246;ser daf&#252;r, dass die Teilnehmer der &#246;sterreichischen Gewerkschaftsdelegation nun eigene Solidarit&#228;tsaktionen starten. Aktuell sind ein Film und eine Brosch&#252;re &#252;ber die Reise in Planung, im Herbst soll eine Veranstaltungsreihe in &#214;sterreich organisiert werden. Diese Aktivit&#228;ten verfolgen das konkrete Ziel, die Besch&#228;ftigung einer marokkanischen Gewerkschafterin innerhalb der SOC zu erm&#246;glichen.</p>
<p>Die Selbstorganisation von migrantischen Frauen, die in der Landarbeit bzw. in den Verpackungsbetrieben der Region besch&#228;ftigt sind, ist von zentraler Bedeutung, wenn man die Skrupellosigkeit und Arroganz, mit der agrarindustrielle Betriebe in Almería gegen ihre Besch&#228;ftigten vorgehen, in die Schranken weisen will – dies zeigt der Arbeitskonflikt beim Betrieb Bio-Sol.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Weitere Informationen: www.forumcivique.org; www.weltumspannend-arbeiten.at; socalmeria.wordpress. com.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Tarifbindung und mehr Lohn</title>
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		<pubDate>Fri, 27 May 2011 19:52:42 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Arbeitsbedingungen]]></category>

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		<description><![CDATA[Arbeitskampf an der Berliner Charité und bei CFM von Jochen Gester Am 2.Mai wurden die &#252;ber 10.000 Besch&#228;ftigten der Charité, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Arbeitskampf an der Berliner Charité und bei CFM</strong><br />
<em>von Jochen Gester</em><br />
Am 2.Mai wurden die &#252;ber 10.000 Besch&#228;ftigten der Charité, nach Vivantes die zweitgr&#246;&#223;te Klinik der Hauptstadt, von den Gewerkschaften Ver.di und GKL (Gewerkschaft Kommunaler Landesdienste Berlin), Mitglied der DBB-Tarifunion, zum unbefristeten Vollstreik aufgerufen.<br />
<span id="more-2415"></span>Ende M&#228;rz waren die Tarifgespr&#228;che nach vier ergebnislosen Verhandlungsrunden f&#252;r gescheitert erkl&#228;rt worden. Die Mehrheit der Gewerkschaftsmitglieder – bei der Ver.di-Urabstimmung waren es 92% – sprach sich f&#252;r Arbeitsniederlegung aus. Doch nach Vorlage eines verbesserten Angebots der Charité-Klinikleitung wurde der Streik schon am 6.Mai ausgesetzt.</p>
<p>Ebenfalls bestreikt wurde das Unternehmen Charité Facility Management (CFM), das eine Charité-Ausgr&#252;ndung ist und  verschiedene Dienstleistungen wie Krankentransporte, OP-Sterilisation, Postdienste, Reinigung und K&#252;chenversorgung &#252;bernommen hat. Die CFM hat etwa 2500 Besch&#228;ftigte. W&#228;hrend die Charité zu 100% ein landeseigenes Unternehmen ist, ist die CFM teilprivatisiert und nur zu 51% in Landesbesitz. Den Rest teilen sich die Dussmann Gruppe, VAMED und Hellmann Worldwide Logistics.</p>
<p>F&#252;r die Besch&#228;ftigten der Charité gibt es eine Tarifbindung, die jedoch deutlich unterhalb des Tarifvertrags des &#246;ffentlichen Dienstes liegt (TV&#246;D), aus dem der Berliner Senat 2005 ausgestiegen war. 700 Besch&#228;ftigte sind bei der CFM von der Charité ausgeliehen. W&#228;hrend sie noch in den Genuss der alten Arbeitsvertr&#228;ge kommen, ist der andere Teil der Belegschaft prekarisiert. Bis auf wenige Ausnahmen gelten f&#252;r sie keine Tarifvertr&#228;ge. Ein Teil der Besch&#228;ftigten wird mit Dumpingl&#246;hnen zwischen 5 und 7 Euro die Stunde abgespeist.</p>
<p><strong>Der Streik steht…</strong><br />
Zentrale Forderung des Streiks ist eine Gehaltserh&#246;hung von 300 Euro f&#252;r die Charité-Besch&#228;ftigten, die von Ver.di und der GKL vertreten werden. Die im Marburger Bund organisierten &#196;rzte befinden sich nach einer Tarifrunde, die ihnen stattliche 11% Gehaltserh&#246;hung verschaffte, in der Friedenspflicht. F&#252;r die Mehrheit der CFM-Besch&#228;ftigten fordern die im Streik stehenden Gewerkschaften die Anbindung an die Charité-Tarife.</p>
<p>Die Beteiligung zum Streikauftakt gab mit gesch&#228;tzten 2000 in der Charité und 600 bei der CFM Anlass zur Hoffnung. Viele haben das unbefriedigende Ergebnis des Charité-Streiks von 2006 – 4,4% mehr Einkommen &#252;ber 6 Jahre minus Kompensationen – noch in Erinnerung und wollen, dass sich dies nicht wiederholt. So berichtete mir noch am Tag der Streikaussetzung Sylvia Krisch, die f&#252;r die Charité verantwortliche Tarifsekret&#228;rin, aus der Belegschaft selbst seien Vorschl&#228;ge f&#252;r die Streikorganisation gekommen, viele wollten jetzt die Gelegenheit nutzen, endlich akzeptable L&#246;hne und Arbeitsbedingungen durchzusetzen.</p>
<p>Am 5.Mai kam das neue Angebot der Klinikleitung. Wichtigste Punkte: Erh&#246;hung der Geh&#228;lter um 200 Euro bis 2014, davon werden 150 Euro ab dem 1.7.2011 wirksam. Bedingung: die Abtrennung des Tarifkonflikts bei der CFM und die Aussetzung des Streiks. F&#252;r den Fall der Nichtannahme wurde eine Drohkulisse aufgebaut, die bis zur Ank&#252;ndigung der Schlie&#223;ung des Klinikums ging.</p>
<p>Die gewerkschaftliche Verhandlungsf&#252;hrung rief daraufhin am 6.Mai die Belegschaften der drei Standorte der Charité, Benjamin Franklin Steglitz, Virchow Wedding und Charité Mitte sowie die Kollegen der CFM zu parallelen Streikversammlungen auf.</p>
<p>Ich konnte in Steglitz selbst an der Aussprache teilnehmen und mir ein Bild von der Stimmung machen. Die Diskussion war leidenschaftlich und offen und wurde nicht zielgesteuert abgewickelt. Viele Schwestern, Pfleger und Arbeiter der CFM meldeten sich zu Wort, die Mehrheit der Redner warnte eindringlich davor, jetzt den Streik auszusetzen. Das werde nur dazu f&#252;hren, dass rasch s&#228;mtliche freien Betten belegt w&#252;rden. Die so erzwungene «Normalit&#228;t» werde es sehr schwer machen, den Ausstand weiterzuf&#252;hren.</p>
<p>Niemand vertrat offen die Position, der Streik k&#246;nne beendet werden, ohne dass die Verhandlungsleitung des Klinikums die CFM in die Verhandlungen einbezieht. Ein Arbeiter der CFM griff erregt das Wort und nannte eine Zustimmung «Verrat». Niemand widersprach. Bei der Abstimmung &#252;ber die Frage, ob der Streik jetzt ausgesetzt werden soll, votierten lediglich etwa 30–40 der &#252;ber 400 Versammelten f&#252;r den Abbruch.</p>
<p><strong>…und wird ausgesetzt</strong><br />
Nachdem die Versammlung dann auf die H&#228;lfte geschrumpft war, versuchte der Teil der Versammlung, der mit dem Ergebnis nicht einverstanden waren, das Blatt noch einmal zu wenden. Doch als das mit emp&#246;rten Kommentaren als Missachtung der Demokratie zur&#252;ckgewiesen wurde, unterblieben weitere Versuche, ein anderes Abstimmungsergebnis zu erreichen.</p>
<p>Informationen dar&#252;ber, wie die Diskussion an den beiden anderen Standorten verlaufen ist, sind &#246;ffentlich nicht verf&#252;gbar. In Steglitz wurde zuerst mit gro&#223;em Beifall die Nachricht aufgenommen, dass an einem oder beiden der anderen Standorte ebenfalls die Mehrheit gegen den Abbruch des Streiks gestimmt habe. Doch zu einem sp&#228;teren Zeitpunkt wurde gemeldet, die Mehrheit habe f&#252;r den Streikabbruch gestimmt.</p>
<p>Trotz deutlich schwieriger Bedingungen stand auch der Streik bei der CFM. Dort weigerte sich die Gesch&#228;ftsleitung zu verhandeln und war nicht einmal bereit, eine Notdienstvereinbarung abzuschlie&#223;en. Stattdessen versuchte sie selbst, ausgesuchte Mitarbeiter zu diesen Arbeiten zu verpflichten.</p>
<p>Der Verhandlungsf&#252;hrer der GKL, Aaron Williams, erkl&#228;rte mir, die Zahl der Streikenden steige st&#228;ndig und beide Gewerkschaften k&#246;nnten ihren Organisationsgrad sp&#252;rbar verbessern. Er zeigte aber auch Verst&#228;ndnis f&#252;r die Entscheidung der gewerkschaftlichen Verhandlungsf&#252;hrung an der Charité, zu verhandeln, ohne dass die CFM im Boot ist. Sie h&#228;tten ein gutes Angebot erhalten. Die Belegschaft bei der CFM sei durchaus in der Lage, ihre Tarifbindung allein durchzuk&#228;mpfen.</p>
<p>Ein besonderes &#196;rgernis ist f&#252;r ihn, dass die IG BAU, die in der CFM mehrere Hundert Reinigungskr&#228;fte vertritt, in einem verteilten Flugblatt unter dem Titel «Vorsicht Falle» die Rechtm&#228;&#223;igkeit des Streiks in Frage stellt und die Besch&#228;ftigten vor der Teilnahme am Streik gewarnt hat. W&#252;rde die IG BAU die Reinigungskr&#228;fte zu Solidarit&#228;tsstreiks aufrufen – viele hatten sich schon an den Warnstreiks beteiligt –, w&#228;re der Ausgang des Konflikts eine Sache von Tagen, so Williams.</p>
<p><strong>Erneute Wendung</strong><br />
Nachdem die Gesch&#228;ftsleitung der CFM ihre Verhandlungsbereitschaft erkl&#228;rt hat, wurde der Streik am 14.Mai auch hier ausgesetzt, obwohl ein Angebot noch nicht vorliegt und der Beginn der Gespr&#228;che erst f&#252;r den 31.Juli zugesagt wurde.</p>
<p>Am 13.Mai zogen 300 Demonstranten zum SPD-Landesparteitag. Sie konfrontierten die Partei damit, sie w&#252;rde zwar im Wahlkampf viel &#252;ber ein Gesetz zur Einhaltung einer Lohnuntergrenze von 8,50 Euro f&#252;r die Bewerbung um &#246;ffentliche Auftr&#228;ge reden, in der Praxis jedoch Unternehmen, in denen das Land die Mehrheit hat, davon ausnehmen. Sah es nach der Aussetzung des Streiks zun&#228;chst so aus, als w&#252;rde der Streik dadurch beendet, so gibt es jetzt Anzeichen daf&#252;r, dass sich das Blatt bei der Charité noch einmal wenden k&#246;nnte.</p>
<p>Auf offenen Ver.di-Mitgliederversammlungen, in denen die Verhandlungsf&#252;hrung den Stand der Verhandlungen vorstellte, votierten zwei Drittel der Gewerkschaftsmitglieder an allen drei Standorten f&#252;r die Weiterf&#252;hrung des Streiks. Die meisten Redner bewerteten das Verhandlungsergebnis zwar als respektabel – Anhebung der unteren Lohngruppen, die den Hauptteil des Pflegepersonals stellen, auf das Niveau des Tv&#246;D bis 2014 und eine verbesserte Gestaltung des Dienstplans –, doch wurde das Gesamtpaket f&#252;r nicht ausreichend befunden.</p>
<p>Unzufrieden waren die Versammelten vor allem mit der Festlegung einer Friedenspflicht bis 2016 und der unver&#228;nderten Weigerung des CFM-Managements, einer erneuten tariflichen Anbindung an die Charité zuzustimmen.In der Diskussion wiesen die Sprecher der Ver.di-Betriebsgruppe auf die Risiken einer Eskalation des Streiks hin, pl&#228;dierten aber trotzdem f&#252;r die Wiederaufnahme des Arbeitskampfs.</p>
<p>Die hauptamtliche Ver.di-Verhandlungsf&#252;hrung sprach sich allerdings f&#252;r zus&#228;tzliche Verhandlungen ohne erneuten Eintritt in den Arbeitskampf aus. Das Votum der Mitgliederversammlung ist f&#252;r Ver.di nicht bindend. Es hat nur empfehlenden Charakter.</p>
<p>Am 20.Mai wurde bei erneuten Verhandlungen ein Ergebnis erzielt, das die Ver.di-Verhandlungsf&#252;hrerin Bettina Weitermann als «fairen L&#246;sungsvorschlag» bezeichnete. &#220;ber die Annahme des Ergebnisses werden jetzt die Mitglieder befragt. Am 25.Mai tritt die Tarifkommission zusammen. Dann soll auch das Ergebnis der Befragung vorliegen. Je nach dessen Ergebnis wird entschieden, ob der Streik beendet wird oder nicht.</p>
<p><em>(Stand 24.Mai.)</em></p>
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