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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Gewerkschaftspolitik</title>
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		<title>Mega-Tarifjahr 2012: Zeit f&#252;r eine Trendwende</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:26:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gewerkschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Rest-ÖD]]></category>

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		<description><![CDATA[von Jochen Gester Aus bekannten und verst&#228;ndlichen Gr&#252;nden wollen die wirtschaftlichen Eliten in Deutschland nichts davon h&#246;ren, dass die Krise [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von <em>Jochen Gester</em></p>
<p>Aus bekannten und verst&#228;ndlichen Gr&#252;nden wollen die wirtschaftlichen Eliten in Deutschland nichts davon h&#246;ren, dass die Krise der EU und ihre Polarisierung in Gewinner und Verlierer auch ein Ergebnis der extremen Lohnzur&#252;ckhaltung der Gewerkschaften ist.<br />
<span id="more-3950"></span>Der «Exportweltmeister» gr&#252;ndet seine Meisterschaft darauf, dass die Gewerkschaften in Deutschland entweder nicht in der Lage oder nicht bereit sind, die Verteilungsspielr&#228;ume im Sinne der Besch&#228;ftigten so zu nutzen, wie dies in den meisten anderen EU-L&#228;ndern &#252;blich ist.<br />
Mit diesem Kurs zu brechen, w&#252;rde nicht nur den abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten n&#252;tzen. Es w&#252;rde auch den volkswirtschaftlichen Zusammenhalt der EU-&#214;konomien st&#228;rken, statt ihn weiter zu destabilisieren. Daf&#252;r bietet sich in diesem Jahr eine gute Chance, denn 2012 ist ein Mega-Tarifjahr.<br />
Ende Februar laufen die Vertr&#228;ge f&#252;r fast zwei Millionen Besch&#228;ftigte im &#246;ffentlichen Dienst aus – n&#228;mlich diejenigen, die f&#252;r L&#228;nder und Kommunen t&#228;tig sind. Im Organisationsbereich von Ver.di wird es zudem auch im Banksektor ums Geld gehen. Am 31.M&#228;rz endet die Laufzeit des Lohntarifvertrags f&#252;r 3,6 Millionen Lohnabh&#228;ngige in der Metall- und Elektroindustrie. Der Haustarifvertrag von Volkswagen l&#228;uft Ende Mai aus. Dazu gesellen sich dann &#252;ber eine halbe Millionen Besch&#228;ftigte in der Chemie, und auch im Bereich des Nahrungs- und Gastst&#228;ttengewerbes werden die Karten neu gemischt.</p>
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		<title>Stabile Verh&#228;ltnisse trotz kleinerer Punktsiege von links</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 08:24:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gewerkschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Im Gespräch]]></category>

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		<description><![CDATA[22. Gewerkschaftstag der IG Metall Vom 9. bis 12. Oktober fand in Karlsruhe der 22. Gewerkschaftstag der IG Metall statt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>22. Gewerkschaftstag der IG Metall</strong></p>
<p>Vom 9. bis 12. Oktober fand in Karlsruhe der 22. Gewerkschaftstag der IG Metall statt. In seinem Einleitungsbeitrag zur einw&#246;chigen Tagung bescheinigte Bertold Huber der IG Metall, einen guten Job gemacht zu haben.<br />
<span id="more-3389"></span>Sie habe in der Krise bewiesen, wie wichtig eine gut funktionierende Sozialpartnerschaft ist. Auch genie&#223;e sie das Vertrauen der Jugend, die wieder verst&#228;rkt Aufnahmeantr&#228;ge unterschreibe. Am Ende wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder mit hohen Quoten wieder gew&#228;hlt.<br />
Manch Au&#223;enstehender wird sich verwundert die Augen reiben angesichts der allgemeinen Prekarisierung der Arbeitswelt, deren Wucht auch ein Ergebnis gewerkschaftlicher Politik der Marke «Standort Deutschland» ist.<br />
Dar&#252;ber, welche Ergebnisse der Gewerkschaftstag im Einzelnen hatte, befragte Jochen Gester KLAUS MURAWSKI, der als Delegierter der Berliner Verwaltungsstelle dabei war.<br />
Klaus ist Vertrauensk&#246;rperleiter bei OTIS und Mitglied der Berliner Ortsverwaltung. Auf der &#246;rtlichen Delegiertenversammlung erhielt er sein Mandat f&#252;r den Gewerkschaftstag gegen die Empfehlung der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung.</p>
<p><em><strong>Was waren die Hauptthemen auf diesem Gewerkschaftstag?</strong></em></p>
<p>Es gab viele. Hauptthema war eigentlich, wie die IG Metall eine Perspektive finden kann. Die IG Metall hat ja jetzt aktuell neue Mitglieder gewonnen, ganz gegen den Trend. Daf&#252;r wurden auch gro&#223;e Anstrengungen unternommen. Das Motto war: «Wir wollen stark bleiben und uns weiterentwickeln und an Bedeutung gewinnen.» Das bezieht sich vor allem auf die Politik. Deshalb wurden auch Merkel und Wulf eingeladen.<br />
Das konkrete Thema war die prek&#228;re Besch&#228;ftigung. Neu als Thema waren die sog. Werkvertr&#228;ge. Ich wusste nicht, dass die IG Metall das jetzt so in den Mittelpunkt stellt. Weiter ging es um das Thema Befristungen und die Ausgrenzung durch Leiharbeit. Hier ging es dann auch um die Frage der Belastungen – durch Schichtarbeit und ihre Ausweitung sowie durch Managementsysteme wie «100%-Arbeit» oder «Arbeit ohne Ende».<br />
Eine besondere Rolle spielte die prek&#228;re Besch&#228;ftigung f&#252;r die junge Generation. In diesem Umfang neu war auch die Rolle der Mitgliedergewinnung, vor allem junger Mitglieder. Debattiert wurde, wie man die junge Generation besser ansprechen und f&#252;r sie Politik machen kann. Hier ging es um den Zusammenhang von prek&#228;rer Besch&#228;ftigung und selbstbewusstem Auftreten. Die Gewerkschaften haben gemerkt, dass das Erste das Zweite verhindert, Perspektivlosigkeit und Ver&#228;ngstigung erzeugt und es schwer ist, unter diesen Bedingungen eine selbstbewusste Gewerkschaftspolitik zu machen.</p>
<p><strong>Das Personelle</strong><br />
<em><strong>Um welche Fragen gab es kontroverse Debatten?</strong></em></p>
<p>Es gab deutlich weniger kontroverse Debatten als vor acht Jahren, als ich auch als Delegierter dabei war. Die erste Kontroverse war – das lief ja auch durch die Medien – die unerwartete Vorstandswahl. Nach dem Vorschlag des Vorstands sollte die CDA, bisher durch Regina G&#246;rner vertreten, nicht mehr Sitz und Stimme im Vorstand haben.<br />
Das war aber nicht der eigentliche Konflikt. Der drehte sich um die Frage, welche Bezirke im Vorstand vertreten werden und welche nicht, was so aber nie offen ausgesprochen wurde. Deutlich wurde dies bei der geheimen Abstimmung &#252;ber den Satzungsantrag, bei der es um die Absicht ging, den  gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Vorstand zu verkleinern. Hier haben Frankfurt und Niedersachsen geschlossen gegen den Vorstand votiert, weil sie im neuen Vorstand nicht mehr vertreten gewesen w&#228;ren. Das reichte zur Ablehnung, weil eine Zweidrittelmehrheit notwendig war.<br />
F&#252;r J&#252;rgen Peters aus Niedersachsen war 2007 Detlef Wetzel aus NRW nachger&#252;ckt. Bisher war es so, dass immer ein Vertreter aus Niedersachen oder Baden-W&#252;rttemberg Erster oder Zweiter Vorsitzender gewesen ist. Mit dieser Tradition war gebrochen worden. Die Niedersachsen haben dann bei den Frankfurtern Verb&#252;ndete gefunden. Bayern, Baden-W&#252;rttemberg und NRW hatten f&#252;r den Antrag gestimmt.</p>
<p><em><strong>Was das auch ein Stellvertreterkonflikt, bei dem andere &#196;rgernisse eine zus&#228;tzliche Rolle spielten?</strong></em></p>
<p>Ja, es gab auch andere, die unzufrieden waren. Es gab ein Papier der Vorstandsverwaltung, welche Personengruppen k&#252;nftig im Vorstand vertreten sein sollten. Dort tauchten Frauen, Jugend und Migranten und Angestellte nur noch da auf, wo es um Mitgliederentwicklung ging, aber nicht bei der Besetzung der Vorstands&#228;mter. Das war zumindest ungeschickt. Der Vorstand konnte das auch nicht erkl&#228;ren und begr&#252;nden, wie sichergestellt wird, dass die Gruppen wirklich im gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Vorstand repr&#228;sentiert werden. Dadurch gab es wohl eine Menge von Sympathisanten des Vorhabens, die geplante Verkleinerung des gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Vorstands zu Fall zu bringen, die dann mit aufgesprungen sind.<br />
Die Zahl der Gegenstimmen wuchs dann nochmal bei der zweiten, geheim durchgef&#252;hrten Abstimmung. Dadurch besteht jetzt die Chance, den nicht verkleinerten Vorstand wirklich mit J&#252;ngeren zu besetzen und mit einer Frau aus Niedersachsen.</p>
<p><strong>Die Antr&#228;ge</strong></p>
<p>&#220;ber das Thema «Organisationsreform IG Metall 2009» hinaus gab es nat&#252;rlich noch weitere Kontroversen. An vier Punkten wurde gegen die Empfehlung der Antragsberatungskommission (ABK) votiert. Vor acht Jahren waren das noch deutlich mehr, was vor allem das Ergebnis der Arbeit der ABK ist.<br />
Punkt 1 war Leiharbeit. Es lag ein Antrag vor, der sich f&#252;r ein langfristiges Verbot der Leiharbeit aussprach. Das wurde von der ABK abgelehnt, aber von den Delegierten klar bef&#252;rwortet.<br />
Punkt 2 war die Forderung nach einer abschlagsfreien Rente mit 60 nach 40 Versicherungsjahren. Da haben sie gemerkt, dass eine Ablehnung dieses Antrags keine Mehrheit findet und deshalb eingelenkt. Der Vorstand hatte die Abschlagsfreiheit erst mit 65 bef&#252;rwortet.<br />
Punkt 3 war ein Antrag des Ortsjugendausschusses, der gefordert hatten Werbung f&#252;r die Bundeswehr nicht nur aus Schulen, sondern auch aus Berufsschulen, Messen und Arbeits&#228;mtern rauszuhalten. Hier war im empfohlenen Antrag nur von «Schulen» die Rede.<br />
Bei Punkt 4 ging es um das Outsourcing von Bildungsarbeit beim Vorstand und den Bezirksverwaltungen. Hier wurde gefordert, Outsourcing, Werkvertr&#228;ge und Leiharbeit sofort zu stoppen und wieder r&#252;ckg&#228;ngig zu machen. Auch hier lenkte die ABK ein.<br />
Erw&#228;hnenswert ist auch, dass viele Redner kritisierten, dass der Vorstand die beschlossene Kampagne gegen die Rente mit 67 abgebrochen hat. Der Vorstand hat diesen Vorwurf jedoch zur&#252;ckgewiesen und erkl&#228;rt, die Kampagne werde fortgesetzt.</p>
<p><strong>Konversion</strong><br />
<em><strong>Gab es eine Debatte um den Kurzreport des Vorstands zur Politik im Schiffbau? Der kam ja &#246;ffentlich unter Beschuss, weil hier eine Ausweitung des R&#252;stungsexports empfohlen wurde.*</strong></em></p>
<p>Gleich am ersten Tag beim Gesch&#228;ftsbericht ging Katinka Penske, die 2.Bevollm&#228;chtigte aus Frankfurt, darauf ein und fragte, was das Papier soll. Man k&#246;nne ja den Eindruck gewinnen, der Vorstand nehme die eigene Beschlusslage nicht ernst. Schlie&#223;lich sei ja Konversion die Linie.<br />
Es gab dazu mehrere Wortmeldungen. Auch ich habe mich zu Wort gemeldet und den Vorstand, Wolfgang Rohde, der das kritisierte Vorwort mit verfasst hatte, gefragt, wie das zu erkl&#228;ren sei. In dem Papier steht deutlich drin, dass die HDW immer noch auf Geld f&#252;r drei U-Boote wartet, das die Griechen zur Zeit nicht haben. Da wird auch klar, was Aufr&#252;stung f&#252;r ein Land wie Griechenland bedeutet, das praktisch pleite ist. Sie t&#246;tet nicht nur in Kriegs- sondern auch in Friedenszeiten, weil das Geld f&#252;r andere Sachen fehlt.</p>
<p><strong><em>Was hat Wolfgang Rhode dazu gesagt?</em></strong></p>
<p>In einem pers&#246;nlichen Gespr&#228;ch hat Rhode versucht, mir die Situation in der Werftindustrie zu erkl&#228;ren. Der Bereich ist zu 95% gewerkschaftlich organisiert und die technikbegeisterten Leute lieben ihre Produkte, entsprechend schwer hat es ein Vorst&#228;ndler, der ihnen mit Konversion kommt. Mit denen muss man lange reden.<br />
Der Bereich des milit&#228;rischen Schiffbaus ist auch sehr geschrumpft. Es gibt nur noch 4000 Arbeitspl&#228;tze in der Endfertigung. Das war mal das Zehnfache.<br />
Huber brachte zum Ausdruck, dass ihn der Beitrag von Katrin Penske sehr gewurmt hat, und betonte, die r&#252;stungskritische Beschlusslage habe sich nicht ver&#228;ndert, eine solche Debatte sei auf dem Gewerkschaftstag eigentlich fehl am Platz.<br />
Zu dem Thema wurde dann ein Erg&#228;nzungsantrag angenommen, in dem klar formuliert ist, dass die IG Metall sich f&#252;r die Erschlie&#223;ung neuer alternativer Arbeitsfelder, insbesondere f&#252;r die Konversion in der wehrtechnischen Industrie einsetzt.</p>
<p><em><strong>Kam das Thema «Tarifeinheit» irgendwie zur Sprache? Huber hatte ja erkl&#228;rt, er wolle dieses Ziel trotz des Ausstiegs von Ver.di weiter verfolgen.</strong></em></p>
<p>In der Aussprache zum Gesch&#228;ftsbericht haben sich einige  kritisch dazu ge&#228;u&#223;ert und der Vorstand ist nicht dagegen  aufgetreten. Diese Geisternummer scheint wirklich vom Tisch zu sein. Huber hat in seinem Grundsatzreferat hervorgehoben, f&#252;r die IG Metall sei es wichtig, sich durch ihre Tarifpolitik als st&#228;rkste Gewerkschaft durchzusetzen. Und Vorstand Helga Schwitzer betonte in ihrem Gesch&#228;ftsbericht, die IG Metall solle das politisch durch eigene Anstrengungen erreichen. Daf&#252;r sei das Urteil g&#252;nstig, weil die Christlichen Gewerkschaften als Dumpingkonkurrenz dadurch eher ausgebootet werden k&#246;nnen.</p>
<p><em><strong>Die Medien haben &#252;ber den Gewerkschaftstag und die IG Metall durchweg lobend berichtet. Sind das nicht vergiftete Komplimente?</strong></em></p>
<p>Das war auf jeden Fall peinlich. In Karlsruhe haben deshalb einige Redner erkl&#228;rt, diese Schmeicheleien w&#252;rden nicht dazu f&#252;hren, dass die IG Metall ihre kritischen Positionen gegen&#252;ber Politik und Wirtschaft aufgibt. Das hat auch Huber gesagt.<br />
Beim Auftritt von Merkel war eigentlich eine Aktion f&#252;r die unbefristete &#220;bernahme geplant. Aber die Kanzlerin war, kaum war sie drin, schon wieder drau&#223;en. In der Rede von Wulff fand ich wirklich gut, was er zum Thema Jugend sagte. Hier hat er sehr gut gesprochen, auch mit Kritik an der Regierung [wegen mangelnder &#220;berpr&#252;fung der staatlichen Reformen zur Flexibilisierung der Arbeitswelt auf Missbrauch].</p>
<p><em><strong>Gab es auf dem Gewerkschaftstag f&#252;r dich Mut machende Weichenstellungen?</strong></em></p>
<p>82% der Delegierten waren zum ersten Mal auf dem Gewerkschaftstag. Das war auch ein Grund, warum weniger als sonst diskutiert wurde. Es gab eine gute Vorbereitung in den Verwaltungsstellen. Und die Antragsberatungskommission hat im Gegensatz zu vor acht Jahren auch fast alle Antr&#228;ge zur Annahme empfohlen. Hier sehe ich eine ehrlich gemeinte Bem&#252;hung, den Zusammenhalt der Organisation zu st&#228;rken.<br />
Erw&#228;hnenswert finde ich auch, dass ziviler Ungehorsam und Blockaden gegen Nazi-Aufm&#228;rsche bef&#252;rwortet wurden. Nat&#252;rlich geht es um kaum mehr, als den Kapitalismus zu versch&#246;nern. Das war immer Aufgabe der Gewerkschaften. Wir sind ja ein Teil dieses kapitalistischen Systems. Wichtig finde ich, dass wir nicht nur mehr junge Mitglieder bekommen, sondern dass sie sich mehr engagieren, auch politisch.</p>
<p>*Mehr zu diesem Thema unter www.labournet.de/igm-akint.berlin/ aktuelles.htm.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Bei Ver.di wird wenigstens diskutiert&#8230;</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/11/bei-ver-di-wird-wenigstens-diskutiert/</link>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 08:24:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gewerkschaftspolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Eindr&#252;cke vom 3.Bundeskongress von Helmut Born Vom 17. bis 24. September fand in den Leipziger Messehallen der 3. ordentliche Bundeskongress [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eindr&#252;cke vom 3.Bundeskongress</strong><br />
von <em>Helmut Born </em><br />
Vom 17. bis 24. September fand in den Leipziger Messehallen der 3. ordentliche Bundeskongress der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft, Ver.di, statt. &#220;ber 900 Delegierte hatten &#252;ber die letzten vier Jahre von Ver.di zu befinden, einen neuen Bundesvorstand und Gewerkschaftsrat zu w&#228;hlen und &#252;ber 1300 Antr&#228;ge zu beraten.<br />
<span id="more-3387"></span>Als erstes politisches «Highlight» stand am Er&#246;ffnungstag der Besuch des Bundespr&#228;sidenten Christian Wulff auf der Tagesordnung. Dieser betonte in seiner gut einst&#252;ndigen Rede die Verdienste der Gewerkschaften in der letzten Krise, die es der Bundesrepublik erlaubt habe, so gut aus dieser herauszukommen, dass sie jetzt mit einem Aufschwung sondergleichen dastehe. Er bescheinigte den Gewerkschaften, eine S&#228;ule der Demokratie zu sein und eine herausragende Rolle beim Zusammenhalt der Gesellschaft zu spielen. Dann schloss er seine Rede mit der Warnung, an der Schuldenbremse f&#252;hre kein Weg vorbei, damit h&#228;tten die Gewerkschaften sich auseinanderzusetzen.<br />
Der Rechenschaftsbericht am Sonntag morgen erweckte den Eindruck, Ver.di sei in den vergangenen Jahren von Erfolg zu Erfolg geeilt. Weder die schlechte Entwicklung bei den Einkommen der Besch&#228;ftigten noch die nach wie vor abnehmende Zahl der Mitglieder waren eine kritischen Betrachtung wert. Lediglich die bedr&#252;ckende Lage der Jugendlichen wurde erw&#228;hnt. Statt dessen wurden die starke Einkommensentwicklung und die positive Mitgliederentwicklung bei der Post hervorgehoben&#8230;</p>
<p><strong>Aussprache</strong></p>
<p>Frank Bsirske ging noch einmal kurz auf die gescheiterte Initiative des DGB mit dem Arbeitgeberverband BDA zur Tarifeinheit ein und stellte fest, diese sei in der Organisation nicht durchsetzbar gewesen. Deswegen sei es auch richtig gewesen, sich aus dem Projekt zur&#252;ckzuziehen. Daraus habe auch der DGB auf Antrag von Ver.di die n&#246;tige Konsequenz gezogen. Er wolle aber am Prinzip der Tarifeinheit weiterarbeiten, entsprechende Initiativen w&#252;rden folgen.<br />
Positiver war, dass er sich eindeutig f&#252;r politische Streiks aussprach und das Recht auf Widerstand durch Blockaden gegen Naziaufm&#228;rsche betonte.<br />
Die Delegierten verzichteten auf den gro&#223;en Schlagabtausch und beschr&#228;nkten sich meist auf einzelne, f&#252;r sie wichtige, Themen. Eine Ausnahme bildete eine Delegierte aus Hessen, die die neue, «m&#228;&#223;igende» Rolle von Ver.di-Hauptamtlichen bei der Bildung von Betriebsratsregionen bei Schlecker kritisierte. Sie forderte vehement eine Beteiligung der Basis und erhielt daf&#252;r viel Beifall.</p>
<p>Ein Kollege prangerte die schlechte Einkommensentwicklung bei den Nahverkehrsbetrieben in Baden-W&#252;rttemberg an. Daraus habe man die Konsequenz gezogen, sich aus dem Tv&#214;D zu verabschieden und f&#252;r einen eigenen Tarifvertrag zu k&#228;mpfen. Damit erh&#228;lt das Thema Tarifeinheit in Ver.di einen ganz neuen Stellenwert. Nicht mehr die Konkurrenz der «Rosinenpicker» von Cockpit und Marburger Bund gef&#228;hrden nun die Tarifeinheit, jetzt sind es Kollegen aus der eigenen Organisation. Vielleicht hilft der Vorgang ja, mal &#252;ber die Gr&#252;nde der St&#228;rke von Konkurrenzorganisationen nachzudenken. Die schlechteste Einkommensentwicklung der EU, Arbeitszeitverl&#228;ngerung und die st&#228;rkere Ausbeutung in den Betrieben gehen nicht spurlos an den Mitgliedern vorbei.</p>
<p>Wirkliche H&#246;hepunkte waren die sehr k&#228;mpferischen Grussworte der internationalen G&#228;ste: so Phillip Jennings, der Generalsekret&#228;r des Internationalen Dachverbands der Dienstleistungsgewerkschaften (UNI) oder die kolumbianische Gewerkschafterin María Baquero, die ergreifend &#252;ber die Verfolgung von Gewerkschaftern in ihrem Land berichtete. Der Kongress dankte allen mit minutenlangem stehendem Applaus.<br />
Die Wahlen zum Bundesvorstand und zum Gewerkschaftsrat endeten ohne eine wirkliche &#220;berraschung. Im 14-k&#246;pfigen Vorstand sitzen allerdings nur noch f&#252;nf M&#228;nner – ein Ergebnis der konsequenten Politik der Ver.di-Frauen.</p>
<p><strong>Lebendige Debatten</strong></p>
<p>Gut drei Tage waren der Antragsberatung vorbehalten. Trotz Verl&#228;ngerung um einen Tag waren die &#252;ber 1300 Antr&#228;ge aber auch in dieser Zeit nicht zu bew&#228;ltigen. Daf&#252;r gab es zu wichtigen gewerkschafts- und gesellschaftspolitischen Fragen sehr ausf&#252;hrliche und gute Diskussionen. Versuche, sie durch Gesch&#228;ftsordnungsantr&#228;ge zu unterbinden, wurden in den meisten F&#228;llen zur&#252;ckgewiesen. In manchen Fragen zeigten sich grosse Differenzen zwischen den politischen Lagern und Fachbereichen, auch zwischen links orientierten Delegierten und Mitgliedern des Bundesvorstandes. Die Ver.di-Linke spielte bei wichtigen Debatten eine gute Rolle, konnte aber nur vereinzelt Erfolge erzielen. Dazu ein paar Beispiele:</p>
<p><strong>Antrag 50: Weiterf&#252;hrung der Initiative f&#252;r einen gesetzlichen Mindestlohn.</strong><br />
Ein Antrag aus Th&#252;ringen forderte die Fortf&#252;hrung der Initiative f&#252;r 8,50 Euro; er wurde zur Annahme empfohlen; die vielen Antr&#228;ge, die einen Mindestlohn von 10–12 Euro forderten, sollten als Arbeitsmaterial beerdigt werden.<br />
Dagegen stellten die Landesverb&#228;nde einen &#196;nderungsantrag f&#252;r 10 Euro Mindestlohn. An der anschlie&#223;enden, sehr ausf&#252;hrlichen Debatte, beteiligten sich auch Mitglieder der Bundesvorstands, die dazu aufforderten, den &#196;nderungsantrag abzulehnen. Als Kompromiss wurde mit grosser Mehrheit die Formulierung angenommen, dass «eine j&#228;hrliche &#220;berpr&#252;fung der H&#246;he des Mindestlohns zwingend ist. Das gilt auch f&#252;r den schnellen Anstieg auf 10 Euro».</p>
<p><strong>Antrag A111: Arbeitszeitpolitische Entschlie&#223;ung</strong><br />
Der von Bundesvorstand und Gewerkschaftsrat eingebrachten Antrag beschreibt die arbeitszeitpolitischen Ziele der Antragsteller, vermeidet aber die Festlegung auf eine konkrete Arbeitszeitverk&#252;rzung. Hingegen forderten verschiedene Antr&#228;ge konkret eine Arbeitszeitverk&#252;rzung auf 30–35 Stunden.<br />
Auch diese Antr&#228;ge sollten zum Arbeitsmaterial wandern. Die Ver.di-Linke betrachtet die Frage der Arbeitszeitverk&#252;rzung aber als eine der wichtigsten und versuchte deshalb, wenigstens einen dieser konkreten Antr&#228;ge durch zu bekommen. Das ist nicht gelungen. Trotz vieler Versuche konnte sich die Antragsberatungskomission mit ihren Empfehlungen durchsetzen, wenn auch h&#228;ufig mit vielen Gegenstimmen. So bleibt den Bef&#252;rwortern einer generellen Arbeitszeitverk&#252;rzung nur, sich auf den Text des Antrags 111 zu beziehen, der immerhin «die T&#252;r f&#252;r Arbeitszeitverk&#252;rzung &#246;ffnen» will.</p>
<p><strong>Antrag A224: Frieden und Sicherheit weltweit</strong><br />
An diesem Antrag, der sich strikt gegen Kriegseins&#228;tze der Bundeswehr und  f&#252;r den R&#252;ckzug der Bundeswehr aus allen Kriegsgebieten aussprach, entz&#252;ndete sich eine mehrst&#252;ndige Debatte, die einer der H&#246;hepunkte der Antragsberatung war. Hervorgerufen wurde die Debatte durch den &#196;nderungsantrag eines Delegierten, die Bundeswehr d&#252;rfe sich «nur» an Eins&#228;tzen beteiligen, die mit einem UN-Mandat ausgestattet sind. Damit wurde A224 praktisch in sein Gegenteil verkehrt, weil er der Beteiligung an Auslandseins&#228;tzen ein Tor &#246;ffnete.<br />
In der Debatte wurde deutlich, dass mit dem &#196;nderungsantrag gewerkschaftliche Grundpositionen aufgek&#252;ndigt und zumindest mit SPD/gr&#252;ner Politik kompatibel gemacht werden sollten. Vor allem Frank Bsirske sprach sich sehr deutlich f&#252;r die Annahme des &#196;nderungsantrags aus.<br />
Letztlich entstand ein ganz neuer Antrag, der den urspr&#252;nglichen Antrag aufweichte. Zu Kriegseins&#228;tzen wurde folgende Passage beschlossen: «Ver.di lehnt Krieg als Mittel der Politik ab. Ver.di setzt sich daf&#252;r ein, dass die Bundeswehr ausschlie&#223;lich der Landesverteidigung dient. Auslandseins&#228;tze sind vom Parlament zu beschlie&#223;en und auf humanit&#228;re Blauhelmeins&#228;tze im Rahmen der UN-Charta zu begrenzen.»</p>
<p><strong>Worte und Taten</strong></p>
<p>Es wurden noch manche guten Beschl&#252;sse zum politischen Streik, zum Streikrecht bei kirchlichen Einrichtungen, zur Rente, zum Kampf gegen Nazis und zu vielen anderen Fragen gefasst.<br />
Gefordert wurde auch ein aktiver und investiver Sozialstaat, in dem alle Menschen ein Leben in W&#252;rde und Freiheit f&#252;hren k&#246;nnen. Das hat aber nichts mit der Lebensrealit&#228;t von Millionen Menschen zu tun, deren W&#252;rde tagt&#228;glich mit F&#252;ssen getreten wird. Dieser Widerspruch f&#252;hrte leider nicht dazu, sich &#252;ber grundlegende Alternativen Gedanken zu machen. Die Vergesellschaftung von Betrieben wurde folgerichtig nur als die letzte aller M&#246;glichkeiten angesehen.<br />
Vor dem Hintergrund der aktuellen Krise wird die Auseinandersetzung der Gewerkschaften mit grunds&#228;tzlichen gesellschaftlichen Alternativen immer wichtiger. Die Praxis allerdings, sich in Worten f&#252;r ein anderes Europa einzusetzen und in Taten zusammen mit den Unternehmerverb&#228;nden das bestehende Europa voranzutreiben, f&#252;hrt nur n&#228;her an den Abgrund heran und konterkariert viele Beschl&#252;sse, die auf diesem Gewerkschaftstag getroffen wurden. Um diese Politik zu unterbinden braucht es andere, wesentlich basisorientierter strukturierte, Gewerkschaften.</p>
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		<title>Operation &#220;bernahme</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 08:21:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gewerkschaftspolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Aktionstag der IG-Metall-Jugend in K&#246;ln von THIES GLEISS Die Farbkombination Schwarz-Gelb ist f&#252;r Gewerkschafter und Linke sicher etwas gew&#246;hnungsbed&#252;rftig, aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Aktionstag der IG-Metall-Jugend in K&#246;ln</strong></p>
<p>von <em>THIES GLEISS</em><br />
Die Farbkombination Schwarz-Gelb ist f&#252;r Gewerkschafter und Linke sicher etwas gew&#246;hnungsbed&#252;rftig, aber die ann&#228;hernd 20000 Jugendlichen in ihren schwarz-gelben T-Shirts fielen m&#228;chtig auf.<br />
<span id="more-3376"></span>So viele waren dem Aufruf der IG-Metall-Jugend gefolgt und zum Aktionstag «Operation &#220;bernahme» am 1.Oktober nach K&#246;ln gekommen.<br />
Bei strahlendem Sommerwetter zogen drei Demonstrationsm&#228;rsche zum zentralen Neumarkt, um ein lautes und buntes Programm zu erleben, das sich um die Hauptforderungen «Unbefristete &#220;bernahme aller Auszubildenden» und «Gute Arbeit und Einkommen statt prek&#228;rer Besch&#228;ftigung und Praktika» drehte. Am Nachmittag und Abend gab es eine Abschlussdemonstration zur und in die K&#246;lner Lanxess-Arena, wo diverse K&#252;nstler und Bands auftraten.</p>
<p>Seit langem ist die unsichere Perspektive der Auszubildenden, was nach dem Ende der Ausbildung passiert, eines der gr&#246;&#223;ten Probleme der Jugendlichen. Die Unternehmer hindert das nicht, in den Fernsehtalkshows Krokodilstr&#228;nen &#252;ber den «Facharbeitermangel» zu vergie&#223;en. Gar keine oder befristete &#220;bernahme ist fast immer noch die Regel. Die IG Metall k&#228;mpft zwar ebenfalls schon seit Jahren f&#252;r verbindliche und tarifvertragliche Regelungen zur unbefristeten &#220;bernahme, aber mit nur wenig Erfolg. Oft war es in Tarifrunden auch so, dass jugendspezifische Forderungen anf&#228;nglich zwar aufgestellt, aber im Zuge der Verhandlungen dann gern geopfert und «verrechnet» wurden. Deshalb ist es erfreulich, dass sich die IG Metall aktuell fest vorgenommen hat, in der kommenden Tarifrunde die Frage der &#220;bernahme vorrangig zu verankern. Der erfolgreiche Aktionstag und die gro&#223;e Mobilisierung nach K&#246;ln haben hoffentlich deutlich gemacht: Da gibt es nichts dran zur&#252;ckzunehmen oder zu «verrechnen». Mittlerweile hat auch der IGM-Gewerkschaftstag in dieser Frage noch einmal klar Stellung bezogen.</p>
<p>Die IG Metall hatte viel Geld f&#252;r diesen Aktionstag in die Hand genommen, und das war gut so. Er wurde von den Jugendlichen fast in Eigenregie durchgef&#252;hrt. Auf der Auftaktkundgebung durften die Platzhirsche der IG Metall, die Bezirksleiter von NRW, Baden-W&#252;rttemberg und Niedersachsen nur «einen einzigen Satz zur Operation &#220;bernahme sagen», und sie hielten sich – fast – daran. Auf der Hauptkundgebung sprachen der zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, und der Jugendbeauftragte, Eric Leiderer, l&#228;nger – und langweiliger. Leiderer hob aber ausf&#252;hrlich hervor, dass die Jugendlichen in Deutschland nur ein Teil einer weltweiten Bewegung sind. Die spektakul&#228;ren Bildungsk&#228;mpfe in Chile, die &#246;ffentliche Dauerbelagerung israelischer St&#228;dte durch von Armut und Wohnungsnot bedrohte Jugendliche, die Platzblockaden von Madrid und Athen und auch die Protestcamps, die seit Tagen vor der New Yorker B&#246;rse die Wallstreet aufmischen – all das sind Teile einer gemeinsamen Bewegung. Sie machen Mut und Hoffnung, dass das zweite Jahrzehnt des neuen Jahrhunderts von einem neuen Aufschwung der Jugend- und Arbeiterbewegung gegen den Kapitalismus gepr&#228;gt wird.<br />
Nur wenige Tage nach dem Jugendaktionstag der Metallgewerkschaft fanden weltweit die Aktionstage gegen die Bankenmacht statt. Die Schnittmenge zwischen den gewerkschaftlichen Jugendlichen und dieser ebenfalls &#252;berwiegend jugendlichen Bewegung ist noch gering. Die neue facebookgest&#252;tzte Bewegung hat dabei in wunderbarer Klarheit den Hauptadressaten benannt: die Banken. Was den Absender der Bewegung anbetrifft, so ist noch viel Unklarheit. Noch ist es eine Party-Mobilisierung von vielen Einzelnen. Bei der Gewerkschaftsjugend ist es genau umgekehrt: Der Absender ist klar die organisierte und kollektive Arbeiterklasse, der Adressat hingegen versteckt sich oft noch hinter moralischen Appellen und Bittstellungen an die Regierung.</p>
<p>Wie sch&#246;n w&#228;re es, wenn aus beiden eine machtvolle Bewegung der organisierten Kolleginnen und Kollegen im Betrieb, der Auszubildenden, Sch&#252;ler und Studierenden, der Rentner in ihren Stadtteilen und der Erwerbslosen vor den Arbeits&#228;mtern mit Blockaden, Streiks und Demonstrationen gegen die Finanzkonzerne zusammenwachsen w&#252;rde!</p>
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		<title>Den Mantel gerettet, die B&#246;rse erleichtert</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 17:48:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitsbedingungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gewerkschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitskampf]]></category>
		<category><![CDATA[Lohnentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Manteltarifvertrag]]></category>
		<category><![CDATA[Tarif]]></category>
		<category><![CDATA[Tarifvertrag]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Arbeitskampf bei Druckern und Journalisten von Jochen Gester In der Juli-Ausgabe der SoZ berichteten wir erstmals &#252;ber den Streik [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Arbeitskampf bei Druckern und Journalisten</strong></p>
<p>von <em>Jochen Gester</em><br />
In der Juli-Ausgabe der SoZ berichteten wir erstmals &#252;ber den Streik der Besch&#228;ftigten in der Druckindustrie und den Ausstand der Redakteure. Beide Konflikte wurden in der Zwischenzeit beendet.<br />
<span id="more-3073"></span><strong>Die Drucker</strong></p>
<p>Zuerst kam es zu einer Einigung in der Druckindustrie. Das Ergebnis ist ambivalent.</p>
<p>Auf der Habenseite kann verbucht werden, dass die von den Unternehmern geforderte Verschlechterung des Manteltarifvertrags verhindert wurde. Die 35-Stunden-Woche wird nicht aufgegeben. Die tariflichen Regelungen f&#252;r die Maschinenbesetzung bleiben unangetastet. Abgesenkte L&#246;hne f&#252;r Helfert&#228;tigkeiten gibt es nicht. Auch eine &#214;ffnungsklausel, die Arbeitszeitverl&#228;ngerungen auf betrieblicher Ebene erm&#246;glicht h&#228;tte, wurde abgewehrt.</p>
<p>Eine bittere Pille sind jedoch die rein nominellen Einkommenssteigerungen, die real eine Lohneinbu&#223;e von rund 4% bedeuten. Unber&#252;cksichtigt blieben auch die Forderungen nach einer Gleichstellung der Leiharbeiter mit den Stammarbeitern.</p>
<p>Nach diesem Abschluss mussten die Journalisten, die erstmals nach den K&#228;mpfen um die 35-Stunden-Woche der 80er Jahre gemeinsam mit den anderen Besch&#228;ftigten in den Druckereien und Verlagen die Arbeit niedergelegt hatten, auf sich allein gestellt den Arbeitskampf weiterf&#252;hren. Daran beteiligten sich t&#228;glich etwa 500 bis 800 Besch&#228;ftigte aus etwa 30 Redaktionen. Die Urabstimmungen bei der DJU und dem DJV hatten vorher fast &#252;berall eine 98%ige Zustimmung f&#252;r den Streik ergeben. Schwerpunktgebiete des Streiks waren NRW und Baden-W&#252;rttemberg. Im L&#228;ndle waren die Journalisten zu einem Erzwingungsstreik &#252;bergegangen, w&#228;hrend ihre Kollegen in NRW es mit der Nadelstichtaktik versuchten.</p>
<p><strong>Die Redakteure</strong></p>
<p>Mitte August einigten sich Ver.di und der DJV mit den Arbeitgebern. Die Vereinbarung zeigt deutliche &#220;berschneidungen mit dem vorher erzielten Abschluss f&#252;r die &#252;brigen Mitarbeiter in Druckereien und Verlagen:</p>
<p>Das von den Verlegern geforderte Tarifwerk 2 mit deutlichen Verschlechterungen f&#252;r Berufsanf&#228;nger wurde abgewehrt. Die Regelungen des Manteltarifvertrags und die bestehende Altersversorgung bleiben bis 2013 weiter in Kraft, eine n&#228;chste Runde ist hier damit bereits vorprogrammiert. Bei nachgewiesener wirtschaftlicher Notlage k&#246;nnen Urlaubs- und Weihnachtsgeld befristet gek&#252;rzt werden. Die Vereinbarungen zum Einkommen beinhalten eine 1,5%ige Erh&#246;hung am 1.5. 2012 und zwei Einmalzahlungen von jeweils 200 Euro im Oktober 2011 und im August 2012. Die Freien bekommen ab 1.8.2012 ebenfalls 2% mehr.</p>
<p>Das materielle Ergebnis gibt kein Anlass zum Jubel. Von Dauer sind eher die kleinen Ver&#228;nderungen in den K&#246;pfen der Beteiligten. Was hier passieren kann, beschrieb eine Journalistin im Online-Portal Kontext Wochenzeitung. So ging es los:</p>
<p>«Untereinander fremdeln wir Protestler noch wie Kinder am ersten Schultag. Denn der durchschnittliche Journalist spricht zwar viel mit Menschen, die er f&#252;r seine Artikel braucht, und h&#246;rt sich au&#223;erdem gerne selbst zu, aber von seinen Kollegen im Ressort nebenan wei&#223; er oft nicht viel mehr als deren Namen. Und so wirklich interessiert es ihn auch nicht. Der Journalist ist ein latenter Autist. Und gerne auch ein Zyniker. Kollektive Gef&#252;hle, das Pathos einer Massenveranstaltung ist ihm peinlich. Da ist er normalerweise h&#246;chstens distanzierter Beobachter. Jetzt aber sitzen wir an gro&#223;en Tischen beieinander und sollen Genossen sein.»</p>
<p>Doch das &#228;nderte sich:  «W&#228;hrend des Dauerstreiks l&#246;st sich die L&#228;hmung. Wir wollen die uninformierte &#214;ffentlichkeit, unsere Leser aufkl&#228;ren. Dar&#252;ber, was in ihrer Zeitung gerade vor sich geht, dar&#252;ber, dass guter Journalismus in seiner Existenz bedroht ist. Journalisten, die sonst ihre Eigenbr&#246;telei wie einen besonderen Qualit&#228;tsausweis vor sich hertragen, finden sich in Arbeitsgruppen zusammen. Wir basteln Flugbl&#228;tter, Plakate und Streikzeitungen, wir organisieren &#246;ffentliche Konzerte und Kundgebungen, Flashmobs, Kunstaktionen und eine Gl&#228;serne Redaktion, in die wir prominente G&#228;ste einladen, wo wir mit Interessierten ins Gespr&#228;ch kommen. Wir sind drau&#223;en, bei den Menschen und in der Stadt, f&#252;r die wir schreiben.»</p>
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		<title>Das Ende der «Tarifeinheit»</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/07/das-ende-der-tarifeinheit/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Jul 2011 10:42:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gewerkschaftspolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Ver.di bl&#228;st zum R&#252;ckzug von Jochen Gester Ein Jahr dauerte der Spuk. Auf Initiative der organisierten Arbeitgeber hatte sich eine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ver.di bl&#228;st zum R&#252;ckzug</strong><br />
<em>von Jochen Gester</em><br />
Ein Jahr dauerte der Spuk. Auf Initiative der organisierten Arbeitgeber hatte sich eine handverlesene, kleine M&#228;nnerrunde aus BDA und DGB gebildet, die &#252;ber eine Gesetzesinitiative zur Beschr&#228;nkung des Koalitionsrechts das Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) &#252;ber die Aufhebung der Tarifeinheit ins Leere laufen lassen wollte.</p>
<p><span id="more-2601"></span>Treibende Kraft auf Seiten des DGB war der Ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske. Nicht einmal der Vorstand seiner Organisation hatte dazu einen Beschluss gefasst, er war dar&#252;ber nur kurz vor der ersten Presseerkl&#228;rung informiert worden.</p>
<p>Nachdem Bsirske mit diesem «Selbsterm&#228;chtigungsprojekt» auf mehreren Landeskonferenzen von Ver.di mit Pauken und Trompeten durchfiel und auch gewerkschaftsnahe Arbeitsjuristen &#246;ffentlich Unverst&#228;ndnis und Ablehnung bekundeten, zog der Ver.di-Gewerkschaftsrat jetzt die Rei&#223;leine und beschloss, die Tarifinitiative von BDA und DGB nicht weiter zu unterst&#252;tzen.</p>
<p>Der DGB-Bundesvorstand wurde aufgefordert, von der Initiative zur&#252;ckzutreten. Der Rat sprach sich grunds&#228;tzlich gegen jede gesetzliche Regelung der Friedenspflicht aus. Das ist ein Grund zur Freude, auch wenn das Bild einiger Kommentatoren von der Rebellion der Ver.di-Basis wohl etwas zu euphorisch ist. An der Mehrheit der Mitglieder ist die Debatte um die Tarifeinheit eher vorbeigegangen. Zu Fall gebracht wurde das geplante Gesetz durch ehrenamtliche Funktionstr&#228;ger.</p>
<p>Der Streit offenbart einen Bruch zwischen Lohnabh&#228;ngigen, die in der Gewerkschaft in erster Linie ein Instrument sehen, ihre Rechte zu verteidigen und zu erweitern, und denen, die in ihr eine Ordnungsmacht sehen, die vor allem dem sog. sozialen Frieden verpflichtet ist.</p>
<p>Speerspitze der letzteren ist die SPD, die regelrecht emp&#246;rt auf den Ausstieg reagierte und &#252;ber ihren Fraktionsvize Garrelt Duin erkl&#228;ren lie&#223;, die Partei behalte sich eine eigene Gesetzesinitiative im Bundestag vor. Diesen Geist atmet auch die Stellungnahme des DGB-Bundesvorstands, die unmissverst&#228;ndlich zum Ausdruck brachte, der DGB stehe nach wie vor zum Projekt Tarifeinheit, sehe aber unter den gegebenen Bedingungen keine M&#246;glichkeit, die BDA/DGB-Initiative weiter zu verfolgen. Diese Klarstellung verweist auch Verlautbarungen innerhalb der IG Metall ins Reich der Fabel, die IGM habe das Projekt Tarifeinheit nur aus Solidarit&#228;t mit Ver.di unterst&#252;tzt.</p>
<p>Das sang- und klanglose Einrollen der Fahne «Tarifeinheit» ist ein D&#228;mpfer f&#252;r alle, die Gewerkschaften nur dann gut finden, wenn sie die Gesch&#228;fte am Standort Deutschland nicht beeintr&#228;chtigen und sich f&#252;r die Wettbewerbsf&#228;higkeit von Unternehmensstandorten aufopfern. Es st&#228;rkt all jene, die sich bewegen wollen, um ihre soziale Lage zu ver&#228;ndern, ganz gleichg&#252;ltig, wie sie sich organisiert haben.</p>
<p>Die Gegner der «Tarifeinheit» haben begonnen, miteinander zu reden und sich gegenseitig zu unterst&#252;tzen, egal ob sie nun bei Ver.di, der dbb-Tarifunion, dem Marburger Bund oder der FAU organisiert sind. So entstehen vielleicht die Konturen einer ganz anderen Tarifeinheit.</p>
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		</item>
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		<title>«Zum Verzichten braucht man keine Gewerkschaft»</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/07/zum-verzichten-braucht-man-keine-gewerkschaft/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Jul 2011 10:16:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gewerkschaftspolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Leipziger Debatte um einen Wandel in der Gewerkschaftsbewegung von Roman Stelzig und Herbert M&#252;nchow «Wie k&#246;nnen die Gewerkschaften in die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Leipziger Debatte um einen Wandel in der Gewerkschaftsbewegung</strong><br />
<em>von Roman Stelzig und Herbert M&#252;nchow</em><br />
«Wie k&#246;nnen die Gewerkschaften in die Offensive kommen?» lautete das Thema einer sehr gut besuchten Veranstaltung, die am 3.Mai 2011 in Leipzig vom Marxistischen Forum, der AG Betrieb &amp; Gewerkschaft und dem Rotfuchs F&#246;rderverein durchgef&#252;hrt wurde.</p>
<p><span id="more-2591"></span>Hauptreferentin Mag Wompel, Industriesoziologin und freie Journalistin des LabourNet Germany, sprach &#252;ber Entstehung und Anliegen des einzigartigen Netzwerkes: Es will Vernetzung und Informationsaustausch unter der linken Gewerkschaftsopposition vorantreiben und das Informationsmonopol b&#252;rgerlicher Medien und der Gewerkschaftsapparate zu brechen. Das LabourNet leistet durch Berichterstattung und Ver&#246;ffentlichung, u.a. von Lohnforderungen und Tarifvereinbarungen, einen Beitrag zur Herausbildung von m&#252;ndigen, informierten und gebildeten Mitglieder der Gewerkschaften.</p>
<p>Standortlogik und -patriotismus h&#228;lt Mag Wompel f&#252;r fehl am Platz. Internationalismus k&#246;nne zwar nicht bedeuten, sich der Verantwortung vor Ort zu entziehen, aber auch von der Gewerkschaftsbewegung anderer L&#228;nder lasse sich, gerade in Hinblick auf den Kampf gegen die Privatisierung von &#246;ffentlichem Eigentum, viel lernen</p>
<p>Die Ursache daf&#252;r, dass sich hierzulande so wenig Menschen trotz materieller Leiden zum aktiven Einsatz f&#252;r die eigenen Interessen entschlie&#223;en k&#246;nnen, sah die Referentin auf individueller und struktureller Ebene: Jede Bewegung sei nur so stark wie das schw&#228;chste ihrer Mitglieder. Die &#220;bernahme von Hierarchien, Konkurrenzdenken und einer verordneten Passivit&#228;t der Mitglieder sei mitverantwortlich f&#252;r den Erhalt des Systems und die Stellvertreterpolitik der Apparate. Nicht die Apparate schlechthin verhinderten die Revolution – «wir haben die Apparate, die wir zulassen, wie wir die Regierung haben, die wir verdienen».</p>
<p>Die Lohnabh&#228;ngigkeit werde aber auch, kritisierte Wompel, von den Gewerkschaftsapparaten fetischisiert. Der ausschlie&#223;liche Erhalt von Arbeitspl&#228;tzen k&#246;nne nicht die vornehmste Aufgabe der Gewerkschaftsbewegung sein, es geht nicht nur um die Bek&#228;mpfung der Auswirkungen des Kapitalismus, sondern letztlich darum, «die Menschen gl&#252;cklich zu machen». Tarifverhandlungen w&#228;ren bedeutend einfacher, wenn die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes nicht das Denken der Gewerkschaftsmitglieder blockierte.</p>
<p>In der Diskussion wurde einiges differenziert: Individueller Widerstand kann sich umso besser entwickeln, je mehr dessen Risiken durch die Organisation und die Kollektivaktion minimiert werden. Die Zunahme von Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnissen wie Leih- und Kurzarbeit f&#252;hrt dazu, dass die R&#252;ckkehr zum Normalarbeitsverh&#228;ltnis f&#252;r den einzelnen Kollegen in den Vordergrund und die Systemfrage in den Hintergrund r&#252;ckt. Ihrer eigentlichen Aufgabe, Instrument zum Zusammenschluss der Lohnabh&#228;ngigen und Sammelpunkt des Widerstands zu sein, werden die Gewerkschaften bisher nicht gerecht. Die offizielle Gewerkschaftspolitik motiviert kaum, sich gegen den Kapitalismus zu organisieren.</p>
<p>Und dennoch m&#252;ssen die einzelnen Gewerkschaften differenziert betrachtet werden. Wo gek&#228;mpft wird, da steigt der Organisationsgrad. Au&#223;er der Lohnfrage ist die Frage der radikalen Verk&#252;rzung des Arbeitstages bei vollem Lohnausgleich – die Frage der Freizeit – das Kardinalproblem gewerkschaftlichen Kampfes. Er richtet den Blick auf die ganze Komplexit&#228;t des menschlichen Zusammenlebens. Auch eine Neubewertung erwerbsloser Arbeit oder der Hausarbeit muss Bestandteil einer Neuausrichtung gewerkschaftlicher Strategie und Taktik werden.</p>
<p>Die gewerkschaftliche Situation d&#252;rfe insgesamt nicht zu pessimistisch gesehen werden, meinten einige Diskussionsteilnehmer. &#220;ber positive Beispiele der Gewerkschaftsarbeit informierte die Kreisvorsitzende der GEW, Cornelia Falken, die auch die Veranstaltung moderierte.</p>
<p>Der ehemalige Betriebsrat und IG-Metaller Erich Kassel brachte Erfahrungsberichte aus Bremen: In den Betrieben gibt es heute kaum noch im Klassenkampf erfahrene Kollegen, die bef&#228;higt w&#228;ren, eine junge Generation k&#228;mpferischer Gewerkschaftsmitglieder heranzubilden. Es geht darum, Pers&#246;nlichkeiten zu entwickeln, die in der Lage sind, die gesellschaftlichen Zusammenh&#228;nge im Kapitalismus oder die Ursachen der Krise zu erkennen und &#252;berzeugend &#252;ber sie aufzukl&#228;ren.</p>
<p>Das Massenbewusstsein h&#228;ngt weit hinter den Krisenerscheinungen des Kapitalismus hinterher. Kraft und Organisierung fehlen auch der sozialen Bewegung au&#223;erhalb der Betriebe. Es sei deshalb wichtig, die politisch Aktiven zusammenzuf&#252;hren. Die Gewerkschaften k&#246;nnen und m&#252;ssen hierbei genutzt werden, weil sie die finanzielle und organisatorische Kraft aufbringen, Widerstand aufzubauen, wenn sich die Mitglieder r&#252;hren.</p>
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		<title>1.Mai in Berlin</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/05/1-mai-in-berlin/</link>
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		<pubDate>Sat, 28 May 2011 15:53:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gewerkschaftspolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Klassenkampf reloaded von Peter Nowak Auch viele radikale Linke haben in den letzten Jahren die Aktivit&#228;ten am 1.Mai in Berlin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Klassenkampf reloaded</strong><br />
<em>von Peter Nowak</em><br />
Auch viele radikale Linke haben in den letzten Jahren die Aktivit&#228;ten am 1.Mai in Berlin eher kritisch beurteilt. Die DGB-Demonstration am Vormittag galt als zeremonial und wenig attraktiv. Mit der revolution&#228;ren 1.Mai-Demonstration bot sich um 18 Uhr in Kreuzberg eine radikale Alternative an, bei der nicht an den Staat und die Parteien appelliert wird.</p>
<p><span id="more-2445"></span>Die allj&#228;hrliche mediale Konzentration auf die ber&#252;hmt-ber&#252;chtigte Mai-Randale – in den letzten Jahren eher eine Folge des vom Bezirk ausgerichteten Myfestes und seiner dort feilgebotenen harten Getr&#228;nke als der Revolution&#228;ren Demonstration – wurde eher gelangweilt wahrgenommen.</p>
<p>Seit Jahren versuchen sich deshalb unterschiedliche Akteure an einer Repolitisierung des 1.Mai. Die Euro-Mayday-Paraden gegen prek&#228;re Arbeits- und Lebensverh&#228;ltnisse waren ein leider nur kurzlebiger Versuch in dieser Richtung.</p>
<p>Doch in diesem Jahr zeigte sich, dass sich sowohl die DGB-Demonstration als auch die Revolution&#228;re 1.Mai-Demonstrationen politisieren lassen. Daf&#252;r sorgte ein an beiden Demonstrationen beteiligter Klassenkampfblock, der den Kampf gegen Lohnabbau, gegen die Hartzgesetze und gegen die Angriffe auf das Streikrecht in den Mittelpunkt stellte. Mit einer in gro&#223;er Auflage gedruckten Maizeitung wurde gezielt f&#252;r die Teilnahme an dem Block auch vor Jobcentern und Betrieben geworben.Vor zwei Jahren noch war der Klassenkampfblock auf der DGB-Demonstration nur widerwillig geduldet. Mittlerweile hat er sich zum Forum der Widerspenstigen innerhalb und au&#223;erhalb des DGB auf der Demo entwickelt.</p>
<p>Gewerkschaftler aus verschiedenen europ&#228;ischen L&#228;ndern nahmen mit einem Transparent f&#252;r das europ&#228;ische Streikrecht daran teil. Diese Themen brachte der Klassenkampfblock auch in die Revolution&#228;re Demonstration in Kreuzberg ein, was sehr notwendig ist. Denn dort versammeln sich viele, die in erster Linie im Staat und in der Polizei den Gegner sehen und mit dem Aufbau sozialer Gegenmacht am Arbeitsplatz, im Stadtteil und im Jobcenter wenig Erfahrung haben. Der Kampf gegen teuere Mieten pr&#228;gte die Mai-Demonstrationen in diesem Jahr deutlich.</p>
<p>Der Bewegungsforscher Dieter Rucht versuchte nach dem 1.Mai in der <em>Taz</em> einen Gegensatz zwischen Mieter- und Klassenkampf aufzubauen. Das Gegenteil ist richtig. Beide K&#228;mpfe geh&#246;ren zusammen. Dieser Aufgabe will sich der Klassenkampfblock k&#252;nftig verst&#228;rkt widmen, nicht nur am 1.Mai. Deshalb wird dort auch &#252;ber eine Beteiligung an einer berlinweiten Mieterdemonstration Anfang September nachgedacht.</p>
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		<title>Ver.di und die Tarifeinheit</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/04/ver-di-und-die-tarifeinheit/</link>
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		<pubDate>Thu, 21 Apr 2011 14:00:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gewerkschaftspolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein St&#252;ck aus dem Tollhaus von Jochen Gester Seit Jahren nehmen die Spaltung der Gesellschaft und die Armut zu. Angst [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein St&#252;ck aus dem Tollhaus</strong><br />
<em>von Jochen Gester</em><br />
Seit Jahren nehmen die Spaltung der Gesellschaft und die Armut zu. Angst vor sozialem Absturz hat wachsende Teile der Mittelklassen erfasst. So kehrt auch immer wieder die f&#252;r tot erkl&#228;rte soziale Frage auf die politische Agenda zur&#252;ck. Die neue Prekarit&#228;t f&#252;hrt zu entgegengesetzten Reaktionen: zur Aufk&#252;ndigung der Solidarit&#228;t mit den an den Rand Gedr&#228;ngten ebenso wie zur Zunahme von Widerstandsgeist. Dieser dr&#252;ckt sich u.a. in einer wachsenden Sympathie vieler Lohnabh&#228;ngiger f&#252;r Besch&#228;ftigungsgruppen aus, die den Mut haben, f&#252;r ihre Interessen einen offenen Konflikt auszutragen.<br />
<span id="more-2306"></span>Gerade beim aktuellen Lokf&#252;hrerstreik hat sich das wieder gezeigt. Auch die seit Monaten diskutierte Gesetzesinitiative zur Einschr&#228;nkung des Streikrechts wird laut einer Emnid-Umfrage von drei Viertel der Deutschen abgelehnt. Dieser Bewusstseinswandel in einem Land, in dem Ruhe und Ordnung hohe Werte sind und das nicht f&#252;r ausufernde Konfliktfreudigkeit  bekannt ist, m&#252;sste allen, die dringende soziale Verbesserungen durchsetzen wollen, ein Grund zur Freude sein.</p>
<p>Doch ein Blick auf die gewerkschaftlichen Verb&#228;nde und die Parteienlandschaft ersch&#252;ttert jeden Glauben an die politische Farbenlehre. Keine Zumutung f&#252;r den gesunden Menschenverstand ist lediglich, dass die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverb&#228;nde (BDA) seit Jahren eine Einschr&#228;nkung des Streikrechts fordert, weil die sog. Spartengewerkschaften insbesondere gro&#223;en Unternehmen wie Deutsche Bahn und Lufthansa die Abschl&#252;sse verteuern, und dass auch der Spitzenverband der Kommunalen Arbeitgeberverb&#228;nde ins gleiche Horn bl&#228;st, weil er einem Teil seiner Besch&#228;ftigten, z.B. den im Marburger Bund organisierten &#196;rzten, mehr Geld zahlen muss als er dies bei Ver.di-Vertr&#228;gen lange gewohnt war.</p>
<p><strong>Bsirskes Rolle</strong><br />
Alles weitere erinnert eher an ein politisches Tollhaus. Der DGB-Vorstand macht sich zum B&#252;ttel gewerkschaftsfeindlicher Bestrebungen und schickt die Vorzugspartei der Vorst&#228;nde seiner Einzelgewerkschaften in die B&#252;tt, die &#252;ber den Bundesrat eine Initiative f&#252;r das von den Arbeitgeberverb&#228;nden lange geforderte Gesetz eingebracht hat. Die Partei, die einmal die gr&#246;sste Massenpartei der deutschen Arbeiterbewegung war, m&#246;chte mit ihren geschichtslosen Aufsteigern vor allem als Ordnungsmacht punkten. Und auch die Partei, die sich einmal als der Arm der sozialen Bewegungen begriffen hat und gerne den Anwalt f&#252;r Menschenrechte auf dem ganzen Globus spielt, folgt ihrem lang vertrauten Koalitionspartner, wenn es darum geht, das wichtigste Gewerkschaftsrecht zu kastrieren.</p>
<p>Ich habe &#252;ber ein Vierteljahr die Presseerkl&#228;rungen der Gr&#252;nen nach Stellungnahmen zur Tarifeinheit abgesucht und keine gefunden. Die gr&#252;nen Granden folgen hier einfach ihrem Parteigenossen Frank Bsirske, der auf Seiten der Gewerkschaften die wichtigste Rolle in diesem Coup spielt. Die Mitglieder in der neuen Partei der Besserverdienenden scheint das nicht zu st&#246;ren. Auf einer Protestbewegung vor dem Kanzleramt Anfang April blieb es dem Vorsitzenden des Marburger Bundes, einem CDU-MdB, &#252;berlassen, den grundgesetzlichen Schutz des Koalitionsrechts zu zitieren, in dem es auch hei&#223;t, dass Abreden, die dieses Recht einschr&#228;nken oder zu behindern versuchen, nichtig und hierauf gerichtete Ma&#223;nahmen rechtswidrig sind (Art.9 Abs.3 GG).</p>
<p>Zum gr&#246;&#223;ten parlamentarischen Hindernis f&#252;r die Einigung auf das  Gesetzes, das Merkel der ordnungspolitischen Koalition aus BDA und DGB versprochen hat, scheint jedoch ausgerechnet die Programmpartei des Neoliberalismus zu avancieren, die Angst hat, ihre Klientel unter den &#196;rztInnen und leitenden Angestellten zu verprellen.</p>
<p><strong>Widerspruch untergebuttert</strong><br />
Der gewerkschaftssch&#228;digendste Akt dieses Dramas spielt jedoch innerhalb von Ver.di. Denn die Mitglieder, die das Ganze mitbekommen haben und sich gewerkschaftlich engagieren, sind nicht bereit, ihrem Vorsitzenden auf dieser Geisterfahrt zu folgen. Es gibt in der Zwischenzeit ablehnende Stellungnahmen nicht nur aus dem Fachbereich 8, der die Kritikwelle losgetreten hat. Die Ver.di-Landesbezirkskonferenz Nord hat den Ausstieg aus dem B&#252;ndnis mit dem BDA ebenso gefordert wie die Landesbezirkskonferenzen NRW und Niedersachsen/Bremen. Immer war Frank Bsirske anwesend und hat wie gegen eine Wand geredet. Am Schluss standen &#252;berw&#228;ltigende Voten gegen seinen Kurs. Zum Nachdenken hat ihn das nicht bewegt.</p>
<p>In Berlin gab es mehrere Ver.di-Veranstaltungen, auf denen am Schluss Erkl&#228;rungen gegen die Initiative verabschiedet wurden. Nicht viel anders lief es auf einer Veranstaltung der Berliner IG Metall. Auf dem Podium mochte sich nur der Tarifsekret&#228;r der Bezirksleitung f&#252;r die Argumente der Tarifeinheit erw&#228;rmen. Alle anderen Podiumsg&#228;ste und die Mehrheit der Versammlung waren dagegen. Doch die Gesch&#228;ftsf&#252;hrer, die einmal als linke Opposition gegen rechte Sozialdemokraten angetreten sind, schei&#223;en auf solche Positionen ihrer Mitglieder. In bew&#228;hrter Manier versuchten sie, einen Antrag eines ehemaligen Ortsvereinsmitglieds gegen die Gesetzesinitiative erst auszusitzen und brachten dann einen eigenen ein. Allerdings konnten sie nicht verhindern, dass sich die &#246;rtliche Delgiertenversammlung f&#252;r das Original entschied. Zum Repertoire der «Chefs» geh&#246;rt auch der Verweis auf nicht beschlussf&#228;hige Stadtteilversammlungen, wenn Initiativen eingebracht werden, die unerw&#252;nscht sind.</p>
<p>Zu diesem Repertoire geh&#246;rt auch der Verweis auf nicht beschlussf&#228;hige Stadtteilversammlungen, wenn Initiativen eingebracht werden, die unerw&#252;nscht sind. Wenn Mitgliederinitiativen nur in gelenkter Form gern gesehen werden, muss man sich nat&#252;rlich nicht wundern, wenn es auf den satzungsm&#228;ssigen Treffen mangels Beschlussf&#228;higkeit nichts mehr zu bestimmen gibt – ein Umstand, der dem F&#252;hrungspersonal das Regieren nat&#252;rlich erleichtert.</p>
<p>Es sind nicht nur die neoliberalen Angriffe, die die Gewerkschaften in die Defensive dr&#228;ngen, es sind solche selbstverantworteten Strukturen, die dazu f&#252;hren, dass auch eine positive Ver&#228;nderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht genutzt wird, um die gewerkschaftliche Durchsetzungsmacht der abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten nachhaltig zu st&#228;rken.</p>
<p><strong>Die machen was sie wollen</strong><br />
Wie verfahren die Situation ist, verdeutlicht auch das Gutachten, das Wolfgang D&#228;ubler zum Thema Tarifeinheit erstellt hat. D&#228;ubler hat den DGB &#252;ber Jahrzehnten in arbeitsrechtlichen Fragen begleitet, seine Einsch&#228;tzungen waren gefragt und wurden ernstgenommen. Doch das, was er der Zweckgemeinschaft BDA/DGB hier ins Stammbuch schreibt, dokumentiert einen tiefen Riss mit dem gegenw&#228;rtig verantwortlichen gewerkschaftlichen F&#252;hrungspersonal.</p>
<p>Das Gutachten kommt zum Schluss, dass die Gesetzesinitiative gegen den Kerngehalt von Art.9 Abs.3 GG verst&#246;&#223;t, weil sie Minderheitsgewerkschaften vom Abschluss von Tarifvertr&#228;gen und der Wahrnehumg des Streikrechts auschlie&#223;t – ein Eingriff, «der nur noch durch ein Gewerkschaftsverbot &#252;bertroffen werden k&#246;nnte», also keine «Ausgestaltung von Grundrechten» ist, wie die Initiatoren der Aktion Tarifeinheit behaupten, sondern ein «massiver Eingriff in die Koalitionsfreiheit». Ferner sei zu erwarten, dass «tariffreie Zonen» entst&#252;nden und sich die Erosion des Fl&#228;chentarifs beschleunige.</p>
<p>Auch vergr&#246;&#223;ere sich die Rechtsunsicherheit und die Wahrscheinlichkeit von nicht gesetzlichen Arbeitsniederlegungen nehme zu, da das bestehende System der industriellen Beziehungen bestimmten Besch&#228;ftigungsgruppen keine ausreichende M&#246;glichkeit mehr biete, ihre Interessen wahrzunehmen. Abschlie&#223;end kommt D&#228;ubler zum Ergebnis, dass die beabsichtigte Regelung auch mit Art.11 der Europ&#228;ischen Menschenrechtskonvention kollidiert.</p>
<p>Der Ver.di Fachbereich 8 hatte den Arbeitsrechtler zu einer Veranstaltung eingeladen. Da reagierte dieser auf den Hinweis, jetzt m&#252;sse man sich verst&#228;rkt um ablehnende Erkl&#228;rungen der Vorstandsinitiative bem&#252;hen, mit dem Kommentar, das k&#246;nne man schon tun, doch werde der Vorstand trotzdem das machen, was er sich in den Kopf gesetzt habe.</p>
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		<title>IG Metall und Demokratie</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Apr 2011 13:55:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gewerkschaftspolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Konflikt zwischen der IG Metall und den Alternativen Metallern Ein Gespr&#228;ch mit Vincenzo Sicilia und Erich Bauer von den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Konflikt zwischen der IG Metall und den Alternativen Metallern</strong><br />
<em>Ein Gespr&#228;ch mit Vincenzo Sicilia und Erich Bauer von den Alternativen Metallern.</em><br />
In der SoZ 3/2011 berichteten wir vom Disziplinarverfahren gegen oppositionelle Listen innerhalb der IG Metall. Wir riefen zur Solidarit&#228;t mit den Kollegen der Alternativen Metaller bei der Daimler AG in Kassel auf. Gegen sie hat die IG Metall ein Untersuchungsverfahren wegen einer nicht autorisierten Liste f&#252;r die Betriebsratswahlen angek&#252;ndigt.<br />
Um die Geschichte dieses Konflikts besser zu begreifen, hat Jochen  Gester zwei Kollegen der Kasseler Alternativen Metaller um ein Interview  gebeten.<br />
<span id="more-2303"></span>Vincenzo Sicilia wurde bereits zu Beginn seiner Ausbildung 1974  erstmals zum   Vertrauensmann gew&#228;hlt.<br />
Erich Bauer ist gelernter    Energienanlagenelektroniker und arbeitet als Techniker und Meister fast    ebenso lang im Betrieb.</p>
<p>Das Kasseler Werk der Daimler AG ist zentraler Standort f&#252;r die    Achsenproduktion in Europa und hat aktuell 2900 Besch&#228;ftigte, davon 1700    in der Fertigung.</p>
<p>Bereits in den 90er Jahren wurde in Kassel ein erstes Ausschlussverfahren eingeleitet. Nachdem dieses wegen Formfehlern scheiterte, gab es 2002 einen Neuanlauf mit dem Ergebnis, dass die Gr&#252;nder der Liste, ein Teil der &#246;rtlichen IG Metall, die auch in die gewerkschaftliche Bildungsarbeit vor Ort eingebunden waren, ausgeschlossen wurden. Von den Mitgliedern dieser Gruppe, die danach f&#252;r den Betriebsrat kandidierten,  sind jetzt noch drei in der IG Metall. Gegen sie l&#228;uft das aktuelle Verfahren. Zwei haben das bereits resigniert hingenommen. &#220;brig bleibt ein Kollege, der seinen Widerspruch formuliert hat und aufrecht erh&#228;lt. Der Termin f&#252;r das Zusammentreten des Untersuchungsausschusses steht nicht fest. Die IG Metall hofft wohl, dass auch der letzte Kollege das Handtuch wirft.</p>
<p>Bemerkenswert ist, dass der Betriebsratsvorsitzende, fr&#252;her DKP-Vorsitzender von Kassel und einer der Gr&#252;nder der Alternativen, jetzt als Hardliner bei der Verfolgung seiner ehemaligen Kollegen agiert. Die Mehrheitsfraktion wurde aufgeschreckt durch das BR-Wahlergebnis 2006, bei dem der 2002 ausgeschlossene Vincenzo Sicilia in einer Pers&#246;nlichkeitswahl die meisten Stimmen bekam, 200 Stimmen mehr als der BR-Vorsitzende.<br />
<em>Was waren die Themen, an denen sich die Konflikte im Betrieb und innerhalb des Betriebsrats entz&#252;ndeten und zuspitzten?</em></p>
<p><strong>Vincenzo Sicilia:</strong> Wir wollten mehr Arbeit nach Kassel bringen. Es wurde zu viel nach au&#223;en verlagert. Ein weiteres Thema waren die Antr&#228;ge, in der Montage drei Schichten einzuf&#252;hren und Sonderschichten am Samstag. Die Gesch&#228;ftsleitung wollte den Samstag als Regelarbeitstag und ein 17-Schichten-Modell durchsetzen. Wir wollten das nicht akzeptieren.</p>
<p><strong>Erich Bauer:</strong> Dazu kam die Versch&#228;rfung der Taktzeiten. Dann ging es mit diesen Standortsicherungsvertr&#228;gen los, in denen immer wieder erk&#228;mpfe Leistungen geopfert wurden. Denn auch bei Ausschluss betriebsbedingter K&#252;ndigungen ging der Personalabbau weiter. Auch gab es immer mehr befristete Arbeitspl&#228;tze bis hin zur Leiharbeit. F&#252;r die Zauberformel «Erhalt der Arbeitspl&#228;tze» wurde das Letzte aufgegeben. Das war auch eine Kritik an der Globalisierung. Wir k&#246;nnen uns ja nicht mit China vergleichen. Wenn ich betriebswirtschaftlich denke, habe ich verloren. Doch dieses Denken hat sich leider Gottes die IG-Metall-Mehrheit angeeignet. Wir haben ein Konzernbewusstsein entwickelt. Alle anderen sind Mitbewerber, Gegner.<br />
Ein weiteres gro&#223;es Thema war und ist nat&#252;rlich ERA (Entgeltrahmenabkommen) und der Dienstleistungstarifvertrag.</p>
<p><strong>Vincenzo Sicilia:</strong> Wir haben keine Angst, das ERA als Entgeltreduzierungsabkommen zu bezeichnen. Das bringt uns Sympathie und Zuspruch ein, und zeigt, dass wir nicht klein beigeben. Das gleiche gilt f&#252;r den Dienstleistungstarifvertrag.</p>
<p><strong>Erich Bauer: </strong>Mit dem wurde eine massive Spaltung der Belegschaft durchgesetzt. Es gab zwar eine Verpflichtung, diese Arbeitspl&#228;tze – Logistik etc. – nicht outzusourcen, aber die Arbeitsbedingungen wurden von denen der anderen Mitarbeiter entkoppelt und verschlechtert. Das wird von den Leuten nicht akzeptiert und nicht honoriert,  sie sind sehr deprimiert, resigniert, und viele von ihnen sind ausgetreten.</p>
<p><strong>Vincenzo Sicilia:</strong> Als das mit den 17 Schichten angefangen hat, wurde auch der Bruch im Betriebsrat sichtbar. Das zeigte sich dann auch bei der Wahlen, bei denen auch der Kommunismus zum Dauerthema wurde.</p>
<p><em>Das war Thema vor und w&#228;hrend der Wende. Ist das heute auch noch aktuell?</em></p>
<p><strong>Erich Bauer: </strong>Ja, teilweise schon. Es wird immer wieder Angst gemacht wegen dieser Altkommunisten. Ich habe da nie dazugeh&#246;rt, ich bin, wenn &#252;berhaupt, eher ein Sozialist und habe damals alle Einladungen, zu den DKP-Parteitreffen zu gehen, ausgeschlagen. Doch heute hat mich Seidel (der Betriebsratsvorsitzende) ganz rechts &#252;berholt. Heute wird die Position, die ich damals vertreten habe, als Altkommunismus dargestellt.</p>
<p><strong>Vincenzo Sicilia:</strong> Ich wollte auch nie in die DKP. Die einzige rote Fahne, die ich in meinem Leben bisher getragen habe, war die Ferrari-Fahne.</p>
<p><em>Wie geht ihr generell damit um in eurer Gruppe?</em><br />
<strong></strong></p>
<p><strong>Erich Bauer:</strong> Als Arbeitnehmer bist du – sage ich mal in Anf&#252;hrungszeichen – links orientiert. Der eine oder andere hat ja noch ein Parteibuch. Ich bin noch in der SPD, war nur nie aktiv und bin eigentlich inhaltlich nicht mehr bei denen. Den Ruf eines Kommunisten, den wirst du sowieso nicht mehr los, wenn du links orientiert bist. Doch wir waren uns immer einig, uns nicht vor den Karren einer politischen Institution oder Partei spannen zu lassen. Das war auch nie ein ernstes Problem.</p>
<p><strong>Vincenzo Sicilia:</strong> Wir hatten nie das Bed&#252;rfnis, uns irgendwo anschlie&#223;en zu wollen, das war bei den Vorg&#228;ngern in unserer Gruppe schon anders. Die sind ja immer noch bestrebt, uns dieses politische Denken aufzuzwingen. Doch wir sind nicht diese Politikfreaks. Wir handeln eher aus dem Bauch und dem Herzen raus. Nat&#252;rlich geh&#246;rt Politik dazu. Komischerweise sehen wir das alle so.</p>
<p><strong>Erich Bauer: </strong>Ich will nicht irgendjemanden in eine bestimmte Richtung dr&#228;ngen, das w&#228;re f&#252;r mich eine Beeinflussung. Ich will eine Willensbildung und keine Beeinflussung.</p>
<p><em>K&#246;nnt ihr das noch ein wenig konkretisieren?</em></p>
<p><strong>Erich Bauer:</strong> Wir wollen, dass die Kollegen &#252;ber ihre eigene Situation nachdenken, sie dazu bringen, selber Positionen zu entwickeln.  Entscheidend ist, die Belegschaft mitzunehmen. Denn es betrifft immer sie. Das &#220;berst&#252;lpen von Meinungen – das geht nicht. Dann ziehen sich die Leute zur&#252;ck und sagen: Macht was ihr wollt!</p>
<p><strong>Vincenzo Sicilia:</strong> Wir sind eigentlich die K&#252;mmerer. Wir holen uns die Probleme der Leute ab und dann die Pr&#252;gel daf&#252;r. Wir kriegen sehr viel mit und wissen viel mehr als die, die nur im Betriebsratsb&#252;ro sitzen. Deshalb k&#246;nnen wir auch handeln. Das m&#246;chte die IG Metall gerne verhindern, was ihr aber nicht gelingt.</p>
<p><em>Was habt ihr f&#252;r eine Einstellung gegen&#252;ber der IG Metall</em>?</p>
<p><strong>Vincenzo Sicilia:</strong> Wir sprechen uns ja niemals gegen die Gewerkschaft aus. Wir sind Gewerkschaftssympathisanten, wir wollen eine starke Gewerkschaft haben. Nur haben wir etwas gegen diese Funktion&#228;re. Die vertreten uns ja auch nicht mehr.<br />
<strong></strong></p>
<p><strong>Erich Bauer:</strong> Wir wollen, dass man in dieser ganzen Organisation der IG Metall eine Diskussion dar&#252;ber f&#252;hrt, wie man generell mit Meinungen umgeht, die ein bisschen kritisch sind gegen&#252;ber der offiziellen Gewerkschaftsmeinung. Wenn das darauf hinausl&#228;uft, dass diese Meinungen dahingehend mundtot gemacht werden, dass man die Leute ausschlie&#223;t, dann fehlt mir ein wenig der Glaube an das Demokratieverst&#228;ndnis dieser Vereinigung. Die ganze Gewerkschaftsbewegung, wenn man sie &#252;ber Jahrzehnte, ja &#252;ber Jahrhunderte hinweg betrachtet, hat doch davon gelebt, dass es verschiedene Meinungen und verschiedene Str&#246;mungen gab, diese eingefangen wurden und daraus neue Beschl&#252;sse entstanden sind. Das geht verloren. Wir haben dann nicht das, wie man so sch&#246;n sagt, «Bottom up»- (von unten nach oben) sondern das «Top down»- (von oben nach unten) Prinzip. Es geht nicht mehr darum, dass die Mitglieder sich eine Meinung bilden, sondern dass die Funktion&#228;re eine Meinung vorgeben.</p>
<p><strong>Vincenzo Sicilia:</strong> Was wir wissen, ist, dass es nicht mehr diese Art von Vertrauensleutesitzungen gibt, wie wir sie von fr&#252;her kennen. Eine Diskussion wird schon gar nicht mehr zugelassen, weil aus der Diskussion sich ja Widerspruch ergeben k&#246;nnte. Sehr viele Vertrauensleute, ja VK-Leiter, sind dar&#252;ber frustriert. Auch die Listenpl&#228;tze werden teilweise nicht von allen festgelegt, sondern zugeschanzt. Das kriegen wir mit. Fr&#252;her, wenn wir Vertrauensleutesitzungen hatten, wir hatten ann&#228;hernd 300 Vertrauensleute, war die Kantine immer voll (wir haben eine gro&#223;e Kantine). Jetzt ist es so, dass es schon viel ist, wenn von den 300 Vertrauensleuten 10% anwesend sind. Das ist eine Katastrophe, und die IG Metall unternimmt auch gar nichts dagegen. Denen ist das sogar angenehm, dass da nur so wenige kommen. Das ist ganz schlimm, und da frage ich mich: In welcher Demokratie lebe ich eigentlich? Das ist wie in einer Beh&#246;rde, und eigenartigerweise wird das von jemandem angef&#252;hrt, der fr&#252;her immer gefordert hatte, es muss demokratisch zugehen und alle m&#252;ssen mitziehen.</p>
<p><em>Macht in eurer Gruppe auch demn&#228;chst der Letzte das Licht aus? Wie sieht eure Zukunft aus?</em><br />
<strong></strong></p>
<p><strong>Erich Bauer:</strong> Die Angst geht um. Nat&#252;rlich ist es auch ein Problem, dass jeder, der sich zu uns bekennt, an den Rand gedr&#228;ngt wird. Es geh&#246;rt Mut dazu, bei uns zu sein. Wir br&#228;uchten so ein akutes Thema wie die AKW-Problematik, wenn es so etwas wieder mal  innerhalb des Betriebes g&#228;be, k&#246;nnten wir hoffen, dass sich die Situation &#228;ndert.</p>
<p><em>Wie sieht es denn bei den jungen Leuten aus?</em></p>
<p><strong>Vincenzo Sicilia: </strong>Die Gesch&#228;ftsleitung gibt sich gro&#223;e M&#252;he zu verhindern, dass nicht erneut Leute wie wir nachwachsen. Man versucht deshalb, sie schon fr&#252;h an die Kandare zu nehmen. Auch die IG Metall ist hier nicht unt&#228;tig. Die sagen den Jungen: Wir k&#252;mmern uns um euch. Wir sind es, die all die tollen Voraussetzungen f&#252;r euch im Betrieb geschaffen haben. Das erzeugt Verpflichtung und Dankbarkeit.</p>
<p><strong>Erich Bauer: </strong>Die Jungen haben ja auch keine Erfahrungen und sind zum Teil froh, wenn sie an die Hand genommen werden.</p>
<p><strong>Vincenzo Sicilia: </strong>Nach Auftritten unserer Mitglieder bekommen wir aber auch schon mal Reaktionen wie: Eigentlich habt ihr ja recht. Doch dann werden die wieder gerade ger&#252;ckt, und sie sagen uns dann: Wir brauchen die IG Metall, sonst kriegen wir keinen Vertrag nach der Lehre, oder andere Dinge.</p>
<p><strong>Erich Bauer:</strong> So passt das, was das Unternehmen will, und das, was die Gewerkschaft will, gut zusammen: Ihr braucht euch um nichts zu k&#252;mmern, nur arbeiten, handelt nur nach dem, was wir euch sagen. So ein Verhalten erzeugt nat&#252;rlich auch ein riesiges Problem in der Gesellschaft.</p>
<p><strong>Vincenzo Sicilia:</strong> Mir geht es furchtbar gegen den Strich, wenn ich diese Duzgesellschaft sehe, wenn sich Betriebsr&#228;te mit F&#252;hrungskr&#228;ften der Unternehmensleitung duzen. Da rei&#223;t mir die Hutschnur, kommt Ekel hoch. Das ist so eine Friede-Freude-Eierkuchen-Gesellschaft.</p>
<p><em>Wie weit geht euer Einfluss in der Belegschaft?</em><br />
<strong>Vincenzo Sicilia:</strong> Wir sind in der Belegschaft akzeptiert. Es ist eigentlich allen klar, dass es einen Gegenpol wie uns geben muss. Direkt unterst&#252;tzt werden wir immer von 20–25% der Belegschaft. In den indirekten Bereichen ist es etwas niedriger, in der Produktion entsprechend h&#246;her.</p>
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