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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Standortpolitik</title>
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		<title>Volvo wird nach China verkauft</title>
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		<pubDate>Thu, 22 Apr 2010 16:11:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Standortpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Kapitalist trifft «Kommunisten» von Lars Henriksson In den letzten M&#228;rztagen, als noch tiefer Schnee die Stra&#223;en von G&#246;teborg bedeckte, unterzeichnete [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kapitalist trifft «Kommunisten»</strong><br />
<em>von Lars Henriksson</em></p>
<p>In den letzten M&#228;rztagen, als noch tiefer Schnee die Stra&#223;en von G&#246;teborg bedeckte, unterzeichnete Ford den Vertrag, der den Verkauf Volvos an die chinesische Autofirma Geely einleitete. Der endg&#252;ltige Verkauf wird im Herbst &#252;ber die B&#252;hne gehen.</p>
<p><span id="more-928"></span>Dass Ford Volvo verkaufen w&#252;rde, war noch vor 20 Jahren unvorstellbar &#8211; damals dachte auch noch niemand daran, dass Ford jemals Volvo kaufen w&#252;rde. Infolge der st&#228;ndig fortschreitenden Konzentration in der Autoindustrie aufgrund der hohen Entwicklungskosten, die der vom Marketing angefeuerten kurzen Lebensdauer einzelner Modelle geschuldet ist, folgte Volvo 1999 dem kleineren schwedischen Autobauer SAAB, der von General Motors gekauft worden war, und verkaufte seine Autoproduktion an Ford.</p>
<p>Dass Ford ein Jahrzehnt sp&#228;ter angesichts des drohenden Bankrotts Volvo an einen vormals unbekannten chinesischen Autobauer verkaufen w&#252;rde, mutete vor einigen Jahren noch wie Science Fiction an.</p>
<p>Doch heutzutage ist der Verkauf ein Symbol daf&#252;r, wie sehr sich die Wirtschaftskraft von den USA nach China verlagert, und wie unsere Wirtschaftswelt funktioniert. Unsere Zukunft wird von den &#220;bereink&#252;nften zwischen den Konzernchefs in Detroit und stalinistischen Kapitalisten in China bestimmt <em>-</em> in einer &#246;konomischen Stratosph&#228;re, die mit uns ganz und gar nichts mehr zu tun hat.</p>
<p>Die Firma Geely ist im Besitz des chinesischen Gesch&#228;ftsmanns Li Shufu, sowohl direkt also auch durch eine Firma, die an der B&#246;rse in Hongkong notiert ist und ihren Firmensitz in der Steueroase Cayman-Inseln hat. Obwohl Geely eine der wenigen chinesischen Autoproduktionen in Privatbesitz ist, ist «Chairman Li», wie der Firmenchef ironiefrei genannt wird, Nummer 44 auf der Liste der reichsten M&#228;nner Chinas und Mitglied der KP. Geelys Kauf von Volvo wurde von den chinesischen Beh&#246;rden streng &#252;berwacht und genehmigt.</p>
<p>Innerhalb von Volvo wird viel dar&#252;ber diskutiert, was nun mit Volvo und unseren Jobs passieren wird. Gerade wird im Radio verk&#252;ndet, der Besitzer von Geely plane, Volvo binnen drei Jahren in seine Autoproduktion zu integrieren. Das steht im Widerspruch zu fr&#252;heren Versprechungen, es als unabh&#228;ngige Produktionsst&#228;tte bestehen zu lassen.</p>
<p>Meines Erachtens wird trotzdem zun&#228;chst nicht viel passieren. Die chinesische Regierung ist vermutlich darauf erpicht, dass sich nicht wiederholt, was nach dem Kauf von Sangyong durch SAIC geschah. Das Top-Management wird sicherlich ausgewechselt werden (die Ford-Leute werden sich zur&#252;ckziehen), ihm aber freie Hand gelassen.</p>
<p>Im Moment ist Volvo wieder auf dem Weg zur&#252;ck in die schwarzen Zahlen, die Krise ist so gut wie vorbei und neue Modelle werden in K&#252;rze pr&#228;sentiert.</p>
<p>Der n&#228;chste Schritt wird sein, eine Firma in China zu bauen, wo man f&#252;r den chinesischen Markt produziert, bzw. einige von Geelys Fabriken umzugestalten. Ford stellt bereits Volvos in geringer Anzahl in China her, also kennt man sich bereits gegenseitig.</p>
<p>Sobald die Herstellung in China konsolidiert ist, wird man sicherlich beginnen, f&#252;r den Export zu produzieren. Warum soll man Autos, die in Schweden mit viel h&#246;heren Personalkosten gebaut werden, &#252;ber die halbe Welt nach Japan schicken, wenn man sie von Shanghai aus exportieren kann? Und auch nach Kalifornien ist es n&#228;her von China als von Schweden. Bald schon werden die schwedischen und belgischen Arbeiter mit Geschichten von der chinesischen Produktion versorgt werden. Davon erhielten wir bereits vor zwei Jahren einen Vorgeschmack, als die Topmanager von Reisen nach China zur&#252;ckkehrten und von den chinesischen L&#246;hnen erz&#228;hlten.</p>
<p>Die Gewerkschaften haben mit Ausnahme der Metallunion und dem Werk in Olofstr&#246;m dem Verkauf zugestimmt. Zun&#228;chst waren sie skeptisch, aber nachdem ihnen Zahlen zur Finanzierung pr&#228;sentiert wurden und Geelys Absicht, die Produktion in Schweden aufrecht zu erhalten, gaben sie ihre Zustimmung.</p>
<p>Die Verhandlungen waren absolut geheim, und soweit ich wei&#223;, wurde eine Kooperation oder Solidarit&#228;t mit chinesischen Autoarbeitern nicht erw&#228;hnt.</p>
<p>Das ist ein entscheidender Punkt f&#252;r die Zukunft, nicht nur f&#252;r uns, sondern f&#252;r Arbeiter aus aller Welt. Wenn die chinesischen Arbeiter weiterhin keine unabh&#228;ngigen Organisationen haben und keine Gewerkschaftsrechte, wird der Druck auf die L&#246;hne und Arbeitsbedingungen aller Arbeiter zunehmen.</p>
<p>Internationale Solidarit&#228;t und der Aufbau von Kontakten der Basis ist keine Frage von Wohlt&#228;tigkeit, sondern von gemeinschaftlichem und gegenseitigem Interesse.</p>
<p><em>Lars Henriksson arbeitet bei Volvo und befasst sich mit M&#246;glichkeiten der Konversion in der Autoindustrie.</em></p>
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		<title>Buy American!</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Dec 2009 17:06:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Standortpolitik]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Kampagne von Unternehmern und Gewerkschaften von Judy Ancel Am 7.April protestierten Stahlarbeiter in Granite City, Illinois, auf einer Kundgebung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine Kampagne von Unternehmern und Gewerkschaften</strong><br />
<em>von Judy Ancel</em></p>
<p>Am 7.April protestierten Stahlarbeiter in Granite City, Illinois, auf einer Kundgebung gegen die Verwendung von R&#246;hren aus Indien f&#252;r eine Mammut-&#214;lpipeline, die von Alberta nach Illinois gelegt werden soll. Zweitausend Stahlarbeiter waren gerade aus dem Werk Granite City von U.S.Steel entlassen worden; sie h&#228;tten den Stahl f&#252;r solche R&#246;hren herstellen k&#246;nnen. Die Kundgebung wurde organisiert von der<br />
<span id="more-159"></span><br />
Gewerkschaft und der Alliance for American Manufacturing, eine Partnerschaft zwischen der Stahlarbeitergewerkschaft USW und den Konzernen U.S.Steel und Allegheny Technologies.</p>
<p>Was hei&#223;t „Buy American&#8221;? Ein Gewerkschaftsvertreter bei AT&amp;T erkl&#228;rt dazu: Die Produkte, die wir hier bearbeiten, kommen und gehen aus und in aller Herren L&#228;nder. Die Produktionskette ist so weitl&#228;ufig, dass die Gewerkschaft sie nicht &#252;berblickt. Dann f&#252;gt er hinzu: „In dieser Zeit hoher Arbeitslosigkeit k&#246;nnte das Unternehmen sich an die Spitze stellen, patriotisch sein und die Arbeitspl&#228;tze wieder hierher zur&#252;ck verlagern.&#8221;</p>
<p>AT&amp;T patriotisch? Die Bezeichnung „Amerikanisch” hat das Unternehmen vor langer Zeit aus seinem Namen getilgt.</p>
<p>Ein &#246;rtliche Gewerkschaftsvorsitzender der Automobilarbeitergewerkschaft UAW meint, amerikanische Autos kaufen bedeute, Autos der gro&#223;en drei (GM, Chrysler, Ford) zu kaufen, weil die ausl&#228;ndischen Konzerne ihre Gewinne ins Ausland transferieren w&#252;rden.<br />
Hei&#223;t das, wenn Fiat Chrysler kauft, kaufen wir keinen Chrysler mehr? U.S. Steel und Allegheny Technologies produzieren Stahl auch in England, Kanada, China, Mexiko, der Slowakei, Serbien und Brasilien.<br />
Dieses Herangehen an die Arbeitspl&#228;tze: „Wir oder sie”, geschieht &#252;berall. Der rasante Anstieg der Arbeitsplatzvernichtung bringt die Arbeiter und ihre Gewerkschaften zur Verzweiflung. Deshalb gehen sie der Kampagne „Buy American” und den Ans&#228;tzen f&#252;r einen Wirtschaftsnationalismus auf den Leim.</p>
<p><strong>Opfer des Protektionismus</strong></p>
<p>Buy American ist ein gro&#223;artiges Ablenkungsman&#246;ver. Es zielt viel st&#228;rker auf die Verbraucher als auf die Unternehmen und Regierungen, die &#252;ber die Vernichtung von Arbeitspl&#228;tzen entscheiden. Wenn Gewerkschaften sich dem Nationalismus zuwenden, verwirren sie die Arbeiter dar&#252;ber, wer ihre Verb&#252;ndeten und wer ihre Feinde sind. Unsere Geschichte zeigt, dass wir damit in eine Sackgasse geraten.</p>
<p>In den 70er und 80er Jahren, als der Aderlass der Arbeitspl&#228;tze in der verarbeitenden Industrie anfing und die Konzerne begannen, weltweit zu agieren, reagierten die Gewerkschaften mit dem Ruf nach Handelsprotektion und „Kauft amerikanische Produkte” Anti-Toyota-Kundgebungen waren an der Tagesordnung. Vincent Chin, ein chinesisch-amerikanischer Ingenieur in Detroit, wurde von einem entlassenen Werksaufseher zu Tode gepr&#252;gelt, der glaubte, Chin sei Japaner. Der M&#246;rder bekam Bew&#228;hrung.</p>
<p>Noch weiter zur&#252;ck in der Geschichte, w&#228;hrend der Zeit der Gro&#223;en Depression, unterst&#252;tzten Medienmogule wie William Randolph Hearst und einige Industriebarone den Buy America Act: Das Gesetz wurde 1933 vom Kongress beschlossen und forderte von der US-Regierung, bei ihren Eink&#228;ufen Produkte US-amerikanische Produkte zu bevorzugen. Sie bildeten Made in America Clubs, um ihrer Initiative den Anschein einer Volksbewegung zu geben.</p>
<p>Opfer dieser Fremdenfeindlichkeit wurden jedoch die Migranten. Viele Gewerkschaftsf&#252;hrer schlossen sich der Forderung an, nur einheimische Arbeiter d&#252;rften Arbeitspl&#228;tze bekommen. Zwischen 1930 und 1935 f&#252;hrte die Regierung Razzien gegen eingewanderte mexikanische Arbeiter durch, sie m&#252;ndeten in der Deportation von &#252;ber einer halben Million Mexikanern.</p>
<p>Heute hat sich die Sichtweise der Gewerkschaften in Bezug auf Fremdarbeiter grundlegend ge&#228;ndert, doch h&#246;ren wir aus ihren enthusiastischen Reaktionen auf den rechtsextremen Fernsehmoderator Lou Dobbs ein beunruhigendes Echo der 30er Jahre heraus. Dobbs wird von zahlreichen Gewerkschaften als Champion der arbeitsamen Mittelklasse, des Freihandels und des „Made in America” gefeiert; er fordert besessen, die Migranten aus dem Land zu halten.</p>
<p><strong>Eine falsche Debatte</strong></p>
<p>In den „Buy-American&#8221;-Kampagnen schlie&#223;en sich oft Gewerkschaften mit Unternehmen zusammen, so auch in der Initiative der Stahlarbeiter „Unterst&#252;tzt amerikanische Produktion” Dave Dowling, ein f&#252;hrender Vertreter der USW, der die Kindgebung in Granite City organisiert hat, sagt, diese Partnerschaft sei rein taktischer Natur. Die Mitglieder seiner Gewerkschaft machten sich keine Illusionen &#252;ber U.S. Steel. „Die Mitglieder verstehen, warum wir das tun. Sie wissen, dass das Unternehmen uns mit Haut und Haaren verkaufen w&#252;rde, wenn das in seine Pl&#228;ne passt. K&#246;nnen wir nicht &#252;ber den Niedergang der amerikanischen Industrie und den Verlust der Arbeitspl&#228;tze reden, ohne als Protektionisten beschimpft zu werden?&#8221;</p>
<p>Das ist die falsche Debatte. Die Alternative lautet nicht: Konzerngesteuerte Globalisierung, wo Multis die Welt nach billiger Arbeit absuchen, oder nationalistischer Protektionismus, wo dieselben Multis uns mit patriotischen Phrasen von den Arbeitern anderer L&#228;ndern entzweien wollen.</p>
<p>Wie k&#246;nnen wir f&#252;r gute Arbeit einstehen, ohne uns gegeneinander auszuspielen — zu Hause und weltweit? Die Gewerkschaften gewannen an Ansehen in den USA, als sie die Konkurrenz um die L&#246;hne beendeten, indem sie ganze Industriezweige organisierten. Auf dem heutigen globalen Arbeitsmarkt stehen die L&#246;hne wieder in Konkurrenz zueinander, und es ist wieder unser Job, sie so anzugleichen, dass die Unternehmen uns nicht kleinhacken k&#246;nnen.</p>
<p>In einer globalen &#214;konomie m&#252;ssen wir uns entlang der Produktionsketten organisieren, denn unsere St&#228;rke liegt in der Solidarit&#228;t, nicht in der Konkurrenz. Gewerkschaften k&#246;nnen Arbeiter zusammenbringen und ihnen die Argumente liefern, mit denen sie Nationalisten wie Lou Dobbs kritisieren k&#246;nnen.</p>
<p>Eine weltweite Bewegung f&#252;r gute Arbeit muss die Nationen in die Lage versetzen, Pl&#228;ne zu entwerfen, wie die Bed&#252;rfnisse jeder Nation befriedigt werden k&#246;nnen, ohne dass die Arbeiter aufeinander gehetzt werden.</p>
<p><em>Aus: Labor Notes, Mai 2009. </em><a href="http://labornotes.org" target="_blank">www.labornotes.org/</a></p>
<p><em>Judy Ancel unterrichtet an der Universit&#228;t von Kansas City (Missouri). Sie praktiziert grenz&#252;bergreifende Solidarit&#228;t.</em></p>
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