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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Streik / Betriebsbesetzung</title>
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		<title>Den Gegner untersch&#228;tzt</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 17:44:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitskampf]]></category>
		<category><![CDATA[Streik / Betriebsbesetzung]]></category>
		<category><![CDATA[GdL]]></category>
		<category><![CDATA[Streik]]></category>

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		<description><![CDATA[GDL-Streik von Jochen Gester Seit Februar 2011 steht die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivf&#252;hrer (GDL) im Arbeitskampf. Weil sie die Aufspaltung der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>GDL-Streik</strong></p>
<p>von <em>Jochen Gester</em><br />
Seit Februar 2011 steht die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivf&#252;hrer (GDL) im Arbeitskampf. Weil sie die Aufspaltung der Belegschaft zugelassen hat, riskiert sie, mit leeren H&#228;nden dazustehen.<br />
<span id="more-3071"></span>Der Gewerkschaft geht es um Erhalt und Verbesserung der Alterssicherung, um Mindeststandards bei der Ausbildung der Lokf&#252;hrer, um Schutz bei Verlust der Arbeitsf&#228;higkeit und um den Erhalt der Jobs und sozialen Standards bei einem Betreiberwechsel.</p>
<p>Zentraler Punkt der Auseinandersetzung ist jedoch die Forderung nach einem Fl&#228;chentarifvertrag, der s&#228;mtliche Lokf&#252;hrer umfasst. Er soll verhindern, dass der Wettbewerb zwischen den Verkehrsunternehmen weiter &#252;ber Lohndumping stattfindet. Das richtet sich gegen die Deutsche Bahn AG, die dies mit verschiedenen Tochterunternehmen praktiziert, vor allem aber gegen die privaten Verkehrsunternehmen, deren Gesch&#228;ftsmodell vorrangig auf der Unterbietung der Tarife der DB AG basiert. Bewusst oder nicht, ist dieser Arbeitskampf auch ein direkter Angriff auf Strukturen der neoliberal organisierten Arbeitswelt. Genau das ist auch der entscheidende Grund, warum der Arbeitskampf bei den Lokf&#252;hrern einen anderen Charakter hat als zum Beispiel bei den &#196;rzten des Marburger Bundes, die ohne gr&#246;&#223;ere Konfrontation zweistellige Gehaltserh&#246;hungen erstreiten konnten.</p>
<p>Obwohl die Streikbereitschaft der Lokf&#252;hrer gro&#223; war und sich der Ausstand f&#252;r Teile der Streikenden &#252;ber mehr als 30 Tage erstreckte, gelang es mit der Streiktaktik der GDL-F&#252;hrung nicht, die privaten Betreiber auf Linie zu bringen. Das Management dieser Konzerne hat ausreichend Finanzmittel, solche Streiks eine ganze Weile auszusitzen, und es k&#228;mpft mit allen Bandagen: Anrufung der Gerichte, massiver psychologischer Druck auf die Streikenden bis hin zu Aussperrungen und organisiertem Streikbruch durch  Bestechungspr&#228;mien und Ersatzbuslinien.</p>
<p>Die GDL hat eine vertragliche Absprache mit der DB AG in der Tasche, wonach diese bereit ist, wesentliche Punkte des angestrebten Bundesrahmentarifvertrags zu erf&#252;llen. Doch bringt ihr das nicht viel, weil die DB AG die G&#252;ltigkeit der Vereinbarung daran gekn&#252;pft haben soll, dass eine hohe Quote von privaten Betreibern den Vertrag ebenfalls unterschreibt.</p>
<p>Bedingung f&#252;r den Schritt der Bahn AG war nat&#252;rlich, dass sie aus dem Arbeitskampf herausgenommen wird. Damit sind aber 83% der Lokf&#252;hrer drau&#223;en, und nach der Einigung mit einer Reihe kleinerer Verkehrsunternehmen sind es mittlerweile nach Angaben der GDL sogar 95%. Davon entf&#228;llt ein Teil auf Unternehmen wie der ODEG, mit der Verhandlungen &#252;ber eine Schlichtung aufgenommen wurden.</p>
<p>Nur ein paar hundert Lokf&#252;hrer sind noch auf sich gestellt und bei&#223;en sich am harten Kern der Verweigerer – NOB (Veolia), BeNEX (italienische Staatsbahn und ein franz&#246;sisch-luxemburgischer Finanzinvestor), den Hessischen Landesbahnen und der Hamburger Hochbahn AG – die Z&#228;hne aus.</p>
<p>Die GDL hat jetzt erneut ihre Mitglieder bei der NOB zum Streik aufgerufen, und auch auch der Streik bei der Hessischen Landesbahn geht weiter. Nur durch die erneute Einbeziehung gr&#246;&#223;erer Teile der bereits aus dem Streik genommenen Besch&#228;ftigten, z.B. in Form von Solidarit&#228;tsstreiks, k&#246;nnte die Gewerkschaft das Blatt noch einmal wenden. Doch das ist nach dem bisherigen Verlauf alles andere als einfach, und es spricht wenig daf&#252;r, dass der von CDU-Mitgliedern dominierte GDL-Vorstand daf&#252;r den Kluncker f&#252;r die Regierung Merkel spielen will.</p>
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		<title>Was mich die Aussperrung &#252;ber internationale Arbeitersolidarit&#228;t gelehrt hat</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 17:30:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitskampf]]></category>
		<category><![CDATA[Länder]]></category>
		<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>
		<category><![CDATA[Streik / Betriebsbesetzung]]></category>
		<category><![CDATA[Aussperrung]]></category>
		<category><![CDATA[Honeywell International]]></category>
		<category><![CDATA[Internationalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Streik]]></category>
		<category><![CDATA[Working in these times]]></category>

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		<description><![CDATA[13 Monate Arbeitskampf bei Honeywell, USA Erfahrungsbericht eines Kollegen aus Illinois von John Paul Smith Im Internet-Blog Working in these [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>13 Monate Arbeitskampf bei Honeywell, USA</strong></p>
<p><strong>Erfahrungsbericht eines Kollegen aus Illinois</strong></p>
<p>von <em>John Paul Smith</em><br />
Im Internet-Blog Working in these times hat der Autor seine Erfahrungen mit internationaler gewerkschaftlicher Solidarit&#228;t beschrieben.</p>
<p>Vor einem Jahr, als Honeywell International mich und 228 meiner Kolleginnen und Kollegen aus der Fabrik in Metropolis im Bundesstaat Illinois aussperrte, h&#228;tte ich mir nicht tr&#228;umen lassen, dass ich einmal in Deutschland und Belgien erkl&#228;ren w&#252;rde, was bei uns passiert. Aber genau dahin hat mich dieser Kampf, der offiziell in der Woche endete, in der der neue Dreijahresvertrag angenommen wurde, gef&#252;hrt.<br />
<span id="more-3062"></span>Viele Mitglieder gewerkschaftlicher Ortsverb&#228;nde in den USA, darunter auch mein eigener, haben Zweifel daran, wie wichtig die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften in anderen Teilen der Welt ist. Hoffentlich bringen meine Erfahrungen w&#228;hrend der dreizehn Monate w&#228;hrenden Aussperrung von Honeywell nun diese Zweifel zum Verstummen.</p>
<p>Am 28. Juni 2010 entschied Honeywell International – einer der gr&#246;&#223;ten Geldgeber f&#252;r politische Parteien in den USA und ein wichtiger Lieferant von R&#252;stungsg&#252;tern – Mitglieder der Gewerkschaft United Steel Workers (USW) Local 7-669 aus der Fabrik in Metropolis, in der Uran verarbeitet wird, auszusperren. Dies geschah, obwohl wir angeboten hatten, auch nach Ablauf unseres Tarifvertrages weiter zu arbeiten und zu verhandeln.</p>
<p>Schon bevor wir ausgesperrt wurden war uns klar, dass wir gegen eine so gro&#223;e Firma nicht alleine k&#228;mpfen k&#246;nnen. Unser erster Schritt war der Beitritt zum nationalen amerikanischen Honeywell Gewerkschaftskomitee, das jedoch bis dahin nicht sehr aktiv war. Unterst&#252;tzt vom Leiter des Komitees des Bezirks 9 der USW, Daniel Filippo, hielten wir ein erstes Treffen ab – in unseren Gewerkschaftsr&#228;umlichkeiten in Metropolis, direkt gegen&#252;ber von unserem alten Arbeitsplatz. Dieses Treffen war nicht auf Ortsverb&#228;nde der USW beschr&#228;nkt, eine Reihe anderer Gewerkschaften nahmen teil, die Besch&#228;ftigte in verschiedenen Honeywell-Betrieben vertraten.</p>
<p>Au&#223;erdem war der in einem Honeywell-Betrieb bei Hamburg besch&#228;ftigte Michael Petersen, Mitglied der IG BCE (die deutsche Chemiearbeitergewerkschaft) und Vorsitzender des europ&#228;ischen Honeywell-Betriebsrates, eingeladen. Vor meiner ersten Begegnung mit Michael wusste ich gar nichts dar&#252;ber, wie der deutsche Betriebsrat funktioniert. In Europa sind gro&#223;e Firmen gesetzlich dazu verpflichtet, Betriebsr&#228;te zuzulassen, die dann tats&#228;chlich einigen Einfluss darauf haben, wie Firmen mit ihren Arbeitskr&#228;ften umgehen. Jede Firma oder Firmenbereich mit f&#252;nfzig Besch&#228;ftigten kann einen Betriebsrat w&#228;hlen, der freigestellt wird. Die Anzahl der Betriebsr&#228;te h&#228;ngt direkt von der Anzahl der Besch&#228;ftigten der Firma ab, und die Besch&#228;ftigten k&#246;nnen den Betriebsrat w&#228;hlen, egal ob sie zur Gewerkschaft geh&#246;ren oder nicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Unsere Kampagne wird international</p>
<p>Je l&#228;nger die Aussperrung in Metropolis dauerte und je st&#228;rker unsere Kampagne gegen diese abscheuliche Firma wurde, desto mehr Anfragen von &#252;berall her erreichten uns, doch jemanden zu schicken, der unsere Geschichte erz&#228;hlt.</p>
<p>Eine Anfrage erschien seltsam: Ein Gewerkschaftsangestellter aus Pittsburgh (da ist die Gewerkschaftszentrale) rief mich an und fragte mich: «Hallo, was h&#228;ltst du davon, nach Deutschland zu fahren und dort &#252;ber die Aussperrung zu berichten?» Zuerst war ich schockiert und &#252;berrascht, dass Menschen auf der anderen Seite der Welt &#252;berhaupt etwas von unserer Aussperrung wussten und von uns pers&#246;nlich etwas dar&#252;ber h&#246;ren wollten.</p>
<p>Steven Lech, Aktivist unseres Locals, und ich machten uns am 2.Mai auf den Weg. In Deutschland trafen wir die Konzernbetriebsr&#228;te und erz&#228;hlten unsere Geschichte. Dabei ist wichtig zu wissen, dass zwar jeder dieser Betriebsr&#228;te gew&#228;hlt ist, jedoch nicht notwendigerweise Mitglied einer Gewerkschaft ist. Nach unserer Pr&#228;sentation verabschiedeten die Konzernbetriebsr&#228;te einstimmig eine Resolution, in der das Ende der Aussperrung gefordert wurde, und schickten diese an das Management von Honeywell. Damit war unser Kampf international.</p>
<p>Angefangen mit der Solidarit&#228;t und der finanziellen Unterst&#252;tzung der Br&#252;der und Schwestern in den Gewerkschaften ist Deutschland ist ein sehr interessantes Land, weil im europ&#228;ischen Vergleich der gewerkschaftliche Organisationsgrad dort sehr hoch ist. Gleichzeitig sind dort die Arbeitskosten am h&#246;chsten, und trotzdem ist die Wirtschaft am st&#228;rksten. Alle, mit denen wir gesprochen haben, waren entsetzt dar&#252;ber, dass uns die Firma ausgesperrt hat, besonders nachdem sie erfuhren, dass in Metropolis mit Uran gearbeitet wird und dass seit dem Beginn der Aussperrung gegen die Sicherheitsvorschriften versto&#223;en wird.</p>
<p>Nach dem Besuch in Deutschland fuhren wir weiter nach Br&#252;ssel und trafen dort Mitglieder des europ&#228;ischen Betriebsrats von Honeywell, welche dort eines ihrer regelm&#228;&#223;igen Treffen abhielten. Honeywell verbot den Konzernbetriebsr&#228;ten Treffen mit uns, die blieben aber ihren &#220;berzeugungen treu und trafen uns in ihrer Freizeit. Nach diesem Treffen wurde erneut dem Honeywell-Management eine einstimmige Resolution &#252;bermittelt. Einige dieser Betriebsr&#228;te waren sogar Manager in ihren Firmen und geh&#246;rten keiner Gewerkschaft an.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus trafen wir in Br&#252;ssel Vertreter aller bedeutenden europ&#228;ischen Gewerkschaften wie der Europ&#228;ischen Metallgewerkschaft (EMF), der Bergbau-, Chemie und Energie-Gewerkschaft (EMCEF) und der Dienstleistungsgewerkschaft (EPSU).</p>
<p>Bei alledem war die M&#246;glichkeit, mit Besch&#228;ftigten anderer Honeywell-Betriebe Informationen und Ideen auszutauschen, am wichtigsten. Grundlegende Arbeiterrechte sind in allen L&#228;ndern g&#252;ltig, und schlie&#223;lich haben wir alle das gleiche Ziel. Wir verdienen es, mit dem Lohn f&#252;r eine anst&#228;ndige Arbeit ein ordentliches Leben zu f&#252;hren und keine gesundheitlichen Sch&#228;den von der Arbeit davon zu tragen. Nun, da fast jede gr&#246;&#223;ere Firma global agiert, m&#252;ssen auch wir, um damit Schritt zu halten, uns global organisieren. &#220;berall findet n&#228;mlich der gleiche Kampf statt, und Arbeiterrechte sind Menschenrechte.</p>
<p>Wenn wir uns in gro&#223;er Zahl zusammenschlie&#223;en, sind wir un&#252;bersehbar und Politiker und Firmenbosse m&#252;ssen unsere Forderungen anerkennen. Sie scheinen oft zu vergessen, dass wir unsere Arbeit auch ohne sie da oben machen k&#246;nnen, es ihre Jobs und Verm&#246;gen ohne uns da unten es aber nicht geben w&#252;rde. It’s time for global solidarity forever! Die Zeit f&#252;r weltweite Solidarit&#228;t ist gekommen – f&#252;r immer!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Quelle: www.inthesetimes.com.</p>
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		<title>Alstom-Belegschaften k&#228;mpfen gegen Massenentlassungen</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/07/alstom-belegschaften-kampfen-gegen-massenentlassungen/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Jul 2011 10:24:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Streik / Betriebsbesetzung]]></category>

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		<description><![CDATA[Sichere Zukunft durch R&#252;ckeroberung von Marktanteilen? von Jochen Gester Der Hersteller von Kraftwerken, Turbinen und Generatoren, Alstom, will im Zuge [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sichere Zukunft durch R&#252;ckeroberung von Marktanteilen?</strong><br />
<em>von Jochen Gester</em><br />
Der Hersteller von Kraftwerken, Turbinen und Generatoren, Alstom, will im Zuge einer Umstrukturierung des Konzerns weltweit 6000 Arbeitspl&#228;tze abbauen, mehr als die H&#228;lfte davon in Europa.</p>
<p><span id="more-2595"></span>In Deutschland sollen im Unternehmensbereich Kraftwerksbau (Power) 589 Stellen entfallen, allein im Werk Mannheim, in dem Gas- und Dampfturbinen zur Stromerzeugung gebaut werden, sollen 474 von derzeit noch 2300 Besch&#228;ftigten ihren Arbeitsplatz verlieren.</p>
<p>Eine Entlassungswelle droht auch der Belegschaft des Werks in Salzgitter. Es geh&#246;rt zum Unternehmensbereich Transportsysteme, hier werden vor allem Schienenfahrzeuge gefertigt. Der Konzern plant die Verlagerung des Rohbaus nach Polen und m&#246;chte dies durch betriebsbedingte K&#252;ndigungen erreichen. Nach Einsch&#228;tzung der IG Metall und des Alstom-Betriebsrats k&#246;nnte das zu einer Halbierung der jetzigen Belegschaft und zur Entlassung von 1400 Besch&#228;ftigten f&#252;hren. Im schlimmsten Fall w&#252;rde der Aderlass sogar die Schlie&#223;ung des Werks nach sich ziehen, da wichtiges Knowhow verloren geht und die verbleibende Fertigungstiefe einen eigenen Standort nicht mehr am Leben erh&#228;lt.</p>
<p>Vielleicht ist auch genau das beabsichtigt. In einer Stellungnahme des Konzernbetriebsrats hei&#223;t es, hier gehe es nicht nur um den Abbau von Personal und von existenziellen Kernfunktionen, sondern um die Verabschiedung von Alstom aus dem deutschen, und zum Teil auch aus dem europ&#228;ischen Markt. Statt etwas daf&#252;r anzubieten, bittet man die Belegschaft bereits in Vorleistung zu gehen mit der Erh&#246;hung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich, dem Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld und den Anspruch auf Tariferh&#246;hungen f&#252;r die n&#228;chsten drei Jahre. Das vorgesehene Einsparvolumen entspr&#228;che einem Einkommensverlust von 40%.</p>
<p>Im kleinen Stil wurde das bereits 2005 geprobt. Die Belegschaft arbeitete eine Stunde l&#228;nger und verzichtete auf die Tariferh&#246;hung. Daf&#252;r sollte das Unternehmen die betrieblichen Abl&#228;ufe optimieren und die Produktivit&#228;t steigern. Alstom sagte Danke und hatte anderes im Sinn.</p>
<p>Diese Zukunftsaussichten haben den Widerstandsgeist in den betroffenen Belegschaften angefacht und in den letzten Monaten zu Protestaktionen gef&#252;hrt. Im Zentrum stand seit Oktober 2010 das Werk in Mannheim, das &#252;ber eine gewerkschaftlich gut organisierte Belegschaft mit langer Kampferfahrung verf&#252;gt. Bereits Anfang November beteiligten sich etwa 5000 Besch&#228;ftigte der deutschen Alstom-Werke an Betriebsversammlungen und Demonstrationen. Vor allem die Mannheimer haben in ihrer langen Widerstandsgeschichte von BBC, &#252;ber ABB zu Alstom mit der gewerkschaftlichen Praxis gebrochen, Arbeitsk&#228;mpfe als rein betriebliche Angelegenheit zu betrachten und am Werkstor enden zu lassen. Sie organisieren Demonstrationen in die Stadt und suchen die Unterst&#252;tzung anderer Belegschaften.</p>
<p>Auch in Salzgitter – hier wurde der vorgesehene Personalabbau erst im vergangenen Februar bekannt – hat die Belegschaft in den letzten Monaten mit Protestaktionen versucht, sich der drohenden Entwicklung entgegenzustellen. Sie stellte die Mehrheit der 5000 Demonstranten, die sich Ende Mai an einem Aktionstag des Europ&#228;ischen Metallarbeiterbunds in Salzgitter versammelten. Schon am 9.Februar hatte sie nach einer &#246;ffentlichen Betriebsversammlung eine Demonstration in die Innenstadt von Salzgitter-Lebenstedt organisiert.</p>
<p>Doch die Dynamik des Protests droht jetzt verloren zu gehen. IG Metall und Betriebsrat verhandeln seit Wochen mit der Werksleitung und k&#246;nnen bisher als Erfolg lediglich verbuchen, dass die Gegenseite &#252;berhaupt bereit ist, sich ihre Argumente anzuh&#246;ren. In den Verhandlungen spielt das Management auf Zeit und lanciert Kompromisslinien, die dann aber von der Konzernzentrale in Paris wieder gekippt werden. Es hei&#223;t, man rechne und rede &#252;ber technische Fragen. Betriebsrat und IG Metall erhoffen sich eine Klausur mit Vertretern des Unternehmens Ende Juni, in der ein Standortsicherungsplan unterschrieben werden kann.</p>
<p>Bisher werden f&#252;r alle Alstom-Werke folgende Eckpunkte f&#252;r unverzichtbar gehalten: Ausschluss betriebsbedingter K&#252;ndigungen, eine Standort- und Besch&#228;ftigungsgarantie bis 2016, die verbindliche Zuweisung von Produktionsplattformen und Auftr&#228;gen an die Standorte.</p>
<p>Sch&#246;n und gut. Doch genau das will der Arbeitgeber nicht. Er kann rechnen und sieht profitablere Alternativen, bei denen die bisherigen Arbeitskr&#228;fte f&#252;r ihn uninteressant geworden sind. Er m&#246;chte sich von ihnen trennen, wie von einem Anzug, den man zur Altkleidersammlung gibt. Will sich der gewerkschaftliche Widerstand angesichts dieses Szenarios nicht frustriert von den eigenen, sch&#246;nen Forderungen verabschieden, bleibt ihm eigentlich nichts anderes &#252;brig, als diesen Machtanspruch &#246;ffentlich zu skandalisieren und daf&#252;r geeignete Aktionen wie eine demonstrative Werksbesetzung zu w&#228;hlen.</p>
<p>Doch statt diesen, sicherlich nicht risikolosen und konfliktreichen, Schritt zu wagen, fordert die IG Metall von der Firma «einen offensiven industriellen Plan zur Entwicklung von Alstom in Europa und f&#252;r die R&#252;ckeroberung von Marktanteilen» und m&#246;chte beweisen, dass sich dies marktwirtschaftlich rechnet.</p>
<p>Einmal abgesehen davon, dass dann andere abh&#228;ngig Besch&#228;ftigte ihrerseits den Preis f&#252;r Verlust von  Marktanteilen zu zahlen h&#228;tten, sollte man sich nicht darauf verlassen, dass diese Nachhilfestunde in Betriebswirtschaft die erhofften Fr&#252;chte tr&#228;gt. Hilfreich w&#228;re eher eine praktische Unterweisung in den politischen Kosten der geplanten Massenentlassungen. Warum sollte es nicht gelingen, mit Unterst&#252;tzung vieler prekarisierter und sympathisierender Lohnabh&#228;ngiger diese Kosten so hochzutreiben, dass Alstom die wirtschaftlichen Nachteile eines Verzichts auf die geplanten Umstrukturierungen als kleineres &#220;bel akzeptiert?</p>
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		<item>
		<title>Zum Tarifkonflikt in den Printmedien</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/07/zum-tarifkonflikt-in-den-printmedien/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Jul 2011 10:20:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Streik / Betriebsbesetzung]]></category>

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		<description><![CDATA[Dreht sich der Wind? von Jochen Gester In der Druckindustrie geht es diesmal ums Ganze. Seit Anfang des letzten Jahres [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dreht sich der Wind?</strong><br />
<em>von Jochen Gester</em><br />
In der Druckindustrie geht es diesmal ums Ganze. Seit Anfang des letzten Jahres gibt es in der Druckindustrie Tarifverhandlungen f&#252;r die Redakteure von Printmedien.</p>
<p><span id="more-2593"></span>Ende des Jahres wurden die Gespr&#228;che mit dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger eingestellt, und die Gro&#223;e Tarifkommission des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) beschloss die Vorbereitung von Kampfma&#223;nahmen. Betroffen davon sind derzeit 14.000 Besch&#228;ftige bei Zeitungen und 9000 bei Zeitschriften.</p>
<p>Der DJV war mit einer Forderung nach 4% mehr Gehalt in die Verhandlungen gegangen. Doch die Verleger m&#246;chten das Rad gerne in die andere Richtung drehen, sie wollen eine Senkung des Gehaltsniveaus durchsetzen. F&#252;r neueingestellte Besch&#228;ftigte soll es ein «Tarifwerk 2» geben, das um 25% unter dem jetzigen Tarif liegt. Davon betroffen w&#228;ren auch Besch&#228;ftigte, die innerhalb des Unternehmens in andere Betriebseinheiten wechseln. Die sog. Altbesch&#228;ftigten sollen k&#252;nftig auf Urlaubsgeld und auf 5% Einkommen verzichten. Auch der Jahresurlaub soll gekappt und die betriebliche Altersvorsorge halbiert werden. Ferner soll die 35-Stunden-Woche aus dem Manteltarifvertrag verschwinden und die 40-Stunden-Woche wieder eingef&#252;hrt werden.</p>
<p>Mehr noch als durch dieses Drehen an der Schraube von Gehalt und Arbeitszeit ist die soziale Lage der Redakteure jedoch durch Statusver&#228;nderungen des Arbeitsvertrags bedroht. In zunehmendem Ma&#223;e entziehen sich die Verlage der Tarifbindung, indem sie dem Verlegerverband als Mitglieder ohne Tarifbindung (OT) angeh&#246;ren, oder die Redakteure finden sich in outgesourcten Gesellschaften wieder.</p>
<p>Regul&#228;re Arbeitsverh&#228;ltnisse werden auf Zeitarbeit umgestellt, Volont&#228;re nicht mehr direkt beim Verlag, sondern &#252;ber Journalistenschulen ohne Tarifbindung angestellt, Bildredakteure in die Selbstst&#228;ndigkeit gedr&#228;ngt. Bei der Passauer Presse arbeiten die Redaktionsmitarbeiter in f&#252;nf verschiedenen GmbHs, und die Wilhelmshavener Zeitung plant gar, alle k&#252;nftigen Redakteure &#252;ber eine Leihfirma einzustellen (auf der Ver.di-Website ist detailliert erfasst, welche Verlagsh&#228;user sich hier wie sanieren wollen,<a href="http://www.verdi.de/dju/tarif/tarife_schuetzen"> www.verdi.de/dju/tarif/ tarife_schuetzen</a>). Die Redakteure haben auf diese Entwicklung mit Streiks reagiert, an denen sich nach Gewerkschaftsangaben insgesamt 1300 Betroffene beteiligten.</p>
<p><strong>Lohntarifrunde</strong></p>
<p>Der lange schwelende Tarifkonflikt in den Redaktionen erhielt in diesem Jahr Unterst&#252;tzung durch die regul&#228;re Tarifrunde f&#252;r die 160.000 Besch&#228;ftigten der Druckindustrie. Ver.di fordert 5,5% mehr Gehalt und zudem einen tariflichen Anspruch der LeiharbeiterInnen auf gleiche Arbeitsbedingungen und gleiche Entlohnung.</p>
<p>Die Druckarbeitgeber haben nicht nur das kategorisch abgelehnt. Sie wollen auch f&#252;r die Drucker die 35-Stunden-Woche kippen und die in harten Auseinandersetzungen erk&#228;mpften Besetzungsregelungen f&#252;r die aufreibende Arbeit an den Rotationsmaschinen aufheben. Hier geht es ans Eingemachte.</p>
<p>Nachdem mehrere Verhandlungsrunden scheiterten, rief Ver.di die Belegschaften zu Warnstreiks auf. Hatten sich ehrenamtliche Ver.di-Funktion&#228;re noch im letzten Jahr frustriert und resigniert darauf eingestellt, dass die Druckarbeitgeber sich auf der ganzen Linie durchsetzen und sich das zur&#252;ckholen, was ihnen abgetrotzt wurde, so scheint sich das Blatt jetzt zu wenden.</p>
<p>Die Beteiligung an den Warnstreiks ist ermutigend. 10.000 haben in der Zeit vom 6. bis 10.Juni in 70 Betrieben zeitweilig die Arbeit niedergelegt. Sie tun dies – und das ist eine erfreuliche Entwicklung – immer &#246;fter gemeinsam mit ihren streikenden Kolleginnen und Kollegen in den Redaktionen. Viktor Kalla, ehemaliger langj&#228;hriger Betriebsratsvorsitzende der Frankfurter Rundschau, sieht in den Belegschaften ein «historisches Bewusstsein» leben. Viele haben begriffen, was auf dem Spiel steht.</p>
<p>Kallas Nachfolger Marcel Bathis konnte sich &#252;ber ein Ereignis freuen, das gut dazu passt. Besch&#228;ftigte einer FR-eigenen Leiharbeitsfirma weigerten sich, Streikbrucharbeiten durchzuf&#252;hren und nahmen an der Streikversammlung teil.Letzter Stand: In der Verhandlungsrunde vom 16.Juni haben die Arbeitgeber ihre Absenkungsforderungen bekr&#228;ftigt und konkretisiert. Am 28.Juni soll es ein Treffen der Gro&#223;en Tarifkommission geben, auf der das weitere Vorgehen beraten wird.</p>
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		<title>Die C-Klasse geht</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Feb 2010 14:31:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Streik / Betriebsbesetzung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ungew&#246;hnlicher Aufruhr bei Daimler Sindelfingen von Jochen Gester Anfang Dezember 2009 kam es im Zentrum der w&#252;rttembergischen Daimlerwelt zu einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ungew&#246;hnlicher Aufruhr bei Daimler Sindelfingen</strong><br />
<em>von Jochen Gester</em></p>
<p>Anfang Dezember 2009 kam es im Zentrum der w&#252;rttembergischen Daimlerwelt zu einem bemerkenswerten Aufruhr, dessen Epizentrum das Sindelfinger Werk war. Fast eine Woche lang war die Normalit&#228;t des Arbeitsalltags suspendiert.</p>
<p><span id="more-495"></span>In allen Schichten legte die Belegschaft des Werks Sindelfingen die Arbeit nieder. Nur wenige haben in der gesamten Arbeitswoche mehr als 20 Stunden gearbeitet. Statt dessen diskutierten die Kollegen dar&#252;ber, sich an Infoaktionen des Betriebsrats zu beteiligen, eine werksinterne Demo zur Hauptkantine und dann durch die Sindelfinger Innenstadt zum Busbahnhof zu organisieren.</p>
<p>Sindelfingen ist mit 36.000 Besch&#228;ftigten der gr&#246;&#223;te Standort des Konzerns und eine der Wiegen der ehemaligen Daimler-Benz AG und heuten Daimler AG. 1915 wurde hier die Daimler Motorengesellschaft gegr&#252;ndet. Das Werk ist normalerweise nicht Ausgangspunkt von Arbeitsk&#228;mpfen. Der Betriebsrat ist fest in der Hand der auf Co-Management orientierten Mehrheitsstr&#246;mung innerhalb der IG Metall.</p>
<p>Z&#252;ndfunke f&#252;r den ungew&#246;hnlichen Aufruhr war eine Erkl&#228;rung des Vorstandsvorsitzenden Zetsche, in Zukunft die Produktion der C-Klasse aus dem Sindelfinger Werk abzuziehen und in andere Werke zu verlagern. Nach Infos von dpa sollten 60% der C-Klassen-Fertigung ins Bremer Werk, 20% nach Tuscaloosa im Bundesstaat Alabama, USA, und jeweils 10% nach China und S&#252;dafrika. Offizielle Angaben gibt es nicht. Die C-Klasse ist der Volumenproduzent des Konzerns, entsprechend viele Arbeitspl&#228;tze sind damit verbunden. Jeder dritte Daimler-Pkw ist ein Modell der C-Klasse.</p>
<p><strong>Tuscaloosa, USA</strong><br />
Die Beschneidung der Produktpalette um die Wagen der C-Klasse wurde von vielen als Dammbruch begriffen: Pl&#246;tzlich schien eine vermeintlich unantastbare Sicherheit des Broterwerbs infrage gestellt.  Der Betriebsrat kam zum Ergebnis, die Ma&#223;nahme gef&#228;hrde 3000 Arbeitspl&#228;tze, und kritisierte die Entscheidung als «falsch und in der Wirkung fatal».</p>
<p>Insbesondere die Verlagerung in die USA stand im Mittelpunkt der Diskussion. Bisher hatte Daimler dort nur Gel&#228;ndewagen und gro&#223;e Vans gebaut. Daimler m&#246;chte den schwachen Dollar nutzen und Zoll- und Transportkosten einsparen. Auch rechnete der Vorstand der Belegschaft vor, in Tuscaloosa w&#252;rden 1800 statt 1350 Stunden wie in Sindelfingen gearbeitet und dass Lohnkosten poro Fertigungsstunde w&#252;rde die Aktion&#228;re nur 30 statt 54 Euro kosten. Er verga&#223; zu erw&#228;hnen, dass der Konzern durch konsequentes union bashing daf&#252;r gesorgt hat, dass es in Tuscaloosa keine gewerkschaftliche Belegschaftsvertretung gibt.</p>
<p>Seit Gr&#252;ndung des Werks in Tuscaloosa 1995 scheiterten zwei Gewerkschaften im Kampf um ihre Anerkennung. Die S&#252;dstaaten, insbesondere Alabama, wurden eine Art Refugium f&#252;r Konzerne auf der Suche nach gewerkschaftsfreien Zonen. In keinem Werk der dort angesiedelten internationalen Autokonzerne st&#246;rt eine Gewerkschaft das Gesch&#228;ft. Als Sahneh&#228;ubchen flie&#223;en die Steuergelder. Alabama sponserte den Stuttgarter Konzern bei der Errichtung des Werks mit 253 Mio. US-Dollar, f&#252;r die Ausweitung der Produktion wurden erneut 100 Mio. Dollar in Aussicht gestellt.</p>
<p>Die Entwicklung in den S&#252;dstaaten zeigt wie im Brennglas, wie &#252;berlebensnotwendig ein &#252;berzeugender gewerkschaftlicher Internationalismus und der Bruch mit der Ideologie der Standortkonkurrenz geworden ist.</p>
<p><strong>Zahme Antwort auf wilden Streik</strong><br />
Der Ausstand der Besch&#228;ftigten in Sindelfingen blieb nicht auf das dortige Werk beschr&#228;nkt und entwickelte eine eigene Dynamik. Insgesamt 3500 Werksangeh&#246;rige legten auch in den Werken Untert&#252;rkheim und Mettingen die Arbeit nieder und solidarisierten sich mit ihren Kollegen. In Rastatt kam aufgrund fehlender Teile die Produktion zum Erliegen.</p>
<p>Der Protest war spontan oder, nach arbeitsrechtlicher Lesart, «wild». Die IG Metall hat ihn nicht ausgel&#246;st, sondern ihm in Form von Versammlungen im Rahmen von Der Betriebsrat informiert zum Teil legale Ausdrucksformen verschafft. «Mit einer bestimmten Strategie von Betriebsrat und Gewerkschaft hat das nichts zu tun», schrieb deshalb auch ein Redakteur der Stuttgarter Zeitung. J&#246;rg Hoffmann, Bezirksleiter der IG Metall, sagte einem Redakteur der Zeitung, in Sindelfingen drohe die Situation au&#223;er Kontrolle zu geraten, erkl&#228;rte jedoch gleichzeitig, die IG Metall sei «keine Ordnungsmacht, die den Schaden beseitigt, den der Vorstand angerichtet hat».</p>
<p>Es macht sich sofort positiv bemerkbar, wenn sich die IG Metall in ihrer Bereitschaft, Ordnungsmacht zu spielen, etwas zur&#252;ckh&#228;lt. Dies hat dazu beigetragen, dass auch der Vorstand ungew&#246;hnlich vorsichtig bei der Verfolgung und Ahndung des unerw&#252;nschten und arbeitsvertragswidrigen Protests der Belegschaft agierte.<br />
Die Wortwahl des Vorstandsvorsitzenden ist erstaunlich und lehrreich: «Nicht jede Aktion ist aus unserer Sicht nachvollziehbar», sagte Zetsche. «Wir bewerteten die Situation mit Augenma&#223; und werden die Entwicklung beobachten.» Sanktionen m&#252;ssten die wild Streikenden nicht f&#252;rchten, mal abgesehen von den Abz&#252;gen entstandener Fehlstunden auf den Arbeitszeitkonten. «Was soll Zetsche aber auch anderes tun? ‹Jeder Versuch einer Repression w&#252;rde die Stimmung nur noch weiter anheizen›, hei&#223;t es im Betriebsrat. ‹Was glauben Sie, was hier dann los w&#228;re?›», res&#252;miert das Stuttgarter Blatt.</p>
<p>Lehrreich ist die Szene, weil sie exemplarisch demonstriert, wie ein erweitertes Arbeitskampfrecht bis hin zum politischen Streikrecht entsteht: nicht durch Sammlung von Unterschriften, die im Parlament dann zu einer Aussprache f&#252;hren, bei der sich fast das gesamte Parteienspektrum von CSU bis Gr&#252;n &#252;ber eine solche Initiative lustig macht, sondern durch das kluge Ausnutzen von Situationen, in denen Wut und Emp&#246;rung &#252;ber die Zumutungen des Kapitalismus Menschen in Bewegung setzt, die sich sonst den Anforderungen des Arbeitsalltags beugen. Sie nehmen sich dann Rechte, die sie nicht haben, und ihre massenhafte Wahrnehmung ist der beste Schutz davor, diszipliniert zu werden. Rechte m&#252;ssen zuerst wahrgenommen werden, dann werden sie auch als Rechtstitel anerkannt, nicht umgekehrt.</p>
<p><strong>Arbeitsplatzgarantie</strong><br />
Beendet wurde die Auseinandersetzung bei der Daimler AG mit einer Betriebsvereinbarung, die zwei Anforderungen erf&#252;llt: Sie verbaut dem Vorstand nicht seine Pl&#228;ne, n&#246;tigt ihm jedoch Zugest&#228;ndnisse ab, die der Gewerkschaft erlaubt, ihr Gesicht zu wahren. Die C-Klasse wird ausgelagert. Bis 2020 sind betriebsbedingte K&#252;ndigungen ausgeschlossen. Durch Hereinnahme anderer Produkte, wie des Roadster SL, der Guard G-Klasse, und durch die Eigenherstellung der Sitze f&#252;r alle in Sindelfingen gefertigten Fahrzeuge soll es, nach Angaben der IG Metall, 2700 Ersatzarbeitspl&#228;tze geben. Auch der Gang in die Altersteilzeit wird erleichtert.</p>
<p>In jedem Fall geht die Zahl der zur Verf&#252;gung stehenden Arbeitspl&#228;tze zur&#252;ck, die neu geschaffenen gehen zum Teil bei den Zulieferern verloren. Au&#223;erdem kann sich der Konzern in wirtschaftlich schwierigen Situationen &#252;ber eine Ausstiegsklausel den eingegangenen Verpflichtungen entziehen.</p>
<p>Zentrale Forderung der in Rage geratenen Stuttgarter Autobauer war die Garantie der Erwerbsarbeitspl&#228;tze. Dies ist eine berechtigte, aber auch systemwidrige, weil unter den gegebenen gesellschaftlichen Verh&#228;ltnissen nicht, oder nur zeitweilig, zu realisierende Utopie. Realisierbar w&#228;re sie in einer Gesellschaft, in der wirtschaftliches Handeln gesellschaftlichen Bed&#252;rfnissen folgt und nicht von der Gewinnerwartung der Eigent&#252;mer abh&#228;ngt. Vern&#252;nftigerweise k&#246;nnte diese Gesellschaft nicht garantieren, dass bis in alle Ewigkeit Autos im bisherigen Umfang gebaut werden. Vielleicht w&#252;rden dann auch Eisenbahnen oder etwas anderes gebaut, wie die Kollegen der Gewerkschaftslinken bei Daimler in ihrer Betriebszeitung Alternative schreiben.</p>
<p>Doch die Gesellschaft k&#246;nnte garantieren, dass f&#252;r alle arbeitsf&#228;higen Menschen Ressourcen zur Verf&#252;gung gestellt werden, die eine verl&#228;ssliche Existenzsicherung und die Teilhabe am materiellen und kulturellen Reichtum erlauben. Eine solche Garantie bleibt im real existierenden Kapitalismus durch die verfassungsrechtliche Garantie der unternehmerischen Freiheit ausgeschlossen. Erneut stellt sich die alte Frage:<br />
Warum soll eine Gesellschaft die gesamtwirtschaftliche Entwicklung davon abh&#228;ngig machen, was sich f&#252;r eine Minderheit von Privateigent&#252;mern rechnet, obwohl der produzierte Reichtum das Werk ganzer Arbeitergenerationen ist und ohne die Nutzung einer umfangreichen steuerfinanzierten Infrastruktur gar nicht m&#246;glich (gewesen) w&#228;re? Diese Gleichung geht f&#252;r die Gesellschaft immer weniger auf.</p>
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		<title>Arbeiterprotest bei Rieter (Winterthur)</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Feb 2010 14:27:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Streik / Betriebsbesetzung]]></category>

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		<description><![CDATA[Kurz, massiv, entschlossen Der Schweizer Konzern Rieter hat Entlassungen in Italien nach erfolgreichen Protesten zur&#252;ckgenommen. Im Fr&#252;hling 2007 meldete die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kurz, massiv, entschlossen</strong><br />
Der Schweizer Konzern Rieter hat Entlassungen in Italien nach erfolgreichen Protesten zur&#252;ckgenommen.<br />
<span id="more-494"></span>Im Fr&#252;hling 2007 meldete die Winterthurer Industriegruppe Rieter (ein Schweizer Zulieferer f&#252;r Textilmaschinen und Autoindustrie) einen Rekordgewinn von 157 Mio. Franken (rund 108 Mio. Euro) f&#252;r 2006 und erh&#246;hte daraufhin die Dividende f&#252;r die Aktion&#228;re um stolze 50%. 2007 stieg der Konzerngewinn sogar auf &#252;ber 200 Mio. Franken (rund 138 Mio. Euro). Im Herbst 2008 gab es dann jedoch Auftragsr&#252;ckg&#228;nge, die Wirtschaftskrise k&#252;ndigte sich an. Rieter z&#246;gerte nicht lange und baute sogleich massiv Personal ab. Dazu befragt, sagte der Leiter der Gewerkschaft Unia, Winterthur, gegen&#252;ber der Presse: «Wir sind nicht w&#252;tend aufs Management, denn wir verstehen die schwierige Lage des Unternehmens und sehen ein, dass Handlungsbedarf besteht.»</p>
<p>M&#246;glicherweise w&#228;hnten sich die Manager von Rieter in falscher Sicherheit, als sie im Herbst 2009 die Streichung von 300 Arbeitspl&#228;tzen in den italienischen Werken bekannt gaben: davon 85 in Desio bei Monza, wo 216 Besch&#228;ftigte arbeiten. Die Arbeiter in Desio reagierten: Am 28.Oktober streikten sie und besetzten den ganzen Tag die Werkstore. Am Streikposten wechselten sich 30 Arbeiter in Schichten ab. Auf den Werkstoren wehten die Gewerkschaftsfahnen vom Betriebsrat und der FIOM-CGIL. In wenigen Metern Entfernung standen Polizisten, sie sollten die Lage unter Kontrolle halten und die Unternehmer sch&#252;tzen.</p>
<p>Das zweite italienische Werk von Rieter in Santhià (Piemont) besch&#228;ftigt 230 Personen. 130 von ihnen erkl&#228;rte das Management Ende September 2009 als &#252;berfl&#252;ssig. Von Anfang an bestand der Verdacht, Rieter wolle den Auftragsr&#252;ckgang dazu nutzen, die Produktion ins Ausland zu verlagern. Schnell formierte sich entschlossener Widerstand. Diese zeigte sich zun&#228;chst unerbittlich. Daraufhin organisierten die Gewerkschaften f&#252;r den 24.Oktober eine Demonstration, an der auch Arbeiter anderer Betriebe, die &#246;rtliche Bev&#246;lkerung und Politiker der Region teilnahmen. Der Kampf gegen die geplanten Entlassungen bei Rieter in Santhià versch&#228;rfte sich, als leitende Angestellte versuchten, Maschinenteile aus dem Werk zu schaffen. Sie wurden von den Arbeitern daran gehindert, die sogleich in den unbefristeten Streik traten.</p>
<p>Rasch zeigte der Streik mit permanenter Betriebsversammlung und Besetzung der Werkstore Wirkung. Die Produktion kam vollst&#228;ndig zum Erliegen, Kunden wie Maserati, Ferrari und Suzuki wurden nicht mehr beliefert. Zudem ging das Ger&#252;cht um, Rieter m&#252;sse astronomische Konventionalstrafen bezahlen, falls bei Fiat die Produktionslinien wegen ausfallender Lieferungen zum Stillstand k&#228;men. In dieser Lage entschloss sich die Firmenleitung von Rieter, die Arbeiter um ein Gespr&#228;ch zu bitten. In der Nacht auf den 30.Oktober einigten sich Gewerkschaften und Unternehmensleitung darauf, auf die geplanten 130 Entlassungen zu verzichten und sich zu verpflichten, das aktuelle Besch&#228;ftigungsniveau zu erhalten. Au&#223;erdem bekommen die Streikenden eine Entsch&#228;digung f&#252;r die ausgefallenen Arbeitsstunden.</p>
<p>Der einmonatige Kampf um das piemontesische Werk von Rieter endete mit einem grossen Sieg f&#252;r die Arbeiter. Sie haben gezeigt, dass auch ein kurzer Streik gro&#223;e Wirkung entfalten kann, wenn er rasch und entschlossen gef&#252;hrt wird. Fr&#252;her, als gro&#223;e Mengen auf Lager produziert wurden, dauerte es viel l&#228;nger, bis ein Streik bei nachgelagerten Verarbeitungsstufen zu schmerzhaften Engp&#228;ssen f&#252;hrte. Heute, mit den Just-in-Time-Lieferungen sind die Unternehmer viel verletzlicher.</p>
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		<title>Weihnachtsstreik bei Pariser Metro beendet</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Feb 2010 13:56:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Streik / Betriebsbesetzung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ergebnis geheim von Carsten Albrecht Das Pariser Nahverkehrsunternehmen setzte Verwaltungsangestellte als Zugf&#252;hrer ein und die Sicherheit ihrer Passagiere aufs Spiel. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ergebnis geheim</strong><br />
<em>von Carsten Albrecht</em><br />
Das Pariser Nahverkehrsunternehmen setzte Verwaltungsangestellte als Zugf&#252;hrer ein und die Sicherheit ihrer Passagiere aufs Spiel.<br />
<span id="more-488"></span>W&#228;hrend der Weihnachtsfeiertage ging in Paris ein zweiw&#246;chiger Streik der Besch&#228;ftigten im Nahverkehr zu Ende. Blockiert wurde vor allem die Hauptverkehrslinie RER A, auf der seit zwei Jahren mehr Z&#252;ge eingesetzt werden. Als Ausgleich f&#252;r die daraus resultierende Mehrarbeit fordern die Gewerkschaften die Einstellung von mehr Zugf&#252;hrern sowie eine Lohnerh&#246;hung um mindestens 120 Euro.</p>
<p>Das Pariser Nahverkehrsunternehmen RATP ist aber bisher nur zu 80 Euro mehr Lohn bereit. «Die Zugf&#252;hrer nehmen zwar ihre Arbeit wieder auf, aber der Kampf wird im neuen Jahr in anderer Form weitergehen», sagt Joël Joseph von der Gewerkschaft CGT. Es gehe nicht nur um bessere Arbeitsbedingungen, sondern auch um p&#252;nktliche und technisch einwandfreie Z&#252;ge, so Joseph weiter. Dies sei nur mit einer Aufstockung der Belegschaft machbar.</p>
<p>Dass der Streik beendet wurde, lag vor allem daran, dass die franz&#246;sischen Zugf&#252;hrer w&#228;hrend der Arbeitsniederlegung keine Lohnfortzahlung bekommen und die Streikkasse nach &#252;ber zwei Wochen leer war. So konnten die RATP <em>-</em> und hinter ihr die konservative franz&#246;sische Regierung <em>-</em> auf Zeit spielen.<br />
Von einer Ablehnung des Streiks seitens der Bev&#246;lkerung, wie die b&#252;rgerlichen Medien sie beschworen, konnte auch diesmal kaum die Rede sein: Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CSA (eine Art franz&#246;sisches Allensbacher Institut) vom 23.Dezember ergab, dass nur 32% der Franzosen ihn ablehnten. Um das von der Regierung 2007 per Gesetz angeordnete Minimum an rollenden Z&#252;gen w&#228;hrend des Streiks zu gew&#228;hrleisten, mussten sich h&#246;here Angestellte der RATP als Fahrer versuchen. Dabei blieb die Fahrsicherheit buchst&#228;blich auf der Strecke.</p>
<p>Drei Monate vor den Regionalwahlen wird der Streik auch zwischen den politischen Parteien kontrovers diskutiert. W&#228;hrend Pr&#228;sident Nicolas Sarkozy seinen Weihnachtsurlaub in Marokko verbrachte, machten seine konservativen Parteifreunde wie &#252;blich Stimmung gegen die Streikenden, denen Faulheit und Gier vorgeworfen wird. Die Federf&#252;hrung &#252;bernahm diesmal Valérie Pécresse, die im M&#228;rz (gegen einen Kandidaten der PS) f&#252;r den Vorsitz im Regionalrat des Gro&#223;raums Paris kandidiert.</p>
<p>Die Sozialistische Partei (PS) im Rat ist &#252;ber den Streik gespalten: W&#228;hrend der jetzige Ratsvorsitzende Jean-Paul Huchon (PS) ihn nicht bewerten wollte, solidarisierte sich der Parteilinke Benoît Hamon mit den Besch&#228;ftigten. Auch andere Parteien des linken Lagers stellten sich auf die Seite der Zugf&#252;hrer, die «eine gro&#223;e Verantwortung f&#252;r die Sicherheit von Millionen Passagieren tragen <em>-</em> das muss angemessen entlohnt werden», hie&#223; es in einer Mitteilung der Franz&#246;sischen Kommunistischen Partei (PCF). «Mut und Ausdauer der Streikenden sollten Vorbildcharakter f&#252;r Besch&#228;ftigte in anderen Unternehmen haben, denn es darf nicht sein, dass die Lohnabh&#228;ngigen die Kosten dieser Kapitalismuskrise zahlen», findet Fabien Sacor von der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA).</p>
<p>Trotz ihrer Ausdauer konnten die Streikenden ihre Forderungen nicht durchsetzen. Es gab eine Kompromissl&#246;sung, deren Inhalt allerdings nicht &#246;ffentlich ist. Das Erreichte ist vermutlich so gering, dass die Gewerkschaften nicht laut dar&#252;ber zu reden wagen, um andere Besch&#228;ftigte nicht zu entmutigen.</p>
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