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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Buch</title>
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		<title>Gestreikt. Gek&#252;ndigt. Gek&#228;mpft. Gewonnen.</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 11:53:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[deutsch]]></category>
		<category><![CDATA[SoZ Online]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Erfahrungen der „Emmely“-Kampagne. von Andreas Bodden Hrsg. v. Komitee „Solidarit&#228;t mit Emmely“. AG SPAK B&#252;cher, Neu-Ulm 2011. 144 Seiten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Erfahrungen der „Emmely“-Kampagne.</strong><br />
von <em>Andreas Bodden</em><br />
Hrsg. v. Komitee „Solidarit&#228;t mit Emmely“. AG SPAK B&#252;cher, Neu-Ulm 2011. 144 Seiten, 9,50 Euro.</p>
<p>Die Kassiererin Barbara Emme, allgemein nur als „Emmely“ bekannt, erlangte bundesweite Ber&#252;hmtheit, als sie sich gegen ihre K&#252;ndigung bei der Supermarktkette „Kaiser’s Tengelmann“ wehrte. Grund f&#252;r die K&#252;ndigung war ein Pfandbon von 1,30 Euro, den sie unberechtigt eingel&#246;st haben soll. Hintergrund war, dass sie als Einzige aus ihrer Filiale aktiv am Streik im Einzelhandel teilgenommen hatte.<br />
Ihr Fall erregte bundesweit Aufsehen und stie&#223; eine Debatte &#252;ber die Berechtigung von sog. Bagatellk&#252;ndigungen an. Es kam sogar zu – bisher ergebnislosen – Initiativen im Bundestag, die das Ziel hatten, solche K&#252;ndigungen zu untersagen.<br />
<span id="more-3825"></span>In Berlin und anderen St&#228;dten – darunter Bremen und K&#246;ln – bildete sich ein Komitee „Solidarit&#228;t mit Emmely“, das die Kampagne organisierte und versuchte, die &#252;ber den Einzelfall hinaus weisende Bedeutung des Falls „Emmely“ zu thematisieren. Dabei war vor allem wichtig, dass die K&#252;ndigung im Zusammenhang mit einem Streik erfolgte.<br />
Nachdem der konkrete Fall f&#252;r die Betroffene positiv ausgegangen war und sie in letzter Instanz juristisch Recht bekommen hatte, wurde es in der &#214;ffentlichkeit ruhig um die mittlerweile an ihren Arbeitsplatz zur&#252;ckgekehrte Kassiererin. Nun ist ein kleiner Sammelband erschienen, der versucht, die Kampagne aufzuarbeiten.<br />
Er versammelt ein breites Spektrum von Autorinnen und Autoren, das vom SPD-Mitglied Herta D&#228;ubler-Gmelin bis hin zu Aktiven mit eher linksradikal-libert&#228;rem Hintergrund reicht.<br />
Es werden drei Ebenen behandelt: Der Widerstand auf der Stra&#223;e, die juristische Auseinandersetzung und die Rolle von Gewerkschaften und Betriebsr&#228;ten. Ein vierter Teil ist dem Andenken an den verstorbenen Archibald Kuhnke gewidmet, einem langj&#228;hrigen linken Betriebsaktivisten und Unterst&#252;tzer der Emmely-Kampagne. Vorgeschaltet ist diesen Betrachtungen und Analysen die eigene Sicht von Barbara E. a.k.a. Emmely. Sie schreibt in einem ebenso authentischen wie eindrucksvollen Beitrag, welche Erfahrung sie im Laufe der Kampagne gesammelt hat und wie sie sich dadurch ver&#228;ndert hat.<br />
Die anderen Beitr&#228;ge sind &#252;berwiegend sachlich-n&#252;chtern – au&#223;er dem Gedenken an Archibald Kuhnke – und kritisch bzw. selbstkritisch geschrieben. Die Widerspr&#252;che innerhalb des Komitees und die Schwierigkeiten, die unterschiedlichen politischen Vorstellungen unter einen Hut zu bringen, werden nicht ausgeblendet. Die juristischen Beitr&#228;ge sind f&#252;r den rechtswissenschaftlichen Laien vielleicht etwas trocken, aber doch sehr informativ, wenn man sich f&#252;r Arbeitsrecht interessiert.<br />
Die Beitr&#228;ge &#252;ber die Rolle der Gewerkschaft ver.di bzw. ihrer Funktion&#228;re und des Betriebsrates der Filiale, wo Emmely arbeitet, machen deutlich, dass auch heute noch viele Hauptamtliche in der Gewerkschaft und viele Betriebsr&#228;te ihre Aufgabe eher darin sehen, Kolleginnen und Kollegen im Kampf um ihre Rechte auszubremsen als zu unterst&#252;tzen. Das hat nichts mit dem Mythos von der „guten“ Basis – die in Wirklichkeit schwer zu mobilisieren ist – und den „b&#246;sen“ B&#252;rokraten – ohne die in Wirklichkeit in den Betrieben noch weniger passieren w&#252;rde – zu tun, sondern ist eine Erfahrung, die Aktive in Betrieb und Gewerkschaft immer dann machen, wenn es ihnen gelingt, zumindest einen Teil der Basis wirklich zu mobilisieren. Das f&#252;hrt n&#228;mlich manchmal &#252;ber den Rahmen gewerkschaftlicher Tarifpolitik hinaus und st&#246;&#223;t dann bei vielen Gewerkschaftsfunktion&#228;ren auf bremsendes bis abwehrendes Verhalten.<br />
Das Buch ist sicherlich eine angenehme Lekt&#252;re f&#252;r alle Menschen mit Sinn f&#252;r Gerechtigkeit. In der Linken – innerhalb wie au&#223;erhalb der Partei, die sich wohl in einem Anfall von Gr&#246;&#223;enwahn „Die Linke“ genannt hat – sei das Buch vor allem jenen ans Herz gelegt, die der Ansicht sind, dass Betrieb und Gewerkschaft kein Thema mehr f&#252;r eine zeitgem&#228;&#223;e Linke sind. In diesem Buch werden sie gute Gr&#252;nde f&#252;r die gegenteilige Meinung finden.</p>
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		<title>Gestreikt. Gek&#252;ndigt. Gek&#228;mpft. Gewonnen.</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 15:48:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitskampf]]></category>
		<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Solidarität]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestreikt. Gek&#252;ndigt. Gek&#228;mpft. Gewonnen. Die Erfahrungen der Emmely-Kampagne (Hg. Komitee «Solidarit&#228;t mit Emmely»), AG SPAK B&#252;cher, 9,50 Euro Dass Besch&#228;ftigte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Gestreikt. Gek&#252;ndigt. Gek&#228;mpft. Gewonnen. Die Erfahrungen der Emmely-Kampagne (Hg. Komitee «Solidarit&#228;t mit Emmely»), AG SPAK B&#252;cher, 9,50 Euro</strong></p>
<p>Dass Besch&#228;ftigte in der Firma einmal etwas mitgehen lassen, ist normal. Auch dass sie bereits bei Verdacht auf Diebstahl gek&#252;ndigt werden. Doch manchmal ist normal nicht mehr normal. So geschehen im Fall der gek&#252;ndigten Kassiererin Barbara Emme. Ihre K&#252;ndigung m&#252;ndete in eine &#246;ffentlichen Debatte, in der sichtbar wurde, wie unterschiedlich Menschen in dieser Gesellschaft je nach Klassenlage behandelt werden. Emmely war Thema in den Gazetten von Bild bis FAZ und schaffte es zu Kerner und zu Anne Will. Im Juni 2010 hatte die Kassiererin ihre Arbeitsstelle wieder.<br />
<span id="more-3694"></span>Wie dieses «Wunder» zu erkl&#228;ren ist, l&#228;sst sich jetzt in einer kleinen Aufsatzsammlung studieren, in der Emmely und der harte Kern ihrer Unterst&#252;tzer dar&#252;ber Auskunft geben, wer das Komitee «Solidarit&#228;t mit Emmely» war, und wie es m&#246;glich wurde, dass Wenige viel bewegten. Hinterher begreift man auch, warum Ver.di in diesen Konflikt mit angezogener Handbremse agierte. Mehrere Autoren analysieren das Urteil des BAG und sein Zustandekommen. Neben einer ausf&#252;hrlichen Darstellung der Entwicklung des Einzelhandels aus gewerkschaftlicher Perspektive bietet das Buch eine lebendige Studie &#252;ber Funktionsmechanismen von Herrschaftsstrategien im Bereich prek&#228;rer Dienstleistung. Ein gelungener Kampagnenreader, in dem eine anarchistische Filmemacherin ebenso zu Wort kommt wie die ehemaligen Justizministerin.</p>
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		<title>Volker Braun: Die hellen Haufen</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 15:44:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>

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		<description><![CDATA[Volker Braun: Die hellen Haufen. Erz&#228;hlung, Berlin: Suhrkamp, 2011, 97 S., 14,90 Euro von Christel Berger Knapp hundert Seiten, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Volker Braun: Die hellen Haufen. Erz&#228;hlung, Berlin: Suhrkamp, 2011, 97 S., 14,90 Euro</strong></p>
<p>von <em>Christel Berger</em></p>
<p>Knapp hundert Seiten, die es in sich haben! Wieder offenbart Volker Braun eine andere Seite seines K&#246;nnens: Diesmal schreibt er – «ein Narr» – &#252;ber etwas, das es nicht gab: einen Aufstand von Arbeitern, die nach der Aufl&#246;sung der DDR ihre Betriebe zur&#252;ckhaben wollen.<br />
<span id="more-3690"></span>Aber ganz erfunden ist die Geschichte nicht: Da &#228;hneln manche Vorg&#228;nge, die dem Aufstand vorausgehen, denen in Bischofferode. Da hei&#223;t eine Sozialministerin Hilde Brand und einer der wenigen aufrechten B&#252;rgerrechtler Schurlamm, ein F&#252;hrer im Aufstand gar Mintzer. Ja, auch Erfahrungen und Fakten des Bauernkriegs und anderer historischer Erhebungen im Mansfeldischen sind im Spiel, das selbstverst&#228;ndlich schlimm ausgeht: «Sie w&#252;rden demokratisch ausgehungert werden», ahnt Mintzer im voraus. Aber ihre Utopie ist &#252;berlebensf&#228;hig. Zu den zw&#246;lf «Mansfelder Artikeln von den gleichen Rechten aller» f&#252;gt er hinzu: «Die Zukunft ist ein unbesetztes Gebiet. Sie ist offenzuhalten f&#252;r Anmut und M&#252;he. Falls eine Forderung dem entgegensteht oder dem Grundgesetz widerspricht, wird auf (sie) es verzichtet.»</p>
<p>Wieder schafft Braun eine Collage aus Fiktivem und Faktischem, stellt die Erfahrung der Niederlagen neben die Utopie. In den Text montierte Zitate seiner Kollegen (unter anderem Goethe und Novalis) und aus der Bibel geben dem Text zus&#228;tzlichen historischen und &#228;sthetischen Atem. Dabei sind die von Braun gefundenen Begriffe und Verallgemeinerungen verbl&#252;ffend plausibel: «Liegen- und Lassenschaften», «Sanktjederleinstag», «wo man kaufen ging, wollte man nicht k&#228;mpfen», «man habe einen Rechtsstaat, aber kein Rechtsvolk», der «Beruf der gro&#223;en Menge: Zuschauer» und und und. Als Philosoph und Lyriker, Chronist und sozialistischer Tr&#228;umer in einer Person, denkt er &#252;ber das Wesen und den Sinn von Eigentum nach und &#252;ber Gewalt, &#252;ber den Wert von Arbeit sowieso. Ein Buch, das mehrmals zu lesen lohnt.</p>
<p><em>Aus: Ossietzky, Nr.23, 12.11.2011.</em></p>
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		<title>Buchtipps</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 11:53:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buch]]></category>

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		<description><![CDATA[von  Anja K&#246;hler Hugo Blanco: «Wir Indios». Der Kampf der Indígenas gegen rassistische Unterdr&#252;ckung und die Zerst&#246;rung der Umwelt, Frankfurt: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von  <em>Anja K&#246;hler</em></p>
<p><strong>Hugo Blanco: «Wir Indios». Der Kampf der Indígenas gegen rassistische Unterdr&#252;ckung und die Zerst&#246;rung der Umwelt, Frankfurt: Neuer ISP Verlag, 2011, 175 S., 19,80 Euro </strong>und<strong><br />
</strong><strong>Bernhard Schmid: Distanzieren. Leugnen. Drohen. Die europ&#228;ische  extreme Rechte nach Oslo, M&#252;nster: edition assemblage, 2011, 120 S.,  12,80 Euro </strong></p>
<p><span id="more-3532"></span><strong>«Wir Indios»</strong><br />
Hugo Blanco schildert den Kampf der peruanischen Indígenas um Land und gegen die Zerst&#246;rung der Natur. Sein Buch ist eine Kampfschrift mit zwei Hauptanliegen. Er m&#246;chte die historischen Ereignisse in Peru dokumentieren. Vor allem aber m&#246;chte er das Selbstwertgef&#252;hl und Selbstbewusstsein der Indígenas st&#228;rken. Denn Unterjochung, Hunger und schlechte medizinische Versorgung haben, zusammen mit der Deutungshoheit der herrschenden Klasse, Spuren in der Selbstwahrnehmung der Menschen hinterlassen.</p>
<p>Blanco entlarvt die Floskeln von der Unterlegenheit und Zur&#252;ckgebliebenheit der indianischen Kultur und der Minderwertigkeit ihrer Menschen als M&#228;rchen, mit dem die Oberschicht ihrer Herrschaft legitimiert. Er beschreibt die indigene Dorfgemeinschaft und die traditionelle landwirtschaftliche Produktionsweise als Elemente des Urkommunismus.</p>
<p>Die indianische Gemeinschaft bildet einen krassen Gegenpol zur bestehenden Gesellschaft, ihre Mitglieder sp&#252;ren die kapitalistischen Zumutungen besonders stark. Weil sie auf diese Herausforderungen – anders als vielfach westliche Menschen oder auch andere Lateinamerikaner – kollektive L&#246;sungen suchen und dabei z.T. auf ihre &#252;berlieferte Lebensweise zur&#252;ckgreifen k&#246;nnen, sind sie mehr als andere in der Lage, die bedr&#252;ckenden Verh&#228;ltnisse umzuwerfen und eine solidarische, emanzipatorische und &#246;kologische Gesellschaft zu errichten.</p>
<p>Als Gewerkschafter und Aktivist der IV.Internationale hat Blanco lange Jahre den Kampf der Bauern f&#252;r Land und gegen die Leibeigenschaft organisiert, die in Peru bis in die 60er Jahre des 20.Jahrhunderts hinein bestand. Sein Buch ist somit auch eine Autobiografie.</p>
<p><strong>Distanzieren. Leugnen. Drohen. </strong></p>
<p>Bernhard Schmid legt eine erste Bestandsaufnahme von Reaktionen rechtspopulistischer Organisationen auf die Anschl&#228;ge in Norwegen vor. Der Titel ist irref&#252;hrend, weil er Informationen &#252;ber Ver&#228;nderungen in der radikalen Rechten durch die Attentate von Norwegen verspricht. Das leistet das Buch explizit nicht. Es w&#228;re – sollten die Anschl&#228;ge &#252;berhaupt zu Wandlungsprozessen f&#252;hren – daf&#252;r auch zu fr&#252;h.</p>
<p>Was Schmid aber bietet, ist eine differenzierte Analyse von Reaktionen rechtspopulistischer Organisationen in der Europ&#228;ischen Union. Sie reichen von Verschw&#246;rungstheorien à la «Breivik kommt vom Geheimdienst» oder «Die Freimaurer waren’s» &#252;ber «psychologisierte» Entschuldigungen nach dem Muster «Der Arme musste ja durchdrehen bei so viel Multikulti», der Verkl&#228;rung des Attent&#228;ters als M&#228;rtyrer oder dem Ruf nach dem starken Staat («Ein Staat, der so etwas zul&#228;sst, ist schlimmer als der Attent&#228;ter») bis hin zu klarer Ablehnung. Alles in allem wirkt die Rechte wie ein H&#252;hnerhaufen, in den hineingeschossen wurde.</p>
<p>Daf&#252;r gibt es Gr&#252;nde: Zwar handelte Breivik allein, er ist aber ideologisch tief im rechtspopulistischen Milieu verwurzelt. Er geh&#246;rt nicht zu den «klassischen» Rechtsextremen, man k&#246;nnte ihn eher als christlichen Fundamentalisten bezeichnen. In Schmids Fokus stehen deshalb die niederl&#228;ndische Partij voor de Vrijheid, der belgische Vlaams Belang, die English Defense League, die Schweizerische Volkspartei u.a. All diese Parteien sind wirtschaftsliberal und kn&#252;pfen an antimuslimische Ressentiments an. Sie mobilisieren &#220;berfremdungs&#228;ngste und treffen dabei auf offene Ohren. Dass sie nicht weniger brutal sind, zeigt der Fall Breivik. Schmid demontiert den Mythos vom «ungesellschaftlichen» Einzelt&#228;ter. Interessant w&#228;re noch der Vergleich mit der Tea-Party-Bewegung in den USA gewesen. Da k&#246;nnten sich Parallelen auftun.</p>
<p>Anja K&#246;hler</p>
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		<title>Freiheit statt Kapitalismus</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 10:57:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buch]]></category>

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		<description><![CDATA[Sahra Wagenknecht: Freiheit statt Kapitalismus, Frankfurt: Eichborn, 2011, 365 S., 19,95 Euro von Paul B. Kleiser Es ist eine Art [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sahra Wagenknecht: Freiheit statt Kapitalismus, Frankfurt: Eichborn, 2011, 365 S., 19,95 Euro</strong></p>
<p>von <em>Paul B. Kleiser</em></p>
<p>Es ist eine Art Programmschrift, vermutlich mit Blick auf die Debatten um das neue Programm der Linkspartei verfasst. In gewisser Weise tritt Sahra Wagenknecht in die Fu&#223;stapfen von Oskar Lafontaine und schreibt sein Werk Politik f&#252;r alle in die Gegenwart fort; vielleicht bietet sie sich damit auch f&#252;r h&#246;here Aufgaben an. Angeblich m&#246;chte der Star zahlreicher Talkshows «den typischen FDPlern entgegenhalten, wie Marktwirtschaft tats&#228;chlich funktioniert». Es fragt sich nur, welches Idealbild von Markt hier verk&#252;ndet wird.<br />
<span id="more-3502"></span>Wagenknecht beginnt mit der Diagnose, der «Kapitalismus ist alt, krank und unproduktiv» geworden, daher solle er durch einen «Sozialismus» ersetzt werden, «der nicht Zentralismus, sondern Leistung und Wettbewerb hochh&#228;lt». Sie bem&#252;ht Ludwig Erhard, der die Parole «Wohlstand f&#252;r alle» ausgab und auf der Grundlage der «ordoliberalen» Theorien der Freiburger Schule gegen die «enthemmten Marktfreiheiten» f&#252;r eine «soziale Marktwirtschaft» eingetreten sei, die allen Menschen ein «menschenw&#252;rdiges Leben erm&#246;glicht». Die Ordoliberalen wollten im Gegensatz zum heute vorherrschenden neoliberalen Mainstream mit seinem Marktradikalismus eine «sozial- und ordnungspolitische B&#228;ndigung» des Kapitalismus. Diese bestehe in echten Reallohnsteigerungen und einem Ausbau des Sozialstaats, in der Verhinderung bzw. Zerschlagung von Monopolen, in der pers&#246;nlichen Haftung von Unternehmern und in der F&#252;hrung und Lenkung von Unternehmen der Daseinsvorsorge in &#246;ffentlicher Hand, was zu einer «gemischten Wirtschaft» f&#252;hre. Au&#223;erdem solle der Au&#223;enhandel tendenziell im Gleichgewicht sein. Hierhin m&#246;chte sie im Grunde durch eine Verstaatlichung der Banken und der Gro&#223;konzerne zur&#252;ck.</p>
<p>Ihr «kreativer Sozialismus» stellt nichts anderes dar als eine «gemischte Wirtschaft» mit einem starken staatlichen Sektor (gegebenenfalls mit einer Rahmenplanung à la Jean Monnet), wie er in der Nachkriegszeit in Frankreich oder &#214;sterreich, aber auch in vielen L&#228;ndern der Dritten Welt (Indien, Algerien, Libyen usw.) bestand. Damit keine Missverst&#228;ndnisse aufkommen: Die R&#252;ckf&#252;hrung von privatisierten Unternehmen, etwa der Energie- oder Abfallwirtschaft in kommunales oder staatliches Eigentum oder die Vergesellschaftung der Banken und Versicherungen w&#228;re durchaus ein Fortschritt. Aber auch nach der Verstaatlichung z.B. von Renault 1946 brach in Frankreich kein Sozialismus aus.</p>
<p>In der Nachfolge von Joseph Schumpeter, der die Theorie der «kreativen Zerst&#246;rung» entwickelte, m&#246;chte Wagenknecht «den Unternehmer vom blo&#223;en Kapitalisten unterscheiden». «Kapitalist ist der Kouponabschneider, der das Unternehmen als reines Anlageobjekt betrachtet und nur daran interessiert ist, m&#246;glichst viel Rendite herauszuholen. F&#252;r den Prozess des technologischen Fortschritts und der ‹kreativen Zerst&#246;rung› ist er bedeutungslos. Unternehmer dagegen ist f&#252;r Schumpeter derjenige, der auf der Grundlage einer neuen Idee &#8230; ein Unternehmen gr&#252;ndet und aufbaut» (Wagenknecht, S.126). Dieser gute Unternehmer macht zwar «Gewinn» (sonst spricht sie von Profit), doch er wird den gr&#246;&#223;ten Teil des Gewinns wieder ins Unternehmen investieren.</p>
<p>Es soll hier nicht bestritten werden, dass es anst&#228;ndige und sozial handelnde Unternehmer gibt. Das Problem ist, dass Wagenknecht mit ihrem moralischen Augenaufschlag die Bewegungsgesetze des Kapitalismus aus den Augen verliert. Sie bestehen darin, dass in der Konkurrenz «ein Kapitalist viele andere totschl&#228;gt» (Marx) und dass aller «Gewinn» aus der unbezahlten Mehrarbeit der Arbeitenden resultiert. &#220;berhaupt kommen bei ihr in ihrer paternalistischen Haltung die Menschen, die die ganze Arbeit verrichten, nicht als Subjekte, sondern nur als Lohnempf&#228;nger und sozialstaatlich Versorgte vor. Gute L&#246;hne und eine gescheite soziale Absicherung – das war’s dann! Wenn sie von Demokratie spricht, meint sie die b&#252;rgerliche, parlamentarische Demokratie. Zur Frage der Partizipation f&#228;llt ihr nichts ein.</p>
<p>Einmal abgesehen davon, dass sie den fordistischen Kapitalismus der Nachkriegszeit idealisiert – die entscheidende Frage ist doch, ob die Menschen einer Gesellschaft ihre Bed&#252;rfnisbefriedigung in einem Prozess demokratischer Planung organisieren, oder ob weiterhin Konkurrenz und Profitmaximierung die Triebfedern des wirtschaftlichen Handelns sein sollen. Im &#220;brigen vergisst ihre recht positive Einsch&#228;tzung der chinesischen Entwicklung, dass die dortige Konsumquote (rund 40%) eine der niedrigsten der Welt ist, was auf die &#220;berausbeutung der Arbeitenden verweist – da m&#246;gen die Investitionen des Staates noch so produktiv sein. Und der Reichtum einer kleinen Minderheit nimmt auch dort explosionsartig zu.</p>
<p>Unter Sozialismus verstehen wir eine Gesellschaft, in der Warenwirtschaft und Profit zugunsten der Befriedigung der gesamtgesellschaftlichen Bed&#252;rfnisse systematisch zur&#252;ckgedr&#228;ngt werden. Das schlie&#223;t nicht aus, dass in diversen Bereichen die kleine Warenproduktion weiter besteht. Entscheidend ist jedoch die direkte demokratische Beteiligung der gro&#223;en Mehrheit der Bev&#246;lkerung an den Entscheidungen &#252;ber ihre Zukunft. Ohne eine solche breiteste Beteiligung der Bev&#246;lkerung an der Politik bleiben auch Wagenknechts Verstaatlichungsforderungen ein frommer Wunsch.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Eine Geschichte der Novemberrevolution</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/11/eine-geschichte-der-novemberrevolution/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 10:43:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buch]]></category>

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		<description><![CDATA[Richard M&#252;ller: Eine Geschichte der Novemberrevolution in 3 B&#228;nden, Berlin: Die Buchmacherei, 2011, 756 S., 19,90 Euro von Dieter Wegner [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Richard M&#252;ller: Eine Geschichte der Novemberrevolution in 3 B&#228;nden, Berlin: Die Buchmacherei, 2011, 756 S., 19,90 Euro</strong></p>
<p>von <em>Dieter Wegner</em></p>
<p>Mit seinem Buch Richard M&#252;ller. Der Mann hinter der Novemberrevolution entriss der junge Berliner Historiker Ralf Hoffrogge Richard M&#252;ller und die Revolution&#228;ren Obleute von Berlin vor drei Jahren dem Vergessen. Ihm und dem kleinen Berliner Verlag «Die Buchmacherei» ist es nun zu verdanken, dass nach Jahrzehnten M&#252;llers Geschichte der Novemberrevolution neu aufgelegt wurde.<br />
<span id="more-3499"></span>Im Mai 2009 luden wir Ralf Hoffrogge zu einem Jour Fixe der Gewerkschaftslinken nach Hamburg ein. Dabei erfuhren wir, dass M&#252;ller weder f&#252;r einen sozialen Kapitalismus noch f&#252;r eine Einparteienherrschaft k&#228;mpfte, sondern f&#252;r ein R&#228;tesystem, in dem die Arbeitenden selbst &#252;ber Produktion und Politik bestimmen. Wir diskutierten, was zu lernen ist von den heimlich organisierten revolution&#228;ren Berliner Obleuten, die zwar meist Mitglieder der USPD waren, aber davon unabh&#228;ngig ihr politisches Gewicht aus der Tatsache bezogen, dass sie als Betriebsarbeiter Streiks und K&#228;mpfe in Berlin organisierten, weil sie das Vertrauen und die Aufopferungsbereitschaft ihrer Kollegen hinter sich hatten.</p>
<p>Das Verdienst der Revolution&#228;ren Obleute war der Zusammenschluss von Kollegen, f&#252;r die die Sache im Vordergrund stand, n&#228;mlich der wirksame gewerkschaftliche Kampf in den Betrieben und dann, ab 1916, der Sturz des Systems. Ihre Gewerkschaftszugeh&#246;rigkeit im Deutschen Metallarbeiterverband und die Mitgliedschaft in USPD oder Spartakusbund/KPD stand nicht im Vordergrund. Sie nutzten die Organisation f&#252;r ihre Organisierung als Revolution&#228;re Obleute, unterlagen jedoch nicht der Ideologie der Gewerkschaftsf&#252;hrer. Das kann und muss uns heute Vorbild sein, wenn wir fragen: Was k&#246;nnen wir von den Revolution&#228;ren Obleuten lernen?</p>
<p>Richard M&#252;ller und seine Mitk&#228;mpfer organisierten sich angesichts der Bedingungen w&#228;hrend des Ersten Weltkriegs heimlich als Widerstandsgruppen, um gegen die Politik der Gewerkschaftsf&#252;hrungen zu arbeiten, die nicht nur den Burgfrieden propagierten, sondern auch f&#252;r Reichsregierung und Heeresleitung eine Unterst&#252;tzung waren. Unter heutigen Bedingungen m&#252;ssen auch wir uns vernetzen, um gegen Sozialpartnerschaft, Co-Management und die Unterst&#252;tzung von weltweiten Bundeswehreins&#228;tzen durch Gewerkschaftsapparate und -f&#252;hrungen Widerstand leisten zu k&#246;nnen.</p>
<p>Nach der gescheiterten Novemberrevolution trat M&#252;ller der KPD bei und wurde ihr Gewerkschaftsverantwortlicher. Er wandte sich gegen die abenteuerliche Politik der KPD-Zentrale, den gescheiterten Aufstandsversuch in Mitteldeutschland (M&#228;rzaktion 1921). Er ging in die Berliner Metallbetriebe und agitierte gegen die M&#228;rzaktion. Dadurch verhinderte er das Blutvergie&#223;en vieler Berliner Arbeiter. «Jedoch stand Levi nicht allein da. Viele seiner Freunde, einige noch in f&#252;hrender Position, teilten seine Ansichten und vermerkten, Richard M&#252;ller, ehemaliger Funktion&#228;r der Revolution&#228;ren Obleute, sei auf dem H&#246;hepunkt des Aufstandes von einem Berliner Betrieb zum anderen gezogen, um den Metallarbeitern davon abzuraten, sich dem Generalstreik anzuschlie&#223;en.» (Werner T. Angress, Die Kampfzeit der KPD 1921–1923, D&#252;sseldorf 1973, S.208.)</p>
<p>Auf dem III. Weltkongress der Kommunistischen Internationale wurden Paul Levi und er jedoch der Sabotage bezichtigt. Paul Levi, bis Ende Februar 1921 KPD-Vorsitzender, wurde aus der Partei ausgeschlossen, das Ausschlussverfahren gegen Clara Zetkin und sieben andere Parteif&#252;hrer in eine Verwarnung umgewandelt. Richard M&#252;ller wurde 1922 aus der KPD ausgeschlossen.</p>
<p>Die B&#252;cher, auf die sich Hoffrogge in seinem 2008 herausgegebenen Band bezog, ist die Trilogie Vom Kaiserreich zur Republik, die M&#252;ller 1924 und 1925 herausgab. Sie waren zwar gleich zu Beginn der Studentenbewegung wurden sie als Reprints neu aufgelegt, 1973/74 vom Verlag Olle und Wolter, und wanderten in so manchen B&#252;cherschrank von Linksradikalen und gewerkschaftlich Interessierten. In den Jahrzehnten danach gerieten sie aber so ziemlich in Vergessenheit. Nur wer sich f&#252;r die K&#228;mpfe w&#228;hrend des Ersten Weltkriegs und w&#228;hrend der Novemberrevolution interessierte, stie&#223; immer wieder auf die Rolle der Revolution&#228;ren Obleute und eben auf Richard M&#252;ller. Seine drei packend erz&#228;hlten B&#228;nde sind Standardwerk und Geheimtipp zugleich. Wer sie sich in den letzten Jahrzehnten kaufen wollte, musste (antiquarisch) daf&#252;r 100 bis 150 Euro aufbringen. Nun sind die drei B&#228;nde dankenswerterweise von dem kleinen Berliner Verlag Die Buchmacherei erneut ver&#246;ffentlicht worden – in einem Band und mit einem Vorwort von Ralf Hoffrogge.</p>
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		<title>Zeit des Zorns</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 10:31:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>

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		<description><![CDATA[Don Winslow: Zeit des Zorns, Berlin: Suhrkamp, 2011, 338 S., 14,95 Euro von Udo Bonn Ophelia liebt Ben, den liebevollen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Don Winslow: Zeit des Zorns, Berlin: Suhrkamp, 2011, 338 S., 14,95 Euro</strong><br />
von <em>Udo Bonn</em></p>
<p>Ophelia liebt Ben, den liebevollen Weltenbummler, der sein Geld in soziale Projekte steckt. Ophelia liebt Chon, den harten Ex-Marine. Ben und Chon sind Freunde, die in gro&#223;em Umfang Gourmet-Marihuana z&#252;chten und im s&#252;dlichen Kalifornien an die ausgesuchte Kundschaft bringen. Bis ihnen das mexikanische Baja-Kartell in die Quere kommt:<br />
<span id="more-3494"></span>Da deren Heroin, Kokain, Crack die K&#228;ufer in relativ kurzer Zeit ins Grab bef&#246;rdert, will das im Bandenkrieg geschw&#228;chte Kartell auf dem lukrativen Dopemarkt einsteigen. Ben und Chon haben keine Wahl, dies wird den beiden anhand eines brutalen Videos deutlich gemacht. Und als Ophelia entf&#252;hrt wird, wird ihnen auch der Weg des Abhauens auf eine Tropeninsel unm&#246;glich gemacht. Eine L&#246;sung k&#246;nnte darin liegen, 20 Millionen US-Dollar Abl&#246;sesumme zu zahlen, aber so viel k&#246;nnen beide nicht fl&#252;ssig machen. Also m&#252;ssen sie das Geld stehlen und wer w&#252;rde sich dabei anbieten?</p>
<p>Don Winslows Zeit des Zorns schlie&#223;t an seinen gro&#223;artigen Roman Tage der Toten an, verengt das dortige Panorama auf einen kurzen Zeitraum, ein kleineres Personenensemble und verfolgt doch seine Analyse der Kannibalisierung gesellschaftlicher und individueller Beziehungen konsequent weiter: M&#228;rkte m&#252;ssen durchdrungen und erobert werden, daf&#252;r jegliche Loyalit&#228;ten aufgegeben werden.Verb&#252;ndete stehen jederzeit bereit, Vertragspartner zu liquidieren. Zeit des Zorns ist ein harter Roman, dem man die manchmal lustig-, flippig-ironischen Stellen nicht traut. Und doch ist die Erz&#228;hlung der menage à trois ein Trost in einer Welt, in der das Gesch&#228;ftsdurchsetzungmodell der Drogenkartelle nur besonders brutal ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Das M&#228;rchen von den Kleinkrediten</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 08:08:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buch]]></category>

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		<description><![CDATA[von Angela Huemer Gerhard Klas: Die Mikrofinanz-Industrie. Die gro&#223;e Illusion oder das Gesch&#228;ft mit der Armut, Berlin/Hamburg: Assoziation A, 2011, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von <em>Angela Huemer</em></p>
<p><strong>Gerhard Klas: Die Mikrofinanz-Industrie.</strong> Die gro&#223;e Illusion oder das Gesch&#228;ft mit der Armut, Berlin/Hamburg: Assoziation A, 2011, 19,80 Euro, 320 S.</p>
<p>Wer sich jemals selbst um einen Kredit bem&#252;ht hat, wei&#223;, dass die Zinsen umso h&#246;her sind, je weniger Sicherheiten man zu bieten hat – falls man &#252;berhaupt einen Kredit bekommt. In den letzten Jahren sind die Kreditzinsen ziemlich gesunken, f&#252;r rund 3–5% Jahreszinsen kann man sich Geld leihen. Die Dispozinsen bei der Bank liegen schon etwas h&#246;her – bei 14% oder mehr. Und in der kleinen Geschichte der Kredite, die Gerhard Klas an den Anfang seines Buches stellt, erfahren wir, dass in der Antike Kredite nur in absoluten Notlagen aufgenommen wurden und Zinsen verp&#246;nt waren. Platon bspw. warf den Zinsnehmern vor, die Armut zu vergr&#246;&#223;ern.<br />
<span id="more-3301"></span>Auch in christlichen Kreisen waren Zinsen lange verp&#246;nt, Geld wurde oft innerhalb der Familie verliehen. Zinsfrei. Die Vorl&#228;ufer der heutigen Mikrokredite sind Genossenschaftsbanken sowie Spar- und Kreditgruppen. Jonathan Swift, der Autor von Gullivers Reisen, war einer der ersten, der Kleinkredite vergab, weitgehend frei von Zinsen, was heute in der Mikrokreditbranche als undenkbar gilt.<br />
Die Mehrheit der Weltbev&#246;lkerung kommt nie in die Verlegenheit oder auf die Idee, einen Kredit zu beantragen, denn sie hat keinerlei Sicherheiten zu bieten. Da schien Muhammad Yunus’ Bestreben, Kleinstkredite an Arme zu vergeben, damit sie ihre Lebenssituation verbessern k&#246;nnen, indem sie kleine Unternehmen gr&#252;nden, einleuchtend. Im Jahr 2006 erhielt Yunus f&#252;r seine Schaffung und Verbreitung der Mikrofinanz den Friedensnobelpreis.<br />
Mikrokredite aber sind teuer! Dabei werden Zinsen von mindestens 20% kassiert, Klas spricht sogar von tats&#228;chlichen 38%. Wenn man bedenkt, dass dieses System eigentlich als Alternative zum Wucher geschaffen wurde, bekommt man doch starke Zweifel. Die hohen Zinsen werden mit den operativen, administrativen Kosten begr&#252;ndet und damit, dass die Mikrofinanzunternehmen Geldverleiher sind, keine Banken, und selber Geld bei Banken leihen m&#252;ssen.<br />
Die hohe R&#252;ckzahlungsquote von 97%, von der Yunus immer wieder spricht, k&#246;nnte eigentlich beruhigend wirken. Doch es kommen weitere Zweifel, wenn man erf&#228;hrt, dass Finanzinstitutionen Investitionen in die Mikrofinanz anpreisen, weil arme Leute so zuverl&#228;ssig sind! Noch dazu, kritisiert Klas, wird viel zu wenig ber&#252;cksichtigt, wie hoch die Umschuldungsrate ist, also die Zahl der F&#228;lle, wo ein Kredit von einem anderen Anbieter genommen wird, um das Geld f&#252;r einen fr&#252;heren Kredit zur&#252;ckzahlen zu k&#246;nnen.<br />
Besonders schwierig wird die Lage nach Naturkatastrophen wie dem Zyklon Aila, der im Mai 2009 in S&#252;dasien w&#252;tete. Nur einen Monat Aufschub gab es f&#252;r die R&#252;ckzahlung eines Kleinkredites, erz&#228;hlt Kharun Nisa, eine Frau, die Gerhard Klas im S&#252;dwesten von Bangladesh traf. Laut Angaben der NGO Action Aid mussten Hilfsgelder der Regierung f&#252;r die R&#252;ckzahlung von Krediten verwendet werden. Eigentlich hatte Muhammad Yunus nach einem Besuch in der Katastrophenregion angek&#252;ndigt, alle Kredite ein halbes Jahr lang zu stunden. Doch wie verbindlich diese Aussagen waren, schreibt Klas, ist angesichts von Beispielen wie das von Kharun Nisa schwer auszumachen.<br />
Klas kritisiert, dass meist wenige einzelne positive Beispiele zum Beweis des Erfolgs der Mikrokredite herangezogen werden. Seine umfangreichen Recherchen haben die Zweifel an den hohen R&#252;ckzahlungsquoten und damit erfolgreichen Kreditnahmen vermehrt. Best&#228;rkt f&#252;hlt er sich durch Reinhardt Schmidt, Mikrofinanzexperte an der Uni Frankfurt, der Mikrokrediten grunds&#228;tzlich gewogen ist: «Viele Mikrofinanzinstitute lassen ausfallgef&#228;hrdete Kredite einfach in den B&#252;chern stehen, statt sie abzuschreiben.»<br />
Doch Klas’ Kritik ist grunds&#228;tzlicher: Viel zu wenig w&#252;rden die vorliegenden Untersuchungen die «R&#252;ckzahlungsquoten aus der Sicht der Schuldnerinnen betrachten» und nachbohren, «wie sie die hohen Ratenzahlungen meistern und ob sie sie als B&#252;rde ansehen». Viel zu wenig werde untersucht, wie sich die Lage der Kreditnehmer tats&#228;chlich ver&#228;ndert hat, und ob die Kredite wirklich f&#252;r den Aufbau einer neuen Existenz und nicht f&#252;r die Begleichung von Arztkosten oder aufgrund einer akuten Notsituation aufgenommen w&#252;rden. Klas sieht im Schwinden der &#246;ffentlichen Vorsorge einen der Gr&#252;nde f&#252;r den Boom der Kleinkredite; was fr&#252;her ohne Bezahlung zu haben war, wie Gesundheitsversorgung, ist nun oft kostenpflichtig.<br />
Das Buch von Gerhard Klas ist sehr umfangreich, er konzentriert sich auf Bangladesh und Indien und widmet einen sehr interessanten Teil der Art und Weise, wie die Medien die Mikrofinanz-Industrie viel zu wenig kritisch hinterfragen. Bisweilen reibt er sich zu sehr an Muhammad Yunus. Ausf&#252;hrlicher w&#252;nscht man sich das Kapitel zu m&#246;glichen Alternativen, wie Ern&#228;hrungssouver&#228;nit&#228;t, Grundeinkommen und Schilderungen von Beispielen, wie es anders gehen kann – etwa das Beispiel des indischen Bundesstaats Kerala.<br />
Allen, die schon lang ein gewisses Unbehagen bei all der Euphorie &#252;ber Mikrokredite versp&#252;ren und auch, wie Klas klugerweise betont, nie vergessen, dass Kredite eigentlich Schulden sind, sei dieses Buch w&#228;rmstens ans Herz gelegt – auch der weiterf&#252;hrenden Literatur- und sonstigen Hinweise wegen.</p>
<p>Lesungen<br />
N&#252;rnberg, 11.–13.11.: Linke Literaturmesse, K&#252;nstlerhaus, K&#246;nigstr.93, www.linke-literaturmesse.org.<br />
Heidelberg, 15.11.: Veranstaltet von der Heidelberger S&#252;dasiengruppe. 19 Uhr, Karlstorbahnhof, Gumbelraum.</p>
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		<title>Bis an die Grenzen</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 08:05:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buch]]></category>

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		<description><![CDATA[Fabien Didier Yene: Bis an die Grenzen, Klagenfurt: Drava, 2011, 19,80 Euro von Angela Huemer Die Chronik einer Migration, erz&#228;hlt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Fabien Didier Yene: Bis an die Grenzen, Klagenfurt: Drava, 2011, 19,80 Euro</strong><br />
von <em>Angela Huemer</em></p>
<p>Die Chronik einer Migration, erz&#228;hlt von einem Migranten.<br />
<span id="more-3325"></span>Der Kameruner Fabien Didier Yene, der heute in Marokko lebt, erz&#228;hlt seine Geschichte von Anfang an – mehr noch, er beginnt mit den Ereignissen, die zu seiner Geburt f&#252;hrten.<br />
In seinem Heimatdorf Ekombitié in Kamerun gibt es ertragreiche Kakaoplantagen. Beim Verkauf des Kakao am Markt trifft Ngoah, der Vater von Fabien, Bétiné. Er verliebt sich und k&#228;mpft um sie, denn Bétiné kommt von einem anderen Stamm mit einer anderen Sprache und Kultur. So ganz, werden wir sp&#228;ter erfahren, wird Yenes Mutter nie in Ngoahs Dorf akzeptiert werden.</p>
<p>Die Art, wie Fabien Didier Yene seine Herkunftsgeschichte erz&#228;hlt, ist charakteristisch f&#252;r dieses Buch: Es ist eine genaue Schilderung einer uns ganz fernen und auch fremden Lebenswelt und Kultur – nicht von au&#223;en aus betrachtet, sondern erz&#228;hlt von jemandem, den diese Lebenswelt gepr&#228;gt hat.<br />
Yene erz&#228;hlt von sich selbst in der dritten Person, fast scheint es, dass ihm so das Erz&#228;hlen leichter f&#228;llt. Trotz Schwierigkeiten – sein Vater stirbt – macht er seinen Schulabschluss. Er wird Lastwagenfahrer und verliebt sich. Als seine Freundin im zweiten Monat schwanger wird und sie Fabien auf eine seiner Fahrten begleitet,  verungl&#252;ckt sie t&#246;dlich. Fabien wird die Schuld angelastet, seine Schwester wird vergewaltigt, seine Mutter stirbt.</p>
<p>Fabien Yene erz&#228;hlt nur ganz knapp von diesen tragischen Ereignisse, die ihn dazu bringen, in den Tschad zu fliehen um dort, «weit weg von einer Geschichte, die dennoch die seine war» ein neues Leben zu beginnen. Seine Reise durch halb Afrika beginnt: Tschad, Nigeria, Niger, Algerien und schlie&#223;lich Marokko. Immer wieder muss er Geld auftreiben, er und die anderen Migranten m&#252;ssen sich immer wieder neu zurecht finden, allzu oft k&#228;mpfen sie um das nackte &#220;berleben. Yene wird einer der vielen, die vergeblich versuchen, den Zaun zu den spanischen Enklaven Ceuta und Melilla zu &#252;berqueren. Alle sind sich der Todesgefahr bewusst, doch «hier hatten sie wenigstens die Chance, ihre Situation zu ver&#228;ndern». Yene schreibt ausf&#252;hrlich &#252;ber den Maghreb, als «das unertr&#228;glichste Problem» empfindet er den Rassismus gegen&#252;ber Schwarzafrikanern.<br />
Fabien Didier Yene lebt heute in Marokko. Im M&#228;rz 2008 wurde er zum Obmann der Kameruner Emigrantengemeinschaft gew&#228;hlt und ist Sprecher einer Fl&#252;chtlings- und Menschenrechtsorganisation.</p>
<p><strong>Im November ist Fabien Didier Yene auf Lesereise in Deutschland und &#214;sterreich:</strong><br />
<strong> 6.11., Neustift a.d.Leitha, Hauptstr.69, 17 Uhr; 8.11. Klagenfurt, RAJ, 19 Uhr; 10.11. Salzburg, Friedensb&#252;ro, 19 Uhr; 11.11. Buch Wien, Messe Wien, Halle D, Forum, 15.30 Uhr; 13.11. Berlin, Kultursalon Roderich, 18 Uhr; 14.11. Dresden, AZ Conni, 20 Uhr; 15.11. M&#252;nchen, Eine-Welt-Haus, 20 Uhr; 16.11. Feldkirch, Theater am Saumarkt, 20 Uhr; Innsbruck, 17.11. Begegnungsbogen, 19 Uhr.</strong></p>
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		<title>Die Stunde des Schakals</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 08:01:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Buch]]></category>
		<category><![CDATA[Krimi]]></category>

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		<description><![CDATA[Bernhard Jaumann: Die Stunde des Schakals, Reinbek: Rowohlt, 2011, 318 S., 9,99 Euro von Udo Bonn Bernhard Jaumann hat in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bernhard Jaumann: Die Stunde des Schakals, Reinbek: Rowohlt, 2011, 318 S., 9,99 Euro</strong><br />
von <em>Udo Bonn</em><br />
Bernhard Jaumann hat in seinem zu Recht mit dem deutschen Krimipreis 2011 gew&#252;rdigten Roman Die Stunde des Schakals eine Frauenrolle entwickelt, die so tough und dabei so lebensecht ist, dass sie dem Leser nur staunende Bewunderung entlockt.<br />
<span id="more-3318"></span>Clemencia Garises ist Kriminalpolizistin in Windhoek und sie ist ganz froh dar&#252;ber, mit ihrem Job den beengten Familienverh&#228;ltnissen entkommen zu k&#246;nnen. Der Vater ist nach dem Tod seiner Frau irgendwohin entr&#252;ckt, der j&#252;ngere Bruder, wenn nicht betrunken, begibt sich andauernd in halbkriminelle Verstrickungen, die weiblichen Angeh&#246;rigen sind in magischen Angelegenheiten unterwegs. Und immer der Kampf um ein wenig Privatsph&#228;re.<br />
Das Leben schleppt sich so hin, bis im d&#252;rretrockenen Januar ein Mann im Reichenviertel Ludwigsdorf mit einer Salve aus einer AK47 erschossen wird. Die Ehefrau des Mordopfers ist nicht besonders kooperativ, doch es stellt sich recht schnell heraus, dass der Tote wohl an dem unges&#252;hnten Mord an dem popul&#228;ren SWAPO-Anwalt Anton Lubowski beteiligt gewesen sein k&#246;nnte. Ist Rache nach 19 Jahren denkbar? Clemencias Chef Oshivelo, ein alter K&#228;mpfer aus dem Antiapartheidskampf, wiegelt lange ab.<br />
Und dies so nachdr&#252;cklich, dass der Eindruck entstehen k&#246;nnte, der SWAPO-Anwalt sei m&#246;glicherweise von innerparteilichen Rivalen umgebracht worden. Angula, Clemencias zuverl&#228;ssigster Mitarbeiter ist davon sowieso &#252;berzeugt, er hat mit dem Befreiungsscharlatan noch ein H&#252;hnchen zu rupfen. Weitere Morde geschehen, selbst in einem Gef&#228;ngnis in S&#252;dafrika wird einer aus dem m&#246;glichen Attent&#228;terkreis umgebracht. Die Spur des Mannes f&#252;hrt &#252;ber Namibia, Botswana und S&#252;dafrika zur&#252;ck an ihren Ausgangspunkt, und kein ehemaliger S&#246;ldner des wei&#223;en Rassistenregimes ist ihm gewachsen.</p>
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