Schließen

Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden

Sie befinden sich hier: Home > Feuilleton

Nur Online Dezember 2017

Die russische Revolution und die Ökologie

Eine allzu kurze Begegnung
von Daniel Tanuro

Im Januar 1919 tobte der Bürgerkrieg, die weißen Armeen waren auf dem Vormarsch, das Russland der Oktoberrevolution war in Lebensgefahr, das Territorium der jungen Sowjetrepublik beschränkte sich auf das Umland von Petrograd und Moskau. Doch am 16.Januar 1919 hieß das Thema in Lenins Arbeitszimmer im Kreml Naturschutz. weiterlesen

Nur Online Dezember 2017

Regieren auf sozialdemokratisch

Was ein Kabinettsbeschluss aus dem Jahr 2000 mit den Wahlniederlagen der SPD zu tun hat
von Reiner Tosstorff

Michael Naumann ist gewiss kein Name, den man aus der Politik unbedingt kennen muss. Als Kulturminister Schröders von 1998 bis 2001 und gescheiterter Oberbürgermeisterkandidat der Hamburger SPD 2008 hat er nicht sehr viele Spuren hinterlassen. Eher wurde er als Verleger (Rowohlt) und Journalist (Die Zeit, Cicero) wahrgenommen. Seine kurze Zeit davor in der Politikwissenschaft ergab eine Habilitationsschrift über den irischen Sozialisten James Connolly, von den Briten hingerichteter Mitanführer des Osteraufstands von 1916, die allerdings keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. weiterlesen

Nur Online November 2017

Die Verstaatlichung der Revolution…

…und wie man ihr begegnen kann
von Manuel Kellner

Ist es nur der Kalender, der uns zur Beschäftigung mit der «Oktoberrevolution» vom 7.November 1917 (25.Oktober a.St.) in Russland treibt? Ist sie nicht ohne Belang für die Gegenwart? Brauchen wir sie – wie manche unterstellen –, um einen Mythos zu unterhalten, der über den heute so geringen Einfluss revolutionär-sozialistischer Ideen hinwegtrösten soll? weiterlesen

Nur Online November 2017

Die vollendete Revolution

Anmerkungen zur Erinnerungspolitik der russischen Oktoberrevolution
von Christoph Jünke*

Die Oktoberrevolution ist nicht mehr der Prüfstein innerlicher Politik. Trotzdem kommt man nicht an ihr vorbei.

Im Jahre 1967, sozusagen auf halbem Wege von der Russischen Revolution bis heute, hielt Isaac Deutscher seine noch im selben Jahr unter dem Titel Die unvollendete Revolution veröffentlichten Trevelyan-Vorlesungen und zog dabei die Bilanz seiner jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit der sowjetrussischen Revolution und ihren Folgen. weiterlesen

Nur Online November 2017

Vom Oktober 1917…

…zum «Sozialismus des 21.Jahrhunderts
von Catherine Samary*

Nicht jede Vergangenheit hat dieselbe Zukunft. Der Oktober 1917 wird nicht leicht beerdigt werden können. Da wurde gewagt, die bestehende Ordnung in Frage zu stellen – ohne Rezepte und nicht ohne tragische Irrtümer, im Kampf mit den Kriegen und der sozialen Gewalt der Herrschenden. Hundert Jahre später, obwohl der Kommunismus nicht mehr als Option erscheint, ähneln die Herausforderungen doch denen des Oktober vor hundert Jahren. weiterlesen

Nur Online November 2017

Die Bolschewiki

Partei einer Klasse, die sich verflüchtigt
von David Mandel

Wie konnte es kommt, dass so kurz nach Eroberung der politischen Macht durch die Räte diese ersetzt wurden durch das Regime der Kommunistischen Partei? Das ist die immer noch virulente Frage im Zusammenhang mit der Oktoberrevolution.

David Mandel hat sich damit in mehreren Aufsätzen beschäftigt, aus einem davon stammt der nachstehende Auszug.* weiterlesen

Nur Online November 2017

Isolation, Gewalt, Fehlentwicklung

Die internationale Dimension der Revolution
von Manuel Kellner

Was war die Oktoberrevolution? Diese Frage stellte 2007 ein Herr Jörg Baberowski in der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Antworten, die er gibt, haben nichts mit der Suche nach historischer Wahrheit zu tun: es handelt sich um Polemik auf unterstem Niveau. Leider war sich die Bundeszentrale nicht zu schade, dieses Machwerk auch 2017 im Rahmen eines «Dossiers» zu 100 Jahren Oktoberrevolution 1917 wieder ins Netz zu stellen. weiterlesen

Nur Online November 2017

Domenico Losurdo: Wenn die Linke fehlt… Gesellschaft des Spektakels, Krise, Krieg.

Köln: PapyRossa, 2017. 356 S., 19,90 €
von Anton Holberg

«Das Schild der Humanität ist die beste, sicherste Decke der niederträchtigsten öffentlichen Gaunerei.» Dieser Satz des Schriftstellers Johann Gottfried Seume (1763–1810) könnte zusammen mit «Doppelte Moral – möchte man hinzufügen – war schon immer etwas weniger als gar keine Moral» (Jörg Fauser im Nachwort zu Mickey Spillanes Roman Gangster) als Motto für das im Oktober auf Deutsch erschienene Buch des emeritierten italienischen marxistischen Philosophieprofessors Domenico Losurdo dienen. Losurdo wiederum zitiert in gleichem Sinn Nietzsche: «Und niemand lügt soviel als der Entrüstete.»

In acht Kapiteln legt Losurdo im Sinne der Eingangszitate die Verlogenheit nicht der Menschenrechte, sondern des imperialistischen Menschenrechtsdiskurses dar. Gleichzeitig thematisiert er dessen trotzdem gegebene Macht. Diese ist nicht nur Ergebnis der wachsenden Monopolisierung und technischen Entwicklung der Medien, sondern auch des Zerfalls der Linken, insbesondere seit der Kapitulation der Staaten, die von ihm ebenso wie von der Mehrheit der Menschen als «sozialistische» betrachtet wurden und werden.

Diese Macht verdeutlicht Losurdo insbesondere an der zersetzenden Wirkung auf verschiedene namhafte Ideologen der – realpolitisch inzwischen weitgehend abwesenden – Linken wie etwa dem Gespann Hardt/Negri oder Slavoj Žižek, um von philosophischen Hofnarren der herrschenden Bourgeoisie à la Sloterdijk oder Habermas oder gar einem Bernard-Henri Lévy erst gar nicht zu reden.

An Beispielen von Kuba über Vietnam bis hin zu Afghanistan, Jugoslawien, Irak, Libyen, Syrien und der Ukraine verweist er auf den dort nicht selten im – zumindest objektiven – Interesse militärischer Interventionen imperialistischer Staaten gepflegten Menschenrechtsdiskurs. Er tut das auf der Basis großbürgerlicher Quellen, d.h. solcher, denen kein eingebautes Interesse an einer Demaskierung der imperialistisches Kriegspropaganda zugeordnet werden kann. Was dort zu finden war, fand sich naturgemäß generell erst post festum, d.h. nachdem die Mainstreampropaganda bereits ihren Zweck erfüllt hatte.

Deren Verlogenheit bzw. mangelnder Wahrheitsgehalt nicht zuletzt in Form von Einseitigkeit hat sogar ausgewiesene Linke wie Rossana Rossanda von Il Manifesto oder die Generalsekretärin des italienischen Gewerkschaftsbundes CGIL, Susanna Camusso, dazu animiert, sich begeistert für die Bombardierung Libyens einzusetzen. Deren katastrophale Folgen für die Menschenrechte der Mehrheit der Libyer, ganz zu schweigen von den dortigen schwarzafrikanischen Migranten, waren allerdings absehbar und sind inzwischen offenkundig.

Eine besondere Rolle spielen hier im übrigen nicht wenige der internationalen NGOs, die oft nur formell von ihren Regierungen und deren «Diensten» unabhängig sind. All diese Kräfte haben – so Losurdo – gewissermaßen die Rolle der christlichen Missionare in der Zeit des direkten Kolonialismus für die Zeit der neokolonialen Interventionen übernommen.

 

Der Menschenrechtsimperialismus

Im Zentrum des Buches stehen zwei Staaten, die USA und die VR China. Jene, weil sie als militärisch stärkste imperialistische Macht nach dem Ende der direkten – politischen – Kolonialherrschaft die Hauptsäule des imperialistischen Systems sind, zu dem die übrigen imperialistischen Länder in einer Art Vasallenverhältnis stehen. Auf der anderen Seite steht die VR China, der man keineswegs die ihr vom Autor  zugeschriebenen «sozialistischen» Qualitäten andichten muss, um ihre Bedeutung als (zusammen mir Russland) primäre Gegenmacht zu den USA & Co. zu erkennen – wegen der Größe ihrer Bevölkerung, vor allem aber wegen ihrer wirtschaftlichen Entwicklung seit der Herrschaft Deng Xiaopings.

Darüber besteht bei den herrschenden Klassen diesseits und jenseits des Atlantik keinerlei Zweifel. Mehr als alle einschlägigen Erklärungen legt davon die militärische Konzentration der USA auf den pazifischen Raum Zeugnis ab. Die USA, in denen die Sklaverei noch legal war, als sie in ihrem früheren Mutterland bereits abgeschafft war, und in deren Südstaaten noch bis weit in die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts nicht nur faktisch Rassentrennung und -unterdrückung herrschten, pflegen bis in die Gegenwart den quasireligiösen Anspruch, eine – nein: «die» – Nation mit einer ewigen globalen «Mission» zu sein.

War die menschheitsbeglückende Mission zwischenzeitlich, nämlich unter Präsident Franklin D. Roosevelt im Zweiten Weltkrieg, noch auf die Realisierung oder zumindest Propagierung der «Freiheit von Not» und der «Freiheit von Furcht» gerichtet, hat sie sich unterdessen wieder auf die alten liberalen Freiheiten des «Marktes», oder ungeschminkter: auf die Freiheit der Ausbeutung zurückentwickelt.

Entsprechend lehnten die Herolde des Neoliberalismus wie Ludwig von Mieses und Friedrich August von Hayek den Sozialstaat und die zugehörigen gewerkschaftlichen Rechte als der «Freiheit» grundsätzlich widersprechend ab. Ihre Position ist also im engeren Wortsinn «asozial». Dem dient unter dem Schlachtruf «Demokratie und Menschenrechte» erklärtermaßen auch die Unterstützung sorgfältig ausgewählter, mit dem Ehrentitel «Dissidenten» versehener Oppositioneller in Ländern, die dieser Art von reduzierter Freiheit Widerstand entgegensetzen.

In Kapitel VIII («Vergesellschaftetes Elend» oder Sozialstaat?) setzt Losurdo sich mit der Sichtweise des zweifellos marxistischsten der hier behandelten «Linken», David Harvey, auf die Entwicklung der VR China auseinander und betont dabei die reale Abhängigkeit der politischen Demokratie von der realen «Freiheit von Not» (materieller Armut) und «Freiheit von Furcht» (der Furcht vor militärischen und/oder wirtschaftlichen Angriffen von außen). Er macht überzeugend deutlich, dass der Menschenrechtsimperialismus tatsächlich alle Menschenrechte mit Ausnahme des Rechts auf Profitmaximierung verneint.

Losurdos Buch präsentiert eine unwahrscheinliche Fülle an Fakten zu den angesprochen Themen und stößt dabei auch in außerhalb der Fachwelt eher wenig bekannte, philosophiegeschichtliche Bereiche vor. Es ist unbedingt lesenswert – auch für jene, die als Linke sein relativ ungebrochenes Verhältnis zum «Realsozialismus» nicht teilen.

Nur Online November 2017

Rudolf Geist: Die Wiener Julirevolte. Bericht eines Augenzeugen (Hrsg. Dieter Braeg)

Berlin: Die Buchmacherei, 2017
von Angela Klein

Vor 90 Jahren, im Juli 1927, brannte in Wien der Justizpalast – nicht das Werk eines Provokateurs, auch nicht eines einsamen Kämpfers gegen eine heraufziehende Diktatur, sondern das Werk von Hunderten und Tausenden aufs höchste erregter Arbeiterinnen und Arbeiter, die sich gegen Polizeiwillkür und Klassenjustiz auflehnten. weiterlesen

Nur Online November 2017

100 Jahre russische Revolution, Teil 8

Ein schwieriges, aber wichtiges Erbe
von Manuel Kellner

Der Sturz der Kapitalherrschaft durch Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte hat viele spätere antikapitalistische Bewegungen inspiriert. Die bürokratische Diktatur diskreditierte jedoch die sozialistische Idee. 1991 wurde die Sowjetunion aufgelöst. Was bleibt hundert Jahre nach der Oktoberrevolution?* weiterlesen