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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Geschichte</title>
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		<title>Verlogene Feierlichkeiten</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:05:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Rechten und das Kriegsrecht in Polen von Jaroslaw Urbanski Der 30.Jahrestag der Einf&#252;hrung des Kriegsrechts in Polen durch das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Rechten und das Kriegsrecht in Polen</strong></p>
<p>von <em>Jaroslaw Urbanski</em></p>
<p>Der 30.Jahrestag der Einf&#252;hrung des Kriegsrechts in Polen durch das Regime der PVAP diente in diesem Jahr der nationalistischen und radikalen Rechten in besonderem Ma&#223;e als Vorwand f&#252;r ihre Propaganda.<br />
<span id="more-3705"></span>Dabei wurde im Winter 1981/82 nicht auf &#252;berzeugte Polen oder Patrioten geschossen, sondern auf Arbeiter und «Emp&#246;rte». Viele der heutigen Vertreter der radikalen Nationalisten und der polnischen Rechten unterst&#252;tzten und kollaborierten mit dem Jaruzelskis Regime.</p>
<p>Unter Jaruzelskis Unterst&#252;tzern waren die Giertychs: Jedrzej und Maciej Giertych. Der Letztere war von 1986 bis 1989 Mitglied des regierungsfreundlichen Konsultationsrats, der die oppositionelle Untergrund-Solidarnosc boykottierte. Maciej Giertych genoss das Vertrauen und die Unterst&#252;tzung der kirchlichen Hierarchie, insbesondere ihres konservativen legalistischen Fl&#252;gels, der um einen Ausgleich mit der PVAP bem&#252;ht war.</p>
<p>Nach 1989 konnte Maciej Giertych als Mitglied der «Liga Polnischer Familien» (LPR) ein Mandat als Europaabgeordneter erringen und mit herzlichen Worten den chilenischen Diktator Pinochet loben. Giertychs Sohn Roman, Gr&#252;nder und ehemaliger Vorsitzende der «Allpolnischen Jugend», wurde in den Regierungen Marcinkiewicz und sp&#228;ter Kaczynski Vizepremierminister. Marcinkiewicz war einer der Gr&#252;nder der «Christlich-Nationalen Wiedervereinigung» (ZChN), die Anfang der 90er Jahre mit anderen nationalistischen Gruppen zusammenarbeitete. Sie alle st&#246;rte eine Zusammenarbeit mit dem Giertych-Clan nicht.</p>
<p><strong>Die Kirche</strong></p>
<p>Die Haltung der katholischen Kirche zur Einf&#252;hrung des Kriegsrechtes war nicht eindeutig. Kardinal Wyszynski war von der Streikwelle 1980 &#252;berrascht und rief dazu auf, die Emotionen zu z&#252;geln und Ruhe zu bewahren, was vielerorts als Verrat aufgefasst wurde. Gerettet haben die Situation damals die einfachen Priester, die sich vielerorts engagierten und die Opposition, und dabei auch die Aktiven der Solidarnosc, unterst&#252;tzten.</p>
<p>Die katholische Hierarchie f&#252;rchtete den Radikalismus der Arbeiter. Deshalb war sie im eigenem Interesse bereit, mit dem Regime zu verhandeln, ohne R&#252;cksicht auf die Meinung der F&#252;hrung der Untergrund-Solidarnosc. Es ist auch kein Geheimnis, dass die Kirchenleitungen sich bei den Machthabern um die Freilassung «ihrer» Internierten bem&#252;hten. Deshalb haben viele rechte katholische Funktion&#228;re fr&#252;her die Gef&#228;ngnisse verlassen k&#246;nnen als ihre weltlichen Kolleginnen und Kollegen.</p>
<p>Auch im Westen vertraten konservative Kreise – entgegen weitl&#228;ufiger Meinung – einen neutralen Standpunkt zum Kriegsrecht, sie unterst&#252;tzten Jaruzelski sogar.</p>
<p><strong>Der Westen</strong></p>
<p>Das Wall Street Journal vertrat z.B. die Ansicht, eine Milit&#228;rregierung sei ein besserer Garant f&#252;r die Tilgung der Schulden an private Banken als eine eventuelle revolution&#228;re Regierung der Solidarnosc. Zwar haben Reagan und Thatcher die Ma&#223;nahmen der polnischen Regierung kritisiert, aber das folgte eher geopolitischem Kalk&#252;l als der Sorge um die Zukunft der polnischen Gesellschaft. Letzten Endes haben die Sch&#252;sse auf die Kumpel der Zeche Wujek Gro&#223;britannien nicht davon abgehalten, Steinkohle aus Polen zu Dumpingpreisen zu importieren – das hat Frau Thatcher in die Lage versetzt, die Streikfront der britischen Kumpel zu brechen.</p>
<p>Faktisch haben nach der Einf&#252;hrung des Kriegsrechts linke und gewerkschaftliche Kreise aus Westeuropa die gr&#246;&#223;ere Hilfe f&#252;r die im Untergrund k&#228;mpfende Solidarnosc geleistet. Die Rechten wollten den revoltierenden Arbeitern nicht helfen.</p>
<p><strong>Rechte und Linke</strong></p>
<p>Damit m&#246;chte ich keineswegs sagen, dass Menschen mit rechten Ansichten sich nicht im Untergrund bet&#228;tigt und auch die daraus folgenden Konsequenzen erlitten h&#228;tten. Die Mehrheit hatte jedoch mit Gewerkschaften oder Arbeitern nichts im Sinn und machte auch keinen Hehl aus ihrem Antisemitismus. Sie k&#228;mpften weder nach der Einf&#252;hrung des Kriegsrechts, noch Mitte der 80er Jahre, als die Solidarnosc zerschlagen wurde. &#196;ngstlich verkrochen sie sich in Kirchens&#228;len, um ihre seelische und intellektuelle nationale Substanz zu erhalten, und warteten auf die M&#246;glichkeit, die Macht zu &#252;bernehmen.</p>
<p>Von ihnen unterschieden sich jedoch die «K&#228;mpfende Solidarnosc» und auch die «F&#246;deration K&#228;mpfender Jugend», die mit linken Bewegungen zusammenarbeiteten. Sie hatten ihre Wurzeln in Unabh&#228;ngigkeitsbewegungen, die an die Tradition von Pilsudski, dem ersten Premier Polens nach der Unabh&#228;ngigkeit, ankn&#252;pften. Kornel Morawiecki von der «K&#228;mpfende Solidarnosc» ist ein gutes Beispiel daf&#252;r, erst k&#252;rzlich nahm er in Breslau an einer Konferenz &#252;ber die Zukunft der Linken teil.</p>
<p>Ich kann mich an diese Zeit sehr gut erinnern, nach Einf&#252;hrung des Kriegsrechts war ich aktiv. Viele meiner Freunde, mit denen ich bis heute Kontakt habe, sa&#223;en im Gef&#228;ngnis – wegen ihrer T&#228;tigkeit bei «Radio Solidarnosc», f&#252;r den Druck von Flugbl&#228;ttern, ihrer Teilnahme an Demonstrationen, ihrer Wehrdienstverweigerung usw. Es irritiert mich, dass Jaroslaw Kaczynski sich auf seinen toten Bruder beruft – denn selbst war er kaum aktiv – und den Jahrestag des Kriegsrechts f&#252;r seine politischen Ziele nutzt, um das Auseinanderdriften seiner Partei aufzuhalten. Ich sch&#228;me mich all der organisierten offiziellen Gedenkfeiern, wo sich diejenigen in den Vordergrund dr&#228;ngen, die verantwortlich sind f&#252;r millionenfache Arbeitslosigkeit, die Vernichtung der Gewerkschaften und das Entstehen gro&#223;er sozialer Ungleichheit.</p>
<p>Es am&#252;siert mich, wie die Erben dieser Ideologie unter dem Banner von ultrarechten Gruppierungen laufen und schreien, sie wollen das Lumpengesindel mit «dem August und Hammer» schlagen. Denen m&#246;chte ich schon zurufen, sie sollten lieber zum Haus ihrer Gr&#252;ndungsv&#228;ter, Giertych, gehen.</p>
<p><em>Der Soziologe Jaroslaw Urbanski wurde w&#228;hrend des Kriegsrecht aktiv und war Mitbegr&#252;nder der k&#228;mpferischen Gewerkschaft IP-Arbeiterinitiative.</em></p>
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		<title>25 Jahre nach dem Mord an Olof Palme</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Apr 2011 16:15:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Mordsm&#228;&#223;iges Schweigen von Henrik Andersson Vor 25 Jahren wurde Olof Palme erschossen. Bis heute ist der schwedische Staat nicht an [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mordsm&#228;&#223;iges Schweigen</strong><br />
<em>von Henrik Andersson</em></p>
<p>Vor 25 Jahren wurde Olof Palme erschossen. Bis heute ist der schwedische Staat nicht an einer Aufkl&#228;rung interessiert.</p>
<p><span id="more-2285"></span>Der 28.Februar 1986 ist ein ganz normaler Arbeitstag f&#252;r Olof Palme. Besprechungen, Interviews, Empfang des norwegischen Botschafters. F&#252;r ihn holt Olof Palme Kaffee und Kuchen, er reiht sich ein in die Warteschlange der Kantine in der Regierungskanzlei. Nach Feierabend geht Palme allein zu Fu&#223; nach Hause, Leibwachen mag er nicht, die unterbr&#228;chen nur die Adern zum Volk. Abends steht er erst am Fahrkartenschalter, um mit der vollbesetzten U-Bahn zu einem Kino zu fahren, dann an der Kinokasse, um f&#252;r seine Frau und sich Eintrittskarten zu kaufen.</p>
<p>«Ich bin demokratischer Sozialist mit Stolz und Freude», sagt Olof Palme, Schwedens Ministerpr&#228;sident von 1969 bis 1976 und von 1982 bis zum Freitag, dem 28.Februar 1986. Es ist ein Tag, der Schweden ver&#228;ndern wird, die Politik, die Gesellschaft, das Verh&#228;ltnis der B&#252;rger zu denen, die sie regieren.</p>
<p>Das Kino ist aus an jenem Februarabend. Der Regierungschef spaziert mit seiner Frau nach Hause. Um 23.21 Uhr fallen zwei Sch&#252;sse. Olof Palme ist tot.</p>
<p>Das ist nun 25 Jahre her, und zu jedem Jahrestag tauchen dubiose Mordthesen auf von verwirrten Einzelt&#228;tern oder ethnischen Gruppen, denen Palme verhasst war. Dabei l&#228;sst sich aus den Indizien, Zeugenaussagen und Dokumenten ein ganz anderes Bild zusammenlegen.</p>
<p><strong>Die Vertuscher</strong><br />
Mehr als 100 Hinweise f&#252;hren nur zu einer Spur: der Norrmalm-Polizeiwache, zust&#228;ndig f&#252;r die Stockholmer Innenstadt. Ein Sammelbecken von Polizisten mit &#228;u&#223;erst rechter Gesinnung. Hier gab es den «Verteidigungs-Schie&#223;verein», die «Baseball-Liga», eine brutale, rekordh&#228;ufig angezeigte Einheit, die auch bis zum Tode verh&#246;rte, Kameradentreffen mit rechtsradikalen Vortr&#228;gen, Hakenkreuzfahnen, Hitlergr&#252;&#223;e, sich als Faschisten und Palme-Hasser bekennende Polizisten.</p>
<p>Olof Palme ist an diesem Abend nicht so unbewacht, wie er glaubt. Zahlreiche Zeugen beobachten M&#228;nner mit Walkie-Talkies – Handys gab es damals noch nicht. «Olof Palme ist umzingelt, er hat keine Chance», wird sp&#228;ter der stellvertretende Fahndungsleiter festhalten. Bei den rechtslastigen Polizisten berichtet der Dienstplan kurz vor dem Mord &#252;ber auff&#228;llige Aktivit&#228;ten: Umbesetzungen in den Tatortbereich, einer verl&#228;ngert seinen Dienst auf 21 Stunden, einer verl&#228;sst gegen den &#228;rztlichen Rat das Krankenhaus, einer parkt genau zur Tatzeit seinen Privatwagen so um, dass er mit dem fl&#252;chtenden M&#246;rder allein auf der Stra&#223;e ist. Einer &#252;berwacht den Walkie-Talkie-Funkverkehr, ein anderer l&#228;sst sich in die Polizeifunkzentrale versetzen. Dort l&#228;sst er – bereits dreifach vom Mord informiert – dem M&#246;rder 8 Minuten Zeit zum Fliehen, bevor er nur wenige Streifenwagen alarmiert. Das dokumentieren die Tonbandaufnahmen. Bearbeitung von Kleinkriminalit&#228;t hat Priorit&#228;t, der Mord am Regierungschef spielt eine Nebenrolle, wie aus der Polizeidokumentation der Mordnacht zu entnehmen ist. Der Cheftechniker der Polizei sagt sp&#228;ter, die am Tatort gefundenen Kugeln seien hinterher ausgelegt worden. Zur Tatzeit waren im Umkreis von 400 Metern um den Tatort mindestens 30 Polizisten, mindestens 18 davon geh&#246;rten dort nicht hin.</p>
<p>Eine Mordkommission darf dieses Verbrechen nicht aufkl&#228;ren. Daf&#252;r setzt sich der sozialdemokratische Stockholmer Polizeipr&#228;sident Hans Holmér selbst an die Fahndungsspitze. In praktischer Ermittlungsarbeit unerfahren, besitzt er eine makabre Qualifikation: Er ist Gr&#252;nder der Baseball-Liga. Sozialdemokrat zu sein und eine rechte Gesinnung zu haben, diesen Widerspruch h&#228;lt nicht nur er aus. Er ist auch eine Folge von einer Sozialdemokratie als allm&#228;chtiger Staatspartei.</p>
<p>Holmér l&#228;sst sich von einem hitlergr&#252;&#223;enden Waffenh&#228;ndler aus der Baseball-Liga teilweise seinen Fahndungsraum einrichten und besorgt sich von ihm in Schweden illegale Maschinenpistolen und Walkie-Talkies. Auch seine Leibw&#228;chter rekrutiert er aus diesem Kreis.</p>
<p>Holmér behelligt keine Polizisten, daf&#252;r aber Zeugen, die Polizisten gesehen haben k&#246;nnten. Sie werden nicht ernst genommen, reingelegt, beleidigt, eingesch&#252;chtert, bedroht und observiert. Ihre Aussagen verschwinden mehrfach.</p>
<p>Holmér ist ehemaliger Chef des schwedischen Geheimdienstes S&#228;po. Die S&#228;po, in den 40er Jahren mit Gestapo-Hilfe aufgebaut, kann ihre Herkunft nicht immer verleugnen. Auch Olof Palme wurde von der S&#228;po observiert. Ausgepr&#228;gter Palme-Hass gipfelt in einer Liste von Agenten, die sich offen die Ermordung Palmes gew&#252;nscht haben sollen. Nun soll ausgerechnet die S&#228;po die Rolle von Polizisten im Mordfall Palme genauer untersuchen. Aber alles sei in Ordnung, meint der S&#228;po-Kontrolleur, der ehemalige sozialdemokratische Minister Carl Lidbom.</p>
<p>Vor dem Mord organisierte Lidbom ein Treffen mit hohen Sozialdemokraten, um Palme wegzuloben, etwa auf einen hohen UN-Posten. Nach dem Mord sagt Lidbom: «Es ist das Beste f&#252;r alle Beteiligten, wenn der Mord an Olof Palme niemals aufgekl&#228;rt wird.» Das Zitat erscheint in mehreren schwedischen Tageszeitungen. Lidbom und Holmér behaupten, am Mordabend nicht in Stockholm gewesen zu sein. Aber stimmt das?</p>
<p><strong>Die Widersprecher</strong><br />
Rolf Dahlgren, Chauffeur f&#252;r Politiker und Geheimdienstler widerspricht. Er sei mit Holmér und Lidbom am Mordabend durch Stockholm gefahren, sagt er. Besonders mit Holmér sei er immer wieder in Tatortn&#228;he gewesen, der dort konspirativ Personen traf. Nach einem dieser Treffen erz&#228;hlt Holmér seinem Fahrer, Olof Palme sei soeben erschossen worden. Wieso wei&#223; er davon? Sieben Minuten nach dem Mord, noch bevor die erste Streife eintrifft, muss Dahlgren ganz langsam am Tatort vorbeirollen, Holmér will es so. Der Polizeipr&#228;sident steigt nicht einmal aus. Dahlgren wundert sich. Er wird von Holmér an seine Schweigepflicht erinnert.</p>
<p>Doch Jahre sp&#228;ter vertraut er sich einem Reichstagsabgeordneten an. Die Information zieht Kreise. Dahlgren wird unter Druck gesetzt. Er soll dementieren, mit wem er am Mordabend am Tatort war. Er weigert sich. Und stirbt unter mysteri&#246;sen Umst&#228;nden. Seine Lebensgef&#228;hrtin, ebenfalls Polizistin, findet ihn leblos neben mehreren Schnapsflaschen. Weil Dahlgren nur wenig trank und wenn, dann andere Marken, ist sie sich sicher, dass es kein nat&#252;rlicher Tod war. Eine Obduktion von Dahlgren gab es nicht, Fremdverschulden wurde sofort ausgeschlossen.</p>
<p>Der Reichstagsabgeordnete Jerry Martinger von der konservativen Oppositionspartei, dem sich Dahlgren &#246;ffnete, verfolgt dessen Angaben weiter. Parteikollegen und Sozialdemokraten warnen ihn, er solle das W&#252;hlen unterlassen, ein hoher Parteifunktion&#228;r droht ihm, Martinger m&#252;sse sonst b&#252;&#223;en. Martinger, von Beruf Staatsanwalt, will seine Informationen an den h&#246;chsten Polizeichef Schwedens loswerden. Der l&#228;sst sich monatelang verleugnen. Als Martinger schlie&#223;lich den obersten Staatsanwalt mit einem schriftlichen Bericht &#252;ber Dahlgrens Angaben bel&#228;stigt, m&#252;ndet das in einer Anklage gegen Martinger. Er soll von Telefonzellen aus ihm unbekannte Menschen sexuell bel&#228;stigt haben.</p>
<p>Ohne Beweis wird Martinger verurteilt und verliert sein Reichstagsmandat, obwohl es zeitlich unm&#246;glich ist, die weit auseinander liegenden Telefonzellen so schnell zu erreichen. Der ehemalige Staatsanwalt wei&#223;, dass feststellbar ist, welche Nummern in zeitlicher N&#228;he zu seinen angeblichen Anrufen aus diesen Telefonzellen gew&#228;hlt wurden. Die Ermittlungsbeh&#246;rde schweigt, bis sie eine Nummer doch herausgeben muss: Es ist die von Carl Lidbom.</p>
<p>Heute ist die M&#246;rdersuche praktisch eingestellt. Holmérs Nachfolger als Fahndungsleiter suchte anfangs noch, sagte aber: «Die einzige Spur, mit der zu befassen ich mich weigere, ist die Polizeispur.» So gab es 1989 eine konstruierte Anklage gegen einen Einzelt&#228;ter, keinen Polizisten. Die 14 Berufsrichter, die sich in drei Instanzen mit dem Fall zu befassen hatten, waren allesamt von dessen Unschuld &#252;berzeugt.</p>
<p>Und die schwedische Pressefreiheit? Es gibt sie weitgehend, aber auch Ausnahmen. Medien und Politik sind nahe beieinander, personelle Verflechtungen nicht selten. Wenn eine Berichterstattung nicht erw&#252;nscht ist, wie zum Beispiel &#252;ber den Untergang der Estonia-F&#228;hre oder den Palme-Mord, h&#228;lt man sich daran. Zuwiderhandlung ist karrieresch&#228;digend. Allen wichtigen Redaktionen in Schweden liegt gut recherchiertes Material &#252;ber den Palme-Mord vor. Aber sie publizieren nicht. Der langj&#228;hrige Chef des staatlichen schwedischen Fernsehens Harry Schein sagt: «Es gibt staatstragende Kr&#228;fte, die nicht wollen, dass der Mord an Olof Palme aufgekl&#228;rt wird.»</p>
<p><strong>Carlsson und danach</strong><br />
Eine Ausnahme gibt es. In einer gro&#223;en Zeitung fordert am 17.August 1995 der sozialdemokratische Finanzminister, die Polizeispur endlich ernstzunehmen und gegen Polizisten zu ermitteln. Folgenlos im Bl&#228;tterwald, aber nicht folgenlos f&#252;r die Regierung:</p>
<p>In der n&#228;chsten Nacht klettern zwei M&#228;nner auf das gut gesicherte Dach der Ministerpr&#228;sidenten-Residenz, genau &#252;ber den Raum, in dem der Palme-Nachfolger Ingvar Carlsson gerade schl&#228;ft. Die f&#252;r Carlssons Bewachung zust&#228;ndige S&#228;po bemerkt die beiden M&#228;nner angeblich nicht. L&#228;sst sie die beiden Carlsson so nahe kommen, damit er sich nicht der Forderung seines Finanzministers anschlie&#223;t? Und ist es Zufall, dass ein Baseball-Polizist eine Fassadenkletterschule zwecks Entern schwieriger Geb&#228;ude besa&#223;?</p>
<p>Ein privater Wachschutz alarmiert die Polizei. Ermittelt wird gegen die beiden M&#228;nner allerdings nicht. Wenige Stunden sp&#228;ter k&#252;ndigt Ingvar Carlsson v&#246;llig &#252;berraschend seinen R&#252;cktritt an. Nicht mal seine Stellvertreterin wei&#223; vorher davon. Ein Zusammenhang dieser drei Ereignisse innerhalb von 24 Stunden wird ausgeschlossen. Carlsson brauche mehr Zeit zum Pilzepfl&#252;cken, hei&#223;t es. Sein Nachfolger, G&#246;ran Persson, treibt Staat und Partei auf einen Kurs, der von Palmes Zielen noch weiter entfernt ist, als es der von Carlsson ohnehin schon war.</p>
<p>Nur die sp&#228;tere Au&#223;enministerin Anna Lindh, der Palmes politisches Verm&#228;chtnis am Herzen lag, h&#228;tte diesen Kurs noch korrigieren k&#246;nnen. Ebenfalls unbewacht, wurde sie am 10.September 2003 in einem Kaufhaus von einem Legion&#228;rssoldaten erstochen. Ob der T&#228;ter wirklich allein handelte, l&#228;sst sich nicht feststellen. Es ist m&#246;glich. Genauso m&#246;glich ist aber auch, dass der Legion&#228;rssoldat einen T&#246;tungsauftrag hatte. Es gab Hinweise darauf. Nachgegangen wurde ihnen nicht.</p>
<p>Schweden ist ein anderes Land als zu Palmes Zeiten. Die Sozialdemokratie ist auch eine andere. Der Wohlfahrtsstaat verk&#252;mmert, es gibt immer mehr Privatisierungen im Bildungs- und Gesundheitswesen. Parteimitglieder meinen verbittert, das Parteimotto sei nicht mehr «Solidarit&#228;t», sondern «Denk an dich und schei&#223; auf andere».</p>
<p>Seit dem Regierungswechsel 2006 sitzt der Abgeordnete Anti Avsan f&#252;r die Fraktion der konservativen Regierungspartei im Reichstag. Diese Fraktion musste f&#252;nf Jahre zuvor der Abgeordnete Martinger verlassen. Avsan, von Beruf Richter, war zuvor wie Martinger Staatsanwalt. Er wird sich im Gegensatz zu Martinger nicht mit der M&#246;rdersuche hervortun. Avsan war vor seiner Richterkarriere Polizist, Mitglied im Verteidigungs-Schie&#223;verein und tummelte sich im Umfeld der ber&#252;chtigten Baseball-Liga. Er fiel besonders durch seine rassistischen &#196;u&#223;erungen auf.</p>
<p>Zwei Zeuginnen, eine Vorschullehrerin und eine Erzieherin, geben an, Avsan unmittelbar vor dem Mord am Tatort gesehen zu haben. Mit Waffe und mit Walkie-Talkie. Sie h&#246;ren, wie er in sein Walkie-Talkie spricht: «Schei&#223;e, ich bin wiedererkannt, was soll ich tun?» Und aus dem Ger&#228;t rauscht es: «Schei&#223; drauf und mach, was du sollst!» Als sich die beiden Zeuginnen entfernen, h&#246;ren sie einen Knall.</p>
<p>Ihre Beobachtungen sind bisher der einzige konkrete Hinweis auf den T&#228;ter. Der Hinweis wird nicht verfolgt – daf&#252;r die Zeuginnen. Eingesch&#252;chtert und bedroht werden sie achtmal verh&#246;rt. Viele Fotos werden ihnen gezeigt. Eines von Avsan ist nicht dabei, obwohl die Fahndungsleitung genau wei&#223;, um wen es geht. Auch eine Gegen&#252;berstellung mit Avsan gibt es nicht. Wenn die Aussagen der Zeuginnen stimmen, sitzt ein Verd&#228;chtiger im schwedischen Reichstag. Avsan wurde im Herbst 2010 wiedergew&#228;hlt. Er bestreitet jegliche Beteiligung an der Tat.</p>
<p>Wie erkl&#228;rt man dem Volk, dass Teile der Sicherheitsapparate au&#223;er Kontrolle geraten sind und ins demokratische Machtzentrum eingreifen? Ein solcher Skandal w&#228;re weder national noch international vorzeigbar. Schwedens Image st&#252;nde auf dem Spiel.</p>
<p>Am 1.M&#228;rz h&#228;tten wegen Ablaufs der 25-j&#228;hrigen Verj&#228;hrungsfrist f&#252;r Mord die Ermittlungen eingestellt werden m&#252;ssen. Dann w&#228;ren alle geheimen Ermittlungsakten &#246;ffentlich zug&#228;nglich gewesen. P&#252;nktlich zum Palme-Mordfall wurde die Gesetzeslage ge&#228;ndert. Mord verj&#228;hrt nun auch in Schweden nicht mehr. Damit bleiben die Ermittlungsakten Geheimsache. Ein Schwedenkrimi ohne Aufl&#246;sung.</p>
<p><em>Der leicht gek&#252;rzte Artikel erschien zuerst im </em>Tagesspiegel <em>am 26.2.2011. Wir danken dem Autor f&#252;r die Nachdruckgenehmigung.</em></p>
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		<title>Die Pariser Kommune, 18.M&#228;rz–28.Mai 1871</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Apr 2011 15:15:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Die erste Regierung der Arbeiterklasse von Jean-Michel Krivine F&#252;r Marx war die Pariser Kommune «wesentlich eine Regierung der Arbeiterklasse, das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die erste Regierung der Arbeiterklasse</strong><br />
<em>von Jean-Michel Krivine</em><br />
F&#252;r Marx war die Pariser Kommune «wesentlich eine Regierung der Arbeiterklasse, das Resultat des Kampfes der hervorbringenden gegen die aneignende Klasse, die endlich entdeckte politische Form, unter der die &#246;konomische Befreiung der Arbeit sich vollziehen konnte». Vor 140 Jahren, im Mai 1871, unterlag sie der blutigen Konterrevolution.<br />
<span id="more-2260"></span>Im Jahr 1871 regiert seit seinem Staatsstreich vom 2.Dezember 1851 Kaiser Napoleon III. Zunehmend verlassen von seinen Anh&#228;ngern, sieht er 1870 im Krieg gegen Preu&#223;en das einzige Mittel, sich an der Macht zu halten. Doch seine Armee kapituliert vor Sedan, und er ist nun selbst Gefangener. Bei dieser Nachricht erhebt sich die Pariser Bev&#246;lkerung und am 4.September wird die Republik ausgerufen – mit der Absicht, die «preu&#223;ischen Invasoren zu verjagen». Eine b&#252;rgerliche Regierung der «nationalen Verteidigung» wird gebildet, w&#228;hrend Paris einer schrecklichen Belagerung ausgesetzt ist.</p>
<p>Am 8.Februar 1871 wird eine Nationalversammlung gew&#228;hlt, die in ihrer gro&#223;en Mehrheit aus Royalisten besteht, die die «l&#228;ndliche Bev&#246;lkerung» repr&#228;sentieren. Sie hat ihren Sitz in Bordeaux und w&#228;hlt Louis-Adolphe Thiers zum Chef der Exekutive. Dieser begibt sich nach Versailles, um mit Bismarck die Kapitulation auszuhandeln (sie wird am 26.Februar unterzeichnet).</p>
<p>In Paris umfasst die Nationalgarde alle wehrf&#228;higen M&#228;nner (200 Bataillone mit 170.000 Mann). Sie sind gut bewaffnet, verf&#252;gen &#252;ber Hunderte Kanonen, die sie selbst bezahlt haben, und sie haben gew&#228;hlte Kommandeure. Besorgt &#252;ber ihren unbeugsamen Willen zum Widerstand, will sich Thiers der Kanonen bem&#228;chtigen, die sich am Montmartre befinden.</p>
<p>Es ist der ber&#252;hmte 18.M&#228;rz, der Beginn des Volksaufstands: Bev&#246;lkerung und Soldaten verbr&#252;dern sich, die Regierung flieht nach Versailles, begleitet von einer demoralisierten Truppe. Ohne dass dies im mindesten angestrebt worden w&#228;re, f&#228;llt die Macht in die H&#228;nde des Zentralkomitees der Nationalgarde. Dieses setzt sich zusammen aus gem&#228;&#223;igten Kleinb&#252;rgern, die einen Horror vor Illegalit&#228;t und Gewalt haben und deren gr&#246;&#223;ter Wunsch es ist, einem regul&#228;r gew&#228;hlten Gemeinderat Platz zu machen, der am 28.M&#228;rz entsteht: der Generalrat der Kommune.</p>
<p>Die Mehrheit der 90 Gew&#228;hlten sind Revolution&#228;re (darunter 25 Arbeiter), aber sie teilen sich in drei Gruppen auf, die sich st&#228;ndig streiten: die Anh&#228;nger der Internationalen Arbeiterassoziation (der I.Internationale); die blanquistische Partei; schlie&#223;lich die Mehrheit aus sog. «Jakobinern» – Kleinb&#252;rger, die von einer rein politischen Revolution tr&#228;umen.</p>
<p><strong>Soziale und symbolische Ma&#223;nahmen</strong><br />
Der Volksaufstand entwickelt sich binnen zwei Wochen zu einer echten sozialen Revolution; die Kommune trifft zahlreiche beispielhafte Entscheidungen. Zun&#228;chst seien die sozialen Ma&#223;nahmen genannt: der Erlass der seit Oktober 1870 r&#252;ckst&#228;ndigen Wohnungsmieten; die Abschaffung der Nachtarbeit f&#252;r B&#228;cker; das Verbot von Bu&#223;geldern und Lohnabz&#252;gen in Fabriken und Verwaltung; die Abschaffung der Pfandh&#228;user; die Einf&#252;hrung eines obligatorischen unentgeltlichen und weltlichen Unterrichts mit integrierter Berufsausbildung; die Erfassung aufgegebener Fabriken, um sie Arbeiterkooperativen zur Verf&#252;gung zu stellen.</p>
<p>Gleichzeitig gab es auch Ma&#223;nahmen von gro&#223;er symbolischer Bedeutung: die Abschaffung des stehenden Heeres und seine Ersetzung durch die Nationalgarde, in der alle B&#252;rger dienen m&#252;ssen; die Wahl und Abw&#228;hlbarkeit aller Vertreter in der Verwaltung, der Justiz, dem Bildungswesen und in der Nationalgarde; die Beschr&#228;nkung des Lohns der Angestellten der Kommune auf den eines Arbeiters; Trennung der Kirche vom Staat. Sehr symbolisch waren auch die Zerst&#246;rung der kaiserlichen S&#228;ule auf der Place Vendôme, die Anz&#252;ndung des Hauses von Thiers und die Verbrennung der Guillotine.</p>
<p><strong>Die Modernit&#228;t der Kommune</strong><br />
Es sind jedoch vor allem zwei Aspekte zu betonen, die die «Modernit&#228;t» der Kommune verdeutlichen: Sie betreffen die Frauen und die Ausl&#228;nder.</p>
<p>Die Frauen hatten einen gewaltigen Anteil an den Mobilisierungen und sich in Stadtteilkomitees organisiert. Louise Michel ist sehr bekannt, doch man darf auch Elisabeth Dimitrieff nicht vergessen, die den ersten Frauenverband gegr&#252;ndet hat. &#220;ber tausend Frauen nahmen am Kriegsrat teil, und die pétroleuses*, die beschuldigt wurden, Bourgeoish&#228;user angesteckt zu haben, wurden von ber&#252;hmten Schriftstellern unfl&#228;tig beschimpft. So erkl&#228;rte Alexandre Dumas (der Autor der Kameliendame): «Wir werden nichts &#252;ber ihre Weibsbilder sagen, aus Respekt vor den Frauen, denen sie &#228;hnlich sehen – wenn sie tot sind.»</p>
<p>Die Ausl&#228;nder haben sich zu Hunderten an der Kommune beteiligt, viele von ihnen haben – einzigartig in der Weltgeschichte – f&#252;hrende Positionen eingenommen: Die besten Gener&#228;le waren Polen (Jaroslaw Dabrowski und Walery Wróblewski), der Arbeitsminister war ein ungarischer Jude (der Goldschmied Leo Frankel). Er war aufgrund der Empfehlungen der Wahlkommission in den Generalrat der Kommune gew&#228;hlt worden: «In Anbetracht, dass das Banner der Kommune das der universellen Republik ist und diese das Recht hat, Ausl&#228;ndern, die ihr dienen, das B&#252;rgerrecht zu verleihen, &#8230; ist die Kommission der Meinung, dass die Ausl&#228;nder [zur Wahl] zugelassen werden k&#246;nnen, und schl&#228;gt die Zulassung des B&#252;rgers Frankel vor.»</p>
<p><strong>Schw&#228;chen und Lehren</strong><br />
Die Vernichtung der Kommune durch die Versailler Armeen ist bekannt: Am 21.Mai beginnt die «Blutwoche», das grauenhafteste Massaker, das je in so kurzer Zeit von einer in Bedr&#228;ngnis geratenen Macht durchgef&#252;hrt wurde, die begierig ist sich zu r&#228;chen und die Arbeiterklasse auf lange Zeit zu vernichten (&#252;ber 20.000 Tote, Tausende Verurteilte oder nach &#220;bersee Deportierte).</p>
<p>Aus diesen 72 Tagen haben Marx, Engels, Lenin, Trotzki zahlreiche Lehren gezogen. Alle stimmen dabei in der Betonung der gr&#246;&#223;ten Schw&#228;chen der Kommune &#252;berein: Sie hat die Grenzen der Spontaneit&#228;t der Massen gezeigt; ihr fantastischer Aufschwung ging einher mit der Tendenz, auf halbem Wege stehenzubeleiben und sich mit den ersten Erfolgen zufrieden zu geben. Dennoch gelangte das Pariser Proletariat an die Macht und hat, ohne bewusste revolution&#228;re F&#252;hrung, alle Gelegenheiten verstreichen lassen, ihren Feind niederzuwerfen: Ihre beiden gr&#246;&#223;ten Fehler waren das Vers&#228;umnis, sofort nach Versailles zu marschieren, und der heilige Respekt vor dem Privateigentum, besonders vor der Bank von Frankreich (die Versailles weitgehend finanzierte).</p>
<p>Mit der Kommune sah sich Marx in seiner Vorstellung best&#228;tigt, dass der b&#252;rgerliche Staat nicht reformiert, sondern zerst&#246;rt und durch andere Institutionen ersetzt werden m&#252;sse. Die Kommune hatte damit angefangen, allerdings nur zaghaft; und die Vertreter des b&#252;rgerlichen Staates, denen das z&#246;gerliche Verhalten der Kommune die M&#246;glichkeit gegeben hatte, sich in Versailles neu zu formieren, haben das schlimmste Massaker an Arbeitern in der Geschichte Frankreichs ver&#252;bt.</p>
<p>Schlie&#223;lich ist vielleicht die wichtigste Lehre der Kommune, die von allen sp&#228;teren revolution&#228;ren Erfahrungen best&#228;tigt wurde, die, dass gut vorbereitete revolution&#228;re Organisationen unerl&#228;sslich sind. Niemals ist es einem spontanen Volksaufstand allein gelungen, das kapitalistische Regime zu st&#252;rzen und die Macht der Arbeitenden zu sichern. Und wenn die Existenz einer oder mehrerer, mit den Massen verbundener revolution&#228;rer Organisationen auch n&#246;tig ist, so hat der Verlauf der russischen, chinesischen oder vietnamesischen Revolutionen doch gezeigt, dass dies nicht ausreicht, um den Aufbau einer wirklich selbstverwalteten sozialistischen Gesellschaft zu sichern. Der Charakter der Organisation (demokratisch und von den Ideen der Kommune inspiriert) ist ebenso wichtig wie ihre Existenz.</p>
<p><em>* Im Mai, als Paris von den Versailler Truppen wieder eingenommen wurde, ging das Ger&#252;cht um, Frauen der unteren Klassen w&#252;rden private und &#246;ffentliche Geb&#228;ude mit Petroleumflaschen in Brand stecken (&#228;hnlich unseren heutigen Molotowcocktails), die sie in Kellerfenster warfen. Viele Pariser Geb&#228;ude, auch das Rathaus und der Palast der Tuilerien wurden in den letzten Tagen der Kommune angez&#252;ndet. Daher bekamen die Frauen der Kommune den Namen «pétroleuses».</em></p>
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		<title>Verordnetes Schweigen</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/11/verordnetes-schweigen/</link>
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		<pubDate>Wed, 03 Nov 2010 16:32:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[«Auf Leichen im Keller kann keine neue Gesellschaft aufgebaut werden» (Stanislaw Jerzy Lec). Die Verfolgung deutscher Antifaschisten in der Sowjetunion [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- pre { font-family: "Garuda"; }p { margin-bottom: 0.21cm; } --><strong>«Auf Leichen im Keller kann keine neue Gesellschaft aufgebaut werden»  (Stanislaw Jerzy Lec). Die Verfolgung deutscher Antifaschisten in der Sowjetunion</strong><br />
<em>von Jochen Gester</em></p>
<p>Unter dem Motto «Das verordnete Schweigen» fand im Vorsommer im Berliner Haus der Demokratie ein Seminar zum Schicksal deutscher Antifaschisten statt, die in der Sowjetunion Opfer politischer Verfolgung durch das NKWD (Volkskommissariat f&#252;r innere Angelegenheiten, das Innenministerium) wurden. Veranstalter waren die Helle Panke, die Berliner VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) und die Stiftung des Hauses der Demokratie.</p>
<p><span id="more-1604"></span>Die Gruppe der Opfer war vielschichtig. Sie umfasste F&#252;hrungskader der KPD und ihre Familien, die im eher privilegierten Milieu der Parteinomenklatura andocken konnten, ebenso wie Facharbeiter und Ingenieure, die den Alltag der sowjetischen Bev&#246;lkerung zu teilen hatten und bei den gro&#223;en Aufbauprojekten eingesetzt waren.</p>
<p>Vorbereitet und durchgef&#252;hrt wurde das Seminar von Angeh&#246;rigen der Verfolgten, die das Schicksal ihrer Lebenspartner, Eltern oder Geschwister recherchiert haben.</p>
<p>Nach 1936 sind mehrere Tausend deutsche Antifaschisten, &#252;berwiegend Kommunisten, nach aberwitzigen und konstruierten Beschuldigungen verhaftet, verbannt und erschossen worden. Die Exilf&#252;hrung der KPD unterst&#252;tzte diese Verbrechen und war nur selten bereit, ihren Genossen zu helfen. Das stalinistische Regime der Sowjetunion schreckte auch nicht davor zur&#252;ck, deutsche Antifaschisten an die Gestapo auszuliefern. Auch in der DDR war es sp&#228;ter unerw&#252;nscht, dass die Betroffenen offen &#252;ber ihre leidvollen Erfahrungen sprechen, die Mehrheit von ihnen beugte sich nur widerwillig diesem «verordneten Schweigen».</p>
<p>Es gab jedoch auch ein selbst auferlegtes Schweigen, da die Betroffenen eine Instrumentalisierung ihrer Erfahrungen durch die Propagandisten des Kapitalismus verhindern wollten. Erst Ende der 80er Jahre wurde es m&#246;glich, &#246;ffentlich &#252;ber das Leiden der Opfer und &#252;ber die T&#228;ter zu sprechen, die das emanzipatorische Erbe der organisierten Arbeiterbewegung so massiv besudelt hatten.</p>
<p>Die staatliche Repression galt in erster Linie der eigenen Bev&#246;lkerung, von der insgesamt 2,3 Millionen Menschen betroffen waren. In einer zynisch «Gro&#223;e S&#228;uberung» genannte Repressionswelle wurden 1,7 Mio. Menschen zu Volksfeinden erkl&#228;rt und als «trotzkistische oder faschistische Verschw&#246;rer» abgeurteilt. Allein in Leningrad wurden 1937/38 &#252;ber 40.000 Menschen erschosssen. Die Autorin Inge M&#252;nz-Koenen res&#252;miert in ihrem Seminar-Beitrag: «Dieses perfide organisierte System vom fingierten Verdacht &#252;ber erfolterte ‹Gest&#228;ndnisse›, gefolgt von willk&#252;rlichen Verurteilungen zu Gef&#228;ngnis, Lagerhaft oder Tod und schlie&#223;lich die ‹Verbannung auf ewig›, dh. lebenslange Trennung von Familie, Beruf und Heimatort, war ein System von Verbrechen am eigenen Volk, das mit der Vokabel ‹Stalinismus› nur unzureichend benannt ist. Wenn wir … nach den Gr&#252;nden des Schweigens fragen, so sind sie letztendlich in diesen Strukturen zu finden.»</p>
<p>Inge M&#252;nz-Koenen verwies weiters darauf, dass die sowjetische Verfassung von 1936 selbst die Organe der Repression legitimierte: «Es waren die Sondergerichte, die ber&#252;chtigte ‹Troika› von Parteif&#252;hrung, Staatsgewalt und Sicherheitsapparat, das NKWD als Ermittlungs-, Straf- und Vollzugsorgan, die gesetzliche Erlaubnis zur physischen Folter von Untersuchungsh&#228;ftlingen … Heute ist weiter bekannt, dass f&#252;r die Verhaftung, Verfolgung und Ermordung der Beschuldigten vom Politb&#252;ro bewilligte Quoten und Planvorgaben existierten – ein Indiz daf&#252;r, dass die Strukturen der politischen Herrschaft aufs Engste verkn&#252;pft waren mit dem Wirtschaftssystem. Ob Bew&#228;sserung der kasakischen Steppe, Erz- und Kohlef&#246;rderung, der Bau des Moskau-Wolga-Kanals oder tausend Kilometer Bahntrassen – schon bei der Planung dieser Gro&#223;vorhaben entstanden Gulags f&#252;r k&#252;nftige Arbeitskr&#228;fte.»</p>
<p>Das Seminar war sehr gut besucht. F&#252;r die &#252;bergro&#223;e Mehrheit der Teilnehmer war diese Veranstaltung &#252;berf&#228;llig. Gro&#223;en Beifall erhielt ein Betrag eines ehemaligen DKP- Mitglieds, der aus eigener Erfahrung heraus die Notwendigkeit betonte, sich gr&#252;ndlich &#252;ber die politische Kultur und die Organisationsformen einer Bewegung Gedanken zu machen, die eine solche politische Fehlentwicklung erlaubt hat.</p>
<p>Doch es gab auch andere Reaktionen. So konnte eine linke Aktivistin der ehemaligen DDR-B&#252;rgerbewegung nur eine reine T&#228;terdebatte erkennen. Ein Vertreter der sich in trotzkistischer Tradition begreifenden Gruppe Spartacus &#228;u&#223;erte den Verdacht, die ganze Veranstaltung werde wohl durch das Innenministerium gef&#246;rdert, um den Sozialismus zu diskreditieren.</p>
<p>Die zentralen Referate des Wochenendes sind als Heft Nr.148 der Pankower Vortr&#228;ge unter dem Titel <em>Das verordnete Schweigen</em> erschienen und als Lekt&#252;re sehr zu empfehlen. Inge M&#252;nz-Koenen verfolgt im Hauptbeitrag die verschiedenen Etappen der Verfolgung und begr&#252;ndet mittels exemplarisch recherchierter Beispiele ihre Schlussfolgerungen.</p>
<p>Um exemplarische Schicksale geht es auch in den Beitr&#228;gen &#252;ber die Verarbeitung der Repressionserfahrungen im Alltag der DDR, die Sprache der SED-Akten und die Aufnahme der Politemigranten aus der UdSSR nach Stalins Tod.</p>
<p><em>Bestellung: info@helle-panke.de. Preis: 3 Euro.</em></p>
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		<title>„Von oben ist nichts zu erhoffen“</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/08/von-oben-ist-nichts-zu-erhoffen/</link>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 12:29:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Arno Kl&#246;nne &#252;ber Geschichte und Aktualit&#228;t deutscher Linkssozialisten Im Dezember des vergangenen Jahres veranstaltete die Rosa Luxemburg-Stiftung NRW eine wissenschaftlich-politische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><em>Arno Kl&#246;nne</em><strong> &#252;ber Geschichte und Aktualit&#228;t deutscher Linkssozialisten</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Im Dezember des vergangenen Jahres veranstaltete die Rosa Luxemburg-Stiftung NRW eine wissenschaftlich-politische Konferenz zur Problemgeschichte, Programmatik und Aktualit&#228;t des Linkssozialismus. Die dort gehaltenen Beitr&#228;ge sind nun in Buchform im Hamburger VSA-Verlag erschienen. Wir dokumentieren aus diesem Anlass die Er&#246;ffnungsrede zum Kongress, die der emeritierte Politikwissenschaftler und Zeitzeuge Arno Kl&#246;nne damals gehalten hat.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span id="more-1318"></span>Den Linkssozialismus gab es und gibt es nicht, es gibt Ideen und Interventionen von Linkssozialisten, historisch und auch ein bisschen aktuell. F&#252;r mich ist das nicht nur eine begriffliche Unterscheidung. Ich will den Blick auf Akteure richten, auf ihre politischen Motive, ihre theoretischen und praktischen Versuche, auf ihre Handlungsfelder, auf die Assoziationen, in denen sie sich bewegten, auf soziale Bewegungen und deren Niederlagen und Erfolge. Es w&#228;re gedanklich irref&#252;hrend, wenn wir nach Linkssozialismus so fragen w&#252;rden, als g&#228;be es da, historisch entworfen oder aktuell zu entwerfen, ein Politikmodell, das neben oder zwischen Sozialdemokratie und Kommunismus zu stellen w&#228;re, sozusagen als Stein der Weisen, den wir dann anbeten k&#246;nnten. Ich rede also von Linkssozialisten, von denkenden und handelnden Menschen. Organisatorisch war da keine Einheitlichkeit vorhanden, es gab eine Vielzahl von linkssozialistischen Gruppierungen, Publikationen, Netzwerken<em> -</em> es gab auch Linkssozialisten innerhalb der Sozialdemokratie und ebenso innerhalb kommunistischer Parteien.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Um das historisch-konkret zu machen seien im Hinblick auf die politische Szene in der Alt-Bundesrepublik einige Namen beispielhaft genannt, ohne Anspruch auf Vollst&#228;ndigkeit: Wolfgang Abendroth, Viktor Agartz, Gerhard Gleissberg, Peter von Oertzen, Leo Kofler, Fritz Lamm, Elmar Altvater, Klaus Vack, Helmut Schauer, Willi Scherer <em>-</em> und viele andere: Was machte die Gemeinsamkeiten dieser Akteure aus, die wir als Linkssozialisten bezeichnen?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Ber&#252;hrungspunkte</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Ber&#252;hrungspunkte bestanden zun&#228;chst im Ungehorsam, in der Weigerung, sich den parteiamtlichen Denkmustern zu unterwerfen, wie sie die Machtzirkel in der SPD oder der KPD nach 1945 auferlegten <em>-</em> die SPD sozusagen im Managementverfahren, die KPD (wie die SED) im Stil der heiligen Inquisition. Dieser Widerspruchssinn hatte, bei allen Unterschiedlichkeiten im Detail, einige &#220;bereinstimmungen in der kritischen Substanz. Ich versuche mal, diese knapp zu benennen:</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><em>Erstens:</em> Linkssozialisten wussten, sozialistische Politik versackt ins Opportunistische oder ins Illusion&#228;re, wenn sie nicht mitbestimmt ist durch stetige und gr&#252;ndliche gesellschaftsanalytische Anstrengung<em> -</em> und zwar Analyse mit empirischem Boden, auf die Realit&#228;t des Konfliktes der Klassen gerichtet.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Diese Kritik richtete sich gegen das Fastfood-Programmgeschreibsel der Sozialdemokratie wie auch gegen die Scholastik des Parteikommunismus, in der Marx- oder Lenin-Zitate zum Zwecke innerparteilicher Kommandowirtschaft eingesetzt und verschlissen wurden. Analytische Anstrengung braucht freien Diskurs.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><em>Zweitens:</em> Linkssozialisten dachten im Widerspruch zur dominanten geschichtlichen Praxis von sozialdemokratischen wie auch kommunistischen Parteien.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Typisch sozialdemokratisch war die Erwartung, &#252;ber parlamentarische Mehrheiten bzw. Koalitionen ans Regieren zu kommen und so die kapitalistische Eigendynamik nachhaltig b&#228;ndigen zu k&#246;nnen <em>-</em> ohne Umbr&#252;che im gesellschaftlichen Leben au&#223;erhalb des Parlaments- und Regierungsbetriebs, sozusagen &#252;ber Kabinettsentscheidungen. Typisch parteikommunistisch war, in der Realgeschichte, der Versuch, der eigenen Partei die alleinige, regierende Macht zu verschaffen und dann die gesellschaftlichen Strukturen per Dekret umzuw&#228;lzen <em>- </em>ohne R&#252;cksicht auf Volkssouver&#228;nit&#228;t als permanenten Prozess. In beiden F&#228;llen handelt es sich um den Irrglauben an die Machtvollkommenheit des Staates, allerdings ganz unterschiedlich ausgef&#252;llt. Linkssozialistische Kritik zielt ab auf die &#228;u&#223;erst unbequeme &#220;berlegung: Was eigentlich kann Demokratie sein in einem Politikverst&#228;ndnis, das &#252;ber den Kapitalismus hinausdenkt und ihm im Klassenkonflikt Terrain streitig macht?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><em>Drittens:</em> Linkssozialisten hatten begriffen, dass Parlamente Gesellschaften mit beschr&#228;nkter Wirkung sind, und dass eine Partei keine allm&#228;chtige Wunderwaffe ist. Sie setzten, was die Ver&#228;nderung gesellschaftlicher Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse angeht, vielmehr auf soziale Bewegungen, auf au&#223;erparlamentarische Aktion, auf kollektiven Protest, auf Streik<em> -</em> und das alles ohne Instrumentalisierung durch Parteivorst&#228;nde. Insofern steckte in den K&#246;pfen der meisten Linkssozialisten etwas Antipreu&#223;isches <em>-</em> alternativ zu den politischen Kasernenhofgewohnheiten, die in der deutschen Arbeiterbewegung, gleich welcher Version, ja eine lange Tradition hatten. Wer Sinn f&#252;r Theoriebez&#252;ge hat, kann in dem Verst&#228;ndnis politischen Agierens, wie es Linkssozialisten hatten, viele jedenfalls, Rosa Luxemburg wiederentdecken.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Soviel zur produktiven Seite der Ideenwelt von Linkssozialisten in Westdeutschland in der &#196;ra Adenauer bis Brandt. Ich will da nicht glorifizieren <em>-</em> deshalb auch kurz etwas zu weniger produktiven Erscheinungen. Bei manchen damaligen Linkssozialisten stand neben dem theoretischen Vertrauen in die F&#228;higkeit der Massen die praktische Vorliebe f&#252;r mitunter skurrile Konspiration. Da lie&#223;e sich manche Anekdote erz&#228;hlen. Einige linkssozialistische Denker, die den Dogmatismus kommunistischer Parteien bek&#228;mpften, hatten die Neigung, ihre eigenen Vorstellungen zu dogmatisieren. Und da die Macht der etablierten Gro&#223;apparate von Sozialdemokratie und Parteikommunismus nicht so leicht zu knacken war, hielten sich manche Linkssozialisten schadlos im kleinen Gerangel mit anderen Linkssozialisten, wie das im Binnenfeld von politischen Minorit&#228;ten nicht selten der Fall ist.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Nicht zu verschweigen ist auch, dass die Pathologie geheimer Dienste im Kalten Krieg in einigen F&#228;llen auch Linkssozialisten vereinnahmte <em>-</em> linkssozialistische Kritiker des Parteikommunismus, die sich mit westlichen geheimen Helfern anfreundeten, und linkssozialistische Kritiker der SPD, die &#246;stliche materielle Hilfe als Annehmlichkeit ansahen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Viertens und letztens will ich noch eine produktive Seite des Wirkens von Linkssozialisten in der Alt-Bundesrepublik herausstellen: In Zeiten der intellektuellen Verw&#252;stung nach der Herrschaft des Faschismus in Deutschland und auch durch die Zw&#228;nge des Kalten Krieges haben sie wesentlich dazu beigetragen, dass der ideelle Bestand der Arbeiterbewegung aus den Zeiten vor 1933 nicht v�llig verloren ging.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Wirksamkeit</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Es stellt sich nun die Frage: War das, was ich hier knapp geschildert habe, zwar gedanklich interessant, aber in der politischen Praxis ohne Wirkung? Oder anders formuliert: Sind Linkssozialisten jener Zeit als politisch gescheiterte Existenzen in Erinnerung zu behalten? Der Gedanke liegt ja nahe, wenn man sich zum Beispiel eine Biografie wie die von Viktor Agartz ansieht. Ist eine solche Vergeblichkeit politischen Eingreifens generell kennzeichnend gewesen f&#252;r diejenigen, die damals als Linke weder der Sozialdemokratie noch dem Parteikommunismus Konformit&#228;t erweisen wollten?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Da ist erst einmal zu bilanzieren: Wenn und insoweit Linkssozialisten dieser Epoche hofften, sie k&#246;nnten entweder die SPD oder den Parteikommunismus durch inst&#228;ndige Kritik zum inneren Wandel veranlassen, so ist diese Hoffnung gescheitert. Und weiter: Wenn und insoweit Linkssozialisten damals auf den Versuch setzten, eine linke Partei zu inspirieren, jenseits von SPD oder KPD, so ist auch diese Erwartung gescheitert. Aus der Unabh&#228;ngigen Arbeiterpartei (UAP) ist nichts geworden, und des Sozialistischen Zentrums f&#252;r eine neue linke Partei unter Einschluss auch von Kommunisten wurden gegenstandslos durch die Gr&#252;ndung der DKP. Noch weniger Aussichten hatte zwischendurch der linkssozialistische Parteiinitiativausschuss, der kurzzeitig auch Viktor Agartz interessant erschien.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Das ist aber nur ein Teil dieser Geschichte. Ein anderer ist keineswegs durch Scheitern, sondern durch begrenzten, aber bemerkenswerten Erfolg ausgewiesen: Linkssozialisten haben wesentlich dazu beigetragen, dass sich ab 1961 in der Bundesrepublik die Ostermarschbewegung <em>- </em>die Kampagne f&#252;r Demokratie und Abr&#252;stung <em>-</em> zur ersten best&#228;ndigen, effektiven und von der Kontrolle der SPD wie von der Regie der KPD/SED unabh&#228;ngigen, au&#223;erparlamentarischen Bewegung entwickeln konnte.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Linkssozialisten haben, daran anschlie&#223;end, wesentlich dabei mitgewirkt, dass eine breite, auch von Gewerkschaftern mitgetragene, gesellschaftspolitisch kl&#228;rende Bewegung gegen die Notstandsgesetze in Gang kam. Vielfach waren es Linkssozialisten, die anregend wirkten beim Aufschwung der innergewerkschaftlichen Diskussion und der gewerkschaftlichen Bildung in den 60er/70er Jahren.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Linkssozialisten organisierten mit dem Offenbacher Sozialistischen B&#252;ro ein Netzwerk von Initiativen f&#252;r antikapitalistische Arbeit in Berufsfeldern und f&#252;r die &#246;ffentliche Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Vorg&#228;ngen<em> -</em> in Differenz zu den damaligen Revolutionsphantastereien sowie den irrwegigen neokommunistischen Organisationskonzepten mit ihren Anleihen von Nordkorea bis Albanien. Das Sozialistische B&#252;ro hatte seine Funktion nur f&#252;r einige Jahre <em>-</em> aber das macht seine T&#228;tigkeit nicht sinnlos. Linke Politik wurde hier verstanden als Lernprozess, nicht als Verselbst&#228;ndigung von Organisationsinteressen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Die Situation heute</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Und heute?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die historischen Bedingungen haben sich auf massive Weise ver&#228;ndert. Der sozialdemokratische Entwurf zur Z&#228;hmung des Kapitalismus ist vor der Geschichte blamiert, der parteikommunistische Versuch, dem Kapitalismus &#8220;Systemkonkurrenz&#8221; zu machen, ist historisch auf schlimme Weise gescheitert. Nach meinem Eindruck ist die Tragweite dieser Niederlagen in der Linken insgesamt keineswegs hinreichend bewusst und bedacht. Da ist das Nachdenken &#252;ber bittere historische Erfahrungen und Erinnern an konzeptionelle Alternativen sehr n&#252;tzlich.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Aber es geht auch darum, sich in die gegenw&#228;rtigen Diskussionen auf der Linken einzumischen. Aus der Tradition der Theorie und Praxis von Linkssozialisten l&#228;sst sich heute manches produktiv machen f&#252;r eine gr&#252;ndliche Auseinandersetzung mit sozialdemokratischen oder auch linksgr&#252;nen Illusionen staatlicher &#8220;Mitgestaltung&#8221;. Das gilt auch f&#252;r die Debatte innerhalb der Partei, die sich DIE LINKE nennt und in Versuchung ist, sich denselben illusion&#228;ren Politikmustern anzuschlie&#223;en. Der Begriff &#8220;links&#8221; wird zur leeren H&#252;lse, wenn er sich nicht mit der entschiedenen Kritik stetiger Demontage von Demokratie und der Anstrengung verbindet, Volkssouver&#228;nit&#228;t &#252;berhaupt erst einmal zu entwickeln. Von &#8220;oben&#8221; ist nichts zu erhoffen <em>- </em>selbst dann nicht, wenn es mal von rosa-roten Ministern wimmeln sollte.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Angesichts dieser Situation der Linken vermute und hoffe ich: Die Geschichte der Linkssozialisten, ihrer analytischen Anstrengungen, ihrer Kritik an der  sozusagen institutionellen Linken und die Geschichte politischer Interventionen von Linkssozialisten ist nicht zu Ende.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Christoph J&#252;nke (Hg.),</strong> <em>Linkssozialismus in Deutschland. Jenseits von Sozialdemokratie und Kommunismus?</em> Hamburg: VSA, 2010, 288 S., 18,80 Euro. Erstver&#246;ffentlichung im Wortlaut auf <a href="http://www.globkult.de/">www.globkult.de</a>.</p>
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		<title>«Wir verlangen das Paradies auf Erden»</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Apr 2010 23:27:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor 90 Jahren entstand und verging die «Rote Ruhrarmee» von Andreas Bodden «Wir wollen nicht im Staube kriechen vor denjenigen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vor 90 Jahren entstand und verging die «Rote Ruhrarmee»</strong><br />
<em>von Andreas Bodden</em><br />
«Wir wollen nicht im Staube kriechen vor denjenigen, die durch den Zufall der Geburt sich ein Von-Oben-Herabblicken anma&#223;en d&#252;rfen.<br />
<span id="more-702"></span>Wir wollen nicht weiterhin besitzlose Proletarier sein, sondern wir verlangen Miteigentumsrechte an den Produktionsmitteln.<br />
Wir verlangen Miteigentumsrecht an den von uns erzeugten Produkten.<br />
Wir verlangen Eigentumsrecht an den Sch&#228;tzen, die sich auf und unter der Erde vorfinden.<br />
Wir verlangen das Paradies auf Erden und lassen uns nicht l&#228;nger mit der Hoffnung auf ein besseres Jenseits abfinden.»1<br />
Das erkl&#228;rte der Vollzugsrat der Zechenkolonie Lohberg in Dinslaken im M&#228;rz 1920.</p>
<p><strong>Was war geschehen?</strong><br />
Am 13.M&#228;rz 1920 putschten Teile der Armee gegen eine Koalitionsregierung aus SPD, liberaler DDP und katholischem Zentrum. Arbeiterparteien und Gewerkschaften riefen dagegen den Generalstreik aus. Dieser wurde nicht nur von den Arbeitern sondern auch von den Angestellten und Beamten befolgt. In einigen Gegenden bewaffneten sich die streikenden Arbeiter. Nach wenigen Tagen brach der Putsch zusammen, die Regierung kehrte in ihr Amt zur&#252;ck. Sie «bedankte» sich bei den Arbeitern, indem sie Truppen gegen diese marschieren lie&#223;, die zum Teil noch wenige Tage zuvor gegen die Regierung geputscht hatten. Diese nun zu Regierungstruppen umfirmierten Putschisten richteten unter den aufst&#228;ndischen Arbeitern ein Massaker an. Standgerichte und sp&#228;ter auch regul&#228;re Gerichte urteilten viele am Aufstand beteiligte Arbeiter ab, w&#228;hrend die Putschisten mit Samthandschuhen angefasst wurden.</p>
<p>bis zum September 2009 Im Juni 1920 bekam die SPD f&#252;r ihr doppeltes Spiel die Quittung, als sie bei den Wahlen 16,2% verlor und die <em>-</em> bis zum September 2009 <em>-</em> schlimmste Wahlniederlage ihrer Geschichte einsteckte. 13 Jahre sp&#228;ter ernannte Paul von Hindenburg – 1920 Sympathisant des Putsches, seit 1925 Pr&#228;sident der ersten deutschen Republik – Adolf Hitler zum Regierungschef. Unter den Anh&#228;ngern der neuen Regierung fanden sich viele Putschisten von 1920. Sie hatten doch gewonnen. Die Folgen sind bekannt. Weniger bekannt sind die Vorg&#228;nge im Ruhrgebiet, wo in den zwei letzten Wochen des M&#228;rz 1920 der gr&#246;&#223;te proletarische bewaffnete Aufstand in Deutschland seit dem Bauernkrieg 1525 stattfand.2</p>
<p><strong>Ans&#228;tze zu einer R&#228;tedemokratie</strong><br />
Das Eingangszitat gibt einen Eindruck davon, was auch heute noch interessant an den Ereignissen im M&#228;rz 1920 ist. Zun&#228;chst einmal die Tatsache, dass es wirklich eine Aktion der Arbeiterinnen und Arbeiter war. Intellektuelle waren nur marginal beteiligt und dann waren es oft Lehrer, die die Probleme der Arbeiterfamilien aus beruflicher Erfahrung kannten.3 Die Arbeiter befanden sich im Streik f&#252;r die verfassungsm&#228;&#223;ige Regierung der (b&#252;rgerlichen) Republik. Aus diesem Abwehrkampf entwickelten sich weiter reichende Forderungen nach der Vergesellschaftung der Produktionsmittel und nach einem guten Leben f&#252;r alle Menschen, was in das Bild des «Paradieses auf Erden» gefasst wurde.</p>
<p>Die Bewegung schuf sich eigene Organe – die Aktionsaussch&#252;sse und Vollzugsr&#228;te. Die Aktionsaussch&#252;sse wurden aus den Delegierten der Arbeiterparteien SPD, USPD und KPD sowie Gewerkschaftsvertretern gebildet. In einigen St&#228;dten fehlte die SPD, in einigen spielte die anarchosyndikalistische FAU (Freie Arbeiterunion) eine bedeutende Rolle, vor allem im westlichen Ruhrgebiet. W&#228;hrend also im westlichen Ruhrgebiet neben der FAU auch die KPD stark war, dominierte im &#246;stlichen Ruhrgebiet die USPD. Die SPD war zwar fast &#252;berall vertreten, hatte aber wegen der Politik ihrer Regierungsvertreter in Berlin einen schweren Stand. In der Teilnahme von SPD-Mitgliedern spiegelt sich aber in diesem Fall tats&#228;chlich eine Unzufriedenheit der Basis mit der Parteif&#252;hrung.</p>
<p>Die Aktionsaussch&#252;sse hatten zun&#228;chst keine demokratische Legitimation, sondern waren mit Delegierten besetzt. Nach der Vertreibung der Reichswehr nannten sie sich in Vollzugsr&#228;te um. In zwei F&#228;llen (Dortmund und M&#252;lheim) wurde nach Neuwahl der Betriebsr&#228;te auf einer R&#228;tevollversammlung der Vollzugsrat komplett neu gew&#228;hlt. In den anderen Orten war das auch angestrebt, erfolgte aber nicht. Dabei muss man aber ber&#252;cksichtigen, dass der Aufstand nur zwei Wochen dauerte. Es gab also immerhin Ans&#228;tze zu einer pluralistischen R&#228;tedemokratie. In ihrer kurzen praktischen T&#228;tigkeit beschr&#228;nkten sich die Vollzugsr&#228;te &#252;berwiegend auf die Kontrolle der bestehenden Kommunalverwaltungen und Betriebsleitungen. Die Anarchosyndikalisten versuchten dort, wo sie stark waren, weiterreichende Ma&#223;nahmen durchzusetzen. USPD und KPD lehnten das f&#252;r die Dauer der K&#228;mpfe ab. Als gemeinsames Gremium aller Vollzugsr&#228;te wurde am 25.M&#228;rz ein Zentralrat mit Sitz in Essen gebildet.</p>
<p>Das gr&#246;&#223;te Problem war die Versorgung mit Nahrungsmitteln. Das Ruhrgebiet war von Milit&#228;r umstellt, Nahrungsmitteltransporte kamen nicht durch. Versuche, in den Niederlanden Kohle gegen Nahrungsmittel zu tauschen, scheiterten. Die schwierige Ern&#228;hrungslage war sicher ein wichtiger Grund f&#252;r das Scheitern des Aufstands an der Ruhr.</p>
<p><strong>Die Rote Armee</strong><br />
In der Zeit vom 15. bis zum 22.M&#228;rz kam es zu schweren K&#228;mpfen. Als Ergebnis war das gesamte Industriegebiet von D&#252;sseldorf bis Dortmund und vom Bergischen Land bis an die Lippe unter der Kontrolle von etwa 60000 bewaffneten Arbeitern, die Rote Armee genannt wurden. Danach entwickelte sich ein Stellungskrieg entlang der Lippe mit dem Schwerpunkt Wesel, dessen Festung erfolglos von der Roten Armee belagert wurde. Ein zentrales Kommando hatte die Rote Armee nicht, sie war regional organisiert, die wichtigsten Kampfleitungen waren in Hagen und M&#252;lheim.</p>
<p>Eine Besonderheit der M&#228;rzrevolution an der Ruhr ist die hohe Beteiligung von Frauen, &#252;berwiegend Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen. Offiziell waren sie unabh&#228;ngig von ihrer T&#228;tigkeit immer «Krankenschwestern». Eine v&#246;llige Gleichberechtigung als K&#228;mpferinnen gab es auch in der Roten Ruhrarmee nicht. Die rechten Gegner diffamierten diese Frauen als Prostituierte, was nichts &#252;ber die Frauen in der Roten Armee aber viel &#252;ber das Frauenbild der konterrevolution&#228;ren Kr&#228;fte aussagt.</p>
<p><strong>Ende und Ausblick</strong><br />
Carl Severing (SPD), Reichskommissar und preu&#223;ischer Innenminister, lud die Vertreter der Vollzugsr&#228;te, der Kommunalverwaltungen, der Gewerkschaften und des Milit&#228;rs am 23.M&#228;rz 1920 zu Verhandlungen nach Bielefeld. So konnte er als Vermittler in einem f&#252;r die Rote Armee milit&#228;risch nicht zu gewinnenden Kampf gelten. Er schrieb aber sp&#228;ter selber, dass er die Aufst&#228;ndischen spalten wollte, um sie so einfacher schlagen zu k&#246;nnen. Severings Rolle darf jedoch nicht &#252;bersch&#228;tzt werden, da einerseits die Reichswehr ihre eigene Politik betrieb und andererseits die Aufstandsbewegung von sich aus nicht einheitlich handelte.</p>
<p>Die Vertreter des westlichen Ruhrgebiets waren nicht nach Bielefeld gekommen, erkannten das Ergebnis nicht an und k&#228;mpften weiter. Das nahm die Reichswehrf&#252;hrung zum Anlass entgegen dem Bielefelder Abkommen in das gesamte Ruhrgebiet einzumarschieren und dort eine Schreckensherrschaft zu errichten, der im April 1920 ca. 1000 Menschen zum Opfer fielen. Regul&#228;re Prozesse gab es in dieser Phase gar nicht, vollstreckte standgerichtliche Todesurteile nur etwa 50. Die meisten wurden also von der Soldateska v&#246;llig willk&#252;rlich ermordet. Dieses Vorgehen wurde mit dem Terror der Roten Ruhrarmee begr&#252;ndet. Es konnten aber nur zwei willk&#252;rliche Erschie&#223;ungen nachgewiesen werden, ansonsten erwies sich der «rote Terror» als Legende.<br />
Die b&#252;rgerliche Geschichtsschreibung ignorierte diese Bewegung oder setzte sie im Rahmen der Totalitarismustheorie mit ihren rechten Todfeinden gleich.</p>
<p>Der linke Historiker Erhard Lucas ver&#246;ffentlichte in den 70er Jahren ein dreib&#228;ndiges Werk &#252;ber die M&#228;rzrevolution 1920. Dem folgten einige andere B&#252;cher, die aber mittlerweile ebenso wie das Werk von Lucas nur noch antiquarisch zu bekommen sind.</p>
<p>Im Ruhrgebiet wurden nach 1933 den rechten Putschisten Denkm&#228;ler gesetzt. Die Erinnerung an den Aufstand wurde unterdr&#252;ckt und ging verloren. Sie wurde auch nach 1945 nicht wiederbelebt. Die im Ruhrgebiet lange dominierende SPD wollte nicht an ihre Rolle in den ersten Jahren der Weimarer Republik und an ihr Versagen im Kampf gegen den aufkommenden Faschismus erinnert werden. So erinnert auch noch heute wenig an diesen Revolutionsversuch, der ein Glied und eigentlich auch der Abschluss einer Kette von Versuchen seit dem November 1918 war.</p>
<p>Anmerkungen<br />
1. Zitiert nach Ruhrkampf 1920 – Die vergessene Revolution, Essen 1990.<br />
2. Kleinere Aufst&#228;nde gab es zur gleichen Zeit in Th&#252;ringen, der Niederlausitz und Rostock.<br />
3. So z.B. Karl Stemmer, Lehrer aus Bommern bei Hagen, Aktivist der linkssozialdemokratischen USPD, einer der Kampfleiter der Roten Ruhrarmee.</p>
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		<title>Arbeitsdienst</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Apr 2010 23:09:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[Kampf gegen «Ballastexistenzen». Ein Vergleich mit dem Ende der Weimarer Republik von Anne Seeck Lange herrschte Krisenstimmung in Deutschland. Nur [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kampf gegen «Ballastexistenzen». Ein Vergleich mit dem Ende der Weimarer Republik</strong><br />
<em> von Anne Seeck</em></p>
<p>Lange herrschte Krisenstimmung in Deutschland. Nur wir Hartz-IV-Bezieher merkten wenig davon in unserem Leben, was konnten wir schon verlieren? Allerdings f&#252;rchteten viele die Zeit nach der Bundestagswahl.<br />
<span id="more-715"></span> In der aktuellen Debatte um den Sozialstaat hat nun wohl Guido Westerwelle (FDP) die Rolle des Extremisten der Mitte &#252;bernommen. Politiker der SPD warfen ihm vor, er w&#252;rde «im rechten Sumpf waten». W&#228;hrend Westerwelle den Niedriglohnsektor auf dem 1.Arbeitsmarkt bevorzugt, nat&#252;rlich nicht f&#252;r sich selbst, schwebt Hannelore Kraft,  der Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion in NRW, ein «gemeinn&#252;tziger Arbeitsmarkt» (mit Zwang) vor, denn viele Langzeitarbeitslose w&#252;rden keinen regul&#228;ren Job mehr finden.</p>
<p>In NRW steht eine wichtige Wahl bevor. Und vom Gedanken der «Vollbesch&#228;ftigung» sind Politiker bis heute beseelt. Was sie «Anreize» nennen, entpuppt sich dann als Arbeitszwang, Lohnsubvention (Zuverdienst/Kombilohn) und vor allem als Leistungsk&#252;rzung, z.B. durch Sanktionen.</p>
<p>Neu ist, dass es ein Bundesverfassungsgerichtsurteil vom 9.Februar 2010 zu den Hartz-IV-Regels&#228;tzen gibt. Die Bundesverfassungsrichter monierten nicht, dass die Regels&#228;tze zu niedrig sind, sie mahnten den Gesetzgeber nur, ein anderes Berechnungsverfahren zu beschlie&#223;en. Politiker wie Westerwelle witterten Morgenluft, man k&#246;nne die Regels&#228;tze ja auch senken, Gutscheine austeilen oder insgesamt das Sozialsystem demontieren. Das Urteil schafft Handlungsbedarf f&#252;r die Politik.</p>
<p><strong>Lehrst&#252;ck Weimar</strong><br />
Ein Lehrst&#252;ck, wie der k&#252;mmerliche Anfang eines Sozialstaats, erk&#228;mpft durch die Arbeiterbewegung, zerschlagen wurde, bietet die Situation am Ende der Weimarer Republik.</p>
<p>Auch damals herrschte nach dem B&#246;rsencrash am 24.Oktober 1929 eine Krise. Schon im Winter 1929/30 gab es mehr als 3 Millionen Arbeitslose, der H&#246;hepunkt der Arbeitslosigkeit wurde im Januar 1932 mit 6 Millionen Arbeitslosen erreicht. Auch damals ging es um eine rigide Sparpolitik und «Sachzw&#228;nge». Auch damals bot der «Sozialstaat» in einer Zeit, in der er am meisten gebraucht wurde, am wenigsten Unterst&#252;tzung.</p>
<p>1927 war das Gesetz &#252;ber Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung (AVAVG) eingef&#252;hrt worden. In der Debatte um den Gesetzentwurf am 7./8.Februar 1927 kritisierte der sozialpolitische Sprecher der KPD, Siegfried R&#228;del1, diesen Entwurf als einen der «reaktion&#228;rsten der Nachkriegszeit», denn das Gesetz bedeute «Leistungsabbau f&#252;r alle Erwerbslosen bis zur Lohnklasse V».</p>
<p>Die S&#228;tze f&#252;r diese Erwerbslosengruppe lagen nun «unter den Unterst&#252;tzungsniveaus der Wohlfahrtspflege» und «der alten Erwerbslosenf&#252;rsorge». H&#228;ufig wurde von ihnen verlangt, sich t&#228;glich zu melden, sodass Hunderte und Tausende vor und in den Arbeits&#228;mtern standen. Die Massenabfertigung trug zur aufgeheizten Stimmung unter den Arbeitslosen bei. Auch die sozialpolitische Stimmung wurde immer gereizter, es gab «Missbrauchsdebatten». Die Arbeitslosenversicherung und das Wohlfahrtssystem w&#252;rden «vielfach zu einer Pr&#228;mie f&#252;r die Tr&#228;gen, Arbeitsscheuen und Gewissenlosen».</p>
<p>Daraufhin legten die Arbeitgeberverb&#228;nde «Reformvorschl&#228;ge»(!) vor und forderten u.a. die Versch&#228;rfung der Zumutbarkeitsregelung.</p>
<p><strong>Der Streit um die Arbeitslosenversicherung</strong><br />
Ende September 1929 kam es in der Regierungskoalition zwischen der DVP (Nationalliberale) und der SPD zu Auseinandersetzungen um die Arbeitslosenversicherung, sie f&#252;hrte schlie&#223;lich zum Bruch der Koalition. Dieser Bruch war von Reichspr&#228;sident Hindenburg und Wirtschaftskreisen vorbereitet worden, die Wirtschaft hatte intensiv die Forderung der Nationalliberalen nach Leistungsk&#252;rzungen unterst&#252;tzt, denn das Kapital sollte keinesfalls belastet werden.</p>
<p>Drei Tage nach dem Koalitionsbruch wurde Heinrich Br&#252;ning2 Reichskanzler. Als der Reichstag im Juli 1930 eine Erh&#246;hung der Beitr&#228;ge zur Arbeitslosenversicherung bei gleichzeitiger K&#252;rzung der Leistungen ablehnte, dr&#252;ckte Br&#252;ning die gesamte Gesetzesvorlage in Form zweier Notverordnungen des Reichspr&#228;sidenten durch. Als das Parlament das ablehnte, l&#246;ste der Reichspr&#228;sident den Reichstag einfach auf und verk&#252;ndete Neuwahlen.</p>
<p>In seinen Memoiren schrieb Br&#252;ning, er habe eine «R&#252;ckentwicklung der Struktur des Staats ‹im Sinne der Bismarckschen Verfassung›» durchsetzen wollen. Von 1930 bis 1932 wurden die Zahlungen an Arbeitslose mit Hilfe von sechs Notverordnungen gek&#252;rzt <em>–</em> mit dem Ergebnis, dass bei der nationalsozialistischen Machtergreifung nur noch 11% der Arbeitslosen &#252;berhaupt «St&#252;tze» erhielten, die zudem seit Bestehen der Arbeitslosenversicherung um 46% gek&#252;rzt worden war. Diese Versicherungsleistung wurde lediglich sechs Wochen lang gezahlt.</p>
<p>Die SPD tolerierte die Regierung Br&#252;ning. Schlie&#223;lich wurden auch Br&#252;ning und die SPD nicht mehr gebraucht. Br&#252;ning schrieb 1937 an Churchill, der wirkliche Aufstieg Hitlers habe erst 1929 begonnen, als die Gro&#223;industrie die anderen «patriotischen» Organisationen nicht mehr finanzierte, weil sie «in ihren sozialen Gedanken zu fortschrittlich (waren). Sie waren froh, dass Hitler die Arbeiter radikal entrechten wollte». G&#246;ring sagte Br&#252;ning unter vier Augen, Hitler und seine Freunde h&#228;tten gegen Br&#252;nings Wirtschafts- und Au&#223;enpolitik gar nichts einzuwenden.</p>
<p><strong>Wohlfahrt und Arbeitsdienst</strong><br />
Die Regierung Papen schaffte, bis auf einen symbolischen Rest, die Arbeitslosenversicherung mit zwei Notverordnungen vom 16. und 17.Juni 1932 faktisch ab. Papen war f&#252;r die meisten Wirtschaftsf&#252;hrer der «Kanzler nach ihrem Herzen», weil er sich zur «Leistungsf&#228;higkeit der Privatwirtschaft» bekannte. Er vertrat eine offensive Arbeitsbeschaffungspolitik, die sich erst 1933 auswirkte.</p>
<p>F&#252;r Wohlfahrtserwerbslose (die an die Wohlfahrt, heute: Sozialhilfe, verwiesen waren) in den Kommunen gab es in der Weimarer Republik F&#252;rsorgearbeiten, Pflichtarbeiten und Arbeitsh&#228;user. Auch auf Reichsebene (AVAVG) gab es Pflichtarbeiten sowie zwei weitere Formen der Arbeitspflicht, n&#228;mlich Notstandsarbeiten und den «Freiwilligen Arbeitsdienst» (FAD).</p>
<p>Mit der Zunahme vor allem der Jugendarbeitslosigkeit hatte Ende 1929 eine neue Arbeitsdienstdiskussion begonnen. Die Zumutbarkeit von Arbeit wurde versch&#228;rft. So hie&#223; es in der Notverordnung vom 5.Juni 1931: «‹Unterwertige›, der Vorbildung und fr&#252;heren T&#228;tigkeiten nicht entsprechende, Arbeit kann von vornherein nicht mehr abgelehnt werden.» Gleichzeitig strich Br&#252;ning mit dieser Notverordnung die Arbeitslosenunterst&#252;tzung f&#252;r Jugendliche unter 21 Jahren komplett.</p>
<p>1931 wurde der «Freiwillige Arbeitsdienst» (FAD) gegr&#252;ndet. Er erreichte mit 285494 Besch&#228;ftigten im November 1932 seinen H&#246;hepunkt. Er nahm viele Strukturen der Zeit nach 1933 vorweg, so die Lagerexistenz, den milit&#228;rischen Drill und den ausge&#252;bten Zwang trotz «Freiwilligkeit». Arbeitsbeschaffungsma&#223;nahmen sollten jetzt die Wirtschaft ankurbeln.</p>
<p><strong>Unterwertig, minderwertig</strong><br />
Nach Hitlers Machtantritt begann die Arbeitsschlacht. 1935 wurde die Arbeitsdienstpflicht gesetzlich eingef&#252;hrt und der FAD in «Reichsarbeitsdienst» umbenannt. Der Arbeitsdienst sollte jetzt «ein Ehrendienst der wertvollsten jungen Volksgenossen» sein und nicht ein «Pr&#252;fstein f&#252;r den Arbeitswillen arbeitsscheuer Elemente». 1936 hatte die Volksgemeinschaft ihre «Vollbesch&#228;ftigung». Sp&#228;testens ab 1938 wurden polizeiliche Verfolgung, Inhaftierung und KZ-Haft zu einem Bestandteil der Arbeitsamtpraxis (z.B. die Aktion Arbeitsscheu Reich).</p>
<p>Nachdem die «Minderwertigen» weggesperrt («Vernichtung durch Arbeit»), die Autobahnen gebaut waren, die R&#252;stungsindustrie auf Hochtouren lief und jeder einen Volksempf&#228;nger hatte, ging es volksgemeinschaftlich in den Krieg.</p>
<p>Die Grundlagen f&#252;r diesen Umgang mit «Asozialen» und anderen «Minderwertigen» wurden schon vor und in der Weimarer Republik gelegt. Ende des 19.Jahrhunderts war die Rassenhygiene entstanden. Herbert Spencer (1820–1903) hatte die Armengesetzgebung aus sozialdarwinistischer Sicht bereits als «sch&#228;dliche Einmischung in das Prinzip der nat&#252;rlichen Auslese» begriffen. Sie beg&#252;nstige die Vermehrung der Leichtsinnigen und Unf&#228;higen und behindere die der Vorausschauenden und T&#252;chtigen.</p>
<p>Auch in der Arbeiterbewegung gab es die Tendenz, dass sich die «T&#252;chtigen» vom «minderwertigen» Lumpenproletariat abgrenzten. 1923 wurde der erste Lehrstuhl f&#252;r Rassenhygiene an der Universit&#228;t M&#252;nchen eingerichtet.</p>
<p>Von der Weimarer Eugenik war es kein weiter Schritt zur Euthanasie und zur Vernichtung durch Arbeit.<br />
&#220;ber 200.000 «Ballast-Existenzen» (behinderte Kinder, Psychiatriepatienten, Alte, Arme, «Asoziale») wurden dann im Nationalsozialismus ermordet.</p>
<p><strong>Biologisierung des Sozialen</strong><br />
Aus einem autorit&#228;ren («Sozial»-)Staat am Ende der Weimarer Republik entwickelte sich also eine Diktatur. Die Diskurse &#228;hneln sich.</p>
<p>Auch wenn die jetzige Situation mit den damals herrschenden Umst&#228;nden nicht vergleichbar ist, muss man doch eine bedenkliche Tendenz der Biologisierung des Sozialen beobachten. Die Spaltung in dieser Gesellschaft verl&#228;uft entlang der «h&#246;herwertigen Leistungstr&#228;ger» und der «minderwertigen Sozialschmarotzer». Von Bev&#246;lkerungswissenschaftlern wurden sogar Durchschnittsb&#252;rger als «ineffizient» eingestuft.</p>
<p>Im Clement-Papier <em>Vorrang f&#252;r die Anst&#228;ndigen</em> war sogar wieder von «Parasiten» die Rede. Auch die Unterschichtsdebatte um die «Kultur der Armut» f&#252;hrt in diese Richtung. Die «Kostenfaktoren» seien an ihrer Armut selbst schuld. Ihnen mangele es an Bildung, Gesundheits-, Verantwortungs-, Aufstiegsbewusstsein usw. Manchmal gewinnt man den Eindruck, als seien wir <em>–</em> die Hartz-IV-Bezieher <em>–</em> in dieser Gesellschaft die neuen Ballastexistenzen.</p>
<p>Landen wir alle in einem gro&#223;en Arbeitshaus, im Niedriglohnsektor oder im Arbeitsdienst? Sind die Unternehmer oder die Besch&#228;ftigungsindustrie die Profiteure?</p>
<p>Oder landen wir in einem Almosen- und Suppenk&#252;chenstaat? Die Vertafelung der Gesellschaft schreitet voran, die Schlangen vor den Lebensmittelausgaben werden immer l&#228;nger. Profiteuren der Armutsindustrie geht es pr&#228;chtig, so hat sich der Chef der Treberhilfe in Berlin ein monatliches Gehalt von 30000 Euro im Monat gezahlt, auf Kosten der schlecht bezahlten Mitarbeiter.</p>
<p>Soziale Unruhen der Marginalisierten und Prek&#228;ren sind mehr als notwendig. Dazu brauchen wir dringend die Solidarit&#228;t von jenen, die «noch dazugeh&#246;ren».</p>
<p>Anmerkungen:<br />
1. Siegfried R&#228;del wurde nach einer Odyssee durch Europa und die Sowjetunion 1942 von der  Vichy-Regierung an die Gestapo ausgeliefert. Am 10.Mai 1943 wurde er in Berlin-Pl&#246;tzensee wegen «Hochverrats» gek&#246;pft. Eine in der DDR nach ihm benannte Schule, eine Fabrik und eine Stra&#223;e im Raum Pirna, in dem er in der Weimarer Republik politisch gearbeitet hatte, wurden nach der «Vereinigung» 1990 umbenannt.<br />
2. Heinrich Br&#252;ning: Eisernes Kreuz I und II. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Gesch&#228;ftsf&#252;hrer des christlich-nationalen DGB, seit 1924 sa&#223; er im Reichstag, 1929 wurde er Chef der Zentrumsfraktion. Im Sommer 1934 verlie&#223; er Deutschland, im Exil enthielt er sich jeder &#246;ffentlichen Distanzierung vom Faschismus. In seiner Heimatstadt M&#252;nster, deren Ehrenb&#252;rger Br&#252;ning ist, wurde unweit des Rathauses eine Stra&#223;e nach ihm benannt.</p>
<p><em>Anne Seeck ist Erwerbslosenaktivistin in Berlin.</em><br />
Zum Thema gibt es einen interessanten Dokumentarfilm: «Arbeitsscheu – abnormal – asozial». Zur Geschichte der Berliner Arbeitsh&#228;user von Andrea Behrendt. Erh&#228;ltlich &#252;ber die Seite <a href="http://www.globale-medienwerkstatt.de/">www.globale-medienwerkstatt.de/</a>.</p>
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		<title>Von der Aktualit&#228;t des Kommunismus</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Feb 2010 13:13:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichte]]></category>

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		<description><![CDATA[von Daniel Bensaïd Der folgende Artikel ist einer der letzten, die Daniel Bensaïd geschrieben hat. Er ist Ende 2009 im [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Daniel Bensaïd</em></p>
<p>Der folgende Artikel ist einer der letzten, die Daniel Bensaïd geschrieben hat. Er ist Ende 2009 im vierten Heft der neuen Folge der von ihm zusammen mit Eustathis Kouvelakis und Francis Sitel herausgegebenen Pariser Zeitschrift ContreTemps erschienen, als einer von elf Beitr&#228;gen zum Thema «Wof&#252;r steht die Bezeichnung Kommunismus?».<br />
<span id="more-477"></span>In einem Artikel von 1843 &#252;ber die «Fortschritte der Sozialreform auf dem Kontinent» bezeichnete der junge Engels (gerade 23 Jahre alt) den Kommunismus als «eine notwendige Folgerung, die aus den Voraussetzungen, wie sie in den allgemeinen Bedingungen der modernen Zivilisation gegeben sind, unvermeidlich gezogen werden muss». Alles in allem als einen Kommunismus, der sich aus der Revolution von 1830 ergibt, in der die Arbeiter «auf die Geschichte der gro&#223;en Revolution» zur&#252;ckgingen und «begierig Babeufs Kommunismus» aufgriffen.</p>
<p>F&#252;r den jungen Marx dagegen war dieser Kommunismus noch nichts weiter als eine «dogmatische Abstraktion», eine «aparte Erscheinung des humanistischen Prinzips». Das entstehende Proletariat hatte sich «den Doktrin&#228;ren seiner Emanzipation, den sozialistischen Sektenstiftern» und wirren Geistern in die Arme geworfen, die «&#252;ber die Leiden der Menschheit winseln» oder «das Tausendj&#228;hrige Reich und die allgemeine Bruderliebe verk&#252;nden», als «eingebildete Aufhebung der Klassenverh&#228;ltnisse». Vor 1848 spukte dieser gespensterhafte Kommunismus ohne klares Programm, in den «rohen» Formen gleichmacherischer Sekten oder ikarischer Tr&#228;umereien umher.</p>
<p>Die &#220;berwindung des abstrakten Atheismus implizierte jedoch bereits einen neuen sozialen Materialismus, der nichts anderes war als der Kommunismus selbst: «Wie der Atheismus als Aufhebung Gottes das Werden des theoretischen Humanismus, [ist] der Kommunismus als Aufhebung des Privateigentums die Vindikation des wirklichen menschlichen Lebens». Weit entfernt von jeglichem vulg&#228;ren Antiklerikalismus war dieser Kommunismus «das Werden des praktischen Humanismus», f&#252;r den es nicht mehr nur darum ging, die religi&#246;se Entfremdung zu bek&#228;mpfen, sondern die reale soziale Entfremdung und das reale soziale Elend, aus denen das Bed&#252;rfnis nach Religion entsteht.</p>
<p>Von der grundlegenden Erfahrung von 1848 bis zur Pariser Kommune nahm die «wirkliche Bewegung», die tendenziell auf die Abschaffung der bestehenden Ordnung abzielte, Form und St&#228;rke an, sie legte die «Sektierermarotten» ab und machte den «Orakelton wissenschaftlicher Unfehlbarkeit» l&#228;cherlich. Anders gesagt fand der Kommunismus, der zuerst eine Geisteshaltung oder ein «philosophischer Kommunismus» war, damit seine politische Form. In einem Vierteljahrhundert vollendete er seine Mauserung: von seinen philosophischen und utopischen Erscheinungsformen zur endlich gefundenen politischen Form der Emanzipation.</p>
<p><strong>1</strong> Die Begriffe der Emanzipation haben die Leiden des vergangenen Jahrhunderts nicht unbesch&#228;digt &#252;berstanden. Man kann behaupten, dass sie wie die Tiere der Fabel nicht alle starben, und doch keines verschont blieb. Sozialismus, Revolution, sogar Anarchie <em>-</em> diesen Begriffen geht es kaum besser als dem Kommunismus.<br />
Der Sozialismus ist in die Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg verwickelt, in Kolonialkriege und vielfache Regierungsbeteiligungen <em>-</em> so weitgehend, dass er an Inhalt verlor in dem Ma&#223;e, wie er an Ausdehnung gewann. Einer methodisch gef&#252;hrten ideologischen Kampagne ist es gelungen, in den Augen von vielen Revolution mit Gewalt und Terror gleichzusetzen. Doch von allen Begriffen, die gestern gro&#223;e Verhei&#223;ungen und Tr&#228;ume formulierten, wurde der Kommunismus am meisten besch&#228;digt, weil er von der b&#252;rokratischen Staatsraison in Beschlag genommen wurde und einem totalit&#228;ren Unterfangen diente. Es bleibt die Frage, ob es unter all diesen wund geschlagenen Begriffen welche gibt, bei denen sich es lohnt, geheilt und wieder in Bewegung gesetzt zu werden.</p>
<p><strong>2</strong> Daf&#252;r ist es notwendig, dar&#252;ber nachzudenken, was aus dem Kommunismus des 20.Jahrhunderts geworden ist. Begriff und Gegenstand k&#246;nnen nicht au&#223;erhalb der Zeit und der historischen Bew&#228;hrungsproben beurteilt werden, denen sie ausgesetzt waren. F&#252;r die meisten wird die st&#228;ndige Bezeichnung «kommunistisch» f&#252;r den marktwirtschaftlich-autorit&#228;ren chinesischen Staat auf Dauer viel schwerer wiegen als die br&#252;chigen theoretischen und experimentellen Erwiderungen einer kommunistischen Hypothese.<br />
Die Versuchung, sich einer kritischen historischen Inventur zu entziehen, w&#252;rde dazu f&#252;hren, die kommunistische Idee auf zeitlose «Invarianten» zu reduzieren, sie zu einem Synonym f&#252;r unbestimmte Ideen von Gerechtigkeit oder Emanzipation zu machen und nicht zur spezifischen Emanzipationsform in der Zeit kapitalistischer Herrschaft. Der Begriff verliert damit an politischer Sch&#228;rfe, was er an ethischer und philosophischer Erweiterung gewinnt.<br />
Eine der zentralen Frage ist, ob der b&#252;rokratische Despotismus die legitime Fortsetzung der Oktoberrevolution oder die Frucht einer b&#252;rokratischen Konterrevolution war, die nicht nur in den Prozessen, S&#228;uberungen, massenhaften Deportationen zum Ausdruck kommt, sondern auch mit den Umw&#228;lzungen in Gesellschaft und Staatsapparat der Sowjetunion der 30er Jahre.</p>
<p><strong>3</strong> Ein neuer Wortschatz l&#228;sst sich nicht per Dekret erfinden. Das Vokabular bildet sich langfristig heraus, &#252;ber Anwendung und Erfahrung. Die Gleichsetzung des Kommunismus mit der Stalin’schen totalit&#228;ren Diktatur hinzunehmen hie&#223;e, vor den vorl&#228;ufigen Siegern zu kapitulieren, Revolution und b&#252;rokratische Konterrevolution miteinander zu verwechseln und somit das Kapitel der Weggabelungen zu streichen, das allein Raum f&#252;r Hoffnung l&#228;sst. Und das w&#252;rde bedeuten, den Besiegten gegen&#252;ber eine nicht wieder gut zu machende Ungerechtigkeit zu begehen, gegen&#252;ber alle denen die, bekannt oder nicht, die kommunistische Idee leidenschaftlich gelebt haben und sie gegen ihre Karikaturen und F&#228;lschungen mit Leben erf&#252;llt haben. Schande &#252;ber diejenigen, die aufgeh&#246;rt haben, Kommunisten zu sein, als sie aufgeh&#246;rt haben, Stalinisten zu sein, und die nur solange Kommunisten waren, wie sie Stalinisten waren!</p>
<p><strong>4</strong> Von allen Arten, «das Andere» des widerw&#228;rtigen Kapitalismus zu benennen, das notwendig und m&#246;glich ist, beh&#228;lt der Begriff Kommunismus den gr&#246;&#223;ten historischen Sinn und die explosivste programmatische Ladung. Er erinnert am ehesten an die G&#252;tergemeinschaft und Gleichheit, an die Vergesellschaftung oder Aufteilung der Macht, an die Solidarit&#228;t, die dem egoistischen Kalk&#252;l und der verallgemeinerten Konkurrenz entgegenzustellen ist, an das Eintreten f&#252;r die (nat&#252;rlichen und kulturellen) Gemeing&#252;ter der Menschheit, die Ausweitung kostenloser Dienste der Grundversorgung (Aufhebung der Warenform), gegen die verallgemeinerte Auspl&#252;nderung und Privatisierung der Welt.</p>
<p><strong>5</strong> Er steht auch f&#252;r einen anderen Ma&#223;stab des gesellschaftlichen Reichtums als Wertgesetz und Markt. Der «freie und unverf&#228;lschte Wettbewerb» beruht auf «Diebstahl an fremder Arbeitszeit». Er gibt vor, Nichtquantifizierbares zu quantifizieren und das nicht zu ermessende Verh&#228;ltnis der menschlichen Gattung zu ihren nat&#252;rlichen Reproduktionsbedingungen auf das miserable gemeinsame Ma&#223; der Arbeitszeit f&#252;r abstrakte Arbeit zu reduzieren.<br />
Kommunismus ist der Begriff f&#252;r ein anderes Verst&#228;ndnis von Reichtum, f&#252;r eine qualitativ andere &#246;kologische Entwicklung, die sich von dem quantitativen Wirtschaftswachstum unterscheidet. Die Logik der Kapitalakkumulation verlangt nicht nur Produktion um des Profits willen, sondern erheischt auch «Produktion neuer Konsumtion», die best&#228;ndige Ausweitung des Zirkels der Konsumtion durch die «Produktion neuer Bed&#252;rfnisse und Entdeckung und Sch&#246;pfung neuer Gebrauchswerte»: Also «Explorieren der ganzen Natur» und «Exploration der Erde nach allen Seiten». Auf dieser verheerenden Ma&#223;losigkeit des Kapitals fu&#223;t die Aktualit&#228;t eines radikalen &#214;kokommunismus.</p>
<p><strong>6</strong> Im Kommunistischen Manifest wird der Kommunismus zun&#228;chst durch das Eigentum erkl&#228;rt: «die Kommunisten (k&#246;nnen) ihre Theorie in dem einen Ausdruck: Aufhebung des Privateigentums» der Produktions- und Tauschmittel zusammenfassen, was nicht mit dem individuellen Besitz der Gebrauchsmittel zu verwechseln ist. In allen Bewegungen «heben sie die Eigentumsfrage, welche mehr oder minder entwickelte Form sie auch angenommen haben m&#246;ge, als die Grundfrage der Bewegung hervor».<br />
In der Tat beziehen sich sieben der zehn Punkte am Ende des zweiten Abschnitts auf die Eigentumsformen: Expropriation des Grundeigentums und Verwendung der Grundrente zu Staatsausgaben; Einf&#252;hrung einer stark progressiven Besteuerung; Abschaffung des Erbes an Produktions- und Tauschmitteln; Konfiskation des Eigentums der Emigranten und Rebellen; Zentralisation des Kredits in einer Staatsbank; Vergesellschaftung der Transportmittel und Einf&#252;hrung einer &#246;ffentlichen und unentgeltlichen Erziehung f&#252;r alle; Schaffung von Nationalfabriken und Urbarmachung von unbebauten L&#228;ndereien.<br />
Diese Ma&#223;nahmen sind allesamt darauf ausgerichtet, die Kontrolle der politischen Demokratie &#252;ber die &#214;konomie herzustellen, den Primat des Gemeinwohls &#252;ber das egoistische Interesse, den des &#246;ffentlichen Raums &#252;ber den privaten Raum. Es geht nicht darum, jegliche Form von Eigentum abzuschaffen, wohl aber um «die Abschaffung des b&#252;rgerlichen Eigentums», der «Aneignungsweise» auf der Grundlage der Ausbeutung der einen durch die anderen.</p>
<p><strong>7</strong> Zwischen zweierlei Recht, dem der Eigent&#252;mer, sich Gemeing&#252;ter anzueignen, und dem Existenzrecht der Enteigneten, «entscheidet die Gewalt», sagt Marx. Die gesamte moderne Geschichte des Klassenkampfs, vom Bauernkrieg in Deutschland &#252;ber die englische und die franz&#246;sische Revolution bis zu den sozialen Revolutionen des vergangenen Jahrhunderts, ist die Geschichte dieses Konflikts.<br />
Als «endlich entdeckte politische Form» der Emanzipation, als «Abschaffung» der Staatsmacht, als Vollendung der sozialen Republik, belegt die Pariser Kommune das Hervortreten dieser neuen Legitimit&#228;t. Ihr Beispiel hat Formen der Selbstorganisation und der Selbstverwaltung der Bev&#246;lkerung in den revolution&#228;ren Krisen angeregt: Arbeiterr&#228;te, Sowjets, Milizenkomitees, Industriekordons, Nachbarschaftsverb&#228;nde, Bauernkommunen – Organisationsformen, die der Tendenz nach die Politik entprofessionalisieren, die gesellschaftliche Arbeitsteilung ver&#228;ndern, die Bedingungen f&#252;r das Absterben des Staats als eigenst&#228;ndiger b&#252;rokratischer K&#246;rperschaft schaffen.</p>
<p><strong>8 </strong>Unter der Herrschaft des Kapitals hat jeder scheinbare Fortschritt sein Gegenst&#252;ck der Regression und Zerst&#246;rung. Er besteht letztlich «nur darin, die Form der Unterjochung zu &#228;ndern». Der Kommunismus verlangt andere Ideen und Kriterien als die des wirtschaftlichen Ertrags und der monet&#228;ren Rentabilit&#228;t, angefangen bei einer drastischen Verminderung der Zeit f&#252;r erzwungene Arbeit und einer Ver&#228;nderung des Arbeitsbegriffs: Es kann in der Freizeit keine individuelle Entfaltung geben, solange die Arbeitenden in der Arbeit entfremdet und verst&#252;mmelt bleiben.<br />
Die kommunistische Perspektive erfordert auch eine radikale Ver&#228;nderung des Verh&#228;ltnisses zwischen Mann und Frau: Die Erfahrung des Verh&#228;ltnisses zwischen den Geschlechtern ist die erste Erfahrung des Andersseins, und solange das Unterdr&#252;ckungsverh&#228;ltnis fortbesteht, wird jedes durch Kultur, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung sich unterscheidende Wesen Opfer von Diskriminierung und Herrschaft sein. Authentischer Fortschritt liegt in der Entwicklung und der Differenzierung von Bed&#252;rfnissen, deren originelle Kombination jeden und jede zu einem einzigartigen Wesen macht, dessen Singularit&#228;t zur Bereicherung der Gattung beitr&#228;gt.</p>
<p><strong>9</strong> Das Manifest versteht den Kommunismus als «eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung f&#252;r die freie Entwicklung aller ist». Er ist damit die Maxime einer freien individuellen Entfaltung, die man weder mit den Trugbildern eines dem Konformismus der Werbung unterworfenen Individualismus ohne Individualit&#228;t, noch mit der plumpen Gleichmacherei eines Kasernensozialismus verwechseln darf. Die Entwicklung der singul&#228;ren Bed&#252;rfnisse und F&#228;higkeiten eines und einer jeden tr&#228;gt zur universalen Entwicklung der menschlichen Gattung bei. Umgekehrt impliziert die freie Entwicklung eines und einer jeden die freie Entwicklung aller, denn die Emanzipation ist nicht das Vergn&#252;gen einzelner.</p>
<p><strong>10</strong> Der Kommunismus ist keine reine Idee, auch kein doktrin&#228;res Gesellschaftsmodell. Er ist weder die Bezeichnung f&#252;r ein staatliches Regime, noch f&#252;r eine neue Produktionsweise. Er steht f&#252;r die Bewegung, die die bestehende Ordnung in Permanenz aufhebt. Er ist aber auch das Ziel, das, aus dieser Bewegung entstanden, ihr eine Richtung weist und es <em>-</em> anders als prinzipienlose Politik, folgenlose Aktionen, t&#228;gliches Improvisieren <em>-</em> m&#246;glich macht zu bestimmen, was dem Ziel n&#228;her bringt und was davon wegf&#252;hrt. In diesem Sinne ist er keine wissenschaftliche Erkenntnis von Ziel und Weg, sondern eine regulative strategische Hypothese. Er benennt, was zusammengeh&#246;rt: den unbezwingbaren Traum von einer anderen Welt der Gerechtigkeit, der Gleichheit und der Solidarit&#228;t; die permanente Bewegung, die auf einen Sturz der bestehenden Ordnung im Kapitalismus abzielt; und die Hypothese, die diese Bewegung auf eine radikale &#196;nderung der Eigentums- und Machtverh&#228;ltnisse orientiert, entfernt von Kompromissen mit einem kleineren &#220;bel, das der k&#252;rzeste Weg zum gr&#246;&#223;ten &#220;bel w&#228;re.</p>
<p><strong>11</strong> Die soziale, &#246;konomische, &#246;kologische und moralische Krise eines Kapitalismus, der durch seine Ma&#223;losigkeit und Unvernunft die Gattung und den Planeten zugleich bedroht, stellt die «Aktualit&#228;t eines radikalen Kommunismus» wieder auf die Tagesordnung, von der Walter Benjamin vor dem Hintergrund der heraufziehenden Gefahren der Zwischenkriegszeit schrieb.</p>
<p><em>&#220;bersetzung: Wilfried Dubois unter Mitarbeit von Elfi M&#252;ller</em></p>
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