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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; EU</title>
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		<title>An der R&#252;stung keinesfalls sparen</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2012/02/an-der-rustung-keinesfalls-sparen/</link>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>

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		<description><![CDATA[Waffenexporte aus Deutschland steigen massiv von Rolf Euler Zu Deutschlands Exporterfolgen geh&#246;ren ganz wesentlich Waffen – der drittgr&#246;&#223;te Waffenexporteur der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Waffenexporte aus Deutschland steigen massiv</strong></p>
<p>von <em>Rolf Euler</em></p>
<p>Zu Deutschlands Exporterfolgen geh&#246;ren ganz wesentlich Waffen – der drittgr&#246;&#223;te Waffenexporteur der Welt ist wieder der «Meister aus Deutschland». Mit 2,1 Milliarden Euro war die Summe 2010 um &#252;ber 60% h&#246;her als 2009. Exportiert werden nicht mehr haupts&#228;chlich Artillerie und Panzer, sondern zunehmend kleine Waffen wie Gewehre und Pistolen, aber auch Hightechger&#228;te wie Ortungssysteme, Drohnen und die zugeh&#246;rige Software.<br />
<span id="more-3932"></span>Trotzdem hat die Entscheidung, Leopard-Panzer nach Saudi-Arabien zu liefern, f&#252;r Emp&#246;rung gesorgt, auch wenn Deutschland schon immer Waffen an Diktaturen geliefert hat – im Rahmen der NATO, aber auch au&#223;erhalb. Man denke dabei nur an die U-Boot-Lieferungen in Spannungsgebiete wie Israel und S&#252;dafrika und daran, dass Sturmgewehre von Heckler&amp;Koch in allen Kriegen auftauchen. Griechenland und T&#252;rkei sind Waffenimporteure aus Deutschland, obwohl sie sich in einem hei&#223;en Konflikt um die Aufteilung der Insel Zypern befanden.</p>
<p>Dass nun ausgerechnet in ein Land, welches mit dazu beitr&#228;gt, die arabischen Aufst&#228;nde zu bek&#228;mpfen, Panzer geliefert werden sollen, hat f&#252;r politischen Widerspruch gesorgt – ohne Ergebnis. Die 270 Leopard-Panzer sollen «f&#252;r die Verteidigung» dienen – ein Milliarden-Gesch&#228;ft f&#252;r Krauss-Maffei, Diehl, Rheinmetall und Dutzende kleinerer und mittlerer Zulieferer. Schon bisher gibt es diesen Panzer unter anderem in Chile oder der T&#252;rkei.<br />
Den Nahen Osten mit Waffen zu versorgen, hat Tradition. Auch Iran, Irak, Israel waren Empf&#228;nger deutscher Waffenlieferungen bzw. Know-hows. Dass diese Waffen zum Teil zur Unterdr&#252;ckung der Opposition im eigenen Land, wie der Kurden, oder zu Kriegen gegen die Nachbarn verwendet wurden, ficht keinen an.<br />
Die Waffenlieferungen in den Nahen Osten f&#252;ttern die Kriegstreiber auf beiden Seiten und bedrohen die Demokratie-Bewegungen. Und die Panzer nach Saudi-Arabien sollen vor allem eines: die Kriegsdrohungen gegen den Iran verst&#228;rken. Bei Saudi-Arabien kommt hinzu, dass sie den Typ «Leopard 2A7+» geordert haben, von dem der Hersteller behauptet, er sei f&#252;r «asymmetrische» Bedrohungslagen besonders geeignet – mit anderen Worten: f&#252;r die weltweite Bewaffnung gegen Befreiungsbewegungen.</p>
<p><strong>Griechenland: R&#252;stungsschulden</strong></p>
<p>Allen Sparpl&#228;nen zum Trotz steht eine milit&#228;rische Abr&#252;stung Griechenlands scheinbar nicht auf der Tagesordnung. Nach Portugal ist Griechenland der zweitgr&#246;&#223;te Importeur von deutschen Waffen. Das kleine Mittelmeerland versorgte sich mit Kriegsschiffen, U-Booten und Panzern. Seit Jahren wird &#252;ber den Kauf von Eurofightern geredet. Hiervon ist besonders die gesamteurop&#228;ische R&#252;stungszusammenarbeit betroffen, die ja inzwischen Verfassungsrang in den europ&#228;ischen Vertr&#228;gen genie&#223;t.<br />
Griechenland wird nach Informationen der Zeit seit Jahren von allen Bundesregierungen, angefangen bei Au&#223;enminister Fischer bis zu Westerwelle, zu einer milliardenschweren Flugzeugbestellung gedr&#228;ngt – sogar, als sich die Finanzkrise sich schon abzeichnete und allen europ&#228;ischen Regierungen klar sein musste, auf welch t&#246;nernem Boden die griechischen Finanzen standen, wurde dies fortgesetzt.</p>
<p>170 Leopard-Panzer geh&#246;ren Griechenland, noch 2010 wurden ein U-Boot und eine gro&#223;e Zahl Panzerhaubitzen der Bundeswehr dorthin geliefert. Die Aufr&#252;stung des Mittelmeerlands tr&#228;gt nat&#252;rlich zur Ausweitung seines Schuldenberges bei, den Griechenland zur Zeit mit einem Schuldenschnitt begradigen m&#246;chte, um im Gegenzug frisches Geld f&#252;r weitere Bestellungen erhalten zu k&#246;nnen – zum Wohle der deutschen R&#252;stungsindustrie, der es nat&#252;rlich egal ist, ob daf&#252;r die griechischen Sozialhaushalte schrumpfen m&#252;ssen.F&#252;r 2012 plant die griechische Regierung 9% Schrumpfung des Sozialhaushalts, aber 18% Steigerung des Verteidigungshaushaltes. So flie&#223;t das geliehene Geld in einem gelungenen Kreislauf wieder an die europ&#228;ischen R&#252;stungskonzerne zur&#252;ck – genau dies ist einer der Beweggr&#252;nde f&#252;r die griechischen Stra&#223;enproteste.</p>
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		<title>Wirtschaftliche Ungleichgewichte sprengen den Euro</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2012/02/wirtschaftliche-ungleichgewichte-sprengen-den-euro/</link>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 17:58:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>

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		<description><![CDATA[von Birger Scholz Keine Frage. Es steht schlecht um den Euro. Das hat mittlerweile selbst die Europ&#228;ische Zentralbank (EZB) eingesehen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von <em>Birger Scholz</em></p>
<p>Keine Frage. Es steht schlecht um den Euro. Das hat mittlerweile selbst die Europ&#228;ische Zentralbank (EZB) eingesehen und sagte die Feier zum zehnj&#228;hrigen Jubil&#228;um seiner Einf&#252;hrung still und leise ab.<br />
<span id="more-3896"></span>&#220;ber die Ursachen zumindest ist sich die kritische Publizistik und Wirtschaftswissenschaft einig: Verantwortlich ist die Konstruktion des W&#228;hrungsraums. Es gibt weder eine hinreichende Mobilit&#228;t der Arbeitnehmer noch einen Verbund des Steuer- und Sozialversicherungssystems. Beides ist aber n&#246;tig, um &#228;u&#223;ere Schocks und ungleiche wirtschaftliche Entwicklungen abzufedern.<br />
In den USA haftet der Gesamtstaat zumindest in Teilen f&#252;r die Bundesstaaten. Dagegen wurde in Europa entschieden, den Euro bewusst ohne politische Union einzuf&#252;hren. Kritik gab es daran von keynesianisch wie von monetaristisch orientierten &#214;konomen.<br />
H&#228;tten Griechenland oder Spanien ihre W&#228;hrungen in den vergangenen 10 Jahren abwerten k&#246;nnen, w&#228;re der deutsche Sonderweg des Lohndumpings zumindest innerhalb von Europa ins Leere gelaufen. Stattdessen f&#252;hrten die Export&#252;bersch&#252;sse vor allem Deutschlands zu einer schleichenden Verschuldung der EU-Peripheriestaaten. Lange Zeit wurden diese gef&#228;hrlichen Ungleichgewichte durch &#246;ffentliche und private Verschuldung &#252;berdeckt. M&#246;glich war dies auch durch den einheitlichen EZB-Zins, der f&#252;r Kerneuropa zu hoch, f&#252;r die Peripheriestaaten aber zu niedrig war.<br />
Wer die Ungleichgewichte und damit den Kern der Euro-Krise genauer verstehen will, muss einen Blick in die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung wagen. Im Groben gibt es dort vier Konten, auf denen alle finanziellen Transaktionen verbucht werden: Staat, Unternehmen, Private Haushalte und Ausland. Auf den Konten werden Forderungen und Verbindlichkeiten verbucht und ein Saldo gebildet. Der Clou dabei ist, dass sich die Saldi dieser vier Konten immer zu Null ausgleichen. Ein positives Saldo der privaten Haushalte zeigt bspw. eine Zunahme der Forderungen, ein negative Saldo des Staates eine Zunahme der Verbindlichkeiten, also der Verschuldung.<br />
Von 1991 bis 2001 war das deutsche Auslandskonto j&#228;hrlich moderat mit 18 Milliarden Euro im Plus. Doch 2002 drehte sich das Vorzeichen und das Ausland verschuldete sich bis 2010 gegen&#252;ber Deutschland kontinuierlich in H&#246;he von insgesamt 675 Mrd. (75 Mrd. j&#228;hrlich).<br />
Dieser enorme Forderungsaufbau Deutschlands gegen&#252;ber dem Ausland ist ein  Spiegelbild der gest&#246;rten Binnenkonjunktur in Deutschland, das sich wiederum in  enorm hohen Finanzierungs&#252;bersch&#252;ssen der privaten Haushalte von j&#228;hrlich knapp 100 Mrd. Euro seit 1991 niederschl&#228;gt.<br />
Das Problem: Die &#220;bersch&#252;sse Deutschlands sind die Schulden des Auslands und m&#252;ssen im Zweifel gezahlt werden. Entweder durch Staatsverschuldung, oder durch Verschuldung der privaten Haushalte oder der Unternehmen. Deshalb sind alle angedachten Ma&#223;nahmen zur Krisenl&#246;sung von Eurobonds &#252;ber Schuldenstreichung bis zum Austerit&#228;tsprogramm der Troika letztlich nur Scheinl&#246;sungen, die am Grundproblem der fehlenden Abwertung der Peripheriel&#228;nder nichts &#228;ndern.<br />
Die Ratingagentur Standard &amp; Poors bringt es klar auf den Punkt: «Aus unserer Sicht sind die finanziellen Probleme der Euro-Zone eine Folge steigender au&#223;enwirtschaftlicher Ungleichgewichte und Unterschiede in der Wettbewerbsf&#228;higkeit zwischen dem Euro-Zonen-Kern und der sogenannten Peripherie.»<br />
Wenn sich die Mehrheit der Bev&#246;lkerung in Griechenland den Lohn- und Sozialk&#252;rzungen verweigert (was zu w&#252;nschen ist!), dann ist das Ende des Euro n&#228;her, als manch Linker in Deutschland glaubt. Denn dann w&#228;ren massive Lohnerh&#246;hungen in Deutschland nebst 10 Euro Mindestlohn unumg&#228;nglich, um die preisliche Wettbewerbsf&#228;higkeit Griechenlands wieder herzustellen. Nur, realistisch ist das kaum.<br />
Ebenso wenig realistisch ist die Einf&#252;hrung einer Leistungsbilanz&#252;berschussbremse an Stelle der geplanten Schuldenbremse. Dabei w&#252;rden diejenigen L&#228;nder, die die Krise durch unverantwortliche Leistungsbilanz&#252;bersch&#252;sse gef&#228;hrden, mit hohen Strafzahlungen belegt. Das Aufkommen w&#252;rde in die Peripheriel&#228;nder flie&#223;en. Finanziert w&#252;rden die Strafzahlungen durch eine massive Steuererh&#246;hung f&#252;r Konzerne und Verm&#246;gende.<br />
In Anbetracht der Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse in Deutschland stehen die Chancen f&#252;r einen solchen Kurswechsel ausgesprochen schlecht. Viel wahrscheinlicher ist mittlerweile, dass Kerneuropa einen Staatsbankrott in Griechenland nebst Austritt aus dem Euro in Kauf nimmt. Ob es dann gelingt, Italien und Spanien wirklich abzuschirmen, ist mehr als fraglich. Die Orientierung des Ex-BDI-Chefs Henkel auf einen Nord-Euro (also der L&#228;nder mit Leistungsbilanz&#252;bersch&#252;ssen) ist weit realistischer als die vielen Durchhalteparolen der herrschenden Politik.<br />
Dass die deutsche LINKE nicht &#252;ber das F&#252;r und Wider eines Austritts der Peripheriel&#228;nder aus der Eurozone diskutiert, k&#246;nnte sich bald bitter r&#228;chen. In der griechischen Linken wird diese notwendige Debatte, wenn auch kontrovers, immerhin gef&#252;hrt (siehe SoZ 12/2011: «Raus aus dem Euro?»). Denn es ist keineswegs ausgemacht, dass ein kontrollierter und regulierter Ausstieg Griechenlands mit &#246;konomischer Anschubfinanzierung durch die EU der schlechtere Weg sein muss. Welche positiven Wirkungen ein Wechselkurs entfalten kann, hat Argentinien in der letzten Dekade vorgemacht.</p>
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		<title>Das britische Sparprogramm</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2012/01/das-britische-sparprogramm/</link>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:47:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>

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		<description><![CDATA[Krieg gegen Arbeiter und Arme von Susan Pashkoff In der britischen Regierung sitzen 23 Million&#228;re (von 29 Kabinettsmitgliedern). Die destabilisieren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Krieg gegen Arbeiter und Arme</strong></p>
<p>von <em>Susan Pashkoff</em></p>
<p>In der britischen Regierung sitzen 23 Million&#228;re (von 29 Kabinettsmitgliedern). Die destabilisieren mit ihrem &#252;berfl&#252;ssigen Verm&#246;gen nicht nur die Kreditwirtschaft, sie f&#252;hren unter dem Deckmantel des Sparens auch einen regelrechten Krieg gegen  Lohnabh&#228;ngige und Arme.<br />
<span id="more-3731"></span>Vor Wochen hat die Regierung Cameron angek&#252;ndigt, sie werde die Gehaltserh&#246;hungen im &#246;ffentlichen Dienst auf 1% deckeln. Das kommt einem realen Einkommensverlust gleich, denn der Index f&#252;r Verbraucherpreise ist im Oktober im Vergleich zur Vorjahresmonat um 5% gestiegen (der Index f&#252;r Einzelhandelspreise sogar um 5,4%). Au&#223;erdem sollen die &#246;ffentlich Besch&#228;ftigten h&#246;here Beitr&#228;ge in die Rentenkasse einzahlen. Vor allem aber sollen im &#246;ffentlichen Dienst 710000 Arbeitspl&#228;tze abgebaut werden.</p>
<p>Seit 2009 fallen die real verf&#252;gbaren Haushaltseinkommen; bis 2014 prognostiziert das Wirtschaftsforschungsinstitut IFS einen R&#252;ckgang um 4,7%.</p>
<p>In ihrer Regierungserkl&#228;rung im Herbst dieses Jahres hatte die Regierung Cameron erkl&#228;rt, die Folgen der Sparpolitik w&#252;rden gerecht verteilt. Die ist eine L&#252;ge: Ihre Ma&#223;nahmen f&#252;hren zu mehr Arbeitslosigkeit, mehr Armut und sie zerst&#246;ren den &#246;ffentlichen Dienst. Dabei nimmt das Wirtschaftswachstum nicht zu, vielmehr f&#228;llt Gro&#223;britannien immer tiefer in eine Rezession.</p>
<p><strong>Weniger Lohn, mehr Arbeitslosigkeit, h&#246;here Schulden</strong></p>
<p>Seit April 2011 haben 110000 Besch&#228;ftigte im &#246;ffentlichen Dienst ihren Job verloren. Sofern sie in der Lage sind, im privaten Sektor einen neuen Arbeitsplatz zu finden, geraten sie in gewerkschaftlich nicht organisierte Bereiche und werden schlechter bezahlt, aller Voraussicht nach m&#252;ssen sie Jobs annehmen, die ihrer Qualifikation nicht entsprechen. Au&#223;erdem verlieren sie die Anspr&#252;che, die sie im &#246;ffentlichen Dienst aufgrund ihres Dienstalters gesammelt hatten.</p>
<p>Die Arbeitslosenquote ist mit 8,1% so hoch wie seit 1994 nicht mehr, 1,6 Millionen Menschen bezogen im September Transferleistungen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bedeutend h&#246;her: Fast eine Million Jugendliche im Alter zwischen 16 und 24 Jahren sind erwerbslos, das sind 21,3%.</p>
<p>Der Kahlschlag bei den Arbeitspl&#228;tzen im &#246;ffentlichen Dienst kann durch den privaten Sektor nicht aufgefangen werden. Die privaten Unternehmen investieren nicht mehr, weil sich das nicht lohnt: Sie werden das &#220;berangebot an Waren nicht los, zumal die Massenkaufkraft unter dem Angriff auf die Einkommen leidet.</p>
<p>Daran &#228;ndert auch die quantitative Lockerung der Geldpolitik durch die englische Notenbank nichts, sie bewirkt nur, dass Unternehmen und Banken mehr billiges Geld zur Verf&#252;gung steht, womit sie ihre Schuldenlasten erleichtern k&#246;nnen. Die Kapitalanleger aber horten dieses Geld oder bringen es in kurzfristigen spekulativen Anlagen unter, was die Finanzm&#228;rkte weiter destabilisiert.</p>
<p>F&#252;r die Masse der Bev&#246;lkerung bleiben h&#246;here Inflation und niedrigere Reall&#246;hne.</p>
<p>Wer aber meint, mit dem Krieg gegen die Lohneinkommen und den &#246;ffentlichen Dienst w&#252;rden Schulden abgebaut, wird auch diesbez&#252;glich eines Besseren belehrt:</p>
<p>Der Schuldenstand Gro&#223;britanniens belief sich Ende 2009 auf 68,2% des Bruttoinlandsprodukts. Die Europ&#228;ische Kommission geht in ihrer Prognose vom Herbst 2010 von einem Anstieg der Staatsschulden auf 77,8% im Jahr 2010 und 83,5% im Jahr 2011 aus (Angaben nach Wikipedia).</p>
<p><strong>Inflation f&#252;r die Kleinen</strong></p>
<p>W&#228;hrend L&#246;hne, Sozialleistungen und Renten gesenkt werden, steigen die Preise f&#252;r Nahrungsmittel, Energie und Mieten. Die Mehrwertsteuer wurde auf 23% angehoben.</p>
<p>Der bezahlte Urlaub steht auf dem Pr&#252;fstand. Bei gleichbleibendem Lohn werden die Arbeitszeiten ausgedehnt. Von den Besch&#228;ftigten im Gesundheitswesen wird verlangt, dass sie in ihrer Urlaubszeit arbeiten und unbezahlte &#220;berstunden machen, um die L&#246;cher auszugleichen, die die Regierung verursacht hat, indem sie die Mittel f&#252;r das &#246;ffentliche Gesundheitswesen k&#252;rzte. Die Regierung will Teile des Gesundheitswesens f&#252;r den privaten Wettbewerb &#246;ffnen und auf diese Weise mit EU-Vorschriften kompatibel machen.</p>
<p>Die Mieten steigen kolossal: Im September stieg die Durchschnittsmiete auf 718 Pfund Sterling (4,3% mehr als im Vorjahr). In 55% der englischen St&#228;dte sind die Mieten auf dem privaten Immobilienmarkt unbezahlbar geworden, mit Spitzen in London, im S&#252;dosten und Osten, in Yorkshire und Humber, Wales und den &#246;stlichen Midlands.</p>
<p>Mit Angebot und Nachfrage allein l&#228;sst sich der Mietanstieg nicht erkl&#228;ren. Die Regierungspolitik beg&#252;nstigt Wohnungseigentum und vernachl&#228;ssigt den sozialen Wohnungsbau. Gleichzeitig werden die K&#228;ufer von Wohnungseigentum h&#246;her verschuldet, weil Arbeitslosigkeit und Einkommenseinbu&#223;en ihre F&#228;higkeit beeintr&#228;chtigen, die zun&#228;chst leicht zug&#228;nglichen, aber teuren Kredite abzuzahlen; immer mehr verlieren dadurch ihr Dach &#252;ber dem Kopf. Jetzt schrumpft der Kreditmarkt, und die Mietgesetze bevorzugen traditionell den Vermieter gegen&#252;ber dem Mieter.</p>
<p>Die Regierung will auch das Wohngeld k&#252;rzen, um die Armen aus der Londoner Innenstadt zu vertreiben.</p>
<p><strong>Kinderarmut</strong></p>
<p>Diese Politik macht nicht nur die Armen &#228;rmer, es verelendet auch die sog. Mittelklasse. Das mittlere Haushaltseinkommen ist laut IFS real um 7% oder 2000 Pfund Sterling zur&#252;ckgegangen – das ist der sch&#228;rfste R&#252;ckgang seit den 70er Jahren.</p>
<p>Damit nimmt f&#252;r die gesamte Bev&#246;lkerung die Armut sowohl absolut wie auch relativ zu. Das IFS rechnet damit, dass das Sparprogramm der Regierung 600000 Kinder und 800000 Erwachsene im Erwerbst&#228;tigenalter zus&#228;tzlich in die Armut st&#246;&#223;t. Bis 2020/21, sch&#228;tzt das Institut, wird die Kinderarmut auf 23–24% steigen – ein Gesetz zur Bek&#228;mpfung der Kinderarmut aus dem Jahr 2010 hatte sich das Ziel gesteckt, bis dahin das Niveau auf 5–10% zu senken!</p>
<p>Die Regierung hat darauf keine andere Antwort als die ihres Ministers f&#252;r Arbeit und Pensionen, Iain Duncan Smith: «Die Statistiken ber&#252;cksichtigen nicht, dass die Menschen dann gezwungen sind zu arbeiten, weil die Transferleistungen zur&#252;ck gefahren werden.»</p>
<p>Weil es aber keine Arbeitspl&#228;tze gibt, hat die britische Regierung eine regelrechte Kampagne gegen die Armen entfesselt: Sie denunziert sie als Faulenzer, Dr&#252;ckeberger, unmoralische Elemente, Schlampen und Trunkenbolde – in der besten Tradition des radikalen Utilitaristen Jeremy Bentham, der Anfang des 19.Jahrhunderts predigte, der Mensch sei ein Nutzenmaximierer, der ohne jede R&#252;cksicht auf seine Mitmenschen nur seine eigenen Interessen verfolge; die einzig legitime Funktion des Staates sei, das Individuum durch einen m&#228;chtigen &#220;berwachungs- und Kontrollapparat vor den &#220;bergriffen der anderen Individuen zu sch&#252;tzen. Wie sagte Frau Thatcher: «Es gibt keine Gesellschaft.»</p>
<p>In wachsendem Ma&#223;e suchen Menschen jetzt die Tafel auf um sich zu ern&#228;hren, vor allem unter jungen Leuten ist deren Zahl in den letzten zw&#246;lf Monaten sprunghaft gestiegen: In Exeter, Cardigan oder der Isle of White nutzen schon 70–80% der Jugendlichen dieses Angebot.</p>
<p><em>Die Autorin lehrt Wirtschaftswissenschaften an der DeMontfort University, Milton Keynes, England. Sie forscht &#252;ber Kapitaltheorien und die Rolle der Ideologie in der klassischen und neoklassischen Wirtschaftswissenschaft. (Quelle: http://socialistresistance.org.)</em></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) schl&#228;gt vor: Ein neuer Vertrag f&#252;r den Euro</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2012/01/der-bundesverband-der-deutschen-industrie-bdi-schlagt-vor-ein-neuer-vertrag-fur-den-euro/</link>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:42:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Der BDI hat seine europapolitischen Vorstellungen in «12 Thesen aus einer industriellen Perspektive» gepackt, die er am 7.Dezember ver&#246;ffentlichte. Der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der BDI hat seine europapolitischen Vorstellungen in «12 Thesen aus einer industriellen Perspektive» gepackt, die er am 7.Dezember ver&#246;ffentlichte.</strong></p>
<p><strong><span id="more-3727"></span></strong>Der BDI wei&#223;, was er an Europa hat: «&#220;ber 45% der deutschen Wertsch&#246;pfung werden mittlerweile im Export erzielt. Auch wenn die aufstrebenden Schwellenl&#228;nder als Handelspartner der deutschen Industrie enorm an Bedeutung gewonnen haben, so bleibt doch Europa der Heimatmarkt des Industrielands Deutschland. &#220;ber 70% der deutschen Ausfuhren gehen nach Europa, &#252;ber 60% in die Europ&#228;ische Union, &#252;ber 40% in die Eurozone. Unter den zehn L&#228;ndern, mit denen Deutschland die gr&#246;&#223;ten Export&#252;bersch&#252;sse erwirtschaftet, sind neun europ&#228;ische L&#228;nder. Von den zehn wichtigsten Importl&#228;ndern nach Deutschland geh&#246;ren acht zu Europa. Auch als Ziel- und Herkunftsland von Direktinvestitionen von und nach Deutschland spielt Europa eine zentrale Rolle. Europa mit seinem einheitlichen Binnenmarkt und seiner starken und stabilen Gemeinschaftsw&#228;hrung ist ein zentraler Faktor f&#252;r Wohlstand und Besch&#228;ftigung in Deutschland.»</p>
<p>Keine Rede also davon, die Schwellenl&#228;nder k&#246;nnten Europa in seiner wirtschaftlichen Bedeutung f&#252;r die deutsche Industrie abl&#246;sen: «Die deutsche Industrie hat daher gr&#246;&#223;tes Interesse am Erhalt des Euros sowie am Fortbestand und der Weiterentwicklung der Europ&#228;ischen Union.»</p>
<p>Das ist eine klare Absage an eventuelle politische Bestrebungen, europ&#228;ische Seile zu kappen. In dieser Perspektive handelt auch die Bundesregierung.</p>
<p>Sorge bereitet dem BDI die heraufziehende Rezession, weil «der politische Instrumentenkasten heute weitgehend leer» ist: «Die Geldpolitik hat weltweit ihr Pulver weitgehend verschossen, lediglich in der Eurozone bestehen noch marginale Zinssenkungsspielr&#228;ume.»</p>
<p>Von der Politik fordert der BDI, mehr R&#252;cksicht auf die Interessen der Industriellen zu nehmen, «die globale Realwirtschaft ist intakt» (sic!), «diese Chancen d&#252;rfen nicht durch politisch verursachte Vertrauensverluste an den Weltfinanzm&#228;rkten zunichte gemacht werden».</p>
<p>Die bisherigen Bem&#252;hungen der Politik um eine Stabilisierung der M&#228;rkte werden als «ernsthaft» gew&#252;rdigt, sie haben jedoch nichts gebracht. Schlussfolgerung:</p>
<p>«Europa muss sich zu einem deutlichen Sprung vorw&#228;rts in seinen Stabilisierungsbem&#252;hungen aufraffen. Nur mit einer konsequenten Weiterentwicklung der europ&#228;ischen Institutionen l&#228;sst sich verlorenes Vertrauen zur&#252;ckgewinnen.»</p>
<p>«Der Euro braucht eine neue vertragliche Grundlage mit einer klaren langfristigen Zielsetzung … An der Spitze steht in der langen Frist die Vollendung der politischen Union Europas. Ohne weitere Integration bleibt die W&#228;hrungsunion ein Torso … Ein solches Konstrukt kann auf die Dauer nicht funktionieren. [Erforderlich sind] zwingend weitere Schritte zur politischen Integration Europas.»</p>
<p>Nach soviel proeurop&#228;ischen Beteuerungen folgt sofort die Ank&#252;ndigung, die politische Union sei ein «Fernziel», daran gebunden, dass Europa sich «auf Wettbewerb und Leistung» gr&#252;ndet. Es folgt der ganze Kanon der Lissabon-Vertr&#228;ge plus Nachfolger: Versch&#228;rfung des Stabilit&#228;tspakts, Umsetzung des Euro-Plus-Pakts, Weiterentwicklung der europ&#228;ischen Rettungs- und Stabilisierungsmechanismen (EFSF und ESM) und «eine engere wirtschaftspolitische Koordinierung».</p>
<p>Die Erh&#246;hung der Volumina der Rettungsschirme hat sich bisher als nicht geeignet erwiesen, die Stabilit&#228;tsprobleme in der Eurozone nachhaltig zu l&#246;sen. Deshalb fordert der BDI, «die Instrumente des EFSF bzw. ESM zu einem politisch unabh&#228;ngigen Europ&#228;ischen Fiskalfonds (EFF) weiterzuentwickeln.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wie stellt sich der BDI die neue Wirtschaftsregierung vor?</p>
<p>Der EFF soll wie folgt funktionieren:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>– Der Fonds bietet notleidenden Mitgliedstaaten und Banken (!) der Eurozone Hilfe in der Not. Dar&#252;ber hinaus stellt er eine letzte Instanz bei der Durchsetzung fiskalischer Disziplin dar.</p>
<p>«Der EFF gew&#228;hrt dem Hilfesuchenden Land auf Antrag Kredite gegen Sicherheiten und strikte wirtschaftspolitische Auflagen.» Diese Forderungen sollen einen Anreiz schaffen, «finanzielle Hilfen nur in Anspruch zu nehmen, wenn [die L&#228;nder] davon ausgehen, dass sie die Kredite auch zur&#252;ckzahlen k&#246;nnen.»</p>
<p>«Wenn die vereinbarten Bedingungen nicht mehr eingehalten werden oder die Schuldentragf&#228;higkeit nicht mehr gegeben ist, m&#252;ssen die Zahlungen eingestellt werden. Einen Haftungsverband ohne Gegenleistung darf es nicht geben. Eine Insolvenzordnung muss unabdingbarer Bestandteil der EFF werden …</p>
<p>Alle Hilfsprogramme haben eine maximale Laufzeit von drei Jahren. Wenn ein Land nach drei Jahren immer noch auf finanzielle Hilfe angewiesen ist, besteht die Vermutung der Insolvenz. Im Falle der Umschuldung &#252;bernimmt der EFF eine Koordinierungsrolle …</p>
<p>Staaten, die Hilfsgelder aus dem EFF in Anspruch nehmen, verlieren f&#252;r diesen Zeitraum ihre Stimm- und Nominierungsrechte. Kredite des EFF sollen gegen&#252;ber anderen Verpflichtungen vorrangig sein.»</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>– «Der Vorstand des EFF soll sich aus unabh&#228;ngigen Experten zusammen setzen, die auf Vorschlag der Mitgliedstaaten der Eurozone ohne M&#246;glichkeit der Wiederwahl gew&#228;hlt werden [von wem?, fragt d.Red.]. Dies erm&#246;glicht dem Fonds ein weitgehendes Agieren jenseits politischer Einfl&#252;sse.</p>
<p>Entsprechend des Vorbildes des IWF sollen gro&#223;e Staaten stets ein Vorschlagsrecht f&#252;r einen Vorstandssitz im EFF bekommen. Mittelgro&#223;e und kleinere Staaten rotieren bei der Nominierung. Stimmrecht im Gouverneursrat sowie bei der Wahl des Vorstands orientieren sich an der finanziellen Beteiligung der Staaten.»</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>– Der Fonds darf, «in eng umgrenzten F&#228;llen», Anleihek&#228;ufe auf dem Sekund&#228;rmarkt (dem Kapitalmarkt) vornehmen. Damit soll «die EZB vom Ankauf von Anleihen bestimmter Eurozonenstaaten» entlastet werden und dennoch &#252;ber die Mittel verf&#252;gen, diesen Staaten finanziell zu helfen. Au&#223;erdem verspricht er sich davon einen politischen Effekt: der «bei vielen B&#252;rgern verbreiteten Sorge vor einer bedingungslosen europ&#228;ischen Schuldenunion den Boden zu entziehen.»</p>
<p>Anders gesagt: Der EFF hat dieselben Kompetenzen wie der geplante ESM, der eine Art Europ&#228;ischer W&#228;hrungsfonds ist, hat zus&#228;tzlich aber nochmals erweiterte Rechte, die Haushaltspolitik der EU-Mitgliedstaaten zu diktieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die Konvergenz in der Haushaltskonsolidierung ist nach Ansicht des BDI Voraussetzung f&#252;r eine politische Union und auch f&#252;r die Einf&#252;hrung gemeinschaftlicher europ&#228;ischer Anleihen (Eurobonds).</p>
<p>Von der Stabilit&#228;tsunion verspricht sich der BDI den Sprung, den die Einf&#252;hrung des Euro bislang f&#252;r sich genommen nicht gebracht hat: aus Europa «die wettbewerbsf&#228;higste Region der Welt» zu machen, wie es bereits im Lissabon-Vertrag steht.</p>
<p>«Die weltwirtschaftlichen Geschicke werden zuk&#252;nftig nicht mehr auf einer G8- oder G20-Ebene entschieden, sondern auf einer G2- oder G3-Ebene. Bei den jetzt notwendigen Weichenstellungen geht es auch darum, ob Europa die Rolle des Dritten im Bundes spielen kann und will. Die deutsche Industrie braucht ein starkes Europa in einer dynamischen Weltwirtschaft.»</p>
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		<title>EU-Gipfel vom 8./9.Dezember</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:40:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Beschl&#252;sse Nach dem Nein Gro&#223;britanniens zu einer &#196;nderung der EU-Vertr&#228;ge im Sinne einer «fiskalpolitischen Stabilit&#228;tsunion» (Sarkozy) haben die 17 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Beschl&#252;sse</strong></p>
<p>Nach dem Nein Gro&#223;britanniens zu einer &#196;nderung der EU-Vertr&#228;ge im Sinne einer «fiskalpolitischen Stabilit&#228;tsunion» (Sarkozy) haben die 17 Eurol&#228;nder plus einige weitere EU-L&#228;nder beschlossen, untereinander einen neuen Vertrag zu schlie&#223;en, um der Eurokrise Herr zu werden. Dieser Vertrag soll im M&#228;rz 2012 von den Regierungschefs beschlossen werden.<br />
<span id="more-3725"></span>Grundlage f&#252;r den auszuarbeitenden Vertragsentwurf ist ein Bericht des Pr&#228;sidenten des Europ&#228;ischen Rats, Hermann van Rompuy, in Kooperation mit dem Pr&#228;sidenten der EU-Kommission (Barroso) und dem Chef der Eurogruppe (Junker) vom 6.Dezember. Dessen Grundz&#252;ge sind:</p>
<p>1. Alle Staaten schreiben eine Schuldenbremse in ihre Verfassung, d.h. die Verpflichtung zu einem ausgeglichenen Haushalt, wobei als «ausgeglichen» gilt, wenn das j&#228;hrliche strukturelle Defizit 0,5% des Bruttoinlandsprodukts nicht &#252;berschreitet (der jetzt geltende Stabilit&#228;tspakt sieht 3% vor, und selbst die wurden von fast niemandem eingehalten).</p>
<p>Es gibt (noch) keine Aussage, bis wann ein solcher ausgeglichener Haushalt vorliegen soll.</p>
<p>2. Beim Versto&#223; gegen diese Defizitgrenze tritt ein automatischer Korrekturmechanismus in Kraft, der von der EU-Kommission definiert wird. Die Staaten verpflichten sich durch entsprechende Zus&#228;tze zu ihrer Verfassung, diesen Mechanismus anzuerkennen. Der Europ&#228;ische Gerichtshof soll die Einhaltung der neuen Schuldenregeln &#252;berwachen.</p>
<p>3. Bei einem Haushaltdefizit von 3% (Vorschrift im jetzigen Stabilit&#228;tspakt) wird ein Strafverfahren eingeleitet. Es wird automatisch eingeleitet, es sei denn, eine qualifizierte Mehrheit der Eurostaaten spricht sich dagegen aus. Eine qualifizierte Mehrheit liegt vor bei 55% der Mitgliedstaaten (15 L&#228;nder), die zudem 65% der Bev&#246;lkerung repr&#228;sentieren.</p>
<p>Auch die von der Kommission vorgeschlagenen Sanktionen (meist Bu&#223;gelder) k&#246;nnen nur mit qualifizierter Mehrheit gestoppt werden.</p>
<p>4. Die EU-Institutionen (Kommission, Europ&#228;ischer Rat, EuGH, EZB) bekommen mehr Rechte, sich in die Aufstellung der nationalen Haushalte einzumischen. Schuldens&#252;nder sollen diesen einen Plan zur Haushaltssanierung (genannt: «Wirtschaftspartnerschaftsprogramm») zur Billigung vorlegen, der von der EU &#252;berwacht wird. Die EU kann &#196;nderungen verlangen, wenn Staaten gegen den Stabilit&#228;tspakt versto&#223;en.</p>
<p>5. Eine gemeinsame Wirtschaftspolitik wird angestrebt. Sie soll durch einen &#228;hnlichen Mechanismus m&#246;glich werden, wie er im Bereich der Sicherheitspolitik angewandt wird. Die Wirtschaftspolitik soll sich konzentrieren auf Fragen des Arbeitsmarktes, die Tragf&#228;higkeit der Renten- und Sozialsysteme, «pragmatische Ma&#223;nahmen der Steuerkoordination» (damit sind wohl technische, nicht politische Schritte zur Steuerharmonisierung gemeint).</p>
<p>Das Forum f&#252;r die Abstimmung &#252;ber eine st&#228;rkere Koordination der Wirtschaftspolitik ist der Gipfel der Eurostaaten zweimal im Jahr.</p>
<p>6. Der Europ&#228;ische Stabilit&#228;tsmechanismus (ESM), faktisch eine Art Europ&#228;ischer W&#228;hrungsfonds und permanenter Rettungsschirm, der erst 2013 den bisherigen Rettungsschirm EFSF abl&#246;sen sollte, wird bereits Mitte 2012 eingerichtet. Beide Rettungsschirme existieren dann ein Jahr lang parallel nebeneinander.</p>
<p>Der ESM operiert als Kreditinstitut und kann Banken direkt mit Kapital ausstatten (ohne Umwege &#252;ber die EZB oder andere). Seine Entscheidungsregeln entsprechen denen des IWF, d.h. die Stimmrechte orientieren sich an der H&#246;he der Einlagen eines Mitgliedstaats; der Grundsatz «ein Staat, eine Stimme» gilt nicht.</p>
<p>Der ESM muss seine Beschl&#252;sse auch nicht einstimmig fassen, es reicht eine qualifizierte Mehrheit von 85%. Da die BRD &#252;ber mehr als 15% der ESM-Anteile verf&#252;gt, erh&#228;lt es ein Vetorecht.</p>
<p>Der ESM ist zun&#228;chst mit einem Volumen von 500 Mrd. Euro ausgestattet, doch kann diese Beschr&#228;nkung auch aufgehoben und dem Fonds eine «volle Kreditvergabef&#228;higkeit» zugesprochen werden.</p>
<p>7. Die Beteiligung privater Gl&#228;ubiger an Umschuldungen («Schuldenschnitt») wird wieder fallen gelassen. Griechenland sei eine «einmalige Ausnahme» gewesen, hei&#223;t es. K&#252;nftig soll bei Umschuldungen das Verfahren des IWF angewandt werden.</p>
<p>Eurobonds sind nicht vorgesehen. Auf deutschen Druck wurde im Entwurf von van Rompuy eine Passage wieder gestrichen, die einen Fahrplan zur Einf&#252;hrung gemeinsamer Anleihen vorgesehen hatte.</p>
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		<title>Zu den Br&#252;sseler Beschl&#252;ssen der EU</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:37:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[EU]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn der Bock zum G&#228;rtner gemacht wird von Angela Klein H&#228;lt man sich an die Legende, dass die Eurokrise mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wenn der Bock zum G&#228;rtner gemacht wird</strong></p>
<p>von <em>Angela Klein</em></p>
<p>H&#228;lt man sich an die Legende, dass die Eurokrise mit der «Griechenpleite» begonnen hat, r&#252;ckt vor allem ein Akteur in den Vordergrund: Goldman Sachs. Die US-amerikanische Investmentbank half Griechenland Anfang 2002 den Kredit einzuf&#228;deln, den das Land brauchte, um sein Haushaltsdefizit zu kaschieren und eurokompatibel zu werden. Acht Jahre und eine Bankenkrise sp&#228;ter erweist sich dieser Kredit als Sargnagel der griechischen Wirtschaft und, wer wei&#223;, vielleicht des Euro insgesamt.<br />
<span id="more-3723"></span>Daf&#252;r wurden allerdings die griechischen Arbeiter und Angestellten zur Rechenschaft gezogen, kein Verantwortlicher von Goldman Sachs, auch nicht der PASOK-Regierung, die diesen Handel damals zuwege brachte. Im Gegenteil, die Bank wusste sich weiterhin unentbehrlich zu machen, nun nicht mehr als Kreditgeber, sondern als Reparaturwerkstatt f&#252;r die von ihr angerichteten Scherben: 2010 holte Giorgos Papandreou Petros Christodoulous an die Spitze der griechischen Finanzagentur, die die Staatsschulden verwaltet, er selbst wurde im November 2011 von Loukas Papademos abgel&#246;st.</p>
<p><strong>Die neuen Machthaber</strong></p>
<p>Den Reigen der neuen Machthaber in Europa er&#246;ffnete Mario Draghi, der am 1.November 2011 an die Spitze der EZB wechselte. Mario Monti, der neue Regierungschef Italiens ist vom selben Kaliber – alles M&#228;nner von Goldman Sachs. Sie umgeben sich mit der autokratischen Aura des «Technikers»,  «Unabh&#228;ngigen» und «Neutralen», der sich nicht von Parteiengez&#228;nk leiten l&#228;sst, sondern aus den luftigen H&#246;hen seines «Expertenwissens» sich gro&#223;z&#252;gig &#252;ber gew&#228;hlte Regierungen und Bev&#246;lkerungsmehrheiten hinwegsetzen. Ihr «Fach» ist das des Bankers und Anwalts der gro&#223;en Kapitalanleger.</p>
<p>In Frankreich und Deutschland agieren andere Banken nicht weniger effektiv, nur dass sie hier Merkozy noch vor sich herschieben. Aber es ist kein Geheimnis, dass das deutsch-franz&#246;sische Duo sein Konzept f&#252;r eine &#196;nderung des Lissabon-Vertrags (jetzt: den neuen Euro-Vertrag) in enger Absprache mit dem EZB-Chef, der Deutschen Bank und BNP-Paribas durchgesetzt haben.</p>
<p>Europa wird jetzt von den Banken regiert. Konnte man fr&#252;her sagen, die erste Geige in der EU spielen die Staats- und Regierungschefs, so hat sich dies seit dem Lehman-Krach dramatisch ge&#228;ndert. Banken entsenden nicht nur Regierungschefs, sie schieben auch EU-Institutionen vor sich her: die Kommission, das Europaparlament, die Eurogruppe – im Politsprech hei&#223;t es, sie «beziehen sie ein», die Sprache verr&#228;t schon: es handelt sich hier um den Hofstaat. Dessen ungekr&#246;nter K&#246;nig ist die EZB, aber dieser K&#246;nig ist selber nur ein Lakai der (institutionellen) Kapitalanleger. Das ist der Sinn der «Unabh&#228;ngigkeit» der EZB: Unabh&#228;ngigkeit von der Politik, damit die Finanzwelt direkten Zugriff auf die monet&#228;ren (und somit gesellschaftspolitischen) Entscheidungen bekommt.</p>
<p><strong>Bauchlandung</strong></p>
<p>Schaffen es die Banker denn nun, der Bankenkrise Herr zu werden? Sind die «Experten aus dem eigenen Hause» f&#228;hig zu tragf&#228;higen L&#246;sungen? Mitnichten. Kaum war der hehre Schwur verklungen, man werde «auch ohne England» gemeinsam den Sprung ins neue Zeitalter der Stabilit&#228;tsunion wagen, meldete sich schon die Ratingagentur Moodys zu Wort: Wir glauben euch nicht, und werden euch weiter herabstufen. Dasselbe musste &#252;brigens Mario Monti erfahren, nachdem er Berlusconis letztes Sparprogramm ein drittes Mal versch&#228;rft hatte: die Zinsen f&#252;r Staatsanleihen stiegen trotzdem auf 6,5%. Zeitgleich sank die Gemeinschaftsw&#228;hrung erstmals sei Mitte Januar unter die Marke von 1,30 Dollar.</p>
<p>So wirklich interessiert sich ja auch kein Kapitalanleger daf&#252;r, ob nun der EU-Vertrag ge&#228;ndert oder nur ein Protokoll dazu umformuliert wird, er interessiert sich nicht einmal daf&#252;r, wie hoch die Schulden eines Staates sind – solange der nur die geforderten Zinsen zahlen kann. Alles was ihn interessiert in dieser st&#252;rmischen Zeit ist ein sicherer Hafen f&#252;r sein Geld. Diese Sicherheit kann kein einzelner EU-Staat mehr garantieren, nicht einmal Deutschland, weshalb auch Deutschland inzwischen eine Herabstufung angedroht wurde.</p>
<p>Bei Lichte betrachtet gibt es deshalb (aus Sicht der Kapitalanleger) letztlich nur eine Sicherheit: die Notenpresse, die EZB muss t&#228;tig werden. Und sie wird es auch tun,  ungeachtet der Demonstration preu&#223;ischer Sekund&#228;rtugenden, die Frau Merkel meinte an den Tag legen zu m&#252;ssen, um ihre Frondeure zu Hause an die Leine zu legen. Weshalb auf deutsches Betreiben ein Passus aus der EU-Vereinbarung herausgenommen wurde, den der Pr&#228;sident des Europ&#228;ischen Rats, van Rompuy, der den Entwurf geschrieben hatte, gern drin behalten h&#228;tte: dass Eurobonds (Gemeinschaftsanleihen) im Zweifelsfalle eine Option bleiben. Es muss also alles nochmal schlimmer kommen, bevor die kurzsichtigen, von ihren Exporterfolgen abgefederten Deutschen sich dem stummen Zwang der Verh&#228;ltnisse ergeben.</p>
<p><strong>Die Reihenfolge ist entscheidend</strong></p>
<p>Selbst Mario Draghi hat ein st&#228;rkeres Eingreifen der EZB nicht ausgeschlossen. Anfang Dezember schlug er den Chefs der Eurol&#228;nder einen Deal vor: Er forderte einen neuen Haushaltspakt, um die Eurow&#228;hrung glaubw&#252;rdiger zu machen. «Andere Elemente k&#246;nnten folgen, aber die Reihenfolge ist entscheidend», meinte er dann. Diplomaten deuteten die Bemerkung so, Draghi k&#246;nne dann durchaus zu Feuerwehreins&#228;tzen bereit sein. Die Reihenfolge ist entscheidend, erst die Einwilligung in die Kastration, dann die offene Hand der EZB (siehe dazu die EU-Beschl&#252;sse auf S.12).</p>
<p>In diesem kleinen Satz liegt die Erkl&#228;rung daf&#252;r verborgen, warum sich die Banken, das exportorientierte Kapital und die Regierungen in Europa so massiv an der «Fiskalunion» festbei&#223;en – d.h. an dem Dogma, die M&#228;rkte w&#252;rden erst dann wieder Vertrauen sch&#246;pfen, wenn die &#246;ffentlichen Haushalte ihre Verschuldung auf 0,5% des Bruttoinlandsprodukts heruntergefahren h&#228;tten. In Zeiten der Weltwirtschaftskrise und der heraufziehenden Rezession eine absurde Vorstellung.</p>
<p>Aber sie hat eine Logik. «In dieser Reihenfolge» sagt: Wir werden die Notenpresse nicht eher anwerfen, als bis wir alle institutionellen und &#246;konomischen Hebel in der Hand haben um zu verhindern, dass das Geld, das wir drucken, jemand anderem zugute kommt als den Kapitalanlegern – schon gar nicht den Sozialhaushalten oder &#246;ffentlich gef&#246;rderten Wirtschaftssektoren. Es muss um jeden Preis sicher gestellt sein, dass das Geld nicht in die falschen H&#228;nde, die des Steuerzahlers, ger&#228;t.</p>
<p>Das ist jetzt schon Praxis: Von den Krediten, die die EZB mit Griechenland und Portugal vereinbart hat, sehen die Regierungen den geringsten Teil. «Von den 78 Mrd. Euro an EZB-Krediten gehen 54 Mrd. direkt an die Gl&#228;ubiger», zitiert Le Monde Diplomatique (Dezember 2011) Miguel Portas, der f&#252;r Portugal in der Linksfraktion im Europaparlament sitzt. «Man hat uns erkl&#228;rt, die Banken, bei denen die Staatsschulden liegen, h&#228;tten Vorrang. Um das zu finanzieren, werden die L&#246;hne gedr&#252;ckt und die Preise angehoben. Das Gro&#223;kapital wird v&#246;llig verschont – im Namen der Notwendigkeit, Investoren anzulocken.»</p>
<p>«Wir geben den Banken jede Liquidit&#228;t, die sie von uns fordern», zitiert Le Monde Diplomatique einen Vertreter der EZB, und f&#228;hrt dann fort: «W&#228;hrend man den Staaten die Kredite nur zu bestimmten – und zwar strengsten – Konditionen gew&#228;hrt, gilt f&#252;r die Banken das Selbstbedienungsprinzip. Der Deutschen Bank oder der franz&#246;sischen BNP-Paribas haben Trichet – oder jetzt Draghi – nicht damit gedroht, dass ihnen die EZB nur dann unter die Arme greift, wenn sie sich aus den Steueroasen zur&#252;ckziehen, die Spekulation mit Staatsobligationen einstellen und sich auf die Finanzierung der Realwirtschaft konzentrieren. Kein Anzugtr&#228;ger von der EZB ist bei der Commerzbank oder der Crédit Agricole aufgetaucht und hat die Bilanzen so genau unter die Lupe genommen wie im Athener Gesundheitsministerium, und anschlie&#223;end genauso arrogante Ermahnungen erteilt.»</p>
<p><strong>Ein Fr&#228;nkisches Reich?</strong></p>
<p>Die «Fiskalunion», angeblich der Vorhof zur politischen Union Europas, wird sein Totengr&#228;ber werden:</p>
<p>– die Volkswirtschaften der Mitgliedstaaten werden ausgepresst, um die Coupon-Schneider bei den Finanzinstituten zufrieden zu stellen – so wie es die Banken und der IWF jahrzehntelang gegen&#252;ber den L&#228;ndern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas getan haben; Europa tritt in ein «verlorenes Jahrzehnt»;</p>
<p>– die Automatisierung der Sanktionen und die Schaffung neuer, angeblich «neutraler» europ&#228;ischer Institutionen wie dem ESM dienen dazu, die zentralen Entscheidungen &#252;ber die Zukunft Europas dem politischen Meinungskampf und demokratischen Entscheidungsprozessen zu entziehen (und dem Volkszorn die Identifizierung einer Zielscheibe zu erschweren);</p>
<p>– und schlie&#223;lich, last but not least, versch&#228;rfen die Br&#252;sseler EU-Beschl&#252;sse nicht nur die sozialen Ungleichgewichte in der Union, sondern lassen erstmals auch politische Ungleichgewichte zu. Die Einf&#252;hrung der IWF-Regeln f&#252;r den ESM bedeutet n&#228;mlich nichts anderes, als dass reiche Staaten mehr Stimmen haben als &#228;rmere. Deutschland wird also erstmals in Europa wieder eine nackte politische Dominanz aus&#252;ben; es hat im ESM sogar ein Vetorecht, das den meisten anderen Staaten nicht zusteht.</p>
<p>Glaubt jemand allen Ernstes, eine Europ&#228;ische Union, die vor 60 Jahren als Gemeinschaft gleichgestellter Partner angetreten ist, lasse sich in ein Fr&#228;nkisches Reich umwandeln? In Br&#252;ssel haben die Staats- und Regierungschefs die Grundlagen nicht nur f&#252;r das &#246;konomische Scheitern des Euro, sondern auch f&#252;r das politische Scheitern der kapitalistischen Europa-Konzeption gelegt. Der Scherbenhaufen, der dabei zur&#252;ckbleibt, macht die Sache f&#252;r eine europ&#228;ische antikapitalistische Linke nicht einfacher.</p>
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		<title>Kroatien vor dem EU-Beitritt</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:08:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Das n&#228;chste Griechenland? von Heiko Bolldorf Am 9.Dezember 2011 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs der EU in Br&#252;ssel den Beitrittsvertrag [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das n&#228;chste Griechenland?</strong></p>
<p>von <em>Heiko Bolldorf</em></p>
<p>Am 9.Dezember 2011 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs der EU in Br&#252;ssel den Beitrittsvertrag mit Kroatien, das zum 1.Juli 2013, nach Ratifizierung des Vertrags durch alle Mitgliedstaaten, Mitglied der EU werden soll. Im Fr&#252;hjahr wird in Kroatien allerdings noch ein Referendum &#252;ber den Beitritt stattfinden; nach gegenw&#228;rtigen Umfragen sind etwa 60% der Bev&#246;lkerung daf&#252;r.<br />
<span id="more-3707"></span>Bereits jetzt ist absehbar, dass damit der n&#228;chste Krisenstaat beitritt. Anfang der 90er Jahre wurde der kroatischen Industrie schwerer Schaden zugef&#252;gt: Betriebe fielen an Parteifreunde des Pr&#228;sidenten Tudjman, denen es nur darum ging, Kapital abzuziehen, ohne in die Produktion zu investieren. Hinzu kamen der Verlust des jugoslawischen Marktes und das Gewicht von Branchen, die in ganz Europa in der Krise sind, wie Schiffbau und Textil.</p>
<p>So lebt Kroatien heute recht einseitig von Tourismus, Handel und Finanzdienstleistungen. Im letztgenannten Bereich sind insbesondere &#246;sterreichische und italienische Banken aktiv, deren Kredite 2002–2007 Wachstumsraten von 4 bis 5% erm&#246;glichten. Dieses Wachstum auf Pump – 2009 mussten 43% der Kroaten &#252;ber 20% ihres Einkommens f&#252;r den Schuldendienst aufbringen – endete mit Beginn der Weltwirtschaftskrise 2008.</p>
<p>Die Kreditbedingungen sind restriktiver geworden, 2010 schrumpfte die Wirtschaft um 1,7%. Die Staatsverschuldung betr&#228;gt gegenw&#228;rtig 102% des Bruttoinlandsprodukts, die Arbeitslosigkeit liegt bei &#252;ber 18%. Dazu kommen 70000 Besch&#228;ftigte ohne regelm&#228;&#223;ige Lohnzahlung. Die Erwerbslosigkeit unter den 15- bis 24-J&#228;hrigen betrug Ende 2009 25%, &#252;ber die H&#228;lfte der Erwerbslosen sind Frauen. 2010 erhielten 88% aller Neueingestellten einen befristeten Vertrag.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitrittszw&#228;nge und -widerspr&#252;che</p>
<p>Die am 4.12.2011 abgew&#228;hlte konservative Regierung von Ministerpr&#228;sidentin Jadranka Kosor antwortete mit einem Sparprogramm, das Gehaltsk&#252;rzungen im &#246;ffentlichen Dienst und eine befristete Krisensteuer umfasste. Statt &#246;konomischer Entwicklung hat also Haushaltskonsolidierung oberste Priorit&#228;t – somit wird die gleiche Linie verfolgt, die mit den Beschl&#252;ssen des Br&#252;sseler Gipfels f&#252;r die gesamte EU verbindlich werden soll: weiteres Abw&#252;rgen der wirtschaftlichen Entwicklung statt Angleichung der Lebensverh&#228;ltnisse nach oben.</p>
<p>Kroatien hat durch seine weitgehende Deindustrialisierung bereits jetzt eine &#228;hnliche &#246;konomische Struktur wie Griechenland – damit ist absehbar, dass es in den folgenden Jahren als n&#228;chster «Pleitestaat» ausgemacht werden wird und einer &#228;hnlichen «Kur» unterzogen wird wie gegenw&#228;rtig Griechenland und andere L&#228;nder der EU-Peripherie. Schon im Verlauf der Beitrittsverhandlungen wurde deutlich, wo die Priorit&#228;ten der EU liegen: Kroatien musste die Subventionen an seine Werften streichen und l&#246;ste das Problem durch Privatisierung.</p>
<p>Der Beitritt wird weder die Lebensbedingungen der kroatischen Bev&#246;lkerung verbessern, noch der EU Stabilit&#228;t bringen. Diese hat jedoch mit der S&#252;dosterweiterung einen Prozess eingeleitet, aus dem sie nicht ohne weiteres wieder aussteigen kann.</p>
<p>Seit Beginn des Krieges in Jugoslawien 1991 hat die EU ein erfolgreiches «Krisenmanagement» auf dem Balkan zum Pr&#252;fstein der Gemeinsamen Au&#223;en- und Sicherheitspolitik erkl&#228;rt. Eine Beitrittsperspektive galt dabei als Heilmittel, um Stabilit&#228;t in der Region zu schaffen. Die neoliberale Wirtschaftspolitik, die die EU im Zuge der Beitrittsverhandlungen f&#246;rdert, destabilisiert den Balkan jedoch. Die Ethnie als Schutzraum bleibt unter solchen Bedingungen attraktiv – insbesondere f&#252;r Bosnien-Herzegowina gilt, dass die Zugeh&#246;rigkeit zur «richtigen» Ethnie zu Vorteilen im Konkurrenzkampf um knappe Ressourcen f&#252;hren kann.</p>
<p>Im Widerspruch zwischen diesen beiden Politikfeldern hat sich eine Politik des Aussitzens durchgesetzt – aufgenommen wird ein Land wie Kroatien, das gerade nicht von extremen inneren Spannungen gekennzeichnet ist, in der Hoffnung, dies k&#246;nne Vorbildwirkung f&#252;r die restlichen Balkanstaaten haben, deren Beitritt gleichzeitig immer wieder hinausgeschoben wird, wie zuletzt im Falle Serbiens.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Schwache Linke</p>
<p>In Kroatien ist das eigentliche Problem in diesem Zusammenhang, dass eine linke, emanzipatorische Kritik an der EU kaum vorhanden ist. Sowohl die am 4.12. abgew&#228;hlte konservative HDZ (Hrvatska Demokratska Zajednica – Kroatische Demokratische Gemeinschaft) als auch die Parteien der neu gew&#228;hlten Kukuriku-Koalition, angef&#252;hrt von der SDP (Socijaldemokratska Partija Hrvatske – Sozialdemokratische Partei Kroatiens) sind klare Bef&#252;rworterinnen des Beitritts. Die neu ins Parlament eingezogenen, linkssozialdemokratischen «Hrvatski Laburisti» (Kroatische Arbeiter) um den fr&#252;heren Gewerkschaftsvorsitzenden Dragutin Lesar &#228;u&#223;ern lediglich vorsichtige Skepsis: Erst m&#252;sse das Volk die Details des Beitrittsvertrages kennen um zu entscheiden, ob der Beitritt ein Grund zum Feiern sei.</p>
<p>Die parlamentarische Opposition gegen die EU wird vor allem vom rechten Rand repr&#228;sentiert: von der HSP (Hrvatska Stranka Prava – Kroatische Partei des Rechts), die der EU u.a. fehlenden Respekt vor den kroatischen «Heimatverteidigern», die F&#246;rderung des Atheismus und die Zwangsvereinigung Kroatiens mit anderen exjugoslawischen Staaten vorwirft. Eine radikal linke EU-Kritik wird eher von gesellschaftlich isolierten Gruppen wie «Radnicka Borba» (Arbeiterkampf) vertreten – diese Organisation steht der IV.Internationale nahe und fordert eine europ&#228;ische Vereinigung auf sozialistischer Grundlage.</p>
<p>So entsteht eine, wichtige Probleme verschleiernde, Frontstellung zwischen «weltoffenen Europ&#228;ern» und «dumpfen Nationalisten». Hinzu kommt, dass aufgrund des Erbes des Jugoslawienkriegs die Alternative einer regionalen Integration in absehbarer Zeit kaum breite Unterst&#252;tzung finden wird.</p>
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		<title>«Uns wird eine Kriegslogik vorgeschlagen»</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 11:49:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[IWF/WTO u.a.]]></category>

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		<description><![CDATA[Italien besetzt von EZB und Wall Street von Giorgio Cremaschi Nicht die Bezahlung der Schulden, sondern die Schaffung sozialer Gleichheit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Italien besetzt von EZB und Wall Street</strong></p>
<p>von <em>Giorgio Cremaschi</em></p>
<p>Nicht die Bezahlung der Schulden, sondern die Schaffung sozialer Gleichheit h&#228;lt der Vorsitzende der italienischen Metallarbeitergewerkschaft FIOM f&#252;r den Schl&#252;ssel zur L&#246;sung der Krise.</p>
<p><span id="more-3530"></span></p>
<p>Wir verstehen die Befriedigung und das Gef&#252;hl der Befreiung, angesichts des politischen Sturzes von Berlusconi. Die Freude wird jedoch von kurzer Dauer sein, wenn die neue Regierung das &#246;konomische und soziale Programm verwirklicht, das im Brief der EZB [siehe SoZ 11/2011] und in den 39 Punkten enthalten ist, die ihn aufgreifen und pr&#228;zisieren.</p>
<p>Die Wahrheit ist, dass Berlusconi nicht durch unseren Druck gest&#252;rzt ist, sondern durch den der «M&#228;rkte». Das sind die Milliard&#228;re, die binnen weniger Stunden gewaltige Kapitalien in Bewegung setzen, B&#246;rsen zusammenbrechen lassen und Staatspapiere abwerten k&#246;nnen. Berlusconi hat das Vertrauen des internationalen Kapitalismus und der italienischen Bourgeoisie verloren; sie waren es, die ihn fallen lie&#223;en, und sie sind es, die die Rechnung pr&#228;sentieren. Nat&#252;rlich, wenn Berlusconi die Zustimmung der Bev&#246;lkerung gehabt h&#228;tte, wenn es nicht unsere K&#228;mpfe und Mobilisierungen gegeben h&#228;tte, s&#228;&#223;e er heute noch im Sattel, wahrscheinlich auch mit der Zustimmung der Unternehmer, die er so lange erhalten hat. Aber es bleibt dabei: Wenn wir auch den Baum gesch&#252;ttelt haben, so ist es doch das Gro&#223;kapital, das sich anschickt, die Fr&#252;chte einzusammeln und sie davonzutragen.</p>
<p>Die Regierung Monti wird keine technische Regierung sein sondern eine christdemokratische, technokratische, dem Unternehmerverband h&#246;rige Regierung sein, eng verbunden mit den Entscheidungen der gro&#223;en europ&#228;ischen und internationalen Wirtschaftsm&#228;chte.</p>
<p><strong>Technische Regierung?</strong></p>
<p>In den letzten Monaten haben US-amerikanische Aktivisten die Losung «Besetzen wir die Wall Street!» aufgestellt. Wir aber laufen Gefahr, von EZB und Wall Street besetzt zu werden.</p>
<p>Man wird mir vorwerfen, meine Position sei voreingenommen, doch sie basiert allein auf dem Mandat, das die gro&#223;en Medien und das Establishment im Allgemeinen dem neuen Regierungschef Monti geben: Es soll ein unpopul&#228;res Programm verwirklichen, die Renten k&#252;rzen, den Arbeitsmarkt – noch mehr! – flexibilisieren, weiter privatisieren – das Ganze gew&#252;rzt mit einer Verm&#246;gensteuer, die nur das Ziel hat zu zeigen, dass alle ein bisschen was zahlen – und die Verfassung zugunsten des Marktes &#228;ndern. Mehrfach hat Mario Monti dieses Programm verk&#252;ndet, und zu glauben, dass er es in dem Moment vergisst, in dem er an die Regierung kommt, ist Bl&#246;dsinn.</p>
<p>Wir werden also mit einer Regierung à la Griechenland konfrontiert sein, die uns im Namen der Schulden und der internationalen europ&#228;ischen Verpflichtungen dramatische Opfer aufzwingen wird. Es ist eine Kriegslogik, die uns vorgeschlagen wird, wie dies mehrfach in Bezug auf Griechenland gesagt worden ist. Und die Logik des Krieges t&#246;tet stets zu allererst die Wahrheit und die Demokratie. Deshalb sind wir &#252;berhaupt nicht einverstanden mit der politischen Linie des Pr&#228;sidenten der Republik. Er ist kein absoluter Souver&#228;n und kann und muss kritisiert werden, wenn er &#246;konomische und politische Entscheidungen trifft.</p>
<p>In Griechenland wurde ein Referendum &#252;ber die &#246;konomischen Entscheidungen verhindert. Allein die Ank&#252;ndigung eines solchen Referendums – dessen instrumenteller Charakter offen sichtbar war – durch den griechischen Ministerpr&#228;sidenten f&#252;hrte zum Sturz der Regierung. Bei uns verhindert die «technische» Regierung sofortige Wahlen, die unter anderem den Effekt h&#228;tten, das System Berlusconi endg&#252;ltig unter einer Lawine von W&#228;hlerstimmen zu begraben. Dank der «technischen» Regierung wird die Rechte nun die Gelegenheit erhalten, sich neu aufzustellen und die populistische Karte auszuspielen, wie es in allen europ&#228;ischen L&#228;ndern geschieht. Wir riskieren also, auf sozialer und &#246;konomischer Ebene einen dramatischen Preis zu bezahlen, um schlie&#223;lich doch wieder auf eine Rechte zu sto&#223;en, die andere beschuldigen wird, das soziale Massaker begangen zu haben.</p>
<p><strong>Es werden die Falschen gerufen</strong></p>
<p>Diese dramatische Krise unserer Demokratie ist wahrhaft das Zeichen f&#252;r den Zusammenbruch einer herrschenden Klasse, die zu einer realen Autonomie gegen&#252;ber den Ersch&#252;tterungen des Marktes unf&#228;hig ist. Die Krise ist nicht zu Ende, und sie wird auch nicht enden, auch nicht unter einer Regierung des Gro&#223;kapitals. Die kommende Rezession wird nicht gestoppt, sondern durch die Sparma&#223;nahmen noch versch&#228;rft, die beschlossen werden, um die Staatsschulden zu bezahlen. Alle Wirtschaftsindikatoren der sog. Real&#246;konomie sagen, dass die Dinge nicht im Lot sind und nicht ins Lot kommen werden.</p>
<p>Wie viele &#214;konomen, die nicht geh&#246;rt werden, festgestellt haben, ist die vorrangige Aufgabe nicht die, die Schulden zu bezahlen, um die Finanzwelt und die M&#228;rkte zu beruhigen, sondern die soziale Gleichheit wiederherzustellen. Ohne diese wird es keinen Wirtschaftsaufschwung geben, die Krise wird sich stattdessen eher verschlimmern.</p>
<p>Aber soziale Gleichheit wieder herzustellen bedeutet, genau die entgegengesetzte Richtung einzuschlagen wie die, die der Brief der EZB «nahelegt». Es bedeutet, die L&#246;hne anzuheben, die sozialen Rechte auszuweiten, das Gemeinwohl zu f&#246;rdern, Millionen kleiner Projekte ins Werk zu setzen, statt katastrophaler Gro&#223;projekte. Es bedeutet, von den Reichen, der Finanzwelt, den Steuerhinterziehern die Mittel zu holen, um sie in eine Konversion des Produktionsmodells zu investieren. All dies hei&#223;t, Schulden, die nicht einzutreiben sind, nicht zu bezahlen und genau jene Interessen matt zu setzen, die Mario Monti an die Regierung gebracht haben.</p>
<p>All dies w&#228;re ein tiefer Bruch mit der Wirtschaftspolitik der letzten drei&#223;ig Jahre. Stattdessen wird aber die Unternehmer- und Technokratenklasse an das Krankenbett des italienischen Kapitalismus gerufen, deren Weichenstellungen Europa in die Krise getrieben haben.</p>
<p>Bei alldem gibt es nur eine positive Tatsache – wir sagen dies mit Zorn und Bitterkeit. Wenn Mario Monti seine Regierung wirklich mit partei&#252;bergreifender Unterst&#252;tzung bildet, betreten wir eine neue Phase der italienischen Politik. Es wird das Ende der Zweiten Republik sein, das Ende von sich abwechselnden Regierungskonstellationen, die nichts &#228;ndern. Es wird offensichtlich werden, dass dieser Regierung eine soziale und politische Alternative von links entgegengesetzt werden muss.</p>
<p>Wir wollten nicht an einen solch dramatischen und schmerzhaften Punkt gelangen, aber nun, da wir dahin gelangt sind – und dies liegt sicher nicht in unserer Verantwortung –, widmen wir uns dem Aufbau einer politischen und gewerkschaftlichen, zivilen und demokratischen Opposition gegen die Regierung der EZB.</p>
<p><em>Aus: Liberazione, 11.11.2011.</em></p>
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		<title>Europa braucht eine neue Verfassung</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/11/europa-braucht-eine-neue-verfassung/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 11:46:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Sie k&#246;nnen es nicht von Angela Klein Zwei Regierungen hat die EU im vergangenen Monat zu Fall gebracht: Dem griechischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sie k&#246;nnen es nicht</strong></p>
<p>von <em>Angela Klein</em></p>
<p>Zwei Regierungen hat die EU im vergangenen Monat zu Fall gebracht: Dem griechischen Ministerpr&#228;sidenten wurde der Plan vereitelt, seine auf eine Stimme geschrumpfte Parlamentsmehrheit mit Hilfe eines Referendums &#252;ber die n&#228;chste Zumutung aus Br&#252;ssel zu retten. Und der italienische Premierminister wurde pers&#246;nlich als nicht mehr vertrauensw&#252;rdig erkl&#228;rt und aus dem Amt gedr&#228;ngt. Das ist neu in Europa: Nicht nur Gesetze und Haushalte, neuerdings werden auch Regierungen in Br&#252;ssel gemacht.<br />
<span id="more-3528"></span>Die Erosion der b&#252;rgerlich-parlamentarischen Demokratie schreitet mit Siebenmeilenstiefeln voran. Was bleibt, ist ein nacktes Machtger&#252;st; seine Hauptpfeiler bilden die EZB, die sich allein den Interessen der Finanzwelt verpflichtet f&#252;hlt, und der Europ&#228;ische Rat, dessen Regierungen au&#223;erdem noch die Anliegen der exportorientierten Wirtschaft im Auge haben. Letzterer entpuppt sich immer mehr als eine Gemeinschaft von Landesf&#252;rsten, die jeweils von der Gnade der Finanzkr&#228;ftigsten unter ihnen abh&#228;ngen – vor allem Deutschland, das seine Rolle als Zuchtmeister der EU ohne Frankreich aber nicht spielen kann.</p>
<p>Ob die EU &#252;ber die Krise kommt, oder ob sie darunter begraben wird, h&#228;ngt derzeit nur noch davon ab, ob Frankreich h&#228;lt oder selbst zum Rettungskandidaten wird. Im letzteren Fall w&#252;rden hierzulande die Stimmen derer, die eine «Abwicklung der W&#228;hrungsunion» und eine R&#252;ckkehr zu nationalen Alleing&#228;ngen fordern, Oberwasser bekommen – mit allen politischen Konsequenzen: autorit&#228;re Regierung, Ausl&#228;nderhetze, versch&#228;rfter Sozialrassismus, gewerkschaftsfeindliche Gesetze usw.</p>
<p>«Der Euro ist Europa, Europa ist der Euro.» In ihrer h&#246;chsten Not reduzierten Merkozy vor dem letzten EU-Gipfel Ende Oktober das kapitalistische Europa-Projekt auf seinen harten Kern: das Geld. Auf der Strecke bleiben die hochtrabenden Visionen der «V&#228;ter der Union», durch den Abbau nationaler Schranken die Bedingungen zu schaffen, dass der europ&#228;ische Kontinent niemals wieder durch Krieg verw&#252;stet w&#252;rde. Nationale Schranken wurden in den letzten Jahrzehnten vorwiegend f&#252;r das Kapital abgebaut, eine Vergemeinschaftung sozialer Rechte und wirtschaftlicher Entwicklung bleibt bis auf den heutigen Tag Teufelszeug.</p>
<p>60 Jahre nach der Gr&#252;ndung der Montanunion ist das Modell der kapitalistischen Einigung Europas krachend gegen die Wand gefahren. Was bleibt denn noch &#252;brig von den heeren Idealen: Angleichung der Lebensverh&#228;ltnisse nach oben, wie es in den R&#246;mischen Vertr&#228;gen von 1957 noch stand? Heute hei&#223;t es: Wir zahlen nicht f&#252;r die Griechen. Fortschritt f&#252;r alle? Heute hei&#223;t es: H&#228;nde weg von den niedrigen deutschen Zinsen. Europ&#228;isches Sozialstaatsmodell? Heute hei&#223;t es: Alle &#246;ffentlichen Einrichtungen auf den M&#252;llhaufen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Und die Demokratie? Die letzte Perle, um die &#220;berlegenheit des «westlichen Modells» &#252;ber die «islamische» oder «chinesische» Welt zu beweisen? Heute darf Rainer Hank, seines Zeichens Leiter der Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung schreiben:</p>
<p>«Demokratien sind, nach einem ber&#252;hmten Wort des schwedischen Finanzwissenschaftlers Knut Wicksell (1851 bis 1926), nichts anderes als die ‹Diktatur der zuf&#228;lligen Mehrheit›. ‹Wenn einmal die unteren Klassen definitiv in Besitz der gesetzgebenden und steuerbewilligenden Gewalt gelangt sind›, schreibt Wicksel, herrsche die Gefahr, ‹dass sie ebenso wenig uneigenn&#252;tzig verfahren werden, wie die Klassen, welche bisher die Macht in den H&#228;nden hatten, dass sie m.a.W. die Hauptmasse der Steuern den besitzenden Klassen auflegen und dabei vielleicht mit der Bewilligung der Ausgaben &#8230; so sorglos und verschwenderisch verfahren, dass das bewegliche Kapital des Landes bald nutzlos vergeudet und damit die Hebel des Fortschritts zerbrochen sein werden.› &#8230; Wenn sich [Staaten] verschulden, ist das nichts anderes als ein privatrechtlicher Vertrag zwischen Schuldnern (Staaten) und Gl&#228;ubigern (Banken, Privatleuten) &#8230; Vertr&#228;ge sind einzuhalten, so lautet ein Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit &#8230; Es sind die M&#228;rkte, die heute f&#252;r die Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit eintreten und diese mit der Zinsschraube (dem Preismechanismus) erzwingen. Dass die M&#228;rkte (viel zu sp&#228;t) wach geworden sind, ist die gute Botschaft und kein Grund, Zeter und Mordio zu rufen. Sie sind das kritische Korrektiv einer hemmungslosen Mehrheitsdemokratie.» (FAZ, 11.11.2011.) Mit dem Vorrang der Legalit&#228;t gegen&#252;ber der Legitimit&#228;t wurde dereinst auch Hitlers Machtergreifung gerechtfertigt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>«Das griechische Desaster ist eine deutliche Warnung vor dem postdemokratischen Weg, den Merkel und Sarkozy eingeschlagen haben», hatte J&#252;rgen Habermas zuvor geschrieben. «Eine Konzentration der Macht bei einem intergouvernementalen Ausschuss der Regierungschefs ist der falsche Weg. Ein demokratisches Europa, das keineswegs die Gestalt eines europ&#228;ischen Bundesstaats annehmen muss, muss anders aussehen &#8230; Die &#252;berf&#228;llige Kontroverse &#252;ber Notwendigkeit und Nutzen eines solchen Projekts muss in der breiten &#214;ffentlichkeit ausgetragen werden &#8230; Die erneute Anbahnung eines verfassungsgebenden Prozesses w&#252;rde ein Engagement verlangen, das von den Routinen des Machtopportunismus abweicht.»</p>
<p>Habermas schwant, dass Politik und Parteipolitik zu einer solchen Initiative nicht mehr in der Lage sind. Und schlussfolgert: «Dann k&#246;nnten sich die Parameter [daf&#252;r] nur noch im Zuge einer sozialen Bewegung verschieben.»</p>
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		<title>Das M&#228;rchen vom 50%igen Schuldenschnitt</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 11:39:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[IWF/WTO u.a.]]></category>

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		<description><![CDATA[Ergebnisse des EU-Gipfels von Angela Klein Es wurde als ein gro&#223;er Erfolg der Politik gegen die «egoistischen» Banken vermeldet: In [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ergebnisse des EU-Gipfels</strong></p>
<p>von <em>Angela Klein</em></p>
<p>Es wurde als ein gro&#223;er Erfolg der Politik gegen die «egoistischen» Banken vermeldet: In z&#228;hen Verhandlungen wollen Merkel und Sarkozy Ende Oktober den Vertretern des Internationalen Bankenverbands (Vorsitzender: Josef Ackermann) einen Verzicht auf 50% ihrer Griechenlandanleihen abgerungen haben. Die Behauptung ist in mehrfacher Hinsicht falsch.<br />
<span id="more-3526"></span>1. Es wurde gar kein Schuldenschnitt beschlossen. Vielmehr wurden Banken und Versicherungen eingeladen, auf freiwilliger Basis ihre Griechenlandanleihen gegen andere Anleihen zu tauschen. Dabei sollen sie einen Nominalwert von 50% abschreiben (real haben ihre Anleihen inzwischen einen Marktwert von 30–40%). Sie machen also ein gutes Gesch&#228;ft. Wie gut es ist, wird man Anfang 2012 sehen, wenn die Verhandlungen &#252;ber das Tauschprogramm abgeschlossen sind.</p>
<p>2. Der Verzicht geschah auf freiwilliger Basis deshalb, weil die Umschuldung sonst als «Default», als Kreditereignis gelten w&#252;rde, mit anderen Worten: Es m&#252;ssten dann die Kreditausfallversicherungen greifen, die seit Fr&#252;hjahr 2010 so in die H&#246;he geschnellt sind und der erste Indikator f&#252;r Griechenlands Zahlungsunf&#228;higkeit waren. Die Kreditversicherungen aber wurden von den europ&#228;ischen Finanzinstituten ausgegeben, im Fall eines «Kreditereignisses» m&#252;ssten diese die volle Versicherungssumme an die Versicherungsnehmer bezahlen. Das w&#252;rde bedeutend teurer.</p>
<p>3. Die Rede vom 50%igen Schuldenschnitt gaukelt vor, nun w&#252;rden sich Griechenlands Staatsschulden um 50% halbieren. Dem ist mitnichten so, im Gegenteil.</p>
<p>Der Schuldenschnitt betrifft n&#228;mlich nur die Staatsanleihen, die private Banken und Versicherungen halten und deren Laufzeit in 2020 endet. Das sind rund 200 Mrd. Euro. Die restlichen Anleihen, n&#228;mlich 160–170 Mrd. Euro, haben entweder eine l&#228;ngere Laufzeit oder sie sind in der Hand der EZB oder des IWF. Dieses Geld ist vom Schuldenschnitt nicht betroffen.</p>
<p>Der vereinbarte Schuldenschnitt erleichtert die griechische Staatskasse also um die H&#228;lfte von 200 Mrd. Euro, sprich um 100 Mrd. Euro.</p>
<p>4. Der Anleihentausch zu den unter 1) genannten g&#252;nstigen Konditionen f&#252;r die Banken wird finanziert mit einer Geldspritze der Troika in H&#246;he von 130 Mrd. Euro, das ist mehr als der Nennwert der Anleihen im Besitz der Banken und Versicherungen, die getauscht werden. Um diese Summe steigt die griechische Schuldenlast wiederum, die Gl&#228;ubiger sind nur andere geworden.</p>
<p>5. Der sog. Schuldenschnitt ist also nichts anderes als eine (weitere) Befreiung der privaten Banken und Versicherungen durch Umtausch von schlechten in gute Kredite zu Lasten der &#246;ffentlichen Kassen anderer EU-Staaten.</p>
<p>Die Schuldenlast des griechischen Staates soll durch die gesamte Operation letzten Endes bis 2020 auf 120% des Bruttoinlandsprodukts sinken (von 170% heute) – das ist der Stand von 2009! Griechenland bleibt also unter der Knute der Schuldknechtschaft – es ist das wirksamste Instrument, das Land zu zwingen, alle Auflagen seiner Peiniger zu erf&#252;llen.</p>
<p><strong> Woher kommen die griechischen Schulden?</strong></p>
<p>Der normale griechische Lohnabh&#228;ngige hat, wie in jedem anderen Land auch, keine M&#246;glichkeiten, Steuern zu hinterziehen. Die Steuerhinterzieher sind die Reichen, Freiberufler, Kaufleute etc. F&#252;r die gibt es ganz legale M&#246;glichkeiten daf&#252;r. So wurden allein f&#252;r die Reeder 58 verschiedene Steuerbefreiungsgesetze geschaffen. Die legale Steuerhinterziehung ist ein viel gr&#246;&#223;eres Problem als die illegale.</p>
<p>Vor der Krise betrug die griechischen Schuldenquote (im Verh&#228;ltnis zum BIP) 100–110%, lag also auf einer &#228;hnlichen H&#246;he wie die Belgiens oder Italiens. Ab den 90er Jahren hat der Staat begonnen, die griechischen Banken, Reeder, Bauunternehmer u.a. durch gro&#223;z&#252;gige Steuergeschenke zu unterst&#252;tzen, damit sie auf dem Balkan und in Osteuropa expandieren und auf dem Weltmarkt wettbewerbsf&#228;higer werden konnten. Das dadurch in der Staatskasse fehlende Geld hat die Regierung durch g&#252;nstige (Euro)Kredite ausgeglichen. 2009 lag die Verschuldung bei 115–120%.</p>
<p>Erst im Fr&#252;hjahr 2010 begannen die Schulden, in astronomische H&#246;hen zu steigen, als die Zinsen f&#252;r Staatsanleihen auf 7% stiegen, weil die Banken auf die Unf&#228;higkeit der Regierung spekulierten, die Anleihen zur&#252;ckzuzahlen. Seit die Troika in Griechenland das Sagen &#252;bernommen hat, ist die Staatsverschuldung auf 170% angewachsen – gleichzeitig ist die Wirtschaft in den letzten drei Jahren um 15% eingebrochen.</p>
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