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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Krieg</title>
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		<title>Was Google-Streetview mit Milit&#228;rtechnik zu tun hat</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2012/02/was-google-streetview-mit-militartechnik-zu-tun-hat/</link>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 18:48:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Startseite]]></category>

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		<description><![CDATA[Das «mannlose Schlachtfeld» von Rolf Euler Im Sommer 2005 gab es eine spektakul&#228;re Autorallye in der Mojave-W&#252;ste in den USA: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das «mannlose Schlachtfeld»</strong></p>
<p>von <em>Rolf Euler</em></p>
<p>Im Sommer 2005 gab es eine spektakul&#228;re Autorallye in der Mojave-W&#252;ste in den USA: Fahrerlose Fahrzeuge bewegten sich auf Sand- und Ger&#246;llpisten, ein VW-Touareg-Gel&#228;ndewagen gewann. Entwicklerteams von amerikanischen und deutschen Universit&#228;ten bildeten die Mannschaften, deren Computerprogramme und Robotertechnik die Autos steuerten. Das Entscheidende dabei: Die amerikanische Milit&#228;rtechnologieagentur DARPA veranstaltete die Rallye und stellte das Preisgeld von mehreren Millionen Dollar zur Verf&#252;gung.<br />
<span id="more-3928"></span>Der deutsche Stanford-Professor Sebastian Thrun leitete das Siegerteam 2005, er hat mit seinem Team schon an mehreren dieser milit&#228;rischen Forschungs»wettfahrten» teilgenommen. Sp&#228;ter ging Thrun zur Firma Google und war dort an der Entwicklung von «Google-Street-View» beteiligt.<br />
Obgleich den Nutzern meist weisgemacht wird, dass «Google-Street-View» vor allem Privatleuten dient, damit die sich im Ferienort oder am neuen Wohnort umsehen k&#246;nnen, stehen in Wahrheit wohl eher die Gesch&#228;ftsinteressen von Maklern und  Finanzanlegern sowie an polizeiliche und milit&#228;rische Planungen im Vordergrund.</p>
<p><strong>Streetview hilft</strong></p>
<p>«Autonome» Fahrzeuge sind seit Jahren eine Forderung der Milit&#228;rs f&#252;r das «mannlose» Schlachtfeld, wobei die Bestrebungen dahin gehen, dass diese Fahrzeuge nicht ferngesteuert per Video und Funk gelenkt werden, sondern dass sie sich alleine bewegen k&#246;nnen. Ihre Programme m&#252;ssen die Umgebung kennen lernen wie ein «Fahrsch&#252;ler» – dazu dienen vorher eingespeicherte Umgebungsdaten. Roboter-Soldaten sind l&#228;ngst keine Hollywood-Fantasie mehr, sondern in den Aufkl&#228;rungs- und Kampfdrohnen oder -fahrzeugen Realit&#228;t – erforscht und entwickelt auch mit «deutscher Ingenieurskunst».<br />
Aber wenn Roboterautos samt Streetview-F&#228;higkeiten noch Zukunftsvision sind, werden in den aktuell stattfindenden Kriegen bereits Drohnen eingesetzt. Die F&#228;higkeiten, auch ohne Fernsteuerung selbstt&#228;tig Ziele ansteuern und verfolgen zu k&#246;nnen, wird perfektioniert. Ihre Ableger werden schon jetzt f&#252;r den Polizeidienst, etwa bei der Verfolgung und &#220;berwachung vergleichbar mit einem Hubschrauber, erprobt.<br />
Bei den Informationstechnologien, der Roboterisierung und der Software-Entwicklung stehen stets  milit&#228;rische und geheimdienstliche Zwecke stark im Vordergrund. Facebook und Google, Microsoft und Intel haben ihre Herkunft, ihren Aufstieg und ihren Serverfarmen in den USA. Ihre finanziellen Interessen dominieren den Internetmarkt, ihre milit&#228;rischen Verbindungen sind geheim, aber erwartbar.</p>
<p><strong>N&#252;tzlich auch f&#252;r die Polizei</strong></p>
<p>Dazu kommt, dass die oft geheime milit&#228;rische Aufr&#252;stung auch zu polizeilichen Zwecken verwendet werden kann. Hier ist insbesondere der Einsatz von Drohnen zu nennen. Miniaturisierung der Datenverarbeitung und Kameratechnik machen es m&#246;glich, dass Minihubschrauber, kaum gr&#246;&#223;er als ein DIN-A4-Blatt, gegen Demonstrationen eingesetzt werden. Hier werden Videokameras eingesetzt, bei denen die Gesichtserkennung immer besser funktioniert. Zur &#220;berwachung tr&#228;gt bei, dass die neuen Personaldokumente mit biometrischen Gesichtsdaten versehen werden, die in Videobildern herausgefiltert und verglichen werden k&#246;nnen. Facebook und Google benutzen diese Gesichtskennung f&#252;r Fotos, die in den sozialen Netzwerken hochgeladen werden. Der Zugriff von Polizeidiensten auf diese Netzwerke ist bekannt geworden, ganz zu schweigen von den vielf&#228;ltigen Geheimdiensten.<br />
Die digitale Revolution hat zu einer erheblichen Ausweitung der &#220;berwachung und Ausforschung immer gr&#246;&#223;erer Bev&#246;lkerungsteile gef&#252;hrt. Die bekannt gewordene &#220;berwachung aller Mobiltelefongespr&#228;che und ihres Aufenthaltsbereiches w&#228;hrend der antifaschistischen Demonstration in Dresden im letzten Jahr ist nur eines der herausragenden Beispiele. Die &#220;berwachungstechnik wird nat&#252;rlich auch exportiert – z.B. nach Libyen.</p>
<p>Smarte Stromnetze, smarte Mobiltelefone – das klingt smart und nett –, dahinter lauern jedoch milit&#228;rische Anwendungen, zumindest die &#220;berwachung von immer mehr Menschen. Techniker, Ingenieure, Software-Entwickler tragen oft unbewusst zum milit&#228;rischen und geheimdienstlichen Unwesen bei – oder sie verdr&#228;ngen diese Seite ihrer T&#228;tigkeit.</p>
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		<title>Die Bonner Afghanistankonferenz und die Proteste gegen den Krieg</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2012/01/die-bonner-afghanistankonferenz-und-die-proteste-gegen-den-krieg/</link>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 17:07:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>

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		<description><![CDATA[In kolonialer Manier von Werner Ruhoff Die USA wollen sich in Afghanistan dauerhaft festsetzen und sto&#223;en damit auf Widerstand. Seit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In kolonialer Manier</strong></p>
<p>von <em>Werner Ruhoff</em></p>
<p>Die USA wollen sich in Afghanistan dauerhaft festsetzen und sto&#223;en damit auf Widerstand.</p>
<p>Seit Obamas Wahl zum ohnm&#228;chtigsten M&#228;chtigen haben die USA die Zahl der Soldaten in Afghanistan auf mehr als 130000 verdoppelt. Die afghanischen Zivilopfer, einschlie&#223;lich der 142 in Kunduz, sind seit 2008 um ein Drittel auf &#252;ber 3000 gestiegen, die Dunkelziffer wird h&#246;her gesch&#228;tzt. Mehr als 700000 Menschen sind seit 2006 gefl&#252;chtet.<br />
<span id="more-3746"></span>Angriffe von Afghanen auf Nichtregierungsorganisationen, deren Aufbauhilfe den milit&#228;rischen Zielen der ausl&#228;ndischen Truppen untergeordnet ist, haben zugenommen. Die soziale Situation der Bev&#246;lkerung hat sich im Gegensatz zu den Behauptungen der Kriegsbef&#252;rworter nicht gebessert. Mehr als die H&#228;lfte ist immer noch unterern&#228;hrt. Prostitution und Opiumabh&#228;ngigkeit von Frauen nehmen zu. Allein zwischen 2005 und 2006 ist die Anbaufl&#228;che f&#252;r Schlafmohn um 60% gestiegen. Schulen wurden wegen der Kampfhandlungen geschlossen oder teilweise zerst&#246;rt. Die Alphabetisierungsrate ist gefallen und liegt bei Erwachsenen unter 25%.</p>
<p>Nach zehn Jahren Krieg wurde Anfang Dezember in Bonn wieder einmal in kolonialer Manier &#252;ber Afghanistan konferenzt. Die korrupte Regierung Karzai mit ihren Warlords wurde gen&#246;tigt, einem Tauschgesch&#228;ft zuzustimmen: Die politischen Investoren erwarten Entgegenkommen «in pr&#228;zedenzlos deutlicher Sprache», so das Zitat eines Diplomaten, denn schlie&#223;lich zahle man bis zum Jahr 2024 viel Geld an «Aufbauhilfe» f&#252;r die &#220;bergabe der polizeilichen wie milit&#228;rischen Verantwortung an die afghanische Regierung. Wie die irakische Regierung wehrt sich Karzai aber gegen geplante US-Milit&#228;rst&#252;tzpunkte nach dem offiziellen Truppenabzug 2014, mit denen sich die USA in Afghanistan festsetzen wollen. Immerhin betrachten nach einer Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung mehr als die H&#228;lfte der Afghanen die ausl&#228;ndischen Truppen als Besatzung.</p>
<p>«Truppen raus aus Afghanistan» lautete die Forderung der Friedensaktivisten, die vom 3.bis 5.Dezember in Bonn zu Protesten und einer Friedenskonferenz aufgerufen hatten. Gesch&#228;tzte 3000–4000 Demonstrierende waren trotz des regnerischen Wetters erschienen, um ihren Unmut laut, auff&#228;llig und fantasievoll in die vorweihnachtlich gestimmte &#214;ffentlichkeit zu tragen. Wolfgang Uellenberg von der Ver.di-Bundesverwaltung sprach sich im Namen der Gewerkschaft f&#252;r den sofortigen Abzug aller ISAF-Truppen aus Afghanistan aus. Die Abstrafung Hans-Christian Str&#246;beles mit Eierw&#252;rfen durch eine Gruppe Demonstrierender wegen der Kriegspolitik seiner Partei wurde von den meisten missbilligt.</p>
<p>Auf der alternativen Friedenskonferenz, die am Sonntag von etwa 350 Teilnehmenden aus 17 L&#228;ndern besucht wurde, vertrat die afghanische Aktivistin Malalai Joya hartn&#228;ckig den Standpunkt, «der Westen» vertrete nur seine eigenen Interessen in Afghanistan und weite den Krieg auf Pakistan aus. Die einfachen Menschen seien die Leidtragenden zwischen den Fronten von Taliban und ausl&#228;ndischen Truppen. Der US-amerikanische Friedensaktivist Joseph Gerson forderte die Anwesenden auf, im M&#228;rz 2012 gegen den gemeinsamen NATO- und G8-Gipfel in Chicago zu demonstrieren. Tobias Pfl&#252;ger von der Informationsstelle Militarisierung wies darauf hin, dass die am 4.Februar geplante «Sicherheitskonferenz» der NATO in M&#252;nchen f&#252;r uns die n&#228;her liegende M&#246;glichkeit sei, sich gegen die NATO in Bewegung zu setzen.</p>
<p>Am Montag schlossen die Aktivit&#228;ten der Friedensbewegung mit einer kleinen, aber von zahlreichen bewaffneten Polizisten umringten Demonstration von der Bonner Museumsmeile zum Rheinschiff Beethoven, wo noch einmal die Gelegenheit bestand, mit Malalai Joya und Joseph Gerson zu diskutieren. Drei Frauen der Linksfraktion im Bundestag berichteten &#252;ber ihre Aktion im Plenum der neokolonialen Konferenz. Mit einem aufgerollten Transparent, auf dem  «NATO = Terror» zu lesen war, konnten sie f&#252;r einen Moment Aufsehen im Plenarsaal des alten Bundestags erheischen. Westerwelle soll dem verlegenen Karzai daraufhin erkl&#228;rt haben, dass in einer Demokratie auch so etwas m&#246;glich sei. Na denn!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Informationen zu M&#252;nchner Sicherheitskonferenz unter www.sicherheitskonferenz.de.</p>
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		<title>Aufschrei wider den Waffentod, f&#252;r das Leben!</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/11/aufschrei-wider-den-waffentod-fur-das-leben/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 13:13:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krieg]]></category>

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		<description><![CDATA[J&#252;rgen Gr&#228;sslin ist Deutschlands «prominentester R&#252;stungsgegner». Der studierte P&#228;dagoge engagiert sich seit den fr&#252;hen 80er Jahren gegen die Waffenindustrie, seit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>J&#252;rgen Gr&#228;sslin</em> ist Deutschlands «prominentester R&#252;stungsgegner». Der studierte P&#228;dagoge engagiert sich seit den fr&#252;hen 80er Jahren gegen die Waffenindustrie, seit 1994 ver&#246;ffentlicht er B&#252;cher dar&#252;ber. Er ist Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) und der Kritischen Aktion&#228;rInnen Daimler (KAD).</p>
<p>Am 1.September 2011 erhielt er, zusammen mit der Informationsstelle Militarisierung aus T&#252;bingen (IMI) den Aachener Friedenspreis. Wir bringen Ausz&#252;ge aus seiner Dankesrede.<br />
<span id="more-3584"></span>Der Waffentod f&#252;hlt sich wohl in unserer Zeit der Kriege und B&#252;rgerkriege, der asymmetrischen Kriege mit ihren Terroranschl&#228;gen und Luftbombardements.</p>
<p>Der Waffentod ist in diesen Tagen ein gern gesehener Gast: in den USA, in Russland, in Deutschland – den weltweit f&#252;hrenden R&#252;stungsexportnationen. Wenn der Waffentod kommt, rollt die Bundesregierung den blutroten Teppich aus. Alle Achtung, gratuliert der Waffentod kalt grinsend, Europameister beim Waffenhandel ist ein t&#246;dlicher Titel!</p>
<p>F&#252;r gew&#246;hnlich reicht dem Waffentod ein Besuch beim Bundesausfuhramt in Eschborn. Dort winkt man Exportanfragen der R&#252;stungsindustrie zumeist willf&#228;hrig durch. Aber eben nicht die t&#246;dlichsten, nicht die in Krisen- und Kriegsgebiete.</p>
<p>Dazu muss sich der Waffentod zur Bundesregierung nach Berlin begeben. Hier im Kanzleramt tagt der Bundessicherheitsrat. Das Regierungsgremium befindet &#252;ber besonders brisante R&#252;stungsexporte – und damit &#252;ber die weltweite Sterbehilfe mit deutschen Waffen. Seit Jahrzehnten bereits ber&#228;t der Waffentod diese Regierungsrunde bei allen wichtigen Exportgenehmigungen.</p>
<p>Dabei tr&#228;gt er die Farben der Politiksaison: schwarz-gelb, rot-gr&#252;n, schwarz-rot, momentan mal wieder schwarz-gelb – allesamt verl&#228;ssliche Partner beim Gesch&#228;ft ohne Grenzen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ich bin ihm pers&#246;nlich begegnet, dem Waffentod: bei meinen Recherchereisen durch zerst&#246;rte D&#246;rfer in T&#252;rkisch-Kurdistan, [...] in der Hilfsstation des Somalil&#228;ndischen Roten Halbmondes in Hargeisa und in vielen Zelten und H&#252;tten, in denen sich das Grauen vergangener Gewalttaten bis heute in den Gesichtern der &#220;berlebenden widerspiegelt.</p>
<p>Mit jeder Reise in L&#228;nder, in denen bis heute deutsche Waffen w&#252;ten, und mit jedem Interview, das ich mit Menschen f&#252;hre, die Gliedma&#223;en verloren haben, begegne ich dem t&#246;dlich grinsenden Waffentod.</p>
<p>Bis zum heutigen Tag habe ich mehr als 220 Menschen interviewt, die Opfer des Einsatzes von Heckler &amp; Koch-Waffen geworden sind. Sie stehen pars pro toto f&#252;r das Schicksal von Millionen Menschen, die Familienmitglieder und Freunde durch den Einsatz deutscher Waffen verloren haben, die zeitlebens verst&#252;mmelt oder schwer traumatisiert sind.</p>
<p>Wir kennen die Schuldigen des Mordens mit deutschen Waffen: Manager in der R&#252;stungsindustrie, die die Herstellung der Todesprodukte mit verantworten, RegierungspolitikerInnen, die Waffenexporte an menschenrechtsverletzende und kriegf&#252;hrende Staaten genehmigen, sowie Soldaten und Kindersoldaten, Terroristen und S&#246;ldner, die die von Deutschland exportierten Waffen einsetzen.</p>
<p>Noch f&#252;hlt er sich wohl, der Waffentod: bei seinen Besuchen in Berlin bei der Bundesregierung, in Oberndorf – seiner Heimatstadt – bei Heckler &amp; Koch, in Unterschlei&#223;heim und am Bodensee bei der EADS, [...] und an vielen Orten mit Waffenschmieden in ganz Deutschland.</p>
<p>Noch f&#252;hlt er sich wohl – wir werden das &#228;ndern!</p>
<p>AUFSCHREI!</p>
<p>Vorbei die Zeit des Hinnehmens, des Ignorierens, des Wegschauens, des Stillschweigens und damit der t&#246;dlichen Akzeptanz. Gekommen ist die Zeit des sichtbaren Protestes, der gewaltfreien Aktionen, des lautstarken Aufschreis.</p>
<p>Wir schreien auf gegen den ganz legalen Waffenhandel der CDU/CSU/SPD/FDP/GR&#220;NEN-gef&#252;hrten Regierungskoalitionen!</p>
<p>Wir schreien auf gegen deutsche Kriegsprofite durch Waffenhandel mit kriegf&#252;hrenden Staaten!</p>
<p>Wir schreien auf gegen den Waffenhandel mit menschenrechtsverletzenden Regierungen!</p>
<p>Wir schreien auf gegen die Produktion des Todes und gegen Arbeitspl&#228;tze in der Industrie des Todes!</p>
<p>Wir schreien auf, weil Waffenhandel Beihilfe zu Mord – und im Falle der Kleinwaffen – Beihilfe zu Massenmord ist!</p>
<p>Wir schreien auf als Stimme f&#252;r Millionen von Get&#246;teten und Verst&#252;mmelten in der Folge der Exporte und Lizenzvergaben deutscher Waffen!</p>
<p>Wir schreien auf f&#252;r Frieden, f&#252;r Gerechtigkeit, f&#252;r das Leben!</p>
<p>Wir schreien auf f&#252;r Produkte f&#252;r das Leben!</p>
<p>Wir schreien auf f&#252;r die Erg&#228;nzung von Artikel 26 (2) des Grundgesetzes: «Kriegswaffen und sonstige R&#252;stungsg&#252;tern werden grunds&#228;tzlich nicht exportiert» – so muss die Formulierung zuk&#252;nftig lauten!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Deshalb haben wir im Mai 2011 die Kampagne Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel! ins Leben gerufen. Schon heute sind wir mehr als 100 Mitgliedsorganisationen aus der Friedens- und Menschenrechtsbewegung, aus der kirchlichen Friedens- und Entwicklungszusammenarbeit sowie viele Einzelpersonen – so viele wie nie zuvor.</p>
<p>Wenn Deutschland – der Europameister – aus dem Gesch&#228;ft mit dem Waffenhandel aussteigt, sind wir dem weltweiten Frieden ein St&#252;ck n&#228;her.</p>
<p>Der Aachener Friedenspreis bringt R&#252;ckenwind f&#252;r uns alle, die wir bei der Kampagne Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel! bereits mitmachen. Machen auch Sie nach Kr&#228;ften mit!</p>
<p>J&#252;rgen Gr&#228;sslin</p>
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		<item>
		<title>Libyen: Verbrechen und Menschenrechte nach Ma&#223;</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/05/libyen-verbrechen-und-menschenrechte-nach-mas/</link>
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		<pubDate>Sat, 28 May 2011 16:04:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krieg]]></category>

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		<description><![CDATA[von Kamil Majchrzak Deutschland behauptet, am Krieg gegen Libyen nicht beteiligt zu sein, deckt ihn aber politisch wie milit&#228;risch. Dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Kamil Majchrzak</em><br />
Deutschland behauptet, am Krieg gegen Libyen nicht beteiligt zu sein, deckt ihn aber politisch wie milit&#228;risch.<br />
<span id="more-2448"></span>Dass in der b&#252;rgerlichen Gesellschaft das Recht als vermeintlich neutrales Mittel zur Herstellung von Konsens gebraucht wird, gilt zumindest in linksradikalen Theoriezirkeln als hinl&#228;nglich bekannt, weshalb man sich damit nicht befassen m&#252;sse.</p>
<p>Ein Evergreen kolonialistischer Politik, die humanit&#228;re Intervention, scheint nun die Waffe der linken Kritik zum Verstummen zu bringen: Wiederaufbl&#252;hender Militarismus bestimmt die internationale Politik, wir werden mit Ma&#223;nahmen konfrontiert, die von der milit&#228;rischen Intervention zur gewaltsamen Durchsetzung eines Regimewechsels bis zur Etablierung der EU als neue Sanktionsinstanz reichen. In der Friedensbewegung ist um das F&#252;r und Wider einer humanit&#228;ren Intervention eine heftige Auseinandersetzung entbrannt, einige sehen in ihr das kleinere &#220;bel angesichts gravierender Not (siehe Elfenbeink&#252;ste und Libyen).</p>
<p>Dabei treten die Widerspr&#252;che zwischen einer «wertegeleiteten Au&#223;enpolitik», auf die sich nicht nur die CDU/CSU beruft, und den Interessen des Westens bei den j&#252;ngsten Resolutionen des UN-Sicherheitsrats vom 18.M&#228;rz (1973, zu Libyen) und vom 30.M&#228;rz (1975, zur Elfenbeink&#252;ste) unverh&#252;llt an die Oberfl&#228;che. Sie spiegeln sich auch im au&#223;enpolitischen Salto mortale der Bundesrepublik Deutschland: einerseits leistet sie einen aktiven Beitrag zur Eskalation der Gewalt, andererseits inszeniert sie medial ihrer Nichtbeteiligung am Krieg.</p>
<p><strong>Wir wissen von nichts</strong><br />
In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Sevim Dagdelen (Linksfraktion) zu den «Hintergr&#252;nden des bewaffneten Einsatzes [der NATO] in Libyen» gab die Bundesregierung an, «keine detaillierten Informationen &#252;ber Angriffe der libyschen Luftwaffe auf Zivilisten» zu besitzen. Dies &#252;berrascht, genehmigt doch die Resolution 1973 den Einsatz milit&#228;rischer Gewalt, um die «ausgedehnten und systematischen Angriffe gegen die Zivilbev&#246;lkerung, [die] m&#246;glicherweise Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen» zu unterbinden.</p>
<p>Der Bundesregierung l&#228;gen auch keine Erkenntnisse &#252;ber den Einsatz von Zivilisten als lebende Schutzschilder durch regierungstreue Truppen vor. In der Resolution 1973 hat die UNO zum ersten Mal bei einem Beschluss &#252;ber milit&#228;rische Gewaltma&#223;nahmen nach Kapitel VII von der Begr&#252;ndung der Bedrohung des internationalen Friedens abgesehen. Dies ist nicht zu untersch&#228;tzen. Immerhin feiern Bef&#252;rworter der milit&#228;rischen Intervention die Resolution 1973 als Durchbruch f&#252;r das Konzept «Verantwortung zum Schutz» (Responsibility to Protect), das v&#246;lkerrechtlich auf wackligen F&#252;&#223;en steht.</p>
<p>Die «Bedrohung des internationalen Friedens» ist nach Art.39 UN-Charta zwingend Voraussetzung, um die zur Wahrung oder Wiederherstellung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit erforderlichen Ma&#223;nahmen mit Luft-, See- oder Landstreitkr&#228;ften durchzuf&#252;hren.</p>
<p><strong>Bruch des Friedens?</strong><br />
Direkt darauf angesprochen, antwortete der Bundesregierung, sie vermute eine solche Bedrohung vor allem in der Entwicklung der innerstaatlichen Lage, namentlich um «den Schutz der Zivilpersonen und der von der Zivilbev&#246;lkerung bewohnten Gebiete sowie den raschen und ungehinderten Durchlass humanit&#228;rer Hilfe und die Sicherheit der humanit&#228;ren Hilfe zu gew&#228;hrleisten». Doch wie soll etwas gew&#228;hrleistet werden, was anscheinend gar nicht vorliegt, da diesbez&#252;gliche Tatsachen weder in der Resolution selbst festgestellt, noch durch die Bundesregierung benannt werden?</p>
<p>Mit anderen Worten: Worin liegt der Bruch des Friedens, auf dessen Wiederherstellung nun seit knapp zwei Monaten NATO-Bomben, unterst&#252;tzt durch deutsche Marineeinheiten und AWACS-Besatzungen hinwirken?</p>
<p>Die Bundesregierung vermutet «unter den &#252;ber Libyen hinausreichenden Gr&#252;nden, die den Sicherheitsrat in seinen Verhandlungen zur Resolution 1973 leiteten», auch eine Gef&#228;hrdung des internationalen Friedens durch die «gro&#223;e Zahl der Fl&#252;chtlinge mit ihrer potenziell destabilisierenden Wirkung auf die Nachbarl&#228;nder, der Einsatz ausl&#228;ndischer S&#246;ldner durch das Gaddafi-Regime sowie die Bedrohung der zahlreichen ausl&#228;ndischen Staatsb&#252;rger in Libyen».</p>
<p>Gleichzeitig stellt sie jedoch in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage fest: «Massive Migrationsbewegungen unmittelbar aus Libyen nach Europa sind gegenw&#228;rtig nicht festzustellen und zwar weder von libyschen Staatsangeh&#246;rigen noch von Angeh&#246;rigen anderer Staaten … Hier&#252;ber sind derzeit keine verl&#228;sslichen Prognosen m&#246;glich.»</p>
<p>Die Schwierigkeiten der Bundesregierung, die Legitimit&#228;t der UN-Resolution 1973 zu begr&#252;nden, werden auch an anderen Stellen sichtbar – etwa wenn sie behauptet, die libysche Luftwaffe habe sich nicht an einen zugesagten Waffenstillstand gehalten oder sei &#252;berhaupt fl&#228;chendeckend und systematisch zur Bombardierung von Zivilisten eingesetzt worden. Dabei gibt die Bundesregierung zu, dass es bislang nur ein Kampfjet war, und zwar der bewaffneten Opposition, der sich nicht an die eingerichtete Flugverbotszone gehalten hat, und deshalb am 9.April von NATO-Kampfflugzeugen abgefangen und zur Landung gezwungen wurde.</p>
<p>Die Bundesregierung will keine Informationen &#252;ber zivile Opfer der NATO-Bombardements besitzen und verweist gutgl&#228;ubig auf eine Zusicherung des NATO-Generalsekret&#228;rs Anders Fogh Rasmussen, der «versichert, dass die NATO alles tue, um zivile Opfer zu verhindern». Zugleich best&#228;tigt sie, die NATO greife zur Umsetzung der UN-Resolution «auch Ziele und Objekte an, die nicht strikt im Zusammenhang mit der Durchsetzung der Flugverbotszone stehen». Wie dann sichergestellt werden kann, dass «lediglich solche Ziele ausgew&#228;hlt werden, deren Neutralisierung der Umsetzung der Sicherheitsresolution 1973 dient», wie in der gleichen Textpassage zugesichert wird, bleibt unerkl&#228;rlich. Es fragt sich auch, ob deutsche Soldaten in den AWACS-Maschinen an solchen «Neutralisierungen» beteiligt sind.</p>
<p><strong>Das V&#246;lkerrecht wird versenkt</strong><br />
Westerwelle versucht, sich das Image dessen zu geben, der von Anfang an gegen eine Milit&#228;rintervention gewesen sei und nur den Frieden im Sinn habe. Dem widerspricht die massive Milit&#228;rpr&#228;senz, die Deutschland im Rahmen des Kriegs gegen den Terror im Mittelmeer aufgebaut hat. Die Fregatten, die zur Evakuierung deutscher Staatsb&#252;rger vor die libysche K&#252;ste geschickt hat, wurden bis heute von dort nicht abgezogen. V&#246;lkerrechtlich betrachtet ist ein solch massives milit&#228;risches Aufgebot an den Landesgrenzen eines Staates durchaus problematisch und zumindest ein unfreundlicher Akt, der gegen die v&#246;lkerrechtlichen Sitten verst&#246;&#223;t.</p>
<p>Tats&#228;chlich lie&#223;e sich in diesem massiven Milit&#228;raufgebot in der N&#228;he der libyschen Staatsgrenzen – vor dem Hintergrund der Gesamtbewertung aller Umst&#228;nde und der gegenw&#228;rtigen Bombardierung durch die NATO – auch eine v&#246;lkerrechtswidrige Androhung der Gewalt durch Deutschland erblicken.</p>
<p>Dies legt auch ein Gutachten des Internationalen Gerichtshofs der Vereinten Nationen (IGH) &#252;ber die Rechtm&#228;&#223;igkeit der Androhung und des Einsatzes von Nuklearwaffen vom 8.Juli 1996 nahe. Es best&#228;tigt, dass die Androhung von Gewalt zur Sicherung von Menschenrechten in einem anderen Staat unzul&#228;ssig ist, es sei denn, solch ein bewaffneter Einsatz w&#228;re durch die UN-Charta gedeckt (Kapitel VII). Antikoloniale Befreiungskriege setzen dieses Gewaltverbot nicht au&#223;er Kraft. Hilfeleistungen f&#252;r das abh&#228;ngige Volk sind nicht zul&#228;ssig.</p>
<p>Konkret hei&#223;t das: Auch wenn die Libyer ein Recht auf Gewaltanwendung gegen Gaddafi besitzen, berechtigt dies in keinem Fall Drittstaaten, das Gewaltverbot gegen&#252;ber Libyen zu verletzen.</p>
<p>In ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage zum bewaffneten Einsatz deutscher Streitkr&#228;fte in Libyen f&#252;hrt die Bundesregierung einen neuen Typus von bewaffnetem Einsatz ein, der nicht vom Parlamentsbeteiligungsgesetz (ParlBG) erfasst ist: den «gesicherten Einsatz». Sie versucht damit nicht nur, die Bestimmungen des Grundgesetzes zu umgehen und sich um eine Zustimmung des Bundestages herumzumogeln, sie hebelt damit auch das absolute Gewaltverbot der UN-Charta aus. Die Bezeichnung «gesicherter Einsatz» bezeichnet eine bewaffnete Unternehmung, die nicht als kriegerisch betrachtet wird, weil die getragenen Waffen nicht zum Einsatz kamen oder angenommen wird, dass sie nicht zum Einsatz kommen.</p>
<p>Mit dieser Wortakrobatik rechtfertigt sie den bewaffneten Einsatz deutscher Streitkr&#228;fte im Ausland, trotz Missachtung des libyschen Hoheitsgebietes und ohne ausdr&#252;ckliche Erlaubnis libyscher Beh&#246;rden herbeigezaubert werden. Aus dem Schweigen der zust&#228;ndigen libyschen Beh&#246;rden konstruiert sie eine ausdr&#252;ckliche Zustimmung.</p>
<p>Dass neue Bedrohungslagen inszeniert und zur Legitimation der «humanit&#228;ren Milit&#228;rintervention» eine «Verantwortung zum Schutz» konstruiert wird, ist nichts Neues. Neu ist vielmehr, dass die bislang in liberalen Demokratien geltenden rechtlichen Grundlagen verlassen werden und der Westen in seiner Realpolitik anscheinend dieses Hebels zur Durchsetzung seiner Interessen gar nicht mehr bedarf. Mit den j&#252;ngsten Resolutionen zur Durchsetzung von Regimewechseln in Libyen und der Elfenbeink&#252;ste missachtet der UN-Sicherheitsrat selbst zwingende Bestimmungen der UN-Charta.</p>
<p>Demokratie und Kapitalismus m&#252;ssen als zwei entgegen gesetzte Tendenzen verstanden werden, das beweist nicht zuletzt der demokratische Aufbruch in Nordafrika. W&#228;hrend die sozialen Bewegungen angesichts dieser Prozesse faktisch als einzige St&#252;tze der b&#252;rgerlichen Demokratie &#252;brig geblieben sind, geht das b&#252;rgerliche Lager von der Fahne seines bisherigen rechtsstaatlichen Selbstverst&#228;ndnisses.</p>
<p>Das Schicksal der sozialistischen Bewegung h&#228;ngt allerdings nicht von der b&#252;rgerlichen Demokratie ab, sondern umgekehrt das Schicksal der Demokratie von der sozialistischen Bewegung.</p>
<p><em>Kamil Majchrzak ist Redakteur der polnischen Ausgabe von </em>Le Monde Diplomatique.</p>
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		<title>Bundeswehr und Schule: Ran an die Jugend</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Feb 2011 17:17:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krieg]]></category>

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		<description><![CDATA[Versuche, das Milit&#228;r in der Mitte der Gesellschaft zu verankern von Horst Bethge Die Bundeswehr steht im gr&#246;&#223;ten Umbauprozess ihrer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- p { margin-bottom: 0.21cm; } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Versuche, das Milit&#228;r in der Mitte der Gesellschaft zu verankern</strong><br />
<em>von Horst Bethge</em></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Bundeswehr steht im gr&#246;&#223;ten Umbauprozess ihrer Geschichte: Sie soll zu einer «Armee im Einsatz», einer Interventionsarmee ohne Wehrpflicht, umgebaut werden. Verteidigungsarmee ist nicht mehr. Guttenberg hat das am vergangenen 18.Oktober auf einer Konferenz der Zeit in Hamburg gerade wieder bekr&#228;ftigt. Die Wehrmotivation in der Gesellschaft aber schwindet mit jedem weiteren aus Afghanistan heimkehrenden Zinksarg. Es geht nicht nur um die Beendigung des Afghanistankriegs – die Aufgabe der Bundeswehr insgesamt steht in Frage.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span id="more-1959"></span>Seit der ersten deutschen Kriegsbeteiligung nach 1945 – in Jugoslawien 1999 –, seit den Verteidigungspolitischen Richtlinien von 2003 und dem Wei&#223;buch von 2006 setzen alle Bundesregierungen gleich welcher Couleur auf eine Au&#223;enpolitik, die prim&#228;r die Interessen der deutschen Wirtschaft sichert – also die Ressourcen und Rohstoffe, die Auslandsinvestitionen und die Offenhaltung der Transportwege. Das soll weltweit mit imperialem Gro&#223;machtanspruch durch einen Mix aus Diplomatie, St&#228;rkung des eigenen Wirtschaftsstandorts und mit Milit&#228;reins&#228;tzen garantiert werden. Das Streben nach einem st&#228;ndigen Sitz im UNO-Sicherheitsrat geh&#246;rt ebenso dazu wie die Vertragsverhandlungen in der WTO, die St&#252;tzung Griechenlands im Finanzmarkt oder die weltweiten Bundeswehreins&#228;tze und die Ausr&#252;stung der Bundeswehr mit neuen Waffen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Landesverteidigung, noch immer der grundgesetzliche Auftrag der Bundeswehr, ist out, die «Armee im Einsatz» ist gefragt. Dem dazu n&#246;tigen Umbau der Bundeswehr stehen jedoch vier gravierende Probleme im Weg:</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die neue Aufgabenstellung der Bundeswehr setzt einen erst herzustellenden gesellschaftlichen Konsens &#252;ber die deutsche Sicherheits- und Au&#223;enpolitik voraus. Die Schl&#252;sselfrage dabei ist: Wie definieren wir Sicherheit? Als Mix aus imperialer Diplomatie, &#246;konomischer und milit&#228;rischer St&#228;rke? Oder als politische Konfliktl&#246;sungsf&#228;higkeit, soziale Sicherheit und V&#246;lkerverst&#228;ndigung sowie weltwirtschaftlichen Interessenausgleich?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Regierenden bezeichnen Afghanistan als «Regelfall zuk&#252;nftiger Eins&#228;tze» und «Sinnbild der Bedrohung unserer Sicherheit im 21.Jahrhundert», sie fordern aktive Wehrbereitschaft, ein abwartendes oder passives Dulden der &#214;ffentlichkeit reicht ihnen nicht. Da die Zahl der verwundeten und get&#246;teten Soldaten aber steigt und die Zustimmung der Bev&#246;lkerung zum ISAF-Einsatz in Afghanistan sinkt, stellt sich f&#252;r die Bundesregierung die Frage nach der Akzeptanz der Bundeswehr und ihres neuen Auftrags immer dringlicher. Wachsende Kritik kann ihre Einsatzf&#228;higkeit verunm&#246;glichen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Die Problemlage</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Eine «Armee im Einsatz» braucht eine andere Ausr&#252;stung als eine Armee zur Landesverteidigung, die sich auf die «Bedrohung aus dem Osten» einstellt. Schwere Leopard-Panzer, die bei –44° C anspringen, sind seit Wegfall des Feindbilds Sowjetunion obsolet. Gefragt sind weltweit einsetzbare Korvetten und Fregatten, die von den K&#252;sten aus ins Landesinnere Raketen abfeuern; leichte, w&#252;stentaugliche gepanzerte Fahrzeuge; eine eigene Lufttransportkapazit&#228;t (A400M) und eigene Spionagesatelliten (Galileo-Satelliten). Das alles ist «sauteuer». Eigenentwicklungen dauern lange, «international schnell verf&#252;gbare» R&#252;stung und «transatlantische und europ&#228;ische R&#252;stungskooperationen» sind gefragt – dem dient auch der Lissabon-Vertrag mit der europ&#228;ischen R&#252;stungsagentur OCCAR. Die geforderte «Priorisierung der R&#252;stungsprojekte» d&#252;rfte angesichts der durch die Krise verknappten Haushaltsmittel allerdings auf geringe Akzeptanz sto&#223;en. Schon jetzt gibt es auf Demonstrationen das Transparent: «Bis an die Z&#228;hne bewaffnet, aber kein Geld f&#252;r Zahnersatz.»</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Eine «Armee im Einsatz», und das weltweit, kann keine Wehrpflichtigen gebrauchen. Spezialisten in einer Berufsarmee d&#252;rften f&#252;r die Bundeswehr angesichts des jetzt schon herrschenden Fachkr&#228;ftemangels aber schwer zu bekommen sein. Also bietet sich als Ausweg an: Freiwillige, gut bezahlte Berufssoldaten anwerben! Allerdings entf&#228;llt dann die allgemeine Wehrpflicht, mit der gro&#223;e Teile der Jugend in die Wehrbereitschaft integriert werden k&#246;nnen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">So stellt sich die Schl&#252;sselfrage, wie diese umgebaute Bundeswehr akzeptiert werden kann, ob das Wehrmotiv aktiv unterst&#252;tzt wird und ob die enormen Umbau- und Umr&#252;stungskosten von der Bev&#246;lkerung bereitwillig mitgetragen werden.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Deshalb ist ein ganzes B&#252;ndel von Ma&#223;nahmen angelaufen – so massiv wie noch nie zuvor seit Gr&#252;ndung der Bundeswehr. Zustatten kommt ihr dabei ihre gro&#223;e Erfahrung, Milit&#228;r in der Gesellschaft zu verankern, schlug ihr doch seit Anbeginn 1955 massenhafte Wehrunwilligkeit entgegen (Ohne mich-Bewegung, Ostermarschbewegung).</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Erziehung zum Dienen</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">An erster Stelle des Ma&#223;nahmeb&#252;ndels ist das Bem&#252;hen um die institutionelle Verankerung des Milit&#228;rischen im Bildungswesen zu nennen. Vorbei sind n&#228;mlich die Zeiten, als deutsche Schulmeister wie selbstverst&#228;ndlich f&#252;r Kriegsfreiwillige in K&#246;niggr&#228;tz, Langemarck, vor Verdun oder Stalingrad sorgten. So hat es in der Vergangenheit immer wieder Wellen gegeben, in denen sich Verteidigungsminister oder Kanzler heftig bem&#252;ht haben, den Einfluss der Bundeswehr auf die Schulen dauerhaft zu institutionalisieren. Noch nie waren sie dabei so erfolgreich wie jetzt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Es gibt, au&#223;er den christlichen Kirchen, keine zweite gesellschaftliche Institution, die sich so beharrlich wie die Bundeswehr und so massiv &#252;ber 50 Jahre lang bem&#252;ht hat, einen bevorzugten und von den Kultusministern abgesicherten Status zur Beeinflussung der Sch&#252;ler zu erreichen. Ihr Ziel war immer, dies in einem formellen Abkommen zu fixieren – auch, um die Lehrer st&#228;rker unter Druck setzen zu k&#246;nnen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><em>Jugendoffiziere:</em> Es begann 1958 damit, dass der Nazi-General Heusinger (Generalstabschef bei Hitler, Generalinspekteur der Bundeswehr nach 1955) die Berufung von hauptamtlichen Jugendoffizieren einf&#252;hrte. Ausgew&#228;hlt wurden gewandte junge Offiziere, die in speziellen Lehrg&#228;ngen an der «Schule f&#252;r psychologische Kampff&#252;hrung» in Koblenz (sp&#228;ter: «Schule der Bundeswehr f&#252;r Innere F&#252;hrung», heute: «Akademie f&#252;r Information und Kommunikation der Bundeswehr» in Strausberg) in Argumentation und Rhetorik mehrw&#246;chig, heute mehrmonatig geschult werden. Zweimal j&#228;hrlich gab und gibt es Fortbildung. Fr&#252;her wurde ihr Antikommunismus in speziellen Lehrg&#228;ngen am Ostkolleg in K&#246;ln aufpoliert. Heute geh&#246;rt ein Lehrgang in den USA dazu. Heute ist ein abgeschlossenes Hochschulstudium ebenso Voraussetzung wie eine zumeist achtj&#228;hrige Truppenpraxis, ein Alter von 27 bis 35 Jahren und m&#246;glichst ein Auslandseinsatz. Seit einiger Zeit sind die Jugendoffiziere als Netzwerk organisiert, das auch Ehemalige erfasst.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><em>Wehrkundeunterricht:</em> Immer dann, wenn unter der Jugend und in der &#214;ffentlichkeit die Wehrbereitschaft besonders schwand, gab es neue Anl&#228;ufe, Wehrkunde in den Schulen als Unterrichtsfach zu verankern. Das war schon Anfang der 70er Jahre so, als die Zahl der Kriegsdienstverweigerer sprunghaft anstieg und der damalige Verteidigungsminister Helmut Schmidt (SPD) 1971 in einer Debatte im Bundestag klagte: «In manchen Gymnasien scheint es zum guten Ton zu geh&#246;ren, auf die eine oder andere Weise den Wehrdienst zu vermeiden oder zu umgehen.» Danach gab es eine Flut von Erlassen und ministeriellen Rundschreiben in den Bundesl&#228;ndern zur «Ber&#252;cksichtigung der Landesverteidigung im Schulunterricht.»</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">1980 &#228;u&#223;erten zwei Generalstabs-Oberste vor der Kontaktkommission: «Wir gehen davon aus, dass Erziehung zum Dienen eine origin&#228;re Aufgabe der Schule ist.» Die Streitkr&#228;fte erwarteten von der Schule «den zur Treue erzogenen jungen Menschen», «einen zum Gehorsam erzogenen jungen Mann», «M&#228;nner die Mut haben», «den zur Kameradschaft f&#228;higen Mann». Damals sollten vier Kultusminister, pari pari von SPD und CDU, einen Entwurf f&#252;r einen gemeinsamen KMK-Beschluss ausarbeiten. Doch unter dem Eindruck der erstarkenden Friedensbewegung kam es in der KMK zu keiner Einigung,.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Stattdessen brach eine breite &#246;ffentliche Debatte los. Tausende P&#228;dagogen besuchten spezielle Friedenskongresse, alle m&#246;glichen Verb&#228;nde nahmen Stellung, so dass die KMK 1983 ihr Vorhaben, eine gemeinsame Stellungnahme der KMK abzugeben, aufgab. Infolgedessen gab es in den verschiedenen Bundesl&#228;ndern ganz unterschiedliche Regelungen oder Richtlinien zur Friedenserziehung – die zumeist bis vor kurzem noch &#252;berall Bestand hatten.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Kooperationsabkommen</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Nun ist es zu neuen Regelungen gekommen, weil die Krise des Wehrmotivs erneut zu verst&#228;rkten Bem&#252;hungen um die Schulen gef&#252;hrt hat. Die derzeit 394 hauptamtlichen Jugendoffiziere, die 2009 auf 7245 Veranstaltungen 182522 Teilnehmer erreichten, wurden von Schulen bzw. Lehrern eingeladen oder luden selber Klassen an Bundeswehrstandorte ein. 6500 Schulen wurden angeschrieben – ihnen wurde angeboten, in den Unterricht zu kommen, zu unterrichten, «intensive Abiturvorbereitungen in Seminarform» durchzuf&#252;hren, die Klassen in die Kasernen einzuladen und «aus erster Hand» aus Afghanistan zu berichten.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Seit 2008 hat die Bundeswehr bereits mit sechs Landesregierungen regelrechte Kooperationsabkommen abgeschlossen: NRW, Baden-W&#252;rttemberg, Saarland, Rheinland-Pfalz, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern. Sie regeln die Bundeswehrauftritte im Rahmen des Politikunterrichts an den Schulen, ihre Beteiligung an der Aus- und Weiterbildung der P&#228;dagogen und Referendare, ihre Einbeziehung in die Lehrplanarbeit, die Nutzung der Onlineplattformen der Schul&#228;mter durch die Bundeswehr und die Beteiligung der Schulen an ihren Werbeveranstaltungen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Allein 2009 kamen 281000 Jugendliche in Kontakt mit Nachwuchswerbern, einer zweiten Kategorie von Offizieren (auch «Wehrdienstberater»). Grunds&#228;tzlich halten die Kooperationsabkommen fest, dass der Unterricht – also auch die Auftritte der Jugendoffiziere und Wehrdienstberater – in der Verantwortung der Schule und des Lehrers verbleiben. Die Schulen laden ein. Doch nur ganz selten findet der Auftritt der Bundeswehroffiziere zusammen mit einem Vertreter der Friedensbewegung statt, manchmal wird deren Auftritt parallel dazu organisiert.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">So wurde ich im Jahre 2009 zu einer Veranstaltung vor Berufssch&#252;lern eingeladen – zusammen mit einem CDU MdB, einem erfahrenen Entwicklungshelfer aus Afghanistan und dem f&#252;r Hamburg zust&#228;ndigen Jugendoffizier, der eine 15-min&#252;tige Einf&#252;hrung als Power-Point-Pr&#228;sentation lieferte. Er referierte locker, humorvoll, rhetorisch sehr geschickt. Die Pr&#228;sentation bestand fast nur aus Fotos aus Afghanistan und folgte dem Konzept der «vernetzten Sicherheit». Man sah nur lachende Kinder, fr&#246;hlich dreinblickende Afghanen, M&#228;dchen, die zur Schule gehen, sowie Jeeps, Bundeswehr-Lkw mit Hilfsg&#252;tern oder Br&#252;ckenbauteilen. Bundeswehrsoldaten fuhren immer Autos, bohrten Brunnen oder reparierten Br&#252;cken. Au&#223;erdem plauderten sie mit malerischen Stammesf&#252;rsten oder &#246;rtlichen Autorit&#228;ten.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Selbst die gezeigten Bundeswehrcamps sahen zivil aus. Man sah keine gepanzerten Fahrzeuge, keine schweren Waffen, keine Gefangenen, Verwundeten oder gar Toten. Allerdings zerst&#246;rte H&#228;user und Stra&#223;en. Das fr&#246;hliche Szenario wurde erst gest&#246;rt, als der Entwicklungshelfer berichtete und meine Aussage best&#228;tigte, dass er im Land nur akzeptiert wurde, wenn er sich ohne Bundeswehr in die D&#246;rfer begab. Und als Migrantinnen unter den Berufssch&#252;lern auf meine Argumente eingingen, dass der Krieg milit&#228;risch nicht zu gewinnen sei, im Gegenteil: dass Milit&#228;r alles nur noch schlimmer mache.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Von einer sachlichen Information durch den Jugendoffizier konnte keine Rede sein, geschweige denn, dass er nach dem didaktischen Prinzip des «kontroversen Denkens» auftrat. Er redete den Bundeswehr-Einsatz sch&#246;n, warb f&#252;r den zivil-milit&#228;risch-integrierten Einsatz, betonte den Stra&#223;en- und Brunnenbau. Erst durch meine alternative Argumentation ergaben sich Kontroversen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Proteste</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Das ist kein Wunder: Zwar sind die Jugendoffiziere auf den sog. «Beutelsbacher- Konsens»* verpflichtet, aber sie k&#246;nnen ihn durch ihren Propagandaauftrag gar nicht erf&#252;llen, dem sie sich im &#220;brigen, da sie unter soldatischem Befehl und Gehorsam stehen, auch gar nicht entziehen k&#246;nnen. So ist es kein Wunder, dass es an verschiedenen Orten zu heftigen Protesten und Kontroversen wegen der neuen Bundeswehroffensive gekommen ist.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">In Bayern hat sich die Mutter eines 11-j&#228;hrigen Sch&#252;lers &#246;ffentlich emp&#246;rt, dass ein Jugendoffizier den Auslandseinsatz der Bundeswehr damit begr&#252;ndet hat,  die Handelswege m&#252;ssten wegen des in den Handys enthaltenen Lithiums durch die Armee freigehalten werden. «Jahrelang f&#252;hren wir Eltern einen Kampf, dass unsere Kinder keine Killerspiele, keine Gewaltvideos sehen und spielen… Und da nun greift die Bundeswehr in unser Erziehungsrecht ein.»</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">In Todendorf (Schleswig-Holstein) hat eine Klasse einen Schie&#223;platz der Bundeswehr besucht. Mehrere Lokalzeitungen berichten, dass die Sch&#252;ler an einem Schie&#223;simulator &#252;ben konnten. «Habt ihr eine Playstation zu Hause? Das macht bestimmt Spa&#223;, oder? Das hier ist tausendmal besser», fragt ein Oberstabsfeldwebel die Sch&#252;ler am Schie&#223;simulator. «Das schockt richtig, so einen besorg ich mir», sagt ein Junge. «Das ist ja noch viel toller als jedes Ballerspiel am PC», ein anderer. «Wir brauchen st&#228;ndig gut ausgebildete Leute, vor allem im Bereich Technik, Elektronik, Elektrotechnik», so der Oberstabsfeldwebel. Daraufhin kam es im Landtag zu einer kontroversen Debatte, bei der die CDU/FDP-Koalition sich mit ihrem unterst&#252;tzenden Antrag durchsetzte, die Antr&#228;ge von SPD und LINKE fanden keine Mehrheit.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">In Mecklenburg-Vorpommern wandte sich Ministerpr&#228;sident Sellering (SPD) gegen den Vertragsentwurf der Bundeswehr, bis die Garantie des kontroversen Denkens darin festgeschrieben wurde.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Auf Bundesebene haben IPPNW, die GEW und Terres des Hommes ablehnende Stellungnahmen beschlossen. Letztere sieht in den Kooperationsabkommen Bundeswehr–Schule einen Versto&#223; gegen die UN-Kinderrechtkonvention. Die Organisationen fordern z.T. gleiche Abkommen der Kultusverwaltungen mit der Friedensbewegung, um deren Auftritte in Schulen zu sichern. Im Fr&#252;hjahr 2010 wurde am Berliner Paulsen-Gymnasium eine Bundeswehrveranstaltung von Protesten begleitet, am Hans-und-Hilde-Coppi-Gymnasium wurde der Besuch eines Jugendoffiziers nach Gr&#252;ndung einer «AG Milit&#228;rfreie Schule» abgesagt. In Dresden musste eine Bundeswehrveranstaltung durch massiven Polizeieinsatz vor Friedensdemonstranten gesch&#252;tzt werden. Viele dieser Sch&#252;lerproteste fordern, dass die Bundeswehr gar nicht in den Schulen auftreten darf. Das Thema k&#246;nnten die Lehrkr&#228;fte besser behandeln.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>POL&amp;IS</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Bevorzugtes Mittel der Bundeswehr, Sch&#252;ler zu k&#246;dern, ist das Simulationsspiel POL&amp;IS, das bei Sch&#252;lern ab Klasse 10, aber auch bei Studierenden und Referendaren eingesetzt wird. Immer unter der Leitung eines Jugendoffiziers wird es zwei bis f&#252;nf Tage lang von 37 bis 55 Spielern wahlweise mit den Modulen Politik, Wirtschaft und Umwelt interaktiv gespielt. Urspr&#252;nglich in den 80er Jahren von Hochschullehrern entwickelt, um im Bereich &#214;konomie weltpolitische Zusammenh&#228;nge zu veranschaulichen, kaufte die Bundeswehr 1989 die Rechte und entwickelte es f&#252;r ihre Zwecke weiter.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">An dem gro&#223;en Spielbrett der Weltkarte, die in 11 Regionen unterteilt ist, schl&#252;pfen die Spieler in verschiedene Rollen – Regierungschef, Staatsminister f&#252;r Milit&#228;risches, Wirtschaftsminister, Oppositionsf&#252;hrer, UN-Generalsekret&#228;r, Weltbank, Weltpresse, NGOs. Jede Region hat spezifische Eigenschaften wie Energie, Rohstoffe, Milit&#228;r, Industrie, Agrarsektor, Bev&#246;lkerung. Nun kann gehandelt, verhandelt, gestreikt, bekriegt werden. Der Jugendoffizier als Spielleiter kann durch Grundbausteine (Politik, Wirtschaft, Streiks, Hungersn&#246;te, Guerilla, Infanterie, Panzer, Luftwaffe, Marine, Raketen, Bomber, Atom-U-Boote, atomare und chemische Waffen) das Spiel steuern. Auch gibt es Konferenzen, UN-Vollversammlungen, Naturkatastrophen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">2008 gab es 360 Simulationen mit 17.500 Sch&#252;lern, 2000 Seminartage f&#252;r Studenten und Referendare. Im Wintersemester 2007/2008 kam es zu 24 Simulationen mit 900 Teilnehmern an Hochschulen, und in der FH Karlsruhe k&#246;nnen Studierende damit sogar f&#252;r Pr&#252;fungen ECTS-Punkte (Europ&#228;ische Credit Points) bekommen. Auch auf der DIDACTA, der gro&#223;en Bildungsmesse, und bis 2004 auf der Leipziger Buchwoche spielte es die Bundeswehr &#246;ffentlich. Da POL&amp;IS kein reines Kriegsspiel ist, aber sehr wohl das Milit&#228;r und sogar Atomwaffen wie selbstverst&#228;ndlich neben Diplomatie und Handel einsetzt, ist es f&#252;r die Verbreitung der aktuellen Bundeswehrkonzeption bestens geeignet. Gleichwohl ist der Propagandaeffekt offensichtlich und der Beutelbacher Konsens nicht gegeben. Denn der Jugendoffizier ist Spielleiter, und die im Spiel angelegten M&#246;glichkeiten geben den Handlungsrahmen vor. So ist z.B. nicht vorgesehen, dass ein Land aus der NATO austritt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Nachwuchswerbung</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">F&#252;r den Umbau der Bundeswehr ist die Nachwuchswerbung besonders wichtig, will sie weg von der Wehrpflichtarmee. Ihr geht der Nachwuchs n&#228;mlich aus, «weil den Jugendlichen immer mehr bewusst wird, dass es sich bei der Bundeswehr um eine Armee im Einsatz handelt und der Beruf des Soldaten erhebliche Risiken mit sich bringt».</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Bundeswehr ist im Wettbewerb um Arbeitskr&#228;fte, vor allem bei den Spezialisten: Bei den Transportgeschwadern ist schon jetzt ein Viertel der Stellen vakant, 9% im Sanit&#228;tsdienst, die H&#228;lfte im Kommando Spezialkr&#228;fte (KSK). Die Situation wird noch versch&#228;rft durch die schwindende Zustimmung zu den Auslandseins&#228;tzen, vor allem bei denen, die davon zur&#252;ckkehren und berichten, wie der Krieg heute wirklich aussieht.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">F&#252;r die meisten ist ihre pers&#246;nliche wirtschaftliche Lage – Arbeitslosigkeit, Ausbildungsplatzmangel – das Motiv, sich auf Zeit zu verpflichten. «Die Bundeswehr profitiert von der schlechten Wirtschaftslage. Und das nutzen wir auch aus», sagt ein Sprecher des Zentrums f&#252;r Nachwuchswerbung. Die Bundeswehr schaltet inzwischen Anzeigen: «Studieren ohne Geb&#252;hren – studieren mit Gehalt», oder: «Du suchst Zukunft, wir bieten sie», oder «Berufsgarantie bei der Bundeswehr». Inzwischen hat die Bundeswehr die Deutsche Bahn und die Post als gr&#246;&#223;ter deutscher «Ausbildungsbetrieb» abgel&#246;st.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Bundeswehrausstellungen und -st&#228;nde finden sich vermehrt bei allen Messen und vielen Volksfesten, &#252;berall wo Technikfaszination zur Kontaktanbahnung genutzt werden kann. Mit acht «Karrieretrucks» zieht die Bundeswehr durch die Republik, ausgestattet mit Kino, Kletterwand, Infomaterial, Wehrberater und Ausstellungen. Unterst&#252;tzt wird das durch aufgefahrenes Gro&#223;ger&#228;t wie Panzer und Flugzeuge. Genutzt werden auch Reservistentreffen, Auftritte des Musikkorps, &#246;ffentliche Gel&#246;bnisse.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Sowohl f&#252;r die Nachwuchswerbung wie den Einsatz der Jugendoffiziere geht die Bundeswehr vermehrt den Weg, die Schulen direkt anzuschreiben bzw. anzusprechen. Dazu nutzt sie auch die Lehrermitglieder ihres 125000 Mitglieder z&#228;hlenden Reservistenverbandes. Ganz ungehemmt wird auf dessen Ortsverbandstreffen taktisch besprochen, wie man am besten an eine Schule (einen Lehrlingsausbildungsbetrieb) herankommen kann. &#220;ber Jahrzehnte hinweg f&#252;hrt die Bundeswehr eine Liste &#252;ber jede einzelne Schule mit Oberstufe, zu welcher Schule wann Zugang bestand und ggf. warum nicht!</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Hartz IV</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Der Gipfel aber ist die durch Kooperationsabkommen abgesicherte Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und den Argen, die z.T. auch auf die Berufsinformationszentren (BIZ) ausgedehnt ist und jugendliche Hartz-IV-Empf&#228;nger im Visier hat. Das ist nicht ganz neu, seit 2006 wird es aber erheblich und systematisch ausgebaut. 2008 unterhielt die Bundeswehr in 11 Argen dauerhaft eigene B&#252;ros zur Anwerbung, in 204 Argen hielt sie regelm&#228;&#223;ig Anwerbeberatungen ab. Schwerpunkt sind die neuen Bundesl&#228;nder, weil hier die Jugendarbeitslosigkeit besonders hoch ist.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Das Perfide daran ist, dass die Beratungsteilnahme f&#252;r die ALG-II-Empf&#228;nger zumeist nicht freiwillig ist. Eine Weigerung kann mit dem Entzug der Leistung bestraft werden. In K&#246;ln, Berlin, Rostock, Bielefeld, Wuppertal, Br&#252;hl, Dresden gab es vielfach &#246;ffentliche Proteste deswegen, wobei sogar Feldj&#228;ger (Milit&#228;rpolizei) eingesetzt wurden. Dann werden diese Drangsalierungsma&#223;nahmen f&#252;r einige Zeit eingestellt, nach Beruhigung der &#214;ffentlichkeit aber wieder aufgenommen. Keine Werbung ist der Bundeswehr lieber als eine negative – ein Zeichen daf&#252;r, wie wirksam antimilitaristische Aktionen sind, und seien sie auch noch so klein. Und auch ein Zeichen daf&#252;r, dass die Akzeptanz in der &#214;ffentlichkeit immer noch gering ist und die Bundeswehr das wei&#223;. Deshalb ihre flexible Werbestrategie als Mix aus Defensive und Offensive, partiellem Zur&#252;ckweichen und fl&#228;chendeckender Verankerung und ihr massiv verst&#228;rktes Bem&#252;hen, weitere Partner ins Boot zu holen…</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Friedenserziehung</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Bem&#252;hungen der Bundeswehr bewegen sich an der Nahtstelle von politischer Bildung, Nachwuchswerbung und Public Relation. Sofern sie als politische Bildung daherkommt, ruft die Bundeswehroffensive eine grunds&#228;tzliche Frage auf, und zwar versch&#228;rft: Seit 1974 hat die UNESCO eine Definition von Erziehung und Bildung formuliert und immer wieder bekr&#228;ftigt – Erziehung und Bildung verstanden als ein von all denen in Gang gesetzter Prozess, die Gedanken produzieren, interpretieren oder verbreiten – und schlie&#223;lich zu einem Konzept der Erziehung zu einer Kultur des Friedens verdichtet:</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">«Die Erziehung soll auf die Unzul&#228;ssigkeit der Kriegsf&#252;hrung zum Zwecke der Eroberung, des Angriffs oder der Beherrschung sowie der Gewaltanwendung zum Zwecke der Unterdr&#252;ckung hinweisen und jedermann dazu bringen, seine Verantwortung f&#252;r die Erhaltung des Friedens zu erkennen und auf sich zu nehmen. Sie soll beitragen zu internationaler Verst&#228;ndigung, zur Festigung des Weltfriedens und zum Kampf gegen jeden wie auch immer gearteten oder ge&#228;u&#223;erten Kolonialismus und Neokolonialismus und gegen jede Art und Form von Rassenhass, Faschismus und Rassentrennung sowie sonstige Ideologien, die v&#246;lkischen oder Rassenhass erzeugen und den Zielen dieser Empfehlung zuwiderlaufen.»</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wenn das das Ziel aller Erziehung und Bildung sein soll, kann sie nicht «neutral» sein. Das Kennenlernen und Analysieren von Handlungsstrukturen sowohl im milit&#228;rischen Denken wie in dem der Friedensbewegung geh&#246;rt wohl ebenso dazu wie die Aneignung und Entwicklung von Ideen, Anschauungen, Gewissen, Normensystemen und sozialen Verhaltensweisen (und methodisch durch Erkennen, Bewerten und Erleben).</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wo Sch&#252;ler am realen Schie&#223;simulator einmal &#252;ben, Ballerspiele auf Playstations spielen und im Simulationsspiel POL&amp;IS Atomwaffen einsetzen k&#246;nnen und zudem t&#228;glich in der  Tagesschau vom Einsatz milit&#228;rischer Gewalt erfahren, ist Ausgewogenheit nicht mehr gegeben. Sie ist nur dadurch herstellbar, dass durch systematisches p&#228;dagogisches Bem&#252;hen in der Schule (oder in anderen Einrichtungen, z.B. durch die &#246;ffentlich-rechtlichen Sendeanstalten) parteilich auf eine Kultur des Friedens hingearbeitet wird (Friedensbildung).</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Nur so kann den Grunds&#228;tzen des «Beutelsbacher Konsenses» entsprochen und in kontroverses Denken eingef&#252;hrt werden. Das aber kann niemand von der Bundeswehr leisten, deren &#214;ffentlichkeitsarbeit ja einen anderen Auftrag hat.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">*Der Beutelsbacher Konsens ist seit 1976 das formulierte und allseits akzeptierte Grundprinzip der politischen Bildung in der BRD. Er beschreibt: das Indoktrinationsverbot durch die Lehrenden; das Gebot der Kontroversit&#228;t, vor allem bei Fragen, die auch in der &#214;ffentlichkeit kontrovers sind; und die Sch&#252;lerorientierung.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><em>Horst Bethge engagiert sich bei den «P&#228;dagogInnen f&#252;r den Frieden» und in der Koordinierungsgruppe der BAG Bildungspolitik der LINKEN und ist Mitglied des Landesvorstands Hamburg der LINKEN.</em></p>
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		<title>Die Afghanisierung des Krieges ist zum Scheitern verurteilt</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/08/die-afghanisierung-des-krieges-ist-zum-scheitern-verurteilt/</link>
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		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 08:25:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krieg]]></category>

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		<description><![CDATA[von Jonna Sch&#252;rkes In den Strategiepapieren der Bundesregierung wie der Regierung Obama zu Afghanistan geht es im Wesentlichen nur noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		PRE { font-family: "Garuda" } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><em>von Jonna Sch&#252;rkes</em></p>
<p>In den Strategiepapieren der Bundesregierung wie der Regierung Obama zu Afghanistan geht es im Wesentlichen nur noch darum, die afghanische Regierung m&#246;glichst schnell zu bef&#228;higen, dass sie die Aufst&#228;ndischen in ihrem Land selber bek&#228;mpfen und damit das Risiko f&#252;r die NATO-Soldaten verringern.</p>
<p><span id="more-1382"></span>Dies versucht man zu erreichen, indem man der Regierung Karzai einen m&#246;glichst gro&#223;en Repressionsapparat aufbaut und ihn finanziell, nachrichtendienstlich und logistisch auch mittel- bis langfristig von sich abh&#228;ngig h&#228;lt. Allerdings gibt es hierf&#252;r immer noch zu wenig afghanische Bodentruppen, die im Kampf gegen die Aufst&#228;ndischen in erster Reihe k&#228;mpfen w&#252;rden. Viele Menschen schlie&#223;en sich eher den Aufst&#228;ndischen an, als Soldat oder Polizist zu werden – beides schlecht bezahlte, hochgradig gef&#228;hrliche und nicht gut angesehene Berufe in Afghanistan.</p>
<p>Deshalb geht der Westen seit Juli 2010 verst&#228;rkt dazu &#252;ber, Milizen zu bewaffnen und sie in den Kampf gegen die Aufst&#228;ndischen einzubeziehen. Das bedeutet vor allem eine weitere Bewaffnung der Gesellschaft – der B&#252;rgerkrieg wird zus&#228;tzlich angeheizt. Damit tendiert die sowieso schon geringe Wirkung der seit 2003 laufenden Entwaffnungs-, Demobilisierungs- und Wiedereingliederungsprogramme unter der Leitung der UNO gegen Null.</p>
<p>Mitte Juli 2010 brachte der neue ISAF-Kommandeur, General Petraeus, den afghanischen Pr&#228;sidenten Karzai dazu, dem Aufbau von «Dorfstreitkr&#228;ften» (Village Defence Forces) zuzustimmen. Dabei handelt es sich um lokale Milizen, die von der Regierung in Kabul bezahlt, ausger&#252;stet und bewaffnet werden und dann in ihrem Dorf f&#252;r Sicherheit sorgen sollen. Die Aufstellung dieser Dorfstreitkr&#228;fte sei notwendig, weil der Aufbau der afghanischen Sicherheitskr&#228;fte nicht schnell genug vorangehe und die internationalen Truppen alleine nicht in der Lage seien, die Aufst&#228;ndischen zu vertreiben.</p>
<p>Seit 2006 sind jedoch verschiedene Programme, die eine &#228;hnliche Ausrichtung gehabt haben, grandios gescheitert. Als das Mandat der ISAF 2006 auf den S&#252;den und Osten des Landes ausgeweitet wurde, eskalierte der Krieg und die «internationale Gemeinschaft» wurde sich dessen bewusst, dass die von ihnen geschaffene Polizei (ANP) und Armee (ANA) kaum in der Lage war, die internationalen Truppen in ihrem Kampf gegen die Aufst&#228;ndischen zu unterst&#252;tzen.</p>
<p>Also wurde beschlossen, eine «Afghanische Hilfspolizei» (ANAP) zu schaffen. Die Hilfspolizisten sollten vor allem zur Vertreibung der Aufst&#228;ndischen in unruhigen Distrikten, an wichtigen Infrastrukturpunkten und an Check-Points eingesetzt werden und die afghanische Armee und Polizei in K&#228;mpfen unterst&#252;tzen. Bis Ende 2006 wurden – vor allem in s&#252;dlichen Distrikten – 11271 Hilfspolizisten angeworben. Die Ausbildung bestand aus 40 Stunden Unterricht, in denen US-Soldaten ihnen ihre Aufgaben erl&#228;uterten, und 40 Stunden Training an den AK47, die ihnen ausgeh&#228;ndigt wurden.</p>
<p>Offiziell wurde die ANAP 2008 aufgel&#246;st. Dies hatte verschiedene Gr&#252;nde, in allererster Linie wohl den, dass das US-Milit&#228;r innerhalb k&#252;rzester Zeit keine Kontrolle mehr &#252;ber die Hilfspolizisten hatte und meist vollkommen unklar war, ob die bewaffneten Einheiten tats&#228;chlich gegen Aufst&#228;ndische vorgingen oder vielmehr mit Waffe und Uniform zu ihnen &#252;bergelaufen waren. Auch der Plan, die Hilfspolizisten sp&#228;ter in die Polizei und die Armee aufzunehmen und damit den Aufbau der Sicherheitskr&#228;fte in Afghanistan zu beschleunigen, ging nicht auf. Eher wirkte die ANAP als Konkurrenz f&#252;r die ANP, als dass damit mehr Menschen zu regul&#228;ren Polizisten geworden w&#228;ren – vor allem deshalb, weil die Hilfspolizisten nicht so weit entfernt von ihren Heimatd&#246;rfern eingesetzt wurden wie die Polizei.</p>
<p>Im Juni 2010 wurde Stanley McCrystal von David Petraeus als ISAF-Kommandeur abgel&#246;st. Petreaus war 2007 und 2008 Oberster Befehlshaber der Multinationalen Truppe im Irak (MNF-I) gewesen und hatte dort eine gro&#223;e Anzahl von Milizen bewaffnet, die gemeinsam mit der US-Armee gegen die Aufst&#228;ndischem im Irak vorgegangen waren. Die so genannten «S&#246;hne des Irak» gelten als ein Faktor, der es der USA erm&#246;glichte, Truppen abzuziehen. Dieses Modell soll nun offensichtlich in Afghanistan kopiert werden, ebenfalls mit dem Ziel, damit eine Verringerung der internationalen Truppenpr&#228;senz einleiten zu k&#246;nnen. Hier spielt es auch keine Rolle, dass die irakische Regierung heute massive Probleme mit den «S&#246;hnen des Irak» hat. Auch die Tatsache, dass die Aufr&#252;stung der unterschiedlichen Bev&#246;lkerungsgruppen dazu f&#252;hrte, dass es in den meisten St&#228;dten ethnisch getrennte Viertel gibt, die milit&#228;risch bewacht sind, hindert den Westen nicht daran, es nicht dennoch auch in Afghanistan zu versuchen.</p>
<p>Da hilft auch nicht, dass Karzai sich massiv gegen die Bewaffnung von Milizen ausgesprochen hat. Es sollen 10.000 Dorfsch&#252;tzer rekrutiert werden, die vom afghanischen Innenministerium bewaffnet, bezahlt und «kontrolliert» werden. Die deutsche Regierung hat diese Art der Kriegsf&#252;hrung lange offiziell kritisiert. Inzwischen ist aber auch sie daran interessiert, m&#246;glichst schnell eine gro&#223;e Anzahl afghanischer Bodentruppen zu rekrutieren, die den Krieg gegen die Aufst&#228;ndischen f&#252;hren. Dies ist wohl vor allem auf das erh&#246;hte Risiko f&#252;r die deutschen Truppen und die damit zusammenh&#228;ngende steigende Anzahl get&#246;teter Soldaten zur&#252;ckzuf&#252;hren.</p>
<p>Was derzeit in Afghanistan produziert wird, ist eine noch st&#228;rker bewaffnete Gesellschaft, in der einzelne Gruppen dazu bef&#228;higt werden, ihre Interessen, die eventuell zeitweilig mit denen des Westens &#252;bereinstimmen, gewaltsam durchzusetzen. Damit wird bewusst die weitere Eskalation des B&#252;rgerkriegs in Kauf genommen, unter der vor allem die Zivilbev&#246;lkerung leidet.</p>
<p>Ungek&#252;rzte Fassung auf <a href="http://www.imi-online.de/">www.imi-online.de/</a>.</p>
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		<title>«Der Krieg ist verloren»</title>
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		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 08:18:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krieg]]></category>

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		<description><![CDATA[Tariq Ali &#252;ber die Aussichten in Afghanistan Alle Beteiligten wissen ziemlich gut dar&#252;ber Bescheid, was die pakistanische Armee mit verschiedenen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		PRE.western { font-family: "Garuda" } 		PRE.cjk { font-family: "DejaVu Sans", monospace } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><em>Tariq Ali</em> <strong>&#252;ber die Aussichten in Afghanistan</strong><br />
Alle Beteiligten wissen ziemlich gut dar&#252;ber Bescheid, was die pakistanische Armee mit verschiedenen Taliban-Einheiten getan hat, seit Afghanistan vor nunmehr fast neun Jahren besetzt worden ist.<br />
<span id="more-1379"></span>Vor drei Jahren, berichtete die pakistanische Presse, wurde ein amerikanischer Agent bei Geheimdienstgespr&#228;chen erschossen. Jemand, der dem pakistanischen Milit&#228;r nahe steht, erz&#228;hlte mir vergangenes Jahr, dass Agenten des US-Geheimdienstes bei Gespr&#228;chen, die kurz zuvor zwischen dem pakistanischen Geheimdienst und den Aufst&#228;ndischen stattgefunden hatten, anwesend waren. Das darf einen nicht &#252;berraschen. Der Grund daf&#252;r ist allzu offensichtlich: Die USA k&#246;nnen den Krieg nicht gewinnen.</p>
<p>Es ist kein Geheimnis, dass Pakistan die Taliban nach dem 11.September nie wirklich im Stich gelassen hat. Wie denn auch? Der R&#252;ckzug der Taliban von Kabul war ja von Islamabad organisiert worden, sodass die USA und ihre Verb&#252;ndeten das Land kampflos &#252;bernehmen konnten. Die Pakistanis rieten ihren afghanischen Freunden, einfach das Ganze auszusitzen.</p>
<p>Als der Krieg in Afghanistan schlimmer wurde, gewannen die Aufst&#228;ndischen an Kraft. Das soziale Chaos und die Korruption unter der Regierung Hamid Karzais machte die ausl&#228;ndische Besatzung in den Augen vieler Afghanen noch schlimmer und brachte eine junge Generation von Pashtunen dazu zu k&#228;mpfen – junge M&#228;nner, die nicht Teil des von Pakistan «entfernten» Heeres waren. Diese Neo-Taliban haben effektiv die Verbreitung des Aufstands organisiert, der – wie das von Wikileak ver&#246;ffentlichte Diagramm zeigt – praktisch in alle Winkel des Landes reicht.</p>
<p>Matthew Hoh, ein ehemaliger Hauptmann der US-Marines, der in Afghanistan als politischer Offizier t&#228;tig war, trat im September 2009 zur&#252;ck. Seine Erkl&#228;rung war klar und deutlich: «Der Aufstand der Pashtunen, der von vielf&#228;ltigen, scheinbar unendlich vielen &#246;rtlichen Gruppen getragen wird, wird davon gen&#228;hrt, was die Pashtunen seit Jahrhunderten als Angriff auf ihr Land, ihre Kultur, ihre Religion und Traditionen durch innere und &#228;u&#223;ere Feinde wahrnehmen. Mein Eindruck ist, dass der Gro&#223;teil der Aufst&#228;ndischen nicht f&#252;r das wei&#223;e Banner der Taliban k&#228;mpft, sondern eher gegen die Pr&#228;senz ausl&#228;ndischer Soldaten und die Steuern, die eine nichtrepr&#228;sentative Regierung in Kabul ihnen auferlegt.»</p>
<p>2007 versuchten die USA, einen Teil der Aufst&#228;ndischen von Mullah Omar abzuwerben, indem sie ihnen Regierungsposten anboten. Die F&#252;hrer der Neo-Taliban weigerten sich, Teil der Regierung zu sein, solange ausl&#228;ndische Truppen im Land sind. F&#252;r die Herstellung des Kontakts spielte die pakistanische Armee eine entscheidende Rolle. Die Armee, die von den USA bereits mehrmals als Schutzschirm benutzt worden ist, war nun gezwungen, ihre islamistische Ausrichtung abzulegen (die f&#252;r den Dschihad gegen die Sowjetunion notwendig gewesen war). Dies ver&#228;rgerte viele innerhalb ihrer Reihen und es gab drei Attentate gegen General Musharraf.</p>
<p>Der pakistanische Geheimdienst, dessen Autonomie immer &#252;bersch&#228;tzt wurde, wurde fast vollst&#228;ndige unter die Kontrolle der Armee gebracht, General Ashfaq Kayani (der Musharraf als Stabschef abl&#246;ste) organisierte ihn von oben nach unten komplett neu. Einige aufst&#228;ndische Elemente outeten sich, als sie den Angriff auf die indische Botschaft in Kabul im Jahr 2008 begr&#252;&#223;ten; sie wurden sofort bestraft und aus ihren Positionen entfernt.</p>
<p>Heutzutage ist es f&#252;r den Westen, der General Kayani braucht, n&#252;tzlich geworden, den pakistanischen Geheimdienst anzugreifen, weil er Kayani nicht direkt angreifen kann. Es ist unm&#246;glich, dass der pakistanische Geheimdienst oder eine andere Armeeeinheit den Aufst&#228;ndischen direkt helfen, ohne dass Kayani davon wei&#223;, und Kayani wei&#223; sehr gut, dass man ihnen einige Gefallen tun muss, um den Kontakt zu den Aufst&#228;ndischen zu halten, die die NATO bek&#228;mpfen.</p>
<p>Vor einigen Monaten wollte Kayani die Taliban so sehr umwerben, dass er von General Eikenberry, dem friedfertigen US-Botschafter in Kabul, verlangte, alle Taliban-F&#252;hrer von der «Liste der meist Gesuchten» zu entfernen, auch Mullah Omar. Eikenberry weigerte sich nicht, schlug jedoch vor, jeder Fall solle einzeln beurteilt werden – der beste Hinweis darauf, dass der Krieg verloren ist.</p>
<p>In einem von Wikileaks ver&#246;ffentlichten Interview antwortet Karzai auf die Frage nach der Unterst&#252;tzung Pakistans f&#252;r die Taliban: «Es ist eine andere Frage, ob Afghanistan die F&#228;higkeit hat, dies anzugehen … unsere Verb&#252;ndeten haben jedoch diese F&#228;higkeit. Die Frage ist nur, warum handeln sie nicht?»</p>
<p>Sie handeln jedoch – sie handeln, seit Barack Obama Pr&#228;sident ist. Die Drohnenangriffe zielten darauf ab, den Nachschub f&#252;r die Aufst&#228;ndischen jenseits der Grenze zu bek&#228;mpfen. Stattdessen haben sie Pakistan destabilisiert. Im vergangenen Jahr entfernte die Armee 250000 Menschen gewaltsam aus dem Orakzai-Bezirk nahe der afghanischen Grenze und steckte sie in Fl&#252;chtlingslagern. Viele schworen Rache, und militante Gruppen haben den pakistanischen Geheimdienst und andere milit&#228;rische Zentren angegriffen. Am 8.Juni dieses Jahres griffen K&#228;mpfer mit Granaten und Minen einen NATO-Konvoi in Rawalpindi an. F&#252;nfzig NATO-Fahrzeuge wurden verbrannt, mehr als ein Dutzend Soldaten kamen ums Leben.</p>
<p>All das kann nur noch schlechter werden. Es ist Zeit, alle Vorw&#228;nde fallen zu lassen: Der Krieg f&#252;hrt nur zu noch mehr Toten, ohne eine L&#246;sung zu bringen. Eine Exitstrategie ist dringend vonn&#246;ten.</p>
<p><em>&#220;bersetzung: Angela Huemer</em><br />
aus: <a href="http://www.tariqali.org/">www.tariqali.org</a>. Der Artikel erschien am 30.Juli 2010 im <em>Guardian</em>.</p>
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		<title>Atomwaffensperrvertrag</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/04/atomwaffensperrvertrag/</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Apr 2010 17:24:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krieg]]></category>

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		<description><![CDATA[Doppelte Sicherheitsstandards von Mohssen Massarrat Solange Israel dem Atomwaffensperrvertrag nicht beitritt, gibt es keine L&#246;sung. Die friedliche Nutzung der Atomenergie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Doppelte Sicherheitsstandards</strong><br />
<em>von Mohssen Massarrat</em></p>
<p>Solange Israel dem Atomwaffensperrvertrag nicht beitritt, gibt es keine L&#246;sung.<br />
Die friedliche Nutzung der Atomenergie war historisch gesehen ein Nebenprodukt der Atombombe. Acht Jahre nach der Z&#252;ndung der ersten Atombombe in Hiroshima ebnete Eisenhower 1953 mit seiner programmatischen Rede vor der UNO, «Atoms for Peace», den Weg f&#252;r den Beginn der kommerziellen Nutzung</p>
<p><span id="more-959"></span>der Atomenergie und die Schaffung eines weltweit neuen und &#246;konomisch vielversprechenden Industriezweigs. Atomreaktoren wurden alsbald Exportschlager.</p>
<p>Alle Beteiligten wussten aber von Anfang an ziemlich genau: Wer &#252;ber Atomreaktoren verf&#252;gt, der hat auch den Schl&#252;ssel zu Atombomben.</p>
<p>So standen die f&#252;nf Atomstaaten und die internationale Atomindustrie vor einem schwerwiegendem Dilemma: Wie kann das Gesch&#228;ft mit den Atomreaktoren weltweit gesichert werden, ohne gleichzeitig das Monopol der Atomm&#228;chte auf Atomwaffen aufzugeben zu m&#252;ssen?</p>
<p>Die L&#246;sung des Atomclubs lie&#223; nicht lange auf sich warten. 1957 wurde die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) gegr&#252;ndet, die ausdr&#252;cklich die Verbreitung der Atomenergie ganz im Interesse der Atomindustrie f&#246;rdern sollte.</p>
<p>1970 trat der Vertrag f&#252;r die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen (Nuclear Non-Proliferation Treaty <em>-</em> NPT) in Kraft, der die Rechte und Pflichten der Mitgliedstaaten regelte. NPT Art.II verbietet den Mitgliedstaaten, «Kernwaffen oder sonstige Kernsprengk&#246;rper her(zu)stellen oder auf andere Weise (zu) erwerben», w&#228;hrend Art.IV «die zivile Kerntechnik» als «ein unver&#228;u&#223;erliches Recht f&#252;r jeden Vertragsstaat» festschreibt und die IAEO verpflichtet, «die friedliche Nutzung der Kernenergie zu f&#246;rdern».</p>
<p>Doch entwickelte sich der Nichtverbreitungsvertrag selbst &#8211; urspr&#252;nglich zur L&#246;sung des Problems der doppelten milit&#228;rischen und zivilen Nutzung der Atomtechnik geschaffen <em>-</em> zu einem neuen Dilemma: Erstens wird er von vielen Vertragsmitgliedern nicht ernstgenommen, weil die Atomwaffenm&#228;chte selbst ihn mit F&#252;&#223;en treten, indem sie sich an die eigene Selbstverpflichtung zur Abr&#252;stung ihrer Atomwaffen nicht halten, wie Art.VI NPT es von ihnen verlangt.</p>
<p>Zweitens wird der Nichtverbreitungsvertrag dadurch desavouiert, dass ihn USA und EU willk&#252;rlich und nach eigenem Gutd&#252;nken auslegen und behandeln. Einigen Staaten, wie z.B. Brasilien, Argentinien, S&#252;dafrika, Deutschland, die alle keine Atomwaffenstaaten sind, d&#252;rfen auf eigenem Territorium, wie in Art.IV NPT festgeschrieben, die Urananreicherung unter der Kontrolle der IEAO betreiben, anderen Staaten, wie dem Iran, soll dagegen dieses Recht grunds&#228;tzlich verwehrt werden.</p>
<p>Der double standard ist aus meiner Sicht inzwischen ein gro&#223;es Hindernis im Iran-Atomkonflikt, der seit acht Jahren andauert und immer noch auf der Stelle tritt. Entscheidend ist jedoch, dass beide Seiten, USA und EU einerseits und der Iran andererseits, den Nichtverbreitungsvertrag als Vorwand f&#252;r die Durchsetzung ihrer entgegengesetzten sicherheitspolitischen Interessen im Mittleren und Nahen Osten instrumentalisieren.</p>
<p><strong>Ein Sicherheitsdilemma&#8230;</strong></p>
<p>In dieser Region herrscht n&#228;mlich ein klassisches Sicherheitsdilemma, seit Israel im Besitz von 200 bis 300 atomaren Sprengk&#246;pfen ist <em>-</em> und daran besteht nicht der geringste Zweifel. Zwar mag Israel f&#252;r seine Entscheidung, die Sicherheit seiner Bev&#246;lkerung mit Atomwaffen herstellen zu wollen, plausible Gr&#252;nde gehabt haben.</p>
<p>Tats&#228;chlich kann konventionell milit&#228;rische Machtungleichheit zwischen verfeindeten Staaten durch die Aufstellung von Atomwaffen ausgeglichen werden, wie dies durch die «Nachr&#252;stung» in Europa zu Beginn der 80er Jahreauch geschah. Angesichts der faktischen &#220;bermacht der Israel umgebenden arabisch-islamischen Staaten (Bev&#246;lkerung, Ressourcen, Soldaten, Waffenarsenale) erscheint insofern Israels Atomarsenal sicherheitspolitisch zun&#228;chst plausibel. Ebenso plausibel erscheint allerdings auch, dass Israels atomare Vorherrschaft von allen anderen Staaten in der Region objektiv als Bedrohung f&#252;r ihre Sicherheit empfunden werden muss.</p>
<p>Um das eigene Sicherheitsdilemma zu l&#246;sen, hat Israel also ein neues geschaffen, allerdings f&#252;r die anderen Staaten. Nun haben sich aber alle arabischen Regierungen (keineswegs jedoch die V&#246;lker), mit Ausnahme der politischen F&#252;hrung in Syrien und Pal&#228;stina &#8211; beide L&#228;nder sind Opfer israelischer Besatzung &#8211; mit Israel als regionaler Atommacht abgefunden, sie kooperieren hier und da sogar mit diesem Staat und in sicherheitspolitischen Fragen wesentlich mehr noch mit den USA. Auch die T&#252;rkei als NATO-Mitglied muss sich durch Israels Atombomben nicht bedroht f&#252;hlen. Der einzige Staat in der Region, der das beschriebene Sicherheitsdilemma nicht ausblenden kann, ist eben der Iran, der nach der islamischen Revolution aus dem milit&#228;rischen «Schutzschirm» USA/Israel ausgeschert ist, mehr noch: die US-Vormachtstellung in der Region sogar in Frage stellt.</p>
<p><strong> &#8230;das ausgeblendet wird</strong></p>
<p>USA und EU klammern das Sicherheitsproblem aus, weil sie Israels atomare Vorherrschaft im Mittleren und Nahen Osten ganz im Sinne Israels aufrechterhalten bzw. nicht in Frage stellen wollen. Dies ist aus meiner Sicht auch ihr Hauptmotiv &#8211; und weniger die Sorge um die Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen. Deshalb wollen die USA und EU das Atomprogramm des Iran zu Fall bringen und scheuen dabei sogar vor einem Krieg und dem realen Risiko nicht zur&#252;ck, den NPT mit in den Abgrund zu rei&#223;en.</p>
<p>W&#228;hrend der Westen mit seinem Kasperletheater &#8211; in dem seit Jahren ein angebliches Entgegenkommen vorgespielt wird <em>-</em> nur Nebelkerzen wirft, um die &#246;ffentliche Meinung zu manipulieren, bezieht Israel offen Position.</p>
<p>Israels Staatspr&#228;sident Shimon Peres verteidigte bspw. in der S&#252;ddeutschen Zeitung vom 23.Januar 2010 indirekt die eigene atomare Vorherrschaft, indem er dem Iran unterstellte, mit dessen Atomprogramm «den Nahen und Mittleren Osten dominieren zu wollen». Peres sagte damit in Wahrheit, die eigene atomare Vorherrschaft in der Region nicht aus der Hand geben zu wollen.</p>
<p>Als Peres tags darauf im deutschen Bundestag den Iran wegen seiner Atompolitik zum Hauptfeind der Menschheit hochstilisierte, zollte ihm die versammelte politische Klasse Deutschlands lautstarken Beifall. Dadurch macht sich diese <em>-</em> gewollt oder ungewollt <em>-</em> zum Handlanger von Israels gef&#228;hrlicher Atommachtpolitik in der konfliktreichsten Region der Welt, und sie macht sich dadurch auch mitverantwortlich f&#252;r alle Folgen dieser Politik.</p>
<p>Auch die Islamische Republik und alle ihre Regierungen haben bisher strikt vermieden, das Sicherheitsdilemma im Atomkonflikt mit dem Westen herauszustellen und die Einbeziehung von Israels Atomarsenal in die Verhandlungen zu verlangen, obwohl so, und nur so, die Aussicht best&#252;nde, dass Irans das Sicherheitsproblem des Iran ernstgenommen und verstanden w&#252;rde.</p>
<p>Dreimal darf man raten, warum die F&#252;hrung der Islamischen Republik diesen Weg bisher nicht gegangen ist und sich stattdessen unbeirrt darauf versteift, die eigene Antwort auf ein sicherheitspolitisches Problem hinter dem Nichtverbreitungsvertrag und dem Argument der Energieversorgung f&#252;r die iranische Bev&#246;lkerung zu verstecken, dem niemand Glauben schenkt bzw. schenken kann.</p>
<p>Wie sollte man auch diese Begr&#252;ndung f&#252;r das Atomprogramm eines Landes f&#252;r glaubw&#252;rdig halten, das &#252;ber die viertgr&#246;&#223;ten &#214;lreserven und die zweitgr&#246;&#223;ten Gasreserven der Welt und dar&#252;ber hinaus auch &#252;ber betr&#228;chtliche Potenziale an Erdw&#228;rme und Solarenergie verf&#252;gt, sich aber f&#252;r die teuerste und &#246;kologisch und politisch gef&#228;hrlichste Alternative der Energieversorgung entscheidet?</p>
<p><strong>Sicherheit gibt es nur gemeinsam</strong></p>
<p>Der Iran-Atomkonflikt ist der historische Beleg f&#252;r die Untrennbarkeit der friedlichen von der milit&#228;rischen Nutzung der Atomtechnik. Nur ein Ausstieg aus dieser Technologie kann dieses Menschheitsproblem l&#246;sen.</p>
<p>Die Ursache des Iran-Atomkonflikts und eines atomaren Wettr&#252;stens in der Region ist nicht das Iran-Atomprogramm, sondern Israels atomare Vorherrschaft. USA und EU treiben durch ihre Unterst&#252;tzung dieser Vorherrschaft den Iran geradezu hin zum konsequenten Aufbau der eigenen Nuklearkapazit&#228;ten.</p>
<p>Neue Sanktionen gegen den Iran d&#252;rften wirkungslos bleiben. Dann bliebe dem Westen nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera, zwischen Krieg oder einem nuklearen Wettr&#252;sten in der Region. Beides w&#228;re aber f&#252;r die Menschen, die Wirtschaft, die Umwelt und f&#252;r die Demokratisierung im Iran und in der Region verh&#228;ngnisvoll.</p>
<p>Atomwaffen sind die schlechteste L&#246;sung, um Israels Sicherheit und Existenz dauerhaft herzustellen. Sie kann auch niemals gegen die islamisch-arabischen Nachbarstaaten erreicht werden, sondern nur mit ihnen. Gegenteilige Annahmen entspringen nicht der Vernunft, sondern dem &#220;berlegenheitswahn.</p>
<p>Die L&#246;sung ist und bleibt gemeinsame Sicherheit, atomwaffenfreie Zone und Kooperation im Mittleren und Nahen Osten. Der aktuelle Iran-Konflikt k&#246;nnte letztlich auch in dieser Perspektive eine gerechte L&#246;sung finden.</p>
<p>Dazu bedarf es des Muts seitens der USA und der EU, Israels Atomwaffen nicht l&#228;nger zu tabuisieren. Der Beitritt Israels zum Nichtverbreitungsvertrag w&#228;re der allererste Schritt und eine wichtige vertrauensbildende Ma&#223;nahme, die Obama zwar urspr&#252;nglich gefordert, aber nicht weiterverfolgt hat.</p>
<p>Da genau m&#252;sste nunmehr die internationale Friedensbewegung ansetzen und den Beitritt Israels zum Nichtverbreitungsvertrag auf die politische Tagesordnung setzen.</p>
<p><em>Zuerst erschienen in: </em>Friedensforum<em>, Nr.2, 2010.</em></p>
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		<title>Heldengedenken f&#252;r Bundeswehrsoldaten</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/04/heldengedenken-fuer-bundeswehrsoldaten/</link>
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		<pubDate>Fri, 23 Apr 2010 17:20:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krieg]]></category>

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		<description><![CDATA[Soldaten sind M&#246;rder von Monty Sch&#228;del Das &#246;ffentliche Zelebrieren der Trauer &#252;ber die gefallenen Soldaten dient der Sicherung der Heimatfront. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Soldaten sind M&#246;rder</strong><br />
<em>von Monty Sch&#228;del</em></p>
<p>Das &#246;ffentliche Zelebrieren der Trauer &#252;ber die gefallenen Soldaten dient der Sicherung der Heimatfront. F&#252;r uns sind die «Helden vom Hindukusch» nicht gefallen!</p>
<p><span id="more-957"></span>Mit dem vermehrten Sterben deutscher Soldaten im Afghanistankrieg kommt die deutsche Regierung zunehmend in Bedr&#228;ngnis. &#214;ffentlich gibt es gro&#223;es Wehklagen und Bedauern. Unterst&#252;tzt durch gro&#223;e Teile der Medien wird des genutzt, um immer unverhohlener f&#252;r den Krieg zu trommeln und zum Durchhalten aufzufordern.</p>
<p>Im Angesicht des Todes hat deutsches Kriegsheldentum Konjunktur. Einsatzmedaillen werden postum verliehen, Gedenktafeln enth&#252;llt, Trauer und gemeinsames Deutschsein im Tod zelebriert. Kanzlerin, Kriegsminister, Kirchenvertreter und Milit&#228;rs beschw&#246;ren, der Tod der Soldaten sei nicht umsonst gewesen, jetzt m&#252;sse der Auftrag erst recht durchgesetzt werden. Ihr Tod wird aktiv f&#252;r die Kriegspropaganda in Szene gesetzt, damit sich die Stimmung gegen den Krieg nicht weiter ausbreitet. Nur um sich nicht eingestehen zu m&#252;ssen, dass der Krieg in Afghanistan seit Jahren falsch ist.</p>
<p>W&#228;hrend deutsche Parlamentarier unter dem Beifall anderer Fraktionen des Parlaments verwiesen werden, wenn sie der afghanischen Opfer der Bundeswehr gedenken; w&#228;hrend es der Bundestag und die Bundesregierung bis heute nicht fertiggebracht haben, sich bei den Opfern und Hinterbliebenen des Massakers von Kundus und anderer «Zwischenf&#228;lle» zu entschuldigen, ganz zu schweigen von einer &#246;ffentlichen Trauerfeier; w&#228;hrend um die Entsch&#228;digung der Opfer monatelang gefeilscht wird, wird der Tod von drei Deutschen in einem Krieg, der bislang mehreren zehntausend Afghanen das Leben gekostet hat, als besonderes &#246;ffentliches Ereignis begangen.</p>
<p>Seit Jahren spricht sich zwar eine deutliche Mehrheit der Menschen in der Bundesrepublik gegen den Krieg in Afghanistan und die deutsche Beteiligung daran aus, aber deutsche Tote machen dann doch anders betroffen. Das propagandistisch erzeugte &#246;ffentliche Bild dieser Betroffenheit verkehrt die Realit&#228;t der breiten Ablehnung des Krieges in ihr Gegenteil, indem es suggeriert: Das sind doch unsere Jungs! Sie fallen doch f&#252;r uns! Sie verdienen unsere Anerkennung und Unterst&#252;tzung. Doch f&#252;r uns sind die «Helden vom Hindukusch» nicht gefallen!</p>
<p>Sp&#228;testens seit dem Massaker von Kundus ist bekannt: Auch Bundeswehrsoldaten sind M&#246;rder! Selbst wenn die Bundesanwaltschaft mit juristischer Spitzfindigkeit die Untersuchungen gegen die  verantwortlichen deutschen Kommandierenden, Oberst Klein, eingestellt hat, bleibt die Tatsache, dass diese Operation mindestens 142 Menschen das Leben gekostet hat. Aus einer Situation heraus wird &#252;ber Leben und Tod anderer Menschen entschieden. Das ist in einem Krieg leider «normal», weshalb die Internationale der Kriegsgegner in ihrer Grundsatzerkl&#228;rung formuliert hat: Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit.</p>
<p>Auch deutsche tote Soldaten haben Angeh&#246;rige, Freunde und Verwandten, die um sie trauern. Solange sie dieses im famili&#228;ren Kreis tun, ist dieses normal und geh&#246;rt respektiert: In der privaten Trauer kann dar&#252;ber hinweg gesehen werden, dass diese Toten als Soldaten den Tod fanden.</p>
<p>Werden sie aber zu Helden stilisiert und wird ihr Tod <em>-</em> auch durch die Angeh&#246;rigen die so etwas zulassen <em>-</em> u.a. durch &#246;ffentliche Begr&#228;bnisse mit Fernseh-Live&#252;bertragung zu einem Politikum gemacht und f&#252;r Kriegspropaganda missbraucht, m&#252;ssen sich die Angeh&#246;rigen Anmerkungen, Vorw&#252;rfe und Fragen gefallen lassen.</p>
<p>Auch die jetzt betrauerten toten Bundeswehrsoldaten sind in dem Bewusstsein und mit der Bezahlung nach Afghanistan gegangen, dass sie get&#246;tet werden k&#246;nnen, aber auch bereit sind, andere Menschen zu t&#246;ten. Sicher, sie sind auch Opfer, wenn sie gezeichnet (tot oder lebendig) aus dem Krieg zur&#252;ckkehren. Doch ich lasse nicht gelten, dass diese «Opfer» nicht wissen, was sie tun. Es ist, bei aller grunds&#228;tzlichen Kritik am System der Bundesrepublik, hierzulande die bewusste Entscheidung eines jeden Menschen, Soldat zu werden, die bewusste Entscheidung eines jeden Soldaten, in den Krieg zu ziehen. Mit dieser bewussten Entscheidung werden sie zu T&#228;tern. Jeder deutsche Soldaten ist Teil der NATO-Besatzung Afghanistans und hilft, sie zu verl&#228;ngern. Jeder deutsche Soldat ist als solches mitschuldig am Tod von Frauen, Kindern und anderen afghanischen Menschen. Wer dies bei der Trauer der toten Deutschen ausklammert, ist mindestens der Kriegspropaganda aufgesessen, wenn er sie nicht gar direkt unterst&#252;tzt.</p>
<p>Ich bekenne offen und ohne Einschr&#228;nkung: F&#252;r mich sind diese Soldaten nicht gefallen! F&#252;r mich braucht kein Soldat weiter ausgebildet zu werden oder in den Krieg zu gehen.</p>
<p>In Bezug auf meine Kinder (1, 9 und 11 Jahre alt) erinnere ich mich an Reinhard May und sein Bekenntnis gegen&#252;ber dem Milit&#228;r in einem in die Jahre gekommenen Lied und kann es nur allen empfehlen. Eindringlich bekundet er da: «Nein, meine S&#246;hne gebe ich nicht». Ich erg&#228;nze: Und meine Tochter bekommt ihr auch nicht!</p>
<p><em>Der Autor ist Bundessprecher der DFG-VK und Sprecher der Kooperation f&#252;r den Frieden</em> (<a href="http://www.montyschaedel.de/">www.montyschaedel.de/</a>, <a href="http://www.dfg-vk.de/">www.dfg-vk.de/</a>, <a href="http://www.koop-frieden.de/">www.koop-frieden.de/</a>).</p>
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		<title>Gezielte T&#246;tung mit Tradition</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Apr 2010 23:24:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krieg]]></category>

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		<description><![CDATA[In Afghanistan beantwortet die Bundeswehr Terror mit Gegenterror Aufruf f&#252;r den &#8220;umgehenden Abzug der Truppen aus Afghanistan&#8221; Anl&#228;sslich der Verl&#228;ngerung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In Afghanistan beantwortet die Bundeswehr Terror mit Gegenterror</strong><em><br />
Aufruf f&#252;r den &#8220;umgehenden Abzug der Truppen aus Afghanistan&#8221;</em></p>
<p>Anl&#228;sslich der Verl&#228;ngerung des ISAF-Mandats durch den Bundestag und haben Redakteure von <em>Amos</em> und <em>kultuRRevolution</em> die Argumente der Kriegsbef&#252;rworter auseinandergenommen.<br />
<span id="more-737"></span> Warum ist es nicht nur das Beste, sondern das schlechthin Notwendige, dass die Bundeswehr umgehend und vollst&#228;ndig aus Afghanistan abzieht?</p>
<p>Weil die f&#252;r diesen Krieg angef&#252;hrten Diskursblasen l&#228;ngst geplatzt sind und weil die hinter der Phrase von der «gewachsenen deutschen Verantwortung» versteckten tats&#228;chlichen Argumente fatal sind: Die Diskursblasen von Demokratie, Frauenemanzipation und Wohlstand durch Bundeswehreins&#228;tze nehmen ihre Erfinder selbst seit langem nicht mehr ernst. «Unsere Sicherheit am Hindukusch? Die Terrorquelle schlie&#223;en.» Offensichtlich wurde diese Quelle durch diese Kriegf&#252;hrung erst richtig ge&#246;ffnet.</p>
<p>Die deutsche Verantwortung. Hinter dieser Phrase steckt ein ganz und gar irrationaler und angesichts der deutschen Geschichte fataler Anspruch auf einen Platz unter den f&#252;hrenden Weltm&#228;chten. Mit nur 1,2% der Weltbev&#246;lkerung belegt Deutschland den 15.Platz. In wenigen Jahren werden hier nur rund 1% der Weltbev&#246;lkerung leben <em>–</em> soll die Bundeswehr auf dieser Basis einen der Weltgendarmen f&#252;r die anderen 99% spielen?</p>
<p>Deutschlands Mitgliedschaft in der G 7/G 8-Gruppe, der Anspruch auf einen st&#228;ndigen Sitz im Sicherheitsrat der UNO usw. erkl&#228;ren sich nur aus der noch vorhandenen relativen wirtschaftlichen St&#228;rke. Daraus folgt keineswegs ein Anspruch auf eine politische und milit&#228;rische Weltmachtposition. Ein solcher Automatismus w&#228;re h&#246;chst undemokratisch. Sollte Deutschland in die Rolle eines f&#252;hrenden Mitglieds in einer Art informeller milit&#228;rischer «Welt-Junta» aber unabsichtlich hineingerutscht sein, so gilt es jetzt, zu einer solchen Rolle vern&#252;nftig Nein zu sagen.<br />
Der Afghanistankrieg ist dabei der Lackmustest.</p>
<p><strong> Der Krieg gegen den Terror.</strong> Der Afghanistankrieg wird von seinen Strategen als «Krieg gegen den Terror» bezeichnet. Dahinter verbirgt sich ein Anti-Guerilla-Krieg, wie er auch in Vietnam gef&#252;hrt wurde – also au&#223;erhalb des V&#246;lkerrechts. Denn die Feinde sind weder als Kombattanten noch als Verbrecher definiert: W&#228;ren sie Kombattanten, m&#252;ssten sie als Gefangene in offen zug&#228;nglichen Lagern interniert werden, w&#228;ren sie (mutma&#223;liche) Verbrecher, d&#252;rften sie auf keinen Fall ohne Anklage, Prozess und Urteil einfach auf Verdacht und pr&#228;ventiv «gezielt get&#246;tet» und «eliminiert» werden.</p>
<p>Genau das aber ist der strategische Kern dieses Krieges, der daher auf Seiten der NATO auch einen exterministischen Charakter hat. Das von der Bundeswehr zu verantwortende «Massaker» (J&#252;rgen Todenh&#246;fer) von Yakob Baj am 4.9.2009 signalisierte geradezu symbolisch, dass die Bundeswehr, wenn sie nicht abzieht, genau dieser exterministischen Strategie verpflichtet ist und weiter sein wird.</p>
<p><strong> Terror und Gegenterror.</strong> Es ist also ein Krieg, dessen entscheidende taktische Mittel «Drohnen» im w&#246;rtlichen und &#252;bertragenen Sinne sind: automatische oder von Menschen geflogene Luftangriffe als «gezielte T&#246;tungen», bei denen zugegebenerma&#223;en «unschuldige» Opfer in erschreckendem Umfang akzeptiert werden, sowie «gezielte T&#246;tungen am Boden», ebenfalls mit durchschnittlich hohen zivilen Opfern («Taliban-Jagden» genannt) durch Elite-Einheiten wie das KSK.</p>
<p>Wie sollen junge M&#228;nner ohne Sprach- und Kulturkenntnisse einen (von vornherein immer «des Todes schuldigen!?») «Taliban» von einem «Unschuldigen» unterscheiden? Sie m&#252;ssen sich auf die Informationen und Befehle ihrer Vorgesetzten verlassen, die ebenfalls sprach- und kulturunkundig sind und sich einfach auf die Denunziation von «Informanten» verlassen. Der Kern dieser Strategie besteht also darin, Terror mit Gegenterror zu bek&#228;mpfen und sich auf diese Weise an den terroristischen Gegner anzugleichen. Kein Wunder, dass dieser wahrhaft schmutzige Krieg es in nun fast zehn Jahren nicht erreicht hat, die «terroristischen Taliban» zu «eliminieren» – dass er sie vielmehr offensichtlich vermehrt hat.</p>
<p><strong> Gnade uns Gott.</strong> Das letzte Argument gegen den Abzug ist die Drohung mit den Folgen: «Gnade uns Gott, wenn die Taliban zur&#252;ckkommen!» Als ob sie nicht l&#228;ngst zur&#252;ck w&#228;ren und als ob nicht die &#252;berw&#228;ltigende Mehrheit auch der Talibangegner in Afghanistan die eine oder die andere Spielart von Islam/»Islamismus» vertr&#228;te. Da «Taliban» ein Plastikwort ist, wird jede Art von Renitenz zu «Taliban» <em>–</em> und dadurch werden es auch immer mehr. Die jetzige Situation ist die Konsequenz der «Terrorkrieg-Strategie» und g&#228;nzlich von deren Bef&#252;rwortern zu vertreten. Von den Kritikern dieser Strategie nun das Wunder einer sofortigen alternativen Ideall&#246;sung einzufordern, ist ein Gipfel unfairen Diskussionsstils.</p>
<p><strong> Wer in der Sackgasse steckt, muss umkehren</strong>. Dennoch ist sicher: Weil Eskalation in die Sackgasse gef&#252;hrt hat, gibt es zur Deeskalation keine Alternative. Wer in der Sackgasse steckt, muss umkehren und nicht stur weitermarschieren. Milit&#228;rischer R&#252;ckzug und Deeskalation werden nicht umgehend Wunder wirken, wohl aber bisher noch gar nicht versuchte Optionen &#246;ffnen.</p>
<p>Das hat auch eine finanzielle Komponente, die nicht verheimlicht werden darf: Der Krieg kostet t&#228;glich Unsummen, von denen schon die H&#228;lfte enorme friedliche Alternativpotentiale er&#246;ffnen k&#246;nnte. Die starke Opposition im Iran zeigt im &#252;brigen das Potenzial eines innerislamischen Pluralismus – w&#252;rde die Welt-Junta auch dort milit&#228;risch intervenieren, so w&#252;rden die Intervenienten sofort zum allgemeinen Hauptgegner und die Opposition geschw&#228;cht werden.</p>
<p>Die Wegnahme des &#228;u&#223;eren Drucks wird also mittelfristig Schritte zu einem innerafghanischen Ausgleich und einer innerafghanischen Befriedung auf jeden Fall erleichtern. So viel ist sicher: Die Eskalation des Krieges wird die schon gegebene Katastrophe noch katastrophaler und noch auswegloser machen.</p>
<p><strong> Deutschland am Scheideweg.</strong> Deutschland ist nun f&#252;r alle sichtbar am Scheideweg: Entweder klammert es sich an die Mitgliedschaft in der informellen milit&#228;rischen «Welt-Junta» und akzeptiert bewusst die exterministische Strategie eines «Terror-Kriegs» – oder es sagt ein vern&#252;nftiges Nein und holt die Bundeswehr nach Hause, wodurch nicht zuletzt auch die deutschen Soldaten aus Lebensgefahr und aus der Gefahr von «Befehlsnotst&#228;nden» befreit w&#252;rden.</p>
<p>Die Forderung nach «umgehendem» Abzug ist im Sinne eines verpflichtenden politischen Signals zu verstehen: Am Anfang k&#246;nnte etwa eine einseitige Erkl&#228;rung stehen, jede Art offensiver milit&#228;rischer Aktion, insbesondere das Anfordern von «Luftunterst&#252;tzung» und die «gezielten T&#246;tungen» mit sofortiger Wirkung definitiv einzustellen, woraus sich ein Waffenstillstand entwickeln k&#246;nnte. Die technischen Probleme eines schnellen Abzugs k&#246;nnen Armeen erfahrungsgem&#228;&#223; l&#246;sen, sobald der Abzug politisch entschieden ist.<br />
Ein solcher Schritt Deutschlands k&#246;nnte auch mehreren schon bestehenden Initiativen f&#252;r eine Friedenskonferenz unter f&#252;hrender Beteiligung von Vertretern aller Gruppen der afghanischen Zivilgesellschaft eine entscheidende Unterst&#252;tzung verleihen.</p>
<p><strong> Warnschilder der Vergangenheit.</strong> Selbstverst&#228;ndlich sollten leichtfertige Vergleiche mit fr&#252;heren deutschen Kriegen vermieden werden, wohl aber sollten die Erfahrungen daraus als Warnschilder dienen. Die deutsche Wehrmacht hatte im Zweiten Weltkrieg, obwohl sie und ihre Nachfolger bekanntlich bis heute f&#252;r «sauber» pl&#228;dieren, den ber&#252;chtigten geheimen «Kommissarsbefehl» zu verantworten. Der bestand in nichts anderem als in «gezielten T&#246;tungen» von tats&#228;chlichen oder vermeintlichen aktiven Kommunisten hinter der Ostfront auf blo&#223;e Denunziation hin. Heute h&#228;ufen sich in Afghanistan Meldungen &#252;ber «Vorf&#228;lle» mit internationalen Eliteeinheiten, die sehr ernste «Rutschgefahren» signalisieren.</p>
<p>Auch wenn die Bundeswehr selten direkt beteiligt sein sollte, sitzt sie im gleichen Boot. Abweichend von den Bef&#252;rwortern des Afghanistankriegs vertreten wir die Ansicht, dass wir als Bewohnerinnen und Bewohner dieses Landes, von deren Steuergeldern dieser Krieg bezahlt wird, aufgrund unserer milit&#228;rischen Geschichte sehr wohl fatale Eskalationsprozesse besonders aufmerksam beobachten und besonders konsequent meiden sollten. Wir k&#246;nnen ja nicht ein weiteres Mal auf eine neuerliche «Gnade der sp&#228;ten Geburt» warten, weil wir ja schon l&#228;ngst geboren sind.</p>
<p><em>Der vorstehende Aufruf tr&#228;gt zahlreiche prominente Unterschriften und wurde ver&#246;ffentlicht auf</em> <a href="http://www.afghanistanappell.de">www.afghanistanappell.de</a>, <em>wo man ihn auch zeichnen kann.</em></p>
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