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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Krise</title>
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		<title>Das britische Sparprogramm</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:47:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>

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		<description><![CDATA[Krieg gegen Arbeiter und Arme von Susan Pashkoff In der britischen Regierung sitzen 23 Million&#228;re (von 29 Kabinettsmitgliedern). Die destabilisieren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Krieg gegen Arbeiter und Arme</strong></p>
<p>von <em>Susan Pashkoff</em></p>
<p>In der britischen Regierung sitzen 23 Million&#228;re (von 29 Kabinettsmitgliedern). Die destabilisieren mit ihrem &#252;berfl&#252;ssigen Verm&#246;gen nicht nur die Kreditwirtschaft, sie f&#252;hren unter dem Deckmantel des Sparens auch einen regelrechten Krieg gegen  Lohnabh&#228;ngige und Arme.<br />
<span id="more-3731"></span>Vor Wochen hat die Regierung Cameron angek&#252;ndigt, sie werde die Gehaltserh&#246;hungen im &#246;ffentlichen Dienst auf 1% deckeln. Das kommt einem realen Einkommensverlust gleich, denn der Index f&#252;r Verbraucherpreise ist im Oktober im Vergleich zur Vorjahresmonat um 5% gestiegen (der Index f&#252;r Einzelhandelspreise sogar um 5,4%). Au&#223;erdem sollen die &#246;ffentlich Besch&#228;ftigten h&#246;here Beitr&#228;ge in die Rentenkasse einzahlen. Vor allem aber sollen im &#246;ffentlichen Dienst 710000 Arbeitspl&#228;tze abgebaut werden.</p>
<p>Seit 2009 fallen die real verf&#252;gbaren Haushaltseinkommen; bis 2014 prognostiziert das Wirtschaftsforschungsinstitut IFS einen R&#252;ckgang um 4,7%.</p>
<p>In ihrer Regierungserkl&#228;rung im Herbst dieses Jahres hatte die Regierung Cameron erkl&#228;rt, die Folgen der Sparpolitik w&#252;rden gerecht verteilt. Die ist eine L&#252;ge: Ihre Ma&#223;nahmen f&#252;hren zu mehr Arbeitslosigkeit, mehr Armut und sie zerst&#246;ren den &#246;ffentlichen Dienst. Dabei nimmt das Wirtschaftswachstum nicht zu, vielmehr f&#228;llt Gro&#223;britannien immer tiefer in eine Rezession.</p>
<p><strong>Weniger Lohn, mehr Arbeitslosigkeit, h&#246;here Schulden</strong></p>
<p>Seit April 2011 haben 110000 Besch&#228;ftigte im &#246;ffentlichen Dienst ihren Job verloren. Sofern sie in der Lage sind, im privaten Sektor einen neuen Arbeitsplatz zu finden, geraten sie in gewerkschaftlich nicht organisierte Bereiche und werden schlechter bezahlt, aller Voraussicht nach m&#252;ssen sie Jobs annehmen, die ihrer Qualifikation nicht entsprechen. Au&#223;erdem verlieren sie die Anspr&#252;che, die sie im &#246;ffentlichen Dienst aufgrund ihres Dienstalters gesammelt hatten.</p>
<p>Die Arbeitslosenquote ist mit 8,1% so hoch wie seit 1994 nicht mehr, 1,6 Millionen Menschen bezogen im September Transferleistungen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bedeutend h&#246;her: Fast eine Million Jugendliche im Alter zwischen 16 und 24 Jahren sind erwerbslos, das sind 21,3%.</p>
<p>Der Kahlschlag bei den Arbeitspl&#228;tzen im &#246;ffentlichen Dienst kann durch den privaten Sektor nicht aufgefangen werden. Die privaten Unternehmen investieren nicht mehr, weil sich das nicht lohnt: Sie werden das &#220;berangebot an Waren nicht los, zumal die Massenkaufkraft unter dem Angriff auf die Einkommen leidet.</p>
<p>Daran &#228;ndert auch die quantitative Lockerung der Geldpolitik durch die englische Notenbank nichts, sie bewirkt nur, dass Unternehmen und Banken mehr billiges Geld zur Verf&#252;gung steht, womit sie ihre Schuldenlasten erleichtern k&#246;nnen. Die Kapitalanleger aber horten dieses Geld oder bringen es in kurzfristigen spekulativen Anlagen unter, was die Finanzm&#228;rkte weiter destabilisiert.</p>
<p>F&#252;r die Masse der Bev&#246;lkerung bleiben h&#246;here Inflation und niedrigere Reall&#246;hne.</p>
<p>Wer aber meint, mit dem Krieg gegen die Lohneinkommen und den &#246;ffentlichen Dienst w&#252;rden Schulden abgebaut, wird auch diesbez&#252;glich eines Besseren belehrt:</p>
<p>Der Schuldenstand Gro&#223;britanniens belief sich Ende 2009 auf 68,2% des Bruttoinlandsprodukts. Die Europ&#228;ische Kommission geht in ihrer Prognose vom Herbst 2010 von einem Anstieg der Staatsschulden auf 77,8% im Jahr 2010 und 83,5% im Jahr 2011 aus (Angaben nach Wikipedia).</p>
<p><strong>Inflation f&#252;r die Kleinen</strong></p>
<p>W&#228;hrend L&#246;hne, Sozialleistungen und Renten gesenkt werden, steigen die Preise f&#252;r Nahrungsmittel, Energie und Mieten. Die Mehrwertsteuer wurde auf 23% angehoben.</p>
<p>Der bezahlte Urlaub steht auf dem Pr&#252;fstand. Bei gleichbleibendem Lohn werden die Arbeitszeiten ausgedehnt. Von den Besch&#228;ftigten im Gesundheitswesen wird verlangt, dass sie in ihrer Urlaubszeit arbeiten und unbezahlte &#220;berstunden machen, um die L&#246;cher auszugleichen, die die Regierung verursacht hat, indem sie die Mittel f&#252;r das &#246;ffentliche Gesundheitswesen k&#252;rzte. Die Regierung will Teile des Gesundheitswesens f&#252;r den privaten Wettbewerb &#246;ffnen und auf diese Weise mit EU-Vorschriften kompatibel machen.</p>
<p>Die Mieten steigen kolossal: Im September stieg die Durchschnittsmiete auf 718 Pfund Sterling (4,3% mehr als im Vorjahr). In 55% der englischen St&#228;dte sind die Mieten auf dem privaten Immobilienmarkt unbezahlbar geworden, mit Spitzen in London, im S&#252;dosten und Osten, in Yorkshire und Humber, Wales und den &#246;stlichen Midlands.</p>
<p>Mit Angebot und Nachfrage allein l&#228;sst sich der Mietanstieg nicht erkl&#228;ren. Die Regierungspolitik beg&#252;nstigt Wohnungseigentum und vernachl&#228;ssigt den sozialen Wohnungsbau. Gleichzeitig werden die K&#228;ufer von Wohnungseigentum h&#246;her verschuldet, weil Arbeitslosigkeit und Einkommenseinbu&#223;en ihre F&#228;higkeit beeintr&#228;chtigen, die zun&#228;chst leicht zug&#228;nglichen, aber teuren Kredite abzuzahlen; immer mehr verlieren dadurch ihr Dach &#252;ber dem Kopf. Jetzt schrumpft der Kreditmarkt, und die Mietgesetze bevorzugen traditionell den Vermieter gegen&#252;ber dem Mieter.</p>
<p>Die Regierung will auch das Wohngeld k&#252;rzen, um die Armen aus der Londoner Innenstadt zu vertreiben.</p>
<p><strong>Kinderarmut</strong></p>
<p>Diese Politik macht nicht nur die Armen &#228;rmer, es verelendet auch die sog. Mittelklasse. Das mittlere Haushaltseinkommen ist laut IFS real um 7% oder 2000 Pfund Sterling zur&#252;ckgegangen – das ist der sch&#228;rfste R&#252;ckgang seit den 70er Jahren.</p>
<p>Damit nimmt f&#252;r die gesamte Bev&#246;lkerung die Armut sowohl absolut wie auch relativ zu. Das IFS rechnet damit, dass das Sparprogramm der Regierung 600000 Kinder und 800000 Erwachsene im Erwerbst&#228;tigenalter zus&#228;tzlich in die Armut st&#246;&#223;t. Bis 2020/21, sch&#228;tzt das Institut, wird die Kinderarmut auf 23–24% steigen – ein Gesetz zur Bek&#228;mpfung der Kinderarmut aus dem Jahr 2010 hatte sich das Ziel gesteckt, bis dahin das Niveau auf 5–10% zu senken!</p>
<p>Die Regierung hat darauf keine andere Antwort als die ihres Ministers f&#252;r Arbeit und Pensionen, Iain Duncan Smith: «Die Statistiken ber&#252;cksichtigen nicht, dass die Menschen dann gezwungen sind zu arbeiten, weil die Transferleistungen zur&#252;ck gefahren werden.»</p>
<p>Weil es aber keine Arbeitspl&#228;tze gibt, hat die britische Regierung eine regelrechte Kampagne gegen die Armen entfesselt: Sie denunziert sie als Faulenzer, Dr&#252;ckeberger, unmoralische Elemente, Schlampen und Trunkenbolde – in der besten Tradition des radikalen Utilitaristen Jeremy Bentham, der Anfang des 19.Jahrhunderts predigte, der Mensch sei ein Nutzenmaximierer, der ohne jede R&#252;cksicht auf seine Mitmenschen nur seine eigenen Interessen verfolge; die einzig legitime Funktion des Staates sei, das Individuum durch einen m&#228;chtigen &#220;berwachungs- und Kontrollapparat vor den &#220;bergriffen der anderen Individuen zu sch&#252;tzen. Wie sagte Frau Thatcher: «Es gibt keine Gesellschaft.»</p>
<p>In wachsendem Ma&#223;e suchen Menschen jetzt die Tafel auf um sich zu ern&#228;hren, vor allem unter jungen Leuten ist deren Zahl in den letzten zw&#246;lf Monaten sprunghaft gestiegen: In Exeter, Cardigan oder der Isle of White nutzen schon 70–80% der Jugendlichen dieses Angebot.</p>
<p><em>Die Autorin lehrt Wirtschaftswissenschaften an der DeMontfort University, Milton Keynes, England. Sie forscht &#252;ber Kapitaltheorien und die Rolle der Ideologie in der klassischen und neoklassischen Wirtschaftswissenschaft. (Quelle: http://socialistresistance.org.)</em></p>
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		<title>Generalstreik in England</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:45:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitskampf]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Solidarität]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 30.November 2011 fand der gr&#246;&#223;te Generalstreik in der britischen Geschichte seit 1926 statt. von Fred Leplat Der Streik drehte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Am 30.November 2011 fand der gr&#246;&#223;te Generalstreik in der britischen Geschichte seit 1926 statt.</strong></p>
<p>von <em>Fred Leplat</em></p>
<p>Der Streik drehte sich vor allem um die Verteidigung der Renten f&#252;r die Besch&#228;ftigten im &#246;ffentlichen Dienst. &#220;ber 29 Gewerkschaften waren an ihm beteiligt, darunter die drei gr&#246;&#223;ten, UNISON, UNITE und GMB. Insgesamt nahmen &#252;ber 2,5 Millionen Besch&#228;ftigte im staatlichen Gesundheitswesen (NHS), in den Kommunalverwaltungen und staatlichen Beh&#246;rden daran teil.<br />
<span id="more-3729"></span>Demonstrationen fanden an vielen Orten statt, auch in kleinen St&#228;dten, die seit dem Beginn des Irakkriegs 2003 keinen Protest mehr erlebt haben. &#220;ber 50000 demonstrierten in den Stra&#223;en Londons, 15000 in Belfast, selbst 100 Menschen in Lerwick auf den Shetlandinseln! F&#252;r die &#252;berw&#228;ltigende Mehrheit war es der erste Streik in ihrem Leben. Zwei Drittel aller Schulen blieben geschlossen, Museen und Gerichtsgeb&#228;ude waren zu, und bis auf Notf&#228;lle wurden alle Operationen in den Krankenh&#228;usern abgesagt.</p>
<p>Der Streik war nicht nur wegen seines Ausma&#223;es ein gewaltiger Erfolg, sondern auch weil alle wussten: Es geht nicht nur um die Rente, sondern um die schiere Existenz des &#246;ffentlichen Dienstes und schlie&#223;lich darum, wer die Krise bezahlen soll. Die Frage nach einer gerechten Rente f&#252;r alle stand stellvertretend daf&#252;r auf der Tagesordnung.</p>
<p>Die von den Tories gef&#252;hrte Regierung argumentiert, es sei nicht fair, dass Besch&#228;ftigte im &#246;ffentlichen Dienst eine h&#246;here Rente erhalten als im privaten Sektor. Noch viel weniger fair aber sind die vielen Millionen, die Banker allj&#228;hrlich erhalten, z.B. die 7 Millionen Pfund, die die Direktoren von Barclays und der Royal Bank of Scotland einstreichen. Dagegen leben &#252;ber 2,5 Millionen Rentner unterhalb der Armutsgrenze von 178 Pfund in der Woche. Die Altersarmut in Gro&#223;britannien geh&#246;rt zu den krassesten in Europa – nur drei EU-Staaten weisen eine schlechtere Altersversorgung auf: Zypern, Lettland und Estland. Frankreich gibt doppelt soviel f&#252;r Renten aus wie Gro&#223;britannien.</p>
<p>Der Streik hatte eine lange Vorgeschichte. Unmittelbar nach ihrer Wahl im Mai 2010 k&#252;ndigte die Tory-Regierung einen Krieg gegen den &#246;ffentlichen Dienst im Besonderen und gegen die L&#246;hne und Arbeitsbedingungen im Allgemeinen an. Im September 2010 beschloss der Gewerkschaftsdachverband TUC koordinierte Streikaktionen gegen diese Angriffe, doch es dauerte weitere sechs Monate, bis am 26.M&#228;rz eine landesweite Demonstration mit 500000 Teilnehmern stattfand. Trotz dieses gewaltigen Erfolgs z&#246;gerten die Vorst&#228;nde der drei gro&#223;en Gewerkschaften und des TUC, weitere Aktionen zu organisieren. Erst der gro&#223;e, erfolgreiche Streik der Lehrergewerkschaften UCU, NASWUT und NUT und der PCS am 30.Juni f&#252;hrte dazu, dass alle anderen Gewerkschaften und der TUC beschlossen, ihre Mitglieder zum Streik aufzurufen. Sie hatten keine Wahl mehr, die Regierung hatte die Verhandlungen seit Jahresbeginn ohne Zugest&#228;ndnisse auf Eis gelegt und einseitig das Renteneintrittsalter f&#252;r junge Besch&#228;ftigte auf 67 Jahre heraufgesetzt.</p>
<p>Der Streik am 30.November kann nur der Anfang eines anhaltenden Widerstands sein. Er muss ausgeweitet werden auf die Besch&#228;ftigten im privaten Sektor, junge Menschen und Studierende m&#252;ssen einbezogen werden, weil die Erh&#246;hung des Renteneintrittsalters sich unmittelbar auf die Jugendarbeitslosigkeit auswirken wird, die eh schon auf einem Rekordhoch ist.</p>
<p>Dies ist nicht nur eine Krise der britischen &#214;konomie. Es ist eine Krise des kapitalistischen Systems, das versucht, die Arbeiterklasse die Krise zahlen zu lassen. Auf die Aktion am 30.November in Gro&#223;britannien folgte ein Generalstreik in Griechenland am 1.Dezember und ein Aktionstag der gewerkschaftlichen Dachverb&#228;nde in Belgien am 2.Dezember. Das Bed&#252;rfnis nach einer europaweiten Solidarit&#228;t und gemeinsamen Aktionen ist dr&#228;ngender als je zuvor.</p>
<p><em>Quelle: www.europe-solidaire.org.</em></p>
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		<title>Wie weiter mit Occupy?</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/11/wie-weiter-mit-occupy/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 11:56:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>

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		<description><![CDATA[Entscheidend ist jetzt der Lernprozess von Peter Grottian Am 12.November gingen in Frankfurt und Berlin wieder 18000 Menschen gegen die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Entscheidend ist jetzt der Lernprozess</strong></p>
<p>von <em>Peter Grottian</em></p>
<p>Am 12.November gingen in Frankfurt und Berlin wieder 18000 Menschen gegen die Herrschaft der Banken auf die Stra&#223;e. Attac und einige Gro&#223;organisationen wie der DGB hatten unter dem Motto «Banken in die Schranken!» zur Umzingelung des Bankenviertels in Frankfurt am Main und des Regierungsviertels in Berlin aufgerufen. Der Versuch, die Spitze zu kapern, hat dieser die Z&#228;hne gezogen: von der Besetzungsaktion ist eine brave Menschenkette &#252;brig geblieben, von der Kapitalismuskritik die Forderung nach einer Finanztransaktionssteuer. Peter Grottian &#252;ber Attac und den Umgang mit der Occupy-Bewegung.<br />
<span id="more-3534"></span>Zuweilen gibt es erhellende Blitzlichter: Wenn Berliner Vertreter der Occupy-Bewegung bei Maybrit Illner auftreten und ausf&#252;hren: Jeder vertritt sich selbst in der Bewegung, Ziele haben wir vorerst nicht. Und die Vertreterin erg&#228;nzend von weltweiter Kommunikation schw&#228;rmt und Maybrit Illner belobigt, dass sie eben diese Kommunikation herstelle – dann ist das sympathischer Dilettantismus. Es gibt aber echte Sturmzeichen: Wenn eine neue soziale Bewegung &#246;ffentlich verstummt, kaum Ziele und Arbeitsstrukturen entwickelt, sich wenig um eine strategische Orientierung m&#252;ht und sich schw&#228;chelnd f&#252;r so stark h&#228;lt, dass es keiner B&#252;ndnispartner bedarf – dann ist das sogar mehr als ein Sturmzeichen. Dann brennt die Bewegungsh&#252;tte!</p>
<p>Ein sichtbarer Ausdruck dessen ist das verstockte Unverh&#228;ltnis des globalisierungskritischen Netzwerks Attac und der Occupy-Bewegung. Sie wollen irgendwie zusammengeh&#246;ren, aber sie sind sich in der Denke so fremd, dass wenig Gemeinsames zustande kommt. Distanz und Misstrauen dominieren. Nur wenige Attacies haben sich in Berlin und Frankfurt anfangs &#252;ber mehrere Tage in die Arbeitsprozesse eingebracht. Attac steht irgendwie daneben. Es d&#228;mmert z&#246;gerlich und ist m&#246;glicherweise schmerzlich: Die Attac-H&#252;tte brennt selbst. Attac-Aktivisten sp&#252;ren eine neuen Protestzyklus, der Attac m&#246;glicherweise alt aussehen l&#228;sst. Sie haben Sorge, auf ihrem ureigensten Feld das au&#223;erparlamentarische Sagen zu verlieren. Deshalb die Hektik von flotten Protestank&#252;ndigungen, die mit der Occupy-Bewegung nur oberfl&#228;chlich koordiniert erscheinen. Zum letzten EU-Gipfel protestierte Attac sichtbar allein. Kurz: Attac wird auch durch das existentielle Interesse an sich selbst mobilisiert.</p>
<p>Wer vor dem Reichstag erlebt hat, wie eine klassische Ank&#252;ndigung von Attac, am 12.November das Regierungsviertel umzingeln zu wollen, von den Occupy-Bewegten k&#252;hl und undiskutiert aufgenommen worden ist, der hat schnell begreifen k&#246;nnen, welche unterschiedlichen Bewegungskulturen versammelt sind. Einerseits die junge, offene Suchbewegung mit aller &#196;ngstlichkeit der Festlegung, die sich «von unten» alleine entwickeln will, und andererseits Attac, das Bewegungsversuche in Expertisen, Tribunale und Bankbesetzungen einbringt.</p>
<p>Die Occupy-Bewegung steht auf der Kippe. Die kalten N&#228;chte vor der EZB und dem Reichstag, das rasch erlahmende Interesse der Menschen, ja die fehlende Attraktivit&#228;t der Bewegung f&#252;r gemischte Protestpotentiale, f&#252;hren zu der plausiblen Prognose, dass diese sich selbst &#252;bersch&#228;tzende Bewegung an den n&#228;chsten Demo-Samstagen erlahmt. Ein L&#228;cherlichkeitsverfall ist sogar m&#246;glich. Die Akteurinnen und Akteure werden bald unsicher werden, interner Streit bei 999 Politikverst&#228;ndnissen inklusive. Ein R&#252;ckschlag f&#252;r die Bewegung ist eher wahrscheinlich.</p>
<p>Das aber kann auch eine produktive Chance werden – die Vorbilder New York und Madrid sind einladend. Pl&#228;tze als Bewegungsorte verstehen, Menschen zum Mit-Tun motivieren, sich &#246;ffnen f&#252;r gesellschaftliche Gruppen, Intellektuelle und Kulturschaffende. Deshalb wird jetzt der Lernprozess entscheidend sein: In ihrer jetzigen Verfassung wird es die Bewegung in Deutschland alleine nicht stemmen, sie kann es alleine nicht. Sie bedarf zwar nicht der Unterst&#252;tzung von gesellschaftlichen Gro&#223;organisationen und Parteien, aber doch von ganz vielen Einzelpersonen aus unterschiedlichen Protestmilieus, die mit Erfahrung, Kompetenz und, bittesch&#246;n, ein bisschen mehr Kreativit&#228;t ein Bewegungsklima der Toleranz unterschiedlicher Radikalit&#228;ten schaffen. Eine Flutung der Bewegung durch neue Protest- und Kreativit&#228;tspotenziale ist das Gebot der Stunde: Mit guten Argumenten menschenfischerisch die Bewegung und den berechtigten Zorn der 80% der Bev&#246;lkerung zusammenbringen.</p>
<p>Es geht nicht um «Entern» oder «&#220;bernahme», sondern um einen gesamtgesellschaftlichen und bewegungsbefl&#252;gelnden Lernprozess. Dass die Betroffenen aufstehen, sich befreit f&#252;hlen und Politik und Bankenmacht Zug um Zug mehr unter Druck bringen. Dazu geh&#246;rt auch eine Debatte &#252;ber realistische Ziele: die Zerlegung, Funktionstrennung, Vergesellschaftung von Banken, die Festlegung eines «Giftschranks» f&#252;r bestimmte Finanzprodukte, die Umstrukturierung der Sparkassen und Genossenschaftsbanken zu wirklichen «Volksbanken», in denen Demokratie realisiert werden kann. Es steht auch eine Revitalisierung der sozialen Frage an, die man nicht Frau von der Leyen &#252;berlassen kann, und es muss mehr entstehen, als Erwerbsloseninitiativen und Sozialb&#252;ndnissen bisher leisten konnten.</p>
<p>Und: Die Debatte &#252;ber Protestformen und Aktionen des zivilen Ungehorsams sollte vorangetrieben werden. Demonstrationen sind wichtig, papierne Forderungen notwendig – aber bitte in Kombination mit zivilem Ungehorsam in Form von gewaltfreien «Bank&#252;berf&#228;llen» und Bankbesetzungen. Es muss den Herrschenden weh tun – sonst &#228;ndert sich wenig oder gar nichts.</p>
<p>Die Debatte &#252;ber couragierte Formen des zivilen Ungehorsams hat weder bei Attac noch bei der Occupy-Bewegung ernsthaft begonnen. «Robin Hood-Aktionen» in den Reichtumszonen von Berlin-Grunewald, Starnberg, Kronberg und Blankenese folgten vielversprechenden Vorbildern aus den USA. Und die «feindliche &#220;bernahme» der Deutschen Bank durch symbolische «Tausend-Menschen» anl&#228;sslich ihrer Hauptversammlung k&#246;nnte eine weitere Reputationssch&#228;digung f&#252;r die Bank bedeuten.</p>
<p>Bisher hat die Occupy-Bewegung eine sehr ein&#228;ugige Perspektive und noch geschlossene Augen f&#252;r ihre eigenen strategischen Entwicklungsm&#246;glichkeiten. Die &#214;ffnung der Bewegung und das sensible wechselseitige Sich-Einlassen auf unterschiedliche Protestkulturen ist der Schl&#252;ssel f&#252;r eine soziale Bewegung, die ihren Namen verdient. Ein zweit&#228;giger gemeinsam vorbereiteter Ratschlag sollte bis Ende November machbar sein. Die Occupy-Bewegung und Attac – so m&#246;chte man nach einem alten Lied schlie&#223;en – sind die «K&#246;nigskinder der Bewegung». Sie sind noch nicht wirklich zusammengekommen.</p>
<p>Das Lob der Herrschenden f&#252;r die Bewegung ist prim&#228;r Ausdruck von Unsicherheit gegen&#252;ber einer unberechenbaren Bewegung. Sch&#252;ren wir diese Unsicherheit!</p>
<p><em> Peter Grottian ist Hochschullehrer f&#252;r Politikwissenschaft an der FU Berlin und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von Attac.</em></p>
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		<title>Schuldenkrise: Raus aus dem Euro?</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/11/schuldenkrise-raus-aus-dem-euro/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 11:30:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Debatte]]></category>
		<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[IWF/WTO u.a.]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Debatte in der griechischen Linken von Haris Triandafilidou Griechenlands Linke hat scharf gegen das von Papandreou vorgeschlagene Referendum protestiert [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Debatte in der griechischen Linken</strong></p>
<p>von <em>Haris Triandafilidou</em></p>
<p>Griechenlands Linke hat scharf gegen das von Papandreou vorgeschlagene Referendum protestiert und statt dessen Neuwahlen gefordert. In den Umfragen lagen Anfang November die beiden gro&#223;en Parteien Syriza und KKE zusammen bei 20%. Doch die Zerrissenheit ist gro&#223;, vor allem das Wahlb&#252;ndnis Syriza ist gespalten. Ein Hauptkonfliktpunkt ist die Haltung zur EU und zum Euro.<br />
<span id="more-3521"></span>Die griechische Schuldenkrise bewertet die griechische Linke einheitlich als Ergebnis des Zusammenwirkens dreier Faktoren: der weltweiten Wirtschaftskrise, die als strukturelle Krise des Kapitalismus begriffen wird, der neoliberalen Architektur der Europ&#228;ischen Wirtschafts- und W&#228;hrungsunion und, nicht zuletzt, der von den griechischen Regierungen in der Vergangenheit verfolgten neoliberalen Politik.</p>
<p>Die von ihnen jeweils favorisierten L&#246;sungsstrategien divergieren jedoch deutlich. Kernpunkt des Disputs stellt die Mitgliedschaft des Landes in der EU und der Eurozone dar.</p>
<p><strong>Raus aus dem Euro</strong></p>
<p>Aus der Bedeutung der neoliberalen Architektur der Europ&#228;ischen W&#228;hrungsunion f&#252;r die Entstehung der griechischen Schuldenkrise und aus der Rolle der EU bei der Ausgestaltung der von der griechischen Regierung verfolgten L&#246;sungskonzepte leiten Teile von Syriza (DEA, KEDA, KOE) und eine Minderheit ihrer gr&#246;&#223;ten Mitgliedspartei, Synaspismos, die Notwendigkeit eines Austritts aus der Europ&#228;ischen Union ab.</p>
<p>Charakteristisch ist die Positionierung von Panagiotis Lafazanis. Dieser ist Parlamentsabgeordneter von Syriza und geh&#246;rt der Plattform «Linke Str&#246;mung» von Synaspismos an, die auf dem 6.Parteikongress im Juni 2010 bei der Wahl zum Parteivorstand etwa 30% der Delegiertenstimmen auf sich vereinigen konnte.</p>
<p>Er sieht – wie auch die KKE und Antarsya – in der EU ein Instrument des Imperialismus. Vor allem Deutschland benutze sie zur Durchsetzung seiner imperialistischen Interessen. Die von der Troika verordnete Medizin aus umfangreichen Privatisierungen, radikaler Sparpolitik und Abschaffung aller arbeitsrechtlichen Errungenschaften sind in seinen Augen nicht nur sozial unvertr&#228;glich. sondern auch unwirksam. Das erste Memorandum der Regierung Papandreou vom Mai 2010 sei gescheitert und habe das Land &#246;konomisch und politisch geschw&#228;cht. Die Souver&#228;nit&#228;t des Landes sei zudem ernsthaft in Frage gestellt, was auch zu erneuten Versch&#228;rfungen der Grenzstreitigkeiten in der &#196;g&#228;is f&#252;hren k&#246;nnte.</p>
<p>Die Plattform «Linke Str&#246;mung» propagiert als alternativen L&#246;sungsweg die Verweigerung der Schuldenzahlung. Dazu soll in einem ersten Schritt mit den Gl&#228;ubigern &#252;ber einen Schuldenerlass verhandelt werden. Wird dieser nicht bewilligt, m&#252;sse der n&#228;chste Schritt die direkte Konfrontation, also die einseitige Aufk&#252;ndigung aller R&#252;ckzahlungsvereinbarungen durch die griechische Regierung sein. Damit einhergehen m&#252;sse der Austritt aus der Eurozone und die Einf&#252;hrung einer neuen W&#228;hrung.</p>
<p>Die Unterst&#252;tzer dieses Modells orientieren sich in ihrer Argumentation am Wirtschaftswissenschaftler Kostas Lapavitsas. Dieser geht davon aus, dass eine L&#246;sung innerhalb des Euroraums zwangsl&#228;ufig eine L&#246;sung zugunsten des Finanzkapitals sein wird. F&#252;r einen linken Ausweg aus der Krise – zuungunsten des Kapitals und mit weniger negativen Auswirkungen auf die Lohnabh&#228;ngigen – sei ein Austritt aus der Eurozone und die Einf&#252;hrung einer nationalen W&#228;hrung erforderlich. Die Einf&#252;hrung der neuen Drachme ist aus seiner Sicht ein technisch simpler Vorgang. Die Umstellung w&#252;rde kaum mehr als eine Woche dauern, in der die Banken zu diesem Zweck geschlossen blieben. Die Festlegung des Wechselkurses sei eine politische Frage, die von der Regierung zugunsten der sozial Schw&#228;cheren zu beantworten sei und unter Umst&#228;nden f&#252;r Unternehmen und Privatpersonen unterschiedlich ausfallen k&#246;nne.</p>
<p>In der ersten Phase, in der neben der neuen Drachme auch noch der Euro als Zahlungsmittel kursieren w&#252;rde, seien Preisschwankungen zu erwarten, die jedoch nach einigen Monaten, wenn sich die neue W&#228;hrung etabliert habe, kein ernsthaftes Problem mehr darstellten. Eine Abwertung der neuen W&#228;hrung w&#252;rde sich positiv auf die Konkurrenzf&#228;higkeit griechischer Produkte auswirken und zu einem Anstieg der Exporte f&#252;hren. Daraus folge ein Aufschwung der griechischen Wirtschaft, der sich unmittelbar in einer Verbesserung der Situation der Lohnabh&#228;ngigen niederschlage.</p>
<p>Dabei r&#228;umt Lapavitsas durchaus ein, dass es sich bei der von ihm vorgeschlagenen Abwertung keineswegs um einen Prozess ohne negative Begleiterscheinungen handeln w&#252;rde. Diese seien jedoch mit umfassenden Einkommensumverteilungen in den Griff zu bekommen; zur Abwehr von Spekulanten m&#252;ssten die Geldfl&#252;sse kontrolliert werden. Die Gefahr der Inflation sei durch eine entsprechende Geldpolitik der Regierung und durch Preisstabilit&#228;t abwendbar.</p>
<p>Panos Garganas von der Organisation SEK, die dem B&#252;ndnis Antarsya angeh&#246;rt, betont, die Umsetzung des Vorschlags von Lapavitsas werde eine Signalwirkung f&#252;r andere schuldengeplagte Staaten haben und umfassende, die Grenzen Griechenlands &#252;berschreitende, gesellschaftliche Umw&#228;lzungen ausl&#246;sen.</p>
<p><strong>KKE und die Mehrheit von Synaspismos</strong></p>
<p>Obwohl auch die KKE die EU als nicht radikal reformierbares Konstrukt des Imperialismus betrachtet, widerspricht sie Lapavitsas’ Vorschlag vehement. Sie kritisiert dabei in erster Linie, dass er in unverantwortlicher Weise die gesellschaftlichen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse vernachl&#228;ssigt, und verweist dabei auf Argentinien und Ecuador. Ein Blick auf diese beiden Staaten mache deutlich, dass mit dem einseitigen Stopp der Schuldenzahlung und der Abwertung der nationalen W&#228;hrung eine Verbesserung der Wettbewerbsf&#228;higkeit auf Kosten der Lohnabh&#228;ngigen erreicht worden sei. Dem Austritt aus der EU und der Aufk&#252;ndigung aller R&#252;ckzahlungsverpflichtungen m&#252;sse daher eine radikale Ver&#228;nderung der gesellschaftlichen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse zugunsten der arbeitenden Bev&#246;lkerung vorausgehen.</p>
<p>Gegen einen Austritt aus der Eurozone spricht sich auch die Mehrheit von Synaspismos aus. So argumentiert John Milios, Mitglied des politischen Sekretariats der Partei und zust&#228;ndig f&#252;r ihre wirtschaftspolitischen Positionen, in einer Antwort auf den Vorschlag von Lapavitsas entschieden gegen eine R&#252;ckkehr zu einer nationalen W&#228;hrung. Eine Abwertung der neuen Drachme werde keineswegs automatisch das Handelsbilanzdefizit ausgleichen. Zwar w&#252;rden die Preise f&#252;r die exportierten Waren sinken, zugleich w&#252;rden importierte Waren jedoch teurer. Es k&#246;nne nicht davon ausgegangen werden, dass die Exporteinnahmen das Defizit ausgleichen w&#252;rden.</p>
<p>Zudem werde die Kaufkraft der Lohnabh&#228;ngigen und Rentner durch die Abwertung der neuen W&#228;hrung schrumpfen, das komme letztlich einer radikalen Umverteilung zugunsten des Kapitals gleich. Es sei paradox, dass in Zeiten des radikalsten Angriffs des Kapitals auf die Lohnabh&#228;ngigen und Rentner ein Teil der Linken eine Alternative zum Memorandum der griechischen Regierung vorschlage, die im Namen eines k&#252;nftig zu erwartenden Aufschwungs die L&#246;hne weiter entwerte. Das sei eine Strategie, die darauf vertraut, dass eine L&#246;sung, die der griechischen Wirtschaft n&#252;tzt, zwangsl&#228;ufig auch den Lohnabh&#228;ngigen zugute komme; letztlich entspreche das der Argumentationslinie des herrschenden Machtblocks.</p>
<p>Ferner w&#252;rde mit dem Austritt aus der Eurozone und in Erwartung der Abwertung der neuen W&#228;hrung eine Kapitalflucht ins Ausland einsetzen. Dieses Kapital werde versuchen, mit der abgewerteten Drachme Schl&#252;sselzweige der griechischen Wirtschaft aufzukaufen. Es werde zu einer Konzentration des Kapitals und somit zu dessen St&#228;rkung gegen&#252;ber den Lohnabh&#228;ngigen kommen.</p>
<p>Die von Lapavitsas angef&#252;hrten Mechanismen zur Abwendung solcher Effekte betrachtet Milios als stumpfe Waffen: Selbst mit einer anderen Regierung als der heutigen sei Griechenland kaum im Alleingang dazu imstande, einen Angriff der Spekulanten auf seine neue W&#228;hrung abzuwehren. Eine Bek&#228;mpfung der Inflation und Einkommensumverteilungen, wie Lapavitsas sie vorschlage, seien nach dem Verlust der internationalen Kaufkraft nicht wirksam durchsetzbar.</p>
<p>Eine nachhaltige L&#246;sung der griechischen Schuldenkrise kann nach Ansicht von Synaspismos keinesfalls &#252;ber einen antieurop&#228;ischen Weg f&#252;hren. Trotzdem macht sich die Partei keine Illusionen &#252;ber den bisherigen Charakter des europ&#228;ischen Einigungsprozesses. Dieser sei in Vergangenheit und Gegenwart als ideologische und politische Waffe des Kapitals gegen die arbeitende Bev&#246;lkerung missbraucht worden. Im j&#252;ngsten Beitrag von Synaspismos zur Debatte im Rahmen der Europ&#228;ischen Linkspartei hei&#223;t es: «Forderungen nach einer vollst&#228;ndigen Neufassung der antidemokratischen Institutionen und politischen Agenda der EU entspringen nicht einer antieurop&#228;ischen, sondern einer anti-neoliberalen und antikapitalistischen Haltung: soziale Reformen, Demokratisierung der Wirtschaft und des europ&#228;ischen Entscheidungsprozesses und eine Strategie des radikalen Wandels, mit dem Ziel, den Kapitalismus zu st&#252;rzen.»</p>
<p><strong>Vergesellschaftung der Banken</strong></p>
<p>Anklang findet diese Einsch&#228;tzung bei anderen Teilen von Syriza (AKOA, KOKKINO, ROZA).</p>
<p>Diese Organisationen schlugen bereits zu Beginn des griechischen Schuldendebakels vor, die destruktive Spekulation gegen Griechenland mit der Ausgabe von Eurobonds und einer direkten Kreditaufnahme bei der Europ&#228;ischen Zentralbank zu parieren. Der Stabilit&#228;tspakt, der schon vor Ausbruch der Krise von der Mehrheit der Eurol&#228;nder gebrochen wurde, m&#252;sse zu diesem Zweck ver&#228;ndert und den politischen Notwendigkeiten angepasst werden. Wenn die Staaten ohne Umwege &#252;ber die Privatbanken an Kredite gelangen k&#246;nnten, w&#252;rde verhindert, dass die Finanzm&#228;rkte aus ihrer Notlage Profit ziehen.</p>
<p>Die Organisationen sehen in der hohen Staatsverschuldung, nicht nur Griechenlands, ein Problem mit europ&#228;ischer Dimension. Deshalb bed&#252;rfe es auch einer europ&#228;ischen L&#246;sung, zu der man auch mit Hilfe der Europ&#228;ischen Linkspartei gelangen k&#246;nne. Fester Bestandteil dieser L&#246;sung m&#252;sse die Ablehnung aller Austerit&#228;tsma&#223;nahmen und Privatisierungen sein.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus m&#252;sse eine genaue Untersuchung der griechischen Schulden vorgenommen werden. Schulden bei Banken und anderen Finanzinstitutionen seien vollst&#228;ndig zu erlassen. Bei Schulden gegen&#252;ber Pensionskassen und anderen &#246;ffentlichen Einrichtungen m&#252;ssten die Laufzeiten verl&#228;ngert und die R&#252;ckzahlung erleichtert werden.</p>
<p>Ein weiteres Kernelement ihrer Position ist die Umstrukturierung des Bankensektors. Dieser m&#252;sse unter &#246;ffentliche Kontrolle gestellt werden, so dass die Aktivit&#228;ten der Banken den Interessen der breiten Masse der Bev&#246;lkerung dienten und f&#252;r linke politische Ziele nutzbar gemacht werden k&#246;nnten. Auf europ&#228;ischer Ebene solle die EZB rund 60% der staatlichen Schulden auffangen und durch die Ausgabe von Eurobonds &#246;kologisch und sozial nachhaltige Entwicklungsprojekte finanzieren. Schlie&#223;lich m&#252;sse eine andere Steuerpolitik eine radikale Einkommensumverteilung von oben nach unten einleiten. Die Institutionen der Nationalstaaten ebenso wie der EU seien umfassend zu demokratisieren.</p>
<p><strong>Der Schuldenaudit</strong></p>
<p>Trotz der mitunter scharf gef&#252;hrten Debatte gibt es auch gemeinsame Initiativen f&#252;r einen linken Weg aus der Krise. Zu nennen ist hier vor allem die «Initiative zur Pr&#252;fung der &#252;ber die Schulden Griechenlands existierenden Buchf&#252;hrung» (Mai 2011, http://elegr.gr). Beabsichtigt ist eine transparente, m&#246;glichst detailgenaue Untersuchung aller Schuldenvertr&#228;ge. Die Dokumentation soll Aufschluss dar&#252;ber geben, wieviel der griechische Staat Banken und Kapitalvertretern schuldet, und wie hoch der Anteil der Staatsanleihen von Lohnabh&#228;ngigen und Rentnern sowie der &#246;ffentlichen Hand ist.</p>
<p>Die Unterscheidung ist deshalb elementar, weil ein Schuldenerlass linken, politischen Priorit&#228;ten folgen muss. Es w&#228;re fatal, jene Schulden auszublenden, die der Staat gegen&#252;ber Lohnabh&#228;ngigen, Rentner und sozial Schwachen hat.</p>
<p>Unter den Unterzeichneten des Gr&#252;ndungsaufrufs finden sich Personen aus den Reihen von Antarsya und Syriza ebenso wie parteilose Linke – etwa die wegen ihres «Nein» zum Memorandum aus der Regierungspartei PASOK ausgeschlossene Abgeordnete Sofia Sakorafa. Die KKE lehnt jegliche Beteiligung an diesem Projekt ab.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Die Autorin hat am Otto-Suhr-Institut Politikwissenschaften studiert. Sie lebt in Athen und ist in der Jugendorganisation von Synaspismos aktiv. Die zitierten Stellungnahmen von Panos Garganas, Panagiotis Lafazanis und Kostas Lapavitsas beziehen sich auf eine Podiumsdiskussion vom 11.Mai 2011, an der auch Angelos Hagios und Stathis Kouvelakis teilnahmen. Der Artikel wurde zuerst ver&#246;ffentlicht unter www.links-netz.de/K_texte. Gek&#252;rzt und bearbeitet von der SoZ-Redaktion.</em></p>
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		<title>«Um die mindeste Forderung zu verwirklichen, muss man die Regierung st&#252;rzen»</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 11:13:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Länder]]></category>

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		<description><![CDATA[Griechenland Von Sonia Mitralia Beitrag zur Er&#246;ffnung der Konferenz «Europe against Austerity», die am 1.Oktober 2011 von der Londoner Coalition [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Griechenland</strong><br />
Von <em>Sonia Mitralia</em></p>
<p>Beitrag zur Er&#246;ffnung der Konferenz «Europe against Austerity», die am 1.Oktober 2011 von der Londoner Coalition of Resistance organisiert wurde.<br />
<span id="more-3413"></span>Ich komme aus Griechenland, ein Land, das von denen, die es zu retten behaupten, ausgeblutet und zerst&#246;rt wird: dem Internationalen W&#228;hrungsfonds, der Europ&#228;ischen Zentralbank und der Europ&#228;ischen Kommission. Nach der Verabschiedung, Anwendung und vor allem Scheitern der vier Schocktherapien, die unter dem Namen «Memorandum» bekannt sind, und nach der aktuellen Anwendung der f&#252;nften Therapie, der drastischsten und inhumansten, ist Griechenland nicht mehr das Land, das wir gekannt haben: Jetzt sind die Stra&#223;en nach Sonnenuntergang leer, Restaurants halten verzweifelt Ausschau nach G&#228;sten, die L&#228;den in den verlassenen Einkaufsstra&#223;en verfallen.<br />
Den Grund f&#252;r diese Ver&#228;nderungen liefern folgenden Zahlen und Fakten: Die Lohnempf&#228;nger und Rentner haben schon 30–50%, manchmal noch mehr, ihrer Kaufkraft verloren. Das f&#252;hrte dazu, dass nahezu 30% der Gesch&#228;fte und 35% der Tankstellen f&#252;r immer dicht gemacht haben. Die Erwerbslosigkeit wird im n&#228;chsten Jahr die 30%-Marke erreichen. Es wird 40% weniger Krankenh&#228;user und Krankenhausbetten geben. Der griechische Staat war vor einigen Tagen nicht in der Lage, seinen Schulkindern Schulb&#252;cher zu geben: sie wurden aufgefordert, sich Fotokopien zu machen. Kurz, der Hunger – ja, der Hunger – f&#228;ngt an, sich in den gro&#223;en St&#228;dten breit zu machen, das Land f&#228;llt in Not und Verzweiflung und die Selbstmorde nehmen zu.</p>
<p>Doch die Griechen sind nicht nur verzweifelt. Sie sind auch k&#228;mpferisch, sie leisten Widerstand, und sie k&#228;mpfen. Besonders seit Ende Mai 2011 die aganaktismeni, die griechischen Indignados, aufgetaucht sind, die die Pl&#228;tze Hunderter griechischer St&#228;dte mit einer gro&#223;en, radikalisierten Menschenmenge und zwei Hauptlosungen f&#252;llten: «Wir schulden nichts – wir verkaufen nichts – wir zahlen nichts» und «Sie sollen alle abhauen».</p>
<p>Aber Vorsicht: In Griechenland Widerstand zu leisten, in der Zeit der barbarischen Austerit&#228;t der Memoranda, ist nicht einfach. Erstens wegen der Repression, die schrecklich, systematisch und inhuman ist. Und dann, weil folgender Gesichtspunkt so wichtig ist: Griechenland ist gegenw&#228;rtig weltweit der Testfall, ein wahrhaft globales Laboratorium, in dem die F&#228;higkeit der Menschen zum Widerstand gegen die Strukturanpassungspl&#228;ne in der gro&#223;en Krise der Staatsschulden getestet wird. Alle Augen – derer, die oben sind, wie auch derer, die unten sind – richten sich auf dieses kleine europ&#228;ische Land, das das Pech hat, das globale Versuchskaninchen des zynischsten Neoliberalismus zu werden. Daraus folgt, dass man, um die mindeste Forderung zu verwirklichen, praktisch die Regierung st&#252;rzen und nicht weniger als die Revolution machen muss!</p>
<p>Die Lehre, die wir aus dieser beispiellosen Situation ziehen, lautet heute mehr denn je: Es gibt keine Rettung innerhalb der nationalen Grenzen. Angesichts der Heiligen Allianz der Regierungen mit den oberen Zehntausend sind Koordination und Vernetzung von unten unerl&#228;sslich f&#252;r jedwede Hoffnung auf Erfolg! Einfach ausgedr&#252;ckt, und damit der griechische Test nicht zum Wohl unserer Henker der ber&#252;chtigten Troika aus IWF, EZB und Europ&#228;ischer Kommission ausgeht, m&#252;ssen wir unsere Kr&#228;fte so schnell wie m&#246;glich vereinen, um die Heilige Allianz derer, die unten sind, zu bilden!</p>
<p>Es war kein Zufall, dass die erste internationale Konferenz gegen Verschuldung und Sparprogramme Anfang Mai 2011 in Athen von der griechischen Initiative f&#252;r eine internationale Kommission f&#252;r ein &#246;ffentliches Schuldenaudit organisiert wurde, eine Bewegung, zu deren Gr&#252;ndungsmitgliedern ich geh&#246;re. Der gro&#223;e Erfolg dieser ersten internationalen Konferenz hat uns angenehm &#252;berrascht, aber in Wirklichkeit war er in doppelter Hinsicht ein Omen: erstens, weil nur zwei Wochen sp&#228;ter die Bewegung der griechischen Indignados mit der Besetzung des Syntagma-Platzes auf die soziale und politische B&#252;hne st&#252;rmte, und zweitens, weil zunehmend klar wurde, dass nicht nur die Frage der &#246;ffentlichen Verschuldung die Wurzel aller Hauptfragen unserer Zeit bildet, sondern dass auch die unabh&#228;ngige Mobilisierung um die Forderung nach einem &#246;ffentlichen Schuldenaudit mehr als m&#246;glich ist, weil sie eine wirkliche Forderung breiter Massen ist!</p>
<p>Ich denke, dass die Lehre, die aus der Erfahrung der griechischen Initiative f&#252;r eine internationale Kommission f&#252;r ein &#246;ffentliches Schuldenaudit gezogen werden kann, nicht l&#228;nger nur f&#252;r Griechenland g&#252;ltig ist. Sie ist es auch f&#252;r alle anderen L&#228;nder, die von den Finanzm&#228;rkten, der Troika und dem Kapital angegriffen werden: Das &#246;ffentliche Schuldenaudit mag auf dem ersten Blick als eine undankbare Aktivit&#228;t erscheinen, als nicht sehr attraktiv und nur f&#252;r Spezialisten geeignet, aber in Wirklichkeit ist es f&#228;hig, breite Massen unter zwei Bedingungen zu inspirieren: Erstens, dass es vollkommen unabh&#228;ngig ist von den Institutionen und dass es von den Menschen in den Wohnvierteln, an den Arbeitspl&#228;tzen und Studienorten unterst&#252;tzt wird, und zweitens, dass es deutlich bestrebt ist, den illegitimen Teil der Schulden zu identifizieren, der gestrichen werden muss und nicht bezahlt werden darf!<br />
F&#252;nf Monate nach dieser ersten internationalen Konferenz in Athen gegen Verschuldung und Sparpolitik k&#246;nnen wir das erreichte Terrain ermessen: Der griechischen Initiative wird fast &#252;berall in Europa, im S&#252;den wie im Norden, im Westen wie im Osten, nachgeeifert. Die Aufgabe, die diese Situation uns auferlegt, ist klar: Diese Bewegungen und Kampagnen zum &#246;ffentlichen Schuldenaudit sollten bald zusammenkommen und sich vernetzen, damit ihre Aktionen effizienter werden und die Erwartungen der Menschen erf&#252;llen, bevor es f&#252;r alle zu sp&#228;t ist.</p>
<p>Genau diese Aufgabe wurde vom CADTM (dem Komitee f&#252;r die Aufhebung der Schulden der Dritten Welt) aufgegriffen, dessen Mitglied ich auch bin und das seine Fachkenntnis – die Frucht eines zwanzigj&#228;hrigen Kampfes auf der Seite der Armen im S&#252;den der Welt – mit seiner Pr&#228;senz in den K&#228;mpfen in verschiedenen europ&#228;ischen L&#228;ndern verbindet. Der theoretische und praktische Beitrag des CADTM in der Entwicklung der Bewegung gegen Verschuldung und Sparpolitik in Griechenland und in anderen L&#228;ndern war und bleibt sehr wichtig.Aber ich f&#252;rchte, dass wir angesichts des neuen, wirklich t&#246;dlichen Krieges zwischen Reich und Arm mehr als das CADTM und alle anderen internationalen Netzwerke ben&#246;tigen, die mutig gegen Verschuldung und Sparpolitik k&#228;mpfen. Wir ben&#246;tigen viel mehr aktive Kr&#228;fte, viel mehr programmatische Entwicklung und vor allem viel mehr Koordinierung &#252;ber nationale Grenzen hinweg.</p>
<p>Ich m&#246;chte nun enden mit etwas, das mir sehr am Herzen liegt: die autonome Organisation oder, besser gesagt, die Selbstorganisation und der Kampf von Frauen gegen Verschuldung und Sparpolitik. Wenn Frauen die ersten Opfer der aktuellen neoliberalen Aggression gegen die Lohnabh&#228;ngigen und die Gesellschaft sind, so nicht nur, weil sie massenhaft entlassen werden, sondern weil ein Eckstein dieser Aggression, n&#228;mlich die Zerst&#246;rung und Privatisierung des &#246;ffentlichen Dienstes, direkt zur Folge hat, dass Frauen gezwungen werden, innerhalb der Familie Aufgaben wahrzunehmen, die bis gestern vom Staat erf&#252;llt wurden. Die Frauen m&#252;ssen nun zu Hause privat Dienste erbringen, die einst von Kinderg&#228;rten, Krankenh&#228;usern, Altenheimen, der Erwerbslosenunterst&#252;tzung, psychiatrischen Einrichtungen und der Sozialversicherung geleistet wurden.Und das alles v&#246;llig unentgeltlich! Und dar&#252;ber hinaus alles in der ideologischen Verpackung einer erzwungen R&#252;ckkehr zu Heim und Familie durch die sog. «Natur» der Frau, die nur als unterw&#252;rfige Sklavin anderer akzeptiert wird! In einem Wort, durch eine R&#252;ckkehr zur elendsten Form des Patriarchats, in Kombination mit einem Frontalangriff gegen die wenigen Rechte, die wir Frauen noch haben.</p>
<p>Meine Schlussfolgerung ist kategorisch: Deshalb m&#252;ssen sich Frauen unabh&#228;ngig organisieren im Kampf gegen Verschuldung und Sparpolitik. Wenn sie es nicht tun, wird es niemand an ihrer Stelle tun.</p>
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		<title>Verschuldung in Deutschland</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/09/verschuldung-in-deutschland/</link>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 19:14:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunale Verschuldung]]></category>
		<category><![CDATA[PPP]]></category>
		<category><![CDATA[Privat vor Staat]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie die Kommunen abgezockt werden von Wilhelm Neurohr Im &#246;ffentlichen Leben macht sich die wachsende Staatsverschuldung in erster Linie in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie die Kommunen abgezockt werden</strong></p>
<p>von <em>Wilhelm Neurohr</em></p>
<p>Im &#246;ffentlichen Leben macht sich die wachsende Staatsverschuldung in erster Linie in der Verarmung der St&#228;dte und Gemeinden bemerkbar.</p>
<p>Nur 8 von 400 Kommunen in NRW haben noch ausgeglichene kommunale Haushalte, alle &#252;brigen tragen – wegen des staatlichen Verzichts auf Einnahmen statt einer sozial gerechten Steuerpolitik – zusammen eine Steuerlast von 53 Mrd. Euro; das ist soviel, wie Bill Gates besitzt.<br />
<span id="more-2819"></span> Besonders hart trifft es Ruhrgebietsst&#228;dte wie Oberhausen oder Hagen, die bereits bilanziell &#252;berschuldet sind (d.h. ihre Schulden &#252;bersteigen ihr Verm&#246;gen), aber vor allem auch die St&#228;dte in der Armutsregion des n&#246;rdlichen Ruhrgebiets: Der Kreis Recklinghausen und seine zehn St&#228;dte sind aktuell bei 2,4 Mrd. Euro Schulden angelangt. Die meisten Ruhrgebietsst&#228;dte werden zwischen 2011 und 2015 in die bilanzielle &#220;berschuldung rutschen, und damit faktisch in die Insolvenz. Dann sind sie zur Handlungsunf&#228;higkeit verdammt, ihre von der B&#252;rgerschaft gew&#228;hlten demokratischen R&#228;te haben fast nichts mehr zu entscheiden oder politisch zu gestalten – sie k&#246;nnen nur noch den Mangel verwalten.<br />
Landes- und bundesweit sieht es in fast allen anderen Regionen und Gemeinden nicht sehr viel besser aus, wie der St&#228;dtetag und Andere seit Jahrzehnten unerm&#252;dlich, aber erfolglos beklagen. Die von Finanzminister Sch&#228;uble im vorigen Jahr berufene Gemeindefinanzrefomkommission hat bislang ihre Schularbeiten nicht gemacht, denn der Koalitionspartner FDP will weiterhin «Privat vor Staat».</p>
<p>Die Hauptlast f&#252;r die St&#228;dte stellen die Sozialkosten dar, die Bund und Land verfassungswidrig auf die Kommunen abw&#228;lzen; diese Lasten steigen j&#228;hrlich, statt dass die Kommunen entlastet werden oder Ausgleichszahlungen erhalten. Das &#252;berfordert die &#246;rtlichen Solidargemeinschaften.</p>
<p><strong> Rot-Gr&#252;nes Erbe</strong></p>
<p>Der Abstieg der Kommunen begann 1999 mit der rot-gr&#252;nen Steuerreform von Hans Eichel und gipfelte im rot-gr&#252;nen Zwang zu PPP-Modellen als Instrument privater Kommunalfinanzierung.</p>
<p>Eichels Steuerreform von 1999 war das «gr&#246;&#223;te Sparpaket in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland»: Der Spitzensteuersatz von einstmals 56% wurde auf nur noch 42% abgesenkt, die K&#246;rperschaftssteuer von 40% auf 25% gesenkt, die Geringverdiener zugunsten der Spitzenverdiener um 35 Mrd. DM belastet. St&#228;dte wie Gelsenkirchen mussten ortsans&#228;ssigen Gro&#223;konzernen (wie Veba-&#214;l) dreistellige Steuermillionen zur&#252;ckzahlen, statt Steuern von ihnen einzunehmen.</p>
<p>Hinzu kamen die uns&#228;gliche Agenda 2010 und das Hartz-IV-Paket. Fortan ging es mit den Kommunalfinanzen rasant bergab, der vom damaligen Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement versprochene Kostenausgleich blieb aus. Sp&#228;ter kam die Finanz- und Bankenkrise verschlimmernd hinzu, denn die Banken und nicht die Kommunen wurden f&#252;r «systemrelevant» erkl&#228;rt. Den Kommunen wurden weitere Geldzuweisungen f&#252;r die Erf&#252;llung ihrer Aufgaben vorenthalten, zugunsten der privaten Kapitalanleger.</p>
<p><strong> PPP – eine Partnerschaft?</strong></p>
<p>Die aktuellen Versprechungen der rot-gr&#252;nen Landesregierung in NRW, die inzwischen zahlungsunf&#228;higen Kommunen ab 2011 finanziell zu entlasten und Entschuldungshilfen zu gew&#228;hren, sind ein Tropfen auf dem hei&#223;en Stein – und selbst der ist nicht getr&#246;pfelt, nachdem die schwarz-gelbe Opposition im Landtag den Landeshaushalt &#252;ber eine Klage ausgebremst hat.</p>
<p>Statt der versprochenen Finanzhilfen f&#252;r die Kommunen und ihre wirksame Entschuldung in absehbarer Zeit durch verbesserte steuerliche Einnahmen und einen gerechteren Finanzausgleich zwischen Bund, L&#228;ndern und Gemeinden wollen SPD und CDU nun im beiderseitigen Einvernehmen PPP (oder &#214;PP – &#246;ffentlich-private Partnerschaft) zum neuen Finanzierungs- und Investitionsinstrument der Kommunen machen.</p>
<p>Als Alternative zur normalen kommunalen Haushaltsbeschaffung sollen die Kommunen frisches Kapital bei den Privaten aufnehmen. Das Ganze lief zun&#228;chst (unter der Regierung R&#252;ttgers) als ministerielles Beratungsangebot, unter der Regierung Kraft l&#228;uft es verpflichtend. Im Finanzministerium ist seit langem eine PPP-Task-Force eingerichtet, die die private Wirtschaft und die &#246;ffentliche Hand miteinander verquicken soll; Lobbyvertreter gehen dort ein und aus.</p>
<p>Die EU erw&#228;gt das Gleiche und droht, ohne PPP-Modelle den klammen Kommunen keine F&#246;rdermittel mehr zu genehmigen. PPP wird zur Genehmigungsvoraussetzung! Cheflobbyist des bundesweiten PPP-Netzwerks ist Peer Steinbr&#252;ck, seinerzeit schm&#228;hlich abgew&#228;hlter SPD-Ministerpr&#228;sident von NRW und Ex-Finanzminister, der sich j&#252;ngst selbst als Kanzlerkandidat der SPD ins Gespr&#228;ch gebracht hat. Vor Ort kann er sich auf ein Netz von Kommunalberatern verlassen wie den Recklingh&#228;user Ex-Landrat und Ex-B&#252;rgermeister sowie Ex-MdB Jochen Welt.</p>
<p>Das ganze Projekt stammt noch aus der rot-gr&#252;nen Regierungs&#228;ra Schr&#246;der und hat sich in der gro&#223;en Koalition und in Arbeitskreisen des Bundestags fortgesetzt. Mittlerweile ist es in den Bundes- und Landesministerien angekommen und etabliert.</p>
<p>Die Rechtsgrundlagen wurden seinerzeit von Lobbyisten in den Bundesministerien ausgearbeitet; der daf&#252;r kritisierte Gerhard Schr&#246;der konterte damals, Politik stehe im Dienste der Wirtschaft und umgekehrt – «ein normaler Vorgang der Zusammenarbeit». Damit war ein weiterer Grundstein gelegt f&#252;r den Ausverkauf der Kommunen.</p>
<p><strong> Armut wird gemacht</strong></p>
<p>Ganze Regionen und Generationen wurden und werden durch die kommunale Haushaltsmisere seit nunmehr &#252;ber 20 Jahren von Entwicklungschancen und gleichwertigen Lebensverh&#228;ltnissen ausgegrenzt. Die St&#228;dte verelenden, ihre Lebensqualit&#228;t schwindet rasant. Trotz Wirtschaftswachstum, sprudelnden Steuereinnahmen und angeblich sinkenden Arbeitslosenzahlen (durch Anstieg prek&#228;rer Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse und statistische Manipulationen) wird die untere, aber wichtigste Ebene des Sozialstaats in die Insolvenz gezwungen. Mit den hoffnungslos &#252;berschuldeten, weil unterfinanzierten, Kommunen aber steht und f&#228;llt die &#246;rtliche Daseinsvorsorge.</p>
<p>Auch die finanziellen R&#252;cklagen, die eisernen Reserven, sind restlos aufgebraucht. Das kommunale «Tafelsilber» ist l&#228;ngst weg, und mit ihm fehlen die Verm&#246;genswerte. Damit wird die bilanzielle &#220;berschuldung der Kommunen beschleunigt. Diese k&#246;nnen (und sollen) ihre sozialstaatlichen Gemeinschaftsaufgaben vor Ort nicht mehr wahrnehmen.</p>
<p>Der Abbau des Sozialstaats auf der untersten Ebene ist politisch gewollt und nicht allein Resultat des Unverm&#246;gens der heutigen Politikergeneration. Denn er ist  Ergebnis der Umverteilungspolitik zugunsten der Reichen. Seit 2009 sind die Privatverm&#246;gen in den H&#228;nden einiger Weniger um 240 Mrd. Euro gestiegen, im Gegenzug sind die Schulden um 458 Mrd. Euro gewachsen.</p>
<p>In den letzten 20 Jahren haben sich die Schulden von Bund, L&#228;ndern und Gemeinden verdreifacht, weil auf ausk&#246;mmliche staatliche und kommunale Steuereinnahmen verzichtet wird. Die &#246;ffentliche Armut ist die Kehrseite des privaten Reichtums.</p>
<p>Im reichsten Land Europas reduzieren sich die &#246;rtlichen Aktivit&#228;ten der Kommunen inzwischen auf die Unterst&#252;tzung von Suppenk&#252;chen und Kleiderkammern, auf Diskussionen pro und contra Sozialticket f&#252;r Hartz-IV-Beziehende, auf das Abschalten der Stra&#223;enbeleuchtung, das provisorische Flicken von Schlagl&#246;chern auf Gemeindestra&#223;en und Dauersch&#228;den an maroden Schulgeb&#228;uden, auf den Ausverkauf st&#228;dtischer Sozialwohnungen, die «sozialvertr&#228;gliche» Schlie&#223;ung von Sozialeinrichtungen und Kulturst&#228;tten, die Ausd&#252;nnung des &#246;ffentlichen Nahverkehrs, aber auch drastische Geb&#252;hrenerh&#246;hungen f&#252;r die B&#252;rger zuz&#252;glich Sexsteuer f&#252;r Bordellbesucher.</p>
<p>Die aussichtslose «Haushaltssanierung» wird flankiert von Lohnk&#252;rzungen und Lohnverzicht, Weihnachtsgeldstreichung und Bef&#246;rderungsstopp f&#252;r die Besch&#228;ftigten in den Kommunalverwaltungen – l&#228;ngst m&#252;ssen sie einen zweistelligen Lohnr&#252;ckstand gegen&#252;ber den Industriebranchen verschmerzen. Viele Kommunen k&#246;nnen seit Jahren nicht einmal mehr die reduzierten Geh&#228;lter ihrer verbliebenen Besch&#228;ftigten bezahlen und regeln dies &#252;ber Kassenkredite (Dispokredite).</p>
<p>Auch der Solidarbeitrag Ost f&#252;r die dort inzwischen viel reicheren Kommunen wird von den Ruhrgebietsst&#228;dten &#252;ber Dispo finanziert. Die Kassenkredite aller Kommunen in NRW zusammengenommen belaufen sich auf 23 Mrd. Euro. Manche Kommunen haben sich in ihrer Verzweiflung auf abenteuerliche PPP-Modelle, fragw&#252;rdige Cross-Border-Leasing-Gesch&#228;fte oder Zinsspekulationen eingelassen – und dabei Millionenbetr&#228;ge verspekuliert.</p>
<p><strong> Privat kauft Staat</strong></p>
<p>Die &#252;berschuldeten Kommunen werden &#252;ber die Kommunalaufsicht und die Gemeindepr&#252;fanstalt NRW (an deren Spitze ein FDP-Politiker steht) unter ein  betriebswirtschaftliches Diktat gestellt (genannt «neues kommunales Finanzmanagement» oder «neue Steuerung»). Unter diesem Regime werden lukrative Bereiche kommerzialisiert und &#246;ffentliche G&#252;ter ausverkauft oder «outgesourcet». Eine doppelte Buchf&#252;hrung anstelle der Kameralistik soll die Verlust- und Gewinnbereiche sichtbar machen.</p>
<p>So lauten jedenfalls die Ratschl&#228;ge der Kommunalberater der Bertelsmann-Stiftung und anderer Unternehmensberater. Beispiel: Die Bertelsmann-Tochter Arvato hat der Stadt W&#252;rzburg geraten, ihr Rathaus nach dem Vorbild der englischen Grafschaft Yorkshire privat zu betreiben und 300 Stellen abzubauen. Das Modell ist kl&#228;glich gescheitert, aber Bertelsmann tr&#228;umt weiter von der feindlichen (privaten) &#220;bernahme kommunaler (auch hoheitlicher) Dienstleistungen.</p>
<p>Ein weiteres Angriffsfeld ist das E-Government, die elektronische Verwaltung &#252;ber Datennetzwerke. Kommunale Dienstleistungen werden dabei nicht mehr allein vom Personal in den Rath&#228;usern, sondern von teils privaten Dienstleistungszentren erbracht und k&#246;nnen von den Kommunen eingekauft werden. Auch dazu gibt es bereits etablierte Netzwerke der Bundes- und Landesministerien mit Lobbyisten. Aus den Abh&#228;ngigkeiten kommen die Kommunen da kaum noch heraus.</p>
<p>Die kommunale Selbstverwaltung wird auch von der EU und der WTO durch Abkommen unterlaufen, die &#246;ffentliche Dienstleistungen zu handelbaren Waren erkl&#228;ren – wie z.B. Wasser. Von der Privatisierung der Wasserversorgung erhofft man sich an den Finanzm&#228;rkten Gewinne von 1 Billion Euro, von der Privatisierung des Gesundheitswesens 2 Billionen Euro, von der Kommerzialisierung des Bildungswesens 3,5 Billionen Euro. &#220;ber die EU-Dienstleistungsrichtlinie geht es demn&#228;chst den Volkshochschulen an den Kragen; sie d&#252;rfen gegen&#252;ber privaten Anbietern der Erwachsenenbildung nicht mehr subventioniert werden.</p>
<p><strong>Alternativen</strong></p>
<p>Welche Perspektiven und Handlungsm&#246;glichkeiten gibt es, um aus der kommunalen Schuldenfalle herauszukommen? Im Ruhrgebiet hat sich ein B&#252;ndnis aus K&#228;mmerern und B&#252;rgermeistern «Raus aus der Schuldenfalle» gebildet, sie haben Gutachten und Verfassungsklagen auf den Weg gebracht. Auch die betroffene B&#252;rgerschaft ist aufgebracht: In M&#252;lheim an der Ruhr beispielsweise hat ein B&#252;ndnis aus Ver.di und B&#252;rgerschaft via B&#252;rgerentscheid die geplante Privatisierung von Altenheimen verhindert; in Stuttgart und Berlin wurde die Wasserprivatisierung verhindert.</p>
<p>Hoffnung geben auch die vielen Aktivit&#228;ten der St&#228;dte, fr&#252;here Privatisierungen wieder r&#252;ckg&#228;ngig zu machen, Dienstleistungen und Einrichtungen zu rekommunalisieren. Geradezu erfreulich ist die momentane Welle der Vorbereitungen zur Gr&#252;ndung eigener Stadtwerke, um die kommunale Energieversorgung wieder selber in die Hand zu nehmen.</p>
<p>Was jetzt noch fehlt, sind zivilgesellschaftliche B&#252;ndnisse, um die B&#252;rgerschaft f&#252;r ihre eigenen Belange zu mobilisieren – angefangen bei zaghaften Modellversuchen des «B&#252;rgerhaushalts» mit breiter Beteiligung bis hin zu Aktionen gegen die Schlie&#223;ung von sozialen und kulturellen Einrichtungen und zu alternativen Eigeninitiativen zum Aufbau und zur Erhaltung des soziokulturellen Angebots in den St&#228;dten.</p>
<p>Aus: Amos (Marl), Nr.2, 2011. Der Autor ist seit 18 Jahren Personalratsvorsitzender der Kreisverwaltung Recklinghausen und war 21 Jahre als Stadt- und Regionsplaner t&#228;tig.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Aufst&#228;nde in Gro&#223;britannien</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 19:06:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Polizeigewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Riots]]></category>

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		<description><![CDATA[Was ist der Einbruch in eine Bank gegen den Besitz einer Bank? von Terry Conway Am englischen Beispiel erleben wir, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Was ist der Einbruch in eine Bank gegen den Besitz einer Bank?</strong></p>
<p>von <em>Terry Conway</em></p>
<p>Am englischen Beispiel erleben wir, wohin die Reise geht: Obwohl es der &#220;berma&#223; an Reichtum in den H&#228;nden Weniger ist, der die Krise verursacht, weil er keine vern&#252;nftigen Anlageformen mehr findet, kriegen diese Leute den Hals immer noch nicht voll. Die demokratische Maske f&#228;llt, der Raubzug an Lebenschancen und &#246;ffentlichem Eigentum wird brutaler; hinter der Diktatur des Marktes lauert der Polizeikn&#252;ppel.<br />
<span id="more-2814"></span>Im ersten Jahr ihrer Amtszeit hat sich die konservativ-liberale Regierungskoalition von David Cameron durch eine Sparpolitik hervorgetan, vor deren Brutalit&#228;t die Regierung Thatcher erblasst w&#228;re. Ungleichheit und Verarmung haben nochmals einen Quantensprung gemacht, Korruption ist bei Medien, Polizei und Politikern verbreitet, der &#246;ffentliche Dienst liegt am Boden. Ihr zweites Jahr scheint von massiven Arbeitsk&#228;mpfen gepr&#228;gt zu werden und von offenem Aufruhr in den &#228;rmsten Vierteln der St&#228;dte, wo die Menschen nichts mehr zu verlieren haben und den offenen Konflikt mit dem Staat nicht mehr scheuen.</p>
<p><strong><br />
Zertretene W&#252;rde</strong></p>
<p>Der Funke, der den Brand Anfang August entz&#252;ndete, waren zwei Polizeiaktionen. Die erste war die T&#246;tung Mark Duggans durch bewaffnete Polizeibeamte am 5.August und die anschlie&#223;ende herablassende Behandlung seiner Familie – einschlie&#223;lich des Vers&#228;umnisses, diese aufzusuchen, um sie &#252;ber Marks Tod zu informieren.</p>
<p>Dagegen demonstrierte eine berechtigterweise w&#252;tende Menge am 7.August vor der lokalen Polizeistation. Die Polizei weigerte sich herauszukommen und eine Stellungnahme abzugeben. Es war dieses Verhalten der Polizei, das den Aufruhr ausl&#246;ste, eine Tatsache, die in nahezu allen sp&#228;teren Berichten &#252;bergangen wurde.</p>
<p>Bei dieser Demonstration griff die Polizei eine 16-J&#228;hrige mit Schlagst&#246;cken an, wie ein auf YouTube ver&#246;ffentlichter Augenzeugenbericht zeigt. Der Videoclip ist in puncto Brutalit&#228;t der Polizei eindeutig. Es war praktisch unvermeidbar, dass eine Aggression dieser Art einen solchen Wutausbruch in dem Stadtteil provozierte. Berichte aus anderen Landesteilen erz&#228;hlen &#196;hnliches: so in Hackney im Ostteil von London oder in Birmingham. Hackney ist eine der 29 Gemeinden Gro&#223;britanniens, in denen mehr als jedes f&#252;nfte Kind in gro&#223;er Armut lebt. Auf eine offene Stelle kommen hier 57 Bewerber.</p>
<p>Es gibt Berichte dar&#252;ber, wie junge Leute zunehmend Polizeischikanen ausgesetzt sind, nur weil sie sich zu einer beliebigen Tageszeit auf der Stra&#223;e aufhalten. Vor allem junge m&#228;nnliche Schwarze werden willk&#252;rlich angehalten und durchsucht, ein Verhalten, das in der schwarzen Community zutiefst verhasst ist. Die Wahrscheinlichkeit, angehalten und durchsucht zu werden, ist f&#252;r Schwarze 26 mal gr&#246;&#223;er als f&#252;r Wei&#223;e.</p>
<p>Die Unabh&#228;ngige Kommission f&#252;r Beschwerden wegen Polizei&#252;bergriffen (Independent Police Complaints Commission) hat im Fall Mark Duggan ungew&#246;hnlich schnell reagiert und berichtete am 9.August, ihre ballistische Untersuchung h&#228;tte ergeben, dass Duggan nicht als Erster auf die Polizisten geschossen hat. Damit wurden die Behauptungen L&#252;gen gestraft, die Beamten h&#228;tten in Notwehr gehandelt. Doch niemand vertraut darauf, dass es Gerechtigkeit geben kann – die Liste der Todesf&#228;lle durch die Hand der Polizei ist lang, und noch nie wurde deswegen ein Polizist unter Anklage gestellt.</p>
<p><strong>Wer will noch was von der Jugend?</strong></p>
<p>W&#228;hrend das Misstrauen in die Polizei unter den Schwarzen aus guten Gr&#252;nden besonders ausgepr&#228;gt ist, haben die Ereignisse der letzten Jahre allerdings breiteren Unmut hervorgerufen.</p>
<p>Der Polizistenmord am Zeitungsverk&#228;ufer Ian Tomlinson w&#228;hrend der G20-Proteste am 1.April 2009 in London und die brutale Niederkn&#252;ppelung der behinderten studentischen Aktivistin Jody McIntyre w&#228;hrend der Studentendemonstrationen im vergangenen Jahr trugen die Bilder der Polizeigewalt in Haushalte, die in den vergangenen Jahren nicht bemerkt hatten, wie an der schwarzen Community eine neue Taktik ausprobiert wurde: die willk&#252;rliche Schikane und Entw&#252;rdigung.</p>
<p>Die neoliberale Politik, die sich in letzter Instanz auf den Polizeikn&#252;ppel verl&#228;sst, f&#228;hrt nun die Ernte ein. In Haringey, wo Mark Duggan lebte, wurde durch die Streichung von 41 Mio. Pfund (= 46 Mio. Euro) f&#252;r die kommunale Verwaltung die Jugendf&#252;rsorge der Gemeinde zerst&#246;rt. Das trifft f&#252;r die meisten innerst&#228;dtischen Gebiete zu – die Jugendf&#252;rsorge geh&#246;rt zu den Bereichen, die als erste von Camerons Sparpolitik getroffen wurden.</p>
<p>Gleichzeitig hat die Abschaffung der (sehr geringen) Ausbildungsbeihilfe von 20–30 Pfund, die 630000 jungen Leuten die M&#246;glichkeit gab, &#252;ber das 16.Lebensjahr hinaus eine Ausbildung zu machen, in der jungen Generation das Gef&#252;hl verst&#228;rkt, dass sich niemand um sie k&#252;mmert; dasselbe gilt f&#252;r die Verdreifachung der Studiengeb&#252;hren an den Universit&#228;ten. Frust und Wut stauen sich auf. Das sind einige der Faktoren, die zu der Explosion gef&#252;hrt haben.</p>
<p>Im Juli forderte David Lammy, Parlamentsabgeordneter von Tottenham, die Regierung zum Handeln auf: in seinem Wahlkreis ist die Arbeitslosigkeit um 10% gestiegen, &#252;ber 10000 Menschen suchen einen Job. Bewohner bezeugten in Interviews, dass Tausende junger Menschen bis Ende 20 noch nie eine Stelle finden konnten. Kann es da &#252;berraschen, dass sie Gesch&#228;fte mit Designersportkleidung, Mobiltelefonen, TV-Ger&#228;ten und MP3-Playern pl&#252;ndern, da sie doch wissen, dass sie nie so viel verdienen werden, um sich solche Dinge kaufen zu k&#246;nnen?</p>
<p>Die Kapitalisten k&#246;nnen nicht beides haben: Einerseits sagen sie, dass man diese Dinge als Statussymbol braucht, um pers&#246;nliche Erf&#252;llung zu finden, andererseits zahlen sie in den meisten Jobs, die angeboten werden – sofern es &#252;berhaupt welche gibt – nur Armutsl&#246;hne mit kurzzeitig befristeten Vertr&#228;gen.</p>
<p>Dagegen haben es die sehr Reichen, soweit die Erinnerung reicht, noch nie so gut gehabt wie heute. Die High Pay Commission (eine unabh&#228;ngige Kommission, die die Entwicklung der Einkommen am oberen Ende beobachtet) hatte im Mai dieses Jahres zu berichten, dass britische Topverdiener im letzten Jahr ihre Bez&#252;ge &#252;ber 50% steigern konnten, w&#228;hrend die Realeinkommen f&#252;r die &#252;brige Bev&#246;lkerung zum ersten Mal seit 30 Jahren zur&#252;ckgingen.</p>
<p>Derzeit liegen die Einkommen der Topmanager und Banker beim 145-fachen des britischen Durchschnittseinkommens. Wenn der Trend anh&#228;lt, so die Kommission, werden die oberen 0,1% der Einkommensbezieher im Jahr 2025 rund 10% des Gesamteinkommens einstreichen. Am 8.August legte die Kommission nach: Manager der FTSE-100-Unternehmen (so was wie die Dax-Unternehmen) bekommen eine durchschnittliche Jahresrente von 175000 Pfund (200000 Euro); die britische Durchschnittsrente liegt bei k&#252;mmerlichen 5860 Pfund (6700 Euro).</p>
<p>Und diese Regierung will die Armen noch &#228;rmer machen. Zugleich ist sie finster entschlossen, den 300000 Menschen, die den Spitzensteuersatz von 50% auf Einkommen &#252;ber 150000 Pfund zahlen, nochmals gewaltige Geldsummen zukommen zu lassen. Londons B&#252;rgermeister Boris Johnson hat die Abschaffung des Spitzensteuersatzes gefordert, und auch der Million&#228;r und Finanzminister George Osborne hat gesagt, dass er sie streichen will.</p>
<p>Das britische Kabinett ist eine Regierung von Reichen f&#252;r Reiche. Von den 29 Kabinettsmitgliedern sind 24 Multimillion&#228;re, darunter Cameron, Osborne und der Liberale Nick Clegg.</p>
<p>Kein Wunder, viele sagen: Das sind die wirklichen Pl&#252;nderer, die wirklichen Kriminellen. Ein Leserbrief im Guardian dr&#252;ckte es so aus: «Die Randalierer tun auf der Stra&#223;e nur, was die Banker dem Land antun. Anders als die Banker werden die Randalierer zweifellos zur Rechenschaft gezogen werden.»</p>
<p>Der linke Labour-Abgeordnete John McDonnell schrieb in derselben Zeitung: «Wir ernten, was in den letzten drei Jahrzehnten durch die Schaffung einer grotesk ungleichen Gesellschaft ges&#228;t wurde. Deren Ethos ist die Devise: Nimm dir, was du kriegen kannst, mit allen Mitteln. Es ist eine Gesellschaft von Pl&#252;nderern, geschaffen von Abgeordneten mit ihren Verg&#252;tungen, Bankern mit ihren Pr&#228;mien, steuerhinterziehenden Unternehmen, auf Bestellung arbeitenden Journalisten, bestechlichen Polizisten. Jetzt hat eine Gruppe entfremdeter Jugendlicher ihre Chance ergriffen&#8230;»</p>
<p>Diese Dinge m&#246;gen die Teenager, die aus einem Sportgesch&#228;ft 100 Pfund teure Trainingsanz&#252;ge mitgehen lie&#223;en, nicht im Sinn gehabt haben. Was sie aber wussten war, dass es Leute gibt, die Wohlstand und Privilegien genie&#223;en und ihre Macht dazu verwenden, Menschen in Armut zu halten. Ein Aufstand ist ein Anfall zerst&#246;rerischer Wut und unartikulierten Protests – es ist einer der Wege, auf denen sich diejenigen Geh&#246;r verschaffen, die keine Stimme haben.</p>
<p><strong> Das letzte Argument: der Polizeikn&#252;ppel</strong></p>
<p>Jetzt versucht man, die Ereignisse auf den Stra&#223;en seit Mark Duggans Tod dazu zu benutzen, um B&#252;rgerrechte weiter auszuh&#246;hlen und das Recht auf Widerstand zu beschneiden. Dagegen m&#252;ssen wir uns wehren. An die Polizei wurden auf britischen Stra&#223;en soviel Gummigeschosse ausgegeben wie noch nie – wir wissen von ihrer Anwendung in Nordirland, wie t&#246;dlich sie sein k&#246;nnen. Wasserwerfer sind hier nie eingesetzt worden, jetzt stehen sie der Polizei auf Anforderung innerhalb von 24 Stunden zur Verf&#252;gung, &#252;ber den Einsatz der Armee wird noch immer diskutiert.</p>
<p>Sehr positiv ist, dass B&#252;ndnisse gegen Sozialk&#252;rzungen wie die Coalition of Resistance und besonders die Black Activists Rising Against The Cuts (BARAC) ihre Stimme erhoben haben und &#252;ber die wirklichen Ursachen der Unruhen und &#252;ber die Politik sprechen, die erforderlich ist, um den armen Stadtteilen eine Zukunft und den jungen Menschen neue Hoffnung zu geben. In den kommenden Monaten m&#252;ssen sich Gewerkschaften und radikale Linke Geh&#246;r verschaffen und die Offensive der Regierung zur&#252;ckdr&#228;ngen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Terry Conway ist Redakteurin von International Viewpoint und f&#252;hrendes Mitglied von Socialist Resistance, britische Sektion der IV.Internationale.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>«Wir gehen erst,wenn ihr geht»</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jul 2011 15:57:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krise]]></category>

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		<description><![CDATA[Gespr&#228;ch mit Ilona Herrmann &#252;ber die Bewegung f&#252;r direkte Demokratie in Griechenland Die spanischen Emp&#246;rten nahmen sich den Tahrirplatz in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Gespr&#228;ch mit <em>Ilona Herrmann</em> &#252;ber die Bewegung f&#252;r direkte Demokratie in Griechenland</strong><br />
Die spanischen Emp&#246;rten nahmen sich den Tahrirplatz in Kairo zum Vorbild, als sie am 15.Mai die Hauptpl&#228;tze von Barcelona und Madrid besetzten. Eine neue Aktionsform war gefunden, um die Entschlossenheit des Widerstands gegen die Abw&#228;lzung der Krisenlasten auf die Lohnabh&#228;ngigen und die &#246;ffentlichen Haushalte zum Ausdruck zu bringen. Auf einem der vielen Plakate und Transparente stand: «Pssst, die Griechen schlafen noch.»</p>
<p><span id="more-2480"></span>Das lasen die Griechen und lie&#223;en es sich nicht zweimal sagen. Am 25.Mai besetzten sie den Syntagmaplatz in Athen.Ilona Herrmann war Mitte Juni drei Tage und drei N&#228;chte lang auf dem Platz dabei und hat mit den Besetzern gesprochen. Sie ist aktiv in den Europ&#228;ischen M&#228;rschen gegen Erwerbslosigkeit, ungesch&#252;tzte Besch&#228;ftigung und Ausgrenzung.</p>
<p><em>Bislang hat sich der Zorn der Griechen vorwiegend in Generalstreiks oder in Angriffen auf Banken ausgedr&#252;ckt. Was unterscheidet die neue Protestbewegung?</em></p>
<p>Die Generalstreiks waren meist 24-Stunden-Aktionen, angef&#252;hrt von den Gewerkschaften mit Unterst&#252;tzung sozialer Bewegungen. Die neue Bewegung nennt sich «Bewegung der Emp&#246;rten», sie hat ganz unstrukturiert begonnen, alle Schichten sind daran beteiligt. Au&#223;erdem ist sie nicht befristet, seit dem 25.Mai ist der Syntagmaplatz mit einem Zeltdorf besetzt. Es gibt keine F&#252;hrung, allerdings wird erwartet, dass die Gewerkschaften die Bewegung unterst&#252;tzen.</p>
<p>Charakteristisch ist das gro&#223;e Misstrauen, das jeder Form von Organisierung, insbesondere den Parteien, entgegengebracht wird. Wie im Sozialforum k&#246;nnen sich Mitglieder von Gewerkschaften und Parteien einbringen, aber sie d&#252;rfen keine Propaganda f&#252;r ihre Organisation machen. Das griechische Wort f&#252;r Politik ist im allgemeinen Sprachgebrauch gleichbedeutend mit Parlamentsarbeit. Jetzt entsteht ein Bewusstsein, dass politisch auch hei&#223;en kann: Die Menschen nehmen ihre Sache selbst in die Hand. Es ist ein Versuch, gemeinsam direkte Demokratie zu leben.</p>
<p><em>Richtet sich die Bewegung gegen das neue Sparpaket?</em></p>
<p>Nicht nur gegen das neue Sparpaket, sondern gegen die Regierung an sich. Sie fordert den R&#252;cktritt der Regierung und die Aufl&#246;sung des Parlaments, die Opposition soll das Parlament verlassen, um die Bewegung zu unterst&#252;tzen.</p>
<p><em>Sie fordert also keine Neuwahlen?</em><br />
Nein, es wird gefordert, dass die Menschen selber entscheiden, was f&#252;r sie gut ist.</p>
<p><em>Wie ist die Bewegung organisiert, wie strukturiert sie sich?</em><br />
Der Syntagmaplatz wird von einer festen Gruppe von Leuten besetzt gehalten, die dort in den Zelten wohnen. Das sind junge Leute, Studenten, die vorher noch nie politisch aktiv waren, Arbeitslose, prek&#228;r Besch&#228;ftigte, Arbeiter, auch viele irregul&#228;re Migranten, die sonst in den Parks schlafen, nat&#252;rlich auch Linke verschiedenster Gruppen. Allen ist gemeinsam, dass sie sagen: Nicht wir haben die Schulden, deshalb verkaufen wir auch nichts und bezahlen nichts. Die Regierung handelt nicht in unserem Sinne. Kein Ausverkauf, keine Privatisierung.</p>
<p>Ab 5–6 Uhr morgens belebt sich der Platz. Jeden Abend findet um 21 Uhr ein Plenum statt, dann ist die ganze Mitte des Platzes voll, es sind bestimmt &#252;ber tausend Menschen. Tags&#252;ber treffen sich Teams, die sog. Omadas. Es gibt die Omada K&#252;che, die Omada Sauberkeit, Arbeitszeit, die Presse, &#220;bersetzer. Au&#223;erdem gibt es eine Omada, die die Diskussionsergebnisse der anderen Gruppen zusammentr&#228;gt und abends auf dem Plenum vorstellt. Da gibt es dann ein offenes Mikrofon, an dem sich alle beteiligen k&#246;nnen. Die Themen werden nacheinander diskutiert, und dann gibt es Abstimmungen.</p>
<p><em>Wie kann man aus &#252;ber tausend Menschen Wortmeldungen herausziehen?</em><br />
Sie melden sich, werden in eine Redeliste eingetragen und gehen ans Mikrofon – es gibt nur ein einziges Mikrofon – oder sie stellen sich in die Schlange, das gibt es auch. Jeder darf h&#246;chstens drei bis f&#252;nf Minuten reden, und nur zum Thema. Es wird nicht durcheinander diskutiert.</p>
<p><em>Bei uns gibt es bei offenem Mikrofon gern Agitation.</em><br />
Das gibt es da auch. Dann rufen andere dazwischen: So nicht! Wir wollen nicht missioniert werden. Das klappt nat&#252;rlich nicht immer. Wenn es Zoff gibt, wird dar&#252;ber abgestimmt, dass sie oder er jetzt aufh&#246;ren soll. Auch ob Flugbl&#228;tter verteilt werden d&#252;rfen, wird abgestimmt.</p>
<p><em>Gibt es am Ende ein Ergebnis?</em><br />
Manchmal ja, manchmal nein. Manchmal ist die Diskussion dazu da, dass sich alle auf den gleichen Stand bringen und mit einem Thema auseinandersetzen: Was ist die EZB?, was tun wir gegen die Arbeitslosigkeit?, wie kommen wir zu einer Besch&#228;ftigung? Ende Mai gab es eine Erkl&#228;rung, die sagte: Wir sind uns einig, dass wir so lange auf dem Platz bleiben, bis sich das Parlament aufl&#246;st. Das ist nat&#252;rlich eine sehr gro&#223;e Forderung.</p>
<p>Es gibt ein Transparent auf dem steht: «Wir gehen, wenn ihr geht.» Wenn sie durchhalten bis zum Tag, an dem die EZB nicht mehr &#252;ber Griechenland herrscht, ist das eine Revolution. Ich glaube, die Leute auf dem Platz sind sich &#252;ber die Dimension nicht im Klaren, aber es zeigt ihre Entschlossenheit und dass es ihnen um eine grunds&#228;tzliche Ver&#228;nderung geht.</p>
<p><em>Was soll passieren, wenn die Regierung und das Parlament gegangen sind?</em><br />
Das diskutieren sie gerade. Anfangs haben sie von den Spaniern, die ja auch als Bewegung der Emp&#246;rten angefangen haben, den Begriff der «realen Demokratie» &#252;bernommen, democracia real. Dann haben sie sich gefragt: Was meint denn echte Demokratie, sie fanden den Begriff etwas schwammig und haben ihn korrigiert in «direkte Demokratie». Das steht jetzt so auf ihrer Webseite.</p>
<p><strong>Die Orte</strong></p>
<p><em>Spielt sich alles auf dem Syntagma ab?</em><br />
Das ist der Haupttreffpunkt. Es geh&#246;rt abends in Athen schon dazu, einen Spaziergang zur Platia zu machen, um zu h&#246;ren, was dort diskutiert wird. Der Syntagmaplatz – der Platz der Verfassung – wurde umbenannt in Platia, das hei&#223;t friedlicher Platz. Die Besetzer haben breite Unterst&#252;tzung in der Bev&#246;lkerung. Alles was dort verkostet wird, ist kostenlos und wird von den umliegenden Cafés, der Nachbarschaft, Tavernen, L&#228;den gespendet. Die verlangen nicht einmal Spenden. Oder es kommen Leute und fragen, wie kann ich euch unterst&#252;tzen, dann hei&#223;t es, das und das Flugblatt wollen wir jetzt verteilen. Dann geht jemand los und sagt, ich kopiere es und bringe es euch. Das ist jetzt meine Spende.</p>
<p><em>Kommen Leute aus den Stadtteilen?</em><br />
Ja. Die beteiligen sich gar nicht aktiv, aber sie stehen wie Kundgebungsteilnehmer rundherum. Der Platz wird laut beschallt, die Diskussionen auf den abendlichen Plena h&#246;rt man bis hoch zur Treppe, die zum Parlament hinauff&#252;hrt. Oben stehen die, die die ganze Nacht protestieren und Sprechch&#246;re rufen. Viele h&#246;ren nur zu und bilden sich eine Meinung, oft setzen sie sich dann mit einer Gruppe ab und fangen an zu diskutieren. Manchmal werden abends auch Filme gezeigt, dann kann es sein, dass sich im Anschluss eine neue Omada gr&#252;ndet.</p>
<p><em>In den Stadtteilen selber gibt es solche Versammlungen nicht?</em><br />
Doch, seit neuestem gibt es in drei Stadtteilen sog. Resist Councils (Widerstandsr&#228;te), Stadtteilzentren, &#228;hnlich wie die sozialen Zentren in Italien. Es gibt sie in Virona, Pankrati und in Exarcheia. Exarcheia ist der Stadtteil, wo der Jugendliche Alexandros bei einer Demonstration umgebracht wurde. In Virona finden regelm&#228;&#223;ig sog. Lunch-Street-Parties, das muss man sich vorstellen wie die Volksk&#252;chen in Deutschland, einmal im Monat und immer an einem anderen Ort. Au&#223;erdem werden in den Stadtteilzentren Umsonstl&#228;den organisiert. Da entsteht ein ganz neues Bewusstsein, all das gab es so in Griechenland vorher nicht.</p>
<p><em>Sind das Selbsthilfeinitiativen?</em><br />
Ja. Die Menschen haben immer weniger Geld und vor allem in Athen sind die Preise sehr hoch. Ein Beispiel ist der Kaffee. In Griechenland trifft man sich gerne zum Kaffee und diskutiert. Das kann man fast nicht mehr bezahlen. Den billigsten Kaffee gibt es im Park, dort gibt es einen Kiosk mit Kaffee zum Mitnehmen. Damit setzen sich die Leute auf die Bank und diskutieren. So kostet ein Kaffee 1,50 Euro, sonst zwischen 3,50 und 5 Euro.</p>
<p>Die U-Bahn-Preise sind jetzt um fast 17% gestiegen, auf 1,40 Euro f&#252;r eine Fahrkarte. Aber es gibt einen Sport in Athen: Jeder achtet drauf, wenn sein U-Bahn-Ticket noch g&#252;ltig ist, dass jemand anderer es noch verwenden kann, man legt die Tickets auf die Stempelautomaten oder gibt sie weiter.</p>
<p><strong>Die Forderungen</strong></p>
<p><em>Was diskutieren die themenbezogenen Gruppen, und was kommt dabei heraus?</em><br />
Es gibt Gruppen, die fragen: Wie k&#246;nnen wir die Arbeitslosigkeit &#252;berwinden? Mittlerweile sind 17% der Griechen arbeitslos. Mit welchen B&#252;ndnispartnern geschieht das?, denn wir wollen nicht unter dem Diktat der Gewerkschaften stehen. Es besteht ein Bedarf, die Zusammenh&#228;nge zu verstehen. Dann gibt es Gruppen, die die Diskussionen zusammentragen und darauf hinweisen: Das ist kein spezifisch griechisches Problem, und besprechen, wie es gemeinsame europ&#228;ische Forderungen geben kann.</p>
<p>Dann gibt es die Gruppen, die diskutieren: Was hei&#223;t direkte Demokratie? Was sind die Grundregeln daf&#252;r? Es muss ja ein gemeinsames Grundverst&#228;ndnis geben, damit nicht jeden Abend bei wechselnder Besetzung die Diskussion von vorn anf&#228;ngt und alles bisher Besprochene &#252;ber den Haufen geworfen wird.</p>
<p>An diesen Diskussionen hab ich mich auch beteiligt, in den englischsprechenden Gruppen. Da wird bspw. &#252;ber Redefreiheit diskutiert: Darf jetzt jeder reden oder nicht? Darf auch einer mit rechtem Gedankengut reden? Geht man gegen so jemanden mit Argumenten vor oder schaltet man das Mikro ab? Braucht Redefreiheit eine Eingrenzung, damit niemand verletzt oder diskriminiert wird? Theoretisch kann jeder reden. Darum hat am Anfang auch die Rechte versucht, die Bewegung zu vereinnahmen.</p>
<p><em>Wie hat sich das ausgedr&#252;ckt?</em><br />
Es gab Gruppen, die argumentierten: Wir sind eh schon arm, m&#252;ssen wir noch mit den vielen Illegalen und Fl&#252;chtlinge leben? Nach dem Motto: Das Boot ist voll, die m&#252;ssen raus. Es gab auch Spenden von Leuten, die sagten: Das ist f&#252;r euch, aber gebt das nicht den Wohnungslosen. Da wurde argumentativ dagegen gehalten. Mittlerweile h&#228;ngt auf dem Syntagma ein Transparent: «Faschisten raus aus unserer Nachbarschaft».</p>
<p><em>Gibt es auch thematische Gruppen zu der Frage: Wie gehen wir mit der Wirtschaft um, was machen wir mit unseren Schulden?</em><br />
Ja. Es gibt Diskussionen dar&#252;ber, wie sie von den Schulden wegkommen. Sie werden sich wieder dessen bewusst, dass Griechenland das einzige Land in Europa ist, das nach dem Krieg nie Reparationszahlungen von Deutschland bekommen hat. Das liegt daran, dass es zwischen Deutschland und Griechenland gar keinen Friedensvertrag gibt, sondern nur einen Waffenstillstand.</p>
<p>[Die griechische Regierung hat sich einer italienischen Klage angeschlossen, die von Deutschland Entsch&#228;digung f&#252;r Geiselerschie&#223;ungen im Zweiten Weltkrieg fordert. Dies ist m&#246;glich, weil der 2+4-Vertrag letztlich kein Friedensvertrag war. Griechenland und Italien k&#246;nnen sich darauf berufen, dass kein Land f&#252;r ein anderes Land einen Vertrag abschlie&#223;en kann, weshalb der 2+4-Vertrag, selbst wenn er f&#252;r die unterschreibenden Parteien als Friedensvertrag zu gelten hat, f&#252;r Griechenland und Italien keine G&#252;ltigkeit hat.]</p>
<p>Sehr kritisch wird die Rolle der Kirche diskutiert, sie ist die Reichste im Land. Wenn man nur die H&#228;lfte ihres Verm&#246;gens eingezogen w&#252;rde, w&#228;re sie immer noch die Reichste. Und der griechische Staat h&#228;tte viel Geld. Es wird auch diskutiert: Warum hat die Regierung nicht den Bankrott erkl&#228;rt? Mit seiner jetzigen Politik hat Papandreou die Menschen verraten und verkauft.</p>
<p>Aber das Wichtigste ist, dass man sagt: Die Arbeiter, die Studierenden, die Arbeitslosen haben keine Schulden. Das ist die Hauptparole: Wir schulden nichts, wir verkaufen nichts, wir bezahlen nichts. Ohne uns g&#228;be es nichts. Deshalb wollen wir unser Leben auch selber in die Hand nehmen. Mitten auf der Platia h&#228;ngt ein gro&#223;es Transparent, auf dem steht: Schluss mit der Apathie, direkte Demokratie, das reimt sich auf Deutsch ebenso wie auf Griechisch.</p>
<p><em>Gibt es eine Diskussion &#252;ber die Verstaatlichung der Banken?</em><br />
Es geht eher gegen die Privatisierung, gegen den Ausverkauf des Staatsverm&#246;gens.<br />
<strong>Das Verh&#228;ltnis zu Massenorganisationen</strong></p>
<p><em>Wie kommen sie denn zu gemeinsamen Forderungen?</em><br />
Das ist noch unklar. Das kritisieren auch linke Genossen. Sie meinen, die direkte Demokratie ist ja gut und sch&#246;n, aber man kommt nicht voran, wenn nicht das Misstrauen in ein Delegations- und Repr&#228;sentationssystem aufh&#246;rt und die Angst davor, dass es dann gleich eine Kopie der Gewerkschaftsf&#252;hrungen oder der Parteien gibt.</p>
<p><em>Wie verhalten sich die Parteien und die Gewerkschaften zu dieser Bewegung?</em><br />
In den drei Tagen und N&#228;chten, die ich dort war, ist mir nur ein Plakat der KKE aufgefallen, sonst nichts, auch nicht au&#223;erhalb des Platzes. Unumstritten ist, dass bei dem dritten Generalstreik, der am 15.Juni stattfand, die Gewerkschaften ihre Demonstration zum Syntagma gef&#252;hrt haben und umgekehrt die «Bewegung f&#252;r direkte Demokratie», wie sie sich jetzt nennt, zu den Gewerkschaftsdemos aufgerufen hat.</p>
<p>Es gab auch Sternm&#228;rsche aus den Stadtteilen hin zu den Gewerkschaftsdemos. Man wollte eine gemeinsame Aktion machen und mit den vielen Menschen das Parlament umzingeln, um es symbolisch einzunehmen. Leider schaffte man es nicht, den Kreis ganz zu schlie&#223;en, weshalb die Polizei rein konnte und die Autonomen (die mit unseren Autonomen nicht vergleichbar sind) eine Auseinandersetzung mit der Polizei sch&#252;ren konnten.</p>
<p><em>Haben alle Gewerkschaften zu der Demo aufgerufen?</em><br />
Nein, die Pame (die KKE-eigene Gewerkschaft) lief nat&#252;rlich wieder getrennt, das ist ja traurig.</p>
<p><em>Zwischen den gro&#223;en sozialdemokratischen Gewerkschaften und der regierenden Pasok muss es inzwischen ja einen tiefen Riss geben&#8230;</em><br />
Es gibt definitiv zumindest innerhalb der Pasok einen Riss. Vor zwei Tagen sind zwei Abgeordnete zur&#252;ckgetreten. Eine gro&#223;e Koalition, wie sie die Bundesregierung jetzt fordert, w&#228;re f&#252;r Griechenland aber etwas sehr Ungew&#246;hnliches, denn Griechenland kennt keine Koalitionspolitik. Die zwei gro&#223;en Parteien, die Griechenland seit der Diktatur beherrschen, werden von zwei gro&#223;en Familien dominiert.</p>
<p><em>Wer ist das?</em><br />
Die Familie Karamanlis steht der Nea Demokratia vor und die Familie Papandreou der Pasok. Es m&#252;ssten sich dann praktisch zwei gro&#223;e Familienverb&#228;nde zusammentun. Das w&#252;rde die Zivilbewegung und die Gewerkschaftsbewegung noch mehr anstacheln. Die Griechen sind ein sehr politisches Volk.</p>
<p>Eine gro&#223;e Koalition w&#252;rde dar&#252;ber hinaus auch Laos, die Partei der Rechtsextremen, st&#228;rken. 2009 holten sie 6,5%, mehr als Syriza. Und mehr als die KKE, die erhielt, glaube ich, 6%.</p>
<p><em>Welche Rolle spielt die radikale Linke in der Bewegung?</em><br />
Du findest viele Aktivisten, die entweder zu Syriza oder zu Synaspismos geh&#246;ren. Aber sie treten als Einzelpersonen, nicht als Gruppe auf. Man findet ganz viele hochgebildete linke Genossinnen und Genossen. Es ist v&#246;llig klar, dass die Bewegung nach der Art, wie sie diskutiert und sich strukturiert, aus der linken und nicht aus der rechten Richtung kommt.</p>
<p><em>Gibt es eine solche Bewegung auch in anderen St&#228;dten?</em><br />
Es gibt Platzbesetzungen in Saloniki, auf Kreta und in Heraklion. Am 19.Juni startete in Sparta ein Fussmarsch nach Athen, mit dem Aufruf an die Bev&#246;lkerung, sich dem Marsch anzuschlie&#223;en. Es gibt auch einen Aufruf, das griechenlandweit und europaweit nachzumachen.</p>
<p><strong>Bezugspunkte</strong></p>
<p><em>Nach deinen Schilderungen ist das nicht eine Bewegung, die auf einen nationalen Ausgang aus ist.</em><br />
Oben, vor dem Parlamentsgeb&#228;ude, rufen immer wieder welche «Griechenland» und schwenken die griechische Flagge. Genossen haben mir gesagt: Das bedeutet in Griechenland nicht unbedingt etwas Schlimmes, es kann auch nur den Wunsch nach Einheit der Griechen ausdr&#252;cken. Die Griechen haben eine Geschichte, auf die sie auch stolz sein k&#246;nnen. Bewusst beziehen sie sich auf Parolen der Studentenbewegung von 1973. Damals waren auch nicht alle Studenten politisch, aber es war das Vorspiel zum Sturz der Diktatur ein Jahr sp&#228;ter.</p>
<p><em>Sie beziehen sich nicht auf den Widerstand gegen die Nazibesatzung?</em><br />
Nein, auf die Bewegung zum Sturz der Obristendiktatur. Und sie sehen sich als Teil der Bewegung gegen die Krise in den sog. PIGS-Staaten, wo der Ausverkauf l&#228;uft und die Menschen sich wehren. Sie w&#252;nschen sich einen st&#228;rkeren Austausch mit anderen europ&#228;ischen Bewegungen, aber das erfordert viel &#220;bersetzungsarbeit.</p>
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		<title>Die Deutschen m&#252;ssen zahlen</title>
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		<pubDate>Sun, 24 Jul 2011 15:43:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krise]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Aufstellung der deutschen Kriegsschulden an Griechenland Tasos Minas Iliadakis «Die Deutschen sollen erst mal ihre Kriegsschulden an Griechenland bezahlen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine Aufstellung der deutschen Kriegsschulden an Griechenland</strong><br />
<em>Tasos Minas Iliadakis</em><br />
«Die Deutschen sollen erst mal ihre Kriegsschulden an Griechenland bezahlen, bevor sie von uns was wollen.» Diese Forderung wird in Griechenland immer lauter – und sie ist berechtigt.</p>
<p><span id="more-2478"></span>In den fr&#252;hen 40er Jahren dr&#252;ckten die Nazis dem besetzten Griechenland au&#223;erordentliche finanzielle Verpflichtungen auf, um die deutsche Besatzung sowie ihre milit&#228;rischen und strategischen Ziele auf dem Balkan, im Mittelmeerraum und in Libyen zu finanzieren. Au&#223;erdem wurde die griechische Nahrungsmittelproduktion f&#252;r die Verpflegung der deutschen Truppen an der libyschen Front verwendet.</p>
<p>Die Deutschen hatten es auf das &#214;l aus Libyen und aus dem Nahen Osten sowie auf die Erze aus dem Balkan abgesehen: Von Letzterem bezog die deutsche R&#252;stungsindustrie 20% ihres Bedarfs an Antimon, 50% an Mineral&#246;l, 60% an Bauxit und ihren vollen Bedarf an Nickel. Gleichzeitig war Griechenland der einzige Raum, von dem aus die Alliierten den deutschen Einfluss auf dem Balkan zur&#252;ckdr&#228;ngen konnten.</p>
<p>Aus diesem Grund waren die deutschen Forderungen nach dem griechischen Anteil an den Kriegslasten unelastisch und provozierten Reaktionen selbst seitens des Kollaborationsregimes von Georgios Tsolakoglou, der mit seinem R&#252;cktritt drohte. Auch Mussolini und der Bevollm&#228;chtigte des Reichs f&#252;r Griechenland, G&#252;nther Altenburg, dr&#228;ngten Berlin, die Besatzungskosten f&#252;r Griechenland zu senken.</p>
<p>Die Last der deutschen Okkupation verschlimmerte sich noch durch die Beschlagnahmung aller G&#252;ter seitens der Wehrmacht. Sie f&#252;hrte zu der Hungersnot, vor der Altenburg gewarnt hatte. Im Winter 1941/42 berichtete der p&#228;pstliche Nuntius, Angelo Roncalli (der sp&#228;tere Papst Johannes XXIII.), die Zahl der Hungertoten im Gebiet Athen/Pir&#228;us habe sich verdreifacht. Goebbels notierte in seinem Tagebuch: «Hunger ist zu einer endemischen Krankheit geworden. Leute sterben aus Ersch&#246;pfung zu Tausenden in den Stra&#223;en Athens.» Die Regierung in London verschlimmerte die Situation noch, indem sie Griechenland von Nahrungsmittellieferungen abschnitt, um die Bev&#246;lkerung zu Aufst&#228;nden gegen die deutschen Besatzer anzustacheln.</p>
<p>Die Deutschen konnten die zunehmende Hungersnot, Gesetzlosigkeit und die wachsenden Sympathien f&#252;r die Engl&#228;nder nicht l&#228;nger ignorieren. Die Hungersnot f&#252;hrte zu Volksaufst&#228;nden, der Zulauf zur Widerstandsbewegung nahm zu. Auf der Deutsch-Italienischen Finanzkonferenz in Rom, im Januar–M&#228;rz 1942, stand das Thema ganz oben auf der Tagesordnung. Die Deutschen bestanden darauf, substantielle Mittel aus Griechenland abzuziehen, und die Konferenz m&#252;ndete in eine Sackgasse. Da schlug der italienische Bankier und Wirtschaftsbevollm&#228;chtigte Italiens in Griechenland, D’Agostino, einen Zwangskredit vor: Mittel, die Deutschland von Griechenland &#252;ber die direkten Kosten der Okkupation hinaus forderte, sollten die Form eines Kredits an Deutschland und Italien annehmen.</p>
<p>Ein «Kreditabkommen» wurde am 14.M&#228;rz 1942 von Altenburg und Gidzi unterzeichnet, jeweils Bevollm&#228;chtigte aus Deutschland und Italien f&#252;r Griechenland. Griechenland selbst war nicht eingeladen worden und nicht anwesend. Das Abkommen sah vor:</p>
<p>– Die griechische Regierung muss monatlich 1,5 Mrd. Drachmen f&#252;r die Besatzungskosten zahlen;<br />
– Geldentnahmen aus der Bank von Griechenland, die diesen Betrag &#252;berschreiten, stellt Griechenland der deutschen und der italienischen Regierung als zinslosen Kredit in Rechnung, in Drachmen;<br />
– der Kredit wird sp&#228;ter zur&#252;ckgezahlt;<br />
– das Abkommen gilt r&#252;ckwirkend zum 1.Januar 1942.<br />
Es wurde kein Datum festgelegt, ab wann die R&#252;ckzahlung beginnen sollte.</p>
<p>Der griechische Finanzminister wies den Notenbankchef an, das Abkommen zu erf&#252;llen. Das Zwangsabkommen wurde dreimal ge&#228;ndert, im Zuge dessen wurden die Zwangskredite in normale Kredite umgewandelt, d.h. sie trugen jetzt Zinsen und waren auf eine stabile W&#228;hrung ausgestellt.</p>
<p>Nach Angaben der Bank von Griechenland belief sich die H&#246;he des Kredits (ohne Zinsen) auf insgesamt 227.940.201 US-Dollar (von 1944), nach Angaben Altenburgs auf 400 Mio. Deutsche (Nachkriegs-)Mark. Mit Anpassungen und Zinsen hat er sich heute auf einige Dutzend Mrd. Euro summiert.</p>
<p>Der griechische Kredit an Deutschland ber&#252;hrt nicht die Frage der Reparationen. Deswegen f&#228;llt er auch nicht unter das Londoner Schuldenabkommen von 1953, das Deutschland von allen Reparationen und Kompensationen freispricht. Griechenland hat auf allen relevanten internationalen Konferenzen stets geltend gemacht, dass der Kredit und die Forderung nach Reparationen zu trennen sind – so auf der Reparationskonferenz 1945, der Paris Konferenz 1946 und der Londoner Au&#223;enministerkonferenz 1947. Griechenland hat stets die R&#252;ckzahlung der deutschen Besatzungsschulden gefordert.</p>
<p>1967 verwies die deutsche Seite bei Gelegenheit einer deutsch-griechischen Unterredung auf ein Schreiben des Premierministers Konstantin Karamanlis, in dem dieser auf die Forderung nach R&#252;ckzahlung des Kredits verzichtet habe. Sp&#228;ter wurde die Behauptung dahingehend korrigiert, der Verzicht sei m&#252;ndlich erfolgt. Karamanlis dementierte die Behauptung. In einer diplomatischen Note vom 31.M&#228;rz 1967 gab Deutschland schlie&#223;lich zu, dass Karamanlis auf die Forderung nie verzichtet habe.</p>
<p>Deutschland hat die griechische Forderung stets abgewiesen mit den Begr&#252;ndungen: der Kredit falle unter das Londoner Schuldenabkommen; Konstantin Karamanlis habe auf sie verzichtet; solche Forderungen k&#246;nnten 50 Jahre sp&#228;ter nicht mehr erhoben werden. (Griechenland erhebt sie aber seit 1945.)</p>
<p>Die deutsche Position entbehrt einer gesetzlichen Grundlage. Seit dem Fall der Mauer kann Deutschland nicht einmal mehr geltend mache, sie k&#246;nne nicht gegen ein geteiltes Land erhoben werden. Die Forderung ist nun f&#228;llig, es kann sie die griechische Regierung erheben, oder die Bank von Griechenland oder einer ihrer Aktion&#228;re, aber auch das griechische Volk vermittelt durch seine Institutionen. Pr&#228;zedenzf&#228;lle daf&#252;r gibt es in Jugoslawien und in Polen, denen Nazideutschland &#228;hnliche Besatzungskredite aufgezwungen hatte und die von (West-)Deutschland 1956 bzw. 1971 zur&#252;ckgezahlt wurden.</p>
<p><em>Der Autor war Mitglied der griechischen Delegation bei der Internationalen Londoner Konferenz &#252;ber das Nazigold 1997 und nahm als Redner an der Konferenz &#252;ber die Staatsschulden 2005 in Alexandroupolis teil.</em></p>
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		<title>Massenrevolte in Griechenland</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Jul 2011 15:53:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krise]]></category>

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		<description><![CDATA[Zu Hunderttausenden erkl&#228;ren die griechischen Emp&#246;rten ihren neoliberalen Henkern den Krieg von Yorgos Mitralias Zwei Wochen nach ihrem Beginn &#252;berflutet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zu Hunderttausenden erkl&#228;ren die griechischen Emp&#246;rten ihren neoliberalen Henkern den Krieg</strong><br />
<em>von Yorgos Mitralias</em></p>
<p>Zwei Wochen nach ihrem Beginn &#252;berflutet die Bewegung der &#8220;Emp&#246;rten&#8221; die Pl&#228;tze der St&#228;dte im Land mit gewaltigen Menschenmengen. Sie schreien ihre Wut heraus und lassen die Regierung Papandreou und ihre lokalen und internationalen Unterst&#252;tzer erzittern.</p>
<p><span id="more-2475"></span>Es ist nicht mehr nur ein einfacher Protest noch eine breite Mobilisierung gegen die Sparpolitik. Von nun an ist es eine wirkliche Massenrevolte, die durch Griechenland fegt! Eine Revolte, die ihre Weigerung, &#8220;ihre Krise&#8221; und &#8220;ihre Schulden&#8221; zu bezahlen, laut hinausschreit und dabei das neoliberale Zwei-Parteien-System, wenn nicht gar das gesamte politische Personal in &#228;u&#223;erste Bedr&#228;ngnis bringt.</p>
<p>Wieviele waren es am Sonntag, den 5.Juni 2011 auf dem Syntagmaplatz im Zentrum von Athen, direkt gegen&#252;ber dem Parlament? Schwer zu sagen, denn eine der Besonderheiten dieser Massenversammlungen ist, dass es mangels zentraler Ansprachen oder eines Konzerts ein st&#228;ndiges Kommen und Gehen von Demonstranten gibt. Aber nach der Sch&#228;tzung der Verantwortlichen der Athener U-Bahn, die wissen, wie sie die Anzahl ihrer Fahrg&#228;ste berechnen, str&#246;mten an diesem denkw&#252;rdigen Abend mindestens 250.000 Menschen auf den Syntagmaplatz! Insgesamt waren es mehrere Hunderttausende, wenn man die Massenansammlungen &#8220;historischen&#8221; Ausma&#223;es auf den zentralen Pl&#228;tzen Dutzender anderer griechischer St&#228;dte hinzuz&#228;hlt.</p>
<p>In diesem Moment stellt sich jedoch eine Frage: Wie ist es m&#246;glich, dass eine solche Massenbewegung, die zudem dabei ist, eine griechische Regierung zu ersch&#252;ttern, die im Zentrum des europ&#228;ischen Interesses steht, von allen westlichen Medien mit einem ohrenbet&#228;ubenden Schweigen bedacht wird? W&#228;hrend der ersten zw&#246;lf Tage praktisch kein Wort, kein Bild von dieser beispiellosen Menge, die ihre Wut gegen den IWF, die Europ&#228;ische Kommission, die Troika und auch Frau Merkel und die ganze internationale neoliberale Crème herausschreit. Absolut nichts. Nur bisweilen einige Zeilen &#252;ber &#8220;Hunderte Demonstranten&#8221; auf den Stra&#223;en Athens, die dem Aufruf der Gewerkschaften folgen. Eine seltsame Vorliebe f&#252;r die d&#252;rren Kundgebungen der v&#246;llig diskreditierten Gewerkschaftsb&#252;rokraten, w&#228;hrend einige hundert Meter weiter seit zwei Wochen gewaltige Massen bis sp&#228;t nach Mitternacht demonstrieren&#8230;</p>
<p>Das ist einfach Zensur, von bislang unbekanntem Ausma&#223;. Eine sehr organisierte und systematische Zensur, die um jeden Preis das &#220;bergreifen der griechischen Bewegung auf Europa blockieren und verhindern will! Angesichts dieser neuen Waffe der modernen Heiligen Allianz wird es erforderlich sein, dass wir alle gemeinsam reagieren, um diesen Skandal anzuprangern und die Mittel zu finden, dieses Verbot der Information der &#214;ffentlichkeit zu umgehen: durch die Entwicklung der Kommunikation zwischen den sozialen Bewegungen ganz Europas und die Schaffung unserer eigenen alternativen Medien&#8230;</p>
<p>Zu den &#8220;Emp&#246;rten&#8221; (griechisch &#8220;Aganaktismeni&#8221;) muss man bemerken, dass es sich um eine zunehmend plebejische Bewegung handelt, ein Abbild der griechischen Gesellschaft, wie sie in 25 Jahren absoluter Herrschaft der neoliberalen Ideologie geformt wurde &#8211; die auf ihre zynische, rassistische, chauvinistische und individualistische Weise alles in Waren verwandelt hat. Deshalb ist das Bild, das daraus entsteht, oft widerspr&#252;chlich, zum Beispiel wenn dieselbe Person ostentativ einen rassistischen, griechischen Patriotismus zur Schau stellt und dabei eine tunesische (oder spanische, &#228;gyptische, portugiesische, irische, argentinische) Flagge schwenkt, um seine&#8230; internationalistische Solidarit&#228;t mit den k&#228;mpfenden Bev&#246;lkerungen dieser L&#228;nder auszudr&#252;cken.</p>
<p>M&#252;ssen wir also die Schlussfolgerung ziehen, dass es sich um eine Masse aus schizophrenen Demonstranten handelt? Absolut nicht. So wie es keine Wunder oder politisch &#8220;reine&#8221; soziale Revolten gibt, so radikalisiert sich die Bewegung der emp&#246;rten Griechen zusehends und ist dabei von 25 Jahren sozialen und moralischen Desasters gepr&#228;gt. Aber Vorsicht: All diese &#8220;M&#228;ngel&#8221; sind einem zentralen gemeinsamen Nenner untergeordnet: radikale Ablehnung der Troika, ihres Memorandums*, der Staatsverschuldung, der Regierung, der Sparpolitik, der Korruption, dieser fiktiven parlamentarischen Demokratie, der Europ&#228;ischen Kommission, des ganzen Systems!</p>
<p>Es ist also kein Zufall, dass diese Hunderttausende von Emp&#246;rten sich seit 14 Tagen die Lunge aus dem Leib schreien und dabei vielsagende Worte wiederholen wie: &#8220;Wir m&#252;ssen nichts, wir verkaufen nichts, wir zahlen nichts&#8221;, &#8220;Wir verkaufen nicht und wir lassen uns nicht verkaufen&#8221;, &#8220;Sie sollen alle abhauen, Memorandum, Troika, Regierung und Schulden&#8221; oder &#8220;Wir bleiben, bis sie abhauen&#8221;. Losungen dieser Art einen alle Demonstranten, wie &#252;brigens alles, was sich auf die Weigerung bezieht, die Schulden anzuerkennen oder zu bezahlen. Deshalb hat die Initiative f&#252;r die Offenlegung der Schulden fast im ganzen Land einen Bombenerfolg, ihr Stand auf dem Syntagmaplatz wird st&#228;ndig von einer Menge belagert, die den Aufruf unterschreiben will oder Unterst&#252;tzerdienste anbietet&#8230;</p>
<p>Zun&#228;chst waren sie fast v&#246;llig unorganisiert, doch nach und nach haben sich die Emp&#246;rten des Syntagmaplatzes eine Struktur gegeben, deren H&#246;hepunkt die Volksversammlung ist, die jeden Abend um 21 Uhr mehrere hundert Teilnehmer vor einer Kulisse von einigen tausend sehr aufmerksamen Zuh&#246;rern anzieht. Die Debatten sind oft von hoher Qualit&#228;t (z.B. die &#252;ber die Staatsverschuldung) und &#252;bertreffen bei weitem das Beste, was die gro&#223;en Fernsehkan&#228;le bieten. Und all dies trotz des L&#228;rms (im &#252;berf&#252;llten Zentrum einer 4-Millionen-Stadt), des Kommens und Gehens Zehntausender Menschen und vor allem trotz der bunten Zusammensetzung dieser gewaltigen Auditorien mitten in einem st&#228;ndigen Camp auf dem Platz, das mitunter an einen wahrhaften Turm zu Babel erinnert.</p>
<p>All diese Tugenden der &#8220;direkten Demokratie&#8221;, die Tag f&#252;r Tag auf dem Syntagmaplatz erprobt wird, d&#252;rfen nicht &#252;ber ihre Schw&#228;chen, Zweideutigkeiten oder M&#228;ngel hinwegt&#228;uschen: zum Beispiel ihre anf&#228;ngliche Allergie gegen alles, was sich auf Parteien, Gewerkschaften oder jede Art von organisiertem Kollektiv bezieht. Wenngleich diese Aversion gegen die &#8220;Parteien&#8221; bei der Masse der &#8220;Emp&#246;rten&#8221; unbestreitbar dominiert und sie die Tendenz haben, die gesamte politische Sph&#228;re unterschiedslos abzulehnen, ist doch auch eine spektakul&#228;re Entwicklung in den Volksversammlungen festzustellen &#8211; in Athen wie in Saloniki: Von der Ablehnung der Gewerkschaften sind sie n&#228;mlich dazu &#252;bergegangen, diese einzuladen, ihre Demonstrationen auf dem Syntagmaplatz enden zu lassen, damit sich die Arbeiter den Emp&#246;rten anschlie&#223;en k&#246;nnen&#8230;</p>
<p>Offensichtlich hat es mit der Zeit eine Kl&#228;rung der politischen Landschaft auf dem Syntagmaplatz gegeben: Die radikale und anarchisierende Linke besetzt den Platz und kontrolliert die Volksversammlung und das st&#228;ndige Camp, die Rechte und extreme Rechte versammelt sich auf dem Platz oberhalb, direkt vor dem Parlament. Obwohl die radikale Linke den Ton angibt und allen Aktivit&#228;ten und Demonstrationen auf dem Syntagmaplatz ihren Stempel aufdr&#252;ckt und in ein tiefes Rot f&#228;rbt, l&#228;sst sich daraus zweifellos nicht schlussfolgern, dass die diversen Schattierungen der populistischen, chauvinistischen, rassistischen oder sogar offen neonazistischen Rechten ihre Versuche einstellen, diese gewaltige Volksbewegung zu beeinflussen. Sie werden weitermachen, und alles h&#228;ngt letzten Endes von der F&#228;higkeit der Avantgarde der Bewegung ab, in den Wohnvierteln, an den Arbeitsst&#228;tten und den Schulen Fu&#223; zu fassen und sie f&#252;r Ziele zu gewinnen, die eine Br&#252;cke bilden zwischen den unmittelbaren Erfordernissen und dem rachs&#252;chtigen Zorn der Menge auf das System.</p>
<p>Ziemlich verschieden von seinem spanischen Gegenst&#252;ck in Ausma&#223;, sozialer Zusammensetzung, Radikalit&#228;t und politischer Heterogenit&#228;t, teilt der Syntagmaplatz mit dem Tahrirplatz in Kairo oder der Puerta del Sol in Madrid denselben Hass auf die politische und wirtschaftliche Elite, die die b&#252;rgerlich-parlamentarische Demokratie ihres Inhalts entleert. Gleichzeitig dr&#252;ckt sich darin den Wunsch nach Teilhabe, Gewaltfreiheit und Demokratie aus, der jede Volksrevolte zu Beginn dieses 21.Jahrhunderts kennzeichnet.</p>
<p>Unsere Schlussfolgerung kann nur sehr provisorisch sein: Unabh&#228;ngig von den st&#252;rmischen Ereignissen, die noch kommen, stellt die Bewegung der Emp&#246;rten eine Wende in der Geschichte des Landes dar. Von nun an ist alles m&#246;glich und nichts wird mehr sein wie zuvor&#8230;</p>
<p>* Im Fr&#252;hjahr 2010 schrieben IWF, EU-Kommission und Europ&#228;ische Zentralbank ihre Bedingungen f&#252;r einen 110-Milliarden-Euro-Kredit in einem Memorandum an die griechische Regierung nieder. (d.&#220;bers.)<br />
&#220;bersetzung: Hans-G&#252;nter Mull</p>
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