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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Kolumne Ingo Schmidt</title>
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		<title>Wer hat Schulden und was ist das Problem dabei?</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 18:20:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne Ingo Schmidt]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>

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		<description><![CDATA[Serie zur Schuldenkrise I von Ingo Schmidt Wenn in den Medien von Schuldenkrise die Rede ist, geht es fast immer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Serie zur Schuldenkrise I</strong></p>
<p>von <em>Ingo Schmidt</em></p>
<p>Wenn in den Medien von Schuldenkrise die Rede ist, geht es fast immer um Staatsschulden. Tatsache ist aber, dass die Schulden privater Haushalte und Unternehmen in den meisten L&#228;ndern mindestens ebenso hoch oder sogar h&#246;her sind als die &#246;ffentlichen Schulden.<br />
<span id="more-3912"></span>In dieser Ausgabe der SoZ beginnen wir eine Artikelserie, in der erkl&#228;rt wird, worin das Problem mit den Schulden besteht und weshalb der Kreditboom vergangener Jahre und Jahrzehnte zu einer internationalen Kreditkrise gef&#252;hrt hat. Weiterhin wird gezeigt, dass die Schulden dieser Welt niemals zur&#252;ckgezahlt werden k&#246;nnen, dass Versuche in dieser Richtung zu einer Vertiefung der allgemeinen Wirtschaftskrise f&#252;hren werden und eine Vergesellschaftung des Finanzsektors ein notwendiger, wenngleich unzureichender Schritt zur &#220;berwindung der Kredit- und Wirtschaftskrise ist.</p>
<p><strong>Staatsschulden sind ein Problem…</strong></p>
<p>Am Anfang war die Immobilienkrise. Damals, 2006/07, konnte eine zunehmende Zahl amerikanischer Haushalte am unteren Ende der Einkommenspyramide ihre Hypothekenschulden nicht mehr bedienen. Im Sommer 2008 waren die Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac zahlungsunf&#228;hig und konnten nur durch &#246;ffentliche Gelder vor der Pleite gerettet werden. Die Immobilienkrise f&#252;hrte sehr schnell zum B&#246;rsenkrach und zu einer allgemeinen Wirtschaftskrise. Um einen Zusammenbruch des Zahlungsverkehrs und Wirtschaftskreislaufs zu verhindern, wurden dem Finanzsektor in gro&#223;em Umfang &#246;ffentliche Gelder zugef&#252;hrt und Konjunkturprogramme aufgelegt.<br />
Finanziert wurden diese staatlichen Rettungsaktionen von privaten Kreditgebern. Seither sind diese von der Angst geplagt, die &#246;ffentliche Kreditnehmer k&#246;nnten in den gleichen Zahlungsschwierigkeiten enden wie private Schuldner vor und auch noch nach Ausbruch der Wirtschaftskrise.<br />
Wenn nach privaten Haushalten und Unternehmen der Staat als Kreditnehmer ausf&#228;llt, wird es eng f&#252;r die Besitzer von Geldverm&#246;gen. Was sollen sie tun, wenn alle, die einen Kredit aufnehmen wollen, ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht werden zur&#252;ckzahlen k&#246;nnen? Und wenn diejenigen, die zahlen k&#246;nnten, keinen Kredit brauchen, weil sie selber auf der Suche nach rentablen und sicheren Geldanlagen sind?<br />
Von solchen Sorgen k&#246;nnen die meisten Menschen freilich nur tr&#228;umen. Sie plagt vielmehr die Angst, die n&#228;chste Sparrunde k&#246;nnte sie den Job, das Arbeitslosengeld oder die Rente kosten. Auch unter ihnen gibt es viele, die in ausufernden Staatsfinanzen die Ursache ihrer Probleme sehen und einen Tritt auf die Schuldenbremse bef&#252;rworten. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Staatsschulden als Folge von Subventionen an den Finanzsektor aufgelaufen sind oder wegen gro&#223;z&#252;giger Unterst&#252;tzung der Sozialversicherungen oder &#246;ffentlicher Dienstleistungen.<br />
Wenn sich bei den oberen Zehntausend nichts holen l&#228;sst, die vom Sparen ohnehin nichts merken, findet sich auf der sozialen Leiter unter mir immer noch jemand, bei dem sich sparen l&#228;sst, ohne mir weh zu tun. Von der Diagnose der Staatsschuldenkrise &#252;ber den Sparzwang f&#252;hrt ein direkter Weg zur Entsolidarisierung unter denen, die wenig oder gar nichts haben. Die Geldgesellschaft frisst ihre Kinder. Wer bei diesem Fressen nicht mitmachen will, tut gut daran, die Schuldenkrise aus einer anderen Perspektive zu betrachten und von dort aus solidarische Ans&#228;tze zu ihrer L&#246;sung zu entwickeln.</p>
<p><strong>…private Schulden aber auch</strong></p>
<p>Die nackten Zahlen wirken dramatisch: 2009 betrug der Anteil der &#246;ffentlichen Schulden am Bruttoinlandsprodukt in Deutschland 73%, in den USA 67%, in Japan 197%, in Gro&#223;britannien dagegen bescheidene 59%. Mit anderen Worten: W&#252;rden die Briten 59% ihres Inlandsprodukts in die Schuldentilgung stecken und ihren privaten Konsum, Investitionen und Staatsausgaben entsprechend zur&#252;ckfahren, w&#228;ren sie innerhalb eines Jahres schuldenfrei. Japan br&#228;uchte zwei Jahre Nulldi&#228;t, um dahin zu kommen. Ein Ding der Unm&#246;glichkeit.<br />
Die Zahlen f&#252;r den privaten Sektor sind nicht weniger dramatisch: Ausgerechnet die als sparsam geltenden Schweizer haben private Haushaltsschulden in H&#246;he von 118% des Bruttoinlandsprodukts aufget&#252;rmt und liegen damit weit vor den Amerikanern (97%). Der britische Finanzsektor bringt es auf 194%, die spanischen Unternehmen au&#223;erhalb des Finanzsektors stehen mit 141% in der Kreide.<br />
Solche Zahlen relativieren die griechischen Staatsschulden ganz erheblich. Diese lagen 2009, vor Ausbruch der Schuldenkrise, bei 127% und sind unter dem Druck der Sparauflagen von EU, EZB und IWF auf 158% im vergangenen Jahr angestiegen.<br />
Ein echter Hammer sind allerdings die Gesamtschulden: also die addierten Schulden der  &#246;ffentlichen und privaten Haushalte, der Unternehmen und des Finanzsektors. Z&#228;hlt man all diese zusammen, liegt Japan mit 471% vor Gro&#223;britannien (466%) an der Spitze, die USA bringen es auf 296%, Deutschland auf 286%. Reichlich viel f&#252;r ein Land, dessen Politiker sich im Ausland als Sparkommissare aufspielen. Die Russen mit ihren 71% k&#246;nnten diese Rolle viel glaubhafter spielen.<br />
So beeindruckend solche Zahlen auch wirken m&#246;gen, so erkl&#228;ren sie doch nicht, wo bei den Schulden das Problem liegt. Weil jeder Schuld ein Verm&#246;gen gegen&#252;bersteht, k&#246;nnte man die angef&#252;hrten Zahlen ebenso gut als Bestandteil des Geldverm&#246;gens im Verh&#228;ltnis zum Bruttoinlandsprodukt ansehen – oder etwa nicht?</p>
<p><strong>Der Schuldenberg ist zu hoch</strong></p>
<p>Zun&#228;chst einmal: Kredite geh&#246;ren ebenso zum kapitalistischen Gesch&#228;ft wie die Beschaffung von Arbeitskr&#228;ften, Rohstoffen und anderen Produktionsmitteln. Diese Dinge m&#252;ssen oft bezahlt werden, bevor eine Ware produziert, geschweige denn verkauft ist. Wenn die eigenen Finanzreserven nicht ausreichen, erfolgt die Finanzierung des Gesch&#228;ftsbetriebs durch Kreditvergabe oder den Verkauf von Unternehmensanteilen.<br />
Sofern der erwartete Umsatz realisiert werden kann und die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, lassen sich solche Kredite auch ohne gr&#246;&#223;ere Probleme bedienen bzw. Dividenden an die K&#228;ufer von Unternehmensanteilen zahlen. Eng wird es allerdings, wenn diese Bedingungen nicht erf&#252;llt sind.<br />
Wenn der Absatz dauerhaft stockt und die Kosten nicht gedr&#252;ckt werden k&#246;nnen, frisst der Schuldendienst die letzten Geldmittel auf. Danach folgt der Gang zum Konkursrichter. Es drohen dann sozialer Abstieg und individuelle Proletarisierung, die in der Geschichte des Kapitalismus so viele Handwerker und Bauern aus der Selbstst&#228;ndigkeit ins Proletariat bef&#246;rdert hat.<br />
Im Zuge der amerikanischen Immobilienkrise erlebten viele Arbeiterhaushalte, die glaubten, sich mit ihren H&#228;uschen den sozialen Aufstieg in die Mittelklasse erkauft zu haben, ihre Reproletarisierung.<br />
Die Streichung von Renten und Arbeitslosenunterst&#252;tzung im Zuge der allgemeinen Wirtschaftskrise erzeugt &#228;hnliche Effekte rund um die Erde. Kredite bzw. Schulden geh&#246;ren also nicht nur zum Gesch&#228;ft, sie tragen auch zur Aufrechterhaltung bzw. – in einer Krise – zur Vertiefung der Klassenspaltung zwischen Proletariern und Kapitalisten bei.<br />
All dies st&#246;rt die Kapitalisten wenig. F&#252;r sie fangen die Probleme erst an, wenn sich herausstellt, dass sie einen Teil ihrer Verm&#246;gen abschreiben m&#252;ssen, weil sie die ausstehenden Zinsen – von der Tilgung ganz zu schweigen – nicht eintreiben k&#246;nnen. Dieser Fall tritt ein, wenn die Geldverm&#246;gen und die damit verbundenen Kreditausleihungen schneller wachsen als das Bruttoinlandsprodukt, aus dem der anstehende Schuldendienst geleistet werden muss. Genau dies war seit den fr&#252;hen 80er Jahren der Fall.<br />
Ideologisch hat der Neoliberalismus seinen Siegeszug im Namen solider Finanzen angetreten, praktisch aber liefen die Schulden dem realen Wirtschaftswachstum davon. 1980 lag die japanische Gesamtverschuldung bei 244%, die amerikanische bei 154%. Das ist nicht wenig, aber doch nichts im Vergleich zu den mittlerweile erreichten 471% bzw. 296%.<br />
Von den 80er Jahren bis heute hat ein Kreditboom stattgefunden, der den Anteil der Schulden an der Wirtschaftsleistung verdoppelt hat. Deren absolute Betr&#228;ge liegen l&#228;ngst jenseits der Zahlungsf&#228;higkeit der jeweiligen Schuldner. Das hat schlie&#223;lich zur Kreditkrise gef&#252;hrt.</p>
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		<title>Euro im H&#228;rtetest oder: Das Ende des Monetarismus</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/11/euro-im-hartetest-oder-das-ende-des-monetarismus/</link>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 08:11:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne Ingo Schmidt]]></category>

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		<description><![CDATA[Von INGO SCHMIDT Noch kommt die vorherrschende Kritik am Euro-Krisenmanagement von rechts – mindestens in den Gl&#228;ubigerl&#228;ndern. Die Occupy-Bewegung bietet [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Von <em>INGO SCHMIDT</em><br />
Noch kommt die vorherrschende Kritik am Euro-Krisenmanagement von rechts – mindestens in den Gl&#228;ubigerl&#228;ndern. Die Occupy-Bewegung bietet die Chance, dass sich das &#228;ndert.<br />
<span id="more-3344"></span>Zwei wirtschaftspolitische Linien prallen in der EU zusammen. Auf der einen Seite stehen die orthodoxen Monetaristen. Staatsschulden und Geldsch&#246;pfung haben ihrer Meinung nach l&#228;ngst ein Niveau erreicht, das zu einer sich immer weiter beschleunigenden Inflation und schlie&#223;lich dem Zusammenbruch von Finanzsystem und Realwirtschaft f&#252;hren wird. Dies k&#246;nne nur durch eine drastische K&#252;rzung der Staatsausgaben, die Abschreibung fauler Kredite und die Begrenzung des Geldangebotes durch die Zentralbank verhindert werden.<br />
Auf der anderen Seite f&#252;rchten die Pragmatiker in den Regierungen der Mitgliedsl&#228;nder, in der Europ&#228;ischen Zentralbank (EZB) und der EU-Kommission, dass gerade ein solcher Sparkurs zum Zusammenbruch f&#252;hren wird. Auch sie gehen davon aus, dass das Finanzsystem an faulen Krediten zu ersticken droht, fordern aber, die f&#228;lligen Abschreibungen durch staatliche Unterst&#252;tzungen auszugleichen. Auch sei eine lockere Geldpolitik so lange zu tolerieren, bis die privaten Banken ihre Bilanzen bereinigt h&#228;tten. Andernfalls drohten Bankenpleiten und ein dauerhaftes Einfrieren der privaten Kreditvergabe. Da der Wirtschaftsmotor ohne finanzielle Schmierung nicht rund laufen k&#246;nne, m&#252;ssten in Zeiten einer privaten Finanzkrise Staatshaushalt und Zentralbank die Geldversorgung aufrechterhalten.</p>
<p>Einig ist man sich lediglich darin, dass Staatsausgaben, die nicht der Unterst&#252;tzung des Finanzsektors dienen, gek&#252;rzt werden m&#252;ssen.<br />
Der Gegensatz zwischen monetaristischer Orthodoxie und pragmatischer Finanztechnokratie war im Finanzmarktkapitalismus, der sich seit den 80er Jahren herausgebildet hat, von Beginn an angelegt, konnte bis zur Gro&#223;en Rezession 2008/09 aber durch eine Art Arbeitsteilung immer wieder &#252;berbr&#252;ckt werden. W&#228;hrend n&#228;mlich h&#246;here L&#246;hne oder Sozialausgaben mit der Warnung vor ihren inflation&#228;ren Wirkungen abgewehrt wurden, wurden &#246;ffentliches Eigentum und die Ersparnisse kleiner Leute von der Finanztechnokratie in Wertpapiere umgewandelt. Solange deren Kurse stiegen, konnten sie in zunehmendem Umfang beliehen und auf diese Weise eine kreditfinanzierte Nachfrage geschaffen werden. Es entstand eine Akkumulation, die durch private Verschuldung und Spekulation getrieben war.</p>
<p>Dem hat die Krise ein Ende gesetzt. Die zu ihrer Eind&#228;mmung eingesetzten Staatsgelder haben die &#246;ffentliche Verschuldung in die H&#246;he getrieben. Sofern daf&#252;r Gelder im Ausland aufgenommen wurden, kommt auch noch eine Schuldenkrise hinzu. Dies ist der Hintergrund vor dem der wirtschaftspolitische Streit in der Eurozone gegenw&#228;rtig ausgetragen wird.</p>
<p><strong>In den eigenen Widerspr&#252;chen gefangen</strong></p>
<p>Die EZB galt lange als Hort des Monetarismus und pr&#228;sentierte ihre strikten Antiinflationskurs gern als Gegenmodell zur amerikanischen Zentralbank, die den Finanzmarktkapitalismus so lange mit billigem Geld versorgt hat. Seit Ausbruch der Gro&#223;en Rezession haben sich allerdings auch in der EZB die Gewichte mehr und mehr in Richtung einer pragmatischen Politik verschoben, der es vor allem um die Aufrechterhaltung der Finanzkreisl&#228;ufe geht.<br />
Daf&#252;r hat der Monetarismus an anderer Stelle an politischem Einfluss gewonnen. In den L&#228;ndern der Eurozone, die &#252;ber Jahre Kapital- und Leistungsbilanz&#252;bersch&#252;sse akkumuliert haben, macht sich das Gef&#252;hl breit, Habenichtse und Faulenzer in anderen Teilen Europas zu alimentieren. Diese Stimmung nutzen rechtspopulistische Parteien aus, um eine harte Gangart, Monetarismus pur, gegen&#252;ber hochverschuldeten L&#228;ndern wie Griechenland, Italien, Portugal und Spanien zu fordern. Sie wollen die Geldversorgung durch die EZB drastisch einschr&#228;nken und Kompetenzen von der EU an die Mitgliedstaaten zur&#252;ckgeben.<br />
Radikalere Varianten des Rechtspopulismus fordern wahlweise, Schuldnerstaaten aus der W&#228;hrungsunion auszuschlie&#223;en oder unter Verwaltung durch die Kredit gebenden L&#228;nder zu stellen.</p>
<p>Der Aufschwung des Rechtspopulismus in Gl&#228;ubigerl&#228;ndern wie Deutschland, den Niederlanden, &#214;sterreich, und Finnland setzt die dortigen Regierungen unter Zugzwang, sich in Richtung Monetarismus zu bewegen. Gleichzeitig m&#252;ssen sie mit der &#220;berschuldung der Banken in diesen L&#228;ndern umgehen und sind daher gegen&#252;ber Forderungen nach Staatsknete zwecks Bankenrettung durchaus aufgeschlossen.<br />
Nach Ausbruch der Schuldenkrise hofften sie noch, diese auf Griechenland, Irland und Portugal – die drei L&#228;nder, die bislang Mittel des Euro-Rettungsschirms in Anspruch genommen haben – durch drastische Sparauflagen begrenzen zu k&#246;nnen. Die Auflagen haben die Wirtschaftsleistung dieser L&#228;nder, insbesondere Griechenlands, jedoch so stark stranguliert, dass deren F&#228;higkeit zur R&#252;ckzahlung der Kredite weiter gedr&#252;ckt und die Bankenkrise in den Gl&#228;ubigerl&#228;ndern dadurch versch&#228;rft wird. Nun steigen die Warnungen vor einem Kollaps des Bankensystems und die Forderungen, ihn durch staatliche Unterst&#252;tzung abzuwenden.</p>
<p><strong>Faule Tricks der Rechtspopulisten</strong></p>
<p>Den gegens&#228;tzlichen Forderungen nach Monetarismus pur und staatlicher Alimentierung des Bankensektors versuchen die Regierungen in den Zentren der EU mit einer Doppeltaktik zu begegnen. Einerseits weiten sie den Euro-Rettungsschirm aus, andererseits drohen sie den L&#228;ndern, die ihn in Anspruch nehmen, den Entzug der politischen Souver&#228;nit&#228;t an. Das hat aber zur Folge, dass zu der &#246;konomischen Spaltung der Eurozone in Gl&#228;ubiger- und Schuldnerstaaten zunehmend auch Spannungen zwischen den Institutionen der EU und ihren Mitgliedsl&#228;ndern treten.<br />
Das demokratische Defizit der EU, insbesondere das Fehlen jeder politischen Kontrolle &#252;ber die EZB, sind schon lange ein &#196;rgernis. Im Zuge der Wirtschaftskrise ist aus dem &#196;rgernis eine Legitimationskrise geworden.<br />
Rechtspopulisten haben darin f&#252;r sich eine politische Chance erkannt. Sie pr&#228;sentieren sich dieser Tage als Retter der m&#252;hsam zusammengesparten Fr&#252;chte harter Arbeit vor Entwertung durch Inflation und vor einer drohenden Enteignung durch die Eurokratie. &#214;konomischer Nationalismus statt Bankenmacht und Euro-Diktatur ist ihre Devise.<br />
Das ist jedoch ein Taschenspielertrick. Faule Kredite verschwinden nicht deshalb, weil Schuldnerstaaten aus der W&#228;hrungsunion geworfen werden. Entweder m&#252;ssen die Besitzer von Geldverm&#246;gen diese Kredite abschreiben oder es m&#252;ssen, wenn der Staat die R&#252;ckzahlung &#252;bernimmt, die Steuern entsprechend erh&#246;ht werden. Aus einem krisengesch&#252;ttelten Land wie Griechenland ist nichts mehr herauszuholen, sei es Mitglied in der Eurozone oder nicht. Der Verteilungskampf um die Kosten der Krise wird zwischen denen ausgetragen, bei denen es noch etwas zu holen gibt, sei es ein bisschen, wie bei vielen Kleinsparern, oder ein bisschen mehr bei den oberen Zehntausend.<br />
Dieser Tatsache k&#246;nnen sich rechtspopulistische Parteien nicht entziehen. Sofern sie, wie in Finnland, an der Regierung beteiligt sind oder, wie in den Niederlanden, eine konservative Minderheitsregierung st&#252;tzen, schwenken auch sie auf den Kurs der Ausweitung staatlicher Garantien f&#252;r den Bankensektor plus Forderung nach Souver&#228;nit&#228;tsbeschr&#228;nkung der Schuldnerstaaten ein.</p>
<p>Es erweist sich dann sehr schnell, dass die vermeintlichen Retter der nationalen Souver&#228;nit&#228;t vor der Euro-Diktatur praktisch die Fortsetzung der imperialistischen Ausbeutung der Schuldnerstaaten unter Zuhilfenahme der EU-Institutionen anstreben. Nationale Souver&#228;nit&#228;t wollen sie nur f&#252;r Gl&#228;ubigerstaaten gelten lassen.<br />
Ihre Anh&#228;nger st&#246;rt das sicher nicht, ganz im Gegenteil. Es &#228;ndert aber nichts an dem &#246;konomischen Problem, dass die Schuldnerstaaten, genauer: die Arbeiterklasse in diesen Staaten, in der Krise an die Grenze ihrer Ausbeutbarkeit getrieben werden und trotzdem die finanziellen Forderungen aus den Gl&#228;ubigerstaaten noch immer nicht erf&#252;llt sind. Daf&#252;r sollen nun deren Arbeiterklasse aufkommen, entsprechende Sparpakete werden in den zust&#228;ndigen Ministerien bereits geschn&#252;rt und, sobald die angek&#252;ndigte n&#228;chste Rezessionswelle rollt, auf den Weg gebracht.<br />
Die rechtspopulistische Vorstellung von Nationen, die in Arbeit und Sparsamkeit vereint sind, wird sich in dann in Luft aufl&#246;sen. Es wird dann deutlich werden, dass auch in den Gl&#228;ubigerl&#228;ndern die Mehrheit arbeiten muss, damit eine Minderheit ihre Profite anh&#228;ufen kann.</p>
<p><strong>Die Stimme der 99%</strong></p>
<p>In den Schuldnerl&#228;ndern setzt sich diese Mehrheit bereits durch Demonstrationen, Streiks und Besetzungen gegen die Profitanspr&#252;che der Minderheit zur Wehr. Dabei erscheinen oft die Gl&#228;ubigerl&#228;nder in G&#228;nze als Gegner. Das ist auch kein Wunder, solange aus diesen L&#228;ndern nur die Forderung nach Schuldenr&#252;ckzahlung und G&#252;rtel enger schnallen zu h&#246;ren ist.<br />
Es wird Zeit, dass auch in diesen L&#228;ndern die Mehrheit ihre Stimme gegen die kapitalistische Ausbeutung erhebt. Dadurch w&#252;rde der gegenw&#228;rtig dominierende Gegensatz zwischen Gl&#228;ubiger- und Schuldnerl&#228;ndern in einen Kampf der ausgebeuteten Mehrheit in allen L&#228;ndern gegen die kapitalistische Minderheit transformiert.<br />
Die Parole der Occupy-Wall-Street-Aktivisten «We are the 99%» untersch&#228;tzt vielleicht die Gr&#246;&#223;e der Minderheit, sie mag auch untersch&#228;tzen, wie viele es unter den 99% gibt, die das eine Prozent unterst&#252;tzen in der Hoffnung, selbst nach oben zu kommen. Aber die Richtung stimmt. Hier ist endlich eine popul&#228;re Bewegung von links, die dem Rechtspopulismus eine Alternative entgegensetzt.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Die &#220;berproduktion ist global</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/10/die-uberproduktion-ist-global/</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 16:26:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne Ingo Schmidt]]></category>
		<category><![CDATA[Absatzmangel]]></category>
		<category><![CDATA[Export]]></category>
		<category><![CDATA[Rezession]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Exportfixierung hat die Krise in Deutschland nur aufgeschoben von Ingo Schmidt Im Fr&#252;hsommer sonnte sich die deutsche Wirtschaft noch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Exportfixierung hat die Krise in Deutschland nur aufgeschoben</strong></p>
<p>von <em>Ingo Schmidt</em><br />
Im Fr&#252;hsommer sonnte sich die deutsche Wirtschaft noch in ihren Export- und Wachstumserfolgen. Jetzt ist allenthalben von Krise die Rede.</p>
<p>Wochenlanger Haushaltsstreit in den USA, eine ausufernde Schuldenkrise in S&#252;deuropa, anhaltendes Gezerre &#252;ber den Euro-Rettungsschirm: Investoren und Konsumenten ist die Kauflaune verdorben, die akute Gefahr einer neuerlichen Rezession damit heraufbeschworen.<br />
<span id="more-3032"></span>Zu allem &#220;berfluss drohen deutschen Banken Schadensersatzklagen wegen Falschinformation von Finanzanlegern. Der IWF mahnt, die Staatsanleihen, die die Banken in ihren B&#252;chern als Guthaben ausweisen, m&#252;ssten zu Marktpreisen bewertet werden. Dadurch verringerte sich aber ihr Eigenkapital und somit der Spielraum f&#252;r die Kreditvergabe. Auch die anhaltenden Debatten &#252;ber Steuern auf Finanztransaktionen und gro&#223;e Geldverm&#246;gen, die sog. Reichensteuern, dr&#252;cken auf die Stimmung der Banker, B&#246;rsianer und Verm&#246;gensbesitzer.</p>
<p>Wenigstens die sogenannte Realwirtschaft, Industrie- und Dienstleistungsunternehmen, schien bis vor kurzem immun gegen die Turbulenzen der Finanzwirtschaft. Mittlerweile macht sich aber auch dort die Sorge breit, dass der Aufschwung, der die Rezession 2008/09 abgel&#246;st hatte, nur ein Zwischenhoch gewesen sein k&#246;nnte. Sinkende Auftragseing&#228;nge signalisieren ein Ende des Aufschwungs, der vor ein paar Monaten noch als Ausweis unternehmerischer Schaffenskraft pr&#228;sentiert wurde.</p>
<p>Mittlerweile sind T&#246;ne aus dem Unternehmerlager zu h&#246;ren, die vor Beginn der Gro&#223;en Krise undenkbar gewesen w&#228;re: Ihr Problem sei nicht mangelnde Wettbewerbsf&#228;higkeit, sondern ein absehbarer Absatzmangel.</p>
<p><strong>Schwachbr&#252;stiges Zwischenhoch</strong></p>
<p>Im Fr&#252;hjahr hatte die Industrie selbst noch zu positiven Absatzzahlen beigetragen. Von gl&#228;nzend laufenden Exporten und, allerdings auslaufenden, Konjunkturprogrammen des Staates geblendet, steckte sie ordentlich Geld in neue Anlagen. Dieser Investitionskonjunktur ging allerdings die Puste schon aus noch bevor Investitionen und Kapazit&#228;tsauslastung ihr Vorkrisenniveau erreicht hatten. Investitionen um der Investition willen halten die Wirtschaft eine Zeitlang am Laufen, fr&#252;her oder sp&#228;ter stellt sich jedoch die Frage, wer die Waren, die mit den neu installierten Anlagen hergestellt werden k&#246;nnen, kaufen soll. Wenn es hierauf keine positive Antwort gibt, gehen auch die Investitionen wieder zur&#252;ck. Genau dies ist gegenw&#228;rtig der Fall.</p>
<p>Der private Konsum ist w&#228;hrend der letzten Rezession zwar nur geringf&#252;gig gesunken, seither aber kaum gestiegen. Hieran wird sich auch in der Zukunft nichts &#228;ndern. Mit der Ausweitung des Niedriglohnsektors erleiden viele Haushalte Einkommensverluste, die sich negativ auf den Konsum auswirken. Aus Angst vor dem Abstieg in die Niedriglohnliga oder vollst&#228;ndigem Verlust des Arbeitsplatzes halten sich auch viele Haushalte in den h&#246;heren Einkommensklassen mit Konsumausgaben zur&#252;ck. Auch vom Staatshaushalt kann die Privatwirtschaft keinen steigenden Absatz erwarten.</p>
<p><strong>Deutscher Kleinmut</strong></p>
<p>Die Rezession 2008/09 wurde noch durch staatliche Ausgabenprogramme gebremst. In Deutschland kam es sogar sehr schnell zu einem Aufschwung. Mit dem konjunkturellen Zwischenhoch waren steigende Steuereinnahmen verbunden, die zum Abbau der Verschuldung aus der Rezession 2008 beitrugen. Deutschland m&#252;sste also &#252;ber ausreichend finanzpolitischen Spielraum verf&#252;gen, um einem weiteren Abschwung durch neue Konjunkturprogramme vorzubeugen. Die Regierungen der s&#252;deurop&#228;ischen L&#228;nder &#228;u&#223;ern denn auch gelegentlich die Erwartung, dass die Deutschen Ma&#223;nahmen zur Stabilisierung der heimischen und weltweiten Nachfrage ergreifen sollten. Da haben sie aber die Rechnung ohne den Sch&#228;uble gemacht.</p>
<p>Dem keynesianischen S&#252;ndenfall, der 2009 so wirkungsvoll zur Kriseneind&#228;mmung beigetragen hat, folgte bei den ersten Anzeichen einer konjunkturellen Erholung die Schuldenbremse. Sie wurde mit Verfassungsrang ausgestattet und hat sich seither als politischer Exportschlager erwiesen. Griechenland, Irland und Portugal wurde sie von IWF, EZB und EU-Kommission als Bedingung f&#252;r den Eurorettungsschirm aufgen&#246;tigt. Frankreich hat sie eingef&#252;hrt, weil Sarkozy sich Merkel und Sch&#228;uble als verl&#228;sslicher Partner in der politischen F&#252;hrungsliga der EU empfehlen wollte. Die Regierungen in Rom und Madrid haben sie in vorauseilendem Gehorsam durchs Parlament gepeitscht, bevor die Schuldenkommissare aus Br&#252;ssel, Frankfurt und Washington Spanien und Italien auf Griechenland-Status herabstufen.</p>
<p><strong>Die Angst des Kleinb&#252;rgers</strong></p>
<p>Doch der Druck zur Haushaltskonsolidierung geht nicht nur von den Regierenden in Berlin und Paris aus, sondern auch von einer zunehmenden Zahl wild gewordener Kleinb&#252;rger, die ihren sozialen Status und ihre Ersparnisse in Staatsanleihen bedroht sehen.</p>
<p>In anderen L&#228;ndern sind diese &#196;ngste bereits politisch organisiert, z.B. in Sarah Palins Tea Party, Le Pens Front National, bei den «Wahren Finnen» und der Gefolgschaft von Geert Wilders. In Deutschland hadert die FDP noch, ob sie einen rechtspopulistischen Ausweg aus ihrer gegenw&#228;rtigen Krise suchen soll.</p>
<p>Die Abstiegs&#228;ngste der Mittelklasse haben einen ganz realen Kern. Die Umwandlung ehedem gesicherter Normalarbeitsverh&#228;ltnisse mit Tarifvertrag und Sozialversicherungsschutz in prek&#228;re Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse hat auch den gehaltbeziehenden Angeh&#246;rigen der Mittelklasse den Blick ins soziale Nichts er&#246;ffnet. Sie sind dort noch nicht angekommen, haben das Nichts aber aus der Ferne gesehen und sind zu jeder R&#252;cksichtslosigkeit bereit, um dort nie anzukommen.</p>
<p>Dazu kommt die Verunsicherung durch die Finanzkrise. W&#228;hrend den Banken Rettungsschirme aufgespannt wurden, von denen die Regierungen in Athen, Dublin und Lissabon nur tr&#228;umen k&#246;nnen, verlieren die Ersparnisse der Mittelklasse und der oberen Schichten der Arbeiterklasse durch sinkende B&#246;rsenkurse an Wert. Dass das Finanzamt unter diesen Bedingungen als zus&#228;tzliche Bedrohung gesehen wird, ist gerade noch verst&#228;ndlich – obwohl Steuererh&#246;hungen f&#252;r h&#246;here Einkommen und gr&#246;&#223;ere Verm&#246;gen die einzig reale Chance zum Abbau der Staatsverschuldung w&#228;ren.</p>
<p>V&#246;llig irreal wird es freilich, wenn aus Angst vor Status- und Ersparnisverlust eine rigide Sparpolitik gefordert wird, die mit Sicherheit krisenversch&#228;rfend wirken wird. Infolge der haushaltspolitischen Vollbremsung, die Papandreou von Merkel &amp; Co. verordnet wurde, ist Griechenland seit 2008 immer tiefer in die Rezession geschliddert. Die mit Regierungsverantwortung ausgestatteten Zauberlehrlinge werden die Spargeister, die sie gerufen haben, nicht mehr los. Einerseits verfolgen sie die Sparpolitik auch aus eigener &#220;berzeugung, andererseits verstehen sie, dass sie den Bogen nicht &#252;berspannen d&#252;rfen, wenn die Wirtschaft nicht v&#246;llig abschmieren und ihrer politischen Kontrolle entgleiten soll. Der Spielraum, im Bedarfsfalle auch mal gegen die eigene &#220;berzeugung Konjunkturprogramme aufzulegen, wird ihnen durch politische Kr&#228;fte vom Schlage Sarah Palins zunehmend beschnitten. Darunter leiden auch die Absatzspielr&#228;ume des privaten Unternehmertums.</p>
<p><strong>Absatz oder schuldenfrei?</strong></p>
<p>Bleibt als einzige Hoffnung der Export. Den haben die Deutschen sowieso am liebsten, weil sie sich angesichts steigender Ausfuhren klassen&#252;bergreifend als flei&#223;ig und sparsam darstellen k&#246;nnen. Besser noch: Die Finanzierung der Ausfuhren bleibt den K&#228;ufern in den Importl&#228;ndern &#252;berlassen. Neben staatlichen Konjunkturprogrammen waren es denn auch die Exporte, die Deutschland so schnell aus der Rezession geholfen haben. Allerdings sind die Finanzierungsprobleme an den Importeuren h&#228;nge geblieben und haben sich dort mittlerweile zu einer  Schuldenkrise ausgewachsen.</p>
<p>Die soll nun, sofern es sich um Mitglieder der Eurozone handelt, durch den Export der Schuldenbremse &#252;berwunden werden. Der Export von Waren in die Eurozone wird hierunter nat&#252;rlich leiden. In den USA, deren Leistungsbilanzdefizit seit der Rezession 2008/09 bereits wieder erheblich gestiegen ist, w&#228;chst der Druck, der heimischen Wirtschaft Luft zu verschaffen. Ohne dies offen auszusprechen, versucht die amerikanische Geldpolitik, bislang ohne Erfolg, den Kurs des Dollars zu dr&#252;cken und Importe in die USA dadurch zu verteuern. Zudem sitzt der US-Regierung die Tea Party im Nacken. Deutsche Exporteure sollten nicht darauf setzen, dass amerikanische Konjunkturprogramme die Weltkonjunktur befeuern w&#252;rden.</p>
<p>Als allerletzte Hoffnung bleibt China. Durch den Export von Investitionsg&#252;tern und Luxuskarossen f&#252;r statusbewusste Neureiche haben deutsche Unternehmen am Chinaboom in den letzten Jahren nicht nur kr&#228;ftig mitverdient, sondern diesen durch den Aufbau neuer Produktionsst&#228;tten auch kr&#228;ftig vorangetrieben. Dadurch sind Chinas neue Kapitalisten vor ein Problem gestellt worden, das ihren alten Klassengeschwistern im Westen nur allzu gel&#228;ufig ist: die Frage n&#228;mlich, wie die sch&#246;nen neuen Anlagen auszulasten sind. Zugegeben, mit einem Wachstum von knapp 10% ist China von einer Rezession weit entfernt. Daraus folgt aber nicht, dass es zum Motor der Weltwirtschaft wird. Obwohl die chinesische Regierung w&#228;hrend der Weltwirtschaftskrise vor drei Jahren selbst riesige Konjunkturprogramme aufgelegt hat, ist der Anteil der Exporte an der gesamten in China erbrachten Wirtschaftsleistung seither noch gestiegen.</p>
<p>So plagen sich Wirtschaftslenker und Regierungschefs von Peking &#252;ber die Hauptst&#228;dte Europas bis nach Washington mit dem Problem, dass die inl&#228;ndische Nachfrage nicht ausreicht, um die Wirtschaft am Laufen zu halten – man lenkt seine Absatzhoffnungen auf das Ausland, das aber in der gleichen Klemme steckt. Die &#220;berproduktion ist global. Einige L&#228;nder sind seit 2009 nicht aus der Rezession herausgekommen, andere haben vor sich hin stagniert und einige haben, im Wesentlichen zulasten anderer L&#228;nder, ein konjunkturelles Zwischenhoch erlebt. Auch diesen steht nun eine weitere Krise bevor.</p>
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		<title>Bezahlt wird nicht</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jul 2011 09:37:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne Ingo Schmidt]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Politik der Verschuldung und das Vorbild der Schuldenkrise in den L&#228;ndern des S&#252;dens von Ingo Schmidt Bezahlt wird nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Politik der Verschuldung und das Vorbild der Schuldenkrise in den L&#228;ndern des S&#252;dens</strong><br />
<em>von Ingo Schmidt</em></p>
<p>Bezahlt wird nicht war der Titel eines Theaterst&#252;cks, in welchem Dario Fo die gesellschaftliche Stimmung im Italien der fr&#252;hen 70er Jahre einfing: Hausfrauen, die im Supermarkt nicht bezahlen.</p>
<p><span id="more-2580"></span>Arbeiter, die das Streiken gewohnt sind und, nach anf&#228;nglichem Z&#246;gern, auch dem Stehlen von Lebensmitteln angesichts drohender Entlassungen und damit verbundener Mittellosigkeit etwas abgewinnen k&#246;nnen. Und schlie&#223;lich Polizisten, die f&#252;r den Schutz des Privateigentums bezahlt werden, am Sinn ihrer T&#228;tigkeit aber zu zweifeln beginnen, weil es ja nicht ihr Eigentum ist, das sie sch&#252;tzen sollen.</p>
<p>In Deutschland war Fo au&#223;erhalb linker Kreise kaum bekannt. Dass in Italien gern gestreikt, ungern gearbeitet und &#252;berdies Geld ausgegeben wird, das man nicht besitzt, geh&#246;rte allerdings zum klassen&#252;bergreifend geteilten Allgemeinwissen. In Deutschland gelang es indes, den Appell an Sekund&#228;rtugenden in W&#228;hlerstimmen umm&#252;nzen: Harte Arbeit, strikte Haushaltsdisziplin und Kampf gegen die Inflation wurden von der SPD im Bundestagswahlkampf 1976 zum «Modell Deutschland» verdichtet und f&#252;hrten sie, im Verein mit der FDP, zu einem Sieg &#252;ber die CDU.</p>
<p>Niedrige Inflationsraten und solide Staatsfinanzen erwiesen sich auch auf dem Weltmarkt als Konkurrenzvorteil. Im selben Jahr, in dem die Modell-Deutschland-SPD wiedergew&#228;hlt wurde, mussten die Genossen der britischen Labour Party den Internationalen W&#228;hrungsfonds (IWF) zur Eind&#228;mmung ihrer ausufernden Zahlungsbilanzkrise ins Land holen. Die Sparma&#223;nahmen, die die IWF-Labour-Koalition dem Land zur Wiederherstellung seiner internationalen Wettbewerbsf&#228;higkeit verordnete, zerst&#246;rte das historische B&#252;ndnis zwischen Labour Party und Gewerkschaften. Es folgte ein monatelanger Streik im Winter 1978/79, in dem es der Bourgeoisie und den Medien gelang, die Gewerkschaften als selbsts&#252;chtige Verfolgerin von Sonderinteressen zu pr&#228;sentieren.</p>
<p>Im neoliberalen Fr&#252;hling 1979 wurde Margaret Thatcher zur Ministerpr&#228;sidentin gew&#228;hlt. Danach versuchte sich nur noch eine Regierungskoalition von KP und SP in Frankreich an einer «Viel Geld f&#252;r wenig Arbeit»-Politik, wurde durch Kapitalflucht und einen entschlossenen Investitionsstreik der franz&#246;sischen Bourgeoisie aber schnell vor die Wahl gestellt, kapitalistische Eigentumsformen zu ignorieren oder auf den neoliberalen Kurs einzuschwenken. Die SP entschieden sich f&#252;r das kapitalistische Eigentum und gegen ihren Koalitionspartner.</p>
<p><strong>&#214;lschock und Inflation</strong></p>
<p>Solch dramatische Kurswechsel blieben den Deutschen erspart. Die neoliberale Geldpolitik der USA jedoch brachte das Modell Deutschland vor&#252;bergehend aus dem Tritt: Mit hohen Zinsen wollte der amerikanische Zentralbankchef Paul Volcker die Inflation in die Knie zwingen und die US-Wirtschaft damit auf den von Deutschland wenige Jahre vorher eingeschlagenen Antiinflationskurs bringen. Das gelang auch, der Preis daf&#252;r war allerdings eine Weltwirtschaftskrise, die die FDP in die Arme der Union und Helmut Schmidt in den Sturz f&#252;hrte.</p>
<p>Weitaus gr&#246;&#223;eren Schaden erlitten freilich die L&#228;nder der Dritten Welt. In der Zeit zwischen dem ersten &#214;lschock 1973 und Volckers Zinsschock 1979–1981 sammelten amerikanische Banken die Petrodollars aus den &#246;lexportierenden L&#228;ndern und boten sie Drittweltl&#228;ndern, die kein &#214;l exportieren, als Kredit an.</p>
<p>Die hohen Inflationsraten dieser Jahre dr&#252;ckten die Realzinsen – Nominalzins minus Inflationsrate – auf ein extrem niedriges, mitunter sogar negatives Niveau. Unter diesen Bedingungen war die Tilgung der aufgenommenen Kredite kein Problem.Das &#228;nderte sich als die US-Banken, die eben noch gro&#223;z&#252;gig Kredite an die armen L&#228;nder verteilt hatten, den Wert der bei ihnen hinterlegten Geldverm&#246;gen durch die Inflation bedroht sahen und die Geldpolitik zu einem harten Antiinflationskurs dr&#228;ngten. Die Schuldenfalle schnappte zu: Explodierende Zinsen verteuerten die R&#252;ckzahlung der zu variablen Zinss&#228;tzen aufgenommen Kredite.</p>
<p>Die pl&#246;tzliche Verteuerung kreditfinanzierter Investitionen und Konsumausgaben f&#252;hrte dar&#252;ber hinaus zu einer Rezession, in deren Folge die Exporterl&#246;se der Drittweltl&#228;nder in den Keller gingen. 1982 stellte die mexikanische Regierung ihren Schuldendienst ein: Bezahlt wird nicht.</p>
<p>Soweit sind die Regierungen anderer L&#228;nder nicht gegangen, die Folgen waren aber in allen von der Schuldenkrise betroffenen L&#228;ndern &#228;hnlich. Vom Zufluss privaten Auslandskapitals abgeschnitten, stockten die Importe von Fertigwaren und insbesondere von Vorprodukten, die im Inland nicht hergestellt wurden. Die inl&#228;ndische Produktion ging in den Keller, Einkommen und Nachfrage folgten. Ein Land nach dem anderen suchte beim IWF um Kredite nach und bekam sie unter der Bedingung, k&#252;nftig selbst eine strikte Antiinflationspolitik zu betreiben, den Staatshaushalt auszugleichen und &#246;ffentliches Eigentum zu privatisieren, gern auch an ausl&#228;ndische Interessenten.</p>
<p>Der Imperialismus hatte seine Macht behauptet. Die von der Dekolonialisierung inspirierten Versuche der Dritten Welt, nach der politischen auch die &#246;konomische Unabh&#228;ngigkeit zu erlangen, waren gescheitert, die Macht des westlichen Kapitals daf&#252;r konsolidiert.<br />
<strong>Die Schuldenkrise im S&#252;den</strong></p>
<p>Die Schuldenkrise in der Dritten Welt der 80er Jahre weist viele Parallelen zur aktuellen Krise der Euro-Peripherie auf. In beiden F&#228;llen f&#252;hrte der Zustrom ausl&#228;ndischen Kapitals zu einem Anstieg der Auslandsverschuldung, die zum Problem wurde, als eine Weltwirtschaftskrise die f&#252;r den Schuldendienst vorgesehenen Exporterl&#246;se dramatisch schrumpfen lie&#223;. Vergleichbar auch die Forderung der Gl&#228;ubiger, ausstehende Schulden dann eben nicht durch Export-, sondern durch Privatisierungserl&#246;se zu begleichen.</p>
<p>Es gibt aber auch Unterschiede: Der Kapitalzufluss vor Ausbruch der Krise speiste sich im Falle der Euro-Krise nicht aus Petrodollars, sondern aus den Exporterl&#246;sen Deutschlands und seiner Verb&#252;ndeten in den Beneluxl&#228;ndern und Skandinavien. Die Krise wurde nicht durch hohe Zinsen ausgel&#246;st, sondern durch einen B&#246;rsenkrach. Nach Volckers Zinsschock, der die Dritte Welt effektiver in die Arme des Imperialismus zur&#252;cktrieb als ungez&#228;hlte, vom CIA unterst&#252;tzte Milit&#228;rputsche, ist die Geldpolitik zu einer Politik niedriger Zinsen zur&#252;ckgekehrt. Dadurch wurden steigende B&#246;rsenkurse, mit Wertpapieren abgesicherte Kredite und eine hierdurch finanzierte Investitions- und Konsumg&#252;ternachfrage m&#246;glich, ohne die die Weltwirtschaft nach dem Volcker-Schock in der Depression versackt w&#228;re. Das Gesch&#228;ft der Inflationsbek&#228;mpfung konnte der industriellen Reservearmee &#252;berlassen werden, die nach dem Volcker-Schock wieder zu einer Dauererscheinung in den kapitalistischen Zentren geworden war.</p>
<p>Gegenw&#228;rtig sind jedoch selbst die seit den 70er Jahren nicht mehr gesehenen Nullzinsen nicht niedrig genug, um die Weltwirtschaft in Schwung zu bringen. Mit Ach und Krach halten ein nahezu unbegrenztes Angebot an Zentralbankgeld und die Verstaatlichung privater Schulden – sofern diese in den Zentren gemacht wurden – die Weltwirtschaft am Laufen. Vor&#252;bergehend aufgelegte Staatsausgabenprogramme wurden wieder zur&#252;ckgefahren und durch die Hoffnung ersetzt, das chinesische Wirtschaftswunder werde auch in den imperialistischen Zentren die Wirtschaft wieder richtig in Schwung bringen.</p>
<p>Eine &#228;hnlich stimulierende Wirkung hatte sich die US-Regierung in den sp&#228;ten 70er Jahren vom Modell Deutschland erhofft und in diesem Sinne an die Bundesregierung appelliert, die deutschen Leistungsbilanz&#252;bersch&#252;sse zur&#252;ckzufahren. Bevor entsprechende Ma&#223;nahmen, auf die sich Schmidt widerwillig einlie&#223;, greifen konnten, &#228;nderte allerdings der zweite &#214;lschock die politischen Priorit&#228;ten. Nun ging es darum, die Verhandlungsmacht der US-Gewerkschaften durch eine geldpolitisch ausgel&#246;ste Krise zu brechen, damit steigende Preise nicht weiterhin mit der Durchsetzung steigender L&#246;hne beantwortet wurden. Die Krisenlasten sollten von der US-amerikanischen Arbeiterklasse getragen werden.</p>
<p>In &#228;hnlicher Weise soll heute die Arbeiterklasse in allen Staaten, die in einer Schuldenkrise stecken, die Rechnung f&#252;r die im B&#246;rsenstrudel untergegangenen Profithoffnungen bezahlen – von Griechenland und den anderen L&#228;ndern der Euro-Peripherie bis ins amerikanische Herzland Wisconsin und den Golden State Kalifornien.</p>
<p><strong>Bezahlt wird nicht?</strong></p>
<p>Dario Fos Vorschlag wird zur Notwendigkeit, wenn eine Herabstufung der Arbeiterklasse im Zentrum auf Peripherieniveau vermieden werden soll. Aber Vorsicht: Wer nicht bezahlt und das kapitalistische Eigentum damit herausfordert, muss auch bereit sein, die Wirtschaft in die eigenen Hand zu nehmen. Andernfalls wird die kapitalistische Kandare noch mehr angezogen, als wenn die Sparauflagen von EU, IWF und Regierungen befolgt worden w&#228;ren. Diese Erfahrung mussten die V&#246;lker der Dritten Welt in den 80er Jahren machen.</p>
<p>Die Arbeiterklasse in den Zentren darf auch nicht darauf hoffen, die Krisenlasten an die Peripherie weiterzugeben. Die Revolte in Nordafrika, kaum einen Steinwurf von der griechischen K&#252;ste entfernt, zeigt deutlich, dass die Geduld der Arbeiterklasse zumindest in Teilen der Dritten Welt ersch&#246;pft ist. Von Opfern des Imperialismus sind sie zu Vorbildern der Lohnabh&#228;ngigen in den Zentren geworden.</p>
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		<title>Krisentheorie und sozialistische Politik VI.</title>
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		<pubDate>Fri, 27 May 2011 13:59:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne Ingo Schmidt]]></category>

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		<description><![CDATA[von Ingo Schmidt Im Voraussagen und Erkl&#228;ren von kapitalistischen Krisen lassen sich Marxisten von niemandem etwas vormachen. Dass sie mit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Ingo Schmidt</em></p>
<p>Im Voraussagen und Erkl&#228;ren von kapitalistischen Krisen lassen sich Marxisten von niemandem etwas vormachen. Dass sie mit ihren Vorhersagen nicht viel besser liegen als b&#252;rgerliche Krisenleugner und stets ein ganzes B&#252;ndel von Krisenursachen ins Feld f&#252;hren, macht die Debatte erst so richtig interessant.</p>
<p><span id="more-2382"></span>Dar&#252;ber kann der politische Gebrauchswert auch schon mal in Vergessenheit geraten. Dabei entwickeln Marxisten ihre Theorie in praktischer Absicht. Sie wollen die Handlungsspielr&#228;ume sozialistischer Politik im Verh&#228;ltnis zur Wirtschaftslage ausloten. Mit diesem Thema wollen wir unsere Serie zur Krisentheorie beenden.</p>
<p>Von der Weltwirtschaftskrise im Winter 2008/09 schlossen viele, nicht nur marxistische, &#214;konomen auf ein Ende des Neoliberalismus. Auf der Linken wurden die M&#246;glichkeiten eines sozial-&#246;kologischen Keyensianismus bzw. die Notwendigkeit eines Sozialismus des 21.Jahrhunderts diskutiert.</p>
<p>Zwei Jahre sp&#228;ter wirken diese Debatten schon wieder antiquiert. Es sieht so aus, als sei nicht die Linke, sondern der Neoliberalismus gest&#228;rkt aus der Krise hervorgegangen. Als habe es gar keine Wirtschaftskrise gegeben, werden bereits wieder Staatsschulden, Steuern und lockere Geldpolitik zur Ursache von Wachstumsschw&#228;che, Arbeitslosigkeit und Inflation erkl&#228;rt. Von der Hoffnung, die Krise w&#252;rde das wei&#223;e Rauschen neoliberaler Politik abstellen und politische Alternativen denk- und vielleicht sogar umsetzbar machen, ist fast nichts geblieben.<br />
Zwei Jahre krisentheoretischer Debatte waren praktisch belanglose Begleitmusik einer vor&#252;bergehenden St&#246;rung im neoliberalen Getriebe – k&#246;nnte man meinen.<br />
M&#246;glich aber auch, dass die Krise das Getriebe st&#228;rker ersch&#252;ttert hat als die &#252;ber Jahrzehnte eingeschliffenen Denkmuster. In Zeiten beschleunigter Ver&#228;nderung hinkt das Bewusstsein meistens hinterher. Am alten Denken festhaltend, tappen wir blind in die Zukunft. In solchen Momenten wird die zuk&#252;nftige Entwicklung oft genug von jenen bestimmt, die die ver&#228;nderten &#246;konomischen und sozialen Bedingungen als erste theoretisch begreifen und ihr neues Denken als Kristallisationskern politischer Mobilisierung zu nutzen verstehen. Marxisten haben lange Zeit den Anspruch erhoben, Meister solch eines eingreifenden Denkens zu sein. Tats&#228;chlich sind sie der Wirklichkeit oftmals ebenso hinterher gehechelt wie ihre politischen Gegenspieler.</p>
<p><strong>Fehlprognosen…</strong></p>
<p>Ein paar Beispiele von beiden Seiten des Klassengegensatzes:  1929 hielten die politisch tonangebenden Kreise, von Tiefe und Dauer der einsetzenden Weltwirtschaftskrise unbeeindruckt, in den Metropolen des Kapitalismus am Ziel ausgeglichener Staatshaushalte und goldgedeckter W&#228;hrungen fest. Selbst ein Mann des Establishments wie John M. Keynes galt in den 30er Jahren als suspekt.</p>
<p>In Nazideutschland hatten seine staatsinterventionistischen Ideen bessere Umsetzungschancen, weil deren regierende Verbrecherbande in keiner intellektuellen Tradition gefangen war. Erst auf dem Umweg &#252;ber den Krieg gegen die Nazis und der damit verbundenen staatlich gelenkten R&#252;stungswirtschaft ersetzte der Keynesianismus den Liberalismus als Leitfaden kapitalistischer Wirtschaftspolitik in Westeuropa und Nordamerika. Dabei erstarrte er schnell zu einer neuen Orthodoxie, zu der es vermeintlich keine Alternative gab.</p>
<p>Auch wenn sich dies heute kaum jemand vorstellen kann: Von den 50er bis weit in die 70er Jahre hinein galten Ideen, die heute unter dem Sammelbegriff Neoliberalismus zusammengefasst werden, als historisch widerlegt. In den technokratisch durchrationalisierten Konsumgesellschaften jener Zeit wirkten Milton Friedman und seine an der Universit&#228;t Chicago betriebene Kaderpolitik als skurrile &#220;berbleibsel einer untergegangen Welt.</p>
<p>Inflation und Wirtschaftskrise in der ersten H&#228;lfte der 70er Jahre suchten die meisten Regierungen des Westens noch mit keynesianischen Mitteln zu beheben. Erst als sich herausstellte, dass die Arbeiterklasse in jenen L&#228;nder sich mit guten Erfolgsaussichten gegen die von ihnen verlangten Anpassungslasten zu wehrsetzten, gewannen Friedmans Ideen praktische Bedeutung. Die Hochzinspolitik am Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre f&#252;hrte zu einem explosionsartigen Anstieg der Arbeitslosigkeit und zerst&#246;rte die im Nachkriegsaufschwung eingespielten Muster gewerkschaftlicher Mobilisierung und Vertretung. Der Monetarismus brach den keynesianisch orientierten Gewerkschaften das Genick.</p>
<p>Hier haben wir ein Beispiel, in dem die herrschenden Klassen einiger Jahre bedurften, um ihre Interessen unter Krisenbedingungen wahrzunehmen, nach dieser Lernperiode aber sehr gezielt vom Stellungs- zum Bewegungskrieg &#252;bergingen. Friedmans Monetarismus und eine Reihe verwandter Theorien halfen bei der strategischen Erkundung neuer Zonen des Klassenkampfes und lieferten zugleich die notwendige Propaganda.</p>
<p><strong>…rechts wie links</strong></p>
<p>Die Linke hatte &#228;hnliche Schwierigkeiten. Von der Gro&#223;en Depression der 20er und 30er Jahre waren die Sozialdemokraten ebenso &#252;berrascht wie die Liberalen und Konservativen jener Zeit, allerdings aus anderen Gr&#252;nden: Letztere glaubten noch an die uneingeschr&#228;nkte Herrschaft des Kapitals, in ihrer Sprache: des freien Spiels von Angebot und Nachfrage als Garant wirtschaftlichen Wachstums, w&#228;hrend sich die Sozialdemokraten bereits im Planstaat der Nachkriegszeit w&#228;hnten.</p>
<p>Die Krisenwirklichkeit der 30er Jahre widerlegte ihren Stabilit&#228;t und Wachstum voraussagenden Hilferding-Marxismus und entzog der sozialdemokratischen, auf Klassenkollaboration und Sozialreform zielenden Strategie die &#246;konomische Grundlage. Nachdem R&#252;stungswirtschaft und Krieg die Depression &#252;berwunden hatten, lasen sie bei Keynes nach, was in den 1930er Jahren eigentlich passiert war, und was sie damals nicht verstanden hatten.</p>
<p>Auf der H&#246;he der Zeit waren vor und w&#228;hrend der Gro&#223;en Depression nur die Kommunisten einschlie&#223;lich ihrer links- und rechtsoppositionellen Str&#246;mungen. Gemeinsam sahen sie den Kapitalismus in einer allgemeinen Krise gefangen, zogen daraus allerdings unterschiedliche Schlussfolgerungen. F&#252;r linientreue Kommunisten war die Alternative Stalin oder Hitler. Die kommunistische Dissidenz erkannte dagegen die barbarischen Gemeinsamkeiten beider Regime und suchte verzweifelt nach einer sozialistischen Alternative jenseits von Berlin und Moskau.</p>
<p>So unterschiedlich diese politischen Optionen waren, hielten sie doch alle an der These einer allgemeinen, sprich: un&#252;berwindlichen, Krise des Kapitalismus fest. Mit dieser Haltung gerieten sie ins politische Abseits, als sich herausstellte, dass die Depression nicht nur vor&#252;bergehend durch die Kriegswirtschaft &#252;berwunden, sondern durch eine historisch beispiellose Wachstumsphase abgel&#246;st wurde.</p>
<p>In den 50er Jahren bildete sich ein Wachstumskonsens heraus, der von der Neuen Linken &#252;ber die Sozialdemokratie bis ins B&#252;rgertum geteilt wurde; erst die Umweltbewegung der 70er Jahre, die teilweise an Ideen der Neuen Linken ankn&#252;pfen konnte, forderte ihn heraus. Warnungen, der Akkumulation w&#252;rden, v&#246;llig unabh&#228;ngig von ihrer W&#252;nschbarkeit, die Rohstoffe ausgehen, verhallten allerdings auch auf der Linken weitgehend ungeh&#246;rt.<br />
Unzeitgem&#228;&#223;e Theorien</p>
<p>Als Mitte der 70er Jahre eine Krise ausbrach, auch ohne dass die Rohstoffvorr&#228;te ersch&#246;pft waren, waren alle &#252;berrascht, selbst die kleine Schar notorischer Krisenpropheten, die sich schon daran gew&#246;hnt hatten, dass ihnen niemand zuh&#246;rt. Auf einmal waren sie auf der H&#246;he der Zeit und wurden um politischen Rat gefragt. Da sie in den langen Jahren der Prosperit&#228;t weitgehend isoliert waren, hatten sie &#252;ber die strategischen Konsequenzen einer neuerlichen Krise kaum nachgedacht und suchten, als sie pl&#246;tzlich danach gefragt wurden, Antworten in der Vergangenheit. Eifrig wurde bei den Klassikern des Marxismus nachgeschlagen, was diese &#252;ber Krisentheorie und sozialistische Strategie zu sagen hatten.</p>
<p>Einer zeitgem&#228;&#223;en Interpretation dieser Ideen stand allerdings die Angst gegen&#252;ber, sich des Revisionismus verd&#228;chtig zu machen. Deswegen produzierte die marxistische Linke in den 70er Jahren vornehmlich Strategien, deren Bezug auf die Fabrik und manuelle Industriearbeiter angesichts von neuen Rationalisierungsmustern und der Verlagerung von Produktionsanlagen rasch gegenstandslos wurden. Zwar gab es auch Bem&#252;hungen, die Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse theoretisch in den Griff zu bekommen. Diese interessierten sich aber wenig f&#252;r die Krisentendenzen der Kapitalakkumulation oder sahen im Neoliberalismus eine zwar ungeliebte aber stabile Entwicklungsform des Kapitalismus.</p>
<p>Auf die Wiederauferstehung einer in geschlossener Formation in den Klassenkampf ziehenden Arbeiterklasse hofft heute fast niemand mehr. M&#252;hevoller, aber ungleich interessanter ist der Versuch, Neuzusammensetzung der Arbeiterklasse und Krisentheorie zu verbinden. Drei Jahrzehnte neoliberaler Akkumulation haben Denkformen und Erwartungen etabliert, die von der aktuellen Krise in Frage gestellt werden, f&#252;r die es aber noch keine nachvollziehbaren und mobilisierungsf&#228;higen Alternativen gibt.</p>
<p>Solche Alternativen auszuarbeiten ist ebenso wichtig wie ein realit&#228;tst&#252;chtiges Verst&#228;ndnis der &#246;konomischen Bedingungen, unter denen sie umgesetzt werden sollen.</p>
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		<title>Stagnation oder Lange Wellen der Konjunktur?</title>
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		<pubDate>Wed, 20 Apr 2011 16:08:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne Ingo Schmidt]]></category>

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		<description><![CDATA[Serie zu Krisentheorie und -politik (V.) von Ingo Schmidt Krisen geh&#246;ren zum Kapitalismus – darin sind sich Marxisten einig. &#220;ber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Serie zu Krisentheorie und -politik (V.)</strong><br />
<em>von Ingo Schmidt</em></p>
<p>Krisen geh&#246;ren zum Kapitalismus – darin sind sich Marxisten einig. &#220;ber den Daumen alle acht bis zehn Jahre unterbrechen sie die kapitalistische Akkumulation. Die Existenz dieses Krisenzyklus ist empirisch gut belegt, allerdings steht sie im Widerspruch zur Vorstellung, Krisen w&#252;rden die Illusion von Freiheit und Gleichheit der Marktteilnehmer zerst&#246;ren.</p>
<p><span id="more-2283"></span>Von den Weltwirtschaftskrisen 1857 und 1873 erhoffte sich Marx eine Wiederbelebung des revolution&#228;ren Geistes, der die 48er Revolution&#228;re befl&#252;gelt hatte. Zudem setzte er darauf, dass die Ausbreitung des Kapitalismus und die damit einhergehende Proletarisierung breiter Volksmassen der Revolution massenhaft neue K&#228;mpfer zuf&#252;hren w&#252;rde. Vergeblich: Die 57er Krise unterbrach den langfristigen Aufschwung, den die Industrialisierung Westeuropas und Nordamerikas n&#228;hrte, nur kurz und ohne die politischen Systeme auch nur anzukratzen.</p>
<p>Die 73er Krise leitete zwar eine Phase schw&#228;cheren Wachstums ein, Zeitgenossen sprachen sogar von einer Depression, der davon erhoffte Aufschwung der Arbeiterk&#228;mpfe blieb aber auch diesmal aus. Um aus k&#252;nftigen Krisen mehr politisches Kapital schlagen zu k&#246;nnen, wurde 1889 die II.Internationale gegr&#252;ndet; der Zusammenhang von Krisen und Klassenkampf wurde neu diskutiert. Dabei verschob sich das Interesse von den zyklischen Krisen auf l&#228;ngerfristige Entwicklungen.</p>
<p>Hilferding (1910) und Lenin (1917) wiesen auf die Herausbildung von Kartellen und Konzernen hin und behaupteten, die Macht des zunehmend konzentrierten Kapitals werde nicht von der unsichtbaren Hand des Marktes kontrolliert. Hilferding argumentierte, die Kommandoh&#246;hen des Monopolkapitalismus k&#246;nnten von Kapitalisten und demokratisch gew&#228;hlten Volksvertretern gemeinsam eingenommen werden, w&#228;hrend Lenin ihre Erst&#252;rmung durch die Avantgarde des Proletariats empfahl.</p>
<p>Beide hoben strukturelle Ver&#228;nderungen – den &#220;bergang vom Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Monopolkapitalismus – hervor und zogen daraus strategische Schlussfolgerungen. Die Akkumulationsbewegung spielte nur insofern eine Rolle, als Lenin davon ausging, die Investitionen w&#252;rden umso st&#228;rker zur&#252;ckgehen, je weniger die Konkurrenz das Monopolkapital zu unternehmerischer Aktivit&#228;t anstachele. Die Herausbildung der Monopolbetriebe f&#252;hre zu Stagnation, der Wettbewerb zwischen den Unternehmen eines Landes verlagere sich auf die imperialistische Konkurrenz zwischen vom Monopolkapital kontrollierten Staaten.</p>
<p>Einen Zusammenhang zwischen Stagnation und Imperialismus stellte auch Rosa Luxemburg (1913) her, st&#252;tzte ihre Analyse aber nicht auf strukturelle &#196;nderungen der Angebotsseite, sondern auf den Mangel an zahlungsf&#228;higer Nachfrage. Der Massenkaufkraft sind durch den Widerstand der Unternehmen gegen Lohnsteigerungen Grenzen gesetzt. In Industrialisierungsphasen wird die Akkumulation von der Nachfrage nach Investitionsg&#252;tern getragen. Nach dem Aufbau eines industriellen Kapitalstocks stellt sich jedoch das Problem der &#220;berkapazit&#228;t. Ein allgemeiner Nachfragemangel kann dann nur noch vermieden werden, wenn neue M&#228;rkte erschlossen werden. Diese wurden zu Luxemburgs Zeiten vor allem au&#223;erhalb der gerade in Europa und Nordamerika entstandenen industriellen Zentren gesucht. Imperialistische Konkurrenz war die unausweichliche Folge der kolonialen Expansion.</p>
<p>Zwei Weltkriege und die Depression der 30er Jahre best&#228;tigten die Schlussfolgerungen, die Lenin und Luxemburg aus ihren jeweiligen Analysen gezogen hatten. Ob Kriege und Krise aber durch die nachlassende Investitionst&#228;tigkeit des Monopolkapitals, durch fehlende gesamtwirtschaftliche Nachfrage oder eine Kombination aus beiden, oder durch g&#228;nzlich andere Faktoren verursacht wurden, ist immer noch umstritten. Die Frage nach den Ursachen vergangener Krisen wird jedes Mal gestellt, wenn die Gegenwart von besonders heftigen &#246;konomischen und politischen Krisen gepr&#228;gt ist.</p>
<p>So war es auch nach dem Ersten Weltkrieg, in der Krise 1920/21, als Trotzki und der sowjetische &#214;konom Kondratieff die Frage nach den Zukunftsperspektiven des Kapitalismus vor dem Hintergrund seiner bisherigen Entwicklung diskutierten.</p>
<p>Die Betrachtung langer Datenreihen f&#252;hrte Kondratieff zu der Annahme, der Kapitalismus habe seit den 1840er Jahren zwei lange Wellen durchlaufen und die zweite dieser Wellen sei gerade in ihre Abschwungsphase &#252;bergegangen, so dass f&#252;r die n&#228;here Zukunft weitere Wirtschaftskrisen zu erwarten seien. Mitte der 20er Jahre entwickelte er ein theoretisches Modell zur Erkl&#228;rung dieser Wellen. Demzufolge erforderten Basisinvestitionen in neue Technologien und Infrastruktur gro&#223;e Kapitalbetr&#228;ge, die &#252;ber einen l&#228;ngeren Zeitraum zusammengespart werden m&#252;ssten und schlie&#223;lich zu einem anhaltenden Investitionsboom f&#252;hren w&#252;rden. Dessen Auslaufen sei allerdings mit einer Zunahme von Klassenk&#228;mpfen und internationaler Konkurrenz bis hin zu Kriegen verbunden.</p>
<p>Obwohl dieses Modell sich auf Marx’sche Argumente berufen konnte, widersprach Trotzki heftig. Kondratieff sagte zwar f&#252;r die unmittelbare Zukunft weitere Krisen und Klassenk&#228;mpfe voraus, hielt nach einer l&#228;ngeren Krisenphase aber auch eine neue Prosperit&#228;t f&#252;r m&#246;glich.</p>
<p>Dies behagte dem Revolution&#228;r Trotzki, der 1938 die Gr&#252;ndung der IV.Internationale mit dem Hinweis auf den unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch des Kapitalismus begr&#252;ndete, schon in den 20er Jahren nicht. Sein Argument: Die kapitalistische Akkumulation gehe mit zyklischen Krisen einher, durchlaufe aber auch l&#228;ngere Entwicklungsphasen, die &#252;ber den acht- bis zehnj&#228;hrigen Zyklus hinausgingen und von externen Faktoren, z.B. Kriegen und Revolutionen, bestimmt seien. Dieses Argument sollte die M&#246;glichkeit der Aktualit&#228;t der Revolution nach dem Abflauen der revolution&#228;ren Welle Anfang der 20er Jahre offenhalten. Trotzkis Argumentation lie&#223; viel mehr Raum f&#252;r politische Intervention als Kondratieffs in sich geschlossenes Akkumulationsmodell.</p>
<p>Mit dem Zweiten Weltkrieg setzte eine historisch beispiellose Prosperit&#228;tsphase ein, die Trotzkis Zusammenbruchserwartung widersprach, aber auch mit Kondratieffs Schema der langen Wellen nicht recht zusammenpasste. In diesem Schema waren Kriege als Folge des &#220;bergangs von der langen Aufschwungs- zur Abschwungsphase vorgesehen.</p>
<p>Dies traf f&#252;r den Ersten Weltkrieg zu, nicht aber f&#252;r den Zweiten, der im Nachhinein deutlich erkennen l&#228;sst, dass er dem Fordismus-Boom der 50er und 60er Jahre zum Durchbruch verholfen hat. Je l&#228;nger der Boom anhielt, umso mehr erschienen marxistische Krisentheorien als Fu&#223;noten einer gl&#252;cklich &#252;berstandenen Geschichte von Kriegen und Krisen. Ende der 60er Jahre, als der Prosperit&#228;tsmotor schon nicht mehr richtig rund lief, sahen die meisten Marxisten das Problem eher in inflation&#228;ren Verteilungsk&#228;mpfen und damit verbundenen Legitimationsproblemen des Kapitalismus als in einer R&#252;ckkehr von Krise oder gar Depressionen.</p>
<p>Eine Ausnahme stellte Mandels Werk <em>Der Sp&#228;tkapitalismus</em> (1972) dar, in dem er eine Synthese aus Trotzkis Betonung von Politik und Klassenkampf und Kondratieffs &#246;konomischem Modell der langen Wellen vorstellte. Diese Synthese baute er im Laufe der folgenden Jahre, deren wiederkehrende Krisen sich gut in sein Schema eines langen Abschwungs einf&#252;gten, zu einem eigenen Buch aus (<em>Die langen Wellen im Kapitalismus. Eine marxistische Erkl&#228;rung</em>, 1983; im englischen Original 1980).</p>
<p>Bei dessen Erscheinen waren die herrschenden Klassen bereits dazu &#252;bergegangen, die Rolle des Klassenkampfs – nun allerdings von oben – f&#252;r den Akkumulationsprozess praktisch unter Beweis zu stellen. Theoretisch begleitet wurde die Kapitaloffensive von einer Schumpeter-Renaissance.</p>
<p>Schumpeter (1939) hatte Ende der 30er Jahre seine eigene Synthese aus Kondratieff und Trotzki vorgestellt – allerdings ohne auf letzteren explizit Bezug zu nehmen. Anhaltende Aufschwungsphasen w&#252;rden Schumpeter zufolge durch Avantgarden innovativer Unternehmer ausgel&#246;st, die in seiner Theorie eine &#228;hnliche Rolle spielen wie die proletarischen Avantgarden in Trotzkis Revolutionstheorie.</p>
<p>Die schumpeterianische Unternehmensrevolution lief sich in den 80er Jahren freilich ebenso tot wie die proletarische Revolution in den 20er Jahren. Zwar gelang es dem Unternehmertum, Gewerkschaften und Sozialdemokratie zur&#252;ckzudr&#228;ngen. Der kapitalistische Produktionsprozess wurde vollst&#228;ndig umgekrempelt und es konnten auch eine Reihe neuer M&#228;rkte erschlossen werden. Von einer langen Prosperit&#228;tsphase konnte aber – au&#223;er an der B&#246;rse – keine Rede sein. Die Akkumulation entwickelte sich auch nach den Krisen der 70er Jahre eher schleppend und endete 2008 in einer Weltwirtschaftskrise, die h&#228;ufig als Gro&#223;e Rezession bezeichnet wird.</p>
<p>Vielleicht war sie aber auch der Beginn einer neuen Depression, sprich einer anhaltenden Phase schwachen Wachstums und h&#228;ufiger Rezessionen? Um diese Frage zu beantworten, m&#252;sste der marxistische Theoriefaden wieder aufgenommen werden, den sich die Linke in den 80er Jahren von den b&#252;rgerlichen Schumpeter-Freunden hat abnehmen lassen.</p>
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		<title>Vom Hunger nach einem anderen Leben</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 13:07:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne Ingo Schmidt]]></category>

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		<title>Export, Euro-Krise und zur&#252;ck</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/02/export-euro-krise-und-zurueck/</link>
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		<pubDate>Wed, 02 Feb 2011 16:13:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne Ingo Schmidt]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Krisenbew&#228;ltigung à la Merkel sch&#252;rt politische Konflikte von Ingo Schmidt Deutschland steht auf der Schuldenbremse, und in anderen L&#228;ndern, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- pre.western { font-family: "Garuda"; }pre.cjk { font-family: "DejaVu Sans",monospace; }p { margin-bottom: 0.21cm; } --><strong>Die Krisenbew&#228;ltigung à la Merkel sch&#252;rt politische Konflikte</strong><br />
<em>von Ingo Schmidt</em><br />
Deutschland steht auf der Schuldenbremse, und in anderen L&#228;ndern, vorzugsweise im S&#252;den und Westen Europas, leben sie immer noch in Saus und Braus. Auf Kosten des deutschen Staatss&#228;ckels. Das ist ungerecht.</p>
<p><span id="more-1935"></span>Staatsausgaben, Renten, Arbeitslosenunterst&#252;tzung und K&#252;ndigungsschutz, versichern Merkel &amp; Co. dem heimischen Publikum, sind bei Griechen, Iren &amp; Co. entschieden zu hoch und m&#252;ssen endlich auf ein marktgenehmes Niveau herabgedr&#252;ckt werden. Leider sprechen sie mit gespaltener Zunge. Bei den Zusammenk&#252;nften mit ihren europ&#228;ischen Regierungskollegen lassen sie sich doch wieder &#252;ber den Tisch ziehen und spannen den EU-Rettungsschirm noch weiter auf. Das ist gemein.</p>
<p>Was den beleidigten Steuerzahlern entgeht, ist erstens die Tatsache, dass sie nicht alle im gleichen Boot sitzen, und zweitens keineswegs den M&#252;&#223;iggang in anderen L&#228;ndern finanzieren. Der EU-Rettungsschirm sch&#252;tzt n&#228;mlich keine kuscheligen Sozialsysteme, sondern den Reichtum der oberen Zehntausend in Deutschland und anderswo. Was von den Hilfsprojekten, die gegenw&#228;rtig in Griechenland und Irland verfolgt werden, dort bleibt, sind die Sparauflagen. Die Hilfsgelder flie&#223;en als Zins in die Taschen derer, die sich das internationale Anlagegesch&#228;ft trotz Finanz- und Wirtschaftskrise leisten k&#246;nnen und ihr Portfolio sorgf&#228;ltig zwischen riskanten Aktiengesch&#228;ften und sicheren Staatsanleihen aufteilen.</p>
<p>Die Risikopr&#228;mien, die f&#252;r Anleihen der Euro-Peripherie im Vergleich mit deutschen Bundessch&#228;tzchen zu zahlen sind, zahlen in der Tat die Steuerzahler – n&#228;mlich die der «Empf&#228;ngerl&#228;nder» in der Gestalt ihres Staates. Als Einkommen flie&#223;en sie dann, nach Umwegen &#252;ber griechische oder irische und deutsche oder franz&#246;sische Finanz&#228;mter, in die Taschen besser betuchter Einkommensschichten der «Geberl&#228;nder».</p>
<p><strong>Die Export&#252;bersch&#252;sse und die deutsche Einheit</strong></p>
<p>Die aktuellen Streitigkeiten &#252;ber EU-Rettungsschirm, Steuerausbeutung und Zukunft der Europ&#228;ischen W&#228;hrungsunion &#228;hneln frappierend dem Stirnrunzeln, das die Einf&#252;hrung von D-Mark und L&#228;nderfinanzausgleich in der ehemaligen DDR bzw. den damals neuen L&#228;ndern seinerzeit bei Teilen der herrschenden Klasse West ausgel&#246;st hat. In beiden F&#228;llen galten oder gelten fiskalische Transfers als Subventionierung arbeitsscheuer Elemente. Dabei kaschiert der Appell an das Gerechtigkeitsgef&#252;hl hart arbeitender Menschen den Anspruch von Kapitalbesitzern, ihre arbeitslosen Einkommen steuerlich zu entlasten und daf&#252;r &#246;ffentliche Dienste und Sozialleistungen einzuschr&#228;nken. Die geforderte Umverteilung von unten nach oben, eine Frage des Klassenkampfs, wird als regionales Problem dargestellt.</p>
<p>Damals forderte die Anspruchshaltung der Ossis die Stabilit&#228;t der D-Mark heraus, heute bedrohen irische und griechische Faulheit den Euro mit Inflation und Abwertung. Damals wurde der Maastricht-Vertrag zur Europ&#228;ischen W&#228;hrungsunion unterzeichnet, dessen fiskalpolitische Richtlinien die unheilige Allianz von Sozialstaatsklientel und Stimmen kaufenden Politikern in die Schranken weisen sollten. Die Rechnung ist aufgegangen, nicht ganz wie im neoliberalen Lehrbuch vorgesehen, aber sehr zum Vorteil der Hauptb&#252;cher westdeutscher Konzerne.</p>
<p>Maastricht hat Finanztransfers keineswegs, wie es neoliberalen Prinzipien entsprochen h&#228;tte, komplett unterbunden. Damit h&#228;tte man nicht nur den Empf&#228;ngern dieser Transfers im Osten weh getan sondern, was schwerer wiegt, auch dem Umsatz westdeutscher Konzerne. Deren Kundenstamm war infolge der deutschen Einheit pr&#228;chtig angewachsen, aber zu erheblichen Teilen sehr schnell von Transfereinkommen abh&#228;ngig. Die angedrohte und im Einzelnen auch immer mal wieder vollzogene K&#252;rzung der &#220;berweisungen aus dem Westen hielt Lohnniveau und Arbeitsbedingungen unter Druck.</p>
<p>Zusammen mit der Arbeitslosigkeit, die infolge der deutsch-deutschen W&#228;hrungsunion und der Abwicklung durch die sog. Treuhand von nominal Null auf doppeltes Westniveau gestiegen war, konnte in den neuen L&#228;ndern ein gegen&#252;ber den alten L&#228;ndern deutlich niedrigeres Tarifniveau durchgesetzt werden. Durch Verlagerung einzelner Werke in den Osten bzw. durch die best&#228;ndige Westmigration ostdeutscher Arbeitskr&#228;fte wurde eine Lohnzur&#252;ckhaltung auf gesamtdeutscher Ebene durchgesetzt, die von keinem anderen Land der Eurozone bzw. der EU insgesamt erreicht wurde.</p>
<p>Die deutsche Einheit hat somit entscheidend zu den Export&#252;bersch&#252;ssen beigetragen, die die Euro-Peripherie, die sich ausl&#228;ndischer Konkurrenz nicht mal mehr vor&#252;bergehend durch Abwertungen entziehen konnte, in dauerhafte Leistungsbilanzdefizite und eskalierende Au&#223;enverschuldung getrieben hat.</p>
<p>Die staatliche Garantie bzw. die komplette &#220;bernahme dieser Schulden durch die Regierungen der Peripheriestaaten hat einen Teil der Schuldenkrise in eine Fiskalkrise verwandelt – und damit Deutschland und seinen verb&#252;ndeten &#220;berschussl&#228;ndern Niederlande, &#214;sterreich und D&#228;nemark die lang ersehnte Gelegenheit geboten, das Prinzip Finanzhilfe gegen Sozialabbau in gro&#223;em Stil durchzusetzen. Merkel und Sch&#228;uble,  die Tonangeber in diesem Exportclub, streben nun die Euro-Version ihrer deutschen Einheitspolitik an.</p>
<p><strong>Von Euroland zum Weltmarkt</strong></p>
<p>Begrenzte Finanzhilfen, die allerdings im Vergleich zu den innerdeutschen Zahlungen sehr viel niedriger ausfallen und zudem als Kredite und nicht als Transfers geleistet werden, verhindern einen Zusammenbruch der Finanzstr&#246;me innerhalb der Eurozone und tragen damit auch zur Absatzsicherung der gro&#223;en Konzerne bei. Diese nutzen ihre Niederlassungen in der Peripherie, um Druck auf L&#246;hne und Arbeitsbedingungen in ihren Stammwerken durchzusetzen. Wenn alles l&#228;uft wie geplant, erobert die Eurozone unter partieller Einbeziehung der osteurop&#228;ischen EU-Mitglieder den Weltmarkt, so wie Deutschland den europ&#228;ischen Markt seit den 90er Jahren erobert hat.</p>
<p>Ob es so l&#228;uft, ist allerdings alles andere als sicher. Die deutschen Exporterfolge in den 90er und 2000er Jahren lebten in erheblichem Ma&#223;e von dem weltwirtschaftlichen Nachfragewachstum, das die kapitalistische Durchdringung der vormals «sozialistischen» L&#228;nder und Spekulationsblasen des Finanzkapitalismus knapp zwei Jahrzehnte lang geschaffen haben. Auch wenn es den Grunds&#228;tzen einer sorgf&#228;ltigen Buchhaltung widerspricht und auf Dauer nicht funktioniert: F&#252;r eine Weile hat jeder Dollar Spekulationskapital, den Wall Street &amp; Co. in die Weltfinanzm&#228;rkte geblasen haben, auch ein paar Cent echter Nachfrage abgeworfen.</p>
<p>Bis zur gro&#223;en Krise 2008/09, die ma&#223;geblich zur aktuellen Eurokrise beigetragen und die Konkurrenzbedingungen auf dem Weltmarkt tiefgreifend ver&#228;ndert hat. Die USA pumpen zwar weiterhin Liquidit&#228;t in die Weltwirtschaft; auf dem H&#246;hepunkt der Irland-Krise hat die US-Zentralbank auch zugunsten des Euro interveniert, um einen neuerlichen B&#246;rsencrash zu verhindern. Ansonsten strebt die Politik von US-Zentralbank und Finanzministerium aber lediglich eine Stabilisierung der US-&#214;konomie an. Bernanke und Geithner sehen sich nicht in gleicher Weise als Maschinisten der Konjunkturlokomotive USA wie ihre Amtsvorg&#228;nger seit den Tagen Paul Volckers und Donald Regans (des ersten Finanzministers unter Ronald Reagan).</p>
<p><strong>Es knirscht im Geb&#228;lk</strong></p>
<p>Die US-Regierung hat Merkel im vergangenen Jahr mehrfach scharf f&#252;r ihre aggressive Exportstrategie angegriffen. Zudem hat China die deutsche und japanische Exportstrategie seit Beginn der 90er Jahre &#252;bernommen und sich als f&#252;hrende Exportnation etabliert. Seine F&#252;hrung nutzt die dabei aufgeh&#228;uften Kapital&#252;bersch&#252;sse geschickt, um sich durch gro&#223;z&#252;gige Kreditvergabe wirtschaftlichen und politischen Einfluss in anderen L&#228;ndern zu verschaffen, so auch im Verlauf der Eurokrise.</p>
<p>Damit bietet China zwar einerseits eine Alternative zu der «Kredit-gegen-Auflagen-Politik» der Achse Washington–Berlin. Andererseits kann es der Weltmarktkonkurrenz, die es durch seine einseitige F&#246;rderung des Investitionswachstums selber noch anfeuert, nicht entgehen und wird mit der gerade anlaufenden Exportoffensive aus dem Euroraum in Konflikt geraten.</p>
<p>Dann geht es nicht nur mit Griechenland, Irland und anderen Schlendrianstaaten, sondern mit der gesamten Weltwirtschaft bergab. Von Merkel bis Sarrazin werden sie &#252;ber die Gelddruckmaschine USA, von der die deutsche und andere Bourgeoisien Jahrzehnte lang profitiert haben, und den unlauteren Wettbewerb der Chinesen schimpfen, die jene Politik anwenden, die Merkel und Sch&#228;uble gegenw&#228;rtig der Euro-Peripherie aufzwingen. Die Wirtschaft wird vom Umsatz so verlassen sein, wie die Politik von allen guten Geistern.</p>
<p>Um diesem Irrsinn ein Ende zu bereiten, kann man sich eigentlich nur w&#252;nschen, dass das Gespenst des Kommunismus wieder umgehen m&#246;ge. Bis die Werkt&#228;tigen aller L&#228;nder sich zu gemeinsamer Klassenaktion vereinigen, ist allerdings noch ein gutes St&#252;ck politischer Arbeit zu leisten. Im Augenblick klappt es ja nicht mal unter den Werkt&#228;tigen, die innerhalb der Eurozone bereits w&#228;hrungsvereinigt sind.</p>
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		<title>G20-Gipfel in Seoul</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/12/g20-gipfel-in-seoul/</link>
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		<pubDate>Wed, 08 Dec 2010 10:48:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne Ingo Schmidt]]></category>

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		<description><![CDATA[W&#228;hrungskrieg vertagt von Ingo Schmidt Zwei Jahr nach dem Krisengipfel in Washington, auf dem sich die Regierenden in seltener Einigkeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>W&#228;hrungskrieg vertagt</strong><br />
<em>von Ingo Schmidt</em></p>
<p>Zwei Jahr nach dem Krisengipfel in Washington, auf dem sich die Regierenden in seltener Einigkeit darauf verst&#228;ndigt hatten, &#246;ffentliche Gelder zu Kriseneind&#228;mmung einzusetzen, herrschte auf dem diesj&#228;hrigen G20-Gipfel bereits wieder neoliberale Normalit&#228;t.</p>
<p><span id="more-1749"></span>Die Staats- und Regierungschefs der 20 wirtschaftlich wichtigsten L&#228;nder waren sich in Seoul einig, dass Wechselkurse durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden sollen und daf&#252;r ein verl&#228;sslicher institutioneller Rahmen geschaffen muss. Ansonsten herrschte Uneinigkeit.</p>
<p>Westliche Regierungen fragen sich, ob sie die neuen Wirtschaftsm&#228;chte China, Indien und Brasilien als l&#228;stige Konkurrenten bek&#228;mpfen oder als Absatz versprechende M&#228;rkte willkommen hei&#223;en sollen. Die Empork&#246;mmlinge beklagen mangelnde Repr&#228;sentanz in internationalen Gremien und den Protektionismus des reichen Nordens. Die USA beschweren sich, dass der Rest der Welt sich an der amerikanischen Kaufkraft bereichert; der Rest der Welt – sofern durch die G20 repr&#228;sentiert – beschwert sich, dass amerikanische Billigdollars weltweit zu Inflation und Spekulationsblasen f&#252;hren.</p>
<p>Teure Rohstoffe sind f&#252;r alte und neue Industriel&#228;nder ein &#196;rgernis, aber keine politische Gefahr mehr. Die antiimperialistischen oder gar sozialrevolution&#228;ren Ambitionen, mit denen einige Rohstoffexporteure der Dritten Welt in den 70er Jahren lieb&#228;ugelten, konnten mit einer Mischung aus Weltmarktintegration, Aufstandsbek&#228;mpfung und milit&#228;rischer Intervention zerstreut, umgelenkt oder unterdr&#252;ckt werden. Eher sorgen sich alte und neue Industriem&#228;chte – wie zu Zeiten des klassischen Imperialismus – um ihren Anteil an den kleiner werdenden Rohstoffvorr&#228;ten dieser Welt. Das gegenseitige Belauern auf den Rohstoffm&#228;rkten kann sich bis zu offen ausgetragener imperialistischer Konkurrenz steigern, muss aber nicht.</p>
<p><strong>Dollars und Gewehre</strong></p>
<p>Auf einem anderen Gebiet – den Devisenm&#228;rkten – wurde im Vorfeld des Gipfels in Seoul zwar schon von W&#228;hrungskrieg gesprochen. Dennoch haben sich die Kontrahenten letzten Endes dazu entschlossen, die Bewertung von Dollar, Renminbi &amp; Co. vorerst den M&#228;rkten zu &#252;berlassen, statt sie den Milit&#228;rs zu &#252;bertragen. Dass einer der Akteure am Devisenmarkt – die amerikanische Zentralbank –  zum gleichen Staat geh&#246;rt wie die US Army, ist allen bekannt und wird als institutioneller Rahmen der Gesch&#228;fte ber&#252;cksichtigt. In der Sprache der Devisenh&#228;ndler: Die milit&#228;rischen Kapazit&#228;ten der USA sind im Dollar-Kurs «eingepreist».</p>
<p>Doch auch mit der US Army auf der Rechnung bleiben den M&#228;rkten und der Wirtschaftsdiplomatie noch gen&#252;gend Konflikte, wie das Auf und Ab des Dollar und die verbalen Gefechte im Vorfeld des G20-Treffens zeigten.</p>
<p>Seit dem Ausbruch der US-Immobilienkrise 2007 ist der Preis f&#252;r den Dollar von 120 auf gut 80 Yen gefallen; die amerikanisch-japanische Diplomatie fand hinter verschlossenen T&#252;ren statt. Der Euro ist von 1,30 Dollar auf 1,50 gestiegen, danach wieder gesunken und gestiegen und pendelt gegenw&#228;rtig bei 1,35. Die transatlantische Achterbahnfahrt wurde wiederholt und wechselseitig von Vorw&#252;rfen des unverantwortlichen Verhaltens begleitet.</p>
<p>Hingegen war die Aufwertung des Yuan von 7,7 Yuan je Dollar im Jahr 2007 auf gegenw&#228;rtig 6,6 Yuan je Dollar von &#252;blen diplomatischen Ausf&#228;llen begleitet. Bislang konnte die chinesische Regierung eine koh&#228;rente Strategie verfolgen. 1994 setzte sie den Wechselkurs von 5,8 auf 8,7 Yuan je Dollar herauf. Durch diese Abwertung wurden chinesische Exporte auf dem Weltmarkt deutlich billiger, zugleich verschaffte sich die Regierung in Peking Spielraum, um den Aufwertungsforderungen aus anderen L&#228;ndern wenigstens teilweise nachzukommen.</p>
<p><strong>Ungleiche Interessen</strong></p>
<p>Weitere Schritte in diese Richtung werden allerdings zu Interessengegens&#228;tzen f&#252;hren. Die Exportindustrien, gleich ob sie sich in chinesischem oder ausl&#228;ndischem Besitz befinden, f&#252;rchten ohnehin um ihre Wettbewerbsf&#228;higkeit, weil chinesische Arbeiter mit zunehmendem Selbstbewusstsein f&#252;r eine Aufwertung ihrer Arbeitskraft k&#228;mpfen. Da k&#246;nnen sie nicht auch noch W&#228;hrungsaufwertungen gebrauchen.</p>
<p>Dabei sind chinesische Exporteure nat&#252;rlich an einem billigen Yuan interessiert, ausl&#228;ndische hingegen an einem teuren. Zudem verlieren Devisenreserven und von der neuen chinesischen Bourgeoisie gehaltene Dollarverm&#246;gen mit steigendem Renminbi an Wert. Andererseits sind mit den chinesischen Wachstumserfolgen auch Renminbi-Verm&#246;gen entstanden, deren Besitzer wiederum an einer Aufwertung Gefallen finden w&#252;rden.</p>
<p>(West-)Deutschland liefert ein Beispiel daf&#252;r, wie sich die Interessen von Exportindustrie und Geldverm&#246;gen auseinanderentwickeln k&#246;nnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erm&#246;glichte die Unterbewertung der D-Mark eine exportorientierte Integration der deutschen Wirtschaft in den Weltmarkt, die seit dem Ende der 60er Jahre zu Leistungsbilanz&#252;bersch&#252;ssen und zu Forderungen nach einer Aufwertung der D-Mark f&#252;hrten. &#196;hnlich der chinesischen Exportindustrie heute sahen die Industriellen in Deutschland in den 70er Jahren ihre Profite zwischen einer Aufwertung der W&#228;hrung und offensiv vorgetragenen Lohnforderungen eingeklemmt. Zugleich sa&#223;en sie auf Exporterl&#246;sen, die, sobald sie in D-Mark eingetauscht waren, durch steigende Notierungen am Devisenmarkt an Wert gewinnen konnten.</p>
<p>Der Konflikt zwischen dem Interesse an einer billigen W&#228;hrung, die den Export f&#246;rdert, und einer teuren W&#228;hrung, in der Verm&#246;gen sicher und rentierlich angelegt werden k&#246;nnen, ist auf der Ebene der Geldpolitik nie gel&#246;st worden. Mit der Umbenennung der D-Mark in Euro gingen zwar gro&#223;spurige Ank&#252;ndigungen einher, die Eurozone werde den USA auf den Weltfinanzm&#228;rkten demn&#228;chst Paroli bieten. Au&#223;er Sprech- und Spekulationsblasen ist aber nicht viel dabei herausgekommen.</p>
<p>Die deutsche Industrie ist immer noch vom Export abh&#228;ngig und deutsche Geldverm&#246;gensbesitzer haben es gelernt, ihr Portfolio so zu diversifizieren, dass nicht jede Wechselkursschwankung zur Katastrophe f&#252;hrt. Gegen einen geringen Obolus bieten Finanzdienstleister sogar Versicherungen gegen Kursrisiken an.</p>
<p><strong>Die Stabilit&#228;t des Dollar</strong></p>
<p>Geldverm&#246;gen lassen sich allerdings nur solange vor wechselkursbedingten Wertverlusten sch&#252;tzen, wie das W&#228;hrungssystem insgesamt einen festen Anker bzw. eine Leitw&#228;hrung besitzt. Dies war und ist der US-Dollar. Regierungs- und Zentralbankchefs von Peking bis Berlin f&#252;rchten gegenw&#228;rtig, dass die von der US-Notenbank in Umlauf gebrachten Dollarstr&#246;me den Dollar aus seiner Verankerung rei&#223;en und in ein Meer von Inflation und Spekulationsblasen sp&#252;len k&#246;nnte.</p>
<p>Auf einmal sind es die privaten Verm&#246;gensbesitzer, die hilflos dastehen. In ihrer Not kaufen sie Gold, &#214;l und andere Rohstoffe und &#252;bersehen sogar, dass die Schuldverschreibungen, die ihnen das US-Finanzministerium verkauft, in jenem Dollar ausgestellt sind, dessen Wertverlust sie so f&#252;rchten.</p>
<p>Nebenbei f&#252;hren diese Verm&#246;gensumschichtungen in vermeintlich sichere Anlageformen Spekulationsblasen auf Rohstoff- und Anleihem&#228;rkten herbei. Ohne sich dessen bewusst zu sein, spielen sie der US-Zentralbank, die sie doch so scharf kritisieren, in die H&#228;nde. Deren Strategie besteht n&#228;mlich darin, durch neue Spekulationsblasen wenigstens soviel Kauflaune unter privaten Haushalten und Unternehmen zu schaffen, dass der R&#252;ckfall in eine Rezession verhindert werden kann.</p>
<p>Das Spiel ist nicht neu: Spekulationsblasen waren Bestandteil aller Konjunkturzyklen, seit der Kapitalismus in seine neoliberale Phase eingetreten ist. Ganz gewiefte Finanzstrategen und Wirtschaftspolitiker denken allerdings schon &#252;ber die gegenw&#228;rtige Spekulationskonjunktur und die Krise, die sie beenden wird, hinaus und suchen nach Spekulationsobjekten f&#252;rs n&#228;chste Spiel.</p>
<p>Die Frage ist, ob dem Kapitalismus irgendwann die Spekulationsobjekte ausgehen, mit deren Erwerb Verm&#246;gensbesitzer die Illusion kaufen, ihr Verm&#246;gen sei wertstabil und rentabel angelegt – oder ob die verm&#246;genslosen Klassen dieser Welt diesem Spiel vorher ein Ende bereiten.</p>
<p><em>E.Helleiner/J.Kirshner, The Future of the Dollar, Ithaca/London 2009.<br />
Machtverschiebungen im Weltsystem, Prokla 161, Dezember 2010.</em></p>
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		<title>Serie zur Krisentheorie: III.Unterkonsumtion</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Nov 2010 16:58:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kolumne Ingo Schmidt]]></category>

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		<description><![CDATA[Von der Konsumankurbelung zum B&#246;rsenkrach und zur &#246;kologischen Krise von Ingo Schmidt In der SoZ vom September 2010 haben wir [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- pre { font-family: "Garuda"; }p { margin-bottom: 0.21cm; } --><strong>Von der Konsumankurbelung zum B&#246;rsenkrach und zur &#246;kologischen Krise</strong><br />
<em>von Ingo Schmidt</em></p>
<p>In der SoZ vom September 2010 haben wir eine Serie zur Krisentheorie und Krisenpolitik begonnen. Alle Beitr&#228;ge der Serie gehen jeweils einem Strang der marxistischen Theorie nach und klopfen ihn auf seine historische und aktuelle Relevanz ab.</p>
<p><span id="more-1613"></span>Bislang haben wir Theorien vorgestellt, die von hohen Lohn- bzw. Kapitalkosten auf sinkende Profitraten und schlie&#223;lich r&#252;ckl&#228;ufige Investitionen und allgemeine Wirtschaftskrise schlie&#223;en. Mit der Unterkonsumtionstheorie wenden wir uns jenen Theorien zu, die sich weniger um die Produktion von Mehrwert bzw. Profit drehen als um das Problem, die produzierte Ware am Markt abzusetzen.</p>
<p>In der II.Internationale galt es als ausgemacht, dass die kapitalistisch entwickelten Produktionskapazit&#228;ten die Absatzm&#246;glichkeiten &#252;bersteigen und deshalb zu Absatzkrisen f&#252;hren. Solche Auffassungen wurden durch die t&#228;gliche Anschauung best&#228;tigt – von den fr&#252;hen 1870er bis in die fr&#252;hen 1890er Jahren machte der Kapitalismus seine erste Gro&#223;e Depression durch – und vom SPD-Vorsitzenden Bebel mit «der gro&#223;e Kladderadatsch» &#252;bersetzt.</p>
<p>Wer es theoretisch anspruchsvoller haben wollte, bediente sich bei Marx. Dieser hatte in Band III des Kapitals davon gesprochen, dass die «Konsumtionskraft auf Basis antagonistischer Distributionsverh&#228;ltnisse … die Konsumtion der Massen auf ein nur innerhalb mehr oder minder enger Grenzen ver&#228;nderliches Minimum reduziert.»</p>
<p>W&#228;hrend Parteitheoretiker sich &#252;ber die Interpretation solcher kryptischen Formulierungen den Kopf zerbrachen und Aktivisten auf den Kladderadatsch warteten, erholte sich die Akkumulation ab Mitte der 1890er Jahre zusehends. Diese neue Erfahrung f&#252;hrte zu verschiedenen Theorien eines krisenfreien Kapitalismus, wie sie insbesondere von den Revisionisten in der SPD und den legalen Marxisten in Russland vertreten wurden. Erst aus der Kritik ihrer Theorien entwickelte sich eine einigerma&#223;en konsistente marxistische Unterkonsumtionstheorie. Entscheidende Argumentationsschritte kamen von Rosa Luxemburg.</p>
<p><strong>Fehlende Massenkaufkraft</strong></p>
<p>Die Revisionisten um Eduard Bernstein bauten auf die Kooperation von Industriellen und Gewerkschaften. Sie sollten sich auf steigende L&#246;hne verst&#228;ndigen, damit die inl&#228;ndische Kaufkraft f&#246;rdern und den Staat von seiner imperialistischen Politik &#228;u&#223;erer Expansion abbringen. Sozialstaat gegen internationales Finanzkapital war ihre Strategie.</p>
<p>Mit Gewerkschaften, Massenkaufkraft und Sozialstaat hatten Russlands legale Marxisten weniger am Hut. Dass die Konsumtion der Massen auf ein wenig ver&#228;nderliches Minimum reduziert sei, war ihnen eine selbstverst&#228;ndliche Voraussetzung der Industrialisierung in Russland. Absatzprobleme waren f&#252;r sie unvorstellbar, weil die staatlich gef&#246;rderte und durch den Zustrom ausl&#228;ndischen Kapitals zus&#228;tzlich angetriebene Industrialisierung mit einer hohen Nachfrage nach Investitionsg&#252;tern einherging. Solange sich die Kapitalisten ihre Waren in Form von Produktionsmitteln gegenseitig abkauften, war ihr Absatz von Massenkaufkraft und Konsum unabh&#228;ngig.</p>
<p>Deutschen und anderen Revisionisten in Westeuropa hielt Luxemburg (1913) entgegen, dass dem Kapital im beharrlichen Tageskampf Zugest&#228;ndnisse abgerungen werden k&#246;nnten, eine Festlegung auf dauerhafte Kooperation und Ausweitung der Massenkaufkraft aber auf ebenso heftigen Widerstand sto&#223;en w&#252;rde wie revolution&#228;re Bestrebungen der Arbeiterbewegung. Die Erzwingung des Sozialstaats setze ebensoviel Macht voraus wie der &#220;bergang zum Sozialismus. Solange es der Arbeiterbewegung an dieser Macht jedoch fehle, seien dauerhafte und substanzielle Lohnsteigerungen und die damit verbundene Ausweitung der Massenkaufkraft nicht durchsetzbar.</p>
<p>Gegen die legalen Marxisten wandte sie ein, dass der Aufbau industrieller Fertigungskapazit&#228;ten zwar vor&#252;bergehend zu einem von der Investitionsg&#252;ternachfrage getragenen Aufschwung f&#252;hren k&#246;nne, die dabei geschaffenen Produktionskapazit&#228;ten k&#246;nnten aber irgendwann nur durch steigende Konsumg&#252;ternachfrage ausgelastet werden.</p>
<p>Den legalen Marxisten hielt sie als notwendig vor, was sie den Revisionisten gegen&#252;ber als unm&#246;glich bezeichnete: eine steigende Konsumtionskraft der Massen. Sie l&#246;ste das Paradoxon mit dem Argument, der Kapitalismus k&#246;nne das Problem unzureichender Kaufkraft durch die Expansion in nichtkapitalistische Milieus l&#246;sen.</p>
<p>Wie weit solche Expansionsr&#228;ume reichen bzw. wie lange Krisen durch industrialisierungsbedingte Investitionsaufschw&#252;nge verhindert werden k&#246;nnten, war unter Luxemburgs Zeitgenossen heftig umstritten. Weltkrieg und Revolution dr&#228;ngten die &#246;konomischen Fragen allerdings bald in den Hintergrund.</p>
<p>&#220;berkonsumtion</p>
<p>Paul Sweezy (1942) nahm den krisentheoretischen Faden Anfang der 40er Jahre wieder auf. R&#252;ckblickend auf die «Roaring Twenties» und auf die nachfolgende zweite Gro&#223;e Depression des Kapitalismus argumentierte er – dabei Marx’ These von der Verschiebung des Kapitaleinsatzes von den L&#246;hnen zu den Produktionsmitteln aufnehmend –, die Produktionskapazit&#228;ten n&#228;hmen schneller zu als die aus L&#246;hnen finanzierte Massenkaufkraft. Dabei hatte er sicherlich die Anlagen zur Massenproduktion vor Augen, die in den 20er Jahren in den USA entstanden, in denen die Arbeiter aber trotz Henry Fords ber&#252;hmtem F&#252;nf-Dollar-Tageslohn noch keineswegs zu ausgabenfreudigen Konsumenten geworden waren.</p>
<p>Erst mit dem Kaltem Krieg, der neokolonialen Durchdringung des globalen S&#252;dens und dauerhaft gestiegenen Staatsausgaben wurden Amerika und andere L&#228;ndern des Westens zu den Massenkonsumgesellschaften, die Propagandisten des American Way of Life in den 20er Jahren verk&#252;ndet hatten.</p>
<p>Die Nachkriegsprosperit&#228;t brachte die Themen Unterkonsumtion und Wirtschaftskrise in Vergessenheit. Nicht der Mangel an Kaufkraft, sondern die Entfremdung in einer kulturell gleichgeschalteten Konsumwelt wurden zum Gegenstand der Kritik (Marcuse 1967). In den 70er Jahren trat die &#246;kologische Kritik an kapitalistischen Produktions- und Konsumnormen hinzu. Und seit den 80er Jahren gelten deregulierte Finanzm&#228;rkte samt der damit verbundenen Explosion kreditfinanzierten Konsums als Ursachen kapitalistischer Krisen (Altvater 1991).</p>
<p>Den Kapitalismus aus unterschiedlicher Perspektive analysierend, kamen diese Theorien zum Schluss, das Problem sei &#220;berkonsumtion und nicht Unterkonsumtion. Unbestritten, zumindest auf der Linken, ist inzwischen, dass der Raubbau an der Natur die Lebensgrundlagen von Mensch und Natur untergr&#228;bt. Spekulation und schuldenfinanzierter Konsum werden mittlerweile sogar von der b&#252;rgerlichen Wirtschaftswissenschaft als Krisenursachen benannt.</p>
<p>Eine so verstandene &#220;berkonsumtion steht, so paradox dies klingen mag, keineswegs im Widerspruch zur marxistischen Unterkonsumtionstheorie. Letztere erkl&#228;rt ja nur, dass die kapitalistische Akkumulation eine Zunahme der Nachfrage ben&#246;tigt, wenn Krisen vermieden werden sollen. Naturzerst&#246;rung und schuldenfinanzierter Konsum lassen sich vor dem Hintergrund dieser Analyse als Versuch der Krisenvermeidung verstehen. Der verschwenderische Umgang mit Ressourcen sorgt daf&#252;r, dass Produktionskosten und Preise unter den gesellschaftlichen Kosten liegen. Zulasten der Natur k&#246;nnen Produktion und Absatz gesteigert werden; die vor&#252;bergehende Vermeidung der Unterkonsumtionskrise wird zur Ursache der &#246;kologischen Krise.</p>
<p>In &#228;hnlicher Weise erlaubt der Konsumentenkredit die Ausweitung der Konsumg&#252;ternachfrage &#252;ber die Lohneinkommen hinaus. Auch hierdurch wird die Unterkonsumtionskrise hinausgeschoben. Durch die Akkumulation fauler Kredite l&#228;dt sich freilich das Potenzial f&#252;r eine Finanzkrise auf. Der Versuch, die Unterkonsumtion durch Expansion in reale Natur- und virtuelle Finanzwelten zu vermeiden, hat demnach zu neuen Formen der kapitalistischen Krise beigetragen. Hierf&#252;r sind der Wall-Street-Crash 2008 und die &#214;lpest im Golf von Mexiko im Sommer dieses Jahres un&#252;bersehbare Beispiele.</p>
<p><em>E.Altvater,</em> Die Zukunft des Marktes. Ein Essay &#252;ber die Regulation von Geld und Natur nach dem Scheitern des «real existierenden Sozialismus», M&#252;nster 1991. <em>R.Luxemburg,</em> Die Akkumulation des Kapitals [1913], in: Gesammelte Werke, Bd.5, Berlin 1975.<br />
<em>H.Marcuse,</em> Der eindimensionale Mensch, Darmstadt/Neuwied 1967. <em>P.M.Sweezy,</em> Theorie der kapitalistischen Entwicklung [1942], Frankfurt 1970.</p>
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