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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Europa</title>
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		<title>Das britische Sparprogramm</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:47:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>

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		<description><![CDATA[Krieg gegen Arbeiter und Arme von Susan Pashkoff In der britischen Regierung sitzen 23 Million&#228;re (von 29 Kabinettsmitgliedern). Die destabilisieren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Krieg gegen Arbeiter und Arme</strong></p>
<p>von <em>Susan Pashkoff</em></p>
<p>In der britischen Regierung sitzen 23 Million&#228;re (von 29 Kabinettsmitgliedern). Die destabilisieren mit ihrem &#252;berfl&#252;ssigen Verm&#246;gen nicht nur die Kreditwirtschaft, sie f&#252;hren unter dem Deckmantel des Sparens auch einen regelrechten Krieg gegen  Lohnabh&#228;ngige und Arme.<br />
<span id="more-3731"></span>Vor Wochen hat die Regierung Cameron angek&#252;ndigt, sie werde die Gehaltserh&#246;hungen im &#246;ffentlichen Dienst auf 1% deckeln. Das kommt einem realen Einkommensverlust gleich, denn der Index f&#252;r Verbraucherpreise ist im Oktober im Vergleich zur Vorjahresmonat um 5% gestiegen (der Index f&#252;r Einzelhandelspreise sogar um 5,4%). Au&#223;erdem sollen die &#246;ffentlich Besch&#228;ftigten h&#246;here Beitr&#228;ge in die Rentenkasse einzahlen. Vor allem aber sollen im &#246;ffentlichen Dienst 710000 Arbeitspl&#228;tze abgebaut werden.</p>
<p>Seit 2009 fallen die real verf&#252;gbaren Haushaltseinkommen; bis 2014 prognostiziert das Wirtschaftsforschungsinstitut IFS einen R&#252;ckgang um 4,7%.</p>
<p>In ihrer Regierungserkl&#228;rung im Herbst dieses Jahres hatte die Regierung Cameron erkl&#228;rt, die Folgen der Sparpolitik w&#252;rden gerecht verteilt. Die ist eine L&#252;ge: Ihre Ma&#223;nahmen f&#252;hren zu mehr Arbeitslosigkeit, mehr Armut und sie zerst&#246;ren den &#246;ffentlichen Dienst. Dabei nimmt das Wirtschaftswachstum nicht zu, vielmehr f&#228;llt Gro&#223;britannien immer tiefer in eine Rezession.</p>
<p><strong>Weniger Lohn, mehr Arbeitslosigkeit, h&#246;here Schulden</strong></p>
<p>Seit April 2011 haben 110000 Besch&#228;ftigte im &#246;ffentlichen Dienst ihren Job verloren. Sofern sie in der Lage sind, im privaten Sektor einen neuen Arbeitsplatz zu finden, geraten sie in gewerkschaftlich nicht organisierte Bereiche und werden schlechter bezahlt, aller Voraussicht nach m&#252;ssen sie Jobs annehmen, die ihrer Qualifikation nicht entsprechen. Au&#223;erdem verlieren sie die Anspr&#252;che, die sie im &#246;ffentlichen Dienst aufgrund ihres Dienstalters gesammelt hatten.</p>
<p>Die Arbeitslosenquote ist mit 8,1% so hoch wie seit 1994 nicht mehr, 1,6 Millionen Menschen bezogen im September Transferleistungen. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bedeutend h&#246;her: Fast eine Million Jugendliche im Alter zwischen 16 und 24 Jahren sind erwerbslos, das sind 21,3%.</p>
<p>Der Kahlschlag bei den Arbeitspl&#228;tzen im &#246;ffentlichen Dienst kann durch den privaten Sektor nicht aufgefangen werden. Die privaten Unternehmen investieren nicht mehr, weil sich das nicht lohnt: Sie werden das &#220;berangebot an Waren nicht los, zumal die Massenkaufkraft unter dem Angriff auf die Einkommen leidet.</p>
<p>Daran &#228;ndert auch die quantitative Lockerung der Geldpolitik durch die englische Notenbank nichts, sie bewirkt nur, dass Unternehmen und Banken mehr billiges Geld zur Verf&#252;gung steht, womit sie ihre Schuldenlasten erleichtern k&#246;nnen. Die Kapitalanleger aber horten dieses Geld oder bringen es in kurzfristigen spekulativen Anlagen unter, was die Finanzm&#228;rkte weiter destabilisiert.</p>
<p>F&#252;r die Masse der Bev&#246;lkerung bleiben h&#246;here Inflation und niedrigere Reall&#246;hne.</p>
<p>Wer aber meint, mit dem Krieg gegen die Lohneinkommen und den &#246;ffentlichen Dienst w&#252;rden Schulden abgebaut, wird auch diesbez&#252;glich eines Besseren belehrt:</p>
<p>Der Schuldenstand Gro&#223;britanniens belief sich Ende 2009 auf 68,2% des Bruttoinlandsprodukts. Die Europ&#228;ische Kommission geht in ihrer Prognose vom Herbst 2010 von einem Anstieg der Staatsschulden auf 77,8% im Jahr 2010 und 83,5% im Jahr 2011 aus (Angaben nach Wikipedia).</p>
<p><strong>Inflation f&#252;r die Kleinen</strong></p>
<p>W&#228;hrend L&#246;hne, Sozialleistungen und Renten gesenkt werden, steigen die Preise f&#252;r Nahrungsmittel, Energie und Mieten. Die Mehrwertsteuer wurde auf 23% angehoben.</p>
<p>Der bezahlte Urlaub steht auf dem Pr&#252;fstand. Bei gleichbleibendem Lohn werden die Arbeitszeiten ausgedehnt. Von den Besch&#228;ftigten im Gesundheitswesen wird verlangt, dass sie in ihrer Urlaubszeit arbeiten und unbezahlte &#220;berstunden machen, um die L&#246;cher auszugleichen, die die Regierung verursacht hat, indem sie die Mittel f&#252;r das &#246;ffentliche Gesundheitswesen k&#252;rzte. Die Regierung will Teile des Gesundheitswesens f&#252;r den privaten Wettbewerb &#246;ffnen und auf diese Weise mit EU-Vorschriften kompatibel machen.</p>
<p>Die Mieten steigen kolossal: Im September stieg die Durchschnittsmiete auf 718 Pfund Sterling (4,3% mehr als im Vorjahr). In 55% der englischen St&#228;dte sind die Mieten auf dem privaten Immobilienmarkt unbezahlbar geworden, mit Spitzen in London, im S&#252;dosten und Osten, in Yorkshire und Humber, Wales und den &#246;stlichen Midlands.</p>
<p>Mit Angebot und Nachfrage allein l&#228;sst sich der Mietanstieg nicht erkl&#228;ren. Die Regierungspolitik beg&#252;nstigt Wohnungseigentum und vernachl&#228;ssigt den sozialen Wohnungsbau. Gleichzeitig werden die K&#228;ufer von Wohnungseigentum h&#246;her verschuldet, weil Arbeitslosigkeit und Einkommenseinbu&#223;en ihre F&#228;higkeit beeintr&#228;chtigen, die zun&#228;chst leicht zug&#228;nglichen, aber teuren Kredite abzuzahlen; immer mehr verlieren dadurch ihr Dach &#252;ber dem Kopf. Jetzt schrumpft der Kreditmarkt, und die Mietgesetze bevorzugen traditionell den Vermieter gegen&#252;ber dem Mieter.</p>
<p>Die Regierung will auch das Wohngeld k&#252;rzen, um die Armen aus der Londoner Innenstadt zu vertreiben.</p>
<p><strong>Kinderarmut</strong></p>
<p>Diese Politik macht nicht nur die Armen &#228;rmer, es verelendet auch die sog. Mittelklasse. Das mittlere Haushaltseinkommen ist laut IFS real um 7% oder 2000 Pfund Sterling zur&#252;ckgegangen – das ist der sch&#228;rfste R&#252;ckgang seit den 70er Jahren.</p>
<p>Damit nimmt f&#252;r die gesamte Bev&#246;lkerung die Armut sowohl absolut wie auch relativ zu. Das IFS rechnet damit, dass das Sparprogramm der Regierung 600000 Kinder und 800000 Erwachsene im Erwerbst&#228;tigenalter zus&#228;tzlich in die Armut st&#246;&#223;t. Bis 2020/21, sch&#228;tzt das Institut, wird die Kinderarmut auf 23–24% steigen – ein Gesetz zur Bek&#228;mpfung der Kinderarmut aus dem Jahr 2010 hatte sich das Ziel gesteckt, bis dahin das Niveau auf 5–10% zu senken!</p>
<p>Die Regierung hat darauf keine andere Antwort als die ihres Ministers f&#252;r Arbeit und Pensionen, Iain Duncan Smith: «Die Statistiken ber&#252;cksichtigen nicht, dass die Menschen dann gezwungen sind zu arbeiten, weil die Transferleistungen zur&#252;ck gefahren werden.»</p>
<p>Weil es aber keine Arbeitspl&#228;tze gibt, hat die britische Regierung eine regelrechte Kampagne gegen die Armen entfesselt: Sie denunziert sie als Faulenzer, Dr&#252;ckeberger, unmoralische Elemente, Schlampen und Trunkenbolde – in der besten Tradition des radikalen Utilitaristen Jeremy Bentham, der Anfang des 19.Jahrhunderts predigte, der Mensch sei ein Nutzenmaximierer, der ohne jede R&#252;cksicht auf seine Mitmenschen nur seine eigenen Interessen verfolge; die einzig legitime Funktion des Staates sei, das Individuum durch einen m&#228;chtigen &#220;berwachungs- und Kontrollapparat vor den &#220;bergriffen der anderen Individuen zu sch&#252;tzen. Wie sagte Frau Thatcher: «Es gibt keine Gesellschaft.»</p>
<p>In wachsendem Ma&#223;e suchen Menschen jetzt die Tafel auf um sich zu ern&#228;hren, vor allem unter jungen Leuten ist deren Zahl in den letzten zw&#246;lf Monaten sprunghaft gestiegen: In Exeter, Cardigan oder der Isle of White nutzen schon 70–80% der Jugendlichen dieses Angebot.</p>
<p><em>Die Autorin lehrt Wirtschaftswissenschaften an der DeMontfort University, Milton Keynes, England. Sie forscht &#252;ber Kapitaltheorien und die Rolle der Ideologie in der klassischen und neoklassischen Wirtschaftswissenschaft. (Quelle: http://socialistresistance.org.)</em></p>
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		<title>Generalstreik in England</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:45:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitskampf]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Solidarität]]></category>

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		<description><![CDATA[Am 30.November 2011 fand der gr&#246;&#223;te Generalstreik in der britischen Geschichte seit 1926 statt. von Fred Leplat Der Streik drehte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Am 30.November 2011 fand der gr&#246;&#223;te Generalstreik in der britischen Geschichte seit 1926 statt.</strong></p>
<p>von <em>Fred Leplat</em></p>
<p>Der Streik drehte sich vor allem um die Verteidigung der Renten f&#252;r die Besch&#228;ftigten im &#246;ffentlichen Dienst. &#220;ber 29 Gewerkschaften waren an ihm beteiligt, darunter die drei gr&#246;&#223;ten, UNISON, UNITE und GMB. Insgesamt nahmen &#252;ber 2,5 Millionen Besch&#228;ftigte im staatlichen Gesundheitswesen (NHS), in den Kommunalverwaltungen und staatlichen Beh&#246;rden daran teil.<br />
<span id="more-3729"></span>Demonstrationen fanden an vielen Orten statt, auch in kleinen St&#228;dten, die seit dem Beginn des Irakkriegs 2003 keinen Protest mehr erlebt haben. &#220;ber 50000 demonstrierten in den Stra&#223;en Londons, 15000 in Belfast, selbst 100 Menschen in Lerwick auf den Shetlandinseln! F&#252;r die &#252;berw&#228;ltigende Mehrheit war es der erste Streik in ihrem Leben. Zwei Drittel aller Schulen blieben geschlossen, Museen und Gerichtsgeb&#228;ude waren zu, und bis auf Notf&#228;lle wurden alle Operationen in den Krankenh&#228;usern abgesagt.</p>
<p>Der Streik war nicht nur wegen seines Ausma&#223;es ein gewaltiger Erfolg, sondern auch weil alle wussten: Es geht nicht nur um die Rente, sondern um die schiere Existenz des &#246;ffentlichen Dienstes und schlie&#223;lich darum, wer die Krise bezahlen soll. Die Frage nach einer gerechten Rente f&#252;r alle stand stellvertretend daf&#252;r auf der Tagesordnung.</p>
<p>Die von den Tories gef&#252;hrte Regierung argumentiert, es sei nicht fair, dass Besch&#228;ftigte im &#246;ffentlichen Dienst eine h&#246;here Rente erhalten als im privaten Sektor. Noch viel weniger fair aber sind die vielen Millionen, die Banker allj&#228;hrlich erhalten, z.B. die 7 Millionen Pfund, die die Direktoren von Barclays und der Royal Bank of Scotland einstreichen. Dagegen leben &#252;ber 2,5 Millionen Rentner unterhalb der Armutsgrenze von 178 Pfund in der Woche. Die Altersarmut in Gro&#223;britannien geh&#246;rt zu den krassesten in Europa – nur drei EU-Staaten weisen eine schlechtere Altersversorgung auf: Zypern, Lettland und Estland. Frankreich gibt doppelt soviel f&#252;r Renten aus wie Gro&#223;britannien.</p>
<p>Der Streik hatte eine lange Vorgeschichte. Unmittelbar nach ihrer Wahl im Mai 2010 k&#252;ndigte die Tory-Regierung einen Krieg gegen den &#246;ffentlichen Dienst im Besonderen und gegen die L&#246;hne und Arbeitsbedingungen im Allgemeinen an. Im September 2010 beschloss der Gewerkschaftsdachverband TUC koordinierte Streikaktionen gegen diese Angriffe, doch es dauerte weitere sechs Monate, bis am 26.M&#228;rz eine landesweite Demonstration mit 500000 Teilnehmern stattfand. Trotz dieses gewaltigen Erfolgs z&#246;gerten die Vorst&#228;nde der drei gro&#223;en Gewerkschaften und des TUC, weitere Aktionen zu organisieren. Erst der gro&#223;e, erfolgreiche Streik der Lehrergewerkschaften UCU, NASWUT und NUT und der PCS am 30.Juni f&#252;hrte dazu, dass alle anderen Gewerkschaften und der TUC beschlossen, ihre Mitglieder zum Streik aufzurufen. Sie hatten keine Wahl mehr, die Regierung hatte die Verhandlungen seit Jahresbeginn ohne Zugest&#228;ndnisse auf Eis gelegt und einseitig das Renteneintrittsalter f&#252;r junge Besch&#228;ftigte auf 67 Jahre heraufgesetzt.</p>
<p>Der Streik am 30.November kann nur der Anfang eines anhaltenden Widerstands sein. Er muss ausgeweitet werden auf die Besch&#228;ftigten im privaten Sektor, junge Menschen und Studierende m&#252;ssen einbezogen werden, weil die Erh&#246;hung des Renteneintrittsalters sich unmittelbar auf die Jugendarbeitslosigkeit auswirken wird, die eh schon auf einem Rekordhoch ist.</p>
<p>Dies ist nicht nur eine Krise der britischen &#214;konomie. Es ist eine Krise des kapitalistischen Systems, das versucht, die Arbeiterklasse die Krise zahlen zu lassen. Auf die Aktion am 30.November in Gro&#223;britannien folgte ein Generalstreik in Griechenland am 1.Dezember und ein Aktionstag der gewerkschaftlichen Dachverb&#228;nde in Belgien am 2.Dezember. Das Bed&#252;rfnis nach einer europaweiten Solidarit&#228;t und gemeinsamen Aktionen ist dr&#228;ngender als je zuvor.</p>
<p><em>Quelle: www.europe-solidaire.org.</em></p>
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		</item>
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		<title>Das Russland der Emp&#246;rten</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2012/01/das-russland-der-emporten/</link>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:34:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Bewegung gegen die Wahlf&#228;lschungen von Carine Clément Die Wahlen zur russischen Duma am 4.Dezember endeten wie gewohnt mit massiven [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Bewegung gegen die Wahlf&#228;lschungen</strong></p>
<p>von <em>Carine Clément</em></p>
<p>Die Wahlen zur russischen Duma am 4.Dezember endeten wie gewohnt mit massiven F&#228;lschungen und dem Druck der Machthaber, um den Sieg der regierenden Partei «Einiges Russland» zu sichern. Diesmal hat die Wahlf&#228;lschung aber jedes Ma&#223; &#252;berschritten und die gr&#246;&#223;te Protestbewegung seit dem Zusammenbruch der UdSSR vor zwanzig Jahren provoziert.<br />
<span id="more-3721"></span>Die Wahlergebnisse sagen an sich nicht viel aus: 49,5% f&#252;r «Einiges Russland», 19,2% f&#252;r die Kommunistische Partei der Russischen F&#246;deration (KPRF), 13,2% f&#252;r «Gerechtes Russland» (eine sich sozialdemokratisch nennende Partei) und 11,7% f&#252;r die Partei des nationalistischen Demagogen Shirinowski. Die Partei an der Macht hat die absolute Mehrheit in der Duma verloren. Ein gro&#223;er Teil der Kommentatoren h&#228;lt jedoch sogar dieses Ergebnis f&#252;r &#252;bertrieben, der reale Stimmenanteil von «Einiges Russland» soll bei 10–15% liegen. Auf jeden Fall ist es ein Fake.</p>
<p>Zu Beginn des Wahlkampfs hatten die Provinzgouverneure vom Zentralb&#252;ro der Partei Anweisung erhalten, sie h&#228;tten 60–70% der Stimmen einzusammeln. Doch das erwies sich als undurchf&#252;hrbar. Ein gro&#223;er Teil der Wahlberechtigten ging entweder gar nicht zur Wahl oder er folgte der popul&#228;rsten Losung in diesem Wahlkampf – jedenfalls unter solchen, die sich sonst wenig f&#252;r Politik interessieren –, die da lautete: «W&#228;hlt die Partei, die ihr w&#228;hlen wollt, nur nicht die der Gauner und Diebe!» Die Hoffnung war geboren, der regierenden Partei der anma&#223;enden B&#252;rokraten und F&#252;hrer, die glauben, sich alles erlauben zu k&#246;nnen, eine Ohrfeige zu verpassen. «Einiges Russland» ist zunehmend unpopul&#228;r, nicht nur wegen seiner antisozialen Politik, sondern auch und vor allem wegen der Arroganz, Verachtung f&#252;r die einfachen B&#252;rger, Korruption und Profitgier, die seine Repr&#228;sentanten an den Tag legen.</p>
<p>Viel mehr als bei fr&#252;heren Wahlen engagierten sich einfache B&#252;rger als Wahlbeobachter f&#252;r die eine oder andere Oppositionspartei oder sogar unabh&#228;ngig davon – die Vereinigung Golos [Stimme], die vom Regime beschuldigt wurde, im Solde «ausl&#228;ndischer M&#228;chte» zu stehen, hatte daf&#252;r geworben. Es ist eine Sache, zu h&#246;ren, wie andere &#252;ber Wahlbetrug reden, eine andere, sich aus einem Wahlb&#252;ro hinauswerfen zu lassen, weil man unbequem ist; zu erleben, wie Urnen gef&#252;llt werden, oder ganze Busladungen eng bewachter W&#228;hler ihren «Auftrag» erledigen; ein Protokoll in den H&#228;nden zu haben und dann auf der offiziellen Webseite der zentralen oder regionalen Wahlkommission komplett andere Zahlen zu entdecken usw. Das Internet ist voll von Videos und w&#252;tenden Zeugenaussagen, die von Beobachtern ver&#246;ffentlicht wurden. Das ist pers&#246;nlich, das ist erstaunlich, das schockiert!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wird Stra&#223;enprotest jetzt Mode?</p>
<p>Viele Wahlbeobachter sind auf die Stra&#223;en gestr&#246;mt, viele Freunde, Kollegen, Eltern. Und dann noch all diejenigen, die in den sozialen Netzen des Web aktiv sind, sowie alle Entt&#228;uschten, die auf eine deutlichere Niederlage von «Einiges Russland» gehofft hatten: viele junge Menschen, die weit weniger Respekt haben als die &#228;ltere Generation und einen neuen Stil, ein anderes Verh&#228;ltnis zur Autorit&#228;t pflegen.</p>
<p>Unmittelbar nach den Wahlen demonstrierten in Moskau fast 10000 Menschen, in St.Petersburg etwas mehr. In Moskau wurden &#252;ber 300 Personen festgenommen, etwa 200 in St.Petersburg. Das verhinderte nicht, dass die Mobilisierungen in den darauffolgenden Tagen weitergingen, ebenso die Festnahmen.</p>
<p>Viele haben nie zuvor an einer Demonstration teilgenommen. Und manche dieser Neulinge finden sich schon bei ihrem ersten Mal in Polizeigewahrsam wieder, bis zu 48 Stunden auf ein Urteil wartend, in Kommissariaten, die ganz und gar nicht darauf vorbereitet sind, so viele Menschen festzunehmen, ohne Nahrung zusammengepfercht. Schlie&#223;lich werden sie zu Haftstrafen bis zu 15 Tagen verurteilt. Den Berichten nach zu urteilen, die durch die Gef&#228;ngnismauern dringen, sind diese «Novizen» aber nun nicht eingesch&#252;chtert und kriechen zu Kreuze, nein, sie beginnen Hungerstreiks und radikalisieren sich. Gerade freigelassen, sind sie schon wieder auf der Stra&#223;e.</p>
<p>Emp&#246;rung &#252;ber Wahlf&#228;lschungen, Brutalit&#228;t und Zynismus der Betr&#252;ger; die Wut, der eigenen Stimme beraubt worden zu sein; die Solidarit&#228;t mit den zu Unrecht Festgenommenen – das sind die Zutaten der Mobilisierung, die nun einen Schneeballeffekt hat. Daf&#252;r gibt es Unterst&#252;tzung durch popul&#228;re Meinungsmacher – Journalisten, S&#228;nger und andere K&#252;nstler. Wenn diese Leute nun offen Kritik &#252;ben, ist dies auch ein Zeichen: Wird Stra&#223;enprotest jetzt Mode? Bislang war er das Monopol von «Versagern» und «Idioten».</p>
<p>Es ist geschehen, was es seit der Perestroika nicht mehr gegeben hat: Die Ereignisse finden in der Hauptstadt statt, das satte, bourgeoise, intellektuelle, privilegierte Moskau geht voran. Die Medien k&#246;nnen so massive Demonstrationen in Moskau nicht ignorieren, das ganze Land verfolgt aufmerksam, was dort geschieht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Vereinnahmungen</p>
<p>Die internationale Presse hat zum Teil die liberale Rechte zum Sprachrohr der Bewegung erkoren. Doch erstens handelt es sich um eine vollst&#228;ndig «spontane» Basismobilisierung, ohne anerkannte F&#252;hrung und vor allem ohne Parteibindung, weder an Oppositionsparteien in der Duma, noch an Oppositionsparteien au&#223;erhalb des Systems. Keine Partei, auch keine soziale Bewegung kann sich br&#252;sten, die Welle der Emp&#246;rung organisiert zu haben oder gar zu repr&#228;sentieren.</p>
<p>Doch genau dies tun die Hauptakteure der Politshows und Anf&#252;hrer von Anti-Putin-Organisationen wie «Anderes Russland» (Garry Kasparow) und Solidarnost (Boris Nemzow). Boris Nemzow war derjenige, der in der Nacht vom 8. auf den 9.Dezember hinter dem R&#252;cken der offiziellen Organisatoren mit dem Moskauer B&#252;rgermeister die Verlegung der Gro&#223;kundgebung am 10.Dezember vom Platz der Revolution auf den Bolotnaja-Platz aushandelte – ohne einen Verantwortlichen f&#252;r die Mobilisierung zu konsultieren, w&#228;hrend einer ihrer offiziellen Organisatoren, Sergej Udalzow (von der Linksfront), nach einem Hungerstreik im Gef&#228;ngniskrankenhaus lag und eine Symbolfigur der Bewegung, Alexej Nawalny, eine 15-t&#228;gige Gef&#228;ngnisstrafe absa&#223;.</p>
<p>Schlie&#223;lich f&#228;llt die eher zaghafte Pr&#228;senz der sozialen Bewegungen, vor allem der Gewerkschaften, auf. Sie f&#252;rchten, sich in einem zu deutlich politischen Kampf zu engagieren, oder auch f&#252;r eine Sache, die nicht direkt mit ihrer Zielsetzung zu tun hat. Die Mehrzahl ihrer Mitglieder ist jedoch in der Bewegung pr&#228;sent. Zu den herausragenden Figuren der Mobilisierung in Moskau geh&#246;rt z.B. Jewgenija Tschirikowa, f&#252;hrend in der Bewegung f&#252;r die Verteidigung des Waldes von Chimki (im Gro&#223;raum Moskau) und aufsteigender Stern der neuen sozialen Bewegungen.</p>
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		<item>
		<title>Der Spreu trennt sich vom Weizen</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2012/01/der-spreu-trennt-sich-vom-weizen/</link>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:32:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Asien]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>

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		<description><![CDATA[Die russische Protestbewegung kann der Linken Auftrieb geben von Boris Kagarlitzki In einem Interview f&#252;r Socialist Worker, USA, erkl&#228;rte Boris [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die russische Protestbewegung kann der Linken Auftrieb geben</strong></p>
<p>von <em>Boris Kagarlitzki</em></p>
<p>In einem Interview f&#252;r Socialist Worker, USA, erkl&#228;rte Boris Kagarlitzki am 15.Dezember:<br />
<span id="more-3719"></span>Als er 1999 an die Macht kam, gelang es Putin zun&#228;chst, eine Phase der wirtschaftlichen Expansion und Stabilit&#228;t einzuleiten – bis zur Weltwirtschaftskrise 2007/08. In der Zeit gab es ein reales wirtschaftliches Wachstum, doch der gr&#246;&#223;te Teil des industriellen Outputs wurde in veralteten sowjetischen Anlagen geleistet oder durch ausl&#228;ndische Direktinvestitionen in einigen sehr gesch&#252;tzten Wirtschaftszweigen wie der Automobilindustrie.</p>
<p>Als 2008 der &#214;lpreis einbrach, ging der Industrieaussto&#223; zur&#252;ck, die Arbeitslosigkeit nahm zu und eine soziale Krise brach aus. Pl&#246;tzlich entdeckten die Menschen, dass in der &#196;ra Putin die Reste des Sozialstaats aus der sowjetischen Zeit unter Beschuss gekommen oder aufgel&#246;st worden waren. Jetzt gibt es systematische Angriffe auf das Bildungs- und Gesundheitswesen und auf einige andere soziale Einrichtungen. Wir leben unter einem Sparregime, wie in Europa.</p>
<p>F&#252;r das Verst&#228;ndnis der politischen Situation ist wichtig, dass es so gut wie keine wirkliche Opposition gibt. Die sog. Liberalen (sie haben mit den Liberalen im Westen nichts zu tun) sind in wirtschaftlichen Fragen viel schlimmer als Putin. Ihre Kritik ist unpopul&#228;r. Die KP, die Faschisten oder die sog. Sozialdemokraten werden nicht als Alternative wahrgenommen. Der Linken fehlt es an einer politischen Organisation. Sie hat kaum Zugang zu den Medien, sie ist marginal, sektiererisch und in verschiedene Gruppen gespalten. Es gab bisher keine Kraft, die ein politischer Attraktionspol h&#228;tte sein k&#246;nnen.</p>
<p>Die Mehrzahl der Menschen ist deshalb nicht zur Wahl gegangen oder hat einfach gegen «Einiges Russland» gestimmt, nicht nur in den Gro&#223;st&#228;dten, auch auf dem Land. Als die Regierung mitbekam, was da los war, beschloss sie in letzter Minute, die Wahlen zu manipulieren. Ich bin sicher, dass das nicht von Anfang an geplant war, ein gewisses Ma&#223; an Wahlf&#228;lschung ist in Russland &#252;blich, aber nicht in diesem Umfang.</p>
<p>Deshalb passierten so skandal&#246;se Dinge. Sie waren schlecht vorbereitet. In Hunderten von F&#228;llen wurden sie ertappt, oftmals wurden sie mit dem Handy gefilmt oder von Wahlbeobachtern denunziert. Manche Wahlergebnisse waren absurd: In Rostow z.B. lag die Wahlbeteiligung bei 140%.</p>
<p>Im Verlauf der Proteste bildete sich ein spontanes B&#252;ndnis verschiedener politischer Kr&#228;fte, vorwiegend von Linken und Liberalen. Es zerbrach, als die Linke Front (ein B&#252;ndnis verschiedener linker Organisationen) f&#252;r den 10.Dezember auf dem Revolutionsplatz in Moskau eine Gro&#223;kundgebung ank&#252;ndigte und die Liberalen versuchten, diese f&#252;r sich zu kapern, indem sie sie, mit Unterst&#252;tzung des B&#252;rgermeisters, zum Bolotnaja-Platz (Sumpfplatz) umleiteten (es gab einen Haufen Witze dar&#252;ber: Wir gehen von der Revolution in den Sumpf). Die Liberalen haben es geschafft, die Kundgebung und die Medienbotschaften zu kontrollieren, die Linke wurde v&#246;llig marginalisiert.</p>
<p>Auf der Demonstration vom 10.Dezember hat sich auch ein Block zwischen den Liberalen und der extremen Rechten gebildet. Die Liberalen haben den Rechtsextremen erlaubt, mit ihren imperialen Fahnen auf den Kundgebungsplatz zu marschieren. Zum ersten Mal hat ein Neonazi bei uns zu einer gro&#223;en Menschenmenge gesprochen – eine skandal&#246;se Sache, die eine Menge Leute demoralisiert hat.</p>
<p>Doch die Liberalen kontrollieren die Bewegung an keiner Stelle. Sie werden eher daf&#252;r sorgen, dass sie sich totl&#228;uft: am 17. und 24.Dezember und am 1.Januar soll es weitere Demonstrationen geben. Der Bewegung geht die Puste aus, weil die Regierung die Wahlen nicht f&#252;r ung&#252;ltig erkl&#228;rt und das Wahlgesetz nicht &#228;ndern will.</p>
<p>Dennoch haben diejenigen Recht, die sagen, eine neue russische Revolution hat begonnen. An diesem 10.Dezember fanden Demonstrationen im ganzen Land statt, anders als in Moskau ging es dabei in der Mehrzahl der F&#228;lle um soziale Fragen und um Kritik am wirtschaftlichen und sozialen System.</p>
<p>HEs ist gut, dass es zwischen den Liberalen und den Linken zum Bruch gekommen ist. Die Linke beteiligt sich an Protestaktionen der Liberalen, aber sie sp&#252;rt, dass sie etwas anderes will. Demokratische Fragen sind wichtig. Doch die Liberalen f&#252;hren uns in eine Sackgasse. Wir m&#252;ssen uns getrennt organisieren in den Betrieben, an Universit&#228;ten und Schulen, und radikalere Formen des Protests entwickeln, wie die Globalisierungsgegner im Westen. Die Liberalen verlieren an Boden, weil sie nicht die Fragen ansprechen, die die Masse der Menschen interessiert. Die Linke muss ihre eigene Agenda entwickeln.</p>
<p><em>Boris Kagarlitzki lehrt am Institut f&#252;r vergleichende Politikwissenschaft an der Russischen Akademie der Wissenschaften und ist ein im Westen bekannter unabh&#228;ngiger Sozialist.</em></p>
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		<title>Roma in Ungarn</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:12:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>

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		<description><![CDATA[Am Rande der Gesellschaft mitten in Europa von Aljoscha Pilger Das Leben der Roma im poststalinistischen Ungarn ist gepr&#228;gt von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Am Rande der Gesellschaft mitten in Europa</strong></p>
<p>von <em>Aljoscha Pilger</em></p>
<p>Das Leben der Roma im poststalinistischen Ungarn ist gepr&#228;gt von Armut, sozialer Ausgrenzung, materiellen Entbehrungen, verbaler rassistischer Hetze und gewaltt&#228;tigen &#220;bergriffen – teilweise mit Todesfolge. Sie leben am sprichw&#246;rtlichen «Rande» einer Gesellschaft, die sie als Projektionsfl&#228;che f&#252;r gesellschaftliche Krisenerscheinungen und Umbr&#252;che missbraucht.<br />
<span id="more-3709"></span><strong>Gewalttaten gegen Roma</strong></p>
<p>Vor mehr als zweieinhalb Jahren lie&#223; in der Nacht vom 22. auf den 23.Februar 2009 ein brutaler Mord in der ungarischen Kleinstadt Tatárszentgy&#246;rgy, rund 50 Kilometer s&#252;dlich von Budapest, die europ&#228;ische Presse aufhorchen: Unbekannte setzten das Haus der Roma-Familie Csorba mit Molotowcocktails in Brand und erschossen dann den aus dem Haus fl&#252;chtenden Vater und den vierj&#228;hrigen Sohn mit einer Schrotflinte. Eine Tochter &#252;berlebte den Angriff schwer verletzt.</p>
<p>Solche rassistisch motivierten &#220;bergriffe auf Roma, die mit einem Anteil von ungef&#228;hr 10% an der Gesamtbev&#246;lkerung die gr&#246;&#223;te ethnische Minderheit bilden, sind in Ungarn seit einigen Jahren keine Seltenheit mehr. 2008 hatte es in der Stadt Nagycsecs einen &#228;hnlichen Vorfall gegeben: Zwei Roma wurden erschossen, nachdem ihr Haus in Brand gesetzt worden war.</p>
<p>Wenige Monate nach den Geschehnissen in Tatárszentgy&#246;rgy konnten im September 2009 in der Stadt Debrecen vier Verd&#228;chtige festgenommen werden. Ihnen wurde vorgeworfen, neben den Morden in Nagycsecs und Tatárszentgy&#246;rgy zwei weitere Morde an Roma begangen und das Leben von 55 weiteren Personen direkt gef&#228;hrdet zu haben. Wie die deutschsprachige ungarische Internetzeitung Pester Lloyd in einem Artikel vom 29.3.2011 schrieb, konnten «Verbindungen in das Umfeld rechtsextremistischer Organisationen» zwar nachgewiesen werden, allerdings haben die zust&#228;ndigen Beh&#246;rden nicht genauer konkretisiert, um welche Organisationen es sich handelt.</p>
<p>Der Pester Lloyd vermutet au&#223;erdem einen Zusammenhang zwischen den Anschl&#228;gen und den Aufm&#228;rschen der sog. «Ungarischen Garde» – dem mittlerweile verbotenen, aber schon wieder neu gegr&#252;ndeten paramilit&#228;rischen Arm der antiziganistischen und antisemitischen Partei Jobbik («Bewegung f&#252;r ein besseres Ungarn»). In den St&#228;dten, in denen sich die Anschl&#228;ge ereigneten, hatten jeweils kurz zuvor Aufm&#228;rsche der Garde stattgefunden, was laut Pester Lloyd vor Ort jedes Mal zur Entstehung einer Art Pogromstimmung beigetragen habe.</p>
<p>Die Unterstellung dieses Zusammenhangs kommt nicht von ungef&#228;hr, geht doch die zunehmend aggressive Stimmung gegen&#252;ber den Roma Hand in Hand mit dem Erstarken von Jobbik und der vermehrten Pr&#228;senz der Ungarischen Garde in der &#214;ffentlichkeit. Dieser Rassismus wird erst dadurch wirklich m&#246;glich und wirkm&#228;chtig, dass es eine ungarische Zivilgesellschaft gibt, die entweder wegschaut oder unterst&#252;tzenswert findet, was Jobbik und Konsorten propagieren und tun.</p>
<p>Auch Bence Békés, Soziologe und Romaexperte, kennt das Ph&#228;nomen. Er beschreibt es in einem Beitrag des TV-Senders Arte so: «F&#252;r diese Taten gibt es eine gewisse Unterst&#252;tzung in der Gesellschaft, nicht nur von den Rechtsextremisten, sondern auch bei den Anderen. Eigentlich sind alle gegen die Roma, auch wenn sie es nicht offen zugeben.»</p>
<p><strong>Rassistische «B&#252;rgerwehren»</strong></p>
<p>Dies zeigt auch das Beispiel der nordostungarischen Kleinstadt Gy&#246;ngy&#246;spata. Erstmals ins Licht der &#214;ffentlichkeit r&#252;ckte der Ort an Ostern 2011. Eine neofaschistische B&#252;rgerwehr mit dem Namen Veder&#246; («Schutzmacht») lud Sympathisanten aus ganz Ungarn zu einer Wehrsport&#252;bung in unmittelbarer N&#228;he der &#246;rtlichen Romasiedlung ein – was den in Ungarn t&#228;tigen US-amerikanischen Gesch&#228;ftsmann Richard Field dazu veranlasste, am 22. April mit Hilfe des Roten Kreuzes 276 Frauen und Kinder der Roma-Minderheit zu evakuieren. Einige Wochen zuvor hatte schon eine andere B&#252;rgerwehr namens Szebb J&#246;v&#246;ért («F&#252;r eine bessere Zukunft») den Ort wochenlang regelrecht belagert und versucht, sich als Ordnungsmacht zu etablieren, worunter vor allem die dort lebenden Roma litten. Herbeigerufen hatte sie der damalige B&#252;rgermeister László Tabi pers&#246;nlich, um der angeblich &#252;berhand nehmenden sog. «Zigeunerkriminalit&#228;t» Einhalt zu gebieten.</p>
<p>Die FIDESZ-Regierung unter Viktor Orbán sah sich zun&#228;chst in keiner Weise gen&#246;tigt, etwas gegen den Terror der B&#252;rgerwehren und das faktische au&#223;er Kraft Setzen des staatlichen Gewaltmonopols zu unternehmen. Erst als es zu gewaltt&#228;tigen Zusammenst&#246;&#223;en zwischen jugendlichen Roma und den Anh&#228;nger der B&#252;rgerwehr kam, griff die Regierung ein und lie&#223; die B&#252;rgerwehr durch die Polizei aus dem Ort vertreiben.</p>
<p>Einige Monate nach der Belagerung gab es im Ort Neuwahlen, der bisherige B&#252;rgermeister Tabi war von seinem Amt zur&#252;ckgetreten. Der Kandidat von Jobbik, János Oszkár Juhász, der 2010 lediglich 5,8% der Stimmen erreicht hatte, trug mit 33,8% den Sieg davon. Die enormen Zugewinne f&#252;r Juhász m&#252;ssen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem «Engagement» der B&#252;rgerwehr vor Ort und den daraus resultierenden Ereignissen gesehen werden. Der Alltag der Roma von Gy&#246;ngy&#246;spata hat sich im Vergleich zum Fr&#252;hjahr kaum verbessert – im Gegenteil, mehr denn je ist er gepr&#228;gt von tagt&#228;glichen Schikanen,  Provokationen, willk&#252;rlichen Strafen und einem allgemeinen Klima der Angst.</p>
<p><strong>Arbeitsdienst als Integrationsma&#223;nahme</strong></p>
<p>Nachdem die Regierung im Fr&#252;hjahr zun&#228;chst durch bewusstes Nichthandeln aufgefallen war, legte sie in den Folgemonaten einen umso gr&#246;&#223;eren Aktionismus an den Tag. Dieser gipfelte schlie&#223;lich in dem Beschluss, Gy&#246;ngy&#246;spata zu einem sozial- und integrationspolitischen Musterprojekt machen zu wollen. Konkret werden vor Ort zwei Projekte im Rahmen des bald ungarnweit g&#252;ltigen, «verpflichtenden Arbeitsdienstes» getestet, bei dem Sozialhilfeempf&#228;nger zu (gemeinn&#252;tziger) Arbeit gezwungen werden k&#246;nnen. Da in Gy&#246;ngy&#246;spata, wie in fast allen l&#228;ndlichen Gebieten Ungarns, ein gro&#223;er Teil der Roma-Bev&#246;lkerung von Sozialhilfe lebt, sind es vor allem Angeh&#246;rige der ethnischen Minderheit, die nun diese Art von «Zwangsarbeit» leisten m&#252;ssen. Der Begriff «Zwang» ist zutreffend, weil der Staat den Betroffenen die Sozialhilfe streichen kann, wenn sie der Arbeit ohne triftigen Grund fern bleiben. In Gy&#246;ngy&#246;spata wurden zun&#228;chst 40 Personen zum Arbeitsdienst verpflichtet, darunter 37 Roma.</p>
<p>Das «Modellprojekt» ist vor dem Hintergrund des geplanten Umbaus des ungarischen Wohlfahrtsstaats hin zu einem Leistungsstaat zu sehen. Die Grundlage daf&#252;r bildet das Konzept des «verpflichtenden Arbeitsdienstes» – dabei soll der Zeitraum, in dem Arbeitslose ein Recht auf St&#252;tze haben, von vormals 270 auf 90 Tage reduziert werden. Die Idee der Zwangsarbeit stammt nicht von Fidesz, sondern war im Wahlkampf 2010 von Jobbik eingebracht worden.</p>
<p>Als Reaktion auf die Entwicklungen seit dem Fr&#252;hjahr haben nach Angaben des Pester Lloyd (17.11.2011) mittlerweile etwa 60 Roma «dem Dorf und Ungarn den R&#252;cken gekehrt und sind nach Kanada geflohen». Auch wenn die Vorkommnisse in Gy&#246;ngy&#246;spata nicht unbedingt Alltag in Ungarn sind, kann man dem Pester Lloyd zustimmen, wenn er schreibt: Dort brach das aus, «was sich an vielen Orten unter der d&#252;nnen Decke als ungel&#246;ster Konflikt zusammenbraut». Die Rede ist von der in den letzten Jahren stetig schwindenden Bereitschaft der ungarischen Mehrheitsgesellschaft, mit der Minderheit der Roma friedlich zusammenzuleben. Denn anders als Jobbik und teilweise auch Fidesz sowie die ihnen nahestehenden Medien behaupten, sind es nicht die Roma, die ein friedliches Zusammenleben immer unm&#246;glicher machen, sondern die Mehrheitsgesellschaft selbst.</p>
<p><strong>Der Teufelskreis der Ausgrenzung</strong></p>
<p>Die Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky hat festgestellt: «Feindlichkeit gegen&#252;ber Roma [hat] in Ungarn Tradition und ist in der Gesellschaft verbreitet. Nach einer Umfrage sind &#252;ber 80% der Befragten antiziganistisch eingestellt.» Dies manifestiert sich im Alltag in der faktischen Ausgrenzung der Roma vom politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben. Diese Ausgrenzung bedient eine perfide Logik: Aufgrund der weitgehenden Ausgrenzung vom ungarischen Arbeitsmarkt, finden viele Roma keinen Job und sind arbeitslos; um sich dennoch &#252;ber Wasser halten und sich einen gewissen Lebensstandard leisten zu k&#246;nnen, wird jede Arbeitskraft ben&#246;tigt. Das f&#252;hrt dazu, dass Kinder nicht die Schulbildung erhalten, die sie eigentlich br&#228;uchten, um in der ungarischen Gesellschaft sozial aufsteigen zu k&#246;nnen.</p>
<p>Doch selbst wenn Romakindern der Besuch einer weiterf&#252;hrenden Schule m&#246;glich gemacht wird, bedeutet das keinesfalls, dass ihnen dort alle T&#252;ren offen stehen. Im Gegenteil: Der Rassismus ist auch in den Schulen sp&#252;rbar. Die «besseren» Schulen verweigern Romakindern h&#228;ufig die Aufnahme, und viele Eltern nehmen ihre Kinder von der Schule, wenn sie feststellen, dass Romakinder diese besuchen. So entstehen Schulen, die mehrheitlich von Romakindern besucht werden. Dieser institutionelle Rassismus ist keineswegs auf die Institution Schule beschr&#228;nkt, er zieht sich durch den gesamten ungarischen Staats- und Verwaltungsapparat. Allerdings gibt es auch Ausnahmen, also Roma, die hohe politische oder gesellschaftliche Positionen bekleiden.</p>
<p>Die gegenw&#228;rtige prek&#228;re Lage der Roma h&#228;ngt auch damit zusammen, dass sie keine starke politische Vertretung haben, die sich wirkungsvoll f&#252;r ihre Interessen einsetzen k&#246;nnte. Die einzige Romapartei, die MCF, trat bei den letzten Parlamentswahlen 2010 wegen interner Querelen nicht an, und es darf bezweifelt werden, dass sie es in Parlament geschafft h&#228;tte.</p>
<p>Dort geben seit den Parlamentswahlen 2010 andere Kr&#228;fte den Ton an, von denen man sich einen r&#252;cksichts- und respektvollen Umgang mit den Roma nicht erwarten darf: Fidesz, die mit 263 Sitzen eine Zweidrittelmehrheit erreichen konnte und mit Viktor Orbán den Ministerpr&#228;sidenten stellt, und Jobbik, die mit 47 von insgesamt 386 Mandaten im ungarischen Parlament vertreten ist. Die Roma sind jedoch nicht die einzigen «S&#252;ndenb&#246;cke», die sich Fidesz und vor allem Jobbik f&#252;r ihre aggressiven Kampagnen aussuchen: Da sind noch die Homosexuellen, Menschen j&#252;dischen Glaubens sowie linke und liberale Politiker.</p>
<p>Die Zukunft scheint nichts Gutes f&#252;r die ungarischen Roma bereit zu halten. Die Wirtschaftskrise k&#246;nnte ihre Situation weiter verschlechtern, sowohl wirtschaftlich als auch in Bezug auf die gesellschaftliche Ausgrenzung. Denn wenn es Ungarn schlecht geht, dann sind sie die «S&#252;ndenb&#246;cke.»</p>
<p><em>Aljoscha Pilger studiert Politikwissenschaft an der Uni Marburg und ist Mitglied der Forschungsgruppe Europ&#228;ische Integration (FEI). Weiterf&#252;hrende Links: http://athenaintezet.hu/en; http://pusztaranger.wordpress.com; www.pesterlloyd.net.</em></p>
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		<title>Kroatien vor dem EU-Beitritt</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2012/01/kroatien-vor-dem-eu-beitritt/</link>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:08:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[EU]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Globalisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Das n&#228;chste Griechenland? von Heiko Bolldorf Am 9.Dezember 2011 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs der EU in Br&#252;ssel den Beitrittsvertrag [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das n&#228;chste Griechenland?</strong></p>
<p>von <em>Heiko Bolldorf</em></p>
<p>Am 9.Dezember 2011 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs der EU in Br&#252;ssel den Beitrittsvertrag mit Kroatien, das zum 1.Juli 2013, nach Ratifizierung des Vertrags durch alle Mitgliedstaaten, Mitglied der EU werden soll. Im Fr&#252;hjahr wird in Kroatien allerdings noch ein Referendum &#252;ber den Beitritt stattfinden; nach gegenw&#228;rtigen Umfragen sind etwa 60% der Bev&#246;lkerung daf&#252;r.<br />
<span id="more-3707"></span>Bereits jetzt ist absehbar, dass damit der n&#228;chste Krisenstaat beitritt. Anfang der 90er Jahre wurde der kroatischen Industrie schwerer Schaden zugef&#252;gt: Betriebe fielen an Parteifreunde des Pr&#228;sidenten Tudjman, denen es nur darum ging, Kapital abzuziehen, ohne in die Produktion zu investieren. Hinzu kamen der Verlust des jugoslawischen Marktes und das Gewicht von Branchen, die in ganz Europa in der Krise sind, wie Schiffbau und Textil.</p>
<p>So lebt Kroatien heute recht einseitig von Tourismus, Handel und Finanzdienstleistungen. Im letztgenannten Bereich sind insbesondere &#246;sterreichische und italienische Banken aktiv, deren Kredite 2002–2007 Wachstumsraten von 4 bis 5% erm&#246;glichten. Dieses Wachstum auf Pump – 2009 mussten 43% der Kroaten &#252;ber 20% ihres Einkommens f&#252;r den Schuldendienst aufbringen – endete mit Beginn der Weltwirtschaftskrise 2008.</p>
<p>Die Kreditbedingungen sind restriktiver geworden, 2010 schrumpfte die Wirtschaft um 1,7%. Die Staatsverschuldung betr&#228;gt gegenw&#228;rtig 102% des Bruttoinlandsprodukts, die Arbeitslosigkeit liegt bei &#252;ber 18%. Dazu kommen 70000 Besch&#228;ftigte ohne regelm&#228;&#223;ige Lohnzahlung. Die Erwerbslosigkeit unter den 15- bis 24-J&#228;hrigen betrug Ende 2009 25%, &#252;ber die H&#228;lfte der Erwerbslosen sind Frauen. 2010 erhielten 88% aller Neueingestellten einen befristeten Vertrag.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Beitrittszw&#228;nge und -widerspr&#252;che</p>
<p>Die am 4.12.2011 abgew&#228;hlte konservative Regierung von Ministerpr&#228;sidentin Jadranka Kosor antwortete mit einem Sparprogramm, das Gehaltsk&#252;rzungen im &#246;ffentlichen Dienst und eine befristete Krisensteuer umfasste. Statt &#246;konomischer Entwicklung hat also Haushaltskonsolidierung oberste Priorit&#228;t – somit wird die gleiche Linie verfolgt, die mit den Beschl&#252;ssen des Br&#252;sseler Gipfels f&#252;r die gesamte EU verbindlich werden soll: weiteres Abw&#252;rgen der wirtschaftlichen Entwicklung statt Angleichung der Lebensverh&#228;ltnisse nach oben.</p>
<p>Kroatien hat durch seine weitgehende Deindustrialisierung bereits jetzt eine &#228;hnliche &#246;konomische Struktur wie Griechenland – damit ist absehbar, dass es in den folgenden Jahren als n&#228;chster «Pleitestaat» ausgemacht werden wird und einer &#228;hnlichen «Kur» unterzogen wird wie gegenw&#228;rtig Griechenland und andere L&#228;nder der EU-Peripherie. Schon im Verlauf der Beitrittsverhandlungen wurde deutlich, wo die Priorit&#228;ten der EU liegen: Kroatien musste die Subventionen an seine Werften streichen und l&#246;ste das Problem durch Privatisierung.</p>
<p>Der Beitritt wird weder die Lebensbedingungen der kroatischen Bev&#246;lkerung verbessern, noch der EU Stabilit&#228;t bringen. Diese hat jedoch mit der S&#252;dosterweiterung einen Prozess eingeleitet, aus dem sie nicht ohne weiteres wieder aussteigen kann.</p>
<p>Seit Beginn des Krieges in Jugoslawien 1991 hat die EU ein erfolgreiches «Krisenmanagement» auf dem Balkan zum Pr&#252;fstein der Gemeinsamen Au&#223;en- und Sicherheitspolitik erkl&#228;rt. Eine Beitrittsperspektive galt dabei als Heilmittel, um Stabilit&#228;t in der Region zu schaffen. Die neoliberale Wirtschaftspolitik, die die EU im Zuge der Beitrittsverhandlungen f&#246;rdert, destabilisiert den Balkan jedoch. Die Ethnie als Schutzraum bleibt unter solchen Bedingungen attraktiv – insbesondere f&#252;r Bosnien-Herzegowina gilt, dass die Zugeh&#246;rigkeit zur «richtigen» Ethnie zu Vorteilen im Konkurrenzkampf um knappe Ressourcen f&#252;hren kann.</p>
<p>Im Widerspruch zwischen diesen beiden Politikfeldern hat sich eine Politik des Aussitzens durchgesetzt – aufgenommen wird ein Land wie Kroatien, das gerade nicht von extremen inneren Spannungen gekennzeichnet ist, in der Hoffnung, dies k&#246;nne Vorbildwirkung f&#252;r die restlichen Balkanstaaten haben, deren Beitritt gleichzeitig immer wieder hinausgeschoben wird, wie zuletzt im Falle Serbiens.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Schwache Linke</p>
<p>In Kroatien ist das eigentliche Problem in diesem Zusammenhang, dass eine linke, emanzipatorische Kritik an der EU kaum vorhanden ist. Sowohl die am 4.12. abgew&#228;hlte konservative HDZ (Hrvatska Demokratska Zajednica – Kroatische Demokratische Gemeinschaft) als auch die Parteien der neu gew&#228;hlten Kukuriku-Koalition, angef&#252;hrt von der SDP (Socijaldemokratska Partija Hrvatske – Sozialdemokratische Partei Kroatiens) sind klare Bef&#252;rworterinnen des Beitritts. Die neu ins Parlament eingezogenen, linkssozialdemokratischen «Hrvatski Laburisti» (Kroatische Arbeiter) um den fr&#252;heren Gewerkschaftsvorsitzenden Dragutin Lesar &#228;u&#223;ern lediglich vorsichtige Skepsis: Erst m&#252;sse das Volk die Details des Beitrittsvertrages kennen um zu entscheiden, ob der Beitritt ein Grund zum Feiern sei.</p>
<p>Die parlamentarische Opposition gegen die EU wird vor allem vom rechten Rand repr&#228;sentiert: von der HSP (Hrvatska Stranka Prava – Kroatische Partei des Rechts), die der EU u.a. fehlenden Respekt vor den kroatischen «Heimatverteidigern», die F&#246;rderung des Atheismus und die Zwangsvereinigung Kroatiens mit anderen exjugoslawischen Staaten vorwirft. Eine radikal linke EU-Kritik wird eher von gesellschaftlich isolierten Gruppen wie «Radnicka Borba» (Arbeiterkampf) vertreten – diese Organisation steht der IV.Internationale nahe und fordert eine europ&#228;ische Vereinigung auf sozialistischer Grundlage.</p>
<p>So entsteht eine, wichtige Probleme verschleiernde, Frontstellung zwischen «weltoffenen Europ&#228;ern» und «dumpfen Nationalisten». Hinzu kommt, dass aufgrund des Erbes des Jugoslawienkriegs die Alternative einer regionalen Integration in absehbarer Zeit kaum breite Unterst&#252;tzung finden wird.</p>
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		<title>Wahlen in Polen: Eine neoliberale Mehrheit</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/11/wahlen-in-polen-eine-neoliberale-mehrheit/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 12:20:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Länder]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Unternehmer stellt sich gegen die Kirche und sucht Unterst&#252;tzung bei den Linken von Dariusz Zalega Die Wahlen zum Sejm, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Unternehmer stellt sich gegen die Kirche und sucht Unterst&#252;tzung bei den Linken</strong></p>
<p>von <em>Dariusz Zalega</em></p>
<p>Die Wahlen zum Sejm, dem polnischen Parlament, am 9.10. bescherten eine &#220;berraschung: Die antiklerikale Palikot-Bewegung stellte erstmals Kandidaten auf und erzielte auf Anhieb einen gro&#223;en Erfolg. Das Medienereignis hat v&#246;llig verdr&#228;ngt, dass die neoliberalen Reformen an der Weichsel jetzt Tempo aufnehmen werden – denn dies verlangen die «Finanzm&#228;rkte».<br />
<span id="more-3551"></span>Strukturreformen in Polen seien unausweichlich, schrieb die Financial Times gleich nach den Wahlen. Diese Auffassung vertreten alle Experten und die meisten Politiker, da stellt sich nur die Frage: Um welche Reformen geht es?</p>
<p>Aleksander Smolar von der neoliberalen Batory-Stiftung stellt fest: «Die B&#252;rger-Plattform (PO) und  Premier Tusk haben drei Jahre ohne Wahlen vor sich, also drei Jahre, in denen sie alle Macht haben. Und sie haben einen Pr&#228;sidenten, der ihnen nicht nur gewogen ist, sondern die Ansage macht, dass er die Regierung dazu bringen, wird Reformen einzuf&#252;hren. Zudem haben sie eine stabile Mehrheit im Parlament.»</p>
<p>Finanzminister Jacek Rostowski k&#252;ndigte schon im Juni an: «2012 werden wir gro&#223;e Reformen auf den Weg bringen!» Ein Journalist stellte folgenden Katalog «unabdingbarer Ver&#228;nderungen» auf: «Verabschiedung der Rentenreform, Rationalisierung der Verwaltung, &#220;berpr&#252;fung der Sozialleistungen, Anreize zur Arbeit und nicht zum Nichtstun, Abschaffung von Verg&#252;nstigungen und &#252;berfl&#252;ssigen Steuererleichterungen, Entb&#252;rokratisierung der Wirtschaft.»</p>
<p>Eine gewisse Unsicherheit herrscht bei den liberalen &#214;konomen und Publizisten vor dem Konservativismus der PSL (Bauernpartei); diese steht zusammen mit der PO in der Regierungskoalition. Aber gl&#252;cklicherweise gibt es eine zweite Option, es zeigen sich Unterst&#252;tzer f&#252;r die Fachleute in der Regierung, die zu Reformen bereit sind – sie sind jedoch nicht in der Koalition.</p>
<p><strong>Die Palikot-Bewegung</strong></p>
<p>Der Kampf gegen die dominante Rolle der Kirche in Polen, f&#252;r die Rechte der Frauen und die Legalisierung von Marihuana – das waren die wesentliche Forderungen im Wahlkampf der Palikot-Bewegung, der Partei des Unternehmers Janusz Palikot. Gepaart mit gutem Marketing, viel Geld f&#252;r die Wahlkampagne und der charismatischen Pers&#246;nlichkeit des Parteigr&#252;nders Janusz Palikot konnte sie auf dieser Basis ein erstaunliches Ergebnis erzielen, die Partei wurde dritte politische Kraft im polnischen Parlament. Sie setzte ein wichtiges Signal, dass die unverr&#252;ckbar scheinende politische Szene Polens aufgebrochen werden kann.</p>
<p>In der Palikot-Bewegung fand u.a. Wanda Nowicka ihren Platz, die seit Jahren f&#252;r Frauenrechte k&#228;mpft, auch Robert Biedro, ein Aktivist der schwulen Bewegung und der erste Transsexuelle im polnischen Parlament. Gleich nach den Wahlen suchte Palikot linke Unterst&#252;tzung bei den Sozialdemokraten und sogar bei der radikalen Linken.</p>
<p>Palikot hat lange Jahre f&#252;r die B&#252;rger-Plattform Politik gemacht, er sa&#223; f&#252;r sie auch im Sejm, und er ist ein Unternehmer, der seine Gewinne in Steueroasen versteckt. Im Wahlkampf pr&#228;sentierte er vor allem sein linkes Programm f&#252;r gesellschaftliche Ver&#228;nderungen, lie&#223; jedoch sein neoliberales Wirtschaftsprogramm au&#223;en vor. Zum ersten Mal haben wir also in Polen eine liberale Partei im Sinne einer Partei f&#252;r den Gemeinsinn, die gleichzeitig eine neoliberale Wirtschaftspolitik verfolgt.</p>
<p>Trotz des linken Aufklebers ist nicht anzunehmen, dass die Palikot-Bewegung neue wirtschaftliche Ideen in den Sejm einbringen wird. Ein Sprecher der Partei hat sich f&#252;r die Privatisierung der verbleibenden staatlichen Betriebe ausgesprochen. Au&#223;erdem k&#246;nne man, trotz der Katastrophe in Japan, die Atomenergie nicht diskussionslos ad acta legen. Die Palikot-Bewegung tritt zudem daf&#252;r ein, die H&#246;he des Mindestlohns in Abh&#228;ngigkeit von der Produktivit&#228;t einer Region zu definieren. Das soll also links sein?</p>
<p><strong>Die Wahlniederlage der Sozialdemokraten</strong></p>
<p>Das Wahlergebnis der Sozialdemokraten, eine Nachfolgepartei der Polnischen Vereinigte Arbeiterpartei, ehemals die Staatspartei in Polen, war eine Katastrophe. Die SLD ist eine sozialliberale Partei, die stets vor den Wahlen einen Schwenk nach links macht. Weil dieser Schwenk aber im Endeffekt nichts bringt, hat sie an Vertrauen verloren. So sind die eher liberalen Gesinnten bei der PO, ein beachtlicher Teil der sozial Denkenden bei Kaczynski und diejenigen, denen es um Fragen der Weltanschauung geht, bei Palikot untergekommen. Dass die SLD nichts mehr anzubieten hat, unterstreicht die Tatsache, dass Leszek Miller Fraktionsvorsitzender ist. Dieser ehemalige Premier hat polnische Soldaten in den Irak geschickt, ist verantwortlich f&#252;r die geheimen CIA-Gef&#228;ngnisse und hat sich f&#252;r eine lineare Steuer ausgesprochen. Das bedeutet nat&#252;rlich nicht, dass die SLD aus der Parteienlandschaft verschwindet, es gibt noch gen&#252;gend Apparatschiks, die von der Politik leben. Wie lange jedoch kann der Apparat &#252;berleben, wenn das Schiff anf&#228;ngt zu sinken?</p>
<p>Eine weitere &#220;berraschung war das Abschneiden der konservativen Rechten von Jaroslaw Kaczynski. Seine Partei steht am Rand des Zerfalls, zumal seine «jungen W&#246;lfe», die den rechten Rand der Partei bilden, revoltierten und eine eigene Splittergruppe, «die Rechten», gebildet haben. Schon vorher hatte sich am rechten Rand eine Splittergruppe gebildet, «Polen ist das Wichtigste», die bei der Wahl 2% der Stimmen erhielt.</p>
<p>Es zeichnet sich ab, dass die Regierung im Parlament mit einer auseinander driftenden Opposition zu tun haben wird, die &#252;ber keine wirklichen Perspektiven verf&#252;gt.</p>
<p><strong>Die Linke und die Palikot-Bewegung</strong></p>
<p>Monika Karbowska, eine Feministin und engagiert bei der polnischen linken Partei Racja, hatte im Gegensatz zu ihren Genossen vor der Wahl erkl&#228;rt, sie werde nicht auf der Wahlliste der Palikot-Bewegung kandidieren. Eine Kandidatur w&#228;re f&#252;r sie in Frage gekommen, wenn die Bewegung die lineare Steuer und andere neoliberale Vorstellungen, die f&#252;r die Menschen negative Auswirkungen haben, aus dem Programm gestrichen h&#228;tte – dies schien auch m&#246;glich zu sein. Nun stellt sie fest, dass Palikot mit Tusk Gespr&#228;che &#252;ber eine Regierungsbeteiligung f&#252;hrt. Dabei negiert er den Willen seiner Mitstreiter aus anderen Parteien und Bewegungen und vor allem den Willen der B&#252;rger, die diesen Umschwung bislang nicht wahrgenommen haben.</p>
<p>Der Vorsitzende von Racja, Ryszard Dombrowski, kommentierte Monika Karbowskas Entscheidung, sie sei eine «radikale Feministin».</p>
<p><strong>Keine Alternative?</strong></p>
<p>Ein Problem ist die Tatsache, dass es in Polen zu einer Regierung, die die Interessen der reichen Eliten und der internationalen Konzerne st&#252;tzt, derzeit keine Alternative gibt. Das zeigt auch das Abschneiden der radikalen Linken, der PPP (Polnische Partei der Arbeit), die nur 0,6% der Stimmen erhielt. Dies erleichtert das Abdriften in einen technokratischen und asozialen Autoritarismus, wie wir ihn auch in Griechenland erleben.</p>
<p>Als im Juni der Finanzminister gefragt wurde, was geschehen w&#252;rde, wenn die PO keine Mehrheit im zuk&#252;nftigen Parlament bek&#228;me, meinte er lachend: «Nun, da g&#228;be es nur die M&#246;glichkeit, das Milit&#228;r auf die Stra&#223;en zu schicken, das Parlament aufzul&#246;sen und mit Macht alle Reformen durchzusetzen.» Dieses Szenario erscheint noch als eine politische Fiktion, ist jedoch nicht ganz unm&#246;glich – und das nicht nur in Polen.</p>
<p><em>Dariusz Zalega ist Journalist und schreibt u.a. f&#252;r Le Monde Diplomatie Polska. Er arbeitet f&#252;r die Gewerkschaft August ’80.</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Rechtsextreme in der &#220;berzahl</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 12:16:55 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Polnischer Unabh&#228;ngigkeitstag beherrscht von faschistischen Schl&#228;gern von Malgorzata Swiatek Am 11.November «feierte» Polen seinen Unabh&#228;ngigkeitstag. Selbst die offiziellen Feierlichkeiten gingen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Polnischer Unabh&#228;ngigkeitstag beherrscht von faschistischen Schl&#228;gern</strong></p>
<p>von <em>Malgorzata Swiatek</em></p>
<p>Am 11.November «feierte» Polen seinen Unabh&#228;ngigkeitstag. Selbst die offiziellen Feierlichkeiten gingen unter den Schl&#228;gerorgien faschistischer und extrem nationalistischer Gruppen unter. Die Polizei war v&#246;llig &#252;berfordert.<br />
<span id="more-3549"></span>Der 11.November ist f&#252;r die Polen der Tag, an dem sie 1918 ihre Unabh&#228;ngigkeit von Russland, &#214;sterreich und Preu&#223;en erlangten. An diesem Tag melden polnische Nationalisten, Faschisten, Rechtsextreme und Fu&#223;ball-Hooligans traditionell Aufm&#228;rsche durch die polnischen Gro&#223;st&#228;dte an.</p>
<p>In diesem Jahr hatten die Nationalisten einen Marsch durch die Hauptstra&#223;e von Warschau angek&#252;ndigt. Antifaschistische Organisationen (Anarchisten, Linke und &#228;hnliche Gruppen) mobilisierten ebenfalls und meldeten ihre Demonstration/Kundgebung f&#252;r denselben Tag in derselben Stra&#223;e an. Zur Mittagszeit versammelten sich die Antifaschisten auf der Marszalkowska-Stra&#223;e in der N&#228;he des Verfassungsplatzes, wo um 15 Uhr die Nationalisten sich treffen und ihren Marsch beginnen wollten. Die antifaschistische Bewegung baut eine bunte B&#252;hne auf, spielte Musik, G&#228;ste hielten Reden, und die neuen Parlamentsabgeordneten – Feministinnen, Antiklerikale, Schwule und Transsexuelle [die auf der Liste der Palikot-Bewegung ins Parlament gew&#228;hlt worden waren] – waren ebenfalls anwesend. Es waren zumeist junge Leute (Anarchisten, Sambagruppen), aber auch einige Leute mittleren Alters und k&#228;ltere Menschen mit Kindern da.</p>
<p>Auch Antifaschisten aus West- und Osteuropa waren gekommen; die Anarchisten stellten sich sch&#252;tzend um unsere Antifagruppe, sie selbst wurden von den Polizisten umzingelt, die ihrerseits die Nationalisten eingekreist hatten. Auf der Seite der Nationalisten waren auch einige Politiker und Menschen aus West- und Osteuropa anwesend.</p>
<p>Die Antifaschisten z&#228;hlten etwa 2000–3000 Menschen, die Nationalisten 7000–10000, die Polizei etwa 2000 (sie hatte Verst&#228;rkung aus allen Teilen Polens herangeholt).</p>
<p><strong> Der Ablauf</strong></p>
<p>Um 15 Uhr, als die Nationalisten sich anschickten, die Marszalkoswka-Stra&#223;e herunterzulaufen, stellten wir uns ihnen in den Weg. Die Nationalisten wollten durchbrechen, die Polizei stellte sich ihnen entgegen. Die Nationalisten begannen, Steine, Feuerwerksk&#246;rper, Knallfr&#246;sche und &#228;hnliches zu werfen. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tr&#228;nengas ein. Es gab Handgemenge und Schl&#228;gereien, einige Nationalisten, Antifaschisten, Passanten und Polizisten wurden verwundet. Polizeiautos und zwei Fernsehwagen wurden zertr&#252;mmert, einer ging in Flammen auf. &#220;ber 200 Personen wurden verhaftet. Der Stra&#223;enabschnitt, wo die K&#228;mpfe am h&#228;rtesten tobten, wurde schwer verw&#252;stet.</p>
<p>Die K&#228;mpfe endeten am sp&#228;ten Abend, die Polizei informierte die Antifaschisten &#252;ber den sicheren Zeitpunkt, zu dem sie abziehen konnten. Auf dem R&#252;ckweg gab es einige Zwischenf&#228;lle zwischen den Anarchisten und den Faschisten, vor allem in der U-Bahn.</p>
<p>Vor diesem Tag war auf den Webseiten der polnischen Anarchisten viel geschrieben worden &#252;ber deutsche Anarchisten und andere antifaschistische Gruppen, die geplant h&#228;tten, sich unserer Demonstration anzuschlie&#223;en (einige Deutsche schafften es wirklich zu unserer Gruppe). Doch es scheint, dass viele von ihnen mit einem organisierten Transport (Bussen) unterwegs waren, die Polizei davon informiert war und die meisten von ihnen in der N&#228;he ihrer Busse stoppte. Einige kamen trotzdem durch, obwohl die Polizei sie verfolgte. Auf ihrem Weg wurden die Deutschen von den Faschisten und Nationalisten angegriffen, es gab Handgemenge und Schl&#228;gereien, viele Deutsche, Polen und andere Anarchisten wurden verhaftet und viele Stunden, manchmal sogar mehrere Tage lang auf Polizeistationen festgehalten. Die polnische Polizei trat brutal und rassistisch auf, besonders gegen&#252;ber den Deutschen.</p>
<p>Auf der Nowy-Swiat-Stra&#223;e gerieten die Deutschen in eine Schl&#228;gerei mit den Nationalisten und einer Gruppe, die die historischen nationalen Armeeuniformen trug (an dem Tag fanden in der ganzen Stadt viele historische Darbietungen statt). Die Deutschen sagen, sie seien von Fu&#223;ball-Hooligans und Faschisten angegriffen worden, die Menschen in den historischen Kost&#252;men h&#228;tten sich angeschlossen und die Deutschen geschlagen; die Nationalisten sagen, die Deutschen h&#228;tten zuerst angegriffen. Sp&#228;ter machten die Medien viel Aufhebens von den Deutschen, die polnische Patrioten angegriffen h&#228;tten.</p>
<p>Einige deutsche Anarchisten versuchten, sich in einem nahe gelegenen Geb&#228;ude zu verstecken, das einer linken Organisation namens Krytyka Polityczna geh&#246;rt; hier fand sie die Polizei und verhaftete sie. Sie durchsuchte das Geb&#228;ude und fand «Waffen» wie Pfefferspray, Schlagringe, Mund- und Kniesch&#252;tzer, h&#246;lzerne Beinschienen und Masken. Die Leute von Krytyka Polityczna sagen, sie wissen nicht, wie die Waffen dahin gekommen sind. Einige meinten, die Polizei h&#228;tte sie dort hingebracht.</p>
<p><strong>Nachlesen</strong></p>
<p>Die Medien kritisieren die st&#228;dtischen Beh&#246;rden daf&#252;r, dass sie beide Demonstrationen an demselben Ort genehmigt hat. Der Staatspr&#228;sident fordert jetzt sch&#228;rfere Gesetze, die es den Beh&#246;rden erlauben, eine Demonstration zu verbieten, wenn sie f&#252;rchten, sie artet in Gewalt aus. Viele Organisationen auf der Rechte wie auf der Linken kritisieren das, weil es bedeuten kann, dass niemand mehr legal demonstrieren darf. Das Gesetz muss noch durchs Parlament, im Moment ist es nur ein Plan.</p>
<p>Viele Menschen, die an beiden Demonstrationen teilgenommen haben, sind der Meinung, die Polizei und die Beh&#246;rden habe diese Gewalt gewollt, damit das Gesetz ge&#228;ndert werden kann und die Regierung freie Hand hat bei k&#252;nftigen Demonstrationen. Es kann auch sein, dass es bei den Nationalisten viele Zivilpolizisten gab, die einige Schl&#228;gereien angezettelt haben.</p>
<p>Offensichtlich wusste die Polizei, wer zur Demonstration kommen w&#252;rde. W&#228;hrend die Deutschen n&#228;mlich auf einer Bushaltestelle gestoppt wurden, konnten ukrainische Nationalisten problemlos bis Warschau kommen und an den Stra&#223;enk&#228;mpfen teilnehmen (es hei&#223;t, sie seien von der Aggressivit&#228;t der Polizei &#252;berrascht gewesen). Auch Fu&#223;ball-Hooligans aus ganz Polen hatten kein Problem, in die Stadt zu gelangen. Es scheint, nur die deutschen Anarchisten sollten festgesetzt werden.</p>
<p>Einige Linke sagen, es sei unn&#246;tig gewesen, auf der Stra&#223;e zu demonstrieren, wo die Faschisten marschieren wollten, die Antifaschisten h&#228;tten ihre eigenes «Happening/Demonstration/ Kundgebung» woanders machen sollen. Wir w&#228;ren sch&#246;n dumm gewesen, uns von der liberalen Tageszeitung Gazeta Wyborcza provozieren zu lassen, die die antifaschistische Demonstration unterst&#252;tzt hatte.</p>
<p>Dazu m&#246;chte ich an die antifaschistische Demonstration im vergangenen Jahr erinnern: Wir haben den faschistischen Aufmarsch ohne Voranmeldung blockiert und die Polizei hat uns sehr brutal behandelt und sorgte daf&#252;r, dass die Nationalisten durchkamen. In diesem Jahr war es andersherum, die Polizei hat uns davor «besch&#252;tzt», von den Faschisten und Nationalisten massakriert zu werden. Doch die Nationalisten waren st&#228;rker als wir und die Polizei zusammen genommen, h&#228;tten sie unsere Demonstration erreicht, w&#228;ren wir massakriert worden, die ersten, die zusammengeschlagen worden w&#228;ren, w&#228;ren farbige G&#228;ste und der bekannte schwule Politiker gewesen, der im vergangenen Jahr von Hooligans und von der Polizei zusammengeschlagen worden ist. Politisch h&#228;tte eine solche Gewalt gegen uns f&#252;r die Regierung kein gutes Bild abgegeben.</p>
<p><em>Malgorzata Swiatek ist 52 und bezeichnet sich als linke, feministische, antiklerikale und &#246;kologische Aktivistin. Vormals war sie bei Attac und Greenpeace aktiv, jetzt geh&#246;rt sie zur feministischen Bewegung EFI. Sie ist auch Mitglied der antiklerikalen Partei Racja und der Anti-Gen-Bewegung.</em></p>
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		<title>Polen: Containersiedlungen</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 12:09:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In Polen gibt es gro&#223;e Wohnungsprobleme. Die meisten Menschen haben keine reichen Br&#252;der und Schwestern, die ihnen H&#228;user sanieren und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Polen gibt es gro&#223;e Wohnungsprobleme. Die meisten Menschen haben keine reichen Br&#252;der und Schwestern, die ihnen H&#228;user sanieren und bauen. Die, die Geld haben, kaufen sich zunehmend Wohnungen in geschlossenen Wohnanlagen. Da sind sie unter sich, es gibt einen Wachschutz, der ihnen den P&#246;bel fernh&#228;lt. Die B&#252;rgermeisterin von Warschau schickt ihre Verwaltungsangestellten nach Rio de Janeiro, damit sie sich ansehen, wie dort das Problem der wachsenden Stadtbev&#246;lkerung gel&#246;st wird.<br />
<span id="more-3544"></span>Einige polnische St&#228;dte sind dabei, L&#246;sungen zu finden. So kamen die Stadtherren von Poznan auf die Idee, Containersiedlungen am Stadtrand zu errichten. Geplant ist, mehr als 300 Wohnungen in der Innenstadt zwangsweise zu r&#228;umen. Die Mieten in der Innenstadt steigen, saniert wird aber nicht. Viele Leute k&#246;nnen diese Mieten nicht mehr bezahlen. Solch ein Volk wollen die Stadtherren nicht mehr im Zentrum ihrer Stadt – schlie&#223;lich will die sich von ihrer besten Seite zeigen. Und es gibt genug Besserverdienende, die das Geld haben, in der Innenstadt zu wohnen, ihnen w&#252;rden  sch&#246;ne sanierte H&#228;user geboten.</p>
<p>Seit Jahren gibt es viele Initiativen gegen Zwangsr&#228;umungen. Sie machten darauf aufmerksam, dass Schwangere und M&#252;tter mit Babys widerrechtlich zwangsger&#228;umt wurden. Sie besetzten H&#228;user und Hausflure. Bei der Umsiedlung in Container schienen sie keine Chance zu haben. Da brachten linke Aktivisten, die bei Palikot auf die Liste (und ihm auf den Leim) gegangen sind, den bekannten Politiker dazu, mit ihnen gegen die Zwangsr&#228;umungen aufzutreten. Nun ist die Zwangsr&#228;umung f&#252;r viele erst einmal bis zum Fr&#252;hjahr ausgesetzt. Hoffentlich bleibt das nicht ein Feigenblatt. Sonst schafft die Politik dieser «Bewegung» nicht nur Containersiedlungen, sondern vielleicht auch Favelas à la Rio.</p>
<p><strong> Nachtrag</strong></p>
<p>Am 16.11. haben in Warschau Mitglieder von Mietervereinen zwei Zwangsr&#228;umungen verhindert. In einem Fall sollte eine &#228;ltere kranke Frau auf die Stra&#223;e gesetzt werden, die Wohnung geh&#246;rt der Armee. In einem anderen Fall erschien der Gerichtsvollzieher mit der Polizei bei einer Frau mit einem 4-j&#228;hrigen Kind. Da nicht abzusehen war, ob der Gerichtsvollzieher wiederkommt, wurden vor der Wohnung Wachen organisiert.</p>
<p>In Danzig wurde ein «Rettungsdienst» eingerichtet, nachdem die Mieten um 150% gestiegen sind und die Stadt dabei ist, Containersiedlungen zu schaffen. Der Rettungsdienst wurde von zwei sozialen Bewegungen des Namens «Nichts &#252;ber uns ohne uns» und «Kanzlei der sozialen Gerechtigkeit» gebildet. Der Dienst vermittelt Hilfe und k&#252;mmert sich auch um alle sonstigen Fragen. Aufkleber in der Stadt geben Hinweise: «Dir wird bei uns geholfen – ruf an!»</p>
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		<title>«Um die mindeste Forderung zu verwirklichen, muss man die Regierung st&#252;rzen»</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 11:13:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Griechenland Von Sonia Mitralia Beitrag zur Er&#246;ffnung der Konferenz «Europe against Austerity», die am 1.Oktober 2011 von der Londoner Coalition [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Griechenland</strong><br />
Von <em>Sonia Mitralia</em></p>
<p>Beitrag zur Er&#246;ffnung der Konferenz «Europe against Austerity», die am 1.Oktober 2011 von der Londoner Coalition of Resistance organisiert wurde.<br />
<span id="more-3413"></span>Ich komme aus Griechenland, ein Land, das von denen, die es zu retten behaupten, ausgeblutet und zerst&#246;rt wird: dem Internationalen W&#228;hrungsfonds, der Europ&#228;ischen Zentralbank und der Europ&#228;ischen Kommission. Nach der Verabschiedung, Anwendung und vor allem Scheitern der vier Schocktherapien, die unter dem Namen «Memorandum» bekannt sind, und nach der aktuellen Anwendung der f&#252;nften Therapie, der drastischsten und inhumansten, ist Griechenland nicht mehr das Land, das wir gekannt haben: Jetzt sind die Stra&#223;en nach Sonnenuntergang leer, Restaurants halten verzweifelt Ausschau nach G&#228;sten, die L&#228;den in den verlassenen Einkaufsstra&#223;en verfallen.<br />
Den Grund f&#252;r diese Ver&#228;nderungen liefern folgenden Zahlen und Fakten: Die Lohnempf&#228;nger und Rentner haben schon 30–50%, manchmal noch mehr, ihrer Kaufkraft verloren. Das f&#252;hrte dazu, dass nahezu 30% der Gesch&#228;fte und 35% der Tankstellen f&#252;r immer dicht gemacht haben. Die Erwerbslosigkeit wird im n&#228;chsten Jahr die 30%-Marke erreichen. Es wird 40% weniger Krankenh&#228;user und Krankenhausbetten geben. Der griechische Staat war vor einigen Tagen nicht in der Lage, seinen Schulkindern Schulb&#252;cher zu geben: sie wurden aufgefordert, sich Fotokopien zu machen. Kurz, der Hunger – ja, der Hunger – f&#228;ngt an, sich in den gro&#223;en St&#228;dten breit zu machen, das Land f&#228;llt in Not und Verzweiflung und die Selbstmorde nehmen zu.</p>
<p>Doch die Griechen sind nicht nur verzweifelt. Sie sind auch k&#228;mpferisch, sie leisten Widerstand, und sie k&#228;mpfen. Besonders seit Ende Mai 2011 die aganaktismeni, die griechischen Indignados, aufgetaucht sind, die die Pl&#228;tze Hunderter griechischer St&#228;dte mit einer gro&#223;en, radikalisierten Menschenmenge und zwei Hauptlosungen f&#252;llten: «Wir schulden nichts – wir verkaufen nichts – wir zahlen nichts» und «Sie sollen alle abhauen».</p>
<p>Aber Vorsicht: In Griechenland Widerstand zu leisten, in der Zeit der barbarischen Austerit&#228;t der Memoranda, ist nicht einfach. Erstens wegen der Repression, die schrecklich, systematisch und inhuman ist. Und dann, weil folgender Gesichtspunkt so wichtig ist: Griechenland ist gegenw&#228;rtig weltweit der Testfall, ein wahrhaft globales Laboratorium, in dem die F&#228;higkeit der Menschen zum Widerstand gegen die Strukturanpassungspl&#228;ne in der gro&#223;en Krise der Staatsschulden getestet wird. Alle Augen – derer, die oben sind, wie auch derer, die unten sind – richten sich auf dieses kleine europ&#228;ische Land, das das Pech hat, das globale Versuchskaninchen des zynischsten Neoliberalismus zu werden. Daraus folgt, dass man, um die mindeste Forderung zu verwirklichen, praktisch die Regierung st&#252;rzen und nicht weniger als die Revolution machen muss!</p>
<p>Die Lehre, die wir aus dieser beispiellosen Situation ziehen, lautet heute mehr denn je: Es gibt keine Rettung innerhalb der nationalen Grenzen. Angesichts der Heiligen Allianz der Regierungen mit den oberen Zehntausend sind Koordination und Vernetzung von unten unerl&#228;sslich f&#252;r jedwede Hoffnung auf Erfolg! Einfach ausgedr&#252;ckt, und damit der griechische Test nicht zum Wohl unserer Henker der ber&#252;chtigten Troika aus IWF, EZB und Europ&#228;ischer Kommission ausgeht, m&#252;ssen wir unsere Kr&#228;fte so schnell wie m&#246;glich vereinen, um die Heilige Allianz derer, die unten sind, zu bilden!</p>
<p>Es war kein Zufall, dass die erste internationale Konferenz gegen Verschuldung und Sparprogramme Anfang Mai 2011 in Athen von der griechischen Initiative f&#252;r eine internationale Kommission f&#252;r ein &#246;ffentliches Schuldenaudit organisiert wurde, eine Bewegung, zu deren Gr&#252;ndungsmitgliedern ich geh&#246;re. Der gro&#223;e Erfolg dieser ersten internationalen Konferenz hat uns angenehm &#252;berrascht, aber in Wirklichkeit war er in doppelter Hinsicht ein Omen: erstens, weil nur zwei Wochen sp&#228;ter die Bewegung der griechischen Indignados mit der Besetzung des Syntagma-Platzes auf die soziale und politische B&#252;hne st&#252;rmte, und zweitens, weil zunehmend klar wurde, dass nicht nur die Frage der &#246;ffentlichen Verschuldung die Wurzel aller Hauptfragen unserer Zeit bildet, sondern dass auch die unabh&#228;ngige Mobilisierung um die Forderung nach einem &#246;ffentlichen Schuldenaudit mehr als m&#246;glich ist, weil sie eine wirkliche Forderung breiter Massen ist!</p>
<p>Ich denke, dass die Lehre, die aus der Erfahrung der griechischen Initiative f&#252;r eine internationale Kommission f&#252;r ein &#246;ffentliches Schuldenaudit gezogen werden kann, nicht l&#228;nger nur f&#252;r Griechenland g&#252;ltig ist. Sie ist es auch f&#252;r alle anderen L&#228;nder, die von den Finanzm&#228;rkten, der Troika und dem Kapital angegriffen werden: Das &#246;ffentliche Schuldenaudit mag auf dem ersten Blick als eine undankbare Aktivit&#228;t erscheinen, als nicht sehr attraktiv und nur f&#252;r Spezialisten geeignet, aber in Wirklichkeit ist es f&#228;hig, breite Massen unter zwei Bedingungen zu inspirieren: Erstens, dass es vollkommen unabh&#228;ngig ist von den Institutionen und dass es von den Menschen in den Wohnvierteln, an den Arbeitspl&#228;tzen und Studienorten unterst&#252;tzt wird, und zweitens, dass es deutlich bestrebt ist, den illegitimen Teil der Schulden zu identifizieren, der gestrichen werden muss und nicht bezahlt werden darf!<br />
F&#252;nf Monate nach dieser ersten internationalen Konferenz in Athen gegen Verschuldung und Sparpolitik k&#246;nnen wir das erreichte Terrain ermessen: Der griechischen Initiative wird fast &#252;berall in Europa, im S&#252;den wie im Norden, im Westen wie im Osten, nachgeeifert. Die Aufgabe, die diese Situation uns auferlegt, ist klar: Diese Bewegungen und Kampagnen zum &#246;ffentlichen Schuldenaudit sollten bald zusammenkommen und sich vernetzen, damit ihre Aktionen effizienter werden und die Erwartungen der Menschen erf&#252;llen, bevor es f&#252;r alle zu sp&#228;t ist.</p>
<p>Genau diese Aufgabe wurde vom CADTM (dem Komitee f&#252;r die Aufhebung der Schulden der Dritten Welt) aufgegriffen, dessen Mitglied ich auch bin und das seine Fachkenntnis – die Frucht eines zwanzigj&#228;hrigen Kampfes auf der Seite der Armen im S&#252;den der Welt – mit seiner Pr&#228;senz in den K&#228;mpfen in verschiedenen europ&#228;ischen L&#228;ndern verbindet. Der theoretische und praktische Beitrag des CADTM in der Entwicklung der Bewegung gegen Verschuldung und Sparpolitik in Griechenland und in anderen L&#228;ndern war und bleibt sehr wichtig.Aber ich f&#252;rchte, dass wir angesichts des neuen, wirklich t&#246;dlichen Krieges zwischen Reich und Arm mehr als das CADTM und alle anderen internationalen Netzwerke ben&#246;tigen, die mutig gegen Verschuldung und Sparpolitik k&#228;mpfen. Wir ben&#246;tigen viel mehr aktive Kr&#228;fte, viel mehr programmatische Entwicklung und vor allem viel mehr Koordinierung &#252;ber nationale Grenzen hinweg.</p>
<p>Ich m&#246;chte nun enden mit etwas, das mir sehr am Herzen liegt: die autonome Organisation oder, besser gesagt, die Selbstorganisation und der Kampf von Frauen gegen Verschuldung und Sparpolitik. Wenn Frauen die ersten Opfer der aktuellen neoliberalen Aggression gegen die Lohnabh&#228;ngigen und die Gesellschaft sind, so nicht nur, weil sie massenhaft entlassen werden, sondern weil ein Eckstein dieser Aggression, n&#228;mlich die Zerst&#246;rung und Privatisierung des &#246;ffentlichen Dienstes, direkt zur Folge hat, dass Frauen gezwungen werden, innerhalb der Familie Aufgaben wahrzunehmen, die bis gestern vom Staat erf&#252;llt wurden. Die Frauen m&#252;ssen nun zu Hause privat Dienste erbringen, die einst von Kinderg&#228;rten, Krankenh&#228;usern, Altenheimen, der Erwerbslosenunterst&#252;tzung, psychiatrischen Einrichtungen und der Sozialversicherung geleistet wurden.Und das alles v&#246;llig unentgeltlich! Und dar&#252;ber hinaus alles in der ideologischen Verpackung einer erzwungen R&#252;ckkehr zu Heim und Familie durch die sog. «Natur» der Frau, die nur als unterw&#252;rfige Sklavin anderer akzeptiert wird! In einem Wort, durch eine R&#252;ckkehr zur elendsten Form des Patriarchats, in Kombination mit einem Frontalangriff gegen die wenigen Rechte, die wir Frauen noch haben.</p>
<p>Meine Schlussfolgerung ist kategorisch: Deshalb m&#252;ssen sich Frauen unabh&#228;ngig organisieren im Kampf gegen Verschuldung und Sparpolitik. Wenn sie es nicht tun, wird es niemand an ihrer Stelle tun.</p>
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