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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Lateinamerika</title>
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		<title>Ollanta Humala gewinnt die Wahlen in Peru</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jul 2011 10:08:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>

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		<description><![CDATA[Er ist eher f&#252;r die Multis als f&#252;r die Campesinos Interview mit Hugo Blanco Am 5.Juni ging Ollanta Humala als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Er ist eher f&#252;r die Multis als f&#252;r die Campesinos</strong><br />
<em>Interview mit Hugo Blanco</em><br />
Am 5.Juni ging Ollanta Humala als Sieger aus der Stichwahl um die Pr&#228;sidentschaft Perus hervor. Alf Zach&#228;us sprach mit dem peruanischen &#214;kosozialisten Hugo Blanco.</p>
<p><span id="more-2587"></span>Humala kommt aus einer ethnonationalistischen Bewegung und war Oberstleutnant der Armee. Vor allem die indigene Bev&#246;lkerung auf dem Hochland setzt in ihn die Hoffnung, er werde die Reihe der fortschrittlichen Pr&#228;sidenten Lateinamerikas fortsetzen.</p>
<p><em>Entgegen allen Voraussagen hat Ollanta Humala die zweite Runde der Pr&#228;sidentschaftswahlen in Peru knapp gewonnen. Allgemein wird er als Linksnationalist charakterisiert. Welche Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede siehst du zwischen einem Politiker wie Ollanta Humala und Hugo Chávez oder Evo Morales?</em></p>
<p>Da gibt es sehr gro&#223;e Unterschiede. Ollanta Humala hat sich nie als links bezeichnet. Er kritisiert zun&#228;chst einmal nur den Neoliberalismus in seiner reinen Form. Das reicht heute allerdings schon aus, um sich das Etikett «Linker» zu verdienen. Er ist eher mit Lula vergleichbar. Lula stand als Staatsoberhaupt Brasiliens jedoch dem mit Abstand m&#228;chtigsten Land S&#252;damerikas vor, er agierte zugleich als Interessenvertreter des brasilianischen Gro&#223;kapitals.</p>
<p>Die peruanische &#214;konomie verzeichnete in den letzten Jahren enorme Wachstumsraten. Bei der Mehrheit der Bev&#246;lkerung ist von den neuen Eink&#252;nften allerdings nichts angekommen. Humala verspricht erst einmal nur, an diesem Missverh&#228;ltnis etwas zu &#228;ndern, z.B. indem er die multinationalen Bergwerksgesellschaften st&#228;rker besteuert und dadurch die Staatseinnahmen erh&#246;ht. &#220;ber diesen Weg sollen dann umfangreiche Sozialprogramme finanziert werden.</p>
<p><strong>Fujimori kehrt nicht zur&#252;ck</strong></p>
<p>Auf einer anderen Ebene ist sein Sieg allerdings von nicht zu untersch&#228;tzender Bedeutung: Die durchaus sehr reale Gefahr der R&#252;ckkehr einer Diktatur à la Fujimori konnte f&#252;rs erste gebannt werden.</p>
<p>Man darf nicht vergessen, f&#252;r was der Vater der Gegenkandidatin Keiko Fujimori, Alberto Fujimori, steht. Unter seiner Pr&#228;sidentschaft wurde 1992 die Verfassung au&#223;er Kraft gesetzt und eine Diktatur installiert. Er steht f&#252;r zahllose Morde, die seine Regierung und das Milit&#228;r der maoistischen Guerillabewegung Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) in die Schuhe schieben wollten. Sp&#228;ter stellte sich heraus, dass Paramilit&#228;rs im Auftrage der Regierung die meisten Massaker ver&#252;bt haben, ihnen sind vor allem Campesinos in den Anden zum Opfer gefallen. Fujimori steht f&#252;r systematische Folter. Wenn man so will, war der von ihm propagierte Kampf gegen die Armut gleichbedeutend mit einem Krieg gegen die Armen.</p>
<p>Unter seiner Diktatur in den 90er Jahren grassierte die eh schon gewaltige Korruption immer mehr. Fujimoris rechte Hand, sein Milit&#228;rberater Vladimiro Montesinos, war ma&#223;geblich in den grenz&#252;bergreifenden Drogenhandel involviert. 1992 lie&#223; Fujimori seine eigene Frau, Susana Higuchi, entf&#252;hren und foltern, weil sie die Veruntreuung von Spenden publik gemacht hatte. Die gleichen Leute, die fr&#252;her hinter Alberto Fujimori standen, unterst&#252;tzen heute seine Tochter Keiko Fujimori. Das erste, was sie nach einem Wahlsieg getan h&#228;tte, w&#228;re die Freilassung ihres Vaters und seiner Komplizen gewesen.</p>
<p><strong>Die Interessen der Campesino</strong></p>
<p><em>Was ist von dem Versprechen Humalas zu halten, eine Wirtschafts- und Sozialpolitik im Interesse der Mehrheit der Peruanerinnen und Peruaner zu machen?</em></p>
<p>Nach allem, was Humala bisher &#252;ber Wirtschaftspolitik gesagt hat, scheint er keinen radikalen Bruch mit der bisherigen Logik anzusteuern: Auch Humala geht davon aus, dass Peru nur dann Fortschritte machen kann, wenn die multinationalen Konzerne hohe Ums&#228;tze und Profite erzielen.</p>
<p>Dabei belegt die t&#228;gliche Erfahrung der meisten Peruaner das Gegenteil: So wird das in Peru gewonnene Gas – f&#252;r die meisten Haushalte die wichtigste Energiequelle – bei uns zu einem h&#246;heren Preis verkauft als im Ausland. Nur in der F&#246;rderregion im Osten ist es etwas anders.</p>
<p>Ich denke, es stehen uns noch gro&#223;e Konflikte zwischen den sozialen Bewegungen und der neuen Regierung bevor. S&#252;dlich von Puno, am Titicacasee, direkt an der bolivianischen Grenze, streiken seit dem 9.Mai die Campesinos. Sie haben sich in der Frente de Defensa de los Recursos Naturales de Puno (FDRNP – Front zur Verteidigung der nat&#252;rlichen Ressourcen von Puno) zusammengeschlossen. Ihr Sprecher ist Walter Aduviri Calizaya.</p>
<p>Die Campesinos der Provinz Puno verlangen von der Provinzialregierung die Aufhebung aller Bergbaukonzessionen, die in den letzten Jahren vergeben wurden. Die Frente hatte bis zum 1.Juni u.a. den Grenz&#252;bergang &#252;ber die Br&#252;cke von Desaguadero besetzt. Die Blockade wurde dann bis zum 8.Juni aufgehoben, weil der Streik f&#252;r die Zeit der Wahlen ausgesetzt wurde. Gerade hier hat Humala prozentual die meisten W&#228;hlerstimmen gewonnen. Nur, bisher favorisiert er ebenfalls eine weitere Ausweitung der Bergbauaktivit&#228;ten im ganzen Land, ohne R&#252;cksicht auf die zu erwartenden Umweltsch&#228;den.</p>
<p>Die multinationalen Bergwerksgesellschaften wollen nat&#252;rlich die Bodensch&#228;tze des Landes ausbeuten. In der Praxis interessiert sich das gro&#223;e Kapital nicht f&#252;r die Umwelt, da spielt ein anderer Grundsatz eine Rolle. Ich sehe bisher nicht, dass Humala bereit ist, einer anderen Logik zu folgen als seine Vorg&#228;nger. Dies widerspricht allerdings zutiefst den Zielen seiner Anh&#228;nger.</p>
<p><em>Welche Rolle spielt die Lage der indigenen Campesinos heute im politischen Diskurs deines Landes?</em></p>
<p>Im Gegensatz zu fr&#252;her spielt die Frage der Verbesserung der Lage der Landbev&#246;lkerung, z.B. durch eine gerechtere Verteilung des Landes, gar nicht die zentrale Rolle. Bei den gr&#246;&#223;ten Auseinandersetzungen geht es um die Verteidigung der nat&#252;rlichen Ressourcen und einer halbwegs intakten Umwelt, auf die die indigene Bev&#246;lkerung angewiesen ist.</p>
<p>In der Region Arequipa wehren sich z.B. Campesinos dagegen, dass das Wasser, das sie bisher f&#252;r ihre Felder nutzen konnten, f&#252;r den Betrieb einer Gro&#223;mine umgeleitet wird. Im Osten des Landes gibt es einen gro&#223;en Konflikt um ein Staudammprojekt, dem zahlreiche Familienbetriebe zum Opfer zu fallen drohen. Und in Puno k&#228;mpft die FDRNP gegen die drohende Verschmutzung des Titicacasees durch neue Gro&#223;minen multinationaler Konzerne. Den indigenen Basisbewegungen geht es also zurzeit in erster Linie um die Abwehr von Angriffen auf ihre Lebensgrundlagen und weniger um die Landfrage.</p>
<p><strong>In Lima hat man keine Ahnung</strong></p>
<p>Sieht man sich die Wahlergebnisse in den einzelnen Landesteilen genauer an, so kann man eine recht deutliche geografische Differenzierung erkennen. Lima und die nordwestliche K&#252;stenregion haben mehrheitlich f&#252;r Keiko Fujimori gestimmt. Im S&#252;den, im Hochland und im Osten entschieden sich die W&#228;hler mehrheitlich f&#252;r Ollanta Humala. Wie erkl&#228;rt sich dieser Unterschied im Wahlverhalten?</p>
<p>Wie bereits gesagt, hat Humala die meisten Stimmen in Puno am Titicacasee erhalten. Im Grunde war er dort am erfolgreichsten, wo es derzeit die gr&#246;&#223;ten sozialen Auseinandersetzungen gibt. Im Hochland sind das neben Puno die Regionen Arequipa oder Cusco.</p>
<p>Sein Erfolg im Osten hat die gleiche Ursache. Es sei nur daran erinnert, dass ausgerechnet am 5.Juni vor zwei Jahren auf Gehei&#223; des damaligen Pr&#228;sidenten Alan García ein Massaker an Indigenen ver&#252;bt wurde, das Massaker von Bagua, dem 34 Menschen zum Opfer fielen. Ursache war die Erlaubnis der Regierung zur ungehinderten Ausbeutung der &#214;l- und Gasvorkommen im Amazonasbeckens im Sinne des Freihandelsabkommens mit den USA.</p>
<p>Es gilt festzuhalten, die Mehrheit der W&#228;hler Humalas will einen grundlegenden  Politikwechsel. Zun&#228;chst erwarten viele von ihm, dass er sie gegen die Angriffe der multinationalen Konzerne auf ihre Lebensgrundlagen sch&#252;tzt. Keiko Fujimori konnte in Lima und im Nordwesten eine Mehrheit f&#252;r sich gewinnen, weil es derzeit dort solche Konflikte nicht gibt. In Lima haben die gro&#223;en Fernsehkan&#228;le viel gr&#246;&#223;eren Einfluss auf die &#246;ffentliche Meinung als im Hochland oder im Regenwald. Die sind jedoch, ebenso wie die gro&#223;en Zeitungen, in den H&#228;nden der Oligarchie.</p>
<p>Das Fernsehen verbreitet st&#228;ndig Schauergeschichten &#252;ber Humala. Es wird nicht m&#252;de, ihn als Kommunisten hinzustellen, der das Land in den Abgrund f&#252;hren werde. Es sind die gleichen M&#228;rchen, die diese Medien auch &#252;ber Chávez und Morales verbreiten. Allen Ernstes behaupten sie, in Venezuela m&#252;sse man hungern usw. usf. Das sind die Nachrichten, die man in Lima st&#228;ndig zu h&#246;ren und zu lesen bekommt.</p>
<p>Im Landesinneren Perus sp&#252;rt man hingegen tagt&#228;glich die Aggressivit&#228;t der multinationalen Konzerne. Im Hochland und im Regenwald erlebt man hautnah, wie die Multis das Land auspl&#252;ndern, die Umwelt verseuchen und die Lebensgrundlagen der ortsans&#228;ssigen Bev&#246;lkerung unwiederbringlich zerst&#246;ren.</p>
<p><em>Hugo Blanco Galdos ist &#214;kosozialist und Herausgeber der in Cusco erscheinenden Zeitung </em>Lucha Indígena<em>. Seit 1958 ist er in der indigenen Bauernbewegung Perus aktiv und wurde daf&#252;r in den 60er Jahren unter falschen Anschuldigungen zu 25 Jahren Haft verurteilt. Bis zum Staatsstreich von Fujimori 1992 war er Parlamentsabgeordneter.</em></p>
<p><em>Alf Zach&#228;us ist Wirtschafts- und Sozialhistoriker, lebt derzeit in Halle a.d.S. und arbeitet u.a. f&#252;r Radio Corax.</em></p>
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		<title>Kuba nach dem Parteitag</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/05/kuba-nach-dem-parteitag/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 May 2011 13:52:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>

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		<description><![CDATA[von Guillermo Almeyra Vom 16. bis 19.April fand in Havanna der erste Parteitag der Kommunistischen Partei Kubas nach 14 Jahren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Guillermo Almeyra</em><br />
Vom 16. bis 19.April fand in Havanna der erste Parteitag der Kommunistischen Partei Kubas nach 14 Jahren statt.<br />
<span id="more-2380"></span>Von den 115 Mitgliedern des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) hatten 78 schon einmal nationale F&#252;hrungspositionen inne, 18 kommen aus den Streitkr&#228;ften und aus dem Innenministerium; 20 haben in Provinzleitungen gesessen, 8 in Vorst&#228;nden auf kommunaler Ebene; 2 sind Universit&#228;tsrektoren, nur 7 arbeiten in der Produktion und im Dienstleistungssektor. Bei den 15 Mitgliedern des Politb&#252;ros liegt das Durchschnittsalter bei 70 Jahren; es gibt nur eine Frau, niemand ist j&#252;nger als 45 Jahre. Im Sekretariat des ZK, das aus vier Personen besteht, gibt es eine Frau; unter den zehn Ersten Provinzsekret&#228;ren sind zwei Frauen; zwei von acht Ministern sind Frauen.</p>
<p>Man kann also sagen, dass es sich bei diesem ZK um eine F&#252;hrung aus Milit&#228;r-, Staats- und Kulturb&#252;rokraten handelt, die das mittlere Alter &#252;berschritten haben, angereichert um ein paar j&#252;ngere Technokraten und Mitglieder des Staats- und Parteiapparats, die sehr wenige Frauen und junge Menschen z&#228;hlt.</p>
<p>Auf dem Parteitag setzte sich der effizienteste und produktivste Sektor der B&#252;rokratie, das Milit&#228;r, gegen&#252;ber dem konservativsten und dogmatischsten – der Parteib&#252;rokratie – durch und ordnete diese den staatlichen Belangen unter – im Namen der Effizienz und des b&#252;rokratischen Wandels der B&#252;rokratie.Das Wichtige ist jedoch, dass die breite Diskussion der Bev&#246;lkerung &#252;ber das von den F&#252;hrungsspitzen pr&#228;sentierte Reformprojekt – obgleich bereits ausgeheckt und zum Teil schon in Umsetzung begriffen – dazu verhalf, dass die Sorgen der Bev&#246;lkerung auf dem Parteitag einen verzerrten Ausdruck fanden.</p>
<p>Diese Diskussionen f&#252;hrten bspw. dazu, dass einige der abwegigsten Aspekte des Reformprojekts aufgegeben wurden, z.B. die Schaffung von Sonderwirtschaftszonen mit voller Freiheit f&#252;r das Kapital nach chinesischem Vorbild, oder die Unversch&#228;mtheit, Golfpl&#228;tze einrichten zu wollen, in einem Land, das wenig Wasser hat und zudem unter Wohnungsnot leidet, oder der Vorschlag, Unternehmern, wie in jedem beliebigen kapitalistischen Land, die Besch&#228;ftigung von Lohnarbeitern zu erlauben. Es gab den Vorschlag, die libreta (das B&#252;chlein mit den Bezugsscheinen) als staatliches Instrument der Preiskontrolle zu beizubehalten – nun wird sie nicht sofort abgeschafft, sondern graduell.</p>
<p>Ihre Abschaffung bereitet der Bev&#246;lkerung gro&#223;e Sorge, denn die libreta wurde von den «Reformern» – ebenso wie die staatliche F&#252;rsorge f&#252;r die &#196;rmsten – bereits als deutliches Beispiel f&#252;r «sch&#228;dliche Gleichmacherei» angeprangert, die im kollektiven Bewusstsein aber sehr verankert ist, weil sich die Bev&#246;lkerung weigert, eine Verteilung nach Marktkriterien, nach dem Geldbeutel, als «ethisch» zu akzeptieren.</p>
<p>Der Parteitag zog nicht einmal in Betracht, dass die Beteiligung der Werkt&#228;tigen ein entscheidendes politisches und wirtschaftliches Element ist. Keine Rede von Beteiligungshaushalten als Resultat einer freien Diskussion der Werkt&#228;tigen, keine Rede davon, wie Selbstverwaltung zu organisieren sei, die zweifellos zur Steigerung der Produktivit&#228;t und Kreativit&#228;t und zur Einsparung von Material f&#252;hren w&#252;rde, das jetzt importiert werden muss.</p>
<p>Keine Rede auch davon, wie Arbeitsvertr&#228;ge zwischen Unternehmen oder dem Staat, und demokratisierten Gewerkschaften, unter bewusster Beteiligung der Arbeiter entwickelt werden k&#246;nnen. Stattdessen wurde weiter davon gesprochen, den Plan mit dem Markt zu verbinden, wo doch Letzterer, per Definition, unkontrollierbar ist und es folglich nicht m&#246;glich ist, ihn zu planen, sondern h&#246;chstens unverbindliche Teilpl&#228;ne zu erstellen, die nach dem Verfahren von trial and error kontrolliert werden.</p>
<p>Es gab keine ernsthafte Diskussion, in welchem internationalen (&#246;konomischen, politischen und &#246;kologischen) Kontext die Entschlie&#223;ungen des Parteitags stehen. Auch wurde keine Selbstkritik dazu geleistet, warum der Kongress Anfang des vergangenen Jahrzehnts, im schwierigsten Moment der kubanischen Revolution, um neun Jahre verschoben wurde; auch nicht dazu, dass dieselben F&#252;hrer, die in der Vergangenheit gro&#223;e Fehler gemacht haben, jetzt einen extremen Kurswechsel vornehmen, und dies ohne die mindeste theoretische Begr&#252;ndung.</p>
<p>Wohin wird Kuba gehen, wenn die Importe von Nahrungsmitteln und Erd&#246;l zunehmen? In Richtung von mehr Staatskapitalismus? Denn das, was die Regierung als sozialistische Staatsbetriebe bezeichnet, beruht auf Lohnarbeit, es sind einfach nur Staatsbetriebe und basta. In die Richtung eines unm&#246;glichen und reaktion&#228;ren chinesischen Wegs – Freiheit des Marktes, «sozialistische» Million&#228;re und Einheitspartei –, wie es die Unterst&#252;tzung Pekings f&#252;r die kubanische Regierung zu suggerieren scheint? Werden wir dann auch die unbeweglichen Dogmatiker mit ihren Repressalien und Schikanen erleben? Werden dann nicht die Diskussionsr&#228;ume geschlossen werden?</p>
<p>Der Schl&#252;ssel der Situation liegt in den H&#228;nden der kubanischen Arbeiterinnen und Arbeiter, die sich bis heute nicht r&#252;hren und die Ma&#223;nahmen erleiden, die von oben auf sie herabregnen. Das Fehlen sozialistischer Anreize, revolution&#228;rer Ideale und Perspektiven bewirkt Entt&#228;uschung und Demoralisierung und f&#252;hrt zur Flucht in individuelle Auswege, statt nach kollektiven L&#246;sungen zu suchen. Dem Pragmatismus von oben muss eine Diskussion &#252;ber die Grundlagen und die Geschichte der kubanischen Revolution gegen&#252;bergestellt werden.</p>
<p><em>Guillermo Almeyra ist ein argentinischer Marxist und Kolumnist der mexikanischen linken Tageszeitung La Jornada. Er lehrt politische Wissenschaften an der Nationalen Autonomen Universit&#228;t (UNAM) in Mexiko-Stadt.</em></p>
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		<title>Chávez opfert der Staatsr&#228;son</title>
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		<pubDate>Fri, 27 May 2011 13:48:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Journalist an Kolumbien ausgeliefert von Antonio Moscato Ende April lieferte Venezuelas Pr&#228;sident Chávez einen schwedisch-kolumbianischen Journalisten an die kolumbianische Regierung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Journalist an Kolumbien ausgeliefert</strong><br />
<em>von Antonio Moscato</em><br />
Ende April lieferte Venezuelas Pr&#228;sident Chávez einen schwedisch-kolumbianischen Journalisten an die kolumbianische Regierung aus. Bei vielen Freunden der «bolivarianischen Revolution» hat dies Proteste und Best&#252;rzung ausgel&#246;st.<br />
<span id="more-2378"></span>Kolumbiens Pr&#228;sident Juan Manuel Santos beschuldigt den aus Kolumbien stammenden schwedischen Journalisten Joaquín Pérez Becerra, ein Terrorist zu sein. Hugo Chávez’ Entscheidung, ihn auszuliefern, hat deshalb lebhafte Emotionen entfacht: Zahlreiche Freunde der «bolivarianischen Revolution» in Venezuela und auf der ganzen Welt haben ihre Best&#252;rzung und Sorge in einem offenen Brief an Chávez ausgedr&#252;ckt.</p>
<p>Tats&#228;chlich spielen sich in Kolumbien noch die Paramilit&#228;rs als Herren des Landes auf, die f&#252;r Tausende Morde verantwortlich sind, und Santos war fr&#252;her unter Pr&#228;sident Álvaro Uribe Verteidigungsminister.</p>
<p>Als solcher hat er jene kriminelle Politik verfolgt, die durch den Mut von M&#252;ttern und Ehefrauen der Opfer ans Licht kam, bei der die Armee willk&#252;rlich Jugendliche aufgriff, die sie zuvor in Guerillauniformen gesteckt hatte, und dann ermordete, um die sehr hohen Kopfgelder zu kassieren, die auf die K&#228;mpfer der FARC und der ELN ausgesetzt sind, und nicht existierende Erfolge zu feiern.</p>
<p>Aber es geht nicht nur um die pers&#246;nliche Rolle des derzeitigen kolumbianischen Pr&#228;sidenten: Mehrfach hatte ein Teil der Guerillagruppen, die seit einem halben Jahrhundert existieren – nicht aus freien St&#252;cken, sondern als Reaktion auf das barbarische politische Leben in Kolumbien –, akzeptiert, die Waffen niederzulegen und sich an Wahlen zu beteiligen, jedesmal ist er binnen weniger Monate vernichtet worden. Joaquín Pérez Becerra hat die Massaker der 90er Jahre &#252;berlebt, die die Kader der Partei Unión Patriótica dezimiert haban: Sie forderten 4000 Tote, darunter die Ehefrau von Pérez Becerra, der deshalb den Posten des Stadtrats von Corinto im Caucatal aufgab und nach Schweden floh. Genauso ging es der Bewegung M19, die die Alianza democrática gebildet hatte.</p>
<p>Chávez’ Entscheidung akzeptiert im Kern Santos’ L&#252;ge, es sei Interpol gewesen, die Santos verhaftet habe (wenn das wahr w&#228;re, h&#228;tte er in Schweden oder in Deutschland festgenommen werden m&#252;ssen, von wo er abgeflogen war); sie verletzt grundlegende moralische Prinzipien und kann nicht gerechtfertigt werden, leider gibt es aber Pr&#228;zedenzf&#228;lle daf&#252;r.</p>
<p>2008 waren die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden L&#228;ndern abgebrochen und die Handelsbeziehungen geschw&#228;cht worden – sie sind f&#252;r beide L&#228;nder, wenn auch in unterschiedlichem Ma&#223;e, wertvoll: Kolumbien exportiert mit Gewinn viele Nahrungsmittel nach Venezuela, das oft am Mangel an Grundnahrungsmitteln leidet, was auch bei Chávez’ Basis zu Unzufriedenheit f&#252;hrt.</p>
<p>Der Grund f&#252;r diese Krise war die Ermordung von Raúl Reyes, dem «Au&#223;enminister» der FARC, in Ecuador, wo er sich mit franz&#246;sischen Emiss&#228;ren wegen der Freilassung Betancourts treffen sollte. Chávez stand auf der Seite des ecuadorianischen Pr&#228;sidenten Correa und drohte sogar damit, die Armee zu mobilisieren. Aber der Bruch hatte f&#252;r Venezuela schwerwiegendere Folgen als f&#252;r Kolumbien, so folgten kurze Zeit sp&#228;ter wieder vorsichtige Sondierungen f&#252;r eine Wiederann&#228;herung.</p>
<p>Vermittelt durch Argentiniens Expr&#228;sidenten Néstor Kirchner in seiner Eigenschaft als Sekret&#228;r der Union S&#252;damerikanischer Nationen (UNASUR) und im Schatten Lulas kam es im Sommer 2008 zu einem direkten Dialog und noch mehr: Chávez, der vom scheidenden kolumbianischen Pr&#228;sidenten Uribe beschuldigt wurde, Guerilleros Zuflucht zu gew&#228;hren, antwortete mit einer Erkl&#228;rung, die der FARC den Verzicht auf den bewaffneten Kampf nahelegte. Das war eine unzul&#228;ssige Einmischung in die Angelegenheiten eines Nachbarlandes mit einer v&#246;llig anderen Geschichte als Venezuela.</p>
<p>Wenig sp&#228;ter begann Chávez damit, Aktivisten der beiden Guerillabewegungen ELN und FARC, die auf venzolanisches Territorium gefl&#252;chtet waren, um sich medizinisch verorgen zu lassen oder um Verhaftung und Tod zu entgehen, an Kolumbien auszuliefern. In letzter Zeit hat sich der Verdacht verst&#228;rkt, Teile der venezolanischen Armee seien m&#246;glicherweise an der Entf&#252;hrung von Rodrigo Granda 2005 in Caracas beteiligt gewesen, einem Vertreter der FARC, der ebenfalls mit Verhandlungen &#252;ber die Freilassung Betancourts betraut war.</p>
<p>Viele Kommentatoren haben die Erkl&#228;rungen von Chávez, die Santos’ Vorw&#252;rfe gegen den Journalisten f&#252;r bare M&#252;nze genommen haben, gekontert, auch der venezolanische Pr&#228;sident selbst sei schon immer ein Opfer der Verleumdungskampagnen von Santos’ Vorg&#228;nger Uribe gewesen – u.a. soll er der geistige Urheber einer Guerilla gewesen sein, die es bereits in seiner Kindheit gab.</p>
<p>Unterst&#252;tzt von israelischen und amerikanischen «Spezialisten» f&#252;r Desinformation, untermauerte Uribe seine Thesen mit der Behauptung, er habe «Beweise» f&#252;r diese Verbindung in Computern gefunden, die «wunderbarerweise» bei der Bombardierung eines Guerillalagers in Ecuador (bei der neben vielen anderen auch Raúl Reyes umkam) gerettet worden waren. Es gibt deshalb keine Erkl&#228;rung daf&#252;r, warum Chávez die L&#252;ge akzeptiert, dass ein Journalist als «Terrorist» abgestempelt wird, nur weil er unbequem und seine schwedische Webseite in Kolumbien die popul&#228;rste ist&#8230;</p>
<p>Am 9.April, wenige Wochen bevor Joaquín Pérez Becerra auf dem Flughafen von Maiquetia verhaftet wurde, begab sich Hugo Chávez nach Cartagena in Kolumbien, um Juan Manuel Santos zu treffen und 16 bilaterale Abkommen zwischen den beiden Regierungen zu unterzeichnen. Wenige Stunden vor dem Treffen hatte Santos angek&#252;ndigt, an dem Treffen werde auch der honduranische Pr&#228;sident Porfirio Lobo teilnehmen, um «die Beziehungen zwischen Honduras und Venezuela zu verbessern»; zu Kolumbien, dem privilegierten Verb&#252;ndeten der USA, sind Honduras’ Beziehungen offensichtlich schon hervorragend. Honduras war nach dem Putsch, bei dem der sehr gem&#228;&#223;igte Pr&#228;sident Manuel Zelaya gest&#252;rzt wurde, von allen internationalen Organisationen des Kontinents ausgeschlossen worden.</p>
<p>Wenn Venezuela die traditionellen Regeln der Geheimdiplomatie akzeptiert, die sich hinter dem R&#252;cken der Bev&#246;lkerung abspielt, wird die Anziehungskraft der «bolivarianischen Revolution» deutlich abnehmen – und das in einem Moment, in dem der Imperialismus erneut seine Aggressivit&#228;t zeigt.</p>
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		<title>Kuba, ein politischer Reisebericht</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/02/kuba-ein-politischer-reisebericht/</link>
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		<pubDate>Wed, 02 Feb 2011 16:38:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>

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		<description><![CDATA[Errungenschaften, M&#228;ngel und Kurzschl&#252;sse von Hermann Dworczak Im Anschlu&#223; an den UN-Klimagipfel bzw. den Alternativgipfel in Cancún machte ich mich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- pre { font-family: "Garuda"; }p { margin-bottom: 0.21cm; } --><strong>Errungenschaften, M&#228;ngel und Kurzschl&#252;sse</strong><br />
<em>von Hermann Dworczak</em></p>
<p>Im Anschlu&#223; an den UN-Klimagipfel bzw. den Alternativgipfel in Cancún machte ich mich zu einer politischen Reise nach Kuba auf. Nach &#252;ber 20 Jahren wollte ich mir erneut einen &#220;berblick verschaffen, wie es um die kubanische Revolution bestellt ist.<br />
<span id="more-1941"></span>Die Ausdr&#252;cke «&#220;berblick» und «Impressionen» sind bewusst gew&#228;hlt: Zehn Tage in Havanna, Matanzas und am Varadero machen mehr nicht m&#246;glich. Aber zehn Tage mit offenen Augen herumgehen, mit vielen Leuten reden, politische Gespr&#228;che (auch mit hochrangigen Funktion&#228;ren) f&#252;hren, gibt einiges her.</p>
<p>Auch nach &#252;ber 50 Jahren Revolution springt die Armut des Landes ins Auge: die niedrigen L&#246;hnen, der veraltetete Maschinenpark vieler Fabriken, der Verfall der (historischen) Bausubstanz usw. Die Hauptgr&#252;nde sind das koloniale Erbe und die fr&#252;here und derzeitige Politik des (US-)Imperialismus (auch unter dem «schwarzen Kennedy» Obama).</p>
<p>Die Sklaverei wurde auf Kuba erst ganz sp&#228;t im 19.Jahrhundert abgeschafft, das Land wechselte von einer spanischen zu einer US-Kolonie und war bis zum letzten Diktator Batista ein Anh&#228;ngsel und das Freudenhaus des US-Imperiums. Die Revolution 1959 hatte dieses Erbe wegzur&#228;umen. Seit Jahrzehnten steht das Land unter dem Druck des f&#252;rchterlichen US-Embargos.</p>
<p><strong>Bleibende Errungenschaften</strong></p>
<p>Dennoch wurde und wird Grandioses geleistet – das sieht man. Das Gesundheitssystem ist international bekannt und geachtet. Von der sehr hohen Lebenserwartung der Kubaner kann man sich bei jedem Spaziergang &#252;berzeugen. In Matanzas mache ich ein typisches Erlebnis: Gemeinsam mit meiner ziemlich erk&#228;lteten Lebensgef&#228;hrtin betrete ich eine Apotheke und ersuche um Medikamente f&#252;r sie. Sehr freundlich wird uns geholfen – und jegliche Bezahlung abgelehnt!</p>
<p>Ebenso ist das gesamte Bildungssystem gratis. Ein Kellner, der am Varadero in einem Hotel arbeitet und nebenbei (schwarz) Taxi f&#228;hrt, erz&#228;hlt uns von seiner Tochter, die kostenlos Medizin studiert. Auf die Frage: «In Havanna?» antwortet er: «Nein gleich hier in der N&#228;he – Unis gibt es &#252;ber das ganze Land verteilt.»</p>
<p>Bei einem Rundgang in der – sensationellen – Altstadt von Havanna wird einem der Verfall der (alten) Bauten auf Schritt und Tritt bewusst. Havanna Vieja ist zwar schon seit geraumer Zeit UNO-Weltkulturerbe, die Hilfsgelder scheinen jedoch nur sehr sp&#228;rlich zu flie&#223;en. Hingegen hat die Stadt einen eigenen «Historiker», der mit einem engagierten Mitarbeiterteam Schritt f&#252;r Schritt an die behutsame Renovierung der Baujuwele herangeht. Eine wichtige Besonderheit: Die Bewohner der zu renovierenden H&#228;usern bleiben w&#228;hrend der Restaurierungsarbeiten in ihren Wohnungen oder es werden ihnen Ersatzwohnungen zugewiesen. Mit anderen Worten: Sie werden nicht, wie in vielen anderen Metropolen, der «Sanierung» geopfert!</p>
<p><strong>Umbr&#252;che</strong></p>
<p>Kuba hat – insbesondere nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der anderen L&#228;nder des «realen Sozialismus» – vor allem im Tourismus verst&#228;rkt Joint Ventures mit internationalen Kapitaltr&#228;gern geschaffen, um die dringend ben&#246;tigten Devisen zu bekommen. Damit sind gravierende psychologische Konsquenzen verbunden: Nicht wenige im Fremdenverkehrssektor T&#228;tige, deren Geh&#228;lter sehr niedrig sind, entwickeln zunehmend eine «Bakschisch»-Mentalit&#228;t: Leistung (z.B. Zimmeraufr&#228;umen) gibt es nur noch gegen Trinkgeld.</p>
<p>Auf dem Varadero mache ich in diesem Zusammenhang eine traurige Erfahrung. Die Revolution hat u.a. die legend&#228;re Du-Pont-Villa in &#246;ffentliches Eigentum &#252;bergef&#252;hrt und f&#252;r jedermann zug&#228;nglich gemacht: Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie vor 20 Jahren «einfache Kubaner» hier ein- und ausgingen, speisten oder in der stets zug&#228;nglichen Bibliothek sa&#223;en. Heute ist die Villa ein Nobelschuppen, «einfache Kubaner» sehe ich keine, daf&#252;r ist die Villa Sitz des «Kubanischen Golfclubs»&#8230;</p>
<p>Bei den politischen Gespr&#228;chen wird einmal mehr deutlich, wie wichtig die Solidarit&#228;t mit der kubanischen Revoltion (etwa mit den «Cuban Five») ist, um ihre – nicht selbst verschuldete – Isolation zumindest zu mildern, wenn schon nicht aufzuheben. Im ICAP (Kubanisches Institut der Freundschaft der V&#246;lker) wird die Rolle des ALBA-Projekts gew&#252;rdigt (Kuba raffiniert Erd&#246;l aus Venezuela f&#252;r den Karibikraum), aber auch freim&#252;tig bekannt, da&#223; ALBA noch in den Kinderschuhen steckt.</p>
<p>In der Zentrale der kubanischen Gewerkschaften werde ich aufger&#228;umt begr&#252;&#223;t. «Ah, du kommst aus Cancún. Na, das war ein fracaso (Flop)!» Warum allerdings die ambitionierten Bolivianer in Cancún selbst von den ALBA-Staaten – also auch von Kuba – im Regen stehen gelassen wurden, bleibt unerw&#228;hnt.</p>
<p><strong>Reformen</strong></p>
<p>Das heikelste Thema sind zweifelsohne die derzeit laufenden «&#246;konomischen Reformma&#223;nahmen». Je nach Angabe sollen zwischen 500.000 und &#252;ber eine Million Menschen ihren (bisherigen) Arbeitsplatz verlieren. Die kubanischen Gewerkschafter gehen in ihrer Argumentation Punkt f&#252;r Punkt vor: «Zuerst einmal muss die Krise und die Notwendigkeit von Reformschritten anerkannt werden. Dann erfolgt auf der Basis allgemein gehaltener Vorschl&#228;ge die consulta (Befragung) der Gesellschaft. Schlie&#223;lich wird auf dem Parteitag [im April] die Entscheidung fallen.»</p>
<p>Ich steige vorsichtig in die Debatte ein und verweise darauf, da&#223; es internationale Parallelen gibt. Es wird auf die «Einzigartigkeit des socialismo tropical» gepocht. Ich erw&#228;hne die g&#228;nzlich unterschiedlichen Konzepte f&#252;r eine Neue &#214;konomische Politik (NEP) in der jungen Sowjetunion der 20er Jahre und die aktuellen Debatten in China, die ich im Vorjahr in Peking, Shanghai bzw. Suzhou verfolgen konnte. Meine Gespr&#228;chspartner konzedieren, da&#223; man von internationalen Erfahrungen lernen kann, aber nach zwei Stunden solidarischer Debatte l&#228;uft die Zeit davon…</p>
<p>Ein Resumee? Wird schwierig, ich probier’s trotzdem: Kuba befindet sich zweifelsohne an einem Scheideweg. Die von niemandem geleugnete Krise des bisherigen «Entwicklungsmodells» verlangt neue Wege – ohne in Katastrophismus zu verfallen, denn die kubanische Revolution hat schon etliche schwerste Situationen gemeistert! Die bis jetzt ver&#246;ffentlichten Positionen gehen vor allem in Richtung «Abspecken» des Staates – insbesondere im Bildungs- und Gesundheitsektor. Sie h&#246;ren sich ziemlich &#228;hnlich an wie die «Mehr-Markt»-Positionen in China oder Vietnam.</p>
<p>Dass andere Alternativen: mehr Pluralit&#228;t, Demokratie und Partizipation – generell und im &#246;konomischen Planungsprozess –, Selbstverwaltung von Betrieben, starkes Gewicht auf &#246;kologische Fragen etc. m&#246;glich sind und in Ans&#228;tzen sogar vorhanden seien, wird kaum sichtbar. Die Granma etwa ist ein ziemliches «Steinzeitblatt». N&#246;tig w&#228;ren vor allem Offenheit, maximale Transparenz, freie Diskussion ohne Scheuklappen – wie in der kubanischen «Planungsdebatte» der 60er Jahre (die u.a. zwischen Che Guevara, Ernest Mandel und Charles Bettelheim gef&#252;hrt wurde).</p>
<p>Nicht ein Mehr an Demokatie schadet der Revolution, sondern ihre G&#228;ngelung: das Beispiel des Niedergangs der stalinisierten Sowjetunion und ihrer Satelliten spricht B&#228;nde. Diejenigen, die die freie Artikulation der Gesellschaft und linke Alternativen verhinderten, waren und sind diejenigen, die die Restauration des Kapitalismus betreiben.</p>
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		<title>Chávez hat zwar gewonnen…</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Nov 2010 14:31:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>

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		<description><![CDATA[…aber auch einiges verloren von Antonio Moscato Ber&#252;cksichtigt man die schwierige wirtschaftliche Situation, die Unruhe angesichts der steigenden Kriminalit&#228;t und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- pre { font-family: "Garuda"; }p { margin-bottom: 0.21cm; } --><strong>…aber auch einiges verloren</strong><br />
<em>von Antonio Moscato</em><br />
Ber&#252;cksichtigt man die schwierige wirtschaftliche Situation, die Unruhe angesichts der steigenden Kriminalit&#228;t und die Unzufriedenheit mit der verbreiteten Korruption, ist das Wahlergebnis f&#252;r Chávez’ PSUV bei den Parlamentswahlen in Venezuela am 26.9. zufriedenstellend.</p>
<p><span id="more-1662"></span>[Die PSUV hat bei den Wahlen 98 von 165 Sitzen errungen, aber die Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament verloren.]<br />
Zwar k&#246;nnen Chávez und seine Partei nun die geplanten Verfassungsreformen nicht durchf&#252;hren, das ist jedoch nicht wirklich negativ. Denn die aktuelle Verfassung ist von Chávez gewollt und wurde von ihm bereits mehrfach modifiziert. Eine weitere Reform h&#228;tte unn&#246;tigerweise die Spannungen im Land versch&#228;rft, das weiterhin in zwei ungef&#228;hr gleich gro&#223;e Lager gespalten ist.</p>
<p>Die Diskrepanz zwischen der gro&#223;en Beteiligung an den Pr&#228;sidentschaftswahlen und den vielen Nichtw&#228;hlern bei den Regionalwahlen – wenn es darum geht, die «Mitarbeiter» von Chávez zu w&#228;hlen, von denen ein betr&#228;chtlicher Teil an der Basis auf Opposition st&#246;&#223;t – ist eine Konstante in der Wahlgeschichte der &#196;ra Chávez. Die europ&#228;ische Presse, die stets zur Hand ist, die «bolivarianische Revolution» schlecht zu machen, war deshalb &#252;berrascht vom erneuten Erfolg von Chávez.</p>
<p>Der Erfolg ist jedoch relativ. Tats&#228;chlich hat Chávez’ Koalition 5.447.198 Stimmen und 98 Sitze erhalten, w&#228;hrend die heterogene Mesa de Unidad Democrática 5.330.754 erhielt, jedoch nur 65 Sitze. Die PPT (Patria para todos – Vaterland f&#252;r alle), fr&#252;her Teil der Chávez-Koalition, konnte 320000 Stimmen auf sich vereinen, was zu 2 Sitzen reichte.</p>
<p>Diese Aufteilung auf Parlamentssitze ist das Ergebnis eines zweifelhaften Wahlmodus, der im &#220;brigen vor den Wahlen erneut ver&#228;ndert wurde. Das Kr&#228;ftegleichgewicht, das aus diesen Wahlen resultiert, ist nicht dazu angetan, dass man in ein Triumphgeheul verf&#228;llt. Man sollte sich h&#252;ten, jedwede Abweichung als inakzeptabel abzutun, und sich lieber darauf konzentrieren, zumindest die W&#228;hlergruppen zur&#252;ckzugewinnen, die erst k&#252;rzlich mit Chávez gebrochen haben, wie die PPT.</p>
<p>Es ist wahr, die Opposition ist sich lediglich in der Ablehnung von Chávez einig, und sie wird gro&#223;e Schwierigkeiten haben, f&#252;r die Pr&#228;sidentschaftswahlen 2012 einen gemeinsamen Kandidaten und ein Programm zu finden. Eine der m&#246;glichen Kandidaten ist María Corina Machado, die an der Seite von Pedro Carmona war, als er im Jahr 2002 einen Staatsstreich versuchte; sie sitzt im Vorstand des Metallunternehmens, das ihrem Vater geh&#246;rt. Sie wurde mit 230.000 Stimmen gew&#228;hlt, aber ihr Anliegen, die gesamte Anti-Chávez-Koalition zu vertreten, wird die &#220;berl&#228;ufer aus dem bolivarianischen Lager auf eine harte Probe stellen: Dieses Mal haben sie die unzusammenh&#228;ngende Allianz unter der Bedingung der Aufteilung der Sitze akzeptiert.</p>
<p>Es w&#228;re w&#252;nschenswert, dass der Pr&#228;sident die Niederlage seines Lagers in einigen wichtigen Regionen wie Zulla bedenkt – dort hat sich die Opposition konsolidiert und zw&#246;lf Sitze erlangt, die PSUV hingegen nur drei –, oder Anzoategui, dessen sehr umstrittener Gouverneur Tark Williams von der PSUV kommt, die hier nur einen Sitz erlangen konnte, die Opposition hingegen f&#252;nf.</p>
<p>Wenn er sich nicht mit der sog. «Bolibourgeoisie» (der bolivarianischen Bourgeoisie) anlegt, wird der bolivarianische Prozess gro&#223;e Risiken eingehen.</p>
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		<title>Wirtschaftsreformen in Kuba</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Nov 2010 12:37:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>

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		<description><![CDATA[Den Karren vor die Ochsen gespannt. Linke Kritiker fordern einen anderen Weg von Pedro Campos Anfang August k&#252;ndigte Kubas Staatspr&#228;sident [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- pre { font-family: "Garuda"; }p { margin-bottom: 0.21cm; } --><strong>Den Karren vor die Ochsen gespannt. Linke Kritiker fordern einen anderen Weg</strong><br />
<em>von Pedro Campos</em></p>
<p>Anfang August k&#252;ndigte Kubas Staatspr&#228;sident Raúl Castro an, 1,3 Millionen Arbeitsstellen im kubanischen Staatsdienst zu streichen. Zugleich solle das Wachstum privater Unternehmen im Dienstleistungsbereich gef&#246;rdert werden. Beschwichtigend meinte er, die Ma&#223;nahmen seien lediglich ein «Update» des kubanischen Wirtschaftssystems und keine «Marktreformen» nach «kapitalistischem Rezept».</p>
<p><span id="more-1619"></span>Im Land sind die «Reformen» umstritten. Kritische Beitr&#228;ge von links erscheinen in gro&#223;er Zahl u.a. auf der katalanischen Webseite www.kaosenlared.net, die mittlerweile ein bedeutendes Forum der kubanischen Linken ist. Dieser Seite entnehmen wir den nachfolgenden, hier stark gek&#252;rzten Beitrag.</p>
<p>Angesichts der Krise des staatlichen Wirtschaftsmodells haben die kubanische Staats- und Parteif&#252;hrung und die Regierung beschleunigt, was sie seine «Aktualisierung» nennen. Damit ist eine Strategie gemeint, die zwei Ziele erreichen soll: die Verringerung der finanziellen Belastungen des Staates durch graduelle Senkung der Sozialleistungen, und die Reduzierung der Produktionskosten durch Wegrationalisierung – vulgo Entlassung – von &#252;ber einer Million Werkt&#228;tiger, davon 500.000 in den n&#228;chsten sechs Monaten.</p>
<p>Um Arbeit f&#252;r die Arbeitslosen zu finden, sollen andere Formen der Produktion au&#223;erhalb der staatlichen Sph&#228;re stimuliert werden: die Arbeit auf eigene Rechnung; die Bildung von Kooperativen auch im nichtlandwirtschaftlichen Bereich; der Aufbau privater Gesch&#228;fte, die Lohnarbeiter besch&#228;ftigen; die Steigerung staatlicher Einnahmen durch eine neue Steuerpolitik; die Steigerung der Ertr&#228;ge aus dem internationalen Tourismus; ausl&#228;ndische Investitionen in verschiedenen Randbereichen.</p>
<p>Es ist erfreulich, dass es Bewegung gibt, um aus der Stagnation herauszukommen, und grundlegende Fragen angepackt werden, die das bestehende Wirtschaftsmodell auch in Richtung von mehr Sozialismus &#228;ndern k&#246;nnten – wie die Ausdehnung der Kooperativen auf die &#252;brigen Bereiche der Wirtschaft. Doch Inhalt, Form und Reihenfolge dessen, was getan werden soll, zeigen Anzeichen von Improvisation, mangelnde Voraussicht, fehlende Transparenz, Missachtung f&#252;r die revolution&#228;ren Theorien, &#220;bereilung und autorit&#228;re Durchsetzung.</p>
<p><strong>Kopflos</strong></p>
<p>Es werden Entscheidungen gef&#228;llt, ohne dass die Gesellschaft Zustimmung ge&#228;u&#223;ert hat und ohne jeden Mechanismus einer demokratischen Vermittlung: kein Parteitag, keine Konferenz, kein Nationalkongress, kein Dialog mit der Bev&#246;lkerung, keine offene Debatte auf gleicher Augenh&#246;he in der kubanischen Presse. Bisher gab es nur die Beratende Versammlung von 2007 (deren Ergebnisse noch immer nicht bekannt sind) und den L&#228;rm, den wir kubanischen Kommunisten und Revolution&#228;re in den Netzen der internationalen Linken und in einigen begrenzten Diskussionsr&#228;umen gemacht haben, wobei wir zahllose Risiken eingehen und auf Unverst&#228;ndnis und auf eine mehr oder weniger verschleierte Repression sto&#223;en.</p>
<p>Unsicherheit und Unwohlsein haben die Gesellschaft ergriffen. Viele Arbeiterkantinen wurden geschlossen, ohne dass gekl&#228;rt worden w&#228;re, wo die Werkt&#228;tigen ihre Mahlzeiten her bekommen, und trotz zahlreicher ablehnender Meinungen in der Bev&#246;lkerung und selbst in der B&#252;rokratie wurde vor einem Monat ein Gesetzes zur Anhebung des Rentenalters um f&#252;nf Jahre gebilligt, das im Widerspruch zur Verlautbarung steht, es gebe eine Million &#252;bersch&#252;ssige Arbeitskr&#228;fte. Den Entlassenen wird angeboten sich selbstst&#228;ndig zu machen, sich von Privatkapitalisten anstellen zu lassen oder vielleicht in Kooperativen zu arbeiten, aber es gibt keine Gesetze, die gegen&#252;ber dem Staat diese Aktivit&#228;ten, das Eigentum, die Investitionen garantieren. Man beschr&#228;nkt sich darauf, &#252;ber einige getroffene Entscheidungen zu informieren, und auf einige Erl&#228;uterungen in der Parteizeitung Granma – aber es gibt keine klaren gesetzliche Bestimmungen, die Steuerlast ist &#252;bertrieben, die Regulation exzessiv, abschreckend und f&#252;r die neuen Interessenten gibt es keine klaren Angaben &#252;ber Ressourcen und Finanzierung.</p>
<p>Dringend n&#246;tig w&#228;re ein neues Gesetz &#252;ber die Kooperativen; stattdessen zirkuliert nur ein offizi&#246;ses (nicht dementiertes) Dokument &#252;ber den Abbau der Besch&#228;ftigten der Stadt Havanna, mit Datum vom 24.August 2010, das eine Liste von 74 m&#246;glichen T&#228;tigkeit f&#252;r die Kooperativen enth&#228;lt. Es gibt Misstrauen, weil die Leute die Willk&#252;r und die Unterstellungen des Staates gegen&#252;ber den Selbstst&#228;ndigen und dem Verbund der Kooperativen UBPC nicht vergessen haben. Der Staat betrachtet die Kooperativen als Systemalternative und nicht als eine der sozialistischen Etappe eigene Form.</p>
<p>Selbstst&#228;ndige Werkt&#228;tige werden mit kleinen und mittleren Kapitalisten, die Lohnarbeit ausbeuten, in einen Topf geworfen. Nach wie vor wird nicht verstanden, dass nicht die &#228;u&#223;ere legale Form dem Eigentum seinen Klassencharakter verleiht, sondern die Art und Weise, wie es die Arbeit ausbeutet: Das Sklavenhaltertum beutet die Arbeit des Sklaven aus, das kapitalistische Eigentum die des Lohnarbeiters. Das sozialistische Eigentum ist dasjenige, bei dem die Arbeit frei assoziiert ist, kooperativ und selbstverwaltet, damit jedwede Form menschlicher Ausbeutung verschwindet. Alles wird weiterhin aus dem Blickwinkel des Staatsinteresses und der staatlichen Kontrolle betrachtet. Exzessive b&#252;rokratische Reglementierung bremst jede produktive Aktivit&#228;t der Bev&#246;lkerung – z.B. den Absatz von Agrar- und Fischereiprodukten, vor allem den An- und Verkauf von Subsistenzmitteln, Wohnungen und Fahrzeugen, mithin T&#228;tigkeiten, die eine Wirtschaft dynamisch machen und vielen Familien finanzielle Eink&#252;nfte verschaffen w&#252;rden, mit denen sie sich eine neue Existenz au&#223;erhalb des staatlichen Wirtschaftskreislaufs aufbauen k&#246;nnten.</p>
<p><strong>Ein Schritt in Richtung Kapitalismus</strong></p>
<p>Um neue Quellen der Besch&#228;ftigung zu schaffen, wird die Ausbeutung der Lohnarbeit durch private Unternehmer zugelassen – das bedeutet die uneingeschr&#228;nkte, offene Entwicklung eines privaten Kapitalismus, im Gegensatz zu Art.21 der Verfassung und versteckt unter dem Euphemismus des «selbstst&#228;ndigen, auf eigene Rechnung arbeitenden, Arbeiters», der Personal einstellen kann – womit er das Konzept der Selbstst&#228;ndigkeit schon in Frage stellt.</p>
<p>Um die Deviseneinnahmen des Staates zu steigern, reichen die fast absolute Kontrolle &#252;ber das Eigentum und die erwirtschafteten &#220;bersch&#252;sse, das Binnen- und Au&#223;enhandelsmonopol, die zentrale Kontrolle der Finanzen, die hohen Monopolpreise f&#252;r Produkte des Grundbedarfs, die Abz&#252;ge von den Bankkonten ausl&#228;ndischer Investoren usw. nicht mehr aus. Jetzt will man bedeutende Haushaltsmittel in die F&#246;rderung des Million&#228;rstourismus und der ausl&#228;ndischen Direktinvestitionen stecken. Dabei wird der Zeitraum f&#252;r die Nutzung von Land durch Ausl&#228;nder auf 99 Jahre ausgedehnt, w&#228;hrend Einheimische neues kultivierbares Land nur f&#252;r – verl&#228;ngerbare – zehn Jahre zugeteilt bekommen, ungeachtet der &#246;konomischen, sozialen, politischen und &#246;kologischen Folgen, die solche Ma&#223;nahmen f&#252;r unsere Zukunft und unsere nationale Sicherheit haben k&#246;nnen.</p>
<p>Es ist wahr, die Staatsfinanzen sind in der Krise, Geldmittel werden gebraucht, der b&#252;rokratische Apparat und seine Unternehmen sind unproduktiv, mit zuviel Personal ausgestattet, das zudem auf Pfr&#252;nden sitzt, nichts produziert und eine enorme Belastung auf Kosten der produktiv Arbeitenden darstellt. Der Versuch jedoch, die Finanzen auf eine solche Weise aufzubessern, statt Anreize f&#252;r die Produktion, den Binnenmarkt und die Aufwertung der kubanischen Arbeitskraft zu schaffen, und dabei noch Massenentlassungen zu planen – selbst wenn es sich um B&#252;rokraten handelt – ohne die Voraussetzungen zu schaffen, dass sie eine andere, produktive und lukrative T&#228;tigkeit finden k&#246;nnen, kann nur zum Chaos, sozialen Kollaps und einem unkontrollierbaren Massenexodus f&#252;hren.</p>
<p>Es sieht nicht danach aus, als w&#252;rden sich die Dinge im Interesse der Bev&#246;lkerung und der Werkt&#228;tigen entwickeln, die ja die Rechnung zahlen m&#252;ssen. Bei einer Multiplikation &#228;ndert sich das Produkt nicht, wenn man die Reihenfolge der Faktoren &#228;ndert, in &#246;konomischen, politischen und sozialen Fragen schon. Hier wird der Karren vor die Ochsen gespannt.</p>
<p><strong>Soziale Sicherheit</strong></p>
<p>Wenn das genossenschaftliche System nicht ausgeweitet wird und nicht einmal ein Teil der Staatsbetriebe zu einem System der Selbstverwaltung und Mitbestimmung der Belegschaften &#252;bergeht und als neues Element nur die &#214;ffnung zum Privatkapitalismus und zu mehr ausl&#228;ndischen Direktinvestitionen bleibt, werden die «Ver&#228;nderungen» zu mehr Kapitalismus und nicht zu mehr Sozialismus f&#252;hren. In Ermangelung einer koh&#228;renten Politik, die frei assoziierten Produktionsbeziehungen Priorit&#228;t einr&#228;umt – Kooperativen, Selbstverwaltung, Mitbestimmung, Selbstst&#228;ndigkeit –, scheint eine Art neoliberale Schocktherapie angewandt zu werden: Man hat verstanden, dass das staatliche, paternalistische, subventionsgest&#252;tzte Modell der Lohnarbeit nicht l&#228;nger funktioniert, findet aber nicht den richtigen Weg der Kollektivierung und demokratischen Transformation der &#214;konomie und der Politik.</p>
<p>Alle Widerspr&#252;che k&#246;nnen zunehmen: die politischen Konflikte, die sozialen Unterschiede, Erwerbslosigkeit, Armut, Rassen- und Migrationsprobleme, die Widerspr&#252;che im Gesundheits- und Bildungswesen, Kriminalit&#228;t, Korruption usf. Die Folgen k&#246;nnen traumatisch sein – f&#252;r das kubanische Volk, f&#252;r die Gesellschaft, die man versucht hat aufzubauen, f&#252;r die Zukunft Lateinamerikas und der Welt.</p>
<p>Wir wollen den Zusammenbruch nicht, er w&#252;rde nur den Interessen der Extremisten dienen, die Kuba lieber verschwinden sehen, als es der notwendigen sozialistischen Transformation zu unterziehen. In Kuba gibt es keine Arbeitslosenversicherung, keine Gutscheine f&#252;r Grundnahrungsmittel, auch nicht andere Mechanismen, um die Lage von Erwerbslosen zu mildern. Die Regierung ist gerade dabei, alle «Subventionen und kostenlosen Leistungen» abzuschaffen, einschlie&#223;lich der Lebensmittelkarten, auf die man noch einige wenige Produkte zu niedrigen Preisen bekommt. In den 50 Jahren seit der kubanischen Revolution war soziale Sicherheit ein h&#246;chster Wert. Wir k&#246;nnen nicht zu einer Situation zur&#252;ckkehren, in der ganze Familien ohne Besch&#228;ftigung und ohne elementaren Schutz sich selbst &#252;berlassen werden, ganz abgesehen von der Unzufriedenheit, die entsteht, wenn es keine Garantien f&#252;r einen minimalen Schutz gibt.</p>
<p>Die Reorganisierung der Produktion auf kooperativen und selbstst&#228;ndigen Grundlagen ben&#246;tigt Zeit, in der es f&#252;r viele Menschen nicht einfach sein wird sich anzupassen, in der sie aber doch essen und leben m&#252;ssen.</p>
<p><strong>Partizipativer Sozialismus</strong></p>
<p>Es wird gesagt, niemand werde nach der Entlassung arbeitslos bleiben, aber die getroffenen «Entscheidungen» lassen anderes vermuten. Mit politischen Reden kann man die realen Folgen und die &#196;ngste, die das Ma&#223;nahmenpaket hervorruft, nicht beseitigen. Die Unzufriedenheit der «Wegrationalisierten» wird mit der Zeit wachsen und solchen Str&#246;mungen innerhalb und au&#223;erhalb des Apparats Auftrieb geben, die eine Restauration des Privatkapitalismus bef&#252;rworten und sozialistische Ideen in wachsendem Ma&#223;e missachten. Einige f&#252;rchten sogar eine soziale Explosion.</p>
<p>Wir hoffen, dass sich die Vernunft durchsetzt und nicht vergessen wird, was in Artikel 1 der sozialistischen Verfassung steht: «Kuba ist ein sozialistischer Staat der Werkt&#228;tigen, unabh&#228;ngig und souver&#228;n, organisiert mit allen und f&#252;r das Wohl aller als eine einheitliche und demokratische Republik, zum Zweck der politischen Freiheit, der sozialen Gerechtigkeit, des individuellen und kollektiven Wohlstands und der menschlichen Solidarit&#228;t.»</p>
<p>Aus der Sicht eines partizipativen und demokratischen Sozialismus m&#252;sste die «Kur» anders aussehen: Zuerst sind g&#252;nstige Bedingungen zu schaffen, damit frei assoziierte, sozialistische Produktionsformen sich in freier und friedlicher Konkurrenz gegen&#252;ber den bestehenden staatlichen und privatkapitalistischen Formen durchsetzen k&#246;nnen. Nach und nach muss man vom staatlichen System der Lohnarbeit zu einer Vielfalt von Produktionsformen gelangen. Priorit&#228;t m&#252;ssen frei assoziierte Kooperativen, selbstverwaltete und mitbestimmte Betriebe und Selbstst&#228;ndige haben – frei von b&#252;rokratischer Bevormundung und nur mit einem Mindestma&#223; an f&#246;rdernden, nicht hemmenden Regeln.</p>
<p>Parallel dazu muss es tiefgreifende Ver&#228;nderungen im politischen System geben, die eine wirkliche Beteiligung der Werkt&#228;tigen und der Bev&#246;lkerung am Prozess der Transformation erm&#246;glichen – in den Produktionszentren, in den Gemeinden, bei allen Entscheidungen, die sie betreffen.</p>
<p>Havanna, 27.9.2010</p>
<p><em>Pedro Campos ist Historiker und war bis zu seiner Emeritierung Dozent f&#252;r USA-Studien an der Universit&#228;t Havanna. Er ist Autor zahlreicher Artikel und Essays &#252;ber den Sozialismus, Kuba, die USA und Lateinamerika.</em></p>
<p><em>Weitere informative Webseiten sind www.havanatimes.org (Texte auf Englisch und Spanisch) und http:// antoniomoscato.altervista.org (Texte auf Spanisch und Italienisch).</em></p>
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		<title>Brasilien, Neuer Gewerkschaftsverband gegr&#252;ndet</title>
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		<pubDate>Mon, 04 Oct 2010 07:08:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>

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		<description><![CDATA[von Beatrix Sassermann Anfang Juni wurde in Brasilien ein neuer Gewerkschaftsverband gegr&#252;ndet. Die Gr&#252;ndung blieb jedoch unvollst&#228;ndig: Wegen mangelnder Konsensf&#228;higkeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- pre { font-family: "Garuda"; }p { margin-bottom: 0.21cm; } --><em>von Beatrix Sassermann</em></p>
<p>Anfang Juni wurde in Brasilien ein neuer Gewerkschaftsverband gegr&#252;ndet. Die Gr&#252;ndung blieb jedoch unvollst&#228;ndig: Wegen mangelnder Konsensf&#228;higkeit und unterschiedlichen politischen und organisatorischen Vorstellungen blieben wichtige Gewerkschaften fern.</p>
<p><!-- p { margin-bottom: 0.21cm; } --><span id="more-1485"></span>Im Jahr 2004 beschloss die Regierung Lula eine Rentenreform, die gravierende Verschlechterungen beinhaltete. Anders als beim vorhergehenden Versuch der Vorg&#228;ngerregierung Cardoso, die Renten zu reformieren, rief diesmal der bedeutendste Gewerkschaftsdachverband CUT nicht zu Protesten auf. Die Folge waren Wut und Entt&#228;uschung und die Schaffung einer sog. Nationalen Koordinierung der K&#228;mpfe (Conlutas), die gegen die «Reform» mobilisierte. <span style="color: #000000;"><span><span style="font-size: x-small;">Aus dieser Koordinierung wurde 2006 formal der Dachverband Conlutas der radikalen Linken gegr&#252;ndet</span></span></span>. In Brasilien gibt es sechs gewerkschaftliche Dachverb&#228;nde.</p>
<p>Viele, auch Unzufriedene, waren damals aber noch nicht bereit, aus der CUT auszusteigen und bei der Neugr&#252;ndung mitzumachen. Sie bildeten innerhalb und au&#223;erhalb der CUT neue Str&#246;mungen (z.B. die Intersindical), um sich eigenst&#228;ndig zu organisieren. Bei sozialen Angriffen kooperierten sie mit den Mitgliedern von Conlutas, auch wenn man sich bei Gewerkschaftswahlen vor Ort unter Umst&#228;nden als Gegner oder auf konkurrierenden Listen gegen&#252;ber stand.</p>
<p><em>Der Gr&#252;ndungskongress</em></p>
<p>Auf dem Weltsozialforum in Belém im Februar 2009 vereinbarte eine Versammlung mit &#252;ber 1000 Teilnehmenden die Schaffung eines neuen Dachverbandes. Binnen eines Jahres sollte festgestellt werden, ob eine solche Vereinigung m&#246;glich sei. Im Laufe dieses Jahres f&#252;hrten die einzelnen Str&#246;mungen bzw. Gewerkschaften 970 Versammlungen durch. Bei diesen Treffen diskutierten insgesamt rund 20.000 Lohnabh&#228;ngige &#252;ber den Zusammenschluss, stimmten dar&#252;ber ab und benannten Delegierte. In vielen Punkten wurde Einigkeit erreicht, drei gro&#223;e Fragen blieben jedoch offen. Sie sollten auf dem Gr&#252;ndungskongress des neuen Dachverbands Anfang Juni zur Abstimmung gestellt werden.</p>
<p>An den beiden Tagen vor der Gr&#252;ndung des neuen Dachverbandes  stimmten ca. 2000 Aktivisten aus 389 Gewerkschaften auf dem Kongress von Conlutas f&#252;r die Aufl&#246;sung ihrer Organisation zugunsten des neuen Dachverbandes. [Der bestehende Dachverband Conlutas wurde somit zugunsten eines neuen, gr&#246;&#223;eren Dachverbands aufgel&#246;st,<em> d.Red.</em>]</p>
<p>Der Gr&#252;ndungskongress fand am 5. und 6.Juni in Santos statt, einer Stadt rund 70 Kilometer von São Paulo entfernt. 4050 Teilnehmer, davon 3180 Delegierte, vertraten rund 3,5 Millionen Besch&#228;ftigte. Auch Beobachter, G&#228;ste und Unterst&#252;tzer waren gekommen. Die wichtigsten Teilnehmerorganisationen waren Conlutas, Intersindical, Pastoral Operária Metropolitana de São Paulo (PO – die Arbeiterpastorale der Stadt São Paulo), Movimento dos Trabalhadores Sem Teto (MTST – Arbeiter ohne Obdach), Movimento Terra, Trabalho e Liberdade (MTL – Bewegung Land, Arbeit und Freiheit) und MAS (Movimento Avanço Sindical – Bewegung f&#252;r gewerkschaftlichen Fortschritt). Die gr&#246;&#223;te unter den teilnehmenden Gewerkschaften war Conlutas, die zweitgr&#246;&#223;te Intersindical.</p>
<p><em>Internationale Teilnehmer</em></p>
<p>Zum Gr&#252;ndungskongress kamen 120 Vertreter aus 26 L&#228;ndern Europas, Lateinamerikas, dem karibischen Raum, den USA und Japan. In den Kongressdebatten wurde immer wieder betont, dass der Internationalismus – wie auch der Kampf f&#252;r den Sozialismus – einer der Grundpfeiler des neuen Verbandes sein soll. In einem sehr bewegenden Moment wurden die internationalen G&#228;ste nach vorne gerufen und sangen gemeinsam mit 4000 Brasilianern die Internationale in ihrer jeweiligen Sprache.</p>
<p>Bewegend war auch die Ansprache des Vertreters aus Haiti, der u.a. den Abzug der brasilianischen Truppen aus seinem Land forderte und darauf hinwies, dass die «humanit&#228;re Hilfe» aus den USA f&#252;r die Erdbebenopfer eher eine Verst&#228;rkung der Milit&#228;rpr&#228;senz bedeute mit dem Ziel, so nahe an Venezuela und Kuba den Einfluss der USA in der Region zu vergr&#246;&#223;ern. Viel Beifall erhielt auch der Kollege aus Griechenland, der &#252;ber den Widerstand und die Streiks gegen die Abw&#228;lzung der Krisenlast auf die Erwerbst&#228;tigen in seinem Land berichtete. Als weitere Punkte standen der &#220;berfall der Israelis auf die Gaza-Flotille und die Situation in Honduras nach dem Putsch vor einem Jahr auf der Tagesordnung.</p>
<p>Auch hierzulande bekannte Personen und Organisationen waren zugegen: Matteo Beretta von der FIOM, Italien; Christian Mahieux von SUD, Frankreich; Jane Slaughter von Labor Notes, USA; Edgar Paez von Sinaltrainal, Kolumbien; Vertreter von Jubilee South und der MST (der Landlosenbewegung in Brasilien).</p>
<p><em>Drei Streitpunkte</em></p>
<p>Im Mittelpunkt des Kongresses standen drei zentrale Punkte, &#252;ber die in der Vorbereitungsphase des Gr&#252;ndungskongress partout keine Einigkeit gefunden werden konnte.</p>
<p><strong>Der Charakter der Organisation:</strong> In Conlutas waren auch Studierende organisiert gewesen, die auf dem Kongress gl&#252;hend f&#252;r ihren Platz in der neuen Organisation k&#228;mpften. Sie hatten bei Streiks und Mobilisierungen an der Seite der Arbeiter gestanden und sahen sich als Teil der Einheitsfront, die nun gegr&#252;ndet werden sollte. Andere vertraten jedoch den Standpunkt, dass Studierende nicht zur Arbeiterklasse geh&#246;ren und nur ein Durchgangsstadium darstellen, und wollten deshalb keine Vertretung von Studierenden akzeptieren. Denselben Personen, die die Studierenden ablehnten, war auch schon die Einbeziehung sozialer Bewegungen, wie die der Landarbeiter und der Obdachlosen, schwer gefallen. &#196;hnliches galt auch f&#252;r die Vertretungen von Schwulen, Afro-Brasilianern usw.</p>
<p>Man einigte sich darauf, dass die Vertreter dieser unterdr&#252;ckten Gruppen insgesamt nicht mehr als 5% der Mitglieder des neuen Dachverband ausmachen d&#252;rften. Zu guter Letzt wurde der Charakter der Organisation als sindical (gewerkschaftlich), popular (aus dem Volke – gemeint sind soziale Bewegungen) und estudantil (studentisch) bestimmt.</p>
<p><strong>Die innere Struktur der Organisation:</strong> Bis ein Kompromiss f&#252;r die Art der Wahl des Vorstands gefunden wurde, gab es gro&#223;e Differenzen. Wie kann eine B&#252;rokratisierung, die ja alle an der CUT kritisiert haben, verhindert werden? Soll, wie &#252;blich, ein Vorstand auf dem Kongress gew&#228;hlt werden, der dann die Geschicke f&#252;r die n&#228;chste Zeit leitet, oder k&#246;nnen Formen gefunden werden, die den Basisgewerkschaften auf Dauer mehr Einfluss garantieren? Die Conlutas hatte in ihrer eigenen Struktur von einem Kongressvorstand Abstand genommen und alle zwei Monate Versammlungen mit Vertretern der Basisorganisationen abgehalten. Das erschien besonders den kleineren Gewerkschaften zu aufwendig und zu teuer. Sie f&#252;rchteten auch einen Mangel an Kontinuit&#228;t durch m&#246;glicherweise wechselnde Vertreter.</p>
<p>Der Kompromiss war dann eine Mischform. &#220;brigens haben neben den «normalen» Gewerkschaften, Bewegungen und unterdr&#252;ckten Gruppen auch oppositionelle Listen ihren Platz in der neuen Organisation.</p>
<p><em>Der Name der Organisation:</em> Das war der dritte und schwierigster Streitpunkt. Conlutas schlug den Namen Conlutas-Intersindical vor, die Intersindical und andere favorisierten jedoch den Namen CeClaT. Nach einer unglaublich hitzigen und teilweise eskalierenden Diskussion wurde abgestimmt – die Stimmen wurden zweimal gez&#228;hlt. Es gab eine klare, aber nicht gro&#223;e Mehrheit f&#252;r den Namen «Conlutas/Intersindical – Central Sindical y Popular». Daraufhin verlie&#223;en Intersindical, MAS und eine kleinere Gruppe (Unidos para Lutar – Gemeinsam k&#228;mpfen) aus Protest den Kongress.</p>
<p>Am Ende eines so bewegenden und konstruktiven Kongresses w&#228;hlten die Verbliebenden (Conlutas, MTST, MTL u.a.) einen vorl&#228;ufigen Vorstand. Der neue Dachverband wurde also ohne einen bedeutenden Teil der Bewegung und mit einem nun unpassenden Namen gegr&#252;ndet. Ihn nicht zu gr&#252;nden ging aber auch nicht, weil Conlutas sich bereits aufgel&#246;st hatte. Klar war, dass nicht der Name der Organisation das ausschlaggebende Problem war, sondern Fragen wie Hegemonie der Mehrheit, Einhaltung von Absprachen, Konsensf&#228;higkeit und R&#252;cksichtnahme, unterschiedliche politische und organisatorische Konzepte, z.T. verbunden mit dahinter stehenden politischen Parteien.</p>
<p>Das Scheitern bei der Namensfindung und eine Neugr&#252;ndung ohne wichtige Gewerkschaften, die daran h&#228;tten beteiligt sein sollen, soll jedoch kein Anlass f&#252;r Besserwisserei oder Arroganz sein. Die Aufgaben und Fragen, die sich die brasilianischen Kollegen gestellt haben, sind bei uns &#252;berhaupt (noch) nicht in Sicht. Die gro&#223;e Anzahl junger Leute, die lebendige Selbstverst&#228;ndlichkeit, mit der die Beteiligten f&#252;r ihre eigenen Interessen eintreten und voranschreiten, die Handlungsf&#228;higkeit der brasilianischen Linken bleiben trotz alledem eine Inspiration. Diese Erfahrungen sind f&#252;r uns h&#246;chst lehrreich und interessant.</p>
<p><em>Die Autorin nahm als Vertreterin von BaSo am Kongress teil.</em></p>
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		<title>EU-Freihandelsabkommen mit Lateinamerika</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 15:32:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>

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		<description><![CDATA[Kein Problem mit Menschenrechtsverletzungen von Alexander King und Carlos Hainsfurth Fast w&#228;re der diesj&#228;hrige EU-Lateinamerika-Gipfel am 18.Mai gar nicht zustande [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kein Problem mit Menschenrechtsverletzungen</strong><br />
<em>von Alexander King und Carlos Hainsfurth</em></p>
<p>Fast w&#228;re der diesj&#228;hrige EU-Lateinamerika-Gipfel am 18.Mai gar nicht zustande gekommen. Weil die spanische Ratspr&#228;sidentschaft auch den honduranischen Pr&#228;sidenten Porfirio Lobo zum Gipfel nach Madrid eingeladen hatte, drohten etliche lateinamerikanische Regierungen mit Boykott.<br />
<span id="more-1158"></span>Die Europ&#228;ische Union hatte ehrgeizige Pl&#228;ne f&#252;r den Gipfel: Abschluss eines Freihandelsabkommens mit Kolumbien und Peru, ein Assoziierungsabkommen mit den Staaten Zentralamerikas und die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit dem s&#252;damerikanischen MERCOSUR. Ein Scheitern des Gipfels konnte die EU nicht riskieren, denn in Lateinamerika werden ihr M&#228;rkte und Rohstoffe zunehmend von China streitig gemacht. Und auch die USA waren beim Abschluss von Abkommen bislang immer eine Nasenl&#228;nge voraus.</p>
<p>Dazu kommt, dass in Lateinamerika mit dem Integrationsb&#252;ndnis ALBA (Bolivarische Allianz f&#252;r die V&#246;lker unseres Amerikas) eine echte Alternative zur neokolonialen Nord-S&#252;d-Integration entstanden ist, die den teilnehmenden Staaten einen komplement&#228;ren Austausch von G&#252;tern und Dienstleistungen anstelle von Freihandel anbietet.</p>
<p>Lobo, der in illegitimen Wahlen nach einem Putsch zum Pr&#228;sidenten gew&#228;hlt worden war und deshalb von den meisten Regierungen Lateinamerikas nicht anerkannt wird, wurde schlie&#223;lich vom offiziellen Gipfel wieder ausgeladen. In Madrid war er dennoch und nahm an einem ausgelagerten Treffen der EU mit den zentralamerikanischen Vertretern teil, um seine Unterschrift unter das Assoziierungsabkommen zu setzen.</p>
<p>Auch ihre anderen Vorhaben konnte die EU in Madrid weitgehend durchsetzen. Trotz der Proteste von Menschenrechtsverteidigern und Gewerkschaftern schloss sie das Freihandelsabkommen mit Kolumbien und Peru ab. Mit dem MERCOSUR (Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay), dem st&#228;rksten Wirtschaftsblock Lateinamerikas, nahm sie die Verhandlungen &#252;ber ein Handelsabkommen nach langer Unterbrechung wieder auf.</p>
<p><strong>Auf Raubzug</strong><br />
Auf einer &#246;ffentlichen Anh&#246;rung der Linksfraktion im Bundestag im Vorfeld des Gipfels kritisierten Aktivisten aus Brasilien, Kolumbien und Zentralamerika, dass die EU trotz der Erfahrungen der Wirtschaftskrise nicht bereit ist, ihre neoliberale Agenda zu ver&#228;ndern. Sie berichteten vom Protest der Gewerkschaften und sozialen Organisationen gegen die negativen sozialen, wirtschaftlichen und &#246;kologischen Auswirkungen, die von den Abkommen zu erwarten sind. Bauernverb&#228;nde und kleine Gewerbetreibende bef&#252;rchten, nach Inkrafttreten des Abkommens unter verst&#228;rkten Konkurrenzdruck durch Importe aus der EU zu geraten und Anteile an ihren lokalen M&#228;rkten zu verlieren.</p>
<p>Die in den Freihandelsabkommen enthaltenen Regelungen zur Liberalisierung der &#246;ffentlichen Beschaffungsm&#228;rkte und zur Neuordnung des Wettbewerbsrechts sowie des Investitions- und Patentschutzes bedeuten fundamentale Eingriffe in die Ordnungspolitik der lateinamerikanischen L&#228;nder.</p>
<p>Durch den Abbau von Exportz&#246;llen und Ausfuhrbeschr&#228;nkungen soll der Zugang der EU zu den nat&#252;rlichen Ressourcen Lateinamerikas gesichert werden. Die betroffenen L&#228;nder verlieren dadurch wichtige Steuerungselemente f&#252;r eine eigenst&#228;ndige &#246;konomische Entwicklung.</p>
<p>Im Falle von Kolumbien und Honduras kommt hinzu, dass der Abschluss der Abkommen die eklatanten Menschenrechtsverletzungen in beiden L&#228;ndern ignoriert und die daf&#252;r verantwortlichen Regierungen international st&#252;tzt.</p>
<p>Der Putsch in Honduras vom Juni 2009 wird so nachtr&#228;glich legitimiert, obwohl die Menschenrechtsverletzungen, die unter dem Putschregime von Roberto Micheletti begangen wurden, nicht aufgearbeitet und geahndet werden und obwohl auch unter der neuen Regierung Lobo Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind.</p>
<p>Aufgrund der anhaltend schlechten Menschenrechtslage in Kolumbien verweigern bislang sowohl der US-Kongress als auch das kanadische und das norwegische Parlament die Ratifizierung von Handelsabkommen ihrer L&#228;nder mit Kolumbien. Die Europ&#228;ische Union und die Bundesregierung erweisen sich als weniger zimperlich und verweisen auf Menschenrechtsklauseln, die im Vertrag verankert seien. Zu M&#246;glichkeiten der konkreten Durchsetzung &#228;u&#223;ern sie sich nicht.</p>
<p><strong>Gegen ALBA</strong><br />
Die EU-Freihandelspolitik konterkariert die lateinamerikanische Integration: Was in Madrid als Freihandelsabkommen der EU mit Kolumbien und Peru abgeschlossen wurde, sollte mal ein Assoziierungsabkommen zwischen der EU und der Andengemeinschaft werden.</p>
<p>Au&#223;er Kolumbien und Peru waren auch die beiden ALBA-L&#228;nder Bolivien und Ecuador an den Verhandlungen mit der EU beteiligt. Die bolivianische Regierung hatte dabei eigene Vorstellungen formuliert, die der wirtschaftlichen Asymmetrie der Verhandlungspartner Rechnung trugen: Den wirtschaftlich schw&#228;cheren L&#228;ndern sollten Sonderkonditionen einger&#228;umt, die politischen Handlungsspielr&#228;ume der Regierungen, z.B. nationale Investitionsregeln, bewahrt, die «Privatisierung des Wissens» verhindert werden; die &#214;ffentlichkeit sollte an den Verhandlungen teilhaben. Die EU schloss daraufhin Bolivien von den Verhandlungen aus.</p>
<p>Ecuador stieg wenig sp&#228;ter freiwillig aus den Verhandlungen aus, sodass die EU fortan nur noch mit Peru und Kolumbien verhandelte, wodurch die Andengemeinschaft de facto zerschlagen wurde.<br />
Noch m&#252;ssen die Abkommen ratifiziert werden. Die Linksfraktion im Europaparlament k&#228;mpft im Moment darum, dass sie auch den nationalen Parlamenten vorgelegt werden. Soziale Bewegungen, linke Parteien und Regierungen haben in Madrid den Alternativ-Gipfel <em>Enlazando Alternativas</em> veranstaltet und gemeinsamen Widerstand verabredet.</p>
<p><em>Alexander King ist Referent f&#252;r Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Bundestagsfraktion</em> DIE LINKE; <em>Carlos Hainsfurh ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten Heike Hensel</em> (DIE LINKE).</p>
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		<title>Die Friedrich-Naumann-Stiftung in Honduras</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/03/die-friedrich-naumann-stiftung-in-honduras/</link>
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		<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 19:53:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Lateinamerika]]></category>

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		<description><![CDATA[«Freiheit und Verantwortung» von Hans Stimmer «Mit allen Kr&#228;ften f&#252;r eine liberale Welt: Daf&#252;r ist die Friedrich-Naumann-Stiftung (FNS) f&#252;r die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>«Freiheit und Verantwortung»</strong><br />
<em>von Hans Stimmer</em></p>
<p>«Mit allen Kr&#228;ften f&#252;r eine liberale Welt: Daf&#252;r ist die Friedrich-Naumann-Stiftung (FNS) f&#252;r die Freiheit im Rahmen ihrer internationalen Arbeit in aller Welt im Einsatz. Wir f&#246;rdern den Aufbau demokratischer, marktwirtschaftlicher und rechtsstaatlicher Strukturen, damit immer mehr Menschen in liberalen, demokratischen Gesellschaften leben k&#246;nnen.</p>
<p><span id="more-603"></span>Das Kernanliegen der Stiftungsarbeit im Inland und international ist die Verwirklichung von Freiheit und Verantwortung. In diesem Sinne unterst&#252;tzen wir unsere Partner weltweit bei der Erarbeitung individueller Probleml&#246;sungen.»</p>
<p>Wie diese Unterst&#252;tzung aussehen kann, l&#228;sst sich am Beispiel von Honduras, Zentralamerika, studieren. Die bedeutendste und erfolgreichste Partnerorganisation der FNS in Lateinamerika ist die Liberale Partei von Honduras (PLH), deren Kandidat Manuel Zelaya 2005 zum Staatspr&#228;sidenten gew&#228;hlt wurde. Das ist inzwischen f&#252;r die FNS bzw. die FDP ziemlich kompliziert. Denn das Land verf&#252;gte seit Ende Juni 2009 &#252;ber zwei Pr&#228;sidenten, einen gew&#228;hlten und einen sog. De-facto-Pr&#228;sidenten, und beide sind Mitglieder der Liberalen Partei.</p>
<p>In den Nachtstunden des 28.Juni 2009 waren Einheiten des honduranischen Milit&#228;rs in die Residenz des Pr&#228;sidenten Zelaya eingedrungen und hatten ihn &#252;ber den US-amerikanischen Luftwaffenst&#252;tzpunkt Soto Cano Air Base nach Costa Rica ausgeflogen. Um dem Putsch einen legalen Anstrich zu geben, verlas man im Parlament ein gef&#228;lschtes R&#252;cktrittsschreiben und lie&#223; den Parlamentspr&#228;sidenten, den Transportunternehmer Roberto Micheletti, der ein parteiinterner Widersacher Zelayas war, zum Interimspr&#228;sidenten w&#228;hlen.<br />
Weltweite Emp&#246;rung war die Folge. Nicht so beim Vertreter der FNS/FDP in der Hauptstadt Tegucigalpa, dem Regionaldirektor Christian L&#252;th. In einem «Bericht aus aktuellem Anlass» interpretierte er den Vorgang so:</p>
<p>«Honduras’ abgesetzter Pr&#228;sident Mel Zelaya sieht sich als Opfer eines von langer Hand geplanten Milit&#228;rputsches. Dabei ist es mehr als fraglich, ob der Machtwechsel in Honduras &#252;berhaupt etwas mit einem Milit&#228;rputsch zu tun hat.» Harald Neuber wies am 6.Juli in der Zeitschrift Hintergrund auf einige Details hin, die eine aktive Verstrickung der Stiftung in die Putschvorbereitung nahe legen: «Nach dem Sturz Zelayas wurde deutlich, dass die liberale Organisation weitaus tiefer in den Putsch verstrickt ist, als bisher bekannt war. Auf der Internetseite der FNS berichtet eine lokale Mitarbeiterin, Rosbinda Sabillón, vom Aufbau der Jugendorganisation Generación por el cambio (Generation f&#252;r den Wechsel): ‹Von jetzt an wird die Bev&#246;lkerung den Mut haben zu sagen, dass der von uns allen gew&#228;hlte Pr&#228;sident Manuel Zelaya … ein Vaterlandsverr&#228;ter ist›, schrieb FNS-Mitarbeiterin Sabillón &#252;ber die Politaktion.»</p>
<p><strong>Vom FDP-Mann zur Unperson</strong><br />
Zelaya galt in honduranischen FDP-nahen Kreisen nicht immer als Vaterlandsverr&#228;ter. Sonst h&#228;tte ihm die FDP bei seiner Pr&#228;sidentschaftskandidatur nicht den deutschen Politikberater Peter Schr&#246;der zur Seite gestellt. Schr&#246;der war von 1971 bis 1982 f&#252;r die FDP t&#228;tig gewesen und bekleidete zuletzt in der Bundesgesch&#228;ftsstelle die nicht unbedeutende Position eines Abteilungsleiters. Nach Angaben der Stiftung waren die FDP-Leute im Wahlkampf so aktiv, dass nach Angaben der bereits erw&#228;hnten Rosbinda Sabillon danach im Parlament 39 von der FNS geschulte Abgeordnete sa&#223;en, und vier Minister sowie vier stellvertretende Minister &#252;ber eine enge Anbindung an die Stiftung verf&#252;gten.</p>
<p>Wie kam es zum Zerw&#252;rfnis zwischen den deutschen Freidemokraten und dem honduranischen Pr&#228;sidenten Zelaya? Marina Schuster, MdB und Fachsprecherin der FDP f&#252;r Globalisierungspolitik, erkl&#228;rt es so: «Zu Beginn seiner Regierungszeit hatte Zelaya … auch die Unterst&#252;tzung der Liberalen in Deutschland. Allerdings wandelte sich der Regierungsstil bereits nach kurzer Zeit von einer liberalen zu einer linksorientierten Politik. Der Pr&#228;sident versuchte anfangs, mit L&#228;ndern wie den USA zu kooperieren, wandte sich aber immer st&#228;rker seinen lateinamerikanischen linksregierten Nachbarn zu.» Auch der ehemalige FDP-Vorsitzende und jetzige Chef der Naumann-Stiftung, Wolfgang Gerhard, nahm sich der Sache an und meinte herausgefunden zu haben, Pr&#228;sident Zelaya habe verfassungswidrig versucht, sich eine zweite Amtszeit zu sichern.</p>
<p>Ignacio Ramonet, Direktor der Zeitung <em>Le Monde Diplomatique</em>, weist diese Unterstellungen zur&#252;ck: «Manuel Zelaya hat keinen einzigen Artikel der Verfassung verletzt oder &#252;bertreten. Er hat auch kein Referendum organisiert. Noch wollte er sein Mandat, das am 27.Januar 2010 abl&#228;uft, verl&#228;ngern. Seine Absicht war es, ein unverbindliches Plebiszit zu starten und die B&#252;rger seines Landes zu fragen: Sind Sie einverstanden, dass bei den allgemeinen Wahlen Ende November 2009 eine vierte Wahlurne aufgestellt wird, mit der entschieden werden k&#246;nnte, ob eine Verfassungsgebende Versammlung einberufen werden soll mit dem Auftrag, eine neue Verfassung auszuarbeiten?» Zelaya hatte nie vor, zu den geplanten Wahlen im November 2009 selbst als Kandidat anzutreten.</p>
<p>Als Pr&#228;sident hatte sich Zelaya zum Reformer entwickelt, der die feudale R&#252;ckst&#228;ndigkeit des Landes beseitigen wollte, den Mindestlohn von 126 Euro auf 202 Euro anhob und die Privatisierung bremste. Er legte sich mit Bananen- und Pharmakonzernen an. Letzteren passte es ganz und gar nicht, dass die Regierung mit Kuba einen Vertrag &#252;ber die Lieferung von Generika abschloss. F&#252;r die jeglicher Ver&#228;nderung abgeneigten Oligarchie wurde er zum Klassenverr&#228;ter. Der Beitritt zu Petrocaribe und zur «Bolivarianischen Allianz f&#252;r die V&#246;lker unseres Amerika» (ALBA) war der endg&#252;ltige und unverzeihliche S&#252;ndenfall.</p>
<p><strong>Deutsche Medien unterst&#252;tzen den Putsch</strong><br />
Neben dem Vertreter der Friedrich-Naumann-Stiftung, der vor Ort agiert, fand die Putschjunta in Deutschland Unterst&#252;tzung in den Medien, die von Anfang an klar Partei ergriffen: Sie reichten von der FAZ &#252;ber die Welt, die Berliner Morgenpost bis zur BZ Zum Hauptfeind wurde der venezolanische Staatschef Chávez erkoren. F&#252;r die Chávez-Schublade ist in der Redaktion der FAZ Hildegard Stausberg zust&#228;ndig, sie darf sich «Diplomatische Korrespondentin im Ressort Au&#223;enpolitik» nennen.</p>
<p>Zwei Tage nach dem Putsch kommentierte sie ihn unter der &#220;berschrift: «Das M&#228;rchen vom Staatsstreich in Honduras». Damit war eigentlich alles gesagt bzw. geschrieben, k&#246;nnte man meinen. Weit gefehlt. Die Frau schaute hinter die Kulissen: «Mit Hilfe seines engen Freundes Hugo Chávez hat Honduras’ Pr&#228;sident Manuel Zelaya sich zum Opfer eines Milit&#228;rputsches stilisiert. Doch die Wahrheit ist eine andere. Zelaya war es, der Schritt f&#252;r Schritt auf einen Verfassungsbruch und einen Staatsstreich zusteuerte. Es gab keinen Staatsstreich. Es gab <em>-</em> auf Gehei&#223; des Parlaments <em>-</em> die gewaltsame Entfernung eines Pr&#228;sidenten, der Schritt f&#252;r Schritt auf Verfassungsbruch und Staatsstreich zusteuerte. Dieser Pr&#228;sident war Manuel Zelaya, ein enger Freund von Hugo Chávez. Wo es ums politische Z&#252;ndeln geht, ist Chávez un&#252;bertroffen. Und auch seine Alliierten verstehen dies gl&#228;nzend und sind untereinander aufs engste vernetzt. So erm&#246;glichen sie jetzt Zelaya, sich auf internationaler B&#252;hne medienwirksam in eine Opferrolle hineinzusteigern. Wer die Lage nicht kennt, f&#228;llt darauf rein.»</p>
<p>Frau Stausberg arbeitet eng mit Informanten vor Ort zusammen. Sie untermauerte ihren M&#228;rchenkommentar mit &#196;u&#223;erungen von Christian L&#252;th, der erfahren haben will, dass «die wachsende Gewaltt&#228;tigkeit» in den Stra&#223;en von Honduras «eindeutig» von den Zelaya-Anh&#228;ngern ausgehe. Im Gespr&#228;ch mit Welt online soll L&#252;th ge&#228;u&#223;ert haben: «Diese schie&#223;en auf die Polizisten, nicht umgekehrt, das hat es so noch nie gegeben; schon l&#228;ngst spekulieren hiesige Medien, dass Agitatoren aus Venezuela und Kuba dahinterstehen.» Frau Stausberg hatte schon 2006 mit ihren journalistischen F&#228;higkeiten gegl&#228;nzt. Damals hatte sie einen Bericht &#252;ber sog. «Ausschreitungen» in der mexikanischen Provinz Oaxaca verfasst und darin vier Tote erw&#228;hnt, «unter ihnen ein amerikanischer Mitarbeiter einer sich mit Indianerfragen besch&#228;ftigenden nordamerikanischen NGO, Indymedia.» Nun ist aber Indymedia die Abk&#252;rzung von Independent Media Center und hat nicht im entferntesten etwas mit Stausbergs Indianern zu tun.</p>
<p>Bei der umstrittenen Pr&#228;sidentschaftswahl konnten sich die Parteifreunde Guido Westerwelles nicht mehr behaupten. Pr&#228;sident wurde der Kandidat der Nationalpartei (PN), Porfirio Lobo, ein lupenreiner Vertreter oligarchischer Interessen. Die Volksorganisationen hatten keine Chance und gehen bitteren Zeiten entgegen.</p>
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		<title>Haiti: Die bejubelte Invasion</title>
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		<pubDate>Wed, 03 Mar 2010 19:49:14 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Anstelle der Hilfe dominiert das Sicherheitsdenken Christoph Marischka Die USA nutzten das Erdbeben in Haiti f&#252;r eine erneute Invasion. Aber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Anstelle der Hilfe dominiert das Sicherheitsdenken</strong><br />
<em>Christoph Marischka</em></p>
<p>Die USA nutzten das Erdbeben in Haiti f&#252;r eine erneute Invasion. Aber auch andere Vertreter der internationalen Gemeinschaft zeigen koloniale Kontinuit&#228;t.<br />
<span id="more-602"></span>Obwohl das Problem Haitis die allgemeine Armut ist, reagierte die internationale Gemeinschaft auch nach der aktuellen Erdbebenkatastrophe nur mit dem Ruf nach «mehr Sicherheit». Auf die Warnungen der FAO im Februar 2008 vor einer drohenden Hungerkrise wegen der Vernichtung der Ernten durch Wirbelst&#252;rme und wegen steigender Getreidepreise reagierte damals niemand. 96 Mio. US-Dollar w&#228;ren notwendig gewesen, um die Katastrophe abzuwenden, der Einsatz der UN-Mission MINUSTAH in Haiti hatte allein im Vorjahr 535 Mio. Dollar gekostet.</p>
<p>Als die Hungerkatastrophe dann Anfang April 2008 kam, waren die UN-Truppen daran beteiligt, Proteste unter Schusswaffengebrauch niederzuschlagen und den Pr&#228;sidentenpalast zu verteidigen. Sie machten Drogenh&#228;ndler f&#252;r die Aufst&#228;nde verantwortlich, r&#252;hmten sich aber auch, aus den am st&#228;rksten patrouillierten Slums habe es wenig Beteiligung an den Protesten gegeben. Pr&#228;sident Préval &#252;berstand die Proteste aufgrund internationaler Unterst&#252;tzung, musste aber den Premier Alexis und dessen Regierung entlassen. W&#228;hrend der z&#228;hen Regierungsneubildung verw&#252;steten mehrere Wirbelst&#252;rme das Land, Hunderte von Menschen fielen ihnen zum Opfer.</p>
<p>Naturkatastrophen von denen die Oberschicht meist nur marginal betroffen ist, gibt es oft in Haiti, eine gr&#246;&#223;ere Katastrophe war abzusehen. Doch die internationale Gemeinschaft hat darin versagt, Strukturen bereitzustellen, die bei solchen Katastrophen die Folgen f&#252;r die Bev&#246;lkerung minimieren, bzw. Hilfe zur Selbsthilfe zu erm&#246;glichen. Dies w&#252;rde zun&#228;chst Armutsbek&#228;mpfung voraussetzen, vor allem aber m&#252;sste in die &#246;ffentliche Infrastruktur, Wasser- und Energieversorgung, in Schulen und Krankenh&#228;user investiert werden. Bislang werden diese fast ausschlie&#223;lich von ausl&#228;ndischen Hilfsorganisationen bereitgestellt und verwaltet.</p>
<p><strong>Die aktuelle Katastrophe</strong><br />
Ein wesentlicher Unterschied zu den vorangegangenen Katastrophen ist, dass diesmal auch die Oberschicht und die Institutionen der internationalen Gemeinschaft betroffen waren. So war die UN in den ersten Tagen vor allem damit besch&#228;ftigt, sich selber notd&#252;rftig zu reorganisieren und &#252;ber den Verbleib ihrer Mitarbeiter zu informieren. Zahlreichen Berichten zufolge nahmen die Suchtrupps zuerst und bislang fast ausschlie&#223;lich ihre Arbeit dort auf, wo Mitarbeiter internationaler Organisationen und Angeh&#246;rige der Oberschicht verkehren. Die 17.000 eingeflogenen Rettungskr&#228;fte konnten in den ersten zehn Tagen nach der Katastrophe gerade mal 90 Menschen bergen.</p>
<p>Fatal f&#252;r die Bev&#246;lkerung war und ist die schlechte Versorgung mit Krankenh&#228;usern, intakten Schulen und anderen Notunterk&#252;nften, mit Baggern und Wasser. Die Menschen verbluteten vor den Krankenh&#228;usern, Leichen wurden in Eigeninitiative gesammelt, verscharrt oder verbrannt.</p>
<p><strong>Die US-Invasion</strong><br />
Bereits am Donnerstag nach dem Erdbeben landeten US-Milit&#228;rs auf dem Flughafen von Port-au-Prince, am Morgen des 18.1. waren 4200 Soldaten im Land, bis zum Abend sollten es 12.000 werden. US-Au&#223;enministerin Hillary Clinton besuchte den von den USA kontrollierten Flughafen und traf dort Pr&#228;sident Préval. Sie forderte eine Notverordnung, die dem US-Milit&#228;r erlaubt, Ausgangssperren zu verh&#228;ngen. Laut Medienberichten soll ein solches Abkommen, das dem US-Milit&#228;r de facto die Hoheitsgewalt unter Kriegsrecht zugesteht, unterzeichnet worden sein. Inwiefern es G&#252;ltigkeit hat, bleibt fraglich, da sowohl die Regierung als auch das Parlament in Haiti nicht beschlussf&#228;hig sind. 27 von 30 Senatoren wurden selbst Opfer des Erdbebens.</p>
<p>Als Grund f&#252;r die massive Truppenverlegung wurden die Absicherung von humanit&#228;ren Hilfsma&#223;nahmen und die Abwehr von Pl&#252;nderungen und Ausschreitungen genannt. Diese Gewalt wurde von Anfang an bef&#252;rchtet, blieb aber zun&#228;chst aus. Erst am Sonntag, dem 17.1., wurden erste Gewalttaten best&#228;tigt. Doch auch zahlreiche Formen von Selbsthilfe wurden als «Pl&#252;nderung» kriminalisiert: Die «Opfer» sollten gef&#228;lligst warten, bis ihnen internationale Organisationen Zelte aufschlagen, statt zu versuchen, aus den Ruinen alter H&#228;user neue Baracken aufzubauen. Mittlerweile stehen Tausende US-Soldaten in Landungsschiffen im Hafen bereit, um im Fall «sozialer Unruhen» einzugreifen.</p>
<p>W&#228;hrend UN-Vertreter noch diplomatisch davon sprachen, das gr&#246;&#223;te Hindernis f&#252;r eine z&#252;gige Verteilung der Hilfslieferungen sei «der besch&#228;digte Flughafen und der &#252;berlastete Luftraum &#252;ber Port-au-Prince», wurde ein Vertreter des World Food Program deutlicher: «Hier gehen 200 Fl&#252;ge t&#228;glich an und ab. Aber die meisten dieser Fl&#252;ge sind f&#252;r das US-Milit&#228;r.»</p>
<p><strong>Europa: Hei&#223;e Luft und Polizeisoldaten</strong><br />
In Europa tat sich zun&#228;chst Frankreich mit schnellen Reaktionen hervor. Hinter vorgehaltener Hand wurde das kritisiert, weil Frankreich sich nicht mit der neuen Hohen EU-Vertreterin f&#252;r Au&#223;en- und Sicherheitspolitik abgesprochen hatte. Catherine Ashton hatte f&#252;r Montag eine Sondersitzung des Rates der EU-Au&#223;enminister angek&#252;ndigt, der auch die Entwicklungsministerien beiwohnen durften. In der Einladung hierzu hie&#223; es, f&#252;r Haiti seien ohnehin knapp 300 Mio. Euro f&#252;r den Zeitraum 2008–2013 vorgesehen sowie weitere 30 Millionen f&#252;r unvorhersehbare Ereignisse und die Folgen der Finanzkrise.</p>
<p>Nach dem Treffen &#252;berschlugen sich die Medien: Zuerst berichtete <em>Spiegel-online</em> von 400 Mio. Euro der EU «f&#252;r die Erdbebenopfer», die Tagesschau erh&#246;hte auf 420 Mio. Tats&#228;chlich hatte die Kommission lediglich 30 Millionen f&#252;r humanit&#228;re Hilfe bereitgestellt, weitere 100 Millionen sollen &#252;ber «Instrumente» in die Unterst&#252;tzung der staatlichen Institutionen und damit wahrscheinlich in den Aufbau der Polizei flie&#223;en. Die Mitgliedstaaten haben insgesamt 92 Mio. Euro zur Verf&#252;gung gestellt. Den Aufruf der UNO, insgesamt 575 Mio. US-Dollar f&#252;r humanit&#228;re Hilfe aufzubringen, schob die EU auf die lange Bank, man signalisierte «Bereitschaft». Die restlichen 200 Mio. Euro, die «f&#252;r den mittel- und langfristigen Bedarf» in Aussicht gestellt wurden, sind einfach der Restbetrag der aus dem European Development Fund ohnehin bis 2013 vorgesehenen 300 Mio. Euro.</p>
<p>Vor dem Hintergrund der «enormen» Summe, welche die um Bedeutung ringende Gemeinsame Au&#223;en- und Sicherheitspolitik der EU da aus dem Hut zauberte, erschien das wesentliche Ergebnis des Treffens eher als Randnotiz, etwa bei <em>Spiegel-onlin</em>e: «Die Union will au&#223;erdem 140 bis 150 Beamte der ‹Europ&#228;ischen Gendarmerietruppe› (EGF) nach Haiti entsenden.» Dabei wird es sich um Angeh&#246;rige der franz&#246;sischen Gendarmerie Nationale handeln, die in mehr als zwanzig Staaten <em>-</em> &#252;berwiegend ehemaligen Kolonien <em>-</em> aktiv ist und dort Polizeiausbildung betreibt, den Schutz der Botschaften &#252;bernimmt und in Krisensituationen franz&#246;sische Staatsb&#252;rger evakuiert. Die EGF geht auf eine franz&#246;sische Initiative zur&#252;ck und ist nichts weiter als eine europ&#228;ische Kooperation von Gendarmerie-Einheiten, die bereits in Bosnien und Herzegowina das Kommando der dortigen Polizeimission &#252;bernommen haben und zuk&#252;nftig f&#252;hrend bei der EUPOL-Mission in Afghanistan sein sollen. «Entsenden» kann die EU die EGF gar nicht, da diese weder eine Institution der EU ist, noch das zugrundeliegende Abkommen v&#246;lkerrechtlich ratifiziert wurde; sie kann jedoch dem franz&#246;sischen Einsatz von Polizeisoldaten ein europ&#228;isches M&#228;ntelchen &#252;berst&#252;lpen.</p>
<p>Kritik am US-amerikanischen Krisenmanagement &#228;u&#223;erte die EU nicht, sondern dankte den USA und der UNO f&#252;r ihr Engagement. Allerdings stellte sie fest, dass die UNO vor Ort f&#252;r die Koordination der Hilfe zust&#228;ndig sein sollte.</p>
<p>Der der R&#252;stungsindustrie nahestehende Newsletter Verteidigung zeigt ein realistisches Verst&#228;ndnis f&#252;r die Motive der USA. In seiner Ausgabe 2/2010 schreibt er &#252;ber die Ziele des US-Engagements: Dieses «erfolgt nicht zuletzt, um eine nunmehr im S&#252;den der USA (Florida) bef&#252;rchtete Fl&#252;chtlingswelle aus Haiti zu unterbinden. Aber auch die au&#223;enpolitischen Probleme der USA in S&#252;damerika, hier insbesondere mit Venezuela, k&#246;nnten dazu beigetragen haben, dass das Engagement der Amerikaner in Haiti sich so kraftvoll entfalten konnte.» Dem ist nicht viel hinzuzuf&#252;gen.</p>
<p><em>Quelle: Informationsstelle Militarisierung</em></p>
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