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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Nah- und Mittelost</title>
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		<title>Freiheit f&#252;r die arabischen V&#246;lker</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 18:33:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nah- und Mittelost]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Schluss mit der Repression in &#196;gypten und Syrien Gegen jede direkte und indirekte ausl&#228;ndische Milit&#228;rintervention in der Region Der nachstehende [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schluss mit der Repression in &#196;gypten und Syrien</strong></p>
<p><strong>Gegen jede direkte und indirekte ausl&#228;ndische Milit&#228;rintervention in der Region</strong></p>
<p><span style="color: #808080;"><strong>Der nachstehende Aufruf ist ein ebenso ermutigendes, wie seltenes Zeichen einer breiten politischen Solidarit&#228;tskampagne aus einem europ&#228;ischen Land, Italien, mit den Akteuren der arabischen Revolution.<br />
<span id="more-3920"></span></strong></span>Das Bed&#252;rfnis nach Freiheit und der hartn&#228;ckige Kampf der Frauen und M&#228;nner Nordafrikas und des Mittleren Ostens f&#252;r Gerechtigkeit geht weiter. Immer noch demonstrieren Tausende auf den Pl&#228;tzen &#196;gyptens und Syriens – wie auch in anderen arabischen L&#228;ndern – f&#252;r das Ende autorit&#228;rer und illegitimer Regime. Immer noch t&#246;ten und unterdr&#252;cken die «Ordnungskr&#228;fte» und versuchen, die Aufst&#228;nde f&#252;r Gerechtigkeit, Freiheit und W&#252;rde zu stoppen.<br />
In &#196;gypten haben die formell «demokratischen» Wahlen die Herrschaft der Streitkr&#228;fte und die Repression gegen die radikaleren und konsequenteren Teile der demokratischen und revolution&#228;ren Bewegung nicht beendet. Die Proteste in Kairo, die Streiks in verschiedenen Bereichen der Produktion, die Demonstrationen der Frauen sind Zeichen eines demokratischen Prozesses, der durch Wahlen allein nicht gestoppt werden und vor allem nicht unter der Vormundschaft der Streitkr&#228;fte gedeihen kann.<br />
Damit &#196;gypten wirklich den Weg der Demokratie einschlagen kann, m&#252;ssen die Streitkr&#228;fte die politische Macht abgeben und ihre &#246;konomischen und finanziellen Gesch&#228;fte aufgeben.<br />
H<br />
In Syrien unterdr&#252;ckt das Regime von Bashar El Assad gewaltsam die Demonstrationen der Opposition. Tausende von unabh&#228;ngigen Zeugen dokumentierte Tote; Ausweisungen und Festnahmen von Journalisten, die nicht beim Regime als «embedded» (integriert) registriert sind; Tausende Festnahmen von Dissidenten, die das Regime selbst zugibt; Unterdr&#252;ckung der Pressefreiheit – Journalisten und Karikaturisten werden ermordet oder zusammengeschlagen, ebenso Vertreter von Menschenrechtsorganisationen; die st&#228;ndige Ausrufung des Ausnahmezustands trotz des Versprechens seiner Aufhebung.<br />
Die Legitimit&#228;t des Baath-Regimes ist lange vorbei und kann auch nicht auf Basis der internationalen oder regionalen Lagerbildung aufrechterhalten werden.<br />
Die syrische Bev&#246;lkerung ist in mehrfacher Hinsicht Opfer: Sie ist Opfer der Repression und des autorit&#228;ren Charakters des Regimes; sie ist Opfer des Desinteresses der sog. «internationalen Gemeinschaft», die Sorge hat, ein regionales Gleichgewicht zu st&#246;ren, das  im Interesse der USA, Europas, Israels und anderer regionaler und &#252;berregionaler M&#228;chte einen «kalten» Konflikt perpetuiert; sie ist Opfer der Man&#246;ver der reaktion&#228;ren arabischen Regime (in erster Linie Saudi-Arabien, Jordanien und Qatar), die Assad loswerden wollen, um ein ihren Interessen gef&#252;gigeres Regime zu installieren.</p>
<p>Wir k&#246;nnen und wollen uns nicht der «geopolitischen» Logik unterordnen, sondern wir reihen uns ein in die Logik von Freiheit, Gerechtigkeit und W&#252;rde.<br />
Wir sind gegen jede milit&#228;rische Intervention in Syrien – weil das j&#252;ngste libysche Beispiel gezeigt hat, dass der von der NATO verfolgte «Schutz» der Zivilbev&#246;lkerung Leid und Tote bringt – ein w&#252;rdeloses Spiel auf dem R&#252;cken der Bev&#246;lkerung; weil jede ausl&#228;ndische Intervention die syrische Bev&#246;lkerung und die demokratischen und revolution&#228;ren Kr&#228;fte der Kontrolle &#252;ber die Zukunft ihres Landes und seiner Souver&#228;nit&#228;t beraubt und sie zu Gefangenen der Interessen der Gro&#223;m&#228;chte und/oder der regionalen M&#228;chte macht. Eine ausl&#228;ndische Milit&#228;rintervention w&#252;rde jeden positiven Ausgang der Revolte begraben und f&#252;r den revolution&#228;ren Prozess in der gesamten arabischen Welt und im Mittleren Osten einen schweren R&#252;ckschlag bedeuten.<br />
Wir wollen die &#228;gyptischen und syrischen Demokraten in ihrem Kampf f&#252;r wahre Demokratie, f&#252;r die Achtung der Menschenrechte und f&#252;r Gerechtigkeit und W&#252;rde unterst&#252;tzen.</p>
<p>Deshalb appellieren wir an alle Demokraten, dass sich auch in Italien eine starke und breite Kampagne entwickelt:<br />
– f&#252;r die Unterst&#252;tzung der syrischen Bev&#246;lkerung und der &#228;gyptischen Demokraten, f&#252;r das Ende der Repression<br />
– f&#252;r die Unterst&#252;tzung aller arabischen Bev&#246;lkerungen in ihrer Revolte, f&#252;r die Solidarit&#228;t mit allen revolution&#228;ren, demokratischen und Volkskr&#228;ften; gegen die Repression der Regime und f&#252;r ihre internationale politische Isolierung – von unten und auf institutioneller Ebene, doch kein Embargo gegen die Bev&#246;lkerungen;<br />
– gegen jede m&#246;gliche milit&#228;rische Intervention «ohne Wenn und Aber»; Nein zu jeder «humanit&#228;ren» Mission, zu Flugverbotszonen (der erste Schritt in den Krieg), zur Entsendung von Truppen und zur Verwendung der Milit&#228;rbasen in Italien. Wir wollen, dass die UNO eine unabh&#228;ngige und unbewaffnete Untersuchungskommission organisiert, die sich sofort nach Syrien begibt, die Menschenrechtsverletzungen &#252;berpr&#252;ft und die Bedingungen f&#252;r freie Wahlen und ein Ende der Repression schafft.</p>
<p>Der Aufruf wurde ver&#246;ffentlicht von der Online-Zeitung ilmegafonoquotidiano.it und u.a. unterzeichnet von: Luisa Morgantini (Mitglied der Vereinigten Linken (GUE/NGL) im Europa-Parlament und aktiv in der Pal&#228;stina-Solidarit&#228;t), Vittorio Agnoletto (Rifondazione Comunista), Marco Bersani (Mitbegr&#252;nder von Attac und aktiv gegen AKWs und f&#252;r die &#246;ffentliche Wasserversorgung), Salvatore Cannavò (Redazione Erre), Franco Russo (Nationales Komitee gegen die Schulden), Alessandra Mecozzi (Internationale Abteilung FIOM).</p>
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		<title>Wirtschaftskrieg und Regime change</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 18:29:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nah- und Mittelost]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Startseite]]></category>

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		<description><![CDATA[Sanktionen gegen den Iran Die Verh&#228;ngung von Wirtschaftssanktionen gegen den Iran und die neue Runde der Aufr&#252;stung vor allem Saudi-Arabiens [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sanktionen gegen den Iran</strong></p>
<p>Die Verh&#228;ngung von Wirtschaftssanktionen gegen den Iran und die neue Runde der Aufr&#252;stung vor allem Saudi-Arabiens versch&#228;rfen die Gefahr eines Milit&#228;rschlags gegen Iran.<br />
Am 24.Januar 2012 hat die EU die Einfuhr iranischen Erd&#246;ls ab kommendem Juli verboten; das Einfuhrverbot gilt auch f&#252;r petrochemische Produkte und f&#252;r Ausr&#252;stungsg&#252;ter des &#214;lsektors. Neue Investitionen in &#214;lfirmen im Iran sind nicht mehr erlaubt. Zudem werden Konten der iranischen Zentralbank eingefroren.<br />
<span id="more-3918"></span>Eine Ausnahme macht Italien: Rom kann weiterhin iranisches &#214;l einf&#252;hren, weil es daf&#252;r nichts bezahlt, sondern iranische Schulden begleicht. Neben Italien sind die gr&#246;&#223;ten europ&#228;ischen Abnehmer iranischen &#214;ls Griechenland (zu 25% davon abh&#228;ngig) und Spanien (10%). Die drei L&#228;nder haben in der Vergangenheit Sanktionen abgelehnt. Doch wegen der Schuldenkrise kommen sie unter politischen Druck.<br />
Die EU bezog 2010 5,7% ihres Erd&#246;l aus dem Iran. F&#252;r den Iran ist die EU hinter China aber der zweitgr&#246;&#223;te Abnehmer.<br />
Barack Obama hatte am 31.Dezember letzten Jahres schon die zweite Runde der Sanktionen eingel&#228;utet: Er unterschrieb ein Gesetz, das Strafen f&#252;r Banken vorsieht, die in &#214;lgesch&#228;fte mit der iranischen Zentralbank verwickelt sind.</p>
<p><strong>Falschmeldungen</strong></p>
<p>Die Sanktionen verfolgen den Zweck, Druck auf die iranische Wirtschaft auszu&#252;ben, damit das Land die zivile Nutzung von Atomenergie fallen l&#228;sst. Sie sind eine Form der wirtschaftlichen Kriegf&#252;hrung und bauen mit Hilfe der Medien, von denen einige einen regelrechten Propagandafeldzug f&#252;hren, ein gesellschaftliches Klima auf, in dem auch Milit&#228;rschl&#228;ge gegen den Iran denkbar werden.<br />
Offiziell reagieren die USA und die EU damit auf einen Bericht der Internationalen Atomenergieagentur (IAEA) vom Dezember letzten Jahres. Die US-amerikanischen Medien, allen voran die New York Times (NYT), hatten die Schlussfolgerungen des Berichts so dargestellt, «Irans Atomprogramm [verfolge] milit&#228;rische Ziele». Die Washington Post hielt dagegen: «Aber der Bericht der IAEA sagt nicht, dass Iran die Bombe hat, noch dass er sie baut, er sagt nur, dass die jahrelangen Bem&#252;hungen um die Atomtechnologie fortgeschritten und entwickelt genug sind, dass auch der Bau einer Bombe m&#246;glich w&#228;re.» Die NYT musste sich sp&#228;ter f&#252;r ihre Falschmeldung entschuldigen.<br />
Der Herausgeber des Online-Journals Middle East Report, Chris Toensing, schreibt dazu: «Der Bericht liefert Beweise daf&#252;r, dass der Iran bis 2003 nach milit&#228;rischen Anwendungen f&#252;r seine atomare Forschung suchte, aber keine Beweise daf&#252;r, dass er dies seitdem fortsetzte und sicher keine Beweise daf&#252;r, dass der Iran die F&#228;higkeit hat, Atomwaffen zu bauen oder bald bauen zu k&#246;nnen.»<br />
Die US-Regierung scheint in der Frage eines milit&#228;rischen Angriffs auf den Iran gespalten. So sieht Au&#223;enministerin Hillary Clinton in der Ank&#252;ndigung der iranischen Regierung, die Urananreicherungsanlage in Fordow, n&#246;rdlich von Qom, werde nunmehr in Betrieb genommen, einen «bedeutenden Schritt vorw&#228;rts auf dem Weg zu waffenf&#228;higem Uran». In Fordow kann Uran aber nur bis zu einem Reinheitsgrad von 20% angereichert werden, bombenf&#228;higes Uran braucht aber einen Reinheitsgrad von fast 95%.<br />
Verteidigungsminister Leon Panetta hat Clinton auch offen widersprochen: «Der Iran baut noch keine Bombe.» Um sie zu bauen, m&#252;sste er aber den UN-Inspektoren den Zugang zu den Atomanlagen verweigern und ein eigenst&#228;ndiges Programm auflegen. Beides hat er nicht getan. Der Iran hat stattdessen erkl&#228;rt, dass auch die neue Anlage in Fordow f&#252;r UN-Inspektoren zug&#228;nglich sein werde – damit ist sie v&#246;llig legal.</p>
<p><strong>Umzingelung und Aufr&#252;stung</strong></p>
<p>Inzwischen jedoch scheinen Teile der US-Regierung mehr und mehr bereit offen zuzugeben, dass es den USA und ihren Verb&#252;ndeten gar nicht allein um das iranische Atomprogramm geht. Dieser Vorwand ist wohl immer schwieriger aufrechtzuerhalten. Immerhin hat der Iran noch nie ein Land einseitig angegriffen, von dem er nicht angegriffen wurde – anders als Israel (&#196;gypten 1956, 1967; Libanon 1982, 2006) und die USA (Irak 2003) und hat auch niemals ein anderes Land besetzt.<br />
Immer offener ist die Rede vom «regime change». Eine richtig brauchbare Handhabe gibt es daf&#252;r jedoch noch nicht. Der UN-Sicherheitsrat hat den Einsatz milit&#228;rischer Gewalt gegen Teheran bislang nicht gebilligt. Ein milit&#228;rischer Angriff der USA oder Israels w&#228;re nach UN-Regeln daher illegal.<br />
&#220;ber den Trommeln der Anti-Iran-Propaganda geht die Aufr&#252;stung der NATO-Verb&#252;ndeten im Nahen Osten unter. Der erste Adressat einer neuen Runde von Waffenlieferungen ist Saudi-Arabien. Dem diktatorischen Regime, das die Demokratiebewegungen im &#246;stlichen Mittelmeerraum (vor allem im Jemen und in Bahrain) brutal niedergeschlagen hat, will die Bundesregierung 270 neue Leopard-Panzer schicken, w&#228;hrend die USA 84 neue Kampfflugzeuge Inch. Munition, Ersatzteile und Ausbildungspersonal zugesagt haben – ein 30-Mrd.-Dollar-Deal. Die Waffenverk&#228;ufe sollen «eine starke Botschaft an L&#228;nder dieser Region aussenden, dass die USA und ihre Verb&#252;ndeten die Stabilit&#228;t in der Golfregion und im Mittleren Osten sichern werden».<br />
Hoffnungen setzt die US-Regierung auch immer noch auf einen Kollaps des derzeitigen Regimes. Die iranische Wirtschaft ist in der Krise. Der britische Guardian berichtet, die Nahrungsmittelpreise steigen steil an, Dollars werden gehortet, und die W&#228;hrung des Iran, der Rial, ist in den letzten Wochen um 40% im Wert gefallen. Die neuen Sanktionen sollen den Druck auf die Wirtschaft weiter erh&#246;hen.<br />
Doch die Erfahrungen mit Sanktionen gegen&#252;ber anderen L&#228;ndern zeigen, dass nicht die Herrschenden oder die Gener&#228;le, sondern das einfache Volk am meisten unter Sanktionen leidet. Nach dem Golfkrieg I 1991 setzte George Bush gegen den Irak die strengste Wirtschaftsblockade der Geschichte durch – Saddam Hussein und sein Regime &#252;berlebten sie, aber die einfache Bev&#246;lkerung zahlte einen enormen Preis daf&#252;r: &#220;ber 5 Millionen Kinder unter 5 Jahren starben unter den direkten Folgen der Sanktionen – das besagen UN-Statistiken.<br />
Die Sanktionen gegen den Iran m&#252;ssen zur&#252;ckgenommen werden!<br />
Im kommenden M&#228;rz stehen im Iran wieder Parlamentswahlen an. Die Regierung f&#252;rchtet einen Boykott, der die Wahlen als illegitim brandmarken und die Proteste auf der Stra&#223;e neu anfachen k&#246;nnte.</p>
<p>Quelle: Alan Maass, The West’s New Confrontation with Iran. Zusammengestellt von Angela Klein.</p>
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		<title>Syrische Opposition gespalten</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2012/01/syrische-opposition-gespalten/</link>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:28:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nah- und Mittelost]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Syrische Nationalrat und seine Verbindungen zum Westen von Khalil Habash Am 11.Dezember wurde in Syrien ein «Streik der W&#252;rde» [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Syrische Nationalrat und seine Verbindungen zum Westen</strong></p>
<p>von <em>Khalil Habash</em></p>
<p>Am 11.Dezember wurde in Syrien ein «Streik der W&#252;rde» ausgerufen wurde, in den Hochburgen des Protests &#252;berall im Land wurde er weitgehend unterst&#252;tzt. Urspr&#252;nglich war die Initiative dazu von Gruppen im Land ausgegangen, dann wurde sie vom Syrischen Nationalrat &#252;bernommen. Polizeikr&#228;fte versuchten, die Streiks mit Gewalt zu beenden. Die Gemeindewahlen, die am 12.Dezember durchgef&#252;hrt wurden, um die Menschen von Protesten abzuhalten, sind gescheitert.<br />
<span id="more-3716"></span><strong>Die Rolle des Syrischen Nationalrats</strong></p>
<p>Politik und Erkl&#228;rungen des Syrischen Nationalrats haben eine Reihe von Fragen aufgeworfen. Einige Mitglieder des Nationalrats, insbesondere die Liberalen und die Muslimbr&#252;der, unterhalten Verbindungen zu imperialistischen L&#228;ndern wie den USA oder Frankreich, auch wenn diese Str&#246;mungen im Nationalrat sehr minorit&#228;r sind. Ihre Vertreter haben ihre Verbindungen zu den reaktion&#228;ren Golfmonarchien wie Saudi-Arabien und Katar, aber auch zur T&#252;rkei ausgebaut – letztere hofft, ihre Position in der Region zu verst&#228;rken. Sowohl die Golfstaaten wie die T&#252;rkei unterst&#252;tzen die Muslimbr&#252;der und die Liberalen in Syrien und anderswo in der Region, um eine neoliberale Wirtschaftspolitik zu f&#246;rdern und um die Beziehungen zu Israel zu normalisieren.</p>
<p>Die Arabische Liga hat Sanktionen gegen Syrien verh&#228;ngt, um das syrische Regime weiter zu isolieren, damit kam sie einer Forderung des Nationalrats nach. Die Menschen in Syrien werden die Folgen dieser Sanktion zu tragen haben. Wie wir in der Vergangenheit gesehen haben, haben wirtschaftliche und politische Sanktionen gegen autorit&#228;re Regime diese selten geschw&#228;cht. Im Irak und im Iran geschah das Gegenteil: Die Sanktionen haben die Regime gest&#228;rkt und die Menschen getroffen.</p>
<p>Zweitens ruft der Nationalrat trotz Widerspruch aus dem Landesinneren, etwa von Seiten der lokalen Koordinationskomitees, fortw&#228;hrend zu einer ausl&#228;ndischen Milit&#228;rintervention auf: Anfang Oktober mobilisierte er Proteste f&#252;r eine Flugverbotszone, Anfang November Proteste f&#252;r eine Pufferzone.</p>
<p>Beide Aktionen zeigen seinen Mangel an Vertrauen gegen&#252;ber der Volksbewegung. Der Nationalrat ist der Ansicht, dass das Ende des syrischen Regimes nur das Ergebnis von externem Druck und Interventionen sein kann. Die einzige praktische Aktion, die er ergriffen hat, bestand darin, sich mit der Syrischen Freien Armee (das sind Soldaten, die aus der syrischen Armee desertiert sind, um sich der Revolution anzuschlie&#223;en) zusammenzuschlie&#223;en, um Demonstranten zu sch&#252;tzen und gegen den Geheimdienst vorzugehen.</p>
<p><strong>Die lokalen Komitees</strong></p>
<p>Die lokalen Koordinationskomitees hatten urspr&#252;nglich zu einem unbefristeten «Streik der W&#252;rde» aufgerufen, den sie als  ersten Schritt einer Kampagne des zivilen Ungehorsams zum Sturz des Assadregimes bezeichneten.</p>
<p>Die erste Phase sollte in der Sperrung von Nebenstra&#223;en, einem Sitzstreik (bei der Arbeit erscheinen, sich aber weigern, irgendwelche T&#228;tigkeiten zu verrichten) und dem Abstellen der Mobiltelefone zwischen 14 und 16 Uhr bestehen. Dann sollte der Streik eskalieren und in die Schlie&#223;ung aller L&#228;den und Gesch&#228;fte, einem Streik der Universit&#228;ten, einem Transportstreik und der Sperrung aller gro&#223;en Stra&#223;en zwischen den St&#228;dten, einem Streik des &#246;ffentlichen Dienstes und schlie&#223;lich einer Sperrung aller internationalen Stra&#223;en m&#252;nden.</p>
<p>Die lokalen Komitees erkl&#228;ren: «Wir machen unsere Revolution mit unseren eigenen H&#228;nden.» Sie beschreiben die syrische Revolution so: «Die syrische Revolution ist eine Revolution der W&#252;rde, eine Revolution aller Menschen, die ihr eigenes Leben f&#252;hren und frei entscheiden wollen. Es ist ein Wiedererwachen gegen die Sklaverei, ein Schrei in das Gesicht der Erniedrigung.»</p>
<p><strong>Die Politik des «neuen Syrien»</strong></p>
<p>Wir haben aus der Geschichte gelernt, dass Selbstbestimmung nicht durch das B&#252;ndnis mit ausl&#228;ndischen imperialistischen M&#228;chten und deren regionalen Verb&#252;ndeten erreicht werden kann, sondern durch die St&#228;rke des eigenen Volkes und seine Mobilisierung. So hat die zunehmende Abh&#228;ngigkeit der PLO-F&#252;hrung von imperialistischen M&#228;chten und deren Alliierten den Pal&#228;stinensern weder Unabh&#228;ngigkeit noch St&#228;rke gegeben.</p>
<p>Ein k&#252;rzlich im Wall Street Journal ver&#246;ffentlichtes Interview mit Burhan Ghalioun, dem Pr&#228;sidenten des Syrischen Nationalrats, hat Fragen bez&#252;glich des Nationalrats und seinen Beziehungen zu imperialistischen M&#228;chten aufgeworfen. Ghalioun erkl&#228;rte, ein Syrien nach Assad werde seine Beziehungen zum Iran reduzieren und die milit&#228;rische Allianz mit der Hamas und der Hisbollah beenden. Das k&#252;nftige Syrien werde engere Beziehungen zu den Golfstaaten unterhalten.</p>
<p>&#220;ber Beziehungen zu anderen L&#228;ndern sollte jedoch auf der Basis der Selbstbestimmung diskutiert werden, wenn das Regime gest&#252;rzt worden ist. Es ist das Recht des syrischen Volkes zu entscheiden, welche Art von Beziehungen es zu anderen L&#228;ndern will.</p>
<p>W&#228;hrend Ghalioun die Beziehungen zum Iran als «anormal» bezeichnet, scheint es ihm normal, enger mit Frankreich (der fr&#252;heren Kolonialmacht) und anderen westlichen imperialistischen L&#228;ndern zu kooperieren. Russland, das das syrische Regime sch&#252;tzt und unterst&#252;tzt, verdient in den Augen des Syrischen Nationalrats eine «besondere Beziehung».</p>
<p>Ghalioun w&#252;nscht sich auch eine engere Beziehung zu den Golfstaaten, die seit dem Beginn der arabischen Aufst&#228;nde – insbesondere durch die milit&#228;rische Intervention des Golf-Kooperationsrats zur Niederschlagung der Volksbewegung in Bahrain im M&#228;rz – das Zentrum der Konterrevolution gewesen sind. Der Kampf der syrischen Volksbewegung kann sich jedoch nicht mit L&#228;ndern wie Saudi-Arabien verb&#252;nden, die ihr eigenes Volk unterdr&#252;cken.</p>
<p><strong>Hisbollah und Hamas</strong></p>
<p>Die Unterst&#252;tzung der Hisbollah f&#252;r das syrische Regime ist weithin kritisiert worden, und die Partei hat viel von ihrer Glaubw&#252;rdigkeit verloren. Hingegen hat sich die Hamas seit dem Beginn der syrischen Revolution ruhig verhalten. Wir k&#246;nnen in dieser revolution&#228;ren Zeit die Widerspr&#252;che von Hamas und Hisbollah erkennen: Ihre politischen Interessen bringen sie dazu, den Volksaufstand in Syrien abzulehnen.</p>
<p>Aber w&#228;re es im Interesse des syrischen Volkes, einen schw&#228;cheren Libanon zu sehen oder einen Gazastreifen, der nicht in der Lage ist, der aggressiven Politik Israels Widerstand entgegenzusetzen? Es waren die Menschen in Syrien, nicht das Regime, die w&#228;hrend des Krieges gegen den Libanon 2006 ihre H&#228;user f&#252;r libanesische Fl&#252;chtlinge &#246;ffneten – die meisten von ihnen stammten aus Regionen, die die Hisbollah unterst&#252;tzen.</p>
<p>Sie haben in der Vergangenheit das Gleiche f&#252;r pal&#228;stinensische Fl&#252;chtlinge getan. Das syrische Volk war in den 70er Jahren gegen die syrische Milit&#228;rintervention im Libanon, die den pal&#228;stinensischen Widerstand und die Linke zerschlagen hat. F&#246;rdert der Syrische Nationalrat wirklich irgendeinen Widerstand gegen den Staat Israel? Nein. Burhan Ghalioun sagt: «Wir setzten auf unsere besondere Beziehung zu den Europ&#228;ern und den westlichen M&#228;chten, uns dabei zu helfen, den Golan so schnell wie m&#246;glich wiederzubekommen.»</p>
<p>Wann haben die imperialistischen Staaten auf Israel – ihren engsten Verb&#252;ndeten – jemals Druck ausge&#252;bt, dass es internationales Recht oder die Resolutionen der Vereinten Nationen respektiert und/oder anwendet? Die USA haben jahrzehntelang gegen zahlreiche UN-Resolutionen zu Israels Verletzungen des internationalen Rechts und der Menschenrechte ihr Veto eingelegt. Dies wird sich in Zukunft nicht &#228;ndern. Das Vertrauen der pal&#228;stinensischen F&#252;hrung auf die «internationale Gemeinschaft» bei der R&#252;ckforderung der pal&#228;stinensischen Gebiete ist ein sehr gutes Beispiel daf&#252;r, wie erfolgreich eine solche Politik ist.</p>
<p><strong>Basisbewegungen</strong></p>
<p>In v&#246;lligem Widerspruch zu den Interessen des syrischen Volkes konzentriert der Nationalrat seine Aktionen darauf, diesen M&#228;chten seine Bereitschaft zu versichern, ihre politischen Interessen zu verfolgen und zu teilen. Er hat jedoch vor Ort in Syrien und in der Volksbewegung wenig Macht und Einfluss. Deshalb muss er sich auf die Anerkennung berufen, die ihm von der internationalen Gemeinschaft zuteil wird.</p>
<p>Wir sollten stattdessen auf die Basisbewegungen achten. Der Aufruf der lokalen Komitees zum «Streik der W&#252;rde» formuliert es so: «Die rebellische syrische Jugend ruft zu einem Streik der W&#252;rde auf; ein Aufruf, der als Beginn der wirklichen Rettung vor Ungerechtigkeit und Erniedrigung gesehen werden kann und der zudem der erste Schritt zu einem umfassenden zivilen Ungehorsam ist, der das Regime beiseite schiebt.»</p>
<p>Die Macht der syrischen Revolution liegt beim syrischen Volk.</p>
<p><em>Aus: www.counterfire.org.</em></p>
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		<title>Syrien: Gegen ausl&#228;ndische Einmischung</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 16:25:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Nah- und Mittelost]]></category>

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		<description><![CDATA[Erkl&#228;rung der Koordination der lokalen Komitees Die lokalen syrischen Komitees pochen auf das Recht auf Selbstbestimmung und auf Befreiung vom [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Erkl&#228;rung der Koordination der lokalen Komitees</strong></p>
<p>Die lokalen syrischen Komitees pochen auf das Recht auf Selbstbestimmung und auf Befreiung vom autorit&#228;ren Regime.<br />
<span id="more-3714"></span>Wir bekr&#228;ftigen das Recht des syrischen Volkes, selbst, ohne &#228;u&#223;ere Einmischung, &#252;ber die politische Form seiner Regierung und &#252;ber die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung der syrischen Gesellschaft zu bestimmen.</p>
<p>Unter den gegenw&#228;rtigen, sehr speziellen Bedingungen bestehen wir auf dem unmittelbaren Recht des syrischen Volkes, sein Recht auf Selbstbestimmung gegen&#252;ber der internationalen Gemeinschaft zu bekr&#228;ftigen, und versichern, dass alle Appelle, die auf dem «Recht zur Einmischung», der «Pflicht zur Einmischung», der «humanit&#228;ren Intervention» oder der «Verantwortung zum Schutz» basieren, auf keinen Fall die Hoffnung des syrischen Volkes, eine friedliche Ver&#228;nderung mit seinen eigenen Mitteln zu erreichen, beeintr&#228;chtigen d&#252;rfen, noch d&#252;rfen sie das syrische Volk als Teil einer weiteren Einflusssph&#228;re im Spiel der Nationen behandeln.</p>
<p>Das Volk will die Befreiung vom autorit&#228;ren Regime. Es will die Initiative &#252;bernehmen und behalten, um unabh&#228;ngig und friedlich Ma&#223;nahmen der &#246;ffentlichen Ordnung zu ergreifen, um frei und durch eigenen Beschluss alle Aspekte seines &#246;ffentlichen Lebens zu bestimmen. Es will auch freundschaftliche Beziehungen zu anderen V&#246;lkern aufrechterhalten. Das syrische Volk will eine autorit&#228;re Herrschaft nicht gegen die Unterwerfung unter ausl&#228;ndischen Einfluss eintauschen. Das syrische Volk hat seine Unabh&#228;ngigkeit gewonnen und einen modernen Staat gegr&#252;ndet. Es wird danach streben, alle seine Gebiete, vor allem den Golan zu befreien, und will auch weiterhin die K&#228;mpfe der V&#246;lker f&#252;r Selbstbestimmung unterst&#252;tzen, vor allem den des pal&#228;stinensischen Volkes. So wie das syrische Volk gegen die Herrscher rebelliert, die es unterdr&#252;cken, wird es nicht z&#246;gern, sich gegen jede Form der ausl&#228;ndischen Vorherrschaft zu wehren.</p>
<p>Wir denken, dass der internationalen Schutz sich darauf beschr&#228;nken muss, sicherzustellen, dass Versammlungen und Demonstrationen in Sicherheit stattfinden k&#246;nnen [internationale Beobachter]. Dem syrischen Volk muss es m&#246;glich gemacht werden, frei sein Recht auf Selbstbestimmung durch seine eigenen friedlichen Mittel auszu&#252;ben – im Wandel hin zu einer pluralistischen, laizistischen und demokratischen fundierten Regierung, aufbauend auf &#246;ffentlichen Freiheiten und der rechtlichen und politischen Gleichheit aller Syrer.</p>
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		<title>Israel spielt mit dem Krieg</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 11:19:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Iranisches Atomprogramm von Jonathan Cook &#220;bersetzung: Harald Etzbach Israel versucht, die Unsicherheit der internationalen Gemeinschaft &#252;ber den Mitte November ver&#246;ffentlichten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Iranisches Atomprogramm</strong></p>
<p>von <em>Jonathan Cook </em>&#220;bersetzung: <em>Harald Etzbach</em></p>
<p>Israel versucht, die Unsicherheit der internationalen Gemeinschaft &#252;ber den Mitte November ver&#246;ffentlichten Bericht der UN-Atomenergiebeh&#246;rde (IAEA) &#252;ber das nukleare Programm des Iran zu nutzen, um einen m&#246;glichen Milit&#228;rschlag gegen den Iran zu rechtfertigen.<br />
<span id="more-3517"></span>Laut IAEA-Bericht hat der Iran &#252;ber Jahre heimlich an der Entwicklung eines nuklearen Sprengkopfs gearbeitet und tut dies unter Umst&#228;nden immer noch. Ziemlich sicher werden diesem Bericht Forderungen der USA und Europas nach h&#228;rteren Sanktionen gegen das iranische Regime folgen, w&#228;hrend Russland und China auf Dialog und Kooperation dr&#228;ngen.</p>
<p>Inmitten dieser Gemengelage erkl&#228;rten Vertreter der britischen Regierung Mitte November, Israel sei dabei, innerhalb der n&#228;chsten zwei Monate einen milit&#228;rischen Angriff auf die vermuteten atomaren Anlagen des Iran vorzubereiten, m&#246;glicherweise mit logistischer Unterst&#252;tzung der USA.</p>
<p>Ein nicht genannter hoher Beamter des Au&#223;enministeriums sagte der Zeitung Daily Mail: «Wir erwarten das schon an Weihnachten oder sehr bald Anfang n&#228;chsten Jahres.»</p>
<p>Vertreter des US-Milit&#228;rs, die ebenfalls anonym blieben, haben in US-amerikanischen Medien Alarm geschlagen, Israel k&#246;nnte einen Angriff durchf&#252;hren. CNN berichtete, das Pentagon verfolge «zunehmend wachsam» die milit&#228;rischen Aktivit&#228;ten zwischen Israel und dem Iran.</p>
<p><strong>Milit&#228;rberater gegen Netanyahu</strong></p>
<p>Diesen Warnungen folgten israelische Medienberichte &#252;ber heftige Auseinandersetzungen innerhalb der israelischen Regierung und zwischen den Sicherheitschefs &#252;ber Pl&#228;ne f&#252;r einen solchen Milit&#228;rschlag.</p>
<p>Premierminister Binyamin Netanyahu und sein Verteidigungsminister Ehud Barak sind wohl entschieden f&#252;r einen Angriff. Das Gleichgewicht innerhalb des engeren Kabinetts hat sich zu ihren Gunsten verschoben, seitdem sie Au&#223;enminister Avigdor Lieberman auf ihre Seite gezogen haben. In anderen Berichten hei&#223;t es, Netanyahu und Barak seien vor kurzem von der Diskussion eines solchen Milit&#228;rschlags zum Stadium seiner «Umsetzung» &#252;bergegangen. In einer weiteren, offenbar als Einsch&#252;chterungsma&#223;nahme gedachten Aktion, testete Israel die Jericho-III-Rakete, eine Langstreckenrakete, die in der Lage ist, den Iran zu erreichen.</p>
<p>Glaubt man den israelischen Medien, so haben sich sowohl die derzeitigen wie auch die vor kurzem pensionierten Leiter aller wichtigen milit&#228;rischen und Geheimdienstbeh&#246;rden gegen die Pl&#228;ne von Netanyahu und Barak ausgesprochen. Der einzige von ihnen, der bisher an die &#214;ffentlichkeit gegangen ist, war Meir Dagan, bis vor einem Jahr Leiter des israelischen Geheimdienstes Mossad.</p>
<p>Anfang dieses Jahres zog er sich Netanyahus Zorn zu mit der Aussage, ein Angriff auf den Iran sei «das D&#252;mmste, was ich je geh&#246;rt habe.» Letzten Monat untergrub er erneut Netanyahus &#246;ffentliche Stellung, als er sagte, der Iran k&#246;nne mindestens drei weitere Jahre keine Atombombe entwickeln, und – offenbar im Widerspruch zum Bericht der IAEA – erkl&#228;rte, es gebe keine Beweise, dass der Iran bereits &#252;ber eine milit&#228;rische Verwendung entschieden habe.</p>
<p><strong>Nukleares Schwellenland</strong></p>
<p>Diese Position deckt sich mit der Einsch&#228;tzung von 16 US-amerikanischen Geheimdiensten aus dem Jahr 2007, die keinen Beweis daf&#252;r gefunden haben, dass der Iran ein Atomwaffenprogramm verfolgt. Das Wei&#223;e Haus h&#228;lt eine aktuelle &#252;berarbeitete Bewertung unter Verschluss, vermutlich, weil sie die fr&#252;here Einsch&#228;tzung best&#228;tigt.</p>
<p>Der Iran hat lange Zeit behauptet, er versuche lediglich, ein ziviles Atomenergieprogramm zu entwickeln, was ihm als Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags erlaubt ist. Hilfe hat der Iran im Wesentlichen von Russland erhalten.Trotzdem glauben einige Experten, dass der Iran heimlich versucht, ein «nukleares Schwellenland» zu werden, d.h. in die N&#228;he der Produktion eines atomaren Sprengkopfs zu gelangen, um im Fall einer Bedrohung – etwa durch eine US-Invasion, wie es im Nachbarland Irak geschehen ist – schnell eine Bombe zur Abschreckung herstellen zu k&#246;nnen.</p>
<p>Israelischen Sicherheitsbeamten zufolge w&#228;re ein israelischer Angriff auf den Iran sinnlos und gef&#228;hrlich. Der Gro&#223;teil der atomaren Produktionsanlagen, die unterirdisch verstreut und versteckt sind, w&#252;rde dadurch nicht au&#223;er Gefecht gesetzt, ein Angriff w&#252;rde nur den Druck auf Teheran verst&#228;rken, die Technologie zu entwickeln.</p>
<p>Israels Sicherheitsestablishment bef&#252;rchtet auch, ein israelischer Milit&#228;rschlag k&#246;nnte zu harten Vergeltungsma&#223;nahmen nicht nur durch den Iran, sondern m&#246;glicherweise auch durch Syrien, die Hisbollah und die Hamas f&#252;hren und die Iraner hinter ihrem Regime zusammen schlie&#223;en, den USA k&#246;nnten im Irak mit Vergeltungsschl&#228;ge und Israel eine internationale Verurteilung drohen. Hassan Nasrallah, der F&#252;hrer der Hisbollah, unterstrich diesen Punkt vor kurzem, als er sagte, jeder Angriff durch Israel oder die USA werde einen «regionalen Krieg» provozieren. Der iranische Stabschef Hassan Firouzabadi warnte in &#228;hnlicher Weise im November: «Wir w&#252;rden daf&#252;r sorgen, dass sie diesen Fehler bereuen, und sie hart bestrafen.»</p>
<p><strong>Die Stimmung in Israel</strong></p>
<p>Trotzdem scheint die israelische &#214;ffentlichkeit einen Angriff zu unterst&#252;tzen. Im Mai bef&#252;rworteten 71% der Israelis einen US-Milit&#228;rschlag gegen den Iran. Eine Umfrage im November zeigte, dass 41% hinter einem israelischen Alleingang stehen und weitere 20% unentschieden sind.</p>
<p>Es wird vermutet, dass Israel zweimal milit&#228;rische Angriffe gegen arabische Staaten durchgef&#252;hrt hat, um, wie Israel behauptet, die heimliche Entwicklung von Atomsprengk&#246;pfen zu verhindern. Im Jahr 1981 bombardierte Israel den im Bau befindlichen irakischen Forschungsreaktor in Osirak. Zudem war Israel wohl f&#252;r einen Anschlag gegen eine vermutete Atomanlage in Syrien im Jahr 2007 verantwortlich. Beide Angriffe wurden ohne Vorwarnung durchgef&#252;hrt.</p>
<p>Israels tats&#228;chliche Absichten sind schwer zu entziffern. Israel warnt seit beinahe zwei Jahrzehnten vor den Gefahren einer iranischen Bombe, wobei regelm&#228;&#223;ig behauptet wird, der Iran sei nur Jahre oder Monate vom Bau eines Atomsprengkopfs entfernt. Trotzdem hat Israel in den letzten Jahren Unterst&#252;tzung in Form einer Reihe von zunehmend h&#228;rteren Sanktionen des UN-Sicherheitsrates gegen den Iran erhalten, um die Entwicklung eines Atomenergieprogramms im Iran zu verhindern.</p>
<p>Die meisten Mitglieder der israelischen Regierung sind skeptisch, ob Sanktionen allein Atomwaffen im Iran verhindern k&#246;nnen. Insbesondere Netanyahu beschwor diese Bedrohung, als er den iranischen Pr&#228;sidenten Mahmud Ahmadinejad den «neuen Hitler» nannte und davor warnte, Israel stehe vor einem «Holocaust durch die Ayatollahs».</p>
<p><strong>Israels &#196;ngste</strong></p>
<p>Eigentlich ist Israel aufgrund der innen- und geopolitischen Implikationen iranischer Atomwaffen besorgt, sein Status als regionale Supermacht wie auch sein enges B&#252;ndnis mit Washington k&#246;nnte geschw&#228;cht werden. Israel hat selbst ein Atomwaffenarsenal – sch&#228;tzungsweise zwischen 200 bis 400 Sprengk&#246;pfe – welches heimlich mit britischer und franz&#246;sischer Unterst&#252;tzung und gegen US-amerikanischen Wunsch in den sp&#228;ten 1960er Jahren aufgebaut wurde. Israels wesentliche Absicht war wohl, damit die USA zu erpressen und sie dazu zu bringen, ein milit&#228;risches B&#252;ndnis mit Israel einzugehen.</p>
<p>Dieses Kalk&#252;l ging dann auch auf. Im Jahr 2006 machte Ephraim Sneh, damals stellvertretender Verteidigungsminister unter Barak, deutlich, Israel sei nicht prim&#228;r dar&#252;ber besorgt, dass der Iran eine Atomrakete abfeuern k&#246;nnte. Die Gefahr der iranischen Bombe, so warnte er, liege darin, «dass die meisten Israelis es vorziehen w&#252;rden, nicht hier zu leben, die meisten Juden w&#252;rden es vorziehen, nicht mit ihren Familien hier zu leben, und Israelis, die im Ausland leben k&#246;nnen, werden das tun». Er f&#252;gte hinzu: «Ich bef&#252;rchte, Ahmadinejad wird es gelingen, den zionistischen Traum zu t&#246;ten, ohne einen Knopf zu dr&#252;cken. Darum m&#252;ssen wir um jeden Preis verhindern, dass dieses Regime nukleare F&#228;higkeiten erlangt.»</p>
<p><strong>Gef&#228;hrliche Rhetorik</strong></p>
<p>Die Frage, warum israelische Beamte mit ihrer abweichenden Meinung an die &#214;ffentlichkeit gegangen sind, hat fieberhafte Spekulationen ausgel&#246;st. Denn dadurch wirkt Israel schwach und unentschieden, und es werden &#196;ngste gesch&#252;rt, Netanyahu und Barak k&#246;nne es mit einem Milit&#228;rschlag ernst sein, auch wenn sie sich damit gegen W&#252;nsche der USA stellen.</p>
<p>Wahrscheinlicher ist, dass man in Geheimdienstkreisen besorgt ist, damit k&#246;nne eine gef&#228;hrliche Konfrontation losgetreten werden, obwohl Netanyahus kriegerisches Getue gegen&#252;ber dem Iran ein Bluff sei. Laut Amos Harel, Milit&#228;rkorrespondent von Haaretz, birgt Netanyahus Verhalten die Gefahr einer «sich selbst erf&#252;llenden Prophezeiung». Russland teilt diese Sorge: Pr&#228;sident Dmitri Medwedew erkl&#228;rte, Israels Rhetorik sei gef&#228;hrlich und k&#246;nnte zu einem «gro&#223;en Krieg» f&#252;hren.</p>
<p>Vermutlich werden Netanyahus Drohungen Teheran nicht davon abhalten, eine Atomwaffe zu entwickeln, wenn Ahmadinejads Regime dies denn tun will. Im Gegenteil: Sie k&#246;nnten Irans Entschlossenheit st&#228;rken, sich selbst durch den Bau eines Sprengkopfs zu sch&#252;tzen. Der wirkliche Adressat von Netanyahus Drohung mit einer milit&#228;rischen Aktion, so scheint es, sind das Wei&#223;e Haus und die internationale Gemeinschaft.</p>
<p>Das Ziel k&#246;nnen auch verst&#228;rkte Sanktionen sein, um den Iran in die Knie zu zwingen, wie es im Irak geschehen ist. Das ist Russlands Angst. Der stellvertretende russische Verteidigungsminister Gennadi Gatilow warnte davor, weitere Sanktionen w&#252;rden als «ein Instrument des Regimewechsels in Teheran» angesehen.</p>
<p>Die Frage ist, wie Obama auf diesen Druck reagiert. N&#228;chstes Jahr stehen Pr&#228;sidentschaftswahlen an und er wird wohl mit starkem Druck ausgesetzt sein, nicht nur von Seiten Israels, sondern auch von seinen Unterst&#252;tzern im Kongress und den Lobbygruppen in Washington. Die Glaubhaftigkeit des IAEA-Bericht wird bereits angezweifelt. Yaakov Katz, ein Analyst der Jerusalem Post, berichtete, israelische Geheimdienste h&#228;tten «entscheidende Informationen, die in dem Bericht verwendet werden» beigesteuert. Darunter k&#246;nnte sich auch die Information befunden haben, dass der Iran Wjatscheslaw Danilenko, einen russischen Wissenschaftler, angeworben habe, um bei der Entwicklung des Atomprogramms zu helfen. Beinahe umgehend kamen Beweise ans Licht, die darauf hinwiesen, dass Danilenko kein nukleares Expertenwissen habe.</p>
<p>Das Wei&#223;e Haus will Israel davon abhalten, die USA zu einer milit&#228;rischen Aktion zu zwingen. Ein Zeichen daf&#252;r ist die Warnung des US-Verteidigungsministers Leon Panetta Mitte November, ein solcher Angriff m&#252;sse ein «letztes Mittel» sein. Er habe geringe Auswirkungen auf ein iranisches Atomprogramm, jedoch ungewollte Konsequenzen, einschlie&#223;lich solcher f&#252;r die US-Streitkr&#228;fte in der Region.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Gek&#252;rzt aus: Al Akhbar (englische Ausgabe), eine in Beirut erscheinende linke arabische Tageszeitung, 11.11.2011 </em></p>
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		<title>Israelisch-pal&#228;stinensische Erkl&#228;rung</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/10/israelisch-palastinensische-erklarung/</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 15:42:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die UN-Initiative ist ein legitimer Schritt Anfang September 2011 &#228;u&#223;erten sich etwa zwanzig israelische und pal&#228;stinensische Parteien und Bewegungen zum [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die UN-Initiative ist ein legitimer Schritt</strong></p>
<p>Anfang September 2011 &#228;u&#223;erten sich etwa zwanzig israelische und pal&#228;stinensische Parteien und Bewegungen zum Antrag der Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde auf Aufnahme Pal&#228;stinas in die UNO und zum Zusammenhang zwischen den sozialen Protesten in Israel und dem Kampf gegen die Besatzung.<br />
<span id="more-3018"></span><br />
Gemeinsam m&#252;ssen wir uns daf&#252;r einsetzen, der Besatzung und dem Rassismus ein Ende zu bereiten, dem pal&#228;stinensischen Volk bei der Erlangung seiner nationalen Rechte helfen und gegen nationale und soziale Unterdr&#252;ckung k&#228;mpfen.</p>
<p>Inmitten der ermutigenden Entwicklungen im Mittleren Osten, der Welle der sozialen Proteste und dem aufkeimenden Kampf der V&#246;lker f&#252;r Freiheit und das Recht in W&#252;rde zu leben, lebt das pal&#228;stinensische Volk immer noch unter dem Joch der israelischen Okkupation – trotz ihres hartn&#228;ckigen und andauernden Freiheitskampfs. Die internationale Gemeinde agiert hilflos und unterst&#252;tzt den pal&#228;stinensischen Kampf f&#252;r Befreiung und Gerechtigkeit nicht.</p>
<p>Die Protestbewegungen und Ver&#228;nderungen in der arabischen Welt haben Freiheitsliebende auf der ganzen Welt inspiriert und ermuntert, dieses Modell des Protestes ebenfalls anzuwenden. So hatten die Protestbewegungen einen gro&#223;en Einfluss auf verschiedene Gruppen in Israel, sowohl Juden als auch Pal&#228;stinenser, und haben wesentlich dazu beigetragen, die Bewegung f&#252;r soziale Gerechtigkeit in Israel zu st&#228;rken.</p>
<p>Angetrieben vom Bem&#252;hen, einen gerechten und fairen Frieden in der Region zu erlangen [...] betonen wir – pal&#228;stinensische und israelische soziale und politische Kr&#228;fte, Vertreterinnen von Frauenvereinigungen und Jugendliche beiderseits der Demarkationslinie – die Notwendigkeit, gemeinsam zu k&#228;mpfen, mit dem Ziel, die V&#246;lker der Region von Kolonialismus und Streben nach Hegemonie zu befreien, insbesondere vom Zionismus. Zudem wollen wir die Besatzung und Milit&#228;raggression durch Israel stoppen und den gerechten pal&#228;stinensischen Kampf f&#252;r das Recht auf Selbstbestimmung im Einklang mit den Beschl&#252;ssen der internationalen Gemeinschaft unterst&#252;tzen.</p>
<p>Wir freuen uns auf die Befreiung aller V&#246;lker der Region von ihren Diktaturen und von allen Formen nationaler, sozialer und &#246;konomischer Unterdr&#252;ckung. Daher entwerfen wir den folgenden Forderungskatalog:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. Wir unterst&#252;tzen die pal&#228;stinensische Septemberinitiative, die von den Vereinten Nationen die volle Mitgliedschaft Pal&#228;stinas und die Anerkennung eines pal&#228;stinensischen Staates in den Grenzen vom 4.Juni 1967 fordert. Die Vereinten Nationen sind diejenige Institution, die die Verantwortung tr&#228;gt, eine Basis f&#252;r den Frieden auf internationaler Ebene zu legen. Ost-Jerusalem soll die Hauptstadt sein, die Bem&#252;hungen, die Okkupation der pal&#228;stinensischen Territorien zu beenden, verst&#228;rkt werden, ebenso wie das Recht der Pal&#228;stinenser, sich gegen diese Okkupation zu wehren.</p>
<p>Au&#223;erdem soll eine R&#252;ckkehr der Fl&#252;chtlinge im Einklang mit der UN-Resolution 194 m&#246;glich werden. In diesem Zusammenhang betonen wir, dass die Pal&#228;stinensische Befreiungsorganisation (PLO) die einzige und legitime Vertreterin des pal&#228;stinensischen Volkes ist und ihre Legitimit&#228;t sowohl vom pal&#228;stinensischen Volk zuhause und im Exil, als auch von ihrer Anerkennung durch die Arabische Liga und die Vereinten Nationen bezieht.</p>
<p>Die UN-Initiative ist ein legitimer Schritt. [...] [Er] st&#228;rkt die Rechte des pal&#228;stinensischen Volkes und stellt keineswegs eine Bedrohung Israels dar, trotz der gro&#223;en Bem&#252;hungen der israelischen Regierung, diesen Schritt als eine Kriegserkl&#228;rung oder gar als Sch&#228;digung des legitimen Existenzrechts Israels darzustellen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>2. Wir verstehen, dass einer der wesentlichen Gr&#252;nde f&#252;r die soziale und wirtschaftliche Notsituation der B&#252;rger Israels neben den kapitalistischen Praktiken die Fortsetzung der Okkupation und die &#252;berm&#228;&#223;ig gro&#223;en Sicherheitshaushalte sind, welche die israelische Regierung als notwendig zu rechtfertigen versucht – n&#228;mlich zur Sicherung der Siedlungen sowie der Staatsgrenzen. Daher glauben wir, dass ein Ende der Besatzung und die Etablierung eines fairen und gerechten Friedens wesentlich sind f&#252;r ein Leben in Frieden und Wohlstand.</p>
<p>Wir hei&#223;en die Teilnahme und Integration der pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerung Israels in den sozialen Protest willkommen. Dies ist eine wichtige M&#246;glichkeit, verschiedene Gruppen innerhalb der israelischen Gesellschaft mit der Notlage der Pal&#228;stinenser und den Ungerechtigkeiten, denen sie ausgesetzt sind, bekannt zu machen. So k&#246;nnen diese Gruppen Verantwortung &#252;bernehmen beim Kampf gegen die fortdauernde Marginalisierung und Diskriminierung der Pal&#228;stinenser, f&#252;r ein Ende der Konfiszierung von Land und der seit 1967 andauernden Besetzung pal&#228;stinensischer Gebiete.</p>
<p>Wir warnen vor den bekannten Versuchen der Regierung, auf die interne Krise und den Druck der Proteste mit einer Politik der Angst und dem Aufbau einer externen Bedrohung zu reagieren: sei es durch die Einstufung des pal&#228;stinensischen Appells an die UNO als &#228;u&#223;ere «Gefahr», sei es durch Milit&#228;raktionen wie die blutige Eskalation im Gazastreifen in den letzten Tagen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>3. Wir anerkennen das Recht der Pal&#228;stinenser, die in den besetzten Gebieten leben, von allen legitimen Formen des Widerstands im Einklang mit internationalen Normen Gebrauch zu machen, um das Ende der Besatzung zu erreichen und das Recht auf Selbstbestimmung zu erk&#228;mpfen. In diesem Zusammenhang betonen wir die Wichtigkeit des gemeinsamen Kampfes von Pal&#228;stinensern und Israelis. Er ist ein zentraler Grundsatz im Kampf gegen die Besatzung, die Siedlungen, Rassismus und Kolonialismus, gegen Ausgrenzung, Verarmung und rassistische Separation innerhalb von Israel.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Unterzeichner:</p>
<p>Association of Palestinian Democratic Youth (Palestine), Association of Progressive Students (Palestine), Democratic Front for the Liberation of Palestine (Palestine), Democratic Front for Peace and Equality (Israel), Democratic Teachers’ Union (Palestine), Democratic Union of Professionals in Palestine (Palestine), Democratic Women’s Movement in Israel (Israel), Israeli Communist Party (Israel), National Campaign for Return of the Bodies of Arab and Palestinian Martyrs, Captured by the Israeli Government (Palestine), Palestinian People’s Party (Palestine), Popular Campaign for the Boycott of Israeli Products (Palestine), Progressive Workers’ Union (Palestine), Tarabut-Hithabrut – Arab-Jewish Movement for Social and Political Change (Israel), The Alternative Information Center (Palestine/Israel), Union of Palestinian Farmers’ Unions (Palestine), Union of One World for Justice (Palestine), Union of Palestinian Working Women (Palestine), Workers’ Unity Bloc (Palestine)</p>
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		<title>Ist die Zwei-Staaten-L&#246;sung am Ende?</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/10/ist-die-zwei-staaten-losung-am-ende/</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 15:37:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die UNO-Entscheidung &#252;ber den Pal&#228;stinenserstaat k&#246;nnte ein &#252;berraschendes Ergebnis zeitigen von Carlo Strenger Israels politische und milit&#228;rische F&#252;hrung bereitet sich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die UNO-Entscheidung &#252;ber den Pal&#228;stinenserstaat k&#246;nnte ein &#252;berraschendes Ergebnis zeitigen</strong></p>
<p>von <em>Carlo Strenger</em><br />
Israels politische und milit&#228;rische F&#252;hrung bereitet sich auf die Eventualit&#228;t von Massenprotesten in der Westbank vor, sollten voraussichtlich rund 140 Staaten Ende September einen unabh&#228;ngigen Staat Pal&#228;stina anerkennen.<br />
<span id="more-3015"></span>Tats&#228;chlich besteht die Gefahr einer neuen Spirale der Gewalt und Israel bereitet sich auf den Fall vor, dass die Pal&#228;stinenser vor der UNO Erfolg haben. Ein anderes Szenario ist aber problematischer: Was passiert, wenn sich trotzdem vor Ort nichts f&#252;r sie &#228;ndert, wie die meisten Pal&#228;stinenser &#252;brigens glauben? Wenn die Anerkennung eines pal&#228;stinensischen Staates durch die UNO ihr Leben nicht ver&#228;ndert, die Siedlungen weiter ausgebaut werden, die Besatzung fortgesetzt wird?</p>
<p>Netanyahu hofft wahrscheinlich, dass er den Status quo fortsetzen kann. In seinen Schriften aus den 80er und 90er Jahren hat er immer erkl&#228;rt, dass ein pal&#228;stinensischer Staat, der westlich an den Jordan grenzt, ein inakzeptables Sicherheitsrisiko f&#252;r Israel darstellt. Sein Zusammenprall mit Obama im Fr&#252;hjahr &#252;ber die Grenzen von 1967 als Verhandlungsgrundlage zeigt, dass er seine Ansicht dar&#252;ber nicht ge&#228;ndert hat.</p>
<p>Das Problem ist, dass es m&#246;glicherweise einen solchen Status quo bald nicht mehr geben wird. Mahmoud Abbas, der jetzt 76 Jahre alt ist, k&#246;nnte der letzte pal&#228;stinensische F&#252;hrer sein, der f&#252;r eine Zweistaatenl&#246;sung eintritt. Wenn die Anerkennung durch die UNO keine greifbaren Resultate hervorbringt, wird die pal&#228;stinensische F&#252;hrung ernsthaft pr&#252;fen, ob sie nicht die Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde aufl&#246;st, dann k&#228;me die Westbank einmal mehr unter israelische Verantwortung. Die Implikationen eines solchen Schritts sind enorm, &#246;konomisch wie politisch.</p>
<p>In einem solchen Fall w&#252;rden die Pal&#228;stinenser sich wahrscheinlich erneut an die UNO wenden, mit folgender Forderung: Nach 44 Jahren Besatzung sind sie de facto Einwohner unter israelischer Hoheit und sollten deshalb die israelische Staatsb&#252;rgerschaft bekommen.</p>
<p>Das w&#228;re das Begr&#228;bnis der Zweistaatenl&#246;sung: Was w&#252;rde die israelische Regierung dann tun?</p>
<p>Das ist der Hintergrund f&#252;r die Welle nationalistischer Gesetze, die in letzter Zeit durch die Knesset gegangen sind. Die israelischen Gesetzgeber haben eine solche Eventualit&#228;t seit zwei Jahren ins Auge gefasst und versucht, sie mit einer Vielzahl von Gesetzen abzuwehren, die den j&#252;dischen Charakter des israelischen Staates garantieren.</p>
<p>Au&#223;enminister Avigdor Lieberman er&#246;ffnete den Reigen mit dem Vorschlag, einen Treueid f&#252;r Israel als einen j&#252;dischen und demokratischen Staat einzuf&#252;hren. Er betrachtet Israels arabische B&#252;rger eh als ein Sicherheitsrisiko. Von der Partei Kadima kommt der Vorschlag, ein Grundgesetz einzuf&#252;hren, das Israel als Heimat der Juden mit Hebr&#228;isch als der einzigen Amtssprache definiert.</p>
<p>Doch all diese Vorschl&#228;ge antworten nicht auf die simple Frage, wie ein Staat, der zu fast 40% aus Pal&#228;stinensern besteht, mit demokratischen Mitteln einen j&#252;dischen Charakter behaupten k&#246;nnte.</p>
<p>So mag denn Netanyahu als der Mann in die Geschichte eingehen, der nicht nur die Zweistaatenl&#246;sung, sondern auch den Traum von Israel als einer demokratischen Heimat des j&#252;dischen Volkes beerdigt, den zu verteidigen er vorgibt.</p>
<p><em>Aus der israelischen Tageszeitung Haaretz, 8.9.2011.</em></p>
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		<title>Hass auf die Tycoons</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 18:34:02 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Israels Jugend f&#252;hlt sich geprellt «Bislang hatte es den Anschein, als k&#246;nne nichts die rechtsextreme Regierung von Netanyahu ersch&#252;ttern: nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Israels Jugend f&#252;hlt sich geprellt</strong></p>
<p>«Bislang hatte es den Anschein, als k&#246;nne nichts die rechtsextreme Regierung von Netanyahu ersch&#252;ttern: nicht die Pal&#228;stinenser, nicht die Hizbollah, nicht die Drohungen aus dem Iran, nicht der &#196;rger Obamas, nicht die internationale Isolierung, nicht die Boykotte &#8230; Die Trumpfkarte der Regierung war das Wirtschaftswachstum, das sicherte ihr politisches &#220;berleben. Anders als Spanien oder Griechenland, die vor dem Bankrott stehen, erfreut sich Israel weiterhin hoher Wachstumsraten, die Erwerbslosigkeit liegt gerade bei 5,7%, der Durchschnittslohn bei 1700 Euro. Die bittere Wahrheit, die die israelische Mittelklasse entdecken musste, ist aber, dass dieses Wachstum die Menschen unten nicht erreicht; der Reichtum bleibt in den H&#228;nden von 18 Familien h&#228;ngen, die den Staat gekauft haben.<br />
<span id="more-2892"></span></p>
<p>Tausende sind aufgewacht, weil der ‹israelische Traum› verflogen ist: der Traum, dass ein gutes Leben der Lohn f&#252;r harte Arbeit sei. Die Sprecher der israelischen Jugend sagen jetzt etwas anderes: Wir haben die Peripherie verlassen, wir kamen nach Tel Aviv, wir haben unsere akademischen Studien beendet, wir rackern uns ab mit langen Arbeitsstunden und individuellen Arbeitsvertr&#228;gen, damit wir auf der sozialen Leiter eine Stufe h&#246;her steigen. Und hier stehen wir, Ashkenazim wie Mizrahim, das R&#252;ckgrat des Staates, die ihren Dienst in der Armee tun und die Kultur schaffen – und stellen fest, dass wir an der Nase herumgef&#252;hrt wurden. Wir treten auf der Stelle. Wir kommen mit unserem Gehalt kaum bis zum Monatsende.</p>
<p>Jemand hat unseren Staat gestohlen, das ist nicht l&#228;nger der Staat der Juden, sondern der Staat der Reichen. Die Tycoons kontrollieren die Wirtschaft, kaufen sich die Politiker, quetschen die Armen aus und trampeln auf der Mittelschicht herum. Der Traum vom gro&#223;en Los ist geschrumpft auf den Kauf einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung mit einem Fenster. Doch auch dieser Traum ist unerreichbar geworden. Die Big Planers haben f&#252;r den Rest von uns nichts mehr &#252;brig gelassen.»</p>
<p>So schreibt die linke politische Aktivistin Asma Agbarieh-Zahalka auf der Webseite www.challenge-mag.com/ en/home.</p>
<p>Sie wird sekundiert vom linkszionistischen Schriftsteller Amos Oz. «Die Ressourcen, die es braucht, um soziale Gerechtigkeit wieder herzustellen, stecken an drei Orten: in den Milliarden, die Israel in Siedlungen investiert hat; in den Unsummen, mit denen Ultraorthodoxe auf Kosten des Staates leben, und vor allem in der leidenschaftlichen Unterst&#252;tzung der Regierung Netanjahu und ihrer Vorg&#228;nger f&#252;r die ungez&#252;gelte Bereicherung diverser Tycoons und ihrer Kumpel auf Kosten der Mittelklasse und der Armen.» (9.August, www.latimes.com.)</p>
<p>Einer Studie der israelischen Zentralbank von 2010 zufolge kontrollieren 22 gro&#223;e Unternehmensgruppen die H&#228;lfte des Finanzmarkts und 70% von Handel und Dienstleistungen. Gerade einmal 10 einflussreiche Familien kontrollieren 30% des Marktes. Es handelt sich um pyramiden&#228;hnliche Strukturen: viele Unternehmen werden von gr&#246;&#223;eren Unternehmen kontrolliert, die wiederum von einer Person oder einer Familie kontrolliert werden. Die seien an Konkurrenz nicht interessiert, schreibt ein Autor in der liberalen Tageszeitung Haaretz. «Wir gleichen Korea mehr als wir westlichen L&#228;ndern gleichen.»</p>
<p>Ein solcher Tycoon ist Nochi Dankner. Seine Holding besitzt mehr als 3% Anteile an der Crédit Suisse. Er ist der gr&#246;&#223;te Mobilfunkanbieter und einer der gr&#246;&#223;ten Internetprovider in Israel, ihm geh&#246;ren Superm&#228;rkte, Kleiderketten, Reiseb&#252;ros und die Tageszeitung Maariv, er ist auch der einzige Zementhersteller des Landes.</p>
<p>Yitzhak Tshuva steht auf Platz 382 der nach der Forbes-Liste 500 reichsten M&#228;nner der Welt. Er besitzt Immobilien in den USA und in Kanada (darunter das Manhattan Plaza Hotel in New York) und steht der Delek-Gruppe vor, Israels zweitgr&#246;&#223;ter &#214;l- und Gasgesellschaft.</p>
<p>Die Familie Ofer besitzt &#252;ber ihre Israel Corporation eine Reederei, Anteile an &#214;lraffinerien und an Israel Chemicals.</p>
<p>Lev Review gilt als ein gro&#223;er Fisch im Diamantengesch&#228;ft; ihm geh&#246;rt au&#223;erdem eine Immobiliengesellschaft.</p>
<p>Sharif Arison ist die Frau unter den Oligarchen. Sie ist Teilhaberin der gr&#246;&#223;ten Baufirma und der zweitgr&#246;ssten israelischen Bank, Hapoalim.</p>
<p><strong>Reaktionen</strong></p>
<p>Stanley Fisher, seit 2005 Gouverneur der israelischen Zentralbank, gilt als die «graue Eminenz» hinter Premierminister Netanyahu. Am 1.August erkl&#228;rte er auf einer Pressekonferenz in Jerusalem, die &#220;berwindung der Wohnungsnot sei gebunden an die Schaffung von Komitees zur Umgehung des bestehenden Planungsprozesses, die Zustimmung zu Neubauten und eine Reform des israelischen Immobilienmarktes. Fisher will die gro&#223;en privaten Wohnungsbau- und Immobiliengesellschaften weniger mit Umwelt- und sozialen Auflagen belasten und die Privatisierung von Staatsland beschleunigt vorantreiben. 93% des israelischen Staatslands geh&#246;rt heute den pal&#228;stinensischen Fl&#252;chtlingen; es ist seit 1950 gesch&#252;tzt durch internationale Garantien der Vereinten Nationen.</p>
<p>Netanyahu hat die Bildung eines Teams aus Wirtschaftsspezialisten angek&#252;ndigt, um «die Lebenshaltungskosten zu senken». Dieses Team wird von einem neoliberalen Technokraten der Universit&#228;t Tel Aviv geleitet; es besteht zur H&#228;lfte aus Ministern der Regierung, zur H&#228;lfte aus «Experten» aus der Privatwirtschaft. Die Protestierenden sind darin nicht vertreten.</p>
<p>Der Dachverband der Gewerkschaften, Histadrut, hat sich an der Demonstration des 6.August beteiligt, aber klar gestellt, dass er keine Bewegung unterst&#252;tzt, die auf den Sturz der Regierung gerichtet ist.</p>
<p>Ironischerweise sind es die Siedler, die die Protestbewegung dazu dr&#228;ngen, zur Frage der Besatzung Stellung zu nehmen. Anf&#228;nglich lehnten sie die Proteste ab mit dem Argument, die Bewegung wolle nur Netanjahus Position im Vorfeld der Ausrufung des Pal&#228;stinenserstaats vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen im September schw&#228;chen.</p>
<p>Doch Anfang August bauten jugendliche Siedler ihre Zelte neben den Protestierenden in Tel Aviv auf; ihre Parole war: «Tel Aviv ist j&#252;disch!» Sie wollen die Wohnungsnot dadurch l&#246;sen, dass massiv Siedlungen in den besetzten Gebieten gebaut werden. Darin werden sie von rechten Knesset-Abgeordneten unterst&#252;tzt.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Die Kosten der Besatzung</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 18:33:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die israelische Bev&#246;lkerung zahlt einen hohen Preis f&#252;r den «j&#252;dischen Staat» Shir Hever Die israelische Gesellschaft steckt in einer tiefen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die israelische Bev&#246;lkerung zahlt einen hohen Preis f&#252;r den «j&#252;dischen Staat»</strong></p>
<p><em>Shir Hever</em></p>
<p>Die israelische Gesellschaft steckt in einer tiefen Krise. Sie ist das Ergebnis des fast 45-j&#228;hrigen Versuchs, auf Kosten der ans&#228;ssigen pal&#228;stinensischen Bev&#246;lkerung einen j&#252;dischen Staat durchzusetzen. Die wirtschaftlichen Kosten der Besatzung, gepaart mit der neoliberalen Ausrichtung der Regierungspolitik, bedrohen den israelischen Staat inzwischen mehr als jede Kassam-Rakete.<br />
<span id="more-2889"></span>In der ersten Periode der Besatzung, 1967–1986, reichten wenige, in den besetzten Gebieten stationierte Truppen aus, um die Zivilbev&#246;lkerung zu kontrollieren. Die Kosten waren gering, und Israel profitierte von der Besatzung auf verschiedene Weise:</p>
<p>– es belastete die Pal&#228;stinenser mit Steuern, deren Einnahmen die Ausgaben f&#252;r die Besatzung &#252;bertrafen;</p>
<p>– Israelis konnten ihre Waren in den besetzten Gebieten absetzen und pal&#228;stinensische Arbeiter zu sehr niedrigen L&#246;hnen anheuern;</p>
<p>– israelische Bauunternehmer besorgten sich ihr Baumaterial aus pal&#228;stinensischen Steinbr&#252;chen; der Bev&#246;lkerung in den besetzten Gebieten wurden Land und Wasserquellen weggenommen; illegale Siedlungen entstanden.</p>
<p><strong>Neoliberale Wende</strong></p>
<p>In den 80er Jahren &#228;nderten sich die Verh&#228;ltnisse. Der pal&#228;stinensische Widerstand (die erste Intifada fand 1987 statt) zwang die israelische Regierung, die milit&#228;rischen Kontrollpunkte in den besetzten Gebieten auszubauen und mehr Truppen zu schicken, um die illegalen Siedlungen zu sch&#252;tzen. Die Exporte in diese Gebiete halbierten sich, der Tourismus nach Israel ging zur&#252;ck. Die Besatzung h&#246;rte auf, ein gewinnbringendes Gesch&#228;ft zu sein und wurde mehr und mehr zu einer Belastung f&#252;r den israelischen Haushalt.</p>
<p>Das verst&#228;rkte milit&#228;rische Engagement und die Expansion der Siedlungst&#228;tigkeit hatten auch zur Folge, dass die Intervention der Regierung in die Wirtschaft zunahm. Dies wurde von neoliberalen &#214;konomen zunehmend kritisiert.</p>
<p>Nach dem 11.September 2001 versuchte die israelische F&#252;hrung, ihren Kampf gegen die pal&#228;stinensische Befreiungsbewegung als Teil des «Kriegs gegen den Terror» und Israel zum Frontstaat gegen die «weltweite islamistische Terrorbewegung» zu deklarieren. Wirtschaftspolitisch schlug die Regierung einen neoliberalen Kurs ein. Ein gro&#223;er Teil der Funktionen, die zuvor das Milit&#228;r ausge&#252;bt hatte, wurde nun privatisiert – so der Betrieb der Checkpoints und der milit&#228;rische Schutz der israelischen Siedlungen. Die israelischen Siedler wurden aus dem Gazastreifen abgezogen und der Bau der Mauer begonnen.</p>
<p>Diese Umschichtung minderte nicht die staatlichen Kosten f&#252;r die Besatzung, daf&#252;r  bot sie privaten Sicherheitsfirmen zahlreiche M&#246;glichkeiten, gute Gesch&#228;fte zu machen. In den letzten zehn Jahren ist eine Sicherheitsindustrie entstanden, die vorwiegend &#220;berwachungsapparate, hochtechnisierte Waffen, die militarisierte Kontrolle spezifischer, eng umgrenzter Zonen, Vorrichtungen f&#252;r Datenspeicherung und biometrische Erkennung, Spezialtraining f&#252;r Sicherheitspersonal u.&#228;. hervorbringt. Einige dieser Sicherheitsfirmen waren fr&#252;her staatlich und wurden privatisiert, andere von pensionierten israelischen Offizieren gegr&#252;ndet.</p>
<p>Sie sind in der besten Position, um Regierungsauftr&#228;ge zu akquirieren und ihre Waren an die israelische Armee zu verkaufen. Das verschafft ihnen eine gute Referenz f&#252;r sp&#228;tere Gesch&#228;ftsbeziehungen ins Ausland. Auf der Basis ihrer «Erfahrungen» in Sachen Ausr&#252;stung, Dienstleistungen und Technik f&#252;r den «Kampf gegen den Terror» k&#246;nnen sie hohe Preise verlangen.</p>
<p>Auf diese Weise sind die israelischen Exporte und selbst die Aktienkurse an der B&#246;rse von Tel Aviv deutlich gestiegen. Die israelische Wirtschaft ist in den letzten zehn Jahren stark gewachsen: makro&#246;konomische Indikatoren wie Besch&#228;ftigung, Bruttoinlandsprodukt und Exporte zeigen nach oben.</p>
<p>Seit Mitte der 90er Jahre haben Geldstr&#246;me internationaler Institutionen und Hilfsorganisationen in die besetzten Gebiete eine weitere Einkommensquelle f&#252;r die israelische Wirtschaft geschaffen; sie reichen aber nicht, um die Last der Besatzung auszugleichen.</p>
<p><strong>Die Kosten der Besatzung</strong></p>
<p>Menschen werden mit hohen Beihilfen f&#252;r die Siedler ermutigt, in die Siedlungen zu ziehen. Die Siedlerbev&#246;lkerung in der Westbank, in Ostjerusalem und zeitweise im Gazastreifen ist zwischen 1987 und heute von 100.000 auf 500.000 gestiegen. Dies ist eine Verletzung des 4.Genfer Abkommens, das den Transfer von Zivilbev&#246;lkerung in besetzte Gebiete verbietet.</p>
<p>Die Kosten der Besatzung k&#246;nnen nur gesch&#228;tzt werden, weil das israelische Verteidigungsministerium die Daten geheim h&#228;lt und die Ausgaben f&#252;r die Siedler in zahllosen Nebenhaushalten versteckt werden. Inl&#228;ndische Kritik an den hohen Zahlungen an die Siedler und ausl&#228;ndische Kritik an den Menschenrechtsverletzungen sollen klein gehalten werden.</p>
<p>Shir Hever sch&#228;tzt die Gesamtkosten der Besatzung folgenderma&#223;en:</p>
<p>Zeitraum 1970–2008</p>
<p>(in Preisen von 2007 in NIS):</p>
<p>Eink&#252;nfte aus der Besatzung (nach Abzug der Transferzahlungen an die Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde f&#252;r die Jahre 1996–2008): 39,64 Mrd.</p>
<p>Subventionen an Siedler:104,46 Mrd.</p>
<p>Sicherheitskosten: 316,21 Mrd.</p>
<p>Gesamt: 381,02 Mrd.</p>
<p>Nicht eingerechnet sind hier die Geldfl&#252;sse an die israelische Wirtschaft aus der internationalen humanit&#228;ren und Entwicklungshilfe an die besetzten Gebiete (sie schwankte in den letzten zehn Jahren zwischen j&#228;hrlich 900 und 1600 Mio. Dollar) und die US-Milit&#228;rhilfe f&#252;r Israel (konstant 3 Mrd. Dollar pro Jahr).</p>
<p>Die Zahlen zeigen: Die Ausgaben f&#252;r die Sicherheit sind mehr als dreimal so hoch wie die Unterst&#252;tzungszahlungen an die Siedler. Das bedeutet, dass der Hauptgrund f&#252;r die hohen Besatzungskosten der pal&#228;stinensische Widerstand ist. Obwohl sie Israel milit&#228;risch nichts entgegensetzen k&#246;nnen und obwohl ihre Wirtschaft von Israel zerst&#246;rt worden ist, machen die Pal&#228;stinenser die Besatzung zu einem f&#252;r Israel immer schwierigeren Unternehmen.</p>
<p>Diese Tatsache kann nicht &#252;bersch&#228;tzt werden. Die Tatsache, dass der bewaffnete Widerstand der Pal&#228;stinenser sich in einer Erosion der israelischen Wirtschaft niederschl&#228;gt, mag an sich kein Grund sein f&#252;r die Rechtfertigung von Gewalt. Sie zeigt aber, dass die Effektivit&#228;t des bewaffneten Kampfs sich nicht auf das milit&#228;rische Feld beschr&#228;nkt (wo die Pal&#228;stinenser immer verlieren), sondern auch f&#252;r die &#214;konomie relevant ist.</p>
<p>Hier ist die Frage nicht, wer der Gegenseite den gr&#246;&#223;ten Schaden beibringt, sondern wer am l&#228;ngsten durchh&#228;lt.</p>
<p><strong> Teure Siedler</strong></p>
<p>Die addierten Gesamtkosten f&#252;r die Besatzung liegen noch immer etwas unter der Summe der Hilfe, die Israel seit 1973 von den USA erhalten hat. Seit 1999 &#252;bersteigen die Besatzungskosten allerdings die j&#228;hrliche US-Hilfe, inzwischen um das Doppelte. Denn die Kosten der Besatzung sind nicht gleichbleibend, sie steigen von Jahr zu Jahr. F&#252;r 2008 werden sie mit 26,3 Mrd. NIS beziffert.</p>
<p>Die direkten Besatzungsausgaben machen derzeit 8,72% des israelischen Haushalts aus. Die Regierung gibt also f&#252;r jeden israelischen Staatsb&#252;rger im Durchschnitt 40,89 NIS aus, aber 93,1 NIS f&#252;r jeden Siedler, mehr als das Doppelte.</p>
<p>In den Jahren zwischen 2003 und 2008 ist der israelische Haushalt um j&#228;hrlich durchschnittlich 2,3% gestiegen, die Zahl der Siedler hingegen nimmt seit 1991 j&#228;hrlich um 7,13% zu. Dieser Trend kann nicht anhalten, sonst m&#252;ssten im Jahr 2038 &#252;ber die H&#228;lfte des israelischen Haushalts f&#252;r die Aufrechterhaltung der Besatzung aufgewendet werden; das kann kein entwickeltes Land tragen. Der politische Druck, diesen Trend zu stoppen, wird daher steigen. &#8220;Ob sich dies Israel auch &#252;berzeugen wird, sich aus den besetzten Gebieten zur&#252;ckzuziehen, ob es seine Kontrollmechanismen deswegen umstellt und Wege findet, die Kosten zu senken, ob es seine Regierung zum V&#246;lkermord anstachelt oder der Staat Israel dar&#252;ber kollabiert – das wird die Zeit zeigen.&#8221;</p>
<p>Als Israel im September 2005 die j&#252;dischen Siedlungen im Gazastreifen evakuierte, wurden die 8000 Siedler abgefunden: f&#252;r das verlorene Land, f&#252;r den Verlust des Arbeitsplatzes oder die Aufgabe ihres Gesch&#228;fts, f&#252;r die Unbilden der Umsiedlung; jeder erhielt im Durchschnitt 200.000 Euro. Sollte Israel sich entschlie&#223;en, die illegalen Siedlungen in der Westbank aufzul&#246;sen, wo 2008 471000 Siedler lebten, und sollten diese dieselbe Abfindung durchsetzen k&#246;nnen, m&#252;sste Israel 92,5 Mrd. Euro zahlen, eineinhalb Mal soviel wie der gesamte Jahreshaushalt. Wenn die Siedler aber nicht evakuiert werden und die Besatzungskosten weiter steigen, k&#246;nnte dies f&#252;r Israel am Ende noch teurer kommen.</p>
<p>Die israelische Regierung k&#246;nnte auch einen Kredit in dieser H&#246;he aufnehmen, die Siedler damit abfinden und an Stelle der j&#228;hrlichen Zusch&#252;sse an die Siedler die Sollzinsen zahlen. Sie spricht die Kosten der Besatzung aber nicht an und auch in den Medien werden sie kaum diskutiert. Die Siedler wiederum werden immer militanter und bereiter, Waffengewalt auch gegen israelische Soldaten einzusetzen. Die Vorstellung, dass Israel zu den Grenzen von 1967 zur&#252;ckkehren soll, ist f&#252;r die meisten Israelis noch inakzeptabel. Nach den Wahlen vom Februar 2009 hat Netanyahu erkl&#228;rt, er sei ein Gegner der Zwei-Staaten-L&#246;sung.</p>
<p><strong>Wer profitiert, wer bezahlt?</strong></p>
<p>Das Geld, das in die Besatzung flie&#223;t, wird ungleich verteilt: In Ostjerusalem bekommen die Siedler in aller Regel nichts au&#223;er billigeren Wohnungen, und in den entlegeneren und gef&#228;hrlicheren Gebieten der Westbank, die relativ weit von den St&#228;dten entfernt sind, wiegt es auch nicht immer die B&#252;rden des Alltags auf. Am st&#228;rksten profitieren R&#252;stungs- und Sicherheitsunternehmen sowie &#214;lkonzerne. Nicht nur israelische, auch ausl&#228;ndische Konzerne und Regierungen haben ein starkes Interesse an der Fortsetzung der Besatzung.</p>
<p>Die Kosten werden entweder direkt aus dem Haushalt oder aus Einrichtungen wie der Zionistischen Weltorganisation oder der Staatlichen Lotterie bestritten – die israelischen Steuerzahler tragen also die Hauptlast. Daneben sind es nat&#252;rlich die Pal&#228;stinenser und die Steuerzahler in den USA, denn deren Geld wird seit 1973 dazu verwendet, Milit&#228;rhilfe an Israel zu zahlen: Israel ist der gr&#246;&#223;te Empf&#228;nger von US-Hilfe in der Welt.</p>
<p>Mehr und mehr schlagen sich die Kosten aber auch in der langfristigen Erosion der &#246;ffentlichen Haushalte und in der Verarmung der israelischen Gesellschaft nieder. Seit der Wende von 2001 sind die &#246;ffentliche Dienste massiv privatisiert worden – so ist der Wohnungsmarkt zum Gegenstand der Spekulation geworden und auf die Bed&#252;rfnisse der neuen Wirtschaftselite abgestellt.</p>
<p>Die &#246;ffentliche Bildung wird zugunsten des Ausbaus paralleler privater Bildungseinrichtungen vernachl&#228;ssigt. 2007–2008 traten deshalb Schul- und Hochschullehrer in den Streik, sie forderten h&#246;here L&#246;hne und bessere Arbeitsbedingungen. Der Niedergang des Bildungswesens ist einer der Gr&#252;nde, warum israelische Akademiker Israel in gro&#223;er Zahl verlassen. Das Schulsystem ist dar&#252;ber hinaus diskriminierend gegen&#252;ber Nichtjuden (insbesondere in Ostjerusalem), aber auch gegen&#252;ber Juden nichteurop&#228;ischer Herkunft. Den meisten Politikern gilt Schule als Transmissionsriemen f&#252;r zionistische Ideologie, Sicherheitsdenken, Nationalstolz und als Rekrutierungsfeld f&#252;r den Milit&#228;rdienst.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Aus: Shir Hever, The Political Economy of Israels Occupation, London: Pluto Press, 2010. Zusammengestellt von Angela Klein.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Antisemitismusvorwurf</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jul 2011 10:48:06 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Eine hinterh&#228;ltige Waffe von Michael Warschawski Roger Cukierman, Anfang des 21.Jahrhunderts Chef von Frankreichs j&#252;discher Gemeinde, hat einmal der israelischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine hinterh&#228;ltige Waffe</strong><br />
<em>von Michael Warschawski</em><br />
Roger Cukierman, Anfang des 21.Jahrhunderts Chef von Frankreichs j&#252;discher Gemeinde, hat einmal der israelischen Zeitung <em>Haaretz</em> stolz erz&#228;hlt, wie er Ariel Sharon empfohlen hat, Israel solle die harsche internationale Kritik an den Massakern vom Oktober 2000 dadurch ersticken, dass es eine neue Front er&#246;ffnet: die des Antisemitismus.</p>
<p><span id="more-2604"></span>Als France 2 die Bilder vom Mord an dem 12 Jahre alten Muhammad al-Dura in den Armen seines Vaters zeigte, war die Welt schockiert – und da passierte genau das. Israels Regierung hatte keine Antwort auf die erschreckenden Bilder vom Mord an zehn unbewaffneten Kindern und Jugendlichen durch Heckensch&#252;tzen.</p>
<p>Cukierman sagte Sharon: «Anstatt zu nicht &#252;berzeugenden Ausfl&#252;chten zu greifen, sollten wir an einer neuen Front, dem Antisemitismus, angreifen.» Jeder, der seine Stimme gegen die Verbrechen Israels erhob, sollte des Antisemitismus angeklagt werden.</p>
<p>Die Strategie war &#252;ber alle Erwartungen erfolgreich: Journalisten und Intellektuelle verstummten, um nicht des Antisemitismus angeklagt zu werden, und wer es wagte sich zu &#228;u&#223;ern, wurde gezwungen sich zu verteidigen, einschlie&#223;lich vor Gericht, um zu beweisen, dass er kein Antisemit war – f&#252;nfzig Jahre nach Auschwitz eine schreckliche Anschuldigung in Europa.</p>
<p>Nach zehn Jahren schien es, als h&#228;tte diese Waffe, auch wegen &#220;berbeanspruchung, an Wirksamkeit verloren und sei nach und nach zur&#252;ckgedr&#228;ngt worden. Doch das inakzeptable Junktim zwischen der Kritik an Israels Politik und dem Antisemitismus ist zur&#252;ckgekehrt, sogar in die Reihen einer linken Partei, die eine Tradition des Kampfs f&#252;r Menschen- und Arbeiterrechte aufzuweisen hat.</p>
<p>Zun&#228;chst einmal scheint eine Kl&#228;rung notwendig, was Antisemitismus ist. Es gibt Antisemitismus in Europa, auch wenn alle Untersuchungen sagen, dass er sich im Vergleich zu den 1950er Jahren deutlich im R&#252;ckgang befindet; der Antisemitismus ist Teil der europ&#228;ischen Kultur, und kulturelle Ph&#228;nomene verschwinden nicht innerhalb von ein bis zwei Jahrzehnten.</p>
<p>Zweitens ist dies ein christlicher und wei&#223;er Antisemitismus, nicht der sogenannte «muslimische Antisemitismus» der arabischen Bewohner schlechter europ&#228;ischer Wohnviertel. Auch hier sind die Untersuchungen eindeutig: Antij&#252;dische Positionen  (Graffiti, Angriffe auf Juden) sind in diesen Vierteln ein relativ randst&#228;ndiges Ph&#228;nomen und in erster Linie eine dumme Reaktion einzelner gegen die von Israel in den besetzten Pal&#228;stinensergebieten ver&#252;bten Taten.</p>
<p>Drittens gibt es auch Antisemitismus, wenngleich in winzigem Ausma&#223;, in den Reihen der Linken und in der Pal&#228;stinasolidarit&#228;tsbewegung – wie gesagt verschwindet ein kulturelles Ph&#228;nomen nicht mit einem Handstreich in einer Generation, auch wenn die Linke es meist erfolgreich aus ihren Reihen eliminiert hat.</p>
<p>Und schlie&#223;lich nehmen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in dem Ma&#223;e zu, wie sich die &#246;konomische und gesellschaftliche Krise in Europa versch&#228;rft.</p>
<p>Dies gesagt, ist die Gleichsetzung von Kritik an Israel, einschlie&#223;lich klarer antizionistischer Positionen, mit Antisemitismus eine Manipulation der Pro-Israel-Lobby und muss angeprangert werden, auch weil sie zu einer Verharmlosung des Antisemitismus f&#252;hrt. Es ist traurig, dass linke Parteien immer noch in diese ihnen aufgestellte Falle gehen, wie j&#252;ngst in Deutschland geschehen.</p>
<p>In einer &#228;u&#223;erst konfusen politischen Erkl&#228;rung greift die politische F&#252;hrung der Partei DIE LINKE den Vorwurf des Antisemitismus, um von der Solidarit&#228;t mit den Pal&#228;stinensern, der von Pal&#228;stinensern gef&#252;hrten BDS-Kampagne und der Flotille, die sich gegen Israels Blockade des Gazastreifens richtet, abzur&#252;cken.</p>
<p>Es gibt daf&#252;r zwei Erkl&#228;rungen: Entweder die F&#252;hrung der LINKEN leidet an besorgniserregender politischer Dummheit oder sie tut nur so, um eine m&#246;gliche Kritik von Freunden Israels abzuwenden – was auch dumm ist, denn eine linke Partei wird niemals Israels Sympathie erringen, selbst wenn ihre Mitglieder vor jeder Versammlung die israelische Nationalhymne singen und auf Demonstrationen die israelische Flagge schwenken.</p>
<p>Der Kampf gegen Antisemitismus muss selbstverst&#228;ndlicher Bestandteil des Kampfes sein, denn jede linke Partei kompromisslos gegen den Rassismus zu f&#252;hren hat, der sich gegen Arbeitsmigranten, Einwanderer, Roma und Sinti usw. richtet. Die Solidarit&#228;t mit dem pal&#228;stinensischen Volk ist Bestandteil des antikolonialen Kampfes, zu dem jede linke Partei verpflichtet ist. Diese beiden Seiten erg&#228;nzen und verst&#228;rken sich gegenseitig – wenn eine von beiden ihres Inhalts entleert wird, verliert die andere ihre moralische Rechtfertigung und politische Wirksamkeit.</p>
<p>Es w&#228;re angebracht, dass die F&#252;hrung der LINKEN ihre Erkl&#228;rung zur&#252;ckzieht, es mangelt ihr sowohl an politischer Weisheit wie auch an moralischer Integrit&#228;t.</p>
<p><em>Michael Warschawski leitet das Alternative Information Center in Jerusalem, </em><a href="http://www.alternativenews.org">www.alternativenews.org</a>.</p>
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