<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Leitartikel</title>
	<atom:link href="http://www.sozonline.de/category/leitartikel/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.sozonline.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Tue, 07 Feb 2012 09:48:27 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.1.1</generator>
		<item>
		<title>Das Bellen der Kriegshunde</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2012/02/das-bellen-der-kriegshunde/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2012/02/das-bellen-der-kriegshunde/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:52:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Startseite]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=3969</guid>
		<description><![CDATA[von Tom Hayden In den letzten zehn Jahren war der Autor skeptisch bez&#252;glich eines m&#246;glichen Krieges mit dem Iran. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von <em>Tom Hayden</em></p>
<p>In den letzten zehn Jahren war der Autor skeptisch bez&#252;glich eines m&#246;glichen Krieges mit dem Iran. Die potenziellen Kosten &#252;berwogen den Nutzen. Nun, da das Wahljahr 2012 seinen Lauf nimmt, bin ich nicht sicher. Die politischen und geopolitischen Dynamiken unterstreichen ein steigendes Kriegsrisiko.<br />
<span id="more-3969"></span>Barack Obama will keineswegs einen Luftangriff gegen den Iran – weder gef&#252;hrt von den Israelis noch von amerikanischer Seite noch von den Israelis mit amerikanischer Unterst&#252;tzung. Obama kann nicht noch einen Krieg gebrauchen – mit unbekannten Kosten und Konsequenzen.<br />
Pr&#228;sidenten sind jedoch nicht allm&#228;chtig und Obama k&#246;nnte gezwungen sein, seine Zustimmung zu einem Krieg zu geben, wenn es keine signifikant st&#228;rkere &#246;ffentliche Opposition dagegen gibt. Trita Parsi, Direktorin des National Iranian American Council sagte am 12.Januar gegen&#252;ber DemocracyNow, einem t&#228;glichen TV- und Radioprogramm im Internet: «Wir k&#246;nnten sehr wohl in eine Situation geraten, in der die Dynamik der Ereignisse die Regierungen kontrolliert, statt umgekehrt &#8230; das k&#246;nnte in einen richtigen Krieg ausarten.»</p>
<p><strong>Die Dynamiken</strong></p>
<p>Es gibt verschiedene Dynamiken auf verschiedenen Ebenen.<br />
Erstens haben die israelische Regierung und die m&#228;chtige Israel-Lobby [in den USA] bei ihrer Einsch&#228;tzung der arabischen Revolution in &#196;gypten und dar&#252;ber hinaus gro&#223;e Sorge, dass die Zeit gegen sie arbeitet. Sie sehen in den diplomatischen Bem&#252;hungen der Pal&#228;stinenser um ihre Anerkennung durch die UNO eine t&#246;dliche Gefahr und haben alles nur M&#246;gliche getan, um Obama zu dr&#228;ngen, dass er mit einem Veto gegen den pal&#228;stinensischen Antrag droht. Das war eine &#220;berreaktion, die den amerikanischen Interessen zuwider lief und die Obama-Regierung ziemlich vom Rest der Welt isolierte. Die Androhung eines Vetos spielte all denen in der pal&#228;stinensischen und islamischen Welt in die H&#228;nde, die glauben, dass der bewaffnete Kampf der einzig m&#246;gliche Weg ist.</p>
<p>Zweitens wei&#223; die israelische Lobby bereits, dass Obama zuhause, was diese Fragen anbelangt, isoliert ist, zumindest im Kongress. Unter diesem Druck ist Obama von seiner Forderung abger&#252;ckt, den Siedlungsbau zu beenden. Progressivere Berater wie Chas Freeman oder George Mitchell wurden entweder aus ihren Positionen gedr&#228;ngt oder haben frustriert abgedankt.</p>
<p>Drittens waren die Iraner nicht sehr behilflich, falls sie das jemals sein wollten. Sie best&#228;rken immer wieder diejenigen, die sie als irrationale, instabile, fundamentalistische und theokratische Extremisten darstellen. Jedwede Vorstellung, sie k&#246;nnten rationale Akteure in einer anhaltenden Krise sein, entpuppt sich als Torheit. Diese Krise begann mit der Beseitigung ihrer demokratischen Regierung durch die USA im Jahr 1954 und setzt sich heute t&#228;glich fort mit der erneuten Drohung mit einem Regimewechsel – in einer Situation, in der die Israelis zuhauf Nuklearwaffen haben, die sie bereit sind einzusetzen.</p>
<p>Viertens – und das ist zur Zeit am wichtigsten – benutzt die israelische Lobby die Republikaner als trojanisches Pferd. Mitt Romney ist ein ehemaliger Gesch&#228;ftspartner von Israels Staatspr&#228;sident Benjamin Netanyahu. Und wenn die Romney-Netanyahu-Allianz nicht klappt, gibt es immer noch Newt Gingrich, der die Pal&#228;stinenser als «erfundenes Volk» bezeichnet, um noch mehr Millionen von seinem Hauptfinancier Sheldon Adelson zu ergattern, der in Las Vegas Casinos betreibt und ein enger Verb&#252;ndeter Netanjahus ist.<br />
Adelson behauptet, dass die Pal&#228;stinenser kein historisches Recht haben, einen Staat zu bilden. Gerade hat er Newt Gingrich mit einer 5-Millionen-Dollar-Spritze bei den Vorwahlen in South Carolina gerettet – zus&#228;tzlich zu den Millionen, die er ihm schon zuvor gespendet hatte: Allein im Jahr 2006 gab er den Gingrich-Komitees 7 Millionen Dollar. Adelson hat in diesem Monat nicht nur Gingrich gerettet, seinen freien Zeitung in Israel wird nachgesagt, dass sie auch Netanyahu gerettet haben.<br />
F&#252;nftens hat Matthew Kroenig in der j&#252;ngsten Ausgabe des US-Magazins Foreign Policy unter dem Titel «Time to Strike Iran» (Zeit, den Iran anzugreifen) eine weitere Begr&#252;ndung geliefert. Koenig war bis letzten Juli Obamas Sonderberater f&#252;r den Iran im Pentagon.</p>
<p><strong>Die Kriegstreiber</strong></p>
<p>F&#252;r Kroenig ist die am wenigsten schlechte Variante die, wenn die USA, und nicht Israel, den Iran angreifen. Er meint, das Ziel sollte nicht «Regime change» sein, sondern lediglich die vorsichtige Zerst&#246;rung der nuklearen Standorte. Er versichert, ein Angriff auf die Nuklearanlagen in Natanz mit einer 30000-Pfund-Bombe, die Bunker durchschl&#228;gt, k&#246;nne so vorsichtig durchgef&#252;hrt werden, dass Teheran darauf nicht mit der Schlie&#223;ung der Strasse von Hormus oder mit einem Raketenangriff auf europ&#228;ische St&#228;dte reagieren wird. Die USA sollten dem Iran versichern, dass Amerika kein Interesse daran hat, seine Regierung zu st&#252;rzen, sondern lediglich daran, seine Anlagen zu zerst&#246;ren.<br />
Das klingt gut. Aber wenn die USA jetzt schon die iranische F&#252;hrung als irrational bezeichnen, warum sollte Teheran dann vern&#252;nftiger werden, nachdem Natanz, Isfahan und Arak sowie Anlagen f&#252;r den Bau von Zentrifugen in der N&#228;he von Teheran angegriffen wurden (die Liste dieser Ziele stammt von Kroenig)?</p>
<p>Mit fortschreitendem Pr&#228;sidentschaftswahljahr wird Obama von Romney oder Gingrich zunehmend unter Druck gesetzt werden, gest&#252;tzt von den Neocons und israelischen Falken, flankiert von Kommentaren in den Massenmedien &#252;ber Irans angeblich drohenden Absichten. Und ganz im Hintergrund lauern die Sorgen &#252;ber die &#214;llieferungen durch die Stra&#223;e von Hormuz.</p>
<p>Wer wird Obama gegen diesen Druck st&#252;tzen, besonders wenn er seine Wiederwahl dadurch gef&#228;hrden k&#246;nnte? Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine ernsthafte organisierte Opposition, obwohl die &#246;ffentliche Meinung auf seiner Seite ist.<br />
Es m&#246;gen zwar 200 Abgeordnete gegen den Irak und Afghanistan sein, aber nur wenige sind dagegen, den Irak anzugreifen. Die Medien bevorzugen Sanktionen und diplomatischen Druck, werden sich aber nicht gegen eine milit&#228;rische Intervention wehren. Die humanit&#228;ren Falken wollen einen «Regime change». Russland, China und die UN-Generalversammlung z&#228;hlen nur wenig bei amerikanischen Pr&#228;sidentschaftswahlen. Da bleibt nur Ron Paul, der sich als republikanischer Pr&#228;sidentschaftskandidat bewirbt, und einige Protestierende ohne Geld.</p>
<p>Die Implikationen f&#252;r die nationale Sicherheit und die Diplomatie sind wom&#246;glich zu gro&#223;, um eine US-israelische Intervention zuzulassen. Rationales Eigeninteresse ist jedoch nicht immer genug, um das zu verhindern, was Barbara Tuchman den «Marsch in den Wahnsinn» genannt hat.<br />
Lediglich eine ernsthafte Kampagne kann verhindern, dass Obama den Neocons dieselben Zugest&#228;ndnisse macht, die auch zu den Kriegen in Irak und Afghanistan gef&#252;hrt haben. Vielleicht sollte die Geistlichkeit sie anf&#252;hren, die intellektuellen Experten sich engagieren und die Friedensbewegungen an der Basis in Israel und den USA einen ernsthaften Dialog in den j&#252;dischen – und allen anderen – Gemeinden f&#252;hren, damit Vernunft gegen den Extremismus die Oberhand beh&#228;lt.<br />
Andernfalls wird das Bellen, das wir in diesem Jahr zu h&#246;ren bekommen, das Bellen der Kriegshunde sein.</p>
<p>Quelle: www.zcommunications.org/ contents/183926/print</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2012/02/das-bellen-der-kriegshunde/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Eine neue Wirtschaftscharta f&#252;r das amerikanische Volk</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/11/eine-neue-wirtschaftscharta-fur-das-amerikanische-volk/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2011/11/eine-neue-wirtschaftscharta-fur-das-amerikanische-volk/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 11:18:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Länder]]></category>
		<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Nordamerika]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=3417</guid>
		<description><![CDATA[Im Internet entsteht derzeit das Programm der Occupy-Wall-Street-Bewegung (siehe http://tapnec.wikispaces.com). Nach dem Verfahren von Wikipedia wurde bislang ein Text von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Internet entsteht derzeit das Programm der Occupy-Wall-Street-Bewegung (siehe http://tapnec.wikispaces.com). Nach dem Verfahren von Wikipedia wurde bislang ein Text von 70 Seiten zusammengestellt, der auf den w&#246;chentlichen Generalversammlungen im Zuccotti-Park diskutiert wird und dort am 20.November verabschiedet werden soll.<br />
<span id="more-3417"></span>Das Programm entstand aus der Erkl&#228;rung der Besetzer von New York vom 29.September 2011 (http://occupywallst.org/forum/ first-official-release-from-occupy-wall-street), das einen Katalog von Beschwerden darstellt. Die Redakteure aktualisieren das Dokument st&#228;ndig mittels des Systems des crowd sourcing, das auch zur Aktualisierung von Wikipedia dient. Daraus ist ein oft inkoh&#228;rentes und widerspr&#252;chliches Ganzes hervorgegangen, aber mit einer Vorstellung von der Verbesserung der sozialen Lebensbedingungen in den USA und einem sehr partizipativen Verfahren.</p>
<p>Die unterhaltsamste Sache an der American People’s New Economic Charter (APNEC) ist vielleicht die Tabelle, wie die Berufsgruppen in Zukunft «gerecht» entlohnt werden sollten: Demnach sollen Banker 20000 Dollar im Jahr bekommen, die Anw&#228;lte 27000, Bauarbeiter 25000, &#196;rzte 28000 Dollar – wenig mehr als Krankenschwestern (27500). Mehr verdienen sollten Lehrer, Bibliothekare, Lokf&#252;hrer,  Schiffskapit&#228;ne mit je 35000 Dollar; Polizisten mit 36000 Dollar ebensoviel wie Universit&#228;tsdozenten und Forscher. Alle diese Berufe sind h&#246;her eingestuft als die «Politik»: Parlamentarier m&#252;ssen sich mit 30000 Dollar begn&#252;gen, der Pr&#228;sident der USA erh&#228;lt das h&#246;chste Gehalt: 40000 Dollar.F&#252;r die Soldaten ist gar kein Gehalt vorgesehen, denn die Armee soll abgeschafft werden. Alle Jobs umfassen eine vollst&#228;ndige Krankenversicherung f&#252;r die Besch&#228;ftigten und ihre Familie, Ruhestandsgelder und unentgeltliche Ausbildung der Kinder.</p>
<p>Zu den Forderungen geh&#246;ren ein Konkursstopp, die Einf&#252;hrung der Tobinsteuer auf alle Finanztransaktionen, die &#214;ffnung der Grenzen, massive Investitionen von einer Billion Dollar in die Infrastruktur, das Ende des nuklearen und fossilen Zeitalters durch Konzentration auf geothermische, hydroelektrische und Windenergie. Wasser soll nicht privatisiert werden, die internationalen Finanzinstitutionen IWF und Weltbank werden demokratisiert durch das System «Ein Land – eine Stimme».</p>
<p>Das Manifest sagt entschieden Nein zum Waffenschein, zur Werbung f&#252;r Medikamente, zu Werbespots f&#252;r Kinder und zu Wahlkampfspenden durch Verb&#228;nde (nur B&#252;rger d&#252;rfen spenden, maximal 1000 Dollar). Es fordert die Abschaffung von Obamas Gesundheitsreform und ihre Ersetzung durch ein universelles &#246;ffentliches Gesundheitssystem sowie mehr Mittel f&#252;r die &#246;ffentlichen Schulen und eine drastische Beschneidung der Mittel f&#252;r das Pentagon bis hin zu seiner Abschaffung.</p>
<p>Auf politisch-institutioneller Ebene wird eine Verfassungs&#228;nderung gefordert, die Regierungskoalitionen m&#246;glich macht; es soll Schluss gemacht werden mit dem Prinzip, wonach «der Sieger alles bekommt». Auch soll es die M&#246;glichkeit geben, Korruptionsf&#228;lle zu untersuchen – heute sind sie nur Gegenstand von «internen Untersuchungen» im Kongress.<br />
Gefordert wird au&#223;erdem die Verstaatlichung der Notenbank Federal Reserve und eine Transparenz ihrer Arbeit f&#252;r die &#214;ffentlichkeit, sowie den Umbau des bisherigen Steuersystems, das heute in den USA die Kapitaleinkommen bevorzugt und die Einkommen der arbeitenden Bev&#246;lkerung benachteiligt.</p>
<p>Sicher ist das kein revolution&#228;rer Plan. Im &#220;brigen steht im Vorwort zum Dokument,  die Vorschl&#228;ge richteten «sich nicht gegen ein effizientes Funktionieren der Marktwirtschaft und die Verteilung der Kapitalien und der Innovationsanreize auf Unternehmen, Investoren und Konsumenten». Aber es reicht, um Amerika zu ersch&#252;ttern.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2011/11/eine-neue-wirtschaftscharta-fur-das-amerikanische-volk/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Gang in die Schuldknechtschaft</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/10/der-gang-in-die-schuldknechtschaft/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2011/10/der-gang-in-die-schuldknechtschaft/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 18:15:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Entdemokratisierung]]></category>
		<category><![CDATA[Leitartikel Oktober 2011]]></category>
		<category><![CDATA[sog. Schuldenkrise]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=3091</guid>
		<description><![CDATA[von Angela Klein Nun verh&#228;ngt auch die Kanzlerin Maulk&#246;rbe. Ihr Wirtschaftsminister darf nicht sagen, was jeder denkt: Dass Griechenland zahlungsunf&#228;hig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von <em>Angela Klein</em></p>
<p>Nun verh&#228;ngt auch die Kanzlerin Maulk&#246;rbe. Ihr Wirtschaftsminister darf nicht sagen, was jeder denkt: Dass Griechenland zahlungsunf&#228;hig ist und Rezepte, die so tun, als sei das nicht so, alles nur noch schlimmer machen k&#246;nnen. Die Regierung ist dabei, eine Bataille zu verlieren, da ist Maul halten die erste B&#252;rgerpflicht. Weil die Finanzm&#228;rkte sonst noch nerv&#246;ser werden und die Aktien noch rasanter in den Keller fahren k&#246;nnten, als es ohnehin schon der Fall ist.<br />
<span id="more-3091"></span><br />
Wenn es nur R&#246;sler betr&#228;fe, k&#246;nnte man ja noch schmunzeln. Am 29.September aber wird vom Bundestag ein ganz anderes «Maul halten» verlangt. Da geht es um das zweite gro&#223;e sog. «Rettungspaket f&#252;r Griechenland». Der Bundestag stimmt dann nicht nur &#252;ber h&#246;here Kreditgarantien ab, er beschlie&#223;t auch die damit verbundene Einf&#252;hrung einer sog. «Wirtschaftsregierung» nach Art der liberalen Rechten (siehe S.12 und 13).</p>
<p>K&#252;nftig muss jedes Land der Eurozone seinen Haushalt, noch bevor das Parlament dar&#252;ber entscheidet, der EU-Kommission zur Pr&#252;fung vorlegen, &#252;ber seine Einnahmen und Ausgaben kann es nur noch dann frei verf&#252;gen, wenn es strikt die Schuldengrenzen des Stabilit&#228;tspakts einh&#228;lt. Welche Regierung kann das aber noch, wenn rundherum auf dem Globus die Weltwirtschaft zusammenbricht? Wenn alle Staaten der sog. Ersten Welt hoffnungslos &#252;berschuldet sind?</p>
<p>Einen stillen Staatsstreich nennt Klaus Dr&#228;ger diese Wirtschaftsregierung (siehe S.5). Das wichtigste, ureigenste parlamentarische Recht, das Haushaltsrecht, wird damit n&#228;mlich ausgehebelt. Griechenland hat die Entscheidungsgewalt &#252;ber die Aufbringung und Verwendung seiner Mittel schon verloren. Im vergangenen Jahr unkte EU-Kommissionschef Barroso, in den L&#228;ndern S&#252;deuropas k&#246;nnte die Demokratie verschwinden. Daf&#252;r werden jetzt die Voraussetzungen geschaffen. Und Deutschland wird dann keine Insel bleiben.</p>
<p>Der Bundestag – wie auch die Parlamente der anderen Euro-L&#228;nder – beugt sich den Forderungen der Finanzwelt, weil er sich vormacht, irgendwann k&#246;nnten die Schulden bezahlt sein – wenn Deutschland nur «ordentlich wirtschaftet» – also bei den Sozial- und Gemeinschaftsaufgaben streicht und den Reichen weiter flei&#223;ig Geld und Verm&#246;genswerte zuschaufelt.</p>
<p>Wie aber soll das gehen, wenn die Bundesregierung seit 2008 j&#228;hrlich mehrere hundert Milliarden Euro f&#252;r die Stabilisierung der Finanzm&#228;rkte (und die Sicherung des Absatzes der Konzerne) ausgibt – ohne ein absehbares Ende, weil die richtige Rezession erst noch auf uns zurollt?</p>
<p>Im Gegensatz zu den Staaten und dem Normalverbraucher haben die Banken kein Interesse daran, Schulden loszuwerden. Daran verdienen sie doch. Je mehr die Gewinne aus der sog. Realwirtschaft ins Wanken geraten, desto sicherer wird das Gesch&#228;ft mit den Schulden. Schuldknechtschaft, wie sie sich in der Schuldenbremse ausdr&#252;ckt, ist ein fantastischer Hebel, den Banken permanente Gewinne zu garantieren. Die sog. «europ&#228;ische Wirtschaftsregierung» ist nichts anderes als der Weg in die permanente Schuldknechtschaft, weil sie den absoluten Vorrang des Schuldendienstes vorschreibt.</p>
<p>Die Banken verdienen an den Zinsen, nicht an der Tilgung. Wenn ihnen keine Vorschriften gemacht werden, k&#246;nnen sie die Zinsen so hoch schrauben, wie «der Markt» es eben hergibt. Das tun sie gerade lustvoll an verschiedenen Stellen, jede Verk&#252;ndung einer Ratingagentur, ein Land mal wieder herabzustufen, bef&#246;rdert die Soll-Zinsen nach oben. Die konservativ-liberalen Regierungen aber, die fast &#252;berall in der Eurozone im Amt sind, br&#252;sten sich damit, dass sie der Finanzwelt keine Vorschriften mehr machen. Das ist, mit Verlaub, Beihilfe zum Wucher.</p>
<p>Griechenland k&#246;nnte seinen Schuldenberg l&#228;ngst reduziert haben, wenn die EZB der griechischen Regierung Staatsanleihen aus eigenen Mitteln (Verm&#246;genspositionen, Steuermittel u.a.) bereit gestellt h&#228;tte. Griechenland h&#228;tte sich damit aus dem Schraubstock der Kapitalm&#228;rkte l&#246;sen k&#246;nnen. Genau das aber hat die EZB nicht getan. Das Geld, das f&#252;r Griechenland gedacht ist, nimmt sie selber auf dem Kapitalmarkt auf und stellt es den Banken zur Verf&#252;gung, die es dann zu ihren Bedingungen an Griechenland weiterreichen. Daran haben sich die Banken in den vergangenen zwei Jahren eine goldene Nase verdient (siehe ebenfalls die Grafik auf S.1). Umgekehrt tauscht die EZB den Banken schlechte Anleihen gegen gute – d.h. sie nimmt den Hohepriestern des Unternehmerrisikos eben dieses ab und &#252;bertr&#228;gt es auf die Steuerzahler.</p>
<p>In der Welt der Kapitalbesitzer wird ein heftiger Streit dar&#252;ber ausgefochten, ob ein anderer Staat Griechenland &#252;berhaupt helfen darf, ob die Einzelstaaten dar&#252;ber entscheiden sollen, oder ob das eine Gemeinschaftsaufgabe der EU werden soll. Die Schlagworte daf&#252;r sind «mehr» oder «weniger Europa». Doch es sind Nebelkerzen. Dieser Streit wird zwischen denen ausgetragen, die in jedem Fall die Bedienung der Bankeninteressen f&#252;r vorrangig halten. F&#252;r all jene aber, deren Spareinlagen h&#246;chstens f&#252;r die Altersvorsorge reicht, und das ist immer noch die Mehrheit der Bev&#246;lkerung, ist die zentrale Frage: Kann es angehen, dass Staaten sich zum Erf&#252;llungsgehilfen einer kleinen Kaste von Privilegierten machen? Dass sie zu privaten Pfr&#252;nden werden? Das w&#228;re die R&#252;ckkehr zu einem Feudalismus neuen Typs.</p>
<p>Es wird jeden Tag deutlicher: Der erste Schritt heraus aus der sog. Schuldenkrise ist die Verstaatlichung der Banken und ihre Beschr&#228;nkung auf eine dienende Funktion gegen&#252;ber der Wirtschaft.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2011/10/der-gang-in-die-schuldknechtschaft/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Merkels Beitrag zum arabischen Fr&#252;hling</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/09/merkels-beitrag-zum-arabischen-fruhling/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2011/09/merkels-beitrag-zum-arabischen-fruhling/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 20:04:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
		<category><![CDATA[deutsche Waffenlieferungen]]></category>
		<category><![CDATA[Kriegswaffenkontrollgesetz]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=2809</guid>
		<description><![CDATA[von Angela Klein Der Bundessicherheitsrat (ein Kabinettsausschuss der Bundesregierung) hat der Lieferung von Leopard-Panzern nach Saudi-Arabien und eines sechsten deutschen U-Boots [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von <em>Angela Klein<br />
</em> Der Bundessicherheitsrat (ein Kabinettsausschuss der Bundesregierung) hat der Lieferung von Leopard-Panzern nach Saudi-Arabien und eines sechsten deutschen U-Boots nach Israel zugestimmt. Es sollen nun immer zwei U-Boote vor der iranischen K&#252;ste «zur Abschreckung» stationiert sein k&#246;nnen. Am 30.Mai 2010 hatte die Sunday Times vermeldet, ganzj&#228;hrig halte sich zur Abschreckung des Iran ein israelisches U-Boot mit nuklear best&#252;ckten Marschflugk&#246;rpern im Persischen Golf auf.<br />
<span id="more-2809"></span> Die Beschl&#252;sse sind ein Versto&#223; gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Es verbietet Lieferungen von Waffen in ein anderes Land, wenn «die Gefahr besteht, dass die Kriegswaffen bei einer friedensst&#246;renden Handlung, insbesondere bei einem Angriffskrieg, verwendet werden». Der Nahe Osten ist das Krisengebiet schlechthin. Seit den iranischen Pr&#228;sidentschaftswahlen 2009 droht Israel laufend mal mehr, mal weniger offen mit einem Krieg gegen den Iran. Wikileaks ver&#246;ffentlichte Ende November 2010 eine US-Depesche, die berichtete, Generalstabschef Gabi Ashkenasi habe beim Besuch einer Delegation des US-Kongresses erkl&#228;rt, die Armee seines Landes bereite sich auf einen gr&#246;&#223;eren Krieg im Nahen Osten vor. Und Saudi-Arabien hat Panzer gegen die aufst&#228;ndische Zivilbev&#246;lkerung von Bahrain eingesetzt.</p>
<p>Die Beschl&#252;sse sind der pure Zynismus: Auf der einen Seite heuchelt die Bundesregierung Sympathie mit der arabischen Demokratiebewegung, auf der anderen Seite r&#252;stet sie die Kr&#228;fte mit den modernsten Waffen aus, die, wie Saudi-Arabien, geholfen haben, diese Bewegung blutig niederzuschlagen, und die, wie Saudi-Arabien und Israel, zu den gr&#246;&#223;ten Feinden der Demokratiebewegung im Nahen Osten geh&#246;ren. Die Waffenlieferungen an Israel und Saudi-Arabien sind eine Kriegserkl&#228;rung an die Demokratiebewegung im Nahen Osten.</p>
<p>Besonders destabilisierend ist die U-Boot-Lieferung an Israel. In allen &#246;ffentlichen Reden heben israelische Demonstranten hervor, dass Juden und Araber Partner im sozialen Kampf sind. Doch unter den Aktivisten kursiert die Bef&#252;rchtung, dass die Regierung, wenn sie nicht mehr weiter wei&#223;, zum Mittel der milit&#228;rischen Provokation greifen k&#246;nnte, um so etwas wie einen Befreiungsschlag f&#252;r sich zu erreichen.</p>
<p>«Der Protest hat einen dramatischen Umschwung bewirkt», schreibt Uri Avnery auf ZNet. «Der gesamte Inhalt des &#246;ffentlichen Diskurses war nicht mehr wieder zu erkennen. Soziale Ideen standen im Mittelpunkt, die Talkshow-Runden im Fernsehen waren auf einmal voller Sozialarbeiter und Wirtschaftswissenschaftler. Und dann geschah es&#8230;» Der pal&#228;stinensische Angriff auf Zivilisten und Soldaten in Israel «war f&#252;r Netanyahu und seine Regierung ein unglaublicher Gl&#252;cksfall. Sofort verschwanden die &#214;konomen von den Bildschirmen, an ihre Stelle traten wieder die Gener&#228;le.»</p>
<p>Avnery vergleicht den pal&#228;stinensischen &#220;berfall mit 1982. «Ariel Sharon, damals Verteidigungsminister, hatte sich entschieden, die Pal&#228;stinenser und die Syrer im Libanon anzugreifen. Er flog nach Washington, um die n&#246;tige Zustimmung Amerikas zu erhalten. Alexander Haig sagte ihm, die USA seien damit nicht einverstanden, wenn nicht ein ‹glaubw&#252;rdiger› Akt der Provokation geschehe. Ein paar Tage sp&#228;ter unternahm die extremste pal&#228;stinensische Gruppe unter Abu Nidal, Arafats Todfeind, einen Mordversuch am israelischen Botschafter in London, der daraufhin gel&#228;hmt blieb. Der 1.Libanonkrieg brach aus.»</p>
<p>Ein Teil der Jugendlichen in den Zeltst&#228;dten hat verlangt, das Milit&#228;rbudget zu verringern, um Geld f&#252;r soziale Ausgaben frei zu machen. «In unserer milit&#228;rischen Handlungsf&#228;higkeit kann es keine Kompromisse geben», reagierte Generalstabschef Gantz sofort. Der &#220;berfall im Sinai beendet nun jede ernsthafte Chance, Milliarden vom riesigen Milit&#228;rbudget zu nehmen und in den &#246;ffentlichen Dienst zu stecken. Im Gegenteil, jetzt sollen Milliarden in einen 200 km langen Elektrozaun entlang der W&#252;stengrenze zum Sinai flie&#223;en.</p>
<p>Beobachter meinen auch, die Krise werde sich im Herbst zuspitzen, wenn die pal&#228;stinensische F&#252;hrung vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen den Antrag auf Anerkennung eines Pal&#228;stinensischen Staates stellt – das wollen die im UN-Sicherheitsrat vertretenen Regierungen und Israel mit allen zur Verf&#252;gung stehenden Mitteln verhindern. Die Pal&#228;stinenser haben angek&#252;ndigt, zeitgleich mit der diplomatischen Offensive gewaltfreie Massenaktionen gegen die Mauer und gegen die Siedlungen durchf&#252;hren zu wollen.</p>
<p>Der israelische Generalstabschef Benny Gantz hat vor dem Au&#223;en- und Verteidigungsausschuss der Knesset am 31.Juli ge&#228;u&#223;ert, die Armee sei dabei, Waffen zu kaufen, um gegen eine pal&#228;stinensische Massenmobilisierung vorzugehen, und sie spinne ein geheimdienstliches Netzwerk, um solch eine Bewegung «zu verhindern».</p>
<p>Jede deutsche Waffenlieferung in einer solchen Situation ist eine Einladung zu einer milit&#228;rischen Option. U-Boote sind die einzigen Tr&#228;gersysteme, von denen aus Israel Raketen abschie&#223;en kann, ohne bef&#252;rchten zu m&#252;ssen, dass ein gegnerisches Milit&#228;r sie ausschalten kann. Israel kann sie sogar mit Atomsprengk&#246;pfen best&#252;cken (die der Iran nicht hat). Sie verleihen dem Land in einem Krieg mit den Nachbarstaaten einen erdr&#252;ckenden milit&#228;rischen Vorteil. Und das hei&#223;t: Sie st&#228;rken die abenteuerlichsten und verantwortungslosesten Elemente in der israelischen F&#252;hrung.</p>
<p>Angela Klein<br />
(gegen&#252;ber der Printversion leicht ge&#228;ndert)</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2011/09/merkels-beitrag-zum-arabischen-fruhling/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Der Maulkorb muss weg!</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/07/der-maulkorb-muss-weg/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2011/07/der-maulkorb-muss-weg/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 24 Jul 2011 16:06:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=2483</guid>
		<description><![CDATA[von Angela Klein 25.Mai, Bundestag: In einer Aktuellen Stunde zum «Antisemitismus in der Linkspartei» h&#228;lt die gro&#223;e Koalition der Kriegsparteien [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Angela Klein</em><strong><br />
25.Mai, Bundestag:</strong> In einer Aktuellen Stunde zum «Antisemitismus in der Linkspartei» h&#228;lt die gro&#223;e Koalition der Kriegsparteien Scherbengericht &#252;ber Die Linke.«</p>
<p><span id="more-2483"></span>«Wer im Fernsehen die aktuelle Stunde im Bundestag auf Phoenix beobachten konnte, war Zeuge einer Party der Heuchelei, des Zynismus und der Arroganz», schreibt Abraham Melzer in der Zeitschrift <em>Semit</em>. «Er konnte sehen, wie die FDP, deren Tradition des echten Antisemitismus, n&#228;mlich des Hasses von Juden, nur weil sie Juden sind, B&#252;cher f&#252;llen k&#246;nnte, sich &#252;ber DIE LINKE hermacht, weil diese es wagt, Israels Politik zu kritisieren.</p>
<p>DIE LINKE, um die es ging, war wohl vollz&#228;hlig versammelt, von den anderen Parteien waren aber nur die unteren Chargen vertreten, diejenigen, die man sonst niemals h&#246;rt, weil sie unwichtig und unbedeutend sind. Bei der Inquisition waren sie aber dabei, sie wollen DIE LINKE auf dem Scheiterhaufen sehen, wie sie bei lebendigem Leib verbrennt. Anst&#228;ndige Parlamentarier sind zu diesem Autodafé nicht gekommen, weil sie sich auf das Broder-Niveau nicht herabbegeben wollten.»</p>
<p>Der rechte Parteifl&#252;gel sah die Chance zu einer Generalabrechnung gekommen: «Widerlich und ekelerregend» seien die Postionen der Parteilinken. Mehrere Abgeordnete wie auch deren Mitarbeiter h&#228;tten sich als unbelehrbar erwiesen. Die parlamentarische Gesch&#228;ftsf&#252;hrerin Dagmar Enkelmann schloss sogar arbeitsrechtliche Schritte gegen Mitarbeiter nicht aus: «Das muss Konsequenzen haben – bis zur Trennung.»</p>
<p>Und am 7.6. folgte der Maulkorberlass der Bundestagsfraktion: «Die Mitglieder der Bundestagsfraktion erkl&#228;ren&#8230;: Wir werden uns weder an Initiativen zum Nahost-Konflikt, die eine Ein-Staaten-L&#246;sung f&#252;r Pal&#228;stina und Israel fordern noch an Boykottaufrufen gegen israelische Produkte noch an der diesj&#228;hrigen Fahrt einer ‹Gaza-Flottille› beteiligen. Wir erwarten von unseren pers&#246;nlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den Fraktionsmitarbeiterinnen und Fraktionsmitarbeitern, sich f&#252;r diese Positionen einzusetzen.»</p>
<p>Mit dem Rammbock des Antisemitismusvorwurfs Positionen der Parteilinken zum Einsturz bringen, um die Partei auf dem Programmkongress und vor den n&#228;chsten Bundestagswahlen auf die rechte Linie zu bringen, das ist ganz offenkundig das Kalk&#252;l. Die Parteirechte hat auch gar kein Interesse an einer inhaltlichen Debatte &#252;ber die israelische Politik, ihr geht es – der Regierungsf&#228;higkeit halber – nur um das Durchpeitschen der deutschen Staatsr&#228;son. Und die fordert, dass Deutschland fest in die US-Au&#223;enpolitik eingebunden bleibt, die wiederum in Israel den wichtigsten Au&#223;enposten ihrer Interessen in der Region sieht – zumindest derzeit noch.</p>
<p>Es ist m&#252;&#223;ig, die (von der Parteirechten &#252;bernommenen) Anw&#252;rfe und Unterstellungen der gro&#223;en Kriegskoalition allein mit der Beteuerung abzuwehren, man sei doch «kein Antisemit». Des Pudels Kern ist ein ganz anderer: Nimmt man die behauptete Vergangenheitsbew&#228;ltigung eines Teils des deutschen B&#252;rgertums f&#252;r bare M&#252;nze? L&#228;sst man es der Koalition der Kriegstreiber durchgehen, dass unz&#228;hlige Juden, die nicht den israelischen Staat f&#252;r sich in Anspruch nehmen konnten oder wollten, bis heute keine Entsch&#228;digung erfahren haben – wie auch die Roma und Sinti, die Homosexuellen und Zwangsarbeiter, die Kommunisten und viele andere Verfolgte des Naziregimes?</p>
<p>L&#228;sst man es durchgehen, dass Wiedergutmachung f&#252;r die Naziverbrechen die perverse Form der Aufr&#252;stung eines Staates angenommen hat, der seinerseits nun die Universalit&#228;t der Menschenrechte leugnet und die einheimische Bev&#246;lkerung vertreibt? Sind das die Lehren des Holocaust? Oder war das nicht der bequemste Weg f&#252;r Altnazis sich reinzuwaschen?</p>
<p>Die Deutschen haben es sich einfach gemacht mit der Entsorgung der Judenfrage: Sie haben sie exportiert, haben das ungeliebte Volk auf die brutalst m&#246;gliche Weise in einen eigenen Staat abgeschoben und die Kosten f&#252;r ihre Judenfeindlichkeit den Pal&#228;stinensern aufgeb&#252;rdet. Wie sie heute die Fl&#252;chtlingsstr&#246;me auf Drittstaaten abw&#228;lzen. Von den Pal&#228;stinensern wird nun verlangt, dass sie ihr Existenzrecht dem der Juden opfern, weil die Nazis die Juden ausgerottet und alle anderen westlichen Staaten ihnen ein gleichberechtigtes Wohnrecht auf ihrem Territorium verwehrt haben.</p>
<p>Das ist Diktat &#252;ber Dritte, Leben auf Kosten anderer. Es ist das Herzst&#252;ck deutscher (Au&#223;en-)Politik. Und da gibt es keinen Bruch, sondern eine erschreckende Kontinuit&#228;t. Die Vergangenheit ist nicht bew&#228;ltigt, sie setzt sich fort, mit anderen Mitteln und angepasst an die ver&#228;nderten Bedingungen.</p>
<p>Wenn die gro&#223;e Koalition der Kriegsparteien den «Antisemitismus» gei&#223;elt, dann versteht sie darunter, man solle doch bitte sch&#246;n diesen Mantel der Verlogenheit nicht zerrei&#223;en und den Schmutz darunter hervorholen. Wenn die Linksfraktion nun aber beschlie&#223;t: «Rechtsextremismus und Antisemitismus haben in unserer Partei heute und niemals einen Platz», dann fehlt darin das Wesentliche – n&#228;mlich die Kritik an der deutschen Entsorgung der Vergangenheit und der Hinweis darauf, dass Linke unter Bek&#228;mpfung von Antisemitismus etwas anderes verstehen als alle anderen Bundestagsparteien.</p>
<p>Mindestens h&#228;tte man den Zusatz erwarten d&#252;rfen: «Denn sie verteidigt die Universalit&#228;t der Menschenrechte und bek&#228;mpft jede Form der Unterdr&#252;ckung von Menschen und V&#246;lkern». Der Maulkorb muss weg.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2011/07/der-maulkorb-muss-weg/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Lizenz zum T&#246;ten</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/05/lizenz-zum-toten/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2011/05/lizenz-zum-toten/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 28 May 2011 16:10:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=2450</guid>
		<description><![CDATA[von Angela Klein Am 1.Mai wurde Osama Bin Laden in seinem unbewachten Haus von einem Kommando von 79 US-Navy Seals [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Angela Klein</em><br />
Am 1.Mai wurde Osama Bin Laden in seinem unbewachten Haus von einem Kommando von 79 US-Navy Seals get&#246;tet, die per Hubschrauber auf pakistanisches Territorium eingedrungen waren.<br />
<span id="more-2450"></span>Aus den zahlreichen, zum Teil widerspr&#252;chlichen und widerrufenen Versionen, die die US-Administration dar&#252;ber in Umlauf setzte, geht am Ende zweifelsfrei hervor, dass die Operation eine geplante Hinrichtung war und dass sie zahlreiche V&#246;lkerrechtsnormen verletzt hat, angefangen bei der Invasion Pakistans.*</p>
<p>Bin Laden wurde im Schlaf &#252;berrascht und in Kopf und Brust geschossen. Nach Recherchen des Nahostexperten und fr&#252;heren Kriegsberichterstatters der US-amerikanischen Tageszeitung <em>Wall Street Journal</em>, Yogi Draezen, hat es «keinen Versuch gegeben, das unbewaffnete Opfer lebend zu ergreifen, was vermutlich mit 79 schwer bewaffneten M&#228;nnern m&#246;glich gewesen w&#228;re, da sie auf keinen Widerstand stie&#223;en – mit Ausnahme seiner Frau, die, ebenfalls unbewaffnet war, aber ‹in Notwehr› erschossen wurde, als sie ‹einen Satz nach vorn› tat».</p>
<p>Es scheint, dass Bin Laden keine Zeit gegeben wurde, sich zu ergeben, laut (Ex-)CIA-Chef Leon Panetta «hat sich alles innerhalb von Sekundenbruchteilen abgespielt». Draezen schreibt: «Die US-Regierung hat gegen&#252;ber dem geheimen Milit&#228;rkommando Joint Special Operation Command klargestellt, dass sie Bin Laden tot wollte, das berichtet ein US-Offizier a.D., der von den Diskussionen Kenntnis hatte. Ein weiterer hochrangiger Offizier, der zum &#220;berfall befragt wurde, wusste, dass der Auftrag nicht lautete, ihn lebend zu fangen … F&#252;r viele im Pentagon und beim CIA, die fast ein Jahrzehnt damit verbracht haben, Bin Laden zu jagen, war dessen T&#246;tung ein notwendiger und gerechtfertigter Akt der Rache.»*</p>
<p>Nach «erf&#252;llter Mission», die Obama im Kreis seiner Mitarbeiter live mit ansehen durfte, trat er vor die Presse und sprach: «Gerechtigkeit wurde ge&#252;bt.» 65 Jahre nach den N&#252;rnberger Prozessen und der Charta der Vereinten Nationen h&#228;lt die Rechtsauffassung des Alten Testaments wieder Einzug in die zwischenstaatlichen Beziehungen: Auge und Auge, Zahn um Zahn. Diesmal ganz offen, ohne die Verrenkungen konstruierter Zwischenf&#228;lle, Scheinangriffe der Gegenseite, vermeintlicher Rufe nach humanit&#228;rer Hilfe oder Verhinderung eines V&#246;lkermords.</p>
<p>Dazu Draezen: «Die Entscheidung, Bin Laden auf der Stelle zu t&#246;ten, ist bislang der deutlichste Beweis f&#252;r einen bislang wenig beachteten Aspekt der Konterterrorpolitik der Regierung Obamas. Die Regierung Bush hat Tausende verd&#228;chtiger K&#228;mpfer gefangengenommen und in Afghanistan, Irak und Guantánamo in Lager gesteckt. Die Obamaregierung aber verlegt sich darauf, individuelle Terroristen zu liquidieren, statt sie lebend zu fangen.»*</p>
<p>Das ist ein bedeutender Unterschied. W&#228;hrend Frau Merkel nicht von Gerechtigkeit, sondern von ihrer «Freude» dar&#252;ber sprach, dass Osama endlich get&#246;tet wurde, hat die Hinrichtung Osamas in weiten Teilen der internationalen &#214;ffentlichkeit Emp&#246;rung ausgel&#246;st.</p>
<p>In einem Kommentar auf seinem Blog zitiert Noam Chomsky den renommierten britischen Anwalt Geoffrey Robertson, der den US-Krieg in Afghanistan ausdr&#252;cklich unterst&#252;tzt: «Das Gesetz erlaubt, Verbrecher im Akt der Notwehr zu erschie&#223;en, wenn sie Widerstand gegen ihre Verhaftung leisten und damit ihre H&#228;scher in Gefahr bringen. Wenn m&#246;glich, muss ihnen erlaubt sein, sich zu ergeben, aber selbst wenn sie nicht mit erhobenen H&#228;nden herauskommen, m&#252;ssen sie lebend ergriffen werden, wenn dies ohne Risiko m&#246;glich ist. Es bedarf deshalb einer Erkl&#228;rung, wie es dazu kam, dass Bin Laden durch Kopfschuss erledigt wurde. Dasselbe gilt f&#252;r die ‹Seebestattung› ohne die vorherige Obduktion, die das Gesetz verlangt.»</p>
<p>Robertson weiter: «Das war nicht immer so. Als die Zeit gekommen war, &#252;ber das Schicksal der M&#228;nner nachzudenken, die viel tiefer im Dreck standen als Osama Bin Laden – namentlich die Nazif&#252;hrung –, wollte die britische Regierung sie innerhalb von sechs Stunden nach ihrer Festnahme h&#228;ngen sehen. Pr&#228;sident Truman erhob Einspruch, eine Hinrichtung im Schnellverfahren vertrage ‹sich nicht mit dem amerikanischen Gewissen und unsere Kindern w&#252;rden nicht mit Stolz daran zur&#252;ckdenken … Der einzige Weg ist, Schuld oder Unschuld des Angeklagten festzustellen, nach einer Anh&#246;rung, die so leidenschaftslos sein sollte, wie die Zeiten es erlauben, und auf einer Grundlage, die unser Urteil und unsere Motive begr&#252;ndet.›»*</p>
<p>Die N&#252;rnberger Prozesse haben V&#246;lkerrecht geschrieben. Der amerikanische Hauptanklagevertreter in N&#252;rnberg, Robert Jackson, stellte damals den Grundsatz auf: «Wenn gewisse Gewaltakte Verbrechen darstellen, dann sind es Verbrechen, gleich ob diese von den Vereinigen Staaten oder von Deutschland begangen werden. Wir sind nicht bereit, an andere einen Verbrechenskodex anzulegen, den wir nicht bereit w&#228;ren, auch auf uns selbst anwenden zu lassen.»</p>
<p>Mit der R&#252;ckkehr zum Faustrecht kehrt die Regierung Obama, unterst&#252;tzt von vielen anderen europ&#228;ischen Regierungen, die die «Rechtsstaatlichkeit» wie eine Monstranz vor sich hertragen, dem Grundsatz der Allgemeing&#252;ltigkeit von Rechtsnormen den R&#252;cken. Sie verwirkt damit allerdings auch den Anspruch, diese Grunds&#228;tze f&#252;r sich in Anspruch nehmen zu k&#246;nnen.</p>
<p>Bin Laden konnte eine direkte Beteiligung an den Anschl&#228;gen des 11.September nie nachgewiesen werden. Es blieb immer beim «Verdacht» und dem «Glauben» daran. Hingegen steht zweifelsfrei fest, dass Bush und seine Mitarbeiter das nach den Kriterien des V&#246;lkerrechts h&#246;chste internationale Verbrechen begingen, als sie die Invasion Afghanistans und des Irak befahlen.</p>
<p>Ihre Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof steht bis heute aus, w&#228;hrend ein Mann wie Gaddafi, der, bei allen Abscheulichkeiten, die er begangen hat, weder einen Angriffskrieg, noch einen V&#246;lkermord zu verantworten hat, umstandslos vor das Haager Tribunal gezerrt wird. Wir k&#246;nnen darauf wetten, dass die NATO auch in Libyen under cover alles unternimmt, um Gaddafi «gezielt zu t&#246;ten».</p>
<p>Quelle: <a href="http://www.theatlantic.com/politics/ archive/2011/05/goal-was-never-to-capture-bin-laden/238330">www.theatlantic.com/politics/ archive/2011/05/goal-was-never-to-capture-bin-laden/238330</a>.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2011/05/lizenz-zum-toten/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Nein zu Gaddafi, Nein zum Krieg</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/04/2643/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2011/04/2643/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 05 Apr 2011 12:46:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Libyen]]></category>
		<category><![CDATA[schlagwort1]]></category>
		<category><![CDATA[schlagwort2]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=2643</guid>
		<description><![CDATA[von Angela Klein Die Hauptkriegstreiber sitzen diesmal nicht in den USA, sondern in Europa: Vor allem die alten Kolonialm&#228;chte Frankreich, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Angela Klein</em></p>
<p>Die Hauptkriegstreiber sitzen diesmal nicht in den USA, sondern in Europa: Vor allem die alten Kolonialm&#228;chte Frankreich, Gro&#223;britannien und – nach einer spektakul&#228;ren Kehrtwende – auch Italien wittern ihre Chance, den Einfluss, den sie durch die Unabh&#228;ngigkeitsbewegungen der 50er Jahre verloren haben, wieder zur&#252;ckzugewinnen. <span id="more-2643"></span>Frankreich wollte schon im Januar losballern – damals noch auf der Seite des tunesischen Diktators («Wenn Sie unsere polizeiliche und milit&#228;rische Kompetenz brauchen, Herr Ali, m&#252;ssen Sie es nur sagen»). Von den Amerikanern zur&#252;ckgepfiffen, muss dem ungeduldigen Sarkozy die Sackgasse des libyschen B&#252;rgerkriegs wie ein Geschenk Allahs vorgekommen sein: Jetzt kann er dasselbe machen und darf sich daf&#252;r als Held und als Verteidiger der Werte der Franz&#246;sischen Revolution feiern lassen.</p>
<p>Der Wind der Geschichte hat sich gedreht, Gaddafis «beste Freunde», mit denen er die meisten Gesch&#228;fte gemacht hat, entpuppen sich als Opportunisten der Macht. Wen wundert’s. Doch ist dies ein Grund, ihnen den abgegriffenen Nickel ihrer Sch&#228;bigkeit mit dem Gold der «humanit&#228;ren Intervention» aufzuwiegen? Welche Glaubw&#252;rdigkeit haben sie noch – nach Kosovo, nach Irak und Afghanistan, nachdem all diese Interventionen viel gr&#246;&#223;eres Leid und unerme&#223;lich mehr Zerst&#246;rung &#252;ber die Menschen gebracht haben, als ihre eigenen Potentaten ihnen jemals zumuten konnten? Und geh&#246;ren Sarkozy und Berlusconi, oder auch der d&#228;nische NATO-Chef Fogh Rasmussen nicht zu den Rechtsau&#223;enpolitikern in Westeuropa, die die Unabh&#228;ngigkeit der Justiz attackieren, Fl&#252;chtlinge ins Meer treiben und die Vorst&#228;dte «mit dem K&#228;rcher» von Migranten s&#228;ubern? Ausgerechnet die sollen jetzt die Menschenrechte entdeckt haben?</p>
<p>Die Schlimmsten sind die Gutmenschen, sie verhelfen dem schn&#246;den Machtkampf um das libysche &#214;l zu moralischem Glanz. Frau Heidemarie Wieczorek-Zeul etwa, das linke Feigenblatt der Regierung Schr&#246;der, w&#228;re im Bundestag am liebsten pers&#246;nlich dem W&#252;stling in die Arme gefallen, nur um zu sagen: Welch eine Schande, dass Deutschland nicht an vorderster Front mit dabei ist. Sie sagt nicht: bei der Neuaufteilung der Machtsph&#228;ren, sie sagt: bei der Verhinderung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Ja, wenn sie doch konsequent w&#228;re in ihrer Moral und in einem Atemzug eine &#228;hnliche UN-Resolution auch f&#252;r Saudi-Arabien, Bahrain und den Yemen fordern w&#252;rde – da sind auch Despoten, die auf friedliche Demonstranten scharf schie&#223;en lassen und Forderungen nach freien Wahlen und einem parlamentarischen Regime geflissentlich &#252;berh&#246;ren. Aber da ist Washington vor, das geht nicht, man muss ja R&#252;cksichten nehmen…</p>
<p>In Libyen gibt es zwar ein UN-Mandat f&#252;r den Krieg, er ist trotzdem v&#246;lkerrechtswidrig: Denn Gaddafi, so erkl&#228;rt Richard Falk, Sonderbeauftragter des UN-Menschenrechtsrates, ist immer noch im Amt, er ist nicht «total isoliert», wie Tom Koenigs, Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses im Bundestag behauptet. Er hat im Gegenteil seinen engeren Machtbereich so sehr unter Kontrolle, dass es den Aufst&#228;ndischen nicht gelungen ist, in dieses Revier einzubrechen. Das Land ist gespalten – das ist etwas anderes. Die jetzt Krieg f&#252;hrenden Staaten ergreifen Partei in einem B&#252;rgerkrieg, das d&#252;rfen sie laut V&#246;lkerrecht nicht. Mit milit&#228;rischen Mitteln intervenieren d&#252;rften sie nur, wenn es einen Genozid gegeben h&#228;tte, den gab es nicht.</p>
<p>Dann gibt es noch die, die sich ehrliche Illusionen machen, zwei an der Zahl:</p>
<p>Die Illusion, so ein Kampfbomber oder Marschflugk&#246;rper (der ist sogar unbemannt, die Amis gehen kein Risiko ein), wirft eine kleine, saubere Bombe sch&#246;n abgezirkelt &#252;ber Gaddafis Stellungen ab, nimmt ihm die Waffen weg und, haste nicht gesehn, ist der Mann entmachtet. Abrakadabra. Man kann das die Illusion in die Technik nennen, mit deren Kollateralsch&#228;den verh&#228;lt es sich wie mit dem Restrisiko bei der Atomkraft. Bombardiert wird das dicht besiedelte Tripolis, Menschenrechtsorganisationen klagen jetzt schon &#252;ber eine hohe Zahl an zivilen Opfern. Und nat&#252;rlich ist «regime change» das Ziel – allen offiziellen Behauptungen zum Trotz, auch Gaddafis Residenz wurde bombardiert.</p>
<p>Die zweite ist die Illusion in die T&#228;ter, und jetzt schauen wir uns die Sache mal durch die Brille der Aufst&#228;ndischen an: Haben sie nicht die Flugverbotszone gefordert? M&#252;ssen wir ihnen nicht beistehen? Ja, wir m&#252;ssen, sie hatten recht, sich gegen Gaddafi zu erheben, die Rechtm&#228;&#223;igkeit ihrer Forderungen hat sich nicht in Luft aufgel&#246;st, nur weil imperialistische M&#228;chte jetzt ins Geschehen eingegriffen haben. Aber mussten wir damit so lange warten, bis die Opposition in die Ecke gedr&#228;ngt war und kurz vor ihrer Niederlage stand? Seit einem Monat ist der B&#252;rgerkrieg im Gang, wo waren da die Konvois, die sie von &#196;gypten aus mit modernen Waffen versorgt h&#228;tten, als sie immer weiter nach Westen vordrangen? K&#228;mpfer haben sie genug, haben die Rebellen immer wieder gesagt, es fehlen ihnen die Waffen. Da hat sich der Westen aber geziert: Wir wissen ja gar nicht, wer die &#220;bergangsregierung ist… Und hat seelenruhig zugewartet, bis die Schlacht fast verloren war.</p>
<p>Den Krieg entscheidet, wer die Waffen f&#252;hrt. H&#228;tten die Rebellen den Kampf bis zu Ende durchfechten k&#246;nnen, h&#228;tten sie ihr weiteres Geschick allein bestimmt. Der Westen h&#228;tte ihnen mit Waffen geholfen, aber nichts daf&#252;r bekommen. Seit die Geschichte eine von Klassenk&#228;mpfen ist, gibt es so etwas nicht, gibt es keine selbstlose Hilfe aus «humanit&#228;ren Gr&#252;nden». Da ist das lange Z&#246;gern, das am Ende ein umso massiveres milit&#228;risches Aufgebot notwendig macht, kein Mangel an Moral oder Menschlichkeit, sondern ein nachvollziehbares Kalk&#252;l: Wenn du nicht mehr kannst, &#252;bernehm ich dein Spiel, ich trete in deine Fu&#223;stapfen, aber zu meinen Konditionen. Du hast nichts mehr zu sagen.</p>
<p>Die Aufst&#228;ndischen sind ihres Aufstands enteignet worden, man hat ihnen das Heft aus der Hand genommen. Um Gaddafi zu entfernen, nat&#252;rlich. Aber auch deshalb, weil damit zum erstenmal die Seuche der arabischen Revolution gestoppt werden konnte. Von nun an marschiert die Konterrevolution.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2011/04/2643/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Freiheit, Arbeit, W&#252;rde</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/03/freiheit-arbeit-wuerde/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2011/03/freiheit-arbeit-wuerde/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 16:01:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=2132</guid>
		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2011/03/freiheit-arbeit-wuerde/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Das neue deutsche Wirtschaftswunder</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/02/das-neue-deutsche-wirtschaftswunder/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2011/02/das-neue-deutsche-wirtschaftswunder/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 02 Feb 2011 13:59:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=1888</guid>
		<description><![CDATA[Miese Jobs und Hungerl&#246;hne von Angela Klein So schlank sind wir noch durch keine Krise gekommen, schon gar nicht durch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- pre.western { font-family: "Garuda"; }pre.cjk { font-family: "DejaVu Sans",monospace; }p { margin-bottom: 0.21cm; } --><strong>Miese Jobs und Hungerl&#246;hne</strong><br />
<em>von Angela Klein</em><br />
So schlank sind wir noch durch keine Krise gekommen, schon gar nicht durch eine Weltwirtschaftskrise. Die Zahl der Erwerbslosen ist ein bisschen gestiegen, die der Erwerbst&#228;tigen ein bisschen gesunken. Und schon geht es wieder aufw&#228;rts.</p>
<p><span id="more-1888"></span>Regierung und Wirtschaft k&#246;nnen sich in ihrer Orientierung auf den Export best&#228;tigt f&#252;hlen. Die spektakul&#228;ren Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 3,6% im vergangenen Jahr zahlten vor allem die BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China) – also einerseits rohstoffstarke L&#228;nder, andererseits China, das im November 2008 ein Konjunkturprogramm &#252;ber 390 Mrd. Euro aufgelegt hatte und  damit als Lokomotive f&#252;r den s&#252;dostasiatischen Raum wirkte. Die deutsche Warenausfuhr nach Brasilien hat 2010 um 61,3%, die nach China um 55,5% und nach Russland um 18,3% zugenommen. Der Exportaufschwung machte ein Drittel der wirtschaftlichen Erholung aus; den Rest besorgten die Abwrackpr&#228;mie und das Konjunkturprogramm – also ganz und gar keynesianische Instrumente.</p>
<p>Sozialpartnerschaftliche Ma&#223;nahmen waren es auch, die f&#252;r eine relative Ruhe auf dem Arbeitsmarkt sorgten – so die Kurzarbeiterregelung (der Arbeitgeberanteil an den Sozialabgaben wurde aus &#246;ffentlichen Kassen bezahlt). Das Gewerkschaftsinstitut WSI f&#252;hrt die Vermeidung einer gr&#246;&#223;eren Welle neuer Arbeitslosigkeit auch auf die Praxis der Tarifvertr&#228;ge zur „Besch&#228;ftigungssicherung»  zur&#252;ck, die in den 90er Jahren eingesetzt hat und immer mehr um sich greift; sie sehen vor, dass bei auftragsschwacher Lage ein Betrieb die Arbeitszeit (in der Regel) ohne Lohnausgleich verk&#252;rzen kann. Allerdings sieht sich das Institut nicht in der Lage, deren tats&#228;chliche Auswirkungen zu messen. Schlie&#223;lich hat auch die Flexibilisierung der Arbeitszeit positiv gewirkt: Die Arbeitszeitkonten wurden leerger&#228;umt und Arbeitszeitschulden aufgebaut, die im Aufschwung wieder abgearbeitet werden. Die sozialpartnerschaftlich orientierten Gewerkschaften m&#252;ssen sich also in ihrem Kurs – Besch&#228;ftigungssicherung gegen Lohnverzicht und weitere Ausklammerung der Frage der Arbeitszeitverk&#252;rzung – best&#228;tigt f&#252;hlen.</p>
<p>Das sind schlechte Zeiten f&#252;r Sozialproteste. Wenn die «sozialen Sto&#223;d&#228;mpfer» (wie man in Italien sagt) wirken, zieht man den Kopf ein und ist froh, wenn der Kelch an einem vor&#252;bergeht. Die Angst im Bauch bleibt trotzdem und das dumpfe Gef&#252;hl, dass es eigentlich nicht sein kann, dass ringsumher der Spartsunami w&#252;tet mit Massenentlassungen und Lohnk&#252;rzungen und wir bleiben als einzige davon verschont. Doch Angst l&#246;st noch kein Protestverhalten aus.<br />
Interessanterweise gab es eine Ausnahme, das war die Demonstration in N&#252;rnberg. Ihre 35000 Teilnehmenden kamen f&#252;r alle &#252;berraschend, vor allem f&#252;r die Organisatoren, die IG Metall. In S&#252;ddeutschland erkl&#228;rt man sich das so: Hier war Arbeitslosigkeit und Armut bislang noch kaum ein Thema, von einzelnen Regionen abgesehen. Die Krise von 2008 hat das Gebiet erstmals fl&#228;chendeckend mit der Gefahr des Absturzes konfrontiert – man denke nur an die Bef&#252;rchtungen der IG Metall Baden-W&#252;rttemberg, der wirtschaftliche Einbruch werde zu einer Pleitewelle f&#252;r die Klein- und Mittelbetriebe auf der Schw&#228;bischen Alb f&#252;hren. Die massive Teilnahme an der N&#252;rnberger Demonstration bringt diese Furcht und die Auflehnung dagegen zum Ausdruck, die Position eines sicheren und immer noch gut entlohnten Arbeitsplatzes dauerhaft r&#228;umen zu sollen und sich auf den Weg der Prekarisierung begeben zu m&#252;ssen, den der Rest der Republik schon seit langem geht.</p>
<p>Diejenigen, die tats&#228;chlich die Krise bezahlt haben, waren die Leiharbeiter; ein Drittel des deutschen Einstellungswunders geht auf ihr Konto. Doch sie sind kaum gewerkschaftlich organisiert, haben h&#228;ufig keine kontinuierliche Anstellung, wodurch sie nicht in den Genuss von Arbeitslosengeld I kommen, und bilden die gr&#246;&#223;te Gruppe der «Aufstocker» in Hartz IV.<br />
Auch die Erwerbslosen hatten und haben Veranlassung, auf die Stra&#223;e zu gehen, denn die Hartz-Reform, die Frau von der Leyen auf den Weg gebracht hat, bedeutet unter dem Strich erhebliche Einbu&#223;en. Der Preis f&#252;r das neue deutsche Besch&#228;ftigungswunder liegt hier: bei den Leiharbeitern, der Ausweitung des Niedriglohnsektors, einer zunehmenden Schar von Unterbesch&#228;ftigten und der sp&#252;rbaren Zunahme der Armut. Im Ausbau des Niedriglohnsektors ist Deutschland Europameister: ein Schalk, wer da einen Zusammenhang mit der Exportorientierung sieht.</p>
<p>Diese Mechanismen der Krisenbew&#228;ltigung sind jedoch &#228;u&#223;erst kurzatmig. Die Abwrackpr&#228;mie war eine Absage an die verk&#252;ndeten Klimaziele der Bundesregierung; das Konjunkturprogramm hat es sich versagt, &#246;kologisch und sozial richtungsweisend zu wirken. Die Orientierung auf den Export bleibt eine Sackgasse, sie h&#228;ngt zu sehr am seidenen Faden und schafft &#252;berdies gro&#223;e Ungleichgewichte. Die Prognosen f&#252;r das laufende und das kommende Jahr sind in diesem Bereich dazu schon wieder r&#252;ckl&#228;ufig.</p>
<p>Das kurze Jahr des Keynesianismus ist &#252;berdies schon wieder vorbei: Die Krise des Euro hat der Bundesregierung den willkommenen Vorwand f&#252;r einen Kurswechsel Richtung Schuldenbremse und Sparen geliefert. Nein, die Krise ist nicht vorbei, das dicke Ende, so steht zu bef&#252;rchten, kommt noch.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2011/02/das-neue-deutsche-wirtschaftswunder/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Herbst in Europa</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/12/herbst-in-europa/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2010/12/herbst-in-europa/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 08 Dec 2010 14:16:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=1814</guid>
		<description><![CDATA[Der gro&#223;e Brand ist ausgeblieben von Angela Klein Die Wut ist &#252;berall, mal stiller, mal lauter. Wie eine Kugel irrlichternder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der gro&#223;e Brand ist ausgeblieben</strong><br />
<em>von Angela Klein</em></p>
<p>Die Wut ist &#252;berall, mal stiller, mal lauter. Wie eine Kugel irrlichternder Funken rast sie durchs europ&#228;ische Unterholz, legt hier und dort Br&#228;nde, wie in Frankreich oder zuletzt die Studierenden in England. Die Ablehnung der Sparorgien, die den Kontinent verw&#252;sten, ist einhellig. Doch die Funken springen nicht &#252;ber. Warum?<br />
<span id="more-1814"></span>Es liegt in diesem Protest eine Hilflosigkeit. Zum Teil ist sie der Tatsache geschuldet, dass l&#228;ngst nicht alle, die die Sparpakete ablehnen, auch die Bankenrettungspakete ablehnen. Die sozialdemokratischen Parteien und die von ihnen beeinflussten Gewerkschaften jedenfalls haben etwas an den Modalit&#228;ten auszusetzen, nicht an der Tatsache der Bankenrettung an sich.</p>
<p>Ein Teil der Hilflosigkeit liegt auch darin begr&#252;ndet, dass der Adressat der Proteste nicht mehr allein die nationalen Regierungen sein k&#246;nnen, sondern der Verbund der Regierungen der Eurozone und die Institutionen der EU. Denn die unmittelbare Krisenl&#246;sung – Geld in den Markt pumpen, um eine Kettenreaktion von Banken- und Firmenzusammenbr&#252;chen zu verhindern –, konnte nur auf europ&#228;ischer Ebene vereinbart werden.</p>
<p>Hatten die Griechen oder die Iren eine andere Wahl, als das Paket anzunehmen? Was w&#228;re passiert, wenn sie das vergiftete Geschenk abgelehnt und sich geweigert h&#228;tten, die Staatsschulden zu bedienen? Nun, dann s&#228;&#223;en ihnen jetzt die deutschen oder britischen Gl&#228;ubiger im Nacken. Sie w&#252;rden alle Zwangsinstrumente mobilisieren, die der gemeinsame institutionelle Rahmen der EU hergibt: nicht nur den Stabilit&#228;tspakt und die Gnade der Kreditgew&#228;hrung durch einen Rettungsfonds der Mitgliedstaaten oder die EZB, auch den Verlust der Stimmrechte; wirtschaftliche Sanktionen, bis hin zur Verweigerung weiterer Kredite; und Kapitalflucht nat&#252;rlich – gegen die in einem gemeinsamen W&#228;hrungsraum kein Kraut gewachsen ist.</p>
<p>Wenn es aber so ist, dass Staaten durch die Schuldenkrise ihre Souver&#228;nit&#228;t und politische Handlungsf&#228;higkeit verlieren, ist es dann nicht besser, sie treten aus der Eurozone aus?<br />
Solche Stimmen werden lauter, und es scheinen eher die sog. Kernl&#228;nder, Deutschland und Frankreich zu sein, wo sie sich entwickeln.</p>
<p>In Deutschland bereiten Kampagnen wie die von Bild – «Wir zahlen nicht f&#252;r die Griechen» – den Boden vor f&#252;r eine andere Kampagne, die noch untergr&#252;ndig schwelt, aber um so plausibler werden wird, je mehr die bisherige Strategie der Krisenl&#246;sung an ihre Grenzen st&#246;&#223;t: «Raus aus dem Euro! Wir wollen nicht mehr die Zahlmeister Europas sein!»</p>
<p>In Frankreich ist die Abspaltung von Attac, die um Jacques Nikonoff eine eigene politische Organisation gegr&#252;ndet hat (Mouvement politique d’éducation populaire), mit einem «Appell der 1000» an die &#214;ffentlichkeit getreten, der im Namen der Souver&#228;nit&#228;t dasselbe fordert. Noch sind das Minderheiten, und da das Finanzkapital an einer Preisgabe des Euro kein Interesse hat, ist die Gefahr, dass eine populistische Rechte sich dieses Schlachtrufs mit gro&#223;em Erfolg bem&#228;chtigen kann, begrenzt – sofern der Euro nicht zerf&#228;llt, was allerdings nicht auszuschlie&#223;en ist.</p>
<p>Doch die Losung stiftet auf der Linken Verwirrung. Sie argumentiert national, sucht Verb&#252;ndete im «nationalen» (auf den Binnenmarkt orientierten) Kapital und blendet den Klassencharakter der Auseinandersetzung um die Krisenursachen und ihre Bek&#228;mpfung aus. Sie bem&#228;chtigt sich des Arguments der Demokratie und behauptet: Im Nationalstaat kann man Demokratie haben, in einem supranationalen Verbund nicht.</p>
<p>Daran ist nur richtig, dass die EU, so wie sie heute verfasst ist, ausschlie&#223;lich ein Instrument der Banken und Konzerne ist und mit zunehmender Versch&#228;rfung der Krise die Tendenz w&#228;chst, die Rechte der nationalen Parlamente zugunsten einer Despotie des Verbunds der nationalen Exekutiven auszuhebeln. Das Argument &#252;bersieht aber, dass auch die nationalen Parlamente l&#228;ngst in die F&#228;nge der Lobbyorganisationen der Wirtschaft geraten sind, die in den vergangenen Jahren stets daf&#252;r gesorgt haben, dass eben diese nationalen Parlamente der Beschneidung ihrer Rechte durch das Konstrukt EU jeweils mit gro&#223;er Mehrheit zugestimmt haben (zuletzt bei der Annahme des Lissabon-Vertrags).</p>
<p>Die Parole «Raus aus der EU» behauptet, der Nationalstaat sei an sich die demokratischere Einrichtung. Die europ&#228;ische Geschichte des 20.Jahrhunderts widerlegt das. In Europa hat sich der Nationalstaat &#252;berlebt: F&#252;r das B&#252;rgertum ist er kein ausreichender Rahmen mehr, und das Proletariat hatte eh nie ein Vaterland. Was Demokratie und Volkssouver&#228;nit&#228;t sein kann, muss neu dekliniert werden – und das auf allen Ebenen, angefangen bei der kommunalen bis hin zur europ&#228;ischen. Und zwar in einer Weise, dass der soziale Zusammenhang und die demokratischen Rechte auf allen Ebenen gest&#228;rkt, und nicht nationale Ressentiments gegeneinander aufgebaut werden.</p>
<p>Nun wird jede Politik, die versucht, das Kreditwesen dem privaten Gewinnstreben wieder zu entziehen und in &#246;ffentliches Eigentum zu &#252;berf&#252;hren, von «den M&#228;rkten» und den EU-Institutionen mit den oben genannten Zwangsinstrumenten traktiert werden – niemand kann davon ausgehen, dass es in allen L&#228;nder Europas gleichzeitig einen Aufstand gibt.</p>
<p>Die Orientierung «Raus aus der EU» f&#252;hrt jedoch in die Isolation. Soziale Proteste und Kampagnen wie die um die Rente, die &#246;ffentliche Daseinsvorsorge oder auch die Ablehnung illegitimer Schuldendienste hingegen lassen sich europaweit vernetzen. Soziale Bewegungen m&#252;ssen europ&#228;ische Handlungsf&#228;higkeit gewinnen; auf einer solchen Basis lassen sich auch soziale und demokratische Alternativen zur bestehenden EU entwickeln.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2010/12/herbst-in-europa/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

