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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Neue Ausgabe</title>
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		<title>Verwirrung links: Solidarit&#228;t mit wem?</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:54:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Linke]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
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		<description><![CDATA[von Arno Kl&#246;nne Einmal mehr ist die Partei Die Linke unter massenmedialen Beschuss und in qu&#228;lende innere Konflikte geraten: Einige [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von <em>Arno Kl&#246;nne</em></p>
<p>Einmal mehr ist die Partei Die Linke unter massenmedialen Beschuss und in qu&#228;lende innere Konflikte geraten: Einige ihrer Bundestagsabgeordneten haben einen Aufruf unterzeichnet, &#252;ber den &#252;berall in der Presse und in den Online-Gazetten zu lesen war, erdr&#252;cke «Solidarit&#228;t mit dem m&#246;rderischen Assad-Regime und der iranischen Diktatur» aus.</p>
<p><span id="more-3971"></span>Etliche Kommentare, so in der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau, f&#252;gten auch gleich hinzu, hier habe man es mit einer «Fortsetzung linken antisemitischen Treibens» zu tun.<br />
Wie gewohnt reagierten manche Politike aus der F&#252;hrungsetage der LINKEN ver&#228;ngstigt und taktisch, und in linken Internetforen brach wieder einmal eine zumeist verwirrende, mit gegenseitigen Beschimpfungen angereicherte Debatte zwischen den Fraktion&#228;ren aus. Werner Pirker begab sich in der jungen Welt auf publizistische Trotzkistenjagd, weil die Bundestagsabgeordnete Christine Buchholz zwar dem Appell gegen NATO-Interventionismus zugestimmt, gleichzeitig aber Nein zum Assad-Regime gesagt hat. Und im Deutschen Bundestag wurde DIE LINKE wieder einmal als «diktaturfreundlich» entlarvt, aus «Sorge um das syrische Volk», was die meisten Abgeordneten allerdings nicht daran hinderte, dieser aktuellen Stunde fernzubleiben, denn in Wahrheit ging es ja um nichts anderes als darum, den Medien Stoff zu liefern f&#252;r eine Verteufelung der Linken.<br />
Angeheizt wurde die &#246;ffentliche Aufregung durch jenen Arbeitskreis in der Linksjugend-Solid, der seltsamerweise unter dem Namen «Shalom» auftritt und zum Ziel hat, die LINKE von, wie er meint, «antiamerikanischen» und «antiisraelischen» Tendenzen zu reinigen.</p>
<p>Der erw&#228;hnte Aufruf ist &#252;berschrieben: «Kriegsvorbereitungen stoppen! Embargos beenden! Solidarit&#228;t mit den V&#246;lkern Irans und Syriens!» Beifallsbekundungen oder Sympathieerkl&#228;rungen f&#252;r Assad oder einen der «F&#252;hrer» des iranischen Staates sind im Text nicht enthalten. Dass fast alle Medien ihm diese andichteten, war Routine; der propagandistische Kampf gegen die Linke, nicht nur gegen die Linkspartei, ist Teil des diskurspolitischen Alltagsgesch&#228;fts hierzulande, da m&#246;gen einige Spitzenleute der Linkspartei sich noch so sehr um gn&#228;dige Behandlung bem&#252;hen. Und Teil dieser k&#228;mpferischen Anstrengungen ist es, Streit in die Linke selbst hineinzubringen, eine Partei wie die LINKE dahin zu dr&#228;ngen, dass sie sich an inneren Gegens&#228;tzen zerreibt. So etwas geh&#246;rt einfach dazu.</p>
<p>Allerdings hat der Text des Aufrufs es dessen demagogischen Verwertern bequem gemacht, und – weitaus wichtiger noch, weil es die Verst&#228;ndigung innerhalb der Linken selbst betrifft: Es wird darin nicht gesagt, was denn «Solidarit&#228;t mit den V&#246;lkern Irans und Syriens» gesellschaftspolitisch bedeutet.<br />
Das Volk als «Volksgemeinschaft» gibt es auch dort nicht, das w&#228;re eine die Realit&#228;t verschleiernde Deutung, es existieren auch in diesen L&#228;ndern harte Konflikte zwischen sozialen Klassen, zwischen Herrschaftscliquen und Unterdr&#252;ckten. Auf «ethnisierende» Ablenkungen wird im Aufruf immerhin hingewiesen; aber f&#252;r welche sozialen und politischen Perspektiven in den Gesellschaften des Nahen Ostens ergreift er denn international Partei?<br />
Im Mittelpunkt des Aufrufs steht der Appell, «der Kriegspolitik entgegenzutreten», mitsamt dem Embargo als kriegsvorbereitender Ma&#223;nahme (wie sie ja auch vor dem Irakkrieg eingesetzt wurde). Diese Aufforderung ist richtig und notwendig, freilich sollte man sie nicht an die deutsche Bundesregierung adressieren, denn die hat sich ja prinzipiell f&#252;r den weltweiten milit&#228;rischen Interventionismus entschieden.<br />
Es geht vielmehr darum, den Protest in der &#214;ffentlichkeit auszuweiten und kr&#228;ftiger zu machen, nur Druck «von unten» bewirkt hier etwas. Noch bewegt sich die Bewegung gegen die Kriegspolitik zu wenig. Da ist viel zu tun. Aber gen&#252;gt es, sich gegen die in Vorbereitung befindlichen Milit&#228;rschl&#228;ge von NATO-Staaten zu wenden und «Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten» (so der Aufruf) zu fordern?<br />
Die Linke ist keine staatliche Institution. Sie ist gesellschaftliche Opposition. Ihre Sache ist es, beides zugleich &#246;ffentlich zum Ausdruck zu bringen: Widerstand gegen die globale, von &#246;konomischen und geopolitischen Machtinteressen gesteuerte, die Sorge um Menschenrechte nur vorschiebende Kriegmacherei – und Solidarit&#228;t mit all denjenigen, die in ihrem eigenen Lande den m&#252;hsamen Weg politischer und sozialer Emanzipation gehen wollen, im Konflikt mit dem herrschenden Regime.</p>
<p>&#220;brigens ist zum Fall Syrien auch klarzustellen: Die dortigen Machthaber konnten, bis sich die politisch-strategische Lage in Nordafrika und im Nahen Osten ver&#228;nderte, durchaus mit freundlichem Interesse von Regierungen des «Westens» rechnen. Auch die deutsche Bundesregierung mitsamt ihrem Geheimdienst pflegte Beziehungen zum Assad-Regime, das «R&#252;ck&#252;bernahmeabkommen», gegen syrische Asylsuchende gerichtet, zeugt davon.</p>
<p>Noch eine Bemerkung zum Arbeitskreis von «solid», der sich «Shalom» nennt: Was auch immer ihn motivieren mag, in seiner Funktion dient er der Verinnerlichung der Doktrin des weltweiten Zugriffs von NATO-Staaten, speziell im linken Diskurs. Dass es «antiamerikanisch» und «antiisraelisch» sei , sich gegen diese Kriegspolitik zu wenden, ist begrifflicher Trug, es sei denn, man setzt die Gesellschaften der USA und Israels mit den Interessen ihrer Machteliten gleich. Das w&#228;re «volksgemeinschaftlicher» Lug – mit linksjugendlichem Anspruch eigentlich nicht vereinbar.<br />
Immer mehr Menschen haben in den USA sozialmateriell, in Israel auch im Hinblick auf die Stellung ihres Landes in der Nahostregion, darunter zu leiden, dass ihre Regierungen auf internationale Gewalt setzen. Mit Bellizismus, der sich «links» gibt, ist ihnen nicht geholfen. Auch keinem der Unterdr&#252;ckten, der politisch und sozial Aufbegehrenden, nicht in Syrien und im Iran, und nirgendwo sonst.</p>
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		<title>Das Bellen der Kriegshunde</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:52:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Startseite]]></category>

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		<description><![CDATA[von Tom Hayden In den letzten zehn Jahren war der Autor skeptisch bez&#252;glich eines m&#246;glichen Krieges mit dem Iran. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von <em>Tom Hayden</em></p>
<p>In den letzten zehn Jahren war der Autor skeptisch bez&#252;glich eines m&#246;glichen Krieges mit dem Iran. Die potenziellen Kosten &#252;berwogen den Nutzen. Nun, da das Wahljahr 2012 seinen Lauf nimmt, bin ich nicht sicher. Die politischen und geopolitischen Dynamiken unterstreichen ein steigendes Kriegsrisiko.<br />
<span id="more-3969"></span>Barack Obama will keineswegs einen Luftangriff gegen den Iran – weder gef&#252;hrt von den Israelis noch von amerikanischer Seite noch von den Israelis mit amerikanischer Unterst&#252;tzung. Obama kann nicht noch einen Krieg gebrauchen – mit unbekannten Kosten und Konsequenzen.<br />
Pr&#228;sidenten sind jedoch nicht allm&#228;chtig und Obama k&#246;nnte gezwungen sein, seine Zustimmung zu einem Krieg zu geben, wenn es keine signifikant st&#228;rkere &#246;ffentliche Opposition dagegen gibt. Trita Parsi, Direktorin des National Iranian American Council sagte am 12.Januar gegen&#252;ber DemocracyNow, einem t&#228;glichen TV- und Radioprogramm im Internet: «Wir k&#246;nnten sehr wohl in eine Situation geraten, in der die Dynamik der Ereignisse die Regierungen kontrolliert, statt umgekehrt &#8230; das k&#246;nnte in einen richtigen Krieg ausarten.»</p>
<p><strong>Die Dynamiken</strong></p>
<p>Es gibt verschiedene Dynamiken auf verschiedenen Ebenen.<br />
Erstens haben die israelische Regierung und die m&#228;chtige Israel-Lobby [in den USA] bei ihrer Einsch&#228;tzung der arabischen Revolution in &#196;gypten und dar&#252;ber hinaus gro&#223;e Sorge, dass die Zeit gegen sie arbeitet. Sie sehen in den diplomatischen Bem&#252;hungen der Pal&#228;stinenser um ihre Anerkennung durch die UNO eine t&#246;dliche Gefahr und haben alles nur M&#246;gliche getan, um Obama zu dr&#228;ngen, dass er mit einem Veto gegen den pal&#228;stinensischen Antrag droht. Das war eine &#220;berreaktion, die den amerikanischen Interessen zuwider lief und die Obama-Regierung ziemlich vom Rest der Welt isolierte. Die Androhung eines Vetos spielte all denen in der pal&#228;stinensischen und islamischen Welt in die H&#228;nde, die glauben, dass der bewaffnete Kampf der einzig m&#246;gliche Weg ist.</p>
<p>Zweitens wei&#223; die israelische Lobby bereits, dass Obama zuhause, was diese Fragen anbelangt, isoliert ist, zumindest im Kongress. Unter diesem Druck ist Obama von seiner Forderung abger&#252;ckt, den Siedlungsbau zu beenden. Progressivere Berater wie Chas Freeman oder George Mitchell wurden entweder aus ihren Positionen gedr&#228;ngt oder haben frustriert abgedankt.</p>
<p>Drittens waren die Iraner nicht sehr behilflich, falls sie das jemals sein wollten. Sie best&#228;rken immer wieder diejenigen, die sie als irrationale, instabile, fundamentalistische und theokratische Extremisten darstellen. Jedwede Vorstellung, sie k&#246;nnten rationale Akteure in einer anhaltenden Krise sein, entpuppt sich als Torheit. Diese Krise begann mit der Beseitigung ihrer demokratischen Regierung durch die USA im Jahr 1954 und setzt sich heute t&#228;glich fort mit der erneuten Drohung mit einem Regimewechsel – in einer Situation, in der die Israelis zuhauf Nuklearwaffen haben, die sie bereit sind einzusetzen.</p>
<p>Viertens – und das ist zur Zeit am wichtigsten – benutzt die israelische Lobby die Republikaner als trojanisches Pferd. Mitt Romney ist ein ehemaliger Gesch&#228;ftspartner von Israels Staatspr&#228;sident Benjamin Netanyahu. Und wenn die Romney-Netanyahu-Allianz nicht klappt, gibt es immer noch Newt Gingrich, der die Pal&#228;stinenser als «erfundenes Volk» bezeichnet, um noch mehr Millionen von seinem Hauptfinancier Sheldon Adelson zu ergattern, der in Las Vegas Casinos betreibt und ein enger Verb&#252;ndeter Netanjahus ist.<br />
Adelson behauptet, dass die Pal&#228;stinenser kein historisches Recht haben, einen Staat zu bilden. Gerade hat er Newt Gingrich mit einer 5-Millionen-Dollar-Spritze bei den Vorwahlen in South Carolina gerettet – zus&#228;tzlich zu den Millionen, die er ihm schon zuvor gespendet hatte: Allein im Jahr 2006 gab er den Gingrich-Komitees 7 Millionen Dollar. Adelson hat in diesem Monat nicht nur Gingrich gerettet, seinen freien Zeitung in Israel wird nachgesagt, dass sie auch Netanyahu gerettet haben.<br />
F&#252;nftens hat Matthew Kroenig in der j&#252;ngsten Ausgabe des US-Magazins Foreign Policy unter dem Titel «Time to Strike Iran» (Zeit, den Iran anzugreifen) eine weitere Begr&#252;ndung geliefert. Koenig war bis letzten Juli Obamas Sonderberater f&#252;r den Iran im Pentagon.</p>
<p><strong>Die Kriegstreiber</strong></p>
<p>F&#252;r Kroenig ist die am wenigsten schlechte Variante die, wenn die USA, und nicht Israel, den Iran angreifen. Er meint, das Ziel sollte nicht «Regime change» sein, sondern lediglich die vorsichtige Zerst&#246;rung der nuklearen Standorte. Er versichert, ein Angriff auf die Nuklearanlagen in Natanz mit einer 30000-Pfund-Bombe, die Bunker durchschl&#228;gt, k&#246;nne so vorsichtig durchgef&#252;hrt werden, dass Teheran darauf nicht mit der Schlie&#223;ung der Strasse von Hormus oder mit einem Raketenangriff auf europ&#228;ische St&#228;dte reagieren wird. Die USA sollten dem Iran versichern, dass Amerika kein Interesse daran hat, seine Regierung zu st&#252;rzen, sondern lediglich daran, seine Anlagen zu zerst&#246;ren.<br />
Das klingt gut. Aber wenn die USA jetzt schon die iranische F&#252;hrung als irrational bezeichnen, warum sollte Teheran dann vern&#252;nftiger werden, nachdem Natanz, Isfahan und Arak sowie Anlagen f&#252;r den Bau von Zentrifugen in der N&#228;he von Teheran angegriffen wurden (die Liste dieser Ziele stammt von Kroenig)?</p>
<p>Mit fortschreitendem Pr&#228;sidentschaftswahljahr wird Obama von Romney oder Gingrich zunehmend unter Druck gesetzt werden, gest&#252;tzt von den Neocons und israelischen Falken, flankiert von Kommentaren in den Massenmedien &#252;ber Irans angeblich drohenden Absichten. Und ganz im Hintergrund lauern die Sorgen &#252;ber die &#214;llieferungen durch die Stra&#223;e von Hormuz.</p>
<p>Wer wird Obama gegen diesen Druck st&#252;tzen, besonders wenn er seine Wiederwahl dadurch gef&#228;hrden k&#246;nnte? Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine ernsthafte organisierte Opposition, obwohl die &#246;ffentliche Meinung auf seiner Seite ist.<br />
Es m&#246;gen zwar 200 Abgeordnete gegen den Irak und Afghanistan sein, aber nur wenige sind dagegen, den Irak anzugreifen. Die Medien bevorzugen Sanktionen und diplomatischen Druck, werden sich aber nicht gegen eine milit&#228;rische Intervention wehren. Die humanit&#228;ren Falken wollen einen «Regime change». Russland, China und die UN-Generalversammlung z&#228;hlen nur wenig bei amerikanischen Pr&#228;sidentschaftswahlen. Da bleibt nur Ron Paul, der sich als republikanischer Pr&#228;sidentschaftskandidat bewirbt, und einige Protestierende ohne Geld.</p>
<p>Die Implikationen f&#252;r die nationale Sicherheit und die Diplomatie sind wom&#246;glich zu gro&#223;, um eine US-israelische Intervention zuzulassen. Rationales Eigeninteresse ist jedoch nicht immer genug, um das zu verhindern, was Barbara Tuchman den «Marsch in den Wahnsinn» genannt hat.<br />
Lediglich eine ernsthafte Kampagne kann verhindern, dass Obama den Neocons dieselben Zugest&#228;ndnisse macht, die auch zu den Kriegen in Irak und Afghanistan gef&#252;hrt haben. Vielleicht sollte die Geistlichkeit sie anf&#252;hren, die intellektuellen Experten sich engagieren und die Friedensbewegungen an der Basis in Israel und den USA einen ernsthaften Dialog in den j&#252;dischen – und allen anderen – Gemeinden f&#252;hren, damit Vernunft gegen den Extremismus die Oberhand beh&#228;lt.<br />
Andernfalls wird das Bellen, das wir in diesem Jahr zu h&#246;ren bekommen, das Bellen der Kriegshunde sein.</p>
<p>Quelle: www.zcommunications.org/ contents/183926/print</p>
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		<title>Das gr&#246;&#223;te Propagandaforum f&#252;r den Krieg</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:48:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>

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		<description><![CDATA[Die M&#252;nchner «Sicherheitskonferenz» von Claus Schreer Mehr als 90 Initiativen, Gruppen und Organisationen mobilisieren gegen die bevorstehende NATO-Kriegstagung (3.–5.Februar) in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die M&#252;nchner «Sicherheitskonferenz»</p>
<p>von <em>Claus Schreer</em></p>
<p>Mehr als 90 Initiativen, Gruppen und Organisationen mobilisieren gegen die bevorstehende NATO-Kriegstagung (3.–5.Februar) in M&#252;nchen – ein breites Spektrum aus der Friedens- und Antikriegsbewegung, der sozialen und &#246;kologischen Bewegung, von antirassistischen und Dritte-Welt-Gruppen, sowie antikapitalistischen Organisationen und Parteien.<br />
<span id="more-3967"></span>Die diesj&#228;hrige NATO-Tagung wird vom deutschen Milit&#228;rminister de Maizière er&#246;ffnet werden, der vermutlich der &#214;ffentlichkeit die Mogelpackung vom Bundeswehr- und NATO-Truppenabzug aus Afghanistan verkaufen wird. Aus den USA kommt Kriegsminister Leon Panetta, ehem. Leiter der CIA, verantwortlich f&#252;r die US-Folterpraxis der letzten Jahre und ebenso f&#252;r unz&#228;hlige extralegale Hinrichtungen der CIA-Killerkommandos. Au&#223;erdem: NATO-Generalsekret&#228;r Rasmussen und Ex-Au&#223;enminister Henry Kissinger, ein notorischer Kriegsverbrecher. Ferner die Spitzenmanager des globalen Finanzkapitals, Weltbankchef Robert Zoellick und der Chef der Deutschen Bank Josef Ackermann, sowie zahlreiche Vertreter aus den Chefetagen gro&#223;er Wirtschafts- und R&#252;stungskonzerne.</p>
<p>Gebetsm&#252;hlenartig behauptet Wolfgang Ischinger seit Jahren, auf der SIKO gehe es ausschlie&#223;lich um die Frage, «wie der Frieden auf der Welt gesichert werden kann».<br />
Diese sch&#246;nf&#228;rberische Selbstdarstellung ist ein geradezu dreister Etikettenschwindel f&#252;r diese j&#228;hrliche Kriegstagung!<br />
Die Wahrheit ist: Die Debatten auf der SIKO drehen sich nicht um die «Sicherung des Friedens», sondern um die Durchsetzung der globalstrategischen Interessen der USA und der EU-Staaten und um gemeinsame Strategien zur Aufrechterhaltung ihrer globalen Vorherrschaft.</p>
<p>Die SIKO sei «keine NATO-Tagung und auch nicht die Jahreshauptversammlung der R&#252;stungslobby», sagt Ischinger. Unbestreitbare Tatsache ist aber, dass einige der weltweit gr&#246;&#223;ten R&#252;stungskonzerne mit am Tisch sitzen und die SIKO sponsern. Tatsache ist auch: Auf der SIKO treffen sich fast ausschlie&#223;lich Regierungs- und Milit&#228;rpolitiker aus den NATO- und EU-Staaten.</p>
<p>Zwar werden Aggressionskriege der NATO nicht auf der SIKO beschlossen, aber sie ist das weltweit gr&#246;&#223;te Propaganda-Forum f&#252;r die gerade stattfindenden und die beabsichtigten Kriege der NATO und der EU.<br />
Konferenzleiter Ischinger geh&#246;rt selbst zu den eifrigsten Kriegstrommlern: Im Zusammenhang mit der Debatte &#252;ber den Truppenabzug in Afghanistan pl&#228;dierte er f&#252;r mehr NATO-Pr&#228;senz und f&#252;r eine Aufstockung der Bundeswehrtruppen. Und er f&#252;gte hinzu: «Innenpolitische Opportunit&#228;ts&#252;berlegungen», d.h. die ablehnende Haltung der &#252;berwiegenden Mehrheit der Bev&#246;lkerung gegen&#252;ber dem Krieg d&#252;rften «f&#252;r R&#252;ckzugspl&#228;ne nicht ausschlaggebend sein». Deutschland und die EU m&#252;ssten gr&#246;&#223;ere R&#252;stungsanstrengungen machen, um wirklich kriegsf&#228;hig zu werden. Damit Europa zum allseits glaubw&#252;rdigen Akteur auf der Weltb&#252;hne wird, brauche die EU die entsprechende milit&#228;rische St&#228;rke und Deutschland eine leistungsf&#228;hige und professionelle Berufsarmee. Gleichzeitig will er bei Entscheidungen &#252;ber NATO- oder EU-Auslandseins&#228;tzen das Parlament ausschalten.</p>
<p>Dagegen richten sich die Proteste der Antikriegsbewegung.<br />
Ihre zentralen Forderungen lauten:<br />
– Die NATO-Besatzung in Afghanistan muss beendet werden. Sofortiger Abzug der Bundeswehr und aller Interventions-Truppen.<br />
– Keine Umr&#252;stung der Bundeswehr zur weltweit einsetzbaren Interventionsarmee, die mit Landesverteidigung nicht das Geringste zu tun hat. Diese Bundeswehr geh&#246;rt abgeschafft.<br />
– Verbot aller R&#252;stungsexporte. Raus aus der NATO.</p>
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		<item>
		<title>Pharis&#228;er unter sich</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2012/02/pharisaer-unter-sich/</link>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:45:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>

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		<description><![CDATA[oder: Wozu braucht man einen Pr&#228;sidenten? von Klaus Engert Oh, wie ist die Emp&#246;rung gro&#223;. Der Bundespr&#228;sident hat von Freunden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>oder: Wozu braucht man einen Pr&#228;sidenten?</strong><br />
von <em>Klaus Engert</em></p>
<p>Oh, wie ist die Emp&#246;rung gro&#223;. Der Bundespr&#228;sident hat von Freunden einen Billigkredit bekommen, kostenlosen Urlaub gemacht, und dann will er auch noch mit Druck erreichen, dass die Presse das nicht ver&#246;ffentlicht.<br />
<span id="more-3964"></span>Und die Journaille tut alles, was sie kann, um, wenn dieser Mann schon nicht zu retten ist, daf&#252;r zu sorgen, dass wenigstens «das Amt» nicht besch&#228;digt wird. Sogar LINKE-Politiker wie der notorische Klaus Ernst entbl&#246;den sich nicht, etwas von «Anforderungen an das Amt» zu faseln. Zumindest von letzterem h&#228;tte man erwarten k&#246;nnen, dass er stattdessen endlich einmal &#246;ffentlich feststellt, dass das dem deutschen Volke von den «V&#228;tern des Grundgesetzes» pr&#228;sentierte Surrogat f&#252;r die traditionellen F&#252;hrerfiguren von Kaiser Wilhelm &#252;ber Hindenburg bis Hitler in Form eines Repr&#228;sentationsautomaten schlicht entbehrlich ist<br />
.<br />
Dabei ist doch vollkommen verst&#228;ndlich, dass Christian Wulff bei sich keinerlei Fehlverhalten erkennen kann.<br />
Er hat schlie&#223;lich nur das getan, was in einer b&#252;rgerlichen Demokratie alle Politiker machen (m&#252;ssen), und was gerade in Niedersachsen seit Albrecht und Schr&#246;der gute Tradition ist: Er hatte sich von klein auf an die Gro&#223;en herangemacht, er hatte einen Pakt mit dem Springerkonzern geschlossen, er hat sich mit den richtigen Freunden umgeben, die ihm weiterhelfen konnten, und er hat in seiner Parteikarriere dann flei&#223;ig daf&#252;r gesorgt, dass die freie Marktwirtschaft ja nicht in Gefahr ger&#228;t. Kein Wunder, dass er jetzt aufheult wie ein verwundetes Tier, wenn man ihm ausgerechnet das vorh&#228;lt, was doch die Grundlage jeder b&#252;rgerlichen Politik ist, n&#228;mlich, die richtigen Freunde zu haben – d.h. betuchte – und daf&#252;r zu sorgen, dass das Geld in den richtigen Kreisen zirkuliert, da auch bleibt und sich vermehrt.</p>
<p>Mit einem Wort: Es handelt sich bei Herrn Wulff um die Fleischwerdung des Prinzips des ideellen Gesamtkapitalisten. Sein Fehler war, dass er, offensichtlich weil er schon auf der Schulbank beschloss, Berufspolitiker zu werden, dieses Prinzip so internalisierte, dass er das zweite Prinzip der b&#252;rgerlichen Demokratie str&#228;flicherweise vergessen hat. Das besagt n&#228;mlich, dass man zwar als Politiker als Lobbyist des Gesamtkapitals t&#228;tig ist, aber dem Wahlvolk gegen&#252;ber jeden Eindruck, dass dem so ist, peinlichst vermeiden muss. Das k&#246;nnte n&#228;mlich sonst an der Demokratie irre werden.</p>
<p>Und so mussten jene, die da Schaden von der hierzulande &#252;blichen Art von Demokratie, vulgo dem Kapitalismus und seiner derzeit benutzten politischen Erscheinungsform des b&#252;rgerlichen Parlamentarismus, abwenden wollten, sich m&#246;glichst lautstark moralisch emp&#246;ren. Etwas anderes blieb ihnen auch nicht &#252;brig, wenn sie nicht dem blitzsauberen Christian beipflichten wollten, dass das, was er getan hat, v&#246;llig in Ordnung gewesen sei. Auch Horst K&#246;hler ist schlie&#223;lich nicht dar&#252;ber gestolpert, dass die deutsche Milit&#228;rpolitik wirtschaftlichen Zwecken dient und dann und wann aus diesem Grund auch schon mal, wie im Falle Serbien oder Afghanistan, &#252;ber ein Land hergefallen werden muss, sondern dar&#252;ber, dass er es emp&#246;renderweise ausgesprochen hat. So etwas tut man nicht. Die Verbreitung von Wissen ist grunds&#228;tzlich systemgef&#228;hrdend.</p>
<p>Dass der Osnabr&#252;cker Leisetreter dann noch meinte, der Bild-Zeitung den Mund verbieten zu k&#246;nnen, deutet darauf hin, dass er zu all seinen Irrt&#252;mern auch noch den Denkfehler hinzuf&#252;gte, der Schwanz k&#246;nne mit dem Hund wackeln. «Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten», schreib Paul Sethe, einer der Gr&#252;nder der FAZ, 1965. Zu denen geh&#246;rt der Wulff nicht, und sie sind sehr empfindlich, wenn man ihnen dieses exklusive Recht nehmen will.<br />
Sic transit gloria, wenn einer sein Dasein als staatlich alimentierter Gr&#252;&#223;august mit Macht verwechselt.</p>
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		<title>Mutti und der b&#246;se Wulff</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:41:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>

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		<description><![CDATA[von Paul B. Kleiser Nach dem ruhmlosen Abgang von Horst K&#246;hler vor knapp zwei Jahren begab sich «Mutti» Angela Merkel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von <em>Paul B. Kleiser</em></p>
<p>Nach dem ruhmlosen Abgang von Horst K&#246;hler vor knapp zwei Jahren begab sich «Mutti» Angela Merkel auf die Suche nach einem neuen Kandidaten f&#252;r das h&#246;chste Amt im Staate. Das wichtigste Kriterium war, dass er ihr – etwa durch zu gro&#223;e Unabh&#228;ngigkeit des Denkens und der Rede – nicht zu gef&#228;hrlich werden sollte. Professor T&#246;pfer schied somit, gleich Wolfgang Sch&#228;uble, aus dem Kandidatenkreis aus. Aus Proporzgr&#252;nden sollte der Kandidat zudem m&#246;glichst katholisch sein.</p>
<p><span id="more-3959"></span>Die Wahl fiel auf den nieders&#228;chsischen Provinzpolitiker Christian Wulff, der gerade (ohne den Segen der Kirche!) zum zweiten Mal geheiratet hatte, was Benedikt Ratzinger bei seinem Deutschlandbesuch sichtlich missfiel.<br />
Die Bundesversammlung wurde also einberufen und Wulff im dritten Wahlgang mit knapper Mehrheit gew&#228;hlt. Damit waren die wichtigsten «Nachwuchspolitiker» des «Andenpakts» (eine lose Seilschaft von «aufstrebenden Talenten») von «Mutti» einigerma&#223;en versorgt: Oettinger war nach Br&#252;ssel geschickt, um dort im Englischen zu gl&#228;nzen, Koch ging gleich zum Bauunternehmer Bilfinger und Berger, M&#252;ller schanzte man einen Posten beim Verfassungsgericht zu und Wulff gelangte schlie&#223;lich ins Schloss Bellevue. Merkel hatte sich ihrer m&#246;glichen Kontrahenten so elegant wie ger&#228;uschlos entledigt.</p>
<p>Doch nun schl&#228;gt die Provinz zur&#252;ck: Wer aus bescheidenen Verh&#228;ltnissen stammt, braucht im Zeitalter des Neoliberalismus reiche G&#246;nner, um zu Amt und W&#252;rden zu gelangen. So gibt es den sprichw&#246;rtlichen Kl&#252;ngel nicht nur in K&#246;ln, sondern auch in Hannover, Frankfurt, Stuttgart und M&#252;nchen. In Niedersachsen waren dies zum Beispiel das Ehepaar Geerkens, die ihren Sch&#252;tzling Wulff kr&#228;ftig f&#246;rderten. Sie waren im Schmuckhandel zu Reichtum gekommen und hatten diesen via Immobilien vermehrt. Der arme Kerl brauchte nach seiner teuren Scheidung ja einen neuen Haushalt, weshalb Frau Geerkens kurzerhand ein zinsg&#252;nstiges Darlehen &#252;ber mehrere hunderttausend Euro springen lie&#223;, das zu allem &#220;berfluss (der Name der G&#246;nnerin sollte unbekannt bleiben) noch nicht einmal ins Grundbuch eingetragen wurde (so spart man sich auch die Kosten des Notars).</p>
<p>Der Zinsvorteil gegen&#252;ber einem vergleichbaren Bankdarlehen soll immerhin 20000 Euro betragen haben. Egon Geerkens durfte den Ministerpr&#228;sidenten dann nach Indien und China begleiten. Nun hatte die Sache ein gewisses «Geschm&#228;ckle», und vor allem die nieders&#228;chsischen Gr&#252;nen gefielen sich in der Rolle, dem Ministerpr&#228;sidenten unangenehme Fragen zu stellen, worauf dieser mit Halbwahrheiten (also halben L&#252;gen) antwortete. Mit den Geerkens habe er in den letzten zehn Jahren «keine Gesch&#228;ftsbeziehung» unterhalten – obwohl ziemlich eindeutig ist, dass Geerkens Wulff beim Verkauf des v&#228;terlichen Hauses «beratend zur Seite stand».</p>
<p>Ein Kind von Traurigkeit scheint Wulff nicht zu sein. In den vergangenen Jahren tauchte er immer wieder auf Partys und Gala-Abenden auf, die h&#228;ufig von Manfred Schmidt ausgerichtet wurden, den der Stern den «ungekr&#246;nten Partyk&#246;nig der deutschen Geld- und Machtelite» nennt. Die schmidtschen Partys f&#252;hren regelm&#228;&#223;ig die «Gro&#223;kopferten» aus Wirtschaft, Politik und Showgesch&#228;ft zusammen. Wegen seiner sehr engen Beziehungen zu und Urlaubsaufenthalten bei Manfred Schmidt musste der Vertraute und Sprecher von Wulff, Olaf Glaeseker, bereits zur&#252;cktreten; die Staatsanwaltschaft pr&#252;ft ein Ermittlungsverfahren. Er war h&#228;ufiger Urlaubsgast in den Villen von Schmidt im S&#252;den. Wulff selbst hat «keine Erinnerung» daran, ob er von Schmidt in seiner Zeit als Ministerpr&#228;sident Geschenke erhalten hat.</p>
<p>Schmidt richtete auch mehrfach die Treffen des «Nord-S&#252;d-Dialogs» aus, eine Lobbyveranstaltung f&#252;r Repr&#228;sentanten der Wirtschaft, der Medien, der Kultur, des Sports und der Politik aus Baden-W&#252;rttemberg und Niedersachsen, die in Hannover und Stuttgart stattfanden und auf denen die guten Beziehungen zwischen Niedersachsen und Baden-W&#252;rttemberg (die VW-Porsche-Verbindung) gefeiert wurden. Angeblich wurden diese Events durch Sponsoring aus der Privatwirtschaft finanziert; schaut man sich aber die Liste der Sponsoren an, dann findet man auch Unternehmen darunter, die sich (zumindest teilweise) in &#246;ffentlicher Hand befinden, etwa die Landesbanken. Zu den F&#246;rderern z&#228;hlten auch der Versicherungskonzern Talanx und der Reisemulti Tui, beide in Hannover ans&#228;ssig.</p>
<p>Au&#223;erdem machten die Wulffs h&#228;ufiger «Urlaub bei Freunden», zu denen auch Carsten Maschmeyer geh&#246;rte, der es mit seiner Dr&#252;ckerkolonne AWD (bietet nach eigener Auskunft «individuelle Finanzstrategien, Versicherungsvergleiche und Altersvorsorgel&#246;sungen»), die er rechtzeitig an die Credit Suisse verkaufte, zum Milliard&#228;r gebracht hat. Er ist auch mit Gerhard Schr&#246;der befreundet.</p>
<p>Maschmeyer lie&#223; vor allem in den 90er Jahren in gro&#223;em Stil und ohne R&#252;cksicht auf Verluste Immobilienfonds verkaufen, von denen sich die meisten l&#228;ngerfristig als Rohrkrepierer erwiesen. Die Gesch&#228;digten gehen in die Tausenden. Er finanzierte auch Wulffs Buch mit dem passenden Titel Besser die Wahrheit.<br />
Als das fragw&#252;rdige Kreditgesch&#228;ft ruchbar wurde, wurde Wulff (wohl &#252;ber den damaligen baden-w&#252;rttembergischen Ministerpr&#228;sidenten Oettinger) an die BW-Bank weitergereicht, die das alte Darlehen – wiederum zinsg&#252;nstig – abl&#246;ste. Wulff behauptet, der Vertrag sei «per Handschlag» abgeschlossen worden, wiewohl das bei Hypotheken schon allein deswegen nicht geht, weil die Belastung ja vom Notar ins Grundbuch eingetragen werden muss. Die eigentliche Unterzeichnung erfolgte erst knapp zwei Wochen sp&#228;ter, was wiederum der Verdacht aufkommen l&#228;sst, dass hier Tatsachen «verdunkelt» werden sollten.</p>
<p>Den vorl&#228;ufigen H&#246;hepunkt des Skandals bildet die Aff&#228;re um die Bild-Zeitung und den Springer-Konzern. Da hat ein kleines W&#252;rstchen die Rollen von Koch und Kellner verwechselt. Man fragt sich allerdings, was den Konzern bewogen hat, Wulff auf die Abschussliste zu setzen, nachdem ihn das Blatt jahrelang hofiert hat.<br />
Ein m&#246;glicher Sturz von Wulff w&#228;re auch f&#252;r Merkel ein ziemliches Debakel und k&#246;nnte zum vorzeitigen Ende von Schwarz-Gelb beitragen. Offenbar versucht der Amtsinhaber, die ganze Aff&#228;re auszusitzen, doch es scheint einsam zu werden um ihn. Die neoliberale Verquickung von Amt und Gesch&#228;ft k&#246;nnte ihr n&#228;chstes Opfer gefunden haben.</p>
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		<title>«Zu selbstbestimmt, innovativ und politisch erfolgreich»</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:39:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus/Antifa]]></category>

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		<description><![CDATA[Nazis d&#252;rfen in Dresden ungest&#246;rt demonstrieren, antifaschistisches Engagement wird kriminalisiert, beklagt der Republikanische Anwaltsverein Allj&#228;hrlich versammelt sich die extreme Rechte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Nazis d&#252;rfen in Dresden ungest&#246;rt demonstrieren, antifaschistisches Engagement wird kriminalisiert, beklagt der Republikanische Anwaltsverein<br />
Allj&#228;hrlich versammelt sich die extreme Rechte rund um den 13. Februar in Dresden, um der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg zu «gedenken». 2011 konnte der bis dato gr&#246;&#223;te Neonaziaufmarsch Europas erstmals durch antifaschistische Aktionen verhindert werden.<br />
<span id="more-3960"></span>Seit ca. zwei Jahren kriminalisiert der s&#228;chsische Staat antifaschistisches Engagement mit grundrechtlich fragw&#252;rdigen Mitteln. Das Vorgehen der Beh&#246;rden offenbart dabei ein obrigkeitsstaatliches Staatsverst&#228;ndnis, das im Staatsapparat selbst, aber auch in der Bev&#246;lkerung weit verbreitet zu sein scheint. Es deckt sich zu einem gro&#223;en Teil mit rechts(radikalem) Gedankengut.</p>
<p>Doch auch die Alltagsarbeit bisher staatlich gef&#246;rderter Projekte und Initiativen wird gerade vom s&#228;chsischen Staat unterminiert. Eine «Demokratieklausel» verpflichtet die Projekte neuerdings, f&#252;r sich und ihre B&#252;ndnispartner ein Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung abzugeben. Am 13. und 18.Februar wird es in Dresden wieder antifaschistische Kundgebungen und Blockaden geben.</p>
<p>Nachstehend bringen wir eine gek&#252;rzte Fassung der Stellungnahme des Republikanischen Anw&#228;ltinnen- und Anw&#228;ltevereins (RAV). Die Auslassungen sind jeweils mit [...] gekennzeichnet.</p>
<p>Quelle: www.rav.de/publikationen/mitteilungen/mitteilung/rechtsstaat-auf-saechsisch-220/page1.kontakt@rav.de</p>
<p>Im Februar 2011 haben in Dresden vielf&#228;ltige, von einem breiten antifaschistischen B&#252;ndnis getragene Aktivit&#228;ten stattgefunden. Dabei ist es am 19.Februar 2011 erneut gelungen, den gr&#246;&#223;ten Neonaziaufmarsch in Europa zu verhindern. Was in der &#246;ffentlichen Debatte als gro&#223;er Erfolg der Zivilgesellschaft gegen die extreme Rechte wahrgenommen wurde, ist den s&#228;chsischen Sicherheitsbeh&#246;rden ein Dorn im Auge. Das zivilgesellschaftliche Engagement ist zu selbstbestimmt, zu innovativ und politisch erfolgreich. [...]<br />
Die pr&#228;ventiven und repressiven Ma&#223;nahmen haben 2011 eine ungeahnte Qualit&#228;t und ein neues Ausma&#223; erreicht. [...] Es zeigt sich in eindrucksvoller Weise, wie flexibel der Rechtsstaat sein kann, wenn die Staatsr&#228;son es verlangt. [...]</p>
<p><strong>Versammlungsfreiheit nur f&#252;r Neonazis</strong></p>
<p>F&#252;r den 13. und 19. Februar 2011 hatte die Dresdener Stadtverwaltung in Absprache mit der Polizeidirektion Dresden ein vollst&#228;ndiges Versammlungsverbot f&#252;r zivilgesellschaftliche und antifaschistische Kr&#228;fte auf der Altst&#228;dter Seite der Elbe erlassen, auf die der Neonaziaufmarsch von der Versammlungsbeh&#246;rde verlegt worden war. [...]<br />
S&#228;mtliche Protestveranstaltungen, die auf der „falschen» Seite angemeldet wurden, wurden &#246;rtlich „wegbeauflagt». Eine Einzelfallpr&#252;fung wurde nicht vorgenommen. Dies sollte bezwecken, dass sich am 13. und 19.Februar 2011 in einem Gebiet mit rund 300000 EinwohnerInnen ausschlie&#223;lich Anh&#228;ngerInnen der extremen Rechten versammeln k&#246;nnen. [...]<br />
Die Argumentation der Beh&#246;rde, nur durch eine nat&#252;rliche Barriere die gegnerischen Lager trennen und dadurch Ausschreitungen und eventuelle St&#246;rungen des Neonaziaufmarsches verhindern zu k&#246;nnen, erscheint dabei als vorgeschoben. [...]<br />
Die obrigkeitsstaatliche Art, Auflagen zu erlassen, hatte lediglich das Ziel, die Arbeit der Polizei zu erleichtern, den Neonaziaufmarsch m&#246;glichst st&#246;rungsfrei ablaufen zu lassen und zivilgesellschaftlichen und antifaschistischen Protest in H&#246;r- und Sichtweite zu unterbinden. [...]</p>
<p><strong>Unbedingte Kriminalisierung von Blockaden</strong></p>
<p>Die antifaschistischen Proteste, denen es gleichwohl gelang, den Neonaziaufmarsch zu verhindern, waren gepr&#228;gt von Blockaden als Formen des zivilen Ungehorsams. Die Dresdner Strafverfolgungsbeh&#246;rden lassen es sich dennoch nicht nehmen, diese Aktionen strafrechtlich zu verfolgen. AntifaschistInnen werden nach §21 Versammlungsgesetz kriminalisiert, weil sie durch ihre k&#246;rperliche Pr&#228;senz an einem bestimmten Ort ihren Willen zum Ausdruck gebracht haben, die Neonazis nicht marschieren zulassen.<br />
Von diesem politischen Vorgehen l&#228;sst sich die Staatsanwaltschaft Dresden auch nicht dadurch abbringen, dass das S&#228;chsische Versammlungsgesetz durch den S&#228;chsischen Verfassungsgerichtshof im April 2011 r&#252;ckwirkend f&#252;r nichtig erkl&#228;rt worden ist und daher am 19.Februar 2011 keine Geltung hatte. [...] Sie stellt sich damit bewusst und offen gegen den zentralen strafrechtlichen Grundsatz „Keine Strafe ohne Gesetz» aus Art.103, Abs.2 des Grundgesetzes. [...]</p>
<p><strong>Immunit&#228;t gilt nicht bei praktiziertem Antifaschismus</strong></p>
<p>Wohl einmalig in der deutschen Nachkriegsgeschichte d&#252;rften auch die F&#228;lle von Bodo Ramelow und Dr. André Hahn sein. Den Vorsitzenden der Fraktionen der LINKEN im s&#228;chsischen und th&#252;ringischen Landtag wurde mit den Stimmen von FDP und CDU, in Sachsen sogar gemeinsam mit der NPD, die parlamentarische Immunit&#228;t genommen, weil sie am 14. Februar 2010 an Versammlungen gegen Neonazis teilgenommen hatten.</p>
<p><strong>Ein „elektronischer Polizeikessel» (Wolf Wetzel)</strong></p>
<p>Die s&#228;chsischen Sicherheitsbeh&#246;rden wollen den antifaschistischen Protest um jeden Preis unter ihre Kontrolle bekommen. [...] Rund um den 19.Februar 2011 wurden auf Antrag der Staatsanwaltschaft Dresden bei mehreren Dutzend Funkzellen alle an diesem Tag angefallenen Telekommunikationsverkehrsdaten abgefragt. Dies f&#252;hrte zur Erhebung von insgesamt mehr als einer Million Datens&#228;tzen. Von &#252;ber 54000 Mobilfunknutzern wurden die pers&#246;nlichen Stammdaten erhoben. Betroffen war das Gebiet, in dem sich an diesem Tag ein vielf&#228;ltiges Versammlungsgeschehen abspielte und sich bekanntlich – neben Tausenden von DemonstrantInnen – Abgeordnete, Geistliche, Rechtsanw&#228;ltInnen, JournalistInnen und sonstigen Berufsgeheimnistr&#228;gerInnen aufhielten.<br />
Weder Polizei oder Staatsanwaltschaft noch das die Ma&#223;nahme anordnende Amtsgericht sahen hierin ein Problem. [...]<br />
Nach den Ma&#223;st&#228;ben eines s&#228;chsischen Rechtsstaats scheint die Funkzellenabfrage ein Standardinstrument zu sein, dessen Einsatz niemals an einer Unverh&#228;ltnism&#228;&#223;igkeit scheitern k&#246;nnte. Die Grundrechtsferne der zust&#228;ndigen Strafverfolgungsbeh&#246;rden wurde durch die Untersuchung des s&#228;chsischen Datenschutzbeauftragten zu den Funkzellenabfragen manifest. In seinem Bericht wird ein Schreiben der Polizeidirektion Dresden zitiert, wonach sie einen Eingriff in die Versammlungsfreiheit der betroffenen Personen mit dem Argument ablehnt, wegen der Heimlichkeit der Ma&#223;nahme w&#252;rden die Betroffenen doch &#252;berhaupt nicht von der Wahrnehmung ihrer Grundrechte abgehalten.</p>
<p><strong>Das Konstrukt einer kriminellen Vereinigung</strong></p>
<p>Im Laufe des Jahres 2010 gen&#252;gte es den s&#228;chsischen Sicherheitsbeh&#246;rden aber nicht mehr, direkt gegen die antifaschistischen Proteste rund um den 13.Februar vorzugehen. Sie wollten die antifaschistischen Aktivit&#228;ten nachdr&#252;cklich bek&#228;mpfen [...] Zu diesem Zweck konstruierten die Dresdner Strafverfolgungsbeh&#246;rden eine kriminelle Vereinigung gem&#228;&#223; § 129 StGB. [...]<br />
Einzelne in Gruppen ver&#252;bte Straftaten zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten wurden kurzerhand als Straftaten einer nicht n&#228;her definierten kriminellen Vereinigung deklariert. Keine Rolle spielte es, dass kaum einer der T&#228;terInnen an den jeweiligen Tatorten identifiziert werden konnte. Zu Mitgliedern der Vereinigung wurden diejenigen erkoren, von denen die Staatsanwaltschaft Dresden ausging, dass sie der s&#228;chsischen Antifa-Szene angeh&#246;ren. Die Annahme, dass es sich dabei um eine Vereinigung im Sinne des § 129 StGB handele, wurde mit der augenscheinlichen k&#246;rperlichen Fitness der vermeintlichen T&#228;terInnen begr&#252;ndet. Aus der Tatsache, dass bei den Taten keine Kommandos gegeben wurden, leitet die Staatsanwaltschaft zudem ein bestimmtes „Kennverh&#228;ltnis» ab. Mitglied in dieser Vereinigung soll &#252;brigens auch der Jenaer Jugendpfarrer Lothar K&#246;nig sein, der zwar nicht f&#252;r seine k&#246;rperliche Fitness, aber f&#252;r seine Megafon- und Lautsprecherdurchsagen bei Demonstrationen bekannt ist. [...]</p>
<p><strong>S&#228;chsische Ma&#223;st&#228;be</strong></p>
<p>Die martialische Razzia im Haus der Begegnung am 19.Februar 2011, der Einsatz von Pepperball-Geschossen gegen AntifaschistInnen, die &#220;berwachung aus der Luft mit Drohnen, der Einsatz von Wasserwerfern bei Minusgraden gegen nicht gewaltt&#228;tige Menschenmengen und die bundesweit durchgef&#252;hrten Durchsuchungen bei AktivistInnen sind weitere Beispiele hierf&#252;r. Es geht darum, s&#228;mtliche Facetten des Protestes zu kriminalisieren, die sich nicht auf die Teilnahme an einer Menschenkette weitab vom Neonaziaufmarsch reduzieren lassen. Sie scheinen f&#252;r die Beh&#246;rden das eigentliche Problem zu sein, nicht der (ehemals) gr&#246;&#223;te Neonaziaufmarsch Europas.<br />
Exemplarisch f&#252;r dieses Vorgehen steht die Einsch&#228;tzung der Polizeidirektion Dresden, dass es sich bei der Blockade von Neonaziaufm&#228;rschen um eine „Straftat von erheblicher Bedeutung» handelt.  [...] Das Durchflie&#223;en von Polizeikr&#228;ften wird von dieser Allianz als Gewaltt&#228;tigkeit diffamiert und es werden entsprechende Konsequenzen gefordert. [...]<br />
Die oben angef&#252;hrten Beispiele stellen nicht blo&#223; einzelne &#220;berschreitungen rechtsstaatlicher Grenzen dar. Sie bedeuten vielmehr eine systematische Missachtung und Umdeutung bislang geltender rechtsstaatlicher Grunds&#228;tze. In Dresden gilt offenbar ein eigenes Demokratie- und Rechtsstaatsverst&#228;ndnis. [...] Dies zeigt sich auch darin, dass die dortigen Amtstr&#228;gerInnen immun gegen jede diesbez&#252;gliche Kritik sind und ihre offensichtlich rechtswidrigen Ma&#223;nahmen gar offensiv verteidigen und weiterhin fortsetzen. [...]<br />
Wohlgemerkt, es geht hier um die Verhinderung eines Neonaziaufmarschs in einem Bundesland, in dem NaziterroristInnen und rassistische M&#246;rder jahrelang unbehelligt von den Beh&#246;rden Kapitalverbrechen planen und begehen konnten; einem Aufmarsch, der das zentrale Treffen der deutschen und europ&#228;ischen Neonaziszene darstellt. [...]</p>
<p><strong>Fazit</strong></p>
<p>Das massive Vorgehen der s&#228;chsischen Allianz hat das Potenzial, bundesweit Schule zu machen. [...] Dresden muss auch als Versuchslabor f&#252;r das Vorgehen gegen soziale Bewegungen angesehen werden. Die politischen und rechtlichen Auseinandersetzungen um das Vorgehen der Sicherheitsbeh&#246;rden und das damit entstehende Klima k&#246;nnten bundesweit die rechtlichen und politischen Ma&#223;st&#228;be sicherheitsbeh&#246;rdlichen Handelns verschieben. [...]</p>
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		<item>
		<title>Oury Jalloh – das war Mord</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:32:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus/Antifa]]></category>
		<category><![CDATA[Startseite]]></category>

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		<description><![CDATA[Die besondere Brutalit&#228;t des Polizeireviers Dessau Initiative Ouri Jalloh Auf langj&#228;hrige Repressionen folgt nun Pr&#252;gelei. Der gezielte Angriff der Polizei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die besondere Brutalit&#228;t des Polizeireviers Dessau</strong></p>
<p><em>Initiative Ouri Jalloh</em></p>
<p>Auf langj&#228;hrige Repressionen folgt nun Pr&#252;gelei. Der gezielte Angriff der Polizei auf afrikanische Aktivisten der «Initiative in Gedenken an Oury Jalloh e.V.» zeigt offen die Gesinnung der Polizei in Dessau, und welches Ziel sie verfolgt: Sie will die Initiative zum Schweigen bringen – ganz wie auch Oury Jalloh.<br />
<span id="more-3956"></span>Anl&#228;sslich des 7.Todestags von Oury Jalloh gab es am Sonnabend, den 7.Januar 2012, eine Gedenkdemonstration in Dessau. Im Laufe dieses Tages gab es vielfache, von der Polizei strategisch im Voraus geplante &#220;bergriffe – explizit auf afrikanische Aktivistinnen der Initiative und ihre Unterst&#252;tzer.<br />
Zwei Tage zuvor hatten Polizeibeamte Mouctar Bah in seinem Laden in Dessau aufgesucht und verk&#252;ndet, die Initiative habe Meinungen wie «Oury Jalloh, das war Mord!» zu unterlassen, sie unterstellten einen Straftatbestand. Mouctar Bah weigerte sich, sich der Drohung zu beugen.<br />
Am Gedenktag selbst, und noch bevor die Demonstration von den 250 Teilnehmenden er&#246;ffnet wurde, kam es zu &#220;bergriffen seitens der Polizeibeamten, die Aktivisten aus der Menge herausgriffen, Pfefferspray spr&#252;hten und mehrere Menschen stark verletzten. Einige Transparente und Schilder wurden den Demonstrierenden gewaltsam entrissen. Als die Demonstration schlie&#223;lich los gehen sollte, haben die Versammlungsbeh&#246;rde und die Polizei die Teilnehmenden &#252;ber eine Stunde davon abgehalten, ihr Versammlungsrecht wahrzunehmen und das Recht auf freie Meinungs&#228;u&#223;erung rechtswidrig unterbunden. All dies wurde mit damit begr&#252;ndet, die Parole «Oury Jalloh, das war Mord!» stelle einen Straftatbestand dar.</p>
<p><strong>Urteilsresistent</strong></p>
<p>Die Initiative reichte bei der Versammlungsbeh&#246;rde eine anwaltliche Stellungnahme ein, in der darauf verwiesen wird, dass diese Parole unter keinem denkbaren Gesichtspunkt eine Straftat darstellt. Auch der Verweis auf das Urteil vom 31.M&#228;rz 2006 bewegte den Polizeiapparat nicht dazu, ihr rechtswidriges Verhalten zu revidieren. 2006 hatte das Oberverwaltungsgericht des Landes Sachsen-Anhalt schon einmal entschieden, die Versammlungsanordnung «Schriftliche oder m&#252;ndliche Behauptungen, Oury Jalloh sei ermordet oder vors&#228;tzlich get&#246;tet worden, sind verboten» sei rechtswidrig.<br />
Der Demonstrationszug setzte sich schlie&#223;lich in Bewegung und begann seinen Trauermarsch. Nach mehreren k&#246;rperlichen &#220;bergriffen w&#228;hrend der Demonstration zeigten die Dessauer Polizeibeamten am Zielort, dem Dessauer Hauptbahnhof, ohne Scham ihre Gesinnung. Hier hatte sich im Bahnhofsgeb&#228;ude bereits eine Kette von Polizeibeamten formiert, als einige der Demonstrierenden eintraten, um zum Zug oder auf Toilette zu gehen oder sich etwas zu essen zu holen. Mit Schlagst&#246;cken, F&#228;usten und komplett unverh&#228;ltnism&#228;&#223;ig gro&#223;en Pfeffersprayflaschen bewaffnet, kesselte die Polizei gezielt langj&#228;hrige, afrikanische Aktivisten ein und schlug ihnen direkt auf die K&#246;pfe. Mouctar Bah wurde bewusstlos geschlagen und musste vier Tage lang station&#228;r behandelt werden. Ein weiterer Aktivist, Komi E., wurde ebenfalls zu Boden geschlagen und leidet noch immer an starken Schmerzen am Kopf sowie an Schwindel.<br />
Anstatt sofort den Krankenwagen zu rufen und sich um die verletzte Person zu k&#252;mmern, war das erste, wonach die Polizeibeamten den am Boden liegenden Aktivisten Komi E. fragten: «Wo ist ihr Ausweis?»</p>
<p><strong>Rassismus als Tradition</strong></p>
<p>Dass die Polizei in Dessau seit Jahren brutal gegen Afrikaner/innen vorgeht, zeigt sich heute wie damals. Dies war auch der Stendaler Kripo bekannt, die im Fall Oury Jalloh ermittelte. Trotzdem wurde nie Richtung Mord gefahndet.<br />
Der damalige Leiter der Kriminalpolizei Dessau, Hanno Schulz, erkl&#228;rte im November 2011 vor dem Magdeburger Landgericht, er habe am Nachmittag des 7.1.2005 aus einem Vier-Augen-Gespr&#228;ch mit einem Stendaler Kriminalbeauftragten im Zuge der Tatortarbeit erfahren, dass seitens des Innenministeriums massive Bedenken gegen das Dessauer Polizeirevier best&#252;nden.<br />
Noch bevor die Stendaler Kripobeamten am 7. Januar 2005 am Tatort eintrafen, waren sie also dar&#252;ber informiert worden, dass die Kollegen aus Dessau f&#252;r ihren «harten Umgang mit Migranten bekannt» waren. Schulz sagte weiter aus, dass diese Sicht auf das Revier nicht aus heiterem Himmel kam und Kollegen schon mehrfach unangenehm aufgefallen seien.<br />
Hanno Schulz zufolge war zu diesem Zeitpunkt auch &#246;ffentlich bekannt, dass die polizeilichen Repressionsma&#223;nahmen im Dessauer Stadtgebiet gegen Afrikaner in den Jahren zuvor zugenommen und ein schlechtes Licht auf den ganzen Polizeiapparat geworfen hatten. So wurden beispielsweise im Jahr 2009 zwei afrikanische M&#228;nner unter dem Vorwand einer Drogenkontrolle von der Dessauer Polizei dazu gezwungen, sich unter den Augen von Passantinnen und Anwohnern auf offener Stra&#223;e bis auf die Unterw&#228;sche zu entkleiden.</p>
<p><strong>Was kommt noch?</strong></p>
<p>In den letzten zehn Jahren gab es eine Reihe von Anhaltspunkten daf&#252;r, dass die Dinge, insbesondere im Dessauer Polizeirevier, eher katastrophal liefen, und &#252;ber Jahre hinweg bis heute ein rassistischer und menschenverachtender Umgang gegen&#252;ber Randgruppen der Gesellschaft an der Tagesordnung ist. Im Jahr 2002 etwa starb der obdachlose Mario Bichtemann in der gleichen Zelle wie Oury Jalloh an einem Sch&#228;delbasisbruch. Bis heute kann bzw. will keiner der Polizisten, die an diesem Tag Dienst hatten, erkl&#228;ren, wie es zu einer derartigen Verletzung kommen konnte.<br />
Auch im Fall Bichtemann waren damals Ermittlungsverfahren gegen Andreas Schubert, dem Angeklagten im aktuellen Prozess um Oury Jalloh, und einen weiteren Kollegen eingeleitet worden. Obwohl das Verhalten Schuberts im Fall Bichtemann nachweislich inkorrekt war (so wurden beispielsweise die halbst&#252;ndigen Gewahrsamskontrollen bei dem stark alkoholisierten Bichtemann nicht eingehalten), wurde das Verfahren gegen ihn schliesslich ohne Disziplinarma&#223;nahmen stillschweigend eingestellt.<br />
Auch die ungekl&#228;rten Todesumst&#228;nde von Mario Bichtemann h&#228;tten die Stendaler Kriminalbeamten stutzig machen m&#252;ssen. Bei einer derartig belastenden Vorgeschichte des Dessauer Polizeireviers w&#228;re es eigentlich unumg&#228;nglich gewesen, intensivere Befragungen und umfassendere Ermittlungen im Fall Oury Jalloh durchzuf&#252;hren.<br />
Diejenigen, die noch leben und f&#252;r Gerechtigkeit und Aufkl&#228;rung des Mordes an ihrem Bruder Oury Jalloh k&#228;mpfen, werden genauso behandelt wie Oury Jalloh selbst, als er noch lebte. Sie werden von der Mehrheitsgesellschaft beleidigt, rassistisch diskriminiert, von den Bullen kriminalisiert, verpr&#252;gelt und ermordet und vom Staat &#246;konomisch ausgebeutet (im Herkunftsland selbst wie auch in Deutschland) und vor den K&#252;sten Europas ers&#228;uft. Denen, die noch leben, wird nicht etwa mit geb&#252;hrendem Respekt und Zur&#252;ckhaltung entgegengetreten, sondern mit Schlagst&#246;cken und F&#228;usten. Unbestraft setzen nicht nur in Dessau, sondern im ganzen Bundesgebiet Polizeibeamte ihre rassistischen Repressionen und Gewalttaten fort. Die Liste der von den H&#228;nden der Polizei ermordeten Menschen wird von Jahr zu Jahr immer l&#228;nger. Was kommt noch? Wen bringt ihr als n&#228;chstes um?</p>
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		<title>Wie tief steckt der Staat im Naziterror?</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:30:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Repression]]></category>
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		<description><![CDATA[Vers&#228;umnis, Versagen, Verschulden von Martina Renner Allen, die in Th&#252;ringen antifaschistische Recherche betreiben, waren die Namen Uwe B&#246;hnhardt, Uwe Mundlos [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vers&#228;umnis, Versagen, Verschulden</strong></p>
<p>von <em>Martina Renner</em></p>
<p>Allen, die in Th&#252;ringen antifaschistische Recherche betreiben, waren die Namen Uwe B&#246;hnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zsch&#228;pe ein Begriff. Anfang 1998 hatte deren von den Sicherheitsbeh&#246;rden ungehindertes Abtauchen unz&#228;hlige Fragen, Vermutungen und auch parlamentarische Aktivit&#228;ten nach sich gezogen. Und dann fragten sich viele 2003, als die Haftbefehle gegen die drei Neonazis wegen Herbeif&#252;hrung bzw. Planung von Sprengstoffverbrechen aufgehoben wurden, ob sie nach ihrer Flucht nun nach Th&#252;ringen zur&#252;ckkehren w&#252;rden.<br />
<span id="more-3954"></span><br />
Auch wenn in den Strafverfolgungsbeh&#246;rden verharmlosend von Einzelt&#228;tern ohne organisierten Bezug und «Bombenbastelei» die Rede war, hatten viele Antifaschisten damals eine ganz andere Einsch&#228;tzung. Die mit 1,4 Kilogramm gef&#252;llten Rohrbomben hatten t&#246;dliches Potenzial: Am 5.Februar 1995 starben im &#246;sterreichischen Bundesland Burgenland f&#252;nf Roma bei einem Anschlag mit einer Rohrbombe. Dass Neonazis nicht nur «bastelten», sondern mordeten – gestern wie heute – war schon 1998 bekannt.<br />
Die drei abgetauchten Neonazis tauchten Jahre sp&#228;ter wieder auf – am 4.November 2011, Uwe B&#246;hnhardt und Uwe Mundlos tot, Beate Zsch&#228;pe auf der Flucht, bis sie sich am 8.November in Jena der Polizei stellte. Seitdem vergeht kein Tag, an dem nicht neue Details zu einem der gr&#246;&#223;ten Skandale bundesdeutscher Sicherheitsbeh&#246;rden und zu einer gegen&#252;ber dem Neonazismus nachsichtigen Politik ans Tageslicht kommen.</p>
<p><strong>Offene Fragen</strong></p>
<p>Neun rassistische Morde, ein Mordanschlag auf eine Polizistin, viele Schwerverletzte durch antisemitische und ausl&#228;nderfeindliche Bombenanschl&#228;ge und eine Vielzahl von Bank&#252;berf&#228;llen gehen nach derzeitigem Stand der Ermittlungen auf das Konto der Neonazigruppierung «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU), zu der die drei Th&#252;ringer Neonazis gez&#228;hlt haben sollen. Niemand, auch nicht diejenigen die seit Jahren vor militanten Strukturen, europaweiter Vernetzung, Waffen- und Sprengstofferwerb und -&#252;bungen bei Neonazis warnten, konnte sich dies vorstellen.<br />
Dass Neonazis sich auf Terrorakte vorbereiten, war seit langem klar – u.a. in Zusammenhang mit Gruppen wie «Combat 18». Wenig Klarheit gibt es in Bezug auf den langen Zeitraum, in dem die Morde, Anschl&#228;ge und &#220;berf&#228;lle scheinbar unbemerkt vonstatten gingen und auf die zweifellos bestehenden Unterst&#252;tzerstrukturen. Warum sind diese nie aufgeflogen? Inwieweit wusste die Neonaziszene von der Mordserie, die in dem Lied «D&#246;nerkiller» des Nazirocks&#228;ngers Daniel Giese besungen wurde?<br />
Schlie&#223;lich herrscht auch gro&#223;es Unbehagen &#252;ber die Rolle des Staates – der Geheimdienste, Polizei und Justiz. Was den Anfang und das vorl&#228;ufige Ende der drei Nazim&#246;rder angeht, so m&#252;ssen die Antworten in Th&#252;ringen gesucht werden.</p>
<p><strong>Historische Kontinuit&#228;ten</strong></p>
<p>Wer sich mit der Geschichte des Neonazismus nach 1945 in der Bundesrepublik besch&#228;ftigte, wei&#223;, dass rechter Terror kein Novum ist, und dass immer alles daran gesetzt wurde, diese Taten verwirrten Einzelt&#228;tern zuzuschreiben, um abzulenken von der staatlichen Durchdringung von Neonazistrukturen, von Geheimdienstkontakten f&#252;hrender Rechtsterroristen oder gar von der Einbindung  paramilit&#228;rischer Gruppierungen in Verteidigungsstrategien gegen die  «kommunistische Gefahr» aus dem Osten.<br />
Wir sind alle mit den investigativen Recherchen zur «Wehrsportgruppe Hoffmann», zum Attentat auf das Oktoberfest, zur NATO-Geheimarmee «Gladio», zur «Bajuwarischen Befreiungsfront» usw. vertraut. Und wir wissen um die NS-Kontinuit&#228;ten im Bundesnachrichtendienst oder dem Bundeskriminalamt, um die Verstrickungen der Geheimdienste beim Untertauchen gesuchter NS-Massenm&#246;rder wie Alois Brunner und Klaus Barbie und um neonazistische Organisationen wie die «Stille Hilfe f&#252;r Kriegsgefangene und Internierte» die – auch mit staatlicher Unterst&#252;tzung – NS-Verbrecher finanziell und ideell betreute und das Wissen &#252;ber funktionierende Netzwerke, die das Untertauchen und die Illegalit&#228;t von Nazis organisierten, an n&#228;chste Generationen weitergab.</p>
<p><strong>«An diesem Fall stimmt nichts»</strong></p>
<p>Wenige Tage nach dem Bekanntwerden des ganzen Ausma&#223;es des rechten Terrors der NSU traf ich einen Kriminalisten. Er brachte es auf den Punkt: «An diesem Fall stimmt nichts.» Zum ersten Mal hatte ich da das Gef&#252;hl, dass wir uns mit unseren Fragen nicht in eine Verschw&#246;rungswelt verrannt haben, sondern dass man ernsthaft und offen alles in Erw&#228;gung ziehen muss – von der Schlamperei der Beh&#246;rden bis hin zur staatlichen Lenkung der Terrorgruppe oder deren Umfeld. Es ging nicht mehr nur um die Frage, was der Geheimdienst 1998 wusste, als die drei Neonazis untertauchten, sondern auch inwieweit er Kenntnis von der Waffenbeschaffung, den Anschl&#228;gen und Morden hatte und welche Rolle er damals und heute in Bezug auf die Ermittlungsarbeit der Polizei spielte und spielt.<br />
Die drei waren Mitglied der «Kameradschaft Jena», die in der neonazistischen Dachorganisation «Th&#252;ringer Heimatschutz» (THS), organisiert war. Chef des THS war der langj&#228;hrige Spitzel Tino Brandt, der in den Jahren seiner V-Mann-T&#228;tigkeit von 1994 bis 2001 vom Staat &#252;ber 200000 Mark f&#252;r sich und die Neonaziszene bekam. Neben Brandt muss es noch weitere Spitzel des Landesamts im Umfeld dieser Strukturen gegeben haben. Eine Spitzelt&#228;tigkeit sagte die S&#252;dth&#252;ringer Zeitung auch dem THS-Aktivisten J&#246;rg Krautheim nach.<br />
B&#246;hnhard und Mundlos waren zudem in der militanten neonazistischen Szene «Blood &amp; Honour» (B&amp;H) aktiv. Mundlos schrieb sogar nach seinem Untertauchen noch f&#252;r deren Zeitschrift White Supremacy unter falschem Namen. Zu den damaligen engen Vertrauten z&#228;hlte auch Marcel Degner aus Gera, der 2001 als V-Mann enttarnt wurde. THS und die B&amp;H-Strukturen waren durchsetzt mit Spitzeln, das Landesamt f&#252;r Verfassungsschutz in Th&#252;ringen muss also von den Fluchtabsichten der drei, ihren Unterst&#252;tzerkreisen und Aufenthaltsorten Kenntnis gehabt haben. Dies alles ist inzwischen belegt.</p>
<p><strong>Geheimdienstlogik</strong></p>
<p>Wie eng der Verfassungsschutz an den dreien «dran» war, belegt ein Vorgang aus dem Jahr 1999, als der Verfassungsschutz dem V-Mann Brandt 2000 Mark &#252;bergab, damit sich die drei neue P&#228;sse besorgen konnten. Aus den Akten der Meldebeh&#246;rde in Jena war bekannt, dass sowohl Personalausweise wie Reisep&#228;sse inzwischen abgelaufen waren oder in K&#252;rze ablaufen w&#252;rden. Jegliche Reiset&#228;tigkeit, das Anmieten von Wohnungen und Fahrzeugen oder das Er&#246;ffnen von Konten war also eng mit der Frage der Beschaffung neuer Passdokumente verbunden.<br />
Der Verfassungsschutz behauptet, das Geld nur zur Verf&#252;gung gestellt zu haben, damit der Geheimdienst wieder n&#228;her an die Observierten heranr&#252;ckte und dann die Informationen der Polizei &#252;bergeben konnte. Das muss er heute behaupten, will er nicht Gefahr laufen, der Beihilfe zur Flucht oder gar der Unterst&#252;tzung einer terroristischen Vereinigung bezichtigt zu werden.<br />
Das damalige Agieren geh&#246;rt aber zum Selbstverst&#228;ndnis eines jeden Geheimdienstes, dem es allein darum geht, exklusive Informationen zu haben, die andere Geheimdienste und die Sicherheitsbeh&#246;rden nicht haben. Das Ausbleiben der Weitergabe von Informationen an die Strafverfolgungsbeh&#246;rden wird regelm&#228;&#223;ig damit begr&#252;ndet, dass der VS eventuelle weitere Informationen, die vielleicht noch brisanter sind, nicht mehr erhalten w&#252;rde, wenn er die Quellen auffliegen lie&#223;e.<br />
In dieser Logik kann der Geheimdienst immer weiter machen, auch wenn er, wie in diesem Fall, erwiesenerma&#223;en Kenntnis &#252;ber Waffenerwerb oder beabsichtigte Straftaten hat.</p>
<p><strong>Alles ist denkbar</strong></p>
<p>Mittlerweile belegen aufgetauchte Dokumente eindeutig, dass der Th&#252;ringer Heimatschutz von Spitzeln und Informanten durchsetzt war. Landesamt, Bundesamt, MAD, m&#246;glicherweise auch BND und Polizeibeh&#246;rden hatten Neonazis in ihren Diensten. Vor und nach dem Abtauchen der drei gab es unz&#228;hlige Aktivit&#228;ten im Umfeld der Neonaziterrorgruppe, etwa Telefon&#252;berwachungen und Observationen. Die Beh&#246;rden tauschten sich regelm&#228;&#223;ig intensiv untereinander aus, auch &#252;ber L&#228;ndergrenzen hinweg. Nur eines gab es nicht: eine Festnahme. Die zentrale Frage lautet: Warum?<br />
Der «Th&#252;ringer Heimatschutz» mit zeitweise bis zu 170 Mitgliedern war nicht nur f&#252;r den Landesgeheimdienst von Interesse, sicher hatte auch das Bundesamt f&#252;r Verfassungsschutz dort Informanten platziert, und ziemlich sicher hatte auch das s&#228;chsische Landesamt Zutr&#228;ger im Umfeld der Unterst&#252;tzer der drei, nachdem sie ihren Wohnort nach Chemnitz und Zwickau verlegt hatten.<br />
Es ist kein Skandal des Th&#252;ringer Verfassungsschutzes und schon gar nicht ein Skandal, der mit der Amtszeit des damaligen Th&#252;ringer Geheimdienstchefs Roewer 2001 endet. Es ist davon auszugehen, dass die Verbindungen der drei in ein Milieu, in dem illegal Waffen besorgt werden k&#246;nnen, Geld aus Bank&#252;berf&#228;llen gewaschen wird und Auslandskontakte zu Neonazis aus dem Bereich des S&#246;ldnergewerbes bestehen, auch bundesdeutsche Inlands- und Auslandsgeheimdienste auf den Plan gerufen haben.<br />
All das l&#228;sst die Schlussfolgerung zu, dass alles denkbar ist, auch dass der Selbstmord zweier T&#228;ter, die Sprengung des Wohnhauses in Zwickau durch Zsch&#228;pe, das Panoptikum der Tatwaffen im Wohnmobil und in den Tr&#252;mmern des Geb&#228;udes pl&#246;tzlich in einem anderen Licht erscheinen k&#246;nnten.</p>
<p><strong>Wir brauchen keine Geheimdienste</strong></p>
<p>Wir m&#252;ssen Fragen nach weiteren Taten und weiteren Zellen des Neonaziterrors stellen. Wir wollen jeden Verantwortlichen und jeden Vorgang kenne, der dazu beigetragen hat, dass diese Gruppe agieren konnte.<br />
Wir m&#252;ssen klare politische Forderungen stellen: Wir brauchen keine Geheimdienste, sie sind eine Gefahr f&#252;r die Demokratie. Wir wollen endlich ein klares antifaschistisches Bekenntnis des Staates. Es muss Schluss sein mit dem Geschw&#228;tz der Extremismustheoretiker vom «weichen Extremismus» der LINKEN, der gef&#228;hrlicher sei als die Neonazis. Es muss Schluss sein mit der Verfolgung engagierter Antifaschisten und mit der antikommunistischen Staatsdoktrin im Gewand der Extremismus- und Totalitarismustheorie.<br />
M&#246;glicherweise m&#252;ssen wir die Justiz einschalten, um zu kl&#228;ren, ob Beh&#246;rden oder deren Mitarbeiter Straftaten begangen haben. Aber das wichtigste ist: Es gibt auch heute noch eine militante neonazistische Szene, es gibt Angst vor neuen Anschl&#228;gen und berechtigte Wut bei Migranten &#252;ber die Ermittlungen der Polizei und der teils rassistischen Berichterstattung nach den Morden. Der «braune Sumpf» muss endlich trocken gelegt werden. Die Gesellschaft muss in Zukunft protestieren, wenn von «einem toten D&#246;nermann» die Rede ist, und der Staat muss endlich konsequent auf Neonazis reagieren.<br />
Ob es aber zu einer umfassenden Aufkl&#228;rung, zu politischen Konsequenzen und zu einer Schw&#228;chung des Neonazismus kommt, h&#228;ngt auch davon ab, ob wir uns endlich wieder wahrnehmbar mit unseren Forderungen auf die Stra&#223;e begeben. Geschrieben, beantragt und debattiert wurde schon viel. An der Auseinandersetzung um den Naziaufmarsch im kommenden Februar in Dresden und der staatlichen Verfolgung von Demokraten und Antifaschisten wird sich einmal mehr zeigen, auf welcher Seite die Zust&#228;ndigen stehen.</p>
<p><em>Martina Renner ist innenpolitische Sprecherin der LINKEN im Th&#252;ringer Landtag.</em></p>
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		<title>Mega-Tarifjahr 2012: Zeit f&#252;r eine Trendwende</title>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:26:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gewerkschaftspolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Rest-ÖD]]></category>

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		<description><![CDATA[von Jochen Gester Aus bekannten und verst&#228;ndlichen Gr&#252;nden wollen die wirtschaftlichen Eliten in Deutschland nichts davon h&#246;ren, dass die Krise [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von <em>Jochen Gester</em></p>
<p>Aus bekannten und verst&#228;ndlichen Gr&#252;nden wollen die wirtschaftlichen Eliten in Deutschland nichts davon h&#246;ren, dass die Krise der EU und ihre Polarisierung in Gewinner und Verlierer auch ein Ergebnis der extremen Lohnzur&#252;ckhaltung der Gewerkschaften ist.<br />
<span id="more-3950"></span>Der «Exportweltmeister» gr&#252;ndet seine Meisterschaft darauf, dass die Gewerkschaften in Deutschland entweder nicht in der Lage oder nicht bereit sind, die Verteilungsspielr&#228;ume im Sinne der Besch&#228;ftigten so zu nutzen, wie dies in den meisten anderen EU-L&#228;ndern &#252;blich ist.<br />
Mit diesem Kurs zu brechen, w&#252;rde nicht nur den abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten n&#252;tzen. Es w&#252;rde auch den volkswirtschaftlichen Zusammenhalt der EU-&#214;konomien st&#228;rken, statt ihn weiter zu destabilisieren. Daf&#252;r bietet sich in diesem Jahr eine gute Chance, denn 2012 ist ein Mega-Tarifjahr.<br />
Ende Februar laufen die Vertr&#228;ge f&#252;r fast zwei Millionen Besch&#228;ftigte im &#246;ffentlichen Dienst aus – n&#228;mlich diejenigen, die f&#252;r L&#228;nder und Kommunen t&#228;tig sind. Im Organisationsbereich von Ver.di wird es zudem auch im Banksektor ums Geld gehen. Am 31.M&#228;rz endet die Laufzeit des Lohntarifvertrags f&#252;r 3,6 Millionen Lohnabh&#228;ngige in der Metall- und Elektroindustrie. Der Haustarifvertrag von Volkswagen l&#228;uft Ende Mai aus. Dazu gesellen sich dann &#252;ber eine halbe Millionen Besch&#228;ftigte in der Chemie, und auch im Bereich des Nahrungs- und Gastst&#228;ttengewerbes werden die Karten neu gemischt.</p>
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		<title>Manroland: Die Rechnung wird pr&#228;sentiert</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2012/02/manroland-die-rechnung-wird-prasentiert/</link>
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		<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 19:23:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Maschinenbau]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>

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		<description><![CDATA[Manroland &#252;berlebt, fast die H&#228;lfte der Arbeitspl&#228;tze geht verloren. von Jochen Gester Das Konkursverfahren gegen die insolvente Manroland AG hat [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Manroland &#252;berlebt, fast die H&#228;lfte der Arbeitspl&#228;tze geht verloren.</strong></p>
<p>von <em>Jochen Gester</em></p>
<p>Das Konkursverfahren gegen die insolvente Manroland AG hat jetzt ein vorl&#228;ufiges Ergebnis. Der Konzern wird zerschlagen, das Augsburger Werk vom L&#252;becker Mittelst&#228;ndler L.Possell &amp; Co &#252;bernommen. Eine sp&#228;tere &#220;bernahme des Plaueners Werks ist Option. An der Niederlassung in Offenbach hat der neue Eigner kein Interesse.</p>
<p><span id="more-3948"></span>Diese beiden Werke werden vor&#252;bergehend vom Konkursverwalter auf dem Wege des sog. Management-Buyouts weitergef&#252;hrt, um die Kosten so zu reduzieren, dass sie den Appetit von Investoren anregen.<br />
Insgesamt verlieren 2210 der insgesamt etwa 4600 Besch&#228;ftigten ihren Arbeitsplatz. In Offenbach sind es 970 von 1750, in Augsburg 740 von 2132 und in Plauen 500 von insgesamt 680. Die Entlassenen wechseln in eine der bekannten Transfergesellschaften, die jedoch nur sechs Monate bestehen sollen, obwohl eine 12-monatige Dauer m&#246;glich ist. Die Gek&#252;ndigten erhalten in dieser Zeit Unterhaltsgeld in H&#246;he des ALG I. Abfindungen sind nicht vorgesehen. Am Schluss haben die Belegschaften die Zeche daf&#252;r gezahlt, dass sie gro&#223;e Hoffnungen in die Unterst&#252;tzung von Leuten setzten, die diese dann entt&#228;uschten.</p>
<p>Das Vertrauen auf die eigene Kraft und auf die Solidarit&#228;t mit seinesgleichen war dagegen deprimierend gering. Das ist keine Momentaufnahme, sondern Ergebnis eines langj&#228;hrigen Prozesses. Rainer Herth, Vertrauensk&#246;rperleiter im Offenbacher Werk, meint dazu: «Seit fast zehn Jahren wird bei allen drei Druckmaschinenherstellern das ‹Pforzheimer Abkommen› angewandt und voll ausgesch&#246;pft. Dieses Niederkonkurrieren auf dem R&#252;cken der Arbeiter ist im schlechtesten Sinne des Wortes beispielhaft. Tausende wurden dabei entlassen und Tarife unterboten. Ein weiteres Ergebnis sehen wir jetzt: Demoralisierte Belegschaften, die das K&#228;mpfen verlernt haben, die ihre Kolleginnen und Kollegen als Konkurrenten sehen, statt als Verb&#252;ndete.» (express, Nr.12, 2011.)<br />
Selbstkritische T&#246;ne aus Augsburg gab es nicht, oder sie fanden nicht Eingang in die Medien. Der Betriebsratsvorsitzende J&#252;rgen Baensch erkl&#228;rte, als sei er Teil einer Erfolgsgeschichte: «Ich gehe davon aus, dass wir mit dem deutlichen und harten Personalschnitt eine Gr&#246;&#223;enordnung erreicht haben, mit der wir langfristig stabil arbeiten k&#246;nnen.»<br />
Anders in Hessen. «Die Offenbacher Betriebsr&#228;te kritisierten diese Summe [die Ausstattung der Transfergesellschaft mit 24 Mio. Euro] als ‹Peanuts› und warfen der IG Metall vor, sie habe sich kaufen lassen» (S&#252;ddeutsche Zeitung, 24.1.12). Und die Frankfurter Rundschau berichtete von der Bescherungs-Betriebsversammlung: «Es hat Tumulte gegeben, Betriebsr&#228;tin Alexandra Ro&#223;el wurde niedergepfiffen, und einige M&#228;nner haben geweint. Von diesen Szenen voller Wut und Trauer w&#228;hrend der Betriebsversammlung des Druckmaschinenherstellers Manroland in Offenbach berichteten Besch&#228;ftigte, als sie gestern gegen 12 Uhr aus dem Werkstor str&#246;mten.»<br />
Dabei zeigt das Zustandekommen dieser Peanuts auch, wie der Gegner zu fassen ist. Es war die Furcht vor unangenehmem Imageschaden f&#252;r die Allianz AG durch eine angek&#252;ndigte gemeinsame Demonstration der Manroland-Belegschaften in M&#252;nchen, die die Versicherer dazu bewegte, 17 von 24 Mio.Euro dieser Summe zu zahlen. Doch bedenkt man, dass die Allianz allein in 2010 8 Mrd. Euro Gewinn gemacht hat, ist diese Zahlung mehr als d&#252;rftig. F&#252;r eine Gewerkschaftspolitik, die langfristig etwas zu ver&#228;ndern sucht, w&#228;re es wohl besser gewesen, diese Demonstration durchzuf&#252;hren, statt sie sich abkaufen zu lassen. Exakt das gleiche Prozedere gab es 2006 bei der BSH.<br />
VK-Leiter Herth schlug im Dezember etwas anderes vor: «Wenn der Insolvenzverwalter uns eine L&#246;sung pr&#228;sentiert – und die liegt bei jeder Variante nur zwischen Massenentlassungen und der vollst&#228;ndigen Liquidierung –, muss der Betrieb besetzt werden, um zu retten, was sowieso uns geh&#246;rt, oder im Falle eines Verkaufs unsere Abfindungen daraus zu zahlen.»<br />
Hierzulande dauert es wohl etwas l&#228;nger, bis sich die Ohren &#246;ffnen f&#252;r Ideen, die anderswo bereits mit Leben erf&#252;llt werden.</p>
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