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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Armut</title>
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		<title>Arbeiten f&#252;r unter ein Euro die Stunde</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 12:28:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeitsbedingungen]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>

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		<description><![CDATA[Neues aus der Hauptstadt der prek&#228;ren Besch&#228;ftigung von Jochen Gester Klage gegen Sp&#228;tkauf wegen sittenwidriger L&#246;hne. Berlin glitzert. Abendlich flimmern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Neues aus der Hauptstadt der prek&#228;ren Besch&#228;ftigung</strong></p>
<p>von <em>Jochen Gester</em></p>
<p><strong>Klage gegen Sp&#228;tkauf wegen sittenwidriger L&#246;hne.</strong></p>
<p>Berlin glitzert. Abendlich flimmern die Bilder der wohlgekleideten professionellen Politdarsteller in die Wohnzimmer. Hollywoodstars pr&#228;sentieren sich auf roten Teppichen, und die Touristen genie&#223;en die kulturellen Highlights von Friedrichstadtpalast bis Philharmonie. Doch die Alltagsrealit&#228;t der Metropole ist eine andere. Hier haben sich bedeutende Ver&#228;nderungen vollzogen, die vor allem die Arbeitswelt erfasst haben.<br />
<span id="more-3556"></span>Eine besondere Rolle spielte die Deindustrialisierung, der ein Gro&#223;teil des Industriepotenzials im Ostteil der Stadt zum Opfer fiel und die im Westberlin nach und nach die subventionsgest&#252;tzen verl&#228;ngerten Werkb&#228;nke beseitigte. Die Unternehmen sind nach der Wende an lukrativere Standorte gezogen.</p>
<p>Bereits im Jahr 2000 konstatierte ein Bericht des Wissenschaftszentrums Berlin, die Hauptstadt habe eine Trendsetterrolle beim Abbau des klassischen Normalarbeitsverh&#228;ltnisses. Nicht mal jede dritte Person im erwerbsf&#228;higen Alter war 1998 noch in diesem Rahmen besch&#228;ftigt.</p>
<p>Eine Studie des DGB aus dem Jahr 2008 mit dem Titel «Berlin – Hauptstadt der prek&#228;ren Besch&#228;ftigung» best&#228;tigte erneut diese Entwicklung. Die Untersuchung brachte ans Licht, dass nur noch 40% der Besch&#228;ftigten einer unbefristeten Vollzeitarbeit nachgehen.</p>
<p>Im Vergleich der Arbeitsplatzdichte liegt Berlin im St&#228;dteranking auf dem letzten Platz. Das Einkommensniveau liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, w&#228;hrend die geleisteten Arbeitsstunden nirgends so hoch sind. Nur noch in Leipzig ist das Lohnniveau niedriger und der Umfang nicht existenzsichernder Einkommen h&#246;her als in der Spreemetropole.</p>
<p>Davon sind kaum Bereiche ausgenommen. Im gewerblichen Sektor boomt vor allem die Leiharbeit und im &#246;ffentlichen Dienst zogen die MAE-Jobs ein. Mehr als die H&#228;lfte des in Berlin vor allem durch den Tourismus expandierenden Gastronomiesektors besteht aus Midi- und Minijobbern, und auch die junge Kreativbranche hat ein hohes Prekarit&#228;tspotenzial. Der hier erzielte Durchschnittsverdienst liegt an der Armutsschwelle.</p>
<p><strong>Sittenwidriger Lohn</strong></p>
<p>Der stumme Zwang dieser Verh&#228;ltnisse wird nur sichtbar, wenn Menschen sie nicht mehr ertragen k&#246;nnen. Beispielhaft daf&#252;r war der Konflikt im Berliner Babylon-Kino, &#252;ber den wir in der SoZ ausf&#252;hrlich berichteten. Jetzt sind die prek&#228;ren R&#228;nder des Einzelhandels ins Blickfeld geraten.</p>
<p>Es geht um einen der Sp&#228;tkauf-L&#228;den, die vor allem in den &#228;rmeren Stadtteilen wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. Sie bieten Alkoholika und Snacks sowie Kleinigkeiten des t&#228;glichen Bedarfs. Ge&#246;ffnet haben sie bis Mitternacht oder sogar die ganze Nacht hindurch. Zumeist werden diese L&#228;den von Menschen betrieben, denen der regul&#228;re Arbeitsmarkt versperrt ist und die hier nach dem Strohhalm greifen, um &#252;berhaupt Einnahmen zu bekommen. Oft sind es Migranten, die &#228;hnlich wie in den Franchiseunternehmen der Discounter wie Edeka ihre ganze Familie als Arbeitskr&#228;fte mobilisieren. Schlechter dran sind oft nur noch die, die extern bei ihnen angestellt sind.</p>
<p>Nun hat ein Besch&#228;ftigter einer Sp&#228;tkauf-Niederlassung seinen Arbeitgeber wegen sittenwidriger Entlohnung verklagt. Daniel R., Minijobber des Sp&#228;tkauf «Mumbai Corner» in Friedrichshain, machte vor Gericht geltend, er habe statt der vereinbarten 20 Stunden im Monat 60 Stunden in der Woche gearbeitet und sei mit einem Stundenlohn unter 1 Euro abgespeist worden. Da er dazu noch geringsch&#228;tzig behandelt worden sei, habe er sich beim Chef beschwert. Darauf erhielt er die K&#252;ndigung. Damit ging er an die &#214;ffentlichkeit und erhielt Unterst&#252;tzung durch die FAU und durch die Gruppe Internationale KommunistInnen sowie durch Nachbarn, die eine Solidarit&#228;tskundgebung mit 60 Leuten auf die Beine stellen konnten.</p>
<p>Mohammed Nasir Saeed, der Betreiber des Sp&#228;tkauf, vor Gericht mit der Forderung des Kl&#228;gers auf Nachzahlung von 83000 Euro konfrontiert, machte jedoch keinerlei Anstalten, sein Verhalten zu korrigieren. Stattdessen zog er alle Register, um Daniel R. und seine Unterst&#252;tzer einzusch&#252;chtern. Gegen Labournet Germany und das Internetportal Trend online ging er ebenso juristisch vor wie gegen den Kl&#228;ger selbst, der mehrfach Anzeigen wegen N&#246;tigung und Verleumdung erhielt.</p>
<p>Offensichtlich will er damit erreichen, dass der vom Gericht vorgeschlagene Vergleich f&#252;r ihn so g&#252;tlich ausf&#228;llt, dass sich das Ganze im Nachhinein f&#252;r ihn gelohnt hat.</p>
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		<title>Erst Schmarotzer, jetzt Minderleister?</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 08:19:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Europa]]></category>
		<category><![CDATA[Länder]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Repression]]></category>

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		<description><![CDATA[Der «soziale Arbeitsmarkt» nach dem rot-gr&#252;nen Modell von Nils B&#246;hlke SPD und Gr&#252;ne weigern sich beharrlich, die strukturellen Ursachen der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der «soziale Arbeitsmarkt» nach dem rot-gr&#252;nen Modell </strong><br />
von <em>Nils B&#246;hlke</em></p>
<p>SPD und Gr&#252;ne weigern sich beharrlich, die strukturellen Ursachen der Erwerbslosigkeit anzugehen, die in der Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt liegen. Stattdessen fahren sie fort, die Ursachen in den «Vermittlungshemmnissen» der einzelnen Erwerbslosen zu suchen. Gepaart mit einer zunehmend drastischen Sparpolitik treibt diese Suche immer abscheulichere Bl&#252;ten.<br />
<span id="more-3371"></span>Ein Entwurf der Landesregierung NRW hat jetzt die Idee aus den Niederlanden aufgegriffen, Erwerbslose als «Minderleister» – in den Niederlanden gelten sie als «sozial Behinderte – einzustufen, um ihnen Leistungen vorzuenthalten. Erwerbsloseninitiativen berichten immer h&#228;ufiger von Versuchen, Langzeitarbeitslose als «psychisch labil» zu diffamieren, in Einzelf&#228;llen auch wegzusperren.</p>
<p>Die Artikel in diesem Schwerpunkt berichten dar&#252;ber.<br />
«B&#252;ndnis aus CDU, FDP und LINKE stellt sich gegen Langzeitarbeitslose» &#252;berschrieben k&#252;rzlich SPD und Gr&#252;ne eine gemeinsame Presseerkl&#228;rung. Da war ihr Antrag auf eine Bundesratsinitiative f&#252;r einen so genannten «sozialen Arbeitsmarkt» gerade im Arbeitsausschuss des Landtags in D&#252;sseldorf mit den Stimmen eben dieser Fraktionen abgelehnt worden. Eine solche &#220;berschrift l&#228;sst aufhorchen, da bislang die Gemeinsamkeiten von CDU, FDP und LINKEN in der Arbeitsmarktpolitik doch eher &#252;berschaubar sind. Daher lohnt es sich, genauer zu untersuchen, was SPD und Gr&#252;nen vorschwebte.</p>
<p>Ein Blick auf den Arbeitsmarkt macht deutlich: Das angebliche Jobwunder, f&#252;r das sich die Bundesregierung im vergangenen Jahr feiern lie&#223;, bietet wenig Grund zum Jubeln. Offiziell gibt es bundesweit noch etwa 3 Millionen Erwerbslose. Zahlreiche Menschen sind aber in Ma&#223;nahmenschleifen gefangen, balancieren sich zwischen Praktika, Leiharbeit, Mini- und Midijob irgendwie durchs Leben und haben kaum noch eine Perspektive auf einen sozialversicherungspflichtigen, tariflich entlohnten unbefristeten Arbeitsplatz. Die Konkurrenz um die wenigen angebotenen Stellen ist gro&#223;. Da f&#252;hren bereits kleine Nachteile, beispielsweise Alter oder l&#228;ngere Erwerbslosigkeit, zu einem un&#252;berwindlichen «Vermittlungshemmnis». Nach Angaben der Landesregierung sind etwa 100000 Menschen dauerhaft «ohne Integrationsperspektive» auf den ersten Arbeitsmarkt.</p>
<p>Ein logischer Schritt w&#228;re jetzt, die Ursache f&#252;r das Problem – die unmenschliche Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt – anzugehen. Dies w&#252;rde allerdings bedeuten: Entweder man macht eine radikale Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich, das w&#252;rde die Profite der Unternehmen zugunsten der Lohnst&#252;ckkosten verringern, oder der &#246;ffentliche Dienst wird durch massive Konjunkturprogramme etwa so ausgebaut, wie das in skandinavischen L&#228;ndern der Fall ist. Dort ist die Quote der Besch&#228;ftigten im &#246;ffentlichen Dienst etwa doppelt so hoch wie in Deutschland. Dadurch w&#252;rden allerdings ebenfalls indirekt die Profite der deutschen Unternehmen verringert, weil sie bei wesentlich geringerer Konkurrenz die «industrielle Reservearmee» der Erwerbslosen nicht mehr so gut zur Lohndr&#252;ckerei gegen die Besch&#228;ftigten nutzen k&#246;nnten.</p>
<p><strong>Die Pl&#228;ne der Landesregierung</strong></p>
<p>Eine tats&#228;chliche Bek&#228;mpfung der Erwerbslosigkeit liegt nicht im Interesse der Unternehmen und wird von ihnen nicht als «realistisch» eingesch&#228;tzt – selbst wenn einzelne Politiker von SPD und Gr&#252;nen das wollten.<br />
Deshalb wird die Bek&#228;mpfung der Erwerbslosigkeit auf eine individuelle Ebene verschoben. Das Problem ist nach dieser Denkweise nicht die Rationalisierungspolitik der Unternehmen, die zu Massenerwerbslosigkeit und somit auch zu Langzeiterwerbslosigkeit gef&#252;hrt hat, sondern die «multiplen Vermittlungshemmnisse» des einzelnen Erwerbslosen. Diese gilt es zu beheben, damit der Erwerbslose wieder «Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt» hat. Welche Chancen dieser angesichts der ohnehin nicht existierenden Stellen haben soll, bleibt in diesem Modell allerdings offen.</p>
<p>Die Pl&#228;ne der Landesregierung sahen eine F&#246;rderung von Stellen vor, auf die Langzeiterwerbslose eingestellt werden. Daf&#252;r sollten ALG-II-Mittel zur Verf&#252;gung gestellt werden, die als so genannter Passiv-Aktiv-Transfer (PAT) die angeblich bislang inaktiven Erwerbslosen endlich wieder zu einer aktiven Teilhabe in der Gesellschaft bringen sollten.<br />
Mal abgesehen davon, dass es tief blicken l&#228;sst, wenn die Gesetzgeber davon ausgehen, dass ein Erwerbsloser automatisch passiv ist, l&#228;sst sich hier erkennen, weshalb es gegen den Antrag auch Widerstand von CDU und FDP gab. Deren Bundesregierung hat n&#228;mlich im Rahmen der so genannten «Instrumentenreform» gerade s&#228;mtliche Mittel der aktiven Arbeitsmarktpolitik zusammengek&#252;rzt und sieht keine Notwendigkeit, ALG-II-Mittel f&#252;r die aktive Arbeitsmarktpolitik zu verwenden.<br />
Eine Besonderheit des Modells der Landesregierung war zudem, dass – anders als beispielsweise beim sog. &#214;ffentlichen Besch&#228;ftigungssektor (&#214;BS) der rot-roten Koalition – nicht nur Stellen im gemeinn&#252;tzigen Sektor gef&#246;rdert werden sollten, sondern auch im privatwirtschaftlichen Bereich. Privatwirtschaftliche Unternehmen sollten also – analog zu den Integrationsunternehmen im Bereich der Menschen mit Behinderung – aus ALG-II-Mitteln einen sog. «Minderleisterausgleich» f&#252;r eingestellte Langzeiterwerbslose erhalten. Damit w&#252;rden Instrumente der Behindertenpolitik auf Erwerbslose angewendet.</p>
<p><strong>Wo gibt es eine Grenze?</strong></p>
<p>Der «Minderleisterausgleich» ist aber nicht nur eine Herabw&#252;rdigung aller Langzeiterwerbslosen. Auch Mitnahmeeffekten bei den Unternehmen w&#252;rde dadurch  T&#252;r und Tor ge&#246;ffnet. Eine Grenze, ab wann ein Erwerbsloser weniger produktiv als andere Besch&#228;ftigten ist, kann angesichts ohnehin immer vorhandener Produktivit&#228;tsunterschiede zwischen den Besch&#228;ftigten nur willk&#252;rlich gezogen werden. Nach dieser Logik war es denn letztlich auch die individuelle Minderleistung, die zur Erwerbslosigkeit gef&#252;hrt hat – und diese somit auch rechtfertigt –, nicht die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Einzelne erwerbslos gemacht haben.<br />
DIE LINKE hat diesem Ansatz im Ausschuss deutlich widersprochen und insbesondere auch die derzeitige Fachkr&#228;ftemangeldiskussion aufgegriffen, um die ganze Absurdit&#228;t der Diskussion deutlich zu machen. W&#228;hrend im ganzen Land von einem Fachkr&#228;ftemangel gesprochen wird, gibt es selbst nach offiziellen Zahlen noch immer 3 Millionen Erwerbslose, und die Bundesregierung k&#252;rzt massiv Mittel f&#252;r die Aus- und Weiterbildung der Erwerbslosen. Dabei werden Arbeitspl&#228;tze gerade in den Bereichen dringend ben&#246;tigt, in denen viele freie Tr&#228;ger agieren. Hier k&#246;nnte Qualifikationsf&#246;rderung ein hilfreicherer Ansatz aktiver Arbeitsmarktpolitik sein.<br />
Ein wirklicher Abbau der Erwerbslosigkeit und eine dadurch m&#246;gliche Integration aller in den ersten Arbeitsmarkt ist nur durch eine Umverteilung der vorhandenen Arbeit mittels einer radikalen Arbeitszeitverk&#252;rzung und eines massiven Ausbaus des &#246;ffentlichen Dienstes m&#246;glich.<br />
Einen solchen Ansatz hat DIE LINKE mit einem Entschlie&#223;ungsantrag in den Landtag eingebracht. Dieser wurde allerdings mit den Stimmen aller Fraktionen abgelehnt, die in Wirklichkeit nichts f&#252;r Erwerbslose unternehmen werden – CDU, SPD, Gr&#252;ne und FDP.</p>
<p><em>Nils B&#246;hlke ist Referent f&#252;r Arbeitsmarkt- und Gesundheitspolitik der LINKEN im Landtag NRW.</em></p>
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		<title>Niederlande: Neues Gesetz unterl&#228;uft Mindestlohn</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/11/niederlande-neues-gesetz-unterlauft-mindestlohn/</link>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 08:18:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Piet van der Lende In den Niederlanden wird das bisherige Sozialsystem bald durch ein neues auf den Kopf gestellt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>von <em>Piet van der Lende</em></p>
<p><strong>In den Niederlanden wird das bisherige Sozialsystem bald durch ein neues auf den Kopf gestellt.</strong></p>
<p>In Deutschland gibt es neue Ans&#228;tze f&#252;r subventionierte Arbeit [gemeint sind die 1-Euro-Jobs]. Dabei werden Arbeitspl&#228;tze geschaffen, bei denen die Arbeit zus&#228;tzlich sein muss – finanziert wird das mit EU-Geldern. Bis vor kurzem hatten wir in den Niederlanden ein &#228;hnliches System, es ist jetzt aber ein Gesetz geplant, das zu &#228;ndern.<br />
<span id="more-3310"></span>Bis vor kurzem gab es in den Niederlanden ein System subventionierter Arbeit, das nannte sich «Rein-Raus-Jobs» (Zustrom-Abwanderung-Jobs), die Arbeit musste eine zus&#228;tzlich sein. Rund 50000 Arbeitslose wurden auf diese Weise besch&#228;ftigt. H&#228;ufig war diese Arbeit zuvor von «regul&#228;r» Besch&#228;ftigten geleistet worden, f&#252;r einen normalen Lohn. Diese Arbeitspl&#228;tze wurden unter der liberalen Regierung Balkenende geschaffen.<br />
F&#252;r die Wiedereingliederung von Arbeitslosen wurde viel Geld ausgegeben, z.B. f&#252;r Trainingsma&#223;nahmen und Begleitung. Weil die Arbeitsvermittlung privatisiert wurde, bekamen Wiedereingliederungsbetriebe Geld vom Staat, um Arbeitslose in solchen Ma&#223;nahmen zu begleiten. Nach dem Ende der Regierung Balkenende &#252;bernahmen die Kommunen teilweise die «Rein-Raus-Jobs».</p>
<p><strong>Opfer der K&#252;rzungen</strong></p>
<p>Die neue Regierung unter Ministerpr&#228;sident Mark Rutte (wie die vorherige wird sie aus einer Koalition von Liberalen und Christdemokraten gebildet, jedoch st&#252;tzt sie sich auf die Partei von Geert Wilders) will binnen drei Jahren die staatlichen Haushaltsausgaben um 18 Milliarden Euro k&#252;rzen (2010 betrugen die Gesamtausgaben 254 Milliarden Euro). Zwei Milliarden dieser K&#252;rzungen sollen im Sozialbereich erfolgen, insbesondere die Gelder, die f&#252;r soziale Arbeitsbeschaffung und junge Behinderte aufgebracht werden, sollen zusammen gestrichen werden.<br />
Die Folge sind massive Ausgabenk&#252;rzungen bei der Wiedereingliederung von Arbeitslosen, auf staatlicher wie auf kommunaler Ebene; subventionierte Arbeit wird vollkommen abgeschafft. Wiedereingliederungsma&#223;nahmen soll es nur noch f&#252;r solche Arbeitslose geben, die gro&#223;e Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Auch die soziale Aktivierung von Sozialhilfeempf&#228;ngern, die keine Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, durch unbezahlte Arbeit  wird abgeschafft.</p>
<p><strong>Das neue System</strong></p>
<p>Als Ersatz wurde ein neues System geschaffen. Das heutige Sozialhilfegesetz, das Gesetz &#252;ber junge Behinderten (eine Art Volksversicherung) und das Gesetz zur Regelung der Arbeitsbedingungen von geistig Behinderten werden zu einem neuen Sozialhilfegesetz zusammengefasst. Damit gibt es nur noch eine Sozialhilferegelung f&#252;r Behinderte und Langzeitarbeitslose.<br />
Dar&#252;ber hinaus gibt es eine Behindertenversicherung f&#252;r Arbeitnehmer. Diese kann man jedoch nur in Anspruch nehmen, wenn man eine schwere Behinderung oder eine chronische Krankheit hat.<br />
Die Arbeitslosenversicherung f&#252;r Arbeitnehmer deckt nur einen kurzen Zeitraum ab. Menschen, die nicht versichert sind und arbeitsunf&#228;hig werden, erhalten die neue Sozialhilfe, ebenso wie die wachsende Gruppe von flexiblen Arbeitskr&#228;ften, die selbst&#228;ndig sind.<br />
Das neue Gesetz tritt ab dem 1.Januar 2013 in Kraft. Damit werden die folgenden Dinge abgeschafft:</p>
<p>–Subventionen f&#252;r Arbeitgeber, die teilweise Behinderte oder Langzeitarbeitslose besch&#228;ftigen;<br />
–subventionierte zus&#228;tzliche Arbeitspl&#228;tze, die keine regul&#228;re Arbeit verdr&#228;ngen;<br />
–das Wiedereingliederungsgeld f&#252;r kommerzielle Arbeitsvermittlungsbetriebe;<br />
–die soziale Aktivierung von Langzeitarbeitslosen.</p>
<p>Unter dem neuen System muss die Arbeit, die Arbeitslose verrichten, nicht mehr zus&#228;tzlich sein. Diese Arbeiten werden bei kommerziellen Arbeitgebern verrichtet und umfassen dieselben T&#228;tigkeiten, die auch regul&#228;re, nicht behinderte Arbeitnehmer verrichten. Dieses System hei&#223;t «Lohn-Dispens-System».</p>
<p><strong>Was ist das «Lohn-Dispens-System»?</strong></p>
<p>In den Niederlanden gibt es einen gesetzlichen Mindestlohn, auf dem das ganze System der sozialen Sicherheit basiert. Eigentlich d&#252;rfen Arbeitgeber niemandem weniger als diesen Mindestlohn bezahlen. Durch das neue System erhalten die Arbeitgeber jedoch «Dispens», d.h. es wird ihnen freigestellt, ob sie den gesetzlichen Mindestlohn oder den Tariflohn bezahlen, wenn sie Behinderte einstellen.<br />
Wie viel weniger sie bezahlt d&#252;rfen, regelt im neuen Gesetz ein kompliziertes Mess- und Beurteilungssystem. Dabei wird zun&#228;chst festgestellt, ob man zur Zielgruppe geh&#246;rt, wobei aber kein Unterschied mehr gemacht wird zwischen Langzeitarbeitslosen und Behinderten. Langzeitarbeitslose gelten nun als «teilweise behindert», weil sie bestimmte Arbeitsf&#228;higkeiten verloren haben.<br />
Dazu werden die Betreffenden von einem Arzt untersucht, der beurteilt, ob man eine geistige oder k&#246;rperliche Behinderung hat. Ist dies der Fall, erh&#228;lt man bei einer Anstellung die ersten drei Monate keinen Lohn, sondern Sozialhilfe. In dieser Zeit beurteilen die Arbeitgeber gemeinsam mit den zust&#228;ndigen Beamten den «Lohnwert» der teilweise Behinderten. Dazu erfolgt eine Leistungsbeschreibung der Arbeit des teilweise Behinderten, d.h. eine Definition der Leistung, die dieser erbringen muss.<br />
Anschlie&#223;end wird auf der Basis von 20 bis 30 Variablen die Arbeitsproduktivit&#228;t der anderen Arbeitskr&#228;fte ermittelt, die dieselbe Aufgabe erf&#252;llen. Die Variablen beziehen sich nicht nur auf die Arbeit als solche, sondern auch darauf, wie sich der Arbeitnehmer am Arbeitsplatz benimmt: Wie leicht kn&#252;pft er soziale Kontakte?, wie schnell erf&#252;llt er einen Auftrag?, meldet seinem Chef etwaige Schwierigkeiten? usw.<br />
Jede Variable erh&#228;lt einen bestimmten Wert, die Werte werden verglichen mit den durchschnittlichen Werten bei der Erf&#252;llung der jeweiligen Aufgaben. Auf dieser Basis wird der Prozentsatz der Leistung ermittelt, die der teilweise Behinderte erbringt, und damit sein «Arbeitswert» errechnet. Wenn er also 40% der durchschnittlichen Arbeitsleistung erbringt, muss der Arbeitgeber nur 40% des gesetzlichen Mindestlohns bezahlen. Weil der Betreffende damit zu weit unter das sozialen Minimum rutschen w&#252;rde, wird sein Lohn im Rahmen des neuen Sozialhilfegesetzes auf etwas mehr als das soziale Minimum aufgestockt.<br />
Im neuen System erh&#228;lt der teilweise Behinderte, der arbeitet, 70% des gesetzlichen Mindestlohnes, was dem sozialen Minimum entspricht. Es lohnt sich also zu arbeiten. Man verdient jedoch nie den vollst&#228;ndigen Mindestlohn.<br />
Dieses neue System ist jedoch ein Jagdsystem. Denn jedes Jahr wird die Arbeitsproduktivit&#228;t des teilweise Behinderten neu beurteilt. Doch selbst dann, wenn der Arbeitnehmer seine Produktivit&#228;t steigert, ihm also beispielsweise 50% des Mindestlohns gezahlt werden, erreicht er  nie die H&#246;he des gesetzlichen Mindestlohns. Viele Arbeitslose akzeptieren dieses System trotzdem, weil es etwas mehr bietet als die Sozialhilfe und man sich verbessern kann.</p>
<p><strong>Arbeitslose protestieren</strong></p>
<p>Die subventionierten Jobs f&#252;r Arbeitslose waren gegen&#252;ber der Sozialhilfe eine gro&#223;e Verbesserung, es waren normale Jobs mit einem normalen Arbeitsvertrag f&#252;r etwas mehr als den gesetzlichen Mindestlohn. Als bekannt wurde, dass man diese Jobs abbauen will, gingen die Arbeitslosen, die solche Jobs hatten, aus Protest auf die Stra&#223;e – sie wollten diese Jobs behalten. Die Proteste blieben aber &#246;rtlich beschr&#228;nkt und isoliert, weil die Gewerkschaften sie nicht unterst&#252;tzten – die sind der Ansicht, dass subventionierte Jobs nicht gut sind und die Leute in regul&#228;re Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse kommen sollen.<br />
Die Arbeitslosen, die f&#252;r den Erhalt ihrer subventionierten Jobs auf die Stra&#223;e gingen, wollten jedoch nicht zur&#252;ck in die Sozialhilfe. Denn wegen der Ausgabenk&#252;rzungen in den Haushalten haben sie wenig Aussicht auf eine andere Arbeit in der Kommune, nur einigen gelingt es, eine solche Arbeit zu finden, der Rest f&#228;llt in die Sozialhilfe zur&#252;ck oder geht in das neue System &#252;ber. Vermutlich werden sich trotzdem viele f&#252;r das neue System entscheiden.<br />
Die Gewerkschaften sprechen sich gegen das oben erl&#228;uterte neue System des Lohndispenses aus, werden es aber vermutlich nicht verhindern k&#246;nnen, da sogar die Gr&#252;nen ihre Zustimmung zu dem Gesetz angek&#252;ndigt haben. Doch die Aktionen der Gewerkschaften gegen das neue System richten sich nicht gegen die Behandlung der Arbeitslosen und Sozialhilfebeziehenden, sondern zielen darauf ab, mehr Geld herauszuschlagen.<br />
Auch wollen sie das Gesetz f&#252;r junge Behinderte und die Arbeitsbestimmungen f&#252;r geistig Behinderte beibehalten. Der Grund: Sozialhilfebezieherinnen sind nicht in Gewerkschaften organisiert, und f&#252;r die Rechte von Arbeitslosen bekommt man weniger gesellschaftliche Unterst&#252;tzung als f&#252;r Behinderte – dies w&#252;rde jedoch kein Gewerkschaftsvertreter je &#246;ffentlich sagen.<br />
Nat&#252;rlich wird das neue System mit idealistischen Argumenten angepriesen: Arbeit sei das Beste f&#252;r jeden, die Menschen k&#246;nnten sich entfalten, die Chancen von teilweise Behinderten und Langzeitarbeitslosen, einen Job zu finden, w&#252;rden durch dieses System erh&#246;ht, usw.<br />
Aktuell gibt es Modellversuche in 32 Gemeinden, um zu sehen, wie das neue System wirkt. Trotz vielfacher Bem&#252;hungen, das Gesetz schon im kommenden Jahr einzuf&#252;hren, wird es wohl bei Anfang 2013 bleiben.</p>
<p><em>Piet van der Lende arbeitet in der Amsterdamer Erwerbsloseninitiative Bijstandsbond und ist Mitglied bei den Europ&#228;ischen M&#228;rschen gegen Erwerbslosigkeit. Er hielt diesen Beitrag im Rahmen eines Workshops der Eurom&#228;rsche auf der Attac-Sommerakadamie 2011.</em></p>
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		<title>Schuld, krank, behindert</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 08:17:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Europa]]></category>
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		<description><![CDATA[Bei Erwerbsloseniniativen und Rechtsanw&#228;lten tauchen vermehrt Hartz-IV-Bezieher auf, f&#252;r die Jobcenter aus mitunter rechtswidrigen Gr&#252;nden «psychologische Gutachten» eingeleitet haben, oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bei Erwerbsloseniniativen und Rechtsanw&#228;lten tauchen vermehrt Hartz-IV-Bezieher auf, f&#252;r die Jobcenter aus mitunter rechtswidrigen Gr&#252;nden «psychologische Gutachten» eingeleitet haben, oder die bereits begutachtet wurden.<br />
<span id="more-3365"></span>Psychologische Gutachten entscheiden &#252;ber die M&#246;glichkeit, ob jemand an der Erwerbsarbeit teilnehmen kann oder nicht. Sind zun&#228;chst k&#246;rperliche bzw. organische Krankheiten nicht erkennbar oder lokalisierbar, werden psychische Begutachtungen eingesetzt, um die Ursache der Nichtteilnahme an der Erwerbsarbeit herauszufinden. Dies entspricht dem Wunsch von Arbeitgebern, die „v&#246;llig funktionierende» Arbeitskr&#228;fte mit «Power», «Engagement» und «voll bei der Sache» wollen, die die entsprechende Menge und Qualit&#228;t an Arbeit in der vereinbarten Zeiteinheit leisten, ohne viel Pausen oder Ausfall wegen Krankheit.</p>
<p>Deshalb werden z.B. nach Intelligenztests sog. Minderleister f&#252;r „geistig behindert» erkl&#228;rt und in Schwerbehindertenwerkst&#228;tten verwiesen. Gewerkschaftlich Aktiven wird nach Probezeitk&#252;ndigungen versucht, mit Hilfe psychologischer Gutachten die Schuld an der K&#252;ndigung zuzuweisen, politisch aktiven Erwerbslosen wird auf diese Weise der Berufsabschluss aberkannt.</p>
<p>Die rechtliche Grundlage, das dieses Vorgehen m&#246;glich macht, ist eine Norm der Bundesagentur f&#252;r Arbeit (BA), in der es zu den Grenzen des psychologischen Dienstes der BA hei&#223;t: «In Hinblick auf die Feststellung der Erwerbsf&#228;higkeit kann der psychologische Dienst ausschlie&#223;lich eine Aussage treffen, ob und inwieweit psychische Faktoren das Leistungsverm&#246;gen der Kundin oder des Kunden mindern. Wird w&#228;hrend der psychologischen Begutachtung deutlich, dass zus&#228;tzlich eine &#228;rztliche Aussage notwendig ist, so wird in jedem Fall eine &#228;rztliche bzw. eine fach&#228;rztlich-psychiatrische Begutachtung empfohlen. Geht es um k&#246;rperliche Einschr&#228;nkungen, ist in jedem Fall der &#196;rztliche Dienst einzuschalten.» Die Gr&#252;nde f&#252;r die Einschaltung des Psychologischen Dienstes sind tabellarisch angef&#252;hrt. Sozialarbeiter bef&#252;rchten, dass ihre Berichte &#252;ber sehr private Angelegenheiten der ihnen Anvertrauten &#252;ber das PC-Netzwerk der BA in falsche H&#228;nde geraten. So k&#246;nnen Arbeitgeber &#252;ber sich neu Bewerbende Kenntnis erhalten.</p>
<p>Die «Aktion Agenturschluss» aus K&#246;ln schreibt dazu: «Neben den Einkommenseinbu&#223;en und dem Drangsalieren werden Erwerbslose mehr durchleuchtet als andere. Sie erstellen ein Profil von dir, machen psychologische Tests, mit denen sie geistige und sonstige F&#228;higkeiten bewerten – &#228;hnlich wie in der Kriminologie. So ist ein ganzer Wirtschaftszweig entstanden. Gesellschaften von Sozialarbeitern und Psychologen schleusen Hunderte von Arbeitslosen durch, f&#252;r die das Procedere im Ein-Euro-Job endet.»</p>
<p>Die Betroffenen selbst sind sich mitunter dessen, was mit ihnen passiert, nicht bewusst oder fragen: «Warum nicht?» Mitunter wundern sie sich dann aber sehr &#252;ber ihre Aussteuerung aus dem Hartz-IV-Bezug und die Aufforderung der ARGE, einen Antrag f&#252;r die Grundsicherung f&#252;r Erwerbsgeminderte beim SGB XII-Tr&#228;ger (Sozialhilfe) zu stellen oder aber sich bei einer Schwerbehindertenwerkstatt zu bewerben. Denn mit dem «psychologischen Gutachten» wird ihnen die Leistungsf&#228;higkeit zu regul&#228;rer Erwerbsarbeit f&#252;r den allgemeinen Arbeitsmarkt mit»psychologischen Diagnosen» nach dem Katalog der «psychischen Krankheiten» aberkannt oder sie in psychiatrische Behandlung gezwungen. Psychologen stellen ihr Verhalten als krankhaft hin.</p>
<p>Quelle: Runder Tisch gegen Erwerbslosigkeit und soziale Ausgrenzung.</p>
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		<title>Altersarmut und sinkende L&#246;hne</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 17:37:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Armut]]></category>
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		<category><![CDATA[Altersarmut]]></category>
		<category><![CDATA[Lohnentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Rente]]></category>
		<category><![CDATA[Renten-Dialog]]></category>
		<category><![CDATA[Rentenkürzung]]></category>

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		<description><![CDATA[Daten und Fakten zur Rente in Deutschland von Jochen Gester Die zunehmende Altersarmut schafft den Parteien ein Problem. Arbeitsministerin von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Daten und Fakten zur Rente in Deutschland</strong></p>
<p>von <em>Jochen Gester</em><br />
Die zunehmende Altersarmut schafft den Parteien ein Problem. Arbeitsministerin von der Leyen hat jetzt einen «Renten-Dialog» und ein Mini-Ref&#246;rmchen angeboten. Eine Nebelkerze, wie die Daten zur Altersarmut zeigen.<br />
<span id="more-3065"></span>Lang ist’s her, dass Norbert Bl&#252;m die Republik mit Plakaten versorgte, auf denen er verk&#252;ndete, die Rente sei sicher. Schon damals gab es Zweifel daran. Doch im Vergleich zu heute erscheinen die damaligen Verh&#228;ltnisse geradezu als paradiesisch.</p>
<p>Das neue Thema hei&#223;t Altersarmut, sie frisst sich von den R&#228;ndern in die Mitte der Arbeitsgesellschaft hinein. Die Rente ist schon jetzt ein Megathema und verspricht, es in den n&#228;chsten Jahrzehnten zu bleiben. Das Thema betrifft und bek&#252;mmert Jung wie Alt, und es r&#252;ckt den professionellen Wahlk&#228;mpfern auf den Leib, die darauf Antworten geben m&#252;ssen. Deshalb hat das Arbeitsministerium unter Frau von der Leyen jetzt einen «Renten-Dialog» ausgerufen und Korrekturen bei «L&#252;cken» in der Altersvorsorge versprochen.</p>
<p><strong>Das Rentenniveau sinkt </strong></p>
<p>Erstmals hat die Bundesregierung offiziell best&#228;tigt, dass das verf&#252;gbare Einkommen der Ruhest&#228;ndler in den vergangenen zehn Jahren erheblich zur&#252;ckgegangen ist. Dem derzeitigen Rentenanstieg um durchschnittlich 0,99% steht eine Inflationsrate von 2,3% gegen&#252;ber.</p>
<p>In den letzten zehn Jahren war es nicht anders. Eine durchschnittliche Preissteigerung von 1,36% &#252;bertraf die um 0,82% erh&#246;hten Altersbez&#252;ge. Ber&#252;cksichtigt man die gestiegenen Beitr&#228;ge f&#252;r die Kranken- und Pflegeversicherung, so betrug die Steigerung der Altersbez&#252;ge sogar nur 0,56%. Nach Berechnungen der Linkspartei summiert sich der Verlust auf 7%.</p>
<p>F&#252;r die Mehrheit ist dies keineswegs leicht zu verkraften. Zwar liegt der durchschnittliche Bruttorentenbetrag f&#252;r den sog. Eckrentner (Einzahlung von Rentenbeitr&#228;gen &#252;ber 45 Jahre) noch bei 1236 Euro im Westen und 1096 Euro in den neuen Bundesl&#228;ndern, doch schaut man sich die real gezahlten Beitr&#228;ge an, sieht die Sache ganz anders aus.</p>
<p>Nach Auskunft der Deutschen Rentenversicherung (DRV) wurden Ende 2010 durchschnittlich in den alten Bundesl&#228;ndern real 985 Euro an M&#228;nner und 490 Euro an Frauen ausbezahlt. Im Osten lauten die Vergleichszahlen 1060 und 705 Euro. Doch der Vorteil aus den ehemaligen DDR-Biographien schwindet, denn die nachwachsenden Generationen sind &#252;berdurchschnittlich von Erwerbslosigkeit und  Niedrigl&#246;hnen betroffen.</p>
<p><strong>Ein abschreckendes Beispiel</strong></p>
<p>In keinem Land Europas ist der Wechsel aus der Berufst&#228;tigkeit in die Altersruhe mit einer so drastischen Absenkung des Lebensniveaus verbunden wie in Deutschland. Die Nettoersatzquote – das ist der Prozentsatz, in dem die Alterseinkommen zu den vorherigen Realeinkommen stehen – lag 2007 bei 58%. Lohnabh&#228;ngige, die nur 50% des Durchschnittseinkommens erzielten, mussten sich sogar nur mit 53,4 % zufrieden geben. Vor den Reformen aus dem Hause Riester lagen die Quoten noch bei 70%. Der Statistik der OECD aus dem Jahr 2007 ist zu entnehmen, dass die Quoten in allen anderen L&#228;ndern bis dato deutlich &#252;ber 60% lagen.</p>
<p>Besonders schlecht weg kommen die Menschen, die unterdurchschnittlich verdienen. In anderen europ&#228;ischen L&#228;ndern gibt es Ausgleichszahlungen, die sicherstellen, dass dieser Teil der Lohnabh&#228;ngigen nicht v&#246;llig verarmt. Sogar im Thatcher-geplagten Gro&#223;britannien wird f&#252;r diesen Personenkreis eine Ersatzquote von 66% erreicht. In den &#252;brigen EU-Staaten liegt sie &#252;ber 70%, teilweise &#252;ber 80%, in D&#228;nemark sind es sogar 133%.</p>
<p>Auch die Ersatzquoten f&#252;r Durchschnittsverdiener liegen mit Ausnahme von Grossbritannien auf  deutlich h&#246;herem Niveau. In &#214;sterreich gehen die Pension&#228;re sogar mit &#252;ber 90% ihres Sal&#228;rs in den Ruhestand. In den Niederlanden n&#228;hert sich die Quote mit 96,8% fast den im Berufsleben erzielten Verdiensten.</p>
<p>Die aktuellen Zahlen aus dem Arbeitsministerium zeigen jedoch, dass es in Deutschland alles andere, nur keine Trendwende gibt. 2011 liegt die Ersatzquote vor Steuern bei 50,8%.</p>
<p><strong>Negative Lohnentwicklung</strong></p>
<p>Diese prek&#228;re Situation erh&#228;lt noch dadurch zus&#228;tzliche Sprengkraft, dass die L&#246;hne und Geh&#228;lter, die eine Referenzgr&#246;&#223;e bilden, sich auf Talfahrt befinden. W&#228;hrend in allen anderen EU-Staaten die realen Lohnkosten in den letzten zehn Jahren gestiegen sind – in den alten EU-Staaten bis zu 15%, in neuen Beitrittsl&#228;ndern bis &#252;ber 30% – waren sie in Deutschland r&#252;ckl&#228;ufig. Zwar verl&#228;uft diese Entwicklung f&#252;r alle nach unten, doch ist sie f&#252;r die Besch&#228;ftigten in den Niedriglohnsektoren besonders ausgepr&#228;gt. In keinem anderen Land Europas ist dieser Sektor seit den 90er Jahren so expandiert wie in der Bundesrepublik, die damit weltweit hinter den USA den gr&#246;&#223;ten Niedriglohnbereich aufweist.</p>
<p><strong>Reformen f&#252;r die junge Generation?</strong></p>
<p>Um die Politik der Lohn- und Rentensenkung in der &#214;ffentlichkeit zu verkaufen, bem&#252;hen sich Politiker aller Pro-Agenda-2010-Parteien gerne darum, als Anwalt der jungen Generation wahrgenommen zu werden. F&#252;r ihre Zukunft und als Beispiel f&#252;r Generationensolidarit&#228;t seien die schmerzlichen Einschnitte erforderlich.</p>
<p>Doch die heute in den Arbeitsmarkt eintretenden und auf die Rente hinarbeitenden Generationen haben weniger Chancen als ihre Eltern auf Erwerbsbiographien, die eine Rente oberhalb der heutigen Grundsicherung, etwa 670 Euro, abwerfen k&#246;nnten. F&#252;r die etwa 10 Millionen Erwerbsf&#228;higen der Altersgruppe der heute 20- bis 30-J&#228;hrigen stehen nur 5,2 Mio. Vollzeit- und lediglich 1,3 Mio. Teilzeitarbeitspl&#228;tze zur Verf&#252;gung.</p>
<p>&#220;berdurchschnittlich viele landen in prek&#228;ren und unsteten Erwerbsverh&#228;ltnissen – bis hin zu denen, die den Begriff «Generation Praktikum» gepr&#228;gt haben. Das mittlere Einkommen dieser Altersgruppe besteht gerade mal aus einem verf&#252;gbaren Einkommen von 740 Euro. In der nachfolgenden Altersgruppe der 30- bis 35-J&#228;hrigen steigt es dann deutlich, liegt aber mit 1340 Euro jedoch immer noch deutlich unter den Nettoentgelten von 1600–1700 Euro, die 35–65-J&#228;hrige erzielen.</p>
<p><strong>Die Demografie-L&#252;ge</strong></p>
<p>Das zweite Argument, mit dem die Regierungen ihre Politik des Sozialabbaus als verantwortliches, letztlich alternativloses Staatshandeln zu verkaufen suchen, ist die demographische Entwicklung: Sie ver&#228;ndert das Verh&#228;ltnis zwischen den Menschen, die ein Erwerbseinkommen erwirtschaften, und denen, die davon ern&#228;hrt werden m&#252;ssen, zu Lasten der ersten Gruppe.</p>
<p>Die sinkende Geburtenrate und die steigende Lebenserwartung sollen daf&#252;r verantwortlich sein, dass die Sozialsysteme nicht mehr finanzierbar sind. Dabei haben andere Faktoren, wie die Entwicklung der Arbeitslosigkeit, an der Verschiebung dieser Relationen einen wesentlich bedeutenderen Anteil und diese Entwicklung ist alles andere als naturgegeben.</p>
<p>V&#246;llig unber&#252;cksichtigt bleibt auch die damit in Zusammenhang stehende Entwicklung der Produktivit&#228;t der Arbeit, die es seit &#252;ber 100 Jahren erm&#246;glicht, diese Verschiebungen zu verarbeiten, ohne dass die Gesellschaft den G&#252;rtel enger schnallen muss. Gerd Bosbach, Professor an der Fachhochschule Remagen, befasst sich seit Jahren mit diesem Thema. Sein Fazit dazu:</p>
<p>«Die Zukunft wird so d&#252;ster gezeichnet, weil wir immer &#228;lter werden und immer weniger Kinder bekommen. Den &#196;lteren unter uns sollte das bekannt vorkommen. Es ist n&#228;mlich &#252;berhaupt nichts Neues. So stieg im letzten Jahrhundert die Lebenserwartung um mehr als 30 Jahre; rechnet man die Erfolge bei der Verringerung der Kindersterblichkeit heraus, bleiben noch mehr als 20 Jahre zus&#228;tzlich bei der Lebenserwartung. F&#252;r die n&#228;chsten knapp 50 Jahre nehmen die Experten des Statistischen Bundesamts eine Alterung von sechs Jahren an, also im Vergleich sehr wenig. Und was ist mit dem zweiten ‹Katastrophenanlass›, der Verringerung der Kinderzahl? Sie werden es schon erraten: Der war im letzten Jahrhundert auch wesentlich st&#228;rker, als f&#252;r die Zukunft berechnet. In Zahlen: Der Anteil der Kinder und Jugendlichen an der Bev&#246;lkerung sank zwischen 1900 und 2000 von 44% auf 21% und soll in der halben Zeitspanne bis 2050 auf 16% abfallen. Auch die Zahlen &#252;ber die zu versorgenden &#252;ber 65-J&#228;hrigen sprechen eine klare Sprache: 1900–2000: plus 170%; Erwartung der Fachleute f&#252;r die n&#228;chsten 50 Jahre: plus 77%, also auch anteilm&#228;&#223;ig weniger als im letzten Jahrhundert! Konsequenz dieser Fakten: Wir haben im letzten Jahrhundert viel mehr verkraftet, als f&#252;r die Zukunft erwartet wird. Und das bei massiv steigendem Wohlstand f&#252;r alle und einem Auf- und Ausbau der Sozialsysteme. Altern und weniger Kinder erzwingen also mitnichten einen Abbau sozialer Leistungen.»</p>
<p><strong>Was dagegen halten?</strong></p>
<p>Die Antwort auf diese Entwicklung, die heute 20-j&#228;hrige bereits am Sinn der gesetzlichen Rentenversicherung zweifeln l&#228;sst, kann nur ihre St&#228;rkung sein. Daf&#252;r ist eine Trendwende in der Einkommensentwicklung unverzichtbar.</p>
<p>Dies betrifft zuerst die Tarifpolitik, in der die Verteilungsspielr&#228;ume nicht mehr genutzt werden. Dazu bedarf es branchen&#252;bergreifender gesetzlicher Mindestl&#246;hne. Ber&#252;cksichtigt man, dass nach den heutigen Werten ein Besch&#228;ftigter bei 38,5 Stunden in der Woche &#252;ber 45 Beitragsjahre mindestens einen Stundenlohn von 9,47 Euro bekommen muss, um &#252;ber die Grundsicherung zu kommen, ist klar, dass der Mindestlohn nicht unter 10 Euro liegen darf.</p>
<p>F&#252;r alle, die eine solche Anwartschaft nicht mehr erwirtschaften k&#246;nnen, muss es eine armutsfeste Grundrente geben, die die gegenw&#228;rtige Pf&#228;ndungsgrenze von 1000 Euro nicht unterschreiten sollte.</p>
<p>Die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre ist dem Wunsch der gro&#223;en Mehrheit der Bev&#246;lkerung entsprechend r&#252;ckg&#228;ngig zu machen. Eine weitere Rentenk&#252;rzung auf diesem Wege ist abzulehnen.</p>
<p>Nach Lage der Dinge ist das ein Programm f&#252;r soziale Bewegungen und keines von bereit stehenden Regierungsparteien. Hier werden gerade Placebo-Inszenierungen gemacht. Die angek&#252;ndigte Minireform von Frau von der Leyen verdeutlicht den exklusiven Charakter dieser «Reformen». F&#252;r derzeit 17000 Personen soll die Rente auf ein Niveau von 850 Euro aufgestockt werden. Diese schwindende Spezies soll 45 Jahre in der Rentenversicherung gewesen sein und zus&#228;tzlich 35 Jahre privat vorgesorgt haben.</p>
<p>Das Schn&#228;ppchen w&#252;rde die Staatskasse mit gerade einmal 50 Mio. Euro belasten, dennoch gibt es bisher kein gr&#252;nes Licht vom Finanzminister.</p>
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		<title>Arm an Kindern, reich an Armen</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/09/arm-an-kindern-reich-an-armen/</link>
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		<pubDate>Thu, 01 Sep 2011 18:53:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Geburten]]></category>
		<category><![CDATA[Statistik]]></category>

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		<description><![CDATA[Bundesrepublik 2010 von Manfred Dietenberger Im Jahr 2010 lebten in Deutschland mehr als 924000 Geld-Million&#228;re – so ist dem j&#228;hrlichen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bundesrepublik 2010</strong></p>
<p>von <em>Manfred Dietenberger</em></p>
<p>Im Jahr 2010 lebten in Deutschland mehr als 924000 Geld-Million&#228;re – so ist dem j&#228;hrlichen Wohlstandsbericht zu entnehmen, den Experten des Beratungsunternehmens Capgemini und der US-Bank Merrill Lynch zusammenstellen. Das ist ein Plus von 7,2%. In absoluten Zahlen waren das hierzulande 62000 Reiche mehr als im Jahr 2009. Nicht nur die Zahl der Million&#228;re, auch ihr Verm&#246;gen wuchs seit 2007. Durchschnittlich hatten die Million&#228;re 2010 rund 3,9 Mio. Dollar auf der hohen Kante.<br />
<span id="more-2933"></span>Beim Stichwort Armut denkt man an Staaten wie Afghanistan, Burkina Faso oder Rwanda, vor dem geistigen Auge tauchen Bilder von Kindern mit aufgedunsenen Hungerb&#228;uchen auf. So sieht Kinderarmut aus – jedoch nicht in Deutschland. Hier ist Kinderarmut versteckter und relativ. Hier hungern arme Kinder noch nicht, gehen aber h&#228;ufig ohne Schulbrot zur Schule.</p>
<p>Eine der Folgen ist, dass die Bereitschaft, Kinder in die Welt zu setzen, abnimmt. Im Jahr 2010 lebten rund 13,1 Millionen Kinder in Deutschland (Bericht des Statistischen Bundesamts zur «Lebenslage von Kindern in der Bundesrepublik»). Zehn Jahre zuvor, 2000, waren es noch 2,1 Millionen mehr gewesen. Im Westen sank die Zahl der Kinder in dieser Zeit um etwa 10% auf 11 Millionen Kinder, in Ostdeutschland aber um 29%. Die Mauer ist zwar gefallen, West- und Ostdeutschland bleiben aber auch in dieser Hinsicht weiter gespalten.</p>
<p>Bei 92% der Kinder in Paarfamilien war das Erwerbseinkommen eines oder beider Elternteile Quelle des &#252;berwiegenden Lebensunterhaltes. Auch 57% der Kinder von Alleinerziehenden sind auf das Erwerbseinkommen des Elternteils angewiesen. F&#252;r rund ein Drittel der Kinder von Alleinerziehenden stellten Hartz-IV-Leistungen die Haupteinkommensquelle dar.</p>
<p>Im Jahr 2008 waren in Deutschland 15,5% der Bev&#246;lkerung armutsgef&#228;hrdet, darunter &#252;ber eine Million Kinder und Jugendliche. Das bedeutet, dass das Netto-Einkommen in ihrem Elternhaus unter dem Schwellenwert von 11151 Euro pro Jahr lag. Jedes sechste Kind wurde also in ein armutsgef&#228;hrdetes Elternhaus hineingeboren. Wen wundert es da, dass die Bereitschaft abnimmt, Kinder in eine solche Welt zu setzen? Die BRD ist der kinder&#228;rmste Staat Europas.</p>
<p>Armut ist relativ. Sie setzt sich stets ins gesellschaftliche Verh&#228;ltnis, egal wo jemand dazu gezwungen wird, in Armut zu leben. Sie manifestiert sich in reichen L&#228;ndern anders als zum Beispiel in Indien. Menschen, die in der Bundesrepublik auf Hartz IV angewiesen sind, hilft es herzlich wenig weiter, wenn sie wissen, dass sie mit diesem Geld in Kalkutta gut leben k&#246;nnten. Die Miete und die Lebensmittel sind hierzulande zu zahlen, die Heizkosten hier zu begleichen, die Kinder gehen hier zur Schule und kaufen hier ihren Schulbedarf.</p>
<p>An die Verlierer aber ergeht die mediale Aufforderung, doch neidlos fair zu bleiben. Armut grenzt weltweit aus, denn der Kapitalismus ist ein System mit abschiebender Wirkung. Jeder kann wohlhabend werden, dies verhei&#223;en die alten und die neuen M&#228;rchen: Selber schuld, wer es nicht schafft.</p>
<p>Diese Kapitalistenm&#228;r verf&#228;ngt oft, weil es die «Verlierer» besch&#228;mt und die «Gewinner» scheinbar best&#228;tigt. Bislang vererbt sich Armut so wie Reichtum auch. Aus armen Kindern werden arme Rentner.</p>
<p>Doch nur so lange, wie wir den Kampf um die gerechte Verteilung des von uns geschaffenen gesellschaftlichen Reichtums nicht endlich gemeinsam aufnehmen. Wenn wir dies tun, dann k&#246;nnen wir uns alles leisten, nur nicht mehr die Reichen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		</item>
		<item>
		<title>B&#252;rgerarbeit startet im August 2010</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/07/burgerarbeit-startet-im-august-2010/</link>
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		<pubDate>Tue, 26 Jul 2011 14:20:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Armut]]></category>

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		<description><![CDATA[Die konsequenteste Form des F&#246;rderns und Forderns von Rudolf Reddig, Peter Brunett, Joachim Maiworm, Michael Wengorz Im August 2010 gab Ursula [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die konsequenteste Form des F&#246;rderns und Forderns</strong><br />
von Rudolf Reddig, Peter Brunett, Joachim Maiworm, Michael Wengorz</p>
<p>Im August 2010 gab Ursula von der Leyen, Bundesministerin f&#252;r Arbeit und Soziales, den Startschuss f&#252;r die B&#252;rgerarbeit: «Hier geht es um diejenigen, die ganz miserable Chancen haben, einen regul&#228;ren Job zu finden. Jeder bekommt eine Chance. Das zeigt, dass wir es ernst meinen mit dem Arbeitsangebot &#8230; Aktiv zu sein ist immer besser, als zuhause auf ein Jobangebot zu warten.»</p>
<p><span id="more-2533"></span>Das waren warme Worte, klangen nach Hilfe f&#252;r die Bed&#252;rftigen. Doch dann fuhr sie fort: «Die B&#252;rgerarbeit ist gewisserma&#223;en die konsequenteste Form des F&#246;rderns und Forderns.»Seitdem wird B&#252;rgerarbeit umgesetzt, je nach Bundesland und Jobcenter in unterschiedlichem Tempo. Am Ende werden etwa 34.000 B&#252;rgerarbeiter ausgew&#228;hlt, eine Mitwirkung der Erwerbslosen ist ebenso wenig vorgesehen wie Freiwilligkeit.</p>
<p>Im Berliner Bezirk Neuk&#246;lln ist die Umsetzung noch im Anfangsstadium. Am Ende sollen 1000 B&#252;rgerarbeiterinnen besch&#228;ftigt werden. Derzeit werden 300 Erwerbslose pro Monat &#252;ber einen Zeitraum von zehn Monaten durch drei «aktivierende» Phasen geschleust, bevor ein Drittel von ihnen in der eigentlichen B&#252;rgerarbeit landet.Zun&#228;chst wird ein «Profiling» erstellt, um die Eignung der Erwerbslosen f&#252;r den Arbeitsmarkt zu testen, aber auch um die «Arbeitsmarktnahen» von den «Arbeitsmarktfernen» zu unterscheiden und die Letzteren auszusondern. Es schlie&#223;t sich eine Phase verst&#228;rkter Vermittlung an, d.h. unter Aufsicht des Jobcenters m&#252;ssen Bewerbungen in gr&#246;&#223;erer Zahl geschrieben werden. In der dritten Phase sollen «Vermittlungsdefizite» durch Weiterbildung oder andere F&#246;rderung ausgeglichen werden, z.B. f&#252;r Selbstst&#228;ndige (die Mittel hierf&#252;r werden derzeit allerdings deutlich gek&#252;rzt). In der letzten Phase greift die B&#252;rgerarbeit im engeren Sinne.</p>
<p><strong>Entgelt und T&#228;tigkeit</strong></p>
<p>Der B&#252;rgerarbeiter wird sozialversicherungspflichtig besch&#228;ftigt, Beitr&#228;ge zur Arbeitslosenversicherung werden nicht abgef&#252;hrt. Seine Wochenarbeitszeit liegt bei 20–30 Stunden, der Bruttolohn bei 720 bzw. 900 Euro. Da der Nettolohn max. 730 Euro betragen wird, m&#252;ssen die meisten erg&#228;nzend ALG II beantragen. Erst als «Aufstocker» erhalten B&#252;rgerarbeiter also mehr als Erwerbslose. Das Sanktionsregime f&#252;r Erwerbslose bleibt auch f&#252;r B&#252;rgerarbeiter wirksam.Gegen&#252;ber den 1-Euro-Jobs k&#246;nnen sich sogar Verschlechterungen ergeben. Zus&#228;tzlich zur Wochenarbeitszeit ist auch in der Ma&#223;nahme ein w&#246;chentliches «Coaching» vorgesehen.Als Besch&#228;ftigungstr&#228;ger kommen neben den Kommunen auch &#246;rtliche Verb&#228;nde und freie Tr&#228;ger in Frage, ebenso Kirchen und karitative Einrichtungen, aber auch ortsans&#228;ssige Betriebe. Sozialstadtrat B&#252;ge nennt f&#252;r Berlin-Neuk&#246;lln die m&#246;glichen Einsatzgebiete: «Wohnumfeldverbesserung, Sicherheit und Sauberkeit im Quartier, Hilfen im Bereich der Gr&#252;nanlagen und Kirchh&#246;fe, praktische und p&#228;dagogische Hilfen in Kindertagesst&#228;tten, Sportst&#228;tten, Jugendclubs und Jugendeinrichtungen, Schulhelfer, hauswirtschaftliche Helfer, praktische Helfer im Bereich Gesundheit und Senioren, Mobilit&#228;tshelfer, Helfer in Verwaltung und B&#252;ro, Zuarbeiten zu Ordnungsdiensten.» Es handelt sich ausnahmslos um T&#228;tigkeiten, die keine Qualifikation erfordern und bereits nach kurzer Einarbeitungszeit ausge&#252;bt werden k&#246;nnen. Unabh&#228;ngig von ihrer eigenen Qualifikation werden die B&#252;rgerarbeiter auf das unterste Niveau festgelegt und einheitlich danach bezahlt.<br />
B&#252;rgerarbeit und WorkfareDa B&#252;rgerarbeit nicht existenzsichernd bezahlt wird, weiterhin nicht freiwillig ist, im «coaching» einer rigiden &#220;berwachung und zudem einem permanenten Sanktionsregime unterworfen ist, kommt sie dem «Workfare»-Modell in den USA weit n&#228;her als die 1-Euro-Jobs. Sie zeigt eine neue Qualit&#228;t: Workfare koppelt den Bezug von Transferleistungen an eine Arbeitspflicht. Der Erwerbslose tr&#228;gt allein die Verantwortung f&#252;r die Erwerbslosigkeit und wird in einen Niedrigstlohnbereich hineinschikaniert.In einer Studie des Instituts f&#252;r Arbeits- und Berufsforschung (IAB) hei&#223;t dazu: «Verfechter des Gegenleistungsansatzes gehen zumindest implizit von der Hypothese aus, dass eine l&#228;ngere Dauer der Arbeitslosigkeit vorwiegend durch zu geringe Konzessionsbereitschaft entsteht. Eine konsequente Aktivierung f&#252;hrt dann zu einer erh&#246;hten Bereitschaft des Arbeitslosen, auch schlechter bezahlte Jobs anzunehmen. Wegen des Freizeitnutzens bei Arbeitslosigkeit muss in letzter Konsequenz eine Gegenleistung f&#252;r die Transferleistung verlangt werden, die den Freizeitnutzen senkt bzw. die M&#246;glichkeit zur Schwarzarbeit reduziert. Dazu eignet sich &#246;ffentliche Besch&#228;ftigung, die in der Reinform des Workfare-Ansatzes nicht zus&#228;tzlich zur Transferleistung entlohnt wird.» (C.Heinz u.a.: «Modellversuch B&#252;rgerarbeit: Zwischen Workfare und Arbeitsmarkt», IAB-Forschungsbericht, Nr.14, 2007.)Wie die 1-Euro-Jobs begr&#252;ndet auch «B&#252;rgerarbeit» kein Arbeitsverh&#228;ltnis, sondern nur einen «Besch&#228;ftigungsvertrag» ohne die Rechte, die sich aus einem Arbeitsverh&#228;ltnis normalerweise ergeben. Beim 1-Euro-Job aber l&#228;uft Hartz IV weiter, der Bescheid bleibt erhalten, die B&#252;rgerarbeiterin jedoch muss einen neuen Antrag auf aufstockende Leistungen stellen, die sie ohne B&#252;rgerarbeit nicht bekommt (&#228;hnlich wie fr&#252;her im &#214;ffentlichen Besch&#228;ftigungssektor bzw. bei Arbeitsbeschaffungsma&#223;nahmen: Auf einen zu geringen Lohn wird die Transferleistung aufgestockt.Das Niveau des ALG II stellt bisher noch eine implizite Lohnuntergrenze dar. B&#252;rgerarbeit/Workfare wirkt dann umso mehr, wenn Besch&#228;ftigte aufgrund des Drucks, der auf sie in der B&#252;rgerarbeit ausge&#252;bt wird, statt dessen einen Job im Niedriglohnbereich annehmen, und sei dieser auch noch so schlecht.<br />
Wem n&#252;tzt es?Entgegen der Rechtslage dient B&#252;rgerarbeit klammheimlich dem weiteren Abbau von Personal in den Kommunen – zumal weder Jobcenter noch die Kommunalverwaltungen, noch die Besch&#228;ftigungstr&#228;ger Interesse an Kontrollen zeigen. Dem Missbrauch wird so T&#252;r und Tor ge&#246;ffnet.Der Etat des Bundesministeriums wird dagegen entlastet. Die Kosten f&#252;r die erste, dreij&#228;hrige Phase des Projektes «B&#252;rgerarbeit» belaufen sich auf 1,3 Mrd. Euro, 230 Mio. Euro kommen j&#228;hrlich aus dem Bundesetat, 200 Mio. Euro vom Europ&#228;ischen Sozialfonds (ESF).Kostensenkungen ergeben sich durch die Senkung der Regiekosten, die an die Besch&#228;ftigungstr&#228;ger gezahlt werden. Die Rede ist jetzt von 140 Euro pro Monat und B&#252;rgerarbeiter.Besonders werden jene profitieren, die in der rechtlichen Grauzone zwischen amtlicher Genehmigung und konkreter Arbeit durch konkrete Menschen B&#252;rgerarbeiterinnen unbezahlt f&#252;r sich arbeiten lassen. Denn wer kann «&#246;ffentliches Interesse» und «Zus&#228;tzlichkeit» wirklich pr&#228;zise formulieren? Auch auf diese Weise verdr&#228;ngt B&#252;rgerarbeit regul&#228;re Besch&#228;ftigung.<br />
DGB-Gewerkschaften und B&#252;rgerarbeitLange Zeit haben sich die Gewerkschaften &#252;ber das Thema ausgeschwiegen. Nach wie vor ist ihre Haltung widerspr&#252;chlich. Erst im letzten Jahr erkl&#228;rte der arbeitsmarktpolitische Sprecher im DGB-Bundesvorstand, Johannes Jakob: «Der DGB lehnt die B&#252;rgerarbeit nicht grunds&#228;tzlich ab», die Bezahlung m&#252;sse aber nach Tariflohn erfolgen. Die B&#252;rgerarbeit werde bei den Erwerbslosen auf gro&#223;es Interesse sto&#223;en, «so dass Zwangsma&#223;nahmen unterbleiben k&#246;nnen.» B&#252;rgerarbeit, so die Kernforderung «bedarf der &#220;berwachung durch die Sozialpartner». @FT:&#196;hnlich widerspr&#252;chlich zustimmend &#228;u&#223;erte sich Annelie Buntenbach, stellv. DGB-Vorsitzende, in einer Pressemitteilung im Juli letzten Jahres: «Zu begr&#252;&#223;en ist, dass diese Besch&#228;ftigung im Gegensatz zu den 1-Euro-Jobs – mit Ausnahme der Arbeitslosenversicherung – sozialversicherungspflichtig ist und die Bezahlung nach tariflichen Regeln erfolgen soll.»Wir bedauern, dass der DGB den Grundgedanken von B&#252;rgerarbeit/Workfare nicht begreifen will und f&#252;r sich keinen Handlungsbedarf sieht. Denn B&#252;rgerarbeit ber&#252;hrt den Kernbereich gewerkschaftlicher Arbeit: Denn der Druck auf das allgemeine Lohnniveau nimmt stetig zu, das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Das w&#228;re Grund genug f&#252;r die Gewerkschaften, B&#252;rgerarbeit konsequent abzulehnen.Die B&#252;rgerarbeit wird, die Prognose wagen wir, einzig erfolgreich sein in der Bek&#228;mpfung der Arbeitslosen, nicht jedoch der Arbeitslosigkeit. Wir werden gegen sie politisch vorgehen, mit aller n&#246;tigen Konsequenz. Dazu brauchen wir mehr Fantasie, mehr Wagemut und andere Denkans&#228;tze – in allen gesellschaftlichen Bereichen, auch bei den Gewerkschaften.</p>
<p><em>R.Reddig, P.Brunett und J.Maiworm arbeiten in der AG B&#252;rgerarbeit Berlin; M.Wengorz in der BAG Prek&#228;re Lebenslagen.</em></p>
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		<title>Abf&#228;lle und Almosen – Die Armutsindustrie</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Jul 2011 14:18:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Armut]]></category>

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		<description><![CDATA[Hartz IV hat nichts gebracht, nur die Armut vergr&#246;&#223;ert, das best&#228;tigt nun auch die Wissenschaft. Trotz Sanktionen und dem st&#228;ndigen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hartz IV hat nichts gebracht, nur die Armut vergr&#246;&#223;ert, das best&#228;tigt nun auch die Wissenschaft. Trotz Sanktionen und dem st&#228;ndigen Damoklesschwert der Leistungsk&#252;rzung oder gar -streichung sind Bezieher von ALG II heute nicht weniger lang ohne Stelle als vorher die Bezieherinnen von Arbeitslosen- und Sozialhilfe.<br />
<span id="more-2538"></span>Wie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-B&#246;ckler-Stiftung (WSI) nach Auswertung des Sozio&#246;konomischen Panels herausfand, betrug die Dauer der Arbeitslosigkeit vor der Hartzreform (2005) im Durchschnitt 12 Monate, jeder zweite fand innerhalb eines Jahres einen neuen Job. Unter Hartz IV betr&#228;gt die durchschnittliche Arbeitslosigkeit 13 Monate, weiterhin schafft es die H&#228;lfte aller Bezieher des Arbeitslosengelds II innerhalb eines Jahres in eine neue Stelle.Daf&#252;r ist die Zahl der Armen dramatisch gestiegen. Im 4.Quartal 2010 lebten von 576.704 Einwohnern in Dortmund 82.295 in Arbeitslosengeld II und Sozialgeld. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften betrug 42.958. Die Armutsquote ist jedoch deutlich h&#246;her, weil Bezieherinnen von Transferleistungen durchschnittlich &#252;ber Einkommen verf&#252;gen, die ca. 20% unterhalb der Armutsschwelle liegen – aktuell sind das 796 Euro f&#252;r Alleinstehende und 1796 Euro f&#252;r einen Vierpersonenhaushalt, Stand 2009.</p>
<p>Der starke Anstieg der Armutsbev&#246;lkerung (bundesweit um 14,6%, 2009) erzeugt eine erhebliche Nachfrage nach kostenlosen oder f&#252;r einen symbolischen Beitrag erh&#228;ltlichen Lebensmitteln, Mittagstisch in Suppenk&#252;chen, Kleidung, Hausrat und Spielzeug, Medikamenten und medizinischen Dienstleistungen bis hin zu entwerteten Wohnungen, die zunehmend verrotten, weil sie nur noch zum Preis der Nebenkosten vermietet werden (k&#246;nnen). Gleichzeitig setzt die Sozial- und Steuerpolitik starke Anreize, der Armut mit Wohlt&#228;tigkeit und ehrenamtlichem Engagement zu begegnen.</p>
<p>So entsteht eine Armutsindustrie, die recycelt, was die beg&#252;terten Mittel- und Oberschichten wegwerfen, und das &#252;bersch&#252;ssige Arbeitskr&#228;ftepotenzial f&#252;r Gottes Lohn dienstverpflichtet. Es bleibt dauerhaft in diesem Sektor gefangen, ohne Perspektive, noch einmal den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt schaffen zu k&#246;nnen.Hier verfestigt sich eine Parallelgesellschaft, die von den Strukturen und Rechten der Erwerbsgesellschaft entkoppelt, ausgegrenzt, abgeh&#228;ngt ist und zunehmend in Armutszonen der Stadt eingeschlossen wird. An die Stelle der doppelt freien Lohnarbeit (frei vom Dienstherrn und frei von Produktionsmitteln) treten wieder pers&#246;nliche Abh&#228;ngigkeit und (Beh&#246;rden-)Willk&#252;r. Die Mehrheitsgesellschaft will mit diesen Armen nichts zu tun haben, spendet allenfalls und am liebsten das, was sie selbst nicht mehr braucht. Und wo sie sich von der Wirtschaftskrise bedroht f&#252;hlt, konkurriert sie mit ihnen um die knapper werdenden staatlichen Mittel und erkl&#228;rt die aussortierten Menschen offen zum Ausschuss: «nicht integrationsf&#228;hig».</p>
<p><em>Irina Vellay</em> hat im Jahr 2009 diesen Kreislauf f&#252;r die Stadt Dortmund erforscht. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Studie findet sich im Artikel &#8220;Abf&#228;lle und Almosen – das Beispiel Dortmund&#8221;.</p>
<p><em>Die ganze Studie tr&#228;gt den Titel:</em><br />
Irina Vellay, <em>Die Parallelgesellschaft der Armut. Niedrigschwellige existenzunterst&#252;tzende Angebote in Dortmund.</em> Schriftenreihe «Workfare–Dienstpflicht–Hausarbeit» (Hrsg. Forschungsgruppe «Der ‹workfare state› – Hausarbeit im &#246;ffentlichen Raum?»), Nr.4, 2010. siehe auch <a href="http://www.werkstadt-dortmund.de/werkstadt/fair/doc/Parallelgesellschaft.pdf">www.werkstadt-dortmund.de/werkstadt/fair/doc/Parallelgesellschaft.pdf</a> und <a href="http://&lt;a href=">www.fh-dortmund.de/vellay/index.php</a></p>
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		<title>Abf&#228;lle und Almosen – Das Beispiel Dortmund</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Jul 2011 14:10:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Armut]]></category>

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		<description><![CDATA[Am unteren Rand der Gesellschaft etabliert sich eine Armutswirtschaft. Das Beispiel Dortmund von Irina Vellay Die Nothilfeangebote kommen in Dortmund [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Am unteren Rand der Gesellschaft etabliert sich eine Armutswirtschaft.</strong><br />
<strong>Das Beispiel Dortmund</strong><br />
<em>von Irina Vellay</em><br />
Die Nothilfeangebote kommen in Dortmund Ende der 80er Jahre auf. Die Armut war sichtbarer geworden. Galten die 80er Jahre als Jahrzehnt der Arbeitslosigkeit, so waren die 90er Jahre das Jahrzehnt der Obdachlosigkeit. Wohnungsnot und steigende Mieten fallen zusammen mit einer verfestigten Langzeitarbeitslosigkeit und lassen immer mehr Menschen zu Verlierern werden. Gerade Menschen mit Br&#252;chen im Leben werden zunehmend ausgeschlossen und landen am Ende der Abstiegsspirale auf der Stra&#223;e.</p>
<p><span id="more-2535"></span>Im Verlauf der 90er Jahre entsteht ein ganzes Netz zur Unterst&#252;tzung der Menschen, die wohnungslos oder gef&#228;hrdet sind, ihre Wohnung zu verlieren. Sie gelten verwaltungstechnisch eigentlich als nicht mehr existent, geh&#246;ren aber zunehmend zum Stadtbild, weil sie entgegen jeder b&#252;rgerlichen Wohlanst&#228;ndigkeit drau&#223;en leben (m&#252;ssen) und sich des &#246;fteren dem Alkohol oder anderen Drogen hingeben. Die belebten Orte der Stadt sind ihre bevorzugten Treffpunkte.Eines der ersten Nothilfeangebote war der «Br&#252;ckentreff» der Diakonie. 1991 folgte die «Kana-Suppenk&#252;che», zun&#228;chst als «fliegendes Angebot» auf Initiative junger Menschen aus der evangelischen Kirche, inspiriert von Projekten der Catholic Workers in den USA.</p>
<p>Nach zwei Jahren mobiler Suppenausgabe auf &#246;ffentlichen Pl&#228;tzen wurde 1993 ein Ladenlokal in der Nordstadt gemietet und eine feste Einrichtung geschaffen. Mitte der 90er Jahre richteten die Franziskaner in der &#246;stlichen Innenstadt ein Obdachlosenfr&#252;hst&#252;ck an der Klosterpforte ein. 1995 wurde das «Gast-Haus» an der Rheinischen Stra&#223;e in der westlichen Innenstadt gegr&#252;ndet. Die Bek&#228;mpfung des Hungers und das Angebot sozialer Begegnung bilden den Ausgangspunkt der heutigen institutionalisierten Infrastruktur.</p>
<p><strong>Suppenk&#252;che und Kleiderkammer – Die Nothilfe</strong></p>
<p>Das Segment Nothilfe enth&#228;lt Angebote zur Erstversorgung, um eine akute Notlage bei existenziellen Grundbed&#252;rfnissen aufzufangen und das &#220;berleben zu sichern; es geht vor allem darum, dass Menschen nicht hungern m&#252;ssen. Mit dem Essen ist in der Regel die M&#246;glichkeit der Begegnung verbunden. Die Einrichtungen sind wichtige Aufenthaltsr&#228;ume und Ankerpunkte f&#252;r die Menschen, die eigentlich nirgends sein d&#252;rfen und st&#228;ndig neu damit rechnen m&#252;ssen, aus dem Stadtgebiet vertrieben zu werden. Es sind die einzigen Orte in der Stadt, an denen Wohnungslose oder Menschen mit ganz wenig Geld wirklich willkommen sind.</p>
<p>H&#228;ufig sind um das Essenangebot herum weitere Notwendigkeiten wie K&#246;rperpflege, Kleidung, W&#228;schewaschen, Schlafs&#228;cke, medizinische Versorgung und Rechtsberatung, aber auch Dienstleistungen wie Fris&#246;r und Fu&#223;pflege organisiert. Menschen ohne Wohnung verf&#252;gen nicht mehr &#252;ber die geringsten Ressourcen, um den Alltag zu organisieren, und sind f&#252;r alles und jedes auf externe Anlaufstellen angewiesen. Ganz wesentlich ist, dass die Nutzung an keine Voraussetzung gebunden ist. Die meisten Angebote sind kostenlos oder gegen einen symbolischen Betrag erh&#228;ltlich.</p>
<p>Die Nutzer sind in den allermeisten F&#228;llen Einheimische, vor allem M&#228;nner mittleren Alters und &#228;lter. Der Frauenanteil liegt meist unter 10%. Zu einem geringen Anteil sind auch Migranten bis hin zu Wanderarbeitern aus Osteuropa vertreten. Kinder werden manchmal von ihren M&#252;ttern mitgebracht, bleiben aber die Ausnahme.Gleichwohl leben in Dortmund etwa 70 Kinder und Jugendliche auf der Stra&#223;e, die Zahl der Wohnungslosen wird auf rund 600 gesch&#228;tzt (265.000 in Deutschland). Der tats&#228;chliche Kreis der Nutzer ist jedoch gr&#246;&#223;er. Zunehmend greifen auch Menschen aus dem ALG-II-Bezug oder mit geringen Renten bzw. Niedrigl&#246;hnen auf kostenlose Angebote zur&#252;ck. Die Hemmschwelle, diese anzunehmen, ist dennoch sehr hoch, weil die Obdachlosen als die «Auss&#228;tzigen» der Gesellschaft gelten. Die Nutzer sind nicht nur ganz &#252;berwiegend deutsch, sie sind auch zum gr&#246;&#223;ten Teil Dortmunder.</p>
<p><strong>An der Grenze</strong></p>
<p>Seit dem Ende der 80er Jahre ist die Nachfrage st&#228;ndig, parallel zum Anstieg der Armut, gestiegen. Mit der Zeit ist in der Dortmunder City und vor allem in den Stadtteilen der Innenstadt ein dichtes Netz aus Unterst&#252;tzungs- und Beratungsangeboten entstanden.</p>
<p>Doch viele Einrichtungen sind inzwischen an ihre Kapazit&#228;tsgrenzen angelangt. Mehr als 300 G&#228;ste pro Essensausgabe und Einrichtung sind nicht mehr zu bew&#228;ltigen.Bei der Qualit&#228;t der Essenangebote muss man Abstriche gegen&#252;ber dem &#252;blichen Standard machen. Das meiste ist nicht mehr frisch. Das Essen ist einfach und fleischbetont. Man kann satt werden, aber die Auswahl ist begrenzt. Im Unterschied z.B. zum Kantinenessen gibt es mittags immer nur ein Gericht, welches man nehmen oder darauf verzichten kann. W&#252;nsche sind kaum m&#246;glich und ern&#228;hrungsbedingte Krankheiten ein Problem, man darf keine z.B. Allergien oder Diabetes haben. Viele, gerade der Wohnungslosen, sind jedoch in mehrerer Hinsicht krank. Auf diese Bedarfe k&#246;nnen die Angebote nicht eingehen. Sie geben aus, was ihnen gespendet wurde.</p>
<p>Bei den Helferinnen der Projekte ist das Verh&#228;ltnis genau umgekehrt: Ganz &#252;berwiegend sind es Frauen mittleren Alters und &#228;lter. Sie kommen aus allen sozialen Schichten, aber es scheint so zu sein, dass in den ehemaligen Arbeitervierteln sich auch viele Menschen engagieren, die selber nur &#252;ber wenig Geld verf&#252;gen, aber Menschen helfen wollen, denen es noch schlechter geht.</p>
<p>Die beschriebenen Projekte kooperieren miteinander in dem Sinne, dass sie gegenseitig auf die jeweils anderen Angebote verweisen und &#252;berz&#228;hlige Sachspenden austauschen. Dar&#252;ber hinaus gibt es – au&#223;er mit der Tafel – keine direkte Zusammenarbeit, weder bei &#246;ffentlichen Aktionen noch in Form von &#214;ffentlichkeitsarbeit. &#220;berschneidungen mit anderen Projekten gibt es keine. Alle Projekte haben verbindliche Beziehungen zu einzelnen Unternehmen aufgebaut, von denen sie g&#252;nstige Dienstleistungen oder Sachspenden erhalten, eine gezielte Sponsorenpflege gibt es allerdings nur bei der Tafel.Gegen&#252;ber der lokalen Politik ist man sehr zur&#252;ckhaltend bis reserviert.</p>
<p>Hierin dr&#252;cken sich vielf&#228;ltige Entt&#228;uschungen aus. Es gibt keine Erwartung (mehr), von dieser Seite Unterst&#252;tzung f&#252;r die Arbeit zu erhalten, zugleich aber die Erfahrung, dass die Politik sich in der &#214;ffentlichkeit regelm&#228;&#223;ig durch einen repressiven Umgang mit armen Menschen zu profilieren sucht, was ihre Lage weiter verschlechtert. So verweigert man sich auch unisono Presseauftritten mit Politikern: «Die sollen sich nicht mit Obdachlosen schm&#252;cken.»</p>
<p><strong>Klare Hierarchie und Wohlverhalten</strong></p>
<p>Die Nothilfeangebote st&#252;tzen sich ausschlie&#223;lich auf ehrenamtliche Arbeit. Gelegentlich kommen auch Straff&#228;llige mit Sozialstunden zum Einsatz, oder es werden einzelnen Wohnungslosen kleine Zuverdienste insbesondere f&#252;r Gartenarbeit angeboten</p>
<p>Bei allen beschriebenen Einrichtungen l&#228;sst sich eine Dreiteilung der Arbeit und der Beteiligung beobachten. Die Leitungsebene ist f&#252;r zentrale organisatorische und inhaltliche Aufgaben und f&#252;r die Repr&#228;sentation in der &#214;ffentlichkeit zust&#228;ndig. Sie setzt sich zumeist aus langj&#228;hrigen Aktivisten zusammen, insbesondere aus der Mittelschicht. Hier ist der M&#228;nneranteil in der Regel deutlich h&#246;her als in den Arbeitsteams, die von Frauen bestimmt werden.Die Arbeitsteams leisten das Tagesgesch&#228;ft mit dem Fr&#252;hst&#252;cks- oder Mittagsangebot, sie organisieren sich selbst und setzen die Hausregeln gegen&#252;ber den Nutzern durch. Hier ist die soziale Lage gemischter. Gerade im «Gast-Haus» und bei «Kana» sind viele Helferinnen dabei, die mit wenig Geld auskommen m&#252;ssen, selber arbeitslos sind oder gar die Einrichtung zun&#228;chst als G&#228;ste besucht haben. Die Nutzer haben keine Mitspracherechte.</p>
<p>Die Nothilfeangebote haben auch in der Wirtschaftskrise bislang kein Problem, Spenden einzuwerben. «In der Not helfen» und «das &#220;berleben sichern» geh&#246;rt zu den Grundmustern des Zusammenlebens und bedarf keiner weiteren Begr&#252;ndung.«Kana» und «Gast-Haus» haben eine gefestigte Spendenbasis: Bei Kana spenden die Vereinsmitglieder monatlich einen Teil ihres Einkommens, weitere Spenden stammen von eher b&#252;rgerlichen Mitgliedern der Kirchengemeinden. Die Spender kennen die Gabenempf&#228;nger nicht, sie erwarten jedoch Dankbarkeit und politische Neutralit&#228;t. Armut darf zwar benannt und angeprangert werden, aber es ist verp&#246;nt, die Ursachen aufzudecken und etwa die Spender als Mitverantwortliche f&#252;r die Erzeugung von Armut zu bezeichnen. Die «Unabh&#228;ngigkeit» der Projekte, «weil sie ohne &#246;ffentliche F&#246;rderung auskommen», erweist sich somit als begrenzt. Politisches Wohlverhalten ist die Grundlage dauernder Spendenbereitschaft.</p>
<p><strong>Die Armenhilfe: Zweitverwertung..</strong>.</p>
<p>W&#228;hrend die Nothilfe von Ehrenamt und Almosen (Sach- und Geldspenden) lebt, betreibt die Armenhilfe Projekte, die &#246;ffentliche F&#246;rderung erfahren und daf&#252;r in den sog. Dritten Arbeitsmarkt integriert sind. Sie wendet sich mit der Tafel, den Sozialkaufh&#228;usern, Beratungsangeboten u.a. an diejenigen, die von ihrer St&#252;tze oder ihrem Einkommen nicht leben k&#246;nnen.</p>
<p>Die Dortmunder Tafel ist f&#252;r Erwachsene das einzige Angebot in der Nahrungsmittelhilfe. Sie versorgte Anfang August 2009 2677 Haushalte und erreichte 5983 Menschen, darunter 2016 Kinder (zu 56% aus der Nordstadt). Die Nordstadt gilt als Dortmunds Problembezirk. Die Nutzerinnen sind einkommensarme Haushalte: zu 40,3% Alleinstehende, 13,7% Alleinerziehende, 46% sonstige Mehrpersonenhaushalte. Den bei weitem gr&#246;&#223;ten Anteil stellen mit 75% deutsche Haushalte, gefolgt von 17% Haushalten aus den GUS-Staaten. Mittlerweile entstehen auch besondere Angebote f&#252;r Kinder. So bietet der Verein «komm-kids-com», eine Initiative der Unternehmensgruppe Kraft, seit April 2008 von Montags bis Freitags einen kostenlosen Mittagstisch f&#252;r 85 Kinder an; die Kinder m&#252;ssen allerdings vorher angemeldet werden.</p>
<p>Die Tafel setzt 50–60 Tonnen nicht mehr verkaufsf&#228;higer Lebensmittel in der Woche um, davon kann sie nur etwa 30–40% in Form von Lebensmittelk&#246;rben ausgeben, den gr&#246;&#223;eren Teil muss sie entsorgen, d.h. er wandert in den M&#252;ll. Immer wieder gibt es Spender, die in der Tafel eher die M&#246;glichkeit einer kostensparenden Entsorgung sehen als einen Zweitverwerter. Sie hat damit auch einen hohen logistischen Aufwand, weil sie immer wieder gegen gegen den Verfallstermin arbeiten muss: durch Vorkochen, K&#252;hlketten, st&#228;ndige Lagerkontrolle.</p>
<p>Dennoch &#252;bersteigt die Nachfrage das Angebot bei weitem, die Tafel sch&#228;tzt es auf 20.000–30.000 Menschen in Dortmund. Der angebotene &#220;berschuss und Ausschuss aus dem Lebensmittelhandel reicht daf&#252;r nicht aus. Hinzu kommt die mittlerweile f&#252;hlbare Konkurrenz um die Reste durch fliegende H&#228;ndler, die sie etwa auf Flohm&#228;rkten unter die Leute bringen. Die Tafel kann daher nur ein erg&#228;nzendes Angebot bereit stellen, keine vollst&#228;ndige Lebensmittelversorgung.</p>
<p>Die Kleiderkammer hat mehr und mehr Sozialkaufh&#228;usern Platz gemacht. Seit die Entsorgung Dortmund GmbH (EDG) im Rahmen des Abfallwirtschaftskonzepts 1996 gezwungen ist, Wertstoffe wie Altkleider getrennt zu sammeln und wieder einer Nutzung zuzuf&#252;hren, ist das Angebot an Altkleidern deutlich gestiegen. Die EDG sammelt durchschnittlich 1200–1300 Tonnen Altkleider pro Jahr und gibt sie an Sozialverb&#228;nde und Projekte wie «Jacke&amp;Hose» oder das Sozialkaufhaus weiter. Dort werden sie gewaschen und geb&#252;gelt, bevor sie in den Verkauf kommen (Durchschnittspreis: knapp &#252;ber 2 Euro). Das erledigen 1-Euro-Jobber.</p>
<p>F&#252;r die Projekte ist das eine kostenlose Arbeitskraft. Die Kleiderkammern waschen und b&#252;geln nicht, erhalten von der EDG aber auch keine Altkleider. Dar&#252;ber hinaus bietet das Sozialkaufhaus Hausrat, M&#246;bel, wei&#223;e Ware und Unterhaltungselektronik, aber auch B&#252;cher und Schuhe an. Erfahrungsgem&#228;&#223; k&#246;nnen nur etwa 30% des Spendenaufkommens wieder verkauft werden. Den Rest verkauft die EDG nach Osteuropa oder gibt es in den Rei&#223;wolf. Die insgesamt sechs Kleiderprojekte versorgen j&#228;hrlich an die 120.000 Kunden und machen einen gesch&#228;tzten Umsatz von 2,4 bis 3 Millionen Euro.</p>
<p><strong>&#8230;und Besch&#228;ftigungsma&#223;nahme</strong></p>
<p>Die Armenhilfe finanziert sich zuv&#246;rderst aus &#246;ffentlichen Mitteln. Tr&#228;ger sind hier vor allem die Wohlfahrtsverb&#228;nde, Unternehmen wie die Tafel oder auch Selbsthilfekollektive, und Arbeitsprojekte. W&#228;hrend die Tafel oder die Selbsthilfe 64% bzw. 55% ihrer Einnahmen aus dem Umsatz erzielen, den Rest aus Spenden, stellen die Arbeitsprojekte eine spezifische Form der &#246;ffentlichen Besch&#228;ftigung dar.</p>
<p>70–80% ihrer Kosten sind Personalkosten, die zu 100% von den ARGE (heute: Jobcenter) f&#252;r 1-Euro-Jobs oder Programmbesch&#228;ftigte z.B. in der Jobperspektive bezahlt werden; aus eigenen Einnahmen decken die Projekte nur die Sachkosten.Die Dortmunder Tafel oder die Dortmunder Selbsthilfe arbeiten vor allem mit regul&#228;r Besch&#228;ftigten und Ehrenamtlichen. Hier &#252;berwiegt die Selbstorganisation der Aktiven und ein partnerschaftlicher Umgang zwischen beiden Gruppen. Bei der Dortmunder Selbsthilfe geh&#246;rt es zum egalit&#228;ren Selbstverst&#228;ndnis, dass die regul&#228;r Besch&#228;ftigten auch ehrenamtliche Arbeiten wahrnehmen und die Hierarchie flach ist. Sie besch&#228;ftigen nur wenige Leute von der ARGE. Die Dortmunder Tafel hat eine Leitung aus regul&#228;r Besch&#228;ftigten, einen gro&#223;en Stamm von Ehrenamtlichen, die vor allem im Umgang mit den Tafelnutzern eingesetzt werden, und 1-Euro-Jobber, die eher die schmutzigen oder k&#246;rperlich anstrengenden Arbeiten im Lager oder im Fahrdienst verrichten.</p>
<p><strong>Die Dienstverpflichteten</strong></p>
<p>Der Hauptzweck der Arbeitsprojekte ist es, Menschen in Ma&#223;nahmen zu besch&#228;ftigen. Der Inhalt der Arbeit ist nur Nebenzweck. Hier arbeiten neben den regul&#228;r besch&#228;ftigten professionellen Kr&#228;fte vor allem Dienstverpflichtete. Die beiden Bereiche sind klar voneinander getrennt und haben einen unterschiedlichen Status in der Hierarchie.</p>
<p>Die Dienstverpflichteten (1-Euro-Jobber) bilden die unterste Stufe; das Geld, das sie erhalten, dient gerade der Deckung der Unkosten aus ihrer T&#228;tigkeit. Sie sind nur befristet im Einsatz (max. neun Monate) und erhalten Weisungen; &#252;ber die Teambesprechungen hinaus haben sie keine weiteren Mitspracherechte und keine Interessenvertretung; in Konfliktf&#228;llen m&#252;ssen sie sich an den Sozialarbeiter wenden, eine Durchsetzung ihrer Interessen gegen die festangestellten Besch&#228;ftigten ist undenkbar. Krankheitszeiten von mehr als drei Tagen f&#252;hren zur «K&#252;ndigung» und zum Abbruch der Ma&#223;nahme. Sie bilden im Projekt eine eigene Gruppe mit eigener «Subkultur». Mit den Nutzern des Angebots der Projekte teilen sie die Notwendigkeit, annehmen zu m&#252;ssen, was ihnen gerade geboten wird. Im g&#252;nstigsten Fall kommen sie in das Programm «Jobperspektive». Dort werden ihnen anspruchsvollere T&#228;tigkeiten &#252;bertragen: Nach einer Einarbeitungszeit werden sie h&#228;ufig als Fachanleiter f&#252;r 1-Euro-Kr&#228;fte eingesetzt.</p>
<p>Die Programmbesch&#228;ftigten erhalten keinen echten Tariflohn; sie werden de facto unabh&#228;ngig von ihrer T&#228;tigkeit und Qualifikation in die unterste Tarifgruppe des Tarifvertrags des Besch&#228;ftigungstr&#228;gers eingruppiert, und ihnen werden die &#252;blichen Sozialleistungen vorenthalten. Sie bekommen ein willk&#252;rlich von der ARGE festgelegtes Entgelt, das jederzeit einseitig neu festgesetzt werden kann: in Dortmund waren dies bis 2010 einheitlich 1600 Euro brutto. Damit &#252;ben sie einen erheblichen Druck auf die Tarifl&#246;hne aus und verdr&#228;ngen regul&#228;re Besch&#228;ftigung. Beim Diakonischen Werk verursacht ein Programmbesch&#228;ftigter j&#228;hrlich gut 10.000 Euro (25%) weniger Lohnkosten als ein Tarifangestellter bei gleicher T&#228;tigkeit.</p>
<p>Die Kommune erh&#228;lt in Dortmund j&#228;hrlich etwa die H&#228;lfte der 1-Euro-Job-Pl&#228;tze, die Begleitpauschale f&#252;r die 1-Euro-Jobber erlaubt mehr als die blo&#223;e Finanzierung der Personalkosten. Die F&#246;rderung der Jobperspektive liegt deutlich oberhalb der F&#246;rderung der fr&#252;heren Arbeitsbeschaffungsma&#223;nahmen (80% der Kosten, 20% verblieben als Eigenanteil beim Tr&#228;ger), l&#228;uft aber Ende 2011 aus.</p>
<p>Analog zur R&#252;cknahme sozialer Rechte ist die &#246;ffentliche F&#246;rderung jedoch insgesamt – mit Ausnahme der Arbeitsprojekte – r&#252;ckl&#228;ufig. Die Angebote sind immer mehr auf Spenden und Erwirtschaftung eigener Mittel angewiesen. Unternehmerische Patronage tritt, wie schon im 19.Jahrhundert, als neues Element hinzu: Unternehmen beraten, spenden Ausr&#252;stungen oder Geld oder erbringen kostenlos Handwerkerleistungen.</p>
<p><em>Die Autorin lehrt angewandte Sozialwissenschaften an der Fachhochschule Dortmund.</em></p>
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		<title>Anh&#246;rung zu Sanktionen in Hartz IV</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Jul 2011 07:53:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Armut]]></category>

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		<description><![CDATA[Nur kleine Risse im Beton von Joachim Maiworm Am 6.Juni gab es im Bundestag eine Anh&#246;rung zu Sanktionen in Hartz [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nur kleine Risse im Beton</strong><br />
<em>von Joachim Maiworm</em></p>
<p>Am 6.Juni gab es im Bundestag eine Anh&#246;rung zu Sanktionen in Hartz IV.<br />
«Die Sanktionsregelung ist dysfunktional und normativ falsch – und somit abzuschaffen», so fasste der Jenaer Sozialwissenschaftler Stephan Lessenich zusammen.</p>
<p><span id="more-2531"></span>Jessenich war als Experte f&#252;r die herrschende Sanktionspraxis im Rahmen des Sozialgesetzbuches geladen worden. Die Arbeitsmarktintegration von ALG-II-Beziehern, ein offizielles Ziel des Gesetzgebers, werde systematisch verfehlt, der Umgang mit Erwerbslosen in Deutschland sei zudem von der armenrechtlichen Tradition des Arbeitshauses gepr&#228;gt.</p>
<p>In Antr&#228;gen hatten die Fraktionen der Gr&#252;nen und der LINKEN gefordert, die Sanktionen nach dem SGB II zeitweise auszusetzen bzw. g&#228;nzlich abzuschaffen (SGB II und XII). Auf Initiative der beiden Oppositionsparteien befragte deshalb der Bundestagsausschuss f&#252;r Arbeit und Soziales am 6.Juni in einer &#246;ffentlichen Sitzung streng nach Parteienproporz geladene Sachverst&#228;ndige zu den aktuellen Sanktionsregelungen gegen Erwerbslose.</p>
<p>Erstaunlich: Manche Experten sprechen &#252;ber Dinge, &#252;ber die sie nichts Fundiertes wissen. Denn die Anh&#246;rung macht klar, dass zu wesentlichen Aspekten der Auswirkungen von Sanktionen empirisches Material ganz einfach fehlt. Frau Koch vom IAB r&#228;umte bspw. ein, dass die Folgen der Sanktionen f&#252;r Gesundheit und Wohlbefinden der Erwerbslosen bislang nicht untersucht wurden. Es l&#228;gen zudem keine quantitativen Untersuchungen zu den besonderen Auswirkungen der sch&#228;rferen Sanktionsregelung gegen unter 25-J&#228;hrige vor.</p>
<p>Herr Dorenkamp vom Unternehmerverband BDA konnte keine konkreten Zahlen &#252;ber Aktivierungserfolge vorlegen, ein Zusammenhang von Sanktionen und der gesteigerten Bereitschaft der Erwerbslosen, angebotene Stellen anzunehmen, ist somit nicht belegt. Hingegen zeigten einige kritische &#196;u&#223;erungen, dass zumindest folgende drei politische Ver&#228;nderungen derzeit nicht undenkbar scheinen:</p>
<p>Die verh&#228;ngten Totalsanktionen (K&#252;rzung der Regelleistung und der Kosten f&#252;r die Unterkunft auf Null) k&#246;nnten ebenso wie die sch&#228;rfere, und daher verfassungswidrige, Regelung gegen unter 25-J&#228;hrige zur Disposition stehen. Zudem erscheint es m&#246;glich, dass in den Jobcentern unabh&#228;ngige Ombudstellen eingerichtet werden, wie etwa von den Gr&#252;nen gefordert.</p>
<p>Gerade auch einige Experten, die Sanktionen prinzipiell bef&#252;rworteten, &#252;bten deutliche Kritik und wiesen darauf hin, dass die Sanktionspraxis der offiziell zugrundeliegenden erzieherischen Zielstellung widerspricht. Die vorgeschriebene starre Handhabung des §31 SGB II (der «Sanktionsparagraf») f&#252;hrt z.B. dazu, dass Sanktionen auch bei Verhaltens&#228;nderung nicht zur&#252;ckgenommen und somit als reine Bestrafungsaktion fortgesetzt werden. Die sozialen Folgen haben dann die Bedarfsgemeinschaften – Eltern und Kinder – zu tragen. F&#252;r eine unterschiedliche Behandlung von Jugendlichen &#252;ber und unter 25 Jahren fehlten nicht nur dem unabh&#228;ngigen Sachverst&#228;ndigen Markus Schmitz aus «praktischer Sicht die Argumente». Eine K&#252;rzung auf Null im Sozialhilferecht ist nach Aussage des Vertreters des Deutschen Vereins «nicht mehr zeitgem&#228;&#223;», in den Augen von Ingo Kolf (DGB) schlicht «unrechtm&#228;&#223;ig».</p>
<p>Alles in allem offenbarten sich in der Anh&#246;rung aber nur kleine diskursive Risse im fest zementierten Sanktionsblock. So wird der Druck auf Erwerbslose weiter steigen und mit ihm die Kurve der ausgesprochenen Sanktionen.</p>
<p><em>Siehe auch </em><a href="http://www.sanktionsmoratorium.de">www.sanktionsmoratorium.de</a><em>.</em><br />
<em>Der Autor arbeitet in der AG B&#252;rgerarbeit, Berlin, und in der b&#252;ndnisorientierten Initiative «Regelsatz erh&#246;hen jetzt!», die das garantierte Mindesteinkommen thematisiert (mit Vertretern der AG Soziales, Ver.di-Erwerbslose, Erwerbslosenzentrum BASTA! usw.);</em><a href="http://www.regelsatzerhoehung-jetzt.org"> www.regelsatzerhoehung-jetzt.org</a><em>.</em></p>
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