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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Bildung</title>
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		<title>Miese Ausbildung, miese Bezahlung, Diskriminierung</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 17:41:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildung]]></category>
		<category><![CDATA[Ausbildungsituation]]></category>
		<category><![CDATA[Azubis]]></category>

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		<description><![CDATA[Azubis 2011 von Manfred Dietenberger Es ist unertr&#228;glich, dass auch zum Ausbildungsstart Ende August/Anfang September 2011 rund 1,5 Millionen junge [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Azubis 2011</strong><br />
von <em>Manfred  Dietenberger</em><br />
Es ist unertr&#228;glich, dass auch zum Ausbildungsstart Ende August/Anfang September 2011 rund 1,5 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 29 Jahren ohne eine qualifizierte, abgeschlossene Berufsausbildung sind.<br />
<span id="more-3067"></span>«Lehrjahre sind keine Herrenjahre.» Mit solchen und &#228;hnlichen dummen Spr&#252;chen wurden fr&#252;her und werden heute noch W&#252;nsche und Erwartungen der jugendlichen Auszubildenden niedergemacht – im Betrieb, in der Schule oder zu Hause. Viel Arbeit, wenig Geld, schlechter Unterricht, das ist die Alltagswirklichkeit der Azubis. Der DGB-Ausbildungsreport registriert erhebliche Missst&#228;nde in den Ausbildungsbetrieben und an den Berufsschulen.</p>
<p>Besonders stark beklagen sich Lehrlinge im Hotel- und Gastst&#228;ttenbereich &#252;ber ihre miese Ausbildung. Das t&#228;gliche Erleben, nur als billige Arbeitskraft ausgenutzt zu werden, f&#252;hrt bei vielen von ihnen zu gro&#223;er Entt&#228;uschung, aber auch Wut. Zwei Drittel der Azubis im Hotel- und Gastst&#228;ttengewerbe kommen zudem regelm&#228;&#223;ig auf &#220;berstunden – im Durchschnitt aller Ausbildungsbranchen waren es «nur» 40,2%.</p>
<p>Die werdenden Hotel- und Restaurantfachleute verzeichneten au&#223;erdem die h&#246;chste Abbrecherquote; die meisten gaben an, nicht auf Dauer in dem Beruf bleiben zu wollen. Hinzu kommt, dass die Bundesregierung ein «flexibleres Jugendarbeitsschutzgesetz» plant, das es Ausbildungsbetrieben im Hotel- und Gastst&#228;ttengewerbe erm&#246;glichen soll, die Arbeitszeiten von minderj&#228;hrigen Auszubildenden bis in die Nachtstunden auszuweiten.</p>
<p>Nur zwei Drittel der &#252;ber 7000 Befragten sind mit der Qualit&#228;t ihrer Ausbildung irgendwie zufrieden. Am besten schnitt in diesem Jahr die Ausbildung zum Industriemechaniker ab, gefolgt vom Bank- und Industriekaufmann. Den theoretischen Teil der Ausbildung bewerteten hingegen 13,1% aller Befragten mit «ausreichend» oder sogar «mangelhaft». Nur jeder Zehnte findet den Unterricht «sehr gut».</p>
<p>Schon eine fr&#252;here Umfrage der IG Metall ergab: Bei den Berufsschulen handelt es sich nicht selten um sanierungsbed&#252;rftige Geb&#228;ude mit veralteter Ausstattung. Der Staat spart unsere Berufsschulen sehenden Auges kaputt. Je Berufssch&#252;ler gibt der Staat im Durchschnitt j&#228;hrlich gerade mal 2200 Euro aus, nicht einmal halb soviel wie f&#252;r die ebenfalls meist mangelhaft ausgestatteten allgemein bildenden Schulen.</p>
<p>Ein weiteres Ergebnis der Studie bringt einmal mehr zu Tage, dass weibliche Auszubildende gegen&#252;ber ihren m&#228;nnlichen Kollegen auch im zweiten Jahrzehnt des 21.Jahrhunderts immer noch benachteiligt sind. Frauen verdienen im Schnitt monatlich rund 110 Euro weniger. Weiterhin werden junge Frauen in «typische» Frauenberufe abgedr&#228;ngt. Wie lange noch dulden wir, dass weibliche Lehrlinge daf&#252;r bestraft werden, dass sie Dienstleistungen einbringen, Menschen pflegen oder beruflich Kinder erziehen?</p>
<p>Der DGB-Ausbildungsreport zeigt: Die Lage der arbeitenden und lernenden Jugend in diesem unserem Lande ist systemisch mies. Zum Aktionstag der IG Metall am 1.Oktober 2011 in K&#246;ln werden &#252;ber 20000 junge Metaller erwartet, die gemeinsam f&#252;r eine lebenswerte Zukunft auf die Strasse gehen werden – das w&#228;re ein ausbauf&#228;higer Anfang. Gelingt es den Azubis, ihren Protest mit den Sch&#252;ler- und Studentenstreiks zu vernetzen, kann sich ihre Wut zu aktivem und erfolgreichem Widerstand entwickeln.</p>
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		<title>Hamburg: Volksentscheid &#252;ber die Primarschule</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 19:24:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Lehrst&#252;ck in Schulklassenkampf Ergebnisse, Folgen, Fragen von Horst Bethge In Hamburg hat die Oberschicht denen da unten gezeigt, was [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		PRE.western { font-family: "Garuda" } 		PRE.cjk { font-family: "DejaVu Sans", monospace } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><strong>Ein Lehrst&#252;ck in Schulklassenkampf<br />
Ergebnisse, Folgen, Fragen</strong><br />
<em>von Horst Bethge</em><br />
In Hamburg hat die Oberschicht denen da unten gezeigt, was sie unter Klassenkampf versteht.</p>
<p>Die Niederlage der Verfechter der sechsj&#228;hrigen gemeinsamen Primarschule geht in ihrer Bedeutung weit &#252;ber die zur Abstimmung stehende Frage hinaus, sogar &#252;ber die Bildungspolitik hinaus. Zwar ist zwei Jahre l&#228;ngeres gemeinsames Lernen nur ein ganz wenig mehr soziale Bildungsgerechtigkeit, ein Schritt in die richtige Richtung, noch keine &#220;berwindung des Bildungsprivilegs oder Abschaffung des Gymnasiums. Aber selbst das geht dem Gro&#223;b&#252;rgertum zu weit</p>
<p><span id="more-1367"></span>– es brach einen Schulklassenkampf vom Zaun und nutzte mit einer stringenten Kampagne virtuos das neu geschaffenene Instrument des verbindlichen Volksentscheids.</p>
<p><strong>Die Bataillone</strong></p>
<p>Die Initiative «Wir wollen lernen» (WWL), gegr&#252;ndet in den noblen Elbvororten (durchschnittliches Jahreseinkommen der Steuerpflichtigen: 70.000–150.000 Euro) durch den Elternrat und Wirtschaftsanwalt einer der gr&#246;&#223;ten Kanzleien, Walter Scheuerl, wollte die Primarschule von Anfang an nicht. Gutbetuchte, viele Anw&#228;lte, Adlige, PR-Berater, Chef&#228;rzte, unterst&#252;tzt von der Jungen Union, dem Deutschen Lehrerverband, dem Bund Freiheit der Wissenschaft, FDP, NPD und Ex-B&#252;rgermeister Voscherau (SPD), mit Assistenz von Bild und z.T. Abendblatt und der Handelskammer, erzwangen den Volksentscheid durch gen&#252;gend Unterschriften. Sie legten den Abstimmungstermin in die Ferien, wissend, dass ihre Klientel Briefwahl macht.</p>
<p>Auf der anderen Seite standen der CDU/GAL-Senat, die vier B&#252;rgerschaftsparteien CDU, SPD, GAL, DIE LINKE, der DGB, die GEW, der Deutsche Parit&#228;tische Wohlfahrtsverband, 25 Migrantorganisationen, 20 bekannte K&#252;nstler, fast alle Erziehungswissenschaftler der Uni, die schon l&#228;nger bestehenden Initiativen «Eine Schule f&#252;r Alle» und «Pro Schulreform», fast alle Grundschuldirektoren, die Hamburger Sch&#252;lerkammer, ein Jugendaktionsb&#252;ndnis und die Handwerkskammer. Bis auf den Senat schlossen sich alle zur Initiative «Schulverbesserer» zusammen.</p>
<p>Wochenlange Verhandlungen zwischen Senat und WWL unter der Moderation des Gro&#223;unternehmers Michael Otto &#252;ber einen Kompromiss platzten. WWL wollte den Volksentscheid. Was tun? F&#252;r die Reformkr&#228;fte, auch DIE LINKE, stand nun die Frage, ob man dem Aufstand der «Gucci-Fraktion» (<em>Die Zeit</em>) &#246;ffentlich Paroli bieten oder die sichtbar gewordenen Differenzen im b&#252;rgerlichen Lager nur kommentierend begleiten sollte.</p>
<p>DGB, LINKE und GEW entschlossen sich, den Schulklassenkampf aufzunehmen. Dabei war klar, dass der Volksentscheid nur in den als bildungsfern bezeichneten und sozial schwachen Stadtteilen gewonnen werden konnte – und wenn es gleichzeitig gelang, den reformfreundlichen Teil der Intelligenz und des Hamburger B&#252;rgertums zu aktivieren. Also galt es, ein breites &#252;berparteiliches Aktionsb&#252;ndnis zu schaffen – ein neuer und ungew&#246;hnlicher Schritt. Wo in der BRD setzen LINKE und CDU einmal einen bildungspolitischen Reformschritt gemeinsam um?</p>
<p><strong>Die Vorgeschichte</strong></p>
<p>2007 hatte die Initiative «Eine Schule f&#252;r Alle» (GEW, LINKE, GAL, DGB u.a.) einen Volksentscheid f&#252;r «l&#228;ngeres gemeinsames Lernen Kl.1–10» gestartet, scheiterte aber an zu wenigen Unterschriften, u.a. weil die GAL wegen des inzwischen gebildeten Koalitionssenats ausstieg. Der B&#252;rgerschaftswahlkampf wurde von der GAL mit der Losung «Neun macht klug» und von der LINKEN mit «Gemeinschaftsschule Kl.1–10» bestritten. SPD und CDU wollten Grundschule Kl.1–4, dann zwei S&#228;ulen: hie Gymnasium, da Stadtteilschule (alle anderen Schultypen zusammen).</p>
<p>Am 9.10.2009 wurde mit der CDU/GAL-Mehrheit das Schulgesetz ge&#228;ndert: Einf&#252;hrung von B&#252;chergeld, kein Sitzenbleiben und Abschulen mehr und – als «Kopfgeburt», mitten aus den Koalitionsverhandlungen heraus – Kl.1–6 als Kompromiss. Ab Kl.7 sollte das Zwei-S&#228;ulen-Modell gelten.</p>
<p>Die Primarschule war den Gutbetuchten von Anfang an ein Dorn im Auge. Sie starteten ein Volksbegehren, das Ende 2009 den Volksentscheid erzwang. Nach dem Scheitern der Kompromissverhandlungen war Ole von Beust daran interessiert, dass alle B&#252;rgerschaftsparteien einstimmig die Primarschule verteidigten. Es kam zu Nachbesserungen am Schulgesetz und es konnte durchgesetzt werden: die Senkung der Klassenfrequenz in der Grundschule auf 23 bzw. 19 Sch&#252;ler, die Einstellung von 1000 zus&#228;tzlichen Lehrerinnen und Lehrern, die Streichung des B&#252;chergelds, der Elternwille nach Kl.7. Haushaltsvolumen: rd. 70 Millionen Euro j&#228;hrlich.</p>
<p>Ergebnis, Folgen</p>
<p>Da sich der Volksentscheid nur gegen die fl&#228;chendeckende Primarschule richtete, bleibt alles andere so, wie von der B&#252;rgerschaft beschlossen, auch die inzwischen erfolgte Einstellung von 585 zus&#228;tzlichen Lehrern. Die Grundschule bleibt Kl.1–4, allerdings werden wohl 23 Schulen die Primarschule als Schulversuch beantragen.</p>
<p>Dennoch: Das Ergebnis ist ein gravierender R&#252;ckschlag f&#252;r die Schulstrukturreformer – auch bundesweit. Wer wagt sich in Zukunft noch an Strukturreformen heran, wenn selbst in Hamburg ein so gro&#223;es B&#252;ndnis keine breite gesellschaftliche Unterst&#252;tzung gewann, wenn eine Initiative aus der Oberschicht, dem gro&#223;en Geld und der Springer-Presse sie stoppen kann? Denn hier zeigt sich: Eine Parlamentsmehrheit ist noch keine gesellschaftliche Mehrheit, zumal wenn sie erst nachtr&#228;glich hergestellt wird!</p>
<p>Das Stimmergebnis differierte extrem stark zwischen den Stadtteilen, die der Schulkampf noch mehr gespalten hat. In den gutbetuchten Stadtteilen betrug die Wahlbeteiligung 60–60,3%, in den &#228;rmeren 12–30%. «Die Wahlbeteiligung … ist geradezu ein Sozialatlas der Hansestadt geworden», schrieb die <em>Financial Times</em>. «Wat de da oben mokt, geiht mi an Oors vorbie», sprach der Volksmund.</p>
<p><strong>Probleme, Fragen</strong></p>
<p>WWL fuhr mit Hilfe von Bild eine aggressive Strategie. Es gelang der Initiative, sich als K&#228;mpferin der B&#252;rger gegen den Senat zu stilisieren. Mit Halbwahrheiten und skandalisierenden Meldungen wurden &#196;ngste gesch&#252;rt, der Senat wolle das bew&#228;hrte Gymnasium zerschlagen, das einen besseren sozialen Status verhie&#223;. Tief sitzende Ressentiments gegen sozial Schwache und Migranten wurden aktiviert (Westerwelle, Sloterdijk und Sarrazin lassen gr&#252;&#223;en!) und waberten durch Golf- und Hockeyclubs, Vereine und Parties. Das ergriff auch die Mittelschicht und wurde per Bild in die Facharbeiterkreise transportiert und traf auf Angst vor Arbeitsplatzverlust f&#252;r die eigenen Kinder. Das wurde auch auf der Stra&#223;e artikuliert: «Ich bin froh, dass wir im Alstertal und nicht auf der Veddel wohnen.» «Schon jetzt in der Grundschule halten zwei Ausl&#228;nder die ganze Klasse meines Sohnes auf.»</p>
<p>Dagegen wagten CDU und GAL nicht offensiv aufzutreten. Die Mehrzahl der Materialien der Schulverbesserer, auch die der LINKEN, argumentierten vor allem bildungspolitisch und p&#228;dagogisch und konnte den sozialen &#196;ngsten damit nicht beikommen. Absolut kontraproduktiv war die Senatsentscheidung, zum 1.Mai die Kita-Geb&#252;hren und das Essensgeld zu erh&#246;hen: «Die wollen was f&#252;r die Kinder tun? F&#252;r den Sohn muss ich 40 Euro mehr zahlen und f&#252;r sie auch», sagte die Mutter von vier Kindern in Steilshoop. «Darum hab ich zweimal Nein gestimmt, als Denkzettel. So sehr hab ich mich ge&#228;rgert.» Bei 140 Hausbesuchen an einem Tag habe ich 83 Leute angetroffen. 10 erkl&#228;rten, allein deswegen nicht abstimmen zu wollen, 26 hatten den Volksentscheid gar nicht im Kopf und zwei-, dreimal wurde zur&#252;ckgefragt: «Was? Ist denn schon wieder Wahl?» «Nein, Volksentscheid.» «Was ist denn das?»</p>
<p>Auch die gleichzeitig eskalierende Spardebatte wirkte kontraproduktiv: «Die reden von Sparen und da soll die Primarschule kommen? Was haben sie uns nicht schon alles versprochen?» Mit dem Begriff «Reform» konnte man nur negative Stimmung erreichen: «Reform, geh mir weg. Hartz-Reform, Gesundheitsreform, Steuerreform, geh mir weg mit dem Schiet!»</p>
<p>Solche Dialoge, wie wir sie zu Tausenden hatten, zeigen die gro&#223;e Distanz, die die herrschende Klasse und die Politiker zu Prekarisierten und Proleten mittlerweile haben. Da ist es mit viermal Hausverteilung und w&#246;chentlichen Infost&#228;nden in Tegelsbarg nicht getan. Sieht man sich die Materialien der Schulverbesserer (z.T. auch der LINKEN) genauer an, waren sie schon von der verwendeten Sprache her meist nicht geeignet, die Kluft zu &#252;berwinden.</p>
<p><strong>Halbherzigkeiten</strong></p>
<p>Dem DGB gelang es nicht, wie beabsichtigt, 200 Betriebsr&#228;te unter eine Erkl&#228;rung zu bekommen, in ganz Hamburg hat es nicht eine einzige Betriebsversammlung gegeben mit dem TOP «Verschiedenes Volksentscheid», oder eine morgendliche Betriebsverteilung: «Da kommt ihr mit so was, wo wir gegen Entlassungen k&#228;mpfen.»</p>
<p>Die SPD, erst ganz zum Schluss auf das Aktionsb&#252;ndnis aufgesprungen, um dabei und nicht au&#223;en vor zu sein, fuhr ihren eigenen Kurs. 39 Veranstaltungen zum Schulfrieden – nicht zur Primarschule. Nur ein Ortsverein hat sich an der Kampagne der Schulverbesserer beteiligt! Und das Gerede vom Schulfrieden, da h&#228;tten die Schulverbesserer, auch DIE LINKE, die hanseatische Zur&#252;ckhaltung aufgeben und die Gegner klar benennen m&#252;ssen: Ein Schulklassenkampf – wie jeder Klassenkampf – braucht klar identifizierbare Gegner, mit Stra&#223;e und Hausnummer.</p>
<p>«Kumpel, machs kurz: Ist das gegen die da oben, ja oder nein?» Einerseits… «Dann behol dien Schiet», und gab das Flugblatt zur&#252;ck. Reaktionen wie diese deuten darauf hin, dass man das Konzept eines Aktionsb&#252;ndnisses bei so heterogenen Partnern sehr genau bedenken sollte. Au&#223;erdem m&#252;ssen Gewerkschaften und Linke in bestimmten Schichten oder Kiezen sowohl mit eigenen ad&#228;quaten Materialien wie mit Aktionsformen konzentriert arbeiten.</p>
<p>Denn deren Mobilisierungsf&#228;higkeit steht zur Debatte, nicht nur bei einem Volksentscheid, auch bei Wahlen, einem hei&#223;en Herbst oder einer Rentenkampagne. Vor allem aber steht die kontinuierliche Arbeit in und mit den Leuten in diesen Stadtteilen an.</p>
<p><em>Horst Bethge war Grund-, Haupt- und Realschullehrer. Er ist Mitglied des Landesvorstands Hamburg DIE LINKE und der Koordinierungsgruppe der BAG Bildungspolitik und bekleidet seit vielen Jahren Funktionen in der GEW.</em></p>
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		<title>Bertelsmann&#8217;s Einfluss auf die Hochschulpolitik</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/06/marktorientierung-statt-oeffentlicher-kontrolle/</link>
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		<pubDate>Thu, 03 Jun 2010 09:45:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Marktorientierung statt &#246;ffentlicher Kontrolle von Klaus Stein Privat vor Staat galt lange Zeit als besser. Die anhaltenden studentischen Proteste gegen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		PRE { font-family: "Times New Roman" } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><strong>Marktorientierung statt &#246;ffentlicher Kontrolle</strong><br />
<em>von Klaus Stein</em></p>
<p>Privat vor Staat galt lange Zeit als besser. Die anhaltenden studentischen Proteste gegen die Bildungsmisere zeigen: Das Gegenteil ist der Fall. Mit der Rentabilit&#228;tsorientierung ist ein sachfremder Geist in die Hochschulen eingezogen. Hauptverantwortliche ist die Bertelsmann Stiftung.</p>
<p><span id="more-1063"></span>Die vom Firmenpatriarch Reinhard Mohn (1921–2009) gepr&#228;gte Bertelsmann Stiftung setzt auf eine korporatistische Unternehmenskultur mit globalen imperialistischen Anspr&#252;chen. Sie h&#228;lt den Sozialstaat f&#252;r &#252;berdehnt oder gar &#252;berholt. An die Stelle der Reste demokratischer Gestaltung soll der Wettbewerb Dienstleistungsbetriebe steuern und sie effizient machen.</p>
<p>Mit pathetischen Phrasen von einer «Gemeinwohlverpflichtung» erarbeitet die Stiftung L&#246;sungsangebote f&#252;r alle m&#246;glichen Politikfelder. Scheinbar wissenschaftlich neutral propagiert sie die Militarisierung Europas und die Privatisierung des Bildungs- und Gesundheitssystems sowie der kommunalen Einrichtungen. Auch das Konzept «B&#252;rgerhaushalt» stammt von der Bertelsmann Stiftung. Nicht nur in K&#246;ln leitet sie die finanziell klamme Kommune an, die B&#252;rger in die «Sachzw&#228;nge» des Sparens als Ratgeber einzubeziehen. Die SPD-Bundestagsfraktion gibt einen Wegweiser f&#252;r Kommunen heraus, in dem sie Public Private Partnership (PPP) als vielversprechenden und erprobten Weg propagiert, &#246;ffentliche Leistungen schneller, fr&#252;her und kosteng&#252;nstiger bereit zu stellen <em>-</em> erarbeitet mit Hilfe der Bertelsmann Stiftung. &#220;ber die Zusammenarbeit mit der Hans-B&#246;ckler-Stiftung beeinflusst die Stiftung sogar die gewerkschaftliche Bildungsarbeit.</p>
<p>Diese Privatisierung der Politik wird indes von der &#214;ffentlichkeit bezahlt. Die Familie Mohn hat sich durch die Gr&#252;ndung der Stiftung riesige Summen an m&#246;glicherweise anfallenden Erbschafts- oder Schenkungssteuern gespart, au&#223;erdem sind Dividenden, die an die «gemeinn&#252;tzige» Stiftung abgef&#252;hrt werden, steuerbeg&#252;nstigt. Die Familie herrscht uneingeschr&#228;nkt &#252;ber ihre Kapitalanteile am Konzern.</p>
<p>Besonders engagiert ist die Bertelsmann Stiftung auf dem Feld der Hochschulpolitik. Hochschulen werden von Reinhard Mohn richtigerweise als «Schl&#252;ssel zur Gesellschaftsreform» angesehen. Mohn war einer der Gr&#252;ndungsv&#228;ter und bis vor einigen Jahren der Hauptsponsor der 1983 gegr&#252;ndeten ersten deutschen Privaten Universit&#228;t Witten-Herdecke. Sie sollte «Stachel im Fleisch» der staatlichen Hochschulen sein.</p>
<p><strong>CHE und HFG</strong><br />
Die Gr&#252;ndung des Centrums f&#252;r Hochschulentwicklung (CHE) markiert indes einen Strategiewechsel. Am 20.Dezember 2005 ver&#246;ffentlichte das CHE der Bertelsmannstiftung «Zehn Forderungen an ein Hochschulfreiheitsgesetz». Dabei ging es im Kern um mehr Autonomie, hinter der sich verbirgt, dass nun gro&#223;e Konzerne und Banken unmittelbar Einfluss auf die Hochschulentwicklung <em>- </em>Forschung und Lehre <em>- </em>nehmen sollen.</p>
<p>Andreas Pinkwart, seit 2005 Minister f&#252;r Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie, reagierte auf die 10 Anforderungen des CHE am 25.Januar 2006 eilfertig und eifrig mit «Eckpunkten des geplanten Hochschulfreiheitsgesetzes». Seine Eckpunkte indes lassen deutlich die Handschrift des CHE erkennen. So schrieb das CHE: «In verschiedenen Bundesl&#228;ndern ist bereits ein Modell eingef&#252;hrt worden, in dem Kompetenzen vom Staat auf einen Hochschulrat &#252;bertragen worden sind, wobei die Wahl des Rektors und die Verabschiedung der Grundordnung unabdingbar dazu geh&#246;ren. Der Hochschulrat muss hierdurch zu einem insbesondere in strategischen Fragen wichtigen Entscheidungsorgan werden. Die Mitglieder des Hochschulrats sollten extern bestellt werden.»</p>
<p>Pinkwart f&#252;nf Wochen sp&#228;ter: «Der Hochschulrat tritt als neues Organ an die Stelle des Kuratoriums und besteht mindestens zur H&#228;lfte aus Mitgliedern von au&#223;erhalb der Hochschule. Der Vorsitzende muss stets von au&#223;en kommen … Der Hochschulrat entscheidet &#252;ber die strategische Ausrichtung der Hochschule und nimmt die Fachaufsicht wahr. Er beschlie&#223;t &#252;ber den Hochschulentwicklungsplan und die von den Hochschulen mit dem Land ausgehandelte Zielvereinbarung.»</p>
<p>Am 30.Mai 2006 beschloss das Landeskabinett NRW das Hochschulfreiheitsgesetz (HFG) und brachte es auf den parlamentarischen Weg. Am 26.Oktober 2006 wurde es vom Landtag verabschiedet. Bisher waren die Hochschulen ein Teil des Staates, somit dem zust&#228;ndigen Ministerium <em>- </em>und damit wenigstens dem Anspruch nach der &#246;ffentlichen Kontrolle <em>- </em>unterstellt. Nach dem HFG sind sie nun K&#246;rperschaften des &#246;ffentlichen Rechts. Damit einher gehen neue und ge&#228;nderte F&#252;hrungsorgane, die die Marktorientierung durchsetzen, was mit dem Schlagwort «Autonomie» verschleiert wird. Hier tritt der schon erw&#228;hnte Hochschulrat in Aktion, der zum Gro&#223;teil von externen («nicht der Hochschule angeh&#246;rigen») Kr&#228;ften besetzt wird.</p>
<p>Die Hochschule erh&#228;lt rechtlich und fachlich eine tr&#252;gerische Autonomie. Die Fachaufsicht wird, so weit es geht, reduziert, die Hochschule bestimmt auch ihre fachliche Ausrichtung selbst <em>-</em> es bleibt ihr &#252;berlassen, mittels eigener Fachaufsicht die Inhalte neu zu bestimmen. Viele Paragrafen des Vorg&#228;ngergesetzes fallen im Zuge einer «Entb&#252;rokratisierung» weg. Unter dem Titel «Qualit&#228;tssicherung bei der Umsetzung des Hochschulfreiheitsgesetzes. Ministerium unterst&#252;tzt Hochschulen auf Weg in die Eigenverantwortung<em> -</em> CHE mit Begleitung beauftragt» teilte das Ministerium f&#252;r Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie am 13.November 2006 der Presse mit:</p>
<p>«Das Centrum f&#252;r Hochschulentwicklung (CHE) in G&#252;tersloh wird &#252;ber einen Zeitraum von 18 Monaten die Umsetzung des Hochschulfreiheitsgesetzes begleiten und auswerten. Das gab Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart am heutigen Montag in D&#252;sseldorf bekannt. ‹Staat und Hochschulen m&#252;ssen ihre neuen Rollen finden und annehmen. Dies wollen wir von unabh&#228;ngigen Experten begleiten lassen, damit alle von guten Beispielen lernen und m&#246;gliche Startschwierigkeiten schnell beheben k&#246;nnen›, sagte Pinkwart. Neben dieser qualit&#228;tssichernden Begleitung sollen eine Reihe von Angeboten des Ministeriums die Hochschulen dabei unterst&#252;tzen, die M&#246;glichkeiten des neuen Hochschulrechts optimal zu nutzen und zugleich eine m&#246;glichst hohe Qualit&#228;t bei der Umsetzung sichern.»</p>
<p><strong>Manager als Hochschulbosse</strong></p>
<p>Am 1.Januar 2007 trat das neue Hochschulfreiheitsgesetz (HFG) von Nordrhein-Westfalen in Kraft. Unter der &#220;berschrift «Manager erobern Kontrolle an den Unis» brachte das <em>Handelsblatt</em> am 12.Oktober 2007 einen geradezu triumphalen Bericht, der hier vollst&#228;ndig wiedergegeben sein soll. Die deutsche Wirtschaft gewinne an Hochschulen mehr und mehr Einfluss: In den neu entstehenden Hochschulr&#228;ten stellten Manager bereits ein Drittel aller Mitglieder. Von den Vorsitzenden dieser Kontrollgremien komme sogar fast jeder zweite aus der Wirtschaft. F&#252;r die Hochschulen ein Engagement mit Zukunft.</p>
<p>«Die Liste Prominenter ist lang: An der LMU M&#252;nchen <em>- </em>neben TU M&#252;nchen und Uni Karlsruhe eine der ersten drei Elite-Unis <em>-</em> wirken der Berater Roland Berger und der Chef der M&#252;nchener R&#252;ck, Nikolaus von Bomhard. Den Vorsitz hatte bis vor kurzem der Verleger Hubert Burda inne, ein Nachfolger wird noch gesucht. An der TU M&#252;nchen machen BMW-Chef Norbert Reithofer und Susanne Klatten aus der Quandt-Dynastie ihren Einfluss geltend. An der Uni Karlsruhe sitzt Daimler-Chef Dieter Zetsche im Kontrollgremium, ebenso wie Stefan Quandt, Vize-Aufsichtsrat bei BMW. Die Liste lie&#223;e sich beliebig fortsetzen.</p>
<p>Hochschulr&#228;te sind ein neues Ph&#228;nomen in der deutschen Hochschullandschaft. Der Startschuss fiel 1998 mit der Novellierung des Hochschulrahmengesetzes, die den L&#228;ndern v&#246;llige Freiheit f&#252;r die Hochschulorganisation gab. Seither f&#228;hrt der Zug <em>-</em> mit unterschiedlichem Tempo <em>-</em> in Richtung mehr Autonomie der Hochschulen und st&#228;rkerer Hochschulchefs. Kontrollieren sollen die neuen Hochschulr&#228;te <em>-</em> eine Art Aufsichtsrat. Ihre Macht ist je nach Bundesland unterschiedlich ausgepr&#228;gt, meist w&#228;hlen sie jedoch den Hochschulpr&#228;sidenten und geben die Leitlinien der Hochschulen vor.</p>
<p>‹Es ist au&#223;erordentlich erfreulich, dass die Wirtschaft nun an den Hochschulen Verantwortung &#252;bernimmt›, sagt Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger, der den Arbeitskreis Hochschule bei der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeber (BDA) leitet. ‹Hier kooperieren Besch&#228;ftigungs- und Bildungssystem ganz eng und ganz praktisch.› Sattelberger ist selbst Mitglied im Hochschulrat der FU Berlin und zudem der FH Ludwigshafen. In der Hauptstadt will er vor allem dazu beitragen, dass ‹die Massenuniversit&#228;t FU Bologna packt› <em>-</em> also den Umbau auf das Bachelor/Master-System und die Internationalisierung.</p>
<p>Generell k&#246;nnten Manager ‹den Hochschulen helfen, ein Qualit&#228;tsmanagement aufzubauen, inklusive einer Erfolgskontrolle, damit am Ende auch gute Studieng&#228;nge und Absolventen stehen›, sagt Sattelberger. ‹Bisher sind die Systeme zur Messung der Qualit&#228;t – liebevoll formuliert – noch recht &#252;bersichtlich.› Daneben k&#246;nnten die Manager Hochschulen dabei beraten, ‹wie sie ihre Autonomie ausbauen und dann auch nutzen› und sich zudem ‹ein Profil schaffen und damit eine Marke aufbauen›.</p>
<p>Ein weiteres Feld sei der Aufbau einer ‹leistungsorientierten Bezahlung bis hin zu Rat und Tat in der Tarifpolitik›, sagt der Personalvorstand Sattelberger. Zudem m&#252;sse die Wirtschaft in den R&#228;ten darauf dr&#228;ngen, dass die Hochschulen weit st&#228;rker als bisher Weiterbildungm&#246;glichkeiten f&#252;r Berufst&#228;tige anb&#246;ten.</p>
<p>In zw&#246;lf L&#228;ndern gibt es bereits Hochschulr&#228;te, in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Th&#252;ringen l&#228;uft der Aufbau. Nur Bremen sieht kein solches Gremium vor. Der Betriebswirtschaftler Werner Nienhueser von der Uni Duisburg-Essen hat die Zusammensetzung von 57 R&#228;ten mit 463 Mitgliedern untersucht. Er zeigt, dass die Uni-Angeh&#246;rigen <em>-</em> Professoren, Mitarbeiter und Studenten <em>-</em> mit 41%  die weitaus gr&#246;&#223;te Gruppe stellen. Bereits auf dem zweiten Platz folgen Vertreter aus Unternehmen mit 33% .</p>
<p>Generell gilt dabei: Je mehr Forschung die Uni im Auftrag Wirtschaft treibt, desto mehr Manager sitzen auch im Hochschulrat. Diese kommen fast alle aus Unternehmen<em> -</em> kaum aus Verb&#228;nden. An dritter Stelle folgen Politiker, Vertreter der &#246;ffentlichen Verwaltung und Richter. Unter ferner liefen rangieren dagegen die Gewerkschaften: Sie stellen nur jeden hundertsten Hochschulrat.</p>
<p>Das gro&#223;e Gewicht der Wirtschaft in den Hochschulr&#228;ten steht auch f&#252;r das in j&#252;ngster Zeit deutlich verbesserte Verh&#228;ltnis beider Seiten. Kritiker bef&#252;rchten jedoch, Unternehmen k&#246;nnten &#252;ber die R&#228;te zu viel Einfluss gewinnen. Diese Gefahr sieht die Pr&#228;sidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margret Wintermantel, nicht. Es komme auf eine gesunde Mischung im Rat an. ‹Und wenn Manager auf bestimmte Forschungsschwerpunkte dr&#228;ngen und gute Absolventen fordern, ist das doch positiv.›»</p>
<p><em>Der Autor ist Mitglied der DKP K&#246;ln.</em></p>
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		<title>Im Profil: Bertelsmann</title>
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		<pubDate>Thu, 03 Jun 2010 09:29:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Bertelsmann-Stiftung besteht seit 1977. Sie h&#228;lt &#252;ber 76% des Aktienkapitals des viertgr&#246;&#223;ten Medienkonzerns der Welt, der Bertelsmann AG, den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		PRE.western { font-family: "Times New Roman" } 		PRE.cjk { font-family: "DejaVu Sans", monospace } 		P { margin-bottom: 0.21cm } -->Die Bertelsmann-Stiftung besteht seit 1977. Sie h&#228;lt &#252;ber 76% des Aktienkapitals des viertgr&#246;&#223;ten Medienkonzerns der Welt, der Bertelsmann AG, den Rest h&#228;lt die Familie Mohn. Hauptsitz ist G&#252;tersloh.</p>
<p><span id="more-1061"></span>Zum Bertelsmann-Konzern geh&#246;ren der Gruner+Jahr Zeitschriftenverlag, die RTL-Group, die Verlagsgruppe Random House, die Direct Group Bertelsmann und die arvato AG. Gruner+Jahr h&#228;lt weltweit im Magazingesch&#228;ft &#252;ber 300 Titel und setzt mit 14500 Besch&#228;ftigten 3 Mrd. Euro um.</p>
<p>Bedeutende Publikationen in Deutschland sind unter anderem: Stern, diverse GEO-Magazine, Financial Times Deutschland, National Geographic Deutschland, Brigitte, Gala, P.M. Magazin, Eltern, Capital, art<em> &#8211; </em>das Kunstmagazin, Sch&#246;ner Wohnen, Essen&amp;Trinken, Auto Motor und Sport. Gruner+Jahr ist dar&#252;ber hinaus mit 25,5% an der Rudolf Augstein GmbH und mit 25,25% am Spiegel-Verlag Rudolf Augstein GmbH&amp;Co.KG beteiligt; sowie mit 60% am Dresdner Druck- und Verlagshaus GmbH&amp;Co.KG, das die S&#228;chsische Zeitung druckt. Bertelsmann ist mit 20% an der WAZ beteiligt.</p>
<p>Die RTL Group ist mit 45 Fernseh- und 32 Radiosendern Europas gr&#246;&#223;ter Betreiber von werbefinanziertem Privatfernsehen und Privatradio. 11.400 Besch&#228;ftigte arbeiten hier und generieren 6 Mrd. Euro Umsatz und 1 Mrd. Gewinn. Zu ihr geh&#246;ren allein in Deutschland RTL, RTL II, Super RTL, VOX, n-tv (um nur die gr&#246;&#223;ten Sender zu nennen).</p>
<p>Die Verlagsgruppe Random House wurde 1998 von Bertelsmann &#252;bernommen und ist mit 5800 Besch&#228;ftigten und fast 2 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr die gr&#246;&#223;te Publikumsverlagsgruppe der Welt. Unter anderem 28 deutschsprachige Verlage sind Teil dieser Gruppe, darunter: Blanvalet, btb, DVA, Goldmann, Heyne, Luchterhand, Manesse, Siedler.</p>
<p>Die DirectGroup Bertelsmann GmbH  betreibt seit dem Jahr 2000 in 16 L&#228;ndern Buchgemeinschaften und Musikclubs, aber auch Onlineshops, Buchhandlungen und Verlage. Sie hat 11.000 Besch&#228;ftigte. &#220;ber 15 Millionen Kunden brachten dem Unternehmen im Jahr 2008 einen Gesamtumsatz von 1,5 Mrd. Euro.</p>
<p>Die Arvato AG z&#228;hlt mit ihren weltweit mehr als 270 Tochterunternehmen zu den gr&#246;&#223;ten international vernetzten Medien- und Kommunikationsdienstleistern. Hier arbeiten 52.000 Menschen, machen einen Umsatz von ann&#228;hernd 5 Mrd. Euro und einen Gewinn von 366 Mio.</p>
<p>Insgesamt besch&#228;ftigt Bertelsmann &#252;ber 106.000 Menschen, machte mit ihnen im Jahr 2007 fast 20 Mrd. Euro Umsatz und 2 Mrd. Gewinn. F&#252;r die Stiftung sind 330 Besch&#228;ftigte t&#228;tig; sie verf&#252;gte im Jahr 2004 &#252;ber ein Verm&#246;gen von 766 Mio. Euro. Sie wird direkt von der Familie Mohn, der Besitzerin der Bertelsmann AG, angeleitet und kontrolliert.</p>
<p>Die Bertelsmann-Stiftung finanziert und organisiert wissenschaftliche Konferenzen und Studien. So entstehen Vorschl&#228;ge f&#252;r Umbauma&#223;nahmen in der Politik, die sich weitgehend durchsetzen und f&#252;r eine Privatisierung politischer Entscheidungen sorgen.</p>
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		<title>Gemeinsam lernen in einer Schule f&#252;r alle</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Apr 2010 16:51:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Deutsches Schulsystem verst&#246;&#223;t gegen UN-Konvention von Larissa Peiffer-R&#252;ssmann Im M&#228;rz 2010 fand in K&#246;ln ein dreit&#228;giger Kongress statt unter dem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Deutsches Schulsystem verst&#246;&#223;t gegen UN-Konvention</strong><br />
<em>von Larissa Peiffer-R&#252;ssmann</em></p>
<p>Im M&#228;rz 2010 fand in K&#246;ln ein dreit&#228;giger Kongress statt unter dem Titel «Eine Schule f&#252;r Alle. Vielfalt leben!», veranstaltet vom Elternverein Mittendrin e.V. in Kooperation mit der Uni K&#246;ln. Referenten aus ganz Deutschland und dem Ausland und mehr als 2500 Teilnehmer waren angereist, um sich der Aufgabe zu stellen, wie in Deutschland ein «inklusives» Bildungssystem aufgebaut werden kann, in dem alle Kinder ganz selbstverst&#228;ndlich gemeinsam lernen und kein Kind aussortiert wird. <span id="more-941"></span>W&#228;hrend in anderen L&#228;ndern das gemeinsame Lernen eine Selbstverst&#228;ndlichkeit ist, wird in unserem gegliederten Schulsystem eine angeblich leistungs- und begabungsgerechte Sortierung betrieben.</p>
<p>Gleich zu Beginn des Kongresses erinnerte Venor Múñoz als Sonderberichterstatter der UNO f&#252;r das Recht auf Bildung daran, dass Deutschland zwar die UN-Konvention zur Verwirklichung des Menschenrechts auf gemeinsames Lernen anerkennt, aber nicht danach handelt, obwohl die UNO-Behindertenrechtskonvention (Art.24) das Verbot der Sonderschulpflicht enth&#228;lt. Er referierte auf Spanisch, benutzte aber das Wort «Hauptschule», weil es f&#252;r diese deutsche Besonderheit keine &#220;bersetzung gibt.</p>
<p>Er betonte, dass Bildung sich nicht zum Wettbewerb eignet, nicht einem Markt zu dienen hat, alle einbezogen werden m&#252;ssen und schulischer Erfolg nicht auf dem Misserfolg der anderen beruhen darf. Auf die Frage, was sich denn in Deutschland &#228;ndern m&#252;sse, antwortete er: «Alles.»</p>
<p>Doch ohne harte gesellschaftliche Auseinandersetzungen wird es eine gemeinsame Erziehung nicht geben, das betonte Professor Wocken von der Uni Bremen. Er erinnerte an die beispiellose und leider erfolgreiche Kampagne Hamburger Eltern gegen die Schulpolitik unter Schwarz-Gr&#252;n. Dabei ging es noch nicht einmal um eine gemeinsame Schule f&#252;r alle Kinder, sondern «nur» um zwei Jahre l&#228;ngeres gemeinsam Lernen in einer sechsj&#228;hrigen Grundschule. Die Gegner der inklusiven Schule lassen sich auf einen Nenner bringen: Sie sind f&#252;r das Gymnasium und f&#252;r Sonderschulen.</p>
<p>Neben den neoliberal und exklusiv denkenden Hamburger Eltern z&#228;hlt auch die «Betreuungsliga» zu den Gegnern einer gemeinsamen Erziehung. Zu ihnen geh&#246;ren vor allem die katholische Kirche, die selber keine einzige integrative Einrichtung hat, die Caritas, die Behindertenverb&#228;nde und nicht zuletzt der Verband deutscher Sonderschulen. Sie alle begr&#252;&#223;en zwar die UN-Konvention <em>-</em> aber sie handeln nicht danach. Sie h&#228;ngen mit ihren Einrichtungen am staatlichen Tropf, und das soll so bleiben.</p>
<p><strong>Sonderschule am Rande der Gesellschaft</strong></p>
<p>Irmtraud Schnell, Uni Frankfurt, rief in Erinnerung, dass das Sonderschulwesen mit dem Ziel aufgebaut wurde, Kinder mit Behinderungen besser zu f&#246;rdern. Dieses Ziel wurde gr&#252;ndlich verfehlt, denn 80% der Sondersch&#252;ler verlassen die Schule ohne Abschluss.</p>
<p>Die F&#246;rderschulen (Sonderschulen f&#252;r Lernbehinderte und Erziehungsschwierige) sind wie ein Notaufnahmelager f&#252;r Migrantenkinder, Kinder von Kinderreichen, Kinder von Armen und Arbeitslosen &#8211; eben eine Schule des Prekariats. Das wird in der Erkl&#228;rung zum Kongress «Eine Schule f&#252;r alle» deutlich:</p>
<p>«Das gegliederte Schulsystem verst&#228;rkt nicht nur die soziale Ungleichheit, es f&#252;hrt auch zum sozialen Ausschluss von Menschen. Die Hauptschule bereitet Kinder heute auf ein Leben am Rande der Gesellschaft vor, so wie es die Sonderschule schon immer tat. Hauptschulen k&#252;nstlich am Leben zu erhalten, ist nicht nur verantwortungslos gegen&#252;ber den Kindern, sondern auch besonders teuer. Das gilt erst recht f&#252;r die Sonderschulen. Trotz hoher finanzieller Aufwendungen sind die Lernerfolge aufgrund der extremen Anregungsarmut dort auff&#228;llig gering.»</p>
<p>Hinzugef&#252;gt werden muss noch: Obwohl das Gymnasium eine gr&#252;ndlich ausgew&#228;hlte Sch&#252;lerschaft hat, sind seine Ergebnisse doch nur Mittelma&#223;, wie wir seit PISA wissen.</p>
<p>Zu Recht prangert Professor Wocken an, dass bei uns immer noch Kinder in «Schubladen sortiert» werden: Zigeuner, Blinde, Geh&#246;rlose, Autisten, Legastheniker, geistig Behinderte, Migranten, K&#246;rperbehinderte, Verhaltensgest&#246;rte, Lernbehinderte. Da die Kinder bei uns auf so viele verschiedene Institutionen aufgeteilt werden, &#252;bernimmt keine Institution und keiner der Akteure die Verantwortung f&#252;r das Scheitern von insgesamt 20% aller Sch&#252;ler, die die Schule ohne irgendeinen Abschluss verlassen.</p>
<p>Da mutet das Praxisbeispiel aus S&#252;dtirol wie ein Bericht aus einer anderen Welt an, denn in Italien gibt es die gemeinsame Erziehung seit &#252;ber 30 Jahren. Es gibt keine Sondereinrichtung, alle Kinder besuchen eine gemeinsame Schule bis zur 8.Klasse. Es gibt keine Zur&#252;ckstellungen, der Kindergarten beginnt mit zweieinhalb Jahren und ist nicht verpflichtend. Das Recht auf individuelle Lernwege ist gesetzlich verankert, ebenso auf Individualisierungsma&#223;nahmen. Daf&#252;r besteht in den Grundschulen ein Mehrlehrersystem und zus&#228;tzliches Betreuungspersonal.</p>
<p>Der Bildungsweg nach der 8.Klasse kann frei gew&#228;hlt werden, es gibt keine Vorselektion. Eine Empfehlung der Schule f&#252;r den weiteren Bildungsweg ist nicht verbindlich, anders als in der BRD, wo die «Empfehlung» der Grundschullehrerin bindend ist und, wie die Berichterstatterin Rosa Ferdigg aus S&#252;dtirol es nennt, eine «Pflichteinweisung» in die empfohlene Schulform darstellt.</p>
<p>W&#228;hrend au&#223;erhalb Deutschlands l&#228;ngeres gemeinsames Lernen eine Selbstverst&#228;ndlichkeit ist, leben bei uns die Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;ler der verschiedenen Schulformen in getrennten Welten. Mittlerweile wird es allerdings nicht nur im l&#228;ndlichen Raum aufgrund sinkender Sch&#252;lerzahlen und ver&#228;nderten Schulwahlverhaltens immer schwieriger, ein dreigliedriges Schulsystem aufrecht zu erhalten. Modelle der Zweigliedrigkeit werden durch Zusammenlegung von Haupt-, Real- und Gesamtschule bei gleichzeitigem Erhalt des Gymnasiums als politische L&#246;sung angeboten. Das aber wird mit Recht als falsches politisches Signal zugunsten gymnasialer Sonderinteressen angesehen.</p>
<p>Wir sind eine multikulturelle Gesellschaft und das muss sich auch in unserem Schulsystem widerspiegeln. Eine gleiche Behandlung unterschiedlicher Kinder ist ungerecht. Ein inklusives Bildungssystem geht von der Verschiedenheit der Kinder aus und unterst&#252;tzt sie darin, Verantwortung f&#252;r sich, f&#252;r andere und f&#252;r das eigene Lernen zu &#252;bernehmen &#8211; ohne Konkurrenz, ohne Noten und ohne Angst vor Misserfolgen.</p>
<p>Doch eines d&#252;rfte den Teilnehmern am Ende des Kongresses klar geworden sein: «Eine Schule f&#252;r alle» wird es ohne Kampf nicht geben.</p>
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		<title>Boom bei den Privatschulen</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Apr 2010 23:15:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie Kommerzielle und Evangelikale sich auf dem Bildungsmarkt breitmachen von Larissa Peiffer-R&#252;ssmann Der Staat zieht sich zunehmend aus der Bildungsfinanzierung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie Kommerzielle und Evangelikale sich auf dem Bildungsmarkt breitmachen</strong><br />
<em>von Larissa Peiffer-R&#252;ssmann</em></p>
<p>Der Staat zieht sich zunehmend aus der Bildungsfinanzierung zur&#252;ck, Bildung wird vermehrt zur Privatsache.<br />
Der Bildungsbereich wird zu einem Markt, auf dem Wettbewerb herrscht und wo private Investoren die Ware Bildung f&#252;r diejenigen anbieten, die zahlen k&#246;nnen.</p>
<p><span id="more-726"></span>Schon heute m&#252;ssen Eltern auch im &#246;ffentlichen Schulwesen f&#252;r zus&#228;tzliches Lernmaterial aufkommen, f&#252;r Essen und Betreuung im Ganztagsbetrieb, f&#252;r F&#246;rderkurse und zus&#228;tzliche Angebote. Die Lehr- und Lernmittelfreiheit steht in den meisten Bundesl&#228;ndern auf der Kippe, in Bayern ist sie bereits abgeschafft.<br />
Finanzkr&#228;ftige F&#246;rdervereine gibt es vor allem in den gutb&#252;rgerlichen Wohnvierteln, so w&#228;chst die Kluft zwischen reichen und armen Schulen und zwischen den Schulformen verl&#228;uft ein tiefer Graben, die Hauptschule hier, das Gymnasium dort. Stiftungen und Konzerne dr&#228;ngen auf den Bildungsmarkt, die Schule wird zum «Marktplatz» f&#252;r profitorientierte kommerzielle Bildungsanbieter.</p>
<p>«Zurzeit werden in Deutschland pro Woche zwei bis drei Privatschulen gegr&#252;ndet», meldete 2009 die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Durch das Allgemeine Abkommen zum Handel mit Dienstleistungen (GATS), durch die EU-Dienstleistungsrichtlinie und die neue EU-Handelsstrategie sind den Liberalisierungsbestrebungen auch im Bildungsbereich T&#252;r und Tor ge&#246;ffnet.</p>
<p><strong>Exklusivit&#228;t</strong><br />
Im Schuljahr 2005/06 gab es bundesweit 4637 Privatschulen, das waren 43,5% mehr als 1992, besonders viele waren es in Ostdeutschland. Mit 40% bilden die Gymnasien den gr&#246;&#223;ten Anteil bei den allgemeinbildenden Schulen, denn nicht alle Schulformen sind f&#252;r private oder freie Tr&#228;ger lukrativ. In NRW waren 98 Schulen in kirchlicher Tr&#228;gerschaft: 3 Hauptschulen, aber 95 Gymnasien.</p>
<p>Die meisten Privatsch&#252;ler gibt es in Sachsen mit 11,4%, dann folgen Bayern (9,8%) und Hamburg (7,9%), das Schlusslicht bildet Schleswig-Holstein (3,3%). W&#228;hrend in Deutschland nur 6,7% aller Sch&#252;ler Privatschulen besuchen, sind es in Frankreich 21,3%, in Gro&#223;britannien 40,6% und in den Niederlande gar 76,4%. Doch die Zahlen steigen auch bei uns kontinuierlich an. Im Schuljahr 2005/06 war gegen&#252;ber 1992 bei den Privatsch&#252;lern ein Anstieg von 52% zu verzeichnen, mit steigender Tendenz.</p>
<p>Die meisten Privatschulen sind in katholischer Tr&#228;gerschaft, gefolgt von Schulen der evangelischen Kirche und den Freien Waldorfschulen, es folgen die Freien Alternativschulen und die Internationalen Schulen. Sie alle sind allgemeinbildende Ersatzschulen, die staatliche Schulen ersetzen, d.h. sie bieten Bildungsg&#228;nge und Abschl&#252;sse an, die sich mit denen der staatlichen Schulen vergleichen lassen. Laut Grundgesetz sind sie «integraler Bestandteil des staatlichen Schulwesens» und stehen «unter Aufsicht des Staates».</p>
<p>Die Einnahmequelle der Privatschulen ist das Geld vom Staat und das Schulgeld der Eltern. Bei letzterem sind allerdings Grenzen gesetzt, denn das Grundgesetz schreibt vor, dass «eine Sonderung der Sch&#252;ler nach den Besitzverh&#228;ltnissen der Eltern» zu unterbleiben habe. Das wird allerdings nicht so ganz ernst genommen. So kassiert die International School Hannover Region bereits bei der Anmeldung 2500 Euro Geb&#252;hren. Schon der Platz im Kindergarten kostet im Jahr 6150 Euro, in Klasse 11/12 sind dann 10990 Euro j&#228;hrlich zu zahlen. In Deutschland gibt es rund 50 International Schools, die j&#252;ngste ist die Internationale Friedensschule in K&#246;ln, das monatliche Schulgeld betr&#228;gt rd. 1000 Euro. Das ist durchaus eine Sonderung nach den Besitzverh&#228;ltnissen der Eltern, denn gleichzeitig sind die &#246;ffentlichen Schulen seit Jahren unterfinanziert.</p>
<p><strong>Arbeitsweise und Ziele</strong><br />
In Ostdeutschland werden aufgrund r&#252;ckl&#228;ufiger Sch&#252;lerzahlen viele Schulen geschlossen, zwischen 2000 und 2005 waren es 591 Schulen. Viele Eltern gr&#252;nden Schulen in privater Tr&#228;gerschaft, um ein wohnortnahes Angebot zu erhalten, im genannten Zeitraum waren es 39 neue allgemeinbildende Schulen. Allerdings werden aus den noch bestehenden &#246;ffentlichen Schulen h&#228;ufig Sch&#252;ler abgeworben, sodass weitere Staatsschulen in ihrem Bestand gef&#228;hrdet sind <em>– </em>ein Teufelskreis.</p>
<p>In Westdeutschland wird das Privatschulenwesen durch die Unzufriedenheit vieler Eltern mit dem &#246;ffentlichen Schulwesen angekurbelt. Sie wollen ihren Kindern die bestm&#246;gliche Ausbildung zukommen lassen, damit diese auf dem globalen Arbeitsmarkt bessere Chancen haben.</p>
<p>Diesen Trend nutzen die kommerziellen Anbieter. In Deutschland gibt es 50 privat gef&#252;hrte International Schools, so in Berlin, Hamburg, Dresden und M&#252;nchen. Unterrichtet wird in Englisch, Deutsch kommt ab der 2.Klasse hinzu. Ziel ist es, der internationalen Gemeinschaft hier in Deutschland eine gute Bildungseinrichtung zu bieten, womit vor allem Besch&#228;ftigte internationaler Unternehmen gemeint sind. Diese Exklusivit&#228;t hat nat&#252;rlich ihren Preis. Indirekt zahlt der Fiskus mit, denn Privatschuleltern k&#246;nnen 30% des Schulgelds von der Steuer absetzen.</p>
<p>In die Reihe der Exklusiven geh&#246;rt auch die Swiss International School (SIS), eine zweisprachige Ganztagsschule bei Stuttgart. Er&#246;ffnet wurde sie 2008 von der Klett-Gruppe gemeinsam mit dem privaten Bildungsanbieter Kalaidos aus Z&#252;rich. Sie f&#252;hrt vom Kindergarten &#252;ber die Grundschule ins Gymnasium. Das Schulgeld f&#252;r den Grundschulzweig kostet einschlie&#223;lich Mittagessen monatlich 606 Euro. Die Ernst-Klett AG, bekannt als Schulbuchverlag, und Kalaidos gr&#252;ndeten 2009 zwei weitere SIS-Schulen, die vierte Schule ist f&#252;r das Umland von M&#252;nchen geplant.</p>
<p>Immer sind die Schulen an Standorten mit hoher Kaufkraft angesiedelt. F&#252;r private Anleger gab Klett im Juni 2009 zum zweiten Mal ein «Bildungswertpapier» aus und nahm in vier Wochen 50 Millionen Euro ein.<br />
Kasse machen m&#246;chte auch die Privatschulkette Phorms, eine profitorientierte Aktiengesellschaft. Sie gr&#252;ndete 2006 eine zweisprachige Grundschule in Berlin, weitere Phorms-Ableger folgten in M&#252;nchen, K&#246;ln, Hamburg, Hannover, Frankfurt: Kindertagesst&#228;tten, Grundschulen, Gymnasien. Gewinn will sie machen, indem die Dachgesellschaft Dienstleistungen an die einzelne Schule verkauft: Marketing, Personalauswahl, Curriculum-Entwicklung. Die Genehmigung zum Start eines Gymnasiums wurde Phorms allerdings zu Beginn des Schuljahres 2009/10 von der Bezirksregierung in K&#246;ln verweigert. Es gab Zweifel an der sozialen Ausgewogenheit der Sch&#252;lerschaft und der Qualifikation des Lehrk&#246;rpers. Zudem sollen genaue Angaben zu den Elternbeitr&#228;gen gefehlt haben.</p>
<p><strong>Weltanschauung</strong><br />
Unter den Privatschulen gibt es neben den bereits erw&#228;hnten Waldorfschulen noch weitere Exoten mit sehr fragw&#252;rdigen Inhalten und Bildungszielen.</p>
<p>Evangelikale Bekenntnisschulen etwa haben eine christlich-fundamentalistische Ausrichtung, sie stellen der Evolutionstheorie die biblische Sch&#246;pfungslehre gegen&#252;ber, «unter R&#252;ckgriff auf Forschungsergebnisse kreationistischer Naturwissenschaftler». Der Kreationismus ist Teilaspekt eines religi&#246;sen Fundamentalismus, der sich in den letzten Jahrzehnten vor allem in den USA verbreitet hat. Kernthese ist die absolute Irrtumsfreiheit der Bibel. Bundesweit gibt es 70 evangelikale Bekenntnisschulen. Wer als Lehrerin oder Lehrer an einer solchen Schule unterrichten will, darf nicht homosexuell leben, «vor- und au&#223;ereheliche Beziehungen» sind ihnen untersagt. Stuttgarts Oberb&#252;rgermeister Wolfgang Schuster (CDU) lobte die «Weitergabe christlicher Werte» und sah im 13 Millionen teuren Neubau f&#252;r eine weitere Schule eine «herausragende Investition in die Zukunftsf&#228;higkeit» der Landeshauptstadt.</p>
<p>Auch Opus Dei, eine erzkonservative katholische Laienorganisation mit sekten&#228;hnlichen Z&#252;gen, will im Privatschulwesen mitmischen, mit einem Jungengymnasium in Potsdam <em>–</em> ein Novum f&#252;r die ostdeutschen Bundesl&#228;nder. In J&#252;lich bei K&#246;ln betreibt Opus Dei bereits seit 30 Jahren ein M&#228;dchengymnasium. Im Opus Dei (lat. «Werk Gottes») sehen Kritiker eine fundamentalistische Organisation mit mafia&#228;hnlichen Strukturen und Hang zum «Kadavergehorsam», obskuren Bu&#223;praktiken sowie einem undurchsichtigen Finanzgebaren. Papst Benedikt XVI. gilt als Sympathisant der Organisation.</p>
<p>Im Juni 2009 berichtete die M&#228;rkische Allgemeine: «Opus Dei siegt vor dem Verwaltungsgericht. Brandenburg bekommt sein erstes Jungengymnasium.» Seit 2007 versucht Brandenburgs Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) dies mit dem Argument zu verhindern, in Brandenburg gelte der Koedukationsgrundsatz, wonach Jungen und M&#228;dchen gemeinsam zu unterrichten seien <em>–</em> leider erfolglos. Weiter unbehelligt betreiben die Pius-Br&#252;der ein M&#228;dchengymnasium in Ruppichteroth bei K&#246;ln. Sie sind bekannt als katholische Hardliner und Hassprediger. Ihr Erzbischof Williams machte k&#252;rzlich als hartn&#228;ckiger Holocaust-Leugner von sich reden. Den Vatikan st&#246;rte das nicht weiter.</p>
<p>Neben diesen Extremen gibt es aber auch freie Schultr&#228;ger, die als Elterninitiative Reformschulen gr&#252;nden, wo Wert auf besondere p&#228;dagogische Konzepte mit neuen Lernformen gelegt wird. Diese Eltern fehlen dann allerdings im staatlichen Schulwesen als Impulsgeber, um das vorhandene Angebot an reformp&#228;dagogisch arbeitenden Schulen zu erweitern und Druck zu machen f&#252;r bessere Lehr- und Lernbedingungen, kleinere Klassen und eine anregende Lernumgebung.</p>
<p><strong>Bildungsgutscheine</strong><br />
Die Privatschullobby k&#228;mpft f&#252;r mehr Geld vom Staat. Schon heute erhalten sie ca. 80–90% der Kosten vom Staat. Alles weitere m&#252;ssen sie sich von den Eltern holen. Vor allem sollen sich die Rahmenbedingungen f&#252;r Schulen in freier Tr&#228;gerschaft verbessern. Dem k&#228;me das Konzept der Bildungsgutscheine entgegen. Der US-&#214;konom Milton Friedman, ein Vordenker der Neoliberalen, hatte die Idee, dass der Staat nicht mehr die Bildungseinrichtung finanziert, sondern die Eltern f&#252;r ihr schulpflichtiges Kind einen Bildungsgutschein erhalten, der sie berechtigt, ihr Kind wahlweise an einer &#246;ffentlichen oder privaten Einrichtung anzumelden.</p>
<p>Damit ist der Konkurrenzkampf der Bildungsanbieter er&#246;ffnet. Der Staat &#252;berwacht dann nur noch die Einhaltung der Mindeststandards. Bisher gibt es in Hamburg Erfahrungen mit Bildungsgutscheinen, die zum Besuch von Kindertagesst&#228;tten berechtigen. NRW vergibt Bildungsgutscheine f&#252;r berufliche Fortbildung. Die GEW sieht in diesem marktwirtschaftlich ausgerichteten System gro&#223;e Probleme auf die Einrichtungen zukommen, da ihnen die Planungssicherheit fehle, was wiederum zu «Entlassungen, Prekarisierung von Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnissen und Zerst&#246;rung von Tr&#228;gerstrukturen» f&#252;hre.</p>
<p><strong>Sind Privatschulen besser?</strong><br />
Der Privatschulverband behauptet, Schulen in freier Tr&#228;gerschaft seien «h&#228;ufig erfolgreicher als ihre staatlichen Pendants». Als Beweis wird die Studie des unternehmernahen Instituts der deutschen Wirtschaft vom M&#228;rz 2007 genannt. Dem widerspricht die Studie des Frankfurter Schulforschers Manfred Wei&#223;, der feststellte, dass es keine signifikanten Leistungsunterschiede gibt, wenn die soziale Zusammensetzung ber&#252;cksichtigt wird und die Tatsache, dass an Privatschulen oft der M&#228;dchenanteil h&#246;her ist. Allein die Schulform zeige ein starkes Leistungsgef&#228;lle. Deshalb meint die GEW zu Recht: «Der Graben, den die Bildungspolitik zuzusch&#252;tten hat, verl&#228;uft zwischen Hauptschule und Gymnasium – und nicht zwischen &#246;ffentlicher Schule und Privatschule.»</p>
<p><em>Quelle: Privatisierungsreport (Hg. GEW), Frankfurt 2007–2009.</em></p>
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		<title>Stiftungen und Konzerne erobern die Schulen</title>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 11:03:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie sie die Privatisierung der Bildung betreiben von Larissa Peiffer-R&#252;ssmann Schleichend breitet sich seit Jahren der privatwirtschaftliche Einfluss auf Inhalte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie sie die Privatisierung der Bildung betreiben</strong><em><br />
von Larissa Peiffer-R&#252;ssmann</em></p>
<p>Schleichend breitet sich seit Jahren der privatwirtschaftliche Einfluss auf Inhalte und Ausgestaltung des &#246;ffentlichen Bildungswesens aus und krempelt es von Grund auf um. Betroffen sind alle Bereiche <em>-</em> Kinderg&#228;rten, Schulen, Hochschulen bis zur Weiterbildung.<br />
<span id="more-625"></span> Marktwirtschaftliches Denken, Effizienz und Wettbewerb, halten Einzug in die Bildungseinrichtungen. Regelm&#228;&#223;ige Qualit&#228;tskontrollen, Ranking und Bestenlisten machen die Angebote auf dem «Bildungsmarkt» vergleichbar. Nationale und internationale Anbieter sitzen in den Startl&#246;chern: Bildung wird mehr und mehr Teil des Dienstleistungsmarkts.</p>
<p>Die &#246;ffentlichen Ausgaben f&#252;r Bildung sind seit den 70er Jahren deutlich gesunken. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt m&#252;ssten f&#252;r allgemeinbildende und berufliche Schulen j&#228;hrlich rund 20 Mrd. Euro mehr ausgegeben werden. Weil der Staat sich aber arm macht, springen kleine und gro&#223;e Unternehmen gerne ein.</p>
<p><strong>Werbung</strong><br />
Coca-Cola umwirbt besonders gerne Schulen. Der Konzern f&#246;rderte gemeinsam mit der Stiftung Lesen die Aktion «Schnapp dir ein Buch»: 10.000 Schulklassen wurden dadurch kostenlos mit B&#252;chern ausgestattet. Eine weitere Aktion war «1000 Schulen in Bewegung», damit erreichte Coca-Cola nach eigenen Angaben seit 1996 bundesweit &#252;ber 2 Millionen Kinder und rund 80.000 Lehrerinnen und Lehrer. Neben einem kostenlosen Aktionsmobil und vielf&#228;ltigen Ger&#228;ten lieferte der Limonadenkonzern auch Gratis-Getr&#228;nke f&#252;r die Sporttage. Das Unternehmen sieht dies nicht als Werbung, sondern als «gesellschaftliches Engagement».</p>
<p>Auch die Firma Kellogg’s pflegt gute Kontakte zu Schulen. Die Sch&#252;ler sollen durch den Kauf von Produkten der Firma Punkte sammeln und in Sportger&#228;te f&#252;r die Schule tauschen. Der Bundesverband der Verbraucherzentrale klagte vor Gericht <em>-</em> und verlor. Kekshersteller Bahlsen startete eine Rabattmarkenaktion, mit der die Sch&#252;ler durch den Kauf von Knabberzeug «Klassenfahrt-Punkte» sammeln konnten. «Kekswerbung hat mit dem Bildungsauftrag einer Schule nichts zu tun», erkl&#228;rten die Verbrauchersch&#252;tzer, klagten <em>-</em> und gewannen.</p>
<p>Die Agentur f&#252;r Bildungs- und Jugendkommunikation («youngkombi») mit Sitz in Hamburg und Hannover vermittelt Werbevertr&#228;ge zwischen Schulen und interessierten Firmen. Auf diese Weise k&#246;nnen auch mal marode Klassenr&#228;ume renoviert und lecke D&#228;cher wetterfest gemacht werden <em>-</em> «alles zum Wohl der Kinder» und zur Entlastung der &#246;ffentlichen Kassen. Vordergr&#252;ndig, denn die Firmen sparen nebenbei m&#228;chtig Steuern.</p>
<p>Die Liste der Firmen, die durch Werbung Einfluss auf Schule und Unterricht nehmen, ist lang, die Metro-Gruppe geh&#246;rt dazu, der Energiekonzern RWE, der Weltkonzern Nestlé, Chemieunternehmen, Ford, Burger King, Ikea <em>-</em> um nur einige zu nennen. Computerfirmen sichern sich durch Werbefeldz&#252;ge zuk&#252;nftige Kunden und die Sparkasse bietet Eltern Kredite f&#252;r Sch&#252;ler-Laptops an, deren Notwendigkeit kaum noch in Frage gestellt wird.<br />
Durch Partnerschaften mit Schulen wollen Firmen Sch&#252;ler besser auf das Arbeitsleben vorbereiten. Unterst&#252;tzt werden sie dabei von Einrichtungen wie dem Institut Unternehmen &amp; Schule GmbH mit Sitz in D&#252;sseldorf, das «engen Schulterschluss mit den Wirtschaftsverb&#228;nden» &#252;bt. Es stellt Unterrichtsmaterialien zur Verf&#252;gung, manchmal kommt auch ein Mitarbeiter vorbei. Durch personelle Kontakte zu den Lehrern kann das Unternehmen zielgenauer Nachwuchskr&#228;fte rekrutieren.</p>
<p><strong>Vom «Allianz-Gymnasium» zur «Thomy-Realschule»?</strong><br />
Im Regierungsbezirk K&#246;ln entwickelten 36 Chemieunternehmen ein Handbuch f&#252;r den Chemieunterricht, das den Schulen kostenfrei zur Verf&#252;gung gestellt wurde. Auch T-Mobile Bonn h&#228;lt Einzug in den Unterricht. In Deutsch wird «SMS-Sprache» behandelt, in Erdkunde geht es um «Standortfaktoren <em>-</em> Verflechtung des Unternehmens mit dem Raum». Coca-Cola umwirbt die Schulen mit Gratis-Material f&#252;r den Sozial- und Wirtschaftskundeunterricht f&#252;r die Jahrgangsstufen 11 und 12: «Marke, Markt und Marketing», ein Rollenspiel «f&#252;r junge Unternehmer». Das 121 Seiten starke Begleitheft ist voll von Coca-Cola-Werbung.</p>
<p>Der Realschulzweig der Erzbisch&#246;flichen Ursulinenschule in K&#246;ln hat eine Partnerschaft mit Siemens. Auf dem Stundenplan in Geschichte steht «Siemens von 1848 bis heute <em>-</em> eine Unternehmensgeschichte», die Rolle des Unternehmens im Faschismus ist kein Thema. In Englisch wird «Siemens als Global Player» behandelt. Auf die Frage, ob Siemens Einfluss auf den Unterricht nimmt, antwortet die Schulleiterin: «&#220;berhaupt nicht. Wir planen gemeinsam», und dann werde entschieden, wie ein Thema umgesetzt wird.</p>
<p>Schulpartnerschaften sollen Firmenlogos und Produkten den Weg in den Unterricht ebnen. Der Mayonnaise- und Feinkost-Hersteller Thomy (Nestlé-Konzern) arbeitet mit einer Realschule in Neuss zusammen. Im Hauswirtschaftsunterricht steht «Kochen mit hauseigenen Produkten» auf dem Programm <em>-</em> freie Bahn f&#252;r Thomy-Produkte.</p>
<p>Die Allianzversicherung organisierte 2005 einen kostenlosen Berufschancentest f&#252;r 1100 Schulklassen. Die dabei gewonnenen Namen und Adressen nutzte die Allianz, um «bedarfsgerecht informieren» zu k&#246;nnen.<br />
Eine Zusammenarbeit der besonderen Art gibt es in Alsdorf bei Aachen. Dort kooperiert die Europa-Hauptschule mit der Bundeswehr und zwar mit deren Ausbildungswerkstatt. Damit wolle die Bundeswehr «einen Beitrag zu einer praxisorientierten Schulbildung leisten», sagt der zust&#228;ndige Brigadegeneral. Manchmal ist es so dreist, das es einem den Atem verschl&#228;gt.</p>
<p>Durch die Verarmung der &#246;ffentlichen Haushalte geraten die Schulen immer mehr in Abh&#228;ngigkeit zu privaten Unternehmen. Mit den gewonnenen Geldern verlieren sie einen Teil ihrer Unabh&#228;ngigkeit und holen sich Unternehmerideologien in den Unterricht, die nicht mehr kritisch hinterfragt werden.</p>
<p>Allerdings sind die Unternehmen bei der Suche nach Schulpartnerschaften w&#228;hlerisch. Vor allem Gymnasien gelten ihnen als attraktiv, dann kommen Gesamtschulen und Realschulen. Hauptschulen finden kaum Interessenten. Nach Meinung des Instituts Unternehmen &amp; Schule k&#246;nnten dort und im Sonderschulwesen ja Kirchen, Wohlfahrtsverb&#228;nde oder Beh&#246;rden einspringen.</p>
<p><strong>Wenn Bertelsmann die Bildungsziele bestimmt</strong><br />
Vielf&#228;ltig ist das Engagement von Stiftungen und Konzernen,  bisweilen sind ihre eigentlichen Ziele nicht auf den ersten Blick erkennbar.</p>
<p>Keine hat soviel Einfluss im Bildungswesen wie die Bertelsmann-Stiftung. Sie f&#246;rdert die &#246;konomische Bildung an Schulen mit einem Angebot zur Weiterbildung f&#252;r Lehrerinnen und Lehrer, sie finanziert das Projekt «Musikalische Grundschule», unterst&#252;tzt den Ausbau der Gesundheitsf&#246;rderung an Schulen und in Kindertageseinrichtungen und engagiert sich im Hochschulwesen.</p>
<p>Was eigentlich Aufgabe des Staates ist, wird zunehmend von Stiftungen wie Bertelsmann initiiert und getragen. Daf&#252;r erh&#228;lt die Stiftung Steuervorteile, Einfluss und M&#246;glichkeiten der Vereinnahmung <em>-</em> ein hoher Preis.<br />
Die Bertelsmann-Stiftung war Initiatorin des Projekts «Selbst&#228;ndige Schule», das 2002 in NRW anlief. Anfangs, unter der rot-gr&#252;nen Landesregierung, fiel der Start bescheiden aus. Doch ab dem Schuljahr 2006/07 wurde das Modell, jetzt unter Schwarz-Gelb, auf alle Schulen &#252;bertragen. Niedersachsen zog mit einem &#228;hnlichen Schulprojekt nach: «Eigenverantwortliche Schule».</p>
<p>Aufgeschreckt durch die PISA-Ergebnisse sollte der Output ins Blickfeld ger&#252;ckt werden: Was kommt heraus, wenn Lehrerinnen und Lehrer unterrichten? Jetzt waren Frageb&#246;gen und Computerprogramme erforderlich. Man ahnt schon, was kommen musste. Die Bertelsmann-Stiftung pr&#228;sentierte ein Messinstrument namens SEIS («Selbstevaluation an Schulen»). Im Juni 2006 setzten es bereits 1300 Schulen in allen Bundesl&#228;ndern ein.</p>
<p><strong>SEIS</strong><br />
Anfangs unterst&#252;tzte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Projektvorhaben, sie sah darin eine gr&#246;&#223;ere Autonomie der Schulen und neue Formen der Mitbestimmung. Andere jedoch hatten starke Bedenken. Denn dadurch, dass Schulen &#252;ber ihr eigenes Budget bestimmen, wird die Finanznot ja nicht beseitigt, und wo Lehrerstellen in Geld umgewandelt werden, k&#246;nnen Aushilfskr&#228;fte unter Tarif und auf Zeit eingestellt werden. Einheitliche Vergleichs- und Abschlussarbeiten setzen Schulen in Konkurrenz zueinander, und im Unterricht wird auf den n&#228;chsten Test hin gearbeitet, die thematische Vielfalt geht verloren <em>-</em> am Ende machen alle das Gleiche.</p>
<p>Besonders kritisierte die GEW, dass die Bertelsmann-Stiftung mit dem Evaluations-Instrument SEIS umfangreiche Rechte erh&#228;lt, weil die Schulen der Stiftung die erhobenen Daten &#252;ber den Projektzeitraum hinaus zur Verf&#252;gung stellen m&#252;ssen <em>-</em> «f&#252;r interne Zwecke und wissenschaftliche Untersuchungen».</p>
<p>Auch in Baden-W&#252;rttemberg engagiert sich die Bertelsmann-Stiftung, auch hier geht es um die Anwendung von SEIS an Schulen. Und hier wird der Pferdefu&#223; sichtbar. Zwar investiert die Bertelsmann-Stiftung in das auf drei Jahre angelegte Projekt 700.000 Euro, aber die beteiligten Kommunen und Regionen und die Landesstiftung Baden-W&#252;rttemberg m&#252;ssen mehr als 1,4 Millionen Euro dazuzahlen. Gleichzeitig werden die Schulen gezwungen, ausschlie&#223;lich SEIS anzuwenden, auch wenn sie bereits mit anderen Instrumenten arbeiten.<br />
Weitere Kosten kommen auf die Schulen zu, wenn die SEIS-Befragung online stattfindet, 80 Euro pro Schule. Noch teurer wird es, wenn Frageb&#246;gen ausgegeben werden. F&#252;r das Drucken, Einscannen und Auswerten werden dann bis zu 650 Euro f&#228;llig. Noch tr&#228;gt das Land Baden-W&#252;rttemberg die Kosten, sp&#228;ter m&#252;ssen die Schulen sie selber tragen.</p>
<p>Mit all diesen Aktivit&#228;ten verbessern sich weder der Unterricht noch die Bedingungen an den Schulen <em>-</em> im Gegenteil. Kostbare Zeit wird verschleudert, Ressourcen werden vertan, die Atmosph&#228;re durch Ranking vergiftet.<br />
Aber nicht nur das. Der Stiftung wird zu Recht vorgeworfen, sie betreibe eine Kommerzialisierung der Bildungslandschaft. Sie bereitet den Boden f&#252;r Vergleichbarkeit und damit f&#252;r die Privatisierung rentabler Bereiche im Schulwesen vor. Immer da, wo &#246;ffentliche Bereiche privatisiert werden, profitiert die Bertelsmann AG.</p>
<p>Privatisierung von Bildung geht immer einher mit einem Abbau von Demokratie, von Mitbestimmungsrechten und Gestaltungsm&#246;glichkeiten. Nur wenn Bildung kostenfrei bleibt, kann mit ihr nicht gehandelt werden, und nur dann ist sie f&#252;r alle zug&#228;nglich.</p>
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		<title>Solidarit&#228;tsadresse an die Studierenden</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Dec 2009 08:01:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bildung]]></category>

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		<description><![CDATA[von Jean Ziegler Liebe Genossinnen und Genossen, Die Universit&#228;t ist eine gro&#223;artige Anstalt. Sie ist eine Zivilisationserrungenschaft, ein Meilenstein in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>von Jean Ziegler</em></p>
<p>Liebe Genossinnen und Genossen,</p>
<p>Die Universit&#228;t ist eine gro&#223;artige Anstalt. Sie ist eine Zivilisationserrungenschaft, ein Meilenstein in der Geschichte der Emanzipation der Menschen. Geschaffen wurde sie von der radikalen Revolution von 1848. Heute ist sie eine einsame Insel, ein Freiraum im Dschungel des globalisierten Raubtierkapitalismus.<br />
<span id="more-33"></span><br />
Sie ist die Waffenschmiede der kritischen Vernunft. Jean-Paul Sartre hat ihre Aufgabe beschrieben: „Den Feind erkennen, den Feind bek&#228;mpfen.&#8221;</p>
<p>Das selbstbestimmte Individuum, die kritische Vernunft sind ein Horror f&#252;r die Oligarchen der Welt beherrschenden Tyrannei des globaliserten Finanzkapitals. Konzerne hassen kritische Vernunft. Entfremdung und Funktionalisierung des Menschen, Profitmaximalisierung um jeden erdenklichen Preis sind ihre Vorhaben.</p>
<p>Deshalb wollen sie die Universit&#228;t zu ihren Diensten umfunktionalisieren. Unter anderm und vorallem mit der von h&#246;rigen B&#252;rokraten erzwungenen Bologna-Reform.</p>
<p>Das neoliberale Gift verw&#252;stet die Universit&#228;t. Es muss bek&#228;mpt werden. Die gegenw&#228;rtige Widerstands- und Aufbruchsbewegung der europ&#228;ischen Studentinnen und Studenten tut das mit eindr&#252;cklichem Mut, analytischer Kompetenz und Energie.</p>
<p>Euch dr&#252;cke ich meine Bewunderung und totale Solidarit&#228;t aus.</p>
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