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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Familie/Patriarchat</title>
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		<title>«Wenn nicht jetzt… wann dann?»</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 15:40:16 +0000</pubDate>
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		<title>Der Internationale Frauentag wird 100 Jahre alt</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 15:35:28 +0000</pubDate>
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		<title>Das Betreuungsgeld</title>
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		<pubDate>Sat, 06 Feb 2010 15:19:13 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Familie/Patriarchat]]></category>

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		<description><![CDATA[Sozial- und gleichstellungspolitisch ein R&#252;ckschritt. von Gisela Notz «Um Wahlfreiheit zu anderen &#246;ffentlichen Angeboten und Leistungen zu erm&#246;glichen, soll ab [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sozial- und gleichstellungspolitisch ein R&#252;ckschritt.</strong><br />
<em>von Gisela Notz</em></p>
<p>«Um Wahlfreiheit zu anderen &#246;ffentlichen Angeboten und Leistungen zu erm&#246;glichen, soll ab dem Jahr 2013 ein Betreuungsgeld in H&#246;he von 150 Euro, gegebenenfalls als Gutschein, f&#252;r Kinder unter drei Jahren als Bundesleistung eingef&#252;hrt werden.» So steht es im schwarz-gelben Koalitionsvertrag unter Kapitel III</p>
<p><span id="more-505"></span>«Sozialer Fortschritt». 16 Verb&#228;nde, unter ihnen der Deutsche Frauenrat, verschiedene Gewerkschaften, der Verband Alleinerziehender M&#252;tter und V&#228;ter und der Bundesverband Pro Familia sind sich einig, dass ein Betreuungsgeld grunds&#228;tzlich kontraproduktiv ist und weder dem Ziel der Gleichberechtigung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt, noch der Bildungs- und Chancengerechtigkeit der Kinder dient.</p>
<p>Die Verb&#228;nde weisen darauf hin, dass Wahlfreiheit dadurch hergestellt wird, dass gen&#252;gend qualitativ hochwertige und geb&#252;hrenfreie bzw. g&#252;nstige Ganztagsbetreuungspl&#228;tze zur Verf&#252;gung stehen. Davon sind wir weit entfernt. Auch 2013, das Jahr in dem f&#252;r jedes dritte Kind unter drei Jahren ein Betreuungsangebot geschaffen sein soll, werden nach gegenw&#228;rtigem Stand des Ausbaus nicht ausreichend Kita-Pl&#228;tze f&#252;r Kinder unter drei Jahren vorhanden sein. Aktuellen Meldungen zufolge fehlen noch 275000 Pl&#228;tze. Insbesondere die Tagesbetreuung wird den Bedarf nicht decken.<br />
Etliche Kommunen warnen bereits, die Wirtschaftskrise mache es unm&#246;glich, den gesetzlichen Anspruch umzusetzen.</p>
<p><strong>Die Meinung der Verb&#228;nde</strong><br />
Die Verb&#228;nde sind der Meinung, dass die Konzeption des Betreuungsgeldes gegen grundlegende Prinzipien der Elternautonomie verst&#246;&#223;t: Eine Entscheidung, wie Eltern ihre Kinder betreuen, d&#252;rfe weder pr&#228;miert, noch honoriert oder bestraft werden. Genauso wenig d&#252;rfe der Staat &#252;ber ein Gutscheinsystem – &#252;ber dessen Ausgestaltung es noch keine Vorstellungen gibt – andeuten, einkommensarme Eltern k&#246;nnten nicht verantwortungsbewusst und im Interesse der Kinder haushalten.</p>
<p>Die Verb&#228;nde halten solche populistischen &#196;u&#223;erungen in Bezug auf arme Familien mit und ohne Migrationshintergrund f&#252;r menschenfeindlich; sie negieren die Anstrengungen vieler Familien und verhindern umso mehr deren F&#246;rderung und Integration. Ein fl&#228;chendeckendes Angebot an Kita-Pl&#228;tzen f&#252;r alle Kinder sowie Angebote der Familienbildung sind der richtige Schritt auch zu mehr Bildungs- und Chancengerechtigkeit.</p>
<p>Die Verb&#228;nde sind sich sicher, dass das Betreuungsgeld auch f&#252;r Frauen falsche Signale setzt <em>-</em> n&#228;mlich nach der Geburt eines Kindes l&#228;nger aus ihrer Erwerbst&#228;tigkeit auszusteigen. So verfestigen sich traditionelle Geschlechterrollen, und der Wunsch der Familien auf eine gleichberechtigte Verteilung der Sorge- und Erziehungsaufgaben wird negiert.</p>
<p>Der Ausbau der Kinderbetreuung muss in der Tat h&#246;chste Priorit&#228;t haben. Dabei geht es nicht nur um Pl&#228;tze f&#252;r Kinder unter drei Jahren, sondern auch um Ganztagspl&#228;tze f&#252;r drei- bis sechsj&#228;hrige Kinder, die vielerorts noch nicht vorhanden sind. Die 16 Verb&#228;nde fordern daher die Bundesregierung auf, ihre Bem&#252;hungen darauf zu konzentrieren und das f&#252;r das Betreuungsgeld vorgesehene Budget daf&#252;r zu verwenden.</p>
<p>Das Anliegen der 16 Verb&#228;nde, zu deren Einspruch sich in der Zwischenzeit auch Weitere zustimmend ge&#228;u&#223;ert haben, wird von vielen gesellschaftlichen Gruppen unterst&#252;tzt. Auch Experten sorgen sich um die fr&#252;hkindliche F&#246;rderung. Und Politiker sehen in dem Betreuungsgeld ein v&#246;llig falsches Signal oder gar «eine Rolle r&#252;ckw&#228;rts in die 50er Jahr, die auch noch Geld kostet» (Sibyll Klotz, gr&#252;ne Bezirksstadtr&#228;tin in Berlin).</p>
<p>Wie sie sind auch der Bildungsstadtrat von Berlin-Mitte, Rainer-Maria Fritsch (DIE LINKE), der Fraktions- und Landesvorsitzende der Berliner CDU, Frank Henkel, Bundespolitikerinnen wie MdB Elke Ferner und Mechthild Rawert (beide SPD) der Ansicht, man h&#228;tte das Geld lieber in den weiteren Ausbau des fr&#252;hkindlichen Bildungssystems investieren sollen als in individuelle F&#246;rderma&#223;nahmen. Senatssprecher Richard Meng sagte dem Tagesspiegel: «Alles, was wie eine Pr&#228;mie f&#252;rs Zuhausebleiben aussieht, f&#246;rdert nicht die fr&#252;he Integration unter Gleichaltrigen, sondern hemmt sie.» Der Psychologe Kazim Erdogan von der t&#252;rkischen V&#228;tergruppe Berlin-Neuk&#246;lln bef&#252;rchtet: «Die meisten Familien werden der Verlockung des Geldes erliegen und ihre Kinder von den Kinderg&#228;rten abmelden.»</p>
<p><strong>Integration gef&#228;hrdet</strong><br />
Das werden sie tun, wenn sie ohnehin erwerbslos und zu Hause sind. F&#252;r arme Familien, und die gibt es in Neuk&#246;lln und anderswo nicht nur unter den Familien mit Migrationshintergrund, sind 150 Euro viel Geld. Kazim Erdogan sieht darin einen entscheidenden Nachteil f&#252;r die durch ihn betreuten Kinder, deren Eltern <em>-</em> wie andere Eltern auch <em>-</em> oft mit der Vorbereitung auf das ehrgeizige Schulsystem &#252;berfordert sind: «Deshalb sollte der Staat in die Bildung unserer Kinder investieren und keine Almosen verteilen.»</p>
<p>Ursula von der Leyen hat noch vor zwei Jahren davon gesprochen, dass das Betreuungsgeld «eine bildungspolitische Katastrophe» sei. Inzwischen gab es einen Wechsel im Ministerium. Ministerin K&#246;hler erkl&#228;rte kurz nach ihrem Amtsantritt der Welt am Sonntag, es gehe beim Betreuungsgeld um ein ihr sehr wichtiges Anliegen, n&#228;mlich um die Unterst&#252;tzung von jungen V&#228;tern und M&#252;ttern, «die sich in den ersten Jahren nach der Geburt eines Kindes zu Hause in Vollzeit der Erziehung widmen», also «ganz bewusst keinen Krippenplatz in Anspruch nehmen», andererseits sollten Problemkinder, die von einem Krippenbesuch profitieren w&#252;rden, diese F&#246;rderung auch bekommen.</p>
<p>K&#246;hler will sehen, «wie viele Familien das sind und welche Art der Unterst&#252;tzung sie brauchen». Demnach w&#252;rde die Kinderkrippe bevorzugt f&#252;r «H&#228;rtef&#228;lle» bereitgehalten und damit zur diskriminierenden Sondereinrichtung werden. Allerdings w&#252;rden die &#252;berlasteten Kommunen Geld sparen, indem die Betreuung mit 125 Euro individualisiert wird: Ein Betreuungsplatz in der Kita kostet monatlich 800<em>-</em>1000 Euro. Von Kinderkrippen, vorschulischer Bildung usw. sollten aber alle Kinder profitieren, weil sie dort Anregungen bekommen und Erfahrungen machen k&#246;nnen, die ihnen auch das «privilegierte» Familienleben nicht bieten kann.</p>
<p><strong>Alte Rollenmuster</strong><br />
Das Betreuungsgeld widerspricht den Prinzipien einer modernen Gesellschaft in hohem Ma&#223;e. Es konterkariert die gleichstellungspolitischen, sozialpolitischen und familienpolitischen Ziele, f&#252;r die sich die Interessenvertretungen seit vielen Jahren einsetzen. Die «Herdpr&#228;mie», wie sie verschiedentlich zu Recht genannt wird, verfestigt alte Rollenmuster, indem sie die Trennung zwischen Mutter-/Hausfrauenrolle und Vater-/Erwerbsarbeitsrolle und damit die unterschiedliche Positionierung der Geschlechter in der Gesellschaft propagiert. Sie benachteiligt Alleinerziehende und Eltern, die ihre Kinder in Einrichtungen betreuen lassen, weil sie einer Erwerbsarbeit nachgehen wollen.</p>
<p>Setzt sich die «Herdpr&#228;mie» durch, steigt auch die Abh&#228;ngigkeit der Bezugspersonen von staatlichen Hilfen, weil f&#252;r die Mehrzahl das Elterngeld schon jetzt nicht ausreicht, um ein, geschweige denn zwei Jahre zu Hause bleiben zu k&#246;nnen. Von 150 Euro Betreuungsgeld im Monat kann sich niemand ern&#228;hren. In der Tat wissen wir noch nicht einmal, ob Hartz-IV-Empf&#228;nger &#252;berhaupt von dem Betreuungsgeld profitieren, denn staatliche Transferleistungen <em>-</em> wie etwa das Kindergeld <em>-</em> werden auf den Hartz-IV-Regelsatz angerechnet. In dieser Frage h&#228;lt sich das Bundesfamilienministerium bisher bedeckt. Politiker sollten sich nicht weiter darum streiten, ob das Geld bar ausgezahlt oder in Gutscheinen ausgeh&#228;ndigt werden soll.</p>
<p>Es geht um 1,9 Milliarden Euro und die m&#252;ssen direkt in ein qualitativ und quantitativ besseres Kinderbetreuungssystem investiert werden. Dazu ist ein Umsteuern der Familienpolitik n&#246;tig <em>-</em> hin zu einer Politik, die von gleichberechtigten Individuen aus geht, f&#252;r die es selbstverst&#228;ndlich ist, dass sie ihre Existenz selbst sichern k&#246;nnen, die Kindern gleiche Chancen zuspricht, egal wie sie aussehen, wo sie herkommen und in welcher Lebensform sie erwachsen werden.</p>
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