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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Flucht und Migration</title>
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		<title>Schengen und die Festung Europa</title>
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		<pubDate>Fri, 27 May 2011 20:20:48 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Flucht und Migration]]></category>

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		<description><![CDATA[Au&#223;engrenzen abschaffen von Rene Jokisch Die italienische Regierung setzt sich f&#252;r offene und unkontrollierte Grenzen ein.Der etwas widerspr&#252;chliche Eindruck, den [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Au&#223;engrenzen abschaffen</strong><br />
<em>von Rene Jokisch</em><br />
Die italienische Regierung setzt sich f&#252;r offene und unkontrollierte Grenzen ein.Der etwas widerspr&#252;chliche Eindruck, den ein gro&#223;er Teil der aktuellen Debatte &#252;ber die Migrationspolitik in der EU vermittelt, l&#228;sst sich leicht aufkl&#228;ren.</p>
<p><span id="more-2424"></span>Selbstverst&#228;ndlich unterst&#252;tzt Silvio Berlusconi beim kommenden Treffen des Europ&#228;ischen Rates am 24.Juni die Versch&#228;rfung der Migrationsbek&#228;mpfung an den EU-Au&#223;engrenzen – sie gilt als Konsens unter den EU-Staats- und Regierungschefs. Er unterst&#252;tzt auch die weitere Aufr&#252;stung der EU-Agentur FRONTEX. Lediglich im Streit um das Schengener Abkommen nimmt Italien eine besondere Rolle ein und fordert offene Grenzen.</p>
<p>Mitglieder dieses Abkommens sind Norwegen, Island und die Schweiz sowie alle EU-Mitglieder mit Ausnahme von Gro&#223;britannien, Irland, Rum&#228;nien, Bulgarien und Zypern. Zwischen den Schengen-Mitgliedern gilt der freie Personenverkehr – f&#252;r viele Menschen einer der greifbarsten Fortschritte der europ&#228;ischen Integration.</p>
<p>Die Voraussetzung f&#252;r den weitgehenden Verzicht auf Kontrollen an den Binnengrenzen war der Konsens &#252;ber eine gemeinsame EU-Au&#223;engrenze, die die sogenannte illegale Migration effektiv verhindern sollte: Jeder Mitgliedstaat sollte seinen Teil der Au&#223;engrenze gegen Migranten «verteidigen».</p>
<p>Der (kostspielige) Aufbau von Grenzkontrollkapazit&#228;ten und die effektive Bek&#228;mpfung von Migranten und Migration geh&#246;ren zu den entscheidenden Voraussetzungen f&#252;r den Beitritt eines Staates zu EU. Da Deutschland au&#223;er Flugh&#228;fen keine nennenswert zu kontrollierenden Au&#223;engrenzen hat, profitiert es besonders von dieser Verteilung der Verantwortung.</p>
<p>Italiens Grenze ist dagegen aus Sicht Berlusconis durch die Revolutionen und den Krieg in Nordafrika einem besonderem «Migrationsdruck» ausgesetzt, der eine gemeinsame Antwort der EU verlange: Von anderen EU-Mitgliedern fordert er vergeblich mehr Unterst&#252;tzung bei der Aufnahme und Bek&#228;mpfung von Migranten.</p>
<p>Um Druck zu machen, ging Berlusconi soweit, tunesischen Migranten vorl&#228;ufige Aufenthaltsgenehmigungen auszustellen, die sie zur Reisefreiheit in der ganzen EU berechtigen. Frankreich f&#252;hrte daraufhin, wie von Sarkozy angek&#252;ndigt, wieder Grenzkontrollen ein. Dieser Schritt wurde als unberechtigte Beschr&#228;nkung der Personenfreiz&#252;gigkeit und als Verletzung der Schengener Abkommens gewertet und f&#252;hrte zu einer Debatte um die Reform dieses Abkommens.</p>
<p>Es ist zu erwarten, dass die Staats- und Regierungschefs die Personenfreiz&#252;gigkeit durch weitere Ausnahmeregelungen und (neue) Entscheidungskompetenzen f&#252;r die Mitgliedstaaten einschr&#228;nken werden.Die Wiedereinf&#252;hrung nationaler Kontrollen muss kritisiert werden. Dabei sollte man sich aber nicht auf das Schengener Abkommen berufen, das den «grenzenlosen» Binnenraum durch eine festungsm&#228;&#223;ige Au&#223;engrenze erg&#228;nzt, sondern grunds&#228;tzlich Reisefreiheit f&#252;r alle Menschen fordern. Diese Forderung wendet sich auch gegen rassistische, willk&#252;rliche Kontrollen innerhalb des Schengenraum auf der Suche nach «illegalen» Migranten.</p>
<p>Die Zweischneidigkeit von Schengen zeigen auch die geplanten (und vorerst gestoppten) Beitritte Bulgariens und Rum&#228;niens: W&#228;hrend die Bev&#246;lkerung in den beitretenden Staaten Reisefreiheit gewinnt, verlieren die Menschen in den Nachbarstaaten Freiheiten, wenn das Nachbarland nicht den gleichen Status als Schengen-Ausland hat. Insbesondere Menschen in den Grenzregionen zur T&#252;rkei, Moldawien und der Ukraine werden die Ver&#228;nderungen zu sp&#252;ren bekommen, wenn ehemals gute Nachbarn hinter der neuen EU-Au&#223;engrenze verschwinden.</p>
<p><em>Rene Jokisch ist Mitarbeiter von Andrej Hunko, MdB DIE LINKE.</em></p>
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		<title>Reisefreiheit auch f&#252;r Tunesier</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Apr 2011 14:16:20 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Flucht und Migration]]></category>

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		<description><![CDATA[Omeyya Seddik &#252;ber die Lage in Tunesien, die Fl&#252;chtlinge und die Beziehungen zu Europa Interview mit Angela Huemer Der Tunesier [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Omeyya Seddik &#252;ber die Lage in Tunesien, die Fl&#252;chtlinge und die Beziehungen zu Europa<br />
</strong><em>Interview mit Angela Huemer</em><strong></strong></p>
<p>Der Tunesier Omeyya Seddik ist Politologe und Teil der Fédération des Tunisiens pour une Citoyenneté des deux Rives (FTCR). Diese Nichtregierungsorganisation gibt es seit den 70er Jahren. Anfangs hie&#223; sie «Vereinigung der tunesischen Arbeitsmigranten», zu Beginn der 90er Jahre &#228;nderten sie ihren Namen. Die FTCR bearbeitet Themen wie Diskriminierung, Immigration, Sozialforen, Gesundheit und die Lage in den Pariser Vorst&#228;dten. Ihr vorherrschendes Anliegen ist die Zusammenarbeit auf Augenh&#246;he zwischen dem n&#246;rdlichen und dem s&#252;dlichen Ufer des Mittelmeeres.<br />
<span id="more-2322"></span>Omeyya Seddik hat mehr als 20 Jahre in Frankreich in Exil gelebt. Noch als die Revolution in Tunesien im Gange war, reiste er in seine Heimat und beschloss, wieder ganz dorthin zur&#252;ckzukehren.</p>
<p><em>Wie ist die Lage in Tunesien derzeit?</em></p>
<p>Schwierig und prek&#228;r, da man immer noch damit besch&#228;ftigt ist, Institutionen zu schaffen, die die Errungenschaften der Revolution sch&#252;tzen. Noch gestalten sich die Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse schwierig, viele Elemente des diktatorischen Regimes sind noch aktiv. Ben Alis Diktatur basierte auf einem sehr gro&#223;en Sicherheitsapparat, der immer noch in Funktion ist, er wurde zwar geteilt, jedoch noch nicht neu strukturiert.</p>
<p><em>Betrifft das die Polizei oder das Milit&#228;r?</em></p>
<p>Sowohl als auch. Tunesien war aber eine Ausnahme in der Region, die Polizei war wichtiger als das Milit&#228;r – was Gr&#246;&#223;e, Budget und Schlagkraft anbelangt. Ben Alis Diktatur war eher eine Polizei- als eine Milit&#228;rdiktatur.</p>
<p>Es besteht immer noch das Risiko, dass es Versuche geben wird, das Rad zur&#252;ck zu drehen, oder zumindest den demokratischen Prozess zu stoppen. Doch die Dynamik in der Bev&#246;lkerung und die Bem&#252;hungen, Institutionen zu schaffen, die eine R&#252;ckkehr zur Diktatur unm&#246;glich machen, sind gro&#223;.</p>
<p><em>Wie sieht das konkret aus?</em></p>
<p>Es gibt eine provisorische Regierung, die jedoch noch nicht gew&#228;hlt ist. Sie besteht aus Technokraten und verwaltet das Land, auch auf &#246;konomischer Ebene, sie sorgt also daf&#252;r, dass kein Chaos ausbricht – einige der Regierungsmitglieder geh&#246;rten jedoch dem alten Regime an. Diese Regierung wird sehr genau beobachtet, sowohl von der Bev&#246;lkerung als auch von einer neuen Institution, die sich «Rat f&#252;r die Verteidigung der Ziele der Revolution» nennt und das aufgel&#246;ste Parlament ersetzt. In diesem Rat sitzen Vertreter der sozialen Bewegungen, der Gewerkschaften und der ehemaligen Oppositionsparteien. Dieser Rat bereitet die Wahlen am 24.Juli vor.</p>
<p>All das spielt sich in einem sehr schwierigen sozialen und politischen Umfeld ab, denn die wirtschaftliche Lage k&#246;nnte katastrophal werden. Tunesien ist ein Land, das nicht &#252;ber sehr viele nat&#252;rliche Ressourcen verf&#252;gt und wirtschaftlich sehr stark vom Ausland abh&#228;ngt, vor allem von Europa. Es gibt nur wenige Industriebetriebe, die f&#252;r den Export produzieren, ein wichtiger Faktor ist der Tourismus – doch der ist stark zur&#252;ckgegangen, trotz der enormen Bem&#252;hungen, ein wenig davon zu retten.</p>
<p><em>Viele fragen sich, warum Tunesier jetzt fliehen, wo nach au&#223;en hin die Revolution so gut wie vorbei ist?</em></p>
<p>Da spielt die oben genannte wirtschaftliche Lage eine Rolle. Der Gro&#223;teil derer, die in den ersten Wochen geflohen sind, rund 10000, kam vor allem aus dem S&#252;den des Landes. Und der lebt fast ausschlie&#223;lich vom Handel mit Libyen und vom Tourismus. Eine Rolle spielt auch das Fehlen von Sicherheitskr&#228;ften und die Tatsache, dass seit rund eineinhalb Jahren der Fluchtweg von Libyen nach Italien durch das Abkommen der beiden L&#228;nder blockiert war. Viele Auswanderungswillige haben also gewartet, oder schwierigere Routen gew&#228;hlt – &#252;ber Griechenland und die T&#252;rkei.</p>
<p>Zu Zeiten Ben Alis war die Ausreise aus Tunesien aus zwei Gr&#252;nden sehr schwierig: Es gab intensive Polizeikontrollen, Emigration war ein Delikt, das durch ein Abkommen Ben Alis mit Europa eingef&#252;hrt und mit Gef&#228;ngnis bestraft wurde. Die Tunesier fuhren also nicht aus Tunesien los, sondern gingen nach Libyen und flohen von dort aus.</p>
<p>Wir waren in den Gegenden, von denen die Leute jetzt geflohen sind. Sie waren froh &#252;ber die Revolution, aber als es vorbei war, stand das wirtschaftliche &#220;berleben im Vordergrund. Die Familien sagten zu den Jugendlichen, sch&#246;n und gut, dass ihr euch aufgelehnt habt, aber wie sollen wir jetzt essen, wovon sollen wir leben? Im Weggehen sahen viele eine Fortsetzung der Revolution.</p>
<p>Im Februar war ich auf Lampedusa. Die Leute, die ich dort traf, waren teilweise sehr jung, viele hatten an der Revolution teilgenommen und erz&#228;hlten, dass sie nun 2–3 Jahre irgendwo arbeiten und dann mit einer anderen wirtschaftlichen Perspektive in das neue Tunesien zur&#252;ckkehren wollen.</p>
<p><em>Wie schwierig ist die legale Einreise nach Europa?</em></p>
<p>Wenn man nicht reich ist, ist es fast unm&#246;glich. Ein Beispiel. Unter den Fl&#252;chtlingen auf Lampedusa, die ich im Februar getroffen habe, waren drei, die eine Aufenthaltserlaubnis f&#252;r Frankreich hatten. Seit Jahren hatten sie vergeblich versucht, ihre Familien zu sich zu holen. Und nun, als es einfach wurde loszufahren, reisten sie von Frankreich nach Tunesien, holten ihre Frauen und kamen dann per Fl&#252;chtlingsboot nach Lampedusa. Es ist leichter geworden, das Leben auf einer &#220;berfahrt zu riskieren, als auf legale Weise eine Familienzusammenf&#252;hrung zu erreichen.</p>
<p><em>Gibt es auch welche unter den Migranten, die einfach nur reisen wollen?</em></p>
<p>Ja, es gibt von allem ein wenig. Ich habe ganz junge M&#228;nner getroffen, f&#252;r die Demokratie und Freiheit bedeutet, weggehen zu k&#246;nnen und wieder zur&#252;ckzukehren. Und wir sind der Meinung, dass sie Recht haben. Teil des demokratischen Prozesses muss auch die Ebenb&#252;rtigkeit in den internationalen Beziehungen sein. Dazu geh&#246;rt Reisefreiheit – auch f&#252;r Tunesier.</p>
<p><em>Fehlen denn die jungen Leute nicht beim Aufbau des neuen Tunesien? </em></p>
<p>Es ist zu bedenken, dass, im Gegensatz zu Europa, 70% der Bev&#246;lkerung j&#252;nger als 29 Jahre alt sind; in Europa ist das genau umgekehrt, zumindest in Italien. Dieses demographische Ungleichgewicht ist eine Erkl&#228;rung f&#252;r die Migrationsstr&#246;me. Gleichzeitig gibt es einen Arbeitskr&#228;ftemangel in Europa, und die Migranten finden hier auch Arbeit. Die Tatsache, dass Leute weggehen, hei&#223;t nicht, dass sie fliehen, es hei&#223;t, dass sie sich ein Leben aufbauen, das ihnen erlaubt zur&#252;ckzukehren, zu helfen.</p>
<p><em>In letzter Zeit wird in Tunesien viel gestreikt, was will man damit erreichen?</em></p>
<p>Viele protestieren damit gegen ihre schlechten Arbeitsbedingungen, was sie unter Ben Ali nicht konnten. Denn f&#252;r viele Menschen w&#228;re die demokratische Revolution unbedeutend, wenn sich dadurch ihre Lebensumst&#228;nde nicht verbessern w&#252;rden. Das Problem ist die aktuelle schwierige wirtschaftliche Lage. In den letzten Wochen gibt es vermehrt Stimmen, die sagen, es ist nicht der richtige Zeitpunkt f&#252;r Streikaktionen, man sollte damit warten. Es gibt jedoch auch Streiks, die sich dagegen wenden, dass in den Firmen immer noch die Leute was zu sagen haben, die enge Verbindungen mit dem alten Regime hatten.</p>
<p><em>Am 5.April haben Tunesien und Italien ein Abkommen zur Regulierung der irregul&#228;ren Migration abgeschlossen. Wie beurteilen Sie dieses Abkommen und wie kam es zustande?</em></p>
<p>Das ist sehr komplex. Zu Beginn meinten Silvio Berlusconi, Innenminister Maroni und Au&#223;enminister Frattini, dass sie das Ganze wie zu Zeiten von Ben Ali regeln k&#246;nnen, d.h. auf nahezu neokoloniale Weise, durch Geld und Drohungen. Das war nicht m&#246;glich, denn, wie ich vorhin erw&#228;hnte, die Regierung ist schwach, nicht vom Volk gew&#228;hlt, und so war etwas m&#246;glich, was zu Zeiten von Ben Ali nicht m&#246;glich war: eine &#246;ffentliche Kampagne, damit die Regierung die Bedingungen der Italiener nicht akzeptiert. Anfangs war die italienische Regierung ziemlich &#252;berrascht, als ihr Anliegen, massenhaft Tunesier abzuschieben, abgelehnt wurde.</p>
<p><em>Wie sah diese Kampagne aus?</em></p>
<p>Wir haben demonstriert, und es gab eine sehr starke Medienkampagne, wie sie zuvor nicht m&#246;glich war, da die Medien vollkommen kontrolliert waren. Sp&#228;ter gab es weitere Verhandlungen zwischen Italien und Tunesien und man erreichte, dass den Tunesiern eine tempor&#228;re Aufenthaltsgenehmigung erteilt wird – was das Abkommen sonst noch enth&#228;lt, wissen wir noch nicht, wir arbeiten jedoch daran, es herauszufinden.</p>
<p><em>Es ist also nicht ver&#246;ffentlicht worden?</em></p>
<p>Nein, und daher sind wir der Ansicht, dass wir dieses Abkommen nicht anerkennen m&#252;ssen. Konkret hat es Italien erlaubt, zweimal t&#228;glich je 30 Personen nach Tunesien abzuschieben.</p>
<p><em>Wie wird Europa derzeit in Tunesien wahrgenommen?</em></p>
<p>Die Tunesier sind der Ansicht, dass Europa seit jeher ein starker R&#252;ckhalt f&#252;r unsere Diktaturen war, Ben Ali, Gaddafi und die anderen. Sowohl Italien als auch Frankreich waren bis zum letzten Moment die wichtigsten Wirtschaftspartner dieser Regimes, und nun dachten wir, dass sich die Dinge &#228;ndern w&#252;rden. Stattdessen sehen wir – trotz anders lautender Bekenntnisse – dass Europa alles tut, die weitere demokratische Entwicklung zu verhindern. Die Frage der Emigration ist bezeichnend daf&#252;r, denn eigentlich wird hier konkret eine Erpressung versucht: Wir helfen euch nicht, wenn ihr nicht dasselbe tut wie zuvor Ben Ali [d.h. die Emigration zu blockieren] – wohl wissend, dass das in einem demokratischen Umfeld nicht m&#246;glich ist.</p>
<p><em>Was k&#246;nnte denn Europa Positives tun, um den demokratischen Prozess zu unterst&#252;tzen?</em></p>
<p>Erst einmal soll allen, die jetzt ankommen, ein humanit&#228;rer Aufnahmestatus gegeben werden, gem&#228;&#223; einer EU-Direktive von 2001, wonach die Leute in Europa reisen und arbeiten k&#246;nnen. Dar&#252;ber hinaus finden wir, dass es an der Zeit ist, die Beziehungen zwischen Europa und Tunesien, die bislang vollkommen unausgeglichen waren – nicht nur auf der Ebene der Migration, sondern auch auf wirtschaftlicher und sozialer Ebene – neu zu definieren. Wir meinen, dass es auch f&#252;r Europa von Interesse ist, ausgewogenere politische und wirtschaftliche Beziehungen mit den Nachbarn s&#252;dlich des Mittelmeers zu unterhalten.</p>
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		<title>Karawane zum Weltsozialforum in Dakar</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 15:00:39 +0000</pubDate>
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		<title>Tunesische Fl&#252;chtlinge auf Lampedusa</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 13:09:40 +0000</pubDate>
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		<title>Griechenland, 300 Migranten im Hungerstreik</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Mar 2011 13:08:02 +0000</pubDate>
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		<title>Fl&#252;chtlinge boykottieren Essenspakete</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Dec 2010 12:43:03 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Demonstration in Augsburg gegen unw&#252;rdige Lebensbedingungen Am 11.November haben in Augsburg etwa 200 Asylbewerber, Fl&#252;chtlinge und deren Unterst&#252;tzer f&#252;r bessere [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Demonstration in Augsburg gegen unw&#252;rdige Lebensbedingungen</strong></p>
<p>Am 11.November haben in Augsburg etwa 200 Asylbewerber, Fl&#252;chtlinge und deren Unterst&#252;tzer f&#252;r bessere Lebensbedingungen der Migranten demonstriert.</p>
<p><span id="more-1777"></span>Die Vertreterin der Fl&#252;chtlingsinitiative Augsburg (FIA) erkl&#228;rte beim Auftakt vor der Ausl&#228;nderbeh&#246;rde: «Viele von uns haben den Essenspaketboykott im Fr&#252;hjahr unterst&#252;tzt und dazu eine Demonstration veranstaltet. Bei dieser Demonstration im April wurde der Stadtrat aufgefordert, eine Resolution zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Fl&#252;chtlingen zu verabschieden.»</p>
<p>Die Resolution wurde von den Gr&#252;nen und von der SPD-Fraktion verfasst und von zwei Stadtr&#228;ten der LINKEN mitunterzeichnet. Die Hauptforderungen waren:<br />
– Schlie&#223;ung der Calmbergstra&#223;e, ein Lager in einer total veralteten Kaserne;<br />
– kleinere Unterk&#252;nfte, keine Massenunterk&#252;nfte mehr;<br />
– Abschaffung der Essenspakete, stattdessen Bargeld f&#252;r Lebensmitteleink&#228;ufe.</p>
<p>Die Resolution wurde sp&#228;ter auch vom gesamten Augsburger Stadtrat und von Oberb&#252;rgermeister Kurt Girbl (CSU) unterzeichnet und an den Sozialausschuss des Bayerischen Landtags geschickt.</p>
<p>Leider wurden die Forderungen abgelehnt! Am Tag zuvor hatten Hilfsorganisationen wie die «Karawane» und der Bayerische Fl&#252;chtlingsrat im Rahmen ihrer «Schmutzigen Donnerstags-Tour» Unterk&#252;nfte im Bezirk Augsburg besichtigt. Auf einer Pressekonferenz und auch nach der Demonstration konnten sich Medienvertreter von den f&#252;rchterlichen Zust&#228;nden z.B. in der Unterkunft Calmbergstra&#223;e &#252;berzeugen: Je vier Menschen in Stockbetten in einem 16 Quadratmeter gro&#223;en Raum, vier Toiletten und zwei 4-Platten-Herde f&#252;r ca. 80 Bewohner auf einem Gang – das sind die &#228;u&#223;eren Bedingungen. Hinzu kommen Auflagen wie die «Residenzpflicht», d.i. dasVerbot f&#252;r Asylbewerber, den Landkreis ihres Lagers zu verlassen.</p>
<p>Der Bayerische Landtag hatte zwar im Fr&#252;hjahr deren Lockerung verk&#252;ndet, doch davon merken die Fl&#252;chtlinge nichts. Einmal im Jahr k&#246;nnen sie auf Antrag von Augsburg nach M&#252;nchen reisen. Die Genehmigung kostet 10–12 Euro (das monatliche Taschengeld betr&#228;gt 40 Euro). Arbeiten, d.h. Geld verdienen, ist ihnen verboten, solange sie noch Asylbewerber sind.</p>
<p>Die Bayerische Landesregierung bem&#252;ht sich gerade, auf der Sarrazin-Welle zu surfen: Sozialministerin Haderthauser, die noch vor Kurzem f&#252;r eine bessere Unterbringung von Fl&#252;chtlingen angetreten war – entgegen dem Mainstream in der Partei – , drohte in ihrer Erkl&#228;rung am 11.11. (dem Tag der Demonstration) Einwanderern mit Sanktionen, wenn sie nicht schnell genug deutsch lernen w&#252;rden.</p>
<p>Am 18.11. meldete die Fl&#252;chtlingsinitiative, dass sich erneut &#252;ber 200 Fl&#252;chtlinge in einem Essenspaketeboykott befinden. Weitere Bewohner aus Fl&#252;chtlingsunterk&#252;nften in Augsburg und Umland haben sich dem angeschlossen. Die FIA fordert zu Spenden auf, denn: Wer die Essenspakete verweigert, hat gar nichts zu essen.</p>
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		<title>Roma-Fl&#252;chtlingen droht Deportation ins Kosovo</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/03/roma-fluechtlingen-droht-deportation-ins-kosovo/</link>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 10:44:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Flucht und Migration]]></category>

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		<description><![CDATA[Keine Abschiebung! Dauerhaftes Bleiberecht! von Brigitte Kiechle Die Bundesregierung will mehr als 15.000 ausreiseverpflichtete Fl&#252;chtlinge aus dem Kosovo, darunter etwa [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Keine Abschiebung! Dauerhaftes Bleiberecht!</strong><br />
<em>von Brigitte Kiechle</em></p>
<p>Die Bundesregierung will mehr als 15.000 ausreiseverpflichtete  Fl&#252;chtlinge aus dem Kosovo, darunter etwa 10.000 Roma, z&#252;gig abschieben.<br />
<span id="more-619"></span>Jeden zweiten Dienstag im Monat hebt vom Flughafen S&#246;llingen bei Baden-Baden eine Abschiebe-Chartermaschine in Richtung Kosovo ab, gut bewacht von einem gro&#223;en Polizeiaufgebot. Die Fl&#252;chtlinge, die sie an Bord hat, kamen vorwiegend w&#228;hrend des v&#246;lkerrechtswidrigen NATO-Angriffskriegs gegen Jugoslawien 1999 nach Deutschland.</p>
<p>Nach der offiziellen Beendigung des Krieges kam es unter direkter Beteiligung der UÇK, die ein B&#252;ndnispartner der NATO in der Region ist, zu Pogromen und rassistischen &#220;bergriffen gegen&#252;ber den nichtalbanischen Minderheiten. Eine der gr&#246;&#223;ten Roma-Siedlungen im Kosovo, Mahala in S&#252;d-Mitrovica, in der rund 8000 Menschen lebten, wurde dabei nahezu vollkommen zerst&#246;rt, die Bewohner get&#246;tet oder vertrieben. Auch anderswo wurden die H&#228;user der Roma zerst&#246;rt, ganze Stadtteile, die sie mehrheitlich bewohnten, wurden gepl&#252;ndert und niedergemacht.</p>
<p>Laut Amnesty International verloren vor und w&#228;hrend des Krieges mehr als 235000 Roma ihren Wohnsitz durch Flucht und Vertreibung. Im M&#228;rz 2004 wurden &#252;ber 4000 Angeh&#246;rige von Minderheiten aus ihren angestammten Wohnsiedlungen vertrieben. Die UN-&#220;bergangsverwaltung des Kosovo (UNMIK) war offenbar weder willens noch in der Lage, den Schutz der Minderheiten zu gew&#228;hrleisten. Dies h&#228;tte Konfliktbereitschaft gegen&#252;ber der als «Hoffnungstr&#228;ger eines neuen Kosovo» gelobten UÇK vorausgesetzt.</p>
<p><strong>Staatenbildung und Ethnisierung</strong><br />
Mit der «Unabh&#228;ngigkeitserkl&#228;rung» des Kosovo hat sich die Situation der ethnischen Minderheiten keineswegs verbessert. Im Gegenteil, der albanische Nationalismus hat neuen Auftrieb erhalten. Bedrohungen, K&#246;rperverletzungen und Morde durch militante Albaner sind an der Tagesordnung. Eine der Folgen der Zerschlagung Jugoslawiens war ein sog. Krieg im Krieg gegen die jeweiligen Minderheiten in den neu geschaffenen Ministaaten und wurde als «Kollateralschaden» in Kauf genommen.</p>
<p>Die v&#246;lkerrechtlich umstrittene Unabh&#228;ngigkeitserkl&#228;rung des Kosovo vom 17.2.2008 nutzte die BRD zu einem f&#252;r die Kriegsfl&#252;chtlinge folgenschweren Deal mit der formell unabh&#228;ngigen Regierung des Kosovo. Die Anerkennung des neuen Staates wurde praktisch mit der Unterzeichnung eines «R&#252;cknahmeabkommens» verkn&#252;pft, mit dem die BRD das Recht erh&#228;lt, j&#228;hrlich bis zu 2500 aus dem Kosovo stammende Fl&#252;chtlinge dorthin abzuschieben. Die kosovarische Regierung verpflichtete sich, die Fl&#252;chtlinge nach einer unb&#252;rokratischen Vorpr&#252;fung «zur&#252;ckzunehmen». Vor der Unabh&#228;ngigkeitserkl&#228;rung hatte die UNMIK die Zwangsr&#252;ckkehr von Roma trotz massiven Drucks der BRD in den meisten F&#228;llen abgelehnt. Das UN-Fl&#252;chtlingshochkommissariat h&#228;lt hingegen bis heute an der Position fest, dass Roma nicht in das Kosovo abgeschoben werden k&#246;nnen.</p>
<p><strong>Die Verh&#228;ltnisse im Kosovo</strong><br />
Die Berichte des Ausw&#228;rtigen Amts zur Entwicklung und Menschenrechtslage im Kosovo besch&#246;nigen systematisch die realen Verh&#228;ltnisse. Das Alltagsleben ist gepr&#228;gt durch eine enge Verfilzung von organisierter Kriminalit&#228;t und politischen Entscheidungstr&#228;gern. Kosovo ist eine Drehscheibe des internationalen Waffen-, Drogen- und Frauenhandels. Die Regierung gilt als korrupt, und f&#252;r die Leistungen der Beh&#246;rden ist &#252;blicherweise Schmiergeld zu bezahlen.</p>
<p>Das Alltagsleben der Roma wird zus&#228;tzlich durch extreme Armut und  gesellschaftliche Diskriminierung bestimmt. Sie sind vom Arbeitsmarkt und von Bildungsangeboten fast vollkommen ausgeschlossen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei nahezu 100%, viele m&#252;ssen mit weniger als einem US-Dollar am Tag auskommen. Die Wohnverh&#228;ltnisse sind prek&#228;r. Die Roma-Familien leben in separierten Lagern, in Slums und Notunterk&#252;nften.<br />
EU-Menschenrechtskommissar Thomas Hammerberg bezeichnete die  Bedingungen in den Roma-Lagern als «humanit&#228;re Katastrophe». In einem Interview vom Juli 2009 f&#252;hrte er aus: «Ich war in den beiden bekannten Lagern bei Mitrovica: Cesmin Luk und Osterode. Sie liegen auf den Abraumhalden des Bergwerkes von Trepca,  kein Land im fr&#252;heren Jugoslawien ist so verseucht. Besonders Kinder haben alarmierende Blutwerte. Die NATO hat ihre Soldaten deshalb von dort abgezogen. Aber die Roma-Kinder leben dort seit zehn Jahren.»<br />
Diejenigen, die nach der Zerst&#246;rung der Siedlung Mahala nicht ins Ausland fl&#252;chten konnten, sind in diesen beiden Lagern gelandet. Einen anderen Wohnort hat man den Roma bis heute, trotz immer wiederholter Versprechungen, nicht zugestanden.</p>
<p><strong>Die Haltung der Bundesregierung</strong><br />
Die Innenministerkonferenz, die am 3./4.12.2009 in Bremen tagte, lehnte trotz eindringlicher Appelle von Fl&#252;chtlings- und Menschenrechtsorganisationen einen Abschiebestopp f&#252;r Roma ab, stattdessen beschloss sie effizientere Abschiebema&#223;nahmen. Diese sollen zentralisiert &#252;ber die Flugh&#228;fen D&#252;sseldorf  und Baden-Baden/S&#246;llingen abgewickelt werden. Das Regierungspr&#228;sidium Karlsruhe wurde f&#252;r die s&#252;dlichen Bundesl&#228;nder zur  zentralen Abschiebebeh&#246;rde f&#252;r die Abschiebungen ins Kosovo bestimmt. Die zweite Koordinierungsstelle ist in Bielefeld.</p>
<p>Die derzeitige Bundesregierung leugnet Abschiebungshindernisse und bedient sich dabei offen rassistischer Ressentiments. In der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke bestreitet sie zwar jegliche rassistisch motivierte Diskriminierung. Dass viele Roma weder Arbeit noch Wohnung finden w&#252;rden, liege «an objektiven Kriterien wie Leistungsbereitschaft oder der p&#252;nktlichen und vollst&#228;ndigen Zahlung der Miete».</p>
<p>Die Teilnehmer des 1.Roma-Treffens Ende Januar in Hannover forderten einen sofortigen Abschiebestopp und ein Ende der Kettenduldungen. Hingegen soll es einen «dauerhaften Aufenthalt in Deutschland» geben, «verbunden mit Qualifizierungsangeboten und Integrationsf&#246;rderung» sowie die «Unterst&#252;tzung Kranker und Alter».</p>
<p>Die BRD hat nicht nur wegen ihrer Teilnahme am Angriffskrieg gegen Jugoslawien und der damit verbundenen Vertreibung vieler Roma aus dem Kosovo eine besondere politische Verantwortung, sondern auch aufgrund der w&#228;hrend des Nationalsozialismus begangenen Verbrechen an den Roma. Damals wurden eine halbe Million Sinti und Roma ermordet. Antiziganismus ist jedoch nach wie vor in der BRD wie in der EU ein Problem. In der EU leben heute rund 10 Millionen Sinti und Roma. Nicht nur aus Rum&#228;nien, Ungarn, Tschechien usw., auch aus «Kernstaaten» der EU wie Italien, Gro&#223;britannien oder der BRD werden immer wieder Angriffe auf Roma gemeldet. Die Beh&#246;rden in der BRD leugnen in der Regel einen rassistischen Hintergrund und verharmlosen die Vorf&#228;lle. Zehntausende von Roma sind innerhalb der EU wegen rassistischer Verfolgung und mangelnder Existenzsicherung auf der Flucht. Verfolgte aus anderen Mitgliedstaaten der EU werden in der BRD jedoch nicht als Fl&#252;chtlinge anerkannt.</p>
<p>Bei der nun begonnenen Massenabschiebung von Roma ins Kosovo mischen sich auf katastrophale Weise eine inhumane Fl&#252;chtlingspolitik, Gro&#223;machtpolitik, Ausl&#228;nderfeindlichkeit und Antiziganismus. Mit dem notwendigen Widerstand gegen die geplanten Abschiebungen ins Kosovo wird zudem auch das Migrationssystem der «Festung Europa» in Frage gestellt.</p>
<p>Die Roma-Fl&#252;chtlinge m&#252;ssen in ihrem Kampf um eine «Leben in Sicherheit und W&#252;rde» und ihre Menschenrechte unterst&#252;tzt werden. Gefragt sind hier nicht nur Resolutionen und Appelle, sondern auch praktische Schritte zur Unterst&#252;tzung gegen die Abschiebungen, bis hin zu Aktionen des zivilen Ungehorsams.</p>
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		<title>Zweieinhalb Jahre Haft f&#252;r Seenotrettung</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Dec 2009 10:21:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Flucht und Migration]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Gericht in Sizilien verurteilt tunesische Fischer, die Fl&#252;chtlingen geholfen haben, wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt. von Angela Huemer Agrigent. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Gericht in Sizilien verurteilt tunesische Fischer, die Fl&#252;chtlingen geholfen haben, wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt.</strong><br />
<em>von Angela Huemer</em></p>
<p>Agrigent. Zwei Jahre hat der Prozess gegen sieben tunesische Fischer aus dem kleinen Hafen Teboulbah gedauert. Der Fall ist &#228;hnlich gelagert wie der der Cap Anamur: Die Fischer hatten am 8.August 44 Menschen aus Seenot gerettet &#8212; und wurden daf&#252;r anschlie&#223;end verhaftet. Die Anklage lautete auf Beihilfe zur illegalen Einwanderung und, im Unterschied zur Cap Anamur, auf Widerstand gegen die Staatsgewalt. Am 17.November sprach die Richterin Sabatino vom Gericht in Agrigent die sieben Fischer von der Anklage der</p>
<p><span id="more-210"></span>Schlepperei frei, verurteilte jedoch die beiden Kapit&#228;ne, Abdelkarim Bayoudh und Abdelasset Zenzeri, zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt.</p>
<p>Was war geschehen? Die beiden tunesischen Fischerboote Mortedha und Mohamed El Hedi waren rund 30 Meilen vor Lampedusa unterwegs, wo sie &#8212; zusammen mit einem dritten Boot &#8212; gefischt hatten, als sie bei Windst&#228;rke 5 und drei Meter hohen Wellen ein kaputtes Gummiboot mit 44 Menschen an Bord bemerkten. Fl&#252;chtlingsboote waren f&#252;r die Fischer schon allt&#228;glich, doch zum ersten Mal kreuzten sie eines in akuter Seenot. Unter den 44 Fl&#252;chtlingen an Bord waren auch elf Frauen, zwei von ihnen schwanger, und zwei Kinder.</p>
<p>Kapit&#228;n Abdel Zenzeri veranlasste die Rettung, 33 Fl&#252;chtlinge kamen auf die Mortadha, elf auf die El Hedi. Gleichzeitig verst&#228;ndigte der Kapit&#228;n die tunesische K&#252;stenwache. Laut Gerichtsakten verst&#228;ndigte die tunesische Seenotleitstelle um 15.15 Uhr die italienischen Kollegen in Rom. Diese schickten daraufhin die Korvette Vega der Marine, die gegen 18 Uhr die Fischerboote erreicht. Der Milit&#228;rarzt kam nicht an Bord, meinte aber, den Fl&#252;chtlingen gehe es gut genug, dass sie die 90 Seemeilen zur&#252;ck nach Tunesien fahren k&#246;nnten &#8212; was den Vorgaben des internationalen Seerechts widersprochen h&#228;tte, dieses fordert das Anlanden im n&#228;chsten sicheren Hafen. Die Korvette drehte wieder ab und, wie Kapit&#228;n Zenzeri beim Prozess aussagte, Boote der italienischen K&#252;stenwache gaben ihm zu verstehen, nach Lampedusa weiter zu fahren. Angesichts des Zustands der Fl&#252;chtlinge und der hohen Wellen taten die Fischer das auch. Dann aber versuchte die Korvette, die beiden Boote zu blockieren, sie wichen aus und begingen damit „Widerstand gegen die Staatsgewalt”.<br />
Nach ihrer Ankunft in Lampedusa wurden die sieben Fischer verhaftet, die schwangere Frau und ein Kind in ein Krankenhaus nach Palermo geflogen, die anderen von &#196;rzte ohne Grenzen versorgt. Die Fischerboote wurden beschlagnahmt. Die Fischer wurden der „Beihilfe zur illegalen Einreise” und des „Widerstands gegen die Staatsgewalt” angeklagt. Der Vorwurf der Schleuserei r&#252;hrte daher, dass die beiden Boote keine Netze an Bord hatten. Der Grund: Sie fischten, wie die Sizilianer es nennen, „a cianciolo”, ein Mutterschiff hat die Netze an Bord und zwei kleine Schiffe locken mit Scheinwerfern die Fische an.<br />
Rund ein Monat blieben die Fischer in Untersuchungshaft, die Boote sind bis heute beschlagnahmt. Nach heftigen Protesten &#8212; auch von Seiten des tunesischen Botschafters &#8211;, dem Besuch einer Delegation von Europarlamentarieren und einer Resolution von 106 EU-Parlamentariern kamen die Fischer frei. Doch bis heute haben sie von den tunesischen Beh&#246;rden ihre Fischereilizenz nicht wieder bekommen. Einer der Fischer versuchte sich sogar das Leben zu nehmen.<br />
Die beiden Verteidiger Leonardo Marino und Giacomo La Russa k&#252;ndigten nun Berufung an. Leonardo Marino ist zumindest froh, dass alle sieben von der Anklage der Schlepperei freigesprochen wurden, die Verurteilung zu zweieinhalb Jahren wegen „Widerstand gegen die Staatsgewalt” wertet er als „Ergebnis eines Kompromisses mit Staatsanwalt Santo Fornasier” (derselbe wie im Cap-Anamur-Prozess). Beobachter werten das Urteil als sehr widerspr&#252;chlich &#8212; einerseits gesteht es den Fischern zu, eine Seenotrettung durchgef&#252;hrt zu haben, andererseits wirft es ihnen „Widerstand gegen die Staatsgewalt” vor, nur weil sie bei Windst&#228;rke 5 und hohen Wellen einem Blockademan&#246;ver der Marine ausgewichen sind.</p>
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