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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Parteien/ Demokratie</title>
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		<title>Die «Erneuerung» der Berliner CDU hat niemals stattgefunden</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 17:15:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Parteien/ Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Landowskys langer Schatten von Benedict Ugarte Chacón Als im Jahr 2001 die Berliner Bankgesellschaft ins Wanken geriet und herauskam, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Landowskys langer Schatten</strong></p>
<p>von<em> Benedict Ugarte Chacón</em></p>
<p>Als im Jahr 2001 die Berliner Bankgesellschaft ins Wanken geriet und herauskam, dass der Vorstandschef einer ihrer Teilbanken, gleichzeitig Fraktionsvorsitzender der CDU im Abgeordnetenhaus, Klaus-R&#252;diger Landowsky, von Kunden seiner Bank «Parteispenden» angenommen hatte, um – so wurde vermutet – Kreditantr&#228;gen selbiger Kunden etwas auf die Spr&#252;nge zu helfen, geriet mit Landowsky auch die gesamte Berliner CDU in Verruf. Die SPD, bis dahin treuer Koalitionspartner, stilisierte Landowsky zum &#220;ber-S&#252;ndenbock und ihren damaligen Fraktionsvorsitzenden Klaus Wowereit zum gro&#223;en Hoffnungstr&#228;ger.<br />
<span id="more-3751"></span>Als Wowereit und seine Steigb&#252;gelhalter im Juni 2001 die Gro&#223;e Koalition aufk&#252;ndigten, trompeteten sie bei jeder Gelegenheit, dass nun ein «Mentalit&#228;tswechsel» eingesetzt habe und Berlin nicht mehr mit Filz und Korruption gleichzusetzen sei. Doch hinter der Glitzerfassade des Partymeisters Wowereit ging es im Grunde genommen immer nur um eins: Die SPD m&#246;glichst ungest&#246;rt an der Macht zu halten – seit 1991 ist sie bis heute ununterbrochen im Land Berlin an der Regierung. Dem diente auch der Schwenk, die damalige PDS in die Regierung zu hieven. Dass Wowereit in der f&#252;r ihn typischen Beliebigkeit nun wieder die bequemste L&#246;sung w&#228;hlte und eine v&#246;llig unvorbereitete CDU in die Regierung setzte, zeugt von seinem durchaus talentierten Machtzynismus.</p>
<p>Elf Tage nach Einsetzung des neuen rot-schwarzen Senats wurde die zur Schau gestellte Harmonie jedoch empfindlich gest&#246;rt. Dem von Wowereit ernannten Justiz- und Verbraucherschutzsenator Michael Braun wird n&#228;mlich vorgeworfen, als Notar Verk&#228;ufe von Schrottimmobilien an Kleinanleger beurkundet zu haben. Braun trat schlie&#223;lich am 12. Dezember zur&#252;ck.</p>
<p><strong>Der alte Sumpf</strong></p>
<p>Zuvor wurde in den Medien immer wieder kolportiert, der Fall Braun zeige, dass die CDU nach wie vor fest im Immobiliensumpf verankert sei. Doch sollte man nach dem Fall Brauns nicht allzu erstaunt tun. Denn seit ihrem Rausschmiss aus der Regierung im Jahr 2001 hat sich bei der Berliner CDU nur vordergr&#252;ndig etwas ver&#228;ndert.</p>
<p>In der Tat, ihr Personalverschlei&#223; der letzten 10 Jahre ist beachtlich: Zun&#228;chst dilettierte Landowskys Ziehkind Frank Steffel als «Kennedy von der Spree» – heute fristet er auf den hinteren B&#228;nken des Bundestags ein blasses Dasein. Es folgten die Personalia Ingo Schmitt und Friedbert Pfl&#252;ger, die sich nach gegenseitigem Beharken 2008 gleichzeitig ins politische Abseits schossen. Damit war die «Erneuerung» der Berliner CDU aber auch erledigt, denn hernach schlug die Stunde der alten Garde. «Law and Order»-Mann Frank Henkel, heute Innensenator, &#252;bernahm im gleichen Jahr den Parteivorsitz.</p>
<p>Henkels Wurzeln reichen tief in den alten Sumpf zur&#252;ck: Dass er neuer Vorsitzender wurde, hat er Klaus Landowsky zu verdanken, der, als die entscheidenden Gespr&#228;che gef&#252;hrt wurden, «beratend» t&#228;tig wurde. «Im Hintergrund» habe Landowsky nach Einladung seiner Vertrauten Monika Gr&#252;tters, ihres Zeichens Stellvertreterin von Henkel, die entscheidenden F&#228;den gezogen. So jedenfalls berichtete es seinerzeit die in solchen Fragen stets gut informierte Berliner Morgenpost.</p>
<p>Bew&#228;hrt hatte sich Henkel zuvor schon auf diversen patronierten Posten. Von Januar bis Juni 2001 war er Leiter des pers&#246;nlichen B&#252;ros von Eberhard Diepgen, davor seit 1996 Referent im Leitungsstab der Bezirksb&#252;rgermeisterin von Reinickendorf, der politischen Basis Frank Steffels.</p>
<p>Auch an anderer Stelle reichen die Wurzeln Henkels tief in den konservativen Morast: Er ist Mitglied der schlagenden Verbindung «S&#228;ngerschaft Borussia», zu der auch Landowsky geh&#246;rt. Ein anderes Mitglied dieser Verbindung war der 2003 verstorbene CDU-Politiker Peter Kittelmann, der in den 70er Jahren die «K-Gruppe» ins Leben rief, einen Kreis von CDU-Nachwuchskr&#228;ften, zu dem neben Landowsky und Diepgen auch der sp&#228;tere rechtslastige Innensenator Heinrich Lummer geh&#246;rten.</p>
<p>Henkel ist also eine Frucht der alten, ehrenwerten Berliner CDU, die ihren hysterischen Antikommunismus durch die Komplizenschaft mit der &#246;rtlichen Baumafia kompensierte. Dass an den Koalitionsverhandlungen im Herbst neben Frank Henkel auch Frank Steffel, Monika Gr&#252;tters und Michael Braun teilnahmen, zeigt zweierlei: Landowskys Arm reicht weit, und Wowereit l&#228;sst sich mit jedem ein.</p>
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		<title>Ein Schalentier – die SPD in Purpur</title>
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		<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 17:05:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parteien/ Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Anmerkungen zum Parteitag von Arno Kl&#246;nne Aufatmen konnten die Funktion&#228;re und die treuen ehrenamtlichen Aktivisten der &#228;ltesten deutschen Volkspartei nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Anmerkungen zum Parteitag</strong></p>
<p>von <em>Arno Kl&#246;nne</em></p>
<p>Aufatmen konnten die Funktion&#228;re und die treuen ehrenamtlichen Aktivisten der &#228;ltesten deutschen Volkspartei nach ihrem Parteitag – die SPD f&#252;hlt sich so, als h&#228;tte sie das Schlimmste hinter sich, wie nach einer Reha-Zeit, die v&#246;llige Gesundung erhoffen l&#228;sst.<br />
<span id="more-3744"></span>Altkanzler Helmut Schmidt brachte Medienglanz in das Gro&#223;treffen, die Pr&#228;sentation k&#252;nftiger Kanzlerkandidaten verlief zumindest &#246;ffentlich reibungslos, die NRW-Ministerpr&#228;sidentin Hannelore Kraft erg&#228;nzt nun die M&#228;nnerriege, ohne dass sie eine verfr&#252;hte Bewerbungsrede halten musste. Peer Steinbr&#252;ck ist im Rating etwas zur&#252;ckgestuft, Frank-Walter Steinmeier gilt weiterhin als solides, wenn auch nicht glamour&#246;ses Angebot, und der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel hat seine Position aufwerten k&#246;nnen: Seine F&#228;higkeit, eine schon ziemlich desolate politische Vereinigung aufzumuntern und zusammenzuhalten, hat er &#252;berzeugend nachgewiesen. Ob er eine Kanzlerkandidatur anstrebt, wird sich zeigen, m&#246;glicherweise ist er zu klug, um sich zur n&#228;chsten Bundestagswahl auf einen solchen Versuch einzulassen.</p>
<p>Ein «Linksruck», vor dem die einflussreichen gro&#223;en Zeitungen – und, ihnen folgend, etliche Prominente der SPD vor dem Parteitag gewarnt hatten – fand nicht statt – woher auch h&#228;tte er kommen sollen, die innerparteiliche «Linke» ist eher ein Phantom. Aber die Parteif&#252;hrung hat es geschafft, vor allem durch den Auftritt des Parteivorsitzenden, die SPD wieder st&#228;rker als sozialpolitisch engagierte Kraft in Szene zu setzen, das wird die gewerkschaftlich orientierten Mitglieder, die an der Parteibasis immer noch eine wichtige Rolle spielen, in bessere Stimmung versetzen.</p>
<p><strong>Kein Ansto&#223; mehr an Agenda 2010 </strong></p>
<p>«Nie wieder», rief Sigmar Gabriel, d&#252;rfe die Partei «den Wert der Arbeit in Frage stellen» – und bekam daf&#252;r heftigen Beifall der Parteitagsdelegierten. Vermieden wurde so die heikle Debatte &#252;ber die arbeitsmarktpolitischen Weichenstellungen, welche die regierende Sozialdemokratie einst vorgenommen hat und welche die Sozialstruktur der Bundesrepublik nachhaltig ver&#228;ndert haben – im Sinne der staatlichen Produktion eines wachsenden Sektors «Arm trotz Arbeit». Steinbr&#252;ck und Steinmeier konnten auf dem Parteitag die Politik der Agenda 2010 insgesamt als Erfolg rechtfertigen, ohne dass bei den Delegierten systematische Kritik aufkam; Gabriel &#252;bernahm es, die durchaus vorhandenen Zweifel an jenem «Reformwerk» umzubiegen in das Gef&#252;hl, jetzt jedenfalls sei die SPD doch auf «Arbeitnehmerkurs».</p>
<p>Steinbr&#252;ck gilt der SPD auch gegenw&#228;rtig als hochrangiger «Finanzexperte» (bei dem man ein arrogantes Auftreten in Kauf nehmen muss); der Parteitag h&#252;tete sich, dem historischen Tatbestand nachzugehen, dass dieser Experte in seiner Regierungszeit damit besch&#228;ftigt war, die Bundesrepublik f&#252;r das finanzspekulative Gro&#223;gesch&#228;ft zu &#246;ffnen – die Folgen auch dieses «Modernisierens» sind derzeit katastrophaler Alltag.</p>
<p>«Ma&#223; und Mitte» m&#252;sse die SPD verk&#246;rpern, mahnte Steinmeier an; Gabriel formulierte es so: Die Gewerkschaften, der «Liberalismus» und die «sozialpatriotischen» Unternehmer sollten sich gleicherma&#223;en bei der Partei zu Haus wissen.</p>
<p>Diese «volksgemeinschaftliche» Ausrichtung der SPD hat einen gar nicht verdeckten operativen Zweck: Unter allen denkbaren Umst&#228;nden will die F&#252;hrungsschicht der Partei bei der n&#228;chsten Gelegenheit wieder ins Bundesregierungsgesch&#228;ft kommen. Mit welchen Koalitionspartnern dies machbar sein wird, l&#228;sst sich jetzt noch nicht kalkulieren. Also ist «Anschlussf&#228;higkeit» nach verschiedenen Seiten hin erforderlich. Weder eine neue Gro&#223;e Koalition ist wirklich auszuschlie&#223;en, noch die Erg&#228;nzung der jetzt &#246;ffentlich favorisierten Koalition mit den Gr&#252;nen durch die FDP als Kleinpartner – falls diese Partei wieder in den Bundestag einr&#252;ckt und die Stimmen f&#252;r SPD und Gr&#252;ne keine Kanzlermehrheit hergeben.</p>
<p><strong>Europapartei</strong></p>
<p>Das programmatische Highlight des Parteitags: Die SPD pr&#228;sentiert sich als deutsche «Europapartei». Sie kann damit auf Interesse bei recht unterschiedlichen Teilen des politischen Publikums rechnen: einerseits bei denjenigen in der Normalb&#252;rgerschaft, die sich Sorgen machen um den Euro, um die materiellen Vorteile des europ&#228;ischen Wirtschaftsraumes, um den friedlichen Umgang der europ&#228;ischen V&#246;lkerschaften miteinander, und andererseits bei wirtschaftlichen Machtgruppen, die aus der europ&#228;ischen Integration ihre Vorteile ziehen. Es ist nicht so, dass auf Kapitalseite mehrheitlich eine Sympathie f&#252;r die rechtspopulistischen neuen «Nationalbewegungen» best&#252;nde.</p>
<p>«Europapartei» – die SPD verbindet diesen Anspruch mit der Forderung nach mehr Kompetenzen f&#252;r das europ&#228;ische Parlament. Aber sie meidet jeden Gedanken an die herrschende politische &#214;konomie im europ&#228;ischen Territorium, an die realen Machtverh&#228;ltnisse, an die Konflikte der sozialen Klassen in und quer zu den europ&#228;ischen Nationen. Und sie h&#228;lt sich fern von den Emp&#246;rten «unten», die Idee einer europ&#228;ischen Bewegung der Arbeiterinnen und Arbeiter oder der aus der Arbeitsgesellschaft abgedr&#228;ngten jungen Menschen ist ihr fremd. Selbst deklamatorisch sind die Zeiten einer «sozialistischen europ&#228;ischen Perspektive» f&#252;r diese Sozialdemokratie Vergangenheit. &#220;ber Anleihen bei J&#252;rgen Habermas gehen ihre intellektuellen Ambitionen nicht hinaus.</p>
<p>Eine Kuriosit&#228;t des SPD-Parteitags ist zu erw&#228;hnen: Vom Rot hatte die ihn organisierende Generalsekret&#228;rin auf Rat einer Werbeagentur Abschied genommen, stattdessen pr&#228;sentierten sich die Sozialdemokraten in Purpur, der Farbe des Schalentiers. Kulturgeschichtlich trat diese zuerst bei antiken Elitesoldaten auf, den Hopliten. Diese, so berichten Historiker, versprachen sich von Purpurgew&#228;ndern beim Kampf zwei Effekte: Die Prachtfarbe zeigte den Feinden St&#228;rke an, zugleich konnten die eigenen Wunden farblich verdeckt werden. Versteckte Selbstironie bei Andrea Nahles?</p>
<p>Erhebliche Besch&#228;digungen, die der SPD seit dem Wirken der «Macher» unter Regie Gerhard Schr&#246;ders widerfuhren, kann die Partei unter den gegenw&#228;rtigen Bedingungen in der Tat verschmerzen. Zwar hat sie dauerhaft einen Teil ihrer traditionellen Gefolgschaft verloren, aber die Partei DIE LINKE ist nicht zu einer Konkurrenz in den Dimensionen der klassischen Sozialdemokratie geworden. Das «Prekariat», um das sich die SPD nicht weiter k&#252;mmert, zieht sich aus der Beteiligung an Wahlen zur&#252;ck, ist also ungef&#228;hrlich f&#252;r die parlamentarische Bilanz. Die CDU/CSU hat reichlich innerparteilichen Unmut zu verkraften, die Gr&#252;nen sind in ihrem H&#246;henflug gestoppt, die Piraten zielen nicht so sehr auf W&#228;hlerbeute bei der Sozialdemokratie. Also hat die SPD alle Aussichten, demn&#228;chst auch im Bund wieder mitzuregieren.</p>
<p>In Zukunft, sagte Sigmar Gabriel auf dem Parteitag, wolle die SPD «weniger versprechen, das aber halten». Zu vermuten ist, dass eine bundesregierende SPD dann so manches «h&#228;lt», was sie gar nicht versprochen hat – jedenfalls nicht dem Wahlvolk. Dieses Verfahren hat der Agenda-Kanzler vorexerziert. Seiner Karriere in der Wirtschaft ist das gut bekommen.</p>
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		<title>DIE LINKE auf antikapitalistischem Kurs</title>
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		<pubDate>Tue, 08 Nov 2011 11:01:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parteien/ Demokratie]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine kurze Bilanz des Programmparteitags von SVEN K&#220;HN Mit einer &#252;berragenden Mehrheit von 96,9% haben die Delegierten des Bundesparteitags der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Eine kurze Bilanz des Programmparteitags</em></p>
<p>von <em>SVEN K&#220;HN</em><br />
Mit einer &#252;berragenden Mehrheit von 96,9% haben die Delegierten des Bundesparteitags der Partei DIE LINKE am Sonntagmittag ein Grundsatzprogramm unterst&#252;tzt, welches einen klar antikapitalistischen Kurs vorgibt. Vorangegangen war eine monatelange intensive Debatte in den Kreis- und Landesverb&#228;nden. Insgesamt 1400 &#196;nderungsantr&#228;ge wurden dem Parteitag vorgelegt und abgearbeitet.<br />
<span id="more-3408"></span>Wesentliche Konfliktpunkte wurden zwischen den verschiedenen Str&#246;mungen bereits im Vorfeld durch Kompromisse aus dem Weg ger&#228;umt. Das betrifft die Haltung zu &#214;ffentlichen Besch&#228;ftigungssektoren, zu Auslandseins&#228;tzen der Bundeswehr, zum Nahostkonflikt, zu den sog. Haltelinien bei Regierungsbeteiligungen, zum bedingungslosen Grundeinkommen und zum Arbeitsbegriff.</p>
<p>In Bezug auf diese sog. Kompromisslinien gab es eine Vielzahl von &#196;nderungsantr&#228;gen, die entweder eine Aufweichung oder eine Klarstellung linkerer Positionen beinhalteten. Bei jedem dieser Antr&#228;ge gab es einen massiven Druck, zugunsten eines einheitlichen Erscheinungsbilds auf eine Diskussion auf dem Parteitag zu verzichten und stattdessen die Kompromissformel zu &#252;bernehmen. Diesem Druck folgten die Delegierten, obwohl sich viele eine inhaltliche Debatte zu wichtigen Fragen gew&#252;nscht h&#228;tten.<br />
Durch dieses Verfahren sind Passagen im Programm enthalten, die zwar die Programmatik nach links verschoben haben, aber dennoch nach wie vor Einfallstore f&#252;r Rechtsverschiebungen bieten. Beispielsweise in der Friedensfrage. Die vom Reformfl&#252;gel vorgesehene Einzelfallpr&#252;fung bei jedem m&#246;glichen Einsatz wurde zwar zugunsten einer generellen Absage an Kampfeins&#228;tze der Bundeswehr abgelehnt. Doch die vom linken Fl&#252;gel der Partei gew&#252;nschte Ablehnung aller Auslandseins&#228;tze wurde ebenfalls nicht ins Programm aufgenommen. Das ist insbesondere deshalb kritisch, weil heute viele Eins&#228;tze wegen der gro&#223;en gesellschaftlichen Skepsis gegen&#252;ber Kriegseins&#228;tzen der Bundeswehr selten als Kampfeins&#228;tze beginnen. Stattdessen werden sie als humanit&#228;re Ma&#223;nahmen verkauft.</p>
<p>Auch bezogen auf die Bedingungen f&#252;r Regierungsbeteiligungen gab es eine Kompromissformulierung, welche die H&#252;rden daf&#252;r anhebt und eine Politik, wie sie z.B. in Berlin und Brandenburg in den Koalitionen mit der SPD gemacht wurde und wird, de facto unm&#246;glich macht. Trotzdem ist es angesichts der absehbaren K&#252;rzungsorgien und der Schuldenbremse sowie der Milliarden f&#252;r die Bankenrettungspakete eine Schw&#228;che, dass nicht, wie urspr&#252;nglich vorgesehen, Personalabbau im &#246;ffentlichen Dienst unter Mitwirkung der LINKEN generell untersagt ist. Stattdessen ist Personalabbau nur dann untersagt, wenn sich dadurch «die Leistungsf&#228;higkeit des &#246;ffentlichen Dienstes» verschlechtert.<br />
Vor dem Hintergrund, dass in Griechenland ein Generalstreik gegen Personalabbau im &#246;ffentlichen Dienst l&#228;uft, h&#228;tte es der LINKEN durchaus gut zu Gesicht gestanden, nicht nur zu erkl&#228;ren, dass sie mit den Protesten solidarisch ist, sondern auch programmatisch zu verankern, dass es mit ihr keinen Personalabbau geben wird.</p>
<p>Trotz kleiner Schwachstellen bedeutet dieses Programm eine klare Linksverschiebung innerhalb der LINKEN. Verglichen mit den Programmen der PDS und mit den programmatischen Eckpunkten der beiden Quellparteien WASG und PDS hat das Programm einen klareren antikapitalistischen Charakter und enth&#228;lt das Ziel der System&#252;berwindung hin zu einem demokratischen Sozialismus.</p>
<p>Das Programm gibt eine klare Klassenorientierung vor. Der Antikriegskurs der Partei wird gesch&#228;rft, und die Eigentumsfrage nimmt einen zentralen Platz ein. Die «Fragen eines lesenden Arbeiters» von Bert Brecht, die dem Programm vorangestellt wurden, sollen dies untermauern. Darin fragt Brecht, ob es wirklich, wie es in der Geschichtsschreibung hei&#223;t, die gro&#223;en M&#228;nner der Geschichte oder nicht vielmehr die Arbeiter waren, die die Pal&#228;ste errichtet haben?<br />
Die Geschichte linker Parteien zeigt allerdings, dass ein besonders linkes Programm noch keinesfalls sicherstellen muss, dass keine rechte Politik gemacht wird. Als die SPD 1914 den Kriegskrediten zustimmte, widersprach das dem eigenen Programm. Gegen eine solche Entwicklung hilft nur der ber&#252;hmte Schritt wirklicher Bewegung, der jetzt unterst&#252;tzt werden muss.<br />
Sven K&#252;hn ist Mitglied im Koordinierungskreis des marx21-Netzwerkes.</p>
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		<title>Zwischen «Wertorientierung» und neoliberaler Zurichtung</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/10/zwischen-wertorientierung-und-neoliberaler-zurichtung/</link>
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		<pubDate>Mon, 03 Oct 2011 18:12:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parteien/ Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[CDU]]></category>
		<category><![CDATA[Partei]]></category>
		<category><![CDATA[Programmdiskussion]]></category>

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		<description><![CDATA[Die CDU auf d&#252;nnem Eis von Paul B. Kleiser In einigen Jahren wird man die Wahlniederlage der CDU in Baden-W&#252;rttemberg [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die CDU auf d&#252;nnem Eis</strong></p>
<p>von <em>Paul B. Kleiser</em><br />
In einigen Jahren wird man die Wahlniederlage der CDU in Baden-W&#252;rttemberg und den Verlust des Ministerpr&#228;sidentenpostens nach 58 Jahren an die Gr&#252;nen wohl als wichtige Z&#228;sur in der Geschichte dieser «Volkspartei» begreifen.<br />
<span id="more-3088"></span>Sicherlich spielten dabei auch konjunkturelle Gr&#252;nde eine wichtige Rolle – die Auseinandersetzungen um den Stuttgarter Hauptbahnhof und die ohne Vorbereitung eingeleitete energiepolitische Kehrtwende nach der Atomkatastrophe von Fukushima. Doch was Heiner Gei&#223;ler in seinem Buch Gef&#228;hrlicher Sieg 1995 &#252;ber die Bundestagswahl 1994 bereits andeutete, ist nun Wirklichkeit geworden: Sogar in Baden-W&#252;rttemberg hat die CDU bei den Wahlen nur noch unter Seniorinnen und Senioren (&#252;ber 65 Jahre) eine strategische Mehrheit.</p>
<p>Seit Helmut Kohls Zeiten hat die CDU &#252;ber eine Viertelmillion Mitglieder verloren und ist nicht mehr in der Lage, einen qualifizierten und integren F&#252;hrungsnachwuchs hervorzubringen. Die Aff&#228;re des Herrn von Boetticher aus Schleswig-Holstein mit einer Minderj&#228;hrigen passt dazu wie das T&#252;pfelchen aufs i. Bezeichnenderweise werden inzwischen viele Kommunen (Freiburg, Konstanz, T&#252;bingen u.a.) von Gr&#252;nen regiert, die ihr Ohr offensichtlich n&#228;her am Zeitgeist haben. Sogar der Sohn des fr&#252;heren Ministerpr&#228;sidenten Filbinger ist inzwischen zu den Gr&#252;nen «&#252;bergelaufen».</p>
<p>Vor kurzem hielt der langj&#228;hrige Ministerpr&#228;sident von Baden-W&#252;rttemberg, Erwin Teufel, vor der «Seniorenunion» eine Rede, die in ihrer Naivit&#228;t das ganze Dilemma konservativer Politik auf den Punkt brachte. Er beklagte, dass «trotz des hohen Ansehens von Bundeskanzlerin Angela Merkel die CDU auf den schlechtesten Stand seit 1949 zur&#252;ck(fiel)». Man m&#252;sse die 1,14 Millionen «Stammw&#228;hler», die zur FDP gingen und die 1,08 Millionen, die zu Hause blieben, zur&#252;ckgewinnen. Er rief die CDU auf, auf Bundes- und Landesebene «wieder die Partei der einfachen Leute, die gro&#223;e Volkspartei der Mitte», zu werden, denn die «CDU braucht sich um Mehrheiten nicht zu sorgen, wenn sie die Partei der einfachen Leute ist». «Die Hauptgruppe unserer W&#228;hler und unserer potenziellen W&#228;hler sind nach wie vor Menschen, f&#252;r die christliche Werte in der Erziehung, in der Familie, im Beruf, in der Politik wichtig sind.»</p>
<p>Das Problem ist nur, dass Teufels traditionelle, altbackene, angeblich christliche Politik sogar in der CDU (wenn man Umfragen glauben darf) nur noch bei etwa einem Viertel der W&#228;hler ankommt. Er selbst hat ja versucht, in Baden-W&#252;rttemberg «konservative Modernisierer» (zun&#228;chst Oettinger mit seinen &#252;berw&#228;ltigenden Englischkenntnissen, dann Mappus) als seine Nachfolger aufzubauen – den Erfolg kann man jetzt sehen.</p>
<p><strong>Was ist christliche Politik?</strong></p>
<p>Das C, so Teufel, m&#252;sse sich vor allem in der Familienpolitik zeigen: «Das Wohl des Kindes muss Vorrang haben vor den Interessen der Wirtschaft.» Doch folgert Teufel daraus nicht, dass Kinderg&#228;rten und Betreuungseinrichtungen massiv ausgebaut werden m&#252;ssen, damit Eltern Berufst&#228;tigkeit und Kindererziehung problemlos miteinander vereinen k&#246;nnen; nein, es m&#252;sse «eine finanzielle Anerkennung der Erziehungsleistung der Eltern» geben – also Geld, damit vor allem die Frauen zu Hause bleiben, denn eigentlich geh&#246;ren sie ja an den Herd. Teufel kritisiert das «Erziehungsgeld», weil es nur ein Jahr gew&#228;hrt wird und von der H&#246;he der fr&#252;heren Eink&#252;nfte abh&#228;ngt. Dass «M&#252;tter mit dem geringsten Einkommen den niedrigsten Betrag erhalten», sei «die gr&#246;&#223;te Ungerechtigkeit, die man sich denken kann».</p>
<p>Hier wird das alte Familienideal der Union wieder aufgew&#228;rmt, &#252;ber das die Zeit hinweggegangen ist. In absehbarer Zeit werden die Gerichte – quelle horreur! – sogar die v&#246;llige Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft mit der Ehe anordnen.</p>
<p>Das n&#228;chste ihm am Herzen liegende Thema ist die Schulpolitik, mit der sich auch der kommende Parteitag im November besch&#228;ftigen soll. Zun&#228;chst verwahrt er sich gegen deren Behandlung durch die Bundespartei, weil schulische Bildung doch L&#228;ndersache sei und durch die «F&#246;deralismusreform» die Zust&#228;ndigkeiten zwischen Bund und L&#228;ndern neu geregelt wurden. Welche Schwierigkeiten Eltern haben, die von einem Bundesland in ein anderes umziehen und deren Kinder die Schule wechseln m&#252;ssen, scheint den Herrn nicht zu interessieren.</p>
<p>Teufel verteidigt auch das dreigliedrige Schulsystem, «das Begabung erkennt und Leistung f&#246;rdert, (es) hat &#252;ber viele Jahre eindeutig bessere Ergebnisse erbracht, als die integrierte Gesamtschule». Woher nimmt Teufel solche Gewissheiten, wenn sogar Bayern dabei ist, die Hauptschule (als «Restschule» verp&#246;nt) zugunsten einer neuen «Mittelschule» aufzul&#246;sen?</p>
<p>Das zentrale Problem liegt jedoch in der fr&#252;hen Entscheidung f&#252;r den einen oder anderen Schultyp, sie f&#252;hrt zu einer starken sozialen Selektion und zur Reproduktion der bestehenden Verh&#228;ltnisse. Wer unten ist, soll eben unten bleiben! Sogar die OECD kritisierte in mehreren Stellungnahmen den geringen Grad an Integration in der BRD und die starke Ausgrenzung der Kinder von Arbeitsimmigranten.</p>
<p><strong>Go West?</strong></p>
<p>Laut Teufel soll sich die CDU darauf besinnen, was sie «in ihrer Geschichte gro&#223; gemacht» hat: «Es ist die europ&#228;ische Einigung, das B&#252;ndnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika, der Weg nach Westen.»</p>
<p>Dazu w&#228;re zu sagen, dass die Union nach dem Anschluss der DDR weit weniger europafreundlich geworden ist als noch unter Kohl, zur Zeit der Spaltung des Kontinents im Kalten Krieg hatte das B&#252;ndnis mit Frankreich f&#252;r sie einen weit h&#246;heren Stellenwert als heute. Zwar teilen «cher Nicolas und chère Angela» K&#252;sschen links und rechts aus, wie dieser Tage wieder in Paris, und wiederholen die abgedroschenen Phrasen von einer europ&#228;ischen Wirtschaftsregierung (die dann doch wieder aus den Ministerpr&#228;sidenten der Eurol&#228;nder besteht), doch in der zentralen Frage der europ&#228;ischen Anleihen («Eurobonds») folgte Merkel bislang wichtigen Str&#246;mungen des deutschen Kleinb&#252;rgertums und erkl&#228;rte, nicht wie eine «schw&#228;bische Hausfrau», sondern wie ein schw&#228;bischer H&#228;uslebauer: «Mir g&#228;bet nix»!</p>
<p>Angesichts der schwindelerregenden Zinsen, die die s&#252;dlichen Eurol&#228;nder zu zahlen haben, gibt es zu den Eurobonds &#252;berhaupt keine realistische Alternative, wenn man diese L&#228;nder nicht in den v&#246;lligen Ruin treiben m&#246;chte – doch auch schon beim europ&#228;ischen Rettungsschirm bedurfte es eines n&#228;chtlichen Anrufs von Josef Ackermann, um Frau Merkel zu erkl&#228;ren, am n&#228;chsten Morgen w&#252;rden um 3 Uhr in Tokyo die B&#246;rsen &#246;ffnen und dann… Man braucht nicht zu spekulieren, welche Entscheidung die Uckerm&#228;rker Pastorentochter treffen wird, wenn sie wie in einem Schraubstock zwischen die Interessen des Gro&#223;kapitals und die der Kleinb&#252;rger geklemmt wird.</p>
<p>Teufel redet &#252;ber die Br&#252;sseler «B&#252;rokratie und Un&#252;bersichtlichkeit» und verlangt die konsequente «Wiedereinf&#252;hrung der Stabilit&#228;tskriterien und der Unabh&#228;ngigkeit der Europ&#228;ischen Zentralbank» (die in der letzten Wirtschaftskrise gerade von Deutschland und Frankreich missachtet wurden). Aber hinsichtlich konkreter Schritte zur europ&#228;ischen Integration hat er nichts zu bieten.</p>
<p>Und die Freundschaft mit den USA wird durch deren wirtschaftliche Probleme getr&#252;bt. Die sind durch die &#246;konomische Stagnation, durch einen weitreichenden Deindustrialisierungsprozess, die gigantische &#246;ffentliche und vor allem private Verschuldung und durch die von George W. Bush in seinen Kriegen «verpulverten» 3 Billionen Dollar so gravierend, dass der US-Pr&#228;sident zuallererst im eigenen Haus kehren muss. Da wird er von einer Tea-Party-Bewegung bedr&#228;ngt, die man getrost als pathologische Marktradikale mit faschistoiden Z&#252;gen einstufen kann. Man fragt sich, wie heute ein «Weg nach Westen» aussehen soll.</p>
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		<title>Offener Brief linker J&#252;dinnen und Juden</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/07/offener-brief-linker-judinnen-und-juden/</link>
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		<pubDate>Thu, 28 Jul 2011 17:54:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parteien/ Demokratie]]></category>

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		<description><![CDATA[An die Fraktionsmitglieder der Partei DIE LINKE Wir, Linksaktivist/innen von verschiedenen Organisationen und Zusammenh&#228;ngen aus Israel, kritisieren Euren Fraktionsbeschluss vom [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>An die Fraktionsmitglieder der Partei DIE LINKE</strong></p>
<p>Wir, Linksaktivist/innen von verschiedenen Organisationen und Zusammenh&#228;ngen aus Israel, kritisieren Euren Fraktionsbeschluss vom 7.Juli.</p>
<p><span id="more-2575"></span>In diesem Beschluss werden zwei grundverschiedene Themen vermischt, die demgegen&#252;ber dringend voneinander unterschieden werden m&#252;ssen, um Antisemitismus in Deutschland und weltweit bek&#228;mpfen zu k&#246;nnen. Dar&#252;ber hinaus erhebt der Beschluss ungeheuerliche Anschuldigungen gegen die Zivilgesellschaft in Israel/Pal&#228;stina und die internationale Solidarit&#228;tsbewegungen, die einen gerechten Frieden in unserer Region unterst&#252;tzen.</p>
<p>Wir sind uns bewusst, dass Antisemitismus, ebenso wie Islamophobie und andere Formen von Rassismus, Sexismus und Homophobie, auch in der europ&#228;ischen Linken verbreitet sind. Als Mitglieder der Partei DIE LINKE. ist es dringend notwendig, dass Ihr eine klare Stellung zu diesem Thema bezieht und wir unterst&#252;tzen Eure eindeutige Verurteilung rassistischer und antij&#252;discher Aktivit&#228;ten, Ideologien und Diskurse.</p>
<p>Wir vertreten unterschiedliche Meinungen zu offenen Fragen und Strategien im israelisch-pal&#228;stinensischen Konflikt; auch bez&#252;glich jener Punkte, die Teil Eures Beschlusses sind: Die Ein-Staat-L&#246;sung, die Kampagne f&#252;r Boykott/Desinvestitionen/Sanktionen (BDS) und die unterschiedlichen Solidarit&#228;tsaktionen zur Durchbrechung der Belagerung des Gaza-Streifens, darunter die «Gaza-Flotilla».</p>
<p>Nichtsdestotrotz sind wir &#252;berzeugt, dass keine dieser Aktionen oder Positionen grunds&#228;tzlich etwas mit Antisemitismus zu tun haben. Zu unterstellen – wie in Eurem Beschluss geschehen – dass eine offene Diskussion &#252;ber diese Themen antisemitisch sei, ist ein Affront gegen&#252;ber einer globalen antirassistischen Bewegung, die sich gegen die illegale und brutale Politik des Staates Israel gegen die Pal&#228;stinenser/innen in seinen anerkannten Grenzen, in den besetzten Gebieten und in der Diaspora wendet. Wir z&#228;hlen uns selbst mit Stolz zu dieser Bewegung.</p>
<p>Wir glauben, dass die Solidarit&#228;t mit dem pal&#228;stinensischen Kampf f&#252;r Unabh&#228;ngigkeit und Gerechtigkeit nicht nur ein moralischer Imperativ, sondern auch im besten Interesse israelischer Staatsb&#252;rger/innen und aller j&#252;dischen Menschen weltweit ist. Das israelische Establishment versucht, sich weltweit als einziger legitimer Vertreter der J&#252;dinnen und Juden darzustellen.</p>
<p>Dieser Anspruch wird in Deutschland und Europa leider meist unhinterfragt akzeptiert. In den letzten Jahren bezeichnete die israelische Regierung zunehmend jede Kritik an ihrer Politik als antisemitisch und instrumentalisierte diese falsche Gleichsetzung, um jegliche politische Auseinandersetzung um die Besatzung zu unterbinden.</p>
<p>Wir bestehen darauf, dass Ihr auch zuk&#252;nftig Eure klare Opposition zu Antisemitismus ausdr&#252;ckt und fordern, dass Ihr Solidarit&#228;t mit den Pal&#228;stinenser/innen zeigt. Bekennt Euch zu einer offenen Diskussion &#252;ber die verschiedenen Formen des Widerstands, des Aktivismus und der Solidarit&#228;t und &#252;ber die Vorschl&#228;ge zur m&#246;glichen Beendigung des Konflikts, die auf Menschenrechten und Demokratie basieren! Wir glauben, dass sich diese Positionen in keiner Weise widersprechen sondern sich vielmehr zur besten und wirksamsten linken Perspektive zum Konflikt erg&#228;nzen.</p>
<p>Wir werden weiter unsere Opposition zu allen Formen von Rassismus und Unterdr&#252;ckung ausdr&#252;cken und hoffen, dass Ihr Euren Beschluss &#252;berdenkt – damit wir gemeinsam f&#252;r einen gerechten Frieden im Nahen Osten arbeiten k&#246;nnen.<br />
<em>Unter den &#252;ber hundert Unterzeichner/innen, die in Dutzenden verschiedenen Organisationen und Initiativen aktiv sind,</em> sind die Professoren <strong>Gadi Elgazi</strong> und <strong>Sami Shalom Chetrit</strong>, die Filmregisseure <strong>Udi Aloni</strong> und <strong>Eyal Sivan</strong>, feministische Aktivistinnen der israelischen Frauenkoalition f&#252;r Frieden wie <strong>Eilat Maoz</strong> und <strong>Dalit Baum</strong>, die Begr&#252;nderin der Organisation «Physicians for Human Rights» <strong>Ruchama Marton</strong>, Kriegsdienstverweiger/innen wie <strong>Matan Kaminer</strong> und <strong>Shimri Zameret</strong>, die zwei Jahren lang inhaftiert waren, und bekannte Aktivist/innen des gewaltfreien Widerstands gegen die Besatzung wie <strong>Adar Grayevsky</strong> und <strong>Ezra Nazi</strong>; au&#223;erdem die auch in Deutschland bekannten <strong>Iris Hefets, Felicia Langer, Abraham Melzer </strong>und<strong> Michael Warschawski</strong>.</p>
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		<title>Volksz&#228;hlung 2011</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/05/volkszahlung-2011/</link>
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		<pubDate>Sat, 28 May 2011 15:45:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parteien/ Demokratie]]></category>

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		<description><![CDATA[Warum wehrt sich heute keiner? von Elke Steven Als in den 1980er Jahren der Staat «seine» B&#252;rger z&#228;hlen wollte, brach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Warum wehrt sich heute keiner?</strong><br />
<em>von Elke Steven</em><br />
Als in den 1980er Jahren der Staat «seine» B&#252;rger z&#228;hlen wollte, brach ein Proteststurm los. George Orwells Roman 1984, der den Schrecken eines totalit&#228;ren &#220;berwachungsstaates beschreibt, wurde f&#252;r die Gegner zum Symbol.<br />
<span id="more-2440"></span>Die zun&#228;chst f&#252;r 1983 geplante Volksz&#228;hlung konnte nicht stattfinden. Der Protest war breit gestreut, das Bundesverfassungsgericht urteilte und «erfand» das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, das es aus dem allgemeinen Pers&#246;nlichkeitsrecht ableitete. Bei der Volksz&#228;hlung 1987 war die Verweigerung noch immer nicht unerheblich.</p>
<p>Damals wie heute wird argumentiert, erst die neuen Zahlen w&#252;rden eine sinnvolle wirtschaftliche und politische Planung erm&#246;glichen. Aber damals wie heute gilt, dass Fehlplanungen auf politische Fehlentscheidungen zur&#252;ckgehen, interessegeleitete Deutungen, Ber&#252;cksichtigung von Lobbyinteressen oder fehlende Beteiligung der B&#252;rgerinnen und B&#252;rger. Gro&#223;e zentrale Datensammlungen bergen indes Gefahren. Sie k&#246;nnen diskriminierend verwandt werden – z.B. in Bezug auf die Religion oder den Migrationshintergrund – und rufen Begehrlichkeiten hervor. Sie k&#246;nnen f&#252;r Wirtschaft, Polizei und Geheimdienste interessant sein.</p>
<p>Im Mai 2011 hat wieder eine Z&#228;hlung des Volkes begonnen, der Proteststurm aber ist ausgeblieben. Wir haben ihn nicht einfach alle verschlafen – die Zeiten haben sich ge&#228;ndert. Datensammlungen entstehen heute all&#252;berall, ihre Formen haben sich ge&#228;ndert, und der Protest dagegen ist schwieriger geworden. Aber die Argumente von fr&#252;her gelten auch heute noch – die Auswertungsm&#246;glichkeiten sind sogar technisch um vieles einfacher geworden.</p>
<p>Zwei Verfassungsklagen gegen die anstehende Volksz&#228;hlung wurden vom Bundesverfassungsgericht abgelehnt – die eine als nicht zul&#228;ssig, die andere als nicht ausreichend.</p>
<p><strong>Deshalb informieren wir:</strong><br />
Diese Volksz&#228;hlung greift weit tiefer als grundrechtlich akzeptabel in das informationelle Selbstbestimmungsrecht ein. Davon sind bestimmte Gruppen in besonderer Weise betroffen.</p>
<p>Der Zensus findet diesmal europaweit gem&#228;&#223; der «Verordnung der Europ&#228;ischen Union &#252;ber Volks- und Wohnungsz&#228;hlungen vom 9.7.2008» statt. Das deutsche «Gesetz &#252;ber den registergest&#252;tzten Zensus im Jahre 2011» hat die zu erhebenden und auszuwertenden Merkmale umfassender normiert, als es das europ&#228;ische Gesetz verlangt. Die Informationen &#252;ber die B&#252;rgerinnen und B&#252;rger, die zentral gespeichert werden, sind weit gefasst und d&#252;rfen bis zu vier Jahren aufgehoben werden. Mit Hilfe von Ordnungsnummern bleiben sie w&#228;hrend dieser Zeit auch den konkreten Personen zuordbar.</p>
<p>Bei den Beh&#246;rden vorhandene Daten der B&#252;rgerinnen und B&#252;rger werden zu neuen Datens&#228;tzen zusammengefasst. Davon sind alle betroffen! Das ist weitgehend schon lautlos passiert, ohne dar&#252;ber zu informieren. Das Zweckbindungsgebot der Datenerfassung und -speicherung wurde also missachtet.</p>
<p>Die Daten werden nicht anonym verarbeitet, sondern sind mit Ordnungsnummern versehen.</p>
<p>«Nur» 10% der Bev&#246;lkerung sollen direkt befragt werden. Diese direkte Befragung scheint also nur wenige zu betreffen. Aber das ist eine systematische T&#228;uschung. Es wird vermehrt die Bev&#246;lkerung in l&#228;ndlichen Gebieten befragt werden. Die st&#228;dtische Bev&#246;lkerung dagegen ist unterrepr&#228;sentiert. Hier wird mehr Protest bef&#252;rchtet.</p>
<p>Alle Eigent&#252;mer von H&#228;usern oder Wohnungen werden befragt, Immobilienbesitzer werden also vollst&#228;ndig erfasst. Bewohner in «Gemeinschaftsunterk&#252;nften» (Justizvollzugsanstalten, Krankenh&#228;usern, Behindertenwohnheimen und Notunterk&#252;nften f&#252;r Wohnungslose, aber auch Kasernen und Studentenwohnheimen) werden direkt und vollst&#228;ndig befragt. Die Daten k&#246;nnen auch durch Befragung der Leiterinnen und Leiter dieser Institutionen erhoben werden. Je abh&#228;ngiger eine Person lebt, desto geringer sind ihre M&#246;glichkeiten, zu protestieren und zu verweigern.</p>
<p>Die restlose Erfassung der Abh&#228;ngigen verst&#246;&#223;t frontal gegen grundrechtliche und dar&#252;ber hinaus verrechtlichte Diskriminierungsverbote. Sie verletzt au&#223;erdem Art.1 Satz 1 GG: «Die W&#252;rde des Menschen ist unantastbar.»</p>
<p>Die Erhebungen sind so nicht notwendig. Die erfragten Daten verletzen das Selbstbestimmungsrecht. Insbesondere Fragen nach der Religionszugeh&#246;rigkeit oder der Weltanschauung – mit genauen Unterscheidungen zwischen verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen – und nach dem Migrationshintergrund bzw. der Einreise nach 1955 gehen weit &#252;ber das ertr&#228;gliche Ma&#223; hinaus. Der Migrationshintergrund wird, selbst bei deutschen Staatsb&#252;rgern, &#252;ber Generationen hinweg erfragt und somit zugeschrieben. Die deutsche Gr&#252;ndlichkeit geht hier weit &#252;ber das von der EU geforderte Ma&#223; hinaus – danach wird ein Migrationshintergrund nur dann zugeschrieben, wenn jemand nach 1981 in das EU-Land gezogen ist.</p>
<p><strong>Was kann man tun?</strong><br />
Klagen gegen die Volksz&#228;hlung werden von Einzelnen und von Genossenschaften betrieben. Nach Abschluss eines Verwaltungsverfahrens kann erneut Verfassungsbeschwerde eingereicht werden. M&#246;glich w&#228;re auch ein erneuter Versuch eines Eilverfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht, «um die Volksz&#228;hlung bei bestehenden erheblichen Gefahren zu stoppen».Schon gegen die Zusammenf&#252;hrung der vorhandenen Daten kann man klagen. Bisher ist eine solche Klage nicht bekannt geworden. Sollte man selbst zur Auskunft verpflichtet sein, so kann man hiergegen Widerspruch einlegen (§68 Verwaltungsgerichtsordnung). Allerdings hat dieser keine aufschiebende Wirkung.</p>
<p>Wenn aber der Z&#228;hler vor der Haust&#252;r steht und man zuf&#228;llig zu Hause ist, sollte man ihn auf keinen Fall in die Wohnung lassen. Dazu ist man nicht verpflichtet. Der Fragebogen kann auch ausgeh&#228;ndigt werden. M&#246;glicherweise bleibt er dann erst mal liegen. Es folgen Mahnungen. Ein Bu&#223;geld kann angedroht und erhoben werden. Selbstverst&#228;ndlich kann man gegen solche Ma&#223;nahmen auch klagen und hoffen, dass andere bis dahin schon Erfolge erstritten haben. In jedem Fall verursacht die Nichtzusammenarbeit dem Zensus Aufwand und h&#228;lt ihn vielleicht von weiteren Nachfragen ab.</p>
<p>Wenn man den Bogen irgendwann ausgef&#252;llt hat, sollte er in einem verschlossenen Umschlag abgegeben werden.</p>
<p>Nicht zu vergessen ist, dass die Angaben zur Religionszugeh&#246;rigkeit oder Weltanschauung (Frage Nr.8, nicht die zur Zugeh&#246;rigkeit zu einer Religionsgesellschaft, Nr.7) freiwillig sind. Also sollte man hier auf keinen Fall Angaben machen.<br />
<a href="http://www.grundrechtekomitee.de">www.grundrechtekomitee.de</a></p>
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		<title>Zum Ausgang der Landtagswahlen in Bremen vom Mai 2011</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/05/zum-ausgang-der-landtagswahlen-in-bremen-vom-mai-2011/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 May 2011 19:58:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parteien/ Demokratie]]></category>

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		<description><![CDATA[Stillstand oben, Verschiebungen unten von Klemens Alff In Bremen bleibt alles beim Alten, und das wussten alle schon vorher. Rot-Gr&#252;n [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Stillstand oben, Verschiebungen unten</strong><br />
<em>von Klemens Alff</em><br />
In Bremen bleibt alles beim Alten, und das wussten alle schon vorher. Rot-Gr&#252;n erh&#228;lt &#252;ber 60% der Stimmen und wegen fast 10% zu verteilender Stimmen f&#252;r «Sonstige», die die 5%-H&#252;rde nicht schafften, eine Zweidrittelmehrheit in der B&#252;rgerschaft.<br />
<span id="more-2417"></span>Der bei der sozialdemokratischen Basis beliebte B&#252;rgermeister B&#246;hrnsen konnte klassen&#252;bergreifend Vertrauen ausstrahlen. Auf Personenplakaten stellte die SPD B&#246;hrnsen als Mann der Wirtschaft und des «Zusammenhalts» hin. Auf ihren im Vergleich zur Vergangenheit erstaunlich inhaltsreichen Plakaten gab sie nur fortschrittliche Parolen aus, die klar auf die R&#252;ckgewinnung von W&#228;hlern der LINKEN zielten. Das brachte ihr fast 39%.</p>
<p>Dagegen f&#252;hrten die beiden klassischen b&#252;rgerlichen Parteien einen besonders inhaltsleeren Wahlkampf. CDU: «Jetzt das Richtige tun.» Und die FDP stellte diesmal auf ihrem Gro&#223;plakat besonders den Doktortitel ihres ohnehin sehr guttenberghaft wirkenden sozialrassistischen Hetzers M&#246;llenstedt heraus. Auf Bundesebene wird jetzt in den Medien besorgt diskutiert, wie FDP und CDU zu retten seien. Aber deren Verluste waren in Bremen absehbar. Die Gr&#252;nen konnten es sich hingegen leisten, im Wahlkampf Sp&#228;&#223;chen zu treiben.</p>
<p>Faschistische Gruppierungen wurden, wie zu erwarten, insgesamt geschw&#228;cht. Die «B&#252;rger in Wut» konnten &#252;ber Bremerhaven einen Sitz erringen, ohne gesamtbremisch die 5%-H&#252;rde zu knacken. Die NPD konnte auch mit dem Zusatz «Die Volksunion» die Stimmen der DVU weder in Bremen noch in Bremerhaven beerben. Sie versuchte einen Durchbruchswahlkampf mit militanten Auftritten. Ihre &#246;rtliche Basis ist aber so klein, dass sie massive Hilfe von au&#223;en brauchte. Bei ihrem urspr&#252;nglich als zentral bezeichneten Maiaufmarsch, der auf den 30.April hatte verlegt werden m&#252;ssen, wurden 180 Leute von Polizeikolonnen und Tausenden Demonstranten umzingelt. Immerhin hat sie es geschafft, dass am 1.Mai keine DGB-Demonstration stattfand.</p>
<p><strong>Die Linke</strong><br />
Die Wahlbeteiligung betrug 57%. Die Nichtbeteiligung ist sehr ungleich verteilt. W&#228;hrend sie in gr&#252;nen Vierteln sogar stieg, fiel sie in Hartz-IV-Vierteln teilweise drastisch. Dadurch kam die LINKE, die einen erstaunlich gro&#223;en harten Kern hat, auf 5,6%. Gerade ihr Ergebnis schwankt noch stark, weil bei ihr sicher besonders viel panaschiert und kumuliert wurde.</p>
<p>Diese Form des W&#228;hlens wurde bei der diesj&#228;hrigen B&#252;rgerschaftswahl erstmals eingef&#252;hrt, wie auch die Ausdehnung des aktiven Wahlrechts auf Jugendliche ab 16 Jahre. Der Zuspruch an den Infost&#228;nden vermittelte ihren Wahlk&#228;mpfern das Gef&#252;hl, sie k&#246;nnten vielleicht sogar ein zweistelliges Ergebnis schaffen, doch das hat getrogen. Die Inhalte waren klar formuliert, doch das Auftaktplakat «Wieder die LINKE. Wen sonst?» hatte einen resignativen Grundton, der nur an die Treue der W&#228;hler appellierte.</p>
<p>Wahrscheinlich nahmen auch die Piraten und die Integrationspartei der LINKEN Stimmen weg. Die Piraten sind in Bremen wirklich links und verstehen sich gut mit uns; es gab mitten im Wahlkampf eine gemeinsame Aktion gegen die Bebauung des Bahnhofsvorplatzes. Die Integrationspartei ist etwas Neues. Sie wurde von t&#252;rkischen Mittelst&#228;ndlern gegr&#252;ndet. Ihr Wahlkampf richtete sich gegen Antiislamismus, aber auch gegen 1-Euro-Jobs und Hartz IV. Sie erhielten, wie die Piraten, &#252;ber 2%.</p>
<p>Warum habe ich die Erwartung, dass bei der LINKEN besonders viel kumuliert und panaschiert worden ist, obwohl unsere Kernbasis sicher zugleich die gr&#246;&#223;ten Schwierigkeiten mit diesem komplizierten Verfahren gehabt haben wird, das nur auf D&#246;rfern Sinn macht, wo die Menschen sich kennen?</p>
<p>Panaschiert haben wird die gro&#223;e Anzahl eigentlich sozialdemokratischer W&#228;hlerInnen, die der SPD nur einen Denkzettel verpassen wollen oder die eigentlich die LINKE m&#246;gen, aber auch die Sicherheit der SPD-Tradition.</p>
<p>Kumuliert haben werden die eigentlichen Anh&#228;nger der LINKEN, um weit unten platzierte GenossInnen hochzupuschen. Denn die Aufstellungsversammlung am 15. Januar entzweite die Partei entlang neuer Zellteilungslinien, weil der alte PDS-Platzhirsch Klaus Rainer Rupp unn&#246;tigerweise glaubte, nur mit neu rekrutierten Karteileichen des kurdischen Vereins YEK-KOM an die Spitze zu kommen.</p>
<p>Auf Platz eins, dem Frauenplatz, wurde dagegen seine Wunschmitkandidatin von der linksradikalen Einzelg&#228;ngerin Kristina Vogt geschlagen. Das Gesicht der Partei, Peter Erlanson, der Klaus Rainer Rupp wegen seiner Orientierung auf den Haushalt von Rot-Gr&#252;n als Rechtsopportunisten bezeichnet, war weit unten platziert worden. Peter Erlanson hatte sich fatalerweise zu einem buntscheckigen, unpolitischen B&#252;ndnis mit Gewerkschaftern und dem FdS gegen Klaus Rainer Rupp hinrei&#223;en lassen.</p>
<p>Da wir jetzt nur sechs Sitze haben, ist es aber ausgeschlossen, dass sich jemand reinkumuliert hat. In Kristina Vogt werden Erwartungen von der Art &#8220;Erste linke Abgeordnete seit dem Auscheiden der KPD in den 50ern&#8221; gestellt. Und sie brachte tats&#228;chlich einen anderen, antikapitalistischeren Ton in den Wahlkampf.  Aber ich f&#252;rchte, sie k&#246;nnte schon daran scheitern, da&#223; ihr der eiserne Ellenbogen fehlt, den sie in der gegebenen Situation wirklich br&#228;uchte.</p>
<p>Besonders schlimm ist, da&#223; die LINKE in Bremerhaven nach dem jetzigen Stand die F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde nicht &#252;bersprungen hat; sie erhielt weniger Stimmen als &#8220;B&#252;rger in Wut&#8221;. In Bremerhaven sind, im Gegensatz zur Stadt Bremen, die internen Auseinandersetzungen in der Bev&#246;lkerung wahrgenommen worde. Im Kreisverband k&#228;mpften zwei nicht geradezu linke Cliquen gegeneinander. Der Verlierer, der B&#252;rgerschaftsabgeordnete Walter M&#252;ller, machte f&#252;r die Stadtverordnertenversammlung Bremerhaven eine eigene Liste auf.</p>
<p><em>Alle Zahlen zum Wahlergebnis mit Stand vom 23.5., 18 Uhr. Der Autor ist Mitglied des Landesvorstands der LINKEN in Bremen. (In der Druckausgabe der SoZ erschien eine gek&#252;rzte Version.)</em><br />
PS: Kumulieren (H&#228;ufeln) und Panaschieren (Vermischen) ist in Baden-W&#252;rttemberg schon lange Praxis. Bei der letzten Wahl gab es beides schon in Hamburg. In Bremen wurde diese Wahlrechtsreform durch ein von einer Initiative f&#252;r mehr Demokratie initiiertes B&#252;rgerbegehren durchgesetzt. Und noch nie wurde diese Technik in einem so hohen Ma&#223;e (zu 30 %) in einer gro&#223;en Stadt genutzt wie in Bremen. &#220;ber die Gr&#252;nde w&#228;re noch nachzudenken.</p>
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JedeR W&#228;hlerIn erh&#228;lt f&#252;nf Stimmen, die er/sie nicht zwingend alle nutzen mu&#223;. Diese f&#252;nf Stimmen kann er/sie der Partei ihrer/seiner Wahl oder einem bzw einer von deren KandidatInnen geben. Das ist Kumulieren. Er/sie kann sie aber auch zwei verschiedenen Parteien bzw KandidatInnen zweier verschiedener Parteien geben. Das ist Panaschieren. Auf einer Parteiliste verschiedene KandidatInnen anzukreuzen &#8211; ist gewisserma&#223;en eine &#8220;Panaschierung&#8221; von Panaschieren und Kumulieren.</div>
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		<title>Das erste halbe Jahr rot-gr&#252;ne Minderheitsregierung in NRW</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Feb 2011 19:00:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parteien/ Demokratie]]></category>

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		<description><![CDATA[Macht Rot-Gr&#252;n in NRW eine andere Politik als Schr&#246;der-Fischer? Die Frage ist umstritten. von Dirk Hansen, Manuel Kellner, Birger Scholz* [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Macht Rot-Gr&#252;n in NRW eine andere Politik als Schr&#246;der-Fischer? Die Frage ist umstritten.</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><em>von Dirk Hansen, Manuel Kellner, Birger Scholz</em><strong>*<br />
</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Bei  Diskussionen dar&#252;ber unter Linken tauchen zwei Extrempositionen auf. Die  einen meinen, es habe sich nur die Rhetorik ver&#228;ndert, letztlich seien  die Unterschiede zur «Agendapolitik» der Zeit von Gerhard Schr&#246;der  unbedeutend; andere glauben, den Schwenk zu einer Reformpolitik im  positiven Sinne zu erkennen, was auch – unabh&#228;ngig davon, was zum Thema  derzeit verlautbart wird – auf eine rot-gr&#252;n-rote Zusammenarbeit auf  Bundesebene im Jahr 2013 hinauslaufen k&#246;nnte.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><img title="Weiterlesen..." src="../wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" />Um  das Ergebnis unserer &#220;berlegungen vorwegzunehmen: Wir sehen erste  Ans&#228;tze einer Akzentverschiebung des Profils und der realen Politik der  NRW-SPD – nicht mehr und nicht weniger. Sie entspricht den vorsichtigen  rhetorischen Versuchen des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel, sich bis zu  einem gewissen Grad von der Agendapolitik abzusetzen (ohne wirklich mit  ihr zu brechen) und findet ihre Erkl&#228;rung in der dramatischen  wahlpolitischen Erosion der SPD und in der Pr&#228;senz der Partei Die LINKE.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span id="more-1990"></span></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">________________________________________________________</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Dieser Artikel wird Ende des Monats freigeschaltet. Wenn Sie ihn vorher lesen m&#246;chten, schicken Sie eine EMail an redaktion@soz-verlag.de. Sie bekommen dann den Link zu dieser Seite zugeschickt.   <em>d.Red.</em></p>
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		<title>F&#252;hrungsschw&#228;che und saubere Fingern&#228;gel</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Feb 2011 14:54:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parteien/ Demokratie]]></category>

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		<description><![CDATA[Probleme der LINKEN von Hubert Kaiser So richtig gut geht es der «Partei die Linke» zurzeit nicht. Irgendetwas muss gravierend [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- p { margin-bottom: 0.21cm; } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Probleme der LINKEN</strong><br />
<em>von Hubert Kaiser</em></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">So richtig gut geht es der «Partei die Linke» zurzeit nicht. Irgendetwas muss gravierend falsch laufen, denn die Basiswerte sind eigentlich nach wie vor hervorragend.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span id="more-1909"></span>Die Mitgliedszahlen stagnieren zwar, im Osten gehen sie sogar aufgrund der langweiligen, anpasslerischen Politik und des Ablebens vieler Senioren aus SED-Zeiten absolut zur&#252;ck, aber von einem Ausbluten, wie es die anderen Parteien, mit Ausnahme der Gr&#252;nen, erleben, ist DIE LINKE weit entfernt. Ein solider Sockel von rund 10% Unterst&#252;tzung bei Wahlumfragen ist geradezu sensationell gut, und die Partei und die ihr nahestehenden Einrichtungen haben m&#246;glicherweise viele Probleme, aber ganz sicher keine finanziellen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Was k&#246;nnte eine Partei mit knapp 80.000 Mitgliedern, mit Tausenden Aktiven, die als parlamentarische Mandatstr&#228;gern, Parteiangestellte, freigestellten Betriebsr&#228;ten, Gewerkschaftssekret&#228;ren hauptberuflich «Politik» machen, mit einer fl&#228;chendeckenden Infrastruktur in ganz Deutschland und mit gro&#223;en Finanzmitteln f&#252;r ein Aufsehen erregen und attraktive radikale Politik machen – wenn sie denn wollte? Die gesamte doppelz&#252;ngige Bande aus Hartz-IV-Sozialdemokraten, notorisch konfliktscheuen Gewerkschaftsb&#252;rokraten und Kriegstreiber-Gr&#252;nen k&#246;nnte spielend leicht zur Seite gedr&#228;ngt werden, wenn die LINKE beginnen w&#252;rde, wirkliche Opposition zu sein.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Aber nichts dergleichen passiert. Stattdessen verpulvert die Partei Unmengen Geld in immer harmloseren Werbeslogans, wie sie von jeder beliebigen Werbeagentur jeder beliebigen Partei angedient werden. Die Parteielite betreibt munter individualisierte Kampagnen zur Pflege ihrer Karrieren, misstraut sich gegenseitig, und nicht ein einziger unter ihnen hat das Profil, dass er oder sie wirklich f&#252;r ihre politischen Ideen k&#228;mpfen will und zu pers&#246;nlichen Opfern bereit ist.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Je niedriger das parlamentarische Niveau der umk&#228;mpften P&#246;stchen, desto niedriger das Niveau der Konkurrenzk&#228;mpfe. In manchen Kreisverb&#228;nden spielen sich Schlachten um die uninteressantesten Posten und Sitzungsgelder ab, die schlicht der Vorhof der H&#246;lle sind. Aufrechte, antikapitalistische Linke w&#252;rden solche Witzp&#246;stchen noch nicht mal als Strafe akzeptieren. Warum nehmen wohl mehr als zwei Drittel der Bev&#246;lkerung von solch kommunaler Gartenzwergkultur nichts zur Kenntnis und verweigern die Teilnahme an Wahlen? Und warum vergeuden LINKE in diesen zur Domestizierung erfundenen Hamsterr&#228;dern mehr als Zweidrittel ihrer Ressourcen?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">SPD und Gr&#252;ne rauben der LINKEN schamlos die Themen, und die l&#228;sst es nicht nur geschehen, sondern erweist sich danach als leer und ausgeraubt. Die ganzen Spr&#252;che der Regierungssozialisten, man m&#252;sse mit «vermittelbaren», weichgesp&#252;lten Fassungen linker Forderungen die «gesellschaftlichen B&#252;ndnispartner» erst einmal einbinden, sind nichts als angew&#228;rmte Abluft. Jetzt, wo die K&#246;der geschnappt wurden, m&#252;ssten doch die h&#228;rteren Themen nachgereicht werden. Aber in Fragen Leiharbeit, Mindestlohn, Arbeitszeitverk&#252;rzung und Rente mit 67, Hartz-IV-Abschaffung, Entmachtung der Stromkonzerne und der Banken erweist sich DIE LINKE als ideen- und oft auch als sprachlos. Mehr als Nachplappern der handzahmen Forderungen der Gewerkschaftsspitzen kommt nicht vor.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Zum Gl&#252;ck gab es die von der Parteivorsitzenden Gesine L&#246;tzsch unfreiwillig losgetretene «Kommunismusdebatte». Sie hat wenigstens indirekt der LINKEN ein Image verschafft, das sie besser durch politische Praxis erworben h&#228;tte: das einer Kampfpartei gegen die kapitalistische Normalit&#228;t hier und im Rest der Welt. Der Rauch ist schon wieder verflogen, aber immerhin bleibt als Kollateraleffekt, dass sich jetzt auch das letzte Parteimitglied tapfer als Sozialist bezeichnet, um vom Kommunismusmakel befreit zu werden. Auch das ist neu, bleibt hoffentlich lange erhalten und wird im neuen Parteiprogramm ausf&#252;hrlich beim Namen genannt.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">War die Kommunismusdebatte ein Gl&#252;ck, so ist das sonstige Agieren der Parteif&#252;hrung ein wahres Ungl&#252;ck. Die b&#252;rokratisch und erpresserisch vor allem von Gregor Gysi durchgeboxte neue «F&#252;hrungsarchitektur» f&#228;llt ihren Erschaffern immer mehr auf die F&#252;&#223;e. Das war vorherzusehen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Der Parteivorsitzende Klaus Ernst ist komplett &#252;berfordert – als Parteif&#252;hrer ist er ein mitleiderregendes Opfer seiner Ideenlosigkeit. Alles, was von ihm zu h&#246;ren ist, ist haarstr&#228;ubender Quark – am bittersten vielleicht sein Vorschlag, im Falle von Hartz IV &#228;hnlich zu schlichten wie bei Stuttgart 21. Dass er sich in seiner Eitelkeit und angesichts der Ideenlosigkeit zu schr&#228;gen Homestories einl&#228;sst, in denen er sein alterndes Spie&#223;ertum zum Besten gibt und sich buchst&#228;blich zu sauberen Fingern&#228;geln bekennt, ist nur noch medizinisch zu therapieren.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Partei hat so etwas wirklich nicht verdient. Gut stehen w&#252;rden ihr stattdessen ordentliche Krallen und Kratzb&#252;rstigkeit.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">
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		<title>Das erste halbe Jahr «rot-gr&#252;ne» Minderheitsregierung in NRW</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Feb 2011 14:50:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Parteien/ Demokratie]]></category>

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		<description><![CDATA[Macht Rot-Gr&#252;n in NRW eine andere Politik als Schr&#246;der-Fischer? Die Frage ist umstritten. von Dirk Hansen, Manuel Kellner, Birger Scholz* [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- p { margin-bottom: 0.21cm; } --></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Macht Rot-Gr&#252;n in NRW eine andere Politik als Schr&#246;der-Fischer? Die Frage ist umstritten.</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><em>von Dirk Hansen, Manuel Kellner, Birger Scholz</em><strong>*<br />
</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Bei Diskussionen dar&#252;ber unter Linken tauchen zwei Extrempositionen auf. Die einen meinen, es habe sich nur die Rhetorik ver&#228;ndert, letztlich seien die Unterschiede zur «Agendapolitik» der Zeit von Gerhard Schr&#246;der unbedeutend; andere glauben, den Schwenk zu einer Reformpolitik im positiven Sinne zu erkennen, was auch – unabh&#228;ngig davon, was zum Thema derzeit verlautbart wird – auf eine rot-gr&#252;n-rote Zusammenarbeit auf Bundesebene im Jahr 2013 hinauslaufen k&#246;nnte.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><span id="more-1906"></span>Um das Ergebnis unserer &#220;berlegungen vorwegzunehmen: Wir sehen erste Ans&#228;tze einer Akzentverschiebung des Profils und der realen Politik der NRW-SPD – nicht mehr und nicht weniger. Sie entspricht den vorsichtigen rhetorischen Versuchen des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel, sich bis zu einem gewissen Grad von der Agendapolitik abzusetzen (ohne wirklich mit ihr zu brechen) und findet ihre Erkl&#228;rung in der dramatischen wahlpolitischen Erosion der SPD und in der Pr&#228;senz der Partei Die LINKE.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Beim Sozialen nachbessern</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">In der NRW-SPD hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass bei der &#252;berlieferten «Kernkompetenz», n&#228;mlich dem Sozialen, dringend nachgebessert werden muss. Statt als Partei der Sozialk&#252;rzungen m&#246;chte man als Partei der Vorsorge wahrgenommen werden. Das ist nicht nur Rhetorik. Die Haushaltspolitik der Regierung Kraft bedeutet im Ansatz eine Abkehr vom Primat der Haushaltskonsolidierung.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Einhaltung der sog. «Schuldenbremse», die von allen im Bundestag vertretenen Parteien au&#223;er der LINKEN mit Verfassungsrang ausgestattet wurde, r&#252;ckt unter Ministerpr&#228;sidentin Kraft in weite Ferne. Im Jahr 2020 m&#252;ssen die Bundesl&#228;nder nach Vorgaben der «Schuldenbremse» strukturell ausgeglichene Haushalte ausweisen. NRW m&#252;sste demnach seine Ausgaben ab 2011 jedes Jahr um 500 Millionen Euro k&#252;rzen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Stattdessen hat die Landesregierung die Ausgaben deutlich erh&#246;ht. Bereits im Nachtragshaushalt 2010 wurde die Nettoneuverschuldung kr&#228;ftig angehoben, haupts&#228;chlich deshalb, weil die Regierung vorsorglich einmalige Effekte eingestellt hat – allen voran die &#252;ppigen 1,3 Mrd. Euro Risikoabsicherung f&#252;r die WestLB, die fr&#252;hestens 2012 anfallen. Zudem erhielten die Kommunen eine Soforthilfe von 300 Mio. Euro und es wurden 1500 neue Stellen f&#252;r Lehrerinnen und Lehrer geschaffen.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Der im Juli zur Verabschiedung anstehende Haushalt 2011 wird ausweislich der vorab ver&#246;ffentlichten Eckwerte kein Konsolidierungshaushalt sein. So werden die Ausgaben in den Bereichen Bildung, Soziales und Kommunen um 1,1 Mrd. Euro angehoben, und die Landesregierung plant, die pauschale j&#228;hrliche Stellenk&#252;rzung um 1,5% auszusetzen. Dies &#252;berrascht nicht, hat doch die Fraktion DIE LINKE immer betont, dass ein Haushalt mit Personalabbau ein &#220;berschreiten der «Roten Haltelinie» w&#228;re und demnach abgelehnt w&#252;rde.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Akzentverschiebungen</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">W&#228;hrend die Schr&#246;der-SPD Sozialabbau und Ausgabenk&#252;rzungen mit der vermeintlichen Notwendigkeit einer nachhaltigen Haushaltspolitik begr&#252;ndete, dreht Ministerpr&#228;sidentin Kraft den Spie&#223; um und deutet Ausgabensteigerungen als pr&#228;ventive Investitionen, die sp&#228;tere Ausgaben reduzieren w&#252;rden. Das ist zwar volkswirtschaftlich und auch sozialpolitisch richtig, bewirkt aber keine zuk&#252;nftige Konsolidierung des Landeshaushalts.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Sichtbar wird diese Akzentverschiebung auch bei der Art der Investitionen: W&#228;hrend zur Entlastung der Kommunalhaushalte empfohlen wird, weniger Wohnfl&#228;che bei Hartz-IV-Empf&#228;ngern anzurechnen, wird massiv in den Ausbau der Betreuung der Unterdreij&#228;hrigen und in die Kinder- und Jugendpolitik investiert. «Bildung» lautet das Schl&#252;sselwort dieser Politik, die Menschen f&#252;r den Markt optimal qualifizieren – und sie im Falle eines Scheiterns der Verfolgungsbetreuung der Jobcenter &#252;bergeben will.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Diese Inkonsequenz gegen&#252;ber einem wirklichen Politikwechsel zeigt sich auch darin, dass die NRW-SPD nicht offensiv eine Verfassungsklage gegen die Schuldenbremse anstrebt. Soweit geht der Mut dann doch noch nicht. Stattdessen verweist die Landesregierung in der Einnahmen- und Haushaltsdebatte auf die ausschlie&#223;liche Steuerkompetenz des Bundes, unterschl&#228;gt aber dabei, dass unter Mitwirkung von SPD und Gr&#252;nen die Spitzen- und Unternehmenssteuern massiv gesenkt wurden, mit der Folge, dass Landes- und Kommunalhaushalte gefesselt und ausged&#252;nnt wurden.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Der Kurs der SPD in Hessen nach der &#196;ra Ypsilanti verdeutlicht, wie unklar es bleibt, ob die SPD auf Bundesebene wirklich einen – noch so bescheidenen – Schwenk nach links vollziehen wird. So hat die SPD in Hessen der Schuldenbremse aus der Opposition heraus zugestimmt. F&#252;r die Bundesebene erscheint es uns daher eher unwahrscheinlich, dass die derzeitige SPD-Politik in NRW verallgemeinert werden k&#246;nnte.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><strong>Keine Reformprojekte mit der LINKEN</strong></p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Bislang haben die Regierungsparteien in NRW auch keine Neigung gezeigt, fortschrittliche Reformen zusammen mit der LINKEN gegen CDU und FDP durchzusetzen. Zur Forderung, das RWE-Hochspannungsnetz in Landeseigentum zu &#252;bernehmen, lassen sie sich auf Expertenanh&#246;rungen und Ausschussberatungen ein, auf mehr bislang nicht. In der Bildungspolitik haben SPD und Gr&#252;ne zwar die Kopfnoten abgeschafft, aber f&#252;r das gemeinsame Lernen in den ersten sechs Klassen – das war ihr eigenes Wahlkampfversprechen – alles vermieden, was im Parlament h&#228;tte verabschiedet und somit mit der LINKEN h&#228;tte abgesprochen werden m&#252;ssen. Stattdessen sollen die Schulen, die das wollen, das «Turbo-Abitur» nach 12 Schuljahren wieder abschaffen d&#252;rfen, was von den Schulen nicht angenommen wird, nachdem sie gerade erst mit viel M&#252;he umgestellt hatten. Wichtiger noch: Die Gemeinschaftsschule wird – anders als im Wahlkampf versprochen – nur als lokale Bedarfsentscheidung eingef&#252;hrt und tangiert den Fortbestand der Gymnasien nicht.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">F&#252;r die LINKE scheint uns wichtig, dass sie die reale Akzentverschiebung der SPD-Politik in NRW wahrnimmt und versucht, diese mit konkreten Vorschl&#228;gen f&#252;r eine Politik im Interesse der Besch&#228;ftigten, der Erwerbslosen und der lernenden Jugend voranzutreiben. Aber ohne Illusionen: Nichts deutet darauf hin, dass die SPD bereit w&#228;re, dem Kapital etwas Substanzielles wegzunehmen oder – denken wir an die Bundesebene – die Bundeswehr wieder auf ihre grundgesetzlich festgelegte Rolle der Landesverteidigung zur&#252;ckzuf&#252;hren.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Frage, ob die SPD weiter nach links gedr&#228;ngt werden kann, entscheidet sich dabei nicht vorrangig in den Landtagen. Wichtiger ist eine Partei DIE LINKE mit aktiven Mitgliedern, die in enger Vernetzung mit den au&#223;erparlamentarischen Bewegungen die gesellschaftlichen Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse &#228;ndert.</p>
<p>Stand: 20.1.2011</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;"><em><strong>Dirk Hansen</strong> ist pers&#246;nlicher Referent von Carolin Butterwegge, MdL der LINKEN;<br />
<strong>Manuel Kellner</strong> ist pers&#246;nlicher Referent von Michael Aggelidis, MdL der LINKEN;<br />
<strong>Birger Scholz</strong> ist Fachreferent f&#252;r Wirtschaft und Energie der Fraktion der LINKEN.</em></p>
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