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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Auto</title>
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		<title>Elektroautos: Ein Beitrag zum Umweltschutz?</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Aug 2010 14:49:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auto]]></category>

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		<description><![CDATA[Eine Studie im Auftrag der Europ&#228;ischen Linkspartei sagt Nein. von Rolf Euler und Angela Klein Ist der reine Elektroantrieb f&#252;r [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		PRE.western { font-family: "Garuda" } 		PRE.cjk { font-family: "DejaVu Sans", monospace } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><strong>Eine Studie im Auftrag der Europ&#228;ischen Linkspartei sagt Nein.</strong><br />
von Rolf Euler und Angela Klein</p>
<p>Ist der reine Elektroantrieb f&#252;r den Pkw eine L&#246;sung f&#252;r die Umweltbelastung durch den Verkehr? In einer Studie, die im Auftrag der Europ&#228;ischen Linkspartei durchgef&#252;hrt wurde, haben Wissenschaftler den Beitrag des Elektroautos zum Umweltschutz gepr&#252;ft und widerlegen interessierte Werbeschlagworte.*</p>
<p><span id="more-1347"></span>Das Elektroauto wird als zuk&#252;nftige Alternative zum erd&#246;lgebundenen Autofahren propagiert – nicht haupts&#228;chlich von Umweltverb&#228;nden, sondern von der Elektroindustrie, einigen Autokonzernen und der Bundesregierung. 2020 sollen eine Million Autos mit reinem Elektroantrieb fahren – im Unterschied zu den bisher erh&#228;ltlichen sog. Hybrid-Fahrzeugen, deren Elektromotor nur in der Stadt und beim Beschleunigen l&#228;uft, w&#228;hrend auf langen Strecken ein Verbrennungsmotor f&#252;r den Vortrieb und gleichzeitig die Ladung der Akkumulatoren sorgt.</p>
<p><strong>Das E-Auto &#228;ndert nichts am Verkehrsaufkommen</strong></p>
<p>Die erste entscheidende Einschr&#228;nkung, die die Wissenschaftler feststellen, lautet:</p>
<p>Wenn von den interessierten Kreisen der Industrie &#252;ber Elektromobilit&#228;t gesprochen wird, bezieht sich das auf den bestehenden Pkw-Verkehr, der nicht verringert werden soll. Elektromobilit&#228;t meint nicht die grundlegende Umstellung des Verkehrssystems weg vom Individualverkehr. Auch der zunehmende Lastwagenverkehr ist &#252;berhaupt nicht im Fokus, f&#252;r ihn steht eine E-Auto-L&#246;sung im bisher bekannten Sinne &#252;berhaupt nicht zur Verf&#252;gung, nur die (R&#252;ck-)Verlagerung auf die Schiene macht da Sinn.</p>
<p>Der CO2-Aussto&#223; eines Pkw tr&#228;gt nat&#252;rlich erheblich zur Gesamtbelastung des Klimas bei. In Deutschland stammen fast 18% der klimasch&#228;dlichen Kohlendioxidemissionen aus dem Stra&#223;enverkehr.</p>
<p>Der Elektroantrieb wird f&#252;r &#228;hnliche Pkw-Modelle gebaut wie die bisher bekannten – vorzugsweise f&#252;r Klein- und Mittelklassewagen wie den Elektro-Smart, der schon zur Probe gefahren werden konnte. Je gr&#246;&#223;er das Fahrzeug, desto st&#228;rker die Motorleistung und damit die Batterieleistung, die eingebaut werden muss. Geht man von der jetzigen Fahrleistung eines im Normalbetrieb fahrenden Pkw aus, sind dessen Reichweite wie auch H&#246;chstgeschwindigkeit mit einem Elektromotor nur dann zu erreichen, wenn mehrere hundert Kilogramm Akkuleistung  eingebaut werden.</p>
<p>Die Mehrzahl aller im Auto zur&#252;ckgelegten Fahrten kann ohne weiteres von E-Autos  geschafft werden – 80% der Strecken, die durchschnittlich in Deutschland gefahren werden, sind k&#252;rzer als 20 Kilometer – vorausgesetzt, am Zielort steht eine Ladestation. Das Elektroauto w&#228;re damit mehr oder weniger ein reines Stadtfahrzeug, also eher der «ber&#252;hmte» Zweitwagen, zus&#228;tzlich zur Reiselimousine. Die Reiselimousinen sind bisher nicht f&#252;r die Umstellung auf Elektromotor vorgesehen; sie werden weiterhin mit Benzin oder Diesel angetrieben, bestenfalls mit Hybridmotoren ausgestattet. Das E-Auto schafft den Konzernen damit einen zus&#228;tzlichen Absatzmarkt, nur in kleineren Mengen Ersatz f&#252;r jetzige Autos.</p>
<p>Der Nebeneffekt w&#228;re, dass der durchschnittliche CO2-Aussto&#223; eines Herstellers sinken und damit die Zulassung gr&#246;&#223;erer verbrauchsintensiver Fahrzeuge weiter erm&#246;glichen w&#252;rde. Wird doch dabei auf die sog. «Null-Emission» im Fahrbetrieb selbst abgestellt, unabh&#228;ngig von der Frage, wie der Strom erzeugt wird, der dort verbraucht wird. Die Modellpolitik der Hersteller Audi, Daimler, Porsche spricht da f&#252;r sich – immer mehr Allrad- und Luxusmobile stehen in den Verkaufshallen.</p>
<p><strong>Milliardeninvestitionen</strong></p>
<p>Das E-Auto ist ein Beatmungsprogramm f&#252;r die Energie- und Autokonzerne. RWE plant in NRW ein Stromversorgungsnetz f&#252;r ein Pilotprojekt mit Ladestationen und anf&#228;nglich Autos auf Mietbasis. Das Laden von Autoakkus auf Park-and-Ride-Pl&#228;tzen und an anderen &#246;ffentlichen Stellen erfordert dabei ein gigantisches Investitionsvolumen. Evonik (fr&#252;her RAG) steigt in Bau und Entwicklung von Akkus ein. Volkswagen will in wenigen Jahren serienreife Fahrzeuge auf den Markt bringen. Daimler hat den Smart als Elektroauto vorgestellt.</p>
<p>Diese Firmen propagieren den reinen Elektroantrieb und behaupten, die hohen Kosten der Batterien w&#252;rden bei Massenproduktion sinken. Die dazu notwendigen Investitionen werden von der Bundesregierung gro&#223;z&#252;gig gef&#246;rdert. Bis 2020 sollen eine Million Elektro-Autos auf deutschen Stra&#223;en fahren – dieses zuerst von Bundesumweltminister Gabriel verk&#252;ndete Ziel wurde von seinem Nachfolger R&#246;ttgen &#252;bernommen. Im Konjunkturprogramm II wurden daf&#252;r insgesamt 500 Millionen Euro bereit gestellt, davon 100 Millionen allein f&#252;r den Elektroantrieb.</p>
<p>F&#252;r die Kunden wird die Sache teuer: Die Kosten f&#252;r Lithium-Ionen-Akkus in der erforderlichen Gr&#246;&#223;enordnung werden auf 10000–20000 Euro gesch&#228;tzt. Nach 100–150 Kilometer Fahrleistung muss ein solcher Akku wieder aufgeladen werden, was mehrere Stunden dauert. Ein Akku kann bislang aber nur einige hundert Ladezyklen durchhalten, das hei&#223;t, dass er f&#252;r ein geplantes Autoleben nicht reichen w&#252;rde.</p>
<p>Das Problem der langen Tankzeiten wollen einige Hersteller durch den Einsatz von Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien (LiFePo4) l&#246;sen, die mit halb soviel Lithium auskommen, nicht in Brand geraten und sich in wenigen Minuten aufladen lassen. Doch auch in diesem Fall m&#252;ssten alle drei Jahre 6000 Euro f&#252;r eine neue Batterie hingelegt werden.</p>
<p><strong>Weg von den fossilen Energien</strong></p>
<p>Bis 2020 sollen die CO2-Emissionen aus dem Stra&#223;enverkehr gegen&#252;ber dem Jahr 1990 um ein Viertel verringert werden – deutlich weniger als die Gesamtemissionen, die um ein Drittel sinken sollen. Die genannte Studie sieht die Aussichten kritisch, ob dies mit Elektroautos gelingen kann.</p>
<p>Neben der L&#246;sung der Akkuprobleme ist die entscheidende Frage, aus welchen Quellen der Strom erzeugt wird. Der heutige Strommix enthielt 2009 noch zu etwa 57% fossile Energien und &#252;ber 22% Kernenergie; Windkraft, Biomasse, Wasserkraft und Fotovoltaik machten 14,8% aus. Die Studie meldet jedoch Zweifel an, ob der wesentliche Antrieb f&#252;r den Ausbau des Elektroautos aus dem Wunsch kommt, den Anteil der regenerativen Energiequellen am gesamten Stromverbrauch zu steigern.</p>
<p>Wie vor vielen Jahren von den Energieversorgern die Elektrospeicherheizungen propagiert wurden, weil sie die Kraftwerke in Dauerbetrieb in der Grundlast auch nachts ausn&#252;tzen wollten, so wird heute der elektrische Autoantrieb und die Ladung von Akkus als Ziel der Stromerzeugung behandelt, g&#228;nzlich unabh&#228;ngig von der Frage, aus welcher Quelle dieser Strom kommt. F&#252;r die Energiekonzerne geht es dabei um die Steigerung ihrer Ums&#228;tze, f&#252;r die Automobilkonzerne um die Schaffung eines neuen Produkts, das angesichts der Klimadiskussion eine h&#246;here gesellschaftliche Akzeptanz verspricht als die bisherigen Luftverschmutzer, deren Treibstoffverbrauch sich bislang nicht in einem ausreichenden Ma&#223;e senken lie&#223;.</p>
<p>Die Wissenschaftler haben die Kohlendioxid-Werte eines Elektro-Smart und eines konventionellen Smart gemessen. Dabei geben sie bei den konventionellen Antrieben den direkten Aussto&#223; an, der bei der Ottomotorvariante 103 g/km, bei der Dieselmotorvariante 88 g/km betr&#228;gt; bei der Elektromotorvariante gehen sie vom bestehenden Strommix aus, demzufolge betr&#228;gt der Aussto&#223; 71 g/km. Beim bestehenden Strommix w&#252;rde eine Ersetzung des bisherigen Pkw-Fuhrparks durch E-Autos also nur unerheblich CO2 einsparen – bei allerdings erheblichen Mehrkosten f&#252;r den Verbraucher.</p>
<p>Dabei ist noch unber&#252;cksichtigt, dass moderne Autos mit sehr vielen elektrischen Vorrichtungen versehen sind (vom Licht &#252;ber Heizung und Servos bis zur elektronischen Steuerung), die beim E-Auto alle zus&#228;tzlich von der Akkuladung abh&#228;ngen und dessen Reichweite bis zur Neuladung entsprechend verkleinern. Im Winter k&#228;me erschwerend die temperaturabh&#228;ngige Minderleistung der Batterie dazu.</p>
<p>Die Studie stellt daher fest, dass das Ziel, den Kohlendioxid-Aussto&#223; im Verkehr zu senken, mit anderen Mitteln billiger und schneller erreicht werden kann, als wenn der Individualverkehr auf kurzen Strecken mit E-Autos bew&#228;ltigt wird, ohne dass sich sonst am Strommix etwas &#228;ndert. Selbst bei normalen Autos w&#228;re eine Schadstoffreduktion jetzt schon mit viel geringeren Kosten als bei Umstellung auf E-Antrieb m&#246;glich: durch Gewichtsreduktion, kleinere Motoren und geringere erreichbare H&#246;chstgeschwindigkeit und geringere Beschleunigungswerte. Der VW Polo, der statt 5,5 nur 3,5 Liter Durchschnittsverbrauch erreicht, kostet nur 3000 Euro mehr.</p>
<p>Die Wissenschaftler akzeptieren, dass der E-Antrieb trotzdem f&#252;r viele Zwecke n&#252;tzlich ist, weil es gerade in St&#228;dten auch auf die Umweltbelastung in den Stra&#223;en ankommt. Dies macht jedoch nur dann Sinn, wenn der eingesetzte Strommix massiv auf erneuerbare Energien umgestellt wird und die Elektromobilit&#228;t diesen regenerativen Strom nicht anderen Verwendungen «entzieht», wo er ebenfalls dringend zur Schadstoffreduzierung ben&#246;tigt wird.</p>
<p><strong>Autoakkus als Netzpuffer?</strong></p>
<p>Der in den letzten Jahren erfolgte Ausbau von regenerativen Energiequellen, Wind und Sonne (allein im letzten Jahr &#252;ber 3 GWp zus&#228;tzliche Fotovoltaik), hat nach Ansicht der Fachleute einen massiven Regelbedarf, um das wetterbedingt schwankende Angebot und die ebenfalls im Tages- und Jahresverlauf schwankende Nachfrage, die allerdings relativ bekannt ist, auszugleichen. Die Studie bewertet auch die Idee, diesen Ausgleich &#252;ber eine gro&#223;e Zahl von Autoakkus  zu erreichen, die ans Stromnetz geh&#228;ngt werden.</p>
<p>Zu Zeiten geringen Verbrauchs, etwa nachts, werden dabei die Akkus geladen; wenn Spitzenverbr&#228;uche es erfordern – z.B. wenn sie tags&#252;ber auf dem Firmenparkplatz an der Ladesteckdose h&#228;ngen – werden sie &#252;ber das Stromnetz entladen. Darin sehen die Wissenschaftler jedoch keine ausreichende Antwort auf die Notwendigkeit, den Energieeinsatz grunds&#228;tzlich umzustellen, zumal diese Lastverteilung auch beim bestehenden Strommix schon n&#246;tig ist. Leider gehen sie auf das Problem nicht n&#228;her ein – zum Beispiel durch eine Erl&#228;uterung, wie viel Strom bei Lastspitzen tats&#228;chlich gebraucht wird (heute springen dann Gasturbinengeneratoren an) und wie viele Autos dann zum Entladen «am Netz» h&#228;ngen m&#252;ssten, deren Besitzer es vor&#252;bergehend nicht brauchen.</p>
<p><strong>Lithium – woher nehmen und nicht stehlen?</strong></p>
<p>Als leistungsf&#228;higere Akkus werden seit Jahren Lithium-Ionen-Akkus eingesetzt. Aus Mobiltelefonen, Digitalkameras und Laptops sind sie nicht mehr wegzudenken. Auch f&#252;r Autos werden sie entwickelt wegen der h&#246;heren Leistungsdichte.</p>
<p>Aber: Wo wird Lithium gewonnen? Da macht es doch sehr stutzig, dass vor einiger Zeit US-Milit&#228;runtersuchungen bekannt gaben, in Afghanistan seien gro&#223;e Vorkommen an Lithium erkannt worden – abgesehen von anderen interessanten Bodensch&#228;tzen. Auch aus dem Hochland von Bolivien werden wichtige Vorkommen gemeldet, um die sich ausl&#228;ndische Firmen bem&#252;hen. Die gro&#223;e Nachfrage nach Lithium wird noch steigen, wenn wie geplant gesteigerte Mengen gro&#223;er Auto-Akkus aus diesem Element hergestellt werden sollen. Der Hinweis auf Vorkommen in Afghanistan sollte sehr nachdenklich machen &#252;ber die Hintergr&#252;nde des dortigen Krieges.</p>
<p><strong>Elektromobilit&#228;t anders gedacht</strong></p>
<p>Wenn Elektromotoren f&#252;r den Verkehr eingesetzt werden, sollte der Einsatz zuerst dort erfolgen, wo der elektrische Betrieb schon seit langer Zeit erfolgreich ist: in Bussen des &#246;ffentlichen Nahverkehrs. Hier spielt das zus&#228;tzliche Gewicht keine so gro&#223;e Rolle, und an jeder Wendestelle kann eine Ladestation eingerichtet werden. Weiter k&#246;nnen alle Kurzstreckenfahrzeuge (Mofas, Roller, Taxis…) auf Elektro umgestellt werden.</p>
<p>Doch es bleibt die Frage: Geht es nur darum, jetzt noch preisg&#252;nstiges Benzin oder Diesel k&#252;nftig durch teuren Strom zu ersetzen? Oder m&#252;ssen nicht vielmehr drastische Ma&#223;nahmen zur Verringerung des CO2-Aussto&#223;es, der L&#228;rmemission, des Ressourcenverbrauchs unternommen werden? Letztlich geht es doch darum, von der Verbrennung fossiler Brennstoffe wegzukommen – ohne Einsatz von Atomenergie? Und dies geht am einfachsten und preiswertesten durch die Abkehr vom Schwerpunkt auf den Individualverkehr.</p>
<p><strong>*Axel Friedrich/Rudolf Petersen,</strong><em> «Der Beitrag des Elektroautos zum Klimaschutz – Wunsch und Realit&#228;t»</em>. Eine Studie im Auftrag der Fraktion DIE LINKE im Europaparlament.</p>
<p><em>Weitere Texte zu diesem SoZ-Thema:</em><br />
Wolfgang Pomrehn, Am Tropf von &#214;l und Auto<br />
Tomas Konicz, Wie BP Washington an der Nase herumf&#252;hrt<br />
Brian Marks, Louisiana: Ein Delta wird ruiniert</p>
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		<title>Krise der US-Autoindustrie</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2009/12/krise-der-us-autoindustrie/</link>
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		<pubDate>Sat, 26 Dec 2009 16:53:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auto]]></category>

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		<description><![CDATA[Innerhalb von 30 Jahren wurden bei GM, einst der gr&#246;&#223;te Autobauer der Welt, 90% der Arbeitspl&#228;tze abgebaut. Alle Zugest&#228;ndnisse der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Innerhalb von 30 Jahren wurden bei GM, einst der gr&#246;&#223;te Autobauer der Welt, 90% der Arbeitspl&#228;tze abgebaut. Alle Zugest&#228;ndnisse der Belegschaften und der Gewerkschaft konnten nicht verhindern, dass die H&#228;lfte der US-Autoproduktion inzwischen von ausl&#228;ndischen Konzernen hergestellt wird.</strong></p>
<p><em>Die SoZ sprach mit <strong>Dianne Feeley</strong> &#252;ber die Lage der US-amerikanischen Automobilarbeiter.</em><br />
<span id="more-153"></span><br />
<em> </em></p>
<p><em>Wie sind derzeit die Zust&#228;nde in der amerikanische Autoindustrie?<br />
</em><br />
30 Jahre lang, seit die Krise in der Autoindustrie begann, hat die Automobilarbeitergewerkschaft UAW keine andere Strategie verfolgt, dieser Krise zu begegnen, als mit Zugest&#228;ndnissen. Die haben keinen einzigen Arbeitsplatz gerettet: Vor 30 Jahren waren bei GM noch 485.000 Arbeiter besch&#228;ftigt, 2008 noch 62.000 und bis 2011/12 sollen es noch 42.000 sein &#8212; das hei&#223;t: 90% der Jobs wurden gekillt, trotz Zugest&#228;ndnisse!<br />
Gr&#252;nde f&#252;r die Arbeitsplatzvernichtung gibt es viele: die technologische Erneuerung, das Outsourcing der Abteilungen, die enorme Steigerung der Arbeitshetze, die Verlagerung der Produktion in Billiglohnl&#228;nder, um die Konkurrenz zwischen den Besch&#228;ftigten zu sch&#252;ren, z.B. um die Frage: Wer darf das neue Modell bauen? In den 90er Jahren wurden die Zulieferer verkauft, dennoch sind sie, wie American Axle, wo ich gearbeitet habe, v&#246;llig von GM abh&#228;ngig geblieben.</p>
<p>Vor 30 Jahren, nach der ersten gro&#223;en Weltwirtschaftskrise, &#252;bernahmen US-Autobauer japanische Unternehmensmethoden: Lohngruppen wurden zusammengelegt, die Arbeit entwertet. In den USA sollten nur die rentabelsten Kraftfahrzeuge hergestellt werden: die Trucks, die SUVs, die Luxusklassen; mit jedem einzelnen Fahrzeug dieser Art wurden mindestens 10.000 Dollar Gewinn gemacht.</p>
<p>Gleichzeitig haben ausl&#228;ndische Konzerne begonnen, Fabriken in den USA zu bauen: Das war der dynamische Teil der Autoindustrie in den USA, und er wurde immer gr&#246;&#223;er. Die Belegschaften, die dort arbeiten, sind gewerkschaftlich nicht organisiert; sie wurden gut daf&#252;r bezahlt, dass die Gewerkschaft au&#223;en vor blieb. Sie bekommen in etwa den gleichen Lohn wie bei GM, aber keine Krankenversorgung im Rentenalter. Bei Toyota z.B. gibt es keine Betriebsrente und keine betrieblich gesicherte Krankenversicherung im Alter. Daf&#252;r investieren die Besch&#228;ftigten in Aktien oder Rentenpapiere, und der Unternehmer tut etwas dazu, eine Art Sparbuch. Die H&#228;lfte der US-Autoproduktion wird inzwischen von ausl&#228;ndischen Konzernen hergestellt.</p>
<p><strong>Wie werden Arbeiter in den USA bezahlt?<br />
</strong><br />
Bei GM erhalten die Arbeiter einen Grundlohn, der wird an die Preissteigerungsrate angepasst, das erfolgt automatisch alle drei Monate. Bei gewerkschaftsfreien oder ausl&#228;ndischen Unternehmen gibt es keine solche Anpassung. Wenn der Verkauf gut gelaufen ist, bekommen die Arbeiter au&#223;erdem zum Jahresende eine Pr&#228;mie. Nach 30 Jahren Betriebszugeh&#246;rigkeit k&#246;nnen sie in Rente gehen.</p>
<p>Zus&#228;tzlich zu diesem Nettolohn erhalten sie eine betriebliche Krankenversicherung, die auch f&#252;r die Familie gilt — eine gesetzliche Krankenversorgung gibt es nur f&#252;r Menschen &#252;ber 65 (sie deckt allerdings nicht Augen und Z&#228;hne). Dazu erhalten sie eine Betriebsrente (pension) zus&#228;tzlich zur gesetzlichen Rente (social security), letztere sichert aber nur 47% des letzten Lohns. Auch die gesetzliche Rente steigt j&#228;hrlich um die Dianne Feeley hat bei American Axle gearbeitet, ein ausgelagerter Zulieferer von General Motors.Inflationsrate.<br />
Ich bekomme nach 10 Jahren, die ich f&#252;r American Axle gearbeitet habe, 1527 Dollar aus der gesetzlichen Rentenversicherung, plus 580 Dollar aus der betrieblichen Rentenversicherung. Da ich &#252;ber 65 bin, komme ich auch noch in den Genuss einer staatlichen Krankenf&#252;rsorge.</p>
<p>Der Mindestlohn hingegen wir nicht an die Inflation angepasst. Er betr&#228;gt derzeit 8,25 Dollar, gilt aber nicht f&#252;r Bedienung, Farmer, Heimarbeiter, Illegale usw. Die Hauptforderung an die neue Regierung Obama ist die Aufstockung der gesetzlichen Sozialversicherung (Gesundheit und Rente), damit die Besch&#228;ftigten nicht mehr von betrieblichen Leistungen abh&#228;ngen.</p>
<p><strong>Was bedeutet bei euch Rettung der Autoindustrie?</strong></p>
<p>Chrysler will 7 Werke in den USA schlie&#223;en und stellt daf&#252;r eine gro&#223;z&#252;gige Abfindung in Aussicht: 100.000 Dollar zzgl. Geld, um ein neues Auto zu kaufen. Chrysler hat wie GM Insolvenz nach Kap.11 beantragt und Rettungsgelder der US-Regierung erhalten.</p>
<p>GM will 12 Werke schlie&#223;en. Die Forschung und Entwicklung soll in Detroit bleiben; dort sollen auch Prototypen f&#252;r Kleinwagen hergestellt werden. Die Hauptproduktion will GM aber nach Mexiko verlagern. So stirbt noch ein St&#252;ck mehr von Detroit, die einstmals eine der reichsten St&#228;dte der USA war. F&#252;r diese „Umstrukturierung” hat GM 17,5 Mrd. Dollar an „Rettungshilfe” erhalten.</p>
<p>Bei GM wie bei Chrysler war Bedingung f&#252;r das Rettungspaket der Regierung, dass die L&#246;hne der Belegschaften auf das Niveau nichtgewerkschaftlich organisierter Unternehmen fallen. Das bedeutet im Einzelfall: F&#252;r alte Arbeiter bleibt alles beim Alten; neue Arbeiter beginnen mit einem Einstiegslohn von 14 Dollar (fr&#252;her: 26 Dollar) pro Stunde, ihre Betriebsrente wird abgespeckt, und sie haben weniger Urlaub.<br />
Ford hat um Rettung nicht gebeten, will aber, dass seine Belegschaften dieselben Konzessionen machen.</p>
<p><strong>Wie wehren sich die Arbeiter?</strong></p>
<p>Das ist sehr unterschiedlich: Bei Chrysler k&#228;mpfen sie gegen Werksschlie&#223;ungen; da gibt es Demos und Unterst&#252;tzung durch die lokale Politik. An Betriebsbesetzungen denken die meisten nicht. In den USA hat es nur eine erfolgreiche Betriebsbesetzung gegeben, das war 2009 bei Republican Doors + Windows, Chicago. Die Belegschaft bestand aus Afrikanern und Mexikanern, und sie hatten eine kleine, unabh&#228;ngige und k&#228;mpferische Gewerkschaft, die sie unterst&#252;tzte.</p>
<p>Es gibt Bewegungen f&#252;r lokale oder regionale Mindestl&#246;hne, gefordert werden 10-12 Dollar (ohne Krankenversicherung). Einige St&#228;dte haben das bereits angenommen.</p>
<p>Die soziale Opposition &#228;u&#223;ert Vorstellungen, wie der Rustbelt, der G&#252;rtel um Detroit, Cleveland, Flint usw. wieder aufgebaut werden k&#246;nnte: mit industrieller Produktion im Bereich des alternativen Massentransports und alternativer Energie. Doch die Firmen wollen das nicht, und die Regierung will es auch nicht.</p>
<p><em>Dianne Feeley hat bei American Axle gearbeitet, ein ausgelagerter Zulieferer von General Motors.</em></p>
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		<title>Opel: GM plant Kehraus</title>
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		<pubDate>Sat, 26 Dec 2009 15:48:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Auto]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie werden aus L&#228;mmern B&#246;cke? von Jochen Gester Mit einem Paukenschlag ist das Thema Opel wieder auf Platz 1 der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie werden aus L&#228;mmern B&#246;cke?</strong><br />
<em>von Jochen Gester</em></p>
<p>Mit einem Paukenschlag ist das Thema Opel wieder auf Platz 1 der politischen Agenda gelandet: GM will Opel nun doch nicht verkaufen, sondern selber sanieren. Politiker aus CDU, SPD und FDP reagierten entt&#228;uscht und ver&#228;rgert, ebenso die einbezogene Gewerkschaft. Die IG Metall rief die betroffenen Belegschaften zu kurzen Warnstreiks und Demonstrationen auf. Daran beteiligten sich in Deutschland <span id="more-127"></span><br />
insgesamt etwa 25.000 Arbeiter und auf einer gemeinsamen Demonstration in Antwerpen 5000 Besch&#228;ftigte aus europ&#228;ischen Opel-Standorten. Was beinhaltet der GM-Plan und was verspricht sich die Konzernf&#252;hrung in Detroit davon?</p>
<p>Konzernweit sollen 47.000 Besch&#228;ftigte von der Lohnliste verschwinden, davon 26.000 in Europa. Nach einem der <em>FAZ</em> vorliegenden Sanierungsplan in der Version von Juni 2009 ist die Schlie&#223;ung von drei Fabriken geplant: Antwerpen, Bochum und Eisenach. Antwerpen soll 2010 dicht gemacht werden, Bochum 2011 auslaufen. Danach ist f&#252;r Im Zuge dieser Politik hat die IG Metall sich zum F&#252;rsprecher des Magna-Plans machen lassen, der eine Schlie&#223;ung des Antwerpener Werks vorsieht, weil alle deutschen Standorte von diesem Schicksal vorerst verschont bleiben sollten. Und die britische UNITE feierte das Scheitern des Magna- Plans als „fantastisch”, Eisenach auch Schluss. Das Werk soll aber nach einer zweij&#228;hrigen Pause 2013 f&#252;r ein neues Corsa-Modell wieder ge&#246;ffnet werden. An der Schlie&#223;ung von drei Werken will die Gesch&#228;ftsleitung von GM auf jeden Fall festhalten, selbst wenn es noch zu einer anderen Entscheidung &#252;ber Bochum kommen sollte.</p>
<p>Nach Presseangaben rechnet die GM-F&#252;hrung dabei fest damit, dass der mit 3 Mrd. Euro bezifferte „Restrukturierungsaufwand” f&#252;r die deutschen Werke von der Bundesregierung nun statt an Magna an GM ausgezahlt wird. Sollte Deutschland die Unterst&#252;tzung verweigern, habe GM einen „Plan B&#8221;: die Insolvenz. Die <em>FAZ</em> schreibt: „F&#252;r GM w&#228;re dies die Chance, die begehrtesten Teile von Opel aus der Konkursmasse heraus zu erwerben &#8212; vor allem das Forschungs- und Entwicklungszentrum in R&#252;sselsheim mit gut 5000 Ingenieuren, die Spezialisten f&#252;r kleine und mittelgro&#223;e Autos sind.&#8221;</p>
<p>Eigentlich wollte GM sich nie von Opel trennen, wurde jedoch von der Obama-Regierung gezwungen, als Gegenleistung f&#252;r den 50-Mrd.-Dollar-Kredit der Regierung ein rigoroses Kostensenkungsprogramm aufzulegen. Mit dem Opel- Verkauf sollten die anstehenden Sanierungskosten externalisiert werden. Doch durch die erfolgreiche US-Blitzinsolvenz befreite sich GM aus dieser Zwickm&#252;hle.</p>
<p>Eine in Auftrag gegebene Marktanalyse hat nochmals best&#228;tigt, dass der Verkauf von Opel der Konkurrenz mehr Vorteile bringt als dem Detroiter Unternehmen. Ohne Opel verl&#246;re GM seine Pr&#228;senz in Europa und technologische Kompetenzen. Zudem w&#252;rde ein Verkauf von Opel neue Konkurrenz f&#252;r General Motors etwa in Russland schaffen. „Opel hat, so urteilen Fachleute n&#252;chtern, bei General Motors bessere Chancen als mit Magna”, schreibt <em>Die Welt</em>. Mit anderen Worten: der Konzern tut das, was sich f&#252;r ihn betriebswirtschaftlich rechnet. Um die Folgen m&#246;gen sich andere k&#252;mmern. Diese Logik geh&#246;rt im Kapitalismus zum Kernbestand der Freiheit, deren Siege gerade gefeiert werden.</p>
<p>Umso erstaunlicher ist es, wenn nun das Spitzenpersonal der Regierungsparteien und der gr&#246;&#223;ten Oppositionspartei die beleidigte Leberwurst gibt. Die ge&#228;u&#223;erte Unzufriedenheit &#252;ber das Scheitern des Magna- Plans hat zum Teil einen realen Kern, zum anderen ist sie schlichte Schauspielerei. Im ersten Fall &#228;u&#223;ert sich Entt&#228;uschung dar&#252;ber, dass GM die &#220;berlegungen durchkreuzt hat, einen bisher vom US-Kapital beherrschten Konzernteil unter die Fittiche des europ&#228;ischen Kapitals zu bringen &#8212; eine Strategie, an der erkennbar vor allem Hessens Ministerpr&#228;sident Roland Koch und der Gesamt-BR-Vorsitzende Klaus Franz gestrickt hatten.</p>
<p>Dar&#252;ber hinaus jedoch wird versucht, durch inhaltslose politische Klagen einen Legitimationsverlust der Marktwirtschaft zu verhindern. So beklagt FDP-Wirtschaftsminister Br&#252;derle „einen solchen Umgang” mit Arbeitnehmern „acht Wochen vor Weihnachten” NRW-Landeschef R&#252;ttgers spricht vom „h&#228;sslichen Gesicht des Turbokapitalismus”, und der CDU-Fraktionsvorsitzende Kauder zieht die rechtspopulistische Karte: „Die Amerikaner d&#252;rften nicht glauben, dass sie Deutschland in irgendeiner Form erpressen k&#246;nnen.&#8221;<br />
Diese Auftritte kommentierte die FAZ wie folgt: „Hoffentlich ist die Wut deutscher Politiker &#252;ber die Entscheidung von General Motors so gut gespielt wie zuvor die &#220;berzeugung, nur mit Magna habe Opel eine Zukunft. Doch wer wei&#223;? Vielleicht ist die Emp&#246;rung sogar echt. Dann m&#252;sste man an der Professionalit&#228;t deutscher Politiker zweifeln.&#8221;</p>
<p><strong>Die Rolle der EU</strong></p>
<p>In der Tat versuchen die politischen Eliten sich aus der Verantwortung f&#252;r die Folgen einer Politik zu ziehen, die sie selbst entworfen haben. Deren Grunds&#228;tze verk&#246;rpert in der reinsten Form die Wettbewerbskommissarin Nellie Kroes, die nach den Grunds&#228;tzen des nun von allen verabschiedeten Lissabon-Vertrags die Beziehung zwischen Politik und Wirtschaft definiert. Nach ihrer Auffassung sind staatliche Eingriffe in die Wirtschaft aus „politischen Erw&#228;gungen” nicht zul&#228;ssig, Subventionen d&#252;rfen nicht mit der Forderung nach Arbeitsplatzerhalt verbunden werden. Die EU-Kommission hat eine wichtige Rolle dabei gespielt, den Magna-Deal zu Fall zu bringen und GM zu ermutigen, die Sanierung von Opel selbst in die Hand zu nehmen.</p>
<p>Die <em>FTD</em> kommentiert dies euphorisch: „Danke GM. Welch ein &#252;berf&#228;lliger Befreiungsschlag. Endlich was Handfestes. Endlich die Quittung f&#252;r populistische Politik.” Und mit Blick auf die Rolle der EU hei&#223;t es: „Als verl&#228;sslichste Instanz zur Wahrung des Wettbewerbs” hat sich wieder die EU erwiesen. „Sollte sich ihr Konstruktionsfehler, dass die obersten Entscheider durch keine Wahl legitimiert sind, gar als Bonus herausstellen &#8212; keine Entscheidungsverzerrung durch Stimmenfang?&#8221;</p>
<p>In der Wirtschaftspresse herrscht uneingeschr&#228;nkte Freude &#252;ber das Platzen der Magna-&#220;bernahme. Unternehmerpr&#228;sident Hundt sagt, warum: „Die Entscheidung &#252;ber die Zukunft von Opel ist ausschlie&#223;lich Angelegenheit des Eigent&#252;mers General Motors.” Und die <em>FAZ </em>doziert &#252;ber das ABC der Marktwirtschaft: „Die vom Helfersyndrom befallenen Politiker haben mit Opel eine rote Linie &#252;berschritten. Sie haben im Automobilbau den Wettbewerb au&#223;er Kraft gesetzt und Deutschland erpressbar gemacht.” An die Adresse der Opfer des wieder in Kraft gesetzten Marktes hei&#223;t es: „Deutschland hat ein ausgebautes Sozialsystem, um die Folgen der Insolvenz f&#252;r die Betroffenen in Grenzen zu halten.&#8221;</p>
<p>Nach Lage der Dinge plant GM keine Insolvenz von Opel, sondern einen radikalen Personalabbau mit Werksschlie&#223;ungen, den die europ&#228;ischen Steuerzahler abfedern sollen. Die Chancen daf&#252;r, diese Gelder zu erhalten, sind gut. Die <em>FAZ</em> wei&#223; warum: „Wenn in Berlin bald eine Kopie des Antrags auf Staatshilfe vorliegt, in dem lediglich der Name Magna durch General Motors ersetzt worden ist, wird Deutschland schon allein deshalb zahlen, weil sich die Bundesregierung nicht selbst der L&#252;ge &#252;berf&#252;hren kann. Denn sie hat entgegen fr&#252;herer Aussagen auf Wunsch der EU-Kommission schriftlich best&#228;tigt, dass die 4,5 Mrd. Euro Hilfe f&#252;r Opel jedem Retter zur Verf&#252;gung st&#252;nden. Auch diesen Fehler wird General Motors gnadenlos ausnutzen und deutsches Steuergeld abziehen.&#8221;</p>
<p>Doch gest&#252;tzt auf die Bedenken der EU auch gegen&#252;ber dem Magna-Deal soll das nochmal abgewendet werden. Der von der <em>S&#252;ddeutschen Zeitung</em> interviewte Vorsitzende der Monopolkommission Haucap fordert eine Kehrtwende der Bundesregierung. Nur so k&#246;nnten die &#220;berkapazit&#228;ten abgebaut werden: „Dies gelingt nat&#252;rlich nur z&#246;gerlich, solange Opel weiter beatmet wird.&#8221; Ein Kommentar der <em>SZ</em> res&#252;miert: „Die Zeichen stehen auf Sturm &#8230; Es wird bitter f&#252;r die Opel-Mitarbeiter in Deutschland und Europa. Die deutschen Betriebsr&#228;te wehren sich massiv. Die Frage ist: Wie lange noch?&#8221;</p>
<p><strong>Wie die L&#228;mmer zur Schlachtbank?</strong></p>
<p>Diese Frage ist leider nicht unberechtigt. Denn das Gezerre um den Magna-Plan hat offengelegt, dass auf Basis der jetzigen Mehrheitsstr&#246;mung in den Gewerkschaften eine gemeinsame Position der betroffenen Belegschaften gegen die Angriffe der Sanierer nicht m&#246;glich ist. Statt alle Kr&#228;fte zu mobilisieren, wenigstens den vereinbarten Minimalkonsens: keine betriebsbedingten K&#252;ndigungen und keine Werkschlie&#223;ungen, zu verteidigen und daf&#252;r europaweite Proteste zu organisieren, konzentrierten sich die Betriebsrats- und Gewerkschaftsspitzen auf nationaler Ebene darauf, mit Hilfe der Regierungen f&#252;r das eigene Kernklientel optimale L&#246;sungen herauszuholen.</p>
<p>Im Zuge dieser Politik hat die IG Metall sich zum F&#252;rsprecher des Magna-Plans machen lassen, der eine Schlie&#223;ung des Antwerpener Werks vorsieht, weil alle deutschen Standorte von diesem Schicksal vorerst verschont bleiben sollten. Und die britische UNITE feierte das Scheitern des Magna- Plans als „fantastisch”, obwohl laut GM-Plan in Europa mehr Besch&#228;ftigte &#252;ber die Klinge springen sollen als dies bei Magna vorgesehen war.</p>
<p>Wenn Gewerkschaften in den jeweiligen europ&#228;ischen L&#228;ndern versuchen, in ihrer jeweiligen Gesellschaft einen m&#246;glichst gro&#223;en R&#252;ckhalt zu erhalten, und daf&#252;r auch Parteien und Regierungen in die Pflicht nehmen, ist das zweifellos sinnvoll. Doch ohne einheitliche Position und Handlungsf&#228;higkeit der bedrohten Belegschaften bleiben sie Spielball b&#252;rgerlicher Politiker, deren Unterst&#252;tzung nur so lang sicher ist, wie die Spielregeln der neoliberalen Marktwirtschaft nicht in Frage gestellt werden.</p>
<p>Laut Pressemeldungen hat Berthold Huber erkl&#228;rt, er schlie&#223;e im Kampf gegen betriebsbedingte K&#252;ndigungen auch unbefristete Streiks nicht aus, man werde sich nicht wie die L&#228;mmer zur Schlachtbank f&#252;hren lassen. Und der IGM-Bezirksleiter Schild sprach von europaweiter Gegenwehr, bei der „alle gesetzlich zul&#228;ssigen Regularien” genutzt werden sollen. Ob nun befristet oder nicht und mit wie viel Regularien: Ohne einen solchen Schritt wird es nichts geben. Einen generellen Verzicht auf Entlassungen sowieso nicht. Auch nicht den Verzicht auf betriebsbedingte K&#252;ndigungen und Werksstilllegungen.</p>
<p>Die Voraussetzungen, daf&#252;r zu k&#228;mpfen, sind jetzt europaweit insofern wieder besser, weil niemand mehr aus der Schusslinie genommen wird. In Saragossa haben die spanischen Opel-Kollegen mit der Unterst&#252;tzung der Gewerkschaften bereits einen Anfang gemacht. Durch einen viert&#228;gigen Streik gegen den Magna-Plan erhielten sie die Zusage, dass die Zahl der geplanten Entlassungen deutlich verringert wird. &#8220;Ob nun GM mit oder ohne Magna. Wir sind nicht so schwach, wie man uns einreden will! Wer will uns daran hindern, wenn wir einige Tage unsere Zukunft diskutieren, dann steht Antwerpen, Eisennach, Gleiwitz, Saragossa und neuerdings auch Kaliningrad”, schreiben die Kollegen der GoG in Bochum in einem Flugblatt an die Belegschaft.</p>
<p>Nach Lage der Dinge werden sie es auch sein m&#252;ssen, die diese Diskussion anzetteln. An den anderen deutschen Opel-Standorten haben die Vertrauensleute das daf&#252;r erforderliche Selbstbewusstsein nicht, und die Vernetzung mit der gewerkschaftlichen Basis in den anderen europ&#228;ischen Werken ist eh nicht belastbar. Der einzig positiv zu Buche schlagende Unterschied zu 2004 ist, dass der IG-Metall-Vorstand diesmal &#246;ffentlich &#252;ber Streikaktionen nachdenkt, was die Bereitschaft zur Teilnahme daran f&#246;rdern kann.<br />
Wie diese Kraftprobe auch ausgeht: Ihr Ergebnis wird einen gro&#223;en Einfluss darauf haben, wie der Kampf gegen die Abw&#228;lzung der Krisenlasten weitergeht.</p>
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