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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung &#187; Gesundheit</title>
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		<title>Bahrs «Pflegereform»</title>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 13:04:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>

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		<description><![CDATA[Krasser Zynismus von Daniel Kreutz Einen Rekord hat sich Ex-Banker Daniel Bahr verdient: Nie zuvor d&#252;rfte ein amtierender Minister ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Krasser Zynismus</strong></p>
<p>von <em>Daniel Kreutz</em></p>
<p>Einen Rekord hat sich Ex-Banker Daniel Bahr verdient: Nie zuvor d&#252;rfte ein amtierender Minister ein Jahr f&#252;r irgendwas, wof&#252;r er zust&#228;ndig ist, ausgerufen haben, um es dann ohne die kleinste, wenigstens symbolische Ma&#223;nahme verstreichen zu lassen.</p>
<p><span id="more-3576"></span>&#220;belnehmen sollte man ihm das nicht. Sicher, die N&#246;te der Pflegebed&#252;rftigen, ihrer Angeh&#246;rigen und der Pflege-Besch&#228;ftigten schreien seit vielen Jahren immer lauter zum Himmel. Doch Bahrs Handeln k&#246;nnte schlimmer sein als Nichtstun.</p>
<p>Dies zumindest ist dem – ansonsten v&#246;llig vagen – Koalitionsbeschluss zum Pflegeref&#246;rmchen zu entnehmen, der in der Hauptsache einen «Pflege-Riester» ank&#252;ndigt. Neben die Pflegeversicherung soll eine freiwillige, kapitalgedeckte, private Zusatzversicherung treten, die «f&#252;r Geringverdiener» staatlich gef&#246;rdert wird. Erneut will die Politik der Versicherungswirtschaft ein neues Gesch&#228;ftsfeld erschlie&#223;en und subventionieren, indem sie den Leuten mit Steuermilliarden die Pr&#228;mien aus den Taschen lockt. Kein Cent davon kommt bei denen an, die schon pflegebed&#252;rftig sind oder es wom&#246;glich bald werden. Denn die k&#246;nnen keinen Kapitalstock mehr «ansparen». Erneut will man die Arbeitgeber vor Beitragserh&#246;hungen sch&#252;tzen, indem k&#252;nftige Kostensteigerungen einseitig bei den Versicherten ohne und mit Zusatzversicherung (und beim Sozialamt) abgeladen werden.</p>
<p>Sowas mit FDP-General Lindner «Pflege-Bahr» zu nennen, ist Urheberrechtsverletzung. Denn nach dem Vorbild mancher «Doktoren» &#252;bertr&#228;gt Bahr nur SPD-Riesters Blaupause mit Copy &amp; Paste auf die Pflege. Der schwarz-gelbe Koalitionsvertrag behauptet, eine erg&#228;nzende Kapitaldeckung sei n&#246;tig, weil die umlagefinanzierte Pflegeversicherung ihre Aufgabe als Teilabsicherung auf Dauer nicht erf&#252;llen k&#246;nne. Ein Teil der Teilkasko soll von der Umlageversicherung auf den Kapitalmarkt &#252;bertragen, und das pseudosolidarische System, einst Prototyp neoliberalen Umbaus der Sozialversicherung, weiter abgebaut werden. Der Abbau selbst funktioniert schon deshalb automatisch, weil die gedeckelten Leistungen nach wie vor hinter der Kostensteigerung zur&#252;ckbleiben. Ulla Schmidts «Dynamisierung» der Leistungen (2008) war Etikettenschwindel. Vermutlich war es der Bundesfinanzminister, der einen FDP-Erfolg aus dem Koalitionsvertrag wieder kassierte: Die Verpflichtung zum Pflege-Riester, die den Subventionsbedarf f&#252;r Allianz &amp; Co. vervielfachen w&#252;rde, kommt nicht.</p>
<p>Selbst wenn die Beitragserh&#246;hung von 0,1% zum 1.1.2013 wie behauptet den Demenzkranken und ihren Angeh&#246;rigen zu Gute k&#228;me: mehr als symbolische bunte Pfl&#228;sterchen auf den offenen Bauchschuss von 1995, als man Demenz aus dem Pflegebegriff herausdefinierte, w&#228;ren damit nicht drin.</p>
<p>Sachverst&#228;ndige gehen indes davon aus, dass dieses Beitragsplus nur den unertr&#228;glichen Status Quo aufrecht halten kann. Die seit langem versprochene Reform des Pflegebed&#252;rftigkeitsbegriffs, f&#252;r die seit Mai 2009 ein abgestimmter «amtlicher» Vorschlag vorliegt, wird per «Verfahren» in die n&#228;chste Wahlperiode weitergereicht. Die Zeit sollte zur Kritik genutzt werden, sieht doch das vorliegende Konzept unter der Vorgabe «weitgehender Kostenneutralit&#228;t» teils sogar Verschlechterungen bei den bisherigen Leistungen vor.</p>
<p>Krasser Zynismus gegen&#252;ber den Pflegebetroffenen, die sich selbst kaum wehren k&#246;nnen, ist l&#228;ngst Normalzustand herrschender Politik. &#220;berf&#228;llig ist eine Generalreform, die aus der Pflegeversicherung ein echtes Solidarsystem macht:</p>
<p>– Deckung des individuellen Pflege- und Betreuungsbedarfs nach dem Sachleistungsprinzip – wie (fr&#252;her) in der Krankenversicherung! Und zwar zu Hause statt im Heim!</p>
<p>– Somit durchgreifende Entlastung der Angeh&#246;rigen durch professionelle Kr&#228;fte!</p>
<p>– Abschaffung des kommerziellen Pflegemarkts zugunsten &#246;ffentlicher Daseinsvorsorge!</p>
<p>– Nicht blo&#223; formaler (Feiertagsklau), sondern effektiv parit&#228;tischer Arbeitgeberbeitrag!</p>
<p>– Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze – besser noch: Aufhebung derselben im Rahmen einer Pflege-B&#252;rgerversicherung!</p>
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		<title>Der gl&#228;serne Patient</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/11/der-glaserne-patient/</link>
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		<pubDate>Wed, 30 Nov 2011 12:25:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>harald</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Elektronische Gesundheitskarte von Klaus Engert «An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Elektronische Gesundheitskarte</strong></p>
<p>von <em>Klaus Engert</em></p>
<p>«An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern» (Erich K&#228;stner).<br />
<span id="more-3554"></span>Anfang November wurde offenbar: Die Akten Tausender psychisch kranker Patienten – laut dem schleswig-holsteinischen Datensch&#252;tzer Thilo Weichert insgesamt 3593 Dokumente – mit Beh&#246;rden- und Klinikbriefen, medizinischen und psychologischen Befunden, Klarnamen, Geburtsdatum und Diagnosen, amts&#228;rztliche Gutachten &#252;ber Schizophrenien, Verhaltensstudien von Patienten mit S&#252;chten, Psychosen oder Angstst&#246;rungen und Bescheide &#252;ber die Unterbringung in therapeutischen Wohngemeinschaften, waren im Internet ohne jede Zugangsbeschr&#228;nkung einsehbar.</p>
<p>Was das mit der Einf&#252;hrung der sog. Gesundheitskarte zu tun hat? Eine ganze Menge. Doch fangen wir ganz vorne an:</p>
<p><strong>Was lange w&#228;hrt…</strong></p>
<p>Los ging es im Jahr 1997. Die Beratungsfirma Roland Berger (die sich schon bei der Mithilfe an der Entwicklung der ber&#252;chtigten Agenda 2010 verdient gemacht hatte) bekam vom Bundesgesundheitsministerium den Auftrag f&#252;r eine Studie namens «Telematik im Gesundheitswesen – Perspektiven der Telemedizin in Deutschland». Das Ergebnis der Studie war – wen wundert es: Es sei sinnvoll, das gesamte Gesundheitswesen nach betriebswirtschaftlichen Kriterien zuzurichten. Ein zentraler Baustein dabei war das Projekt «Gesundheitskarte».</p>
<p>Doch zun&#228;chst musste eine Rechtsgrundlage her, und so konnte erst im Jahr 2003 die seinerzeitige Ministerin Ulla Schmidt eine europaweite Ausschreibung durchf&#252;hren. Der Gewinner war ein Projektkonsortium mit dem sch&#246;nen Namen «bIT4health» («better IT for better health»), bestehend aus den Unternehmen IBM Deutschland GmbH, dem Fraunhofer-Institut f&#252;r Arbeitswissenschaft und Organisation (IAO), der SAP Deutschland AG &amp; Co KG, der InterComponentWare AG und der ORGA Kartensysteme GmbH. Es sollte die Voraussetzungen f&#252;r die bundesweite Einf&#252;hrung einer elektronischen Gesundheitskarte schaffen.</p>
<p>Im Januar 2005 wurde die gematik gegr&#252;ndet («Gesellschaft f&#252;r Telematikanwendungen im Gesundheitswesen»), die die Ausschreibung f&#252;r die eigentliche Projektvergabe durchf&#252;hrte. Deren Gesellschafter sind die kassen&#228;rztlichen und -zahn&#228;rztlichen Bundesvereinigungen, der GKV-Spitzenverband, die &#196;rzte- und Zahn&#228;rztekammern, der Apothekerverband, der Spitzenverband der Privatversicherer und die Deutsche Krankenhausgesellschaft.</p>
<p>Der Grundgedanke ist, &#252;ber die Karte bei Bedarf sofort Zugriff auf alle medizinischen Daten eines Patienten zu haben. Diese sollen gespeichert werden – allerdings nicht auf der Karte, die enth&#228;lt nur gewisse Basisdaten, so wie die heutige Karte. Die Datenmenge ist schlicht f&#252;r eine Chipkarte zu gross. Die eigentlichen medizinischen Daten werden zentral gespeichert, wer &#252;ber die Karte, die PIN-Nummer und ein entsprechendes Kartenleseger&#228;t verf&#252;gt, kann online darauf zugegreifen – die Arztpraxen werden derzeit damit ausgestattet. Will der Patient selbst auf seine Daten zugreifen, muss er entweder in die Arztpraxis betteln gehen, oder sich ein Ger&#228;t kaufen. Besonders pikant dabei: Die Speicherung und Sicherung der Daten soll die Telekom &#252;bernehmen, die nicht gerade f&#252;r sorgf&#228;ltigen und rechtlich einwandfreien Umgang mit Kundendaten bekannt ist.</p>
<p><strong>Noch ein Milliardengrab</strong></p>
<p>Urspr&#252;nglich sollte nach der Ausschreibung z&#252;gig mit Tests in einigen Regionen begonnen werden – zun&#228;chst mit einer abgespeckten Basisversion der Karte, noch ohne Speicherung medizinischer Daten. Aber selbst das funktionierte nicht. Nach mehreren Verschiebungen wurde schlie&#223;lich im Dezember 2006 begonnen; die erste Stadt, in der getestet wurde, war Flensburg.</p>
<p>Aber bereits im April 2008 wurde der Test dort wieder abgebrochen: Erst hatte man falsche Zertifikate an die &#196;rzte vergeben. Nachdem man diese dann mitten im Test ausgetauscht hatte, wurde das eigentliche Problem klar: 75% der Patienten und 30% der &#196;rzte hatten ihre Karte durch eine falsche Eingabe der PIN gesperrt: Sie hatten ihre PIN-Nummern vergessen.</p>
<p>Die Ministerin lie&#223; sich nicht beirren und k&#252;ndigte an, 2009 mit der fl&#228;chendeckenden Einf&#252;hrung beginnen zu wollen.</p>
<p>Inzwischen sind die gesch&#228;tzten Kosten ins Astronomische gestiegen:</p>
<p>– 2004 trat Ulla Schmidt auf der CeBIT auf und sprach von Kosten zwischen 700 Millionen bis 1 Milliarde Euro.</p>
<p>– Einige Monate sp&#228;ter veranschlagten &#196;rzte und Krankenkassen einen Rahmen von 1,6 Milliarden Euro.</p>
<p>– 2006 kam der Chaos Computer Club an eine Analyse von Booz Allen Hamilton (die Firma wurde inzwischen umbenannt), die von der Fa. Gematik bestellt worden war. Diese prognostizierte eine weitere Kostenexplosion.</p>
<p>– 2009 veranschlagte die gleiche Firma Kosten zwischen 2,8 und 5,4 Milliarden &#252;ber einen Zeitraum von 5 Jahren.</p>
<p>– Im Juli 2009 schlie&#223;lich sprach das ARD-Magazin Monitor von einer Verdoppelung der Kosten. Au&#223;erdem werde im «worst case» eine vollst&#228;ndige Funktionsf&#228;higkeit erst in acht bis zehn Jahren erreicht. Der Pressesprecher der Gematik gab Monitor gegen&#252;ber zu, dass die Gesamtkosten des Projekts bis auf 14 Milliarden Euro anwachsen k&#246;nnten. Der Gesundheits&#246;konom J&#252;rgen Wasem wiederum schlug vor, das Ganze zu stoppen: «Das Ding ist ein &#246;konomischer Flop.»</p>
<p>Auch das ficht die Verantwortlichen f&#252;r das neue Milliardengrab nicht an. Noch in diesem Jahr sollen knapp 7 Millionen gesetzlich Versicherte eine elektronische Gesundheitskarte erhalten, gesetzlich ist eine Ausgabequote von 10% f&#252;r 2011 vorgesehen, bis 2013 sollen alle 70 Millionen Versicherten die Karte haben. Allerdings wurde etwas versch&#228;mt zugegeben, dass die neue Karte von ihren Funktionen her zun&#228;chst nicht mehr leistet als die alte, lediglich das Foto auf ihr ist neu. Die «restlichen» Funktionen, insbesondere die elektronische Patientenakte, sollen dann «schrittweise» eingef&#252;hrt werden.</p>
<p><strong>Widerstand</strong></p>
<p>Die Ablehnungsfront, die sich nun entwickelte, war erstaunlich: Patientenvereinigungen, &#196;rzteverb&#228;nde, Selbsthilfegruppen, Datensch&#252;tzer, der ChaosComputerClub (CCC), die FDP und die radikale Linke schlugen einhellig Alarm. Der CCC kritisierte schon 2008, ebenso wie die Datensch&#252;tzer, vor allem die v&#246;llig ungekl&#228;rte Frage der Datensicherheit: «Es werden neue riesige Datenberge angeh&#228;uft, ohne dass das Sicherheitskonzept zum Zugriff auf die medizinischen Daten bisher erprobt wurde. Ein Feldtest des Kommunikationssystems konnte aufgrund der fehlenden Ausschreibung gar nicht erfolgen. Jede Softwareklitsche leistet da bessere Arbeit, obwohl diese nicht &#252;ber ein Milliardenbudget verf&#252;gen.»</p>
<p>Der Deutsche &#196;rztetag 2008 stellte seinen eigenen Telematikbeauftragten, der f&#252;r das Projekt war, blo&#223;. Er lehnte die Karte «in der jetzigen Form» ab, forderte eine v&#246;llige Neukonzeption und die Erprobung einer alternativen L&#246;sung: einen USB-Stick, der beim Patienten verbleibt. Auf der Karte selbst sollen allenfalls wenige, im Notfall wichtige Daten gespeichert werden (etwa Informationen &#252;ber Allergien, Blutgruppe o.&#228;.).</p>
<p>Die gematik sagte zu, diese Alternative zu pr&#252;fen. Das hat sie inzwischen angeblich auch getan und ist – wen wundert es – zum Schluss gekommen, dass diese L&#246;sung nicht gangbar sei – allerdings mit Argumenten, die teilweise ebenso auf die USB-Stick-L&#246;sung wie auf die Karte zutreffen – was sie tunlichst verschweigt.</p>
<p><strong>Warum nur, warum?</strong></p>
<p>Folgt man den Argumenten der Bef&#252;rworter, dann hilft die Karte, Doppeluntersuchungen zu vermeiden, erleichtert die Diagnostik und f&#252;hrt so zu einer besseren Versorgung der Versicherten. Dies lie&#223;e sich allerdings auch ohne eine derart zentralisierte Speicherung erreichen.</p>
<p>Die wahren Gr&#252;nde liegen woanders. Zum einen erhoffen sich die Krankenkassen erhebliche Kosteneinsparungen. Verl&#228;ssliche Zahlen sind sie allerdings bis heute schuldig geblieben. Zum anderen ist ein solch zentralisierter Datenberg eine Goldgrube f&#252;r Interessenten aller Art: Epidemiologen, Statistiker, Planer und die medizinische Industrie, nicht zu vergessen die Arbeitgeber. Die haben zwar derzeit keinen Zugriff, aber im Fall einer «Notlage» wie etwa einer Epidemie, Terrorgefahr usw. k&#246;nnte sich das aus Gr&#252;nden der «Gefahrenabwehr» sehr schnell &#228;ndern.</p>
<p>Und dann gibt es noch die nicht legalen Begehrlichkeiten: Derartige Daten sind bares Geld.</p>
<p>Wie aus einem Artikel von J.Jakobs von der «Free Software Foundation Europe f&#252;r Datenschutz und Privatsph&#228;re im Internet» im Rheinischen Merkur hervorgeht, ist der Datenklau im medizinischen Bereich schon gang und g&#228;be:</p>
<p>«2500 Dollar zahlen Betr&#252;ger in den USA f&#252;r Name, Wohnort und weitere Stammdaten eines Patienten. Die Internetgauner stellen mit einer Rendite von 2500 Prozent selbst den Drogenschmuggel in den Schatten. Die «Kollegen» aus der digitalen Unterwelt Russlands und Chinas interessieren sich offenbar bereits f&#252;r die Patientendaten der US-Milit&#228;rkrankenkasse, auf deren Servern in den USA sie im April 2007 einbrachen. Angesichts dessen warnt die US-Heimatschutzbeh&#246;rde davor, die nationale Sicherheit sei bedroht, wenn Dritte sich einen &#220;berblick &#252;ber die Gesundheit der F&#252;hrungselite des Landes verschaffen k&#246;nnten.»</p>
<p>In &#214;sterreich, wo die &#196;rzteverb&#228;nde ebenfalls vor der Einf&#252;hrung der Karte warnen, hat Anonymous Austria demonstriert, wie leicht man das System aushebeln kann: Im September dieses Jahres knackten Hacker zu Demonstrationszwecken den Zentralspeicher der Tiroler Gebietskrankenkasse.</p>
<p>Wie sich an dem eingangs zitierten Skandal in Schleswig-Holstein ablesen l&#228;sst, ist es manchmal nicht einmal n&#246;tig, kriminelle Energie aufzuwenden, um an h&#246;chst private Daten aus den entsprechenden Servern zu kommen – dazu gen&#252;gt schon schlichte Schlamperei. Verhindert werden kann das eine wie das andere nur durch einen grunds&#228;tzlichen Verzicht auf zentralisierte Speicherung.</p>
<p>Die «L&#246;sung», die jetzt in den USA getestet wird, ist allerdings auch keine Alternative: Dort soll jedem Versicherten ein interaktiver Datenchip unter die Haut eingepflanzt werden&#8230;</p>
<p>Sch&#246;ne neue Welt.</p>
<p>Aber man kann etwas tun. Auskunft gibt die folgende Webseite: www.stoppt-die-e-card.de.</p>
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		<title>Die EHEC-Epidemie</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/07/die-ehec-epidemie/</link>
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		<pubDate>Fri, 29 Jul 2011 10:57:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Von Keimen auf Sprossen. Die T&#252;cken der globalisierten Landwirtschaft von Thadeus Pato Wenn eine Epidemie ausbricht, muss man vor allem herausfinden, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Von Keimen auf Sprossen. Die T&#252;cken der globalisierten Landwirtschaft</strong><br />
<em>von Thadeus Pato</em><br />
Wenn eine Epidemie ausbricht, muss man vor allem herausfinden, wie der Erreger in die Nahrungskette gelangt ist. Das wird aber immer schwerer.</p>
<p><span id="more-2611"></span>Im 5.Jahrhundert v.u.Z. litten die Bewohner der griechischen Kolonie Selinos auf Sizilien an einer Epidemie, die in alten Schriften als «Pest» bezeichnet wurde. Sie riefen den Arzt und Philosophen Empedokles zu Hilfe. Der lie&#223; kurzerhand Fl&#252;sse umleiten und legte so die in der N&#228;he der Stadt befindlichen S&#252;mpfe trocken. Die Epidemie kam daraufhin zum Stillstand. Was das mit der EHEC-Epidemie zu tun hat? Geduld!</p>
<p><strong>Was ist passiert?</strong></p>
<p>Der Keim, der jetzt in aller Munde und in einigen menschlichen K&#246;rpern ist, ist seit langem bekannt. Verschiedene Serotypen von EHEC sind mindestens seit 1977 identifiziert, seit 1998 existiert in Deutschland eine Meldepflicht. Auch dass er in Einzelf&#228;llen zu schwerer Erkrankung bis hin zum Tod f&#252;hren kann, ist nichts Neues. Es gab immer wieder Ausbr&#252;che von Massenerkrankungen, so z.B. in den USA 1982 und 2006, in Japan 1996.</p>
<p>Neu ist die jetzt aufgetretene Variante (wissenschaftliche Bezeichnung: Husec04), nach den auf ihrer Oberfl&#228;che befindlichen, als Antigene wirkenden Lipopolysacchariden als Serotyp O104 (O f&#252;r Oberfl&#228;che) bezeichnet. Die wie immer in derartigen F&#228;llen aufgetauchten Verschw&#246;rungstheorien, wie etwa, der Stamm sei aus einem geheimen Labor entwischt usw., sind unsinnig. Grunds&#228;tzlich kommen Ver&#228;nderungen bereits bekannter Erreger immer vor, da Bakterien in der Lage sind, untereinander Genmaterial auszutauschen. (Das ist z.B. auch der Hauptgrund f&#252;r die Verbreitung von Resistenzen gegen Antibiotika &#252;ber Artgrenzen hinweg.)</p>
<p>Im vorliegenden Fall ist es durch eine «Kreuzung» zwischen unterschiedlichen St&#228;mmen zu einer neuen Abart gekommen, die erhebliche Nierenprobleme verursachen kann. Letzteres trifft zwar auch f&#252;r den «normalen» EHEC zu, aber nicht in dieser H&#228;ufigkeit und Aggressivit&#228;t.</p>
<p>Nat&#252;rlich findet immer dann, wenn eine neue Keimvariante auftaucht, auch unter Epidemiologen eine intensive Diskussion dar&#252;ber statt, wie es zur entsprechenden Ver&#228;nderung gekommen ist. Bei den Antibiotikaresistenzen z.B. wei&#223; man, dass der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast und auch im Obstanbau daf&#252;r mitverantwortlich ist. Die Frage allerdings, woher der neue EHEC-Typ stammt, wird wohl nie zu kl&#228;ren sein.<br />
Wie vorgehen?</p>
<p>Prinzipiell muss bei einer derartigen Epidemie so vorgegangen werden, wie es der oben erw&#228;hnte Herr Empedokles getan hat: Identifizierung und Beseitigung der Infektionsquelle. Nat&#252;rlich kommen heute weitere Massnahmen wie Behandlung mit Antik&#246;rpern (die es damals nicht gab und die derzeit experimentell ist), Isolierung (wenn es um Keime geht, die von Mensch zu Mensch &#252;bertragen werden k&#246;nnen) und strikte Einhaltung entsprechender hygienischer Richtlinien hinzu.</p>
<p>Aber der K&#246;nigsweg in der Epidemiologie ist nach wie vor die R&#252;ckverfolgung der Infektionskette bis zum Ausgangspunkt, um die Ursache zu beseitigen, wie auch im jetzigen Fall geschehen. Die eine bekannte Quelle, n&#228;mlich Rinder (aber auch Schafe und Ziegen), in deren Darm grunds&#228;tzlich alle EHEC-Typen gedeihen, und die nicht erkranken, aber inzwischen fast v&#246;llig durchseucht sind, kann man nicht verstopfen. Man muss herausfinden, wann, wo und wie der Erreger in die menschliche Nahrungskette gelangt ist.</p>
<p>Das Problem ist, dass es zunehmend seltener gelingt, bei solchen Ereignissen den urspr&#252;nglichen Infektionsherd ausfindig zu machen – derzeit gelingt dies bei etwa 20% der F&#228;lle. Bei den beiden Ausbr&#252;chen von EHEC-Infektionen im Jahr 2002 in Deutschland bspw. konnte die Quelle auch nicht identifiziert werden.* Und das hat unter anderem einen Grund, &#252;ber den ungern gesprochen bzw. der als gottgegeben hingenommen wird – der einschl&#228;gige Gott im Pantheon der Postmoderne hei&#223;t Globalisierung…</p>
<p><strong>Spanische Gurken und deutsche Sprossen</strong></p>
<p>Klar ist bei EHEC, dass die Infektion &#252;ber die Nahrung verbreitet wird. In diesen F&#228;llen versucht der Epidemiologe, &#252;ber die Erhebung der Nahrungsgewohnheiten der Betroffenen, eine Kartierung des geografischen Auftretens und eine entsprechende Zuordnung, die Quelle einzugrenzen. Auf diese Weise kamen die verschiedenen, zum Teil inzwischen widerlegten, Vermutungen &#252;ber die Herkunft des Keims aus Spanien, den Niederlanden oder Deutschland zustande und auf diese Weise kam man (&#252;ber eine sog. «Rezeptbasierte Restaurant-Kohortenstudie») schlie&#223;lich auf die Sprossen als wahrscheinlichste Infektionsquelle.</p>
<p>Und da liegt der neuralgische Punkt: Durch die globalisierte Erzeugung und Vermarktung von Lebensmitteln ist die Quellenforschung immer schwieriger geworden. Es ist zwar immer noch m&#246;glich, von einem Betroffenen zu erfahren, ob er z.B. Gurken, Tomaten oder Avocados gegessen hat, aber dann herauszufinden, ob es spanische, niederl&#228;ndische oder israelische waren und aus welchem Betrieb sie kamen, ist oft nicht m&#246;glich. Da n&#252;tzt auch die Herkunftsangabe im Supermarkt nicht viel.</p>
<p>Eine der ersten epidemiologischen Untersuchungen der Neuzeit war deshalb erfolgreich, weil es sich um ein kleinr&#228;umiges Geschehen handelte: John Snow forschte 1854 &#252;ber die Ursache der damaligen Choleraepidemie in London. Er verglich das Risiko zu erkranken, f&#252;r ein Quartier mit einem bestimmten Brunnen («Broad Street Pump») mit dem eines Quartiers mit Wasserversorgung aus einem anderen Brunnen und kam relativ schnell darauf, dass es der Brunnen mit dem ungefilterten Themsewasser war, der den Ausbruch ausgel&#246;st hatte.</p>
<p><strong>Wi(e)der die Agrarindustrie</strong></p>
<p>Die jetzt, da die Quelle der Infektion gesichert erscheint, durch die Presse geisternden Vorw&#252;rfe, man h&#228;tte den entsprechenden Erzeugerbetrieb zu sp&#228;t geschlossen, man h&#228;tte die Quelle schneller finden k&#246;nnen/m&#252;ssen, sind irref&#252;hrend.</p>
<p>Nat&#252;rlich kann man sich dar&#252;ber streiten, ob die getroffenen Ma&#223;nahmen zeitgerecht und effektiv waren. Aber das ist nicht der wesentliche Punkt, denn nach den vorliegenden Informationen handelte es sich nicht um eine &#252;ber einen l&#228;ngeren Zeitraum kontinuierlich erfolgte, sondern akzidentelle einmalige Kontamination der entsprechenden Produkte – selbst wenn man den Betrieb unmittelbar nach dem Auftauchen der ersten F&#228;lle geschlossen h&#228;tte, w&#228;re der epidemiologische Verlauf kein wesentlich anderer gewesen, das zeigt die entsprechende Grafik mit den Erkrankungszahlen: nach einem steilen Anstieg der Zahlen ein ebenso rascher R&#252;ckgang (Robert-Koch-Institut, <em>Epidemiologisches Bulletin</em>, Nr.23 vom 14.6.2011).</p>
<p>Das eigentliche Problem wird durch die Nebelwerferei der Medien verschleiert. Die globalisierte Massenproduktion von Lebensmitteln vergr&#246;&#223;ert die Gefahr gro&#223;r&#228;umiger Ausbr&#252;che solcher Epidemien immer weiter und erschwert gleichzeitig, wie oben gezeigt, die Quellenforschung.</p>
<p>Industrielle Lebensmittelproduktion ist eben nicht nur aus &#246;kologischen Gr&#252;nden – Monokulturen, Zunahme von Verkehr, Einsatz von Pestiziden, Exportorientierung auf Kosten der lokalen und regionalen Versorgung – kontraproduktiv, sondern ebenso aus epidemiologischer Sicht. Deshalb ist kleinr&#228;umige, regionale Produktion und Vermarktung von Lebensmitteln die strategisch richtige Antwort.</p>
<p>Gleiches trifft auf die Saatgutproduktion zu: Auch wenn derzeit noch untersucht wird, ob der Keim eventuell bereits im Saatgut vorhanden war, l&#228;sst sich grunds&#228;tzlich feststellen, dass Massenproduktion und gro&#223;r&#228;umige Vermarktung auch in diesem Bereich die Gefahren aus epidemiologischer Sicht vergr&#246;&#223;ern.Wenn man dem Robert-Koch-Institut und den politisch Verantwortlichen einen Vorwurf machen kann, dann vor allem den, dass sie &#252;ber diese Zusammenh&#228;nge kein Wort verlieren. Aber was soll man auch von Politikern erwarten, die nicht m&#252;de werden, zu beteuern, dass «wir» von der Globalisierung nur profitieren.</p>
<p><em>Anmerkung:</em><br />
*Robert Koch Institut: «Eine Ursache f&#252;r die deutliche H&#228;ufung von HUS-Erkrankungen zwischen Oktober und Dezember 2002 konnte trotz intensiver Bem&#252;hungen aller an der Untersuchung beteiligten Institutionen nicht gefunden werden.»</p>
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		<title>Europ&#228;ische Konferenz zur Verteidigung des &#246;ffentlichen Gesundheitswesens</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Jun 2011 14:47:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Erkl&#228;rung von Amsterdam Auf Initiative der Freien Gewerkschaft &#8220;August &#8217;80&#8243; aus Polen haben sich am 7. und 8.Mai 2011 in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Erkl&#228;rung von Amsterdam</strong><br />
Auf Initiative der Freien Gewerkschaft &#8220;August &#8217;80&#8243; aus Polen haben sich am 7. und 8.Mai 2011 in Amsterdam AktivistInnen von Gewerkschaften, Initiativen und politischen Organisationen versammelt, die in sechs europ&#228;ischen L&#228;ndern f&#252;r die Verteidigung des &#246;ffentlichen Gesundheitswesens streiten: Polen, Frankreich, Gro&#223;britannien, Irland, Deutschland und Schweden.</p>
<p><span id="more-2473"></span>Sie stellten fest, dass die in allen genannten L&#228;ndern Angriffe auf das Recht der Bev&#246;lkerung auf gesundheitliche Versorgung und auf die Gesundheitssysteme selbst laufen, mit Hilfe einer zunehmenden Privatisierung und Kommerzialisierung der Gesundheitsversorgung und der Krankenversicherung.Die Einf&#252;hrung von Sparma&#223;nahmen in ganz Europa hat diese Angriffe drastisch versch&#228;rft.</p>
<p>Die Verteidigung des Rechts auf Gesundheitsversorgung und auf eine gesetzliche Krankenversicherung erfordert die Mobilisierung der gesamten Bev&#246;lkerung, nicht nur der in diesem Bereich Besch&#228;ftigten. Deshalb ist es dringend geboten, in jedem Land breiteste B&#252;ndnisse zu schaffen, die Betroffene, Gewerkschafter, Aktive aus den sozialen Bewegungen und politisch Engagierte umfassen, und gegen die Privatisierungen und die Korruption im Gesundheitsbetrieb bzw. gegen die weiteren K&#252;rzungen vorzugehen, die Kapitalbesitzer durchzusetzen versuchen.</p>
<p>Die Konferenz unterbreitet jeder Organisation das Angebot, &#252;ber die Notwendigkeit der europaweiten Koordination solcher B&#252;ndnisse zu diskutieren, und zwar auf der Grundlage folgender Forderungen:</p>
<p>1. universeller Zugang f&#252;r alle zu Gesundheitssystem, zu allen seinen Leistungen und zur gesetzlichen Krankenversicherung;</p>
<p>2. Kostenlose Gesundheitsversorgung; keine Restriktion des Zugangs der Bev&#246;lkerung zu Leistungen;</p>
<p>3. Demokratisierung des Gesundheitswesens und Selbstbestimmung der Bev&#246;lkerung hinsichtlich ihres Leistungsbedarfs;</p>
<p>4. &#246;ffentliche und allgemeine Finanzierung der Gesundheitsleistungen, Gesundheit ist keine Ware.</p>
<p>Dem ersten Erfahrungsaustausch k&#246;nnten weitere folgen, das Netzwerk auf mehr europ&#228;ische L&#228;nder ausgeweitet werden sowie auf alle Basisorganisationen, die die beschriebene Grundlage teilen.</p>
<p>Eine neue Konferenz wurde f&#252;r November 2011 in Polen in Aussicht gestellt.<br />
<em>Amsterdam, 8.Mai 2011</em></p>
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		<title>Gesundheitssysteme in Europa</title>
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		<pubDate>Sat, 28 May 2011 08:13:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Gemeinsame Probleme und unterschiedliche L&#246;sungen von Norbert Kollenda Unter diesem Arbeitstitel stand eine europ&#228;ische Konferenz, die auf Initiative der polnischen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Gemeinsame Probleme und unterschiedliche L&#246;sungen</strong><br />
<em>von Norbert Kollenda</em><br />
Unter diesem Arbeitstitel stand eine europ&#228;ische Konferenz, die auf Initiative der polnischen Gewerkschaft August ’80 am 7. und 8.Mai 2011 in Amsterdam im Internationalen Institut f&#252;r Forschung und Bildung (IIRE) stattfand.<br />
<span id="more-2429"></span>Gefolgt waren der Einladung Aktivisten aus sozialen Bewegungen, Gewerkschaften und Parteien aus Deutschland, England, Frankreich, Irland, Polen und Schweden. Aus Frankreich waren Mitglieder des Netzwerks gegen Krankenhausprivatisierung gekommen, die teilweise den Gewerkschaften CGT und SUD sowie der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) angeh&#246;ren.</p>
<p>Aus Polen waren neben Vertretern und dem Vorsitzenden von August ’80 auch Krankenschwestern von der Gewerkschaft der Krankenschwestern und Hebammen und deren stellvertretende Vorsitzende anwesend. Delegationen aus Spanien, Griechenland und Portugal mussten wegen wichtiger eigener Veranstaltungen absagen.</p>
<p>In seiner Einf&#252;hrung begr&#252;ndete Boguslaw Zietek, der Vorsitzende der Gewerkschaft August ’80, warum seine Gewerkschaft diese Konferenz so wichtig findet. Das Gesundheitswesen sei die letzte Bastion, wo die Gleichheit der Menschen noch verteidigt werden kann. In diesen Kampf m&#252;ssten die B&#252;rgerinnen und B&#252;rger einbezogen werden, das sei nicht nur eine Angelegenheit der Besch&#228;ftigten. Gleichheit sei nur dann gew&#228;hrleistet, wenn alle Bereiche des Gesundheitswesens in &#246;ffentlicher Hand blieben. In Polen liegt dem Staatspr&#228;sidenten jetzt ein Gesetz zur Unterschrift vor, das alle Kliniken in eine GmbH umwandeln will.</p>
<p>Nach der Vorstellung der einzelnen Teilnehmer, die auch kurz ihre Lage schilderten, hielt der Arzt Klaus Engert ein Grundsatzreferat &#252;ber Gesundheit und die Formen ihrer Finanzierung auf der Welt. Dabei zitierte er Untersuchungen, die belegen, dass ein privat finanziertes Gesundheitswesen – wie in den USA – nicht nur teurer ist, sondern die Menschen mit ihm im Vergleich auch unzufriedener. Selbst die Kindersterblichkeit ist in den USA h&#246;her als in Kuba.</p>
<p>Der derzeitige Streit um die Finanzierung hat seine Ursache u.a. darin, dass die Kapitalanleger im Gesundheitswesen einen Bereich sehen, der ihnen viel Geld bringt, w&#228;hrend die Gesundheitsunternehmer ihre Kosten so niedrig wie m&#246;glich halten wollen.</p>
<p>Immer mehr werde Gesundheit zur Ware. Dies f&#252;hrt zu prek&#228;ren Besch&#228;ftigungen verschiedenster Art, zunehmenden Zuzahlungen, Korruption. Als Beispiele f&#252;r Letzteres wurde vor allem die Pharmaindustrie in Deutschland genannt. In allen europ&#228;ischen L&#228;ndern werden Kliniken und andere Gesundheitseinrichtungen privatisiert werden.</p>
<p>Welche Ma&#223;st&#228;be legen wir an ein Gesundheitsversorgung an? Dazu wurden einige Grunds&#228;tze erarbeitet. Einen breiten Raum nahmen die Finanzierung bzw. die Eigentumsformen von Gesundheitseinrichtungen ein. Der Vorschlag der polnischen Delegation, alle Einwohner einer Stadt sollten eine gewisse geringe Summe in einen Fonds einzahlen, um eine Genossenschaft zu gr&#252;nden, die das Krankenhaus selbst betreiben kann, l&#246;ste eine heftige Kontroverse aus.</p>
<p>Daran wurde auch deutlich, dass trotz der Vorstellungsrunde &#252;ber die Situation in den einzelnen L&#228;ndern im Grunde noch vieles unbekannt ist. Die stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Krankenschwestern und Hebammen  machte daraufhin den Vorschlag, einen Fragekatalog zu erarbeiten, an Hand dessen alle L&#228;nder ihre Informationen einbringen.</p>
<p>Zum Abschluss wurde beraten, wie es weiter gehen kann. Der Kreis will offen zu sein f&#252;r alle, die ein Interesse daran haben, das Gesundheitswesen vom Kapitalmarkt fern zu halten. Die Gewerkschaft SUD gab bekannt, dass sie offizielle Kontakte mit den anwesenden polnischen Gewerkschaften aufnehmen will. Die Teilnehmer haben auch eine Erk&#228;rung verabschiedet, sie wird auf www.sozonline.de eingestellt.</p>
<p>August ’80 l&#228;dt f&#252;r den November nach Polen ein, weil in dem Halbjahr Polen den EU-Vorsitz hat.</p>
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		<title>Die t&#246;dliche Last der Atomenergie im Normalbetrieb</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2011/04/die-todliche-last-der-atomenergie-im-normalbetrieb/</link>
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		<pubDate>Thu, 21 Apr 2011 15:01:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Massenmord auf Raten von Thadeus Pato Nicht nur Atomkraftwerke, auch der Uranabbau birgt ungeheuerliche Gesundheitsrisiken. Ein historischer &#220;berblick &#252;ber die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Massenmord auf Raten</strong><br />
<em>von Thadeus Pato</em></p>
<p>Nicht nur Atomkraftwerke, auch der Uranabbau birgt ungeheuerliche Gesundheitsrisiken. Ein historischer &#220;berblick &#252;ber die Entdeckung und den Umgang mit den Gefahren.<br />
Als Theophrastus Paracelsus im 16.Jahrhundert sein Werk <em>Von der Bergsucht oder Bergkranckheiten drey B&#252;cher</em> schrieb, war von Radioaktivit&#228;t nichts bekannt.</p>
<p><span id="more-2315"></span>Ihre Folgen allerdings gab es bereits, auch wenn es noch bis zum Anfang des 20.Jahrhunderts dauerte, bis die Ursache f&#252;r die bei den Bergleuten der Schneeberger und Joachimsthaler Erzgruben geh&#228;uft auftretenden Lungenkrebserkrankungen sicher benannt werden konnte.</p>
<p>Die im 12.Jahrhundert zuf&#228;llig entdeckten, oberfl&#228;chlich liegenden Silbervorkommen im Erzgebirge wurden zun&#228;chst im Tagebau gef&#246;rdert. Sp&#228;ter grub man tiefer. Neben Silber wurden auch Wolfram, Nickel, Arsen, Kobalt, Kupfer und Wismut gefunden (letzteres gab der Sowjetisch-Deutschen Aktiengesellschaft Wismut, die in der DDR Uran f&#246;rderte, ihren Namen). Bei der F&#246;rderung stie&#223; man immer wieder auf ein schwarzes Material, das man Pechblende nannte und mit dem man zun&#228;chst nicht viel anfangen konnte. Erst 1789 wies ein gewisser Heinrich Klaproth nach, dass sich darin ein bisher unbekanntes Metall befand – Uran.</p>
<p>Die Bergleute wurden nicht alt, neben den «&#252;blichen» Grubenungl&#252;cken waren daf&#252;r in erster Linie Lungenerkrankungen verantwortlich. Daf&#252;r b&#252;rgerte sich seit dem 16.Jahrhundert die Bezeichnung «Bergsucht» ein, die Betroffenen wurden «bergfertig» genannt und starben sehr h&#228;ufig in jugendlichem Alter. Paracelsus vermutete Arsen als Ursache, aber erst nach der vorletzten Jahrhundertwende wurde in Untersuchungen der extrem hohe Gehalt an Radium bzw. am Gas Radon in Wasser und Luft der Schneeberger Gruben festgestellt. Reihenuntersuchungen, durchgef&#252;hrt zwischen 1922 und 1926, brachten das ganze Ausma&#223; des Problems zutage: Von 154 untersuchten Bergleuten starben in drei Jahren 21, davon 71% an der sog. Schneeberger Bergkrankheit.<br />
Die Reaktion darauf war die auch heute bei beruflichen Schadstoffbelastungen &#252;bliche: Es wurden Grenzwerte festgesetzt, die im Laufe der folgenden Jahrzehnte kontinuierlich nach unten korrigiert werden mussten.</p>
<p><strong>Grenzwerte?</strong><br />
Grenzwerte f&#252;r Schadstoff- und auch Strahlenbelastung haben etwas Suggestives: Sie spiegeln vor, dass eine Belastung unterhalb des Wertes f&#252;r die Betroffenen ungef&#228;hrlich sei. Gerade bei radioaktiver Strahlung – auch R&#246;ntgenstrahlung – ist das falsch. Es gibt generell keine «ungef&#228;hrliche» Dosis. Auch die sog. «nat&#252;rliche» Belastung ist bereits ein Risiko. Die Grenzwerte stellen in der Regel einen Kompromiss zwischen den gesundheitlichen Erfordernissen und dem technisch Machbaren dar. Oder, um es deutlicher zu sagen: Es handelt sich um einen Kompromiss zwischen Gesundheitsschutz und Wirtschaftlichkeit.</p>
<p>Betrachtet man die im Strahlenschutzgesetz festgelegten Grenzwerte, stellt man fest, dass es f&#252;r den deutschen Gesetzgeber sozusagen drei Sorten von Menschen gibt, die unterschiedlich viel Strahlung vertragen: F&#252;r die Allgemeinbev&#246;lkerung, z.B. f&#252;r die Bewohner in der Umgebung von Kernkraftwerken, liegt der Wert bei 0,3 Millisievert (mS) pro Jahr f&#252;r die Belastung aus der Luft und zus&#228;tzlich 0,3 mS f&#252;r Abw&#228;sser. Im St&#246;rfall vertragen die Anwohner dann pl&#246;tzlich bis zu 50 mS pro Jahr.</p>
<p>Die Menschen wiederum, die beruflich Strahlung ausgesetzt sind, vertragen grunds&#228;tzlich 50 mS pro Jahr, wobei in der deutschen Strahlenschutzverordnung noch festgelegt ist, dass die Belastung insgesamt 100 mS in f&#252;nf aufeinanderfolgenden Jahren und die Lebenszeitbelastung 400 mS nicht &#252;berschreiten soll.</p>
<p>Dass im Bedarfsfall diese Bestimmungen rasch den technischen «Zw&#228;ngen» angepasst werden k&#246;nnen, erleben wir derzeit in Fukushima: Der japanische Grenzwert f&#252;r Arbeiter im Nuklearbereich – mit 100 mS bereits doppelt so hoch wie der in Deutschland zul&#228;ssige Wert – wurde flugs auf 250 mS heraufgesetzt, nachdem mehrere Arbeiter bei den «Aufr&#228;um»arbeiten eine Dosis von 170–180 mS abbekommen hatten. H&#228;tte man die alten Werte beibehalten, w&#228;ren den Betreibern vermutlich bald die Arbeiter ausgegangen, da diese nach Erreichen der Jahresdosis nicht weiterbesch&#228;ftigt werden d&#252;rfen.</p>
<p>Das Heimt&#252;ckische dabei ist, dass diese Dosis so gew&#228;hlt wurde, dass die Betroffenen zun&#228;chst einmal nicht viel bemerken: Bis 200 mS treten keine Symptome auf, allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit von in l&#228;ngerem Abstand zur Exposition auftretenden Sp&#228;tsch&#228;den wie Krebs oder Genmutationen, also Erbgutsch&#228;digung, rapide. Zwischen 200 und 500 mS kommt es zur – ebenfalls unbemerkten – Reduzierung der Zahl der roten Blutk&#246;rperchen. Ab 500 mS tritt der sog. Strahlenkater auf, und zwischen 1000 und 2000 mS (1–2 Sievert) erleiden die Menschen eine «leichte» Strahlenkrankheit, mit etwa 10% Todesf&#228;llen innerhalb von 30 Tagen.</p>
<p><strong>Im Katastrophenfall: Kanonenfutter</strong><br />
Bei atomaren Katastrophen wie in Tschernobyl oder Fukushima stehen die Betreiber vor einem Problem: Bis heute sind bestimmte T&#228;tigkeiten nicht von Robotern oder ferngesteuerten Maschinen durchf&#252;hrbar. Da bei einem «St&#246;rfall» dieser Kategorie die Strahlung extrem hoch ist, haben die Arbeiter innerhalb kurzer Zeit ihre Maximaldosis erreicht und m&#252;ssen ausgewechselt werden.</p>
<p>Naturgem&#228;&#223; findet sich, auch f&#252;r Preise, wie sie derzeit in Fukushima bezahlt werden (angeblich bis zu 3000 Euro pro Schicht), nur eine begrenzte Anzahl von Menschen, die bereit sind, das t&#246;dliche Risiko einzugehen. Das sind in der Regel Leiharbeiter. Die eigenen fest angestellten Techniker will man nicht verheizen, weil sie nicht so einfach ersetzbar sind. Um mit diesem Problem umzugehen, gibt es verschiedene M&#246;glichkeiten: Eine ist, wie schon erw&#228;hnt, dass man die Grenzwerte heraufsetzt – das ist die billigste und schnellste L&#246;sung. Der Haken dabei: Ab 3000 Millisievert hat man es schon mit 50% Todesf&#228;llen in den ersten 30 Tagen zu tun.</p>
<p>Die zweite L&#246;sungsm&#246;glichkeit ist die, zu der in Tschernobyl gegriffen wurde: Man karrt Hunderttausende Arbeiter heran, die regelm&#228;&#223;ig ausgewechselt werden. In der akuten Phase kamen damals ca. 200000 Arbeiter zum Einsatz, insgesamt waren es &#252;ber 800.000. In Tschernobyl aber war selbst das nicht ausreichend, denn zu Beginn war die Strahlung derart hoch, dass bei den direkt am Reaktor (und darunter, denn es wurden ja damals Stollen unter den Reaktor getrieben, um eine Stickstoffk&#252;hlung zu installieren) arbeitenden Menschen der Grenzwert bereits nach Minuten erreicht war. Dem einen oder der anderen werden noch die Fernsehaufnahmen in Erinnerung sein, auf denen zu sehen war, wie die Arbeiter im Laufschritt zum detonierten Reaktor rannten, ein paar Brocken wegr&#228;umten und wieder zur&#252;ckrannten.</p>
<p>Dabei kam die dritte M&#246;glichkeit zum Einsatz – man stattete die Leute einfach nicht mit Messger&#228;ten aus und «sch&#228;tzte» die Dosis. In Fukushima scheint man &#228;hnlich vorgegangen zu sein. Nach ein paar Tagen kam heraus, dass nur f&#252;r die H&#228;lfte der Arbeiter &#252;berhaupt sog. Dosimeter vorhanden waren. Wie man dann die eventuellen Folgen verschleiert, daf&#252;r ist ebenfalls Tschernobyl die Blaupause, die Methode ist allerdings auch in Deutschland im St&#246;rfall und bei strahlenintensiven Arbeiten gang und g&#228;be. Sie l&#228;sst sich mit dem sch&#246;nen deutschen Sprichwort zusammenfassen: «Aus den Augen, aus dem Sinn».</p>
<p>Die sog. «Liquidatoren», wie die in aller Eile aus der ganzen Sowjetunion zusammengekarrten Arbeiter genannt wurden, bekamen nach Abschluss ihres Einsatzes eine Verdienstmedaille und verschwanden von der Bildfl&#228;che. Der gr&#246;&#223;te Teil wurde &#252;berhaupt nicht erfasst, geschweige denn, dass es Nachuntersuchungen oder sonst eine medizinische Nachbetreuung gegeben h&#228;tte.</p>
<p>In Fukushima hatte man noch eine vierte Variante parat: Wenn die Masche mit der «nationalen Verantwortung» nicht zieht, greift man zum Zwang. Am 22.M&#228;rz wurde ruchbar, dass die angeblichen «Helden» von der japanischen Feuerwehr, die mit ihren Spritzen den Reaktor k&#252;hlten, dies nicht freiwillig taten. Sie waren vom Industrieminister h&#246;chstpers&#246;nlich bedroht worden.</p>
<p>Die Verfahrensweise, Leiharbeiter einzusetzen, kommt im &#220;brigen nicht nur bei St&#246;rf&#228;llen zur Anwendung. F&#252;r diesen «Berufszweig» hat sich die Bezeichnung «nukleare Tagel&#246;hner» eingeb&#252;rgert.</p>
<p>Auch in deutschen AKWs werden sie f&#252;r Arbeiten mit hoher Belastung angeheuert, meist von Reinigungsfirmen, wie zum Beispiel nach dem Unfall im AKW Gundremmingen 1977, als radioaktives Wasser 3 Meter hoch im Reaktorgeb&#228;ude stand. Nachdem das Wasser einfach ins Freie abgelassen worden war, mussten die nuklearen Tagel&#246;hner das Geb&#228;ude von Hand reinigen.</p>
<p><strong>Im Normalfall: Tod auf Raten</strong><br />
Die ersten Erkenntnisse &#252;ber die Gefahr durch radioaktive Strahlung gewann man, wie eingangs bemerkt, im Bergbau. Auch in dieser Branche wurde mit Grenzwerten hantiert, wie es gerade ins wirtschaftliche Konzept passte. Als die USA am Ende des Zweiten Weltkriegs aus Th&#252;ringen und Sachsen abzogen, &#252;berlie&#223;en sie der Sowjetunion die weltweit gr&#246;&#223;ten bekannten Uranvorkommen. (Bis 1990 war der DDR-Uranbergbau immer noch der drittgr&#246;&#223;te der Welt.)</p>
<p>Das Uran wurde zun&#228;chst im Tagebau, dann auch im Tiefbau, teilweise bis 3000 Meter Tiefe, gef&#246;rdert. Zu Beginn gab es keinerlei Sicherheitsvorkehrungen, die Strahlenbelastung wurde geheimgehalten. Die Wismut-Arbeiter, wie die Besch&#228;ftigten der SDAG Wismut genannt wurden, bekamen ihr teils sehr kurzes Leben mit h&#246;heren Geh&#228;ltern und Sonderregelungen beim Einkauf knapper G&#252;ter «vers&#252;&#223;t».</p>
<p>Nach Angaben der «Wismut» starben bis 1996 5240 Bergleute an Lungenkrebs, weitere 14.500 an Silikose (Staublunge) – wobei die reale Zahl sehr viel h&#246;her sein d&#252;rfte, weil in den Jahren von 1946 bis 1955 keine Erfassung der Strahlenbelastung erfolgte und nach der Wende ein Teil der Akten aus verschiedenen Gr&#252;nden verlorenging.<br />
Au&#223;erdem waren die Messungen l&#252;ckenhaft und wurden teilweise gesch&#228;tzt – eine individuelle Dosis wurde bis 1971 schlicht nicht ermittelt, bis dahin wurde der Lungenkrebs erst ab einer T&#228;tigkeit von mindestens zehn Jahren unter Tage als beruflich bedingt angesehen.</p>
<p>Die sp&#228;ter festgelegten Grenzwerte lagen &#252;berdies extrem hoch: F&#252;r die Anerkennung eines Lungenkrebses als Berufskrankheit bedurfte es ab 1970 einer kumulierten Radonbelastung von 450 WLM (Working Level Mark), das sind 4,5 Sievert. Die westdeutsche Bergbau-Berufsgenossenschaft legte dagegen einen Wert von 200 WLM, also weniger als die H&#228;lfte, zugrunde. &#220;brigens diente sich der gleiche «Fachmann», der zu DDR-Zeiten diese Grenzwerte, nach denen fast niemand eine Anerkennung erhalten konnte, zu verantworten hatte, nach der Wende den bundesdeutschen Beh&#246;rden an und rechnete pl&#246;tzlich f&#252;r den Zeitraum von 1951 bis 1956 um ein Vielfaches h&#246;here Belastungen aus, als er dies zu DDR-Zeiten getan hatte.</p>
<p><strong>Nicht nur abschalten – Abbau stoppen!</strong><br />
Die gesamte Produktionskette der nuklearen Energiegewinnung ist gekennzeichnet durch die permanente Gesundheitsgef&#228;hrdung der in ihr Besch&#228;ftigten – vom Abbau &#252;ber die Weiterverarbeitung bis hin zur Beseitigung der Hinterlassenschaften. Und auch im sog. Normalbetrieb gibt jede Anlage Radioaktivit&#228;t in die Umgebung ab, nicht nur das AKW, sondern auch die Bergwerke: In H&#228;usern der Gegend um Joachimsthal und Schneeberg wurden Belastungen bis 100.000 Becquerel Radon gemessen – die Strahlenschutzkommission h&#228;lt Werte bis 250 Becquerel f&#252;r akzeptabel.</p>
<p>Diese Belastungen stammen zum Teil von den Ausgasungen der unter den Orten liegenden Stollen, zum Teil wurde aber auch strahlender Abraum zum Hausbau verwendet.</p>
<p>Die australische Elektrizit&#228;tsarbeitergewerkschaft ETU hat aus diesen seit langem bekannten Tatsachen &#252;ber die Gef&#228;hrdung der Arbeiter im Nuklearbereich die einzig richtige Konsequenz gezogen: Sie hat ihren Mitgliedern die Arbeit im Uranbergbau kurzerhand verboten und angek&#252;ndigt, dass sie alles tun wird, um die Ausweitung des Uranbergbaus zu bek&#228;mpfen.</p>
<p>Das Beispiel sollte in der Gewerkschaftsbewegung Schule machen – dieser Technologie keinen Mann und keinen Groschen!</p>
<p><em>Der Beitrag erschien zuerst in </em>Avanti<em>, Zeitung des RSB/IV.Internationale, Nr.187, Mai 2011.</em></p>
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		<item>
		<title>R&#246;slers «kleine» Kopfpauschale</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/08/gesundheit-roeslers-kleine-kopfpauschale/</link>
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		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 08:02:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Stete Schritte in Richtung «gro&#223;e» Kopfpauschale von Daniel Kreutz Der zweite Angriff der schwarz-gelben Koalition gilt den solidarischen Grundlagen der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		PRE.western { font-family: "Garuda" } 		PRE.cjk { font-family: "DejaVu Sans", monospace } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><strong>Stete Schritte in Richtung «gro&#223;e» Kopfpauschale</strong><br />
<em>von Daniel Kreutz</em></p>
<p>Der zweite Angriff der schwarz-gelben Koalition gilt den solidarischen Grundlagen der Gesetzlichen Krankenversicherung. Nach langem Gezerre hat man sich darauf geeinigt, die Kopfpauschale durch die Hintert&#252;r einzuf&#252;hren.</p>
<p><span id="more-1374"></span>Zun&#228;chst wird die Beitragssatzsenkung um 0,6%, die man zur Krisenbek&#228;mpfung aus Steuermitteln finanziert hatte, zur&#252;ckgenommen. Damit steigt der allgemeine Beitragssatz f&#252;r den Gesundheitsfonds wieder von 14,9 auf 15,5%. Von den 15,5% bezahlen die Versicherten 8,2% – wegen des rot-gr&#252;nen Sonderbeitrags von 0,9% – und die Arbeitgeber 7,3%. Parit&#228;tische Finanzierung war bekanntlich vorgestern.</p>
<p>Nun will man den Arbeitgeberbeitrag auf 7,3% einfrieren, sodass alle k&#252;nftigen Ausgabensteigerungen allein von den Versicherten bezahlt werden – und zwar &#252;ber die von den einzelnen Kassen zu erhebenden Zusatzbeitr&#228;ge, die einkommensunabh&#228;ngig als Eurobetrag, als «kleine» Kopfpauschale erhoben werden. Die bisherige Begrenzung der Zusatzbeitr&#228;ge auf acht Euro pauschal oder 1% des Einkommens f&#228;llt weg. F&#252;r die H&#246;he der R&#246;sler-Pauschalen gibt es k&#252;nftig keine Grenze mehr.</p>
<p>Und sie werden mit der allgemeinen Kostenentwicklung in der Gesundheitsversorgung steigen. F&#252;r 2012 erwartet das Bundesgesundheitsministerium wieder ein Defizit von 4–5 Milliarden Euro, das in den folgenden zwei Jahren bis 2014 auf 10 Milliarden Euro steigen wird. Andere Sch&#228;tzungen liegen deutlich h&#246;her. Das Bundesversicherungsamt errechnet j&#228;hrlich eine durchschnittliche Zusatzpauschale, die zur Kostendeckung n&#246;tig w&#228;re.</p>
<p>&#220;ber die tats&#228;chliche Zusatzpauschale entscheidet aber jede Kasse einzeln. Wenn nun die rechnerische Durchschnittspauschale &#252;ber 2% des individuellen Bruttoeinkommens steigt, soll es einen steuerfinanzierten Sozialausgleich geben, der die individuelle Zusatzbelastung auf 2% begrenzt. Wenn eine Kasse bereits eine Pauschale verlangt, die bei kleinen Versicherteneinkommen mehr als zwei Prozent ausmacht, w&#228;hrend die Durchschnittspauschale noch unter 2% liegt, gibt’s keinen Ausgleich. Dann muss man entweder die Pauschale allein tragen – auch als Geringverdiener – oder zu einer Kasse mit niedrigerer Pauschale wechseln.</p>
<p><strong>Der Mechanismus der Zusatzzahlung</strong></p>
<p>Wenn Frau Mustermann 800 Euro brutto im Monat hat, kann sie auf jeden Fall mit bis zu 16 Euro monatlich ohne Ausgleich belastet werden – also doppelt so hoch wie mit der bisherigen H&#246;chstpauschale von 8 Euro. In Prozent des Einkommens steigt ihr Beitrag von 8,2 auf 10,2%. Der Ausgleich f&#252;r die Versicherten soll direkt beim Arbeitgeber oder beim Rentenversicherungstr&#228;ger stattfinden, indem der prozentuale Beitrag so abgesenkt wird, dass die pauschale Zusatzbelastung auf 2% begrenzt wird.</p>
<p>Wenn Frau Mustermann also eine Zusatzpauschale von 18 Euro bezahlen muss, m&#252;ssten die 2 Euro &#252;ber der 2%-Grenze ausgeglichen werden. Dazu k&#252;rzt ihr Arbeitgeber ihren regul&#228;ren Kassenbeitrag von 65,60 Euro – das ist der Beitragssatz von 8,2% – um 2 Euro auf 63,60 Euro. Damit sinkt der einkommensabh&#228;ngige Beitrag von Frau Mustermann von 8,2% auf rund 8,0%. Aber ihre Gesamtbelastung bleibt bei 10,2%. Die Summe der Beitragsausf&#228;lle, die den Kassen bei den Regelbeitr&#228;gen entstehen, wird aus Steuermitteln ausgeglichen.</p>
<p>Wir haben es also mit einem Mechanismus zu tun, der dazu f&#252;hrt, dass die Zusatzpauschalen im Laufe der Jahre immer weiter aufwachsen, w&#228;hrend die einkommensabh&#228;ngigen Beitr&#228;ge der Versicherten zur&#252;ckgehen und die Abh&#228;ngigkeit der GKV von Steuermitteln zunimmt. Die Entwicklung geht also in Richtung der «gro&#223;en Kopfpauschale».</p>
<p>Dabei nimmt die soziale Ungerechtigkeit bei der Finanzierung zu, wie das bei Kopfpauschalen so ist. Die Arbeitgeber werden mit ihrem eingefrorenem Beitragssatz von 7,3% vollst&#228;ndig aus der Verantwortung f&#252;r die k&#252;nftige Kostenentwicklung entlassen. Und w&#228;hrend eine Pauschale von 16 Euro die Belastung von Frau Mustermann um 2% auf 10,2% steigen l&#228;sst, wird der Bezieher eines Einkommens von 3750 Euro – das liegt auf der Beitragsbemessungsgrenze – nur um 0,4% h&#246;her belastet. Erst bei einer Pauschale ab 75 Euro w&#252;rde hier die Zusatzbelastung von 2% erreicht. Ob die Bundesregierung dann aber noch bereit und in der Lage w&#228;re, den Steuerausgleich f&#252;r Frau Mustermann zu bezahlen, ist allerdings offen.</p>
<p>Aber eines ist klar: Es gibt nicht «mehr Netto vom Brutto», sondern weniger. Die Bundesregierung behauptet, ein steuerfinanzierter Sozialausgleich w&#228;re gerechter als einkommensabh&#228;ngige Beitr&#228;ge, weil zum Steueraufkommen alle Einkommensarten beitragen. Nun kommen aber gut 70% des Steueraufkommens aus Lohn- und Verbrauchssteuern, die Arbeitgeber und Reiche kaum belasten. Kapital- und Unternehmensteuern haben dagegen einen dramatischen Bedeutungsverlust erlitten. Eine Abl&#246;sung parit&#228;tisch finanzierter Beitr&#228;ge durch Steuermittel f&#252;hrt deshalb nicht zu mehr, sondern zu weniger Belastungsgerechtigkeit.</p>
<p>Sachverst&#228;ndige gehen davon aus, dass sich der Wettbewerb zwischen den Kassen auf die Zusatzpauschalen konzentrieren wird, und dass die Kassen dann noch st&#228;rker an der Leistungsqualit&#228;t sparen werden. Leistungsverschlechterungen f&#252;hren aber langfristig zu Mehrausgaben, wenn Krankheitsverl&#228;ufe schwerer oder chronisch werden. Zu bef&#252;rchten ist deshalb, dass freiwillig Versicherte mit entsprechend hohen Einkommen vermehrt in private Kassen abwandern, um steigende R&#246;sler-Pauschalen zu vermeiden und sich bessere Leistungen zu sichern. Was dann wiederum zu h&#246;heren Defiziten und h&#246;heren R&#246;sler-Pauschalen in der gesetzlichen Krankenversicherung f&#252;hren w&#252;rde.</p>
<p>Solidarische Alternativen R&#246;slers Pauschalen sind ein fundamentaler Bruch mit der Werteordnung der solidarischen Krankenversicherung. Dabei g&#228;be es praktikable Alternativen, um wieder eine umfassende solidarische Finanzierung und Versorgung zu erreichen. Eine parit&#228;tisch finanzierte B&#252;rgerversicherung ohne «Solidarit&#228;tsfluchtgrenzen» bei Versicherungspflicht und Beitragsbemessung w&#252;rde auch das besser verdienende Klientel der privaten Krankenversicherung in die Solidargemeinschaft einbinden. Die einseitige Belastung von Kranken und Versicherten w&#252;rde &#252;berwunden. Um das Gesundheitswesen vorrangig auf eine hohe Versorgungsqualit&#228;t auszurichten, brauchen wir nicht mehr Wettbewerb und Kommerz, sondern mehr &#246;ffentliche Daseinsvorsorge. Insbesondere muss eine wirksame Regulierung des Arzneimittelmarkts – Stichwort: Positivliste – endlich der Selbstbedienungsmentalit&#228;t der Pharmakonzerne einen Riegel vorschieben.</p>
<p>K&#252;rzungspaket und R&#246;sler-Pauschale machen ein weiteres Mal deutlich: Der Weg f&#252;hrt in eine andere Republik. In eine Republik, in der die Grunds&#228;tze der Solidarit&#228;t und der sozialen Gerechtigkeit nicht mehr z&#228;hlen. In eine Republik, die den Sozialstaat nicht mehr als grundlegendes Gestaltungsprinzip eines demokratischen gesellschaftlichen Miteinanders versteht, sondern nur noch als Lazarettwagen f&#252;r diejenigen, die im Kampf auf entfesselten M&#228;rkten auf der Strecke bleiben. Um den Sozialstaat zu erhalten und zu erneuern, um unseren Kindern und Enkeln ein Leben in W&#252;rde zu sichern, haben wir, so wie die Dinge liegen, kaum eine andere Chance, als Protest und Gegenwehr, als Kampf f&#252;r solidarische Alternativen mit allen demokratischen Mitteln. Nur indem wir uns selber bewegen, werden wir die Gesellschaft wieder in eine andere Richtung bewegen k&#246;nnen.</p>
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		<title>R&#246;slers «Kampf» gegen die Pharmaindustrie</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/04/roeslers-kampf-gegen-die-pharmaindustrie/</link>
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		<pubDate>Thu, 22 Apr 2010 16:32:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Versuch der Rosst&#228;uscherei von Thadeus Pato Auf irgendeine geheimnisvolle Weise muss der Gesundheitsminister R&#246;sler nun doch erfahren haben, dass es [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Versuch der Rosst&#228;uscherei</strong><br />
<em>von Thadeus Pato</em></p>
<p>Auf irgendeine geheimnisvolle Weise muss der Gesundheitsminister R&#246;sler nun doch erfahren haben, dass es mit seiner Popularit&#228;t nicht mehr so weit her ist, seit er versuchte, die Motors&#228;ge am Stamm der Solidarversicherung anzusetzen. Und au&#223;erdem will der Koalitionspartner aus durchsichtigen Gr&#252;nden nicht so recht, wie er will. Also was tun?</p>
<p><span id="more-938"></span>Ganz einfach: Man suche sich einen Gegner, den sowieso niemand leiden kann, pr&#252;gele &#246;ffentlich auf ihn ein und hole so die verlorenen Sympathien zur&#252;ck. Gesagt, getan: Der Zappel-Philipp wandte sich von seinem Lieblingsprojekt, der Zerschlagung der solidarischen Krankenversicherung, kurzzeitig ab und einem bew&#228;hrten Hassobjekt zu: der Pharmaindustrie. Mit gro&#223;en Augen und treuherzigem Blick verk&#252;ndete er altbekannte Wahrheiten, dass n&#228;mlich die Pillendreher mit ihren Scheininnovationen und anderen Tricks die Versicherten gnadenlos seit Jahrzehnten abzocken, und tat so, als habe er das pers&#246;nlich gerade neu herausgefunden.</p>
<p>In Robin-Hood-Pose k&#252;ndigte er dann an, damit nun endlich Schluss machen zu wollen. Ausgerechnet der Minister einer Partei, die die von allen Fesseln befreite Marktwirtschaft als alleinseligmachenden Religionsersatz predigt, soll vom Saulus zum Paulus geworden sein und eine staatliche Regulierung der Medikamentenpreise einf&#252;hren? Gemach!</p>
<p>Die einzige Ma&#223;nahme, die R&#246;sler konkret angek&#252;ndigt hat und noch im Sommer umsetzen will, ist ein erh&#246;hter Rabatt auf Medikamente f&#252;r die gesetzlichen Krankenkassen. Der Grund ist allerdings schlicht der, dass der Minister schleunigst etwas tun muss, um nicht zu riskieren, dass die Kassen in die roten Zahlen rutschen und  die Beitr&#228;ge erh&#246;hen (m&#252;ssen). Das w&#228;re schlecht f&#252;rs Image. Also sucht er erst einmal etwas Zeit zu gewinnen, indem er die Extraprofite der Pharmamafia teilweise absch&#246;pft <em>-</em> denn bei der gab es kein «Minuswachstum» wie etwa bei den L&#246;hnen im Krisenjahr 2009, sondern ein munteres Plus:</p>
<p>Um 5,3% stiegen die Ausgaben f&#252;r Medikamente bei den gesetzlichen Kassen im letzten Jahr, auf insgesamt  &#252;ber 30 Mrd. Euro. Da kann man einen Rabatt verschmerzen, auch wenn die Pharmaindustrie prompt mit Stellenabbau droht. Diese Ma&#223;nahme ist <em>-</em> um es mit dem Dichter zu sagen <em>-</em> aus der Not geboren und nicht aus eig&#8217;nem Trieb.</p>
<p>Wie der Minister allerdings mit seiner zweiten pomp&#246;s angek&#252;ndigten Ma&#223;nahme die Pharmapreise dr&#252;cken will, das ist superb: Die Krankenkassen sollen mit den Herstellern &#252;ber die Preise «verhandeln», und wenn sie sich nicht einigen, dann entscheidet eine Art «Schiedskommission», die den Preis festlegt. Patentgesch&#252;tzte Medikamente <em>-</em> und gerade die sind die Preistreiber <em>-</em> erhalten selbstredend eine Schonfrist. Die S&#252;ddeutsche Zeitung wies zu Recht darauf hin, dass es auch einfacher ginge: dass n&#228;mlich das Institut f&#252;r Qualit&#228;t und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) schlicht eine Kosten-Nutzen-Bewertung vornehmen und danach den Preis festlegen k&#246;nne. In Gro&#223;britannien funktioniert ein solches System.</p>
<p>Aber dem Herrn R&#246;sler geht es ja nicht in erster Linie um eine Kostenreduzierung. Mit der &#220;bergabe der Verantwortung f&#252;r die Preisverhandlungen an die Krankenkassen hat er wieder ein St&#252;ckchen mehr Basarmentalit&#228;t in ein gegliedertes System eingeschmuggelt. Unverfroren verkauft er das als Beschneidung der Macht der Pharmaindustrie, tats&#228;chlich macht es Gesundheit und Krankheit noch ein St&#252;ck mehr zur Handelsware.</p>
<p>Und was den ebenso pomp&#246;s angek&#252;ndigten Wirksamkeitsnachweis betrifft, der erbracht werden soll (allerdings wiederum nicht vom IQWIG, sondern durch «Dossiers», die die Industrie vorlegen soll) so sei nur Folgendes angemerkt: In Deutschland gibt es mehrere zehntausend eingef&#252;hrte Arzneispezialit&#228;ten. In L&#228;ndern, in denen f&#252;r die Zulassung eines Arzneimittels der Nachweis eines Zusatznutzens gegen&#252;ber bereits vorhandenen Mitteln verlangt wird, ist es weniger als ein Zehntel davon.</p>
<p>Aber &#252;ber die bereits zugelassenen Mittel hat Herr R&#246;sler listigerweise nichts gesagt. Und dem IQWIG ist im &#220;brigen auf wundersame Weise sein Chef, der bekannt pharmakritische Professor Sawicki, abhanden gekommen, den der Stern kurz und treffend als «Opfer der Pharmalobby» bezeichnete. Die Koalition hatte n&#228;mlich in ihren Verhandlungen beschlossen, das IQWIG industrien&#228;her auszurichten. Und da st&#246;rte Sawicki.</p>
<p>Das Schlimme an der Rosst&#228;uscherei ist, genaugenommen, nicht der Rosst&#228;uscher, sondern dass es Leute gibt, die auf derart plumpe Betrugsversuche hereinfallen. Bisher hatte Herr R&#246;sler diesbez&#252;glich wenig Talent <em>-</em> seine Umfragewerte waren nicht die besten. Als sein Vorschlag, die Sch&#252;ler mit schlechtem Abitur zur sp&#228;teren Landverschickung als &#196;rzte vorzusehen, nicht so recht helfen wollte, hat er sich etwas Neues &#252;berlegt.</p>
<p>Mal sehen, wer sich diesmal von dem als schmucken Rappen herausgeputzten Klepper t&#228;uschen l&#228;sst.</p>
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		<title>Das Gesundheitssystem der Schweiz</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/04/das-gesundheitssystem-der-schweiz/</link>
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		<pubDate>Thu, 01 Apr 2010 23:10:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Modell f&#252;r Deutschland? Schwarz-gelbe Gesundheitspolitik im Spiegel schweizerischer Erfahrungen von Sebastian Schief und Maurizio Coppola Mit den Bundestagswahlen am [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Modell f&#252;r Deutschland?</strong> <strong>Schwarz-gelbe Gesundheitspolitik im Spiegel schweizerischer Erfahrungen</strong><br />
<em>von Sebastian Schief und Maurizio Coppola</em><br />
Mit den Bundestagswahlen am 27.September 2009 haben sich die Mehrheiten in Deutschland zugunsten einer konservativ-liberalen Koalition verschoben. Besonders die versprochene Transformation des Gesundheitswesens ist aus einer schweizerischen Perspektive von Interesse.</p>
<p><span id="more-718"></span>Generell versprechen die Koalitionspartner, das deutsche Gesundheitswesen innovationsfreundlich, leistungsgerecht und demografiefest zu gestalten, sowie Solidarit&#228;t, Eigenverantwortung und einer Kultur des Vertrauens den Vorzug vor b&#252;rokratischen Vorschriften zu geben.</p>
<p>Drei Ma&#223;nahmen sind anvisiert: St&#228;rkung und Betonung des Wettbewerbs, Entkoppelung der Gesundheitskosten von den Lohnzusatzkosten sowie die Einf&#252;hrung des Kapitaldeckungsverfahrens als effizientes Instrument zur Finanzierung von Sozialleistungen. Diese drei Punkte sind auch integraler Bestandteil der Ideologie des schweizerischen Wohlfahrtsstaats im Allgemeinen und seiner Gesundheitsversorgung im Speziellen. Welche Erfahrungen hat die Schweiz damit gemacht?</p>
<p><strong>Das schweizerische Gesundheitssystem</strong><br />
Gegenseitige Hilfsgesellschaften und andere Fr&#252;hformen von Krankenkassen existierten in der Schweiz schon vor mehreren hundert Jahren, gesetzlich verankert wurden sie aber erst in den 1880er Jahren. 1885 wurde die Grundlage f&#252;r einen Artikel in der Bundesverfassung geschaffen, der 1890 den Bund zur Einrichtung einer Kranken- und Unfallversicherung verpflichtete. 1899 wurde ein einheitliches Kranken- und Unfallversicherungsgesetz (KUVG, «Lex Forrer») verabschiedet, das eine eidgen&#246;ssische Unfallversicherung, &#246;ffentliche und private Krankenkassen, ein Pflichtversicherung f&#252;r die meisten Erwerbst&#228;tigen, Subventionen des Bundes sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeitr&#228;ge vorsah.</p>
<p>Dieses Gesetz scheiterte aber am Referendum im Jahre 1900. Eine abgespeckte Version des KUVG trat 1912 in Kraft und war bis 1995 (mit verschiedenen Teilrevisionen) die Grundlage des schweizerischen Gesundheitssystems, die Krankenversicherung war bis zu diesem Zeitpunkt freiwillig.</p>
<p>Erst mit dem Krankenversicherungsgesetz von 1994, das 1996 in Kraft trat, wurde eine obligatorische Krankenversicherung eingerichtet, obwohl zu dieser Zeit schon &#252;ber 95% der Bev&#246;lkerung versichert waren. Zentrale Innovationen dieses Gesetzes waren die obligatorische Grundversicherung, geschlechtsneutrale und f&#252;r kleine Einkommen subventionierte Beitr&#228;ge sowie ein erleichterter Kassenwechsel.</p>
<p>Heute sind die j&#228;hrlichen Pro-Kopf-Ausgaben des schweizerischen Gesundheitssystems im internationalen Vergleich sehr hoch. So gibt die Schweiz &#252;ber 50 Mrd. Franken (rund 35 Mrd. Euro) f&#252;r die Gesundheit aus, das sind etwa 11% des BIP. Zudem sind seit der Einf&#252;hrung der obligatorischen Krankenversicherung die Kosten markant gestiegen (zwischen 1996 und 2003 um 31,6%).</p>
<p>Im schweizerischen Gesundheitssystem konkurrieren 94 Kassen um Versicherte, davon vier mit &#252;ber 500000 Versicherten. Das Krankenversicherungsgesetz (KVG) schreibt den Kassen eine einheitliche Grundversicherung vor. Dar&#252;ber hinaus bieten die Krankenkassen nichtobligatorische Zusatzversicherungen an, die je nach Kasse variieren. Welche Leistungen in die Grund- bzw. Zusatzversicherung fallen, ist eine Frage der politischen Auseinandersetzung.</p>
<p><strong>Regulierter Wettbewerb</strong><br />
Zentrales Element der Neukonzeption des Gesundheitswesens der Schweiz war der so genannte regulierte Wettbewerb.</p>
<p>Die erste Komponente der privatwettbewerblichen Strategie war die M&#246;glichkeit der freien Kassenwahl. Durch die M&#246;glichkeit der Versicherten, die Krankenversicherung und die Franchisen (die individuelle Kostenbeteiligung) jedes Jahr zu wechseln, sollte ein Anreiz geschaffen werden, g&#252;nstige und qualitativ hochwertige Versorgung anzubieten. Tats&#228;chlich aber hilft dieses System jenen Geld zu sparen, die jung, gesund, gut ausgebildet und wohlhabend sind.</p>
<p>Der zweite Aspekt der Wettbewerbsstrategie war eine gr&#246;&#223;ere Gestaltungsfreiheit bei der Vertragsausgestaltung mit den &#196;rzten, Apotheken, Krankenh&#228;usern und anderen Leistungsanbietern. Dieser Aspekt wettbewerblichen Handelns sollte g&#252;nstige und qualitativ hochwertige Leistungen auf Seiten der Leistungsanbieter erm&#246;glichen.<br />
Tats&#228;chlich aber wurde der Markt durch festgelegte Kontingente bestimmter Gruppen von &#196;rzten noch st&#228;rker reguliert als zuvor.</p>
<p>Das scheinbar privatwettbewerblich organisierte Gesundheitssystem der Schweiz im Bereich der Grundversicherung kennt nur ein einziges Produkt. Es kann also nur &#252;ber den Preis Wettbewerb betrieben werden, dieser Wettbewerb wird &#252;ber die Pr&#228;mien noch dazu unterminiert, weil die Versicherten nur selten die Kasse wechseln. Zudem sind die Tarife und Preise der Leistungserbringer hoch reguliert, der Markt ist seit 2002 systematisch durch Kontingente abgeschottet, und zus&#228;tzlich wurde ein System der «Eigenverantwortung» eingerichtet, das jungen, gut ausgebildeten, gut verdienenden Gesunden erlaubt, sich der gemeinsamen Finanzierung der Krankenversicherungen teilweise zu entziehen.</p>
<p><strong>Die Versicherten zahlen</strong><br />
Ein wesentliches Merkmal der Finanzierung des Gesundheitssystems der Schweiz ist, dass einerseits die privaten Haushalte einen wesentlichen Teil der Kosten selbst aufbringen (Anstieg von 77% zwischen 1996 und 2007), andererseits die &#246;ffentliche Hand sich aufgrund des Spardrucks in Zeiten vermeintlicher finanzieller Krisen aus der Finanzierung zur&#252;ckzieht (von 39,5% Anteil staatlicher Finanzierung im Jahre 1971 auf 25,3% im Jahre 2000).</p>
<p>Die schweizerischen Krankenversicherungen werden &#252;berwiegend durch die Pr&#228;mien der Versicherten finanziert, was einen Drittel der gesamten Gesundheitskosten ausmacht. Ein weiteres Drittel wird durch Franchisen (Kostenbeteiligungen), Selbstbehalte und unversicherte Leistungen, ebenfalls von den Versicherten, aufgebracht. Bei den Pr&#228;mien handelt es sich um Kopfpr&#228;mien, die innerhalb einer Kasse und eines Kantons und unabh&#228;ngig von den finanziellen M&#246;glichkeiten und dem individuellen Krankheitsrisiko der Versicherten f&#252;r alle gleich hoch sind. Anders als bei anderen Sozialversicherungen beteiligen sich die Arbeitgeber nicht an diesen Beitr&#228;gen.</p>
<p>Diese einkommensunabh&#228;ngige Finanzierung wird durch Pr&#228;mienverbilligungen f&#252;r Einkommensschwache unterst&#252;tzt. Trotzdem ger&#228;t eine breite Bev&#246;lkerungsschicht aufgrund der Gesundheitskosten in finanzielle Probleme. Immerhin 52% der Bev&#246;lkerung geraten laut Gesundheitsmonitor in gelegentliche oder dauerhafte finanzielle Probleme durch die Kosten der Krankenversicherung, die soziale Abfederung der Pr&#228;mien gelingt also nur ungen&#252;gend.</p>
<p>Das dritte interessante Element der anvisierten Gesundheitsreform in Deutschland ist die Einf&#252;hrung eines Kapitaldeckungsverfahrens in der Pflegeversicherung. In der Schweiz existiert bisher das Kapitaldeckungsverfahren in der sog. zweiten S&#228;ule des Alterssicherungssystems, den Pensionskassen.<br />
Die damit im Zusammenhang stehenden Probleme lassen sich anhand der Entwicklungen in der j&#252;ngsten Finanz- und Wirtschaftskrise aufzeigen <em>–</em> da wurde die Instabilit&#228;t der Institutionen der zweiten S&#228;ule sichtbar. Das akkumulierte Kapital aller Institutionen der zweiten S&#228;ule betrug im Jahr 2004 ca. 132% des BIP, etwa 602,9 Mrd.Franken (ca. 372 Mrd. Euro). Oft wird &#252;bersehen, wie wichtig dieser enorme Betrag zu investierenden Kapitals f&#252;r die Schweiz als internationaler Finanzplatz ist.</p>
<p>Pensionskassen agieren auf den Finanzm&#228;rkten und investieren unter anderem in risikoreiche Anlagen. Aus den gewonnenen Renditen werden einerseits der sog. Mindestumwandlungssatz, also der Jahresprozentsatz des eingezahlten Verm&#246;gens als Rente ausgezahlt wird, andererseits der Zinssatz, also die Beteiligung der Versicherten an den erwirtschafteten Gewinnen. Durch die von der Krise 2008/09 verursachten Turbulenzen auf den Finanzm&#228;rkten haben die Schweizer Pensionskassen etwa 20% des gesamten Kapitals verloren, das sind etwa 120 Mrd. Franken ( 83,6 Mrd. Euro) aus.</p>
<p>Die Konsequenzen f&#252;r die Versicherten sind massiv, da einerseits ihr angespartes Kapital f&#252;r die Rente schwindet, andererseits der Mindestumwandlungssatz von 7,2 auf 6,8% und der Mindestzinssatz von 4% auf 2% gesenkt wurde. Der letzte Versuch der Senkung dieser S&#228;tze wurde allerdings im M&#228;rz von der Schweizer Bev&#246;lkerung abgelehnt.</p>
<p><strong>Was man nicht machen sollte</strong><br />
Die Organisation und Finanzierung des schweizerischen Systems der Gesundheitsvorsorge, aber auch die Erfahrungen mit dem Kapitaldeckungsverfahren sollten geeignet sein, Fragen bez&#252;glich der Umsetzung in Deutschland aufzuwerfen. Das Gesundheitssystem &#252;berl&#228;sst die Finanzierung zu einem Gro&#223;teil den privaten Haushalten.</p>
<p>Diese Finanzierung ist insbesondere durch die sog. Kopfpauschalen sozial unausgewogen, der soziale Ausgleich &#252;ber die Pr&#228;mienverbilligungen gelingt nur ungen&#252;gend. Der Einfluss privater Akteure ist hoch, da die Krankenversicherungen privatwirtschaftlich organisiert sind. Die Aufgabe, die Gesundheit der Schweizer zu gew&#228;hrleisten, ist zu einem gro&#223;en Teil in private H&#228;nde gelegt worden.</p>
<p>Es stellt sich nun die Frage, ob die hier analysierten Folgen und Begleitumst&#228;nde des schweizerischen Gesundheitssystems dazu geeignet sind, eine Nachahmung zu empfehlen. Zumindest sollte Minister R&#246;sler eine eingehende Modellanalyse schon vorhandener Systeme, wie dem schweizerischen, betreiben, bevor er sein politisches Schicksal mit der Einf&#252;hrung der Kopfpauschale verbindet. M&#246;glicherweise bleibt sonst nur noch die Alternative, ob man den Minister oder das System nachhaltig besch&#228;digt.</p>
<p><em><strong>Sebastian Schief</strong> lehrt u.a. Sozialpolitik an der Universit&#228;t Fribourg und ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von Attac Schweiz. <strong>Maurizio Coppola</strong> ist Co-Generalsekret&#228;r von Attac Schweiz.</em></p>
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		<title>Die Kopf-ab-Pauschale</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/03/die-kopf-ab-pauschale/</link>
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		<pubDate>Thu, 04 Mar 2010 10:53:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Schon der untere Mittelstand geh&#246;rt zu den Verlieren von Thadeus Pato Man stelle einen jungen, sympathischen Arzt als Gesundheitsminister an, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schon der untere Mittelstand geh&#246;rt zu den Verlieren</strong><br />
<em>von Thadeus Pato</em></p>
<p>Man stelle einen jungen, sympathischen Arzt als Gesundheitsminister an, lasse ihn mit seri&#246;sem Habitus haneb&#252;chenen Unsinn verbreiten, und dann verpasse man der ungeliebten Solidarversicherung den Fangschuss: So hatten sich die FDP und die hinter ihr stehende, sattsam bekannte, Klientel die neue Gesundheitspolitik vorgestellt. Ob es so kommt?<br />
<span id="more-621"></span>Hinter dem R&#246;sler’schen Man&#246;ver steckt Methode. Es sei daran erinnert, dass die Idee der Kopfpauschale vor ein paar Jahren von der CDU und ihrem willf&#228;hrigen wissenschaftlichen Gr&#252;&#223;august, dem Herrn Professor R&#252;rup, vertreten und propagiert wurde, w&#228;hrend die FDP mit dem inzwischen tief gefallenen Herrn M&#246;llemann die Solidarversicherung schon Anfang der 90er Jahre  ganz abschaffen und stattdessen eine Bodensatzversorgung f&#252;r die Armen einf&#252;hren und den Rest auf den freien Versicherungsmarkt schicken wollte. Jetzt versucht man es einmal anders herum: Die FDP fordert die Pauschale, und CDU/CSU pr&#228;sentieren sich als H&#252;terin des Sozialstaats.</p>
<p><strong>Billiger als Beitrag?</strong><br />
Auf den ersten Blick h&#246;rt es sich f&#252;r alle, die bisher in die AOK oder eine der anderen gesetzlichen Kassen einzahlen, verlockend an: Die Beitr&#228;ge sinken durch die Kopfpauschale dramatisch. Aber das ist eine Milchm&#228;dchenrechnung. Wie wir schon 2004 beim damaligen Versuch der CDU, die Pauschale ins Gespr&#228;ch zu bringen, nachwiesen, zeigen die Erfahrungen in der Schweiz, dass die Kopfpauschale exorbitanten Beitragserh&#246;hungen T&#252;r und Tor &#246;ffnet.</p>
<p>Die Rechnung ist einfach: Die Gesamtkosten des Systems werden durch die Art der Beitr&#228;ge in keiner Weise beeinflusst. Zun&#228;chst einmal wird das System also, wie auch von R&#246;sler angek&#252;ndigt, mit Steuermitteln subventioniert werden m&#252;ssen, um die Pauschale niedrig zu halten, respektive sie &#252;berhaupt einf&#252;hren zu k&#246;nnen. Unterdes steigen die Kosten weiter, und die Deregulierung schreitet voran.</p>
<p>In der Schweiz wurde die Pauschale 1996 eingef&#252;hrt <em>-</em> die Beitr&#228;ge stiegen danach innerhalb weniger Jahre um sage und schreibe 60%. 30% der Versicherten waren auf  staatliche Zusch&#252;sse angewiesen, und ein Schweizer Gesundheits&#246;konom stellte anschlie&#223;end fest: «Die schweizerischen Erfahrungen zeigen, dass schon der untere Mittelstand <em>-</em> Familien mit Kindern <em>-</em> zu den Verlieren eines solchen Systems geh&#246;rt.» Denn, was h&#228;ufig vergessen wird: Die Pauschale wird pro Kopf erhoben, d.h. die bisherige Familienmitversicherung entf&#228;llt <em>-</em> f&#252;r jedes Familienmitglied muss einzeln geblecht werden.</p>
<p><strong>Das Gesch&#228;ft mit der Krankheit</strong><br />
Dass das deutsche Gesundheitssystem (oder besser: Krankheitsbehandlungssystem, denn in den seltensten F&#228;llen geht es um Gesundheit) auch im internationalen Vergleich viel zu teuer ist, ist unbestreitbar. Aber das hat nichts mit dem Beitragssystem zu tun. Seit &#252;ber drei&#223;ig Jahren haben alle Regierungen schrittweise das anfangs noch zumindest im Krankenhausbereich weitgehend &#246;ffentliche System f&#252;r die private Kapitalverwertung zugerichtet. Seit der Einf&#252;hrung der Fallpauschalen kann man mit Krankenh&#228;usern richtig gut Geld verdienen <em>-</em> auf Kosten der Qualit&#228;t und auf dem R&#252;cken der Besch&#228;ftigten.</p>
<p>Dementsprechend dr&#228;ngt Kapital in diesen Sektor: Bereits mehr als ein Drittel der Krankenh&#228;user, bis hin zu Universit&#228;tskliniken, sind von Klinikkonzernen aufgekauft. Gleichzeitig kaufen diese Ketten noch Arztsitze und gliedern ihren Krankenh&#228;usern sog. Medizinische Versorgungszentren als Patientenzulieferbetriebe an.<br />
Die Industrialisierung des Medizinbetriebs ist gewollt und die Kopfpauschale ist ein weiterer  Schritt hin zu seiner endg&#252;ltigen Zurichtung zu einem «normalen Gesch&#228;ftszweig». Dabei stellt die Solidarversicherung eine Barriere dar, die fallen muss. Das Vorgehen ist simpel: Erst privatisiert und dereguliert man den Behandlungssektor, dann stellt man fest, dass das Ganze «nicht mehr bezahlbar» sei, macht das Prinzip der Solidarversicherung daf&#252;r verantwortlich und setzt auf die niedrigen Instinkte der Bev&#246;lkerung, indem man ihr das Zuckerbrot der (auf den ersten Blick f&#252;r den Durchschnittsverdiener billigeren) Kopfpauschale vor die Nase h&#228;lt. Die Peitsche der dann folgenden Beitragserh&#246;hungen versteckt man solange hinter dem R&#252;cken.</p>
<p>Die eigentlich Verantwortlichen f&#252;r die absurden Kosten eines vom  gesundheitswissenschaftlichen Standpunkt ineffizienten und inzwischen auch regelrecht gesundheitsgef&#228;hrdenden Systems, n&#228;mlich die Pharma- und Medizinindustrie einschlie&#223;lich der «Gesundheits»konzerne bleiben unbehelligt, sie werden die einzigen sein, die von einer Umstellung profitieren. Denn wenn das Prinzip der einkommensabh&#228;ngigen Beitragsstaffelung wegf&#228;llt, dann kann man sich auch gleich in die Privatversicherung verabschieden. Die wartet schon darauf…</p>
<p><strong>Schlichtmedizin</strong><br />
Billiger wird das Ganze nicht, denn auf der Kostenseite passiert nichts, sieht man einmal von den alle Jahre wieder verk&#252;ndeten «Verpflichtungen» der Pharmaindustrie ab, die diese allerdings nicht so behindern, dass sie nicht alle Jahre wieder satte Gewinne verk&#252;nden k&#246;nnte.</p>
<p>Aber irgendwer wird die Zeche bezahlen m&#252;ssen. Die Arbeitgeber werden es nicht sein, die sollen ja gerade «entlastet» werden, sie zahlen inzwischen auch schon deutlich weniger als die urspr&#252;nglichen 50% der Beitr&#228;ge. Die «sozial Schwachen» sollen nun laut R&#246;sler aus Steuermitteln bezuschusst werden. Da l&#228;sst Herr M&#246;llemann gr&#252;&#223;en: Diesen Zuschuss kann man nach einer Schamfrist herunterfahren und dann endlich dahin kommen, wo man schon immer hinwollte: Zu einer Schlichtmedizin f&#252;r Arme. F&#252;r die wird die Kopfpauschale dann zur Kopf-ab-Pauschale…</p>
<p>Eine weitere Folge in Bezug auf das Massenbewusstsein ist ebenfalls gewollt: Die Idee des Solidarausgleichs zwischen Reich und Arm, Alt und Jung soll endlich aus den K&#246;pfen verschwinden, dazu m&#252;ssen die letzten, noch so &#228;rmlichen Relikte solch emp&#246;rend unkapitalistischer Denkweise verschwinden.</p>
<p>Dass die CDU/CSU (noch) nicht mitmachen will, hat seinen Grund darin, dass sie die Umfragen kennt: Seit Jahren gibt es in der Bev&#246;lkerung eine stabile absolute Mehrheit f&#252;r die Beibehaltung der Solidarversicherung. Der Herr Seehofer sagte das bereits 2004 in dankenswerter Deutlichkeit: Die Kopfpauschale sei ein «Sympathiekiller». Folglich wettert er jetzt auch werbewirksam gegen den netten Herrn R&#246;sler.<br />
Aber warten wir mal die n&#228;chsten Wahlen ab: Schlie&#223;lich stammt die Idee der Kopfpauschale von der CDU selbst…</p>
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