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	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung</title>
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		<title>Totgesagte leben l&#228;nger</title>
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		<pubDate>Wed, 01 May 2013 02:36:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Weltsozialforum in Tunis 2013 war ein interkultureller Erfolg von Leo Gabriel «Ist das Weltsozialforum &#252;berhaupt relevant?», lautete die vom [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Weltsozialforum in Tunis 2013 war ein interkultureller Erfolg<br />
</strong><em>von Leo Gabriel</em></p>
<p>«Ist das Weltsozialforum &#252;berhaupt relevant?», lautete die vom US-amerikanischen Politologen Immanuel Wallerstein aufgeworfene Gretchenfrage, die das Weltsozialforum seit seiner Gr&#252;ndung im Januar 2001 in Porto Alegre, Brasilien, begleitet. An dieser Frage rieben sich immer wieder diejenigen, die das WSF als eine Art weltweiter Avantgarde eines in sich tief gespaltenen Globalisierungsprozesses sehen wollen, mit jenen, die es als gigantischen Treffpunkt hunderter, ja tausender Initiativen ansehen, die den vorherrschenden neoliberalen, kriegstreiberisch-gewaltt&#228;tigen, umweltzerst&#246;rerischen, von Rassismus und Sexismus gepr&#228;gten Systemen eine realistische Alternative entgegensetzen wollen.<span id="more-8056"></span><br />
Tunis 2013 war ein schlagender Beweis daf&#252;r, dass der politischen Kultur des Austragungsorts bei der Beantwortung dieser Frage eine entscheidende Bedeutung zukommt. Dadurch, dass das WSF im arabischen Raum der Maghreb-Maschrek Region – ausgerechnet im Ursprungsland des sog. «arabischen Fr&#252;hlings» – stattfand, trat quasi automatisch die eurozentristische Fixierung auf die eigenen Krisen in den Hintergrund. Denn in diesem Raum ist nun einmal das Hauptthema das Verh&#228;ltnis von Politik und Religion, das in hitzigen Debatten &#252;ber den Stellenwert des «politischen Islam» behandelt wurde.</p>
<p>Etwa in Auseinandersetzungen zwischen dem in Frankreich stark ausgepr&#228;gten Laizismus, der in seiner Radikalit&#228;t oft Formen einer Pseudoreligion annimmt, und einer islamistischen Frauenbewegung, die ihr Recht einforderte, die Burka zu tragen. Gro&#223;en Anhang fand der in der Schweiz lebende &#228;gyptische Intellektuelle Tariq Ramadan, der einem aufgekl&#228;rten Islamismus das Wort redete.</p>
<p>Wie immer hinterlie&#223; das WSF auch seine politischen Spuren beim Gastgeberland, wo sich trotz der massiven Unterst&#252;tzung des Events durch die tunesische Regierung zeigte, dass die Zeit f&#252;r die regierende En-Nahdha-Partei bei den n&#228;chsten Wahlen ablaufen wird, wenn nicht – wie das im «arabischen Fr&#252;hling» oft der Fall ist – etwas Unvorhergesehenes passiert.<br />
F&#252;r das Weltsozialforum selbst bedeutet diese wirklich gro&#223;artige interkulturelle Erfahrung auch, dass es sich der regionalen Struktur altermundialistischen  Denkens und Handelns bewusst geworden ist, was nicht zuletzt auch Eingang fand in die angeregte Debatte um eine Restrukturierung des Internationalen Rates im Anschluss an das Weltsozialforum.</p>
<p>So wird zum Beispiel das n&#228;chste Sozialforum auf dem europ&#228;ischen Kontinent <em>das «Mittel- und Osteurop&#228;ische Sozialforum» sein, das vom 2. bis 5.Mai in Wien</em> stattfinden wird.</p>
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		<title>Frankfurt/M, 31.Mai und 1.Juni</title>
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		<pubDate>Wed, 01 May 2013 01:46:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krise]]></category>
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		<category><![CDATA[Blochupy]]></category>

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		<description><![CDATA[Blockade im Herzen des europ&#228;ischen Krisenregimes von Florian Osuch Der kapitalismuskritische Zusammenschluss Blockupy ruft f&#252;r Freitag, den 31.Mai, zu Aktionen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong></strong><strong>Blockade im Herzen des europ&#228;ischen Krisenregimes</strong><br />
<em>von Florian Osuch</em></p>
<p>Der kapitalismuskritische Zusammenschluss Blockupy ruft f&#252;r Freitag, den 31.Mai, zu Aktionen des zivilen Ungehorsams und zur Blockade der Europ&#228;ischen Zentralbank (EZB) auf. Damit soll der «&#252;bliche Gesch&#228;ftsablauf der EZB sowie anderer Akteure des autorit&#228;ren Krisenregimes und der globalen Ausbeutung &#246;ffentlich sichtbar» gest&#246;rt werden, hei&#223;t es. F&#252;r Samstag, den 1.Juni, ist eine internationale Demonstration in der Bankenmetropole geplant.<span id="more-8054"></span><br />
Den Veranstaltern geht es darum, den Protest gegen die Verarmungspolitik der Regierungen, der EZB und des Internationalen W&#228;hrungsfonds (IWF) in eines der Zentren des europ&#228;ischen Krisenregimes zu tragen. «Wir stellen die herrschende Sachzwanglogik in Frage und gehen dorthin, wo viele Entscheidungstr&#228;ger und Profiteure sitzen», &#228;u&#223;erte Blockupy-Sprecherin Ani Diesselmann im Magazin Marx21. Die ma&#223;geblich vom Kabinett des SPD-Kanzlers Gerhard Schr&#246;der betriebene Agenda 2010 sei ein Modellprojekt f&#252;r das gewesen, was in noch dramatischerem Umfang gegenw&#228;rtig insbesondere in S&#252;deuropa durchgesetzt werde. Azad Tarhan, stellvertretender Landessprecher der Linkspartei in NRW, meint: «Am Blockupy-Wochenende wird das B&#252;ndnis den europ&#228;ischen Protest gegen die Verarmungs- und Privatisierungspolitik der EU auf die Stra&#223;en der Bankenstadt tragen.»</p>
<p>An Blockupy beteiligen sich Aktive der sozialen Bewegungen, Gewerkschaften und der Linkspartei, antirassistische Netzwerke, Friedens-, Umwelt- und  Erwerbsloseninitiativen, ATTAC, studentische und Antifagruppen sowie die Interventionistische Linke und das «Ums-Ganze»-B&#252;ndnis. In Nordrhein-Westfalen, im Rhein/Main-Gebiet, in Berlin und sogar in Wien haben sich regionale Blockupy-B&#252;ndnisse gegr&#252;ndet.</p>
<p>Im Vorjahr verliefen die Aktionen von Blockupy teilweise turbulent, die Innenstadt Frankfurts wurde mehrere Tage von Polizei belagert, Dutzende Personen wurden festgenommen und anreisende Protestierer massenhaft in Gewahrsam genommen. Im Nachhinein wurde die Stadt Frankfurt teilweise f&#252;r dieses Vorgehen kritisiert, das Amtsgericht Gie&#223;en erkl&#228;rte den Freiheitsentzug f&#252;r Demonstrierende aus Berlin f&#252;r rechtswidrig. Einige bekamen sogar Entsch&#228;digungszahlungen. Dazu &#228;u&#223;erte der Rechtsanwalt Peer Stolle: «Die Betroffenen wurden, ohne dass sie dazu Anlass gegeben haben, rechtswidrig in Gewahrsam genommen und anschlie&#223;end nachts in einer f&#252;r sie vollkommen fremden Stadt auf die Stra&#223;e gesetzt. 500 Euro Geldentsch&#228;digung ist daher das Mindeste, was den Betroffenen zusteht. Die Frankfurter Polizei sollte dies zum Anlass nehmen, von rechtswidrigen Freiheitsentziehungen Abstand zu nehmen.»</p>
<p>Der diesj&#228;hrige Protest soll bunt und vielf&#228;ltig werden. Vom B&#252;ndnis hei&#223;t es: «Mit Blockaden und kreativen Aktionen, &#246;ffentlichen Veranstaltungen und Demonstrationen bringen wir unseren Protest und Widerstand auf die Stra&#223;e, gegen die Verarmungs- und Krisenpolitik der Troika.» Die EZB soll «eng umzingelt werden». Mit Sitz- und Stehblockaden, Stra&#223;entheater, Transparenten und Trommelgruppen sollen die Korridore zum Eurotower blockiert werden. Auf Ma&#223;nahmen der Polizei, die im letzten Jahr kilometerweit Gitter aufgestellt hatte, reagiert Blockupy gelassen. Man werde M&#246;glichkeiten finden, derlei Absperrungen in Blockadeaktionen einzubeziehen, hei&#223;t es. Die Veranstalter legen Wert darauf, dass sich ihre Aktion nicht gegen die Besch&#228;ftigten der Finanzinstitute richtet, obwohl man schon verhindern wolle, dass «die Banker und Angestellten zu ihren Arbeitspl&#228;tzen kommen». All dies werde man jedoch «ruhig und besonnen tun».</p>
<p>&#196;hnlich wie etwa bei den antifaschistischen Blockadeaktionen in Dresden, wo bundesweit tausende Menschen in Sitzblockaden der eisigen K&#228;lte trotzten, ist auch in Frankfurt zu erwarten, dass es ein bunter Protest wird. So ist von Blockupy angek&#252;ndigt, dass einige Leute auch «thematische Gegenst&#228;nde und Blockadehilfsmittel dabei haben, wie zum Beispiel Einkaufswagen, Kreide, Leitern und Schlauchboote, Papp-Panzer, Wollf&#228;dennetze, Absperrband, Musikinstrumente und &#228;hnliches». Dies sollte den «prek&#228;ren Alltag und die Verarmung, die Verbindung von Krise und Krieg, Flucht und Migration, die K&#228;mpfe gegen Ausbeutung und Rassismus, gegen Umweltzerst&#246;rung sowie f&#252;r die Durchsetzung globaler Rechte und Demokratisierung» symbolisieren.</p>
<p><em>N&#228;here Infos unter</em> <a href="http://blockupy-frankfurt.org">http://blockupy-frankfurt.org</a>.</p>
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		<title>In die eigene Kraft vertrauen</title>
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		<pubDate>Wed, 01 May 2013 01:46:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Nah- und Mittelost]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
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		<category><![CDATA[Kurdistan]]></category>

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		<description><![CDATA[&#214;calans Friedensappell und die Reaktionen unter den Kurden von Nick Brauns In einem Friedensappell hat der gefangene Vorsitzende der Arbeiterpartei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#214;calans Friedensappell und die Reaktionen unter den Kurden</strong><br />
<em>von Nick Brauns</em></p>
<p>In einem Friedensappell hat der gefangene Vorsitzende der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah &#214;calan, anl&#228;sslich des kurdischen Newroz-Fests am 21.M&#228;rz zu einem R&#252;ckzug der Guerilla aus der T&#252;rkei aufgerufen. Vor zwei Millionen Menschen wurde in Diyarbak&#196;r die Erkl&#228;rung verlesen, in der &#214;calan zur Freiheit und Geschwisterlichkeit der bislang durch imperialistische Interventionskriege und k&#252;nstliche Grenzen gegeneinander aufgehetzten und unterdr&#252;ckten V&#246;lker im Mittleren Osten aufruft: «Eine T&#252;r &#246;ffnet sich von der Phase des bewaffneten Widerstands zur Phase der demokratischen Politik.»<span id="more-8063"></span></p>
<p>&#214;calans Aufruf ist das Ergebnis eines seit mehreren Jahren gef&#252;hrten und nach mehrmaligem Abbruch durch die Regierung im vergangenen Jahr wieder aufgenommenen Dialogs mit Vertretern des t&#252;rkischen Geheimdienstes. Angesichts einer Guerillaoffensive in der T&#252;rkei und der &#220;bernahme der Kontrolle &#252;ber weite Teile der kurdischen Siedlungsgebiete in Syrien entlang der t&#252;rkischen Grenze durch eine Schwesterpartei der PKK im Sommer letzten Jahres, war die t&#252;rkische Regierung zur Erkenntnis gelangt, der kurdischen Frage nicht mehr allein mit milit&#228;risch-polizeilichen Mitteln beikommen zu k&#246;nnen. Es versteht sich, dass das prim&#228;re Interesse der neoliberal-islamischen AKP-Regierung von Ministerpr&#228;sident Recep Tayyip Erdogan, der sich bei seinen Ambitionen auf das Amt des Staatspr&#228;sidenten auch kurdischer Unterst&#252;tzung zu versichern sucht, nicht in einer demokratischen L&#246;sung, sondern lediglich in der Eind&#228;mmung des kurdischen Aufstands besteht.</p>
<p><strong>Waffenstillstand</strong><br />
Die PKK hat im Anschluss an &#214;calans Newroz-Aufruf einen Waffenstillstand erkl&#228;rt. Dabei beh&#228;lt sich die Guerilla das Recht zur Selbstverteidigung vor. Schlie&#223;lich werden t&#252;rkische Milit&#228;roperationen ja fortgesetzt, wenn auch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Als vertrauensbildende Ma&#223;nahme hat die PKK acht in ihrer Gewalt befindliche Staatsbeamte freigelassen, w&#228;hrend einige wenige der rund 9000 kurdischen politischen Gefangenen, wie der B&#252;rgermeister der Gro&#223;stadt Van, Bekir Kaya, aus t&#252;rkischer Untersuchungshaft entlassen wurden.<br />
Es sei ein schwerer Fehler des Staates gewesen, seine nichtt&#252;rkischen B&#252;rger gewaltsam zu T&#252;rken gestempelt zu haben, gestand Staatspr&#228;sident Abdullah G&#252;l (AKP) ein. Eine neue Verfassung k&#246;nne auch ohne eine Definition aller Staatsb&#252;rger als «T&#252;rken» auskommen, griff der Pr&#228;sident eine zentrale Forderung &#214;calans auf. Eine auf Antrag der AKP gebildete Parlamentskommission «zur Begutachtung des L&#246;sungsprozesses», deren Einrichtung von der kemalistischen und faschistischen Opposition boykottiert wird, ist allerdings von einer Wahrheits- und Vers&#246;hnungskommission noch weit entfernt.<br />
Bei der PKK-F&#252;hrung herrscht Skepsis: «Wir sind uns bewusst, dass die T&#252;rkei in der Krise ist und den Frieden dringend braucht, aber andererseits wissen wir auch, dass die AKP als Regierungspartei den Friedensprozess und die Waffenruhe in die L&#228;nge ziehen wird, ohne eine echte L&#246;sung f&#252;r den Frieden anzubieten», erkl&#228;rte PKK-F&#252;hrungskader Murat Karayilan Anfang April gegen&#252;ber dem Sender Al Jazeera. «Zur Zeit befinden wir uns in einer Situation der St&#228;rke und sind bereit f&#252;r einen Krieg, aber wir wollen den Frieden.» Als Gegenleistung f&#252;r einen R&#252;ckzug ihrer bewaffneten Kr&#228;fte fordert die PKK Rechtsgarantien des Parlaments, um nicht, wie bei einem R&#252;ckzug im Jahre 1999, von der Armee angegriffen zu werden. Dagegen fordert Erdogan die Niederlegung der Waffen als Voraussetzung f&#252;r freies Geleit. Erst wenn die Existenz, Freiheit und Sicherheit der Kurden gesetzlich und in der Verfassung garantiert seien, k&#246;nnten die Waffen niedergelegt werden, stellte dagegen &#214;calan im April in einem Brief an die PKK-F&#252;hrung klar.</p>
<p><strong>Zwiesp&#228;ltige Reaktionen</strong><br />
Zwar zeigen sich Abgeordnete der prokurdischen Partei f&#252;r Frieden und Demokratie (BDP), die als «Brieftr&#228;ger» zwischen der Gef&#228;ngnisinsel Imrali und dem Kandil-Gebirge pendeln, zuversichtlich &#252;ber einen baldigen Beginn des Abzugs. Doch die weiterbestehende Insolationshaft &#214;calans, der keinen direkten Kontakt zur PKK-F&#252;hrung aufnehmen kann, ist ein Hindernis f&#252;r den Friedensprozess.</p>
<p>Ein von Erdogan handverlesener 63-k&#246;pfiger Weisenrat, dem neben AKP-nahen Journalisten und Wirtschaftsvertretern auch K&#252;nstler, Akademiker sowie einige linke Oppositionelle – wie der selber unter Terrorismusanklage stehende Gewerkschaftspr&#228;sident Lami angeh&#246;ren, soll die t&#252;rkische &#214;ffentlichkeit f&#252;r die Unterst&#252;tzung des Friedensprozesses gewinnen. Denn in Teilen der Bev&#246;lkerung gibt es massive Vorbehalte gegen Verhandlungen mit dem jahrzehntelang nur als «Terroristenchef» titulierten &#214;calan. 90-j&#228;hrige Verleugnungspolitik gegen&#252;ber den Kurden, nationalistische und militaristische Verhetzung durch Politik, Schule, Armee und Medien haben tiefe Spuren hinterlassen.<br />
Die Passagen von &#214;calans Newroz-Aufruf, in denen er das jahrtausendlange geschwisterliche Zusammenleben von T&#252;rken und Kurden unter dem Banner des Islam ebenso wie den gemeinsamen Kampf im Ersten Weltkrieg und im Befreiungskrieg betont, richten sich daher an die t&#252;rkische &#214;ffentlichkeit. &#214;calan habe sich vom Marxisten zum «islamischen Demokraten» entwickelt, jubelte ein Kolumnist der regierungsnahen Tageszeitung Zaman. Obwohl &#214;calan, ebenso wie die BDP, sich immer gegen einen Missbrauch der Religion zu politischen Zwecken gewandt hat und f&#252;r die rechtliche Gleichstellung aller ethnischen und religi&#246;sen Minderheiten eintritt, l&#246;sen derartige &#196;u&#223;erungen unter der alevitischen Religionsgemeinschaft Bef&#252;rchtungen aus, einem t&#252;rkisch-kurdischem B&#252;ndnis im Namen des sunnitischen Islam zum Opfer zu fallen. Dagegen wirft der t&#252;rkischst&#228;mmige Soziologe Ismail Besikci, der f&#252;r seine Forschungen zur kurdischen Frage 17 Jahre in Haft verbrachte, &#214;calan «Verrat an der kurdischen Sache» vor: «Wenn &#214;calan sich an diese Parolen klammert, mag er vielleicht den t&#252;rkischen Staat beruhigen, aber damit bringt er den Kurden weder Rechte noch Freiheit.»<br />
Bei der legalen sozialistischen Linken, die teilweise mit der BDP in der gemeinsamen Dachpartei «Demokratischer Kongress der V&#246;lker» (HDK) zusammengeschlossen ist, war das Echo auf &#214;calans Aufruf &#252;berwiegend positiv. «Was betr&#252;gt ihr euch selbst? Von was f&#252;r einem ‹Abkommen›, was f&#252;r einem ‹Frieden› sprecht ihr in einem Land, in dem die Menschen jeden Tag von Polizeioperationen aufgeweckt werden?», hei&#223;t es dagegen in einem Schreiben, mit dem sich die antiimperialistische Revolution&#228;re Volksbefreiungsfront-Partei DHKP-C zu Anschl&#228;gen auf das Justizministerium und AKP-B&#252;ros in Ankara bekannte.</p>
<p>Tats&#228;chlich ist es noch verfr&#252;ht, von einem Friedensabkommen zu sprechen. Wir erleben vielmehr den Beginn einer Dialogphase, in der es um die Herstellung gegenseitigen Vertrauens der Verhandlungspartner und der Gewinnung der &#214;ffentlichkeit geht. Dass die Regierung mit der offiziellen Anerkennung &#214;calans und damit indirekt auch der PKK als Verhandlungspartner eines der st&#228;rksten Tabus in gebrochen hat, ist der bislang wichtigste psychologische Erfolg in diesem Prozess.<br />
Noch ist ungewiss, ob es wirklich zu einem L&#246;sungsprozess kommen wird. Ob eine solche L&#246;sung weitergehende emanzipatorische Perspektiven f&#252;r die T&#252;rkei er&#246;ffnet, h&#228;ngt nicht zuletzt davon ab, inwieweit sich sozialistische, laizistische und gewerkschaftliche Kr&#228;fte sowie unterdr&#252;ckte Minderheiten wie die Aleviten mit ihren Forderungen und ihrem Potenzial in den Friedensprozess einbringen. «Diejenigen, denen es an Selbstvertrauen mangelt, beurteilen die gegenw&#228;rtige Phase nur in Bezug auf die AKP-Regierung und ihre Politik», erkl&#228;rt der BDP-Vorsitzende Selahattin Demirtas gegen&#252;ber Kr&#228;ften, die in einer Blockadehaltung verharren, weil sie bef&#252;rchten, dass die AKP gest&#228;rkt aus diesem Prozess herausgeht. «Sie man&#246;vrieren die Angelegenheit in eine Sackgasse, weil sie nicht &#252;ber die Diskussion um das Vertrauen in die AKP und ihre Unzuverl&#228;ssigkeit hinausgehen. Es geht hier aber um Selbstvertrauen und das Vertrauen in den eigenen Kampf, nicht um das Vertrauen in die AKP.</p>
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		<title>«Wer sich emp&#246;rt, eckt an»</title>
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		<pubDate>Wed, 01 May 2013 00:39:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Startseite]]></category>

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		<description><![CDATA[Lothar K&#246;nig &#252;ber seinen «Landfriedensbruch-Prozess» in Dresden Wegen seines Engagements gegen die Neonazis steht der Stadtjugendpfarrer von Jena, Lothar K&#246;nig, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Lothar K&#246;nig</em> &#252;ber seinen «Landfriedensbruch-Prozess» in Dresden</strong></p>
<p>Wegen seines Engagements gegen die Neonazis steht der Stadtjugendpfarrer von Jena, Lothar K&#246;nig, in Dresden vor Gericht – wegen Landfriedensbruch. F&#252;r die SoZ sprach<em> Jochen Gester</em> mit ihm.<span id="more-8052"></span></p>
<p>Lothar K&#246;nig wurde am 11.M&#228;rz 1954 in Leimbach bei Nordhausen in Th&#252;ringen geboren und galt schon fr&#252;h als aufm&#252;pfig: Wegen seiner Sympathien f&#252;r den Prager Fr&#252;hling erlebte er bereits mit 15 Jahren seine erste Hausdurchsuchung. Er lernte Zerspanungsfacharbeiter (1970–1972) und ging dann in Eisenach in eine Diakonie-Ausbildung. Es folgte ein Studium der Theologie in Erfurt und in Jena. Nach dem Vorbild der Jungen Gemeinde, die wegen ihres unbotm&#228;&#223;igen Verhaltens gegen&#252;ber den Staatsorganen den Herrschenden ein Dorn im Auge war, entwickelte Lothar K&#246;nig mit anderen die offene Jugendarbeit in Erfurt. Als Pfarrer in Merseburg war er einer der Organisatoren der Montagsdemonstrationen f&#252;r gesellschaftliche Ver&#228;nderungen in der DDR. Fr&#252;h warnte K&#246;nig vor dem Rechtsextremismus, der die rebellische Jugendszene in Jena fr&#252;h zu seinem bevorzugten Angriffsziel machte. 1997 wurde er bei einem &#220;berfall der Neonazis schwer verletzt.</p>
<p><em>Beim Dresdener Prozess gegen Sie, der am 4.April begann, geht es um eine politische Aktion aus dem Jahr 2011. Worum ging es damals?</em><br />
Es geht um Dresden 2011. Die Nazis marschierten bereits seit Jahren dort auf, um den Beginn der Bombardierungen am 13.Februar 1945 zur Pflege eines Opfermythos zu nutzen, der in Dresden tief verankert ist und auch zu DDR-Zeiten herumgeisterte: Dresden, die arme, sch&#246;ne, wehrlose, nicht kriegsentscheidende Stadt.<br />
Wie schafften es diese Schweinenazis 1945, so eine Geschichte erfolgreich in die Welt zu setzen? Erstmals stand ich 1982 bei den Ruinen der Frauenkirche mit Kerzen, schwer bewacht von der Stasi. Aus ihrer Sicht war das ein krimineller, staatsfeindlicher Akt. Doch 1990 wurde daraus ein staatstragender Akt. Auf dem Heidefriedhof wurde eine riesige St&#228;tte errichtet. Dort marschierten sie alle auf, in den ersten Jahren auch s&#228;mtliche Alliierten, die Stadtregierung, die Staatsregierung von Sachsen, dazu s&#228;mtliche Fraktionen des Landtags, die Kirche und die j&#252;dische Gemeinde. Die Neonazis demonstrierten ebenso von Anfang an, ab 2000 immer am 13.Februar, von Jahr zu Jahr kamen mehr.<br />
Die Gegendemonstrationen waren hilflos, es waren viel zu wenig Leute. Wir von der Jungen Gemeinde sind seit 2006 dabei. Man hatte gar keine Chance, den Neonazis etwas entgegenzusetzen, da sie zahlreich, organisiert und be&#228;ngstigend gewaltt&#228;tig sind. Die Bev&#246;lkerung sieht diesem Treiben fast tatenlos zu, und die Nazis bekommen nicht nur aus der s&#228;chsischen Regierung und Justiz eine dumpfe Zustimmung. Die gibt es auch offen, denn die NPD sitzt mit 10% im Landtag – mehr hat die SPD auch nicht.<br />
2009 gelang es zwei gr&#246;&#223;eren B&#252;ndnissen zum ersten Mal, mehr Leute nach Dresden zu holen und auch ein paar Dresdner zu gewinnen. Pl&#246;tzlich waren dort erstaunlicherweise 3000–4000 aus der Antifa, sowie 4000–5000 aus dem linksb&#252;rgerlichen B&#252;ndnis. 2010 vereinten sich die beiden B&#252;ndnisse zu «Dresden nazifrei». Den insgesamt 10000–15000 Leuten gelang es, den Neonazi-Aufmarsch so zu st&#246;ren, dass sie nicht laufen konnten, was offenbar der s&#228;chsischen Justiz ein Dorn im Auge war – so was lassen sie sich nicht von Leute bieten, die in ihren Augen Linke oder Linksextremisten sind.</p>
<p><em>Welche Konsequenzen wurden daraus gezogen?<br />
</em>2011 entwickelten Polizei und Stadtverwaltung ein wirklich hirnrissiges Konzept f&#252;r die Demonstration, die daf&#252;r Verantwortlichen m&#252;ssten heute vor Gericht stehen. Die Elbe sollte eine Trennlinie sein. Die Gegendemonstranten sollten sich n&#246;rdlich davon aufhalten. Die n&#228;chste Trennlinie war der Bahndamm, 5–6 Meter hoch. Das Gebiet zwischen Elbe und Bahndamm sollte eine neutrale Zone bilden. S&#252;dlich des Damms, in der N&#228;he vom Hauptbahnhof, war der Aufmarschplatz der Neonazis vorgesehen.<br />
Weil 4000–5000 Polizisten diese Sperrzone jedoch nicht dauerhaft gegen&#252;ber 20000 Gegendemonstranten durchsetzen konnten, wurde eine imagin&#228;re Aufenthaltsverbotszone festgelegt. F&#252;r die Polizei war jeder, der da hineinging, Straft&#228;ter. Sie war &#252;berfordert und setzte schon fr&#252;h Gewaltmittel wie Schlagst&#246;cke und Pfefferspray ein.</p>
<p><em>Im Prozess gegen Sie ist viel von Gewaltt&#228;tigkeit die Rede. Was sollen Sie verbrochen haben?<br />
</em>Ein paar Worte zur Vorgeschichte: Die gerichtsrelevante Demonstration war am Sonnabend, dem 19.Februar. Am Sonntag gab es eine Gedenkveranstaltung auf dem Heidefriedhof. Wir fragten uns: Wie kann es sein, dass dort 2011 der gr&#246;&#223;te Neonaziaufmarsch in Europa stattfindet? Daf&#252;r haben wir Verbindungen gekn&#252;pft. Dreimal fuhren Leute von Th&#252;ringen nach Dresden und telefonierten dabei mit jemandem, der – das wusste damals keiner – zu einer kriminellen Bande in Dresden gez&#228;hlt wird. Beim zweiten Mal wurden Leute aus unserem Umfeld, die dahin fuhren, observiert. Das Fahrzeug und der Halter wurden festgestellt. Der war ich, und ich bin vielfach aktenkundig. Damit meinten sie, den Chef dieser kriminellen Vereinigung entdeckt zu haben.<br />
So geriet ich hochoffiziell ins Visier von §129a-Ermittlungen (Bildung terroristischer Vereinigungen). Nun wurde behauptet, diese kriminelle Vereinigung habe einen Anschlag auf die Gedenkveranstaltung auf dem Heidefriedhof geplant. Im Sommer flogen die verdeckten Ermittlungen auf, und der Spiegel erhob mich zur Galionsfigur, um mit 20 Jahren Sachsensumpf abzurechnen. Von dem, was er &#252;ber mich geschrieben hatte, stimmte zwar nichts, aber der Artikel tat seine Wirkung. Zehn Tage sp&#228;ter wurde meine Wohnung durchsucht, es war eine regelrechte Razzia. Es kam mir vor wie ein kindischer Rachefeldzug wegen des Spiegel-Artikels.<br />
Angeklagt wurde ich dann aber nicht nach §129, sondern nach §125 (Landfriedensbruch). Die Klage umfasst drei Punkte: Ich soll verantwortlich sein erstens f&#252;r eine Aufforderung: «Deckt die Bullen mit Steinen ein»; zweitens f&#252;r die Abdr&#228;ngung eines Polizeifahrzeugs beim Einsatz; und schlie&#223;lich daf&#252;r, Straft&#228;ter dem Zugriff der Polizei entzogen zu haben.</p>
<p><em>Gab es nicht einen direkten Gewaltvorwurf?<br />
</em>Die von mir begangene Straftat soll darin bestehen, die w&#228;hrend der Demonstration begangenen Delikte billigend in Kauf genommen zu haben. Hier geht es um eine rein subjektive Tatzuschreibung, die den juristischen Rahmen sprengt. Sie wollen mich daf&#252;r belangen, dass der Lautsprecherwagen, in dem auch ich sa&#223;, als Zentrale des Demoblocks fungiert habe. &#220;ber ihn sei immer wieder aufgerufen worden sich zu sammeln, sich zu verst&#228;ndigen, und es wurde informiert, wie es weiter geht – wenn das strafbar ist, wird das Demonstrationsrecht in Grund und Boden getreten.</p>
<p><em>Wie erkl&#228;ren Sie sich ein solches Vorgehen? Warum macht eine langj&#228;hrige Hochburg der Arbeiterbewegung im Osten heute der CSU Konkurrenz?</em><br />
Ein wenig hat es wohl damit zu tun, dass sich die Sachsen in Dresden schon immer als etwas Besonderes empfunden haben. Fr&#252;her lagen sie im Clinch mit den Preu&#223;en, zu DDR-Zeiten waren sie verschrien, sie bildeten sich ein, bessere Kommunisten als die anderen zu sein. Und dann kam Biedenkopf und baute eine Art F&#252;rstentum auf. &#220;ber 20 Jahre wuchs ein Filz aus Politik, Wirtschaft und Justiz. Die CDU bekam dadurch eine ungeheure Macht, was auch an der Unf&#228;higkeit der sog. Oppositionsparteien liegt. Von der PDS-Linken kommt nicht all zu viel, die SPD ist auf 10% abgesackt und die Gr&#252;nen sind so eine Art neue B&#252;rgerpartei. Eigentlich buhlen sie alle nur darum, der kleinere Koalitionspartner der CDU zu werden.</p>
<p><em>Ihre Biografie gibt Anlass zu Stolz. Sie verk&#246;rpern eine Kritik, in der wir uns als West-Linke wiederfinden k&#246;nnen. Sie wurden ja angeblich in der DDR zur «feindlich-negativen Person» erkl&#228;rt. Haben Sie das Gef&#252;hl, erneut dieses Etikett zu bekommen?</em><br />
Ich habe wenig Lust, mich zu solchen Vergleichen zu &#228;u&#223;ern. Ich habe 89/90 ein Gef&#252;hl daf&#252;r bekommen, was 1945 los war. Da wurden einige wenige f&#252;r schuldig erkl&#228;rt. Hitler, Goebbels und Konsorten, ansonsten wollte es keiner gewesen sein. Viel anders war es 89/90 auch nicht. Alle waren sie im Widerstand, in der Opposition. Keiner hatte mit dem System was zu tun gehabt. 1990 liefen alle dem neuen System hinterher.<br />
Ein Staat funktioniert als Staat, ob der nun feudalistisch, kapitalistisch oder sozialistisch ist. Die Strukturen sind sich sehr &#228;hnlich. Der braucht einen Machtapparat, eine Armee, Polizei, Beh&#246;rden, seine Gefolgsleute. Sonst kannst du den Machtanspruch nicht durchsetzen. So wurden wir von einem System ins andere bef&#246;rdert. Ich denke, wenn die Leute ein wenig authentischer w&#228;ren – ich versuche es ein wenig, so gut ich kann und die Kraft daf&#252;r da ist – k&#228;men wir weiter. Bertolt Brecht hat einmal gesagt: «Verzweifelnd ist es, wenn da nur Unrecht ist und keine Emp&#246;rung.» Es gibt ja jeden Tag so vieles, &#252;ber das man sich emp&#246;ren m&#252;sste, z.B. wie wir mit Menschen aus anderen L&#228;ndern umgehen. Wer sich emp&#246;rt eckt an. Wenn ich zu denen geh&#246;re, die das tun, dann ist es einfach so.</p>
<p><em>Was denken Sie &#252;ber die Unterst&#252;tzung, die Sie bekommen? </em><br />
Diese Solidarit&#228;t seit August 2011 ist f&#252;r mich das Erstaunlichste. Pl&#246;tzlich kamen 600 Menschen, um gegen die Polizeirazzia zu demonstrieren, das hat sich bis heute gehalten. Karl-Heinz Dellwo, sicher eine umstrittene Person, die ich aber sehr sch&#228;tze, hat in einem seiner letzten B&#252;cher geschrieben: «Die RAF ist angetreten, um eine bessere Gesellschaft zu erk&#228;mpfen. Am Ende hat sie nur noch daf&#252;r k&#228;mpfen k&#246;nnen, irgendwelche Gefangenen zu befreien, und hat sogar Leute erschossen.»<br />
Es ist auch ein Versagen der Linken, dass die Rechten so erstarken konnten. Das sage ich nicht, um hier die Linken anzupissen. Was ich will, ist ein wenig Selbstkritik, dass wir uns fragen, welche Fehler wir selber gemacht haben. Die Solidarisierung ist enorm, es gibt eine Erkl&#228;rung, die &#252;ber 5000 Menschen unterzeichnet haben. Nicht die Anzahl freut mich am meisten, sondern ihre Zusammensetzung, Leute aus allen Bundesl&#228;ndern und allen Schichten der Bev&#246;lkerung, Antifagruppen und Kirchengemeinden, kurz, ein Potenzial, das viel gr&#246;&#223;er ist, als ich vermutet hatte.</p>
<p><em>Im Februar 2013 ist &#252;ber Lothar K&#246;nig ein Buch erschienen:</em><br />
&#8220;Betroffen sind wenige. Gemeint sind wir alle. Antifaschismus l&#228;sst sich nicht vergessen – Solidarit&#228;t mit Lothar K&#246;nig&#8221;</p>
<p><strong>Spenden f&#252;r Prozesskostenhilfe an:</strong><br />
JG-Stadtmitte F&#246;rderkreis<br />
Kto.Nr. 80 25 320<br />
BLZ  520 604 10<br />
Evangelische Kreditgenossenschaf<br />
Verwendungszweck: Prozesskostenhilfe</p>
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		<title>EZB-Verm&#246;gensstudie</title>
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		<pubDate>Wed, 01 May 2013 00:32:31 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Untauglich f&#252;r Ressentiments von Birger Scholz «Eine Debatte &#252;ber die Neuverteilung der Lasten ist notwendig» fordert der Spiegel scheinheilig als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> Untauglich f&#252;r Ressentiments<br />
</strong><em>von Birger Scholz</em></p>
<p>«Eine Debatte &#252;ber die Neuverteilung der Lasten ist notwendig» fordert der <em>Spiegel</em> scheinheilig als Reaktion auf die Verm&#246;gensstudie der Europ&#228;ischen Zentralbank. Diese hatte ergeben, dass der mittlere Wert (Median: 50% der Haushalte liegen dar&#252;ber und 50% darunter) des Nettoverm&#246;gens der Haushalte in Deutschland im Median bei 51.400 Euro liegt und damit deutlich niedriger als in Italien (173.500 Euro), Spanien (182.700 Euro) oder Zypern (266.900 Euro).<span id="more-8050"></span><br />
Dabei sieht das Bild beim Durchschnittsverm&#246;gen schon wieder anders aus. Hier holt Deutschland mit 195.000 Euro kr&#228;ftig auf (Griechenland 147.800 Euro), liegt aber immer noch abgeschlagen hinter Spanien (291.400) oder Italien (275.200 Euro).<br />
Was sind die Gr&#252;nde f&#252;r dies &#252;berraschende Bild? Die Studie z&#228;hlt die private Altersvorsorge mit zum Verm&#246;gen. Da in Deutschland aber trotz aller Rentenk&#252;rzungen das Niveau der gesetzlichen Rente und Pensionen weit h&#246;her ist als in S&#252;deuropa, sind die privaten Altersr&#252;cklagen relativ gering. Werden die Renten- und Pensionsanspr&#252;che in Deutschland hinzugerechnet, dann steigt das Nettoverm&#246;gen deutlich an. Das DIW berechnete f&#252;r das 2007 pro Erwachsenem (!) ein Anwartschaftsverm&#246;gen von 67.000 Euro. Pro Haushalt sind das grob gesch&#228;tzt 100.000 Euro!</p>
<p>Ebenso spielt das verwendete Wohnsitzprinzip eine Rolle. Damit steigert der in Zypern wohnende russische Oligarch das Durchschnittsverm&#246;gen der Insel. Vor allem aber ist die unterschiedliche Wohneigentumsquote relevant. In Deutschland liegt sie bei 44%, in den s&#252;deurop&#228;ischen L&#228;ndern schwankt sie zwischen 68% und 83%. Im internationalen Vergleich sind die Immobilienpreise in Deutschland relativ niedrig, w&#228;hrend sie in den S&#252;dl&#228;ndern durch Spekulation aufgebl&#228;ht waren und sind. In L&#228;ndern ohne funktionierende Grundsicherung und ohne Mietwohnungsmarkt ist das selbstgenutzte Wohneigentum (neben der Familie) der beste Schutz gegen Obdachlosigkeit.</p>
<p>Verm&#246;gen muss also immer auch im Kontext von Einkommen und der Absicherung bei Arbeitslosigkeit, Krankheit und Alter diskutiert werden. Denn was n&#252;tzt ein spekulativ &#252;berbewertetes Haus, wenn das Einkommen bei Arbeitslosigkeit die Hypothekenzinsen nicht decken kann? Die fehlende oder unzureichende Grundsicherung in S&#252;deuropa ist deshalb mitverantwortlich f&#252;r die Aufbl&#228;hung des Immobiliensektors.</p>
<p>Nach Angaben der Studie sind EU-weit 61% des gesamten Bruttoverm&#246;gens selbstgenutztes Wohneigentum (in S&#252;deuropa d&#252;rfte der Anteil h&#246;her sein, weil die Wohneigentumsquote &#252;ber dem Durchschnitt liegt). Eine Anhebung der Grundsteuern ist daher einerseits naheliegend, andererseits kann sie ohne Freibetr&#228;ge und bei progressivem Tarif f&#252;r breite Bev&#246;lkerungsschichten in der Krise zum Problem werden. Auch eine einmalige Verm&#246;gensabgabe w&#228;re in Zypern keine L&#246;sung gewesen. Denn wer soll all die selbstgenutzten Wohnungen kaufen? In Frage k&#228;me nur eine ausl&#228;ndische Heuschrecke, die erstens weit unter Wert kaufen und zweitens eine ganze Gesellschaft in neokoloniale Abh&#228;ngigkeit bringen w&#252;rde.</p>
<p>Nicht zuletzt schr&#228;nkt das v&#246;llig unterschiedliche Angebot an &#246;ffentlichen G&#252;tern jeglichen Vergleich ein. Oder wie bewerten wir die kostenlose Bildung in Deutschland und die meist teure private Bildung in Zypern? Auch sind trotz der Privatisierungsorgien immer noch viele Wohnungen in Deutschland in &#246;ffentlichem Eigentum. Wie ist also das Nettoverm&#246;gen des Staates zu bewerten?</p>
<p>Die niedrigeren Haushaltsgr&#246;&#223;en in Deutschland gegen&#252;ber den S&#252;dl&#228;ndern verzerren die Aussagen weiter. W&#228;hrend in Deutschland die durchschnittliche Haushaltsgr&#246;&#223;e 2,04 Personen betr&#228;gt, sind es in Spanien 2,68, in Italien 2,53, in Griechenland 2,64. Berechnen wir das Durchschnittsnettoverm&#246;gen pro Haushaltsmitglied, dann liegt Deutschland mit 96.000 Euro nur noch knapp hinter Spanien und Italien mit 108.000 Euro. All dies schr&#228;nkt die grenz&#252;berschreitende Vergleichbarkeit der Haushaltsverm&#246;gen stark ein. Erfreulich ist aber, dass die n&#228;chste europaweite Befragung schon im n&#228;chsten Jahr geplant ist. Ich bin mir sicher, dass wir zwei Trends in S&#252;deuropa sehen werden: Sinkende Verm&#246;gen und zunehmende Ungleichheit.</p>
<p>Viel interessanter als der europ&#228;ische Vergleich ist das Ausma&#223; der enormen Ungleichheit in Deutschland. Wenn wir das niedrige Medianverm&#246;gen durch das hohe Durchschnittsverm&#246;gen teilen, k&#246;nnen wir den berechneten Quotienten als Ma&#223; der Ungleichheit nutzen. Denn je gr&#246;&#223;er der Abstand zwischen beiden Verm&#246;gensgr&#246;&#223;en, umso gr&#246;&#223;er auch der Quotient. In den meisten europ&#228;ischen L&#228;ndern liegt der Quotient zwischen 1,5 und 2, in Deutschland dagegen bei unerreichten 3,8.</p>
<p>Noch aussagekr&#228;ftiger ist ein anderer Verm&#246;gensvergleich: Das mittlere Verm&#246;gen (Median) der reichsten 20% liegt in Deutschland 74mal h&#246;her als das mittlere Verm&#246;gen der &#228;rmsten 20%. In Frankreich sind es nur gut 40mal. In Italien, Spanien, Griechenland oder den Niederlanden liegt diese Relation zum Teil weit unter 10. Neu sind diese Werte f&#252;r Deutschland nicht. Obwohl die reichsten 5% gar nicht abgebildet werden, zeigt die Studie im obersten Bereich eine noch st&#228;rkere Verm&#246;genskonzentration als die letzte Erhebung des Sozio-&#246;konomischen Panels (SOEP, eine repr&#228;sentative Wiederholungsbefragung des DIW von &#252;ber 12.000 Privathaushalten in Deutschland). Gute Argumente f&#252;r eine Verm&#246;gensteuer in Deutschland, von der sich SPD und Gr&#252;ne in Baden-W&#252;rttemberg schon vor der Wahl deutlich distanzieren.</p>
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		<title>Griechenland: &#220;berleben in der Krise</title>
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		<pubDate>Wed, 01 May 2013 00:27:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Selbsthilfe der landwirtschaftlichen Produzenten von Ilona Herrmann Lohn- und Gehaltssenkungen, Rentenk&#252;rzungen bis zu 40% und ein Mindestlohn von 492 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Selbsthilfe der landwirtschaftlichen Produzenten<br />
</strong><em>von Ilona Herrmann</em></p>
<p>Lohn- und Gehaltssenkungen, Rentenk&#252;rzungen bis zu 40% und ein Mindestlohn von 492 Euro bringen immer mehr Menschen in Griechenland in extreme Armut. Hinzu kommen eine Arbeitslosenquote von 27% und eine Jugendarbeitslosigkeit von 60%. Mittlerweile hat Griechenland, gefolgt von Spanien, die h&#246;chste Erwerbslosenquote der Welt erreicht. Arbeitslosengeld von 360 Euro gibt es f&#252;r maximal 18 Monate (ab 2014 nur noch 16 Monate), danach ist Schluss, andere Sozialleistungen gibt es nicht. Die Zahl der Obdachlosen ist seit Beginn der Krise um 30% gestiegen. Die Lebensverh&#228;ltnisse der Armen werden immer &#246;fter mit der Hungerkatastrophe von 1941 zu Beginn der deutschen Besatzung verglichen. Um zu &#252;berleben sind die Menschen auf Suppenk&#252;chen, Spenden, Tauschhandel und kostenlose medizinische Versorgung angewiesen.<span id="more-8048"></span></p>
<p><strong>Am Anfang war die Kartoffelbewegung<br />
</strong>Es fehlt an allem und vor allem k&#246;nnen die Menschen die teuren Grundnahrungsmittel nicht mehr bezahlen. Gleichzeitig verlangen die H&#228;ndler von den Landwirten, dass sie ihre Waren zu noch niedrigen Kilopreisen verkaufen, von denen sie nicht leben k&#246;nnen. Der Zwischenh&#228;ndler bezahlte zwischen 12 und 15 Cent f&#252;r ein Kilo Kartoffeln, das im Supermarkt f&#252;r 70 Cent verkauft wurde. Der Einkaufspreis sollte auf ca. 9 Cent gedr&#252;ckt werden mit der Begr&#252;ndung, es gebe billigere Kartoffelimporte aus &#196;gypten, aber auch aus Deutschland und Frankreich.</p>
<p>Aus Protest gegen diesen ruin&#246;sen und dem&#252;tigenden Preis haben die Bauern mehre Tonnen Kartoffeln in Thessaloniki kostenlos an die Menschen verteilt. Daraufhin bot eine B&#252;rgerinitiative, «Volunteer Action Group» aus der nordgriechischen Stadt Katerini (70 km s&#252;dlich von Thessaloniki) den Landwirten an, ihre Kartoffeln direkt an die Verbraucher auf &#246;ffentlichen Pl&#228;tzen in ihrer Stadt zu verkaufen. Sie einigten sich auf einen vertretbaren Preis von 25 Cent pro Kilo und machten die Verkaufsorte via Internet bekannt.<br />
Die Nachfrage nach bezahlbaren Lebensmitteln ist gro&#223;, und so hat sich innerhalb k&#252;rzester Zeit das Prinzip der Kartoffelbewegung herumgesprochen und im ganzen Land verbreitet. Die Direktvermarktung hat sich auf andere landwirtschaftliche Produkte ausgeweitet: Oliven&#246;l, Feta, Honig, Mehl, Reis, Bohnen, Obst und Gem&#252;se, und zu Ostern Ziegen- und Lammfleisch.</p>
<p>Die Superm&#228;rkte haben teilweise reagiert und die Preise gesenkt. Die KKE (Kommunistische Partei Griechenlands) kritisiert die Agrarbewegung, nennt sie einen Sonderangebotstrick und stellt die Initiative auf eine Stufe mit den Supermarktangeboten. Auch sagen Kritiker, die landwirtschaftliche Selbsthilfe w&#252;rde die Wochenmarktpreise dr&#252;cken, auf die die Kleinbauern angewiesen sind, sie verkaufen hier das Kilo Kartoffel f&#252;r 50–60 Cent. Die Kritik ist berechtigt, allerdings ignoriert sie, dass nicht alle Landwirte eine Lizenz f&#252;r den Wochenmarkt besitzen und die M&#252;hlen der griechischen B&#252;rokratie Antr&#228;ge nur sehr langsam bearbeiten. Leider lassen die Kritiker oft alternative Handlungsans&#228;tze vermissen.</p>
<p>Auch wenn die wirtschaftlichen Selbsthilfestrukturen aus der Not entstanden sind, bleibt zu hoffen, dass sich daraus neue Strukturen von Genossenschaften entwickeln. Positive Erfahrungen aus der Solidarit&#228;tsarbeit k&#246;nnen ein Bewusstsein f&#252;r die Notwendigkeit weiterer Selbstorganisation schaffen. Erste Ans&#228;tze daf&#252;r sind die «Biocollective» auf Kreta, ein Netzwerk junger Aktivisten, die seit 2011 in der Mesara-Ebene, im S&#252;dwesten der Pr&#228;fektur Heraklion, brachliegende Olivenhaine abernten. Die Aktivisten verschenken das hochwertige &#214;l an streikende Lohnabh&#228;ngige. Dar&#252;ber hinaus verkaufen sie es und finanzieren mit dem Erl&#246;s politische Projekte. Das &#214;l kann auch in Deutschland &#252;ber «Café Libertad» in Hamburg bezogen werden. Auf Kreta haben sich rund um «Biocollective» andere Kleinproduzenten vernetzt. Es entstehen immer mehr Strukturen, die vom Gedanken der direkten Demokratie getragen sind. Vereint k&#246;nnen wir siegen!</p>
<p><em>N&#228;heres &#252;ber</em> <a href="http://www.cafe-libertad.de/shop/">www.cafe-libertad.de/shop/</a></p>
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		<title>Bernd K&#246;hler: Keine Wahl</title>
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		<pubDate>Wed, 01 May 2013 00:16:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[SoZ Online]]></category>
		<category><![CDATA[Startseite]]></category>

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		<description><![CDATA[Lieder, Ges&#228;nge und Balladen aus Arbeiterk&#228;mpfen (1971–2013) JumpUp, 15 Euro von Dieter Braeg Das Lied gegen das Herrschende, das gibt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lieder, Ges&#228;nge und Balladen aus Arbeiterk&#228;mpfen (1971–2013)<br />
JumpUp, 15 Euro<br />
</strong><em>von Dieter Braeg</em></p>
<p>Das Lied gegen das Herrschende, das gibt es schon lange. Der Musikwissenschaftler Otto Brusatti stellt in seinem feinen Text «Vermutungen um Walther (von der Voegelweide), den Liedermacher» unter anderem fest: «Er agierte auch als Liedermacher f&#252;r/gegen Kreuzz&#252;ge.» Also, der «Vater» der Liedermacherei, er hat wohl nicht nur saftigste Minnelieder getr&#228;llert, er hat auch zur Politik die Stimmb&#228;nder strapaziert.<span id="more-8042"></span><br />
Bernd K&#246;hler, der seit 1971 dieser verkommen Gesellschaft samt Ordnung die Lieder und Texte singt, die sie nicht h&#246;ren will, weil die, die ihre Arbeitskraft verkaufen und verkauften, eine Geschichte haben, ist mehr als nur ein Liedermacher.  Viele Niederlagen, aber auch Erfolge – &#252;ber die singt Bernd K&#246;hler nicht nur Erinnerung und Hoffnung herbei.</p>
<p>«Wer hat das Werk, in dem du schaffst,<br />
wohl aufgebaut,<br />
doch nicht der Boss, der jetzt so tut als sei’s sein Werk.<br />
Du hast mit Klugheit, Mut und Kraft,<br />
ein Leben lang,<br />
in diesem Werk geschafft, als sei’s dein eignes Werk.»</p>
<p>Die CD von Bernd K&#246;hler «Keine Wahl» samt dem Buch mit gleichem Titel dokumentiert die lange Geschichte von K&#228;mpfen f&#252;r mehr Lohn, ein sehr gutes Leben, eine andere Gesellschaft, in der die bestimmen, die heute h&#246;chstens eine «Mit-Bestimmuung» vorgeheuchelt bekommen, in der nicht von Mindestlohn geredet und Hungerlohn verordnet wird.</p>
<p>«Allen Menschen gleiches Recht,<br />
keine Herren, keinen Knecht,<br />
alle Menschen frei und gleich,<br />
keiner arm und keiner reich.»<br />
(Aus dem Lied «Ausgesperrt».)</p>
<p>Wo Bernd K&#246;hler f&#252;r die singt, die oft um ihre lange und wichtige Geschichte gebracht werden – das &#246;ffentlich-rechtliche Fernsehen, finanziert per Zwangsbeitrag, hat ja noch nie unsere Geschichte, die Geschichte der abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten berichtet – da &#246;ffnet er nicht nur Augen und Ohren, da ist es nicht weit zur Frage: Wieso haben wir so viel Geduld?</p>
<p>Bernd K&#246;hler meint zu CD und Buch: «Richtig ist, dass ich mit dem kleinen ‹Alstom-Chor› zu meinen Wurzeln zur&#252;ckgekehrt bin: mit Betroffenen gemeinsam musikalische oder k&#252;nstlerische Projekte zu machen. Motiviert dazu hat mich die Art und Weise wie der Arbeitskampf bei Alstom gef&#252;hrt wurde – initiiert aber haben das die KollegInnen selbst, die auf der R&#252;ckfahrt von einer Demo in Paris die Idee entwickelten: ‹Wir brauchen ein Lied zur Unterst&#252;tzung unserer Aktionen›, und dann den Kontakt mit mir aufnahmen.»</p>
<p>In Mannheim kann man im Technoseum eine gro&#223;e Landesausstellung des Landes Baden-W&#252;rttemberg zur Geschichte der Arbeiterbewegung «Durch Macht zum Licht?» besuchen. (Sie l&#228;uft noch bis 25.8.2013.) Sie ist gut besucht, doch Millionen m&#252;ssten noch hin, um ihre Geschichte kennenzulernen.</p>
<p>Die gleichen Millionen sollten Bernd K&#246;hlers Lieder h&#246;ren und sein Begleitbuch* (mit Liedtexten und Arbeitskampfberichten) lesen und sich an die K&#228;mpfe der abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten von 1971 bis 2013 erinnern. Bernd K&#246;hler ist ein ganz Gro&#223;er, der uns die Wahrheit singt.</p>
<p><em>Lieder, Balladen und Ges&#228;nge aus Arbeitsk&#228;mpfen. Ein Lieder- und Geschichtenbuch zur gleichnamigen CD.<br />
Bremen: JumpUp, 2013. 160 S., 12 Euro </em></p>
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		<item>
		<title>Weltsozialforum in Tunis</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Apr 2013 23:16:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Verbindungen zu aktuellen K&#228;mpfen vor Ort Das Weltsozialforum begreift sich nicht nur als Forum der Debatte, es will auch aktuelle [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong><strong>Verbindungen zu aktuellen K&#228;mpfen vor Ort</strong></p>
<p>Das Weltsozialforum begreift sich nicht nur als Forum der Debatte, es will auch aktuelle K&#228;mpfe l&#228;nder&#252;bergreifend vernetzen. In Tunis ergab sich dazu Gelegenheit in Bezug auf einen Call-Center-Streik und auf den Kampf von Fl&#252;chtlingen in einem tunesischen Lager.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p>60.000 TeilnehmerInnen, darunter 80 Prozent aus dem Inland, also aus Tunesien selbst. 1750 beteiligte Initiativen und Organisationen aus Tunesien, 454 franz&#246;sische, 350 marokkanische Organisationen, 200 &#228;gyptische und 160 brasilianische: So lauten einige Zahlen zum diesj&#228;hrigen Weltsozialforum (WSF), das Ende M&#228;rz in Tunis stattfand.<span id="more-8037"></span> Es hatte eine echte Mobilisierungsdynamik besonders in Tunesien, und mit ein paar Abstrichen in den Nachbarl&#228;ndern Nordafrikas ausgel&#246;st. Zum ersten Mal war das Weltsozialforum in einem arabischsprachigen Land zu Gast, als notwendige Konsequenz aus den begonnen Umbr&#252;chen zwischen Marokko und dem Arabisch-Persischen Golf seit Anfang 2011.</p>
<p>Wesentlich geringer dagegen fiel die Teilnahme aus den &#252;brigen arabischsprachigen L&#228;ndern aus, also von der Arabischen Halbinsel und aus Vorderasien, mit Ausnahme der pal&#228;stinensischen Beteiligung (rund 500 Menschen, ebenso stark wie die marokkanische Delegation). Inhaltlich wichtig war die Teilnahme einer kleinen, aber aktiven Delegation der Demokratiebewegung aus dem Golfstaat Bahrain, wo trotz eines repressiven Crackdown seit dem 14. M&#228;rz 2011 unter F&#252;hrung Saudi-Arabiens nach wie vor heftige Proteste stattfinden. Erst j&#252;ngst zeigte sich dies im Vorfeld des internationalen Formel-1-Rennens vom 21. April in dem Golfstaat, als die Opposition erneut mit massiven Demonstrationen auf die internationale „Normalisierung“ der Kontakte zum Regime antwortete.</p>
<p>Auch vom &#252;brigen afrikanischen Kontinent kamen Delegationen, auch wenn sie aus &#246;konomischen Gr&#252;nden – ber&#252;cksichtigt man die Relation zwischen dem Kaufpreis eines Flugtickets und den &#246;rtlichen L&#246;hnen – notwendig zahlenm&#228;&#223;ig begrenzt blieben. Der Verfasser dieser Zeilen konnte etwa mit Menschen aus Mali, Senegal, aber auch aus den nicht-franz&#246;sischsprachigen Staaten Zimbabwe, Malawi und Mosambik diskutieren.</p>
<p><strong>Call-Center-Streik</strong></p>
<p>Ein wichtiges Thema der Debatten beim WSF, aber auch der Aktivit&#228;ten im Umfeld waren die Arbeitsk&#228;mpfe in den Call Centers franz&#246;sischer Unternehmen, die besonders in Tunesien und Marokko angesiedelt sind. Bei diesem Thema lie&#223; sich die Theorie mit der Praxis verbinden, da eines der Unternehmen, das den Telefonservice f&#252;r &#252;berwiegend franz&#246;sische Firmen betreibt – Téléperformance – sich zur Zeit des Weltsozialforums im Streik befand.</p>
<p>Téléperformance ist ein 1978 gegr&#252;ndetes Unternehmen mit Hauptsitz in Paris, das dort b&#246;rsennotiert ist und in mehreren L&#228;ndern Call Centers betreibt. Seine tunesische Filiale, deren insgesamt 6.000 Lohnabh&#228;ngige ungef&#228;hr ein F&#252;nftel so viel verdienen wie Besch&#228;ftigte in Frankreich in vergleichbarer Situation (225 Euro), betreibt den Telefonservice f&#252;r mehrere f&#252;hrende franz&#246;sische Unternehmen.</p>
<p>Das Kapital ist zum Teil in Streubesitz, einer der gr&#246;<strong>&#223;t</strong>en Einzelaktion&#228;re ist der franz&#246;sische Flugzeugbauer und R&#252;stungsindustrielle Dassault. Zwei Drittel des Kapitals befinden sich in franz&#246;sischer, ein Drittel in britischer und nordamerikanischer Hand. Das Unternehmen ist eng mit der franz&#246;sischen politischen Elite, aber auch mit Machthabern und fr&#252;heren Machthabern in Tunesien verflochten. In seinem Aufsichtsrat sitzt ein Senator der franz&#246;sischen konservativ-wirtschaftsliberalen UMP. Der Gr&#252;nder des tunesischen Ablegers von Téléperformance, Jacques Berebi, wurde 2007 durch den damaligen Diktator Zine el-Abidine Ben ‘Ali mit einem Orden ausgezeichnet. Das Unternehmen ist, wie andere seiner Art, in Tunesien weitgehend steuerbefreit.</p>
<p>Ein Tarifabkommen besteht auf dem Papier seit dem Jahr 2010, es wurde jedoch noch nie angewandt. Theoretisch sieht es Lohnerh&#246;hungen von 5 Prozent im Jahr 2012 und 6 Prozent im Jahr 2013 vor, doch die Lohnabh&#228;ngigen bekamen davon nichts mit, sondern sprechen von einem Prozent realer Lohnsteigerung im laufenden Jahr – weit unterhalb der Inflationsrate.</p>
<p>Ende Februar d.J. l&#246;sten zehn Entlassungen von Lohnabh&#228;ngigen einen Aufschrei des Personals aus. Das Unternehmen praktiziert schon aufgrund geringf&#252;giger Anl&#228;sse – wie f&#252;nfmin&#252;tigen Versp&#228;tungen – Lohnzur&#252;ckhaltungen und verh&#228;ngt Sanktionen. Unausgesprochener Hintergrund daf&#252;r ist, dass das Unternehmen versuchen m&#246;chte, einen m&#246;glichst starken Turn-Over zu wahren, um eine l&#228;ngerfristige Verfestigung von Arbeitsverh&#228;ltnissen zu vermeiden. Seit Ende Februar streikte deswegen ein Teil des Personals. Neun Tage lang waren Besch&#228;ftigte, in der ersten M&#228;rzh&#228;lfte, sogar im Hungerstreik.</p>
<p>Am ersten Tag des Weltsozialforums trafen Delegationen der franz&#246;sischen Gewerkschaftsverb&#228;nde <em>Union syndicale Solidaires<strong> </strong></em>(Zusammenschluss der SUD-Gewerkschaften) und CGT vor der glitzernden Fassade von Téléperformance-Tunesien ein, um eine Protestkundgebung der Besch&#228;ftigten zu unterst&#252;tzen. Auch Gewerkschafterinnen aus Marokko, Rwanda, S&#252;dafrika, Kongo, Burkina-Faso sowie Kolumbien kamen hinzu.</p>
<p>Die Kundgebung bewirkte zumindest, dass noch am selben Tag, dem 26. M&#228;rz, in Tunis formelle Verhandlungen durch das Unternehmen aufgenommen wurden. Allerdings legte die Direktion keinerlei Angebote auf den Tisch, und die Verhandlungsrunde erwies sich als Bluff. Ab dem 1. April flammte der Streik deswegen umso st&#228;rker wieder auf, mit nunmehr 80prozentiger Beteiligung der Belegschaft. Am Abend des 18. April endete er inzwischen mit einem Abkommen. Es sieht vor, dass die Entlassungen von Ende Februar „&#252;berpr&#252;ft“, alle Sanktionen gegen Streikende – darunter K&#252;ndigungen w&#228;hrend der Probezeit &#8211; zur&#252;ckgenommen und die Tarifvereinbarung endlich nicht nur auf dem Papier angewandt wird.</p>
<p><strong>Hungerstreik von Fl&#252;chtlingen</strong></p>
<p>Ein weiteres wichtiges Thema in Tunesien und rund um das Weltsozialforum waren die Migration sowie die Rechte von Migrantinnen und Migranten &#252;berall auf der Welt, darunter auch im Land selbst. Die UGTT (der tunesische Gewerkschaftsdachverband) hatte ihren Sekret&#228;r „f&#252;r Ausw&#228;rtige Beziehungen und f&#252;r Migration“ – er ist tats&#228;chlich f&#252;r beide Themenfelder gleichberechtigt zust&#228;ndig –, Moustapha Ben Hamed, zu Debatten &#252;ber dieses Thema entsandt. Sehr positiv zu vermerken ist, wie eindeutig und klar in der Sache sich der tunesische Gewerkschaftsdachverband hier positioniert.</p>
<p>Im Gegensatz zu fr&#252;heren Zeiten, in denen L&#228;ndern wie Marokko oder Tunesien &#252;berwiegend Auswanderungsl&#228;nder – in Richtung Frankreich, Spanien und Italien – darstellten, bilden sie heute selbst auch Einwanderungs- sowie Durchgangsl&#228;nder. Migranten aus dem subsaharischen Afrika oder Kriegsfl&#252;chtlinge aus Libyen reisten in L&#228;nder wie Tunesien ein, zum Teil mit dem Vorsatz, eine Weiterreise nach Europa zu versuchen; oder schlicht weil sie aufgrund der Not- und Gewaltsituation in ihren Herkunftsl&#228;ndern keine eine andere Wahl hatten.</p>
<p>Unterdessen f&#228;hrt die Europ&#228;ische Union wie unter dem alten (Ben ’Ali-)Regime weiterhin fort, ihr Regime der Migrationskontrolle nach Tunesien und in andere nordafrikanische L&#228;nder „vorzulagern“. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen der EU und der aktuellen tunesischen Regierung um ein Abkommen zur „Erleichterung der Mobilit&#228;t“, das Erleichterungen bei der Visa-Erteilung etwa f&#252;r Studierende und qualifizierte Arbeitskr&#228;fte vorsieht. Aber auch eine Selbstverpflichtung Tunesiens zur verst&#228;rkten Mithilfe bei der Migrationskontrolle, und v.a. zur R&#252;cknahme von in der Festung Europa „unerw&#252;nschten“ Migranten und Migrantinnen, die aus oder &#252;ber Tunesien einreisten.</p>
<p>Auch rund 50 Fl&#252;chtlinge aus dem subsaharischen Afrika, die seit zum Teil zwei Jahren im Choucha-Camp an der Grenze zwischen Tunesien und Libyen festgehalten werden, nahmen aktiv am WSF teil. An die 100 andere waren allerdings davon abgehalten worden, zum WSF  zu kommen. Drei Busse, die mit Hilfe von deutschen Solidarit&#228;tsaktivitistInnen bestellt worden waren, wurden durch die tunesischen Milit&#228;rs – unter deren Verwaltung das Fl&#252;chtlingslager von Choucha steht – aufgehalten. Die Insassen besa&#223;en eine Genehmigung des tunesischen Innenministeriums, um zum Weltsozialforum zu kommen. Doch das Verteidigungsministerium stellte sich taub und auf den Standpunkt, daran nicht gebunden zu sein.</p>
<p>Einige der Menschen aus dem Camp von Choucha f&#252;hren seit Ende M&#228;rz einen Hungerstreik vor den B&#252;ros des UNHCR in Tunis durch. An ihm waren urspr&#252;nglich 41 Menschen beteiligt, von denen mindestens sieben sich medizinische Behandlung begeben mussten. Das Camp soll am 1. Juli dieses Jahres geschlossen werden, aber einige Fl&#252;chtlinge wissen immer noch nicht, wohin sie dann gehen k&#246;nnen. Tunesische Milit&#228;rs k&#252;ndigten ihnen an, „nur auf Befehle zu warten, um dann die Gro&#223;reinigung zu beginnen“, und beschimpften sie rassistisch als „Sklaven“. Die vom UNHCR anerkannten Fl&#252;chtlinge sollen zum Teil in anderen L&#228;ndern umgesiedelt werden, aber die Festung Europa zeigt sich weitgehend unnachgiebig. Deutschland hat inzwischen wenigstens 201 Menschen aus Choucha im Herbst 2012 aufgenommen; auch wenn ein Beschluss der Innenministerkonferenz urspr&#252;nglich 900 Menschen („drei mal 300“ in aufeinanderfolgenden Schritten) die Aufnahme versprochen hatte. Doch bei vielen anderen verz&#246;gert sich die Aufnahme noch immer.</p>
<p>Im &#220;brigen sind all jene, die ab Dezember 2011 im Choucha-Camp ankamen, vom Umsiedlungsprogramm ausgenommen. Ihnen wird entgegen gehalten, der libysche B&#252;rgerkrieg sei vorgeblich im November 2011 zu Ende gewesen – auch wenn sowohl Gewalt als auch rassistische Ausschreitungen gegen Schwarze (die oft pauschal als „Gaddafi-S&#246;ldner“ eingestuft werden) auch danach allt&#228;glich blieben. Viele der Betroffenen mussten unterdessen damals zwei bis drei Monate im Grenzgebiet ausharren, bevor sie &#252;berhaupt die libysch-tunesische Grenze &#252;berschreiten konnten. Tunesien bietet jedoch keinerlei Aufnahmeprozeduren f&#252;r (durch die UN-Fl&#252;chtlingshilfsorganisation UNCHR anerkannte) „Asylberechtigte“ an, und die Menschen wollen aufgrund des bislang erlebten Rassismus auch  &#252;berwiegend nicht in Tunesien bleiben.</p>
<p>Eine weitere, zweite Gruppe, die gegen ihre Situation protestiert, ist die der abgelehnten Asylsuchenden. Ihre Asylbitten wurden nach Pr&#252;fung vom UNHCR abgewiesen, obwohl sie aus L&#228;ndern kommen, in denen die gegenw&#228;rtige Gefahr f&#252;r Leib &amp; Leben unmittelbar nachvollziehbar ist (Somalia, Eritrea, Sudan/Darfur); zum Teil aufgrund im Schnelldurchlauf durchgezogenen Verfahren ohne richtige &#220;bersetzung und mit mangel- oder fehlerhafter &#220;bersetzung. Ihnen wiederum wird gar nichts angeboten, es sei denn ihre „freiwillige“ R&#252;ckkehr in ihr Herkunftsland – die in den genannten F&#228;llen oft ohne Lebensgefahr unm&#246;glich ist – oder ihre drohende Abschiebung aus Tunesien.</p>
<p>Beide Gruppe protestieren gleicherma&#223;en gegen ihre Situation und k&#228;mpfen f&#252;r eine Lebensperspektive; irgendwo anders als in Tunesien. Sei es in Europa, oder sei es f&#252;r manche von ihnen auch in anderen (n&#228;her an ihren Herkunftsl&#228;ndern liegenden) Staaten; eine Frau aus Darfur nennt beim Workshop etwa Kamerun oder den Niger. Doch das UNHCR-B&#252;ro in Tunis hat bislang taube Ohren f&#252;r ihre Forderungen. Deswegen gilt es, den Druck auf die UNHCR-Niederlassung noch zu erh&#246;hen, f&#252;r eine Aufnahme in f&#252;r die betroffenen Menschen akzeptable L&#228;nder. Am 11. April fanden internationale Solidarit&#228;tsaktionen vor den UNHCR-B&#252;ros in mehreren Staaten statt, so in Berlin, Den Haag, Paris, Rabat und Tunis. Doch der Druck muss noch erh&#246;ht werden.</p>
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		<title>Blaupause der Festung Europa</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Apr 2013 23:15:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Rassismus/Antifa]]></category>
		<category><![CDATA[SoZ Online]]></category>
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		<category><![CDATA[Asyl]]></category>

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		<description><![CDATA[20 Jahre Abschaffung des Grundrechts auf Asyl Kampagne &#8220;Fight Racism Now!&#8221; Vor 20 Jahren, am 26. Mai 1993, hat der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>20 Jahre Abschaffung des Grundrechts auf Asyl</strong><br />
<em>Kampagne &#8220;Fight Racism Now!&#8221;</em></p>
<p>Vor 20 Jahren, am 26. Mai 1993, hat der Deutsche Bundestag den Grundgesetzartikel 16 gestrichen. Dieser hatte kurz und b&#252;ndig erkl&#228;rt: &#8220;Politisch Verfolgte genie&#223;en Asylrecht&#8221;. Der neu aufgenommene Artikel 16a h&#246;hlt dieses Asylgrundrecht durch weitreichende Zusatzbestimmungen aus. So wird Asyl pauschal all jenen verweigert, die aus vermeintlich sicheren Herkunftsl&#228;ndern fl&#252;chten oder &#252;ber einen sicheren &#8220;Drittstaat&#8221; nach Deutschland eingereist sind. Zudem werden Verfahrensgarantien f&#252;r Gefl&#252;chtete eingeschr&#228;nkt, so dass leichter und schneller abgeschoben werden kann.<span id="more-8039"></span><br />
Diese Regelungen gehen auf den sogenannten &#8220;Asylkompromiss&#8221; zur&#252;ck, den CDU/CSU, FDP und SPD im Dezember 1992 vereinbart hatten, und der die notwendige parlamentarische Zweidrittelmehrheit sicherstellte. Die Regelungen des Artikel 16a dienten als Blaupause des gesamteurop&#228;ischen Grenz- und Abschieberegimes, dem in den vergangenen 20 Jahren mehr als 17.000 Menschen zum Opfer gefallen sind.</p>
<p>Die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl war der politische H&#246;hepunkt einer rassistischen Gewalt- und Medienkampagne unmittelbar nach der deutschen Einheit. &#220;bergriffe gegen Asylsuchende und MigrantInnen steigerten sich 1991/92 zu einer Serie von Brandanschl&#228;gen, und zu Pogromen in Ost und West. In Hoyerswerda, Mannheim-Sch&#246;nau und Rostock-Lichtenhagen griffen Nazis und Nachbarn &#252;ber Tage Sammellager f&#252;r Gefl&#252;chtete an.<br />
N&#228;hrboden dieser Eskalation war die anhaltende Hetze staatstragender Parteien und Medien. CDU-Generalsekret&#228;r R&#252;he hatte seine Fraktionsvorsitzenden bis auf Gemeinderatsebene instruiert, &#8220;Asylpolitik zum Thema zu machen&#8221; und so die SPD f&#252;r eine Grundgesetz&#228;nderung sturmreif zu schie&#223;en. Bundesinnenminister Rudolf Seiters beschuldigte noch w&#228;hrend des Pogroms von Rostock-Lichtenhagen dessen Opfer. Auf einer Pressekonferenz erkl&#228;rte er: „Wir m&#252;ssen handeln gegen den Missbrauch des Asylrechts, der dazu gef&#252;hrt hat, dass wir einen unkontrollierten Zustrom in unser Land bekommen haben.“ Allgegenw&#228;rtige Untergangsmetaphern wie &#8220;Asylantenschwemme&#8221; und &#8220;Das Boot ist voll&#8221; legitimierten rassistische Gewalt als nationalen Selbstschutz. Der tats&#228;chliche Anstieg der Fl&#252;chtlingszahlen war vor allem durch den Jugoslawienkrieg bedingt.</p>
<p>Die antirassistische Gro&#223;demonstration im Bonner Hofgarten am 3. Oktober 1992 mit &#252;ber 100.000 Teilnehmenden war ein letztes Aufb&#228;umen der alten Neuen Sozialen Bewegungen. Beim Versuch der Parlamentsblockade am &#8220;Tag X&#8221; der Grundgesetz&#228;nderung waren nur noch 3-4000 auf der Stra&#223;e, vornehmlich antifaschistische Gruppen. Die Lichterketten-Kundgebungen des b&#252;rgerlichen Lagers begannen ohnehin erst, nachdem die SPD mit ihrer &#8220;Petersberger Wende&#8221; gr&#252;nes Licht zur Grundgesetz&#228;nderung gegeben hatte. Sie dienten ganz ausdr&#252;cklich auch dem Ziel, das Ansehen Deutschlands in der Welt zu rehabilitieren. Organisierte Nazis haben die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl als politischen Triumph wahrgenommen. Eine ganze Generation von ihnen ist mit der Erfahrung aufgewachsen, dass rassistische Stra&#223;engewalt politisch belohnt wird – die Generation NSU.</p>
<p>Der moralisch hochschwingende, politisch aber unverbindliche Protest der Lichterketten wurde f&#252;r die staatsnahe &#8220;Zivilgesellschaft&#8221; der Berliner Republik pr&#228;gend. W&#228;hrend sich inzwischen fast jede Stadt mit einem &#8220;B&#252;ndnis f&#252;r Demokratie und Toleranz&#8221; schm&#252;ckt, werden Gefl&#252;chtete tagt&#228;glich nach Recht und Gesetz schikaniert, ohne dass sich dagegen nennenswerter Protest erheben w&#252;rde. Die Einschr&#228;nkung des Asylrechts auf das Konstrukt &#8220;politisch Verfolgte&#8221; blendet aus, dass globale Ausbeutungsverh&#228;ltnisse das Leben von weit mehr Menschen bedrohen als jede finstere Diktatur.</p>
<p>Die deutsche Drittstaatenregelung wird heute im Rahmen einer integrierten Fl&#252;chtlingsabwehr europaweit durchgesetzt. So werden Gefl&#252;chtete, die auf dem Landweg nach Deutschland eingereist sind, nach der Dublin-II-Richtlinie in ihre Transitstaaten zur&#252;ckgeschoben – in die krisengesch&#252;ttelten L&#228;nder der europ&#228;ischen Peripherie. Hier erwarten sie selbst nach Ansicht deutscher Gerichte menschenunw&#252;rdige Bedingungen, insbesondere in Griechenland, Italien und Ungarn.</p>
<p><em>Die Kampagne mobilisiert bundesweit zu einer antirassistischen Demonstration am <strong>25. Mai in Berlin</strong>.</em><br />
<span style="text-decoration: underline;">www.fightracismnow.net</span></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Artikel&#252;bersicht Mai 2013</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2013/05/artikelubersicht-mai-2013/</link>
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		<pubDate>Tue, 30 Apr 2013 23:04:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Inhalt]]></category>
		<category><![CDATA[Inhaltsverzeichnis]]></category>

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		<description><![CDATA[Erster Streik an deutschen Amazon-Standorten  _  von Jochen Gester Erwerbslose Existenzgr&#252;nder werden mit Mikrokrediten gelockt – und auf Kreuz gelegt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erster Streik an deutschen Amazon-Standorten  _  <em>von Jochen Gester</em></p>
<p>Erwerbslose Existenzgr&#252;nder werden mit Mikrokrediten gelockt – und auf Kreuz gelegt<br />
<em>von Gerhard Klas</em></p>
<p>Die Hauptakteure in den Finanzoasen sind Unternehmen und Banken<br />
Interview mit <em>Werner R&#252;gemer</em></p>
<p>Thema: Anders arbeiten, anders leben<em><br />
von Manfred Dietenberger</em></p>
<p><em><em><span style="font-size: 8.0pt; line-height: 115%; font-family: 'Arial','sans-serif'; color: #5c5c5c; font-style: normal;"> Inhaltsverzeichnis + eine Artikelauswahl der neuen Ausgabe werden ab dem 1. des Erscheinungsmonats auf der Webseite ver&#246;ffentlicht, die vollst&#228;ndige Ausgabe der SoZ wird erst zum Monatsende online gestellt.<span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.sozonline.de/abobestellungen/">&#8211; Die SoZ aus Papier kann hier abonniert werden</a></span></span></em></em></p>
<p><em><span id="more-8067"></span><br />
Zum Weltsozialforum in Tunis:<br />
<a href="http://http://www.sozonline.de/2013/05/totgesagte-leben-langer/">Totgesagte leben l&#228;nger.<br />
Das Weltsozialforum in Tunis 2013 war ein interkultureller Erfolg<em><br />
von Leo Gabriel</em></a></em></p>
<p><em>WSF – ein Instrument der Vergangenheit oder auch f&#252;r die Zukunft?<em><br />
von Esther Vivas</em></em></p>
<p><a title="Weltsozialforum in Tunis" href="http://www.sozonline.de/2013/05/weltsozialforum-in-tunis/"><em>Das WSF in Tunis – eine Veranstaltung mit Perspektive<em><br />
von Johann Sch&#246;gler</em></em></a></p>
<p><a title="Frankfurt/M, 31.Mai und 1.Juni" href="http://www.sozonline.de/2013/05/frankfurtm-31-mai-und-1-juni/"><em>Blockupy Frankfurt, 31.Mai–1.Juni<br />
Blockade im Herzen des europ&#228;ischen Krisenregimes<em><br />
von Florian Osuch</em></em></a></p>
<p><em>L&#252;gen mit Zahlen: Der Fachkr&#228;ftemangel<em><br />
von Gerd Bosbach und Daniel Kreutz</em></em></p>
<p><em>&#8220;Ich will Kanzler werden&#8221;.<br />
Peer Steinbr&#252;ck und der SPD-Parteitag in Augsburg<em><br />
von Arno Kl&#246;nne</em></em></p>
<p><em>Das Gespr&#228;ch<br />
<a title="«Wer sich emp&#246;rt, eckt an»" href="http://www.sozonline.de/2013/05/wer-sich-emport-eckt-an/">&#8220;Wer sich emp&#246;rt, eckt an&#8221;.<em><br />
Lothar K&#246;nig</em> &#252;ber seinen &#8220;Landfriedensbruch&#8221;-Prozess in Dresden</a></em></p>
<p><em>Neues Feuer f&#252;r die radikale Linke<br />
Die Aussicht auf eine gro&#223;e Koalition bringt Italien in Wallung<em><br />
von Angela Klein</em></em></p>
<p><em>&#8220;Alternative fur Deutschland&#8221;<br />
National&#246;konomen proben den Aufstand<em><br />
von Ingo Schmidt</em></em></p>
<p><em>Selbst&#228;ndige Schule – prek&#228;re Lehrer<br />
Die Praxis der Budgetierung f&#252;hrt zu Lohndumping auch an Schule<em><br />
von Lutz Getzschmann</em></p>
<p>Doppelter Abiturjahrgang in NRW<br />
G8 und die Folgeprobleme<em><br />
von Rolf Euler</em></p>
<p>Generalstreik in Oberschlesien<br />
&#8220;Einer f&#252;r alle, alle f&#252;r einen!&#8221;<em><br />
von Bernd Gehrke</em></p>
<p><a title="EZB-Verm&#246;gensstudie" href="http://www.sozonline.de/2013/05/ezb-vermogensstudie/">EZB-Verm&#246;gensstudie<br />
Untauglich f&#252;r Ressentiments<em><br />
von Birger Scholz</em></a></p>
<p><a title="Griechenland: &#220;berleben in der Krise" href="http://www.sozonline.de/2013/05/griechenland-uberleben-in-der-krise/">Griechenland: &#220;berleben in der Krise<br />
Die Selbsthilfe der landwirtschaftlichen Produzenten<em><br />
von Ilona Herrmann</em></a></p>
<p>Was fr&#252;her das Dienstm&#228;dchen, ist heute die Pflegekraft aus dem Osten<br />
H&#228;usliche 24-Stunden-Pflege und die Rechten migrantischer Pflegearbeiterinnen<em><br />
von Maria Kontos</em></p>
<p>Warte nicht auf bessre Zeiten<br />
Die M&#252;hen der Arbeitszeitverk&#252;rzung<em><br />
von Tobias Michel</em></p>
<p><a title="Blaupause der Festung Europa" href="http://www.sozonline.de/2013/05/blaupause-der-festung-europa/">Blaupause der Festung Europa<br />
<strong>20 Jahre Abschaffung des Grundrechts auf Asyl</strong><br />
</a> <a title="Blaupause der Festung Europa" href="http://www.sozonline.de/2013/05/blaupause-der-festung-europa/"><em>Kampagne “Fight Racism Now!”</em></a></p>
<p>Das bedingungslose Grundeinkommen…<br />
… bahnt den Weg in eine andere Gesellschaft<br />
Das Modell der BAG Grundeinkommen in und bei der Linkspartei</p>
<p>… ist ein Irrweg<br />
Besprechung der Replik von Heiner Flassbeck u.a.<em><br />
von Angela Klein</em></p>
<p>Insel im Meer des Kapitalismus?<br />
Der Genossenschaftsverbund Mondragón im Baskenland<em><br />
von Elisabeth Voss</em></p>
<p>Chrysi Avghi sind Stiefelnazis, keine Rechtspopulisten<br />
Interview mit <em>Dimitris Psarras</em> &#252;ber die &#8220;Goldene Morgenr&#246;te&#8221; in Griechenland</p>
<p><a title="In die eigene Kraft vertrauen" href="http://www.sozonline.de/2013/05/in-die-eigene-kraft-vertrauen/">In die eigene Kraft vertrauen<br />
&#214;calans Friedensappell und die Reaktionen unter den Kurden<em><br />
von Nick Brauns</em></a></p>
<p>Find–Fix-Finish! Die gezielte T&#246;tung als neue Form von Krieg und B&#252;rgerkrieg<br />
Teil 2: &#220;ber den Drohnenkrieg gegen den inneren Feind<em><br />
von Wolfgang Ratzel</em></p>
<p>Von der Anpassung zur Zerschlagung<br />
Gewerkschaften und SPD im Mai 1933<em><br />
von J&#246;rg Wollenberg</em></p>
<p>Musik<br />
<a title="Bernd K&#246;hler: Keine Wahl" href="http://www.sozonline.de/2013/05/bernd-kohler-keine-wahl/">Bernd K&#246;hler: Keine Wahl. Lieder, Ges&#228;nge und Balladen aus Arbeiterk&#228;mpfen (1971–2013)<em><br />
von Dieter Braeg</em></a></p>
<p>Film<br />
Mad Men. Fernsehserie aus den USA, seit 2007<em><br />
von Angela Huemer</em></p>
<p>Krimi<br />
Vins Gallico: Respekt. Ein &#8216;Ndrangheta-Krimi<em><br />
von Udo Bonn</em></p>
<p>Buch<br />
Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner. Eine Geschichte von Verachtung und Faszination<br />
von Michael Banos</p>
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