<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>SoZ - Sozialistische Zeitung</title>
	<atom:link href="http://www.sozonline.de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.sozonline.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Tue, 31 Aug 2010 10:53:01 +0000</lastBuildDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.8.6</generator>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
			<item>
		<title>Inhalt</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/08/inhalt-2/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2010/08/inhalt-2/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 10:20:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Inhalt]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=1401</guid>
		<description><![CDATA[Pakistan, Hilfe von Bewegung zu Bewegung
Am Tropf von Auto und &#214;l. SoZ-Thema.
* Verl&#228;ngerung der AKW-Laufzeiten, Wolfgang Pomrehn
* Elektroauto: Ein Beitrag [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Pakistan,</strong> Hilfe von Bewegung zu Bewegung</p>
<p><strong>Am Tropf von Auto und &#214;l</strong>. SoZ-Thema.<br />
* Verl&#228;ngerung der AKW-Laufzeiten, <em>Wolfgang Pomrehn</em><br />
* Elektroauto: Ein Beitrag zum Umweltschutz?,<em> Rolf Euler/Angela Klein</em><br />
* Wie BP die US-Regierung an der Nase herumf&#252;hrt,<em> Tomas Konicz</em><br />
* Louisiana: Ein Delta wird ruiniert, <em>Brian Marks</em></p>
<p><strong>Die deutsche Bankenkrise,</strong><em> Paul B. Kleiser</em></p>
<p><strong> I. Die Profitklemme</strong><em>,</em><strong> </strong>Serie zur Krisentheorie und -politik<em>, Ingo Schmidt</em></p>
<p><strong>Stillleben A 40</strong><em>. </em>Kulturhauptstadt von unten<em>, Rolf Euler</em></p>
<p><strong><span id="more-1401"></span>Love Parade.</strong> Der OB muss zur&#252;cktreten<em>, Hermann Dierkes</em></p>
<p><strong>Die Afghanisierung des Krieges ist zum Scheitern verurteilt</strong><em>, Jonna Sch&#252;rkes</em></p>
<p><strong><img title="Weiterlesen..." src="http://www.sozonline.de/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" alt="" />Eure Kinder wollen wir nicht.</strong><em> </em>Das K&#252;rzungspaket<em>, Daniel Kreutz</em></p>
<p><strong>Sanktionsmoratorium.</strong><em> </em>Eine Bilanz<em>, Gisela Notz</em></p>
<p><strong>Reichtumsbremse statt Schuldenbremse</strong><em>, Daniel Kreutz</em></p>
<p><strong>Bard Energy</strong><em>. </em>IG BCE spaltet Belegschaft<em>, Jochen Gester</em></p>
<p><strong>Tabel/Kieler Nachrichten.</strong><em> </em>Wie Verdi versuchte, Betriebsrat zu verhindern<em>, Dieter Wegner</em></p>
<p><strong>A1 Bremen-Hamburg.</strong><em> </em>Bilfinger Berger streicht Lkw-Maut ein<em>, Rolf Euler</em></p>
<p><strong>Buch:</strong><em> </em>Leo Trotzki, Denkzettel<em>, Hans-G&#252;nter Mull</em></p>
<p><strong>Der hei&#223;e Herbst.</strong><em> </em>Aktionskalender<em> </em></p>
<p><strong>Von oben ist nichts zur erhoffen.</strong><em> </em>Geschichte und Aktualit&#228;t deutscher Linkssozialisten,<em> Arno Kl&#246;nne</em></p>
<p><strong>Debatte:</strong><em> </em>Die Energiebilanz der erneuerbaren Energien,<em> Saral Sarkar</em></p>
<p><strong>In Teufels Namen.</strong><em> </em>Fritz Teufel (1943-2010)<em>, Markus Mohr</em></p>
<p><strong>Film:</strong><em> </em>Der Gewinn der Krise,<em> Angela Huemer</em></p>
<p><strong>Musik:</strong><em> </em>Fasten-Jazz am Goldenen Horn,<em> Lothar A.Heinrich</em></p>
<p><strong>Krimi:</strong><em> </em>Christopher Cook, Roger Smith, Robert Littell, Jo Nesb&#246;<em>, Udo Bonn<br />
</em></p>
<p><em><br />
</em></p>
<p><em><br />
</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2010/08/inhalt-2/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Spendet f&#252;r die Flutopfer in Pakistan!</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/08/spendet-fuer-die-flutopfer-in-pakistan/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2010/08/spendet-fuer-die-flutopfer-in-pakistan/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 09:33:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktionen]]></category>
		<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=1393</guid>
		<description><![CDATA[In Absprache mit den Genossinnen und Genossen der Labour Party Pakistan (LPP) rufen wir die Leserinnen und Leser der SoZ [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		PRE.western { font-family: "Garuda" } 		PRE.cjk { font-family: "DejaVu Sans", monospace } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><strong>In Absprache mit den Genossinnen und Genossen der Labour Party Pakistan (LPP) rufen wir die Leserinnen und Leser der SoZ zu Spenden auf.</strong></p>
<p>Sie sollen der Labour Relief Campaign (LRC – Arbeiterhilfsorganisation) zugute kommen. Die LRC ist eine Nichtregierungsorganisation, die von der LPP und anderen Organisationen der pakistanischen Linken unterst&#252;tzt wird. Sie wurde 2005 nach dem gro&#223;en Erdbeben in Pakistan gegr&#252;ndet, das 100.000 Menschenleben forderte.</p>
<p>Sie wird getragen von Organisationen wie der Progressiven Jugendfront, Labour Education Foundation und Gewerkschaften. Gerade angesichts der Tatsache, dass islamistische Gruppen versuchen, Kapital aus der Katastrophe zu schlagen, ist es wichtig, dass sozialistische Gruppen und die Arbeiterbewegung aus aller Welt die Hilfsbem&#252;hungen der pakistanischen Linken unterst&#252;tzen.</p>
<p>Bitte &#252;berweist die Spende auf das Konto:</p>
<p><strong>Thies Gleiss<br />
Postbank K&#246;ln (BLZ 37010050) 478106507<br />
Stichwort: Pakistan – Flutkatastrophe.</strong></p>
<p>Zusammen mit den Spenden aus den Niederlanden und Belgien werden die Gelder Mitte September nach Pakistan &#252;bermittelt.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2010/08/spendet-fuer-die-flutopfer-in-pakistan/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Hilfe von Bewegung zu Bewegung</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/08/hilfe-von-bewegung-zu-bewegung/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2010/08/hilfe-von-bewegung-zu-bewegung/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 09:26:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktionen]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=1329</guid>
		<description><![CDATA[Pakistan: Internationale Solidarit&#228;t in der Katastrophe
von Pierre Rousset
In einem Brief vom 15.August an den Pr&#228;sidenten der Europ&#228;ischen Kommission José Manuel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		PRE.western { font-family: "Times New Roman" } 		PRE.cjk { font-family: "DejaVu Sans", monospace } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><strong>Pakistan: Internationale Solidarit&#228;t in der Katastrophe</strong><em><br />
von Pierre Rousset</em><br />
In einem Brief vom 15.August an den Pr&#228;sidenten der Europ&#228;ischen Kommission José Manuel Barroso erkl&#228;rt Frankreich Staatspr&#228;sident Nicolas Sarkozy sich bereit, im «Rahmen der Nato nationale milit&#228;r-logistische Mittel» zur Verf&#252;gung zu stellen, darunter Schiffe und Flugzeuge; er erwartet, dass Europa dasselbe tut. «Dar&#252;ber hinaus hat Europa auch ein Interesse, die Entwicklung und die Stabilit&#228;t des Landes zu sichern.»<br />
<span id="more-1329"></span>Ohne Scham spricht er die geostrategische Instrumentalisierung von Hilfe an. Statt zivile Mittel anzuheuern, soll die Hilfe von Nato-Einheiten organisiert werden, die selber gegen das Nachbarland Afghanistan Krieg f&#252;hren – mithin in einem Konflikt stehen, der Pakistan zerrei&#223;t! Die Vermengung von milit&#228;rischen Operationen mit humanit&#228;rer Hilfe – von Wiederaufbau und der Erschlie&#223;ung neuer M&#228;rkte f&#252;r die multinationalen Konzerne – ist charakteristisch f&#252;r die aktuelle imperialistische Politik. Sie macht die humanit&#228;re Hilfe zu einer Geisel des Milit&#228;rs.</p>
<p>Im Fall von Pakistan ist das ein Gottesgeschenk an die politisch-religi&#246;s Fundamentalisten, die leichtes Spiel haben, die kaum verh&#252;llten imperialistischen Bestrebungen anzuprangern. Damit werden auch die unabh&#228;ngigen Hilfsorganisationen gef&#228;hrdet, die vor Ort arbeiten.</p>
<p>Die L&#246;schung humanit&#228;rer Hilfsladungen durch das Milit&#228;r sieht aus wie eine Invasion (vergleiche die Ereignisse in Haiti), der unter dem Vorzeichen des «Wiederaufbaus» der zerst&#246;rten Gebiete weitere Invasionen folgen werden. Die Tourismusindustrie hat nach dem Tsunami gierig nach den «gereinigten» Str&#228;nden der Fischerd&#246;rfer gegriffen. In Haiti bietet Monsanto massiv Saatguthilfen an, um einen neuen Markt und neue Abh&#228;ngigkeiten zu schaffen auf Kosten der haitianischen Bauern, die sich gegen diese wirtschaftsdiktatorische Konzeption humanit&#228;rer Hilfe zur Wehr setzen.</p>
<p>Dem muss eine solidarische Konzeption von Hilfe entgegengesetzt werden. Dank der Entwicklung internationaler Beziehungen zwischen den sozialen Bewegungen nach Seattle ist es m&#246;glich geworden, konkrete Solidarit&#228;t «von Mensch zu Mensch» zu praktizieren, die die Bed&#252;rfnisse der am meisten benachteiligten Regionen im Auge behalten – denn sie sind oftmals die letzten, die (halb-)offizielle Hilfe erhalten.</p>
<p>Anzustreben ist eine dauerhafte Solidarit&#228;t, die auch dann noch f&#252;r die Rechte der Benachteiligten eintritt, wenn die unmittelbare Not vor&#252;ber ist und der Wiederaufbau ansteht. Eine Solidarit&#228;t, die materielle Hilfe mit politischen Kampagnen verbindet: f&#252;r die Streichung der illegitimen Schulden Haitis und Pakistans, gegen Korruption und Vetternwirtschaft, f&#252;r demokratische Transparenz hinsichtlich der Verteilung der Hilfe, f&#252;r Massnahmen gegen den Klimawandel.</p>
<p>Wir k&#246;nnen keine Hubschrauberflotte bereitstellen und wir verf&#252;gen nicht &#252;ber die logistischen Mittel der gro&#223;en Hilfsorganisationen. Doch die Solidarit&#228;t von «Bewegung zu Bewegung» ist deswegen nicht weniger wirksam. Die Strukturen von Bewegungen sind oft die ersten vor Ort, sie kennen die &#246;rtliche Situation, die Bed&#252;rfnisse und Probleme, sie st&#228;rken die Solidarit&#228;t unter den Opfern der Katastrophe, statt sie gegeneinander auszuspielen. Sie handeln rasch und zu geringen Kosten und bleiben, auch wenn die erste Not vorbei ist.</p>
<p>Die Medien konzentrieren sich auf das Handeln der Regierungen und der gro&#223;en NGOs. Wir m&#252;ssen die politische Bedeutung und humanit&#228;re Effizienz fortschrittlicher Organisationen vor Ort unter Beweis stellen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2010/08/hilfe-von-bewegung-zu-bewegung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ein H&#246;llensommer</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/08/ein-hoellensommer/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2010/08/ein-hoellensommer/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 09:25:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Leitartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=1390</guid>
		<description><![CDATA[von Angela Klein
Schlimmer als alle vier Kriege Pakistans mit Indien zusammen nennt ein pakistanischer Journalist die Folgen der &#220;berschwemmungen, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		PRE { font-family: "Garuda" } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><em>von Angela Klein</em><br />
Schlimmer als alle vier Kriege Pakistans mit Indien zusammen nennt ein pakistanischer Journalist die Folgen der &#220;berschwemmungen, die der wochenlange Monsunregen in Pakistan angerichtet hat. W&#228;hrend die Wassermassen ein Gebiet von der Gr&#246;&#223;e Englands unter sich begraben haben, ist in Russland in derselben Zeit bei Temperaturen von anhaltend 40° C kein Tropfen gefallen.</p>
<p><span id="more-1390"></span>Der russische Wetterdienst hat in seinen Aufzeichnung «keine Hinweise, dass es auf russischem Boden in den letzten tausend Jahren eine vergleichbare Hitze gegeben hat». So hat man sich bei uns fr&#252;her die H&#246;lle vorgestellt: der Boden brennt unter den F&#252;&#223;en, Schwefel verpestet die Atemluft, das Trinkwasser ist verseucht, erreichbare Nahrung verkohlt augenblicklich.</p>
<p>Extreme Hitze verzeichneten in diesem Sommer insgesamt 17 L&#228;nder auf der Erde, mehr als in jedem anderen Jahr. Das erste Halbjahr 2010 war das w&#228;rmste in der Geschichte des Planeten. Die riesigen Wassermassen, die &#252;ber der Meeresoberfl&#228;che verdunsten, werden &#252;ber Land abgeregnet – anhaltende Wolkenbr&#252;che trafen auch den Norden Indiens und Chinas, S&#252;dchina und Nordostbrasilien. Nach einer fast einj&#228;hrigen D&#252;rreperiode in Westafrika, die auf ungew&#246;hnlich heftige Regenf&#228;lle im vergangenen Sommer gefolgt war, wurden nun aus Ghana, Nigeria, Sierra Leone, Tschad und Burkina Faso schwerste Niederschl&#228;ge gemeldet, in Guinea sollen Hagelk&#246;rner so gro&#223; wie H&#252;hnereier gefallen sein. Im Dreieck Deutschland, Polen, Tschechien gab es die dritte «Jahrhundertflut» innerhalb von acht Jahren. In Gr&#246;nland brach ein riesiger Gletscher entzwei. Innerhalb weniger Wochen macht so ein Sommer Millionen Menschen obdachlos und zur Beute von Hunger, Krankheit, Tod.</p>
<p>«Die aktuellen Extremwetterereignisse sind ein Vorgeschmack dessen, was wir in Folge der Klimaerw&#228;rmung zuk&#252;nftig zu erwarten haben», sagt Karsten Smid von Greenpeace. Ausgewogene Klimata sind eine Vorbedingung f&#252;r landwirtschaftliche Produktion. In den ann&#228;hernd 2 Millionen Jahren, seit die Spezies Mensch die Erde bev&#246;lkert, hat es nur einen sehr kleinen Zeitraum gegeben, in dem das globale Klima auf der Erde nach Temperatur und Niederschlag so ausgewogen war, dass landwirtschaftliche Produktion in gro&#223;em Umfang und damit die Erwirtschaftung von &#220;bersch&#252;ssen m&#246;glich war. In diesem Fenster, das sich vor 10.000 Jahren ge&#246;ffnet hat, leben wir heute. Durch den Klimawandel wird es ein St&#252;ck geschlossen. Die landwirtschaftliche Produktion ist gef&#228;hrdet.</p>
<p>Und doch passiert nichts. In den L&#228;ndern des Nordens kommt die Abkehr von fossilen Brennstoffen nicht in Gang. Deutschland sonnt sich darin, dass seine Automobilindustrie ein Jahr nach der schlimmsten Branchenkrise der Geschichte fast wieder auf Rekordniveau f&#228;hrt. Im ersten Halbjahr 2010 sind die Pkw-Ausfuhren um 44% gegen&#252;ber dem Vorjahreszeitraum gestiegen, die Inlandsproduktion um 23%.</p>
<p>Der neue H&#246;henflug der Exportwirtschaft beschert vor&#252;bergehend einen kleinen Konjunkturaufschwung und sp&#252;lt dem Finanzminister wahrscheinlich 11 Mrd. Euro mehr in die Kasse. Die gesellschaftspolitische Diskussion konzentriert sich darauf, dass der Aufschwung bei den unteren Schichten nicht ankommt, weil die Regierungspolitik dies verhindert – diese Kritik steht auch im Mittelpunkt der Herbstaktionen der Gewerkschaften und der sozialen Bewegungen. Dass diese Exportwirtschaft mit ihrem Schwerpunkt auf energieintensiven Produkten mit daf&#252;r verantwortlich ist, dass Pakistan jetzt eine Hungerkatastrophe droht und die russische Hitze die Weizenpreise nach oben treibt, wird auch von ihnen kaum thematisiert. Umwelt und Arbeit sind scheinbar auf zwei verschiedenen Planeten angesiedelt.</p>
<p>Dabei gibt es Beispiele daf&#252;r, dass menschliche Arbeit Natur nicht nur zerst&#246;rt, sondern auch sch&#252;tzt und h&#228;ufig sogar erst lebenswert macht – vorausgesetzt, der Mensch gibt der Natur im lokalen und regionalen Ma&#223;stab zur&#252;ck, was er von ihr entnommen hat, betrachtet seine Arbeit also als das, was sie in Wirklichkeit ist: Stoffwechsel mit der Natur, Teil des &#246;kologischen Kreislaufs.</p>
<p>In den L&#228;ndern, die von den Unwettern betroffen sind, richtet sich die Kritik der Bev&#246;lkerung – neben der allgegenw&#228;rtigen Korruption – vornehmlich gegen den R&#252;ckzug des Staates aus seiner Verantwortung f&#252;r die &#246;ffentliche Infrastruktur und die Sicherung des Gemeinwesens: so in Russland, wo die Naturschutzbeh&#246;rde, die mit F&#246;rsterpatrouillen die W&#228;lder kontrollierte, im Zuge der Privatisierungen aufgel&#246;st wurde.</p>
<p>Sie richtet sich aber auch gegen den Wahn, Gef&#228;hrdungen durch Naturereignisse mit Hilfe von Gro&#223;technologie in den Griff bekommen zu wollen und lokale Kontroll- und Regulationsmechanismen au&#223;er Kraft zu setzen: In Pakistan sind die &#220;berschwemmungen am verheerendsten in der Umgebung gro&#223;er Staud&#228;mme, die zur Bodenerosion beitragen. In Russland hat die gro&#223;fl&#228;chige Trockenlegung der Moore vor allem im europ&#228;ischen Teil den Boden anf&#228;llig f&#252;r Br&#228;nde gemacht.</p>
<p>Natur ist nicht nur gut, der Mensch muss sich auch vor ihr sch&#252;tzen. Die zentrale Kategorie daf&#252;r ist die Arbeit, nicht die Technik. Technik ist nur ein Hilfsmittel, sie darf die Umwelt nicht destabilisieren, sondern muss helfen, sie in ein Gleichgewicht zu bringen, in welchem die sie bewirtschaftende Bev&#246;lkerung ihren Platz hat. Zentralistische Gro&#223;technologie welcher Art auch immer zerst&#246;rt das Gleichgewicht – sie entzieht dem Menschen buchst&#228;blich den Boden unter den F&#252;&#223;en.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2010/08/ein-hoellensommer/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Angie allein zu Haus</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/08/angie-allein-zu-haus/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2010/08/angie-allein-zu-haus/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 09:17:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Parteien/ Demokratie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=1388</guid>
		<description><![CDATA[Die B&#252;rgerregierung ist schwer angeschlagen
von Paul B. Kleiser
Der Regierungskoalition l&#228;uft das Personal davon, von ihrem Koalitionsvertrag kriegt sie nichts umgesetzt. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		PRE.western { font-family: "Garuda" } 		PRE.cjk { font-family: "DejaVu Sans", monospace } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><strong>Die B&#252;rgerregierung ist schwer angeschlagen</strong><br />
<em>von Paul B. Kleiser</em><br />
Der Regierungskoalition l&#228;uft das Personal davon, von ihrem Koalitionsvertrag kriegt sie nichts umgesetzt. Erfolgreiche Mobilisierungen im Herbst k&#246;nnten sie aus der Bahn werfen.<br />
<span id="more-1388"></span>Nach nur neun Monaten im Amt befindet sich die schwarz-gelbe Koalition in einer tiefen Krise. In den j&#252;ngsten Meinungsumfragen kommen CDU/CSU gerade noch auf 31%. Die FDP schreitet in Eilschritten auf die in den 90er Jahren schon einmal aktuelle Namensbedeutung zu: «Fast Drei Prozent». W&#228;hrend die Wirtschaft in Deutschland nach der tiefsten Rezession seit 1929 langsam wieder Tritt fast, geht es mit der Koalition rasch bergab. Die «Wunschkoalition» des b&#252;rgerlichen Lagers entwickelt sich immer mehr zu einem perspektivlosen Verein zur Erhaltung der Macht und Verteilung von Pfr&#252;nden.</p>
<p>Diese Entwicklung zeigt sich zun&#228;chst in einem in so kurzer Zeit nie gekannten Verlust von politischem Personal. Der von Merkel und Westerwelle als (neoliberaler) Kompromisskandidat ins Amt gehievte Sparkassenpr&#228;sident Horst K&#246;hler schmei&#223;t mir nichts, dir nichts den Bettel hin, weil seine Aussagen zu Afghanistan kritisiert werden. In seiner ihm eigenen Tolpatschigkeit hatte er darauf hingewiesen, dass der Westen in diesem Land f&#252;r den ungehinderten Zugang zu den Rohstoffen k&#228;mpfe. Eigentlich sollte man ihm f&#252;r diese Ehrlichkeit dankbar sein. Doch zur Zeit, besonders nach dem Bombardement von Kunduz mit &#252;ber hundert Toten, ist hierzulande die Verdr&#228;ngung der bitteren Realit&#228;t dieses immer schmutziger werdenden Krieges angesagt. In den beiden Wei&#223;b&#252;chern der Bundeswehr ist glasklar zu lesen, dass diese Armee nat&#252;rlich f&#252;r die sichere Versorgung des Landes mit Rohstoffen und Energie zust&#228;ndig ist und der BRD bei ihren imperialen Abenteuern helfen soll – doch solches m&#246;chte man im Augenblick nicht ausgesprochen wissen. Denn die Mehrheit der Bev&#246;lkerung sieht diesen Krieg ohnehin kritisch. Daher sind die Ver&#246;ffentlichungen von milit&#228;rischen Aktivit&#228;ten und Schweinereien bei Wikileaks ein weiterer Schlag ins Kontor.</p>
<p>Den ruhmlosen Abgang von K&#246;hler sah Angela Merkel als Chance, einen m&#246;glichen Konkurrenten ums Amt nach oben fallen zu lassen und damit auszuschalten. Diese Politik hat sie ihrem Ziehvater Helmut Kohl abgeschaut, der ebenfalls alle gef&#228;hrlichen Konkurrenten (Gei&#223;ler, von Weizs&#228;cker, Sp&#228;th, S&#252;&#223;muth) in b&#228;uerlicher Brutalit&#228;t aus seiner Entourage verdr&#228;ngte. Da diese Vorgehensweise von vielen in der Partei nicht genossen wird und es vor allem aus dem Wirtschaftsfl&#252;gel viele (bislang noch leise) Kritiker der Parteichefin gibt, entfielen auf Christian Wulf im ersten Wahlgang 45 Gegenstimmen aus der Koalition; f&#252;r Merkel war dies eine kr&#228;ftige Ohrfeige.</p>
<p>Auf dem Leipziger Parteitag 2003 hatte Merkel noch ein neoliberales Programm mit Steuersenkungen f&#252;r die Reichen und massivem Abbau des Sozialstaats (Kopfpauschale in der Krankenversicherung) verabschieden lassen. Ein Jahr sp&#228;ter bereits schaltete sie den Hauptpropagandisten dieser Orientierung, Friedrich Merz, aus, indem sie ihn vom Fraktionsvorsitz verdr&#228;ngte und er sich in den (lukrativen) Schmollwinkel zur&#252;ckzog. Mit G&#252;nther &#214;ttinger und Roland Koch gingen zwei weitere rechte Fl&#252;gelm&#228;nner von Bord, weil in ihren L&#228;ndern die Ablehnungsfront breiter wurde und sie in Berlin nichts mehr werden konnten. Mit der krachenden Wahlniederlage in Nordrhein-Westfalen ist auch die etwas «sozialer» ausgestaltete Variante des «Arbeiterf&#252;hrers» J&#252;rgen R&#252;ttgers an ihr Ende gekommen. Rechnet man noch den verungl&#252;ckten Skifahrer Althaus und den Bankenpleitier Milbradt (die Landesbank Sachsen h&#228;ufte wegen ihrer Schattenbanken in Irland usw. milliardenschwere Verluste an) hinzu, dann sieht man, dass aus der «jungen Garde» der CDU, die nach Kohls Bimbes-Skandal von 1999/2000 der Partei wieder ein neues Gesicht gegeben hat, fast niemand mehr &#252;brig geblieben ist. Soviel Schwund war selten.</p>
<p>Vor allem der Mittelstand beklagt die Orientierungslosigkeit der Union bzw. deren «Sozialdemokratisierung», was bedeutet, dass aufgrund der Krise die Union zusammen mit der SPD einer Reihe von Staatseingriffen zugestimmt hat, die die Abgabenbelastung erh&#246;hen (werden) und somit den Marktinteressen dieser Leute zuwiderlaufen. W&#228;hrend die Verstaatlichung der Hypo Real Estate wegen des wirtschaftlichen Bebens, das ein Zusammenbruch dieser Bank ausgel&#246;st h&#228;tte, zumeist geschluckt wird, gilt die «Rentengarantie» nicht nur bei Br&#252;derle als eine «S&#252;nde wider den Geist».</p>
<p><strong>Auch programmatisch daneben</strong><br />
Die Verluste an politischem Personal sind durch die tiefe programmatische Krise bedingt, in der sich die Parteien der Koalition befinden und die auch eine Folge der bereits erfolgten und noch zu erwartenden Ersch&#252;tterungen durch die Wirtschaftskrise sind. Denn liest man den Koalitionsvertrag heute, dann sieht man, dass die vertragsschlie&#223;enden Parteien v&#246;llig neben der Kappe lagen. Die FDP wollte um jeden Preis ihr Motto «Mehr Netto vom Brutto» in die Tat umsetzen. In der Gesundheitspolitik h&#228;tte dies bei Einf&#252;hrung der «Kopfpauschale» nur f&#252;r die «Besserverdienenden» (ab etwa 40000 Euro Jahreseinkommen) gegolten, w&#228;hrend alle anderen h&#246;her belastet worden w&#228;ren. Die nunmehr gefundene «L&#246;sung» mit h&#246;heren Beitr&#228;gen steht erstens dem genannten Motto entgegen, und der Wegfall der Begrenzung der Zusatzbeitr&#228;ge (bisher maximal 1% des Einkommens) bringt eine weitere Umverteilung von oben nach unten. Dagegen werden die von der Pharmaindustrie verlangten Preisabschl&#228;ge aufgrund von L&#252;cken im R&#246;sler-Gesetz kalt l&#228;chelnd umgangen.</p>
<p>Besonders deutlich werden die Widerspr&#252;che in der Frage der Verl&#228;ngerung der Laufzeiten der bestehenden Atomkraftwerke. Im Herbst m&#246;chte die Koalition ein neues Konzept f&#252;r die Energiepolitik vorlegen, das – gleichg&#252;ltig wie es ausf&#228;llt – zu massiven Auseinandersetzungen f&#252;hren wird. Zun&#228;chst ist h&#246;chst strittig, um welchen Zeitraum eine Verl&#228;ngerung zugelassen werden soll: um maximal acht Jahre (Umweltminister R&#246;ttgen) oder unbegrenzt (Mappus und Seehofer)? Man wird sehen, inwieweit die Regierung den Interessen der vier Gro&#223;stromer, die als einzige AKWs betreiben (E.on, RWE, EnBW und Vattenfall), entgegenkommen m&#246;chte. F&#252;r diese Multis ist eine Verl&#228;ngerung der Laufzeiten eh schon eine Gelddruckmaschine.</p>
<p>Das Haushaltssanierungsprogramm der Regierung sieht auch eine Brennelementesteuer mit Gesamteinnahmen von 2,3 Milliarden Euro vor, gegen die sich die Konzerne nat&#252;rlich massiv wehren, weil sie m&#246;glichst alle Kosten auf die Abnehmer und die Steuerzahler abw&#228;lzen wollen. (Nach neuen Berechnungen wird die Beseitigung der bestehenden AKWs 10–12 Mrd. Euro kosten, die Sanierung der Lager Asse und Morsleben jeweils 3–4 Mrd. Euro, und die Kosten der «Endlagerung» sind noch gar nicht bezifferbar.) Auch in der Union regt sich massiver Widerstand gegen die Politik, den Atomstrom als «Br&#252;ckentechnologie» zu nutzen, weil vielen Mitgliedern d&#228;mmert, welche Kosten auf die Gesellschaft zukommen, und weil es zahlreiche Kommunen gibt, die auf eine Entwicklung erneuerbarer Energien setzen. Sie haben bereits viel Geld in solche Technologien investiert. Diese Anlagen w&#252;rden durch eine Verl&#228;ngerung der Laufzeiten von AKWs entwertet und die Finanzkrise der Kommunen versch&#228;rft. Gerade im Umkreis von Atomanlagen (in Bayern in Landshut und Schweinfurt) sprechen sich CDU- bzw. CSU-Ortsverb&#228;nde gegen Laufzeitverl&#228;ngerungen aus, was den Mobilisierungen im Herbst nur zus&#228;tzlichen Auftrieb verschaffen kann.</p>
<p>Neben der Sparpolitik mit der K&#252;rzung von Sozialleistungen f&#252;r die am meisten Bed&#252;rftigen (Elterngeld bei Hartz-IV-Bezieherinnen) stellt der Kampf um die Neuausrichtung der Energiepolitik mit Sicherheit das Schlachtfeld dar, auf dem dieser Regierung vom widerspenstigen Teil der Bev&#246;lkerung eine schwere Niederlage bereitet werden kann, die sie wom&#246;glich nicht &#252;berleben wird. Wir sollten uns in diesen Auseinandersetzungen kr&#228;ftig engagieren!</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2010/08/angie-allein-zu-haus/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Nach der Love Parade in Duisburg</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/08/nach-der-love-parade-in-duisburg/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2010/08/nach-der-love-parade-in-duisburg/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 09:13:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kommunen]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=1386</guid>
		<description><![CDATA[Der OB muss die Verantwortung &#252;bernehmen und gehen
von Hermann Dierkes
Das Fiasko bei der Love Parade am 24.Juli in Duisburg, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		PRE.western { font-family: "Garuda" } 		PRE.cjk { font-family: "DejaVu Sans", monospace } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><strong>Der OB muss die Verantwortung &#252;bernehmen und gehen</strong><br />
<em>von Hermann Dierkes</em></p>
<p>Das Fiasko bei der Love Parade am 24.Juli in Duisburg, die mit 21 Toten und 500 Verletzten zur Death Parade wurde, hat weit und breit Best&#252;rzung ausgel&#246;st. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, der Innenausschuss des NRW-Landtags ist w&#228;hrend der Sommerpause zu einer Sondersitzung  zusammen gekommen.</p>
<p><span id="more-1386"></span>Viele Detailfragen m&#252;ssen noch gekl&#228;rt werden. Aber es ist offensichtlich, dass das Sicherheitskonzept gravierende Fehleinsch&#228;tzungen enthielt, Leichtsinn und Schlampereien eine verheerende Rolle gespielt haben. Verantwortlich daf&#252;r ist in erster Linie der Veranstalter Lovapent – mehrheitlich im Besitz der Fitness-Kette McFit von Herrn Schaller, der mit den Love-Parade-Veranstaltungen vor Jahren ein profittr&#228;chtiges Gesch&#228;ftsfeld &#252;bernommen hat. Verantwortlich ist aber auch die Duisburger Verwaltungsspitze, die nach langem Hin und Her als Ordnungsbeh&#246;rde die Genehmigung erteilt hat. Zu hinterfragen ist auch die Rolle der Polizei.</p>
<p>Die Verantwortung f&#252;r das Fiasko hat eine juristische und eine politische Seite. Der Duisburger Rat wurde schon 2007 mit dem Vorhaben konfrontiert. Im Konzert mit m&#228;chtigen Akteuren aus Politik und Kultur traten der Duisburger Oberb&#252;rgermeister und die &#246;rtliche CDU-F&#252;hrung von Anfang an nachdr&#252;cklich f&#252;r die Durchf&#252;hrung der Love Parade in Duisburg ein. Kritiker wurden der Miesmacherei bezichtigt. Die Parade sollte Teil einer Veranstaltungsserie dieser Art in mehreren Ruhrgebietsst&#228;dten sein. In Bochum war sie f&#252;r 2009 aufgrund massiver Sicherheitsbedenken abgesagt worden. Einflussreiche M&#228;nner aus Medien und Kultur wie Fritz Pleitgen oder Dieter Gorny sowie die damalige Landesregierung unter J&#252;rgen R&#252;ttgers setzten alles daran, sie ausgerechnet im Kulturhauptstadtjahr 2010 nicht noch einmal scheitern zu lassen. Auch deren Rolle ist aufzuarbeiten und transparent zu machen – und damit zugleich die Motive f&#252;r und die Nutznie&#223;er von «Kulturevents», die in ihrer Ma&#223;losigkeit organisatorisch kaum noch steuerbar sind.</p>
<p>Ende 2008 forderte der &#246;rtliche CDU-Chef Mahlberg die Abl&#246;sung des damaligen Duisburger Polizeichefs Cebin, weil der massive Bedenken ge&#228;u&#223;ert hatte. Im Rat der Stadt konzentrierte sich die Kritik immer st&#228;rker auf die zun&#228;chst vorgesehene &#246;ffentliche Finanzierungsbeteiligung, wo doch die Stadt &#252;berschuldet wat und weitere K&#252;rzungen im Sozial-, Bildungs- und Kulturbereich auf dem Plan standen. Erst zu Anfang des Jahres wurde der alte G&#252;terbahnhof als Veranstaltungsort bekannt gegeben. Eine Anfrage der linken Ratsfraktionen zum Verkehrskonzept wurde erst nach Monaten Ende Juni beantwortet.</p>
<p>Die politische Verantwortung f&#252;r die Trag&#246;die trifft insbesondere den Oberb&#252;rgermeister als Chef der Verwaltung und den zust&#228;ndigen Rechtsdezernenten Rabe (CDU). Das sieht die &#252;berw&#228;ltigende Mehrheit der &#246;ffentlichen Meinung so. Sie erwartet Konsequenzen und fordert massiv beider R&#252;cktritt. Der OB hat die &#220;bernahme dieser Verantwortung abgelehnt. Er und Rabe haben sich unmittelbar nach der Katastrophe unm&#246;glich gemacht, weil sie individuelles Fehlverhalten von Veranstaltungsbesuchern in den Vordergrund stellten, das Sicherheitskonzept als «stichhaltig» verteidigten und offensichtliche Fehleinsch&#228;tzungen und Fehler herunter spielten. Die Trag&#246;die und ihr Verhalten haben der Stadt immensen politischen Schaden verursacht. Sie k&#246;nnen nicht in ihren &#196;mtern bleiben.</p>
<p>Die Ratsfraktion DIE LINKE hat Ende Juli eine Abwahlinitiative gestartet. Es bedarf allerdings einer Ratsmehrheit von zwei Dritteln, um den Weg daf&#252;r frei zu machen, dass die Wahlberechtigten entscheiden k&#246;nnen. SPD und FDP haben ihre Unterst&#252;tzung signalisiert, die Gr&#252;nen sind zerstritten, und die CDU d&#252;rfte gegen die Initiative stimmen.</p>
<p><em>Hermann Dierkes ist Vorsitzender der Ratsfraktion DIE LINKE Duisburg.</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2010/08/nach-der-love-parade-in-duisburg/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>40 US-Milliard&#228;re wollen spenden</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/08/40-us-milliardaere-wollen-spenden/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2010/08/40-us-milliardaere-wollen-spenden/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 08:31:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Umverteilung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=1384</guid>
		<description><![CDATA[R&#228;uber oder Retter?
von Peter Vollmer
Eine Gruppe von 40 superreichen Propagandisten in den USA, darunter Bill Gates und Warren Buffet, will [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		PRE.western { font-family: "Garuda" } 		PRE.cjk { font-family: "DejaVu Sans", monospace } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><strong>R&#228;uber oder Retter?</strong><br />
<em>von Peter Vollmer</em><br />
Eine Gruppe von 40 superreichen Propagandisten in den USA, darunter Bill Gates und Warren Buffet, will angeblich andere Superreiche zum Spenden von 600 Milliarden Dollar f&#252;r den amerikanischen Staat gewinnen. Die Initiatoren selbst w&#252;rden bestenfalls 100 Milliarden Dollar auf die Beine bringen. Nicht einmal diese Summe ist gesichert.<br />
<span id="more-1384"></span>Ber&#252;cksichtigen wir, dass sie die H&#228;lfte davon an Erbschaftssteuern sparen – der Staat also die H&#228;lfte der Summe zahlen w&#252;rde –, so reden wir noch von 50 Milliarden Dollar, das sind beim Umrechnungskurs von 1:1,25 (Euro:US-Dollar) 40 Milliarden Euro. Auf Deutschland &#252;bertragen, das ein Viertel der US-Bev&#246;lkerung z&#228;hlt, reden wir vergleichsweise von 10 Milliarden Euro. Hut ab f&#252;r die Spender, aber wozu diese Aufgeregtheit? Sprechen wir lieber &#252;ber Feudalismus und b&#252;rgerliche Demokratie.<br />
<strong>Feudalismus oder b&#252;rgerliche Demokratie?</strong><br />
Nun lassen sich Staat und Steuern in den USA und Deutschland schlecht miteinander vergleichen. Und es kann hier auch nicht untersucht werden, warum der junge schlanke Staat der USA schon lange durch &#228;u&#223;ert einflussreiche und superreiche Stifter geformt und dominiert wird, das hat seine eigene Geschichte. Den Stiftern fehlt allerdings aus europ&#228;ischer Sicht jegliche gesellschaftliche Legitimation. Superreiche bestimmen nach Gutsherrenart, wo’s lang zu gehen hat, sie ersetzen durch den Einsatz ih-res (?) Geldes Volkes Willen. Die Frage, wer ihren Reichtum erwirtschaftet hat, wollen wir uns lieber sparen (auf keinen Fall sie selbst!).</p>
<p>Wir betonen: Der gro&#223;e Fortschritt gegen&#252;ber einem solchen Feudalismus sind die demokratischen Errungenschaften der b&#252;rgerlichen Gesellschaft, in denen das Volk und nicht das Geld beschlie&#223;t, welche Aufgaben der Staat zu &#252;bernehmen hat und wie die Mittel daf&#252;r – nicht freiwillig, sondern verpflichtend – eingenommen werden.</p>
<p>Steuern hei&#223;en Steuern, weil der Staat damit zielgenau die Geschicke zum Wohl aller B&#252;rger steuern soll. Die Verantwortlichen in Deutschland betreiben dieses Steuern allerdings seit langem derart, dass Arm und Reich in rasanter Geschwindigkeit immer mehr auseinanderdriften.</p>
<p><strong>Die Fr&#252;chte von mehr Gleichheit</strong></p>
<p>Die britischen Epidemologen Kate Pickett und Richard Wilkinson haben in einer sich &#252;ber mehrere Jahrzehnte erstreckenden empirischen Studie in Industriestaaten nachgewiesen, dass in den L&#228;ndern, in denen die Unterschiede zwischen Arm und Reich gering sind, auch die gesellschaftlichen Probleme geringer sind. Lebenserwartung, Gesundheit, Bildungschancen und Kriminalit&#228;t stehen in eindeutigem Zusammenhang mit der sozialen Ungleichheit einer Gesellschaft. Ma&#223;gebend ist nicht etwa die H&#246;he des Durchschnittseinkommens. «Gleichheit ist Gl&#252;ck», so der Untertitel ihrer Studie auf dem Klappentext der Ver&#246;ffentlichung.<br />
Alarm!</p>
<p>In Deutschland besa&#223;en im Jahre 2003 10% der Bev&#246;lkerung 58% der Verm&#246;genswerte, und die untersten 50% der Bev&#246;lkerung nichts, h&#246;chstens Schulden. 2007 waren es schon 61% der Verm&#246;genswerte und die Tendenz ist steigend. – Alarmstufe 1!</p>
<p>Die Nettol&#246;hne und -geh&#228;lter sanken von 2000 bis 2010 um 2,6%, dagegen stiegen Unternehmens- und Verm&#246;genseinkommen um 30,6%. – Alarmstufe 2!</p>
<p>Eine Familie mit 2 Kindern zahlt durchschnittlich 45,2% Steuern und Sozialabgaben, Million&#228;re 36% und die reichsten 400 nur 34%. – Alarmstufe 3!</p>
<p>Die Verm&#246;gensteuer wurde 1997 g&#228;nzlich abgeschafft. – Alarmstufe 4!</p>
<p>Der Spitzensteuersatz wurde in den vergangenen 30 Jahren in Etappen von 56% auf 53% auf 48% auf 45% auf 42% (+3% Reichensteuer und Soli) gesenkt. – Alarmstufe 5!<br />
Die Kapitalertragsteuer wurde im vorigen Jahr auf 25% senkt. Jetzt reicht’s.</p>
<p><strong>Zwei Problemfelder des individuellen Reichtums</strong></p>
<p>Die Reichen werden immer Reicher und die Armen immer &#228;rmer. Dieser angeh&#228;ufte Reichtum ist besonders in zweifacher Hinsicht eine Crux.</p>
<p>Erstens hat die Regierung ohne Not auf das zur Bew&#228;ltigung ihrer Aufgaben notwendige Geld verzichtet, so fehlt es an allen Ecken und Enden.</p>
<p>Und zweitens finden die Reichen in der realen Produktion und Wirtschaft keine ihren horrenden Vorstellungen entsprechenden Anlagem&#246;glichkeiten mehr. Deshalb lassen sie ihr &#252;bersch&#252;ssiges Geld in Form von Zertifikaten, Derivaten, Leerverk&#228;ufen usw. den Globus umkreisen und verursachen damit Finanz- und Wirtschaftskrisen.</p>
<p><strong>So kann man gegensteuern:</strong></p>
<p>Die derzeit 48 Personen, die als selbst Betroffene den “Appell f&#252;r eine Verm&#246;gensabgabe» unterzeichnet haben, schlagen die Erhebung einer einmaligen 10%igen Verm&#246;gensabgabe in zwei Jahresraten in H&#246;he von jeweils 5% vor. Diese 10% sind weniger als die seit 1997 eingesparte Verm&#246;gensteuer! 500000 Euro Freibetrag pro Person und 3 Millionen bei Betriebsverm&#246;gen sorgen daf&#252;r, dass sich niemand ernsthaft einschr&#228;nken muss. Rund 2,2 Millionen Reiche werden auf diese Weise zur Kasse gebeten. Das bringt dem Staat ungef&#228;hr 100 Milliarden Euro.</p>
<p>Die Verm&#246;gensabgabe soll gezielt in den &#246;kologischen Umbau der Wirtschaft, in Personal f&#252;r Bildungs-, Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sowie in die Erh&#246;hung von Transfereinkommen investiert werden, ein wahrlich stattliches Konjunkturprogramm! Und nach zwei Jahren soll dann wieder eine j&#228;hrliche Verm&#246;gensteuer eingef&#252;hrt werden. Dabei muss man ber&#252;cksichtigen, dass die Besitzsteuern (Grund-, Grunderwerb-, Erbschaft-, Schenkungssteuern) in Deutschland 0,9% des BIP ausmachen, w&#228;hrend sie im Durchschnitt in den OECD-Staaten 1,9%, in Frankreich 3,5% und in Gro&#223;britannien 4,6% betragen. Entgegen aller Unkenrufe ist Deutschland eben ein Niedrigsteuerland!</p>
<p>Dass es zu derartigen pers&#246;nlichen Verm&#246;gen von vielen Milliarden Dollar oder Euro kommen kann, des Wahnsinns letzter Schrei wird das nicht bleiben.</p>
<p><em>Der Autor ist Gr&#252;nder der Stiftung Menschenw&#252;rde und Arbeitswelt und Unterzeichner des Appells f&#252;r eine Verm&#246;gensabgabe.</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2010/08/40-us-milliardaere-wollen-spenden/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Afghanisierung des Krieges ist zum Scheitern verurteilt</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/08/die-afghanisierung-des-krieges-ist-zum-scheitern-verurteilt/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2010/08/die-afghanisierung-des-krieges-ist-zum-scheitern-verurteilt/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 08:25:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=1382</guid>
		<description><![CDATA[von Jonna Sch&#252;rkes
In den Strategiepapieren der Bundesregierung wie der Regierung Obama zu Afghanistan geht es im Wesentlichen nur noch darum, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		PRE { font-family: "Garuda" } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><em>von Jonna Sch&#252;rkes</em></p>
<p>In den Strategiepapieren der Bundesregierung wie der Regierung Obama zu Afghanistan geht es im Wesentlichen nur noch darum, die afghanische Regierung m&#246;glichst schnell zu bef&#228;higen, dass sie die Aufst&#228;ndischen in ihrem Land selber bek&#228;mpfen und damit das Risiko f&#252;r die NATO-Soldaten verringern.</p>
<p><span id="more-1382"></span>Dies versucht man zu erreichen, indem man der Regierung Karzai einen m&#246;glichst gro&#223;en Repressionsapparat aufbaut und ihn finanziell, nachrichtendienstlich und logistisch auch mittel- bis langfristig von sich abh&#228;ngig h&#228;lt. Allerdings gibt es hierf&#252;r immer noch zu wenig afghanische Bodentruppen, die im Kampf gegen die Aufst&#228;ndischen in erster Reihe k&#228;mpfen w&#252;rden. Viele Menschen schlie&#223;en sich eher den Aufst&#228;ndischen an, als Soldat oder Polizist zu werden – beides schlecht bezahlte, hochgradig gef&#228;hrliche und nicht gut angesehene Berufe in Afghanistan.</p>
<p>Deshalb geht der Westen seit Juli 2010 verst&#228;rkt dazu &#252;ber, Milizen zu bewaffnen und sie in den Kampf gegen die Aufst&#228;ndischen einzubeziehen. Das bedeutet vor allem eine weitere Bewaffnung der Gesellschaft – der B&#252;rgerkrieg wird zus&#228;tzlich angeheizt. Damit tendiert die sowieso schon geringe Wirkung der seit 2003 laufenden Entwaffnungs-, Demobilisierungs- und Wiedereingliederungsprogramme unter der Leitung der UNO gegen Null.</p>
<p>Mitte Juli 2010 brachte der neue ISAF-Kommandeur, General Petraeus, den afghanischen Pr&#228;sidenten Karzai dazu, dem Aufbau von «Dorfstreitkr&#228;ften» (Village Defence Forces) zuzustimmen. Dabei handelt es sich um lokale Milizen, die von der Regierung in Kabul bezahlt, ausger&#252;stet und bewaffnet werden und dann in ihrem Dorf f&#252;r Sicherheit sorgen sollen. Die Aufstellung dieser Dorfstreitkr&#228;fte sei notwendig, weil der Aufbau der afghanischen Sicherheitskr&#228;fte nicht schnell genug vorangehe und die internationalen Truppen alleine nicht in der Lage seien, die Aufst&#228;ndischen zu vertreiben.</p>
<p>Seit 2006 sind jedoch verschiedene Programme, die eine &#228;hnliche Ausrichtung gehabt haben, grandios gescheitert. Als das Mandat der ISAF 2006 auf den S&#252;den und Osten des Landes ausgeweitet wurde, eskalierte der Krieg und die «internationale Gemeinschaft» wurde sich dessen bewusst, dass die von ihnen geschaffene Polizei (ANP) und Armee (ANA) kaum in der Lage war, die internationalen Truppen in ihrem Kampf gegen die Aufst&#228;ndischen zu unterst&#252;tzen.</p>
<p>Also wurde beschlossen, eine «Afghanische Hilfspolizei» (ANAP) zu schaffen. Die Hilfspolizisten sollten vor allem zur Vertreibung der Aufst&#228;ndischen in unruhigen Distrikten, an wichtigen Infrastrukturpunkten und an Check-Points eingesetzt werden und die afghanische Armee und Polizei in K&#228;mpfen unterst&#252;tzen. Bis Ende 2006 wurden – vor allem in s&#252;dlichen Distrikten – 11271 Hilfspolizisten angeworben. Die Ausbildung bestand aus 40 Stunden Unterricht, in denen US-Soldaten ihnen ihre Aufgaben erl&#228;uterten, und 40 Stunden Training an den AK47, die ihnen ausgeh&#228;ndigt wurden.</p>
<p>Offiziell wurde die ANAP 2008 aufgel&#246;st. Dies hatte verschiedene Gr&#252;nde, in allererster Linie wohl den, dass das US-Milit&#228;r innerhalb k&#252;rzester Zeit keine Kontrolle mehr &#252;ber die Hilfspolizisten hatte und meist vollkommen unklar war, ob die bewaffneten Einheiten tats&#228;chlich gegen Aufst&#228;ndische vorgingen oder vielmehr mit Waffe und Uniform zu ihnen &#252;bergelaufen waren. Auch der Plan, die Hilfspolizisten sp&#228;ter in die Polizei und die Armee aufzunehmen und damit den Aufbau der Sicherheitskr&#228;fte in Afghanistan zu beschleunigen, ging nicht auf. Eher wirkte die ANAP als Konkurrenz f&#252;r die ANP, als dass damit mehr Menschen zu regul&#228;ren Polizisten geworden w&#228;ren – vor allem deshalb, weil die Hilfspolizisten nicht so weit entfernt von ihren Heimatd&#246;rfern eingesetzt wurden wie die Polizei.</p>
<p>Im Juni 2010 wurde Stanley McCrystal von David Petraeus als ISAF-Kommandeur abgel&#246;st. Petreaus war 2007 und 2008 Oberster Befehlshaber der Multinationalen Truppe im Irak (MNF-I) gewesen und hatte dort eine gro&#223;e Anzahl von Milizen bewaffnet, die gemeinsam mit der US-Armee gegen die Aufst&#228;ndischem im Irak vorgegangen waren. Die so genannten «S&#246;hne des Irak» gelten als ein Faktor, der es der USA erm&#246;glichte, Truppen abzuziehen. Dieses Modell soll nun offensichtlich in Afghanistan kopiert werden, ebenfalls mit dem Ziel, damit eine Verringerung der internationalen Truppenpr&#228;senz einleiten zu k&#246;nnen. Hier spielt es auch keine Rolle, dass die irakische Regierung heute massive Probleme mit den «S&#246;hnen des Irak» hat. Auch die Tatsache, dass die Aufr&#252;stung der unterschiedlichen Bev&#246;lkerungsgruppen dazu f&#252;hrte, dass es in den meisten St&#228;dten ethnisch getrennte Viertel gibt, die milit&#228;risch bewacht sind, hindert den Westen nicht daran, es nicht dennoch auch in Afghanistan zu versuchen.</p>
<p>Da hilft auch nicht, dass Karzai sich massiv gegen die Bewaffnung von Milizen ausgesprochen hat. Es sollen 10.000 Dorfsch&#252;tzer rekrutiert werden, die vom afghanischen Innenministerium bewaffnet, bezahlt und «kontrolliert» werden. Die deutsche Regierung hat diese Art der Kriegsf&#252;hrung lange offiziell kritisiert. Inzwischen ist aber auch sie daran interessiert, m&#246;glichst schnell eine gro&#223;e Anzahl afghanischer Bodentruppen zu rekrutieren, die den Krieg gegen die Aufst&#228;ndischen f&#252;hren. Dies ist wohl vor allem auf das erh&#246;hte Risiko f&#252;r die deutschen Truppen und die damit zusammenh&#228;ngende steigende Anzahl get&#246;teter Soldaten zur&#252;ckzuf&#252;hren.</p>
<p>Was derzeit in Afghanistan produziert wird, ist eine noch st&#228;rker bewaffnete Gesellschaft, in der einzelne Gruppen dazu bef&#228;higt werden, ihre Interessen, die eventuell zeitweilig mit denen des Westens &#252;bereinstimmen, gewaltsam durchzusetzen. Damit wird bewusst die weitere Eskalation des B&#252;rgerkriegs in Kauf genommen, unter der vor allem die Zivilbev&#246;lkerung leidet.</p>
<p>Ungek&#252;rzte Fassung auf <a href="http://www.imi-online.de/">www.imi-online.de/</a>.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2010/08/die-afghanisierung-des-krieges-ist-zum-scheitern-verurteilt/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>«Der Krieg ist verloren»</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/08/der-krieg-ist-verloren/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2010/08/der-krieg-ist-verloren/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 08:18:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=1379</guid>
		<description><![CDATA[Tariq Ali &#252;ber die Aussichten in Afghanistan
Alle Beteiligten wissen ziemlich gut dar&#252;ber Bescheid, was die pakistanische Armee mit verschiedenen Taliban-Einheiten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		PRE.western { font-family: "Garuda" } 		PRE.cjk { font-family: "DejaVu Sans", monospace } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><em>Tariq Ali</em> <strong>&#252;ber die Aussichten in Afghanistan</strong><br />
Alle Beteiligten wissen ziemlich gut dar&#252;ber Bescheid, was die pakistanische Armee mit verschiedenen Taliban-Einheiten getan hat, seit Afghanistan vor nunmehr fast neun Jahren besetzt worden ist.<br />
<span id="more-1379"></span>Vor drei Jahren, berichtete die pakistanische Presse, wurde ein amerikanischer Agent bei Geheimdienstgespr&#228;chen erschossen. Jemand, der dem pakistanischen Milit&#228;r nahe steht, erz&#228;hlte mir vergangenes Jahr, dass Agenten des US-Geheimdienstes bei Gespr&#228;chen, die kurz zuvor zwischen dem pakistanischen Geheimdienst und den Aufst&#228;ndischen stattgefunden hatten, anwesend waren. Das darf einen nicht &#252;berraschen. Der Grund daf&#252;r ist allzu offensichtlich: Die USA k&#246;nnen den Krieg nicht gewinnen.</p>
<p>Es ist kein Geheimnis, dass Pakistan die Taliban nach dem 11.September nie wirklich im Stich gelassen hat. Wie denn auch? Der R&#252;ckzug der Taliban von Kabul war ja von Islamabad organisiert worden, sodass die USA und ihre Verb&#252;ndeten das Land kampflos &#252;bernehmen konnten. Die Pakistanis rieten ihren afghanischen Freunden, einfach das Ganze auszusitzen.</p>
<p>Als der Krieg in Afghanistan schlimmer wurde, gewannen die Aufst&#228;ndischen an Kraft. Das soziale Chaos und die Korruption unter der Regierung Hamid Karzais machte die ausl&#228;ndische Besatzung in den Augen vieler Afghanen noch schlimmer und brachte eine junge Generation von Pashtunen dazu zu k&#228;mpfen – junge M&#228;nner, die nicht Teil des von Pakistan «entfernten» Heeres waren. Diese Neo-Taliban haben effektiv die Verbreitung des Aufstands organisiert, der – wie das von Wikileak ver&#246;ffentlichte Diagramm zeigt – praktisch in alle Winkel des Landes reicht.</p>
<p>Matthew Hoh, ein ehemaliger Hauptmann der US-Marines, der in Afghanistan als politischer Offizier t&#228;tig war, trat im September 2009 zur&#252;ck. Seine Erkl&#228;rung war klar und deutlich: «Der Aufstand der Pashtunen, der von vielf&#228;ltigen, scheinbar unendlich vielen &#246;rtlichen Gruppen getragen wird, wird davon gen&#228;hrt, was die Pashtunen seit Jahrhunderten als Angriff auf ihr Land, ihre Kultur, ihre Religion und Traditionen durch innere und &#228;u&#223;ere Feinde wahrnehmen. Mein Eindruck ist, dass der Gro&#223;teil der Aufst&#228;ndischen nicht f&#252;r das wei&#223;e Banner der Taliban k&#228;mpft, sondern eher gegen die Pr&#228;senz ausl&#228;ndischer Soldaten und die Steuern, die eine nichtrepr&#228;sentative Regierung in Kabul ihnen auferlegt.»</p>
<p>2007 versuchten die USA, einen Teil der Aufst&#228;ndischen von Mullah Omar abzuwerben, indem sie ihnen Regierungsposten anboten. Die F&#252;hrer der Neo-Taliban weigerten sich, Teil der Regierung zu sein, solange ausl&#228;ndische Truppen im Land sind. F&#252;r die Herstellung des Kontakts spielte die pakistanische Armee eine entscheidende Rolle. Die Armee, die von den USA bereits mehrmals als Schutzschirm benutzt worden ist, war nun gezwungen, ihre islamistische Ausrichtung abzulegen (die f&#252;r den Dschihad gegen die Sowjetunion notwendig gewesen war). Dies ver&#228;rgerte viele innerhalb ihrer Reihen und es gab drei Attentate gegen General Musharraf.</p>
<p>Der pakistanische Geheimdienst, dessen Autonomie immer &#252;bersch&#228;tzt wurde, wurde fast vollst&#228;ndige unter die Kontrolle der Armee gebracht, General Ashfaq Kayani (der Musharraf als Stabschef abl&#246;ste) organisierte ihn von oben nach unten komplett neu. Einige aufst&#228;ndische Elemente outeten sich, als sie den Angriff auf die indische Botschaft in Kabul im Jahr 2008 begr&#252;&#223;ten; sie wurden sofort bestraft und aus ihren Positionen entfernt.</p>
<p>Heutzutage ist es f&#252;r den Westen, der General Kayani braucht, n&#252;tzlich geworden, den pakistanischen Geheimdienst anzugreifen, weil er Kayani nicht direkt angreifen kann. Es ist unm&#246;glich, dass der pakistanische Geheimdienst oder eine andere Armeeeinheit den Aufst&#228;ndischen direkt helfen, ohne dass Kayani davon wei&#223;, und Kayani wei&#223; sehr gut, dass man ihnen einige Gefallen tun muss, um den Kontakt zu den Aufst&#228;ndischen zu halten, die die NATO bek&#228;mpfen.</p>
<p>Vor einigen Monaten wollte Kayani die Taliban so sehr umwerben, dass er von General Eikenberry, dem friedfertigen US-Botschafter in Kabul, verlangte, alle Taliban-F&#252;hrer von der «Liste der meist Gesuchten» zu entfernen, auch Mullah Omar. Eikenberry weigerte sich nicht, schlug jedoch vor, jeder Fall solle einzeln beurteilt werden – der beste Hinweis darauf, dass der Krieg verloren ist.</p>
<p>In einem von Wikileaks ver&#246;ffentlichten Interview antwortet Karzai auf die Frage nach der Unterst&#252;tzung Pakistans f&#252;r die Taliban: «Es ist eine andere Frage, ob Afghanistan die F&#228;higkeit hat, dies anzugehen … unsere Verb&#252;ndeten haben jedoch diese F&#228;higkeit. Die Frage ist nur, warum handeln sie nicht?»</p>
<p>Sie handeln jedoch – sie handeln, seit Barack Obama Pr&#228;sident ist. Die Drohnenangriffe zielten darauf ab, den Nachschub f&#252;r die Aufst&#228;ndischen jenseits der Grenze zu bek&#228;mpfen. Stattdessen haben sie Pakistan destabilisiert. Im vergangenen Jahr entfernte die Armee 250000 Menschen gewaltsam aus dem Orakzai-Bezirk nahe der afghanischen Grenze und steckte sie in Fl&#252;chtlingslagern. Viele schworen Rache, und militante Gruppen haben den pakistanischen Geheimdienst und andere milit&#228;rische Zentren angegriffen. Am 8.Juni dieses Jahres griffen K&#228;mpfer mit Granaten und Minen einen NATO-Konvoi in Rawalpindi an. F&#252;nfzig NATO-Fahrzeuge wurden verbrannt, mehr als ein Dutzend Soldaten kamen ums Leben.</p>
<p>All das kann nur noch schlechter werden. Es ist Zeit, alle Vorw&#228;nde fallen zu lassen: Der Krieg f&#252;hrt nur zu noch mehr Toten, ohne eine L&#246;sung zu bringen. Eine Exitstrategie ist dringend vonn&#246;ten.</p>
<p><em>&#220;bersetzung: Angela Huemer</em><br />
aus: <a href="http://www.tariqali.org/">www.tariqali.org</a>. Der Artikel erschien am 30.Juli 2010 im <em>Guardian</em>.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2010/08/der-krieg-ist-verloren/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Eure Kinder wollen wir nicht</title>
		<link>http://www.sozonline.de/2010/08/eure-kinder-wollen-wir-nicht/</link>
		<comments>http://www.sozonline.de/2010/08/eure-kinder-wollen-wir-nicht/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 31 Aug 2010 08:11:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>herausgeber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neue Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Umverteilung]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.sozonline.de/?p=1377</guid>
		<description><![CDATA[Das K&#252;rzungspaket – eine neue Runde im neoliberalen Systemwechsel
von Daniel Kreutz
Mit dem sog. «Sparpaket» und einer Finanzierungsreform der Gesetzlichen Krankenversicherung [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		PRE.western { font-family: "Garuda" } 		PRE.cjk { font-family: "DejaVu Sans", monospace } 		P { margin-bottom: 0.21cm } --><strong>Das K&#252;rzungspaket – eine neue Runde im neoliberalen Systemwechsel</strong><br />
<em>von Daniel Kreutz</em></p>
<p>Mit dem sog. «Sparpaket» und einer Finanzierungsreform der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stehen wir in diesem Jahr zwei Gesetzgebungsvorhaben der schwarz-gelben Bundesregierung gegen&#252;ber, die den Sozialstaat erneut unter der Wasserlinie treffen und den Systemwechsel zum neoliberalen Wettbewerbsstaat vorantreiben.</p>
<p><strong><span id="more-1377"></span>Streichung sozialer Rechte</strong></p>
<p>Zum einen soll das sog. «Sparpaket» die Belastungen des Bundeshaushalts durch die Finanzmarkt- und Wirtschaftkrise ausgleichen. «K&#252;rzungspaket» w&#228;re allerdings eine ehrlichere Bezeichnung. Denn es soll gek&#252;rzt werden, vorrangig bei erwerbslosen und armen Menschen. Ihnen vor allem will man jetzt die Kosten der Krise aufs Auge dr&#252;cken, damit deren Verursacher in den Vorstandsetagen der Banken und die Finanzjongleure ebenso ungeschoren bleiben wie die Gruppen unserer Bev&#246;lkerung, die ihre allt&#228;gliche Lebensf&#252;hrung nicht mal einschr&#228;nken m&#252;ssten, wenn man sie zu einem Beitrag in dem Umfang heranziehen w&#252;rde, den man jetzt den wirtschaftlich Schw&#228;chsten unserer Gesellschaft auferlegen will.</p>
<p>Insgesamt soll der Bundeshaushalt in den kommenden vier Jahren um 81,6 Milliarden Euro entlastet werden. 30,3 Milliarden davon, also 37%, sollen im Bereich der Sozialgesetze gek&#252;rzt werden, und zwar fast ausschlie&#223;lich bei Erwerbslosen und Armen, n&#228;mlich im Arbeitsf&#246;rderungsrecht des SGB III und bei Hartz IV, im SGB II.</p>
<p>&#220;ber die H&#228;lfte dieser Sozialk&#252;rzungen – 16 Milliarden – soll durch die Umwandlung von Pflichtleistungen in Ermessensleistungen beim SGB II und III hereingeholt werden. Umwandlung von Pflichtleistungen in Ermessensleistungen bedeutet schlicht Streichung von Rechtsanspr&#252;chen der Betroffenen, Abbau von sozialen Rechten.</p>
<p>Die restlichen gut 14 Milliarden Euro treffen ausschlie&#223;lich Menschen in Hartz IV. Die H&#228;lfte hiervon (7,2 Milliarden) geht zulasten derer, die k&#252;nftig aus der Arbeitslosenversicherung in Hartz IV ausgesteuert werden. Denen will man den zweij&#228;hrigen Zuschlag streichen, der den Aufschlag beim sozialen Absturz bislang noch ein wenig abfedert. Hinzu kommt zum einen die Streichung der Rentenversicherungsbeitr&#228;ge bei Bezug von Arbeitslosengeld II. Offenbar soll dem Ausschluss der Langzeiterwerbslosen aus der Arbeitslosenversicherung jetzt auch ihr Ausschluss aus der Rentenversicherung folgen. Der wesentliche Effekt der l&#228;cherlich geringen Beitragszahlung, die f&#252;r ein Jahr Hartz IV nur einen monatlichen Rentenanspruch von 2,09 Euro bringt, besteht bisher darin, dass erworbene Anspr&#252;che auf Erwerbsminderungsrente aufrechterhalten werden. Hier droht jetzt der Wegfall des Erwerbsminderungsschutzes, und zwar noch Jahre &#252;ber die Beendigung des Hartz-IV-Bezugs hinaus, mit der Folge von F&#252;rsorgeabh&#228;ngigkeit und anschlie&#223;ender Altersarmut. W&#228;hrend kurzfristig die Rentenversicherung sehen muss, wie sie den Beitragsausfall wegsteckt, drohen langfristig den Kommunen steigende Ausgaben f&#252;r die Grundsicherung bei Erwerbsminderung und im Alter.</p>
<p><strong>Das Elterngeld</strong></p>
<p>Zum andern wird bei Hartz IV das Elterngeld gestrichen. Vergessen wir nicht: Die Eltern in Hartz IV, darunter viele alleinstehende M&#252;tter, waren schon die Verlierer, als das fr&#252;here Erziehungsgeld durch das Elterngeld abgel&#246;st wurde: Ihr Anspruch auf 300 Euro wurde von zwei Jahren auf ein Jahr halbiert. Jetzt soll ihnen auch die verbliebene H&#228;lfte noch genommen werden. Sonntags Betroffenheit &#252;ber Kinderarmut zeigen und alltags bei armen M&#252;ttern von S&#228;uglingen drastisch k&#252;rzen? Man muss schon Zyniker sein, um sich so was auszudenken.</p>
<p>Bei Eltern mit unteren und mittleren Einkommen will man das Elterngeld von 67% auf 65% k&#252;rzen. Die Besserverdienenden und Reichen aber sollen weiter den unver&#228;nderten H&#246;chstbetrag von 1800 Euro bekommen. Da kann man sich nur schwer dem Eindruck entziehen, dass die sozialrassistische Botschaft an die Armen frei nach Thilo Sarrazin lautet: «Eure Kinder wollen wir nicht!»</p>
<p>Bei einem Punkt, der Hartz IV betrifft, ist es allerdings fraglich, ob die Einsparungen tats&#228;chlich zustande kommen. «Effizienzverbesserungen bei der Arbeitsvermittlung bei SGB II» sollen in den Jahren 2013 und 2014 Einsparungen in H&#246;he von 4,5 Milliarden Euro bringen. Nur sind bislang keine regul&#228;ren Arbeitspl&#228;tze in Sicht, in die da effizient vermittelt werden k&#246;nnte. Wenn das keine «Luftbuchung» ist, k&#246;nnte es sich schnell als Ma&#223;nahme zur Verringerung des Leistungsbezugs entpuppen – zum Beispiel, indem es dann mehr Aufstocker gibt, deren Armutsl&#246;hne einen Teil des Arbeitslosengelds II ersetzen, oder mehr Abschreckung vor einer Inanspruchnahme der Leistung durch «konsequente Aktivierung».</p>
<p>Der letzte Punkt auf der Sozialk&#252;rzungsliste ist die Streichung des Heizkostenzuschusses beim Wohngeld – &#252;brigens mit 0,1 Milliarden pro Jahr der kleinste Posten auf der K&#252;rzungsliste. Im Herbst 2008, als die Energiepreise auf einem H&#246;chststand waren, hatte man den Wohngeldberechtigten – das sind im Wesentlichen Geringverdienende, Kleinrentnerinnen und Arbeitslose im SGB III – einen Zuschuss zwischen 24 Euro monatlich f&#252;r Alleinlebende und 49 Euro f&#252;r einen F&#252;nf-Personen-Haushalt zugebilligt. Nun sind die Energiepreise durch die Weltwirtschaftkrise zur&#252;ckgegangen und die Koalition sagt, damit sei die Begr&#252;ndung f&#252;r den Zuschuss entfallen. Dabei haben die Preise schon wieder angezogen, und die Experten sagen neue Preisrekorde voraus.</p>
<p><strong>Reichtum ist privat</strong></p>
<p>Den 30 Milliarden Euro bei Erwerbslosen und Armen stehen auf dem Papier 19 Milliarden Euro unter der &#220;berschrift «Beteiligung von Unternehmen» gegen&#252;ber. Bei diesen sind sich aber die Kommentatoren einig: Teils ist es sehr fraglich, ob diese Ma&#223;nahmen &#252;berhaupt ergriffen werden, teils werden sie die Unternehmen gar nicht belasten, weil diese sie &#252;ber die Preise an die Verbraucher weiterreichen.</p>
<p>Mit der gezielten Abw&#228;lzung der Krisenkosten auf die wirtschaftlich schw&#228;chsten Bev&#246;lkerungsgruppen bricht die Koalition nicht nur mit dem Verursacherprinzip, sondern auch mit jener Grundregel der Sozialstaatlichkeit, wonach die starken Schultern mehr tragen m&#252;ssen als die Schwachen. Und die starken Schultern sind in Deutschland sehr stark und sehr breit.</p>
<p>Das oberste Zehntel derjenigen, die Einkommen aus Arbeit oder aus Verm&#246;gen erzielen, verf&#252;gt allein &#252;ber 40% der gesamten Markteinkommen. Die untere H&#228;lfte muss sich mit 3% begn&#252;gen. Zu den Markteinkommen des obersten Zehntels tragen nicht zuletzt die Einkommen aus Verm&#246;gen bei. Wir haben in Deutschland private Nettoverm&#246;gen von insgesamt rund 8000 Milliarden Euro. Allein die Geldverm&#246;gen von knapp 4700 Milliarden Euro haben den Umfang von 14 Bundeshaushalten. Das oberste Zehntel unserer Bev&#246;lkerung besitzt rund 60% des Nettogesamtverm&#246;gens – und davon liegt ein Drittel allein bei dem einen Prozent ganz oben an der Spitze. Dagegen haben gut zwei Drittel der Gesamtbev&#246;lkerung gar kein oder kein nennenswertes Verm&#246;gen.</p>
<p>Die zunehmende Konzentration eines immer gr&#246;&#223;eren Teils des gesellschaftlichen Reichtums oben an der Spitze ist die Kehrseite der wachsenden &#246;ffentlichen und privaten Armut – man k&#246;nnte auch sagen: der wahre Grund daf&#252;r. Armut ist &#246;ffentlich Wenn neben der bekannten «Schuldenuhr» eine «Reichtumsuhr» st&#252;nde, dann w&#228;re die in den vergangenen zehn Jahren mehr als doppelt so schnell gelaufen wie die Schuldenuhr. Denn die Geldverm&#246;gen sind in der Zeit zweieinhalbmal so stark gewachsen wie die Schulden.</p>
<p>Damit sei angedeutet, dass wir erheblichen Spielraum haben f&#252;r eine kreative Steuerpolitik, die sich dem Grundsatz der Sozialpflichtigkeit des Eigentums verpflichtet f&#252;hlt. Deshalb w&#228;ren Sozialk&#252;rzungen bei den Schwachen auch dann nicht «gerecht», wenn die Starken wenigstens im gleichen Umfang herangezogen w&#252;rden. Nach Jahrzehnten einseitiger Zusatzbelastungen der schw&#228;cheren Bev&#246;lkerungsgruppen zugunsten der Starken gibt es keine K&#252;rzungsma&#223;nahme in den unteren Etagen, die noch sozial gerecht, kein K&#252;rzungspaket, das «sozial ausgewogen» w&#228;re. Soziale Gerechtigkeit und Ausgewogenheit fangen erst da an, wo mit dem K&#252;rzen unten aufgeh&#246;rt wird, um den Blick «einseitig» auf die oberen und obersten Etagen zu richten. Anders kann man dem Grundsatz der Belastung nach Ma&#223;gabe der wirtschaftlichen Leistungsf&#228;higkeit nicht Rechnung tragen.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.sozonline.de/2010/08/eure-kinder-wollen-wir-nicht/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>
