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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Nur Online Juni 2018 Polnische Presseschau, | 

POLNISCHE PRESSESCHAU 124 08.05. 2018

Guter Fachmann? Klar, gehört er doch zur richtigen Partei!

Nach jeder Wahl beginnen sich die Türen in den staatlichen Institutionen zu drehen. Diesmal ist es aber anders, sie hören nicht mehr auf sich zu drehen! So hat das Danziger Energieunternehmen jetzt den 7. Chef innerhalb von zwei Jahren. Warum? Der Eigentümer Staat hält es nicht für nötig es zu begründen. Und jeder, der in der PiS was zu sagen hat oder meint etwas zu sagen zu haben, setzt Seine Leute ein. Dabei geht es nicht um sachliches Fachwissen, wie viele Beispiele zeigen.

Jetzt heißt es unter den Managern: Von wem ist er? Oder: Wem muss er Bericht erstatten?

SIE sind doch irgendwie anders POLITYKA, 25.04.2018

„SIE“ haben die Nation, die Verstoßenen, Smolensk. Und „wir“?

„SIE“ haben Angst vor Flüchtlingen, Juden, Russen und Deutschen, Brüssel. Und „wir“?

Was unterscheidet sie eigentlich von uns? Sie haben die gleiche Ausbildung und die gleichen Chancen gehabt, wie wir auch. Also liegen die Ursachen nicht in äußeren Gegebenheiten. Sie liegen in dem was und nicht wer wir sind. Der amerikanische Psychologe Zimbardo, der das „Gefängnis -Experiment“ durchgeführt hat, scheint darauf eine Antwort zu haben. Es hat gezeigt wie einfach es ist in uns Grausamkeit zu wecken. Es ist schon erstaunlich wodurch einzelne „programmiert“ werden. Kaczynski, der während des Kriegsrechtes persönlich keine negativen Erlebnisse hatte, ähnlich wie Morawiecki, erinnern sich und sprechen über ihr Trauma ähnlich wie so viele jungen Historiker des IPN und Anhänger der PiS, die demonstrativ ihre negativen Einblicke aus der Zeit zeigen. Aber Michnik und Frasyniuk und viele andere, die Jahre in Jaruzelskis Gefängnis saßen und die Grausamkeiten des Sicherheitsdienstes spürbar erfahren haben, erinnern vor allen Dingen an die Herausforderungen, nette Erlebnisse und kleine private Erfolge, die sie erlebt haben – auch als sie in der Gefängnissen der Polnischen Volksrepublik einsaßen. Für uns steht der Kampf gegen das Regime an erster Stelle und wir ehren deren Helden. Für SIE stehen an erster Stelle die Kommunisten und das Böse, dass sie getan haben und das Leid der Opfer. Das Eintauchen in die Vergangenheit ist eine polnische Tradition und geben narrativ je ein anderes Bild ab. Aber es zeichnet sich auch in der Gegenwart ab. SIE beherrscht ein Fatalismus, eine Hilflosigkeit, daher reden sie immer davon endlich sich von den Knien zu erheben. Ständig suchen sie irgendwelche Verschwörer und Verschwörungen. Für SIE ist die Gegenwart präsent und denken weniger an die Zukunft. SIE verteilen soziale Geschenke und wir fragen danach welcher Preis dies haben wird. Wir haben eine Regierung, die nach ihrem Maßstab sich kümmert, anordnet und bestraft aber wir brauchen eine solidarische Gesellschaft, in die in demokratischer Weise alle eingebunden sind. Aber die Parteien befinden sich noch mental im Übergang vom XIX. ins XX. Jahrhundert. Es ist eine Herausforderung für alle, damit neben der Nostalgie die Demokratie mit einer Idee einer Guten Gesellschaft alle bindet, die Freiheit für alle verspricht.

Verstoßene Soldaten studioopinii.pl, 26.02.2018/25.02.2017

Beim Umschreiben der Geschichte durch das Institut des Nationalen Gedenkens (IPN), dass einst zur Aufarbeitung der Geschichte des Geheimdienstes und deren Einfluss auf die Bürger dienen sollte, hat sich die PiS der Historiker bemächtigt. Nun geht es darum alles was vor 1990 war und geschah negativ darzustellen, ja erst 1990 beginnt für Polen die Nachkriegszeit. Jetzt sind die „Verstoßenen Soldaten“ die Helden, das sind diejenigen die zum Ende des Krieges und danach gegen ein kommunistisches Polen gekämpft haben. Sie werden zu Helden gekürt, auch wenn sich die Bevölkerung dagegen wehrt, die vielerorts keine Helden, sondern Banditen und Mörder erlebt haben. Aber das passt nicht in das PiS’sche schwarz-weiß Bild.

So hat eine Einheit im Grenzgebiet zu Weißrussland im Kreis Bielsk Podlaski Fuhrwerke beschlagnahmt und dann die 30 Fuhrleute erschossen. Ähnliche Verbrechen ereigneten sich auch anderswo, aber hier wurden die Verbrechen am besten dokumentiert. Ende Januar-Anfang Februar 1946 hat die Einheit unter Hauptmann Rajs „Bury“ dort 5 Dörfer abbrennen lassen und dabei auf bestialische Weise 82 Menschen ermordet – Frauen, Kinder und Alte wurden in verschlossenen Häusern verbrannt. Weitere Verbrechen folgten – die „Schuld“ der Opfer – sie waren orthodoxe Christen, wie die meisten Bewohner in dieser Gegend.

Die Untersuchungen des IPN ergaben am 30. 06.2005 – also damals- , dass Romuald Rajs genannt „Bury“ schuldig ist des Völkermordes. Jetzt aber hat eine Initiative erreicht, dass eine Abfahrt der A4 nach ihm benannt ist – ja die ganze A4 soll den Namen „Trasse der Verstoßenen Soldaten“ erhalten, so eine Initiative, schließlich würde sie Ost und West verbinden. Sollte nicht statt dessen die A4 den Namen von Opfern führen?

Es ließe sich eine lange Liste dieser Verbrechen aufführen, Daten und Zahlen kann erahnen, wer auch kein polnisch kann unter: http://studioopinii.pl/archiwa/176542

Eine lange Liste von Verbrechen gibt es auch für die „Ogien“ verantwortlich ist. Dies hielt den damaligen Verteidigungsminister Antonin Macierewicz nicht davon ab an den Feierlichkeiten zum Todestag von „Ogien“ am 20.02 2016 teilzunehmen und zu sagen: „Heute kehren die polnische Tradition, unsere Werte zurück, wir haben wieder die Möglichkeit eine große Republik aufzubauen“.

Politiker, Journalisten und Historiker schildern der jungen Generationen die Verbrecher als Helden und nicht was wirklich geschah.

Sie scheinen sich nicht darüber im klaren sein zu wollen, dass die Rote Armee deswegen in Polen einmarschierte, um gegen die Deutschen zu kämpfen, die noch bis in den Januar 1945 hinein in Auschwitz mordeten, aber seit Julie 1944 in Majdanek nicht mehr morden konnten, weil es von der Roten Armee besetzt war. Und da schreibt ein alternativer Historiker, dass es nicht opportun gewesen sei Stalin zu helfen. Damit meint er die polnischen Soldaten, deren Einheiten zusammen mit der Roten Arme kämpften und auch Berlin befreiten. Jedoch ist die Geschichte weitaus komplizierter, denn natürlich hatte Stalin seine eigenen Ziele. Er stand an der Weichsel und hat den Warschauer Aufstand nicht genutzt, um weiter in den Westen vorzudringen. Aber wie gesagt bei PiS und dem ihnen jetzt untergeordneten IPN gibt es nur schwarz – das sind die anderen und weiß – sie selbst mit ihren Auffassungen.

Soldaten der minderwertigen Sorte Przeglad, 23.04.2018

Sie kämpften in der Polnischen Volksarmee – und hatten die Wahl mit der Roten Armee Richtung Berlin oder im Arbeitslager zu sterben, in Sibirien zu erfrieren oder hinter Gittern des NKWD umzukommen. Ende 1944 gehörten 180.000 und im Mai 1945 370.000 Soldaten der Polnischen Volksarmee an. Verluste: 17.500 ist gefallen, 10.000 vermisst und 40.000 Verletzte. Allein beim Kampf um Berlin sind 7.000 Soldaten gefallen.

Jetzt sind sie in den Augen der jetzigen Regierung und den ihr hörigen Historikern keine polnische Armee gewesen und gehören nicht in die militärische Geschichte Polens. Sie wollen nicht verstehen, dass dank dieser Soldaten auch Polen für die Befreiung gekämpft haben und diese Tausende von Polen dafür nicht in dem Frost Sibiriens umkamen und später auch Polen wieder aufbauen konnten – ah nein erst die PiS hat ja begonnen Polen wieder aufzubauen. Jetzt werden Ihnen Renten gekürzt und Dienstgrade aberkannt.

Wer kann die PiS besiegen POLITYKA, 25. 04. 2018

Die Zeitschrift POLITYKA machte eine Umfrage, um zu erfahren wie die Menschen die PiS – Regierung einschätzen und wie die Chancen für eine Veränderung sein könnten.

Interessieren Sie sich für Politik:

22% Überhaupt nicht – 31% nur bei bestimmten Anlässen – 31% versuche zu erfahren was sich im Lande tut – 16% regelmäßig verfolge ich was sich in der Politik tut

Welche Parteien unterstützen Sie

29% die PiS – 35% andere Parteien und Gruppierungen – 19% keine- 17% – schwer zu sagen

Es zeigt sich, dass nach dem Wahlmodus in Polen auch eine Partei regieren kann, die in der Minderheit ist. Allerdings hat sie selbst die besten Ergebnisse im Vergleich zu den anderen Parteien einzeln gesehen.

Wer hat die Chance die PiS bei den Wahlen zu besiegen

41% so eine Partei gibt es nicht – 25% schwer zu sagen – 13% vereinigte Opposition von PO und Nowoczesna – 7% PO – 7% eine neue Opposition ohne bestehender Parteien – 4% Koalition rechter und linker Parteien – 3% Opposition aus zwei Blöcken links und Zentrum

Sie würden wen oder was wählen

48% – Parteien, die es bereits gibt – 20% schwer zu sagen – 9% eine neue rechte Partei – 8% eine neue linke Partei – 7% eine neue Zentrumspartei – 8% werde nicht wählen

Was sollte Tusk machen, wenn er zurückkehrt

49% für ihn gibt es keinen Platz in der polnischen Politik – 19% schwer zu sagen – 12% zu Wahlen als Präsident kandidieren – 11% Vorsitz der PO übernehmen – 9% Oppositionsführer aller

Wie hat die PiS Regierung Polen verändert

44% sowohl zum Besseren als auch zum Schlechterem – 27% zum Besseren – 19% zum Schlechterem – 10% schwer zu sagen.

Seit 1989 war die Opposition noch nie in solch einer schwierigen Situation, denn niemals gab es eine Regierung die derart die Ressourcen des Staates nutzte, um an der Macht zu bleiben. Die Opposition hat dem nichts entgegen zu setzen, sondern reagiert nur. Sie wiederholen ohne zu reflektieren die Phrasen des Gegners. Dabei gäbe es mehr als genug Angriffspunkte, ob es das Veto von Duda war, die Ablösung von Szydlo, der Umgang mit der EU bezüglich der Rechtsprechung und, und. Wenn auch die PiS zahlenmäßig nicht führend ist, so hat sie doch mit ihrer gehorsamen Truppe die Vorherrschaft. Dem müssten sich die Gegner von Kaczynski annehmen, sonst gibt es nichts zu gewinnen.

Die Kanzel im Dienst der Propaganda der PiS Erfolge studioopinii.pl, 05.04.2018

Die Solidarnosc hat 1980 durchgesetzt, dass sonntags Gottesdienste im Radio übertragen werden. Seit Jahren feiert dort der Theologe Waldemar Rakocy aus der Katholischen Universität Lublin (KUL) seine Triumphe. Seine Osterbotschaft seziert, kommentiert und wählte aus der Historiker, Theologe und ehemaliger Jesuit Stanislaw Obirek in seiner wöchentliche Kolumne:

„Dank der gegenwärtigen Politik Pro Familie wurde nicht nur die Kinderarmut fast liquidiert, aber auch der Geburtenzuwachs wurde erhöht und erreichte über 400.000 Geburten. Seit Jahren war die Geburtenzahl rückläufig… Viele Bereiche der Wirtschaft tendierten in Bereich des Bankrotts und jetzt bringen sie beachtliche Gewinne. Der Kohlebergbau, der bisher gestützt werden musste, bringt jetzt beachtliche Gewinne. Die Werften wurden reaktiviert, was seit Jahren nicht gelang und was besonders wichtig ist die Re- Polnisierung des Bankensektors, denn ’niemand vertraut sein Geld dem Nachbarn an‘ wie der Minister sagte. Wie viel Gutes kann getan werden, wenn das Land gut geführt wird, also das Wohl des Vaterlandes und seiner Bürger beachtet wird. Polen ist ein unabhängiges Land und ist auf dem Weg zur Souveränität, das selbst entscheidet in welches Richtung es sich entwickeln will… Am Tag der Auferstehung Christi wünschen wir unserem teurem Vaterland, dass sein neuer auferstehender Leib, den er sich überzieht und seine auferstehende Seele frei seien von Schmutz, Verderbtheit und Zerfall.“

Es ist für Obirek schon erstaunlich wie der Prediger die Auferstehung Christi und den Staatshaushalt verbinden kann. Der Prediger scheint gar nicht mitzubekommen, dass diese wunderbaren Taten der PiS von der Bevölkerung nicht entsprechend honoriert werden. Es zeigt sich also, dass der hochwürdige Pater Rydzyk – Direktor von Radio Maria, TV TRWAM und anderer rechtskonservativer Medien – nicht der Einzige ist, dem die Ehre gebührt von der Kanzel die Frohbotschaft über Wohltaten von Jaros?aw Kaczynski zu verkünden.

Am Sonntag geschlossen und kein Weltuntergang kurierzwiazkowy, 18.04. 2018

In Polen waren die Leute daran gewöhnt an den Sonntagen ihre Zeit in den Einkaufszentren zu verbringen. Die Idee sonntags zu schließen war gerade bei manchen „Linken“ verpönt, da sie meinten, es ginge nur darum die Leute in die Kirchen zu bekommen. Ihre Gewerkschaftsführer, wie die der OPZZ, unterstützten sie nicht. (Ihr Sprecher Piotr Szumlewicz hat sich in letzten Jahren ganz auf eine Anti- Kirchen- Linie verengt, sodass eine sachliche Auseinandersetzung nicht stattfinden konnte.) Anders Vertreter der linken Gewerkschaft August 80. Das diesbezüglich wenig Widerstand seitens der Arbeiter war, sei geschuldet der hohen Arbeitslosigkeit und dem Niedriglohnsektor. Seit dem 11. März sind nun an Sonntagen Handelszentren nicht geöffnet, in diesem Jahr an 22 Sonntagen, in nächsten Jahr ist ein Sonntag im Monat geöffnet und ab 2020 nur 7 Sonntage im Jahr. Nun haben sich die Arbeitgeber was neues ausgedacht und liegen ganz im rechtlichen Rahmen – Arbeitsbeginn Montag 0.15 Uhr! Dies verlangen die Handelsketten Tesco und Biedronka. Dies sei eine Gemeinheit seitens der Geschäftsführung, um den Laden wieder flott zu machen, würde es reichen um 4 oder 5 Uhr anzufangen. Nach Meinung von Ela Formalczyk der Gewerkschaft August 80 haben die Beschäftigten kaum eine Möglichkeit um diese Zeit mit Öffentlichen ihre Arbeitsstelle zu erreichen, müssten also zu Fuß gehen. Hier hat der Gesetzgeber wieder einmal eine Lücke gelassen. Beschäftigte von Biedronka haben seit dem 8. April auf eine Internetseite Fotos mit dem Slogan: #NichtKaufenLieben. Hier zeigen sie sich, wie sie ihre Freizeit an freien Sonntagen genießen. Aber die Leute müssen trotzdem nicht verhungern. Die Geschäfte, deren Eigentümer an der Ladentheke steht, dürfen auch sonntags öffnen. Kontrollen erfolgen durch die PIP (Polnische Arbeit Inspektion) die Zuwiderhandlungen mit Strafen belegten und auch zur Anzeige brachten.

Kein neues Arbeitsgesetz wird es nach Auskunft der Pressesprecherin der regierenden PiS geben, meldet die Gewerkschaft August 80 in ihrem Kurier. Kleine Gewerkschaften haben immer wieder vor dem neuen Gesetz gewarnt, weil es ihre Rechte beschneiden sollte und somit die Errungenschaften der Bildung von Gewerkschaften, wie sie seinerzeit 1980 ertrotzt wurden.

Gewerkschaft „Solidarno??“ und Neofaschisten Przeglad, 23.04.2018

Wer Symbole des heutigen Polens sucht, die liegen auf der Hand. Im historischen Saal BHP der Danziger Werft – Symbol des Aufstands der Arbeiter und zugleich der späteren nationalen Verständigung – hat jetzt das neofaschistische Nationalradikales Lager (ONR) den Jahrestag seiner Entstehung gefeiert. Die Stiftung der „Solidarnosc“ hat ihnen den Saal zur Verfügung gestellt und der Pfarrer der Kirche St. Barbara hat speziell für sie eine Messe gehalten. Nun ja, der ehemalige Gewerkschaftsvorsitzende und jetzige PiS Abgeordnete Sniadek erklärte einst mit welchem Entsetzen er erlebt hat, dass das Komitee zur Verteidigung der Demokratie (KOD) auf dem „Platz der Solidarnosc“ ihre Proteste durchführte.

Ein weiteres Symbol ist das Denkmal auf dem Pilsudski Platz – wo sich schon das Denkmal für den Unbekannten Soldaten befindet – für die Opfer der Katastrophe von Smolensk, das den Warschauern vor die Nase gesetzt wurde, hier zeigt PiS wer die Macht hat. Ein weiteres Detail – es ist das einzige Denkmal, das rund um die Uhr bewacht wird (werden muss?) Die Machthaber scheinen doch Angst vor ihren Bürgern zu bekommen. Aber dafür haben sie Spezialeinheiten.

Multi- kulti in Polen: Ehen Polityka, 04. 04. 2018

Nach dem Zentralamt für Statistik gab es 2016 13.500 Mischehen, also Ehen mit Partnern aus dem Ausland, das waren 19,5% mehr als im Vorjahr. Was also die polnische Diplomatie nicht schafft sich mit den Völkern zu verständigen und die Fremdenfeindlichkeit abzubauen, werden wohl diese Ehen schaffen. Dabei wurde 4.700 in Polen geschlossen und die anderen im Ausland. Wobei nur die gezählt werden können, die dem polnischen Standesamt gemeldet wurden. Die Frauen nehmen sich Männer aus dem Westen, die Männer Frauen aus dem Osten. Vor dreißig Jahren lag der Anteil der Frauen, die eine Ehe mit Ausländern eingingen bei 80% zu 20% der Männer. Die Frauen heirateten Deutsche, Engländer, Italiener, seltener Amerikaner oder Kanadier. So war der Weg der Migration Richtung Westen und so ist er auch geblieben. Die Frauen zieht es nach Westen – auch die Frauen aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Die Weißrussinnen und Russinnen werden allerdings zahlenmäßig von den Ukrainerinnen überboten, da es die größte Gruppe ausländischer Arbeiterinnen in Polen ist.

Rosa Luxemburg:

Im Zuge des „Entkommunisierungsgesetzes“ wurde in ihrer Geburtsstadt Zamo?? die Gedenktafel von ihrem Geburtshaus entfernt:

„In diesem Haus wurde im Jahr 1871 Rosa Luxemburg geboren,

die herausragende Aktivistin der internationalen Arbeiterbewegung.

Zamosc 1979″

Rosa Luxemburg befand sich 1916/17 in Breslau im Gefängnis, die linke „Initiative Rote Rosa“ möchte zum 1. Mai 2019 in der Stadt Wroclaw eine Gedenktafel anbringen. Im Zuge dessen sind auch deutsch – polnische Konferenzen geplant. Zu beiden demnächst mehr.

Straßennamen linker Polen eher Berlin als in Polen Przeglad, 09.04.2018

Das Gesetz über die Entkommunisierung legt fest, dass Namen von Straßen, Plätzen, Brücken dürfen an keine Personen, Daten und Ereignisse erinnern, die den Kommunismus oder ein anderes totalitäres System symbolisieren. Dies betrifft z. B. auch die Befreiung durch die Rote Armee. Auch wenn es sich um Denkmäler gegen den Faschismus handelt, müssen diese entfernt werden und in das Museum des Kalten Krieges überführt werden. Auch wenn das Gesetz am 1. April in Kraft trat ist es kein Scherz! IPN hat eine Liste von 943 (Strassen-)Namen erstellt, die es betrifft. Es handelt sich sowohl um Kämpfer für Rechte der Arbeiter, gegen Franco in Spanien, polnische Antifaschisten. Dafür werden jetzt Straßen und Plätze nach Johannes Paul II., Lech Kaczynski, Ronald Reagan und den Partisanen der NSZ – Nationalen Streikkräfte, die oft mit den Nazis kollaboriert haben und auch nach dem Krieg Verbrechen begannen haben – allerdings unter dem Vorzeichen des Antikommunismus und das zeichnet sie für de PiS aus und blendet ihre Verbrechen aus.

Über die Studentenunruhen 1968 in Polen und den Zuweisung von Schuld an „israelische Rabiner“ ein Erlebnisbericht in der SoZ Ausgabe:

http://www.sozonline.de/2018/05/1968-in-polen/

Nur Online Mai 2018 Europa,Geschichte, | 

1968 in Polen

Studentenunruhen und antisemitische Kampagnen
von Stefan Bekier für Le Monde Diplomatique/Polska

Im März 1968 kam es auch in Polen zu bedeutenden Studentenunruhen. Die Studierenden forderten vor allem mehr Meinungsfreiheit. Der polnische Staat machte Juden als Strippenzieher dafür verantwortlich. Nach unterschiedlichen Quellen wanderten deshalb 13000–20000 Polen jüdischer Abstammung mit ihren Partnern aus Polen aus. Auf ihre polnische Staatsangehörigkeit mussten sie verzichten. Sie bekamen sog Reisepapiere, die nur für eine Ausreise galten. weiterlesen

Nur Online März 2018 Europa, | 

Ein schwieriges Erbe

Antisemitismus in Polen
von Stanislaw Obirek

Seit dem 29.Januar 2018 verstummt nicht die Kritik an der Novellierung des Gesetzes zum «Nationalen Gedenken» und der «Verfolgung von Verbrechen gegen das polnische Volk». weiterlesen

Nur Online März 2018 Europa, | 

Neuer Premierminister und die Sozialpolitik in Polen

Der Wechsel im Amt des Ministerpräsidenten in Polen hat im Ausland zu einem positiven Echo geführt
von Ewa Groszewska*

Auf recht unfeine Art wurde Beata Szydlo durch einen erfahrenen Banker ersetzt, Mateusz Morawiecki, von 2007 bis 2015 Präses des Bank Zachodni WBK. Auf der Linken dachten einige, der neue Premier sei ein polnischer Macron. Die einen waren froh, denn sie hofften, Morawiecki werde ein Pro-Europäer sein, andere wiederum meinten, ein Banker werden den Menschen nicht mehr etwas vormachen über die angeblich fortschrittliche Sozialpolitik der PiS und werde den bekannten Weg der Eliten in den Neoliberalismus einschlagen. weiterlesen

Nur Online Januar 2018 Europa,Polnische Presseschau, | 

POLNISCHE PRESSESCHAU 122 vom 27.01. 2018

Neue Minister aber keine neue Politik opinie.     wp.pl   09.01.2018

Unter dem Schatten des Obersten Premiers Kaczy?ski wird es keine Änderung der PiS – Politik geben. Die entlassenen Minister waren nur ein Symptom, schreiben zwei Vertreter der Partei RAZEM in einem Artikel. Hier geht es nur um eine kosmetische Reparatur. Die Regierenden möchten etwas Ruhe im Laden haben, vor allen Dingen was das Gesundheitswesen und die Umwelt (es gab Proteste auch seitens der EU, weil der Bialowieza – Urwald abgeholzt wurde) anbelangt. weiterlesen

Nur Online Dezember 2017 Europa, | 

Polen: Selbstverbrennung

 Verzweifelter Appell im Zentrum von Warschau

Am 19.10. hat sich ein 54jähriger Mann aus der Nähe von Krakau im Zentrum von Warschau selbst verbrannt. Er richtete dazu einen aufrüttelnden Appell an seine Landsleute. Dieser beginnt: «Ich einfacher normaler Mensch – so wie Ihr es auch seid – rufe euch alle auf, wartet nicht länger! Diese Regierung müssen wir schnellstens absetzen, bevor sie unser Land endgültig vernichtet, bevor sie uns endgültig unserer Freiheit beraubt. weiterlesen

Nur Online Oktober 2017 Europa,Gewerkschaften, | 

Walka: Kämpferisch für Polen

Neue Gewerkschaft gegründet
dokumentiert

Die neue Gewerkschaft Walka (www.walka.org.pl) setzt sich für die 30-Stunden-Woche ein.

Da fragen sich diejenigen, die die Situation in Polen etwas kennen: Noch eine Gewerkschaft? Gibt es deren nicht mehr als genug? Dieser Auffassung sind die Gründer der neuen Gewerkschaft nicht. weiterlesen

Nur Online Mai 2017 Arbeitswelt,Europa, | 

Polen: Die Sozialpolitik der PiS

Wie die autoritäre Rechtsregierung Kinder aus der Armut befreit
von Ewa Groszewska*

Rechtsextreme Regierungen setzen  häufig ein radikalliberales Wirtschaftsprogramm durch – aber sie können auch anders. Das zeigt das Beispiel der regierenden Partei für Recht und Gerechtigkeit (PiS) in Polen. weiterlesen

Nur Online März 2017 Europa,Geschichte, | 

War Lech Walesa ein Spitzel?

Hetzkampagnen in Polen
von Norbert Kollenda

Die Witwe von General Kiszczak bot vor einem Jahr dem Institut des Nationalen Gedenkens, IPN, das für die Aufarbeitung der Geheimdienstdokumente zuständig ist, für 90000 Zloty Papiere aus dem Nachlass ihres Mannes an, der bis 1990 Innenminister war. Der IPN-Vorsitzende, Lukasz Kaminski, übergab die Dokumente in Sache «Bolek» im Eiltempo der Öffentlichkeit. Weder Historiker noch Grafologen konnten vorher ihre Echtheit überprüfen. weiterlesen

Nur Online Januar 2017 Arbeitswelt,Europa,Gewerkschaften, | 

Polen: Barbara Rosolowska braucht unsere Solidarität

Gerichtsprozess gegen Scheinselbständigkeit
von Peter Nowak

Die Zahl der polnischen Carebeschäftigten, also der im Gesundheitsbereich Tätigen in Deutschland wächst. Schließlich ist das Lohngefälle zwischen beiden Ländern groß.

Auch die Hebamme Barbara Rosolowska könnte mit dem Zug aus ihrem westpolnischen Wohnort in knapp 80 Minuten in Berlin sein. Doch sie nimmt eine deutlich schlechtere Zugverbindung und einen dreimal geringeren Lohn in Kauf und arbeitet weiter im polnischen Gorzów. weiterlesen