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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Castor? Schottern!

Rede von Christoph Kleine auf der Großdemonstration «Atomkraft: Schluss jetzt!» am 18.September in Berlin

Die Castortransporte nach Gorleben sind die Achillesferse der Atomwirtschaft: symbolisch, weil sie die ungelöste Endlagerfrage offensichtlich machen, vor allem aber praktisch.

Wir können unser «Nein» zur Atomenergie und unser «Ja» zum sofortigen Ausstieg praktisch machen: indem wir uns auf die Strecke setzen oder stellen oder legen, oder indem wir den Transportweg unpassierbar machen.  Das hat schon zig-mal im Wendland stattgefunden, wenn der Castor kam – und doch ist dieses Jahr alles anders: Dieses Jahr gilt’s, dieses Jahr geht es darum, ob die weitere Nutzung der Atomenergie politisch durchsetzbar ist oder nicht. Deshalb brauchen wir euch Anfang November dort – alle!

Die Situation ist doch so: Obwohl längst alle wissen, dass die Atomenergie eine gefährliche und überflüssige Dinosauriertechnologie ist und obwohl alle wissen, dass es bei den Beschlüssen zur Laufzeitverlängerung und zur Fortsetzung der Gorleben-Erkunden nur um die Profite der großen Energiekonzerne geht, macht die Regierung ungerührt weiter. Sie erzählt uns immer wieder ihre durchsichtigen Lügengeschichten von der «Brückentechnologie» oder von der Förderung der regenerativen Energien durch die Verlängerung der AKW-Laufzeiten. Lügen, die ihr keiner glaubt und an die sie nicht einmal selbst glaubt.

Aber hinter ihr steht das große Geld, das hat die Regierung in der Hand, schließt Geheimverträge, macht die Gesetze. Es ist nicht zuletzt die Empörung über diese Arroganz der Macht, die uns zusammenführt.  Die Regierung hofft, dass sich die Proteste wieder verlaufen. Wenn wir uns damit nicht abfinden wollen, dann bleibt nur, einen Schritt weiter zu gehen. Einen Schritt zum zivilen Ungehorsam, zum praktischen Eingreifen.

Denn es gibt Grenzen der politischen Durchsetzbarkeit. Die Regierung kann sich zwar einbilden, sie hätte die Macht und die Mehrheiten, sie könne sich die Gesetze zurechtbiegen und die Polizei in Marsch schicken: Es gibt dennoch eine Grenze ihrer Macht – und es ist an uns, ihnen diese Grenze zu zeigen. Dafür gibt es bei den Aktionen im Wendland vielfältige Möglichkeiten. Alle verschiedenen Konzepte des Protestes, der Blockaden und des praktischen Eingreifens gehören zusammen, sie lassen sich nicht gegeneinander ausspielen…

Ich will euch sagen, was ich persönlich am 6., 7. und 8.November tun werde: Ich werde – gemeinsam mit Tausenden anderen Menschen – an den Aktionen von «Castor? Schottern!» teilnehmen. Wir werden auf die Gleise der Castortransportstrecke gehen. Wir werden gemeinsam gehen, wir werden uns von der Polizei nicht provozieren lassen, sondern um sie herumgehen oder durch sie hindurchfließen. Auf den Gleisen angekommen, werden wir den Schotter aus dem Gleisbett entfernen, um die Strecke für den Castor unpassierbar zu machen. Ja, das ist verboten und ja, die Polizei wird versuchen uns daran zu hindern – aber wir werden es dennoch tun. Weil es im Angesicht der Atompläne von Energiekonzernen und Bundesregierung einfach das Richtige und Notwendige ist.

In diesem Sinne: Kommt am 6. November zur Großdemonstration nach Dannenberg! Überlegt euch, bei welchen Aktionen danach ihr euch einbringen könnt und wollt. Nehmt euch ein paar Tage Urlaub. Wartet nicht auf die nächste Gelegenheit: Dieses Jahr gilt’s! Dieses Jahr stoppen wir den Castor! Dieses Jahr bringen wir die Atompläne der Regierung zu Fall!

Von der Redaktion leicht gekürzt. Christoph Kleine ist Pressesprecher der Kampagne «Castor? Schottern!».


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