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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 12/2010 |

Daniela Matijevic: Mit der Hölle hätte ich leben können

München: Wilhelm Heyne Verlag, 2010, 240 S., 18,80 Euro
von Paul B.Kleiser

Hinter dem Verlegenheitstitel verbirgt sich ein ebenso ungewöhnlicher wie unter die Haut gehender Erfahrungsbericht einer jungen Frau namens Daniela Matijevic über ihren dreimonatigen Kosovo-Einsatz als Sanitätssoldatin der Bundeswehr. Die Brutalität des Krieges hat sie so stark traumatisiert, dass sie bis heute – wie viele ihrer Kollegen und Kolleginnen, die im Auslandseinsatz waren – an einer «Posttraumatischen Belastungsstörung» (PTBS) leidet und berufsunfähig ist.

Das Buch ist auch ein Versuch, sich die täglichen Qualen von der Seele zu schreiben. Nach dem Abitur verpflichtete sich Frau Matijevic für vier Jahre (Z4) bei der Bundeswehr, weil sie hoffte, nach der Sanitätsausbildung ein Medizinstudium absolvieren zu können. Aufgrund ihrer serbokroatischen Sprachkenntnisse schickte man sie 1999, noch in der Ausbildung, in den Kosovo. Sie beschreibt die Bedingungen im Lager in Prizren: Die Bundeswehr war (im Gegensatz zu Niederländern und US-Amerikanern) offenbar noch nicht einmal in der Lage, ihre Soldaten ordentlich zu verpflegen, sodass sogar Straßenköter («laufende Döner») mit Genuss verspeist wurden.

Präzise beschreibt Matijevic das Grauen des Krieges: Zwei vor ihr laufende Mädchen treten auf eine Mine, es fliegen ihr die Körperteile um die Ohren. Oder: Mit viel Geduld kann sie einen Jungen überzeugen, gegen seinen Vergewaltiger auszusagen, wonach dieser den Jungen in ihrem Beisein mit einer Pistole erschießt. Die Empathie für das Leid der Kinder ist eine der Stärken des Buches. Es schildert auch den langen Weg durch die Ämter, die sie als Schwächling behandeln und ihre schwere Erkrankung bagatellisieren.                   


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