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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 02/2011 |

Solidarische Ökonomie: Ein Wegweiser und ein Denkweiser

Gisela Notz, Theorien alternativen Wirtschaftens.
Fenster in eine andere Welt, Stuttgart: Schmetterling, 2010

Elisabeth Voß, Wegweiser Solidarische Ökonomie.
Anders Wirtschaften ist möglich!, Neu-Ulm: AG SPAK, 2010

von Rolf Euler

Nachstehend werden ein „Wegweiser“ und ein „Denkweiser“ vorgestellt: Elisabeth Voß stellt einen „Wegweiser Solidarische Ökonomie“ zusammen, Gisela Notz eine Übersicht über „Theorien alternativen Wirtschaftens“.

Beide ergänzen sich sehr gut, überschneiden sich dort, wo es um aktuelle Beispiele alternativer und solidarischer Wirtschaft geht. Beide gehen davon aus: Kapitalismus ist weder in Hinblick auf das was, noch wie gearbeitet und produziert wird, noch auf die sozialen und ökologischen Folgen eine zukunftsfähige Ökonomie. Kritik daran ist ihnen selbstverständlich.

Aber es geht gerade darum, nicht nur das System als Ganzes zu kritisieren, sondern hier und jetzt zu versuchen, was die Alternative sein könnte. Daher die Frage, die beide umtreibt: Gibt es richtiges Leben im falschen?

Gisela Notz setzt sich mit dem Adorno-Wort auseinander, nachdem sie die Ideengeschichte alternativer Wirtschaftsvorstellungen erläutert und solidarisch-kritisch kommentiert hat von Owen über Marx, die Anarchisten, die Genossenschaftsbewegung bis hin zu feministischen Ökonomie-Konzepten.

Das ist ein großer Vorzug des Buches: eine gedrängte, vielseitige Ideengeschichte, aus der die aktuellen Konzepte für „anders leben und wirtschaften“ entwickelt wurden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf feministischen Kritiken und Konzepten. Ihre Spurensuche bei den derzeit bestehenden Projekten zeigt, dass ihr Herz für die „Kommune“ (Beispiel Kaufungen) schlägt dort findet sich eine Kombination aus „anders arbeiten und leben“ und politischer Widerständigkeit gegen die herrschende patriarchale und profitorientierte Leistungsgesellschaft.

Ihre kritische Betrachtung anderer Konzepte betriebliche oder genossenschaftliche Selbstverwaltung, Tausch- oder Schenkringe, Wohnprojekte ist hilfreich zur Einordnung der vielen Praxisbeispiele, von denen auch das Buch von Elisabeth Voß berichtet.

Der Wegweiser von Elisabeth Voß versammelt vor allem die praktischen Beispiele, die Anlass für eine kurze theoretische Einordnung des Begriffes „solidarische Ökonomie“ sind. Danach gibt die Autorin einen Üb erblick über die ganze Bandbreite solidarischen Wirtschaftens. Sie ordnet nach Nutzen oder Inhalt der menschlichen Tätigkeiten wie Ernährung, Wohnen, Energie, Gesundheit, Wissenschaft und Erziehung.

Und sie ordnet auch nach der Art und Weise alternativen Wirtschaftens: Welche demokratischen, selbstverwalteten Strukturen, welches Verhältnis zu Geld und „normaler“ Ökonomie, wie können Finanzierung und Selbstverwaltung funktionieren? Sie geht auf die Diskussion über die „Commons“ die Gemeingüter ein, und sie blickt über die deutschen Befindlichkeit hinaus auf die globalen Zusammenhänge und berichtet über Netze, Zusammenschlüsse und vielfältige praktische Beispiele.

Wer nur einen Überblick und Tip für seine konkreten nächsten Schritte braucht, mag sich mit dem Buch von Elisabeth Voß begnügen. Aber damit entginge ihm die gute historisch-kritische Einordnung, die Gisela Notz bringt, und die sehr hilfreich ist für diejenigen, die praktische Alternativen zur herrschenden Ökonomie suchen.


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