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Patrick Pecherot, Belleville-Barcelona

Ein Krimi zur Zeit der Volksfront in Paris.
Hamburg: Edition Nautilus, 2011
224 Seiten, 14,90 Euro
von Udo Bonn

Vor einiger Zeit wurde an dieser Stelle Vilars wunderbarer Roman Die Verschwundenen vorgestellt. Paris 1938, die Endphase der Volksfrontregierung unter Leon Blum, der Vormarsch der Faschisten in Spanien, die dritten Moskauer Prozesse.

In diesem Zeitraum und vor eben jenem Hintergrund lässt Patrick Pecherot Leo Malets Detektiv Nestor Burma in seinem Krimi Belleville-Barcelona wieder aufleben (oder genauer: sein Vorleben schildern).

Es ist die typische Szene eines Dashiell-Hammet-Romans: der gelangweilte Detektiv, der den Auftrag erhält, eine Industriellentochter, die sich in einen Hilfsarbeiter verliebt hat, zu suchen und sie wieder den bürgerlichen Kreisen zuzuführen.

Eine einfache Angelegenheit, an der aber nicht so ist, wie es scheint. Die junge Frau ist schnell gefunden, aber sie weigert sich, Pietro Lema zu verlassen. Aber der ist plötzlich verschwunden. Eine enthauptete Leiche taucht auf: Ist das ihr Freund, ein Roter, der in eine Flasche abgefüllt, nicht vom Rotwein zu unterscheiden wäre? So gerät Burma in politische Auseinandersetzungen zwischen Unterstützern der POUM und der Anarchisten, die einen groß angelegten Waffenschmuggel organisieren wollen, um die militärische Austrocknung der spanischen radikalen Linken zu verhindern, und Moskaus GPU-Agenten – während rechtsextreme Trupps marodierend durch Belleville ziehen.
Pecherot gelingt es auf faszinierende Weise, den Leser in das traditionelle volkstümliche Viertel von Paris zu ziehen, in dem Begräbnisse Tausende von Menschen anziehen, die den Weg zum Friedhof zu einer alltagsgewöhnlichen Manifestation des Widerstands machen. Belleville, in dem Kleinkriminelle zu Cabarettstars werden, die jazzigen Bands, die Lebenslust, die aus einer schüchternen Detektei-Sekretärin eine verführerische Salon-Mata Hari werden lässt. Aber der Höhepunkt des politischen und kulturellen Aufbruchs ist überschritten, Léon Blum tritt zurück und André Breton kämpft, verlassen von seinen Surrealistenfreunden, auf einsamem Posten für eine freie Kunst und eine libertäre Politik.

Und so endet der Roman mit der Zeile eines Kinderliedes: «Am besten läuft man so wie wir, setzt einen Fuß vor den anderen und beginnt wieder von vorn.»


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