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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 05/2011 |

Anita Idel, Die Kuh ist kein Klima-Killer

Marburg 2010: Metropolis, 210 S., 18 Euro
von Boris Schultz
Anita Idel leistet mit diesem Buch einen sehr wichtigen Beitrag zur aktuellen Klimaschutzdebatte. Sie betont die Bedeutung der ökologisch vertretbaren Weidehaltung für den Klimaschutz.

Zunächst stellt sie die physiologische Grundlagen der Wiederkäuerverdauung, die Bedeutung von Dauergrünland für die CO2-Fixierung im Humus und die ökologische Bedeutung der Weidehaltung der Rinder für die Erhaltung von Dauergrünland dar. In einem zweiten Teil beschreibt sie dann praktische Bespiele aus unterschiedlichen Regionen der Welt.

Anita Idel gelingt es sehr gut, die Bedeutung der Weidehaltung für die menschliche Ernährung zu erklären. Erst durch den mikrobiellen Aufschluss von grobfasrigen Pflanzen wie Gräser u.ä. im Pansen der Rinder werden diese über Milch und Fleisch für die menschliche Ernährung zugänglich gemacht. Dabei wird das klimaschädliche Gas CH4 (Methan) gebildet und ausgestoßen.

Deshalb wird die Kuh häufig auch als Klimakiller bezeichnet. Doch bei der Futtermittelproduktion in der industriellen Landwirtschaft (Soja und Mais) wird in viel größerem Maß CO2 und N2O (Lachgas) freigesetzt. Gerade Grünland hat für die CO2-Fixierung im Humus eine sehr großer Bedeutung für den Klimaschutz und rehabilitiert das Rind im Speziellen und alle Wiederkäuer im Allgemeinen.

Für das Verständnis der Methanbildung bedarf es jedoch einer genaueren Beschreibung der mikrobiellen Prozesse. Industrielles Kraftfutter wie Mais oder Soja wird von Rindern im Vergleich zu Schweinen und Hühnern schlechter verwertet. An dieser Stelle wäre es zur Klärung der Zusammenhänge sinnvoll und notwendig gewesen, die Physiologie gründlicher zu beschreiben. Die Methoden der ökologischen Landwirtschaft werden als besonders klimafreundlich dargestellt, während die industrielle Landwirtschaft als besonders klimaschädlich erscheint.

Das betrifft vor allem die Freisetzung von N2O bei der künstlichen Stickstoffdüngung in der industriellen Landwirtschaft (bei ökologischen Anbaumethoden ist der Einsatz von synthetischen Düngemittel verboten). Durch zu viel Stickstoff in Verbindung mit Sauerstoffmangel im Boden bildet sich Lachgas.

Es wird verursacht durch Schadverdichtung und durch eine zu geringe organische Bodensubstanz. In der industriellen Landwirtschaft kommt es durch den Einsatz von künstlichem Dünger und Pflanzenschutzmitteln, sowie durch den Einsatz von Maschinen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, und lange Transportwege zu einem hohen CO2-Ausstoß. Ihrer Meinung nach besteht der ökologische Beitrag einer bäuerlichen Weidewirtschaft in der Fixierung des CO2 im Boden, sie schafft eine positive Humusbilanz.

Die Rinder spielen durch Grasen, Tritt und Dung eine entscheidende Rolle bei der Humusbildung, vorausgesetzt das Weidemanagement ist nachhaltig. Die Herausarbeitung der Bedeutung von Kühen bzw. Gräsern für die Offenhaltung von Grünlandstandorten, eine nachhaltige, extensive Weidehaltung vorausgesetzt, gelingt hier hervorragend.


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