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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Dominique Manotti, Roter Glamour

Hamburg: Ariadne Argument, 2011, 246 S., 12,90 Euro
von Udo Bonn

In wohliger Erinnerung an den Beginn der ersten Präsidentschaft  François Mitterrands 1981 wollte die Sozialistische Partei Frankreichs (PS) ihre Kandidatenkür für die Wahlen im nächsten Jahr gestalten. Doch ein geiler Mann in New York hat sich selbst (und die PS?) aus dem Rennen katapultiert und der Öffentlichkeit noch einmal demonstriert, um was es bei der großen Politik geht: Geld, Macht und Sex , dessen Zugang und Formen nicht unwesentlich von ersteren Faktoren bestimmt sind.

Dominique Manottis Roman Roter Glamour ist gerade zum richtigen Zeitpunkt erschienen (eigentlich sollte in diesem Monat ein anderer Krimi besprochen werden), um die Dreckigkeit der Macht- und Egospiele auch «linker» Regierungen vorzuführen.

1985, kurz vor Ablauf der Präsidentschaft Mitterrands, dessen Wiederwahl alles andere als gesichert ist, werden im Libanon Franzosen als Geiseln genommen, ein illegaler Waffendeal mit dem Iran soll deren Freilassung beschleunigen. Bei einer Feierlichkeit in einem Edelbordell erreicht die an dem Deal Beteiligten die Nachricht, dass das Flugzeug über der Türkei abgestürzt ist. Ein Unglück ist nicht wahrscheinlich, den politischen Konkurrenten mit ihren alten frankoafrikanischen Netzwerken ist ein Anschlag genauso zuzutrauen wie dem Irak, der sich mit dem Iran im Krieg befindet, es könnten aber auch die großen französischen Militärkonzerne sein, die bei einem Sieg des Iran um die Bezahlung ihrer Lieferungen an Saddam Hussein fürchten müssen.

Bornand, eine wichtige Figur im Hintergrund des Präsidenten, mit einer Vergangenheit als Kollaborateur, Beziehungen nach Afrika und in den Nahen Osten, sexbesessen und vollkommen skrupellos, macht sich an die Aufräumarbeiten, nicht zuletzt, weil seine libanesische Hausbank den Waffenhandel vorfinanziert hat. Sein Handlanger ist ein «linker» Polizist, der absichtslos eine junge Frau tötet und damit sich selbst und seinen Herren zunehmend in die Bredouille bringt.

Es wird gestohlen, erpresst, gemordet. Und vor allem: Frauen werden gedemütigt, auf dem Polizeirevier, in Edelclubs, in der Familie. Doch einige behaupten sich, so die junge Polizistin Noria Ghozali, aber auch die Ehefrau Bornands, die die Tyrannei ihres übermächtigen Gatten auf eine recht banale Art beendet.


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