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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 09/2011 |

Economie Sociale – eine Alternative zum Kapitalismus/Beitragen statt tauschen

Thierry Jeanette, Economie Sociale – eine Alternative zum Kapitalismus
Neu-Ulm: AG SPAK 2010, 114 S., 16 Euro.
Christian Siefkes, Beitragen statt tauschen. Materielle Produktion nach dem Modell Freier Software
Neu-Ulm: AG SPAK 2010, 168 S., 16 Euro.

von Gisela Notz

Mit dem Zerfall des real existiert habenden Sozialismus scheinen Alternativen zum Kapitalismus in Verruf geraten zu sein, jedenfalls soweit es sich um konkrete Utopien und nicht lediglich um Protesterklärungen und Petitionen handelt. Dass gemeinsame Produktion Spaß machen, dass sie angenehm und befriedigend sein kann, wissen alle, die sich in Projekten der alternativen Ökonomie engagiert haben. Thierry Jeanet und Christian Siefkes spinnen die Ideen weiter. Beide fragen nach theoretischen Ansätzen für eine Wirtschaftsweise jenseits von Warenproduktion und Markt und zugleich nach deren praktischer Umsetzung. Ihr Interesse richtet sich darauf, wie ein Gesellschaft aussehen könnte, die von den Bedürfnissen der Menschen bestimmt wird und nicht alleine durch die Interessen des Kapitals.
Thierry Jeanette zeigt Unternehmen und Zusammenschlüsse von produktiv Tätigen, die innerhalb der Marktwirtschaft in verschiedenen Ländern des Nordens und des Südens nach demokratischen Prinzipien arbeiten und den erarbeiteten Profit zum Nutzen der Allgemeinheit einsetzen. Zur «Economie Sociale», wie er sie versteht, gehören Vereinigungen auf Gegenseitigkeit, Genossenschaften, Vereine und Stiftungen, die eine weltweite Verbreitung haben. Sie wirtschaften und handeln nach dem Prinzip solidarischer Aktivität, die innerhalb verschiedener Organisationen und unterschiedlicher Akteure stattfinden. Jeantet geht es um «das Soziale, die Umwelt und die Zivilgesellschaft».

Christian Siefkes geht der Frage nach, ob die Produktionsmethode im Bereich der Software auch in anderen Bereichen der Gesellschaft möglich wäre. Von Yochai Benkler übernimmt er den Begriff «Peer-Produktion». Die findet immer in selbstorganisierten Gemeinschaften statt, in denen Menschen in offenen, niemals abgeschlossenen Prozessen Regeln, Organisations- und Institutionalisierungsformen entwickeln, die ihren angestrebten Ziele am besten entsprechen. Die selbstorganisierten Gemeinschaften stellen – im Gegensatz zur Marktökonomie oder auch zur Tauschökonomie – in freier Kooperation Erzeugnisse her, die für gewöhnlich Gemeingüter und frei verfügbar für alle (oder zumindest für alle am Projekt Beteiligten) sind. Stiefkes hofft darauf, dass der offene, kooperative und selbstbestimmte Stil der Peer-Produktion ansteckend wirkt und viele Menschen zusammenführt, die im heutigen System kaum noch Möglichkeiten sehen und «die vom Markt die Nase voll haben», aber auch solche, denen es darin gut geht, damit sie eine starke Allianz zur positiven Entwicklung der Gesellschaft bilden. Wie diese Gesellschaft aussehen soll, bleibt dabei offen, denn für ihn und andere Vertreter der Peer-Ökonomie hängt es «von den Menschen und ihren Entscheidungen und Handlungen ab», wie die Zukunft aussehen soll.

Beide Bücher sind gut lesbar und geeignet, die Idee vom anderen Wirtschaften und von basisdemokratischen Entscheidungen in weitere Kreise zu tragen.

 


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