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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Vikas Swarup, Immer wieder Gandhi

Immer wieder Gandhi

Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2001, 623 S., 9,95 Euro
von Udo Bonn

Ein ehemaliger Staatsfunktionär, berüchtigt für seine Korrumpierbarkeit und seine Affären, der nach einer Séance meint, Gandhi zu sein, eine berühmte Schauspielerin, ein Stammesangehöriger von einer der Andaman-Inseln auf der Suche nach einem gestohlenen Totem, ein um seine Liebe betrogener Handy-Dieb, der Innenminister von Uttar Pradesh, dessen Karriere durch die Eskapaden seines Sohnes verbaut wird, und ein Gabelstaplerfahrer aus Waco, Texas, auf der Suche nach seiner Katalogbraut – sie alle könnten Vicky Rai umgebracht haben.
Die Stimmung in der Bevölkerung ist aufgebracht, nachdem der Jungunternehmer Rai von der Mordanklage an einem Barmädchen freigesprochen wird. Nicht zum ersten Mal kann der Spross einer etablierten Politikerfamilie der Strafverfolgung entkommen, aber mehr als dreist ist es, zu diesem Anlass eine Party zu geben, zu denen die indische Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Filmbusiness eingeladen ist.

Vikas Swarup, dessen Roman Rupien! Rupien! als Slumdog Millionaire verfilmt wurde, entwirft in seinem Roman Immer wieder Gandhi erneut ein brachiales Kaleidoskop der indischen Gesellschaft, das kein gutes Haar an der Oberschicht lässt. In scharfen Wendungen werden die Geschichten der sechs Protagonisten erzählt, die sie bewogen haben, der Einladung zu der Party zu folgen – jeweils bewaffnet mit einer Pistole und mehr oder weniger rechtschaffenen Motiven, Vicky Rai umzubringen.

Was im Westen als größte Demokratie der Welt abgefeiert wird, wird von Swarup als Gesellschaft auseinander genommen, in der keiner dem anderen vertrauen kann, Rechtschaffenheit unmittelbar zum Tode führt, Lichtblicke von Menschlichkeit sofort von Dunkelheit aus Rache und Habsucht zum Erlöschen gebracht werden. Und Liebe ein kostbares, nahezu unerreichbares Gut ist.

 


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