25 Jahre Sozialistische Zeitung, Jubiläumsfeier im Bürgerhaus Köln-Kalk – Die Fotos – Die Festrede


Quelle: SoZ – Sozialistische Zeitung
Website: https://www.sozonline.de
Artikel-Link: https://www.sozonline.de/2011/10/25-jahre-sozialistische-zeitung-jubilaumsfeier-im-burgerhaus-koln-kalk/
Veröffentlichung: 12. Oktober 2011
Ressorts: Nur Online, Über uns
Der Saal

Der Saal © Uwe Bitzel Alle Rechte vorbehalten

Das Podium

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Die Diskussion

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Die Diskussion

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Die Diskussion

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Die Diskussion

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Die Drei am Pulverfass

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Die Festrede

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Das Festprogramm: Balndine Bonjour und Bernd Köhler

Das Festprogramm: Balndine Bonjour und Bernd Köhler © Uwe Bitzel Alle Rechte vorbehalten

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Die Festrede von Helmut Weiss

Ein bißchen Nachdenken. Tut kaum weh und schadet auch nicht

Festrede aus Anlaß des 25. Jahrestages der Gründung der Sozialistischen Zeitung SoZ in Köln am 8. Oktober 2011

Liebe Gastgemeinde,

lasst mich am Anfang anfangen. Als ich gefragt wurde, ob ich zu 25 Jahre SoZ die Festrede halten wollte, war meine erste Reaktion: „Hilf Himmel! Ist das auch schon wieder 25 Jahre her, und damals war ich schon alt…“ Aber gut, Du hast das Ding mitbegründet und – aus der Ferne – verfolgt, versuche es.

Danach die grosse Frage: Was eigentlich soll eine Festrede sein? Ich könnte ja gerade noch den Unterschied zu einem Nachruf klären, aber darüber hinaus? Nun gut: Die SoZ hat das Verdienst, grundsätzlich immer Kurs gehalten zu haben, wenn es gegen Kapitalismus, Krieg und Rassismus ging, gegen Nationalismus und Sexismus. Das war der Nachrufteil, und Kurs gehalten haben andere auch, die in diesen Tagen entweder auch feiern, wie der ak demnächst, oder der express, der auch nicht mehr der jüngste ist, oder die UZ mit ihrem Pressefest, auf das ich gerne gehe, weil ich da endlich mal wieder zu den jüngeren Teilnehmern gehöre.

Nun kommt es ja nicht darauf an, einen Wunschkatalog zusammenzustellen, was die SoZ alles anders machen könnte. Klar könnte sie besser, schöner, erfolgreicher, cooler, und dergleichen Steigerungen mehr sein, ohne Ende, auch mehr sexy. Gegen solche Wünsche pflegt sich in der Regel der Alltag durchzusetzen.

Einen Vorteil zu dessen Bewältigung hatte die SoZ allerdings schon damals: Kein Zentralorgan war sie. Keine Redaktion, die ein solches interessant machen sollte, was in der Mathematik die Quadratur des Kreises heisst.

Ich habe mir dann überlegt, anhand einiger Fragen einen kurzen Vergleich von damals und heute zu versuchen. Nun ist „damals“ oft genug bei Linken problematisch, die Karl Valentin Fraktion ist quer durch alle Strömungen eine der Stärksten: „Früher war alles besser, früher waren sogar die alten Zeiten besser“ ist der prägende Satz dieses vielbeachteten Theoretikers der Arbeiterbewegung.

Als die Soz gegründet wurde, war es aber wirklich nicht besser als heute: Da gab es nicht nur Margaret Thatcher im Zenit, sondern erst recht Kohls geistig-moralische Wende, die er durchgesetzt hat, während die Linke sich bemüssigt fühlte, Birnenwitze zu machen – ich auch.

Und wenn ich jetzt sehe, dass vor meinem Beitrag eine Diskussionsrunde stattgefunden hat, die über das Verhältnis gedruckter Medien und Internet ging, so kann vielleicht folgende Minigeschichte andeuten, welche Veränderungen sich in diesem Zeitraum vollzogen haben: Als dieser Tage Steve Jobs starb, wurde selbstverständlich ohne Ende Ideologie und Mythos produziert, aber dass er dazu beigetragen hat, den Alltag sehr vieler Menschen zu verändern ist ohne Frage – und er fing ja auch etwa zu der Zeit damit an. Ich hingegen –  es waren ja nicht nur die GIM und Was tun damals Partner bei Vereinigungsbestrebungen, sondern auch der BWK und die Politischen Berichte – ich hingegen bestaunte den Akkustikkoppler des BWK als etwas extraterrestrisches, kannte ich nicht, war mir neu. Heute mache ich seit runden 10 Jahren im LabourNet Germany mit, so ist das mit der Veränderung und bei mir noch eher bescheiden, in der Arbeitswelt insgesamt viel mehr, seitdem vor vierzig Jahren die ersten Roboter eingesetzt wurden, weswegen dann Worte erfunden werden mussten wie „Sockelarbeitslosigkeit“.

Wobei es mir schon auch darum geht, deutlich zu machen, dass so neu die Fragen gar nicht sind, sondern der Bedarf eher an neuen Antworten besteht. Auch das wollte ich anhand der drei Fragen kurz skizzieren, die ich eingangs ankündigte und zu denen ich jetzt endlich komme; ich habe ja genüßlich darauf verzichtet, zu versprechen ich würde mich kurz fassen.

1. Fange ich also an mit einer Frage, die heute viel diskutiert wird, damals auch, aber ganz anders: China.

Wir haben damals viel über China diskutiert, weitaus weniger dazu veröffentlicht, auch weil es recht wenig Gemeinsamkeiten in der Betrachtung gab. Damals galt die Debatte vor allem dem Charakter der chinesischen Gesellschaft, diese Diskussion ist heute auf eher noch kleinere Kreise reduziert, heute geht es vor allem und überall und mit mancher imperialen Sorge, um die Rolle Chinas in der Welt, das ist die Veränderung.

Dabei gibt es zunächst einige Kontinuitäten zu unterstreichen. Damit meine ich zum einen dass, wer auch immer und wo auch immer, sich für Arbeiterbewegung auf der Welt interessiert, festhalten sollte, dass ein Drittel aller Arbeiter und Arbeiterinnen dieser Welt in China und Indien leben. War damals etwas weniger, Tendenz steigend, aber es bleibt so. Unbestritten auch, denke ich, dass nach 1949 bei allem was geschah, die Grundlagen für eine im Vergleich zu anderen Ländern ausserhalb Europas eigenständigere Entwicklung gelegt wurden.

Und wenn dann heute gesagt wird, das Land mit den meisten Streiks sei China, dann kann es einem schon passieren, dass die chinesischen Partner in dem Projekt Forum Arbeitswelten China – Deutschland an dem ja auch das LabourNet Germany teilnimmt, einem beispielsweise sagen, das war schon immer so und ist auch kein Zufall, schliesslich sind es ja auch so viele…

Da gibt es dann die rein ideologischen Debatten darüber, ob Marktwirtschaft ohne Demokratie gehe – als ob die Antwort nicht seit Goethe bekannt wäre („Krieg, Handel und Piraterie – dreieinig sind sie, nicht zu trennen“, Faust II, ohne jetzt den Bildungsbürger zu machen, der ich schon immer sein wollte, auch wenn das früher mal gefährlicherweise kleinbürgerlicher Intellektueller hiess), seit Pinochets neoliberalem Chilemodell oder aber seit hierzulande nicht mehr nur das Wahlvolk nichts zu sagen hat, sondern öffentlich debattiert wird, ob die Parlamente hier und da ein bisschen mitreden dürften, wenn die Exekutive, die Regierung also, die sie ja theoretisch kontrollieren sollten, Grundsatzentscheidungen trifft, die niemand diskutiert hat, geschweige beschlossen…

Was immer Demokratie sein mag, ohne sie geht Marktwirtschaft entschieden besser, das wussten die Aktienspekulanten schon 1973 in Chile, als die Kurse nach dem Putsch explodierten. Und auch heute in China – die Veränderung in der Produktionsqualität weg von der Werkbank, auch sie geht ungefragt, nur um etwas aktuell anzuschauen.

Und es gibt die – durchaus auch inszenierten – Debatten darüber, ob etwa die chinesischen Gewerkschaften insoweit reformfähig sein könnten, um als organisierter Ausdruck einer sozialen Partnerschaft zu funktionieren. Und damit einen wesentlichen Beitrag zur Demokratisierung zu leisten, wie selten vergessen wird, zu erwähnen. Dahingestellt, die Bewegung in China steuert zunächst anderswohin, und die Debatten scheinen mir eher der Bestrebung geschuldet, sie im Rahmen des Etablierten zu halten.

Andrerseits: Als wir im Rahmen des bereits erwähnten Projektes Forum Arbeitswelten im Mai 2011 Besuch von verschiedenen und verschieden orientierten Gruppen von Basisaktivisten hatten, schlug einer aus der Gruppe aus Beijing vor, man könne ja durchaus über die Reformfähigkeit der Gewerkschaften, des ACFTU also, diskutieren – am fruchtbarsten sei dies aber, meinte er, wenn man es komparativ mache, im Vergleich also zur Reformfähigkeit der deutschen Gewerkschaften.

Das war jetzt die leidlich elegante Überleitung zum zweiten Fragenkomplex, den ich kurz streifen wollte, nämlich das deutsche Gewerkschaftswesen, die Arbeit der Linken darin – eine Arbeit von der sich niemand ernsthaft traut, eine Bilanz zu ziehen.

2. Also zweitens einige Anmerkungen zu Gewerkschaften, eine Frage die viel diskutiert wurde, damals, heute auch, aber genau gleich

Anmerkungen, mehr sind es nicht, es ist ja eine Festrede, keine Analyse, vielleicht aber hilft sie dafür. Und wenn nicht, wäre sie nicht die erste vergebens gehaltene Rede – weder von mir, noch von Myriaden von Genossinen und Genossen.

Ich will jetzt nicht darauf eingehen, was von einer Orientierung der Gewerkschaftsarbeit zu halten ist, die in etwa besagt, die Gewerkschaften müssten wieder etwas werden, was sie noch nie waren. Wenn wir hier in Dortmund reihenweise Jubiläen feiern aus der Mitte des 19. Jahrhunderts: Alter Verband, Drucker, Zigarrenarbeiter, dann wird deutlich, dass diese, böse gesagt, auch als deutschnationale Facharbeitervereinigung durchgehen würden und keinerlei weibliche Form benötigten – das kann es ja nun nicht sein…

Gerade weil sie das immer noch noch sind, oder zumindest viel zu lange waren, sind Gewerkschaften in einer Krise, die tiefer geht, als Mitgliederverluste oder deren Verhinderung, dafür gibt es ja Angestellte, die anrufen…Ich kannte einen davon sehr gut, der immer sagte, was soll ich machen, ich meine das doch auch…

Gewerkschaft heute: Das kann dann so aussehen: Wir hatten in Dortmund den Euromayday und als mich Tage danach DGB Funktionäre fragten, was ich davon hielte, versuchte ich es wie folgt zusammenzufassen: „Gleichviele Teilnehmer, aber halb so alt“. Vielleicht nicht exakt, aber sachlich stimmig. Das ist der Hauch von prekärer Selbstorganisation, um einmal mit Modewörtern um mich zu werfen, die aber so wichtig nicht sind.

Wichtiger erscheint mir folgendes: Man müsste, statt Bilanzverweigerung zu praktizieren und seltsame Traditionen zu erfinden, wenigstens ein paar Grundsätze verwirklichen.

Wenn bekannte Gewerkschaftslinke bei Militanzfragen, etwa bei Stuttgart 21, sofort mit hektischen Distanzierungsritualen beginnen, so ist dies einerseits ein Armutszeugnis im konkreten Fall, andrerseits aber auch eventueller Hinweis darauf, wie es ansonsten mit dem Mut zur echten Opposition steht.

Wohlgemerkt: Ich meine nicht, dass man Militanz immer und in jedem Fall lobpreisen sollte oder Ähnliches, ich meine aber sehr wohl, dass gerade Linke die Pflicht hätten, jegliche gesellschaftliche Erscheinung ernst zu nehmen und zu analysieren und eben nicht sich aus Mangel an Mut ins nächstbeste wärmende sozialdemokratische Boot zu retten.

Aber mit der Gewalt und der Legalität ist es ohnehin eine Sache: kompliziert eben. Nicht nur, wenn es darum geht, massiven Propagandakampagnen die Stirn zu bieten, was in Stuttgart einmal mehr versäumt wurde, auch in Fällen wie nun wieder bei den englischen Riots. Zuvor noch eines mit der Legalität und welche Interessen dahinter stehen: Ich hatte, vor über 10 Jahren eine Idee. Passiert ab und zu. Damals machte ich bei der IG Medien in Dortmund mit, und es war die Zeit des IT-Bubbles. Und, statt den Phrasen eines NRW Clement, dachte ich, man könnte ein mobiles einsatzkommando software machen. Fanden erstaunlicherweise auch einige andere eine gute Idee. Passiert ganz selten. Nur: Die Sache lief gut, aber wenn es offiziell wurde, musste auch die linke IG Medien dem Urheberrecht Tribut zollen, nein, Lüge: Musste nicht – wollte. Das war schon das Ende, das viel später kam. Und die Piratenpartei, von der man halten kann, was man will, ich hätte sie in Berlin wohl auch gewählt, nachdem die Linke so tat, als wäre sie Opposition gewesen, was ihr keiner glaubte, wem auch immer sei Dank, der rechte Wowereit bleibt da, diese Piratenpartei ist eben auch Ausdruck von dem Wunsch nach einem freien Internet, das die Herrschenden nicht wollen, und dafür zitieren sie Faschisten, denen sie sonst nie etwas tun, oder Kinderficker, oder was weiss ich – Hauptsache, Argumente für Polizeikontrolle. Und die anständigen Gewerkschaften sitzen mit im Bunker.

Die englischen Riots können keineswegs ohne weiteres als neu eingeordnet werden: nicht wegen Paris 2005, aber auch schon nicht wegen der 60er Jahre in Watts und anderswo.

Diese Menschen haben es nicht leicht: Haben sie ausgewiesene politische Parolen, so werden sie schnell als von dieser oder jener Partei gesteuert eingeordnet; haben sie keine, so wird darauf herumgehackt, sie wären unpolitisch – als ob etwa Aussagen wie „ich bin auch ein Mensch“ oder „ich will hier wohnen bleiben“ nicht immer schon und gerade heute, im Zeitalter der Totalvermarktung, politische Parolen wären – oder, wenn sie keine politischen Parolen sind, zeigen sie wie überflüssig politische Parolen sind. Aber es sind ja dann auch eher die diversen Parteistrategen, die meinen, so etwas brauche man: Alternativen, Strategien, Solidarität – im letzteren Fall gab es bei einem Youtube Film aber auch eine Antwort an diese Fernrohrgucker, von einem Maskierten, der meinte, die Solidarität in seiner Gang sei allemal besser, als die der Linken. „Da stehst Du machtlos da, die Blätter fallen nieder“ wusste schon Mao Zedong in solchen Situationen, und da scheint auf, dass es der Avantgarden – auch der selbsternannten, die noch nie etwas angeführt haben – vielleicht denn doch nicht mehr bedarf.

Womit ich aber nun auch zum letzten Punkt meiner Anmerkungen komme, denn der hat mit anderer Herangehensweise auch zu tun: Die SoZ war die erste Zeitung, die das machte, was heute alle machen – regelmäßig Kriminalromane besprechen, was ich toll fand, weil ich sie selbst gerne lese.

3. Oder wie früher gesagt wurde: Der Kampf an der Kulturfront ist der Kampf um Denken und Fühlen

Und wenn man heute Krimis anschaut oder liest, mag man am liebsten weglaufen. Serienmörder ohne Ende, dunkle Bedrohungen und rettende Profiler, die das tun, was man früher Rasterfahndung nannte und Widerstand dagegen leisten wollte. Im Wechsel mit meist ziemlich spießigen Regionalpolizisten, denen Deutschtum aus den Ohren tropft.

Heute denke ich, es wäre höchste Zeit, etwa den Erbärmlichkeiten der gut betuchten Sarrazinbürger einen eigenen Stil entgegenzusetzen, etwa so: Als damals die jungle world erstmals erschien, nach einem Streit in der jungen welt, bei dem ich gerne zwischen den Stühlen gesessen hätte, hatte sie eine Serie „Öde Orte“. Und, so weit ich mich erinnere, begann diese mit Bielefeld. Und aus eben diesem wahrhaft öden Ort, einem ausgegrenzten Stadtteil dessen Namen ich vergessen habe, kommt etwa Nuran Calis, der erfolgreich als Regisseur arbeitet und gerade ein interessantes, einigermassen autobiographisches Buch veröffentlicht hat, für das ich hier kostenlose Werbung mache. Ein Roman. Von jemand, der betont, er eigne sich nicht als Integrationsbeispiel.

Was ich meine, ist kurz das: Mit solchen Dingen, mit solchen Büchern zum Beispiel, kann man eine ganz andere Debatte um diese Komplexe führen, als der übliche politische Tagesbetrieb es ermöglicht, der Energien frisst, aber keine bringt. Um Migration, um Rassismus und Nationalismus.
Die Menschen selbst zu Wort kommen lassen, statt über sie zu reden oder zu schreiben, konkret statt abstrakt. Menschen eben, und nicht Figuren, wie immer sie auch gezeichnet werden. Und dies hat sich eben auch in diesen 25 Jahren entwickelt – eine Generation von Menschen, die von anderen über ihre Familiengeschichte definiert werden, nichts anderes ist der oft belächelte Migrationshintergrund, die sich aber vielleicht lieber selbst definieren möchten.

Bei alldem eben nicht das Parteiprogramm anbieten, eben nicht die Weisheit gelöffelt haben, sondern mitgestalten, mitdiskutieren, mitentwickeln, das wäre sowohl für die Linke, als auch für eine linke Zeitung anders als bisher, denke ich – und wesentlich.

Damals, als wir gemeinsam die SoZ organisierten, war ich auch nach Paris eingeladen, zu einem Treffen der IV. Internationale, angelockt von einem teueren Abendessen. Und da versuchte Ernest Mandel mich davon zu überzeugen, dass ich nicht wegen China, sondern wegen Cuba Revolutionär geworden sei. Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass der Grund sowieso egal wäre, und das wäre des öfteren auch heute eine nützliche Herangehensweise, wenn es um Zusammenarbeit geht, sei es zwischen linken Zeitungen oder Gruppen, sei es aber auch mit jedermensch, denn da sollte auch nichts anderes gelten.

Im übrigen reicht es mir heutezutage als Orientierung für eine Gesellschaftsveränderung den bei aktiven Linken oft nicht zu Recht etwas mißtrauisch betrachteten Theodor Adorno zu Hilfe zu nehmen: Eine Gesellschaft „Ohne Warenwirtschaft, in der man ohne Angst verschieden sein kann“.

Das war es also – mein Festbeitrag, jetzt ist Zeit zu feiern, tschüß.