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No more fear

Neue Filme aus Nordafrika, Datum: 7.–9.Oktober 2011, Ort: Filmforum NRW im Museum Ludwig, Köln

«Game Over» nannte das FilmInitiativ seine Filmreihe zu Nordafrika im Mai dieses Jahres. Das «Spiel» war vorbei für die Mächtigen in Tunesien und Ägypten. Ein neues «Spiel» begann, eine neue Zeit, eine Zeit des Übergangs und voller Unsicherheiten. Nun setzt das FilmInitiativ seine Bemühungen fort: vom 7. bis 9.Oktober sind erstmals in Köln Filme zu sehen, die während der Proteste entstanden.
Der Titel der Veranstaltung kommt vom Eröffnungsfilm, No more fear (Freitag, 7.10., 20 Uhr). Der Film hatte in Cannes Premiere, der Regisseur Mourad Ben Cheikh porträtiert darin drei politische Aktivisten, die auf ihren schwierigen Alltag unter Ben Ali und den Protest zurückblicken. Eine der wichtigsten Errungenschaften, so ein Fazit der Aktivisten ist die «Überwindung der Angst».

Der zweite Tag der Filmschau beginnt mit einer Diskussion zur aktuellen Lage in Ägypten, «Demokratie oder Militärherrschaft» ist das Motto und der Eintritt ist frei. Untermalt wird das Gespräch von aktuellen Filmausschnitten, Videos und Fotos von Graffitikunst. Hebtallah Ismail Hafez, 1976 in Kairo geboren und seit 2006 Redakteurin des arabischen Programms der Deutschen Welle, wird von den allerletzten Entwicklungen in Ägypten berichten.

Um 19.30 Uhr ist Nadia El Fani mit ihrem Film Laïcité Inch’Allah zu Gast. Thema des Films ist die Islamisierung. Schon im Spätsommer 2010, noch zu Zeiten von Ben Ali, begann sie sich mit der schleichenden Islamisierung auf filmische Weise auseinanderzusetzen. Während der Revolte ist sie wieder dabei. Sie fordert eine säkulare Verfassung für das neue Tunesien und ist für ihre Haltung schon mehrfach bedroht worden. Für ihr Engagement erhielt sie im Juni den Prix International de la Laïcité, ein in Frankreich vergebener Preis. Nadia El Fani lebt seit 2002 in Paris, wo sie 1960 als Tochter eines Tunesiers und einer Französin geboren ist. Sie kehrte jedoch stets regelmäßig nach Tunesien zurück. Vor Laïcité Inch’Allah hat sie Ouled Lénine gemacht, eine Dokumentation über tunesische Kommunisten – ihr Vater ist einer von ihnen.

Der Abend endet mit einem Spielfilm von Nadia El Fani aus dem Jahr 2003, Bedwin Hacker, eine Mischung aus Politthriller und Satire.

Der letzte Tag der Schau beginnt ebenso mit einer Podiumsdiskussion untermalt von Filmen. Das Thema: «Gestrandet vor der Festung Europa», «vor», weil die ganz große Mehrzahl der Flüchtlinge aus Libyen in den Nachbarländern strandete, Ägypten, Niger, Tunesien usw. Nur ein sehr geringer Prozentsatz landete in Europa, die meisten von ihnen in Italien. Zwei Mitglieder des Netzwerks «Afrique-Europe-Interact», Ben Anmar Riadh, Ko-Regisseur eines der Filme, der gezeigt wird, Camp Choucha (über ein Flüchtlingslager in Tunesien), und Conni Gunßer vom Flüchtlingsrat Hamburg werden gemeinsam mit Riadh Jouili aus Köln (Vorstand des Vereins «Helft Tunesien e.V.») über das Thema sprechen. Neben Camp Choucha beschäftigt sich auch der Film Stimmen aus Choucha mit dem Lager. Der Kurzspielfilm Lel Chamel («In Richtung Norden») zeigt, wie mafiöse Geschäftemacher von Flüchtlingen profitieren, die Dokumentation Harga erzählt von 27 Bootsflüchtlingen, die gemeinsam unterwegs waren und von denen nur einer die Reise überlebte.

Beendet wird «Ende der Angst?» mit einem Episodenfilm aus Ägypten, 18 Days. Zehn Regisseure erzählen darin von den entscheidenden Tagen des ägyptischen Aufstands auf dem Tahrirplatz. Einer der Regisseure, Ahmad Abdalla, war bereits im Mai in Köln zu Gast.

Ein ehrgeiziges und kluges Programm, das das FilmInitiativ hier präsentiert – besonders gelungen ist wohl, dass die Veranstalter sich auf Wesentliches konzentriert haben und ganz breiten Raum für Diskussionen bieten. Wir sind gespannt.

Programmheft auf www.filminitiativ.de.


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