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Bis an die Grenzen

Fabien Didier Yene: Bis an die Grenzen, Klagenfurt: Drava, 2011, 19,80 Euro
von Angela Huemer

Die Chronik einer Migration, erzählt von einem Migranten.
Der Kameruner Fabien Didier Yene, der heute in Marokko lebt, erzählt seine Geschichte von Anfang an – mehr noch, er beginnt mit den Ereignissen, die zu seiner Geburt führten.
In seinem Heimatdorf Ekombitié in Kamerun gibt es ertragreiche Kakaoplantagen. Beim Verkauf des Kakao am Markt trifft Ngoah, der Vater von Fabien, Bétiné. Er verliebt sich und kämpft um sie, denn Bétiné kommt von einem anderen Stamm mit einer anderen Sprache und Kultur. So ganz, werden wir später erfahren, wird Yenes Mutter nie in Ngoahs Dorf akzeptiert werden.

Die Art, wie Fabien Didier Yene seine Herkunftsgeschichte erzählt, ist charakteristisch für dieses Buch: Es ist eine genaue Schilderung einer uns ganz fernen und auch fremden Lebenswelt und Kultur – nicht von außen aus betrachtet, sondern erzählt von jemandem, den diese Lebenswelt geprägt hat.
Yene erzählt von sich selbst in der dritten Person, fast scheint es, dass ihm so das Erzählen leichter fällt. Trotz Schwierigkeiten – sein Vater stirbt – macht er seinen Schulabschluss. Er wird Lastwagenfahrer und verliebt sich. Als seine Freundin im zweiten Monat schwanger wird und sie Fabien auf eine seiner Fahrten begleitet,  verunglückt sie tödlich. Fabien wird die Schuld angelastet, seine Schwester wird vergewaltigt, seine Mutter stirbt.

Fabien Yene erzählt nur ganz knapp von diesen tragischen Ereignisse, die ihn dazu bringen, in den Tschad zu fliehen um dort, «weit weg von einer Geschichte, die dennoch die seine war» ein neues Leben zu beginnen. Seine Reise durch halb Afrika beginnt: Tschad, Nigeria, Niger, Algerien und schließlich Marokko. Immer wieder muss er Geld auftreiben, er und die anderen Migranten müssen sich immer wieder neu zurecht finden, allzu oft kämpfen sie um das nackte Überleben. Yene wird einer der vielen, die vergeblich versuchen, den Zaun zu den spanischen Enklaven Ceuta und Melilla zu überqueren. Alle sind sich der Todesgefahr bewusst, doch «hier hatten sie wenigstens die Chance, ihre Situation zu verändern». Yene schreibt ausführlich über den Maghreb, als «das unerträglichste Problem» empfindet er den Rassismus gegenüber Schwarzafrikanern.
Fabien Didier Yene lebt heute in Marokko. Im März 2008 wurde er zum Obmann der Kameruner Emigrantengemeinschaft gewählt und ist Sprecher einer Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisation.

Im November ist Fabien Didier Yene auf Lesereise in Deutschland und Österreich:
6.11., Neustift a.d.Leitha, Hauptstr.69, 17 Uhr; 8.11. Klagenfurt, RAJ, 19 Uhr; 10.11. Salzburg, Friedensbüro, 19 Uhr; 11.11. Buch Wien, Messe Wien, Halle D, Forum, 15.30 Uhr; 13.11. Berlin, Kultursalon Roderich, 18 Uhr; 14.11. Dresden, AZ Conni, 20 Uhr; 15.11. München, Eine-Welt-Haus, 20 Uhr; 16.11. Feldkirch, Theater am Saumarkt, 20 Uhr; Innsbruck, 17.11. Begegnungsbogen, 19 Uhr.


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