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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Eine Familienfeier mit Ausblick

von Angela Klein
Kleiner Bericht von der SoZ-Feier
Die Stimmung war hervorragend, die Diskussion anregend, Essen und Trinken sehr gut, das Kulturprogramm klasse – so lässt sich die 25-Jahr-Feier der SoZ zusammenfassen.
Etwa 120 Menschen waren gekommen – ein guter Querschnitt durch die verschiedenen Daseinsphasen der SoZ. Darunter auch solche, von denen wir es nicht vermutet hätten, solche, an die wir gar nicht gedacht hatten und die uns damit eine freudige Überraschung bereitet haben, und natürlich viele gute alte und neuere Bekannte.
Kein Abschiedsgesang, auch kein nostalgischer Rückblick – wie sagte doch der Festredner Helmut Weiss: «‹Damals› ist oft genug bei Linken problematisch, die Karl-Valentin-Fraktion ist quer durch alle Strömungen eine der stärksten: ‹Früher war alles besser, früher waren sogar die alten Zeiten besser.›» Stattdessen kritische, auch selbstkritische, Nachdenklichkeit in der Grauzone zwischen Betrachtungen über linken Publizistik im Allgemeinen und über die SoZ im Besonderen.

So war es auch angelegt, oder wenigstens angefacht gewesen. Angela Klein hatte eingangs Rechenschaft über den Stand der Zeitung gegeben (siehe nebenstehende Seite). Dann folgten zwei Diskussionsrunden mit einem Podium, das trotz aller Bemühungen ein Gruppenbild mit Dame geblieben ist: Willi Hajek war für Mag Wompel (Labournet) eingesprungen, Dariusz Zalega, früher Chefredakteur der Trybuna Robotnycza, der Wochenzeitung der Gewerkschaft August 80, war aus Katowice angereist und wurde von Norbert Kollenda übersetzt, Irina Neszeri, verantwortlich für die Pressearbeit der Linkspartei.NRW, blieb die einzige Frau auf dem Podium, außerdem waren das unser langjähriger SoZ-Redakteur Wolfgang Pomrehn und Kamil Majchrzak, der bis vor kurzem noch in der Redaktion des Telegraph mitgearbeitet hatte. Die Runden wurden moderiert von Gerhard Klas und Stefan Müller.

Es würde den Rahmen sprengen, wollten wir versuchen, die Diskussion hier zusammenzufassen. Und natürlich konnte die kein «Ergebnis» haben, aber aus unserer Sicht hat sie ihre Funktion voll und ganz erfüllt – nämlich einmal ein breites, freundschaftliches, ehrliches Feedback zu bekommen, was auf Grund der Kleinheit und der prekären Arbeitsweise der Redaktion so selten zu haben ist. Wir haben fleißig mitgeschrieben und werden es auswerten. Die Redaktion hat sich vorgenommen, im kommenden März eine Klausurtagung anzuberaumen, auf der wir versuchen wollen, Schlussfolgerungen zu ziehen.

Auf ein paar Anstöße sei hier jedoch verwiesen. Ein paar davon haben uns schwer überrascht, so das Lob für die Feuilletonseiten der SoZ («Das ist immer das, was ich zuerst lese»): Ehrlich, das ist das Letzte, was wir uns hätten träumen lassen, so sehr empfinden wir sie immer als Stiefkind, als Waise geradezu, ohne feste Verantwortlichkeit und immer in Gefahr abzustürzen. Auch dass die Krimispalte zur Lieblingslektüre gehört («Die SoZ war eine der ersten Zeitungen, die das eingeführt hat»), hätten wir nicht gedacht.
Ein großer Teil der Debatte kreiste um die Generationenfrage. Die SoZ steht vor der Aufgabe, ihre Redaktion und ihre Leserschaft deutlich zu verjüngen. Nun ist das kein Schritt, der einfach qua Willenserklärung machbar wäre. Er fordert der Redaktion die Fähigkeit ab, in anderer Weise auf junge Leute zuzugehen und sie mit ihrer Sichtweise der Dinge zu Wort kommen zu lassen, als das in ihrer bisherigen Routine angelegt ist. Und auch die Fähigkeit, mehr «die Menschen hinter den Artikeln» hervortreten zu lassen. Dazu braucht es natürlich auch «mehr aktive Leute hinter der SoZ».

Einen durchgängigen Tenor bildeten verschiedene «Grundanforderungen», die eher in Fragen gepackt wurden: Wo sind Ansätze, Kommunismus neu zu denken? Wo finden sich emanzipative Ansätze in der Gesellschaft? Wo sind organisierten Debatten um Gewerkschaften, Parteien, Bewegungen. Was sagt uns der Avantgardebegriff heute noch? Welche Aktivitäten gibt es im kulturellen Bereich? Durchgängig auch der Hinweis auf «das große Interesse an Diskussion» und an «Orientierung». Mehr Offenheit also, den «exklusiven» Charakter abstreifen, der Zeitungen aus einer ähnlichen Tradition wie SoZ, ak und express anhaften.
Die Debatte um die konkurrierende Rolle des Internet war demgegenüber vergleichsweise gelassen: «Die SoZ kann ich mit ins Bett nehmen, das Internet nicht.» Unbestreitbar aber auch die Bemerkung: «Der Internetauftritt der SoZ braucht einen gründlichen Relaunch.»

Viel Stoff zum Nachdenken und viele Verbesserungsvorschläge, also. Wir werden sie gründlich zu sichten und in ein Arbeitsprogramm zu gießen haben.
Ein Letztes noch: Die notwendige Aussprache unter Freunden bildete den Auftakt, der Höhepunkt aber war der Festakt mit der Rede von Helmut Weiss – nachzulesen auf www.sozonline.de – und den Chansons zum 140.Jahrestag der Pariser Kommune von Blandine Bonjour und Bernd Köhler. Das hat alle begeistert (siehe auch S.24). Und die gute Verpflegung hat die Familienfeier abgerundet. Diese Stimmung von «convivialité», was sich auf deutsch nur unvollständig mit dem Begriff «einladende Gastfreundschaft» übersetzen lässt, das sei in der Linken «eine Ausnahme», versicherte Bernd Köhler. Das soll unser Stilmerkmal werden.


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