Der Kaufhof wird verkauft


Quelle: SoZ – Sozialistische Zeitung
Website: https://www.sozonline.de
Artikel-Link: https://www.sozonline.de/2011/12/der-kaufhof-wird-verkauft/
Veröffentlichung: 30. Dezember 2011
Ressorts: Handel/Banken

Und was tun die Beschäftigten?

Während die Konzerne um den günstigsten Preis feilschen, verzichten Belegschaft und Gewerkschaft darauf, ihre eigenen Vorstellungen einzubringen.

Die Metro AG (Kaufhof, Real, Media Markt, Saturn, Cash & Carry u.a.) will den Kaufhof, der 1996 zum Entstehen der AG beigetragen hatte, verkaufen. Als Interessenten werden der Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen, die österreichische Investorengruppe Signa (hinter der der griechische Reeder und Milliardär George Economou steht), die spanische Warenhausgruppe Corte Ingles und, zuguterletzt, der ehemalige Kaufhof/Metro/ Karstadt-Manager Urban genannt. Hinter der Offerte von Urban soll ein Konsortium von Unternehmern und Banken stecken.

Seit nunmehr drei Jahren werden die Beschäftigten mit Verkaufsabsichten der Metro konfrontiert, ohne dass sich bis jetzt an den Besitzverhältnissen etwas geändert hätte. Die Metro – dahinter steht mehrheitlich die alte Unternehmerdynastie Haniel – hofft, durch den Verkauf des Kaufhof einen Erlös von 2,5–3 Mrd. Euro erzielen zu können. Eine stolze Summe für ein Unternehmen, das einen Umsatz von jährlich lediglich 3,6 Mrd. Euro und eine Umsatzrendite von 3,5% erzielt.

Erstaunlich ist, dass es jetzt mehrere Interessenten gibt, die bereit und in der Lage sind, die von der Metro geforderte Summe zu bezahlen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass diese Interessenten durchaus unterschiedliche Vorstellungen haben. Corte Ingles z.B. möchte erst einmal nur eine Mehrheit am Kaufhof erwerben, während die anderen offensichtlich eine Komplettübernahme anstreben. Komplettübernahme bedeutet nach den Vorstellungen der Metro den Geschäftsbetrieb plus Immobilien, die sicherlich einen bedeutenden Teil des Werts ausmachen.

Für die Beschäftigten kann der Verkauf sehr nachteilige Folgen haben. Würde z.B. Berggruen den Zuschlag erhalten und Kaufhof mit Karstadt fusioniert, würde sicherlich eine Hauptverwaltung geschlossen, die Warenlager von Kaufhof stünden zur Disposition. Karstadt betreibt seine gesamte Logistik über DHL. Wenn dieser Fall einträte, wären allein in Köln, Sitz der Hauptverwaltung und zweier großer Zentrallager, ca. 2500 Arbeitsplätze unmittelbar bedroht. Darüber hinaus würde sicherlich manche Filiale der beiden Unternehmen zur Disposition gestellt. Diese Lösung wäre aus Sicht der Beschäftigten diejenige mit den größten Risiken.

Eigentlich ist es an der Zeit, dass sich die Interessenvertreter der Beschäftigten und ihre Gewerkschaft Ver.di massiv zu Wort melden. Davon ist leider nichts zu hören oder zu lesen. Offensichtlich herrscht dort die Meinung vor, das man eh am Verkauf nichts machen kann und die entscheidenden Auseinandersetzungen danach stattfinden.

Wenn das mal kein Trugschluss ist. Es ist doch nicht einzusehen, dass die Beschäftigten nicht einmal gefragt werden, wenn es um ihre Zukunft geht. Zumindest müssen ihre Interessen am Erhalt der Arbeitsplätze, an der Anerkennung der Tarifverträge und anderer bestehender Regelungen eine Rolle spielen. Besser noch wäre es, wenn die Beschäftigten und ihre Gewerkschaft sich in die Diskussion um die Zukunft der Warenhäuser einbringen würden. Von ehemals vier Warenhausgruppen gibt es nur noch zwei, und wenn die Kapitalvertreter alleine bestimmen, läuft alles auf die häufig propagierte deutsche Warenhaus AG hinaus. Mit allen Folgen für Ver.di, die Beschäftigten, die Kundinnen und Kunden. Es kann doch nicht nur das Interesse der Metro AG an einem möglichst hohen Preis für den Kaufhof ausschlaggebend sein. Die Beschäftigten verharren in der Zuschauerrolle, wo es um ihre Zukunft geht.

Aber vielleicht bleibt doch alles so, wie es ist, und die Metro behält den Kaufhof, weil keiner der Interessenten ihr seriös genug ist und sie lieber selber den Kaufhof weiter auspressen will. Immerhin ist der Kaufhof in den letzten zwei Jahren die profitabelste Tochter im Konzern. Dabei sind die Mieteinnahmen der im Metro-Besitz befindlichen 50 Kaufhoffilialen noch nicht einmal berücksichtigt.

Korrespondent Düsseldorf